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Sonntag, 20. Juli 2014

Dank und Bitte (Ps 40:1-18)

Text 

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. 2 Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. 3 Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, daß ich sicher treten kann; 4 er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den HERRN hoffen. 5 Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen und denen, die mit Lügen umgehen! 6 HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest; dir ist nichts gleich! Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. 7 Schlachtopfer und Speisopfer gefallen dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. 8 Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: 9 Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. 10 Ich verkündige Gerechtigkeit in der großen Gemeinde. Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen; HERR, das weißt du. 11 Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich. Ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde. 12 Du aber, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten. 13 Denn es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl. Meine Sünden haben mich ereilt; ich kann sie nicht überblicken. Ihrer sind mehr als Haare auf meinem Haupt, und mein Herz ist verzagt. 14 Laß dir's gefallen, HERR, mich zu erretten; eile, HERR, mir zu helfen! 15 Schämen sollen sich und zuschanden werden, die mir nach dem Leben trachten, mich umzubringen. Es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mir mein Unglück gönnen. 16 Sie sollen in ihrer Schande erschrecken, die über mich schreien: Da, da! 17 Laß deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, laß allewege sagen: Der HERR sei hoch gelobt! 18 Denn ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, säume doch nicht!


Kommentar

Zusammenfassung

In einer schlimmen Notsituation, umringt von mordlustigen Feinden und in der unsichtbaren Welt von seinen Sünden, wartet David geduldig auf das gnädige Eingreifen des allguten und allmächtigen Gottes; und wird erhört. Die Errettung Gottes führt David in die Anbetung und in die Mission und er verkündigt prophetisch Christus, den Bringer des Evangeliums Gottes. Dieser Gott ist es, den David um Gnade, Schutz und Hilfe bittet. Seinen Feinden wünscht er Schimpf und Schande, den Gottefürchtigen dagegen Freude und Lob. Sich selbst aber, dass Gott ihn nicht versäumen möge.


Struktur

1 Diesen Psalm dichtete David zum Vortrag vor der Gemeinde.

2-5 David trotzt aller seiner Not in Geduld und wartet, Gottes Wesen und Werk vor Augen, auf dessen gnädiges Eingreifen. Und er wird erhört: der Herrscher des Alls neigt sich liebend zu ihm herab, hilft ihm aus Sünde und Not hinauf auf den Felsen des Glaubens und der Gerechtigkeit und legt David damit, vielen zur Hoffnung, ein Loblied auf die Lippen.

6-11 Von Wunder seiner Errettung ergriffen, findet David in die Anbetung und in die Mission. In dem Wissen, dass es Gott um Bussfertigkeit und Gehorsam geht, scheint durch Davids Worte der Christus durch, der das Evangelium Seiner Gerechtigkeit nicht vor uns verbirgt.

12-14 Diesen allein guten, gnädigen und barmherzigen Gott bittet David, angesichts der Unzahl seiner Sünden, ihn aus freier Gnade zu erretten und um den Schutz und die Hilfe Seiner Gegenwart - auf allen Wegen.

15-16 Seinen mordgierigen Feinden aber wünscht er Schimpf und Schande und sich selbst, dass sie von ihm weichen mögen.

17 Den Gottesfürchtigen aber, die Seine Errettung lieben, wünscht er Freude, Fröhlichkeit und jederzeit ein Lob auf den Lippen.

18 David schließt dieses Vortragslied mit dem Bekenntnis seines Glaubens an Gottes Hilfe, Rettung und Fürsorge und mit dem Gebet um Gottes baldiges Eingreifen. 


Inhalt

1 Diesen Psalm dichtete David als Vortragslied, damit er vorgesungen würde.

2-5 Das ist die wohl größte Kunst, die David hier beschreibt: in allem Leid und aller Not nicht zu verzagen, nicht davon zu laufen, nicht abtrünnig zu werden, sondern, wider allen Schein und alles Fühlen, auf Gott zu warten, ja auszuharren, bis Er uns gnädig sei. Und so wartet David und führt sich Gott, Sein Wesen, Seinen Plan und Sein Werk vor Augen. Und dieses Aushalten, dieses demütige Warten, wird von Gott belohnt: aus höchster Höhe, von Seinem Thron im Himmel, auf dem Er seit Ewigkeiten mit souveräner Majestät und Herrlichkeit das All regiert, neigt er sich als der liebende Vater zu uns herab. Herunter in das Dunkel und in die Tiefe, in das Leid und in den schreienden Schmerz unserer von Gott gefallenen Welt. Erhört uns zu. Schenkt uns aus tiefstem Herzen Seine Aufmerksamkeit. Weil Er uns liebt. 

So erhörte Er auch das verzeifelte Rufen Davids und zog ihn aus dem tiefen Loch, aus dem er sich selbst nicht befreien konnte; aus der schrecklichen Situation des Leidens aufgrund von Sünde (V13) und Verfolgung (V15); hinaus aus Schmutz und Schlamm, hinauf auf den Felsen Christi (1Kor 10:4) und Seiner Gerechtigkeit, die allein aus dem Glauben an Christus kommt (Rö 1:17, 3:28). Hier steht David endlich auf festem Grund, ist in Sicherheit und findet Halt unter den Füßen, um sichere Schritte zu tun auf seiner Pilgerreise durch diese Welt (1Chr 29:15).

Mit dieser Rettung aus Leid und Not hat Gott in Davids Herzen ein neues Lied geboren, das er nun fröhlich singen kann: sein Mund fließt, von der Quelle der Dankbarkeit gespeist, über vom Lob Gottes. Und David ist sicher: von diesem Zeugnis seiner Errettung und Dankbarkeit werden -wie es heute durch den Psalter in der Tat geschieht- noch viele Menschen erfahren und dadurch zur Gottesfurcht geführt werden, so dass sie ihre Hoffnung ganz auf den Einen setzen, den ewigen Herrn des Alls. Diese Menschen, die ihre Hoffnung auf den Allmächtigen setzen und -wie wir- ihr Heil nicht bei den Arroganten und Verlogenen suchen, preist David von Herzen selig.

6-11 Und er lobt den Ewigen, seinen Herrn und Gott für Seine Wunder und Seine Gedanken. Und Seiner Wunder sind viele: die Wunder Seiner Schöpfung (Ps 139,14), die Wunder in der Geschichte Israels (Ps 77,15, Mt 21,15) und die Wunder in Seinem Wort und Seinen Geboten (Ps 119,18.27). Vor allem aber das große Wunder unserer Erlösung (Ps 98,1). Dieses Wunder und die Gedanken Gottes an uns Menschen sind wahrlich unzählbar, groß, schwer und sehr tief (Ps 40,6, Ps 92,6, Ps 139,17). Und so anbetet David den Ewigen, Einen, unbegreiflichen und unvergleichlich guten, gnädigen und barmherzigen Gott (Ps 103,8). So begeistert und so glückselig ist David, dass Er diese Wunder und Gedanken Gottes weitersagen will, auf dass auch andere von Ihm hören und Ihn kennen lernen mögen.

Das Wesen und die Wunder Gottes bleiben bei David nicht ohne Wirkung. Und so nimmt er uns in den nächsten Versen mit hinein in seine überströmende Freude und beschreibt uns, was ihm Gott und Sein Tun bedeuten; dabei scheint es so, als würden sich Selbstaussage und Prophetie überlagern, denn was David dichtet, findet sich 1.000 Jahre später in Christi Wesen und Werk in Vollendung wieder:

Er weiß, dass Gott nicht am Opfer als Solchem gelegen ist, weder am Schlachtopfer noch am Speisopfer; weder an unserem Bemühen um Vergebung noch an unserer ausdrücklichen Dankbarkeit (vgl. 3Mo 6:1ff). Sondern daran, dass wir Ihn mit offenen Ohren hören, wo Er in Seinem Wort zu uns spricht; diese offenen Ohren sind gleichwohl allein Gottes Werk: Er Selbst muss sie uns in der Wiedergeburt auftun, denn: "wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht" (1Joh 4:6, vgl. Joh 3:3). Gott will nur um unseretwillen unseren Gehorsam, denn: "So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe" (Hes 33:11). Unsere hörende, gehorchende Bussfertigkeit ist es also, die Gott so wichtig ist, "Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten" (Ps 51:19). 

Zu diesen zerbrochenen Herzen kommt Christus gern, Ihnen das Evangelium zu predigen; die Gerechtigkeit, mit der Er "gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus" (Röm 3,26). Diese Gerechtigkeit, derer wir so sehr bedürfen, verbirgt unser Heiland nicht in Seinem Innersten, sondern predigt sie durch das Wort Seiner weltweiten Kirche und lässt sich von nichts und niemandem den Mund verbieten. So bezeugt Ihn Johannes: "wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14). Und so steht es schon in der Schrift. Denn wie die Chroniken oder die Bücher der Könige von David berichten, so ist es bei Christus die ganze Schrift des Alten Testaments für die gilt: "sie ist's, die von mir zeugt" (Joh 5,39). Und was sie uns bezeugt ist das, was Christus allein in Seiner vollkommenen Heiligkeit und Gerechtigkeit von sich sagen kann: "Der Geist des Herrn ist auf mir ... zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn" (Jes 61,1-2, Lk 4:18-21). Eben dies ist der Wille Gottes. Und Christus tut ihn von Herzen gern; in Ihm ist auch diese Verheißung Gottes in Vollkommenheit erfüllt: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben" (Jer 31,33). Er hat nicht nur das wunderbare Gesetz Gottes (Ps 119,18) im Herzen, Er selbst ist das ewige Wort des Evangeliums von der Gnade Gottes (Joh 1,1). Und Er selbst ist die Gerechtigkeit, mit der Gott uns gerecht spricht - in Person (1Kor 1,30).

12-14 Nach dieser Erinnerung an Gott, an Seine herzliche Barmherzigkeit und Errettung, Seine Wunder und Gedanken, Seinen Willen und Werk, Seine Gerechtigkeit, Sein Wesen, Sein Evangelium, ja Seine Person fleht David Gott darum an, mit dieser Barmherzigkeit bei ihm zu bleiben, sich nicht von ihm abzuwenden. Er sehnt sich danach, dass Gott auf allen seinen Wegen bei ihm bleibt und ihn in Seinem Erbarmen, Seiner wohlwollenden Zuwendung und in Seiner Treue, die sich selbst nicht verleugnen kann (2Tim 2:13), beschützt. Denn noch immer steckt David in schwersten Leiden, die ihn umringen, wie ein unzählbares Heer. Und der Grund für diese Leiden ist David offenbar: seine Sünden haben ihn eingeholt. Woran genau David denkt, wissen wir nicht, aber es darf uns dennoch eine Warnung sein: es gibt nichts in dieser Welt, was ohne Folgen bleibt - auch unsere Sünde nicht. So überwältigt ist David von seinen Missetaten, dass sie ihm endlos groß scheinen, unüberblickbar, wie das weite Meer und unzählbar viele, mehr als er Haare auf seinem Kopf hat. Und so verzweifelt sein geängstetes Herz ganz und gar und so betet er inbrünstig und fleht zu Gott, ihn zu erretten und ihm zu helfen. Doch nicht auf sein eigenes Tun und auf seine eigene Gerechtigkeit gründet David sein Gebet -denn er weiß genau, dass er Gott nichts zu bringen hat, außer seiner großen Schuld- sondern er richtet sein Gebet rein an den freien Gnadenwillen unseres souveränen Gottes, der von sich spricht: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich" (2.Mose 33,19, Röm 9:15) und der uns -gottlob!- auch versprochen hat: "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit" (1Joh 1:9).

15-16 Nachdem David seine Beziehung zu Gott ins Reine gebracht hat, betet er zu Ihm um seiner Widersacher willen. Schämen sollen sie sich, ihm das Leben nehmen zu wollen; Gott möge schenken, dass ihre Mordlust völlig frustriert werde. Und sie selbst sollen -Dank Gottes Hilfe- von David ablassen, ja von ihm weichen, wie von einem übermächtigen Feind. Schande wünscht er ihnen, die ihm so kaltherzig begegnen; von seinem Unglück völlig ungerührt. Und soviel Selbsterkenntnis wünscht er seinen Feinden, dass sie sich, wegen ihres schändlich bösen Wesens, das sie zu so herzlosen Worten, wie etwa "Ja, schau dir den einmal an!" hinriss, selbst anwidern.

17 Allen Menschen jedoch, die nach Gott fragen, wünscht David Freude an Seiner Person und eine leichtherzige Fröhlichkeit; ja sie, die die Erlösung Gottes herzlich lieb gewonnen haben, mögen den Namen des Ewigen zu allen Zeiten aufs höchste preisen.

18 David schließt sein Gebet mit der Erkenntnis seiner eigenen Armut und Not vor Gott auf der einen Seite; und auf der anderen Seite in dem Wissen, dass er dennoch und trotz allem von Gott versorgt wird. Denn Gott selbst ist sein Nothelfer und sein Retter. Gleichwohl, trotz aller Erkenntnis von Gottes Wesen und Gnade, Seines Werkes und Heils, drängt David noch immer seine konkrete Not und so schließt er mit dem einem Doppelten: dem Bekenntnis seines Glaubens an die treue Sorge Gottes, seines Helfers und Erretters und mit der lieben Bitte an Gott, ihn doch bitte nicht zu versäumen. 


Praktische Anwendung

1. Wenn Deine Not auch lange währt: warte auf Gott, Seine Hilfe und Seine Gerechtigkeit
2. Bete zu Gott um Hilfe & Vergebung für Deien Sünde; Er wird Dich gern erhören (1Joh 1:9)
3. Schaue mit Hoffnung auf Christus, der Dich liebt und für Deine Schuld gestorben ist

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[Predigt als MP3]

Gebet in Krankheit (Ps 41:1-14)

Text 

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. 2 Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der HERR erretten zur bösen Zeit. 3 Der HERR wird ihn bewahren und beim Leben erhalten und es ihm lassen wohlgehen auf Erden und ihn nicht preisgeben dem Willen seiner Feinde. 4 Der HERR wird ihn erquicken auf seinem Lager; du hilfst ihm auf von aller seiner Krankheit. 5 Ich sprach:HERR, sei mir gnädig! Heile mich; denn ich habe an dir gesündigt. 6 Meine Feinde reden Arges wider mich:»Wann wird er sterben und sein Name vergehen? « 7 Sie kommen, nach mir zu schauen, und meinen's doch nicht von Herzen; sondern sie suchen etwas, daß sie lästern können, gehen hin und tragen's hinaus auf die Gasse. 8 Alle, die mich hassen, flüstern miteinander über mich und denken Böses über mich: 9 »Unheil ist über ihn ausgegossen; wer so daliegt, wird nicht wieder aufstehen. « 10 Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen. 11 Du aber, HERR, sei mir gnädig und hilf mir auf, so will ich ihnen vergelten. 12 Daran merke ich, daß du Gefallen an mir hast, daß mein Feind über mich nicht frohlocken wird. 13 Mich aber hältst du um meiner Frömmigkeit willen und stellst mich vor dein Angesicht für ewig. 14 Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen! Amen!


Kommentar

Zusammenfassung

Dieses Loblied König Davids erzählt vom Gottes Beistand gegen die Barmherzigen, Davids Krankheit und Gebet um Gnade, sowie von seinen argen Feinden, die ihn verlästern und sein Sterben herbeisehnen. Es erzählt von Davids Flehen um Heilung um der staatlichen Ordnung willen und von Davids Hoffnung auf Erhörung, die sich in seinem Glauben an Gottes Güte und unwandelbare Treue gründet. Diese sind Anlass für Davids Gotteslob.


Struktur

1 König David dichtete dies Loblied zum Vortrag durch den Chor:

2-4 Wer die Angefochtenen achtet, wird mit ihnen Gottes Segen erfahren: Schutz, Rettung und Heilung in schlimmer Zeit.

5 Angesichts seiner eigenen Sünde jedoch bittet David reumütig um Gnade.

6-10 Seine Feinde jedoch, falsch und von Hass erfüllt, lästern über ihn und wünschen ihm den Tod.

11 Angesichts dessen betet David um Gnade und Heilung, um die Übeltäter in seiner Funktion als Regent zurechtweisen zu können.

12-13 Gottes Gnade und ewige Treue erkennt David dabei am Scheitern seiner Feinde und weiß sich für ewig sicher in Gottes Hand.

14 Angesichts dieser Gewissheit stimmt David ein großes Gotteslob an und wünscht, es möge für immer fortklingen.


Inhalt

1 Auch dieses letzte Loblied des ersten Psalmenbuches wurde von David zu dem Zweck gedichtet, vom königlichen Meisterchor in Liedform vorgetragen zu werden.

2-4 Gleich zu Anfang seines Lobliedes stimmt David einen Segen an: denjenigen, die sich, weil sie die Angefochtenen recht achten, um die Anliegen derer kümmern, die so schwach sind, dass sie sich nicht mehr selbst helfen können, spricht er den Segen Gottes zu. Ihnen wird es wohlgehen in dieser Welt und selbst in schlimmen Zeiten wird der Ewige selbst ihr Retter sein. Er wird sie behüten vor allem und vor jedem, der ihnen zusetzt, sie bedroht und ihnen Übles will, so dass sie trotz der Boswilligkeit ihrer Feinde am Leben bleiben. Ja der Allmächtige selbst wird sie in ihrem Krankenbett erfrischen und ihnen von aller Krankheit zur Gesundheit helfen.

5 Kaum hat er diesen Segen Gottes über den Barmherzigen ausgesprochen, so bricht schon ein Gebet um Gnade und Heilung angesichts seiner eigenen Sünde aus David heraus: mit der Inbrunst der Not und völlig demütig kommt er vor den Ewigen Herrscher des Alls und fleht um Gnade. Denn er hat das Wesentliche seiner Sünde erkannt: was auch immer er tat, vor allem an Gott hat er gesündigt (Ps 51:6). Er hat begriffen, dass jede unserer Sünden die Gottebenbildlichkeit zerstört, zu der wir geschaffen wurden (1Mo 1:26). Und dass wir damit die Ehre Gottes in den Schmutz ziehen, für die wir gemacht sind (Jes 43:7). Auch verachtet unsere Sünde, in rebellischer Eigensucht, Gottes legislative Gewalt und sucht allein das eigene Wohl, statt erstlich Gottes Ehre und macht sich so, wider das erste Gebot, selbst zu Gott und Gesetz. Und so bittet David - was uns scheinen mag, wie eine eigenartige Kombination - angesichts seiner Sünde um Heilung. Fast, als ob er gewusst hätte, was Jahrhunderte später der Prophet Jesaja über Christus weissagen würde: "Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt" (Jes 53:5). Und wir dürfen gewiss sein, dass David's Gebet erhört wurde, denn das ist Gottes Verheißung an jedes bußfertige Herz und jedes reuevolle Gebet (1Joh 1:8f, Lk 18:13ff).

6-10 Während David im Stillen, inniglich und von Herzen, mit Gott über seine Schuld und die von Ihm ersehnte Vergebung redet, tragen Davids Feinde ihr herzloses und hasserfülltes Gerede hinterrücks hinaus in die Öffentlichkeit der Straße. Nicht einmal ihre Krankenbesuche sind ungeheuchelt, sondern dienen nur dem einen Zweck, sich Nachschub zur üblen Nachrede zu verschaffen. Konspirativ tuscheln seine Hasser miteinander und führen nur Verrat im Schilde; ihr sehnlichster Wunsch ist Davids Tod, sie können es gar nicht erwarten, dass er stirbt. Und so, wie sie über ihn denken, so reden sie auch über ihn: sie unken über sein angeblich nicht mehr zu verhinderndes Sterben. Davids Erleben jedoch ist, ohne sein Wissen, eine Vorschattung des Hasses und der Mordgedanken, die 1.000 Jahre später unserm lieben Heiland von den Pharisäern entgegenschlagen würde. Und so nimmt es nicht wunder, dass auch Worte dieses Psalms, dank Davids prophetischer Gabe, für die Zukunft transparent werden und der Verrat des Judas an Christus hindurchscheint, als David dichtet: "Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen."

11 Um dieser inneren, wie äußeren Not willen betet David ein Zweifaches: zuerst und im Angesicht seiner eigenen Sünde, dass der ewige und allmächtige König aller Könige ihm gnädig sei. Dann aber auch, dass Er ihm, entgegen allen Unkenrufen seiner Feinde, von seinem Krankenlager aufhelfe und ihn so in die Lage versetze, seine Widersacher zur Rechenschaft zu ziehen. Nicht gottlosen Hass und geistlich verwerfliche Rachegedanken hat David dabei im Sinn, sondern vielmehr, denn er ist König!, die Eingrenzung des Unrechts in seinem Reich und damit den Schutz und die Aufrechterhaltung des bürgerlichen Lebens.

12-13 Die herzliche Zugewandtheit Gottes und Dessen anerkennende Zufriedenheit mit seiner Person erkennt David dabei am Scheitern der Pläne seiner Feinde: wo Gott ihn liebt, wird es seinen Widersachern nicht gelingen, zu obsiegen; werden, die ihn hassen, niemals Triumphlieder über ihn anstimmen. Im Gegenteil: Gott wird ihn auch in Zukunft erhalten; nicht um seiner etwaigen Sündlosigkeit willen (David hatte ja nur wenige Verse zuvor um Gnade für seine Sünde gebeten), sondern vielmehr um des Wohlgefallens Gottes willen, welches seine Aufrichtigkeit und Integrität honoriert. Er, der Ewige, das weiß David gewiss, wird ihn bis zum Ende festhalten - niemand wird ihn aus Seiner Hand reißen (vgl. Joh 10:28f) - und wird ihn zu guter Letzt und für alle Ewigkeiten vor Sein Angesicht stellen mit Freuden (Jud 24).

14 Mit dieser Gewissheit vor Augen dichtet David, der Regent von Israel, die finalen Zeilen und wir können nur ahnen, wie der königliche Meisterchor Luft und Raum mit seinem volltönenden Klang erfüllt. Das gewaltige Gotteslob erhebt den Allmächtigen und Souverän auch über Davids Königreich und gibt Davids Sehnsucht Ausdruck, dass diese Euphonie fortklingen möge in alle Ewigkeit und bekräftigt diesen festen Entschluss mit einem unumstößlichen, doppelten Amen: "So ist es." und "So soll es sein - für immer."


Praktische Anwendung

1. Wenn Dein Nächster in Nöten ist, nimm Dich seiner voll Erbarmen an.
2. Wenn innere und äußere Not Dich bedrängt, bete zu Gott um Gnade, Heilung und Hilfe.
3. Sei gewiss und lobe Gott, denn: Er hört Dein Gebet und hält Dich fest in Ewigkeit.

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[Predigt als MP3]

Sonntag, 5. Januar 2014

Bittruf angesichts der menschlichen Vergänglichkeit (Ps 39:1-14)

Text

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, für Jedutun. 2 Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Gottlosen vor mir sehen muß. 3 Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude und muß mein Leid in mich fressen. 4 Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe; wenn ich daran denke, brennt es wie Feuer. So rede ich denn mit meiner Zunge: 5 »HERR, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. 6 Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! SELA. 7 Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es einbringen wird. « 8 Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. 9 Errette mich aus aller meiner Sünde und laß mich nicht den Narren zum Spott werden. 10 Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; denn du hast es getan. 11 Wende deine Plage von mir; ich vergehe, weil deine Hand nach mir greift. 12 Wenn du den Menschen züchtigst um der Sünde willen, so verzehrst du seine Schönheit wie Motten ein Kleid. Wie gar nichts sind doch alle Menschen. SELA. 13 Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter. 14 Laß ab von mir, daß ich mich erquicke, ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin.


Kommentar

Zusammenfassung

Umgeben von Gottlosen, dichtet David diesen Klagepsalm, in welchem er sich selbst trotz seiner Leiden zum Schweigen verpflichtet. Angesichts seiner eigenen Vergänglichkeit bittet er den Heiligen Gott darin um Einsicht in dessen gutes Ziel und um Dessen Hilfe, Trost und gnädiges Ende seiner Züchtigung zum Guten.

Struktur

1 David überreicht diesen von ihm komponierten Klagepsalm an Jedutun, einen der drei Dirigenten seines königlichen Meisterchores.

2-4 Er beschließt, trotz der dadurch verursachten seelischen Schmerzen, seine Zunge angesichts der Gottlosigkeit um ihn herum, im Zaum zu halten.

5-7 Und er bittet den Ewigen, angesichts der Vergänglichkeit seines kurzen Lebens, um die Einsicht, dass sein Leben -in Gottes Hand- Seinem guten Ziel zustrebt.

8-10 Seinen Trost schöpft David dabei aus Gott allein, den er um Vergebung für Seine Sünde bittet, und angesichts der ewigkeit von Gottes Plan und Tun, sowie der eigenen Nichtigkeit und Vergänglichkeit, um Dessen Hilfe vor dem Gespött der Gottlosen.

11-14 Wohl wissend, dass es Gottes Erziehung ist, die ihm im Leiden widerfährt, bittet David den Ewigen aufgrund seiner geschöpflichen Bedürftigkeit um Trost im Leiden und, um seiner Lebensfreude willen, um die gnädige Beendigung seiner Prüfung.


Inhalt

1 Dieses Lied Davids, dem Inhalt nach ein Klagepsalm, ist einer von drei an den Chormeister und Dirigenten Jedutun gewidmeten Psalmen (Psalmen 39, 62 und 77); je ein weiterer Psalm "für Jedutun" stammt von David, bzw. von Asaph.

Jedutun war, wie auch Asaf und Heman, ein Prophet, der von David und dessen Feldherren für den Gottesdienst ausgesondert worden war. Wie Asaph und Heman, sang er nach Davids Anweisung, zusammen mit seinen von ihm geleiteten Söhnen, zu Saiteninstrumenten und Schellen im zweihundertachtundachtzigköpfigen, königlichen Meisterchor (1Chr 25:1-7).

2-4 David beginnt diesen Psalm mit seinem Entschluss, sich angesichts der Gottlosigkeit um ihn her nicht mit Worten zu versündigen. Aus Psalm 73 wissen wir, wie ihm das gottlose Treiben um ihn her "wehe tat im Herzen und mich stach in meinen Nieren", ja, dass er sich fühlte, wie "ein Narr und ... wie ein [hilflos leidendes] Tier" (Ps 73,21-22). Und wir wissen, wie hart es ihn angegangen ist, sich nicht zu ereifern über das Prahlen und den Wohlstand der Gottlosen, ja dass ihn sein Zorn beinahe zu Fall gebracht hätte (Ps 73,2-3). Doch David weiß auch, dass Zorn, Grimm und Entrüstung nur Unrecht anrichten (Ps 37,8) und der Mund des Gerechten vielmehr Weisheit redet, und seine Zunge das Recht lehrt (Ps 37,30).

Nicht umsonst schreibt uns viele Jahrhunderte später der Apostel Jakobus "So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet's an! Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. So ist die Zunge unter unsern Gliedern: sie befleckt den ganzen Leib und zündet die ganze Welt an und ist selbst von der Hölle entzündet. ... aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel, voll tödlichen Giftes" (Jak 3,5-8).

So nimmt denn David all seine Entschlossenheit zusammen und legt seiner Zunge den Zaum an. Wohl hat er das gottlose Treiben noch immer vor Augen, doch entschlossen verstummt er und zwingt sich zu schweigen. Gleichwohl sein Herz schweigt nicht, vielmehr brennt es in ihm vor Leid, wie ein Feuer. Und so muss es hinaus: Einem muss er es klagen, auf dass er nicht innerlich verbrenne:

5-7 Und so betet er zum Ewigen und besinnt sich dabei auf seine Vergänglichkeit. Er bittet den Allmächtigen um Einsicht in die Tatsache, dass auch sein kleines Leben ein Ende haben muss und er von dieser Welt scheiden wird; wohl wissend, dass sein Leben ein gutes Ziel haben wird, denn: "du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an" (Ps 73,24).

Diese Einsicht zu gewinnen bleibt David jedoch nur wenig Zeit und so fleht er zu Gott und erinnert er den Ewigen daran, dass sein Leben vor Seinen Augen nicht länger währt "als ein kurzes Geschwätz" (vgl. Ps 90,9). Und darum drängt er den Herrn der Zeit, zu bedenken, dass Er "weiß, was für ein Gebilde wir sind; ... daran, dass wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr" (Ps 103:14-16). Und so betet er mit Inbrunst und inniglich mit Mose: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden" (Ps 90,12).

Auch fragt David: "was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" (Ps 8,5). Und antwortet hierauf gleich zweimal in diesem Psalm: "Wie gar nichts sind doch alle Menschen." (Verse 6 und 12). Selbst ganze Völker sind "geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage" (Jes 40,15). Und doch dürfen sie dank Gottes Gnade in selbstvergessener Sicherheit leben. Doch wahr ist auch: "Der Mensch ... lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht" (Hi 14,1-2). Und zu alledem quält sich der Mensch auch rastlos mit der Frage, wer einmal nach ihm kommen wird, denn "es muss ein Mensch, der seine Arbeit mit Weisheit, Verstand und Geschicklichkeit mühsam getan hat, es einem andern zum Erbteil überlassen, der sich nicht darum gemüht hat. Das ist auch eitel und ein großes Unglück." (Pred 2,21).

8-10 Angesichts der Gottlosigkeit um ihn her, angesichts des Brennens in seinem Herzen und seiner eigenen Vergänglichkeit fragt er sich nun: "Herr, wessen soll ich mich trösten?" und antwortet sogleich: "Ich hoffe auf dich". David hat es gelernt, dass "wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil" (Ps 73,26). Ja, vielmehr: "wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde." (Ps 73,25). Gott allein, Sein vollkommen gutes Wesen, Sein Plan der Herrlichkeit und Seine gütige, gnädige und barmherzige Fürsorge sind Zeit unseres Lebens unser letzter und oft wohl einziger Trost. Ja, "dem alleinigen Gott, unserm Heiland, sei durch Jesus Christus, unsern Herrn, Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit! Amen" (Jud 25).

Diesem, seinem gnädigen Gott vertraut David seine Bitten an: Er möge ihn aus seiner Sünde erretten und ihn nicht zum Gespött der gottlosen Narren werden lassen. Dem Grund für sein Schweigen -sich nicht zu versündigen- fügt David dabei einen weiteren und weitaus tieferen Grund hinzu: Er hat erkannt, das alles, was geschieht, sei es hell oder dunkel, fried- oder unheilvoll, letztlich Teil des großen göttlichen Plans und Handelns ist (Jes 45,7). Er hat, wie nach ihm Salomon, erkannt, dass "alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll" (Pred 3,14). Und er weiß, dass "was da ist, ist längst mit Namen genannt, und bestimmt ist, was ein Mensch sein wird. Darum kann er nicht hadern mit dem, der ihm zu mächtig ist" (Pred 6,10). Und so beschließt er, wie einst Hiob, "Ich will meine Hand auf meinen Mund legen" (Hi 40,4).

Doch nicht aus resigniertem Fatalismus handelt David, sondern er weiß: Gott tut das Gute und lässt auch das Böse zu, doch Letzteres nur aus einem Grunde: auf dass es denen, die Ihn lieben, zum Besten diene (Rö 8,28). Denn "Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende" (Pred 3,11).

11-14 Und auch angesichts seines Leidens bleibt David nicht tatenlos. Sondern er bittet den Allmächtigen, die Bürde Seiner Last von ihm zu nehmen; wohl wissend: "Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch" (Ps 68,20). So beten auch wir: "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]" (Mt 6,13). David ist klar, dass, auch wenn es äußerlich die Gottlosen zu sein scheinen, die ihn so sehr bedrängen, so dass er zu sterben fürchtet, es letztlich "deine Hand ist und du, HERR, das tust" (Ps 109,27). Ja, die Erziehung Gottes ist zu Zeiten hart, zerstört unsere Freude und damit das Strahlen unseres Antlitzes "wie Motten ein Kleid", "und wenn [die Züchtigung] da ist, scheint [sie] ... nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit." (Hebr 12,11). Denn sie ist nichts weniger, als der Beweis unserer Sohnschaft und der göttlichen Liebe zu uns (Hebr. 12,6+7). Und sie erinnert uns an unsere geschöpfliche Bedürftigkeit und Nichtigkeit: noch einmal sagt David es aus: "Wie gar nichts sind doch alle Menschen" und ruft auch uns mit dem "SELA" zur Besinnung auf.

Gleichwohl lässt er nicht davon ab, Gott weiter zu bestürmen, Er möge doch sein Flehen erhören und seine Trauer nicht mit Schweigen strafen. Demütig anerkennt er die Hoheit Gottes und seine eigene Niedrigkeit und fleht Gott an, daran zu denken, dass er nicht mehr ist als nur ein Gast auf Erden (Heb 11,9.13). Und so bittet er Ihn, unseren wahren Tröster (Jes 51,12), seine Prüfung zu beenden, damit er vor seinem Tode noch einmal die die Freude des irdischen Lebens schmecke.


Praktische Anwendung
  • Trotz der Gottlosigkeit unserer Zeit "Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt" (1Petr 3,9).
  • Bete vielmehr mit David und Christus "In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott" (Ps 31,6).
  • Vor allem aber "Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!" (Phil 4,6).

In schwerer Heimsuchung (Der dritte Bußpsalm) (Ps 38:1-23)

Text

1 Ein Psalm Davids, zum Gedenkopfer. 2 HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! 3 Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. 4 Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. 5 Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. 6 Meine Wunden stinken und eitern um meiner Torheit willen. 7 Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig einher. 8 Denn meine Lenden sind ganz verdorrt; es ist nichts Gesundes an meinem Leibe. 9 Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen; ich schreie vor Unruhe meines Herzens. 10 Herr, du kennst all mein Begehren, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. 11 Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist auch dahin. 12 Meine Lieben und Freunde scheuen zurück vor meiner Plage, und meine Nächsten halten sich ferne. 13 Die mir nach dem Leben trachten, stellen mir nach; und die mein Unglück suchen, bereden, wie sie mir schaden; sie sinnen auf Trug den ganzen Tag. 14 Ich bin wie taub und höre nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut. 15 Ich muß sein wie einer, der nicht hört und keine Widerrede in seinem Munde hat. 16 Aber ich harre, HERR, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst erhören. 17 Denn ich denke: Daß sie sich ja nicht über mich freuen! Wenn mein Fuß wankte, würden sie sich hoch rühmen wider mich. 18 Denn ich bin dem Fallen nahe, und mein Schmerz ist immer vor mir. 19 So bekenne ich denn meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde. 20 Aber meine Feinde leben und sind mächtig; die mich zu Unrecht hassen, derer sind viele. 21 Die mir Gutes mit Bösem vergelten, feinden mich an, weil ich mich an das Gute halte. 22 Verlaß mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir! 23 Eile, mir beizustehen, Herr, du meine Hilfe!


Kommentar

Zusammenfassung

Wegen seiner Sünde von innen und außen - im Gewissen von Gottes Drohen und im Leben von Krankheit und einer ungerechten feindlichen Übermacht - bedrängt, bekennt David Gott seine Sünde und bittet Ihn um Gnade und Seine eilende Hilfe.


Struktur

Abweichend vom Aufbau der Strophen ergibt sich folgende Einteilung aus dem Inhalt:

1 Zweck: Zum Gedenken

2 Erste Bitte an Gott: Bitte um Milde in der Bestrafung:
3-9 Leiden an Leib und Seele aufgrund eigener Sünde und Gottes Drohen

10 Zweite Bitte an Gott: Erinnerung an die eigene Sehnsucht und Trauer:
11-15 Verängstigt, verlassen, angefeindet und wehrlos

16 Aufblick zu Gott: Warten auf den Ewigen und hoffen auf den Herrscher:
17-18 Trotz gegenüber der befürchteten Verspottung der eigenen Agonie

19 Dritte Bitte an Gott: Sündenbekenntnis und Reue (Gram)

20-21 Ungerechtigkeit der feindlichen Übermacht gegenüber dem Rechtschaffenen:
22-23 Vierte und letzte Bitte an Gott: Hilfeschrei um Nähe und Beistand


Inhalt

1 Dieses Lied schrieb David, als er sich von seinen Liebsten, seinen Freunden und seinen Nächsten ganz und gar verlassen sah (V. 12), mit dem Herzenswunsch, nicht auch von Gott noch verlassen zu werden (V. 22). Er schreibt diesen Psalm also zum Gedenken, dass Gott sich seiner erinnere. Luther übersetzt hier "zum Gedenkopfer" und erinnert so an eben den Teil des Speisopfers, der zum Wohlgefallen Gottes dargebracht wurde. Das Gedenkopfer verkörperte die Verbindung von Nachfolge und Freundschaft zwischen Gott und Israel, 3Mo 2:1-2b.9). Die Freundschaft wiederherzustellen sucht David in seiner Bitte um Vergebung für seine Sünden.

2 Das ist Davids erste herzliche Bitte: dass Gott ihn nicht aus den überbordenden Gewalten von Aggression und Wut heraus bestrafen und in Zucht nehmen möge. Vielmehr bittet er darum, dass Gott ihn, bei aller Notwendigkeit von Strafe und Züchtigung angesichts seiner Sünden (V. 4), mit Milde richten möge. Er fleht zu Gott wie der Prophet Habakuk: "Im Zorne denke an Barmherzigkeit!" (Hab 3:2). David kennt das Wesen Gottes und appelliert an Seine Güte und Gnade.

3-9
Den Beweggrund für sein eindringliches Gesuch nennt David sogleich: Er spürt den Biss seines Gewissens wie Pfeile Gottes in sich stecken und fühlt die allmächtige Hand des Allerhöchsten selbst, als die Last seiner Schuld ihn niederdrückt. Und er erkennt, dass der Grund für seine Qual allein in seinen Sünden liegt; in seiner Narrheit, die sich zu Sünden verleiten ließ, die nun wie Meereswogen über seinem Kopf zusammenschlagen und ihn zum Grunde drücken, wie eine allzuschwere Last (vgl. Jon 2:4). Doch nicht nur innerlich leidet David; auch sein ganzer Leib ist, als eine Mahnung Gottes, von den Folgen seiner Sünden und der Last seiner Seele in Mitleidenschaft gezogen. Ganz und gar krank ist sein Körper, bis auf die Knochen. Der üble Geruch des Eiters entzündeter Verletzungen plagt ihn und so schleppt er sich gebeugt und traurig von Tag zu Tag. Kein Flecken seines Körpers ist mehr heil. Wie ausgedörrt von feuriger Glut (Buber: "voller Brands") sind selbst seine Lenden, sonst ein Bild für die Kraft eines Mannes. Müde ist er geworden und matt, erschlagen und mit seinen Kräften völlig am Ende. Und dennoch findet seine Seele, wie ein eingesperrtes und gequältes Tier, keine Ruhe in ihm und so schreit er zu Gott aus der Rastlosigkeit seines sich nach Frieden sehnenden Herzens.

10 In seiner zweiten Bitte an Gott appelliert David an das Allwissen des Ewigen und an Dessen Kenntnis seiner Sehnsucht und Trauer, die er im Folgenden vor Gott ausbreitet.

11-15 David hat Angst; ihm bleibt schier das Herz stehen. Er ist, von seinen seelischen und körperlichen Qualen (Verse 3-9) vollkommen geschwächt, kraftlos und matt. Auch das Licht der Hoffnung erhellt seine Augen nicht mehr mit dem Glanz der Freude. Er ist allein: seine Familie und seine Freunde, ob aus fauler Bequemlichkeit oder ängstlichem Selbstschutz, schrecken vor ihm und seinem Leiden zurück und auch seine Nachbarn halten sich in sicherer Entfernung. In diese bis auf das Äußerste geweitete Bresche der Hilflosigkeit drängen nun auch noch seine Feinde, die es auf sein Leben abgesehen haben. Sie trachten nach Davids Unheil und Tod, verschwören sich miteinander gegen ihn und besprechen seinen Untergang. Sie planen von morgens bis abends Betrug und stellen ihm Fallen. So verängstigt, krank, verlassen und verfolgt, so matt und wehrlos ist David, dass er gar nicht mehr hören will, was seine Widersacher über ihn reden, geschweige denn zu widersprechen. So innerlich und äußerlich bedrängt, ist er gezwungen wegzuhören und den Mund zu halten. Und so erinnert er, trotz des Widerstreits in seinem Herzen, an unseren Herrn, von dem es heißt: "Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf" (Jes 53:7)".

16 Eingesperrt in dieser seelisch und körperlich, innerlich und äußerlich notvollen Situation blickt David sehnsüchtig und doch innerlich voller Vertrauen auf zu Gott und bekennt ihm seinen Willen und seine bereits gelebte Entscheidung: er will ausharren. Nicht einfach nur abwarten, sondern trotz allen Leidens sehnsüchtig und still auf Ihn warten, "dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist" (Mi 5:1), "eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war" (Spr 8:23 in Verbindung mit 1Kor 1:30). Auf "das A und das O", auf Den, "der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige" (Offb 1:8). Denn das weiß David in seinem Herzen ganz sicher: Gott, der allein gut ist (Mk 10:18), Er wird sein Gebet erhören.

17-18 Dass Gott sein Gebet erhört, ist David wichtig. Nicht allein angesichts seines Leidens: nein, er will auch nicht erleben, dass seine Feinde, etwa durch sein Einknicken, Grund und Raum hätten, ihn zu verachten und sich stattdessen selbst zu brüsten. Sein Gebet ist ihm ein dringliches Anliegen, denn er spürt wie ihm, von ununterbrochenen Schmerzen geplagt, die Kräfte schwinden und er nur noch eine Handbreit von seinem Sturz entfernt ist.

19 Inmitten dieser Not und wohl auch gerade wegen ihr, geschieht das Wunder der Buße und David spricht: "So bekenne ich nun..." --- "So..."
? --- Ja, "so"! So viel Leid war nötig. So viel Schmerz und Hilflosigkeit. Dann erst, endlich!, bricht und sprudelt es aus David heraus: das offene Bekenntnis seines Vergehens und seine Reue angesichts seiner Verfehlung. Endlich macht sich seine Seele Luft. Gott sei Dank!, der uns erzieht, indem Er uns "verletzt und verbindet" und indem Er uns "zerschlägt und ... heilt" (Hi 5:18). Von ihm singt Paul Gerhardt zu Recht:

Er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast.

20-21 Und doch ist die Situation, in die Gott David gestellt hat, nur Mittel und nicht Zweck oder Ziel. Und so klagt David Gott sein Leid und seine begründete Furcht: seine Widersacher sind nicht allein lebendig, sie sind auch in der Überzahl und groß an Macht. Vor allem aber sind sie ihm grundlos feind. Denn was David gesündigt hat, das hat er an Gott allein gesündigt (Ps 51:6), nicht an ihnen. Ganz im Gegenteil: David tat ihnen nur Gutes, doch sie vergelten ihm dafür Böses. Doch warum? Sie sind aus einem Grund seine Feinde und das Unrecht, das sie tun, hat allein eine Wurzel: weil sie Davids Herzenshaltung nicht ertragen, der sich zum Guten hält und damit - wenn auch unwillentlich - ihre Bosheit entlarvt. Dieses merkwürdige Gesetz der Feindschaft erklärt uns unser Heiland in Joh 3:20: "Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden". Und nicht nur kommen sie, aus Furcht vor der Offenbarung ihrer Schuld, nicht zum Licht, sondern sie unterdrücken die Wahrheit sogar mit Gewalt, so dass Paulus über sie schreiben muss, dass "Gottes Zorn vom Himmel her offenbart [wird] über ... alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten" (Röm 1:18).

22-23 Angesichts dieser feindlichen Übermacht und seines ganz und gar elenden Zustands schreit David seine Not in seiner vierten und letzten Bitte an Gott heraus: er sehnt sich nach Gottes Nähe und fleht darum, dass Gott ihn doch um Himmels willen nicht verlassen möge. ER allein ist doch der Ewige und ist Davids Gott. IHN allein bittet David, ihm zur Seite zu stehen. Und so groß ist der Schmerz in Davids Herzen, dass er Gott anfleht, sich zu eilen, denn er weiß, wie Mose: "Herr, du bist unsre Zuflucht für und für" (Ps 90:1).


Praktische Anwendung
  • Wenn Gott Dich durch innere Not im Gewissen oder auch durch äußere Not in Form von Krankheit oder Anfeindung zur Buße ruft, dann sei "nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiss anlegen muss; sie werden sonst nicht zu dir kommen" (Ps 32:9).
  • Sondern bekenne Gott Deine Sünde sofort. Denn: "Wer seine Sünde leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen" (Spr 28:13).