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Montag, 7. September 2026

Johannes Evangelium 8,21-30


 

Das Buch der Zeichen - „Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen“

Nachdem Jesus am Spendenkasten beim Tempel offenbart hatte, dass er vom Himmel gekommen war und dass er das Licht der Welt ist, wiederholte er seine Ankündigung, dass er die Erde wieder verlassen würde. Wohin er gehen würde - damit meinte er den Himmel -, dahin könnten Sie ihm nicht folgen. Dann würden Sie ihn suchen, aber nicht mehr finden können und in ihren Sünden umkommen.

Aber die Leute verstanden nicht, was er meinte. Sie dachten, dass Jesus sich womöglich umbringen wollte und deswegen sagte, er würde an einen Ort gehen, an den sie ihm nicht folgen könnten.

Deswegen erklärte Jesus es ihnen nochmal: sie stammen von hier unten; haben ihre Wurzeln in dieser Welt. Er aber kommt von oben, vom Himmel; nicht von dieser Welt. Er ist der Eine, an dem sich ihr Schicksal entscheidet: wenn sie auch weiterhin nicht an ihn glauben würden, würden Sie in ihren Sünden sterben.

Da wollten Sie von ihm wissen, wer er denn nun sei? Jesus sagte Ihnen: „Das erkläre ich euch doch schon die ganze Zeit! Und auch über euch hätte ich noch eine ganzeMenge zu sagen und zu urteilen – aber ich will mich auf das beschränken, was ich von dem gehört habe, der mich zu euch geschickt hat, denn er ist wahrhaftig.“ Die Leute aber verstanden nicht, dass er von seinem Vater sprach; von Gott.

Darum erklärte Jesus Ihnen, dass sie, wenn sie den ‚Menschensohn‘ (mit diesem Titel wurde im Alten Testament der Messias bezeichnet!) ‚erhöht‘ haben würden (mit diesem Wort spielte er auf seine Kreuzigung an), begreifen würden, dass er selbst eben dieser ‚Menschensohn‘ ist. Dann würden Sie erkennen, dass er nie eigenmächtig gehandelt, sondern nur das an sie weitergegeben habe, was sein Vater im Himmel ihm beigebracht hatte.

Außerdem stünde der Vater ihm zur Seite und würde ihn nie allein lassen, weil er immer nur das tun würde, was Gott gefällt. Als er das gesagt hatte, kam viele zum Glauben an ihn.


O-Ton: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: »Ich werde fortgehen. Dann werdet ihr vergeblich nach mir suchen und in eurem Unglauben zugrunde gehen. Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen.« 

Die Leute meinten: »Wenn er sagt: 'Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen' – heißt das, dass er Selbstmord begehen will?« 

Jesus antwortete: »Ihr seid von hier unten, aber ich komme von oben. Ihr gehört zu dieser Welt, aber ich bin nicht von dieser Welt. Ich habe es euch ja gesagt, dass ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen werdet. Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Wenn ihr das nicht glauben wollt, werdet ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen.« 

»Du? Wer bist du denn?«, fragten sie ihn. Jesus antwortete: »Was rede ich überhaupt noch zu euch? Ich hätte zwar vieles über euch zu sagen und allen Grund, euch zu verurteilen; aber der, der mich gesandt hat, steht zu seinen Zusagen; und ich sage der Welt nur das, was ich bei ihm gehört habe.« Sie verstanden nicht, dass Jesus vom Vater sprach. 

Deshalb sagte er zu ihnen: »Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr es begreifen: Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Dann werdet ihr auch erkennen, dass ich nichts von mir aus tue, sondern nur das sage, was der Vater mich gelehrt hat. 

Er, der mich gesandt hat, steht mir zur Seite und lässt mich nicht allein; denn ich tue stets, was ihm gefällt.« Als Jesus das sagte, kamen viele zum Glauben an ihn. (Johannes 8:21-30) 

Montag, 24. November 2025

Johannes Evangelium 4,43–54

 


Das Buch der Zeichen - Das 2. Zeichen - Jesus heilt den Sohn eines königlichen Beamten 

Nach zwei Tagen intensiver Gespräche mit den Dorfbewohnern ging es weiter ins 2-3 Tagesreisen entfernte Galiläa. Dort — in Nazareth, seiner Heimatstadt — hatte Jesus schon erlebt, dass niemand ihn anerkannte; dass alle in ihm nur den Zimmermann sahen. Aber in Kana, wo er Wasser in Wein verwandelt hatte, war er herzlich willkommen. Dort hatte sich auch herumgesprochen, was er in Jerusalem für außergewöhnliche Dinge getan hatte.

Genau zu der Zeit lag in Kafarnaum der Sohn eines königlichen Beamten — der wohl im Dienst des Vierfürsten Herodes Antipas stand — im Sterben. Als der mitkriegte, dass Jesus aus Judäa zurück und wieder in Galiläa war, machte er sich sofort auf den Weg. Als er dann bei Jesus angekommen war, hatte er nur einen einzigen Wunsch: Jesus sollte mit ihm mitkommen und seinen Sohn wieder gesund machen.

Anstatt ihm sofort zu helfen, kritisiert Jesus erst mal alle Anwesenden. Denn uns Menschen geht es meist zuerst um unsere Wünsche statt um Gott; um die Gabe, statt den Geber; um ein Spektakel, statt um echtes Vertrauen. Und doch bezeugen solche Zeichen Jesus‘ wahre Identität. 

Der Beamte — verzweifelt und den drohenden Tod seines Kindes vor Augen — fleht Jesus an, doch mit ihm zu kommen. Aber Jesus spricht nur ein Wort. Allerdings mit göttlicher Vollmacht: sein Sohn werde leben; er könne getrost nach Hause gehen.

Und der Beamte glaubte Jesus und ging zurück. Er war noch nicht zu Hause angekommen, da kamen ihm seine Diener schon mit der guten Nachricht entgegen, dass sein Sohn am Leben und wieder gesund sei; das Fieber habe aufgehört. Jetzt wollte es der Vater natürlich genau wissen. 

Und als er nachfragt, bestätigt sich seine Vermutung: sein Sohn wurde um ein Uhr mittags aus der Ferne geheilt, genau zu dem Zeitpunkt, an dem Jesus es gesagt hatte. Das überzeugte den Mann dann völlig und er selbst und seine ganze Familie kamen vollends zum Glauben. Das war — nach dem auf der Hochzeit zu Kana — das zweite Zeichen, das Jesus in Galiläa tat.

O-Ton: Nachdem Jesus zwei Tage dort geblieben war, verließ er die Gegend und ging weiter nach Galiläa. Er selbst hatte gesagt: »Kein Prophet gilt etwas in seiner Heimat.« Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Leute freundlich auf. 

Sie waren nämlich beim Passafest in Jerusalem gewesen und hatten alles gesehen, was er dort während der Feiertage getan hatte. In Galiläa kam Jesus auch wieder nach Kana, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. 

Damals lebte in Kafarnaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn war krank. Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, ging er zu ihm und bat ihn: »Komm doch nach Kafarnaum und mach meinen Sohn gesund; er liegt im Sterben.« 

Jesus sagte zu ihm: »Ihr alle glaubt mir nur, wenn ihr Aufsehen erregende Wunder seht.« Der Beamte bat ihn: »Herr, komm doch mit mir, bevor mein Kind stirbt!« »Geh ruhig heim«, sagte Jesus zu ihm, »dein Sohn lebt!« 

Er glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging. Schon unterwegs kamen ihm seine Diener entgegen und berichteten: »Dein Sohn lebt!« Er fragte sie, seit wann es ihm besser gehe, und sie antworteten: »Gestern Mittag um ein Uhr hat das Fieber aufgehört.« 

Da erkannte der Vater, dass es genau zu der Stunde geschehen war, als Jesus zu ihm sagte: »Dein Sohn lebt!« Er kam zum Glauben an Jesus, er und seine ganze Hausgemeinschaft. Dieses zweite Wunderzeichen vollbrachte Jesus, als er von Judäa wieder nach Galiläa gekommen war. (Joh 4,43–54)

Freitag, 14. November 2025

Johannes Evangelium 4,27-34

 


Das Buch der Zeichen - Jesus und die Frau aus Samarien (3): Mundpropaganda & Seelenfutter

Ganz offensichtlich waren seine Schüler zumindest verwundert, dass Jesus mit der Frau am Brunnen sprach; wenn es sie nicht sogar störte. Ob das daran lag, dass es in der Antike keine Gleichberechtigung gab oder dass die Frau aus Samarien war — für viele Juden eine religiöse Gegengruppe! — ist unklar. Dennoch wissen Sie instinktiv, dass Jesus immer nur das Gute tut, auch wenn es ihnen vielleicht gegen den Strich geht. Also lassen Sie ihre Fragen stecken.

Die Frau wiederum ist so begeistert über das, was sie gerade – über sich selbst und über Jesu Identität – gehört hat, dass sie alles stehen und liegen lässt. Sie läuft ins Dorf und redet mit genau den Leuten, denen sie bis jetzt so erfolgreich aus dem Weg gegangen ist. Und sie begeistert sie für genau die Frage, deren Antwort sie selbst so begeistert hat: ist Jesus wirklich der Messias?

Während die Frau ins Dorf unterwegs ist, kommen seine Schüler zurück. Und sie machen sich Sorgen, dass Jesus ihnen verhungert. Sie hatten ja gerade Brot aus dem Dorf mitgebracht. Und so drängen Sie ihn, doch etwas zu essen. Doch die Antwort, die sie bekommen ist so unerwartet, wie typisch für Jesus: er spricht in Bildern! Er redet von etwas zu essen, von dem sie keine Ahnung haben. 

Doch, weil sie ihn zu wörtlich nehmen, missverstehen sie, was er sagt. Sie glauben, jemand hätte ihm, während sie noch im Dorf waren, etwas zu Essen gebracht. Als Jesus das merkt, erklärt er ihnen, was er gemeint hat. Dass das, was ihn im Innersten satt macht, etwas ganz anderes ist. Nämlich, Gottes Willen zu tun; im Einklang mit ihm seinen Plan umzusetzen, für den er zu uns geschickt wurde: um uns zu retten.

O-Ton: In diesem Augenblick kehrten seine Jünger zurück. Sie wunderten sich, ihn im Gespräch mit einer Frau anzutreffen. Aber keiner fragte ihn: »Was willst du von ihr?«, oder: »Worüber redest du mit ihr?« 

Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, ging ins Dorf und sagte zu den Leuten: »Da ist einer, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Kommt mit und seht ihn euch an! Ist er vielleicht der versprochene Retter?« Da gingen sie alle hinaus zu Jesus. 

Inzwischen forderten die Jünger ihn auf: »Rabbi, iss doch etwas!« Aber er antwortete: »Ich lebe von einer Nahrung, die ihr nicht kennt.« Da fragten sie einander: »Hat ihm vielleicht jemand etwas zu essen gebracht?« Jesus sagte zu ihnen: »Meine Nahrung ist, dass ich dem gehorche, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende. (Joh 4,27–34)

Mittwoch, 12. November 2025

Johannes Evangelium 4,15-26

 


Das Buch der Zeichen - Jesus und die Frau aus Samarien (2): Jesus offenbart sich; überwindet alle Scham

Jetzt wird die Frau dann doch neugierig: wenn Jesus wirklich Zugang zu einer Quelle hat, die für immer allen Durst löscht, dann will sie dieses Wasser haben! Es wäre die ideale Lösung, um sich für immer zurückzuziehen und ihre Scham über ihr verkorkstes Leben vor den Blicken der Dorfbewohner am Brunnen zu verbergen. Doch Jesus kann sie nichts vormachen. Er weiß alles und kennt sie. Er schaut ihr ins Herz und spricht sie ohne Anklage auf ihren größten Schmerz hin an: auf ihren geplatzten Lebenstraum vom Eheglück, ihre unrechte Beziehung: die Wurzel ihrer Scham. 

Das ist ihr dann doch zu viel und sie wechselt erst einmal das Thema. Weil er ja offenbar ein Prophet ist und über ihre privaten Dinge Bescheid weiß, kann man ihn als religiösen Mann ja vielleicht in ein theologisches Gespräch verwickeln? — etwa darüber, was eigentlich der korrekte Ort ist, um zu Gott zu beten und ihn zu verehren? Aber Jesus lässt sich nicht kirre machen. Ihm geht es um etwas viel Wesentlicheres: er will mit ihr über ihre Erlösung sprechen.

Und darum führt er den Bogen ihrer Unterhaltung weg vom „korrekten Ort der Gottesbegegnung“ hin zur zentralen Frage: was ist mit der Qualität ihrer Gottesbeziehung? Der Geist Gottes befähigt ja jeden Menschen, Gott an jedem beliebigen Ort anzubeten. Aber was ist mit unserer Aufrichtigkeit? Wollen wir unsere Schuld und Scham vor Gott verbergen? Oder sind wir bereit ihm unser Herz zu öffnen? Uns ihm zu offenbaren? Wirklich wahrhaftig vor ihm zu werden? Denn das ist es, was Gott wirklich interessiert: dass wir echt werden vor ihm.

So langsam dämmert es der Frau, wer Jesus sein könnte. Und so bringt sie zu guter Letzt das Gespräch auf den Messias. Sie weiß, was die Propheten schon vor Jahrhunderten angekündigt haben: dass er eines Tages kommen und die Menschheit in alle Wahrheit führen würde. Jetzt - endlich! - ist sie offen für das, worüber Jesus schon die ganze Zeit mit ihr sprechen wollte: dass er es selbst ist; der Messias; der verheißene Retter, der sie erlösen kann von ihrer Sünde, Schuld und Scham.

O-Ton: »Herr, gib mir von diesem Wasser«, bat die Frau, »dann werde ich keinen Durst mehr haben und muss nicht mehr hierher kommen, um Wasser zu schöpfen.« Jesus sagte zu ihr: »Geh und bring deinen Mann her!« »Ich habe keinen Mann«, sagte die Frau. Jesus erwiderte: »Es stimmt, wenn du sagst: 'Ich habe keinen Mann.' Fünfmal warst du verheiratet, und der, mit dem du jetzt zusammenlebst, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.« 

»Herr, ich sehe, du bist ein Prophet «, sagte die Frau. »Unsere Vorfahren verehrten Gott auf diesem Berg. Ihr Juden dagegen behauptet, dass Jerusalem der Ort ist, an dem Gott verehrt werden will.« Jesus sagte zu ihr: »Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, da werdet ihr den Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten. Ihr Samariter betet zu Gott, aber ihr kennt ihn nicht; doch wir kennen ihn, denn die Rettung für alle Menschen kommt von den Juden. - 

Aber die Stunde kommt, ja sie ist schon gekommen, da wird der Heilige Geist, der Gottes Wahrheit enthüllt, Menschen befähigen, den Vater an jedem Ort anzubeten. Gott ist ganz anders als diese Welt, er ist machtvoller Geist, und alle, die ihn anbeten wollen, müssen vom Geist der Wahrheit erfüllt sein. Von solchen Menschen will der Vater angebetet werden.«

Die Frau sagte zu ihm: »Ich weiß, dass der Messias kommen wird, der versprochene Retter. Wenn er kommt, wird er uns alles sagen.« Jesus antwortete: »Er spricht mit dir; ich bin es.« (Joh 4,15–26)

Dienstag, 21. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,13-22

 


Das Buch der Zeichen - Jesus im Tempel

Zum Passafest war in Jerusalem immer die Hölle los. Juden aus allen Regionen kamen hier einmal im Jahr zusammen, um das größte Fest von allen zu feiern: die Erinnerung daran, wie Gott ihr Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte. Im Zentrum der Feierlichkeiten stand dabei der Jerusalemer Tempel: hier wurde gedankt und gebetet, hier wurden Opfer gebracht. Die meisten Pilger hatten eine weite Anreise. 

So hatte es sich eingeschlichen, dass die meisten ihre Opfertiere nicht mehr selber mitbrachten, sondern diese direkt vor Ort kauften. Und um sicher zu gehen, dass die Tiere genau den Vorschriften der Tora entsprachen, kaufte man geprüfte Tiere direkt beim Tempel. Um dort eine Taube, ein Schaf oder ein Rind kaufen zu können, musste man sein regionales Geld aber erst mal in den zentralen Tempelgroschen umtauschen. Man kann sich vorstellen, was für ein Gedränge damals geherrscht haben muss; aus dem Dankfest für die Befreiung war ein Geschäft geworden.

Und das ging Jesus unfassbar auf den Zeiger. Er ist ja fast nie ausgeflippt. Vor allem nicht, wenn er selbst beleidigt oder sogar gefoltert wurde. Aber wenn es um die Ehre Gottes, seines Vaters ging, gab es für ihn kein Halten. Er war sowas von stocksauer! Weil man — TV preachers: listen! — aus der Wohnung Seines Vaters, dem dem Ort, an dem Gott und Mensch sich begegnen sollten, einen Ort gemacht hatte, an dem es nur noch ums Geld ging. 

Jesus war darüber so sauer, dass er den Leuten nicht nur sagte, sie sollten sich verziehen und aus Gottes Haus keinen Basar machen, sondern in einem Wisch auch noch die Tische umschmiss, das Geld auf den Boden fegte und die ganze Bagage mit einem Treibriemen wie Hühner aus dem Tempel scheuchte. Als seine Jünger das mitkriegen, mussten sie daran denken, dass die Propheten über ihn geschrieben hatten: „Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch auffressen; wie ein Feuer!“ 

Die obersten Geistlichen seiner Zeit hätten es als fleißige Studenten der Tora eigentlich wissen müssen, dass Jesus im Recht war; dass der Tempel ein heiliger Ort war. Aber ihre Gier nach Macht und ihr Hochmut vernebelten ihnen den Blick. Statt nur danach zu fragen, woher er (Gott!) das Recht habe, das zu tun, forderten sie (bloße Menschen) auch gleich noch ein Wunder ein. Auf diese verstockte Arroganz reagiert Jesus mit einer für sie kryptischen Prophetie: Sie sollten doch den Tempel einreißen, und er würde ihn in drei Tagen wieder aufbauen.

Die Pharisäer bezogen das natürlich auf den Tempel, den sie sehen konnten. Und den zu bauen, hatte 46 Jahre gedauert. Daher sagen Sie ihm, diesen Tempel in nur drei Tagen wieder aufzubauen sei ein Ding der Unmöglichkeit. Jesus sprach aber gar nicht vom Jerusalemer Tempel, sondern im übertragenen Sinn vom Tempel seines Leibes: vom Wohnort des Heiligen Geistes. Erst als er nach drei Tagen von den Toten auferstanden war, kapierten seine Jünger, was was Jesus mit seiner kryptischen Prophezeiung eigentlich gemeint hatte und glaubten seinen Worten; Gottes Worten. 

O-Ton: „Als das Passafest näher kam, ging Jesus hinauf nach Jerusalem. Im Vorhof des Tempels sah er die Händler, die dort Rinder, Schafe und Tauben verkauften; auch die Geldwechsler saßen dort an ihren Tischen.

Da machte er sich aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle aus dem Tempelbezirk, mitsamt ihren Rindern und Schafen. Er fegte das Geld der Wechsler zu Boden und warf ihre Tische um. Den Taubenverkäufern befahl er: »Schafft das hier weg! Macht aus dem Haus meines Vaters keine Markthalle!« Seinen Jüngern kam das Wort aus den Heiligen Schriften in den Sinn: »Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch umbringen.« 

Die führenden Männer fragten ihn: »Woran können wir erkennen, dass du so etwas tun darfst? Gib uns ein Wunderzeichen als Beweis!« Jesus antwortete ihnen: »Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen!« 

Sie hielten ihm entgegen: »Für den Bau dieses Tempels wurden sechsundvierzig Jahre gebraucht! Und du willst ihn in drei Tagen wieder aufbauen?« Mit dem Tempel meinte Jesus aber seinen Leib. Als er vom Tod auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger an dieses Wort. Da glaubten sie den Heiligen Schriften und dem, was Jesus damals gesagt hatte.“ (Joh 2,13–22)

Montag, 20. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,1–12



Das Buch der Zeichen - Das 1. Zeichen - Die Hochzeit in Kana

Drei Tage nach dem Start von Jesus‘ Tour gab es in Kana in Galiläa eine Hochzeit. Sowohl seine Mutter Maria, als auch Jesus und seine Schüler waren eingeladen. Wahrscheinlich waren die Familie Jesu und die Familie des Hochzeitspaares verwandt oder befreundet: Maria hatte eine wichtige organisatorische Rolle bei der Hochzeit und wird daher noch vor Jesus genannt. Jesus war zu diesem Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt, denn er war ja erst vor einer Woche von Johannes dem Täufer als Messias identifiziert worden. Er war einfach als Freund eingeladen.

Während der Hochzeitsfeier passierte dann etwas Peinliches: auf einmal war der Wein alle! Maria, für die Organisation zuständig, suchte sofort nach einer Lösung und fragt sofort Jesus. Ab hier überlagern sich dann die Bild-Ebenen im Text; ganz typisch für die Komplexität und Tiefe bei Johannes: Zum einen redet Jesus Maria nicht als Mutter an, sondern als „Frau“ und macht so klar, dass er nicht mehr als ihr Sohn, sondern als Messias unterwegs ist. Auch sagt er ihr, dass seine Aufgaben als Messias seine Sache sind - und mit dem Hinweis auf seinen Todeszeitpunkt, dass diese einem klaren Plan folgen.

Und dann tut Jesus etwas, was für ihn sehr typisch ist: er gibt den Leuten Anweisungen, die vordergründig absolut unsinnig erscheinen: Wasserkrüge mit Wasser füllen, obwohl der Wein alle ist. Aber — und das ist ein ganz wichtiger Punkt — die Leute vertrauen ihm und tun, was er sagt. Direkt danach erleben sie, dass das, was erst als völlig unsinnig erschien, auf einmal total Sinn macht: Jesus hatte das Wasser in Wein verwandelt. Natürlich ist schon allein das ein Zeichen dafür, dass er der von den Propheten angekündigte Messias ist, der Sohn Gottes. 

Aber in der Verwandlung von Wasser in Wein steckt noch mehr: das Wasser war in Gefäße gefüllt, die zur Reinigung nach dem rituellen Gesetz des Moses dienten. Und Jesus füllt diese Gefäße mit Wein, der überall im Alten Testament ein Symbol der Freude und im Neuen Testament ein Zeichen der Erlösung ist. Mit diesem Wunder zeigt er also auch, dass er derjenige ist, mit dem die Zeit des rituellen Gesetzes des Alten Testaments zu ihrem Ende kommt und von der Zeit der Gnade, des Evangeliums und der Freude des Neuen Testaments abgelöst wird.

Der Wein, zu dem Jesus das Wasser gemacht hatte, war übrigens so außerordentlich gut, dass der Caterer ganz aus dem Häuschen war. Denn nach seiner Erfahrung schenkten die meisten Hochzeitspaare, einfach um Geld zu sparen, erst mal den guten Wein aus und dann, wenn die Leute schon einen im Tee hatten, den nicht mehr ganz so guten. Aber 600 Liter (!) von einem solchen Top-Tropfen zu so fortgeschrittener Stunde, das hatte er noch nicht erlebt.

Mit diesem Wunder offenbarte Jesus, dass in ihm das neue Zeitalter der göttlichen Gnade begonnen hatte und was für ein herrlicher Gott er ist: bei ihm gibt es nicht nur das Beste, sondern das auch noch in rauen Mengen. Seine Schüler waren von dem, was sie erlebt hatten, so beeindruckt, dass sie anfingen, an ihn zu glauben. Nachdem die Hochzeit vorbei war, ging Jesus mit seiner Mutter und seinen Brüdern (sein Adoptivvater Josef war wahrscheinlich schon gestorben) und mit seinen Schülern nach Karfanaum; etwa einen Tagesmarsch entfernt.

O-Ton: Am dritten Tag wurde in Kana in Galiläa eine Hochzeit gefeiert. Die Mutter von Jesus war dabei, und auch Jesus war mit seinen Jüngern dazu eingeladen. Als der Weinvorrat zu Ende war, sagte seine Mutter zu ihm: »Sie haben keinen Wein mehr!« Jesus erwiderte ihr: »Frau, das ist meine Sache, nicht deine! Meine Stunde ist noch nicht gekommen.« Da wandte sich seine Mutter an die Diener und sagte: »Tut alles, was er euch befiehlt!«

Im Haus standen sechs Wasserkrüge aus Stein, von denen jeder etwa hundert Liter fasste. Man brauchte sie wegen der Reinigung, die das Gesetz vorschreibt. Jesus sagte zu den Dienern: »Füllt diese Krüge mit Wasser!« Sie füllten sie bis an den Rand. Dann befahl er ihnen: »Jetzt nehmt eine Probe davon und bringt sie dem Mann, der für das Festessen verantwortlich ist.« Sie brachten ihm eine Probe, und er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war.

Er wusste nicht, woher dieser Wein kam; nur die Diener, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Er rief den Bräutigam zu sich und sagte: »Jeder bringt doch zuerst den guten Wein auf den Tisch, und wenn die Gäste schon reichlich getrunken haben, folgt der schlechtere. Aber du hast den guten Wein bis zuletzt aufgehoben!«

So vollbrachte Jesus in Kana in Galiläa sein erstes Wunderzeichen und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger kamen zum Glauben an ihn. Danach ging er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum hinunter und blieb einige Tage dort. (Joh 2,1–12)

Sonntag, 4. Mai 2014

Die Verklärung Jesu (Mt 17:1-13)


Text

1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. 10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen? 11 Jesus antwortete und sprach zu ihnen:Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen. 12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. 13 Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.


Kommentar

Zusammenfassung

Auf einem hohen Berg wird Jesus vor Zeugen, Seinen engsten Jüngern, verklärt und von Seinem Vater als der Christus, der Bringer des Evangeliums bestätigt. Mit Mose und Elia spricht er über sein Leiden, stärkt, ermutigt und ermahnt Seine Nachfolger und legt ihnen die Schrift richtig aus.


Struktur

1-4 Mit drei seiner engsten Jüngern besteigt Jesus einen hohen Berg und wird vor ihren Augen verklärt, wie er es ihnen vorhergesagt hatte. Mose und Elia erscheinen und sprechen mit Christus über dessen Leidensweg. Und Petrus, völlig hin und weg vom verklärten Christus, will, selbstvergessen, allen dreien je eine Hütte bauen.

5-8 Noch spricht Petrus, da überschattet die Shekinah-Wolke die Gemeinschaft und der allmächtige Vater selbst bestätigt und autorisiert Seinen Sohn und seine Predigt. Zutiefst erschreckt über die gewaltige Stimme Gottes fallen die Jünger anbetend auf ihr Angesicht; Christus aber rührt sie an und spricht ihnen Mut zu. Und schon ist die himmlische Schau vorüber.

9-13 Während des Abstieges ermahnt Christus die Jünger zu absolutem Schweigen über das Gesehene bis zu Seiner Auferstehung, um seinen Leidensweg nicht durch falsche Ambitionen des Volkes zu torpedieren. Und er erklärt Seinen, aufgrund einer irrigen Auslegung der Schriftgelehrten, verwirrten Jüngern, dass das Verschwinden Elias kein Widerspruch zur Schrift ist - und prophezeit noch einmal sein Leiden. 


Inhalt

1-4 Vor kaum einer Woche hatte Jesus Seinen Jüngern prophezeit, "Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich" (Mt 16:28) und schon vollzieht sich die erste Vorschattung dessen, wovon Er sprach. Christus hatte den Kreis Seiner drei engsten Jünger, Simon Petrus und die Donnersöhne Jakobus und Johannes (Mk 3:17), mit sich genommen und sie -sie allein- auf einen "hohen Berg" geführt; vermutlich den im Nordosten von Cäserea Philippi liegenden über 2.800 m hohen Hermon.

Dort oben, in der Einsamkeit der Bergwelt, abgeschottet vom hektischen Treiben der Welt, geschieht etwas. Etwas so Außergewöhnliches, dass die Worte unserer irdischen Sprachen es kaum zu fassen vermögen. Es ist, als ob Gott den Schleier der Diesseitigkeit beiseite schöbe, ja so, als ob das, was wir als Realität betrachten, plötzlich transparent würde und den Blick freigäbe auf das, was wirklich ist, auf das letzgültige und wahre Sein, die ultimative Wirklichkeit. Vor den Augen der Jünger vollzieht sich, was mit Worten nicht auszusagen ist (vgl. 2Kor 12:4), denn für einen Moment ist es ihnen vergönnt, einen tieferen Blick zu erhaschen auf Ihn: Jesus Christus, den Sohn Gottes, die zweite Person der Trinität, den Allmächtigen, in Seiner Herrlichkeit: das Antlitz Christi erstrahlt wie die gleißende Sonne und seine Gewänder werden "hell und sehr weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann" (Mk 9,3); so weiß, wie das Licht. 

Er ist " »...der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«" und dieser "Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden" (Mt 22,32). Und so wird den Jüngern ein Stück der Blick frei in die himmlische Welt, die Welt der Lebenden in Christus. Moses und Elia, die größten Propheten nach Johannes dem Täufer, werden sichtbar und sprechen mit Christus über dessen Leidensweg (Lk 9:30f). 

So überirdisch ist die Schau des verklärten Christus, dass Petrus, völlig verzückt, gern für immer dort geblieben wäre. So sagt er es seinem Herrn und fragt ihn, ob auch Er gerne bliebe; gerne würde er mit frohem Herzen jedem der Drei eine eigene Bleibe bauen; sich selbst und seine Mitjünger hatte er ob der himmlischen Schau schon ganz vergessen. So verzückt war er, das Lukas später schrieb: "er wusste aber nicht, was er redete" (Lk 9,33).

5-8 Mitten in diesem Moment der Verklärung, hinein in das Gestammel Petri werden sie alle von der Shekinah überschattet, der leuchtenden Wolke der manifestierten Gegenwart Gottes des Vaters, in der Er sich auch schon bei der Einweihung des Tempels Salomons (2Chr 5:14) dem Volk Israel zeigte. Und aus der Wolke heraus hören sie alle die Stimme des Allmächtigen, der ihnen, wie schon bei Christi Taufe versichert "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe..." (Mt 3,17) und dieses Mal hinzufügt "...auf den sollt ihr hören!" Damit bestätigt der Vater nicht allein die Echtheit Seines Sohnes, Seine Identität und Authentizität, sondern auch Seine Vollmacht und Autorität in der Verkündigung Seines Evangeliums vom Reich Gottes: das Er die Schuld unserer Sünde am Kreuz bezahlte, damit wir -von aller Schuld freigesprochen- ewig leben können.

So machtvoll, vielschichtig und reich ist Gottes Stimme, wie das Rauschen großer Wasser (Hes 1:24, vgl. Offb 1:15); so gewaltig ist die Stimme des Allmächtigen, dass die Jünger sich zu Tode erschreckten und vor Ihm niederfielen - mit dem Gesicht zum Boden, in die Haltung der Anbetung. Doch sogleich ist Jesus bei ihnen, kommt ihnen in Seiner Barmherzigkeit nahe und berührt sie mit Seiner Kraft und spricht die ermutigenden und stärkenden Worte zu ihnen, die schon vor ihnen gehört haben, die vor der Stimme Gottes erzitterten: "Fürchtet Euch nicht!" (vgl. 1Mo 15:1, 1Mo 26:24, 1Mo 46:3, u.v.a.m.; vgl. insbesondere Johannes: Offb 1:12-18). 

Und Jesus fügt hinzu: "Steht auf!", als ob er sagen wollte, "Es ist vorüber!". Und kaum hat Er diese Worte ausgesprochen, kaum haben die Jünger sich auch nur ein wenig von ihrem Schrecken erholt, kaum heben sie ihren Kopf, schon ist dieser Moment der außergewöhnlichen Gnade und Verzückung vorbei und sie finden sich wieder mit Jesus ganz allein auf dem Berg, zurück in der Welt des Profanen.

9-13 Und Christus bleibt auch nach diesem Erlebnis, als sie den Berg hinabsteigen, bei Ihnen, wenn auch nicht mehr in Herrlichkeit, sondern in Knechtsgestalt (Phil 2:6-7). Auf dem langen Weg des Abstieges schärft Er es Ihnen ein: keinesfalls sollen sie mit einer Menschenseele über das Gesehene sprechen; wohl um Seinen hinab ans Kreuz führenden Weg nicht durch unangebrachte Ambitionen des Volkes zu hindern, das seit nun schon über 400 Jahre auf das Erscheinen des Messias gewartet hatte und sich sehnte, die Befreiung aus der römischen Besatzungsherrschaft möge vom König der Könige in Seiner Macht und Herrlichkeit beendet werden. Deshalb mahnt Jesus Seine Jünger, über das Gesehene zu schweigen, bis dass Er, - und bei dieser zweiten Leidensankündigung (vgl. Mt 16:21) kommen die Jünger ins Stocken -, von den Toten auferstanden sei. 

Nicht die Auferstehung von den Toten gibt Ihnen Rätsel auf, denn von ihr ist auch schon im Alten Testament die Rede (Jes 26:19), sondern vielmehr verwirrt sie, dass Elia, den sie eben noch sahen, nun nicht mehr da ist. Elia jedoch, so hatten sie es von den Schriftgelehrten sagen gehört, solle zuvor kommen, um alles zurecht zu bringen. Die dieser Lehre zugrunde liegende Prophezeiung jedoch (Mal 3:23) bezog sich auf das zweite Kommen Christi (siehe 2Pe 3:4). Und so legt ihnen Christus die Prophezeiung richtig aus: Natürlich soll Elia vor dem großen Tag des Herrn kommen und "das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern" (Mal 3:24). Doch wie für so viele Prophetien, so gibt es auch für diese eine Vorschattung; und zwar für die Zeit von Jesu erstem Kommen - der Zeit der Jünger. 

Eben dies war aber bereits geschehen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten ihn jedoch nicht erkannt, sondern ihn vielmehr einen Besessenen genannt (Lk 7:30.33). Und so, wie Johannes leiden musste, der von Herodes getötet wurde (Mk 6:14-29), so würde auch Christus leiden müssen. Als Jesus es ihnen so erklärt, verstehen die Jünger, von wem er redete: von Johannes dem Täufer, der zwar nicht Elia in Person war (Joh 1:21), der jedoch den Geist der Reformation Elias repräsentierte in dem er Busse zur Vergebung der Sünden predigte und so den Weg für den Messias ebnete, wie es vorhergesagt war (Jes 40:3-5, Mal 3:1, Lk 3:3-6). 


Praktische Anwendung

1. Wenn Christus Dich in Höhen führt und verzückt, freue Dich - und lasse los: noch sind wir nicht im Himmel; und noch wird es immer wieder einen Abstieg geben.

2. Höre auf Christus und Sein Evangelium vom Gnadenreich Gottes; Er ist es der Dich mit Seinem Wort anrührt und Dir auch in der Angst neue Kraft gibt.

3. Was Christus Dir anvertraut, verkündige zur rechten Zeit und bitte Ihn um Seinen Heiligen Geist, dass Er Dir die Schrift recht auslege.

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[Predigt als MP3]

Sonntag, 5. Januar 2014

Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn (Mt 16:13-20)

Text

13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß der Menschensohn sei? 14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. 15 Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, daß ich sei? 16 Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! 17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. 18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein. 20 Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu sagen, daß er der Christus sei.


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem kurzen Abschnitt findet sich eine der wichtigsten Wahrheiten des Glaubens: Nur durch Gottes Geist sind wir befähigt, Christus zu erkennen und Sein Evangelium von Gottes Gnade für Sünder zu verkündigen. Das Wort von der göttlichen Identität und des erlösenden Werkes Christi ist, wie das Wirken Seines Geistes, Grundstein und Kraft der angefochtenen Kirche Gottes in der Welt.


Struktur

13-14 Das Volk, so beantworten die Jünger die Frage Jesu nach Seiner Person, hält Ihn für einen Propheten. Das Geheimnis Seiner wahren Identität vermag ihr menschliches Denken nicht zu erkennen.

15-17 Petrus dagegen beantwortet die gleiche Frage, stellvertretend für alle Jünger, mit einem so klaren Glaubensbekenntnis, wie es nur durch göttliche Offenbarung möglich ist.

18-19 Dieses Bekenntnis Grund ist zur Freude, denn es ist die Grundlage der Gemeinde, die Kraft zur Überwindung des Bösen und Anlass zur Übertragung größter Verantwortung: der Vergebung der Sünden aufgrund des Evangeliums von der Gnade Gottes in Christus.

20 Noch sind die Jünger nicht bereit, das Geheimnis Christi zu verkünden, darum gebietet ihnen Christus, zur aktuellen Stunde darüber Stillschweigen zu bewahren.


Inhalt

13-14 Nach der Auseinandersetzung mit den Pharisäern im Gebiet von Magadan (Tarichea) auf der Westseite des Sees (Mt 15:39) und der, nach der Überfahrt zum Ostufer erfolgten Warnung vor dem Sauerteig der Pharisäer, geht die Reise Jesu und Seiner Jünger zu Fuß weiter über Bethsaida (Mk 8:22) ins Umland des nördlich gelegenen Cäserea Philippi (Mt 16:13). Dort angekommen fragt Jesus Seine Jünger, sozusagen 'zum aufwärmen' nach der Volksmeinung zu Seiner Person: für wen halten ihn die Menschen?

Interessant ist dabei die Art und Weise, wie Jesus Seine Frage formuliert, denn er bezeichnet sich selbst darin als den "Menschensohn". Damit baut Er eine gedankliche Brücke zu einer Prophetie Daniels, in der es heißt: "Da kam mit den Wolken des Himmels einer [der aussah] wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm wurden Herrschaft, Würde und Königtum gegeben. Alle Völker, Nationen und Sprachen müssen ihm dienen. Seine Herrschaft ist eine ewige, unvergängliche Herrschaft. Sein Reich geht niemals unter..." (Dan 7:13f EU). Jesus deutet in Seiner Frage also bereits implizit Seine Herrschaft über alle Völker an und damit Seine wahre Identität als der Messias und ewige König über Gottes kommendes Reich.

Dennoch, weiter vermag der menschliche Intellekt nicht zu blicken, rangieren die Antworten nur von Johannes dem Täufer (vgl. Mt 14:2) über Elia und Jeremia bis hin zu den Propheten im Allgemeinen (vgl. Mt 23:31), beziehen sich also alle auf bereits verstorbene Gottesmänner. Allerdings auf sehr mutige und treue Gottesmänner. So hatte zum Beispiel Johannes der Täufer dem Herodes die Stirn geboten und ihm seine Sünde gesagt (Mt 14:2) und dafür mit seinem Leben bezahlt (Mt 14:10). Elia wiederum hatte große Zeichen getan, Ahab und Isebel die Stirn geboten (1Kön 18:18) und Ahab seine Sünde gesagt. Und Jeremia hatte dem König Zedekia, auch er unter Gefahr für sein Leben, Gottes Gericht angekündigt (Jer 34:2).

15-17 Nach dieser Aufwärmrunde fragt Jesus Seine Schüler direkt: Für wen halten sie Ihn? Was ist ihr Zeugnis über Ihn? Und wie so oft, prescht Petrus als Erster voran und gibt seine als kürzestes Glaubensbekenntnis formulierte Antwort: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!"

Diese Antwort, das macht Jesus klar, ist Grund und Anlass zur höchsten Freude, denn sie zeigt unbestreitbar an, dass Petrus tatsächlich gerettet ist: "Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, daß Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst ... so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet" (Rö 10:9-10, vgl. Joh 3:36, 16:27, 1Jo 2:23b).

Diese Errettung geschieht allein aus Gnade und nicht aus eigener Anstrengung (Fleisch) oder aufgrund edler Abstammung (Blut) (Joh 1:13, vgl. Rö 3:24, 4:5.10, 9:12, 11:6, Eph 2:5. Die von Petrus gegebene Antwort kann also kein Mensch aus sich selbst heraus geben, sondern allein derjenige, dem die hinter der Antwort stehende Wahrheit[1] von Gott dem Vater offenbart wurde. Diese Antwort kann nur derjenige aufrichtig geben, der durch die Wiedergeburt durch den Heiligen Geist dazu befähigt wurde, an Jesus zu glauben (Joh 3:3, vgl. Mt 11:25, Joh 6:44, Eph 1:17).

Petrus ist übrigens, entgegen einer verbreiteten, anderslautenden Überzeugung, nicht der erste, der dieses Zeugnis gibt. Schon vor dieser Episode war es zuerst Nathanael, der dieses Bekenntnis ablegte (Joh 1:49). Später waren es dann die Jünger anlässlich der Stillung des Sturms (Mt 14:33) und auch Martha legte dieses Zeugnis öffentlich ab (Joh 11:27); dieses Zeugnis, welches zuletzt durch Christus selbst als wahr und richtig bestätigt (Mt 26:63-64) und mit Seinem Blut besiegelt wurde (Mt 26:28.66, Joh 19:34).

18-19 Dieses Glaubensbekenntnis ist für Jesus der Anlass zu einer viel diskutierten Verheißung: das Wortspiel von Petrus, vom Felsen (vgl. Joh 1:42, Κηφας (Kephas) = Fels) und vom Gemeindebau.

Zu erst sei dazu festgestellt, dass es 1Kor 3:11 heißt: "Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus." Und von Jesus selbst heißt es auch 1Kor 10:4 "der Fels aber war Christus." Der wahre Fels und Grund auf den die Gemeinde gebaut ist, ist also Christus, nicht Petrus. Auch ist die genannte Verheißung nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern Christus gibt sie aus einem konkreten Anlass: dem Glaubensbekenntnis des Petrus.

Auf diese Erkenntnis Christi, des Geheimnisses Gottes (Rö 16:25, Eph 3:3ff, Kol 1:26f, 2:2, 1Tim 3:16), welche allein durch göttliche Offenbarung und Wiedergeburt durch den Heiligen Geist möglich ist (
Mt 11:25, Lk 10:21, Joh 3:3), auf sie will Jesus Seine Gemeinde aufbauen. Dieses Credo ist es, von dem später Johannes bezeugt, dass es sogar den Erzfeind Gottes überwindet: "denn ... sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut und durch das Wort ihres Zeugnisses" (Offb 12:10b-11). Dieses Credo der Gemeinde macht sie so stark, dass selbst die Tore der Hölle ihr nicht standhalten werden. Jesus Christus ist Gottes Geheimnis, Sein von Ewigkeit her offenbartes Wort (Joh 1:1). Von der Welt unerkannt (Joh 1:10) und doch ein Wort "wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt" (Jer 23:29).

Das Fundament, der Eckstein auf den die Gemeinde gebaut ist, ist also Christus allein
(Eph 2:20). Und auf diesen Grund baut Er Seine Gemeinde. Und zwar durch Wiedergeburt und göttliche Offenbarung und durch den Heiligen Geist. Und ihr als Gemeinschaft, nicht Petrus allein, überträgt Er die Schlüsselgewalt über den Zugang zu Gottes Himmelreich durch die Verkündigung des Evangeliums. Dass nicht Petrus als Einzigem, sondern allen Jesusnachfolgern gemeinsam diese Vollmacht zuteil geworden ist, berichtet uns die Schwesterstelle zum vorliegenden Text: "Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein." (Mt 18:18). Eingebettet zwischen Schuld und Gnade, zwischen dem Lehrtext über die Zurechtweisung eines sündigenden Bruders und dem Thema Vergebung am Beispiel des Schalksknechts, spricht sie klar davon, dass die Vollmacht, einen Menschen von seiner Schuld freizusprechen, nun in der Hand der Gemeinde Christi liegt. Und dies, die Verkündigung des Evangeliums von der Herrschaft Christi und der darin beinhalteten Vergebung der Sünden, ist ihr Auftrag (Mt 28:18ff, Lk 24:47).

Und was hier auf Erden vergeben wird von einem Kind Gottes, dazu verpflichtet sich Christus, soll auch im Himmel vergeben sein. Was für eine unfassbar große Macht und Verantwortung gibt Er uns da! Beten wir zu Gott, dass wir sie nur nach Seinem Willen gebrauchen. Nicht, wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, die Jesus schalt: "Weh euch, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen." (Mt 23:13). Möge uns allezeit im Gedächtnis bleiben, dass Christus predigte: "wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben."

Petrus also bekennt Christus. Und Christus verspricht ihm, dass dieses Bekenntnis Grund ist zur Freude, Grundlage der Gemeinde, Kraft zur Überwindung des Reiches des Bösen und Anlass zur Übertragung größter Verantwortung: der Vergebung der Sünden aufgrund des Evangeliums. Dies ist im Moment des Bekenntnisses konkret dem Petrus zugesprochen; doch nicht ihm allein, sondern mit ihm, wie an anderer Stelle bezeugt (
Mt 18:18), der ganzen Gemeinde Christi.

20 Warum Christus Seinen Schülern an dieser Stelle befiehlt, Seine Identität geheim zu halten, wo Er Ihnen doch bei Seiner Himmelfahrt das genaue Gegenteil gebietet (
Mt 28:18ff), sagt uns der Text nicht explizit. Doch wie so oft, wenn Gottes Wort sich zu widersprechen scheint, liegt der Schlüssel darin verborgen, das alles seine Zeit hat "...und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde" (Pred 3:1ff). Jetzt war es noch nicht an der Zeit für die Jünger, Ihn öffentlich zu bekennen, denn sie waren noch nicht mit "Kraft aus der Höhe" ausgerüstet für diesen angefochtenen Dienst (Lk 24:49). So kam es auch, dass sie sich nach Karfreitag zurückzogen und selbst noch am Ostertag die "Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden", (Joh 20:19). Als sie jedoch ausgerüstet waren mit dem Geist der Kraft (2Tim 1:7), begannen sie, ihn freimütig zu bekennen (Apg 2:3ff), kulminierend in der mutigen Pfingstpredigt des Petrus (Apg 2:14ff).


Praktische Anwendung
  • Wenn Du Christus mit dem Munde bekennst und mit dem Herzen glaubst, dass Er der von Gott verheißene Messias ist, so freue Dich, daß Dein Name im Himmel geschrieben ist (Lk 10:20).

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[1] das ist: dass Jesus der Christus ist, der Messias, der Kyrios, der HERR, der Mensch gewordene Sohn Gottes, der inkarnierte, fleischgewordene Gott und Schöpfer dieses Universums selbst