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Sonntag, 23. Dezember 2018

Viel Fleiß – viel Preis! (2. Tim 2,4-7)

[Predigt als mp3]

Übersicht

  • Einleitung
  • Unser Text
  • Hingabe
  • Rechtschaffenheit
  • Mühe
  • Lohn
  • Fragen


Einleitung


Goldmedaille

Habt ihr schon mal einen Pokal gewonnen? Oder einen ersten Preis? Ein einziges Mal in meinem Leben (man glaubt es kaum!) hatte ich diese Ehre: bei den Meisterschaften an der Hochschule der Bundeswehr im Jahre 1983 gewann ich mit 21 Jahren als 2. Schwimmer unserer 4er-Staffel den 1. Platz in der Disziplin 4 x 50m Brust. Sicher, diesem 1. Platz gingen Jahre des Training voraus: Arbeit, Disziplin und Ausdauer. Aber das ist gar nichts im Vergleich mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen; oder mit dem Training, dass nötig ist um so eine Goldmedaille zu gewinnen. Und eine Goldmedaille bei de Olympischen Spielen wiederum ist nichts im Vergleich zu dem Preis, der uns im Himmel erwartet. Wenn wir denn überhaupt darum kämpfen. Hingegeben. Rechtschaffen. Fleißig und ausdauernd.


Rückblick

Doch eins nach dem anderen: In der letzten Predigt aus dem 2. Timotheus-Brief ging es um die Aufforderung des Paulus an den Timotheus, in der Stärke der Gnade Christi zu lehren und zu leiden; also: ein guter Kämpfer für das Evangelium zu sein. Paulus schrieb: "Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu." (2Tim 2:2-3) 


Inhalt

Paulus geht es im Folgenden um eine Verdeutlichung eben dieser Aufforderung, als „ein guter Streiter Jesus Christi“ „zu lehren“ und auch mit zu „leiden“. Dazu bringt er in den folgenden Versen (2Tim 2:4-7) drei Beispiele, die er drei verschiedenen Sphären entlehnt: dem Militär, der Athletik und der Landwirtschaft. Ich möchte diese drei Beispiele überschreiben mit „hingegeben“, „rechtschaffen“ und „fleißig“. Denn was Paulus möchte, ist, Timotheus zu verdeutlichen, was ein „guter Streiter“ ist und warum das wichtig ist, ein „guter Streiter“ zu sein.

Übrigens: Was dem Timotheus hier gesagt ist, gilt ihm zwar - als dem Nachfolger Pauli und als einem der Ältesten der Gemeinde in Ephesus – ganz im Besonderen. Gleichwohl gilt es prinzipiell auch uns allen, die wir kein offizielles Amt bekleiden, denn „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ (2 Tim 3:16-17)

Schauen wir also einmal in unseren Text:


Unser Text

2 Tim 2,4-7

„Wer in den Krieg zieht, verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. Und wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. Es soll der Bauer, der den Acker bebaut, die Früchte als erster genießen. Bedenke, was ich sage! Der Herr aber wird dir in allen Dingen Verstand geben.“


Inhalte

Ich denke, in unserem heutigen Text geht es hauptsächlich um 4 Aspekte
1. Dass das Leben als Christ ein Leben der Hingabe ist (Vers 4)
2. Dass das Leben als Christ ein Leben in Rechtschaffenheit ist (Vers 5)
3. Dass das Leben als Christ ein Leben harter Arbeit ist (Vers 6)
4. Und letztlich: Dass dieses Leben am Ende mit unendlichem Genuss gekrönt wird (Verse 5 und 6).


Zwischenbilanz

Denn was Paulus möchte, ist, Timotheus zu verdeutlichen, dass ein „guter Streiter“ ein hingegebener Streiter ist – einer, der die richtigen Prioritäten setzt. Und dass ein „guter Streiter“ bereit ist, nach den Regeln zu kämpfen – und hier konkret: zu leiden; und dass dieses „Mitleiden“ eine freiwillige Rechtschaffenheit erfordert. Und auch, dass ein „guter Streiter“ bereit ist, ausdauernde harte Arbeit zu leisten – weil es genau das ist, was erforderlich ist, um das Evangelium weiter zu sagen und es entsprechend zu „lehren“ . Und letztlich, dass dem „guten Streiter“, der all diese Anforderungen erfüllt, eine mehr als erstrebenswerte Belohnung winkt.


Hingabe 

2Tim 2,4

„Wer in den Krieg zieht, verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. “

Besonderheiten im Text

2:4 hingegeben
  • ἐμπλέκεται (empleketai = sich verstricken)
  • τοῦ βίου πραγματείαις  (tou biou pragmataiais = Geschäfte täglichen Lebens)

„sich nicht verwickeln – in Geschäfte des täglichen Lebens“ 

Wenn Paulus hier von „sich nicht verwickeln“ spricht, dann meint er = sich nicht verstricken = sich nicht einwickeln lassen. Doch in was? Paulus nennt hier die „Geschäfte des täglichen Lebens“. 

Doch nun müssen wir aufpassen, denn: 

  1. ist die Beschreibung die Paulus hier benutzt ein Bild, ein Gleichnis und daher nicht 1:1 auf unser Leben übertragbar. Und 
  2. steht da außerdem nicht „er betreibt nicht Geschäfte des täglichen Lebens“! – Sondern: „er verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens!“ 

Paulus will also nicht sagen: „Zieh in den Krieg und höre auf, euch Dir mit redlicher Arbeit Dein Brot zuverdienen.“ (das wäre ja auch völliger Unsinn) – Er sagt vielmehr: „So, wie ein antiker Soldat sich zu 100% auf seine Pflichten fokussiert, so wie er sich zu 100% darauf konzentriert, für die Schlacht zu trainieren, anstatt das Training zu vernachlässigen, um sich nebenher mit „gewöhnlicher Arbeit“ noch ein paar Drachmen dazu zu verdienen, so sollst auch Du Dich ganz auf Dein geistliches Leben konzentrieren und Dich von nichts und niemand davon ablenken lassen.“

Was Paulus also meint ist = sich auf etwas zu konzentrieren = und seine Prioritäten richtig zu setzen. Aber worauf? Oder anders gefragt: von was sollen wir uns nicht einwickeln lassen?


Bedeutung 

Jesus sagt das so: „Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht.“ (Mt 13:22)

Der Apostel Johannes sagt es so: „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ (1Jo 1:5-7)

Im Römerbrief lesen wir: „Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade um so mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind? Oder wißt ihr nicht, daß alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Rö 6:1-4)

Und der Apostel Petrus letztlich sagt es so: „Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes lebe. Denn es ist genug, daß ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und greulichem Götzendienst. Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern; aber sie werden Rechenschaft geben müssen dem, der bereit ist, zu richten die Lebenden und die Toten. “ (1Pe 4:1-5)


Zwischenbilanz

Paulus geht es also darum, dass wir – uns ganz darauf konzentrieren, ein heiliges Leben zu führen –  uns nicht um weltliche Dinge sorgen – nicht gierig dem Reichtum nachlaufen – oder gar in der Sünde verharren. Paulus geht es um das, was in Hebräer 12:1 steht „laßt uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und laßt uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens “.


Rechtmäßigkeit

2 Tim 2,5

„Und wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. “

Besonderheiten im Text

  • 2:5 rechtschaffenἀθλῇ (athlä = an [athletischem] Wettkampf teilnehmen)
  • νομίμως (nomimos = gesetzeskonform)

Bedeutung

Noch in Vers 3 hatte Paulus den Timotheus aufgefordert: „Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu.“ – Es geht Paulus also auch darum, dass Nachfolge Leid bedeuten kann – und damit die freiwillige Entscheidung dazu, körperliche oder seelische Leiden auf sich zu nehmen, falls und wo die Sache des Glaubens es erforderlich macht. 

Um das zu verdeutlichen, benutzt Paulus nun das Bild eines Athleten, der in einem Wettkampf um den Sieg ringt: - Da geht es ja auch nicht, dass man beim 400m Lauf einfach quer über das Feld abkürzt und sich so 200m spart. Stellt euch das bitte mal vor: es wären Olympische Spiele, der Startschuss fällt und die Läufer sprinten los. Und irgendein Heini biegt nach der Hälfte der Tartanbahn links ab, läuft über den Rasen und läuft dann die restliche halbe Runde bis ins Ziel. Was würde passieren? Völlig klar: der Läufer würde nach allen Regeln der Kunst disqualifiziert. Keine Diskussion. Ende der Veranstaltung. Dafür hätte er gar nicht so hart zu trainieren brauchen. Da hätte er gleich zu Hause bleiben können.
Was will uns Paulus also sagen? Paulus will uns sagen, dass es da keine Abkürzung gibt. „Mogeln gildet nicht.“ 

Der Apostel Petrus sagt das so: „Ihr Lieben, laßt euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, daß ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. “ (1Pe 4:12-13)

Und im Philippperbrief lesen wir: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden [...]“ (Phil 1:29)

Ja, der Römerbrief letztlich macht es klar, dass das Leiden eine unabdingbare Voraussetzung dafür ist, einmal mit Christus verherrlicht zu werden: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. “ (Rö 8:17) (2x)


Zwischenbilanz

Paulus will uns also sagen, dass das Leiden zum Christlichen Leben dazu gehört – wie die Schwerkraft zu unserem Universum. 


Mühe

2 Tim 2,6

„Es soll der Bauer, der ackert, die Früchte als erster genießen.“ 


Besonderheiten im Text

2:6 fleißig
  • τὸν κοπιῶντα γεωργὸν (to kopionta georgon = schuftender Bauer)

Bedeutung

Das Wort, was hier im griechischen steht (kopioonta), ist in seinem Bedeutungsraum verknüpft mit Begriffen, wie „mühsam“, „kämpfen“, „müde“ und „erschöpft“. 

Wir kennen für die Art von Arbeit, von der hier die Rede ist, das deutsche Wort „ackern“ oder „sich abrackern“. Was gemeint ist, ist eine mühsame, langwierige und erschöpfende Arbeit – kein Kindergeburtstag.

Und ich denke, dass Paulus hier anspielt auf die Aufgabe, die er Timotheus (siehe letzte Predigt) in Vers 2 gegeben hat: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

Dieses „das Evangelium weiter geben“ oder „treuen Menschen anbefehlen“ ist jedoch kein Sonntagsspaziergang, sondern harte Arbeit. Mühsame Arbeit. Oft auch ermüdende Arbeit. Erschöpfende Arbeit. Und doch Arbeit, die getan werden muss, wenn Gottes Reich wirklich wachsen soll. Arbeit, die wir nicht einfach an unsere „Hauptamtlichen“ ‚abtreten‘ können, als gälte uns der Aufruf Christi im Evangelium nicht, der uns – uns allen! – geboten hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28:18-20)

Zwischenbilanz

Was Paulus hier also sagt, das ist kein Spaß. Es ist Gottes Auftrag an Dich und an mich. Keinen Deut weniger. (2x)


Lohn

2 Tim 2,4.5.6

„[...] damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. [...] gekrönt [...] genießen [...]“


Besonderheiten im Text

2:5/6 krönt/teilhabe
  • ἀρέσκω (areskoo = gefallen, zufrieden stellen, akzeptieren)
  • στεφανοῦται (stephanoo = krönen)
  • τῶν καρπῶν μεταλαμβάνειν (ton karpon metalambein = teilhaben)

Bedeutung

Das Wort, was hier für „gefallen“ steht (kopioonta), ist in seinem Bedeutungsraum verknüpft mit Begriffen, wie „zufriedenstellen“, „dankbar sein“ und „akzeptieren“. Das Wort, das hier für „krönen“ steht, meint tatsächlich: „jemandem eine Krone (oder einen Siegeskranz) aufsetzen“
Und das Wort, das hier im Zusammenhang mit den Früchten steht, meint: „an den Früchten Anteil haben“ – und scheint mir mit „genießen“ gut umschrieben. 

Was ist das nun, was Paulus mit diesen Worten “gefallen”, “krönen” und “genießen” beschreibt? Es ist letztlich die würdige Vollendung unserer Erlösung – unsere Verherrlichung im Himmel – von der wir in einer der nächsten Predigten (wenn es um die Verse 10-12 gehen wird) mehr hören werden.

Letztlich geht es darum, dass wir einmal im Himmel von unserem Heiland und König das Lob hören dürfen: „Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!“ (Mt 25,23)

Paulus wusste, dass er ein Leben in eben dieser Hingabe, in dieser Rechtschaffenheit und in dieser Mühe und Fleiß gelebt hatte. Und Paulus wusste, dass ihm sein leiblicher Tod – und damit sein Eingang in den Himmel – und damit diese Krönung – kurz bevor stand. Ein wenig später in seinem Brief wird er das noch so formulieren: “Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.” (2Tim 4:7-8)

Ja es wird nicht nur eine Krone für uns geben für unsere Hingabe, unsere Rechtschaffenheit und unsere Mühen und unseren Fleiß: Gott selbst wird unser Lohn sein – wie es schon Abraham verheißen wurde: “Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.” (Gen 15:1)

Ja, es heißt bei Johannes: “Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.” (1Joh 3,2)


Zusammenfassung

Zusammengefasst bedeutet all das: Ja, es wird uns einiges abverlangt: heilige Hingabe – williges Leiden – und ausdauernde Arbeit. Aber es wird die Mühe mehr als wert sein: Wir werden die Herrlichkeit Gottes sehen und leben für alle Ewigkeit – in einem für uns heute noch unvorstellbaren Zustand von Glückseligkeit  - von dem es heißt: „[...] und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offb 21:4)


Fragen an Dein Herz

  • Wo verhindern nebensächliche Angelegenheiten Deine Hingabe?
  • Wo ist Jesu Missionsbefehl für Dich unbequem oder schmerzhaft?
  • Bist Du bereit, Dich ganz und gar in Jesu Dienst stellen zu lassen?
  • Richte Deinen Blick nach oben und glaube:
"Das ist gewisslich wahr: 
Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben; 
dulden wir, so werden wir mit herrschen; 
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 
sind wir untreu, so bleibt er treu; 
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.". 

(2Tim 1,11-13)

Donnerstag, 18. Juni 2015

Gott ist König über alle Völker (Ps 47:1-10)


Text

1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen." 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! 3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist heilig, ein großer König über die ganze Erde. 4 Er beugt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße. 5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er lieb hat. "SELA". 6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Hall der Posaune. 7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige! 8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen! 9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron. 10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden; er ist hoch erhaben.


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser Lobgesang der Korahleviten will uns förmlich aus den Stühlen reißen, unseren Gott mit stürmischem Jubel zu besingen. Denn Er allein ist gut. Er allein ist wahrhaft gnädig. Er wird einst Menschen aus allen Völkern unter Seiner gerechten und liebenden Herrschaft vereinen. Denn er allein, der gute und gnädige Gott, regiert über alle Völker der Erde.


Struktur

1 Autoren dieses Lobliedes sind die Korahleviten; es dient dem öffentlichen Vortrag.
2-3 Es lädt alle Völker ein, unseren vollkommen guten Gott von Herzen zu bejubeln
4-6 und bestaunt Sein gnädiges Werk bis hin zur Vollendung der Heidenmission
7-8 Dieser gnädige Gott regiert als unser König die Welt; das ist aller Grund zum Lob
9-10 Auch heidnische Machthaber werden einst als Seine Kinder vor ihm stehen


Inhalt

1 Dieser Lobgesang (vgl. Zusammenfassung von Psalm 44) ist eine zum öffentlichen Vortrag verfasste Dichtung der Korahleviten und besingt in prophetischer Schau die Ehre und das Lob Gottes angesichts der Vollendung des Missionsauftrages.


2-3 Stehende Ovationen sind es, eine unbändige und völlig selbstvergessene Freude, zu denen dieser Psalm uns einlädt: Dass alle Gläubigen (s. Ps 70:5) aus allen Volksgruppen, Ländern und Nationen Gott von ganzem Herzen zujubeln und voller Begeisterung Ihm Beifall klatschen. 

Denn Er, der Ewige, ist nicht nur über jede Macht des Kosmos weit erhaben, nein, Er ist vor allem auch heilig; von vollkommenem Wesen. Er allein ist vollkommen gut und gerecht (Ps 25:8, Ps 92:16, 1Joh 1:5). Er allein ist vollkommen schön: prächtig und herrlich (Ps 104:1). Er allein ist die Wahrheit (Joh 14:6). 

Vor allem aber ist Er - trotz all Seiner für unseren Geist unfassbaren Weisheit, Seiner unsere Seele erschütternden Macht, Seiner für Sünder unerträglichen Heiligkeit und Seiner, für die Augen unseres Herzens blendenden, Herrlichkeit - freundlich (Ps 100:5), barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue (2Mo 34:6). Und dies auf immer; unwandelbar und ewig (1Joh 1:5, Jak 1:17). 

Allein das Wesen Gottes und Seine herrliche Gnade sind es, die Sein Volk aus vollem Herzen jubeln lässt - angesichts der Tatsache, dass Er, unser Heiland, alle Macht hat; als Großkönig über alle Könige der Erde (1Tim 6:15, Offb 17:14, 19:16).


4-6 Nach der Begeisterung über die Vollkommenheit des Wesens Gottes schwenkt der Blick des Psalmisten auf die in Seinen Werken sichtbar werdende Güte und Gnade. Allein die Gnade Gottes war es, die Jakob und vor ihm Abraham das Land zusprach und Israel bei der Landnahme sein Erbteil sicherte. Seine Gnade allein ist es, die das Evangelium vom Heil in Christus unter den Heiden ausrichtet und allein Seine Gnade wird es sein, die in Bälde für die Vollendung des Missionsauftrages sorgen wird, so dass alle Gläubigen an Christus (vgl. Rö 1:16, 11:11-16, Gal 3:28, Eph 2:14, Kol 3:11) - ob aus den Juden oder aus den Heiden - gemeinsam in den Jubel einstimmen werden. Seine Liebe, zuerst zu Jakob und nun auch zu uns ist es, die Ihn dazu drängt (s. Joh 3:16). Und so, wie Gott zum Himmel auffuhr, nachdem Er Abraham und nach ihm Jakob ihr Erbteil verheissen hatte (1Mo 17:22, 1Mo 35:13), so fuhr auch Christus auf, nach dem Er den Jüngern den Heiligen Geist verheißen hatte (Lk 24:51), ohne den der Beginn und die Durchführung der Heidenmission gar nicht möglich gewesen wären. Das Bild vom Hall der Posaune erinnert dabei an den Ruf in die Schlacht - den guten Kampf des Glaubens - und die Verkündigung des Versöhnungstages (3Mo 25:9) - und damit an die Gnade, die Gott allen Völkern in Jesus Christus anbietet.


7-8 Nun, nachdem die Augen unseres Herzens Gottes vollkommenes Wesen und Sein vollkommenes Werk gesehen haben und so unsere Seele Seine wunderbare Heiligkeit erblickt hat, fordert der Psalmist uns zu dem auf, wozu unser Herz ohnehin schon bereit ist: Gott zu loben und ihm zu singen. Drei mal erfolgt diese Aufforderung; zwei mal sogar zur Verstärkung des Aufrufs verdoppelt: Es ist unser heiliger und guter Gott, der zu loben ist; es ist unser liebender König. Und dass Er es ist, der heilige, gute, gnädige und barmherzige Gott, dass ist der Grund für diese Einladung zum freudigen, begeisterten und glückseligen Gotteslob.


9-10 Der Psalm schließt mit einer gewaltigen Feststellung: Gott regiert "über die ganze Erde" (V7) und so über alle Völker, Volksgruppen, Stämme und Nationen. Er ist der unumschränkte Herrscher über alle Menschen. Ihm sind wir alle Rechenschaft und Gehorsam schuldig. Und Er wacht in Seiner Regierung über uns alle. Unbefleckt von der Machtgier und Selbstsucht, die wir so oft bei menschlichen Diktatoren, Tyrannen und Despoten zu beklagen haben, ist Seine Herrschaft; trotz ihres unbeschränkten Machtbereiches vollkommen rein und heilig. Denn unser Gott ist "sanftmütig und von Herzen demütig" (Mt 11:29). Sein Reich ist ein Reich der Gerechtigkeit, der Freude und des Friedens (Röm 14:17), denn Er Selbst ist der Fürst des Friedens (Jes 9:5) und die Liebe in Person (1Joh 4:8). In diesem Friedensreich werden, das ist die hoffnungsfrohe Vision dieses Psalms, einst auch Mächtige aus den Ländern als Kinder Abrahams versammelt werden, das ist: als an Christus Gläubige (Gal 3:7) und als Sein Volk (Röm 9:26, 1Petr 2:9+10). Gottes Volk aber sind Kinder der Verheißung (Rö 9:8), auf der in Christus das "Ja" Gottes ruht (2Kor 1:20). So sind schon in diesem Psalm die Heidenmission und deren letztlich erfolgreiche Vollendung angedeutet.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung

* Hast Du die heilige Güte des Wesens Gottes vor Augen?
* Ist Dir die Gnade Deines liebenden Heilands im Sinn?
* Glaubst Du in Deinem Herzen, dass Dein guter Gott allein regiert?
* So "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!"

Sonntag, 20. Juli 2014

Dank und Bitte (Ps 40:1-18)

Text 

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. 2 Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. 3 Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, daß ich sicher treten kann; 4 er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den HERRN hoffen. 5 Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen und denen, die mit Lügen umgehen! 6 HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest; dir ist nichts gleich! Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. 7 Schlachtopfer und Speisopfer gefallen dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. 8 Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: 9 Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. 10 Ich verkündige Gerechtigkeit in der großen Gemeinde. Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen; HERR, das weißt du. 11 Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich. Ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde. 12 Du aber, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten. 13 Denn es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl. Meine Sünden haben mich ereilt; ich kann sie nicht überblicken. Ihrer sind mehr als Haare auf meinem Haupt, und mein Herz ist verzagt. 14 Laß dir's gefallen, HERR, mich zu erretten; eile, HERR, mir zu helfen! 15 Schämen sollen sich und zuschanden werden, die mir nach dem Leben trachten, mich umzubringen. Es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mir mein Unglück gönnen. 16 Sie sollen in ihrer Schande erschrecken, die über mich schreien: Da, da! 17 Laß deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, laß allewege sagen: Der HERR sei hoch gelobt! 18 Denn ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, säume doch nicht!


Kommentar

Zusammenfassung

In einer schlimmen Notsituation, umringt von mordlustigen Feinden und in der unsichtbaren Welt von seinen Sünden, wartet David geduldig auf das gnädige Eingreifen des allguten und allmächtigen Gottes; und wird erhört. Die Errettung Gottes führt David in die Anbetung und in die Mission und er verkündigt prophetisch Christus, den Bringer des Evangeliums Gottes. Dieser Gott ist es, den David um Gnade, Schutz und Hilfe bittet. Seinen Feinden wünscht er Schimpf und Schande, den Gottefürchtigen dagegen Freude und Lob. Sich selbst aber, dass Gott ihn nicht versäumen möge.


Struktur

1 Diesen Psalm dichtete David zum Vortrag vor der Gemeinde.

2-5 David trotzt aller seiner Not in Geduld und wartet, Gottes Wesen und Werk vor Augen, auf dessen gnädiges Eingreifen. Und er wird erhört: der Herrscher des Alls neigt sich liebend zu ihm herab, hilft ihm aus Sünde und Not hinauf auf den Felsen des Glaubens und der Gerechtigkeit und legt David damit, vielen zur Hoffnung, ein Loblied auf die Lippen.

6-11 Von Wunder seiner Errettung ergriffen, findet David in die Anbetung und in die Mission. In dem Wissen, dass es Gott um Bussfertigkeit und Gehorsam geht, scheint durch Davids Worte der Christus durch, der das Evangelium Seiner Gerechtigkeit nicht vor uns verbirgt.

12-14 Diesen allein guten, gnädigen und barmherzigen Gott bittet David, angesichts der Unzahl seiner Sünden, ihn aus freier Gnade zu erretten und um den Schutz und die Hilfe Seiner Gegenwart - auf allen Wegen.

15-16 Seinen mordgierigen Feinden aber wünscht er Schimpf und Schande und sich selbst, dass sie von ihm weichen mögen.

17 Den Gottesfürchtigen aber, die Seine Errettung lieben, wünscht er Freude, Fröhlichkeit und jederzeit ein Lob auf den Lippen.

18 David schließt dieses Vortragslied mit dem Bekenntnis seines Glaubens an Gottes Hilfe, Rettung und Fürsorge und mit dem Gebet um Gottes baldiges Eingreifen. 


Inhalt

1 Diesen Psalm dichtete David als Vortragslied, damit er vorgesungen würde.

2-5 Das ist die wohl größte Kunst, die David hier beschreibt: in allem Leid und aller Not nicht zu verzagen, nicht davon zu laufen, nicht abtrünnig zu werden, sondern, wider allen Schein und alles Fühlen, auf Gott zu warten, ja auszuharren, bis Er uns gnädig sei. Und so wartet David und führt sich Gott, Sein Wesen, Seinen Plan und Sein Werk vor Augen. Und dieses Aushalten, dieses demütige Warten, wird von Gott belohnt: aus höchster Höhe, von Seinem Thron im Himmel, auf dem Er seit Ewigkeiten mit souveräner Majestät und Herrlichkeit das All regiert, neigt er sich als der liebende Vater zu uns herab. Herunter in das Dunkel und in die Tiefe, in das Leid und in den schreienden Schmerz unserer von Gott gefallenen Welt. Erhört uns zu. Schenkt uns aus tiefstem Herzen Seine Aufmerksamkeit. Weil Er uns liebt. 

So erhörte Er auch das verzeifelte Rufen Davids und zog ihn aus dem tiefen Loch, aus dem er sich selbst nicht befreien konnte; aus der schrecklichen Situation des Leidens aufgrund von Sünde (V13) und Verfolgung (V15); hinaus aus Schmutz und Schlamm, hinauf auf den Felsen Christi (1Kor 10:4) und Seiner Gerechtigkeit, die allein aus dem Glauben an Christus kommt (Rö 1:17, 3:28). Hier steht David endlich auf festem Grund, ist in Sicherheit und findet Halt unter den Füßen, um sichere Schritte zu tun auf seiner Pilgerreise durch diese Welt (1Chr 29:15).

Mit dieser Rettung aus Leid und Not hat Gott in Davids Herzen ein neues Lied geboren, das er nun fröhlich singen kann: sein Mund fließt, von der Quelle der Dankbarkeit gespeist, über vom Lob Gottes. Und David ist sicher: von diesem Zeugnis seiner Errettung und Dankbarkeit werden -wie es heute durch den Psalter in der Tat geschieht- noch viele Menschen erfahren und dadurch zur Gottesfurcht geführt werden, so dass sie ihre Hoffnung ganz auf den Einen setzen, den ewigen Herrn des Alls. Diese Menschen, die ihre Hoffnung auf den Allmächtigen setzen und -wie wir- ihr Heil nicht bei den Arroganten und Verlogenen suchen, preist David von Herzen selig.

6-11 Und er lobt den Ewigen, seinen Herrn und Gott für Seine Wunder und Seine Gedanken. Und Seiner Wunder sind viele: die Wunder Seiner Schöpfung (Ps 139,14), die Wunder in der Geschichte Israels (Ps 77,15, Mt 21,15) und die Wunder in Seinem Wort und Seinen Geboten (Ps 119,18.27). Vor allem aber das große Wunder unserer Erlösung (Ps 98,1). Dieses Wunder und die Gedanken Gottes an uns Menschen sind wahrlich unzählbar, groß, schwer und sehr tief (Ps 40,6, Ps 92,6, Ps 139,17). Und so anbetet David den Ewigen, Einen, unbegreiflichen und unvergleichlich guten, gnädigen und barmherzigen Gott (Ps 103,8). So begeistert und so glückselig ist David, dass Er diese Wunder und Gedanken Gottes weitersagen will, auf dass auch andere von Ihm hören und Ihn kennen lernen mögen.

Das Wesen und die Wunder Gottes bleiben bei David nicht ohne Wirkung. Und so nimmt er uns in den nächsten Versen mit hinein in seine überströmende Freude und beschreibt uns, was ihm Gott und Sein Tun bedeuten; dabei scheint es so, als würden sich Selbstaussage und Prophetie überlagern, denn was David dichtet, findet sich 1.000 Jahre später in Christi Wesen und Werk in Vollendung wieder:

Er weiß, dass Gott nicht am Opfer als Solchem gelegen ist, weder am Schlachtopfer noch am Speisopfer; weder an unserem Bemühen um Vergebung noch an unserer ausdrücklichen Dankbarkeit (vgl. 3Mo 6:1ff). Sondern daran, dass wir Ihn mit offenen Ohren hören, wo Er in Seinem Wort zu uns spricht; diese offenen Ohren sind gleichwohl allein Gottes Werk: Er Selbst muss sie uns in der Wiedergeburt auftun, denn: "wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht" (1Joh 4:6, vgl. Joh 3:3). Gott will nur um unseretwillen unseren Gehorsam, denn: "So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe" (Hes 33:11). Unsere hörende, gehorchende Bussfertigkeit ist es also, die Gott so wichtig ist, "Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten" (Ps 51:19). 

Zu diesen zerbrochenen Herzen kommt Christus gern, Ihnen das Evangelium zu predigen; die Gerechtigkeit, mit der Er "gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus" (Röm 3,26). Diese Gerechtigkeit, derer wir so sehr bedürfen, verbirgt unser Heiland nicht in Seinem Innersten, sondern predigt sie durch das Wort Seiner weltweiten Kirche und lässt sich von nichts und niemandem den Mund verbieten. So bezeugt Ihn Johannes: "wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14). Und so steht es schon in der Schrift. Denn wie die Chroniken oder die Bücher der Könige von David berichten, so ist es bei Christus die ganze Schrift des Alten Testaments für die gilt: "sie ist's, die von mir zeugt" (Joh 5,39). Und was sie uns bezeugt ist das, was Christus allein in Seiner vollkommenen Heiligkeit und Gerechtigkeit von sich sagen kann: "Der Geist des Herrn ist auf mir ... zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn" (Jes 61,1-2, Lk 4:18-21). Eben dies ist der Wille Gottes. Und Christus tut ihn von Herzen gern; in Ihm ist auch diese Verheißung Gottes in Vollkommenheit erfüllt: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben" (Jer 31,33). Er hat nicht nur das wunderbare Gesetz Gottes (Ps 119,18) im Herzen, Er selbst ist das ewige Wort des Evangeliums von der Gnade Gottes (Joh 1,1). Und Er selbst ist die Gerechtigkeit, mit der Gott uns gerecht spricht - in Person (1Kor 1,30).

12-14 Nach dieser Erinnerung an Gott, an Seine herzliche Barmherzigkeit und Errettung, Seine Wunder und Gedanken, Seinen Willen und Werk, Seine Gerechtigkeit, Sein Wesen, Sein Evangelium, ja Seine Person fleht David Gott darum an, mit dieser Barmherzigkeit bei ihm zu bleiben, sich nicht von ihm abzuwenden. Er sehnt sich danach, dass Gott auf allen seinen Wegen bei ihm bleibt und ihn in Seinem Erbarmen, Seiner wohlwollenden Zuwendung und in Seiner Treue, die sich selbst nicht verleugnen kann (2Tim 2:13), beschützt. Denn noch immer steckt David in schwersten Leiden, die ihn umringen, wie ein unzählbares Heer. Und der Grund für diese Leiden ist David offenbar: seine Sünden haben ihn eingeholt. Woran genau David denkt, wissen wir nicht, aber es darf uns dennoch eine Warnung sein: es gibt nichts in dieser Welt, was ohne Folgen bleibt - auch unsere Sünde nicht. So überwältigt ist David von seinen Missetaten, dass sie ihm endlos groß scheinen, unüberblickbar, wie das weite Meer und unzählbar viele, mehr als er Haare auf seinem Kopf hat. Und so verzweifelt sein geängstetes Herz ganz und gar und so betet er inbrünstig und fleht zu Gott, ihn zu erretten und ihm zu helfen. Doch nicht auf sein eigenes Tun und auf seine eigene Gerechtigkeit gründet David sein Gebet -denn er weiß genau, dass er Gott nichts zu bringen hat, außer seiner großen Schuld- sondern er richtet sein Gebet rein an den freien Gnadenwillen unseres souveränen Gottes, der von sich spricht: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich" (2.Mose 33,19, Röm 9:15) und der uns -gottlob!- auch versprochen hat: "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit" (1Joh 1:9).

15-16 Nachdem David seine Beziehung zu Gott ins Reine gebracht hat, betet er zu Ihm um seiner Widersacher willen. Schämen sollen sie sich, ihm das Leben nehmen zu wollen; Gott möge schenken, dass ihre Mordlust völlig frustriert werde. Und sie selbst sollen -Dank Gottes Hilfe- von David ablassen, ja von ihm weichen, wie von einem übermächtigen Feind. Schande wünscht er ihnen, die ihm so kaltherzig begegnen; von seinem Unglück völlig ungerührt. Und soviel Selbsterkenntnis wünscht er seinen Feinden, dass sie sich, wegen ihres schändlich bösen Wesens, das sie zu so herzlosen Worten, wie etwa "Ja, schau dir den einmal an!" hinriss, selbst anwidern.

17 Allen Menschen jedoch, die nach Gott fragen, wünscht David Freude an Seiner Person und eine leichtherzige Fröhlichkeit; ja sie, die die Erlösung Gottes herzlich lieb gewonnen haben, mögen den Namen des Ewigen zu allen Zeiten aufs höchste preisen.

18 David schließt sein Gebet mit der Erkenntnis seiner eigenen Armut und Not vor Gott auf der einen Seite; und auf der anderen Seite in dem Wissen, dass er dennoch und trotz allem von Gott versorgt wird. Denn Gott selbst ist sein Nothelfer und sein Retter. Gleichwohl, trotz aller Erkenntnis von Gottes Wesen und Gnade, Seines Werkes und Heils, drängt David noch immer seine konkrete Not und so schließt er mit dem einem Doppelten: dem Bekenntnis seines Glaubens an die treue Sorge Gottes, seines Helfers und Erretters und mit der lieben Bitte an Gott, ihn doch bitte nicht zu versäumen. 


Praktische Anwendung

1. Wenn Deine Not auch lange währt: warte auf Gott, Seine Hilfe und Seine Gerechtigkeit
2. Bete zu Gott um Hilfe & Vergebung für Deien Sünde; Er wird Dich gern erhören (1Joh 1:9)
3. Schaue mit Hoffnung auf Christus, der Dich liebt und für Deine Schuld gestorben ist

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[Predigt als MP3]