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Sonntag, 8. Januar 2023

Du bist ein Gott der mich sieht (1.Mose 16, 13)


Einleitung

Guten Morgen, ihr Lieben! In der heutigen Predigt geht es ja um die Jahreslosung für das vor uns liegende Jahr. Erst mal finde ich das schon mal krass, dass schon wieder ein Jahr vorbei ist. Mein Vater hat es früher immer gesagt: "Je älter man wird, desto schneller geht's." Ich habe das damals nicht geglaubt, aber mittlerweile glaube ich es immer mehr.

Bevor ich euch jetzt einen Überblick über die Predigt gebe, möchte ich euch versichern, dass ich diese Predigt mindestens ebenso nötig habe wie ihr. Erstens habe ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und vor allem bin ich schon gar kein großer Glaubenskrieger, den nichts mehr anficht. Ganz im Gegenteil. Ich war in den letzten Tagen sehr angefochten und ich habe mir gedacht, wahrscheinlich ist es deswegen passiert, damit ich in der Predigt was Gescheites zu sagen habe. Und wenn ich wenn ich von Anfechtungen geplagt bin, dann sind das in der Regel drei verschiedene Arten von Anfechtungen. Und eine davon möchte ich heute mit euch teilen. Und diese Anfechtungen haben mit der Erfahrung zu tun, die ich wohl einmal zu oft in meinem Leben gemacht habe. Und das ist das Verlassenwerden.

Ich habe das vielleicht sogar schon mal erwähnt. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Falls ja, verzeiht mir, dass ich mich wiederhole, aber als ich anderthalb Jahre alt war, als mein Bruder geboren wurde, bin ich für mehrere Wochen weggegeben worden zu Bekannten. Und das war damals offensichtlich ein ziemlicher Schock für mich als kleines Kind, weil ich konnte mit anderthalb schon sehr gut sprechen, also auch komplizierte Wörter sowie Lokomotive. Das ist ja jetzt nicht unbedingt ein Wort für Anderthalbjährige. Und als ich zurückkam von diesen, ich weiß nicht mehr, wie viele Wochen das waren, wo ich komplett alleine war bei fremden Leuten habe ich nur noch gesagt Glocken machen bim bam! Das war alles, was aus mir herausgekommen ist, weil neben dem kleinen Zimmer, wo ich geschlafen habe, da erinnere mich auch heute noch daran. Da stand ein Glockenturm. Und der hat halt regelmäßig zu jeder Viertelstunde, zu jeder halben Stunde, zu jeder 3/4 Stunde und zu jeder Stunde bim bam! gemacht. Mit zwölf 1/2 habe ich dann meine Mutter verloren durch die Scheidung meiner Eltern, die ich dann erst mit knapp 30 Jahren wiedergefunden habe, also als ich 30 war und da hatte sie schon Krebs und ist wenige Jahre danach gestorben. Dann meine erste große Liebe - ich hatte ja auch noch ein Leben vor dem Glauben - die hat mich x mal für andere Männer verlassen und auch meine erste Frau hat mich für einen anderen Mann verlassen. Und dann gibt es noch ein paar andere kleine Ereignisse, die in die gleiche Kerbe gehauen haben.

Und da könnt ihr euch vorstellen, dieser Stachel sitzt tief, sehr tief. Und wenn, dann in meinem Leben schwierige Phasen kommen, in denen ich nicht mehr weiter weiß und in denen ich bete wie verrückt, dann sind das Phasen, in denen ich mir wünsche, ich könnte Gottes Nähe spüren, in denen ich mir mehr als alles in der Welt wünsche, dass Gott meine Gebete erhört, damit ich an der Gebetserhörung erkennen kann, dass er noch bei mir ist.

Und meistens bete ich dann mit "Geduld" - also: "Herr, gib mir meine Gebetserhörung jetzt gleich sofort!" Da stehe ich mir also sozusagen selber mit der mit der guten Erfahrung im Weg. Und wenn dann die Erfahrung der Nähe Gottes ausbleibt und wenn dann die Gebetserhörung ausbleibt, die ich mir so sehr wünsche, dann kriege ich unglaublich Schiss. Und zwar nicht Schiss, weil ein Gebet nicht erhört wurde, sondern weil ich daraus die falschen Schlüsse ziehe. Nämlich, dass Gott mich auch verlassen hat. Dass ich ihm einfach zu sündig bin, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben will und dass diese nicht erhörten Gebete ein Beweis dafür sind, dass er mich längst verstoßen hat. Und dann ist für meine subjektive Erfahrung kaum noch was zu machen, außer noch mehr zu beten. Und selbst das ist manchmal - wenigstens in der Art und Weise, wie ich dann darauf reagiere - nicht die richtige Lösung.

Die richtige Lösung wäre, sich auf Gottes Wort zu stellen. Aber davon später mehr. Ich denke, ihr seht, ich brauche die Predigt heute mindestens so sehr wie ihr. Ich werde sie mir wahrscheinlich irgendwann auch mal selber anhören. Das ist ganz lustig, wenn man selber predigt und sich seine eigenen Predigten ein, zwei Jahre später noch mal anhört, dann ist es, als wenn jetzt jemand anders predigen würde.

Ja, dann lasst uns mal schauen, was heute auf dem Speiseplan steht.


Übersicht

Zunächst einmal möchte ich natürlich unseren Text mit uns lesen und ihr kennt mich ja: Die Jahreslosung ist nur ein Vers. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nur diesen Vers predigen würde und uns nicht den kompletten Kontext mitgeben würde. Also werden wir den kompletten Text lesen und unter der Überschrift "So ist der Mensch." möchte ich uns dann kurz skizzieren, was uns der Text über uns Menschen sagt. Und zwar über unsere unglaubliche Begabung, Probleme unseres Glaubenslebens immer wieder ohne Gott lösen zu wollen, mit eigener Kraft, mit eigener Weisheit und was dabei an grausigen Ergebnissen herauskommt. Unter der Überschrift "So ist Gott!" Möchte ich uns aber vor allem - und auch mich - daran erinnern, was für einen wunderbaren Gott wir haben. Ein Gott, dem es nie zu viel wird. Ein Gott, der alles kann und der sich zu uns herab beugt, weil er für uns ist. Und der uns hilft. Und ganz zum Schluss möchte ich uns dann drei Verse mit auf den Weg geben. Drei Verse, die alles Gehörte noch einmal zusammenfassen. Drei Verse, die in ihrem dritten Vers, der Jahreslosung, ihren Höhepunkt finden. Drei Verse, von denen ich hoffe und bete, dass Gott sie gebraucht, um euch und uns Trost und Hoffnung zu geben, in allen Anfechtungen, die ihr entweder vielleicht gerade durchlebt oder möglicherweise in diesem Jahr noch durchleben werdet.

Zunächst aber unser Text. Der steht in 1. Mose 16. Ich lese jetzt mal die Verse 1 bis 13. Also der Abschnitt geht eigentlich bis Vers 15, aber ich habe mir gedacht, ich höre mal bei Vers 13 auf. Der ist überschrieben mit "Hagar und Ismael". Ich lese aus der Lutherübersetzung: 

"Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und Sarai sprach zu Abram: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais. Da nahm Sarai, Abrams Frau, ihre ägyptische Magd Hagar und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau, nachdem Abram zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatte. Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering. Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt; tu mit ihr, wie dir’s gefällt. Da demütigte Sarai sie, sodass sie vor ihr floh. Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Schur. Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von Sarai, meiner Herrin, geflohen. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Ismael nennen; denn der HERR hat dein Elend erhört. Er wird ein Mann wie ein Wildesel sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und er wird sich all seinen Brüdern vor die Nase setzen. Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat." 

Mal bis hierher.


So ist der Mensch.

Bevor ich etwas zu dem eigentlichen Text sage, möchte ich uns noch einmal ganz kurz in die Vorgeschichte zu diesem Text mit hinein nehmen. Wer das Alte Testament schon einmal gelesen hat, ganz besonders das Buch Genesis, der weiß, dass Gott Abram eine Verheißung gegeben hatte. Er hatte ihm einen Sohn versprochen. Und ich denke, das ist ganz wichtig, das im Hinterkopf zu behalten, dass dieses Versprechen schon einige Zeit her war. Wie viele Jahre genau, das wissen wir nicht. Aber eines ist sicher Wenn Gott etwas verspricht, dann wird er sein Versprechen halten. Um was es auf unserer Seite dann braucht, das ist Glauben. Und zwar einen Glauben, der sich ausdrückt in Vertrauen und in Geduld. Was es braucht, ist, dass wir die Lösung von Gott erwarten und nicht von uns. Soviel mal zur Vorgeschichte.

Jetzt zum Text. Wie gesagt, dieser von Gott verheißene Sohn Isaak, der ließ lange auf sich warten, wahrscheinlich viele, viele Jahre. Und selbst nach dieser Begebenheit, von der wir gerade gehört haben im Text, mussten Abram und Sarai nochmal 14 Jahre warten, bis Gott sein Versprechen dann endlich eingelöst hat. Also ihr spürt schon: das kann dauern! Und offensichtlich haben Sie gedacht "Das wird wohl nichts mehr. Ja, er hat es uns versprochen, aber wahrscheinlich müssen wir uns selber drum kümmern." Und so gibt dann die Sarai ihre Magd Hagar ihrem Mann zur Nebenfrau. Und was wir dann lesen ist, dass der Schuss komplett nach hinten losgeht. Denn die Hagar fängt an, Sarai zu verachten. Sarai macht Abram Vorwürfe. Abram zieht sich aus der Affäre. Dann fängt die Sarai an, die Hagar psychisch fertig zu machen. Und zu guter Letzt haut die Hagar völlig verzweifelt ab in die Wüste, in Richtung Ägypten, ihrer alten Heimat. Ihr Lieben, so schaut es aus, wenn menschlicher Zweifel und menschliche Ungeduld nicht auf Gottes Lösungen warten können. So schaut es aus, wenn menschliche Weisheit und menschliche Aktionen das Ruder ergreifen. Wenn der Mensch sich selber helfen will. Ich habe dann drunter geschrieben: "Was für ein wunderbares Potpourri menschlicher Sünde!"

Schauen wir mal genauer hin.

Mangelnder Glaube. Abram und Sarai haben auf das Warten Gottes nicht länger warten wollen und haben gemeint, sie müssten selber nachhelfen. Das ist das, was in der Bibel 'fleischliche Werke' genannt wird, das heißt Aktionen, die in menschlicher Weisheit und in menschlicher Kraft ihren Ursprung haben. Das Gegenteil davon sind natürlich 'geistliche Werke'. Das sind Wunder oder Gebetserhörung, die allein in Gottes Verheißung, allein in seinem Willen und allein in seiner Kraft ihren Ursprung haben. Und diese Sünde, dieser mangelnde Glaube, diese 'fleischlichen Werke', damit fängt dieses ganze Desaster an. Und das ist immer so, wenn wir nicht warten können auf Gott. Wenn wir meinen, die Dinge selber in die Hand nehmen zu müssen, dann kommt am Ende nichts als Herzeleid dabei heraus.

Konkret hier: die Verunstaltung der Ehe. Was wir dann in unserem Text dazu lesen, ist eine krasse Verzerrung des Bildes der Ehe, die Thomas Meyer immer so schön zusammengefasst hat mit "Ein Mann und eine Frau - ein Leben lang in Treue." Man könnte jetzt sagen ja, der Vorschlag kam ja von der Sarai. Aber mal ehrlich, der Abram hätte ja nicht wirklich mitmachen müssen, oder?

Und ihr Lieben, ich denke, das ist ein Unding, was da passiert ist und leider ein Unding, was auch in unserer heutigen Zeit immer weiter um sich greift. Ich denke, dass die Ehe, so wie sie von Gott gedacht war "Ein Mann und eine Frau - ein Leben lang in Treue" auch heutzutage unter extremem Beschuss ist. Ich kann und werde darauf hier jetzt nicht weiter eingehen. Aber eins möchte ich sagen Gott hat die Ehe ja nicht nur gestiftet, damit wir nicht alleine sind. Er hat die Ehe vor allem gestiftet, weil die Ehe ein Bild ist. Und zwar ein Bild dafür, wie sehr er seine Gemeinde, seine Kirche, seine Kinder liebt. Das kann man im Epheserbrief, Kapitel 4, nachlesen, wo Paulus das erklärt, dass die Ehe eigentlich ein Bildnis ist, etwas, an dem wir etwas erkennen sollen. Nämlich so, wie Mann und Frau in ihrer Ehe Beziehung zueinander und miteinander leben, das ist ein Bildnis, wie Gott zu seiner Gemeinde steht und mit ihr lebt und sie liebt. Und weil das ein Bild ist, deswegen darf dieses Bild nicht zerstört werden.

Also die Ehe wird verunstaltet. Das Nächste, was passiert: Hochmut und Verachtung. Wir sehen in unserem Text auf Seiten von Hagar die Sünde des Hochmuts und der Verachtung. Ein Mangel an Respekt. Jetzt bin ich ja keine Frau und schon gar keine Frau aus den Zeiten des Alten Testaments. Von daher kann ich mir auch kaum vorstellen, wie schwer es für Sarai gewesen sein muss und wie schmerzhaft: keine Kinder bekommen zu können. Es war ja in den damaligen Zeiten für eine Frau eine Ehre. Und auch heute denke ich, ist es noch so, dass eigentlich - ich denke, jede Frau; ich weiß es nicht - sich das von ganzem Herzen wünscht: Kinder bekommen. Aber dann von genau der Frau, von der man sich die Hilfe erwartet hat, die man sozusagen dann auch noch zum eigenen Mann, den man ja liebt, schickt, dass die sich dann so über einen erhebt und einen verachtet! Das muss der Sarai sicherlich im Herzen sehr wehgetan haben.

Und was macht die Sarai dann damit? Jetzt kommt es zu Schuldzuweisungen. Die Reaktion von Sarai ist auch nicht besser. Anstatt sich an Abram zu wenden und sich an ihn anzulehnen oder ihm ihr Leid zu klagen, klagt sie ihn an. Es muss ja immer einen Schuldigen geben. Es hagelt Vorwürfe und Schuldzuweisungen. "Du bist schuld!" Mal unter uns: wer ist denn auf die Idee gekommen?

Und wie reagiert Abram? Bequemlichkeit. Der zieht sich klassisch aus der Affäre, nach dem Motto: "Es ist ja deine Magd. Mach halt, was dir passt. Was hab ich damit zu tun? Ich bin ja völlig unbeteiligt." Und zwischen den Zeilen hören wir raus: eben dieses Quantum Bequemlichkeit. Regelt ihr euren Quatsch doch alleine, aber lasst mich damit in Ruhe! Und ich glaube, das ist jetzt auch nicht die Art von Verantwortungsbewusstsein und Hilfe, die sich eine Frau in der Not von ihrem Ehemann erwartet.

Reaktion darauf? Ihr merkt schon, das ist so ein richtiges Ping Pong Spiel. Eins gibt das andere: Bosheit, Zorn und Rache. Nach dieser Ansage von Abraham reagiert Sarai mit Zorn und mit Rache. Sie verspürt den dringenden Wunsch, ihre Widersacherin psychologisch fertigzumachen. Und ich glaube, was hier am Werk ist, ist eine im Stolz verletzte Seele. Ich denke, einer der Gedanken, die die Sarai getrieben haben mögen, ist: "Dir werde ich zeigen, wo der Hammer hängt!"

Und last but not least: Unglaube und Verzweiflung. Ganz am Ende dieser Kette von Sünden steht Hager. Die kein Vertrauen (mehr) auf Gott hat. Und die in ihrer sicherlich schwierigen Situation komplett verzweifelt. Und keine andere Lösung mehr weiß, als die Flucht in die Wüste anzutreten. Wir lesen: Sie ist nach Schur unterwegs gewesen. Ich habe meine Frau noch einmal gefragt. 'Ssur' heißt auf Arabisch 'Zaun'. Das war also ein Ort, wo eine Begrenzungslinie ging, wo die Ägypter sozusagen ihr Land verteidigt haben. Sie war also auf dem direkten Wege zurück nach Ägypten, in ihre Heimat. Nix glauben, nix Vertrauen auf Gottes Eingreifen. Nicht einmal ein Gebet. Einfach nur noch weg hier.

Fazit: Wir Menschen sind sündig. Wir sind auf uns selbst fixiert und wir machen nichts als Unfug. Überall menschliche Lösungen und deren Folgen. Lauter Sünde, wohin das Auge blickt. Wir zweifeln daran, dass Gott sein Zeug alleine auf die Reihe kriegt. Wir meinen immer, wir müssten selber etwas zur Lösung beitragen. Doch alles, was dabei herauskommt, ist Herzeleid und noch mehr Herzeleid.


So ist Gott!

Wie geht jetzt Gott mit solchen Menschen um? Ja, wie geht Gott mit solchen Menschen um?

Bevor wir diese Frage beantworten können, oder besser, damit wir diese Frage beantworten können. Lass uns uns mal kurz in die Hager hineinversetzen. Wie ist es Ihrer Seele wohl gegangen? Was hat sie seelisch durchgemacht?

Zuerst einmal wird sie ihrem Herrn einfach mal so als Nebenfrau angeboten. Nix freie Entscheidung. Ja, man könnte jetzt sagen, zur damaligen Zeit hätte man das vielleicht als Möglichkeit gesehen, seinen Stand zu verbessern, weil 'Nebenfrau' ist jetzt sicherlich schon nochmal ein besserer Job als 'Sklavin'. Und trotzdem finde ich, dass diese Nummer von der Sarai maßlos zu weit geht. Alttestamentliche Sitten hin oder her. Ja, stellt euch das mal vor, ihr wärt die Hagar: ihr seid Sklavin, ihr habt eh' nichts zu melden und eure Herrin kommt jetzt einfach und sagt "So! Hier! Du nimmst jetzt mal meinen Mann. Viel Spaß!" Also ich denke jeder Frau dreht sich da der Magen um.

Und dann wird sie tatsächlich schwanger. Und ich glaube, sie freut sich darüber, dass sie jetzt schwanger ist. Sie freut sich ein Loch in den Bauch. Obwohl die Situation so - weiß nicht: wie übersetzt man awkward? - so schief ist. Denn ich denke, sie fühlt sich gesegnet. Das war damals so. Die Schwangerschaft einer Frau, überhaupt dass eine Frau schwanger sein konnte, war eine Ehre in der Gesellschaft. Und vor allem muss man sich ja jetzt überlegen sie ist ja jetzt keine Sklavin mehr. Sie ist jetzt zwar nicht Ehefrau, aber sie ist jetzt Nebenfrau; immerhin. Und sie wird dem Stammvater Abram einen Erben gebären. Hmm, das ist doch mal was, oder? Und ich denke, die ist innerlich geplatzt vor Stolz. Und genau in diesem Stolz glaube ich, übertreibt sie es dann auch. Denn wahrscheinlich hat sie gedacht "Jetzt bin ich was Besseres!" Und was passiert dann? Dann wird sie noch mehr geknechtet.

Die gute Nachricht Übersetzung gibt das so wieder: "Sarai ließ daraufhin Haga die niedrigsten Arbeiten verrichten." Ich muss dann immer an diese Filme denken, wo die Leute mit der Zahnbürste im Gefängnis des Klo putzen müssen. Also die hat ihr richtig übel zugesetzt, die Sarai. Könnt ihr euch da reinfühlen? Sie kommt von ganz unten. Auf ihrer Visitenkarte steht 'ägyptische Sklavin'. Und dann hat sie zum Ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, doch noch im Sozialgefüge aufsteigen zu können. Doch stattdessen wird sie am Ende noch übel malträtiert. <POFF!> Alle Hoffnungen zuschanden. Und dann haut sie ab. Mit verletztem Stolz. Hoffnungslos verzweifelt.

Doch dann, als das Chaos kompletter nicht mehr werden kann, greift Gott in seiner freien Gnade ein. Und denkt daran, die Hagar hatte noch nicht mal darum gebeten! Wir lesen von keinem Gebet. Die ist einfach verzweifelt abgehauen. Die wusste nicht mehr ein und aus. Aber der Engel des Herrn - der steht ja im Alten Testament für eine, ich sage jetzt mal 'Epiphanie', also für eine Gotteserscheinung (keiner kann Gott direkt sehen, aber dieser Engel des Herrn steht immer für die Gegenwart Gottes, die in diesem Engel präsent ist) - also Gott weiß, woher die Hagar kommt. Und er weiß auch, wie sie dahin gekommen ist, wo sie jetzt ist. Er weiß, warum sie dort ist. Und vor allem weiß er auch, wer sie ist. Sie ist immer noch Sarai's Magd, auch wenn sie weggelaufen ist.

Aber Gott macht ihr keine Vorwürfe. Er spricht sie an! Und er ruft sie zu Umkehr im wahrsten Sinne des Wortes. Er ruft sie auf zu Demut und Unterordnung. Er ruft sie auf zum Gehorsam. Aber vor allem macht er ihr klar: "Der Herr hat dein Elend erhört!" Gott wusste, wie's der Hagar ging, auch ohne ein Gebet. Und er gibt ihr trotz allen Versagens, trotz all dem, was vorher war, eine riesige Verheißung.

So ist Gott, ihr Lieben! So ist Gott! Er ist wunderbar groß, allwissend, heilig, großzügig und gütig. Und er hat einen Plan. Und er ist allmächtig. Und das möchte ich auch jetzt mal im Einzelnen anschauen.

Er ist allwissend. Er weiß, woher wir kommen. Ich möchte es jetzt mal auf uns übertragen. Er weiß, woher wir kommen. Und er weiß auch, wie wir dahin gekommen sind, wo wir sind. Aber er macht uns keine Vorwürfe. Sondern er spricht uns an. Und er ist heilig. Er weiß, wer wir sind. Dass wir so ganz anders sind als er. Und er ruft uns zur Umkehr. Er ruft uns zur Demut und zur Unterordnung. Er ruft uns in seine Nachfolge. Und er ist großzügig und gütig. Er spricht uns zu: "Ich habe dein Elend längst gesehen!" Und er will uns beschenken. Und weil er genau weiß, was er vorhat und weil er weiß, dass ihn niemand hindern kann, seinen Plan umzusetzen, kann er uns auch etwas verheißen. Das heißt, er kann uns etwas versprechen, was definitiv geschehen wird. Oder wie Psalm 33, Vers 4 es sagt: "Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss."

Wir können uns also absolut sicher sein, dass er dazu von uns keine Schützenhilfe braucht. Denn er ist allmächtig. Hagar meinte, sie wäre mit ihrem Latein am Ende. Sie hatte keine Hoffnung mehr. Aber hat Gott das davon abgehalten, ihr zu helfen? Hat Gott den Eindruck gehabt: "Oh je, da kann ich jetzt auch nichts mehr machen?" Mitnichten. Gott hatte einen Plan mit Hagar, und den hat er ihr mitgeteilt. "Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können." Und wenn man dann weiterliest, was passiert? Genauso ist es auch gekommen.

Wie viel Hilfe braucht also Gott, um seine Pläne umzusetzen? Und auf diese Frage gibt es im Matthäusevangelium eine schöne Antwort. Wo es heißt: "Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: <<Bei den Menschen ist es unmöglich. Aber bei Gott sind alle Dinge möglich.>>" Gott braucht unsere Hilfe nicht. Es gibt noch eine Stelle, die mir in den Sinn gekommen ist, wo es noch etwas majestätischer formuliert wird und das ist in Jeremia 32, 17. Da heißt es "Ach, Herr, Herr, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm. Und es ist vor dir kein Ding unmöglich." 

Ihr Lieben, lasst mich das noch mal klar sagen. Ja! Wir sind, wer wir sind. Aber Gott sei Dank ist Gott auch der, der Er ist. Er ist der große "Ich bin." JHWH. Er ist allwissend. Er ist heilig. Und er ist großzügig. Und gütig. Oder wie Mose es gesagt hatte, nachdem er Gott begegnet war. "Herr. Herr. Gott. Barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue." Mit anderen Worten Wir können den Karren gar nicht so in den Dreck fahren, dass Gott keinen Ausweg mehr wüßte. Und er wird auch mit deiner Not fertig. Und er ist für dich. Er ist ein Gott, der dich sieht.


Gottes Wort für Dein Herz

Zum Schluss möchte ich drei Verse mit euch teilen. Drei Verse, von denen ich hoffe und bete, dass Gott sie gebraucht, um euch Trost und Hoffnung zu geben in aller Anfechtung, die ihr vielleicht jetzt erlebt oder noch durchleben werdet. Drei Verse, die zusammenfassen sollen, was wir heute gehört haben.

Dass es eben nicht menschliche Weisheit und Kraft ist, die uns ans Ziel bringt. Denn Gottes Wort sagt klar: "Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in all deinen Wegen, so wird er dich recht führen."

Und zum Zweiten, dass es unsere Geduld braucht, unser Vertrauen. Unser Warten darauf, dass Gott handelt. Auch dazu gibt es einen Vers, der steht in den Psalmen. Dort heißt es, "Sei Stille dem Herrn und warte auf ihn. Denn der Herr hat das Recht lieb. Und verlässt seine Heiligen nicht."

Vor allem aber möchte ich euch und auch mich daran erinnern, dass unsere Geduld und unser Glaube nicht enttäuscht werden. Denn wir dürfen das wissen, was in der Jahreslosung steht: 

"Du bist ein Gott, der mich sieht."


Sonntag, 20. Dezember 2015

Die Herrlichkeit der Reichen ist Trug und Schein (Ps 49:1-21)

Text

1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Jugend«." 2 Höret zu, alle Völker; merket auf, alle, die in dieser Zeit leben, 3 einfache Leute und Herren, Reich und Arm, miteinander! 4 Mein Mund soll Weisheit reden, und was mein Herz sagt, soll verständig sein. 5 Ich will einem Spruch mein Ohr neigen und mein Rätselwort kundtun beim Klang der Harfe. 6 Warum sollte ich mich fürchten in bösen Tagen, wenn mich die Missetat meiner Widersacher umgibt, 7 die sich verlassen auf Hab und Gut und pochen auf ihren großen Reichtum? 8 Kann doch keiner einen andern auslösen oder für ihn an Gott ein Sühnegeld geben 9 - denn es kostet zu viel, ihr Leben auszulösen; er muss davon abstehen ewiglich -, 10 damit er immer weiterlebe und die Grube nicht sehe. 11 Nein, er wird sehen: Auch die Weisen sterben, / so wie die Toren und Narren umkommen; sie müssen ihr Gut andern lassen. 12 Gräber sind ihr Haus immerdar, ihre Wohnung für und für, und doch hatten sie große Ehre auf Erden. 13 "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben," "sondern" "muss davon wie das Vieh." 14 Dies ist der Weg derer, die so voll Torheit sind, und das Ende aller, denen ihr Gerede so wohl gefällt. "SELA". 15 Sie liegen bei den Toten wie Schafe, der Tod weidet sie; aber die Frommen werden gar bald über sie herrschen, und ihr Trotz muss vergehen; bei den Toten müssen sie bleiben. 16 Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf. "SELA". 17 Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird, wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird. 18 Denn er wird nichts bei seinem Sterben mitnehmen, und seine Herrlichkeit wird ihm nicht nachfahren. 19 Er freut sich wohl dieses guten Lebens, und man preist dich, wenn es dir gut geht. 20 Aber doch fahren sie ihren Vätern nach und sehen das Licht nimmermehr. 21 "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben," "sondern muss davon wie das Vieh."


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser letzte im zweiten Buch der Psalmen aufgeführte Psalm der Korahleviten verkündet der ganzen Welt, ungeachtet deren Stand und Vermögen, Weisheit: es ist die Antwort auf die rätselhafte Frage nach dem Umgang des Gottesfürchtigen mit der Bosheit der Gewaltigen. Die Antwort lautet: Der Böse wird vergehen, Du aber bleibst - dank der erlösenden Gnade - in alle Ewigkeit bei Gott. Darum lass Dich nicht erbittern und fürchte Dich nicht.


Struktur

1 Auch dieses, als letztes im zweiten Psalmenbuch verzeichnete, Vortragslied der Korahleviten ist dem Chorleiter gewidmet.

2-5 Der Psalmist ruft, ungeachtet des Standes, der ganzen Welt zu, seine Botschaft zu hören: der weisen Antwort auf eine rätselhafte Frage, über die er lange nachgedacht hat.

6-7 Die Frage ist: Warum sollten wir uns vor der Bosheit der Gewaltigen fürchten?

8-13 Die Antwort: Wir sollten uns nicht fürchten. Denn selbst der Mächtigste kann sich nicht selbst vom Urteil Gottes über seine Sünde erlösen. Vielmehr wird er sterben, wie das Vieh.

14-16 Doch so sicher der Gottlose sterben muss und bessere nach ihm kommen, so sicher wird der Gottesfürchtige von Gott erlöst werden; von des Todes Gewalt zum ewigen Leben.

17-21 Das Fazit: Das Drohen der Mächtigen soll uns, im Angesicht der Ewigkeit, nicht anfechten. Denn sie werden mitsamt ihrem Reichtum, ihrer Macht und ihrem Ansehen vergehen.


Inhalt

1 Auch Psalm 49 (Buber: "ein Harfenlied"), das letzte dem zweiten Psalmbuch zugeordnete Vortragslied der Korahleviten, ist dem Chorleiter gewidmet. Schon in den Psalmen 44-47 und so auch hier müsste es also zu Beginn heißen: "Dem Chorleiter." und hier weiter: "Von den Söhnen Korach. Ein Psalm."

In der Übersetzung Luthers jedoch fehlt diese Widmung. Zudem geht der angefügte Hinweis "nach der Weise »Jugend«" nicht auf Luther, der sich auf den hebräischen Urtext stützte, zurück - sie ist in den Ausgaben von 1545 und auch in der Revision von 1912 nicht zu finden - sondern wurde erst mit der Revision von 1984 eingefügt.

2-5 Wie ein Herold die Bürger einer Stadt auf den Marktplatz ruft, um seines Königs Willen zu verkünden, so ruft der Psalmist allen Völkern seiner Zeit zu, ihm ihr Gehör und ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ganz egal, ob es einfache Bürger sind oder die oberen Zehntausend, egal ob sie arm sind oder reich, so bedeutungsvoll ist die Botschaft, dass alle miteinander hören sollen, was der Psalmdichter zu sagen hat:

Die Weisheit, die er in einem Sprichwort, dem er aufmerksam lauschte, vernommen und in seinem Herzen bewegt hat, will er in verständlicher Weise darlegen. Es ist die Antwort auf eine rätselgleiche Frage, die ihm dabei in den Sinn gekommen ist. Und diese Frage ist es, die er zur Musik der Harfe beantworten will.

6-7 Die Frage lautet: "Warum sollte ich mich in schlechten Zeiten fürchten? Warum sollte ich mich fürchten, wenn ich von der Bosheit meiner Feinde umgeben bin? Von prahlerischen Menschen, die sich auf ihr Vermögen verlassen und viel Wind um ihre Besitztümer machen?"

8-13 Die Antwort des Psalmisten liegt in der Zeit, in der Hilflosigkeit des sündigen Menschen gegenüber Gottes gerechtem Urteil über die Sünde und in der noch unsichtbaren Ewigkeit:

Wieviel Geld sie auch haben mögen, als Lösegeld für's ewige Leben wird es nicht reichen. Kein sündiger Mensch kann eines anderen Sünden sühnen oder ihn - schon gar nicht mit Geld - vor Gott freikaufen von seiner gerechten Strafe, das ist: vom Grab und vom ewigen Tod.

Von diesem Gedanken kann er sich für ewig verabschieden, ist doch offensichtlich, dass alle Menschen sterben müssen. Alle trifft das gleiche Los. Egal ob sie Narren oder Weise waren, ihr Vermögen, mit dem sie sich so brüsteten, können sie nicht mitnehmen, sondern müssen es anderen überlassen.

Vielmehr ist es so, dass, egal wie berühmt sie zu Lebzeiten gewesen sein mochten (selbst wenn ganze Länder nach ihnen benannt worden sein sollten, vgl. NeÜ), sie zu Grabe fahren und sie für immer im Totenreich ihre Heimat haben werden. Der Kehrvers fasst die Antwort des Psalmisten auf die Frage nach dem Sinn der Furcht vor der Bosheit der Mächtigen so brillant zusammen: "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh."

14-16 Noch einmal bestätigt der Psalmist das soeben Gesagte, so wichtig ist ihm seine Botschaft: Genau so wird es allen Narren gehen, genau so werden alle Prahlhanse enden: sie werden sterben und ihr Leib wird zerfallen (Luther: "ihr Trotz muss vergehen"). Die Herde ihrer Gräber hütet der Tod, dort müssen sie bleiben. Und schon morgen werden Aufrichtige an ihrer Stelle herrschen.

Doch für die Gottesfürchtigen besteht Hoffnung über den Tod hinaus: Gott selbst wird es sein, der Allmächtige persönlich, der uns aus den Krallen des Todes reißt und unser Leben vom Verderben erlöst. Und, Gott sei Dank!, das ist nun geschehen! Im Markusevangelium lesen wir von Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Gott: "Denn ... der Menschensohn ist ... gekommen, ... dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele." (Mk 10:45)

In Seiner Erlösungstat allein liegt unsere Hoffnung auf ewiges Leben, ein Leben, welches uns, befreit von aller Schuld und damit von der Macht des Todes (Röm 8:2, 2Tim 1:10, Hebr 2:14, Offb 20:6) und welches gekrönt wird mit der herzlichen Güte Gottes, der uns bei sich aufnimmt, damit wir, mit herrlichen Wohnungen beschenkt, da sind, wo Er ist, der uns geliebt hat his in den Tod (vgl. Joh 14:2, Joh 17:24).

17-21 In den letzten Versen fasst der Psalmdichter das Gesagte noch einmal zusammen: Es soll uns nicht ärgern, wenn ein Mensch zu großem Wohlstand kommt und sein öffentliches Ansehen wächst. Angesichts der Ausgangsfrage: "Wozu sollte ich mich in schlechten Zeiten fürchten - in Zeiten, wenn ich von der Bosheit prahlerischer Menschen umgeben bin, die auf ihr Vermögen pochen?" ist nun klar: der Mächtige und Reiche, der Prahlhans und Narr wird nichts mitnehmen, wenn er stirbt und auch sein weltlicher Ruhm und sein Reichtum werden ihm nicht ins Grab folgen.

Wohl mag er sich dieses Lebens gefreut und nach dem Motto gelebt haben: "Lass es Dir gut gehen, dann schmeichelt man Dir!" und doch muss er, wie seine Vorfahren, sterben und sind in ihrer Gottlosigkeit für immer und ewig abgeschnitten von Christus, dem Licht der Welt und des Lebens (Joh 8:12).

Noch einmal bringt es der Kehrvers auf den Punkt: Solche Menschen sind am Ende ihres Lebens nicht besser daran, als das Vieh. Und dann gilt endlich, was schon Salomo sagte: "dem Menschen, der ihm gefällt, gibt [Gott] Weisheit, Verstand und Freude; aber dem Sünder gibt er ..., dass er sammle und häufe und es doch dem gegeben werde, der Gott gefällt. Auch das ist eitel und Haschen nach Wind." (Pred 2:26)


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Gibt es gottlose Menschen in Deinem Leben, die Dich bedrängen und ängstigen?
  • Vertraue auf Gott, der Dich erlöst hat und aus Liebe zu Dir am Kreuz Sein Leben ließ.
  • Und sieh auf das Ende der Geschichte in der Herrlichkeit: Sieh auf zu Christus, "den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes." (Heb 12:2, ELB)

Sonntag, 5. Januar 2014

Bittruf angesichts der menschlichen Vergänglichkeit (Ps 39:1-14)

Text

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, für Jedutun. 2 Ich habe mir vorgenommen: Ich will mich hüten, daß ich nicht sündige mit meiner Zunge; ich will meinem Mund einen Zaum anlegen, solange ich den Gottlosen vor mir sehen muß. 3 Ich bin verstummt und still und schweige fern der Freude und muß mein Leid in mich fressen. 4 Mein Herz ist entbrannt in meinem Leibe; wenn ich daran denke, brennt es wie Feuer. So rede ich denn mit meiner Zunge: 5 »HERR, lehre mich doch, daß es ein Ende mit mir haben muß und mein Leben ein Ziel hat und ich davon muß. 6 Siehe, meine Tage sind eine Handbreit bei dir, und mein Leben ist wie nichts vor dir. Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben! SELA. 7 Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es einbringen wird. « 8 Nun, Herr, wessen soll ich mich trösten? Ich hoffe auf dich. 9 Errette mich aus aller meiner Sünde und laß mich nicht den Narren zum Spott werden. 10 Ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun; denn du hast es getan. 11 Wende deine Plage von mir; ich vergehe, weil deine Hand nach mir greift. 12 Wenn du den Menschen züchtigst um der Sünde willen, so verzehrst du seine Schönheit wie Motten ein Kleid. Wie gar nichts sind doch alle Menschen. SELA. 13 Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen; denn ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter. 14 Laß ab von mir, daß ich mich erquicke, ehe ich dahinfahre und nicht mehr bin.


Kommentar

Zusammenfassung

Umgeben von Gottlosen, dichtet David diesen Klagepsalm, in welchem er sich selbst trotz seiner Leiden zum Schweigen verpflichtet. Angesichts seiner eigenen Vergänglichkeit bittet er den Heiligen Gott darin um Einsicht in dessen gutes Ziel und um Dessen Hilfe, Trost und gnädiges Ende seiner Züchtigung zum Guten.

Struktur

1 David überreicht diesen von ihm komponierten Klagepsalm an Jedutun, einen der drei Dirigenten seines königlichen Meisterchores.

2-4 Er beschließt, trotz der dadurch verursachten seelischen Schmerzen, seine Zunge angesichts der Gottlosigkeit um ihn herum, im Zaum zu halten.

5-7 Und er bittet den Ewigen, angesichts der Vergänglichkeit seines kurzen Lebens, um die Einsicht, dass sein Leben -in Gottes Hand- Seinem guten Ziel zustrebt.

8-10 Seinen Trost schöpft David dabei aus Gott allein, den er um Vergebung für Seine Sünde bittet, und angesichts der ewigkeit von Gottes Plan und Tun, sowie der eigenen Nichtigkeit und Vergänglichkeit, um Dessen Hilfe vor dem Gespött der Gottlosen.

11-14 Wohl wissend, dass es Gottes Erziehung ist, die ihm im Leiden widerfährt, bittet David den Ewigen aufgrund seiner geschöpflichen Bedürftigkeit um Trost im Leiden und, um seiner Lebensfreude willen, um die gnädige Beendigung seiner Prüfung.


Inhalt

1 Dieses Lied Davids, dem Inhalt nach ein Klagepsalm, ist einer von drei an den Chormeister und Dirigenten Jedutun gewidmeten Psalmen (Psalmen 39, 62 und 77); je ein weiterer Psalm "für Jedutun" stammt von David, bzw. von Asaph.

Jedutun war, wie auch Asaf und Heman, ein Prophet, der von David und dessen Feldherren für den Gottesdienst ausgesondert worden war. Wie Asaph und Heman, sang er nach Davids Anweisung, zusammen mit seinen von ihm geleiteten Söhnen, zu Saiteninstrumenten und Schellen im zweihundertachtundachtzigköpfigen, königlichen Meisterchor (1Chr 25:1-7).

2-4 David beginnt diesen Psalm mit seinem Entschluss, sich angesichts der Gottlosigkeit um ihn her nicht mit Worten zu versündigen. Aus Psalm 73 wissen wir, wie ihm das gottlose Treiben um ihn her "wehe tat im Herzen und mich stach in meinen Nieren", ja, dass er sich fühlte, wie "ein Narr und ... wie ein [hilflos leidendes] Tier" (Ps 73,21-22). Und wir wissen, wie hart es ihn angegangen ist, sich nicht zu ereifern über das Prahlen und den Wohlstand der Gottlosen, ja dass ihn sein Zorn beinahe zu Fall gebracht hätte (Ps 73,2-3). Doch David weiß auch, dass Zorn, Grimm und Entrüstung nur Unrecht anrichten (Ps 37,8) und der Mund des Gerechten vielmehr Weisheit redet, und seine Zunge das Recht lehrt (Ps 37,30).

Nicht umsonst schreibt uns viele Jahrhunderte später der Apostel Jakobus "So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet's an! Auch die Zunge ist ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit. So ist die Zunge unter unsern Gliedern: sie befleckt den ganzen Leib und zündet die ganze Welt an und ist selbst von der Hölle entzündet. ... aber die Zunge kann kein Mensch zähmen, das unruhige Übel, voll tödlichen Giftes" (Jak 3,5-8).

So nimmt denn David all seine Entschlossenheit zusammen und legt seiner Zunge den Zaum an. Wohl hat er das gottlose Treiben noch immer vor Augen, doch entschlossen verstummt er und zwingt sich zu schweigen. Gleichwohl sein Herz schweigt nicht, vielmehr brennt es in ihm vor Leid, wie ein Feuer. Und so muss es hinaus: Einem muss er es klagen, auf dass er nicht innerlich verbrenne:

5-7 Und so betet er zum Ewigen und besinnt sich dabei auf seine Vergänglichkeit. Er bittet den Allmächtigen um Einsicht in die Tatsache, dass auch sein kleines Leben ein Ende haben muss und er von dieser Welt scheiden wird; wohl wissend, dass sein Leben ein gutes Ziel haben wird, denn: "du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an" (Ps 73,24).

Diese Einsicht zu gewinnen bleibt David jedoch nur wenig Zeit und so fleht er zu Gott und erinnert er den Ewigen daran, dass sein Leben vor Seinen Augen nicht länger währt "als ein kurzes Geschwätz" (vgl. Ps 90,9). Und darum drängt er den Herrn der Zeit, zu bedenken, dass Er "weiß, was für ein Gebilde wir sind; ... daran, dass wir Staub sind. Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darüber geht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennet sie nicht mehr" (Ps 103:14-16). Und so betet er mit Inbrunst und inniglich mit Mose: "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden" (Ps 90,12).

Auch fragt David: "was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" (Ps 8,5). Und antwortet hierauf gleich zweimal in diesem Psalm: "Wie gar nichts sind doch alle Menschen." (Verse 6 und 12). Selbst ganze Völker sind "geachtet wie ein Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage" (Jes 40,15). Und doch dürfen sie dank Gottes Gnade in selbstvergessener Sicherheit leben. Doch wahr ist auch: "Der Mensch ... lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe, geht auf wie eine Blume und fällt ab, flieht wie ein Schatten und bleibt nicht" (Hi 14,1-2). Und zu alledem quält sich der Mensch auch rastlos mit der Frage, wer einmal nach ihm kommen wird, denn "es muss ein Mensch, der seine Arbeit mit Weisheit, Verstand und Geschicklichkeit mühsam getan hat, es einem andern zum Erbteil überlassen, der sich nicht darum gemüht hat. Das ist auch eitel und ein großes Unglück." (Pred 2,21).

8-10 Angesichts der Gottlosigkeit um ihn her, angesichts des Brennens in seinem Herzen und seiner eigenen Vergänglichkeit fragt er sich nun: "Herr, wessen soll ich mich trösten?" und antwortet sogleich: "Ich hoffe auf dich". David hat es gelernt, dass "wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil" (Ps 73,26). Ja, vielmehr: "wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde." (Ps 73,25). Gott allein, Sein vollkommen gutes Wesen, Sein Plan der Herrlichkeit und Seine gütige, gnädige und barmherzige Fürsorge sind Zeit unseres Lebens unser letzter und oft wohl einziger Trost. Ja, "dem alleinigen Gott, unserm Heiland, sei durch Jesus Christus, unsern Herrn, Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit! Amen" (Jud 25).

Diesem, seinem gnädigen Gott vertraut David seine Bitten an: Er möge ihn aus seiner Sünde erretten und ihn nicht zum Gespött der gottlosen Narren werden lassen. Dem Grund für sein Schweigen -sich nicht zu versündigen- fügt David dabei einen weiteren und weitaus tieferen Grund hinzu: Er hat erkannt, das alles, was geschieht, sei es hell oder dunkel, fried- oder unheilvoll, letztlich Teil des großen göttlichen Plans und Handelns ist (Jes 45,7). Er hat, wie nach ihm Salomon, erkannt, dass "alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun. Das alles tut Gott, dass man sich vor ihm fürchten soll" (Pred 3,14). Und er weiß, dass "was da ist, ist längst mit Namen genannt, und bestimmt ist, was ein Mensch sein wird. Darum kann er nicht hadern mit dem, der ihm zu mächtig ist" (Pred 6,10). Und so beschließt er, wie einst Hiob, "Ich will meine Hand auf meinen Mund legen" (Hi 40,4).

Doch nicht aus resigniertem Fatalismus handelt David, sondern er weiß: Gott tut das Gute und lässt auch das Böse zu, doch Letzteres nur aus einem Grunde: auf dass es denen, die Ihn lieben, zum Besten diene (Rö 8,28). Denn "Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende" (Pred 3,11).

11-14 Und auch angesichts seines Leidens bleibt David nicht tatenlos. Sondern er bittet den Allmächtigen, die Bürde Seiner Last von ihm zu nehmen; wohl wissend: "Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch" (Ps 68,20). So beten auch wir: "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]" (Mt 6,13). David ist klar, dass, auch wenn es äußerlich die Gottlosen zu sein scheinen, die ihn so sehr bedrängen, so dass er zu sterben fürchtet, es letztlich "deine Hand ist und du, HERR, das tust" (Ps 109,27). Ja, die Erziehung Gottes ist zu Zeiten hart, zerstört unsere Freude und damit das Strahlen unseres Antlitzes "wie Motten ein Kleid", "und wenn [die Züchtigung] da ist, scheint [sie] ... nicht Freude, sondern Leid zu sein; danach aber bringt sie als Frucht denen, die dadurch geübt sind, Frieden und Gerechtigkeit." (Hebr 12,11). Denn sie ist nichts weniger, als der Beweis unserer Sohnschaft und der göttlichen Liebe zu uns (Hebr. 12,6+7). Und sie erinnert uns an unsere geschöpfliche Bedürftigkeit und Nichtigkeit: noch einmal sagt David es aus: "Wie gar nichts sind doch alle Menschen" und ruft auch uns mit dem "SELA" zur Besinnung auf.

Gleichwohl lässt er nicht davon ab, Gott weiter zu bestürmen, Er möge doch sein Flehen erhören und seine Trauer nicht mit Schweigen strafen. Demütig anerkennt er die Hoheit Gottes und seine eigene Niedrigkeit und fleht Gott an, daran zu denken, dass er nicht mehr ist als nur ein Gast auf Erden (Heb 11,9.13). Und so bittet er Ihn, unseren wahren Tröster (Jes 51,12), seine Prüfung zu beenden, damit er vor seinem Tode noch einmal die die Freude des irdischen Lebens schmecke.


Praktische Anwendung
  • Trotz der Gottlosigkeit unserer Zeit "Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt" (1Petr 3,9).
  • Bete vielmehr mit David und Christus "In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott" (Ps 31,6).
  • Vor allem aber "Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!" (Phil 4,6).

Sonntag, 17. Juni 2012

Wie man ein Wunder übersieht

Als wir vor kurzem bei einem befreundeten Ehepaar eingeladen waren, fiel mir etwas auf. An mir. Oder besser: an meiner Wahrnehmung. Etwas, das mir noch nie so bewusst aufgefallen war: Ich war überrascht von meiner "Fähigkeit zur geistlichen Blindheit". Meiner Blindheit gegenüber dem Handeln Gottes in dem sich sein Wesen so klar und eindeutig widerspiegelte: Seine Gutheit, Seine Barmherzigkeit, Seine Treue. 

Doch von Anfang an.

Ich habe einen Freund; nennen wir ihn G. Vor vielen Jahren war G. ein einsamer Mensch, der sein Dasein, zumindest aus dem Blickwinkel anderer, eher am Rande der Gesellschaft fristete. Ihm ging es nicht gut, weder äußerlich, noch innerlich. Weder finanziell noch emotional. Er war arbeitslos, ehelos, hoffnungslos. Er war mir und einem weiteren Freund von uns ein ständiges Gebetsanliegen.

Und was er für Wünsche hatte! Er sehnte sich nicht nur nach einer festen Anstellung, was aus diversen Gründen schon eine Herausforderung darstellte, nicht nur nach einem festen Einkommen, sondern - in seiner Lage! - auch noch nach einer Frau. Und nicht nach irgend einer Frau. Nein, eine Frau von einem ganz bestimmten Fleck auf diesem Planenten sollte es sein. Das war für G. ausgemachte Sache.

Wenn ich mich heute zurück erinnere, spüre ich noch gut meine innere Zerrissenheit: Auf der einen Seite wollte ich G. nicht enttäuschen, indem ich ihm seine, aus meiner Sicht etwas hoch gestochenen, Wünsche ausredete. Auf der anderen Seite wollte ich nüchtern bleiben und realistisch. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass er eine Arbeit finden würde, geschweige denn eine Frau. Und dann noch eine aus dieser ganz besonderen Region auf unserem Planeten. Das war für mich einfach zu viel.

Doch meine Zuneigung und vielleicht auch mein Mitgefühl überwogen und so sagte ich ein ums andere Mal zu, für G. zu beten. Und mit ihm zu beten; wie auch mein anderer Freund und viele andere mit uns.

Die Jahre vergingen. G. fand eine Arbeit. G. fand eine Frau. Alles geschah so natürlich, so unauffällig, so leise, so ohne Pomp und Klimbim. So leise und unauffällig sogar, dass ich gar nicht realisierte, was sich da eigentlich direkt vor meinen Augen zugetragen hatte.

Und so saßen wir dann neulich zusammen und sprachen über alte Zeiten. Und G. fragte mich: "Weißt Du noch, wie anders damals alles war?" Dieser Satz traf mich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel und es fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Ja! Es war in der Tat alles anders. Denn Gott hatte unsere Gebete erhört und alle unsere Erwartungen -zumindest meine- bei weitem übertroffen:

Inzwischen steht G. vor seinem 10-jährigen Firmenjubiläum in einem Unternehmen, an welches wir damals nicht im Traum zu denken gewagt hätten. Nicht nur ist er inzwischen verheiratet und Vater eines gesunden und ganz wunderbaren Kindes. Er ist vor allem auch der Ehemann einer wunderbaren Frau - einer Frau, die von genau dem Ort auf unserer Erde kommt, den er sich so sehr gewünscht hatte.

Diese Erkenntnis traf mich mitten ins Herz: So liebevoll ist Jesus (Mt. 11,28), so sehr interessiert daran, uns Freude zu bereiten, so beharrlich darin, unseren Wünschen und Gebeten zuzuhören und uns am Ende zu geben, was unser Herz sich so sehr ersehnt (Ps 37,4). Auch darin liegt seine Herrlichkeit: Dass ER - ungleich uns - nicht allein an Sich selber denkt, sondern sein Höchstes für uns gibt, damit wir glücklich sind.

Mich hat dieses Erlebnis eine -theologisch längst bekannte- Wahrheit in ganz neuem, viel realistischerem Licht erkennen lassen: dass Jesus unseren Gebeten tatsächlich zuhört. Dass sie Ihm wichtig sind. Dass Er sie erhört. Nicht, weil wir es verdient hätten. Sondern weil Er uns gnädig ist. Weil Er uns wirklich liebt.

Und sie hat mich noch etwas gelehrt. Über einen Widerspruch in meinem Denken und Empfinden. Dass es scheinbar recht einfach für mich ist, Dinge zu übersehen, die ich, als sie noch in der Zukunft lagen, für richtige Wunder gehalten habe, für absolut menschenunmöglich. Und die ich, als sie so selbstverständlich und natürlich geschahen und in dann in der Vergangenheit verblassten, als gegeben hinnahm, als seien sie das Normalste von der ganzen Welt.


Doch vielleicht geht es nicht nur mir so? Vielleicht gibt es auch im Leben meiner Mitmenschen Dinge, für die sie in ihrer Not zu Gott gerufen haben, gefleht und gebetet. Dinge, von denen sie glaubten, sie seien undenkbar. Und die Gott in seiner Gnade dann doch hat wahr werden lassen, weil uns Menschen liebt. Dinge, die vielleicht bis heute übersehen wurden, weil sie so völlig natürlich in's Leben kamen, so bescheiden, so leise, so unscheinbar... - ganz so, wie es Gottes Wesen entspricht. Denn Er ist demütig, sanftmütig und bescheiden... (Mt 11,29)

Donnerstag, 8. März 2012

Psalm 19 - Gottes Herrlichkeit in Seiner Schöpfung und in Seinem Gesetz

Text
 
1 "Ein Psalm Davids, vorzusingen." 2 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. 3 Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern, 4 ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. 5 Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt. Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; / 6 sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn.7 Sie geht auf an einem Ende des Himmels / und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen. 8 Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise. 9 Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist rein und bleibt ewiglich. Die Rechte des HERRN sind Wahrheit, allesamt gerecht. 11 Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold, sie sind süßer als Honig und Honigseim. 12 Auch lässt dein Knecht sich durch sie warnen; und wer sie hält, der hat großen Lohn. 13 Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden! 14 Bewahre auch deinen Knecht vor den Stolzen, dass sie nicht über mich herrschen; so werde ich ohne Tadel sein und rein bleiben von großer Missetat. 15 Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes / und das Gespräch meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser.


Kommentar
 
1 Dieses Lied Davids besingt (wie Ps 8:4-5, Ps 65 und Ps 104) die Ehre Gottes, die in Seiner Schöpfung (vgl. Rö 1:19-20) sowie in Seinem Wort sichtbar wird.

2-7 Der Blick an den Himmel offenbart die Wunder der Schöpfung (vgl. Gen 1:14-19) und diese die Herrlichkeit und Ehre Gottes (vgl. Rö 1:19-20): Gottes Schöpfung spricht täglich zu uns, vom Anbeginn der Welt bis an das Ende der Zeit, ganz ohne Worte, durch ihre Schönheit und Vollkommenheit, zu unseren Herzen. Dieser Kommunikation sind keine räumlichen Grenzen gesetzt: sie ist in jedem Winkel dieser Welt und dieses Universums zu empfangen, so wie die Sonne alle Orte unseres Planeten erhellt und dabei keinen Flecken auslässt. Die phänomenologische Beschreibung des Sonnenlaufes ist dabei genau so zulässig, wie die Angabe von 'Sonnenaufgang' & 'Sonnenuntergang' in der Tagespresse.

8-12 Der Blick in Gottes Wort offenbart das Herz Gottes. Wie sein Wort (vgl. Joh 1:1-18 und 1Jo 1:1-5) so ist auch Er vollkommen und erquickt unsere Seele (vgl. Mt 11:28). Er ist verlässlich (1 Thess 5.24 und 2 Thess 3:3) und schenkt uns in Christus (vgl. 1Kor 1:30) gerne Weisheit (vgl. Jak 1:5). Er ist gerade und aufrichtig und es ist keine Ungerechtigkeit in Ihm (Joh 7:18 und 1Jo 1:5). Seine Gebote sind voller Wahrheit (Joh 17:17), absolut gerecht und rein, d.i. ohne Verschmutzung oder Befleckung durch eine Sünde, wie z.B. des Eigennutzes. Und sie sind, wenn man liebt, auch nicht schwer (Mt. 11:30 und 1Jo 5:3) sondern sie tun, was Gott unser Vater will: sie bringen seinen Kindern Freude (Joh 17:13) und Erkenntnis. Darum sind sie wertvoller als alles Gold Welt und erfreuen das Herz mehr als die süßesten Speisen. Sie erinnern unser Gewissen an das Wahre, das Gute und das Schöne und stellen uns, wenn wir sie halten, eine große Belohnung in Aussicht. Solche, in Gottes Wort und der Erkenntnis Seines Wesens gegründete Gottesfurcht ist ebenfalls rein und sie wird alle Ewigkeit überdauern.

13-14 Der Anblick von Gottes Heiligkeit, die sich in Seiner Schöpfung und in Seinem Wort offenbart, treibt David in die Erkenntnis seiner Sündhaftigkeit und in die Umkehr: David weiß, wie viele seiner Sünden er nicht einmal bemerkt, oder moderner: er ist sich darüber bewusst, dass sein ganzes Wesen von der Sünde durchzogen ist (vgl. Rö 7:18) und bittet Gott um Vergebung (vgl. Mt 6:12). Auch bittet David um Bewahrung vor den Bösen (vgl. Mt. 6:13), konkret: vor der Herrschaft der Arroganten; Er möchte durch die Herrschaft der Stolzen nicht grober Sünden schuldig werden (z.B. in dem ihm diese befohlen werden), denn er möchte vor Gott ohne bewussten Tadel sein.

15 Zum Abschluss des Liedes bittet David Gott darum, sein Gebet zu erhören, welches er aus dem Herzen und im Bewusstsein der Gegenwart Gottes spricht. Des Gottes, der Davids Schutzort ist und der ihn aus aller Not erlöst & rettet.