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Freitag, 24. Oktober 2025

Johannes Evangelium 3,1-12

 


Das Buch der Zeichen - Jesus und Nikodemus

Nikodemus war ein strenggläubiger Jude, ein renommierter Gesetzeslehrer, dem sein Ruf vorauseilte, und ein reiches Mitglied des Hohen Rates. Also so etwas, wie ein Mitglied des Bundestages und des Bundesverfassungsgerichtes und noch dazu ein Kirchenoberhaupt; alles in einem. Der war so umgetrieben von Jesus, dass er mehr wissen wollte, über ihn. Aber aus Sorge davor, dass seine nicht gerade Jesus-freundlichen Kollegen etwas davon mitbekommen, besucht er Jesus bei Nacht und Nebel. 

Auch war es ihm wohl peinlich, dass er - als „Lehrer Israels“ - noch Fragen hatte. Und doch sieht man die Ernsthaftigkeit seiner Suche nach Wahrheit. Er hat wohl schon eine Ahnung davon, dass Jesus mehr sein könnte, als nur ein Prophet; aber er will sich diesbezüglich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Was er sicher weiß ist, dass Jesus zumindest ein von Gott geschickter Lehrer ist; das zeigen klar die Wunder, die er tut. Und so spricht er ihn auch an: als Rabbi.

Jesus aber hält sich nicht mit höflichem Geplänkel auf; er kommt gleich zur Sache. Er weiß, warum Nikodemus da ist: es geht um ihn, den Messias, den Retter. Und so fokussiert er Nikodemus auf eine einzige Tatsache: um ein Teil von Gottes Reich zu werden, das unsere sichtbare Welt durchdringt und doch, wie hinter einem Schleier, hinter ihr verborgen liegt, braucht es ein neues geistliches Leben. Weil wir seit dem Sündenfall im Paradies alle spirituell tot sind. Es braucht eine Geburt von oben; eine Geburt von Gott; eine neue Geburt.

Als Nikodemus das mit der neuen Geburt hört, missversteht er Jesus komplett: es sei absurd, zu glauben ein Erwachsener könnte in den Mutterleib zurückkehren, um noch einmal geboren zu werden, sagt er. Aber Jesus macht ihm klar, dass es darum nicht geht. Auch nicht um Karma oder gar um Seelenwanderung. Es geht darum, dass Gott von oben her etwas tun muss: Wer in Gottes Reich hineinkommen will, braucht eine neue Natur, …

… ein neues inneres geistliches Leben; nicht nur ein verbessertes irdisches Leben. Der braucht eine Erneuerung seines Herzens; eine Reinigung - wie mit Wasser - von seinem alten Wesen. Der braucht eine neue Sehnsucht nach Heiligkeit, eine neue Begeisterung dafür, Gottes Willen zu tun, statt ständig nur die eigenen Wünsche befriedigen zu wollen. Der braucht eine ganz neue Liebe zu Gott und seinen Nächsten. Diese komplette innere Neuschöpfung kann aber nur einer bewerkstelligen: der Heilige Geist selbst.

Und um den Sack zuzumachen, setzt Jesus noch einen obendrauf und zeigt, dass dies neue Leben nie von Menschen ‚produziert‘ werden kann: Menschen sind irdisch und können nur irdisches Leben produzieren. Gott allein ist himmlisch und nur er kann dieses neue Leben ‚von oben’ schenken. Nur Gottes Geist ist geistlich und nur er kann neues geistliches Leben schenken. Darum soll Nikodemus sich nicht wundern, dass das neue Leben von oben kommen muss. Doch wie genau das funktioniert, bleibt ein Mysterium; genau so unvorhersehbar, wie Ursprung und Ziel eines Windhauchs. 

Jetzt ist Nikodemus platt und fragt, wie das denn bitteschön funktionieren soll? Und genau für diese Frage fängt er sich von Jesus einen Rüffel ein: Er ist Israels Top-Theologe und kann diese einfache Frage nicht beantworten? Er hätte es in der Tat wissen müssen, denn was Jesus gerade erklärt hat, war seit hunderten von Jahren bekannt (siehe Hesekiel 37,9-14). 

Noch einmal richtet Jesus Nikodemus’ volle Aufmerksamkeit auf folgendes: er, Jesus, weiß Bescheid. Er ist vom Himmel. Er kennt sich aus. Er sieht die unsichtbare Welt so klar, wie wir die sichtbare. Darum müssen wir zuhören, was er zu sagen hat. Denn wenn wir schon das irdische nicht annehmen, was er uns zu sagen hat (nämlich, wie wir hier auf der Erde zum Glauben kommen und gerettet werden können), wie sollen wir dann die noch höheren Dinge annehmen, die er uns über den Himmel zu sagen hat?

O-Ton: Einer von den Pharisäern war Nikodemus, ein Mitglied des jüdischen Rates. Eines Nachts kam er zu Jesus und sagte zu ihm: »Rabbi, wir wissen, dass Gott dich gesandt und dich als Lehrer bestätigt hat. Nur mit Gottes Hilfe kann jemand solche Wunder vollbringen, wie du sie tust.« 

Jesus antwortete: »Amen, ich versichere dir: Nur wer von oben her geboren wird, kann Gottes neue Welt zu sehen bekommen.« »Wie kann ein Mensch geboren werden, der schon ein Greis ist?«, fragte Nikodemus. »Er kann doch nicht noch einmal in den Mutterschoß zurückkehren und ein zweites Mal auf die Welt kommen!« Jesus sagte: »Amen, ich versichere dir: Nur wer von Wasser und Geist geboren wird, kann in Gottes neue Welt hineinkommen. 

Was Menschen zur Welt bringen, ist und bleibt von menschlicher Art. Von geistlicher Art kann nur sein, was vom Geist Gottes geboren wird. Wundere dich also nicht, dass ich zu dir sagte: 'Ihr müsst alle von oben her geboren werden.' Der Wind weht, wo es ihm gefällt. Du hörst ihn nur rauschen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So geheimnisvoll ist es auch, wenn ein Mensch vom Geist geboren wird.« 


»Wie ist so etwas möglich?«, fragte Nikodemus. Jesus antwortete: »Du bist ein anerkannter Lehrer Israels und weißt das nicht? Amen, ich versichere dir: Wir sprechen über Dinge, die wir kennen, und bezeugen das, was wir gesehen haben. Aber keiner von euch ist bereit, auf unsere Aussage zu hören. Wenn ich zu euch über die irdischen Dinge rede und ihr mir nicht glaubt, wie werdet ihr mir dann glauben, wenn ich über die himmlischen Dinge mit euch rede?« (Joh 3,1–12)

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,23-25

 


Das Buch der Zeichen - Jesus kennt die Menschen

Auf dem Passafest in Jerusalem tat Jesus noch mehr Wunder. Dass wir in Johannes’ Evangelium nicht von allen etwas lesen, liegt daran, dass Johannes sich ein wenig die Rosinen aus dem Kuchen gepickt hat: Dass Jesus viel mehr Wunder getan hat, als er für uns aufgeschrieben hat, gibt er auch ganz offen und ehrlich zu; und zwar am Ende seines Evangeliums. 

Von den Wundern waren viele Besucher des Festes schwer beeindruckt. Dieser „Glaube“ der Leute war aber kein echter Glaube, sondern eine Art oberflächliche Begeisterung, weil sie die übernatürlichen Dinge gesehen hatten, zu denen Jesus fähig war. 

Sie waren sicher davon überzeugt, dass Jesus ein ganz Großer war, aber hatten noch nichts davon verstanden, dass es im Glauben nicht allein ums Staunen geht, sondern um echtes Vertrauen – darum, Jesus sein Herz zu öffnen; ja ihm sein Herz zu schenken; ihm zu vertrauen; ihn im eigenen Leben regieren zu lassen. Und weil Jesus weiß, dass sie nicht wirklich an ihn glauben, dass sie ihm nicht von Herzen vertrauen, vertraut er sich ihnen auch nicht an.

Um zu verstehen, wie wir Menschen im Innersten ticken, braucht Jesus keinen Nachhilfeunterricht; im Gegenteil. Wir sind ja seine Geschöpfe. Und er ist der, der hinter all‘ unsere Fassaden blickt: der allwissende Gott. Erkennt unsere Herzen durch und durch; selbst unsere tiefsten Abgründe. Er weiß, ob wir ihn lieben oder nicht. Ihm können wir nichts vormachen.

O-Ton: Während sich Jesus am Passafest in Jerusalem aufhielt, kamen viele zum Glauben an ihn, weil sie die Wunder sahen, die er vollbrachte. Aber Jesus traute ihnen nicht und hielt sich ihnen gegenüber zurück, weil er sie alle durchschaute. Über die Menschen brauchte ihm niemand etwas zu sagen, denn er kannte das menschliche Herz bis auf den Grund. (Joh 2,23–25)

Dienstag, 21. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,13-22

 


Das Buch der Zeichen - Jesus im Tempel

Zum Passafest war in Jerusalem immer die Hölle los. Juden aus allen Regionen kamen hier einmal im Jahr zusammen, um das größte Fest von allen zu feiern: die Erinnerung daran, wie Gott ihr Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte. Im Zentrum der Feierlichkeiten stand dabei der Jerusalemer Tempel: hier wurde gedankt und gebetet, hier wurden Opfer gebracht. Die meisten Pilger hatten eine weite Anreise. 

So hatte es sich eingeschlichen, dass die meisten ihre Opfertiere nicht mehr selber mitbrachten, sondern diese direkt vor Ort kauften. Und um sicher zu gehen, dass die Tiere genau den Vorschriften der Tora entsprachen, kaufte man geprüfte Tiere direkt beim Tempel. Um dort eine Taube, ein Schaf oder ein Rind kaufen zu können, musste man sein regionales Geld aber erst mal in den zentralen Tempelgroschen umtauschen. Man kann sich vorstellen, was für ein Gedränge damals geherrscht haben muss; aus dem Dankfest für die Befreiung war ein Geschäft geworden.

Und das ging Jesus unfassbar auf den Zeiger. Er ist ja fast nie ausgeflippt. Vor allem nicht, wenn er selbst beleidigt oder sogar gefoltert wurde. Aber wenn es um die Ehre Gottes, seines Vaters ging, gab es für ihn kein Halten. Er war sowas von stocksauer! Weil man — TV preachers: listen! — aus der Wohnung Seines Vaters, dem dem Ort, an dem Gott und Mensch sich begegnen sollten, einen Ort gemacht hatte, an dem es nur noch ums Geld ging. 

Jesus war darüber so sauer, dass er den Leuten nicht nur sagte, sie sollten sich verziehen und aus Gottes Haus keinen Basar machen, sondern in einem Wisch auch noch die Tische umschmiss, das Geld auf den Boden fegte und die ganze Bagage mit einem Treibriemen wie Hühner aus dem Tempel scheuchte. Als seine Jünger das mitkriegen, mussten sie daran denken, dass die Propheten über ihn geschrieben hatten: „Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch auffressen; wie ein Feuer!“ 

Die obersten Geistlichen seiner Zeit hätten es als fleißige Studenten der Tora eigentlich wissen müssen, dass Jesus im Recht war; dass der Tempel ein heiliger Ort war. Aber ihre Gier nach Macht und ihr Hochmut vernebelten ihnen den Blick. Statt nur danach zu fragen, woher er (Gott!) das Recht habe, das zu tun, forderten sie (bloße Menschen) auch gleich noch ein Wunder ein. Auf diese verstockte Arroganz reagiert Jesus mit einer für sie kryptischen Prophetie: Sie sollten doch den Tempel einreißen, und er würde ihn in drei Tagen wieder aufbauen.

Die Pharisäer bezogen das natürlich auf den Tempel, den sie sehen konnten. Und den zu bauen, hatte 46 Jahre gedauert. Daher sagen Sie ihm, diesen Tempel in nur drei Tagen wieder aufzubauen sei ein Ding der Unmöglichkeit. Jesus sprach aber gar nicht vom Jerusalemer Tempel, sondern im übertragenen Sinn vom Tempel seines Leibes: vom Wohnort des Heiligen Geistes. Erst als er nach drei Tagen von den Toten auferstanden war, kapierten seine Jünger, was was Jesus mit seiner kryptischen Prophezeiung eigentlich gemeint hatte und glaubten seinen Worten; Gottes Worten. 

O-Ton: „Als das Passafest näher kam, ging Jesus hinauf nach Jerusalem. Im Vorhof des Tempels sah er die Händler, die dort Rinder, Schafe und Tauben verkauften; auch die Geldwechsler saßen dort an ihren Tischen.

Da machte er sich aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle aus dem Tempelbezirk, mitsamt ihren Rindern und Schafen. Er fegte das Geld der Wechsler zu Boden und warf ihre Tische um. Den Taubenverkäufern befahl er: »Schafft das hier weg! Macht aus dem Haus meines Vaters keine Markthalle!« Seinen Jüngern kam das Wort aus den Heiligen Schriften in den Sinn: »Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch umbringen.« 

Die führenden Männer fragten ihn: »Woran können wir erkennen, dass du so etwas tun darfst? Gib uns ein Wunderzeichen als Beweis!« Jesus antwortete ihnen: »Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen!« 

Sie hielten ihm entgegen: »Für den Bau dieses Tempels wurden sechsundvierzig Jahre gebraucht! Und du willst ihn in drei Tagen wieder aufbauen?« Mit dem Tempel meinte Jesus aber seinen Leib. Als er vom Tod auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger an dieses Wort. Da glaubten sie den Heiligen Schriften und dem, was Jesus damals gesagt hatte.“ (Joh 2,13–22)

Montag, 20. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,1–12



Das Buch der Zeichen - Das 1. Zeichen - Die Hochzeit in Kana

Drei Tage nach dem Start von Jesus‘ Tour gab es in Kana in Galiläa eine Hochzeit. Sowohl seine Mutter Maria, als auch Jesus und seine Schüler waren eingeladen. Wahrscheinlich waren die Familie Jesu und die Familie des Hochzeitspaares verwandt oder befreundet: Maria hatte eine wichtige organisatorische Rolle bei der Hochzeit und wird daher noch vor Jesus genannt. Jesus war zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt, denn er war ja erst vor einer Woche von Johannes dem Täufer als Messias identifiziert worden. Er war einfach als Freund eingeladen.

Während der Hochzeitsfeier passierte dann etwas Peinliches: auf einmal war der Wein alle! Maria, für die Organisation zuständig, suchte sofort nach einer Lösung und fragt sofort Jesus. Ab hier überlagern sich dann die Bild-Ebenen im Text; ganz typisch für die Komplexität und Tiefe bei Johannes: Zum einen redet Jesus Maria nicht als Mutter an, sondern als „Frau“ und macht so klar, dass er nicht mehr als ihr Sohn, sondern als Messias unterwegs ist. Auch sagt er ihr, dass seine Aufgaben als Messias seine Sache sind - und mit dem Hinweis auf seinen Todeszeitpunkt, dass diese einem klaren Plan folgen.

Und dann tut Jesus etwas, was für ihn sehr typisch ist: er gibt den Leuten Anweisungen, die vordergründig absolut unsinnig erscheinen: Wasserkrüge mit Wasser füllen, obwohl der Wein alle ist. Aber — und das ist ein ganz wichtiger Punkt — die Leute vertrauen ihm und tun, was er sagt. Direkt danach erleben sie, dass das, was erst als völlig unsinnig erschien, auf einmal total Sinn macht: Jesus hatte das Wasser in Wein verwandelt. Natürlich ist schon allein das ein Zeichen dafür, dass er der von den Propheten angekündigte Messias ist, der Sohn Gottes. 

Aber in der Verwandlung von Wasser in Wein steckt noch mehr: das Wasser war in Gefäße gefüllt, die zur Reinigung nach dem rituellen Gesetz des Moses dienten. Und Jesus füllt diese Gefäße mit Wein, der überall im Alten Testament ein Symbol der Freude und im Neuen Testament ein Zeichen der Erlösung ist. Mit diesem Wunder zeigt er also auch, dass er derjenige ist, mit dem die Zeit des rituellen Gesetzes des Alten Testaments zu ihrem Ende kommt und von der Zeit der Gnade, des Evangeliums und der Freude des Neuen Testaments abgelöst wird.

Der Wein, zu dem Jesus das Wasser gemacht hatte, war übrigens so außerordentlich gut, dass der Caterer ganz aus dem Häuschen war. Denn nach seiner Erfahrung schenkten die meisten Hochzeitspaare, einfach um Geld zu sparen, erst mal den guten Wein aus und dann, wenn die Leute schon einen im Tee hatten, den nicht mehr ganz so guten. Aber 600 Liter (!) von einem solchen Top-Tropfen zu so fortgeschrittener Stunde, das hatte er noch nicht erlebt.

Mit diesem Wunder offenbarte Jesus, dass in ihm das neue Zeitalter der göttlichen Gnade begonnen hatte und was für ein herrlicher Gott er ist: bei ihm gibt es nicht nur das Beste, sondern das auch noch in rauen Mengen. Seine Schüler waren von dem, was sie erlebt hatten, so beeindruckt, dass sie anfingen, an ihn zu glauben. Nachdem die Hochzeit vorbei war, ging Jesus mit seiner Mutter und seinen Brüdern (sein Adoptivvater Josef war wahrscheinlich schon gestorben) und mit seinen Schülern nach Karfanaum; etwa einen Tagesmarsch entfernt.

O-Ton: Am dritten Tag wurde in Kana in Galiläa eine Hochzeit gefeiert. Die Mutter von Jesus war dabei, und auch Jesus war mit seinen Jüngern dazu eingeladen. Als der Weinvorrat zu Ende war, sagte seine Mutter zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!« Jesus erwiderte ihr: »Frau, das ist meine Sache, nicht deine! Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Da wandte sich seine Mutter an die Diener und sagte: »Tut alles, was er euch befiehlt!«

Im Haus standen sechs Wasserkrüge aus Stein, von denen jeder etwa hundert Liter fasste. Man brauchte sie wegen der Reinigung, die das Gesetz vorschreibt. Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt diese Krüge mit Wasser!« Sie füllten sie bis an den Rand. Dann befahl er ihnen: »Jetzt nehmt eine Probe davon und bringt sie dem Mann, der für das Festessen verantwortlich ist.« Sie brachten ihm eine Probe, und er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war.

Er wusste nicht, woher dieser Wein kam; nur die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Er rief den Bräutigam zu sich und sagte: »Jeder bringt doch zuerst den guten Wein auf den Tisch, und wenn die Gäste schon reichlich getrunken haben, folgt der schlechtere. Aber du hast den guten Wein bis zuletzt aufgehoben!«

So vollbrachte Jesus in Kana in Galiläa sein erstes Wunderzeichen und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger kamen zum Glauben an ihn. Danach ging er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum hinunter und blieb einige Tage dort. (Joh 2,1–12)

Freitag, 17. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,43–51


Das Buch der Zeichen - Die ersten Jünger - Philippus und Nathanaël

Am Tag darauf wollte Jesus los und den Jordan überqueren. Er wollte von der östlichen Nordseite des Sees Genezareth, wo er Andreas und Petrus getroffen hatte, auf die Westseite kommen, um in der Provinz Galiläa an die Öffentlichkeit zu gehen. Genau in dieser Gegend trifft er Philippus, der aus Betsaida kam. Und er lädt ihn ein, mit ihm zu kommen; nicht nur nach Galiläa, sondern ihm sein ganzes Leben anzuvertrauen. 

Die Begegnung mit Jesus war offenbar so intensiv, dass Philippus danach - mit der gleichen Begeisterung wie am Tag davor Andreas - zu Natanaël rennt und mit der guten Nachricht heraus platzt. Der, den alle äußerlich nur für Jesus aus Nazareth, den Sohn des Zimmermanns, gehalten haben, ist in Wirklichkeit auch der Mensch gewordene Gott. Er ist der Messias, dessen Kommen schon Moses und die Propheten im Alten Testament vorausgesagt hatten. Er ist der, auf das ganze Volk so voller Sehnsucht gewartet hatte.

Natanaël allerdings war anfangs gar nicht so begeistert. Als Skeptiker fand er die Idee, das aus dem unbedeutenden und „von Heiden umgebenen“ Nazaret etwas Gutes kommen sollte, ziemlich dubios. Zumal auch der Messias aus Bethlehem erwartet wurde. Aber Jesus holt ihn ab. Er weiß, dass Nathanael ein geradliniger und aufrichtiger Mann ist und sagt ihm, dass er das zu schätzen weiß. 

Jetzt ist Natanaël allerdings verblüfft: Woher um Himmels willen kennt ihn dieser Jesus? Als Jesus ihm erklärt, dass er ihn schon kannte, bevor Philippus ihn rief, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen: Wer mich auf übernatürliche Weise so durch und durch kennt, der kann nicht nur ein Lehrer sein; nicht nur ein Rabbi, sondern Jesus ist tatsächlich Gottes Sohn und damit der rechtmäßige Herrscher über Israel.

Jesus nimmt diese Begeisterung auf. Er dämpft sie nicht nur nicht, sondern setzt noch einen oben drauf. Mit einem Bild aus dem alten Testament machte er Natanaël klar, was heute schon Realität ist und was wir eines Tages in seiner Vollendung sehen werden: 

Er selbst, Jesus, ist die Himmelsleiter, die Jakob damals im Traum sah. Mit dem Bild der Engel sagt er Nathanaël und den anderen: Im Laufe meines Dienstes werdet ihr noch erkennen, dass in mir der Himmel offen steht und Gott durch mich wirkt.

O-Ton: Am Tag darauf wollte Jesus nach Galiläa aufbrechen. Er traf Philippus und forderte ihn auf: »Komm, folge mir!« Philippus stammte wie Andreas und Petrus aus Betsaida.

Philippus wiederum traf Natanaël und sagte zu ihm: »Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz geschrieben hat und den die Propheten angekündigt haben. Es ist Jesus aus Nazaret, der Sohn Josefs.«

 »Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?«, fragte Natanaël. Philippus antwortete: »Komm mit und überzeuge dich selbst!« Als Jesus Natanaël kommen sah, sagte er: »Da kommt ein wahrer Israelit, ein Mann ohne Falschheit.« Natanaël fragte ihn: »Woher kennst du mich?« Jesus antwortete: »Bevor Philippus dich rief, habe ich dich unter dem Feigenbaum gesehen.« Da sagte Natanaël: »Rabbi, du bist der Sohn Gottes! Du bist der König von Israel!« 

Jesus sagte: »Glaubst du das jetzt, weil ich dir sagte, dass ich dich unter dem Feigenbaum sah? Du wirst noch viel größere Dinge erleben.« Und er fuhr fort: »Amen, ich versichere euch: Ihr werdet den Himmel offen sehen und erleben, wie die Engel Gottes zum Menschensohn herab- und von ihm zum Himmel hinaufsteigen!« (Joh 1,43–51)

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,35-42



Das Buch der Zeichen - Die ersten Jünger - Andreas und Petrus


Gedanken: Ich finde, dass die heutige Stelle eine der schönsten Stellen ist, wenn man wissen will, wie man die gute Nachricht von Jesus und Gottes Gnade weitergeben soll: nicht die Leute mit Bibelversen totschlagen, sondern einfach mit seinen Worten und Taten auf Jesus hinweisen und sagen: „Der da ist der Retter der Welt!“ So hat Johannes es am dritten hier aufgezeichneten Tag auch gemacht und schon hatte Jesus zwei Nachfolger mehr.

Die beiden ehemaligen Johannes-Schüler waren übrigens Andreas und Johannes, die Brüder von Simon (Petrus) und Jakobus. Sobald Jesus merkte, dass ihm jemand auf den Fersen war, drehte er sich um und fragte sie, warum. 

Daraufhin sagten sie, sie würden gerne wissen, wo er wohne. Das war ein höflicher Hinweis, dass sie (sie hielten ihn erst mal nur für einen spirituellen Lehrer) gerne mit ihm alleine unter vier Augen sprechen wollten. Jesus fand das gut und nahm sie mit und so hatten sie den Rest des Nachmittags und des Abends sicher sehr tiefgehende Gespräche.
 
Und so zog die gute Nachricht erste Kreise: Andreas war nach dem langen Gespräch mit Jesus offensichtlich so begeistert, dass er es gleich seinem Bruder Simon erzählte: dass in Jesus tatsächlich Gott selbst auf diese Welt gekommen war; unser Retter; der uns Menschen so sehr liebt, dass er bereit war, für unsere Schuld zu sterben.

Und weil ihm das Erzählen offenbar nicht genug war, schleppte Andreas seinen Bruder gleich mit zu Jesus. Als Jesus ihn unter die Lupe nahm, wusste er sofort, wer Simon war. Auch, welche Rolle er - auch mit seinem Zeugnis - noch in der Kirchengeschichte spielen würde, und verpasste ihm den Spitznamen „Fels“ (aram. Κηφᾶς Kephas, gr. Πέτρος Petros).

O-Ton: Am nächsten Tag stand Johannes an derselben Stelle, und zwei von seinen Jüngern waren bei ihm. Als er Jesus vorbeigehen sah, sagte er: »Seht dort das Opferlamm Gottes.« Die beiden hörten es und gingen Jesus nach. 

Jesus drehte sich um, sah, dass sie ihm folgten, und fragte: »Was sucht ihr?« Sie antworteten: »Wo wohnst du, Rabbi?« – Rabbi bedeutet Lehrer. »Kommt, dann werdet ihr es sehen!«, antwortete er. Sie gingen mit ihm, sahen, wo er wohnte, und verbrachten den Rest des Tages mit ihm. Es war ungefähr vier Uhr nachmittags. 

Der eine von den beiden, die Johannes reden gehört hatten und Jesus gefolgt waren, war Andreas, der Bruder von Simon Petrus. Als er bald darauf seinen Bruder Simon traf, sagte er zu ihm: »Wir haben den Messias gefunden, den versprochenen Retter.« 

Dann brachte er ihn zu Jesus. Jesus sah ihn an und sagte: »Du bist Simon, der Sohn von Johannes. Du wirst einmal Kephas genannt werden.« Kephas ist das hebräische Wort für Petrus (Fels). 
(Joh 1,35-42)

Dienstag, 14. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,29-34

 


Das Buch der Zeichen - Die Zeugenaussage des Täufers - über das Gotteslamm


Gedanken: Einen Tag nach der Befragung sieht der Täufer, wie Jesus auf ihn zugeht und proklamiert, was ihm auf übernatürliche Weise gezeigt worden ist: dass dieser Jesus - oberflächlich nur der Sohn eines einfachen Zimmermanns - das ‚Lamm Gottes‘ ist; also der, der die Sünde der ganzen Welt wegträgt; der, dessen Opfer für die Bezahlung und Löschung von all unserer Schuld reicht.

Und dann erklärt Johannes der Täufer, dass es genau das war, worauf uns schon der Apostel Johannes im Prolog seines Evangeliums hingewiesen hatte: Eben, dass Jesus nicht nur der Sohn eines Zimmermanns war – ein Mensch, wie du und ich – sondern eben auch der, der unendlich weit über uns steht: der ewige Gott, der schon da war, bevor Johannes der Täufer auch nur geboren wurde.

Natürlich kannten sich Johannes und Jesus, zumindest als Menschen. Denn schließlich waren die beiden Cousins. Dass Jesus aber auch der Messias war, der Mensch gewordene Gott, unser Erlöser, das war Johannes, bevor Gottes ihm zeigte, noch nicht klar. 

Nachdem er es aber offenbart bekommen hatte, fing er damit an, seine Mitbürger zu taufen. Diese Taufe war ein Symbol der Umkehr. Johannes wollte das ganze Volk darauf vorbereiten, die wahre Identität von Jesus zu erkennen.

Dass Jesus der Messias ist, der Sohn des allmächtigen Gottes, das hatte Gott dem Täufer klar gemacht, indem er ihm - noch bevor es passierte - zeigte, woran er ihn erkennen würde: daran, dass der Geist des Dreieinen auf ihn herab kommen und bei ihm bleiben würde. Und als Johannes es dann exakt so passieren sah, wusste er es ohne jeden Zweifel und konnte es vor der ganzen Welt bezeugen.

O-Ton: „Als Johannes am nächsten Tag Jesus auf sich zukommen sah, sagte er: »Seht dort das Opferlamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt. 

Von ihm habe ich gesprochen, als ich sagte: 'Nach mir kommt einer, der über mir steht; denn bevor ich geboren wurde, war er schon da.' 

Auch ich kannte ihn vorher nicht. Aber eben deshalb bin ich gekommen und habe mit Wasser getauft, damit er in Israel bekannt wird.« 

Johannes machte dazu folgende Zeugenaussage: »Ich sah, dass der Geist Gottes wie eine Taube vom Himmel auf ihn kam und bei ihm blieb. Vorher wusste ich nicht, dass er es war. 

Aber Gott, der mir den Auftrag gab, mit Wasser zu taufen, hatte zu mir gesagt: 'Wenn du einen siehst, auf den sich der Geist niederlässt und bei dem er bleibt, dann weißt du: Das ist der, der mit dem Heiligen Geist tauft.' Das habe ich gesehen«, sagte Johannes, »und ich verbürge mich dafür, dass dieser der Sohn Gottes ist.«“ (Joh 1,29–34)

Montag, 13. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,19-28

 


Das Buch der Zeichen - Die Zeugenaussage des Täufers - über sich selbst

Gedanken: Leute aus dem religiösen Establishment Jerusalems - Mitglieder oder Abgesandte des Hohen Rates, des Sanhedrin, also Sadduzäer und vor allem Pharisäer - schickten jüdische Geistliche und Lehrer des mosaischen Gesetzes los, um höchstamtlich untersuchen zu lassen, ob Johannes möglicherweise der Messias oder zumindest ein angekündigter Prophet sein könnte. Johannes aber bezeugte die Wahrheit und stritt nicht ab, dass er nicht der Messias wäre.

Zur damaligen Zeit erwartete das Volk Israel aufgrund einer Prophezeiung im Propheten Maleachi (Kapitel 4, Vers 9), dass der Prophet Elia als Vorläufer des Messias auftreten würde - oder zumindest laut Moses ein anderer Prophet. Nachdem Johannes klargemacht hatte, dass er selbst nicht der Messias ist, war es nur klar, was er als Nächstes gefragt werden würde: ob er zumindest Elia sei, oder “der Prophet“. Aber auch hier kriegen Sie von Johannes nur ein klares und knappes “Nein.“ als Antwort.

Nun machen die Fragesteller Druck. Sie sind schließlich mit einem Auftrag los geschickt worden und wollen nicht mit leeren Händen zurückkommen. Man kann die aufgeheizte Situation beinah greifen. Und zum ersten Mal geben Sie die Antworten nicht vor, sondern stellen eine offene Frage. Und Johannes beantwortet sie, indem er den Propheten Jesaja (aus Kapitel 40, Vers 3) zitiert und dann auf sich bezieht; er ist ganz einfach: „der Wegbereiter“ des Messias.

Unter den Fragern waren auch Pharisäer, und die wollten nun mit Nachdruck wissen, mit welcher Berechtigung Johannes dann das jüdische Volk taufte, die doch bereits gläubige Juden waren? Normalerweise taufte man nur, um gläubige Nicht-Juden (Proselyten) ins jüdische Volk aufzunehmen. Und „Wegbereiter des Messias“ war den Pharisäern wohl noch nicht genug.

Johannes antwortet ihnen, er taufe nur mit Wasser – als Symbol zum Abwaschen der Sünden. Das eigentliche Drama aber sei, dass sich mitten unter ihnen bereits der Messias befinde, sie ihn aber nicht erkannt hätten: er, der, weil er der ewige Gott in menschlicher Gestalt ist, so heilig ist, dass Johannes sich nicht einmal würdig fühlte, ihm die Sandalen von den Füßen zu schnallen. All das passierte am Ostufer des Jordan ca. 9 km nördlich des Toten Meeres; in der Nähe von Bethanien.

O-Ton: „Die führenden Männer aus Jerusalem schickten Priester und Leviten zu Johannes. Die sollten ihn fragen: »Wer bist du?« Da machte Johannes seine Zeugenaussage; er wich der Antwort nicht aus, sondern bezeugte mit aller Deutlichkeit: »Ich bin nicht der versprochene Retter.«

 »Wer bist du dann?«, fragten sie ihn. »Bist du Elija?« »Nein, der bin ich auch nicht.« »Bist du der erwartete Prophet?« »Nein.« »Sag uns, wer du bist«, forderten sie. »Die Männer, die uns geschickt haben, verlangen eine Antwort von uns. Was sagst du selbst von dir?« Johannes antwortete: »Der Prophet Jesaja hat von mir gesprochen. Ich bin die Stimme, die in der Wüste ruft: 'Macht den Weg bereit, auf dem der Herr kommt!'« 

Unter den Abgesandten waren auch Pharisäer. Sie fragten Johannes: »Wenn du weder der versprochene Retter bist noch Elija und auch nicht der Prophet, warum taufst du dann die Leute?« 
Johannes antwortete: »Ich taufe nur mit Wasser. Aber mitten unter euch steht schon der, den ihr nicht kennt: er, der nach mir kommt. Ich bin nicht gut genug, ihm die Schuhe aufzubinden.« Das ereignete sich in Betanien auf der anderen Seite des Jordans, wo Johannes taufte.“ (Joh 1,19-28)

Freitag, 10. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,14-18


Jesus Christus - Gottes Wort von Ewigkeit her - Gnade und Wahrheit durch Christus (Joh 
 1,14-18)


Gedanken: Als Johannes lebte, gab es eine ganz bestimmte Sorte Irrlehrer, die falsche Glaubensinhalte unter das Volk mischten, und zwar die Doketisten. Der Doketismus (griechisch δοκεῖν dokein „scheinen“) ist eine Lehre, die behauptet, Jesus sei nur ein Gott und nicht auch ein Mensch gewesen; als „nur Gott“ habe er also nur zum Schein gelitten und sei auch nur zum Schein gestorben. 

Diesem Unsinn stellt Johannes, der ja drei Jahre mit Jesus gelebt hat und auch bei seiner Kreuzigung mit dabei war, seine Zeugenaussage gegenüber, nämlich dass Jesus ein echter Mensch aus Fleisch und Blut war.

Und doch hat er auch die Herrlichkeit Gottes an Christus mit eigenen Augen gesehen. Nicht nur indirekt, weil er alle Wunder mit erlebt hat, die Jesus getan hat, sondern auch direkt, als er mit Jesus, Petrus und Jakobus auf dem Berg der Verklärung war, wo er einen kurzen Blick auf die Herrlichkeit Jesu werfen konnte. Damit ist für Johannes unumstößlich klar: Jesus ist der Mensch gewordene, einzige Sohn Gottes.

Als ob er das eben Gesagte noch einmal ganz deutlich unterstreichen möchte, bringt der Apostel Johannes jetzt auch noch das Zeugnis von Johannes dem Täufer mit ins Spiel, der damals laut in die Welt hinaus gerufen hatte, dass Jesus als Gott klar über ihm als Mensch steht und als der ewige Gott auch schon längst vor ihm existiert hat.

Was Johannes mit Jesus erlebt hat, hat ihm klargemacht, dass Gott der Vater uns, in dem er Jesus auf die Erde schickte, aus seinem unermesslichen Reichtum mit grenzenloser Gnade überschüttet hat. 

Wenn schon das Gesetz beeindruckend war, das Gott dem Volk Israel durch Moses mit auf den Weg gegeben hatte, dann sind es die Güte und Treue, die uns in Jesus Christus begegnen, nur noch umso mehr. Johannes ist von Gottes Güte und Treue so beeindruckt, dass er gleich mehrmals darauf hinweist.

Und dann macht Johannes den Sack zu und beschließt seinen Epilog mit der unbestreitbaren Tatsache, dass keiner von uns Gott jemals gesehen hat, weil er sich all unseren Sinnen entzieht. Wenn wir überhaupt eine Aussage über Gott machen wollen, dann haben wir es nötig, dass Gott sich uns offenbart.

Und genau das ist geschehen: Jesus Christus, der einziggeborene Sohn Gottes, der schon vor aller Zeit im Himmel war und mit Gott die engste Gemeinschaft hatte, ist zu uns auf die Erde gekommen und hat uns mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen gezeigt, wer Gott wirklich ist: die Liebe; voller Gnade und Wahrheit.

O-Ton: Er, das Wort, wurde ein Mensch, ein wirklicher Mensch von Fleisch und Blut. Er lebte unter uns, und wir sahen seine Macht und Hoheit, die göttliche Hoheit, die ihm der Vater gegeben hat, ihm, seinem einzigen Sohn. Gottes ganze Güte und Treue ist uns in ihm begegnet. Johannes trat als Zeuge für ihn auf und rief: »Das ist der, von dem ich sagte: 'Nach mir kommt einer, der über mir steht; denn bevor ich geboren wurde, war er schon da.'« 

Aus seinem Reichtum hat er uns beschenkt, uns alle mit grenzenloser Güte überschüttet. Durch Mose gab Gott uns das Gesetz, in Jesus Christus aber ist uns seine Güte und Treue begegnet. Kein Mensch hat Gott jemals gesehen. Nur der Eine, der selbst Gott ist und mit dem Vater in engster Gemeinschaft steht, hat uns gesagt und gezeigt, wer Gott ist.

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,9-13

 


Jesus Christus - Gottes Wort von Ewigkeit her -  Die Inkarnation des Wortes


Gedanken: Hier, gegen Ende des Epilogs, wiederholt und bekräftigt Johannes die geistlichen Wahrheiten und Wortbilder, die er für Christus verwendet hat: Jesus selbst, das lebendige Wort Gottes, ist das vertrauenswürdige Licht, dass unsere Welt besucht hat und uns den Weg zu unserer ewigen Rettung erhellt.

Noch einmal bekräftigt Johannes die Ewigkeit Christi, der schon vor Anbeginn der Schöpfung existierte, der immer noch ist, und immer sein wird. Noch einmal bezeugt er, dass alles was existiert, durch ihn geschaffen wurde. Und doch schlägt ihm, dem Schöpfer aller Dinge, seitens der Menschen, seiner Schöpfung, nur Ignoranz entgegen. Er betrat mit dieser Welt sein Eigentum, doch wir, seine Geschöpfe, nahmen ihn nicht an.

Die wenigen aber, die ihn willkommen hießen und ihm Glauben schenkten, begnadete er mit dem Vorrecht, verwandelt und in den höchstmöglichen Stand empor gehoben zu werden; den royalen Stand von Kindern des Höchsten des Universums.

Dieses Vorrecht ist aus menschlicher Sicht unmöglich zu erlangen; weder durch Erbfolge, durch Zeugung oder durch schiere Willenskraft. Was wirklich erforderlich ist, ist ein Akt Gottes: dass Gott selbst in uns den Funken ewigen Lebens entfacht.

O-Ton: „Das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist und nun allen Menschen leuchtet, ist Er, der das Wort ist. 

Er, das Wort, war schon immer in der Welt, die Welt ist durch ihn geschaffen worden, und doch erkannte sie ihn nicht. Er kam in seine eigene Schöpfung, doch seine Geschöpfe, die Menschen, wiesen ihn ab. 

Aber allen, die ihn aufnahmen und ihm Glauben schenkten, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden. 

Das werden sie nicht durch natürliche Geburt oder menschliches Wollen und Machen, sondern weil Gott ihnen ein neues Leben gibt.“ (Joh 1,9-13)

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,6-8

 


Jesus Christus - Gottes Wort von Ewigkeit her -  Zeugnis des Täufers über das Licht (1,6–8)


Gedanken: Hier im Prolog, im Vorwort, fasst der Apostel Johannes nur kurz zusammen, wovon er später in seinem Evangelium noch im Detail berichten wird.

Als Gott ihm zeigte, dass die Zeit dazu reif war, verließ ein anderer Johannes, nämlich Johannes der Täufer, die Wüste, in der er seine Zeit mit Gott verbracht hatte und begann - nach Jahrhunderten des Schweigens Gottes – sein öffentliches Wirken in Israel.

Er sollte Jesus, „das Licht der Welt“, vor aller Augen als Zeuge identifizieren, damit alle nicht nur erkennen, dass er „das Opferlamm Gottes“ ist „das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt“ - der, der uns vor Gottes Zorn über unsere Schuld erretten kann - sondern auch wirklich an ihn glauben und tatsächlich gerettet werden.

Dem Apostel Johannes ist dabei sehr wichtig, zu betonen, dass Johannes der Täufer nicht selbst „das Licht“ - also der verheißene Erlöser - ist, sondern nur sein Zeuge.

O-Ton: Es trat einer auf, den Gott gesandt hatte; er hieß Johannes. Er sollte Zeuge sein für das Licht und alle darauf hinweisen, damit sie es erkennen und annehmen. Er selbst war nicht das Licht; er sollte nur auf das Licht hinweisen. (Joh 1,6–8 GNB)

Montag, 6. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,1–5


Prolog - Jesus Christus - Gottes Wort von Ewigkeit her - Logos vor aller Zeit


Gedanken: Schon mit den ersten Zeilen seines Evangeliums brennt Johannes ein wahres Feuerwerk an Erkenntnissen ab.

In dem Bild, dass er mit seinen Worten malt, nimmt er uns - wie in einem Echo des Schöpfungsberichts - mit an einen „Ort der Existenz“; vor den Beginn von Raum und Zeit. Wir blicken mit ihm in die Ewigkeit; direkt in den Thronsaal Gottes.

Und dort zeigt er uns Jesus, das Wort Gottes; den Sohn Gottes; die zweite Person der Gottheit - selbst Gott und dem Vater in allen Eigenschaften gleich - vor Seiner Menschwerdung und in enger persönlicher Vertrautheit mit dem Vater.

Alles, was wir kennen: das Universum, unsere Galaxie, unsere Sonne, die Erde, und alles Leben, - auch die unsichtbare Welt – wurde durch Christus, das Wort, geschaffen. Nichts, was ist, entstand an ihm vorbei. Er ist die Quelle und der Ursprung allen Lebens.

Und er ist das Licht der Welt: das Licht der Liebe; der Wahrheit; der Erkenntnis Gottes. Er hat uns in der nachtschwarzen Finsternis unserer sündenverdunkelten Welt besucht – und wir haben ihn nicht ergriffen.

O-Ton: „Am Anfang war das Wort. Das Wort war bei Gott, und in allem war es Gott gleich. Von Anfang an war es bei Gott. Alles wurde durch das Wort geschaffen; und ohne das Wort ist nichts entstanden. In ihm war das Leben, und dieses Leben war das Licht für die Menschen. Das Licht strahlt in der Dunkelheit, aber die Dunkelheit hat sich ihm verschlossen.“ (Joh 1,1-5)

Sonntag, 9. Januar 2022

Die Jahreslosung 2022 - Johannes 6,37


 [Predigt als MP3] | [Predigt als Video]


Einleitung

„Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.“ heißt es ja in einem deutschen Sprichwort. Was damit gemeint ist, ist, glaube ich, klar: Manchmal stehen wir so nah an den Ereignissen dran, dass uns das Wesentliche aus dem Blick gerät. Manchmal sind wir von dem, was in unserem Leben geschieht, so beeindruckt – so vereinnahmt, dass wir das, worum es eigentlich geht, gar nicht mehr mitkriegen. Wir „sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht“.

So ging es wohl auch der Volksmenge, zu der Jesus damals gesprochen hat, als er diesen wunderbaren Satz sagte, der heute unsere Jahreslosung ist. Sie sahen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder besser: sie sahen den Messias vor lauter Wundern nicht.

Um zu verstehen, warum ich das sage – also, dass das Volk damals den Messias vor lauter Wundern nicht erkannt hat – muss ich vielleicht ein wenig ausholen: Wenn man sich die Jahreslosung nämlich mal im weiteren Kontext anschaut – also im Rahmen vom ganzen Kapitel 6 des Johannesevangeliums – dann fällt einem etwas auf. 

Dass es dieser Satz, also unsere Jahreslosung, nämlich ganz schön in sich hat! Man könnte ja – wenn man ihn so aus dem Kontext reißt – meinen, der Satz wäre eher als Trost gemeint gewesen. Wenn man aber etwas genauer hinschaut, dann sieht man, dass der Satz eigentlich eine ganz schöne „Watschn“ ist.

Wie komme ich zu dieser Behauptung? 

Lasst es mich mal so erklären: Gehen wir erst mal ganz weit weg von den Bäumen und schauen mal aus einiger Entfernung auf den Wald. Gehen wir erst mal ganz weit weg von unserem Text und schauen mal aus einiger Entfernung auf das ganze Kapitel 6 des Johannesevangeliums. 

Wenn wir nämlich „von ganz weit weg“ immer näher in das Kapitel 6 des Johannesevangeliums reinzoomen, dann sehen wir, dass unser Text eingebettet ist in eine Geschichte:

  1. Zuerst war da Die Speisung der 5.000 (Joh 6,1-15) – Jesus hatte mit nur 2 Fischen und 5 Broten eine Volksmenge von 5.000 Männern plus Frauen und Kinder (also ungefähr 20-25.000 Menschen) satt gemacht.

  2. Danach kommt die Geschichte, wie Jesus auf dem See geht (Joh 6,16-21) – und wie das Volk ihm hinterher läuft; wegen der Krankenheilungen und dem Wunder mit der Brotvermehrung.

  3. Dann kommt der Abschnitt, in dem unser heutiger Vers steht – er ist bei Luther überschrieben mit „Jesus, das Brot des Lebens“ (22-59)

Und wenn man in diesen Abschnitt jetzt noch weiter reinzoomt, dann erkennt man folgende wesentliche Dinge:

  1. Zuerst kritisiert Jesus die Menge für ihre falschen Motivation: er macht ihnen klar, dass sie ihm nur aus irdischer Bedürfnisbefriedigung nachgelaufen sind; dass sie ihm nur folgen, weil Er sie satt gemacht hat. Vers 26 steht “Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.“

  2. Zum zweiten geht es dann darum, was eigentlich die richtige Motivation sein sollte, Jesus nachzufolgen: nämlich an ihn zu glauben. Vers 28 und 29 steht: „Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“

  3. Damit aber sind wir beim Kern – nämlich bei der Frage, wer Jesus wirklich ist – nämlich der Messias, der Heiland – das Brot des ewigen Lebens. Vers 35 “Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens.“

In diese Situation hinein also spricht Jesus diesen Satz, der heute unsere Jahreslosung ist: zu Menschen, die nur „Bäume“ sehen. Zu Menschen, die ihm aus den falschen Motiven folgen. Zu Menschen, denen es nur um ihren „Bauch“ geht. Zu Menschen, die ihm folgen, weil sie „wundersüchtig“ sind. Zu Menschen, die ihm folgen, weil nur wollen, dass er ihre irdischen Bedürfnisse befriedigt.

Was Jesus aber will, ist, dass sie den „Wald“ erkennen: Dass sie erkennen, wer er wirklich ist. Dass sie zum Glauben kommen: zur Erkenntnis ihrer Sünde und zur Erkenntnis Seiner Gnade. Damit sie für ewig gerettet werden.

Man könnte es auch so sagen Im Fadenkreuz der Losung für 2022 stehen 2 Aspekte; ein horizontaler und ein vertikaler. Horizontal geht es um zwei Sorten von Menschen: die Sucher der Gabe und die Sucher des Gebers. Und vertikal geht es um zwei Wahrnehmungen von Christus: die falschen und die richtige; der Wunder wirkende Morallehrer und Sozialreformer oder der Mensch gewordene Gott, der Messias. Und im Fadenkreuz dieser beiden Sichten steht unser Vers; die Jahreslosung. Und an die möchte ich mich - gemeinsam mit Euch, wie folgt heran machen.


Übersicht

Heute möchte ich, gleich nach der Textlese, direkt einsteigen in die Predigt. Dazu möchte ich die beiden Hälften des Verses – Vers 37a und Vers 37b – gemeinsam mit Euch etwas genauer anschauen und entdecken, worum es in den beiden Hälften geht: in der ersten Hälfte um unverdientes neues Leben und in der zweiten Hälfte um Gottes unfassbare Gnade. Zum Abschluss möchte ich – unter der Überschrift „Balsam für Dein Herz“ – die gesamte Predigt in einem anderen Vers zusammenfassen, der für mich das Spiegelbild unserer Jahreslosung ist.


Text

Jesus sagt: 

„Alles, 

was mir der Vater gibt, 

das kommt zu mir; 


und wer zu mir kommt, 

den werde ich nicht hinausstoßen.“


(Johannes 6,37)


Unverdientes neues Leben

"was der Vater mir gibt": 

In Vers 37a sagt Jesus, dass diejenigen, die Gott, der Vater, "ihm gibt", zu Jesus kommen. Aber was heißt das? Wieso muss Gott uns erst Jesus "geben", bevor wir zu Jesus "kommen"? In Joh 6,44 und 6,65 lesen wir das klarer. Dort steht: "Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat [...]." (Joh 6,44). Und "Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben." (Joh 6,65)
 
Aber was bedeutet das? Wieso kommt niemand zu Jesus, "es sei denn, der Vater zieht ihn"? Oder, noch krasser gefragt: Wieso kann niemand zu Jesus kommen, es sei denn, der Vater schenkt ihm dieses "kommen"? 

Der Grund dafür liegt darin, dass wir als gefallene Menschen von Natur aus Sünder sind - die Bibel nennt das "geistlich tot". Aber was bedeutet das: "geistlich tot"? Geistlich tot zu sein bedeutet, dass wir von Natur aus Gott und Seinen Geboten feindlich gegenüber stehen. Dass in uns von Natur aus kein Lebensfunke ist, keine Kraft, keine Motivation, Gottes Willen zu tun. Wir wollen es nicht. Und wir können es auch nicht.
 
Seit dem Sündenfall im Paradies haben wir kein geistliches Leben mehr in uns. Wir sind nur noch auf biologischer Ebene lebendig. Die Bibel nennt das "fleischlich sein". Seit dem Sündenfall also sind wir als Menschen nur noch "fleischlich" lebendig und nicht "geistlich".
 
Von Natur aus sind wir also Feinde Gottes - das heißt: wir können und wir wollen gar nicht Gottes Freunde sein. In Römer 8,7 steht das so: "Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch sich dem Gesetz Gottes nicht unterwirft; denn es vermag's auch nicht." (Röm 8,7) Wir wollen aufgrund unserer sündigen Natur aus gar nichts mit Gott zu tun haben. Darum kommen wir nicht aus eigenem Antrieb zu Christus. Weil wir es nicht wollen. Und weil wir es nicht können.
 
Wir können nur dann zu Christus kommen, wenn der Vater durch den Heiligen Geist in unseren Herzen ein echtes Wunder bewirkt: wenn er uns nämlich neues Leben schenkt: ein Leben, dass Gott nicht feindlich, sondern vielmehr freundlich gegenüber steht - ein Leben, dass Gottes Gebote tun will - und kann.
 
Diese Tatsache, dass wir erst ein neues Leben geschenkt bekommen müssen, bevor wir überhaupt einen Blick für die Dinge Gottes entwickeln können, diese Tatsache hat Jesus einmal so in Worte gefasst: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." (Joh 3,3)
 
Als Menschen nach dem Sündenfall, als Feinde Gottes, als geistlich Tote, haben wir also gar keine Chance, zurück zu Gott zu kommen - außer, Gott tut etwas ganz Außergewöhnliches - außer, Gott schenkt uns (obwohl wir Ihm gegenüber so feindlich eingestellt sind!) neues Leben.
 
Und genau das ist es, was Gott gemacht hat. Das lesen wir im ganzen Neuen Testament. Hier einmal nur 3 Stellen. Kol 2,13: "Und Gott hat euch mit ihm [das ist: mit Christus] lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden."; Röm 5,10 "[...] wir [sind] mit Gott versöhnt worden [...] durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, [...]."; und Eph 2,4+5 "Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; [...]."
  
Summa: Wenn in unserem Vers 37a also steht "was der Vater mir gibt", dann ist das bereits das Evangelium! Denn mal ganz ehrlich: wie gehen wir Menschen normalerweise mit unseren Feinden um? Machen wir ihnen Geschenke? Wir hoffen wohl eher, dass sie vor den Kadi kommen - oder wir wünschen ihnen noch Schlimmeres. Und was macht Gott? Gott ist bereit, selbst seinen Feinden! neues, ewiges Leben zu geben. 

Und es geht weiter.

"Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir"

In unserem Vers steht Gott sei Dank nicht: "Also, manche, die der Vater mir geben wollte, die kommen dann vielleicht auch irgendwann mal zu mir - oder eben auch nicht." 

Nein! Dort steht: "Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir." Alles! Das bedeutet: Nicht einer fehlt! Oder mit anderen Worten: Wenn Gott sich in den Kopf gesetzt hat, Dich zu retten, dann macht er das auch! In Rö 8,30 lesen wir das so: "Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht." (Rö 8,30)
 
Summa: was Gott will, das macht er auch. Niemand kann ihn hindern. Und wenn Gott Dich retten will, dann wird er das auch tun. Er wird Dich lebendig machen. Und Du wirst zu Jesus kommen. 

Doch wer ist dieser Jesus?
 

"Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir"

Genau darum geht es eigentlich in diesem ganzen Abschnitt: um die Blindheit des Volkes. Da steht der Mensch gewordene Gott vor ihnen - wirkt Wunder, die nur Gott wirken kann - und alles was sie von ihm wollen ist: noch mehr Brot. Noch mehr Wunder. Sie wollen die Gaben; nicht den Geber. Sie sehen zwar Jesus leibhaftig vor sich stehen, aber sie sind so tot und blind, dass sie nicht erkennen, mit wem sie es wirklich zu tun haben.
 
Und auf diese Blindheit treffen wir überall. Diese Blindheit für die Identität von Jesus. In Mt 16,13-17 lesen wir: "Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel." (Mt 16,13-17)
 
Das muss also erst Gott der Vater einem Menschen in seinem Herzen offenbaren, dass Jesus nicht nur ein Prophet ist - nicht nur ein Wundertäter - sondern Gottes Sohn. Genau das aber ist das sicherste Zeichen für dieses neue Leben in uns, für die geöffneten Augen, dass wir Jesus erkennen als den, der er ist: Gottes Sohn. Gott in menschlicher Gestalt. Und genau über diese Erkenntnis - das Jesus der Christus ist - der Sohn Gottes - Gott und Mensch - hat C.S. Lewis in seinem Buch "Pardon, ich bin Christ!" so treffend geschrieben:
 
„Unter ... [den] Juden taucht plötzlich ein Mensch auf, der so spricht, als wäre er Gott. Er behauptet Sünden vergeben zu können. Er sagt, er sei von Ewigkeit an gewesen. Er sagt, er werde am Ende der Zeiten kommen, um die Welt zu richten. Überlegen wir uns, was das heißt! Unter Pantheisten, etwa bei den Indern, könnte jeder sagen, er sei ein Teil Gottes oder eins mit Gott; dabei wäre gar nichts Besonderes. Dieser Mann aber konnte nicht einen solchen Gott meinen, denn er war ein Jude. In seiner Sprache bedeutete Gott jenes Wesen außerhalb der Welt, das die Welt erschaffen hatte und von allem anderen unendlich verschieden war. Wenn man das bedacht hat, wird klar: Das, was dieser Mann gesagt hat, war schlechthin das Unerhörteste, was je über menschliche Lippen gekommen ist. Uns entgeht leicht der Anspruch, der in der Behauptung liegt, Sünden vergeben zu können. Wir haben es so oft gehört, daß uns gar nicht mehr bewußt wird, was damit eigentlich gesagt wird. Diese Behauptung ist so ungeheuerlich, daß sie komisch wirken müßte, käme sie nicht von Gott selbst. Wir alle würden verstehen, daß ein Mensch ein ihm angetanes Unrecht vergibt. Jemand tritt mir auf den Fuß, und ich verzeihe ihm; jemand stiehlt mir mein Geld, und ich vergebe ihm. Was aber sollen wir mit einem Menschen anfangen, der - selber unberaubt und unbehelligt - verkündet, er vergibt allen, die anderen Leuten auf die Füße treten und anderer Leute Geld stehlen? Eselsdumme Albernheit wäre noch die zarteste Umschreibung für ein derartiges Verhalten. Und doch hat Jesus eben dies getan. Er sagte zu den Menschen, ihre Sünden sind ihnen vergeben, ohne erst alle die anderen zu fragen, denen sie mit ihren Sünden Unrecht getan hatten. Ohne zu zögern verhielt er sich, als sei er der am meisten Betroffene, derjenige, demgegenüber man sich am meisten vergangen hat. Das ist nur dann verständlich, wenn er wirklich Gott ist, dessen Gesetze gebrochen und dessen Liebe durch jede Sünde verletzt wird. Im Mund jedes anderen, der nicht Gott ist, würden diese Worte doch wohl ein Maß von Einfältigkeit und Einbildung zum Ausdruck bringen, das in der Geschichte seinesgleichen sucht. Dennoch haben nicht einmal seine Feinde den Eindruck von Einfältigkeit und Einbildung bei ihm, wenn sie die Evangelien lesen, geschweige denn vorurteilslose Leser. Das ist sehr bezeichnend und beachtenswert. Christus sagt von sich, er sei „demütig und sanftmütig“, und wir glauben ihm, ohne zu merken, daß wir - wäre er ein Mensch - nur die wenigsten seiner Aussagen als „demütig und sanftmütig“ bezeichnen würden. Damit versuche ich, jedermann vor dem wirklich läppischen Einwand zu bewahren, er sei zwar bereit, Jesus als großen Morallehrer anzuerkennen, aber nicht seinen Anspruch, Gott zu sein. Gerade das können wir nicht sagen.- Ein Mensch, der solche Dinge wie Jesus sagt, wäre kein großer Morallehrer. Er wäre entweder ein Irrer - oder der Satan in Person. Wir müssen uns deshalb entscheiden: Entweder war dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Man kann ihn als Geisteskranken einsperren, man kann ihn verachten oder als Dämon töten. Oder man kann ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber man kann ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht; diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen.“ (C.S. Lewis)
 
Summa: Wenn Gott das Wunder des Neuen Lebens in unseren Herzen wirkt, dann kommen wir zu Jesus und erkennen ihn als den, der er wirklich ist: nicht allein ein Morallehrer, nicht nur ein Prophet oder ein tolles Vorbild - sondern der ewige und allmächtige Gott, der das Universum erschaffen hat – in menschlicher Gestalt. 


Unfassbare Gnade

"und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen."

Jetzt magst Du sagen: "Ja, natürlich! Natürlich ist Jesus der Christus. Natürlich ist er der Sohn Gottes. Das ist ja gar nicht das Problem. Das Problem bin ich! Schau mich doch an! Ich bin so verkorkst, so voller Schuld und Sünde, so völlig verdorben, so hoffnungslos schlecht - wie kann ich es da wagen, auch nur in Seine Nähe zu kommen?

Wenn Du diese Gefühle kennst, diese Gefühle von Scham und Wertlosigkeit - diese Gefühle von äußerster Unwürdigkeit - dieses Empfinden, dass jemand wie Du in der Gegenwart des vollkommen heiligen und reinen Gottes überhaupt nichts verloren hat, dann geht es Dir, wie Petrus. Als Petrus erkannte, wer Jesus war, war seine instinktive Reaktion die gleiche. In Lk 5,8 lesen wir: "Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch." (Lk 5,8)

Wenn Gott Dir neues Leben geschenkt hat - wenn Du beginnst zu sehen, wer Jesus ist - und wenn Du beginnst zu sehen, wer Du bist in Gottes Augen - dann wird Dir Angst und Bange. Dann fängst Du an zu sehen, was es bedeutet, dass Gott heilig ist - und Du sündig. 

Dann kannst Du Dir nicht mehr vorstellen, dass Er Dich in Seiner Gegenwart haben will. Ja, Du kannst Dir nicht einmal mehr vorstellen, auch nur den Gedanken zu hegen, Dich in Seine Gegenwart hin aufzumachen. Es ist, als würden magnetische Kräfte Dich von diesem Ansinnen fern halten. Als würdest Du in Deinem Herzen eine Art Kraft der Abstoßung spüren, die es Dir unmöglich machen will, zu Jesus zu kommen. Denn: Das kann einfach nicht sein! Dass dieser heilige Gott Dich auch nur einen Millimeter näher zu sich heranlassen würde - das ist für Dich völlig undenkbar.

Weißt Du, wovon ich spreche?

Dann möchte ich Dich bitten, jetzt ganz genau aufzupassen. Denn was jetzt kommt, ist eine Lektion, für die ich über 30 Jahre gebraucht habe, um sie auch nur ansatzweise zu lernen. Und was ich gelernt habe, möchte ich in zwei Aussagen für Dich zusammen fassen. Die erste Aussage ist: 
  • "Gott ist anders." Er ist ganz anders. Er ist so völlig anders, als Du es Dir vorstellst, dass Du es am Anfang vielleicht gar nicht glauben kannst.
  • Die zweite Aussage ist: "Vertraue Seinem Wort." Vertraue nicht Deinen Gefühlen. Denn Deine Gefühle sind oft ein ganz, ganz schlechter Indikator für die Wahrheit. Wenn es nach Deinen Gefühlen ginge, dann müsstest Du vor Gott davon laufen.
Doch das musst Du nicht! "Gott ist anders!" "Gott ist gnädig!" Als Moses Gott darum bat, sich ihm zu offenbaren - wie hat Gott sich ihm da vorgestellt? In 2. Mose 34,5-7 lesen wir: "Da kam der HERR hernieder in einer Wolke und trat daselbst zu ihm. Und er rief aus den Namen des HERRN. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde." (2. Mose 34,5-7)

Gott ist barmherzig. Gott ist gnädig! Gott ist geduldig. Gott ist treu. Er vergibt Dir alle Deine Schuld und Sünde! Er will Dich bei sich haben! Vertraue Seinem Wort!

Wenn wir unseren Vers im griechischen lesen kommt das noch viel besser zum Ausdruck. Dort steht ja nicht nur, dass wirklich alle die der Vater ihm gibt zu Jesus kommen. Sondern dort steht: "οὐ μὴ ἐκβάλω ἔξω" (ou me ekbalo exo). Und das heißt auf Deutsch: "Ich werde auf keinen Fall verstoßen". Es ist eine sehr starke doppelte Verneinung. Es ist ein ganz eindeutiges Versprechen Jesu, jeden, der kommt, aufzunehmen. Es ist, als würde Jesus sagen: "Wer zu mir kommt, den werde ich gar nie nicht hinaus werfen."

Und wer kommt? Es kommen alle, die der Vater ihm gibt. Ohne Ausnahme. Da gibt es keine Unterschiede. Es ist vollkommen egal, was Du auf dem Kerbholz hast. Es ist vollkommen egal, wie sehr Du Dich zu Gottes Feind gemacht hast. Er macht Dich lebendig. Er zeigt Dir, wer Jesus Christus ist. Er liebt Dich! Er will Dich in Seiner Gegenwart haben.

Ich muss bei Gottes Liebe gegenüber uns sündigen Menschen immer an das Gleichnis vom verlorenen Sohn denken. Die meisten von Euch kennen es. Und für die, die es noch nicht kennen, will ich nur den Anfang kurz zusammen fassen. 

In diesem Gleichnis geht es um einen Sohn, der sich noch vor dem Tod seines Vaters sein Erbe hat auszahlen lassen und der dann das ganze Geld im Ausland verprasst hat. Doch irgendwann war die Kohle alle. Und er war finanziell so am Ende, dass er froh gewesen wäre, wenn ihm jemand etwas Schweinefutter gegeben hätte. Und mitten in dieser Misere geschieht das Wunder in Seinem Herzen: Er erkennt sich selbst - und er bereut, was er getan hat. Und dann lesen wir, was er sich vorgenommen hatte: Er dachte bei sich: 

"Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein." (Lk 14,18-24)

Versteht ihr? Der Sohn war so voller Scham und Schuld, dass er bei sich dachte: "Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße." Er konnte sich nicht vorstellen, seinem Vater unter die Augen zu treten. 

Und was macht der Vater? "Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn." Gott ist so froh, wenn wir zu ihm umkehren, Er ist so glücklich, dass Ihm nur noch nach feiern zumute ist: "lasst uns essen und fröhlich sein!"

Summa: Vertraue Seinem Wort. Vertraue nicht Deinen Gefühlen. Gott ist anders. Er ist ganz anders. Er ist gnädig. Und Er vergibt Dir von ganzem Herzen gern. Alles. 

Amen.

sdg

Sonntag, 8. September 2019

„Was muss ich tun, um heilig zu werden?“ (Johannes 19,30)

[Predigt als MP3]

Einleitung

MOTIVATION: Zu dieser Andacht hat mich ein Vers aus den Evangelien inspiriert - das Wort Jesu am Kreuz aus Johannes 19,30 "Es ist vollbracht“. In Verbindung mit anderen Stellen aus der Bibel hat mir diese Stelle einmal mehr die Augen dafür geöffnet, was dieses "es ist vollbracht" für mich ganz persönlich bedeutet – was es für uns bedeutet - und was es insbesondere für unsere Heiligung bedeutet - und für unsere oftmals völlig falschen Vorstellungen davon. Doch bevor ich davon anfange, wie das mit der Heiligung denn nun wirklich funktioniert und was des Rätsels Lösung ist, möchte ich Euch erst mal mit hinein nehmen, wie ich meine Heiligung oft erlebt habe: Frustrierend! Ich habe ganz oft das Gefühl: „Ich werde ja nie „fertig“ werden!“

MEINE GRÖßTEN HINDERNISSE IN DER HEILIGUNG: Furcht vor neuen Herausforderungen; Zukunftsängste; Überlebensängste; Gefühl un-geborgen und verlassen zu sein. Lust der Augen: in Zeiten von starker Frustration und Anfechtung: Flucht die Scheinwelt von Nähe und Geborgenheit. Zorn: bei Unrecht und Gefährdung im Straßenverkehr; bei Respektlosigkeit im täglichen Leben.

DAS EIGENTLICHE PROBLEM: Nicht das wir sündigen ist das eigentliche Problem, sondern dass wir nicht damit aufhören können. Aus Römer 7 wissen wir: Alle eigene Anstrengung führt ja zu nichts – außer zu noch mehr Sündenerkenntnis: In Römer 7,15 lesen wir: „Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.“ Und aus Römer 7,19: "Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." Und schließlich aus Römer 7,24: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“. Es scheint einfach hoffnungslos! Daher dann auch die Frage: „Wie funktioniert das mit Römer 8 – das mit dem "Leben im Geist"?“ Schließlich lesen wir in Römer 8,13: „[…] wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.“» Aber wie soll das gehen? Kennt ihr dieses Ringen? Diese Verzweiflung, von der Paulus hier schreibt?

DIE FRAGE IST ALSO SCHEINBAR: „Was muss ich tun, um heilig zu werden?“  Und, damit es konkret wird, möchte ich Euch da mal ganz persönlich in die Pflicht nehmen und Euch bitten, Euch mal ganz im Stillen eine Frage zu beantworten, was Eure ganz persönliche Heiligung angeht: 

WAS IST DEIN GRÖßTES HINDERNIS IN DER HEILIGUNG? 

  • Arroganz, Hochmut, Eingebildetsein und Stolz?
  • Geldliebe? Geiz? Habgier?
  • Süchte? Pornografie? Drogen? Spielsucht?
  • Maßlosigkeit? Völlerei? Kaufräusche?
  • Neid? Eifersucht? Missgunst? Bitterkeit?
  • Faulheit? Lauheit? Feigheit? Trägheit?

Du musst es niemandem sagen. Aber wenn Gottes Geist Dir beim Anhören dieser Liste auf die Schulter getippt hat, dann halte diesen Gedanken bitte fest. Denn an genau an diesem Punkt geht es um Deine ganz persönliche Heiligung. <PAUSE> Und genau diesem Punkt ist die heutige Andacht gewidmet. Denn das ZIEL DER HEUTIGEN ANDACHT ist es: die Frage zu beantworten: "Heiligung? Ja! - Aber wie?"


Inhalt

Diese Frage nach der Heiligung, danach, wie das gelingen kann mit der Heiligung – darum soll es heute gehen. Die Frage lautet also: „Was muss ich tun, um heilig zu werden?“ Diese Frage möchte ich beantworten. Dazu werde ich ein Wort Christi am Kreuz aus Johannes 19,30 in den Mittelpunkt stellen. Und ich werde einige andere Bibelworte dazu in Bezug setzen. Dazu möchte ich
  1. Gottes Sicht auf das Thema aus Seinem Wort beleuchten
  2. Die Kernaussage von Johannes 19,30 (und der dazu in Bezug gesetzten Verse) klar herausstellen. 
  3. Und letztlich die Frage stellen, was das für uns für eine praktische Bedeutung hat.
Zum Schluss möchte ich Dir 2 Fragen stellen - Fragen an Dein Herz

1. Unser Text

„Jesus [...] sprach [...] Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30)

Ich hatte Euch ja eingangs gesagt, dass dieses Wort Christi am Kreuz mir einmal mehr die Augen dafür geöffnet hat, was dieses „Es ist vollbracht“ für meine ganz persönliche Heiligung bedeutet. Und das hat etwas mit einigen Bibelstellen zu tun. Die möchte ich Euch jetzt einmal vorstellen und Euch dann mal 2 Fragen dazu stellen:

Jes 43,1 „Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, [...] und dich gemacht hat, [...] Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ WER hat uns geschaffen? Gott. Wieviel Leistung mussten wir dafür erbringen? Keine. ---- Mussten wir dafür etwas bezahlen? --- Unsere Schöpfung war also ein Geschenk!!

Römer 8,29-30  „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, daß sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.  Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.“ WER hat uns ausersehen, vorherbestimmt, berufen und gerecht gemacht? Das war auch Gott, richtig? Mussten wir da irgendwas großartig leisten, damit Gott das macht? Nein? Dass hat auch Gott ganz alleine gemacht! Dazu ist Jesus aus Liebe am Kreuz gestorben: um die Strafe für unsere Schuld zu bezahlen. Und dazu ist er auferstanden: Um uns Seine Gerechtigkeit zu schenken. Unsere Erwählung und unsere Rechtfertigung sind also auch ein Geschenk. WER wird uns eines Tages verherrlichen? Wer wird machen, dass wir mit einem unsterblichen Leib für alle Ewigkeit in Gesundheit und Freude leben können? In vollkommener Liebesgemeinschaft mit Gott? Das wird auch Gott machen. Unsere Verherrlichung ist also auch ein Geschenk.

Aber jetzt kommen wir, oder? Jetzt müssen wir uns kräftig anstrengen, damit das auch was wird mit der Heiligung. Oder? Wir müssen feste glauben und uns noch mehr anstrengen, damit wir auch ganz bestimmt heilig werden, oder? Schauen wir mal:

Joh 6,29 „Das ist Gottes Werk, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ WER macht, dass wir Glauben? Wessen Werk ist das? <PAUSE> Also der Glaube ist auch ein Geschenk!

Phil 1,6 „ich bin darin guter Zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Und was ist das für ein Werk? 2Kor 3,18 „Wir alle sehen in Christus mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit Gottes wie in einem Spiegel. Dabei werden wir selbst in das Spiegelbild verwandelt und bekommen mehr und mehr Anteil an der göttlichen Herrlichkeit. Das bewirkt der Herr durch seinen Geist.“ (GNB). WER verwandelt uns in Christi Spiegelbild? WER wirkt unsere Heiligung? Gott wirkt sie! Durch den Heiligen Geist! <PAUSE> Ihr Lieben! Auch unsere Heiligung ist ein Geschenk!

Ich finde, das ist so unfassbar. Das ist so zum Gott loben! Das ist doch der Kracher, oder?! Ich finde, das ist überhaupt nicht zu fassen! Gott schenkt uns einfach alles!! ALLES!!

2. Die Kernaussage


Also noch mal langsam zum Mitschreiben: Gott tut in unserer Errettung und Erlösung einfach alles: Vom Vorherwissen und -bestimmen (Rö 8,29) über das erschaffen (Jes 43,1), hin zum Berufen (Rö 8,30), Erlösen (Lk 1,68), Glauben (Joh 6,29) und Rechtfertigen (Rö 8,30), das Verwandeln und Gleichgestalten (2Kor 3,18), bis hin zum Vollenden (Phil 1,6) und Verherrlichen (Rö 8,30). 

Unsere Aufgabe ist daher keine krampfhafte Aktivität. Es ist ja GOTTES WERK. Nicht unseres. Wir müssen uns nicht abkrampfen. Wir müssen nicht angsvoll zittern, ob wir es schaffen werden. Gott selbst hat uns versprochen, dass Er das das gute Werk, das Er in uns angefangen hat auch vollenden wird bis an den Tag Christi Jesu. (Phil 1,6). Und warum: Weil Jesus am Kreuz dafür bezahlt hat. Weil Jesus am Kreuz dafür den Grundstein gelegt hat. Den Preis bezahlt hat. Darum heißt es „Es ist vollbracht“. Aus Gottes Sicht ist unsere Erlösung und Heiligung und Verherrlichung eine längst ausgemachte Sache. Nur für uns vollzieht sie sich in der zeit. Aus Gottes Perspektive ist Sein Werk längst fertig. Und es gibt für Gott keinen Zweifel: „Es ist vollbracht!“

Aber was bleibt uns dann zu tun? Die Bibel ist doch voller Anweisungen und Gebote und Mahnungen?

3. Praktische Anwendung


Das was uns bleibt ist – wenn alles tatsächlich Gottes Werk ist – eine „aktive Passivität“: eine ganz bewusste Entscheidung, Ihn in unserem Leben wirken zu lassen: in dem wir auf Sein leises Reden hören und dann im Vertrauen auf Seine Kraft das zu tun, was Er uns sagt – indem wir also Jesus im Glauben auf Seinem Weg ans Kreuz nachfolgen – und mit Christus beten: „[…] nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Indem wir loslassen. Unsere Vorstellungen: wie die Dinge zu sein haben. Unseren Willen: wie wir es gerne hätten. Unsere Emotionen und unsere Ungeduld: wann wir es gerne hätten. Sondern stattdessen loszu lassen – und einfach darauf zu vertrauen, dass ER hält, was ER uns verspricht.

Wir müssen nichts beisteuern; nichts leisten; nichts machen. Es geht vielmehr darum, IHN machen zu lassen; IHM zu erlauben uns so zu gestalten und zu gebrauchen, wie ER es für richtig hält – und wann ER es für richtig hält. Das ist genau das, was Jesus getan hat – was ER für uns getan hat: Er hat sich selber, Seine Wünsche, Seinen Willen, Seine Ehre, Seine Macht, Sein Wohlbefinden, Er hat einfach alles losgelassen - aus Liebe zu Dir und zu mir! Und Er hat uns fest versprochen: Diese Liebe wird uns nicht aufgeben / wird nicht aufhören, uns zu heiligen / wird sich nicht von unseren Sünden erbittern lassen / wird uns das Böse nicht zurechnen (1Kor 13:5) - bis sie am Ziel ist.

Es ist alles Gottes Wirken! / Nicht unsere Leistung! ---- Es ist alles Geschenk! / Wir müssen nichts bezahlen!

Was für uns bleibt, ist Gott nicht im Wege zu stehen. IHN machen zu lassen. Es IHM zu erlauben. Indem wir uns loslassen – uns IHM überlassen. Und annehmen und darauf vertrauen, dass Er das schon hinkriegt, was uns so unmöglich scheint. Jetzt können wir hingehen und sagen: "Jesus hat alles getan und darum kann ich in seiner Kraft das tun, was Er von mir verlangt." Oder noch besser: "Jesus hat alles getan und darum kann ER in mir in seiner Kraft das tun, was Er von mir verlangt."  Alles was Gott von Dir erwartet ist, dass Du Dich ihm hingibst! Ihn machen lässt. 

Ich nenne das „aktive Passivität“: die völlige Hingabe meines Willens an Ihn im völligen Vertrauen auf Sein Wirken. Gnade statt Werke. Geist statt Fleisch (Sach 4,6 und Joh 6,63). Es geht nicht um das krampfhafte Kämpfen um Heiligung aus eigener Kraft - sondern darum, eine der wichtigsten Lektionen im Leben zu lernen: das Loslassen von dem "was ich will" und "wie ich es will" und "wann ich es will" - und stattdessen dieses andere zu lernen "sondern, wie Du willst", "zu Deiner Zeit" und "in Deiner Kraft". Es geht um das Loslassen des eigenen (Vorstellungen, Willen, Anstrengungen), und das Annehmen des Göttlichen (Wortes, Willens) und das Vertrauen auf Seine Kraft (Wort, Verheißung, Glaube, Erhörung).

Jesus hat sich für Dich verschenkt – Er hat Dich so sehr geliebt, dass Er bereit war, für Dich Sein Leben zu geben – ER will Dich beschenken – Und was ER sich dazu von Dir wünscht, das möchte ich Dich nun fragen:


Fragen an Dein Herz


  1. Wo kämpfst Du noch in eigener Kraft, heilig zu werden, anstatt Dich Jesus anzuvertrauen; Ihn wirken zu lassen? Willst Du Sein Geschenk annehmen?

  2. Spürst Du das Ziehen des Heiligen Geistes? Inneren Widerstand? Was willst Du loslassen?  Dich ganz Gott überlassen?

„[...] nicht wie ich will, sondern wie du willst!“
(Matthäus 26,36)