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Sonntag, 15. Mai 2022

"Mit brennendem Herzen begeistert dienen" (Philipper 1,20-26)


[Predigt als Video] | [Predigt als MP3]

Guten Morgen, ihr Lieben! 

Joi hat es ja schon angekündigt: Heute Philipperbrief; immer noch Kapitel eins. 

Worum es heute geht?

  • Unser heutiger Text: Ich werde den Text diesmal direkt am Anfang lesen, ...
  • Mein Habibi: ... um euch dann mal ein bisschen einen Einblick zu geben, wie es mir manchmal geht. Ich will mich mit dem Apostel Paulus sicherlich nicht vergleichen, aber als ich den Text gelesen habe, ist mir sofort was in den Sinn gekommen, was meine liebe Frau betrifft. Auf Arabisch: mein Liebling, mein Habibi. Um da vielleicht mal so einen Einstieg zu finden in dieses Thema: "Hin- und hergerissen sein zwischen zwei Dingen."
  • Unsere Vision: Ich möchte dann die Brücke schlagen zu unserer Gemeindevision. Und mal schauen, was dieser Text mit unserer Gemeindevision zu tun hat.
  • Von Paulus lernen: Und uns dann die Frage stellen: "Was können wir von Paulus lernen?" Und da ein bisschen tiefer in den Text reingehen. Wie gesagt, es ist eine ziemlich lange Passage. Da ist wahnsinnig viel drin. Da könnte man auch bestimmt sechs oder sieben Predigten draus machen. Ich versuche mich da mal aufs Wesentliche zu konzentrieren, aber mit dem Blick darauf "Was sind eigentlich die Kernelemente vom Text?" Und "Was sind die Kernelemente in dem, was wir von Paulus lernen können?", ...
  • Was können wir tun?: ... um es dann in die Übertragungsebene zu bringen und uns zu fragen: "Was können wir denn jetzt tun?" Und wir werden sehen, dass es auf der einen Seite zwar ein bisschen was mit "tun" zu tun hat, aber vielleicht noch viel mehr mit etwas, was gar nicht so sehr mit "tun" zu tun hat. Dann könnt ihr gespannt sein, wie sich dieses Rätsel auflöst.
  • Ein Blick in die Zukunft: Und ganz zum Schluss möchte ich einen Blick wagen in die Zukunft unserer Gemeinde.


Unser heutiger Text

Aber bevor ich das tue, möchte ich erst mal mit euch gemeinsam den Text lesen. Philipper eins, Verse 20 bis 26. Ich war so frech und habe mir die Verse 10 bis 25 aus der Neues Leben Bibel gezogen und den Vers 26, weil er noch schöner übersetzt war, aus der guten Nachricht. Das heißt, so wie er dasteht, werdet ihr den Text in keiner einzelnen Bibel finden, sondern da müsst ihr dann schon zwei haben. Da schreibt der Paulus: "Ich erwarte und hoffe sehr, dass ich nie etwas tun werde, dessen ich mich schämen müsste. Sondern dass ich immer, wie bisher auch, unerschrocken für Christus eintreten werde und durch mein Leben Christus in allem geehrt wird, ob ich nun lebe oder sterbe. Denn Christus ist mein Leben. Aber noch besser wäre es, zu sterben und bei ihm zu sein. Doch wenn ich lebe, dann trägt meine Arbeit für Christus Früchte. Deshalb weiß ich wirklich nicht, was ich wählen soll. Ich fühle mich zwischen zwei Wünschen hin und hergerissen. Ich sehne mich danach, zu sterben, um bei Christus zu sein, denn das wäre bei weitem das Beste. Doch für euch ist es besser, wenn ich lebe. Darauf vertraue ich. Und deshalb werde ich bei euch bleiben, damit ihr im Glauben wachst und ihr erlebt, welche Freude der Glaube bringen kann. Und ihr werdet euch noch viel zuversichtlicher dessen rühmen können, was Jesus Christus durch mich an euch getan hat, wenn ich wieder bei euch bin und unter euch wirken kann.“ 

So viel einmal zum Text.


Mein Habibi

Ja. Was ist mir zu dem Thema wichtig geworden? Ich habe die Passage durchgelesen. Ich habe wie immer, das mach' ich meistens in der Woche vor der Predigt, mir alle meine Kommentare durchgelesen, um ein Gefühl für den Text zu kriegen, zu gucken, wie andere Leute da wesentliche Punkte raus gesehen haben und habe aber diesmal in den Kommentaren gar nicht so viel gefunden, wo ich gesagt hätte, dass "Das haut's jetzt raus!" Und mir ist immer wieder eine Szene durch den Kopf gegangen. Und bevor ich euch die erzähle möchte, möchte ich was vorausschicken.

Wir werden nachher sehen, wie es dem Paulus gegangen ist. Und ich möchte mich auf keinen Fall mit dem Paulus vergleichen. Und das hat einen guten Grund. Ich denke, dass der Paulus ein echter Heiliger ist. Und jetzt könnte man natürlich sagen Ja, Michi, aber hast du dein Neues Testament nicht gelesen? Wir sind doch alle Heilige. Wir werden doch sogar als Gemeinde mit "ihr Heiligen" Angesprochen. Und ja, das ist richtig. Aber ich möchte mich nicht dazu verleiten lassen, einer postmodernen Gleichmacherei beizutreten, die gerne dafür sorgen würde, dass wir alle gleich sind. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ich in meinen besten Zeiten die 100 Meter in 11,2 gelaufen bin, was schon ziemlich fix ist. Aber es gibt auch Leute wie einen Usain Bolt, die laufen die mal zackig in, weiß ich nicht, 9,7. Wo man noch gedacht hat, das geht überhaupt nicht. Und von daher, denke ich, ist es mit der Heiligkeit genau das Gleiche. Ja, wir sind alle begnadigt. Ja, wir sind alle von Gott angesehen als Heilige, weil er uns nur in der Heiligkeit Christi betrachtet. Und trotzdem glaube ich, dass es gravierende Unterschiede gibt in der Ausprägung, in der Reife, die jemand in seinem Glaubensleben erreicht. Und das, was wir nachher von Paulus hören werden, da würde ich mal sagen, das ist "top notch". Das, was ich aus meinem Leben zu berichten habe, das ist sicherlich nur ein schwacher und teilweise auch ein etwas schiefer Abglanz. Und so viel mal vorausgeschickt.

Aber woran ich denken musste: Ich habe das immer wieder mal in meinem Leben, dass es ein bisschen schwieriger wird. Und an manchen Stellen war es auch schon mal so schwierig, dass mir diese Sehnsucht nach dem Himmel auf eine ganz andere Art und Weise wichtig geworden ist. Mir war mein Leben so schwer geworden mit der ganzen Arbeit, mit all den Anfechtungen, mit den Herausforderungen, insbesondere auch mit dem Leiden an meiner eigenen Begrenztheit und Sündhaftigkeit und Fehlerhaftigkeit, dass ich mir wirklich, wirklich gewünscht habe, eigentlich würde ich gerne gehen dürfen. Und dann lag ich so in meinem Bett neben mir meine Frau, die hat natürlich schon fest geschlafen. Und dann habe ich mir gedacht, das ist eigentlich kein frommer Wunsch. Weil: wie würde es ihr gehen, wenn ich nicht mehr da bin? Wer wird für die Familie sorgen? Wer? Wer würde sich kümmern, dass genügend Brot auf dem Tisch ist? Und da habe ich zum Ersten Mal in meinem Leben etwas Ähnliches erfahren, wenn auch sicherlich nicht aus so heiligen Motiven wieder wie der Paulus, wo ich gesagt habe, mich reißt es hin und her. Auf der einen Seite möchte ich gerne bei Christus sein, weil: da weiß ich, was ich davon habe. Dann geht es mir für immer und ewig besser als gut. Auf eine Art und Weise gut, die ich mir heute noch gar nicht ausmalen kann. Und auf der anderen Seite habe ich gespürt: Aber es wäre besser, wenn ich bleibe. Weil ich mir auch wünsche, dass es meiner Familie gut geht. Und ja, das ist das, was mir zu diesem Thema eingefallen ist, wo ich zumindest mal im Ansatz habe erahnen können, wie es wohl einem Paulus gegangen sein muss, der ja weitaus mehr in seinem Leben zu tragen hatte, weitaus mehr an Anfechtung. Ich meine, der Mann ist gesteinigt worden, der hat Schiffbruch erlitten, Widerstand auf eine Art und Weise, den wir uns überhaupt nicht ausmalen können; weil wir das nicht kennen hier in Europa. Und trotzdem zu sagen: Ich kann dieses hin und hergerissen werden irgendwo ein Stück weit nachvollziehen.


Unsere Vision

Und jetzt habe ich ja gesagt, hat das, was wir nachher auch noch von Paulus lernen können, ein Stück weit denke ich, auch was zu tun mit unserer Vision. Ich möchte uns noch mal an unseren Leitvers erinnern. Da heißt es ja "Gott begegnen, bewegt werden, Leben teilen." Das heißt, was wir machen wollen, ist: Wir wollen eigentlich als Gemeinde einen Unterschied machen in unserem Stadtteil. Wir möchten, dass Menschen sehen, was Jesus sich gewünscht hat für seine Gemeinde. Er hat gesagt: "An eurer Liebe werden sie erkennen, dass ihr meine Jünger seid." Er hat sich gewünscht, dass wir ein Licht sind auf dem Berge, das weithin leuchtet. Und dann denke ich mir, muss man sich die Frage stellen: "Ja, wie kann das gelingen, ohne dass das jetzt Krampf wird, ohne dass das Stress wird?" Wie können wir das von Herzen sagen: "Christus ist mein Leben." Also das heißt ja auf Deutsch: "Ich gebe alles!" Diese Beziehung ist mir so wichtig, dass ich mich da voll rein investiere. Wie kommen wir dahin, dass wir voller Liebe, mit brennendem Herzen, hingegeben und voller Begeisterung uns von Jesus im Dienst für seine Gemeinde gebrauchen lassen und dabei auch noch voller Freude bleiben? Wie wie kann das gelingen? Und ich habe dann beim Lesen vom Text und beim drüber nachdenken mehr und mehr den Eindruck bekommen, das hat sehr, sehr viel damit zu tun, worauf wir unseren Fokus richten und das in, ich würde mal sagen, mindestens zweierlei, vielleicht sogar dreierlei Hinsicht. Also was hat das mit unserem Fokus zu zu tun, dass wir hingegeben dienen können? Das möchte ich im Folgenden ein Stück weit erläutern.


Von Paulus lernen

Doch zuerst mal: einen Einblick darein, was Gottes Sicht ist zu diesem Thema. Und damit auch die Frage: "Was können wir hier anhand von diesem Text vom Paulus lernen?" Ich möchte mit euch gemeinsam dazu mal genauer hinschauen, um reinzugucken in das Herz von Paulus. Was ihn da bewegt. 

Er schreibt ja im Vers 23 "Ich sehne mich danach, bei Christus zu sein, denn das wäre bei Weitem das Beste." Nun habe ich mich gefragt: "Ja, wie kommt er jetzt darauf?"; "Warum?"; "Warum sagt er so einen Satz?" Und behaltet mal die Frage im Hinterkopf. Da unten steht sie ja noch: "Ich sehne mich danach, bei Christus zu sein. Das wäre bei weitem das Beste." Und behaltet mal die Frage im Hinterkopf: "Wie kommt der Mann darauf, so einen Satz rauszuhauen?" "Ja...", könntet ihr jetzt sagen, "... Paulus was ist denn mit dir los?. Bist du lebensmüde? Du bist doch Apostel! Jetzt mach mal deinen Job! Du kannst ja nicht jetzt gleich sagen 'Ich möchte jetzt mal Zack im Himmel verschwinden!'" Wie kommt dann der Paulus darauf, so so einen Satz zu sprechen? Und ich möchte dazu mehrere Bibel Passagen vorlesen und ich hoffe, dass ihr erkennen könnt, in welchem Zusammenhang die mit dieser Aussage von Paulus stehen und inwiefern die auch diese Frage beantworten.

Wie kommt der Paulus darauf, so einen rauszuhauen? Der erste Text steht im Römer, Kapitel sieben, Verse 18 und 19. Dort steht (auch von Paulus): "Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen, habe ich wohl. Aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." Und er kommt am Ende vom Kapitel sieben noch mal zu diesem Satz: "Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Leibe des Todes?" Und ich denke, allein an dieser Passage merken wir schon eines der Dinge, die dem Paulus hart zugesetzt haben, nämlich dass er merkt: Auch wenn ich zum Glauben gekommen bin, auch wenn ich erlöst bin, es ist und bleibt bis an unser Lebensende ein Kampf mit der Sünde. Und es ist kein leichter Kampf, sondern ein Kampf, der einen bis bis nah an die Verzweiflung treiben kann, dass man einfach merkt: Der schlimmste Feind auf dem Planeten, den wir jemals haben können, das sind wir selbst! Wenn uns irgendetwas im Glauben im Weg steht, dann sind das wir selbst. Ich denke, dass wenn wir Römer 7 lesen, dass wir da schon ein Stück weit einen Blick dafür kriegen, dass auch der Paulus daran gelitten hat.

Natürlich geht es Gott sei Dank nachher weiter mit Römer acht. Eines der schönsten Kapitel in der Bibel. Kommen wir gleich noch dazu. Noch ein zweiter Aspekt 2. Korinther, Kapitel 5, die Verse 7 bis 9. Da schreibt der Paulus: "Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben viel mehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum setzen wir auch unsere Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohl gefallen." Das heißt: da ist noch so eine Sache, die den Paulus bewegt. Er weiß, dass der Himmel kommt. Er hat eine Hoffnung. Aber es ist eine Hoffnung, die er nur im Glauben ergreifen kann. Er lebt in diesem Leben so wie wir. Ohne dass er es schon greifen könnte, ohne dass er es schon sehen könnte. Er weiß, er ist noch nicht angekommen. Und ihm ist es eine Motivation, alles daran zu setzen, Gott wohlzugefallen. Zu sagen: "Darauf lebe ich hin!" Und. 

Jetzt noch mal zurück in den Römerbrief. Wie gesagt, eins meiner Lieblings-Kapitel: Römer 8, die Verse 22 bis 25. Dort schreibt er Paulus: "Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstigt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung. Denn wie kann man hoffen auf das, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld." Das heißt: noch so ein Aspekt, der den Paulus bewegt, ist dieses "Ich bin noch nicht angekommen." Ich leide mit der ganzen Schöpfung immer noch daran, dass es hier unten auf diesem Planeten nicht so einfach ist. Ich hab' mir dazu auch noch mal ein Vers aus dem Johannesevangelium raus geguckt. Johannes, Kapitel 16, Vers 33. Den kennt ihr wahrscheinlich auch alle. Da sagt Jesus: "Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. Denn in der Welt, da habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden". Und ich denke, das ist dieses ganze Paket auf der einen Seite, das ist  einer der Aspekte, dass es hier unten eben nicht leicht ist. Hier unten haben wir mit uns selbst zu kämpfen. Hier unten haben wir zu warten. Hier unten haben wir Angst. Hier unten haben wir Leid. Nehmt es mal so als einen Aspekt mit.

Aber das ist eben nicht alles. Noch eine meiner absoluten Lieblings Passagen. Es gibt noch etwas anderes. Nämlich diese Hoffnung, von der schon die Rede war. Offenbarung 21. Die Verse 1 bis 7. Da nimmt uns der Apostel Johannes mit hinein in eine Schau von dem, was uns versprochen ist. Und er schreibt: "Und ich sah einen neuen Himmel. Und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabkommen. Bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: "Siehe da! Die Hütte Gottes bei den Menschen." Und er wird bei ihnen wohnen. Und sie werden sein Volk sein. Und er selbst, Gott, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Und der Tod wird nicht mehr sein. Noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein. Denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: "Siehe, ich mache alles neu." Und er spricht: "Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss." Und er sprach zu mir: "Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers. Umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben. Und ich werde sein Gott sein. Und er wird mein Sohn sein.""

Das ist dieser zweite Aspekt, der dem Paulus vor Augen ist. Ja, hier unten kämpft er mit der Sünde. Ja, hier unten hat er Anfechtung. Hier unten muss er warten. Hier muss er geduldig sein und im Glauben bleiben. Ja, hier unten hat er Angst und Bedrängnis. Aber er weiß, es liegt etwas vor ihm. Er schreibt das an einer anderen Stelle, die habe ich jetzt nicht rausgesucht, wo er sagt: dass das, was vor uns liegt (und er übertrifft er sich mit einem, dreifachen Superlativ), wo er sagt, dass das, was wir in dieser Zeit leiden, nichts ist im Vergleich zu der über alle Maßen gewichtigen Herrlichkeit, die auf uns wartet.

Ich glaube wirklich: was uns im Himmel erwartet, ihr Lieben, da haben wir nicht den Schatten einer Ahnung davon. Wir können uns das immer nur vorstellen im Sinne von was alles nicht sein wird. Wir haben das gerade gelesen im Text. Es wird kein Schmerz mehr sein, kein Leid, kein Geschrei, kein Tod. Aber wie wird es sein, einen Leib zu haben, in dem keine Sünde mehr wohnt? Ein Leib zu haben, der mir nicht mehr zur Bedrängnis wird? In einer Welt zu leben, die mich nicht mehr anficht? Im Gegenteil, wo alle voller Liebe sind, nicht nur Gott, sondern alle, die um mich sind, die werden sich alle überschlagen mit Freundlichkeiten und mit Gutheit. Und wir werden nicht mehr krank. Und so weiter. Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich kann es nur erahnen.

Und das hat der Paulus im Hinterkopf. Und darum sagt er "Ich sehne mich danach, bei Christus zu sein, denn das wäre bei weitem das Beste." Das heißt, der Paulus ist jetzt nicht so ein selbstmordgefährdeter Mensch, sondern ein sehr, sehr realistischer Christ, der glasklar vor Augen hat, was noch kommt. Und ich denke, dieses Wissen um das, was noch kommt, das befreit in. Das befreit ihn im Diesseits alles zu geben. Weil er weiß, er hat ja nichts zu verlieren, weil es wartet eine Ewigkeit voller Freude auf ihn. Und das ist auch so ein Aspekt der Ewigkeit. Auch das können wir uns, denke ich, nur sehr schwer vorstellen. Aber setzt es mal ins Verhältnis. Nehmen wir mal an, wir werden 80, 90 wenn es hochkommt 100 Jahre alt. Und jetzt nehmen wir mal an, der Himmel wäre für 200 Jahre. Ja, nun könnte man sagen, das ist auf jeden Fall schon mal ein Verhältnis von zwei zu eins. Da wäre doch jetzt die Herrlichkeit auf jeden Fall schon mal "mehr" als das Leid auf Erden. Aber wir werden nicht 200 Jahre im Himmel sein oder 2000 oder 20.000, 200.000, 2 Millionen. Wir werden für immer und ewig im Himmel sein. Wer sich ein bisschen in der Mathematik auskennt, der weiß, wenn ich eins durch Unendlich teile, da kommt nur null raus. Und das ist der Grund, warum der Paulus das sagt. Das, was wir hier erleiden, was wir erwarten, wo wir hoffen und leiden, ist ein Nichts im Vergleich mit dem, was kommt. Und das, denke ich, setzt den Paulus frei. Das setzt ihn frei zu sagen: "Ich habe nichts zu verlieren, ich habe alles schon gewonnen, es liegt alles vor mir!"

Das wird kommen. So sicher wie das Amen in der Kirche. Und deswegen kann er schreiben: "Für euch ist es besser, wenn ich lebe." Und was wünscht er sich da? Ich denke, es sind drei Sachen. Vielleicht steckt noch mehr im Text drin. Aber es sind drei, auf die ich jetzt mal schauen will. Er wünscht sich, "dass ich immer unerschrocken für Christus eintreten werde." Was meint er damit? Er wünscht sich, dass er sich durch nichts und niemand davon abhalten lässt, das Evangelium weiterzugeben, für die gute Nachricht einzustehen, egal wie viele Leute dagegen schreien. Er wünscht sich, "dass durch mein Leben Christus geehrt wird." Er wünscht sich, ein gutes Zeugnis zu sein, weil er genau weiß, dass die einzige Bibel, die viele Leute jemals lesen werden, ist unser Leben. Und er wünscht sich, dass sein Leben im Einklang mit dem ist, was Christus uns aufgetragen hat, nämlich Liebet einander: liebe Gott und liebt einander. Paulus wünscht sich, dass er ein gutes Zeugnis ist.

Und vor allen Dingen wünscht er sich, dass die Gemeinde im Glauben wachst und erlebt, welche Freude der Glaube bringen kann. Das heißt, er wünscht sich, dass seine Glaubensgeschwister ihr Vertrauen auf Jesus setzen und in diese Freude des Glaubens hineinwachsen. "Und...", sagt er, "...trotz alledem: wegen der Herrlichkeit, die vor mir ist, kann ich alles geben" und diesen Satz sagen: "Für euch ist es besser, wenn ich lebe." Er gibt sich hin.

Jetzt könnte man sagen, ja, das ist jetzt schon freisetzend, zu sagen, "Hier unten ist es nicht so leicht. Aber ich habe eine große Motivation, weil eine unendliche Herrlichkeit auf mich wartet. Weil ich begriffen habe: ich habe nichts zu verlieren." Aber irgendwie ist es doch anstrengend, oder: Heilig werden.

Ich glaube, dass in diesem Text, insbesondere im Vers 26 das ganze Evangelium drin steckt. Joi und ich haben uns ein bisschen drüber ausgetauscht und das ist auch der Grund, warum ich den Vers 26 aus einer anderen Übersetzung genommen habe: Ich habe erst mal ins Griechische reingeguckt. Das ist ultra schwer zu übersetzen. Für mich zumindest Weil das, was dort im Griechischen eigentlich steht, ist, dass die Gemeinde in Philippi Grund hat sich in Paulus in Christus zu rühmen. Es ist so wie so eine verschachtelte Puppe. Kennt ihr die? Das heißt, man muss das erst mal entpacken, was in diesem Vers drinsteckt. Dieses "was Jesus Christus durch mich an euch getan hat". Ich glaube, da steckt das komplette Evangelium drin. Dem Paulus ist glasklar: Es ist nicht er, der handelt. Es ist nicht er, der jetzt großartig was geleistet hat. Sondern es ist "Christus in euch die Hoffnung der Herrlichkeit".

Und das schönste Beispiel, was ich da für je gefunden habe, das ist von Martin Schleske, einem der besten Geigenbauer der Welt. Der hat ein Buch geschrieben. "Der Klang". Kann ich jedem nur ans Herz legen. In diesem Buch beschreibt er auf zwei Ebenen eine Geschichte. Die oberflächliche Ebene ist, wie eine Geige entsteht. Und da geht er mit dem Leser in den Wald und sucht den Baum aus. Er geht mit dem Leser durch die ganze Geschichte. Wie der Baum gefällt wird; das Holz geschnitten, das Holz getrocknet, das Holz am Klang ausgewählt, zur Geige verarbeitet. Und so weiter und so fort. Aber das Buch endet damit, dass die Geige, wenn sie fertig ist, noch nicht ihr Ziel erreicht hat. Sondern zum wirklichen Wunder wird sie erst, wenn sie von einem Musiker gespielt wird, der dieser Geige würdig ist. Und auf einer anderen Ebene spürt man diesem Buch ab, dass er die Geschichte Gottes mit seinen Menschen beschreibt. Gott hat uns auserwählt. Er hat uns geschaffen. Er hat uns zusammengesetzt. Er hat uns ausgestattet mit unseren Gaben. Und es ist er, der dieses Instrument bedient. Und das, denke ich, ist das, was Gott sich von uns wünscht. Nicht, dass wir uns verkrampfen und krumm buckeln und meinen, wir müssten ihm irgendetwas bringen. Wir haben ihm nichts zu bringen. Gar nichts. Da kommen wir nachher noch drauf (Johannes 15,5).

Sondern Gott möchte an uns, in uns und durch uns wirken. Er möchte seine Sinfonie der Liebe durch unser Leben spielen. Das heißt, es geht nicht um unsere Leistung. Es geht um unsere Hingabe. Es geht darum, dass wir unser Leben ihm zur Verfügung stellen und ihn spielen lassen. Und ich denke, dass diese Erkenntnis unglaublich entlastend ist. Ermutigend. Beflügelnd. Ich muss Gott nichts bringen. Ich muss für Gott nichts leisten. Alles, was er sich von mir wünscht, ist, dass ich zu ihm komme und mich ihm zur Verfügung stelle. Und ihn machen lasse.


Was können wir tun?

Trotzdem hatten wir im Inhaltsverzeichnis die Frage gestellt: "Was können wir tun?" Nachdem, was ich gerade gesagt habe, sollte klar sein, dass das, was wir tun können, was wir beitragen können, in keinster Weise eine Leistung ist, die einen Unterschied macht, sondern auch wiederum etwas, was dieser Hingabe entspricht. Ich denke, das Erste und Wesentlichste, was wir machen können ist: immer wieder auf Christus zu schauen. Ich persönlich schaue am liebsten auf dieses Bild (ich bin mir nicht ganz sicher: ich glaube, es ist die Sixtinische Kapelle). Auf Christus zu schauen. Auf seine Gnade, auf seine Treue. Darauf, dass er mir immer und immer und immer wieder vergibt. Das rührt mich zutiefst. Das habe ich nicht verdient. Manchmal fällt mir das sogar schwer zu glauben. Weil ich immer und immer wieder Böcke schieße. Aber er bleibt treu. Und dieser Blick ans Kreuz. Dieser Blick auf Christus. Der macht mich froh und der macht mich dankbar. Und der ist es, der mich immer wieder motiviert zur Hingabe.

Und wenn euch das aus dem Blick gekommen sein sollte: Dann könnt ihr noch etwas tun: Lest Psalm 103. Dort kommt dieser wunderbare Vers vor: "der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit." Ihr Lieben! Wir machen von morgens bis abends Bockmist. Und wenn ich mich im Spiegel schaue, dann denke ich mir, eigentlich müsste Gott mich links und rechts abwatschen. Und was macht er? Er sagt: "Dich will ich krönen mit Gnade und Barmherzigkeit."

Was kann ich noch tun? Ich kann mir immer wieder vor Augen führen: "Das Beste kommt noch." Das, was wir hier erleben, das ist nicht alles. Es ist ein winziger, verschwindend kleiner Bruchteil unseres Lebens. Eins dividiert durch unendlich ist null. Das, was wir hier erleben und erleiden ist nichts, absolut nichts, im Vergleich mit der Herrlichkeit, die auf uns wartet! Und diese Herrlichkeit kommt gewiss. So, wie alles andere gekommen ist, was Gott versprochen hat. Und ich denke, dass dieser Blick befreit zur Hingabe.

Und last but not least können wir noch etwas tun. Wir können Johannes 15,5 lesen. Und dort steht geschrieben: "Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht." In dem Vers steht auch: "ohne mich könnt ihr nichts tun." Nicht 'wenig'. Nicht 'ganz wenig'. Nicht 'nur ein klitzekleines bisschen'. Sondern 'nichts!'. Und wenn wir das begreifen: "Wir können nichts tun. Null. Null-komma-Null!" Sondern: "Es ist Christus in uns, der alles tut." Dann glaube ich, haben wir ein paar Zutaten beieinander, die uns befreien, uns Hoffnung machen. Und die uns motivieren, uns hinzugeben. Da muss ich nicht viel tun. Nur ihn spielen lassen, mich ihm zur Verfügung stellen.

Und das immer wieder mit diesem Blick ans Kreuz, mit dem Blick auf Christus und mit dem Gedanken im Herzen "Was für ein Gott!" Ein Gott, der die Ewigkeit verlässt: Höchste Herrlichkeit, höchste Glückseligkeit. Und an einem Kreuz verreckt, damit ich an seiner Herrlichkeit Anteil bekomme.


Ein Blick in die Zukunft

Lasst mich zum Schluss mal einen Blick in die Zukunft der Gemeinde wagen. Stellt euch mal vor, wie das wäre. Wenn uns das alles in ein paar Jahren (wir können ja heute schon damit anfangen!) immer besser und besser gelingt. Stellt euch das mal vor: dass wir eine Gemeinde sind, die vor Freude platzt. Über die Güte und Gnade Gottes, über seine Treue, über seine Vergebung. Eine Gemeinde, die motiviert ist, diese Freude zu verbreiten, weil sie gar nicht weiß, wohin damit. Sie möchte, dass auch andere Menschen an dieser Freude, an diesem Glück Anteil bekommen. Stellt euch mal vor, wir wären eine Gemeinde, die voller Vorfreude auf den Himmel ist. Befreit, sich von Jesus gebrauchen zu lassen, damit seine Vision Wirklichkeit wird: Eine Welt voller Liebe. Und stellt euch einmal vor, wir wären eine Gemeinde, die befreit ist von dem Krampf und von der Last, weil wir begriffen haben, dass es nicht an uns liegt, sondern an Christus in uns. Der uns Vollmacht verleiht. Und alles, was uns bleibt, ist, uns zur Verfügung zu stellen. Ich denke, wenn uns das gelingt, dann werden wir einen Unterschied machen hier in Hadern. Und das wünsche ich mir von Herzen.

Amen.


Sonntag, 3. April 2022

„Es kommt darauf an, wie man es sieht!“ (Phil 1,12-19)

© 2005 Andere Zeiten e.V. Hamburg


[Predigt als Video] | [Predigt als MP3]

Was mir zum Thema  „Blickwinkel“ wichtig ist

Ja, ihr Lieben, ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich bin aktuell sehr, sehr müde. Das liegt nicht nur daran, dass ich mal wieder sehr viel zu tun habe in der Arbeit. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich seit 2016 jedes Jahr eine Re-Org miterlebt habe, jedes Jahr eine neue Rolle bekommen habe, jedes Jahr gefühlt nochmal von vorne angefangen habe - und jetzt werde ich bald 60 und da ist man nicht mehr ganz so sportlich unterwegs. Ich würde mal sagen, das schlaucht.

Obendrauf noch zwei Jahre Corona: Regeln; Masken. Was mir besonders gefehlt hat, ist euch Freunden ins Gesicht zu schauen, mal ein Lächeln zu sehen. Fehlende Nähe. Dann zwei Jahre Homeoffice. Kein Kontakt mit den Kollegen oder immer nur über den Bildschirm. Bei mir in meinem Leben (ich weiß nicht, wie es bei euch war): keine Feiern mehr; sehr, sehr wenig Besuche bei Freunden. Dieses nicht mehr rauskommen. Sozusagen den ganzen Tag in der eigenen Bude hocken, wo einem die Decke auf den Kopf fällt.

Obendrauf noch (das ist jetzt vielleicht ganz persönlich für mich eine Herausforderung): wie schwierig es geworden ist, in unserer informations-überfluteten Welt die Wahrheit zu finden. Weil ich neben der Arbeit oft auch die Zeit gar nicht habe, um die Recherche zu machen, die ich eigentlich machen müsste; in der Tiefe, wie man das im Studium gelernt hat.

Und dann kommt jetzt auch noch Putin mit seinem Krieg. Menschen auf der Flucht. Unsägliches Leid. Sorgen um die Zukunft. Und zumindest bei mir schürt das Müdigkeit, Traurigkeit und will einen treiben in die Richtung von Hoffnungslosigkeit und Depression. Und ich bin persönlich in letzter Zeit sehr oft versucht zu klagen. Und frag mich, wo Gott in dem Ganzen steckt. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt?

Geht es euch manchmal vielleicht genauso, dass ihr angesichts dessen, was ihr erlebt in eurem Leben, angesichts dessen, was ihr erlebt an Elend auf der Welt, mit dieser Frage ringt? "Wo ist jetzt Gott?" "Warum macht er nichts?" Dass ihr Gott nicht mehr erkennen könnt; Gott nicht mehr sehen könnt?


Inwiefern betrifft uns das Thema „Blickwinkel“?

Mir ist dann neben der Tatsache, dass ich über den heutigen Text predigen wollte -  der übrigens genau mit diesem Thema zu tun hat: Gott zu erkennen in all dem Irrsinn, der passiert eine kleine Geschichte in die Hände gefallen. Ich habe ein kleines Buch geschenkt bekommen. Und normalerweise lese ich so was nicht. Ich hätte mir das nie selber gekauft. Das muss ich zugeben. Aber die Geschichten sind ganz nett und eine Geschichte unter denen ganz besonders. Das ist die Geschichte vom Nasruddin. Und die möchte ich euch heute mal vorlesen. 

Das Bild im Hintergrund stammt übrigens von dieser Geschichte und die Geschichte ist überschrieben mit. "Offensichtlich".

Zu einem Waisen kam einer und klagte "Ich suche nun so viele Jahre nach Gott und kann ihn nicht finden!" Der Weise sah ihn freundlich an und erzählte: "Es war einmal ein Mann namens Nasruddin. Er ging immer hin und her über die Grenze. An verschiedenen Zollstellen. Einmal mit einem Esel, einmal auch mit zweien oder dreien. Und auf den Eseln transportierte er große Lasten Stroh. Und die Zöllner wussten, dass er ein bekannter Schmuggler war. Und so durchsuchten sie ihn immer wieder, stachen mit Stöcken in die Strohballen und manchmal verbrannten sie das Stroh und suchten in der Asche nach dem, was er schmuggelte. Aber sie fanden nichts. Und Nasruddin wurde reicher und reicher. Schließlich wurde er alt, zog in ein anderes Land und setzte sich zur Ruhe. Dort begegnete ihm einer der früheren Grenzwächter und fragte Nasruddin: "Jetzt könnt ihr es mir ja sagen. Was habt ihr geschmuggelt, dass wir nie gefunden haben?" Nasruddin lächelte und sagte "Esel!" "Siehst du", sagte der Weise, "so sucht mancher nach Gott, und Gott ist vor seinen Augen."

Erinnert ihr euch noch an meine Fragen? Geht es euch manchmal genauso? Dass ihr Gott in all dem Elend auf der Welt oder in eurem Leben nicht mehr seht? Und das ihr euch dann fragt "Wo ist Gott in dem Ganzen?" "Warum macht er nichts?" "Warum greift er nicht ein?" Geht es euch manchmal genauso, dass ihr die Esel nicht mehr seht vor lauter Konzentration auf die Schmuggelware? Dass ihr Gott nicht mehr erkennen könnt vor lauter Konzentration auf das Übel in der Welt oder in eurem Leben?

Es kommt also auf die Blickrichtung an, es kommt darauf an, worauf wir uns konzentrieren. Wir können uns konzentrieren auf das Leid. Auf das Schlechte, auf all die Übel, die passieren in der Welt. Auf all die Übel, die passieren in unserem Leben. Auf das, was uns herausfordert, müde macht, traurig macht, depressiv.

Oder wir können uns auf das Gute konzentrieren, auf das Schöne, auf das Wahre. Bei mir sind es Dinge in der Natur. Also ich freue mich über jede kleine Blume, über jeden Vogel, der piept. Ich freue mich über Kinder, über Musik und solche Dinge. Darauf kann ich mich auch konzentrieren.

Was hat Gott nun zum Thema „Blickwinkel“  zu sagen?

Es ist natürlich die Frage "Was hat Gott uns zu diesem Thema zu sagen?" 

Ich möchte uns da zuerst mal den Text lesen aus Philipper Kapitel 1, Verse 12 bis 19. Das ist überschrieben mit "Die Gefangenschaft des Paulus und Die Verkündigung des Evangeliums": "Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder, wie es um mich steht. Das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. Denn, dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen anderen offenbar geworden. Und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden, ohne Scheu. Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht, diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege. Jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut es aber, wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise? Es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen, denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi."

Ich habe den Text mal in der Fassung von der Guten Nachricht an die Wand geworfen. Weil es, wie ich finde, den Text auch noch einmal auf eine sehr moderne Art und Weise auf den Punkt bringt.

Und Jetzt kann ich mich auf das Negative konzentrieren. Und ich möchte euch bitten, euch da mal mit Paulus hineinzuversetzen. In seine Lage. Paulus ist gefangen. Er liegt im Gefängnis. Und das war früher. Ich meine, das Gefängnis ist sicherlich auch heute kein Spaß. Aber früher waren das Kerker. Feucht. Keine Ahnung, was da für Kroppzeug rum gekrochen ist. Und er war angeklagt. Mit Gründen, wo wo jeder von uns weiß, das waren allesamt Lügen. Und überhaupt mal jetzt aus moderner Sicht : Was für eine Frechheit, einen Menschen wegen seines Glaubens, wegen seiner Überzeugung in den Knast zu sperren! Was für eine Bosheit! Einem Menschen, zu verbieten, das zu sagen, wovon er überzeugt ist. Paulus war ja nur im Gefängnis, weil er das Evangelium weitergegeben hatte. Und natürlich, weil das den Pharisäern und Schriftgelehrten ein Dorn im Auge war.

Stellt euch das einfach mal vor. Ja, ihr liegt im Kerker. Vielleicht sogar mit mit Ketten. Und dann könnt ihr eh schon nichts mehr machen. Ihr seid hilflos eingesperrt. An die Wand gekettet. Und dann müsst ihr miterleben, wie das, was euch am Herzen liegt - dass das Evangelium verkündet wird - dass es da Leute gibt, die neidisch sind. Die euch ausstechen wollen. Euch, die ihr euch nicht mehr wehren könnt. Leute mit Hintergedanken. Leute, die unehrlich sind. Leute, die eigennützige Absichten haben, das noch mal obendrauf. Und ihr könnt nichts dagegen tun. Da kann man sich darauf konzentrieren. Und ich bin zutiefst davon überzeugt, wenn ich Paulus gewesen wäre, und ich hätte mich jetzt alleine darauf konzentriert, dann hätte ich gedacht: "Die ganze Arbeit von all den Jahren, jetzt geht das alles den Bach runter!"

Ich kann mich aber auch - und witzigerweise ist das der überwiegende Teil von dem Text - auf das Positive konzentrieren. Und genau das macht der Paulus. Er freut sich darüber, dass das Evangelium verkündet wird. Er freut sich darüber, dass jetzt alle - alle Beamten am Prätorium - wissen, dass er Christ ist. Ohne Ausnahme. Jeder hat es mitgekriegt. Und vor allem freut er sich darüber, dass dadurch, dass er jetzt im Gefängnis liegt und trotzdem innerlich nicht aufgegeben hat, seine Brüder und seine Schwestern in der Gemeinde Mut gefasst haben. Endlich voller Zuversicht sind und sich endlich trauen, das Evangelium weiterzugeben. Dass, obwohl er jetzt im Gefängnis liegt und selber nichts mehr machen kann, jetzt auf einmal andere aufstehen. Und ich sage jetzt mal in Anführungsstrichen 'seinen Job weitermachen'. Und das auch noch ohne Furcht. Auch andere, sagt Paulus, verkünden das Evangelium. Und auch darüber freut er sich. Und ihm ist es völlig wurscht, ob die das aus diesem oder jenem Motiv machen. Er sagt: "Hauptsache, das Evangelium kommt unters Volk!"

Und Paulus ist sich auch der Tatsache bewusst und fokussiert sich auch darauf, dass er geliebt ist. Nicht nur von Gott, sondern auch von seinen Geschwistern. Und wie wichtig muss das sein, wenn man im Gefängnis ist? Zu wissen, dass man nicht allein gelassen ist, nicht ausgestoßen und ausgesondert aus der Gesellschaft, sondern dass hier Menschen sind, die sich nicht nur um mich kümmern, sondern die mich lieben, die zu mir stehen. 

Und, last but not least, Paulus schaut auf die Zukunft. Er schaut auf den Himmel. Er schaut auf das, was einmal sein wird, auch wenn er es noch nicht greifen und noch nicht sehen kann. Übrigens ein ganz guter Tipp auch für uns hin und wieder in unserem Leben. Vor allem wenn's dicke kommt. Sich daran zu erinnern, noch mal nachzulesen in Offenbarung 21, was wirklich alles auf uns wartet! Wir kennen diesen Vers. Ich weiß jetzt nicht mehr genau, wo er steht. Ich glaube, im ersten Korintherbrief. Dass unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, mit nichts zu vergleichen ist. [Erst recht nicht] mit der über alle Maßen gewichtigen Herrlichkeit, die im Himmel auf uns wartet. Dieser Zeit Leiden sind leicht. Das also finde ich manchmal sehr schwer nachzusprechen, weil wenn ich mir anschaue, was passiert auf diesem Planeten, dann kann ich nur schwer sagen, dass das leicht ist. Aber was Paulus auch an der Stelle sagen will: Wenn wir das, was wir hier schon als so schwer empfinden, vergleichen mit dem, was an Herrlichkeit einmal kommt, dann wäre das das Gleiche, wie wenn ich das Gewicht einer Feder vergliche mit dem Gewicht des Mount Everest, oder vom ganzen Mond.

Könnt ihr euch das vorstellen? Was das für ein Unterschied ist? Und das ist das, was auf uns wartet! Und so blickt Paulus auch auf seine Zukunft; auf den Himmel. Ja, er leidet. Ja, er ist eingesperrt. Ja, er liegt im Kerker. Er liegt in Ketten. Aber er konzentriert sich nicht darauf, sondern er konzentriert sich auf die vielen guten Dinge, die um ihn herum geschehen. Und letzten Endes blickt er auch auf Christus, blickt auf den Himmel und auf das, was noch kommt.

Und er blickt auch auf die Gebete seiner Geschwister. Wie muss das sein, wenn ich im Gefängnis bin? Na ja, mir versucht, es vorzustellen. Das, was mich wirklich trösten würde, das wäre wirklich, dass ich weiß, dass es Menschen gibt, die mich lieben. Und dass ich weiß, dass da Menschen sind, die für mich beten, weil ich dann weiß, ich bin nicht allein.

Paulus weiß auch noch um das Wichtigste. Nämlich, dass ihm der Geist Gottes in seiner Not beisteht. Und auf den Aspekt, wie all dieses "sich fokussieren und konzentrieren" auch etwas mit Gott zu tun hat und mit seinem Wirken durch das Wirken seines Geistes, da möchte ich zum Schluss noch mal drauf zurückkommen.

Ich denke, Gott möchte uns mit diesem Text zeigen, wie wir mit der Wirklichkeit umgehen können. Wir können uns auf das Negative konzentrieren. Können wir! Oder wir können uns auf das Positive konzentrieren. Und natürlich ist das eine Entscheidung: Wo ich hinschaue. Es ist meine Entscheidung, wo ich hinschaue. Und es ist deine Entscheidung, wo du hinschaust.

Was hat das Thema „Blickwinkel“ mit Dir zu tun? – Wie soll das gehen?

Und ich denke, es ist auch klar, dass es einen Unterschied macht, wo ich hinschaue. Wenn ich mich immer nur auf das Negative konzentriere, dann muss ich mich nicht wundern, wenn ich müde werde und traurig und hoffnungslos und deprimiert. Vielleicht sogar mitleidig - selbstmitleidig -, bitter und verzweifelt. Weil ich Gott in meinem Elend und in der in dem Elend der Welt oder in meinem eigenen Leben eben nicht mehr erkenne. Obwohl er vielleicht wie in der Geschichte vom Nasruddin direkt vor meiner Nase ist.

Wenn ich mich aber auf das Gute konzentriere, wird etwas anderes passieren. Dann habe ich auf einmal Grund zum Danken. Und wenn ich danken kann, dann habe ich auch Grund zum Loben. Und wenn ich loben kann, dann bin ich unversehens schon in Gottes Gegenwart. Mir ist dazu ein Vers eingefallen aus Psalm 50,23. Und hört da mal genau hin. Dort steht: "Wer Dank opfert, der preiset mich. Und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes." "Da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes!" Im Danken!

Wie gesagt, es ist meine Entscheidung, wo ich hinschaue. Und egal wo ich hinschaue, es wird Auswirkungen auf meinen Glauben haben. Jetzt, denke ich, muss man nur aufpassen, dass das kein Krampf wird, dass ich nicht das Gefühl bekomme, ich muss jetzt dies oder das anschauen. Oder dass ich gar auf den Holzweg komme, dass angeblich jeder "seines eigenen Glückes Schmied" ist. Dass es am Ende doch nur an mir liegt, mich sozusagen selbst zu erlösen. Bei so einer Einstellung: die würde zumindest mich komplett überfordern. Und letzten Endes wäre es Werkgerechtigkeit.

Was kann das Thema „Blickwinkel“ bei uns bewirken?

Aber vielleicht geht es ja auch gar nicht ums „Machen“? Es steht ja sicherlich nicht ohne Grund in Johannes 15,5 "Ohne mich könnt ihr nichts tun." Ohne Gott können wir nichts tun. Vielleicht geht es ja gar nicht darum, krampfhaft etwas zu erzwingen. Vielleicht geht es ja um Gnade. Vielleicht geht es vielmehr darum, sich über etwas zu freuen, was längst da ist. Nichts, was ich machen muss. Über etwas, was immer da ist.

Ich muss hier Denken an Gottes Schöpfung. Und egal, ob es der Sternenhimmel ist, den ich sehr liebe, weil er mir die unendliche Weite des Kosmos vor Augen führt und damit auch die unendliche Größe Gottes, oder ob das Blumen sind oder Hummeln; ich liebe Hummeln! Ob es die Sonne ist? Der Schnee? Ob das Zwitschern der Vögel? In Gottes Schöpfung gibt es so viel, was einfach nur schön ist.

Aber auch, was in der Schöpfung passiert. Bei mir ist es Musik. Ich liebe schöne Musik. Ein Essen mit Freunden. Ein Geschenk erhalten. Ein Kinderlachen. Und vielleicht geht es auch darum, in all dem, was da ist - was längst da ist - wo ich nichts dazu tun muss, auch wieder ganz neu einen Blick zu gewinnen für Gott. Für den, der alles gemacht hat. Und nicht nur für den, der alles gemacht hat, sondern auch für den, der uns erlöst hat, nachdem wir ihm im Paradies versucht haben, die Herrschaft über unser Leben aus der Hand zu reißen. Vielleicht können wir über das, was längst da ist, einen Blick zurück gewinnen auf Gott. Vielleicht genauso (und den Gedanken habe ich bei C.S. Lewis geklaut), vielleicht genauso, wie man entlang an einem Sonnenstrahl den Weg zurückfindet zur Sonne. Und dann auf Gott schauen kann, auf seine unendliche Liebe, auf seine Gnade. Auf seine Treue, auf seine Geduld. Auf sein unfassbares Werk am Kreuz. Für seine Freundlichkeit. Für seine Demut. Übrigens auch Psalmen zu lesen, kann sehr dabei helfen, den Blick zurück zu gewinnen auf Gott.

Wir können also über das, was da ist. Zurückschauen und zurückblicken auf den, der immer da ist. Wir müssen nur hinschauen. Jesus hat gesagt Ich bin immer bei euch. Jeden Tag. Bis an das Ende der Welt. Auch wenn du ihn nicht siehst. Auch wenn du ihn nicht fühlst, auch wenn du vor lauter Schmuggelware die Esel nicht mehr erkennst. Und wenn du auf Christus schaust? Dann macht das etwas mit dir. Und zwar wie ich finde, etwas hammermäßiges. Im 2. Korinther 3,18 - der entwickelt sich mehr und mehr zu einem meiner Lieblingsverse - da steht: "Wir alle sehen Christus mit unverhülltem Gesicht." Wir sehen ihn, Christus, mit unverhüllten Gesicht; "die Herrlichkeit Gottes wie in einem Spiegel." Und dabei, bei diesem Anblicken von Christus mit unverhüllten Gesicht, beim Anblick seiner Herrlichkeit werden wir selbst in das Spiegelbild verwandelt, und bekommen mehr und mehr Anteil an der göttlichen Herrlichkeit. Dann steht da extra noch dabei: "Das bewirkt der Herr durch seinen Geist." Ich habe euch ja versprochen, dass ich diesen Kreis noch schließe. Das heißt, wenn ich über die Dinge, die da sind, den Blick zurück gewinne auf Gott, wie durch den Sonnenstrahl, den Blick zurück auf die Sonne, und ihn dann anschau' in seiner Herrlichkeit, dann verändert mich das. Dann bekomme ich Anteil an dieser Herrlichkeit, und da muss ich nichts machen. Das bewirkt der Herr durch seinen Geist.

Das heißt, wenn ich Gottes Wesen anschaue, seine Eigenschaften mir bewusst mache... Mir ist es letztens so gegangen: ich habe die Textstelle gelesen mit der Fußwaschung. Und da ist mir das... - ich meine, mir geht es wie euch: Ich lese seit über 35 Jahren, lese ich in der Bibel, und immer wieder passiert es mal, dass du so einen Text liest und dir dann ist, wie wenn dir einer das vor den Kopf gehauen hat, als ob du den heute zum ersten Mal liest -: Jesus wäscht den Jüngern die Füße. Gott wird Mensch. Der heilige, allmächtige, ewige Gott wird Mensch. Und wäscht Sündern die Füße. Es hat mich umgehauen: So ist Gott!

Und dieses Wesentliche im Anschauen seiner Herrlichkeit, dieses "uns verwandeln", das macht auch er. Kann man übrigens auch in Philipper 2, Vers 13 nachlesen. Dort steht es so: "Ihr könnt es. Denn Gott selbst bewirkt in euch nicht nur das Wollen, sondern auch das Vollbringen, so wie es ihm gefällt." Wenn ich mich also auf das Gute konzentriere, und über das Gute auf Jesus, auf sein Kreuz, auf seine Liebe, auf seine Gnade, dann werde ich nicht nur ein anderer Mensch, ich werde Jesus ähnlicher! Und diese Veränderung, die muss sich nicht krampfhaft machen. Sie ist ein Geschenk von Gott.

Und dann habe ich mir unten drunter geschrieben als Frage: 

"Wäre das nicht was?"

Amen.

Sonntag, 20. Februar 2022

"Wenn die Liebe immer reicher wird..." (Philipper 1,9-11)



Was mir zum Thema 'Liebe' wichtig ist

Guten Morgen, ihr Lieben. Unser Thema heute heißt ja, wenn die Liebe immer reicher wird und bei der Liebe geht es, wer hätte das gedacht, hauptsächlich um unser Verhalten, nicht um unsere Gefühle. Und bei unserem Verhalten, hauptsächlich weil die Liebe sich ja nicht mit sich selbst beschäftigt, sondern mit dem Gegenüber, um die Frage "Wie gehe ich mit meinem Mitmenschen um?" Und ich habe mir gedacht zum Einstieg bringe ich euch mal zwei Beispiele mit aus meinem Leben, wie es nicht geht und wie es geht.

Ich erinnere mich noch gut. Es war um 1991 herum (habe ich glaube ich schon mal erzählt), da hatte ich schwerste Depressionen, hatte Angstzustände, Panikattacken, habe nächtelang nicht geschlafen, also wirklich nicht geschlafen (da kommt man in so einen ganz seltsamen Zustand) und wusste eigentlich gar nicht mehr ein und aus. Das einzige, was ich wirklich brauchte, war Hilfe. Auf der anderen Seite, wenn man eine Depression hat, ist man überhaupt nicht mehr in der Lage selber einen Beitrag zu leisten. Also wenn mich jemand damals gefragt hat, wie spät es ist, habe ich mir gedacht "Wie kann der dir so eine Frage stellen? Begreift er nicht, was das für ein Akt ist, das abzulesen und dann auch noch einen Satz zu sprechen?" Es war einfach zu viel. Und das ist kein Witz. Also die Uhrzeit abzulesen war zu viel. Ja, und in dieser Zeit hätte ich sehr gebraucht, dass jemand mir hilft, jemand sich mir zuwendet, hätte mir Geborgenheit gewünscht.

Und dann hatten wir einen Bruder bei uns in der Gemeinde, der war außergewöhnlich intelligent, außergewöhnlich gebildet. Also der hat mit Leuten wie Karl Barth und Sören Kierkegaard nur so um sich geschmissen. Und der hat mich in dieser Zeit mit Briefen, die er mir in die Klinik geschrieben hat (ich war drei Monate in der Nervenklinik), also er hat mir Briefe geschrieben, und hat mich mit Worten regelrecht seziert. Der hat mich in Stücke geschnitten und auseinandergenommen. Und man muss jetzt fairerweise sagen, der Anlass, den er gesehen hat, war sicherlich richtig. Und es war sicherlich auch die richtige Richtung, die er sich gewünscht hätte. Er hat mir gesagt "Du sollst Gott gehorsam sein." Und dieses Thema hat er mir mit jedem nur denkbaren Argument in meine Seele gebrannt. Aber die Art und Weise, wie er das gemacht hat, die hat am Ende bei mir zu unglaublich viel Schmerzen und Verzweiflung geführt. Und eins weiß ich heute: So geht es ganz bestimmt nicht.

Und als Kontrast Erinnerung aus der gleichen Zeit, kurz bevor ich in die Klinik gekommen bin: Erinnerungen an die Seelsorge bei Thomas Mayer. Damals waren wir noch in der Gemeinde in Erding am Wasserturm, ich weiß nicht, wer von euch die noch kennt und oben über der Gemeinde hat der Thomas seine Wohnung gehabt mit der Irmi. Die Kathi war geradezu zur Welt gekommen. Das war noch ein Strops und ich war genau so, wie ich das eben beschrieben habe, am Boden zerstört, voller Ängste, depressiv. Und wir sind immer bei Thomas im Büro gesessen und er hat zugehört. Er war zugewandt, er war liebevoll, er war geduldig. Thomas eben. Und das Ergebnis davon war Ich glaube, der Thomas ist der einzige von zwei Menschen, für die ich jemals ein Lied geschrieben habe, weil ich so dankbar war, so glücklich darüber war, dass da ein Mensch war, wo ich sein konnte, wo ich mein Herz ausschütten können konnte und der einfach für mich da war.


Inwiefern betrifft mich das?

Jetzt könnte man natürlich fragen Ja, das ist jetzt schön für dich. Aber inwiefern betrifft mich das? Ich denke, wir leben in einer Zeit von Kontroversen. Wir leben in einer Zeit nicht nur von so internationalen Konflikten wie jetzt Russland, Ukraine. Ich denke, auch in den USA und auch in Europa und in Deutschland wird die Welt immer polarer; immer mehr schwarz und weiß; immer mehr vereinfachend. Und es gibt einen immer größeren Graben zwischen den Parteien. Und ich glaube, das, was wie ein Stück weit verlernt haben als Gesellschaft ist die Fähigkeit zu einem wertschätzenden Dialog.

Und ich glaube, dass sich so etwas bemerkbar macht auch in unseren Gesprächen, in unseren Gesprächen mit unserer Familie, mit Freunden, mit Kollegen, mit Bekannten, vielleicht auch mit Fremden. Und auf der anderen Seite mal abgesehen von diesen Gräben, von diesem Schwarz und Weiß, von diesem einander nicht mehr verstehen oder einander nicht mehr zuhören - oder einfach auch mal so eine Plakette draufkleben, so "Ich weiß, du bist ein Depp, dann brauche ich mich mit der ja nicht mehr auseinanderzusetzen - glaube ich auch, dass wir in einer Zeit leben, die uns emotional sehr viel abverlangt. Bei manchen macht sich das bemerkbar als Einsamkeit: nicht mehr rauskommen aus der Bude. Oder auch als Not, weil man nicht mehr rauskommt aus der Bude und sich gegenseitig den ganzen Tag lang auf der Pelle hockt. Bei manchem macht sich das bemerkbar in Form von Unsicherheit. Wie lange wird das noch so gehen? Bei manchen vielleicht sogar als Trostlosigkeit oder als Depression, weil man sagt Jetzt geht das schon Jahre so. Ich habe Angst, das hört gar nicht mehr auf.

Kurz gesagt: Ich glaube, dass es Herausforderungen und Nöte allerorten gibt und genügend Bedarf, wo man mit anpacken kann. Und wenn ich jetzt mal von der Welt und vom persönlichen Leben in den Gemeindekontext gehe, dann würde ich mal behaupten: so wie wir hier sitzen, glauben wir zwar alle an den gleichen Gott, aber ich glaube nicht, dass wir alle gleich sind, sondern wir kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen; wir kommen aus ganz unterschiedlichen Prägungen; wir sind verschieden. Gott sei Dank. Aber ich glaube auch, dass diese Verschiedenheit auch Herausforderungen mit sich bringt.

Und da kann man natürlich schon mal fragen "Wie gehe ich jetzt damit um?" Wie gehe ich zum Beispiel mit Meinungsverschiedenheiten um? Das sagt mir jemand etwas, wo ich sage "Das sehe ich jetzt aber mal komplett anders. Das tut mir wirklich leid, aber das sehe ich anders." Wie gehe ich damit um? Da gibt es ja mehrere Möglichkeiten. Ich kann den anderen - das war früher meine Strategie - ich kann Leute tot quatschen und zwar so lange, bis die aufgeben und sagen "Es hat keinen Wert, der hört mir nicht zu." Ich kann dir auch einfach ignorieren, kann sagen "Ja. Depp! Brauche ich nicht hinzuhören." Problem gelöst. Ja oder ich kann es prinzipiell ignorieren. Kann sagen, es geht mich gar nichts an. Oder wie gehe ich mit Nöten um? Da kann ich auch den Kopf in den Sand stecken und sagen irgendjemand wird sich schon kümmern? Ich kann mein Gegenüber auch einfach in eine Schublade stecken, das ist auch sehr einfach. Also ich glaube, es gibt tausend Arten und Weisen, wie man es falsch machen kann.

Ich glaube aber auch, dass es eine andere Art gibt, nämlich zu sagen: das ist jetzt vielleicht schwierig; das ist jetzt vielleicht herausfordernd - entweder weil der andere eine Position vertritt, die ich nicht habe, oder weil der andere in einer Not ist, die wirklich Arbeit erfordern würde - wo ich sage: Das ist mein Bruder, das ist meine Schwester oder das ist mein Mitmensch, der braucht Hilfe. Und mir dann Mühe gebe, mich da hineinzuversetzen. Mal zu fragen wie "Wie kommst du zu so einer Ansicht?" Oder "Wie geht es dir in dieser Situation?" Um mich zu fragen "Was kann ich jetzt Gutes sagen?" Oder "Wo kann ich ganz praktisch helfen?"

Ich hab mir da noch ein Buch aufgeschrieben. Also, wenn sich jemand dafür interessiert, wie man gute Gespräche führt, kann er sich nachher bei mir eine Buchempfehlung abholen von jemandem, der am Massachusetts Institute of Technology ein Buch geschrieben hat mit dem Thema "Theory U". Da geht es insbesondere darum, dass wir sehr oft, wenn wir in Gesprächen sind, auf eine Art und Weise zuhören, die er 'downloading' nennt. 'Downloading' ist das, was wir "links rein, rechts raus" nennen: "Kenne ich schon." "Ja, ja, ja, kenne ich schon." Und was er in dem Buch beschreibt, ist wie Wie kann man wirklich auf eine Art und Weise zuhören, dass etwas Neues entsteht? Kann man, kann man nachher drüber reden.


Was hat Gott uns zu diesem Thema zu sagen?

Ich möchte uns jetzt erst mal fragen, was hat Gott denn zu diesem Thema zu sagen? In unserem heutigen Text, Philipper 1 Vers 9-11 steht (und es ist der Paulus, der da betet) "Ich bete zu Gott, dass eure Liebe immer reicher wird an Einsicht und Verständnis. Dann könnt ihr in jeder Lage entscheiden, was das Rechte ist und werdet an dem Tag, an dem Christus Gericht hält, rein und ohne Fehler dastehen. Reich an guten Taten, die Jesus Christus zum Ruhm und zur Ehre Gottes durch euch gewirkt hat."

Und ich habe da jetzt mit Absicht ein paar Wörter fett markiert, weil ich zu diesen Wörtern ein bisschen was sagen will. Und ich fange nicht mit dem ersten an. Lasst euch nicht ablenken. Das mit ich bete kommt schon noch. Das zentrale Thema von diesem Text ist die Liebe. Und "Das zentrale Thema dieses Textes ist Die Liebe" heißt nicht nur, dass das zentrale Thema von diesem Text ist, sondern das zentrale Thema dieses Universums ist die Liebe. Die Liebe ist das größte Gebot, das wissen wir alle. Jesus hat uns gesagt "Liebe den Herrn, deinen Gott von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand. Das ist das größte und wichtigste Gebot. Aber gleich wichtig ist ein zweites: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. In diesen beiden Geboten ist alles zusammengefasst, was das Gesetz und die Propheten fordern."

Jetzt könnte man sich ganz blöd stellen. Das habe ich mal getan in der Vorbereitung und habe mich gefragt Was ist das denn? Liebe? Wichtig ist ja, wenn man über ein Thema ins Gespräch kommt, das man am Anfang mal die Begriffe klarstellt, weil sonst würde ich zum zum Joi sagen: "Ich gehe auf die Bank." Und der wird sagen "Super, dann bringt er mir endlich die 50 Euro mit, die ich ihm geliehen habe." Und alles was ich ihm sagen wollte ist: "Ich gehe in den Park. Ich geh' auf die Bank. Ich wollte mich mal ein Stündchen hinlegen." Also es ist schon wichtig, dass man vorher mal definiert, worum geht es denn hier eigentlich? Und wenn man jetzt fragt "Was ist Liebe?" Dann kriegt man sehr unterschiedliche Antworten. Das sagt viel über das Weltbild eines Menschen. Wenn man fragt "Was ist Liebe?" Bei sehr vielen kommt dann eine von Film und Fernsehen und von unserer Popkultur inspirierte Antwort. Da geht es dann um Emotionen, Romantik oder Sex. Meine Definition von Liebe ist. Ich werde die zwei Mal vorlesen, weil der Satz ein bisschen lang geraten ist: "Liebe ist das unerschütterliche und selbstvergessene Streben, für den Mitmenschen stets das Beste zu wollen und zu tun, ja, sich im Notfall sogar für ihn hinzugeben." Und wir haben ja heute auch Abendmahl, denkt dabei gerne mal an Christus, denkt an Jesus am Kreuz. Ich lese es noch mal: "Liebe ist das unerschütterliche und selbstvergessene Streben, für den Mitmenschen stets das Beste zu wollen und zu tun, ja, sich im Notfall sogar für ihn hinzugeben." Das ist Liebe. Liebe hat etwas mit Entscheidungen zu tun, nicht nur mit Gefühlen. Liebe hat etwas mit Taten zu tun, nicht nur mit Romantik und Emotionen.

Und diese Liebe, um die es da geht, die soll immer reicher werden. Das ist das, was der Paulus sich wünscht. Das Wort, was da im Griechischen steht, bedeutet so viel wie überfließen. Also wenn ich jetzt so eine Teetasse habe und ich die Stadt hier rein und hier rein und irgendwann ist die voll und irgendwann fließt die über. Wie soll ein Wasserfall? Das heißt, diese Liebe soll immer noch mehr werden. Einer der Ausleger, die ich im Vorfeld studiert hab, Robertson, der sagt Das, was Gott sich wünscht oder was Paulus sich an der Stelle wünscht, ist eine immerwährende Flut von Liebe. Die immer noch zunimmt.

Und jetzt redet Paulus da in diesem Zusammenhang von Einsicht und Verständnis. Wo man dann denkt "Tja!" Wenn man jetzt so eine romantische Vorstellung von Liebe hat, wird man sagen "Was hat jetzt Einsicht und Verständnis mit Liebe zu tun, bitte?" Aber wenn man weiß: bei der Liebe geht es um Hingabe, da geht es um den anderen, da geht es um Aktivität. Dann ist es vielleicht schon ganz wichtig, Einsicht und Verständnis zu haben, um in jeder Situation zu wissen, was das Rechte ist. 

Und ich denke, bei der Einsicht und bei dem praktischen Verständnis, da geht es um zwei Aspekte. Das eine ist, grundsätzlich einmal zu wissen, was Gott eigentlich möchte. Ein kleiner Tipp: Meistens ist 'Liebe' die richtige Antwort - und ich meine das wirklich ernst: Wenn ich in irgendeiner Situation bin, wo ich nicht mehr weiter weiß, wo ich auch nicht mehr weiß "Steht da irgendwas dazu in der Bibel? Was mache ich jetzt?", dann weiß ich, dass 'Liebe' auf jeden Fall die richtige Antwort ist. Aber ich denke, es geht auch darum, im Detail und vielleicht ein bisschen "fein ziselierter" - mehr und mehr - zu lernen, was Gott sich eigentlich wünscht. Und dazu müsste ich die Bibel lesen, weil da steht das alles drin im Alten und dem Neuen Testament. Und beim Verständnis glaube ich, geht es darum, auch ganz praktisch im Leben (ich und du, wir sind jetzt in einer Situation: du hast eine Not, ich habe eine Not, wir haben ein Gespräch über ein Thema, wo wir uns nicht einig sind, was es auch ist) und dann ist die Frage "Was ist jetzt dran?"

Erinnert euch an die Geschichte, die ich euch erzählt habe. Der Thomas hat gewusst, was dran ist. Der hätte sicherlich genauso wie der andere Bruder gesagt Ja, Gehorsam ist wichtig. Natürlich ist es wichtig, aber es ist gerade nicht dran, der kann das jetzt gerade gar nicht, der kann es auch gar nicht frühstücken, das Thema. Was ist dran? Also da eine praktische Weisheit zu entwickeln? Das heißt, ich glaube, dass es darum geht, einen Geschmacks-, Geruchs- und Empfindungssinn zu entwickeln, der sozusagen "gebadet" oder "eingelegt" ist in Gottes Wort, der wirklich durchtränkt ist von Gottes Wort und der dann ganz praktisch in der jeweiligen Situation weiß, was dran ist, was zu tun ist. Das heißt, ich denke, eine der Sachen, um die der Paulus hier betet, ist, dass wir geistlich sehen und fühlen und schmecken und hören lernen. Das heißt, es geht nicht darum, sich von der eigenen Emotionalität in der Situation (egal ob man jetzt sauer ist oder begeistert) von der eigenen Erkenntnis wegreißen zu lassen wie ein Blatt im Wasserfall. Das heißt, es geht nicht um blinden Eifer oder um Aktionismus, sondern um Einfühlungsvermögen. Darum, dem Gegenüber von Herzen zugewandt zu sein. Da wo er in Not ist oder auch da, wo ich mit ihm im Konflikt bin. Von Herzen zugewandt bleiben.

Und wenn ich dem Paulus so zuhöre beim Beten, dann merke ich, er hat ein Ziel. Er sagt Diese Einsicht, dieses Verständnis, die haben kein Selbstzweck, sondern die sollen dazu dienen, ein einziges Ziel zu erreichen. Nämlich reich an guten Taten zu werden. Das heißt reich an Aktionen, die meinen Mitmenschen wirklich nützen. Handlungen, die so wohltuend sind, dass sie deswegen vielleicht sogar Gott loben; oder ein Lied schreiben. Das heißt, es geht nicht um selbstgefällige, hochmütige und übergestülpte Erkenntnis. Das war der andere Bruder. Er hatte sicherlich inhaltlich recht. Aber das war mit Gewalt. Erkenntnis, das steht schon im ersten Korinther 13, Erkenntnis ohne Liebe ist wertlos. Es bringt nichts, wenn du die ganze Bibel auswendig kannst und Leute damit erschlagen kannst. Wenn du keine Liebe hast, dann bist du nichts. Und es geht auch nicht um viele schöne Worte. Das lesen wir schon im Jakobusbrief. Von Worten wird keiner satt. Ihr erkennt diese Stelle: "Geht hin sehr wärmt euch, sättigt euch und Gott soll euch segnen. Tschüss! Ist nicht mein Problem." Von schönen Worten allein wird man nicht satt. Sondern es geht vielmehr um die Frage Was braucht mein Gegenüber? Womit kann ich helfen? Wie kann ich Gutes tun? Einer der Ausleger, die ich auch lese, wenn ich Predigten vorbereite, nicht immer, aber ab und zu ist der gute alte Adolf Schlatter - ich weiß nicht, wer von euch den noch kennt - und der bringt Sachen manchmal wirklich schön auf den Punkt. Er hat das in diesem Fall so getan: Er hat gesagt "Das Mittel, durch das die Liebe zunimmt, ist die Erkenntnis, die mit deutlicher Beobachtung sieht, was unsere Hilfe und Arbeit in Anspruch nimmt." "Das Mittel, durch das die Liebe zunimmt, ist die Erkenntnis, die mit deutlicher Beobachtung sieht, was unsere Hilfe und Arbeit in Anspruch nimmt."


Was hat das Thema 'Liebe' mit Dir zu tun?

Nach allem, was wir bis jetzt gesehen und gehört haben, könnte man natürlich fragen Was hat es mit mir zu tun? Ich möchte, das etwas persönlicher fragen. Wie gehst du damit um? Wie gehst du mit der Not deiner Mitmenschen um? In deiner Familie? In deiner Ehe? In deinen Freundschaften? Am Arbeitsplatz? Oder ganz einfach im alltäglichen Leben? Wie gehst du um mit Konflikten? In der Familie? In der Ehe? In Freundschaften? Steckst du den Kopf in den Sand? Nach dem Motto: "Irgendjemand wird sich schon kümmern." Oder er schlägst du dein Gegenüber mit Worten? Oder brichst du einfach den Dialog ab? Oder ignorierst du einfach die Not?

Oder fühlst du dich eher ein, versuchst dein Gegenüber zu verstehen? Und fragst dich Was kann ich jetzt Gutes antworten? Was kann ich jetzt Gutes tun? Wie kann ich ganz praktisch eine Hilfe sein? Oder noch mal anders gefragt: Hinterfrag' mal deine Motive. Was treibt dich eigentlich im Tiefsten an in solchen schwierigen Situationen; in Not oder im Konflikt? Ist es Selbstschutz? Nach dem Motto" Hauptsache ich kriege nix ab!" Oder ist es eine Art von überheblicher Selbstgerechtigkeit oder Selbstgefälligkeit? So nach dem Motto "Ich habe sowieso recht! Die anderen sind alle Deppen. Das werde ich denen schon zeigen. Oder ist es Faulheit? "Da müsste man schon was tun. Aber es ist gerade so schön bequem hier." Oder es ist echte Liebe? Barmherzigkeit? Mitgefühl? Hilfsbereitschaft? Oder in einer Frage zusammengefasst "Bist du für deinen Mitmenschen da? Auch wenn's eng wird, bist du für deinen Mitmenschen da?"

Kann sein, dass du dir jetzt denkst "Na ja, es ist schon richtig, was du sagst, aber wie soll das gehen? Ich krieg es halt nicht besser hin!" Und falls es dir so geht, dann habe ich gute Nachrichten. Weil wenn man ganz genau hinschaut am Anfang von diesem Text, da schreibt der Paulus "Ich bete zu Gott. Dass eure Liebe immer reicher wird." Der sagt nicht "Jetzt strengt euch aber mal an!" "Jetzt gebt euch aber mal Mühe!" "Jetzt reißt euch aber mal zusammen!" Sondern er sagt "Ich bete zu Gott." Er weiß ganz genau, wo die Liebe herkommt. Die kommt nicht aus unserem Anstrengen. Paulus weiß ganz genau Hiebe kann man nicht "machen". Liebe ist ein Geschenk. Oder noch deutlicher 1. Johannes 4,16. Gott ist Liebe. Einer der kürzesten Sätze in der Bibel. "Gott ist Liebe." Und Gott kann man ganz bestimmt nicht machen. Aber Gott kann man einladen in sein Leben. Gott kann sich schenken,

Gott kann in dir und durch dich wirken, wenn du ihn lässt. Und genau das sehen wir am Ende vom Text. Da steht etwas über die guten Taten, nämlich dass Jesus Christus sie gewirkt hat. Es geht hier also nicht um deine Leistung. Es geht nicht um deine Kraft. Sondern es geht darum - und das denke ich ist eine Erkenntnis, an der muss ich mein Leben lang lernen, mein Leben lang - Christus lebt in uns! Ihr Lieben! Haben wir den Ansatz einer Ahnung, was das bedeutet? Er hat uns das versprochen. Er hat gesagt Wenn ihr mich liebt, dann werden mein Vater und ich, wir werden bei euch Wohnung machen. Oder an anderer Stelle sagt er "Ihr seid ein Tempel des Heiligen Geistes." Gott wohnt in uns! Die Frage ist nicht, ob er da ist. Er hat gesagt "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Die Frage ist auch nicht, ob er in gewissen Situationen die Macht oder die Weisheit hat, was zu tun. Die hat er ganz sicher. Die Frage ist, ob wir ihn lassen. Erlauben wir ihm das? Uns zu gebrauchen? Oder ist unser Eigenwille stärker? Es geht darum, dass Christus in uns wohnt. Und es geht darum, dass er in uns und durch uns wirken will.

Das beste Buch, was ich zu dem Thema jemals gelesen habe, der das wirklich rüberbringt, so dass man es verstehen kann (ok, da fällt mir noch ein zweites ein: Major Ian Thomas von den Fackelträgern, der hat es auch begriffen: "Christus in euch: Die Hoffnung der Herrlichkeit."), das ist Martin Schleske, einer der weltbesten Geigenbauer. Er hat ein Buch geschrieben, das heißt "Der Klang". Und oberflächlich geht es in dem Buch darum, wie man eine Geige baut. Von der Auswahl des Holzes im Wald, über das Trocknen und so weiter, bis am Ende eine Geige da ist. Aber er benutzt das Buch auch auf einer tieferen Ebene, um zu beschreiben, wie Gott letzten Endes uns auserwählt. Wie er uns zubereitet. Weil er am Ende durch unsere Herzen die Melodie der Liebe in dieser Welt spielen will. Martin Schleske: "Der Klang. Das heißt, Gott will gar nicht, dass du etwas machst. Gott möchte, dass du dich ihm zur Verfügung stellst. Weil er weiß das ganz genau, er hat uns das selber gesagt Johannes 15,5 "Ohne mich könnt ihr nichts tun." Nicht wenig. Nichts.

Jetzt kann man fragen "Wie soll das gehen: sich zur Verfügung stellen?" Oder noch konkreter: Was kannst du tun, damit Gottes Liebe in dir immer reicher wird? Dass Gott seine Liebe in dir wachsen lässt? Oder wie Paulus das am Anfang von unserem Text betet "Ich bete zu Gott. Dass eure Liebe immer reicher wird." Oder in Epheser 3,19 betet er was ähnliches. "Dass ihr die Liebe Christi erkennt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt." Weil genau das ist es nämlich, was unsere Liebe entfacht. Ich weiß nicht wie es euch geht. Aber das was mich bewegt ist, wenn ich ans Kreuz schaue. Dass der allmächtige Gott des Universums überhaupt auf diesen kaputten Planeten kommt, das wäre schon genug gewesen. Und ihr könnt froh sein, dass ich nicht Gott bin, weil ich hätte den ganzen Laden aufgeräumt, hätte gesagt jetzt reichts mir. Was ihr hier treibt, das ist nicht zum Aushalten. Gott sei Dank ist Gott nicht so, sondern er geht ans Kreuz und bezahlt unsere Schuld. Stirbt an unserer Stelle. Und daran erinnern wir uns immer wieder; auch heute im Abendmahl. Und diese Liebe, das ist das, was zweite Korinther 3,18 steht: "Von uns allen wurde der Schleier weggenommen, so dass wir die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel sehen können. Und der Geist des Herrn wirkt in uns, dass wir ihm immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln." Der Geist des Herrn wirkt das, wenn wir Christus anschauen. Wenn wir sehen, wie er uns liebt. Das ist das, was unsere Herzen bewegt und verändert.

Was kann ich also tun, was kannst du tun? Als allererstes kannst du beten, weil alles in Gottes Reich beginnt mit Gebet. Du kannst beten, dass Gott dir Weisheit gibt, Einsicht und Verständnis. Und er hat versprochen, dass er "jedermann gern gibt und niemanden schimpft". Du kannst die Bibel lesen. Da steht etliches drin. Zum Beispiel in den Sprüchen ganz praktische Ratschläge fürs Leben. So nach dem Motto "Wenn du dich bei einem Hohen an einen Tisch setzt, dann bedenke, was du sagst." Ganz praktische Ratschläge. Oder wenn du mit Menschen zu tun hast, die Trost brauchen. Lies Psalmen. Lies dir vielleicht sogar zusammen. Es gibt unglaublich schöne Psalmen, wo Trostworte drin sind. Auch in einigen der Propheten: Jesaja; Jeremia. Niemand kann so trösten wie Gott. Und natürlich ganz allgemein über die ganze Bibel verteilt finden wir das, was Gott am Herzen liegt. Und noch mal: im Zweifel ist es immer die Liebe.

Und natürlich kannst du auch auf dich selber achtgeben. Aufmerksam sein. Wie verhältst du dich in herausfordernden Situationen? Sei offen! Versuch' zu verstehen; versetze dich hinein in dein Gegenüber. Was bewegt deinen Mitmenschen? Warum denkt und handelt oder redet er gerade so, wie er es tut und nicht anders? Warum? Was ist deinem Mitmenschen wichtig? Wo sitzt eigentlich die Not? Oder wo sitzt der Widerspruch? Wie kannst du helfen? Vor allem aber, damit es kein Krampf wird: Sich hingegeben - Gott hingegeben - durch sein Leben bewegen. Lebe hingegeben. Lass dich von Gott zum Gutes tun gebrauchen. Eins von den Bildern, was der Martin Schleske in seinem Buch gebraucht - ich kriegt das nicht mehr genau auf die Reihe; sinngemäß ist das so - wie der Künstler eine seiner Geigen nimmt und darauf ein ein wunderschönes Violinkonzert spielt: die Geige, die ist nur da. Die lässt sich vom Künstler gebrauchen. Und so möchte Gott, der selber die Liebe ist, dich gebrauchen als sein Instrument. Um seine Symphonie der Liebe in das Leben deiner Mitmenschen hinein klingen zu lassen. Stell dich Gott zur Verfügung. Lass ihn machen. Ich möchte es noch mal mit den Worten aus dem Römerbrief zusammenfassen Römer 12,1 "Weil ihr Gottes reiche Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder, liebe Schwestern, Euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Seit ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Auf diese Weise zu dienen, das ist der wahre Gottesdienst und die angemessene Antwort auf seine Liebe."


Wie wäre das?

Stellt euch das mal vor, was das bewirken würde. Was wäre das für ein Zeugnis? In deiner Ehe. In deinen Freundschaften. In deinen Beziehungen, an deinem Arbeitsplatz. Was wäre das für ein Zeugnis für uns als Gemeinde hier in Hadern? Wie viel heiler würden unsere Beziehungen werden? Wie viel Freude und Licht würde das in unsere Umwelt bringen? Und wie wäre das - versuch' dir das mal vorzustellen, wie wäre das - wenn jedermann erkennen würde, dass du ein Jünger Jesu bist, weil sie deine Liebe spüren. Das ist nämlich genau das, was Jesus gesagt hat "An eurer Liebe werden sie erkennen, dass ihr meine Jünger seid." Wie würdest du dann wohl wahrgenommen werden?


Ich möchte für uns alle zum Abschluss beten; ihr könnt sitzen bleiben, aufstehen, wie es euch recht ist:

"HERR, ich bitte dich, schenk uns dieses hingegebene Herz. Dieses hingegebene Herz, das dich und unsere Mitmenschen mit Haut und Haaren liebt. Auch wenn es herausfordernd wird; auch wenn es eng wird. Nicht verkrampft und nicht aus unserer Kraft. Sondern allein in deiner Kraft und durch deinen Geist. Damit die Welt erkennt, dass wir deine Kinder sind. Amen."


Sonntag, 31. Oktober 2021

"Werde ich es bis zum Himmel schaffen?" (Philipper 1,2.6)

 [Predigt als MP3]


Einleitung

Heute ist der 31.10. – und das ist nicht nur der Geburtstag meines Vaters, es ist auch der Reformationstag – der Tag an dem wir die Reformation feiern. Also die Tatsache, dass Luther und andere das Evangelium wiederentdeckt haben. Doch worum geht es da? Und was genau ist passiert? Und wie kam es dazu? 

Nun, der Reihe nach.

Luther war ehemals ein Mensch, der von einem „schiefen“ Gottesbild geprägt war: Gott war für ich der absolut gerechte, allmächtige, zornige und strafende Weltenrichter. Einer, dem man es – bei aller Mühe – nicht recht machen konnte. Und Luther wollte es ihm recht machen - durch ein vorbildliches Leben - als Mönch - durch Anstrengung und Selbstkasteiung. 

Luther wollte mit seinen Werken „Rechtfertigung“ und Frieden vor Gott erlangen - doch er blieb von Zweifeln geplagt. Je mehr er sich bemühte, umso mehr verzweifelte er – und um so mehr wuchsen in ihm Vorwürfe gegenüber Gott. Einem Gott, der scheinbar unerreichbare Forderungen an die Menschen stellte – einem Gott, dem man es nicht recht machen konnte.

Bis zu diesem einen Tag, der als die „reformatorische Wende“ oder als das „Turmerlebnis“ in die Geschichte einging: In einem kleinen Turmzimmer studierte Luther den Römerbrief des Paulus. Ein einziger Vers (Röm 1,17), und darin der Kernsatz „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ trieb ihn zur Verzweiflung. Denn ein vor Gott „Gerechter“ zu sein daran, – genau daran! – war er ja gescheitert!

„Ich pochte aber trotzdem ungestüm an dieser Stelle bei Paulus an. Da erbarmte Gott sich meiner“, schreibt Luther später über dieses Erlebnis.

Mit einem Mal gingen ihm die Augen auf und er verstand den Satz auf umgekehrte Weise: Der Mensch muss nicht erst „gerecht“ werden, um dann von Gott beschenkt zu werden, sondern der Mensch, der sich ungeachtet seiner Kleinheit und Fehlerhaftigkeit Gott anvertraut, der Mensch, der sich selbst nichts und Gott alles zutraut - der findet das wahre Leben.

„Allein aus Gnade“ – „Sola Gratia“.

Genau darum dreht sich der Inhalt unserer heutigen Predigt – um das „Sola Gratia“ – um das „Allein aus Gnade“. Und darum, dass dieses „Sola Gratia“ nicht nur für am Beginn unseres Glaubenslebens gilt, sondern für immer:

  • am Anfang unserer Reise werden wir – „allein aus Gnade“– gerechtfertigt
  • im Laufe unseres Lebens werden wir – „allein aus Gnade“– geheiligt und umgestaltet in Gottes Bild
  • und nach dem Ende unseres Lebens hier auf Erden werden wir – „allein aus Gnade“– verherrlicht.

Ganz speziell wird es in dieser Predigt um den 2. Teil gehen: darum, dass auch unsere Heiligung „allein aus Gnade“ geschieht; nicht auf Grundlage unserer Werke.


Was kommt also heute auf uns zu?

  • Unser heutiger Text 
    • Zu Anfang möchte ich unseren heutigen Text mit Euch lesen. Er steht im Philipperbrief im 1. Kapitel, in den Versen 2 und 6. 

  • Für wen diese Predigt ist
    • Dann möchte ich – damit die Predigt auf fruchtbaren Boden fällt - etwas klarstellen. Nämlich, an wen sich diese Predigt richtet: und zwar an die, die an sich selbst verzweifeln.

  • Was ist das Problem?
    • Unter dem Titel „Was ist das Problem?“ möchte ich gemeinsam mit Euch einen Irrtum aufdecken: Ich möchte mir anschauen, was das Problem zu sein scheint (das ist: unser Leiden). Und was in Wirklichkeit das Problem ist. (wir werden sehen – es soll ja spannend bleiben).

  • Was ist dann die Lösung?
    • Und wenn wir ein Problemen haben, dann brauchen wir natürlich auch eine Lösung.

  • Balsam für Dein Herz 
    • Zum Schluss möchte ich Euch einen Abschnitt aus einem Buch vorlesen, von dem ich hoffe, dass er auch für Euch eben dies ist: Balsam für Euer Herz.


Unser heutiger Text

2 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, dem Herrn. [...] 6 Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt.


Für wen diese Predigt ist


Diese Predigt ist nicht für die, die ihren Taufschein mit einem Freifahrschein zur Sünde verwechseln. Sie ist nicht für die Bequemen, die sich auf Gottes Gnade ausruhen möchten.
Sie ist nicht für eine Kirche, die, wie Dietrich Bonhöffer es formulierte nach, „billiger Gnade“ sucht: nach

„billiger Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht." Denn: "Billige Gnade ist [...] Leugnung des Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders."

Sondern diese Predigt ist für die geängstigten und geknechteten Seelen: Für die, die unter ihrer Sünde leiden und sich mit Sorgen quälen. Für die, die denken: „Ich bin nicht gut genug.“ „Ich bin ein Sünder!“ Für die, die spüren: „Ich kämpfe und kämpfe, aber ich schaffe es einfach nicht.“ Für die, die verzweifeln beim Blick in den geistlichen Spiegel. Für die, die zerknirscht sind und seufzen: „Wenn ich mich anschaue, sehe ich nur Sünde.“ Diese Predigt ist für die, denen es geht, wie Luther. Für die, die sich sich fragen: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?!“ Für die, die sich ängsten und sorgen: „Werde ich es bis zum Himmel schaffen?“

Diese Ängste kennt natürlich nur, wer jemals versucht hat, Gottes Gebote zu halten. Oder um es mit C.S. Lewis zu sagen: 

„Niemand weiß, wie schlecht er ist, bevor er nicht ernsthaft versucht hat, gut zu sein.“

„[... wir] können [...] unser völliges Unvermögen, Gottes Gebote zu halten, [...] nur endecken, wenn wir uns mit aller Kraft darum bemüht – und versagt – haben. Solange wir das nicht wirklich versuchen, werden wir, ganz gleich, was wir sagen, immer den Hintergedanken haben, dass es uns das nächste Mal vielleicht doch gelingen wird, wenn wir uns noch etwas mehr anstrengen. [...]“

Und er schreibt weiter:

„All unser Bemühen muss zu jenem entscheidenden Augenblick führen, in dem wir uns Gott zuwenden und sagen: „Du musst es tun. Ich kann es nicht.“

Für die, die das Versucht haben – Gottes Gebote zu halten – für die, die diese Verzweiflung kennen – daran zu scheitern - für Euch ist diese Predigt – und mit ihr die erste Zusage unseres Textes:

„Wir wünschen Euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, Und Jesus Christus, dem Herrn.“


Was ist das Problem?


Die, für die diese Predigt ist, werden fragen: „Was das Problem ist? Das ist doch klar: Es ist das bange Fragen: werde ich es bis zum Himmel schaffen?! Schau‘ mich doch an: Ich kriege vorne und hinten nichts gebacken – wie soll ich jemals vor Gott bestehen? Das werde ich in hundert Jahren nicht schaffen!

Doch ich wage das zu bezweifeln. -- Also, dass das Problem ist, meine ich...

Ich glaube vielmehr, dass das eigentliche Problem schon uralt ist. Mindestens so alt, wie die Reformation. Nein: älter. Es ist das Problem, dass wir glauben, etwas beitragen zu müssen zu unserer Heiligung. Es ist das Problem, dass wir glauben, überhaupt etwas beitragen zu können zu unserer Heiligung. Es ist das alte Problem mit der Werkgerechtigkeit, die in unseren Herzen gegen den Glauben kämpft.

Lasst es mich mit Luther sagen:

„Es bleibt immer im Herzen, dass wir nicht wollen gar nichts sein noch dass Christus alles allein getan hat, sondern wir wollen stets die Hand mit im Tun haben, so viel tun und Gott dienen, dass Gott müsse uns ansehen und um desselben willen die Sünden vergeben und gnädig sein, und soll doch und kann nicht sein. Denn damit geht der Glaube und der ganze Christus zu Boden. Soll Christus allein gelten und soll ich solches bekennen, so muss ich die Zunge rein schaben und sprechen: So es Christus tut, so muss ich‘s nicht tun, denn die zwei leiden sich nicht miteinander im Herzen, dass ich auf beide mein Vertrauen setze, sondern eins muss heraus, entweder Christus oder mein eigen Tun, das ist klar und wohl zu verstehen.“

Ich möchte den letzten Satz noch einmal lesen, weil er so wichtig ist: 

||: „So es Christus tut, so muss ich‘s nicht tun, denn die zwei leiden sich nicht miteinander im Herzen, dass ich auf beide mein Vertrauen setze, sondern eins muss heraus, entweder Christus oder mein eigen Tun, das ist klar und wohl zu verstehen.“ :||


Was ist dann die Lösung?


Wir scheitern also deshalb so schmerzvoll in unserer Heiligung, weil wir etwas Unmögliches versuchen. Wir scheitern deshalb so schmerzvoll auf unserem Weg mit Gott, weil wir versuchen Gottes Arbeit zu tun. Wir scheitern deshalb so schmerzvoll in unserem Glaubensleben, weil wir versuchen Gottes Werk zu vollenden.

Wenn das aber das Problem ist – dass wir meinen, zu unserer Heiligung auch nur ein Tüpfelchen hinzutun zu können – oder gar zu müssen – was ist dann die Lösung?

Hier möchte ich noch einmal C.S. Lewis zitieren. Er schreibt: 

„Christus bietet uns [...] alles, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. In gewissem Sinn besteht das ganze christliche Leben darin, dieses unerhörte Geschenk annehmen zu lernen. Die Schwierigkeit ist nur, dass alles, was wir getan haben, und alles, was wir tun können, nichts nützt. Wir hätten es so gern, wenn Gott nur unsere Pluspunkte zählen und die schlechten Noten übersehen würde. Aber nochmals müssen wir sagen, wir können keine Versuchung wirklich überwinden, solange wir uns noch selbst bemühen. Wir müssen es aufgeben, wir müssen das Handtuch werfen.“

Ihr Lieben – ich möchte das noch einmal sagen:

||: „wir können keine Versuchung wirklich überwinden, solange wir uns noch selbst bemühen. Wir müssen es aufgeben, wir müssen das Handtuch werfen.“ :||

Das ist die Lösung: „Christus in Euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ (Kol 1,27)

Oder, wie es in meinem Taufspruch heißt: 

„ Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. “ (Gal 2,20)

Es ist Gott allein, der in der Lage ist, das gute Werk zu vollenden, das Er in uns begonnen hat.
Es ist Christus allein – Christus in uns! – der in der Lage ist, uns in Sein Bild zu verwandeln. (2Kor 3,18) Es ist der Heilige Geist in uns – der in der Lage ist, „solche Leute aus uns zu machen, die in Gottes Geboten wandeln und Seine Rechte halten und danach tun.“ (Hes 36,27)

Es ist Gott allein, der das kann!


Balsam für Dein Herz

„Als das Jesus hörte,
sprach er zu ihnen: 
Die Starken
bedürfen keines Arztes,
sondern die Kranken. 
Ich bin gekommen, 
die Sünder zu rufen 
und nicht die Gerechten.“

(Markus 2,17)


Ich möchte Euch zum Schluss einen Abschnitt aus einem Buch von Hans-Joachim Eckstein vorlesen. Einen Abschnitt, der – wie ich finde – den zentralen Aspekt dieser Predigt sehr gut zum Ausdruck bringt. 

Dort schreibt er unter der Überschrift „Der entscheidende Schritt“:

„Wie ist es möglich, Herr, dass ich seit Jahren versucht habe, unabhängig von Dir für Dich zu leben, anstatt zu verstehen, dass Du selbst durch mich leben willst? Wie konnte ich Dich immer wieder um Kraft bitten, wenn Du selbst als meine Stärke bei mir bist, wie um Liebe, wenn Du selbst als die Liebe in mir wohnst? 
Wie oft habe ich Dir in dieser Zeit Versprechen gegeben, die ich dann doch nicht eingelöst habe. Unzählige Male habe ich mir vorgenommen, mich endgültig zu ändern, endlich ganz neu und ganz anders anzufangen – solange, bis ich selbst ich mehr daran glauben konnte. Immer wider versuchte ich bei geeigneten Anlässen >aufzutanken<, um in meinem Alltag mit dem nötigen Schwung bestehen zu können – aber meine Vorräte gingen mir oft schon aus, bevor ich wieder richtig zu Hause war. 
Ich merkte wohl, dass sich der Glaube nicht speichern und das Leben nicht konservieren lässt. Jedoch zog ich daraus die falschen Schlüsse. Ich verzweifelte abwechselnd an Dir, an meinem Glauben und mir selber – aber zweifelte zu wenig an der Art, wie ich meinen Glauben lebte. Ich kam nicht auf den Gedanken, dass ich vielleicht mit dem richtigen Glauben an den wahren Gott glaubte – aber eben auf die falsche Weise.
Ich dachte, Du wärst mir mit Deinem Kreuz und Deiner Auferstehung viele entscheidende Schritte entgegengekommen – bis auf den einen, den ich allein und ohne Dich zu gehen hätte. Ich fühlte mich verpflichtet, auch etwas von mir aus für Dich zu tun, nachdem Du schon so viel für mich getan hattest. Aber je mehr ich mich anstrengte, desto verkrampfter und verzweifelter wurde ich. Zwar bat ich Dich stets um Deine Unterstützung, aber letztlich suchte ich das Entscheidende doch bei mir. Jetzt erkenne ich, dass gerade das mein Fehler war, dass ich von mir etwas erwartete, was Du gar nicht von mir gefordert hattest, dass ich etwas erkämpfen wollte, was ich in Dir schon längst hatte.
Du bist mir nicht nur neun – oder auch neunundneunzig – Sachritte entgegengekommen, so dass jetzt alles an meinen einen eigenen Schritt läge, sondern Du bist alle – zehn oder hundert – Schritte auf mich zugekommen, damit ich nun jeden Schritt, den ich zu gehen habe, mit Dir und durch Dich gehen kann.“

AMEN.

--- anbei noch einige hilfreiche Textstellen zum Thema Heilsgewissheit ----

  • Jes 41,10 „fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“

  • Mk 2,17 „Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

  • Joh 3,36 „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“

  • Joh 5,24 „ Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“

  • Joh 10,28-30 „[...] ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“

  • Rö 8,23-25.29-38 „Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?  Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. [...] Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

  • Heb 11,1 „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ 

Sonntag, 3. Oktober 2021

"Eine gesunde Gemeinde" (Philipper 1,1-5)

 [Predigt als MP3]


Einleitung

Heute geht es um die ersten 5 Verse im Philipperbrief. Heute geht es um die Frage „Was ist eine gesunde Gemeinde?“ Dazu möchte ich heute von Gottes Wort her etwas sagen.

  1. Was bedeutet „Gemeinde“? Gemeinde hat etwas zu tun mit Gemeinschaft. Und Gemeinschaft hat etwas zu tun mit Beziehung

  2. Was bedeutet das: „gesund“? Oder besser: Was ist eine gesunde Beziehung? Hier geht es um herzliche Verbundenheit; eine Verbundenheit, für die man dankbar ist

Eigentlich ist es ganz passend, dass heute Tag der Deutschen Einheit ist und auch Erntedank. Denn beim Tag der Deutschen Einheit geht es ja gerade um eine herzliche Verbundenheit; die Freude über den Mauerfall; den Jubel; die frohe Gemeinschaft.

Und beim Erntedank geht es um Dankbarkeit! Für die Früchte des Feldes - und im übertragenen Sinne auch (laut. Gleichnis vom Sämann), um die Frucht von Gottes Wort:  um gläubige Menschen. Dennoch möchte ich es heute mal von einer anderen Seite aufziehen. Und zwar mit einer Frage: "Für welche Art von Gemeinschaft sind wir dankbar?"

Gäste im Haus: Denken wir mal daran, wie es ist, wenn wir Gäste zu Hause haben. Es gibt ja (scherzhaft) das Chinesische Sprichwort: „Gäste immel gut sein. Wenn nicht gut sein, wenn kommen: gut sein, wenn gehen!".

Aber was sind dann „gute“ oder „schlechte“ Gäste? Für mich macht sich das fest am "Teilen von Couch und Kühlschrank". Bzw. am "Dinieren des Menüs mit Knigge im Hinterkopf". 

Was ich damit meine: Ich habe gute Freunde, die können einfach kommen und es ist kein Streß. Wenn sie Hunger haben, gehen sie einfach an den Kühlschrank und nehmen sich was - und wenn sie müde sind, dürfen sie gerne einfach auf der Couch einschlafen. 

Und dann sind da die 'offiziellen Gäste': die, für die man sich riesig Mühe macht, ein Menü zu kochen, für die man sich schick anzieht und die besten Manieren an den Tag legt. Diese Gäste sind furchtbar anstrengend - und das nicht, weil sie per se schlechte Menschen wären. Es fehlt einfach etwas, was den Abend irgendwie angenehm macht.

Und jetzt meine Frage: Welche Gäste habt ihr lieber zu Gast? Das hat etwas mit Vertrauen und der Tiefe der Beziehung zu tun, richtig? Und: wie tief wir uns kennen und wie tief wir uns vertrauen, das haben wir selbst in der Hand.

Und das gilt auch für die Gemeinde, denn: wie wohltuend wir Gemeinde erfahren, auch das haben wir selbst in der Hand. Ich wünsche mir, dass wir als Gemeinde uns so lieb haben wie die „Couch & Kühlschrank Typen“ (mit viel Vertrauen, Offenheit, und Gemeinschaft).

„Und das ist sein Gebot, dass wir [...] uns lieben [...] untereinander [...].“  (1Joh 3,23)

„Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Joh 13,35)

Da liegt heute also der Fokus! Auf einer froh und dankbar machenden Gemeinschaft. Und wie wir noch sehen werden: auf einer Gemeinschaft, die an einem Strang zieht.


Worum es heute geht

  • Unser heutiger Text 
    • Zu Anfang möchte ich unseren heutigen Text mit Euch lesen: Philipper 1,1-5

  • Eine interessante Begrüßung
    • schon hier abzulesen: Eigenschaften einer gesunden Gemeinde

  • Ordnung muss sein! 
    • hier werden wir sehen: Struktur ist eine Eigenschaft einer gesunden Gemeinde

  • Ein Bomben-Team! 
    • hier geht es um das Herzstück! 
    • Darum ein Herz und eine Seele zu sein 
    • um echte Gemeinschaft & ums gemeinsame Anpacken!

  • Fragen an Dein Herz 
    • zum Schluss möchte ich Dir 4 anregende Fragen stellen
    • Es wird spannend!


Unser heutiger Text

1 Diesen Brief schreiben Paulus und Timotheus, die Jesus Christus dienen, an alle in Philippi, die mit Jesus Christus verbunden sind und ganz zu Gott gehören, an die Leiter der Gemeinde und die Diakone. 2 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn. 3 Ich danke meinem Gott immer wieder, wenn ich an euch denke, 4 und das tue ich in jedem meiner Gebete mit großer Freude. 5 Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute mit mir für die rettende Botschaft eingesetzt.


Eine interessante Begrüßung

Wir erinnern uns noch mal an den Kontext. Paulus sitzt im Gefängnis weil er evangelisiert hat - 
und schreibt an die Gemeinde in Philippi – die erste Gemeinde, die er in Europa gegründet hat - einer römischen Kolonie in der man es sich gut gehen lassen konnte - in Griechenland - nahe der Grenze zur Türkei: Und er schreibt:

1 Diesen Brief schreiben Paulus und Timotheus, die Jesus Christus dienen, an alle in Philippi, die mit Jesus Christus verbunden sind und ganz zu Gott gehören, an die Leiter der Gemeinde und die Diakone. 2 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn. 

An dieser Begrüßung fallen mir 3 Formulierungen auf
  1. die Jesus Christus dienen
  2. die ganz zu Gott gehören und 
  3. dass Paulus weiß, dass auch jeder in Philippi weiß, dass Gott unser Vater ist und dass Christus unser Herr ist. 
Lasst uns da mal genauer rein-zoomen:

Diener: „die Jesus Christus dienen“ Normalerweise stellt sich Paulus vor als ἀπόστολος (apostolos), also als Apostel, oder Gesandter - und den Timotheus als ἐπισκόπος (episkopos), also als Aufseher, Ältester, Leiter [oder Bischof]. Aber hier: als δοῦλοι (douloi), also als Knechte, oder Diener. 

Das ist ein wichtiges Detail ! Später im Brief wird Paulus noch viele Beispiele vom Dienen bringen, und zwar von Epaphroditus, von Timotheus, und nicht zuletzt von Jesus. Weil nämlich das Dienen wichtig ist! 

Das können wir uns also schon mal merken: Eine gesunde Gemeinde ist eine dienende  Gemeinde. Eine Gemeinde, die in ihrer Umgebung auffällt, weil sie etwas tut. Weil sie etwas beiträgt zum Wohl der Menschen um sie herum. Jesus hat das so formuliert: 

„Ihr seid das Licht der Welt!“ (Mt 5,14)
 
„Darum lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,16)

Heilige: Weiter schreibt Paulus an die, „die [...] ganz zu Gott gehören“. Im griechischen steht hier „ἁγίοις“ (hagiois), also "Heilige". Heilig bedeutet: abgesondert, beiseite gesetzt, besonders gemacht. Also weg vom Dreck der Welt – weg von der Sünde - es sind die, die mit Jesus Christus verbunden sind – die, die ganz zu Gott gehören.

Das scheint mir auch besonders wichtig zu sein. Weil wir Gott nämlich nur dann wirklich dienen können, wenn wir mit der Sünde gebrochen haben. Wenn wir uns Gott ganz zur Verfügung stellen – mit Haut und Haaren! Eine gesunde Gemeinde ist also auch ein hingegebene Gemeinde!

Vater und Herr: Und wenn Paulus schreibt: "Wir wünschen euch Gnade und Frieden 
von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.", dann macht er auch damit eine Aussage über die Gemeinde: Die Gemeinde hat Gott zum Vater – und Christus zum Herrn.

Die Menschen in einer gesunden Gemeinde sind also auf der einen Seite geborgene und behütete und versorgte Menschen, denn sie haben Gott zum Vater, der für sie sorgt und sie beschützt. Und die Menschen in einer gesunden Gemeinde sind auf der anderen Seite auf Jesus ausgerichtete und fokussierte Menschen: Sie übernehmen ihre Definition von Gut und Böse nicht mehr von ihrer Umgebung oder ihren persönlichen Vorlieben.
  • Sie haben Christus als Herrn und Meister.
  • Sie folgen Seinen Geboten 
  • Sie folgen Seinem Wort
  • Sie haben den Heiligen Geist im Herzen
  • Sie folgen Seiner Stimme
  • In ihrer Intuition, in ihrem Gewissen

Struktur ist wichtig!

Lasst mich noch mal kurz zum ersten Vers zurück kommen...

3 Personengruppen: ... dort kann man nämlich sehen, dass Paulus und Timotheus an 3 verschiedene Personengruppen schreiben. Es heißt in Vers 1 nämlich "Diesen Brief schreiben Paulus und Timotheus [...]" 
  1. an alle in Philippi, die [...] ganz zu Gott gehören, 
  2. an die Leiter der Gemeinde und 
  3. die Diakone. 
Auf diesen Aspekt will ich nur ganz kurz eingehen. Auf jeden Fall man kann hier sehr schön sehen, dass eine gesunde Gemeinde auch eine gesunde Struktur hat: 

  1. Es gibt die „Heiligen“ – die für Gott ausgesonderten – die Gläubigen – die sich ganz Gott hingegeben haben: die Gläubigen

  2. Es gibt die „Episkopen“ – die Leiter – die Ältesten – die die Gemeinde leiten und sich auf strategischer Ebene um das geistliche, seelische und leibliche Wohl der Gemeinde konzentrieren.

  3. Es gibt die „Diakone“ – das sind die, die (δια κόνος) „in ihrer Eile Staub aufwirbeln“ – also diejenigen, die sich auf taktischer Ebene um das geistliche, seelische und leibliche Wohl der Gemeinde kümmern.
Eine gesunde Gemeinde ist also auch immer eine Gemeinde, die eine klare und biblische Leitungs-Struktur hat; in der jedes Glied seine Aufgabe hat. Oder mit den Worten von 1 Kor 12,12: 

„Der Körper des Menschen ist einer und besteht doch aus vielen Teilen. Aber all die vielen Teile gehören zusammen und bilden einen unteilbaren Organismus. So ist es auch mit Christus: mit der Gemeinde, die sein Leib ist.“


Ein Bomben-Team!

Als ich dann die Verse 3-5 gelesen habe, ist mir etwas aufgefallen. Dort heißt es ja:

3 Immer bin ich meinem Gott dankbar, wenn ich an euch denke, 4 und das tue ich in jedem meiner Gebete mit großer Freude. 5 Denn ihr habt euch vom ersten Tag an bis heute mit mir für die rettende Botschaft eingesetzt.“ (HOF Philipper 1:3-5)

Ich finde, in der Luther-Übersetzung kommt das noch besser raus:

3 Ich danke meinem Gott, sooft ich euer gedenke – 4 was ich allezeit tue in allen meinen Gebeten für euch alle, und ich tue das Gebet mit Freuden 5 für eure Gemeinschaft am Evangelium vom ersten Tage an bis heute (DELUT1984, Philipper 1:3-5)

Paulus überschlägt sich förmlich mit Superlativen! Immer – allezeit – in allen Gebeten – für alle.
Er kriegt sich bald gar nicht mehr ein vor Freude! Was muss das für ein Bomben-Team gewesen sein – dort in Philippi!

Wir erinnern uns: Paulus wünscht ihnen schon zu Anfang des Briefes nur das Beste: Gnade & Frieden! Was sind das für Menschen, denen Du Gnade und Frieden wünschst? Sind es nicht die, mit denen Du Dich innig verbunden fühlst? Die an Deinen Kühlschrank dürfen – und auf Deiner Couch einschlafen?

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Paulus ist, wenn er an die Philipper denkt, von Herzen dankbar! Was sind das für Menschen in unserer Gemeinde für die Du dankbar bist? Bist Du selber so ein Mensch – bzw. möchtest Du so einer werden?

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Paulus betet für die Philipper mit riesiger Freude! Es gibt ja Menschen, an die denke ich nur mit Bedrückung Und dann gibt es welche, für die ich von Herzen danken kann Für die ich mit Freude und wirklich von Herzen gerne bete. Wer sind diese Menschen in Deinem Leben? Wer sind diese Menschen, für die Du von Herzen gerne betest? Bist Du selber so ein Mensch – bzw. möchtest Du so einer werden?

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Gebetskreis: Und jetzt muss ich noch einen Herzenswunsch loswerden: Ich wünsche mir einen ganz besonderen Gebetskreis. Ich weiß, wir haben nicht nur einen Gebetskreis. Wir haben viele:

  • 9:15 Sonntagsmorgens... (1x pro Woche)
  • Gemeindegebetskreis (1x im Monat)
  • Hauskreise... 
Dennoch wünsche ich mir einen Gebetskreis, der gezielt für unsere Gemeinde betet. Nicht nur einmal im Monat – sondern öfter. Nicht nur mit wenigen – sondern mit vielen von Euch. Ich möchte beten:
  • Dass wir Gott begegnen
  • Dass wir lernen betend zu hören, was Er uns sagt – wohin Er uns führen will
  • Dass Gott unsere Herzen anzündet – und wir brennen für Ihn und Sein Reich
  • Dass Gott uns die Mitarbeiter schenkt, die wir brauchen
  • Und ich möchte, dass wir im Gebet so zusammen wachsen, dass wir einander – zwischen Couch und Kühlschrank – unsere Nöte anvertrauen. Dass wir zusammenwachsen. Uns vertrauen. Uns unterstützen. Uns gegenseitig das Herz ausschütten. Das wir selber so ein Bomben-Team werden, wie die Gemeinde in Philippi!

Fragen an Dein Herz

Darum möchte ich Dich zum Schluss 4 Dinge fragen:

  • Hast Du Frieden mit Gott?
    • Wie schaut es mit Deiner Gottesbeziehung aus?
    • Weißt Du schon, dass Gott Dein liebender Vater ist?
    • Dass Jesus Dein Retter ist – Dein Heiland – der Dir all‘ Deine Schuld von Herzen gern vergibt?
    • Hast Du ihm schon Dein Herz und Dein Leben anvertraut?
    • Wenn nicht, dann tue es heute – tue es jetzt!

  • Bist Du Jesus hingegeben?
    • Bist Du Jesus wirklich hingegeben?
    • Folgst Du Seinem Willen?
    • Wie schaut es bei Dir mit der Heiligung aus?
    • Orientierst Du Dich noch an den Wertvorstellungen der Welt?
    • Dienst Du noch Deinen Leidenschaften?
    • Wenn nicht: dann Kehr um! Heute! Und beginne ein Leben aus der Liebe Gottes heraus – ein Leben in Seiner Nachfolge.

  • Wo ist Dein Platz?
    • Wo bringst Du Dich ein in Gottes Reich? 
    • Wo lässt Du Dich von Jesus gebrauchen?
    • Bitte Gott von Herzen, Dir Deinen Platz zu zeigen! 

  • Möchtest Du mitbeten?
    • Dass wir ein Bomben-Team werden? 
    • Unter Gottes Leitung und Segen?
    • Dann sag‘ bitte Bescheid.