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Samstag, 22. Juni 2019

„Für‘s Evangelium leiden?!“ - 2. Tim 2,9-13

Struktur

[Predigt als MP3]
  • Einleitung
  • Predigt
  •  - Unser Text
  •  - Geduld
  •  - Der Zweck
  •  - Das Ziel
  •  - Der Weg
  •  - Die Kraft
  • Zwei Fragen an Dein Herz


Einleitung: „Brand im Notre Dame & Münchner Waisenhaus“

Am 1. Mai 2019 hat es im Münchner Waisenhaus gebrannt. – Aber keine Angst: Alle Kinder wurden gerettet. Aber stellt Euch einfach nur mal vor, es wäre so gelaufen: die Leute vom Waisenhaus rufen bei der Feuerwehr an, jemand nimmt den Hörer ab – und gibt so eine Antwort: 

"Wie? Es brennt?! So ein Quatsch! Sowas wie Feuer und Brände gibt’s doch gar nicht! Legen Sie sich mal ruhig wieder schlafen!" Oder so: "Also hören Sie mal! Wieso rufen Sie hier an?! Wissen Sie, wie spät es ist?" Oder so: "Wie? Es brennt?! Ja, was geht mich das an?! Hab ich das gelegt?! Löschen Sie‘s doch selber ihr olles Feuer!!" Oder so: "Wie? Feuer?! Wissen Sie, wie gefährlich das ist?! Nee, lassen Sie mal, das ist mir echt zu heiß!" Oder sogar so: "Wie? Es brennt?! Jetzt machen Sie mal keine Panik! Das wird schon..."

Erwarten wir nicht, wie selbstverständlich folgendes: Dass die Feuerwehr allzeit bereit ist? Bereit auch Leid zu ertragen? Weil die Feuerwehrleute wissen, dass löschen eine gute Sache ist? Weil sie wissen, wie schön das Leben ist - und es denen wünschen, die im Feuer gefangen sind? Weil sie wissen, dass ihr Dienst Leben rettet? Weil sie wissen, dass genau das am Ende ihre Ehre ist: dass sie ihr Leben für die Freude anderer gewagt haben? Weil sie wissen, dass es für ihren Dienst einfach keine Alternative gibt? (wohl wissend: letztlich ist alles in Gottes Hand)?


Unser Text - 2. Timotheus 2, 9-13

[...] nach meinem Evangelium, 9 für welches ich leide bis dahin, dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. 10 Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit.

11 Das ist gewisslich wahr: 
Sterben wir mit, so werden wir mit leben; 
12 dulden wir, so werden wir mit herrschen; 
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 
13 sind wir untreu, so bleibt er doch treu; 
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.


Aktive Geduld – Drunter bleiben – Vers 9+10 „Darum dulde ich alles...“

Der Kontext: Paulus liegt – weil er das Evangelium weiter gegeben hat – im Gefängnis in Rom – angekettet, wie ein Verbrecher – und wartet wohl auf seinen Tod. 

Bei der Vorbereitung der Predigt habe ich mich gefragt: „Wie würde ich wohl reagieren, wenn mir das passieren würde?!“ Dabei ist mir eine Phrase – und in dieser Phrase ein kleines Wort – besonders ins Gesicht gesprungen: „Darum dulde ich alles...“ Das Wort, was hier für „dulden“ steht, heißt: „ὑπομένω“ – es setzt sich zusammen aus den Wörtern „ὑπο“ (unter) und „μένω“ (bleiben) – heißt also: „ darunter bleiben, ertragen, erdulden“.

Als ich das Wort las und – in dieser Zusammensetzung – seine Bedeutung verstand, musste ich an eine Begegnung von vor vielen Jahren denken (es muss auf einer Freizeit in Wiedenest gewesen sein oder auf Besuch bei Freunden in der Nähe von Rotenburg, ich weiß es nicht mehr genau),  da sprach ich mit einem (damals für mich) „älteren“ Bruder über das Thema „Geduld“. Er gab mir dann Zeugnis von seinem eigenwilligen und rebellischen Wesen und wie Gott den Zusammenbruch seiner Firma benutzt hatte, um ihn Demut zu lehren – und zu lehren, dass es Gott ist, der in allem den ersten Platz einnehmen sollte, der voran geht, den Weg vorgibt und dem wir im Vertrauen und im Gehorsam nachfolgen sollen. Und in eben diesem Zusammenhang benutzte er diese Formulierung: „drunter bleiben“.

Heute sehe ich, wo er diese Phrase her hatte – und warum sie so wichtig für uns ist: im Angesicht von Anfechtung und Leid ist es unsere alte Natur, die aufbegehren und rebellieren will: – sie will nicht leiden – sie will nicht „drunter bleiben“ – sie will ihren Willen – und zwar „jetzt gleich!“ – Nicht so Paulus: er bleibt aktiv/freiwillig(!) „drunter“.


Die Freude der anderen – Um der Auserwählten willen... – Vers 10 „...um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit.“

Aber wie bringt Paulus das fertig? Wieso randaliert er nicht gegen Gott? Wieso zetert und lamentiert er nicht in seiner Zelle und fragt: „Mein Gott, warum?!“ Wie kann er so was sagen: „Darum dulde ich das alles...“? Wie bringt er das fertig?

Ich denke, dass uns Paulus in diesem Text mindestens 3 Gründe darauf angibt, was ihn zu dieser Haltung befähigt – und hinter diesen 3 Hinweisen steht – so glaube ich – wohl noch etwas 4. – was all diesen Hinweisen gemeinsam ist.

Den ersten dieser Gründe habe ich „Den Zweck“ genannt. Er beantwortet die Frage „wozu“ Paulus dieses Leiden auf sich nimmt. Was ist der „Mehrwert“? Was „bringt“ es, dass Paulus so leidet? Die Antwort von Paulus ist ziemlich klar: „damit auch die Auserwählten die Seligkeit erlangen – in Christus – mit ewiger Herrlichkeit“. Paulus ist offensichtlich klar, dass Erlösung kein „Selbstläufer“ ist – er weiß: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Römer 10,17). Im Bilde von der Feuerwehr: ihm ist klar, dass er die Ungläubigen nicht sich selbst überlassen kann und sagen „Wie? Es brennt?! Jetzt machen Sie mal keine Panik! Das wird schon... (von ganz alleine)“. 

Und ganz offensichtlich ist ihm auch noch etwas anderes klar: nämlich, was passieren würde, wenn er sagen würde: „Wie? Es brennt?! So ein Quatsch! Sowas gibt’s doch gar nicht! Legen Sie sich mal ruhig wieder schlafen.“ Denn: „...ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6). Jesus hat das ganz klar gepredigt: „fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“ (Mt 10,28). Die Frage ist nur: glauben wir das? Also letztlich: dass der Glaube aus der Predigt kommt - und ohne Glauben niemand den Himmel erreicht?


Das eigene Lohn – Um seiner selbst willen... – Verse 11f „Sterben wir mit, werden wir mitleben; dulden wir, werden wir mitherrschen“

Paulus hat noch einen 2. Grund, der ihn motiviert, das Evangelium weiter zu sagen. Einen 2. Grund, der ihn motiviert, auch dann nicht damit aufzuhören, wenn das Leiden bedeutet: Er hat begriffen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen unserem Handeln und dem, was uns im Himmel erwartet. Er hat begriffen, dass das, was uns im Himmel erwartet, kein Automatismus ist – sondern absolut damit zu tun hat, was wir auf Erden getan haben.

In 1Kor 3,8b-15 beschreibt er das so: „Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“.

Paulus war also klar: „Von nichts kommt nichts!“. – Ihm war aber auch klar, wie unfassbar überschwänglich unser Lohn sein wird: Römer 8:18 schreibt er: „...ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ – Ich denke, es ist nicht zu viel, zu sagen, dass Paulus davon überzeugt war, dass „das bisschen, was es hier zu leiden gibt“ in überhaupt gar keinem Verhältnis steht zu dem, was an Lohn in der Herrlichkeit dafür auf uns wartet.  „Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit...“ (2Kor 4,16)


Der schmale Weg – Weil es nicht anders sein kann... – Vers 12+13 „verleugnen wir, wird er uns auch verleugnen; sind wir untreu, bleibt er doch treu; “

Der 3. Grund, den Paulus nennt, warum er das Evangelium weiter gibt – auch, wenn das für ihn Leiden bedeuten sollte – finden wir in den Versen 12 und 13: Paulus macht hier 2 Dinge ganz unmissverständlich klar: den Ernst und die Güte Gottes – von denen er in Römer 11,22 schreibt: „Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden. “

Paulus sagt damit ganz klar, dass 1. „vom Glauben abfallen“ keine Option ist, denn es hätte – wenn es denn überhaupt möglich wäre – zur Folge, „abgehauen“ zu werden. Das ist ja auch logisch: Wenn es tatsächlich „ohne Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6) und wenn tatsächlich ohne Glauben „Leib und Seele in der Hölle verderben“ (Mt 10,28), dann ist auch klar, warum es keine Option ist, den Glauben angesichts von Leiden aufzugeben. Oder wie Jesus es sagt: „Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.“ (Lukas  9,26)

Zum 2. macht Paulus aber auch klar, dass unsere Erlösung letzten Endes nicht auf unseren Schultern ruht –hier öffnet sich im Text für uns ein Blick direkt in das Herz Gottes hinein! – ein Blick auf Seine Treue und Barmherzigkeit – auf Seine Geduld mit uns und Seine Gnade: 
Sind wir einmal „untreu, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
Da, wo wir – entgegen dem Wollen unseres neuen Menschen – versagen, da trägt uns Seine Gnade. Jesus weiß: „Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ (Mt 26,41) Darum hat er uns versprochen: „Wenn wir [...] unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1Jo 1,9). Nur darum kann Paulus seine eigene Frage „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ beantworten mit: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ (Rö 7,24-25)


Die Kraft Gottes – Der Blick nach oben... – Verse 10-13 „Seligkeit [...] ewige Herrlichkeit. [...] mitleben [...] mitherrschen [...] bleibt treu.

Paulus ist willig, für die Predigt des Evangeliums zu leiden, weil er 3 gute Gründe hat: 

Zum 1. möchte er, dass die von Gott Auserwählten das Evangelium hören und zum Glauben finden und so für alle Ewigkeit gerettet werden vor dem gerechten Zorn Gottes über ihre Sünden – ja, dass sie – vielmehr noch! – für alle Ewigkeit glücklich und selig werden – ja, dass sie eine ewige Herrlichkeit erlangen.

Zum 2. ist ihm wichtig, dass auch er selbst dahin kommt, mit Christus zu leben und zu herrschen – weil ihm klar ist, dass das, was im Himmel auf ihn wartet, nicht allein ein Geschenk ist (das wäre schon ein Leben in Ewigkeit ohne Schmerz und Sünde), sondern dass es etwas zu tun hat mit dem Lohn für seine Werke hier auf Erden (wohl wissend, dass es „Gott ist, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (Phil 2,13)

Zum 3. haben wir gesehen, dass Paulus klar war, dass es auch gar nicht anders sein kann, als dass er das Evangelium predigt. Zum einen, weil die Verleugnung Christi keine Option ist – und zum anderen, weil Er sich von Gottes Gnade getragen weiß.

Hinter all diesen Gründen zeichnet sich für mich ein 4. Grund ab – der alle anderen Gründe in sich schließt. Der Grund, der Paulus die Kraft gibt, das alles auszuhalten – es ist der „Blick nach oben“ – auf Christus, auf die Herrlichkeit, in die Ewigkeit, auf den so übergroßen Lohn und auf die ewige und unbeschreibliche Freude, die uns erwartet. Darum sagt Hebräer 12,1-2 : „Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“


Zwei Fragen an Dein Herz

Was möchtest Du ändern, um Gottes Herrlichkeit (noch) tiefer zu begegnen?
Wo (noch) kannst Du Gottes Evangelium mit anderen teilen?


„So spiegeln wir alle
mit aufgedecktem Angesicht
die Herrlichkeit des Herrn wieder. 
Und wir werden seinem Bild 
immer ähnlicher, 
denn seine Herrlichkeit 
verwandelt uns.“ 

(2. Korinther 3,18)

Sonntag, 23. Dezember 2018

Viel Fleiß – viel Preis! (2. Tim 2,4-7)

[Predigt als mp3]

Übersicht

  • Einleitung
  • Unser Text
  • Hingabe
  • Rechtschaffenheit
  • Mühe
  • Lohn
  • Fragen


Einleitung


Goldmedaille

Habt ihr schon mal einen Pokal gewonnen? Oder einen ersten Preis? Ein einziges Mal in meinem Leben (man glaubt es kaum!) hatte ich diese Ehre: bei den Meisterschaften an der Hochschule der Bundeswehr im Jahre 1983 gewann ich mit 21 Jahren als 2. Schwimmer unserer 4er-Staffel den 1. Platz in der Disziplin 4 x 50m Brust. Sicher, diesem 1. Platz gingen Jahre des Training voraus: Arbeit, Disziplin und Ausdauer. Aber das ist gar nichts im Vergleich mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen; oder mit dem Training, dass nötig ist um so eine Goldmedaille zu gewinnen. Und eine Goldmedaille bei de Olympischen Spielen wiederum ist nichts im Vergleich zu dem Preis, der uns im Himmel erwartet. Wenn wir denn überhaupt darum kämpfen. Hingegeben. Rechtschaffen. Fleißig und ausdauernd.


Rückblick

Doch eins nach dem anderen: In der letzten Predigt aus dem 2. Timotheus-Brief ging es um die Aufforderung des Paulus an den Timotheus, in der Stärke der Gnade Christi zu lehren und zu leiden; also: ein guter Kämpfer für das Evangelium zu sein. Paulus schrieb: "Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu." (2Tim 2:2-3) 


Inhalt

Paulus geht es im Folgenden um eine Verdeutlichung eben dieser Aufforderung, als „ein guter Streiter Jesus Christi“ „zu lehren“ und auch mit zu „leiden“. Dazu bringt er in den folgenden Versen (2Tim 2:4-7) drei Beispiele, die er drei verschiedenen Sphären entlehnt: dem Militär, der Athletik und der Landwirtschaft. Ich möchte diese drei Beispiele überschreiben mit „hingegeben“, „rechtschaffen“ und „fleißig“. Denn was Paulus möchte, ist, Timotheus zu verdeutlichen, was ein „guter Streiter“ ist und warum das wichtig ist, ein „guter Streiter“ zu sein.

Übrigens: Was dem Timotheus hier gesagt ist, gilt ihm zwar - als dem Nachfolger Pauli und als einem der Ältesten der Gemeinde in Ephesus – ganz im Besonderen. Gleichwohl gilt es prinzipiell auch uns allen, die wir kein offizielles Amt bekleiden, denn „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ (2 Tim 3:16-17)

Schauen wir also einmal in unseren Text:


Unser Text

2 Tim 2,4-7

„Wer in den Krieg zieht, verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. Und wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. Es soll der Bauer, der den Acker bebaut, die Früchte als erster genießen. Bedenke, was ich sage! Der Herr aber wird dir in allen Dingen Verstand geben.“


Inhalte

Ich denke, in unserem heutigen Text geht es hauptsächlich um 4 Aspekte
1. Dass das Leben als Christ ein Leben der Hingabe ist (Vers 4)
2. Dass das Leben als Christ ein Leben in Rechtschaffenheit ist (Vers 5)
3. Dass das Leben als Christ ein Leben harter Arbeit ist (Vers 6)
4. Und letztlich: Dass dieses Leben am Ende mit unendlichem Genuss gekrönt wird (Verse 5 und 6).


Zwischenbilanz

Denn was Paulus möchte, ist, Timotheus zu verdeutlichen, dass ein „guter Streiter“ ein hingegebener Streiter ist – einer, der die richtigen Prioritäten setzt. Und dass ein „guter Streiter“ bereit ist, nach den Regeln zu kämpfen – und hier konkret: zu leiden; und dass dieses „Mitleiden“ eine freiwillige Rechtschaffenheit erfordert. Und auch, dass ein „guter Streiter“ bereit ist, ausdauernde harte Arbeit zu leisten – weil es genau das ist, was erforderlich ist, um das Evangelium weiter zu sagen und es entsprechend zu „lehren“ . Und letztlich, dass dem „guten Streiter“, der all diese Anforderungen erfüllt, eine mehr als erstrebenswerte Belohnung winkt.


Hingabe 

2Tim 2,4

„Wer in den Krieg zieht, verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. “

Besonderheiten im Text

2:4 hingegeben
  • ἐμπλέκεται (empleketai = sich verstricken)
  • τοῦ βίου πραγματείαις  (tou biou pragmataiais = Geschäfte täglichen Lebens)

„sich nicht verwickeln – in Geschäfte des täglichen Lebens“ 

Wenn Paulus hier von „sich nicht verwickeln“ spricht, dann meint er = sich nicht verstricken = sich nicht einwickeln lassen. Doch in was? Paulus nennt hier die „Geschäfte des täglichen Lebens“. 

Doch nun müssen wir aufpassen, denn: 

  1. ist die Beschreibung die Paulus hier benutzt ein Bild, ein Gleichnis und daher nicht 1:1 auf unser Leben übertragbar. Und 
  2. steht da außerdem nicht „er betreibt nicht Geschäfte des täglichen Lebens“! – Sondern: „er verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens!“ 

Paulus will also nicht sagen: „Zieh in den Krieg und höre auf, euch Dir mit redlicher Arbeit Dein Brot zuverdienen.“ (das wäre ja auch völliger Unsinn) – Er sagt vielmehr: „So, wie ein antiker Soldat sich zu 100% auf seine Pflichten fokussiert, so wie er sich zu 100% darauf konzentriert, für die Schlacht zu trainieren, anstatt das Training zu vernachlässigen, um sich nebenher mit „gewöhnlicher Arbeit“ noch ein paar Drachmen dazu zu verdienen, so sollst auch Du Dich ganz auf Dein geistliches Leben konzentrieren und Dich von nichts und niemand davon ablenken lassen.“

Was Paulus also meint ist = sich auf etwas zu konzentrieren = und seine Prioritäten richtig zu setzen. Aber worauf? Oder anders gefragt: von was sollen wir uns nicht einwickeln lassen?


Bedeutung 

Jesus sagt das so: „Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht.“ (Mt 13:22)

Der Apostel Johannes sagt es so: „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ (1Jo 1:5-7)

Im Römerbrief lesen wir: „Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade um so mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind? Oder wißt ihr nicht, daß alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Rö 6:1-4)

Und der Apostel Petrus letztlich sagt es so: „Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes lebe. Denn es ist genug, daß ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und greulichem Götzendienst. Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern; aber sie werden Rechenschaft geben müssen dem, der bereit ist, zu richten die Lebenden und die Toten. “ (1Pe 4:1-5)


Zwischenbilanz

Paulus geht es also darum, dass wir – uns ganz darauf konzentrieren, ein heiliges Leben zu führen –  uns nicht um weltliche Dinge sorgen – nicht gierig dem Reichtum nachlaufen – oder gar in der Sünde verharren. Paulus geht es um das, was in Hebräer 12:1 steht „laßt uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und laßt uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens “.


Rechtmäßigkeit

2 Tim 2,5

„Und wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. “

Besonderheiten im Text

  • 2:5 rechtschaffenἀθλῇ (athlä = an [athletischem] Wettkampf teilnehmen)
  • νομίμως (nomimos = gesetzeskonform)

Bedeutung

Noch in Vers 3 hatte Paulus den Timotheus aufgefordert: „Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu.“ – Es geht Paulus also auch darum, dass Nachfolge Leid bedeuten kann – und damit die freiwillige Entscheidung dazu, körperliche oder seelische Leiden auf sich zu nehmen, falls und wo die Sache des Glaubens es erforderlich macht. 

Um das zu verdeutlichen, benutzt Paulus nun das Bild eines Athleten, der in einem Wettkampf um den Sieg ringt: - Da geht es ja auch nicht, dass man beim 400m Lauf einfach quer über das Feld abkürzt und sich so 200m spart. Stellt euch das bitte mal vor: es wären Olympische Spiele, der Startschuss fällt und die Läufer sprinten los. Und irgendein Heini biegt nach der Hälfte der Tartanbahn links ab, läuft über den Rasen und läuft dann die restliche halbe Runde bis ins Ziel. Was würde passieren? Völlig klar: der Läufer würde nach allen Regeln der Kunst disqualifiziert. Keine Diskussion. Ende der Veranstaltung. Dafür hätte er gar nicht so hart zu trainieren brauchen. Da hätte er gleich zu Hause bleiben können.
Was will uns Paulus also sagen? Paulus will uns sagen, dass es da keine Abkürzung gibt. „Mogeln gildet nicht.“ 

Der Apostel Petrus sagt das so: „Ihr Lieben, laßt euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, daß ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. “ (1Pe 4:12-13)

Und im Philippperbrief lesen wir: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden [...]“ (Phil 1:29)

Ja, der Römerbrief letztlich macht es klar, dass das Leiden eine unabdingbare Voraussetzung dafür ist, einmal mit Christus verherrlicht zu werden: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. “ (Rö 8:17) (2x)


Zwischenbilanz

Paulus will uns also sagen, dass das Leiden zum Christlichen Leben dazu gehört – wie die Schwerkraft zu unserem Universum. 


Mühe

2 Tim 2,6

„Es soll der Bauer, der ackert, die Früchte als erster genießen.“ 


Besonderheiten im Text

2:6 fleißig
  • τὸν κοπιῶντα γεωργὸν (to kopionta georgon = schuftender Bauer)

Bedeutung

Das Wort, was hier im griechischen steht (kopioonta), ist in seinem Bedeutungsraum verknüpft mit Begriffen, wie „mühsam“, „kämpfen“, „müde“ und „erschöpft“. 

Wir kennen für die Art von Arbeit, von der hier die Rede ist, das deutsche Wort „ackern“ oder „sich abrackern“. Was gemeint ist, ist eine mühsame, langwierige und erschöpfende Arbeit – kein Kindergeburtstag.

Und ich denke, dass Paulus hier anspielt auf die Aufgabe, die er Timotheus (siehe letzte Predigt) in Vers 2 gegeben hat: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

Dieses „das Evangelium weiter geben“ oder „treuen Menschen anbefehlen“ ist jedoch kein Sonntagsspaziergang, sondern harte Arbeit. Mühsame Arbeit. Oft auch ermüdende Arbeit. Erschöpfende Arbeit. Und doch Arbeit, die getan werden muss, wenn Gottes Reich wirklich wachsen soll. Arbeit, die wir nicht einfach an unsere „Hauptamtlichen“ ‚abtreten‘ können, als gälte uns der Aufruf Christi im Evangelium nicht, der uns – uns allen! – geboten hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28:18-20)

Zwischenbilanz

Was Paulus hier also sagt, das ist kein Spaß. Es ist Gottes Auftrag an Dich und an mich. Keinen Deut weniger. (2x)


Lohn

2 Tim 2,4.5.6

„[...] damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. [...] gekrönt [...] genießen [...]“


Besonderheiten im Text

2:5/6 krönt/teilhabe
  • ἀρέσκω (areskoo = gefallen, zufrieden stellen, akzeptieren)
  • στεφανοῦται (stephanoo = krönen)
  • τῶν καρπῶν μεταλαμβάνειν (ton karpon metalambein = teilhaben)

Bedeutung

Das Wort, was hier für „gefallen“ steht (kopioonta), ist in seinem Bedeutungsraum verknüpft mit Begriffen, wie „zufriedenstellen“, „dankbar sein“ und „akzeptieren“. Das Wort, das hier für „krönen“ steht, meint tatsächlich: „jemandem eine Krone (oder einen Siegeskranz) aufsetzen“
Und das Wort, das hier im Zusammenhang mit den Früchten steht, meint: „an den Früchten Anteil haben“ – und scheint mir mit „genießen“ gut umschrieben. 

Was ist das nun, was Paulus mit diesen Worten “gefallen”, “krönen” und “genießen” beschreibt? Es ist letztlich die würdige Vollendung unserer Erlösung – unsere Verherrlichung im Himmel – von der wir in einer der nächsten Predigten (wenn es um die Verse 10-12 gehen wird) mehr hören werden.

Letztlich geht es darum, dass wir einmal im Himmel von unserem Heiland und König das Lob hören dürfen: „Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!“ (Mt 25,23)

Paulus wusste, dass er ein Leben in eben dieser Hingabe, in dieser Rechtschaffenheit und in dieser Mühe und Fleiß gelebt hatte. Und Paulus wusste, dass ihm sein leiblicher Tod – und damit sein Eingang in den Himmel – und damit diese Krönung – kurz bevor stand. Ein wenig später in seinem Brief wird er das noch so formulieren: “Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.” (2Tim 4:7-8)

Ja es wird nicht nur eine Krone für uns geben für unsere Hingabe, unsere Rechtschaffenheit und unsere Mühen und unseren Fleiß: Gott selbst wird unser Lohn sein – wie es schon Abraham verheißen wurde: “Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.” (Gen 15:1)

Ja, es heißt bei Johannes: “Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.” (1Joh 3,2)


Zusammenfassung

Zusammengefasst bedeutet all das: Ja, es wird uns einiges abverlangt: heilige Hingabe – williges Leiden – und ausdauernde Arbeit. Aber es wird die Mühe mehr als wert sein: Wir werden die Herrlichkeit Gottes sehen und leben für alle Ewigkeit – in einem für uns heute noch unvorstellbaren Zustand von Glückseligkeit  - von dem es heißt: „[...] und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offb 21:4)


Fragen an Dein Herz

  • Wo verhindern nebensächliche Angelegenheiten Deine Hingabe?
  • Wo ist Jesu Missionsbefehl für Dich unbequem oder schmerzhaft?
  • Bist Du bereit, Dich ganz und gar in Jesu Dienst stellen zu lassen?
  • Richte Deinen Blick nach oben und glaube:
"Das ist gewisslich wahr: 
Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben; 
dulden wir, so werden wir mit herrschen; 
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 
sind wir untreu, so bleibt er treu; 
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.". 

(2Tim 1,11-13)