Posts mit dem Label 2. Timotheus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 2. Timotheus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 21. November 2021

"Vom Wesen tiefer Verbundenheit" (Philipper 1,7+8)

[Predigt als Video] | [Predigt als MP3]

Einleitung

Heute erzähle ich Euch zum Einstieg mal eine Geschichte über meine Erziehung. Oder besser: über die Erziehung von mir und meinem Bruder. Mein Vater hat uns - meinen Bruder und mich – nämlich „mit Sprüchen großgezogen“, wie ich es heute nenne. Und damit meine ich nicht solche Platitüden, wie "Morgenstund hat Gold im Mund", sondern eher so krasse Sprüche, wie "quidquid agis, prudenter agas et respice finem", also "Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende." Oder chinesische Weisheiten, wie "Ein Schritt vor dem Ziel ist die Hälfte des Weges."

Einen dieser Sprüche hat er sich wohl offensichtlich von Aristoteles oder Goethe „gemopst“, denn Aristoteles hat den Spruch geprägt: „Man kennt einen Freund erst recht, nachdem man viel Salz mit ihm gegessen hat.“ Und Goethe hat es so formuliert: „Ehe du den Scheffel Salz mit dem neuen Bekannten verzehrest, darfst du nicht leichtlich ihm trauen.“ Mein Vater aber hat es auf seine Kernige Art zusammen gefasst und auf den Punkt gebracht und hat uns gesagt: "Kinder, ein Freund ist ein Mensch, mit dem Du einen Sack Salz essen kannst.“

Wenn man sich diesen Spruch mal auf der Zunge zergehen lässt, dann fallen einem daran 3 Aspekte auf; und zwar: 1. der Aspekt der „gemeinsamen Arbeit“. Denn einen ganzen Sack Salz aufzuessen, das ist schon ein Kunststück – da hat man einige Zeit zu tun! 2. der Aspekt von „gemeinsamem Leid“: Weil: es ist ja kein Sack voll Gummibärchen! Da hätte man sicher gleich 10 Freunde bei der Hand, die sich von Herzen gerne daran beteiligen würden, den Sack zu leeren.“ Aber ein Sack Salz?! Da hält sich der Appetit dann doch in Grenzen. Genauso, wie die Anzahl derer, die sich da noch gerne beteiligen würden an diesem Festschmaus. Und 3. ist da natürlich noch der Aspekt „der tiefen Verbundenheit“. Weil: Wie gern muss man jemanden haben, dass man dazu bereit ist, einen Sack Salz mit ihm zu essen? Also, ich meine: einen ganzen Sack? Nicht zwei Teelöffel voll. Auch nicht zwei Esslöffel voll. Ja, nicht einmal zwei Teller voll. Einen ganzen Sack! Ich meine, für so eine Aufgabe braucht man sicher ein ganzes Leben!

Das aber genau ist es, worum es hier geht: Um Menschen, die uns so tief verbunden sind, dass sie sich auch durch einen Sack Salz nicht davon abschrecken lassen, unsere Freunde zu sein. Um Menschen, die uns so tief verbunden sind, dass sie uns mit dem Sack Salz nicht alleine lassen, sondern mit anpacken. Um Menschen, die uns so tief verbunden sind, dass sie bereit sind, sich gemeinsam mit uns der Aufgabe zu stellen – selbst, wenn das Leid bedeutet.

Und um genau um diese Art von Verbundenheit geht es in unserem heutigen Text.

Aber der Reihe nach.


Was kommt also heute auf uns zu?

Was kommt also heute auf uns zu?

Unser heutiger Text: Zu Anfang möchte ich, wie immer, unseren heutigen Text mit Euch lesen Er steht im Philipperbrief im 1. Kapitel, in den Versen 7 und 8. Dieses Mal habe ich mich für die Neue Genfer Übersetzung entschieden, weil die den Inhalt, um den es geht, so richtig gut auf den Punkt bringt. Und was den Inhalt angeht, so werden wir sehen, dass es im großen und ganzen um 3 Aspekte der Verbundenheit geht. Verbunden in Dienst & Leid: Zum 1. um die Verbundenheit im Dienst. Dann 2. um die Verbundenheit im Leid. Tief verbunden im Herzen: Und last, but not least, 3. um die tiefe Verbundenheit im Herzen. Diese 3 Aspekte möchte ich gemeinsam mit Euch betrachten und Euch am Ende auch ein paar praktische Anregungen geben. Ein Aufruf an Dein Herz: Zuletzt möchte ich mit einem Aufruf an Dein Herz abschließen. Mit einem Aufruf, von dem ich überzeugt bin, dass er uns alle - Dich und mich - bereichern wird.

Unser heutiger Text

Hier also unser heutiger Text: Paulus schreibt "Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen, dass es mehr als selbstverständlich für mich ist, mit solcher Zuversicht an euch alle zu denken. Denn ob ich nun inhaftiert bin oder ob ich für das Evangelium eintrete und seine Wahrheit bekräftige – immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, und habt damit auch Anteil an der Gnade, die er mich erfahren lässt. Gott weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; er ist mein Zeuge. Er weiß auch, dass hinter dieser Sehnsucht meine tiefe Liebe zu euch steht, eine Liebe, die Jesus Christus selber in mir gewirkt hat."


Verbunden in Dienst & Leid

Wenn man sich den Text so ansieht, so fallen mir daran die gleichen 3 Aspekte auf, die auch in der Redensart vorkommen, die mein Vater uns beigebracht hat. Diese 3 Aspekte sind: "Verbunden im Dienst“, "Verbunden im Leiden" und „Tief verbunden im Herzen“. Auf diese Aspekte möchte ich jetzt etwas detaillierter eingehen. Fangen wir einmal an mit der „Verbundenheit im Dienst“.

"Verbunden im Dienst“

(Paulus) schreibt: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen [...] Denn ob ich nun [...] für das Evangelium eintrete und seine Wahrheit bekräftige – immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, und habt damit auch Anteil an der Gnade, die er mich erfahren lässt.“

Paulus saß ja nicht immer im Gefängnis. Dort war er ja erst hineingekommen, weil er missioniert hatte. Weil er für das Evangelium eingetreten war und die Wahrheit bekräftigt hatte. Dass wir „Alle [...] schuldig geworden [...] und [...] nicht mehr die Herrlichkeit wider[spiegeln], die Gott dem Menschen ursprünglich verliehen hatte.“ (Römer 3,23) Und dass, „[...] was sich keiner verdienen kann, [...] Gott in seiner Güte [schenkt]: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.“ (Römer 3,24)

Und in dieser Arbeit war er nicht alleine gewesen – sondern die Philipper hatten ihn hier nach Kräften unterstützt. Oder wie Paulus es formuliert: „immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat.“ Besonders interessant finde ich dabei die beiden Universalbejahung: "alle". Ganz offensichtlich waren es nicht nur einige der Geschwister, die Paulus in seiner Arbeit als Missionar unterstützten – es waren alle. Das ist schon der Kracher! Was für eine Gemeinde! Da kann ich den Paulus gut verstehen, wenn er sagt: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen, dass es mehr als selbstverständlich für mich ist, mit [...] Zuversicht an euch alle zu denken.“ Oder „Gott weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; er ist mein Zeuge.“

Die Philipper waren also mit Paulus verbunden im Dienst. Alle! Und jetzt einmal eine ehrliche Frage an uns: „Was würde Paulus wohl in unserer Gemeinde erleben?“ Würde er das Gleiche auch über uns sagen? Also: „immer beteiligt ihr euch alle an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat.“ Nur mal exemplarisch: Was würde Jochen sagen? Oder Regina?


"Verbunden im Leiden"

Aber mit dem vorangegangenen Lob ist der Paulus ja noch nicht fertig. Die Philipper haben ja nicht nur alle immer fleißig bei der Evangelisation mitgeholfen. Paulus sagt ja auch: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen [...]. Denn ob ich nun inhaftiert bin [...] – immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat [...]“.

Paulus sitzt ja nun im Gefängnis in Rom. Und das war damals – noch viel mehr als heute – eine unglaubliche Schande. Denn damals hielten die Leute noch wirklich viel von solchen „old-style-Werten“ wie „Ehre“ und „Ruhm“ und „Heldentum“. Ein Gefangener aber war genau das Gegenteil von dem, wovon man in den griechischen und römischen Heldensagen träumte. Ein Gefangener war Abschaum. Ein Gefangener war eine Schande. Ein Gefangener war jemand, bei dem man sich besser nicht blicken ließ.

Denn: sich bei einem blicken zu lassen war auch gefährlich! - Vor allem als Christ! Es hätte leicht passieren können, dass auch die Philipper mit ins Gefängnis gewandert wären. Schließlich hatten sie sich ja „alle beteiligt“ an der missionarischen Tätigkeit des Paulus. 

Aber die Philipper scheint das nicht interessiert zu haben. Sie liebten Paulus. Auch dann noch, als er im Gefängnis war. Und sie kümmerten sich unter Einsatz ihres Lebens um ihn, wie wir in späteren Predigten noch sehen werden. Obwohl er inhaftiert war, blieben die Philipper also immer noch mit Paulus tief verbunden.

Und auch hier möchte ich Dich etwas fragen – Dich und mich: „Wie reagierst Du, wenn Du mit Randgruppen der Gesellschaft in Kontakt kommst?“ „Mit dem Abschaum?“ „Mit denen, bei denen man sich besser nicht blicken lässt?“

Tief verbunden im Herzen

Und diese Liebe, diese Unterstützung, die er von den Philippern bekommen hat - diese Solidarität - dieser Zusammenhalt - das hat den Paulus nicht kalt gelassen. Er schreibt: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen“. Was für ein Zeugnis für seine tiefe Verbundenheit! Es ist als würde er sagen „Ich hab‘ Euch sooo lieb!“ 

Die gemeinsame Arbeit in Gottes Reich hat etwas gemacht mit Paulus‘ Herzen. Die herzliche Anteilnahme an seiner Gefangenschaft hat etwas wachsen lassen in Paulus‘ Herzen. Es hat seine Philipper von Herzen lieb gewonnen. Er bezeugt Ihnen "bei Gott" („Gott [...] ist mein Zeuge“), dass es „eine tiefe Liebe“ ist eine „eine Liebe, die Jesus Christus selber in [ihm] gewirkt hat.“ 

Und diese Liebe hat Folgen. Paulus schreibt: „Gott weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; er ist mein Zeuge.“ Solche Menschen – Menschen, die man liebt – die möchte man nicht missen. Man möchte sie am liebsten allezeit um sich haben.

Paulus sehnt sich nach der Gemeinschaft mit seinen Geschwistern in Philippi Warum? Weil er erfahren hat, wie Gott ihm in seinen Geschwistern begegnet ist. Weil er erfahren hat, wie Gottes Reich der Liebe um ihn wächst. Weil er in der Liebe der Geschwister der Liebe Christi begegnet. Weil da, wo die Liebe Christi regiert das Reich Gottes ist. Und wo die Liebe Christi regiert – da ist Frieden und Freude – da sind wir gern.

Alle 3 Aspekte gehören also zusammen: 1. Ein Freund ist nur dann wirklich ein Freund, wenn er nicht allein schöne Gefühle hervorruft, sondern auch mit anpackt. Und 2. ein Freund ist nur dann wirklich ein Freund, wenn er nicht allein mit anpackt, sondern uns auch in der Not zur Seite steht. Und 3. wenn er uns in der Not zur Seite steht, dann werden wir ihn über kurz oder lang lieben und uns nach ihm sehnen.

Wer aber hat diese Liebe gestiftet? Diese „tiefe Liebe“ aber ist die „Liebe, die Jesus Christus selber in [uns wirkt]“. Oder mit den Worten der Schrift: „[...] uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“ (Römer 5,5)

Ihr Lieben! Heute feiern wir Abendmahl! Es ist die Liebe Christi, die wir feiern. Die Tatsache, dass Er für unsere Erlösung alles getan hat. Die Tatsache, dass Er uns – trotz unserer Schande - nicht im Stich gelassen hat. Die Tatsache, dass Er uns geliebt hat – mehr als sein Leben – und immer noch liebt.


Ein Aufruf an Dein Herz

Erinnert ihr Euch noch an mein Eingangsversprechen? Ich hatte angekündigt, dass ich mit einem Aufruf an Dein Herz abschließen möchte. Mit einem Aufruf, von dem ich überzeugt bin, dass er - Dich und mich - und uns alle - bereichern wird. 

Und das hier ist mein Aufruf: Bitte mache Dich auf den Weg! Suche die Gemeinschaft zu Deinen Geschwistern! Baue neue Beziehungen auf! Wenn Du Dir dafür einen größeren Rahmen wünscht: Überlege Dir, ob Du Dich nicht einer unserer Kleingruppen anschließen möchtest?

Bitte frage Dich, wo es in der Gemeinde gerade Not gibt – wo zu viel Arbeit ansteht – und pack‘ mit an! Wir haben aktuell so viele „Lücken“: Im Lobpreis. In der Technik. In der Kinder- und Jugendarbeit. In der Gestaltung des Gottesdienstrahmens. In der Predigt. Und – und – und... Und wenn Gott Dich gerade „angestupst“ hat: bitte sprich jemandem aus der Leitung an und sag‘, wo Du Dich gerne einbringen willst.

Und bitte frage Dich, wo gerade ein Bruder oder eine Schwester leidet oder in Not ist – und sei für ihn / sei für sie da! Lade sie zum Abendessen ein – oder auf einen Kaffee – es ist sooo ein großes Geschenk (für beide!) Lass es Dir egal sein, ob sie in der Mitte stehen – oder am Rand! Schenke ihnen Dein Ohr! Schenke ihnen Deine Hände! Schenke ihnen Dein Herz! Ich möchte es noch einmal sagen: Bitte mache Dich auf den Weg! 

Sei Du der Freund oder die Freundin, mit dem man einen Sack Salz essen kann.

AMEN.

Sonntag, 6. Juni 2021

"Außen hui - innen pfui" - Gottes Wunsch für unseren Freundeskreis (2. Timotheus 3,1-5)

Einleitung

Kennt ihr das!? Falschgeld?! Sieht echt aus, ist es aber nicht. Ist mir zum Glück noch nie untergekommen. Zumindest nicht in monetärer Form. Sehr wohl aber in menschlicher Form! Nämlich als „Falscher Fuffziger“ — als Mensch, der vorgibt fromm zu sein, aber in Wirklichkeit gar nicht fromm ist. 

Wir alle kennen das in Form von amerikanischen Fernsehpredigern. Sie predigen Wasser aber saufen Wein – predigen Heiligkeit und leben in Sünde – predigen Bescheidenheit und raffen Millionen. Phil Colins von Genesis hat mal ein Lied über solche Leute geschrieben – es heißt „Jesus, he knows me!“ Dort heißt es – ich zitiere mal auszugsweise aus einer Übersetzung:

Ich saufe Wein, obwohl ich Wasser predige

Ich bringe auch keine Opfer

Ich schätze mich wirklich glücklich

Ich habe das wahre Glück gefunden

Denn ich werde immer reicher

Tag für Tag

Darum wird es heute gehen: um falsche Fuffziger: Menschen, die nach außen hin einen frommen Eindruck machen, die aber innen vollkommen verdorben sind. 

Es müssen auch gar nicht immer große und bekannte Fernsehprediger sein. Heuchelei gibt es nämlich auch in ganz bodenständigen Kreisen. Daher möchte ich Euch darum bitten, heute ganz genau hinzuhören: Trifft das, was ich höre auf irgendwelche Menschen zu, mit denen ich in Beziehung stehe? Menschen, die vielleicht bereits einen schlechten Einfluss auf mich haben?


Inhalt 

Bevor wir anfangen, möchte ich Euch einen kurzen Überblick darüber geben, was heute auf uns zukommt!

Unser Text: Zu Beginn möchte ich mit Euch den Text lesen - und schon mal kurz den Fokus unserer Beobachtung setzen. Schlimme Zeiten! Dann möchte ich mir mit Euch anschauen, warum Paulus in unserem Text von „schlimmen Zeiten“ spricht – und was – oder besser WER – diese Zeiten eigentlich so schlimm macht: nämlich die „Falschen Fuffziger“. Und wir werden uns anschauen, wie man sie erkennt. Wes Geistes Kind? Dann werden wir uns anschauen, wie so ein „Falscher Fuffziger“ zustande kommt: also welche Geisteshaltung hinter seinen Taten steckt. Grenzen setzen. Und es wird darum gehen, wie ich mich gegenüber solchen „Falschen Fuffzigern“ abgrenzen kann... Fragen an Dein Herz: Zuletzt möchte ich uns ein paar ganz praktische Fragen mit auf den Weg geben – und ein Gott um Seinen Segen für uns bitten.

Lasst uns zu Anfang den Text gemeinsam lesen


Unser Text

„Das sollst du aber wissen, daß in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!“ (2Tim 3,1-5)

Es geht in unserem Text um Menschen, die von außen und oberflächlich betrachtet fromm scheinen, im Herzen aber wüst und böse sind. Um solche „falschen Fuffziger“ wird es heute gehen: um pseudo-fromme Heuchler und darum, wie wir mit ihnen umgehen sollen. 

Wie aber geht man richtig mit Falschgeld um? Richtig: man muss es aus dem Verkehr ziehen. Dazu aber muss man es erst einmal als Falschgeld erkennen. Und wie geht das? Jesus hat dazu folgenden Tipp: In Mt 7,16-20 lesen wir: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder Feigen von den Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ (Mt 7,16-20)


Schlimme Zeiten

Paulus beginnt das 3. Kapitel seines Briefes an Timotheus mit den Worten: „Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden“. χαλεπος (chalepos) heißt dabei: "schwierig, schwer zu ertragen; schmerzhaft". Es geht also um harte, schwierige, schwer zu ertragende Zeiten. 

Aber warum sind sie so schwer zu ertragen? Es liegt – wie wir noch im Detail sehen werden – an den Menschen, die in dieser Zeit leben. Mit anderen Worten: Der „Wohlfühlfaktor“ ist direkt proportional zum moralischen Standard einer Gemeinschaft. Mal ehrlich: Wenn wir alle Gottes Gebote halten würden: wir hätten den Himmel auf Erden! Aber, was, wenn nicht? 


Was sind das also für Menschen? Woran sind sie zu erkennen? Paulus sagt: „die Menschen werden gottlos [sein], viel von sich halten, hochmütig [sein], aufgeblasen, prahlerisch, [...]“. Die erste und wichtigste Eigenschaft, die Paulus hier nennt, ist die Gottlosigkeit – die Wurzel allen Übels. Paulus sagt in Römer 1, dass „sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, [darum] hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, so daß sie tun, was nicht recht ist, voll von aller Ungerechtigkeit, [...]“Alle schlechten Eigenschaften, von denen wir im folgenden noch hören werden haben also eine gemeinsame Wurzel: die Rebellion gegen Gottes Herrschaft. 

Und was kommt dabei raus? – Selbstvergötterung – Arroganz, Selbstüberschätzung und Prahlerei – Bei solchen Menschen dreht sich alles nur noch um sie selbst. Dabei sollte es eigentlich ganz anders sein – Gott möchte, dass wir als Liebende leben. Und „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe [...] bläht sich nicht auf“ (1. Kor 13). 

Ist der Damm erst mal gebrochen - dann fallen die anderen Gebote wie Dominosteine.

Ich werde im Folgenden nicht auf alles im Einzelnen eingehen – ich werde vielmehr nur zusammenfassen. Wichtig ist für uns nur: Wenn man solche Menschen erkennen will, dann kann man das, weil sie zwar schön reden – aber im Stillen ständig Gottes Gebote übertreten. 

Sie sind: „den Eltern ungehorsam“. Das geht von Widerworten, über mangelnden Respekt und blanken Ungehorsam bis hin zur Vernachlässigung der Eltern im Alter. Solche Menschen sind: „zuchtlos, wild, unbedacht, Sie lieben die Wollust mehr als Gott“

Es sind Hedonisten! Für sie gilt: „Mein Lustgewinn ist oberstes Gebot!“ „Hauptsache, ICH fühle mich gut!“ Sie leben nach dem Motto des Teufels: „Absolut alles ist erlaubt - Hauptsache, es macht Spaß!“ Sie leben unmoralisch, ohne Anstand, ohne Selbstbeherrschung --- sie sind ungezogen, aggressiv und lüstern! Sie sind Sklaven ihrer eigenen Triebe!

Solche Menschen sind: „verleumderisch, Verräter“, „Lästerer“. Im griechischen steht hier: διάβολοι, (diaboloi) — das bedeutet, dass das, was jemand redet, die Wahrheit durcheinander würfelt, böse ist, ja diabolisch! Jemand der so ist, spricht finstere, böse und verlogene Worte - und macht andere zutiefst und von Herzen schlecht. Es sind Rufmörder und Verräter. 

Solche Menschen sind: „geldgierig sein, undankbar“Jemand der so ist, sieht alles als „sein Recht“, anstatt als Gnade und Geschenk. Daher auch die Undankbarkeit. Jemand der so ist, kriegt vom Geld den Hals nicht voll. Und verstößt so gegen das 10. Gebot.

Solche Menschen sind: „lieblos, unversöhnlich“Jemand der so ist, verstößt gegen das große Doppelgebot! „Gott [zu] lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt [... und] seinen Nächsten [...] wie sich selbst«". 

Jetzt könnten wir einen großen Fehler machen – indem wir glauben, dass diese Menschen das alles so offensichtlich machen, dass es auf den ersten Blick erkennbar wäre! Das Problem ist aber vielmehr, dass sie alle diese Dinge nicht unbedingt öffentlich tun – nicht unbedingt so, dass es gleich offen auf der Hand liegt. Denkt an die Pharisäer – oder an Judas – denen hätte man ihre Verlogenheit und Heuchelei ja auch nicht auf den ersten Blick angesehen!


Wes Geistes Kind?


Wie kommt das? Bevor wir uns fragen, wie wir mit solchen Menschen umgehen können, ist es wichtig, darüber nachzudenken, was die Ursache für diese schlechten Früchte ist, von denen wir gerade gehört haben. Paulus ist hier ziemlich klar. Er sagt: „Sie haben den Scheid der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie“

Es geht also um Menschen, die zwar äußerlich religiös sind, die sich aber im tiefsten Grunde ihres Herzens bewusst gegen die Herrschaft Gottes in ihrem Leben entschieden haben. Dagegen, der Kraft des Heiligen Geistes Raum zu geben. Dagegen, in der Heiligung zu leben. Dagegen, Jesus wirklich nachzufolgen. Weil es nämlich etwas kostet: Es kostet sie ihre egozentrische Liebe zu sich selbst – ihren Lustgewinn – ihre Rebellion gegen Gott.

Die einzige Kraft, die in der Lage ist, die Sünde zu überwinden, ist nicht unsere verzweifelte Anstrengung! Es ist der Heilige Geist. ER allein schenkt uns Wollen und Vollbringen. Nur Er kann uns wahrhaft heiligen – nicht wir. Niemals!

Gott möchte von uns nur, dass wir uns hingeben: dass wir auf die sanfte Stimme Seines Geistes hören – uns von ihm führen lassen, ihm folgen – und dann darauf vertrauen, dass ER in uns das Wollen und auch das Vollbringen wirkt.

Wenn jemand aber diese Kraft des Heiligen Geistes nicht will, wenn er sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, Jesus nachzufolgen, wenn er „seine Wollust mehr liebt als Gott“ – dann kann nichts anderes herauskommen, als ein falscher Fuffziger. Ein Mensch, der zwar den Schein der Frömmigkeit hat, aber der die Kraft dieser Frömmigkeit, den Heiligen Geist, verleugnet.


Grenzen setzen.

Und was nun? Nachdem wir nun gesehen haben, in welchen Zeiten wir leben; welche Menschen diese Zeiten prägen; woran man solche Menschen erkennen kann; und wie das kommt, dass Menschen so werden; nach alledem ist es wichtig zu fragen: „Und jetzt?“ „ Was nun?“ „Wie soll ich mit solchen Leuten umgehen?“ Paulus ist da mit seiner Antwort ziemlich knackig. Er sagt einfach „Solche Menschen meide!“ Aber was bedeutet das? 

Gute Frage. Bevor wir diese Frage beantworten ist es vielleicht wichtig zurück zu fragen: „Wozu gibt Paulus diesen Rat?“ Ich denke, er tut das nicht nur, weil er möchte, dass Timotheus als Gemeindeleiter in Ephesus keine Zeit auf solche Leute verschwendet. Das ist natürlich für einen Leiter auch ein wichtiger Aspekt: die gesamten Kräfte auf den Hirtendienst zu konzentrieren (Predigt & Evangelium, Seelsorge & Diakonie, etc.). 

Ich glaube aber, es gibt noch einen anderen Grund – und der betrifft uns alle: Es geht um die „Ansteckungsgefahr“. Was meine ich damit? Ich meine damit die Gefahr, dass wir uns durch die schlechten Sitten solcher Menschen „anstecken“ lassen können; dass unsere persönliche Heiligung unter ihrem Verhalten leidet.

Wenn das nämlich geschieht, dann haben auch wir ein Problem. Und das gilt es zu vermeiden. Anderseits heißt es: in Römer 12,21 auch ganz klar: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ Und in Matthäus 18,16 „Sündigt aber dein Bruder, so geh hin und weise ihn zurecht zwischen dir und ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Scheinbar geht es also darum, ein gesundes Gleichgewicht zu finden, zwischen meiner geistlichen Reife auf der einen Seite – und dem Korrekturbedürfnis meines Nächsten auf der anderen.


Balsam für Dein Herz

Die Frage ist also: Gibt es solche Leute in meinem Leben? Und bin ich stark genug, um sie zurecht zu weisen? Dann sollte ich das natürlich tun! 

Oder merke ich, dass ich eher von deren schlechtem Verhalten angesteckt werde? Dann gilt vielmehr das Wort von Paulus: „Solche Menschen meide!“ Gott erwartet von mir nicht mehr, als ich im momentanen Stand meiner persönlichen Reife zu leisten im Stande bin – er „versucht uns [auch] nicht über unsere Kraft“.

Die Frage ist also: Wie stark bin ich wirklich? – Welchen Situationen bin ich gewachsen? Diese Frage kann mir der Heilige Geist in meinem Gewissen beantworten. 

Falls nicht, dann bleibt die Frage: Was tun? Wenn ich einen falschen Fuffziger anhand seiner Taten entdeckt habe und wenn ich merke, dass nicht ich ihn zum Guten, sondern er (oder sie) mich zum Schlechten beeinflusst; wenn ich also merke, dass ich diesen Menschen „meiden“ sollte: wie soll dieses „meiden“ gehen? Soll ich in einfach „schneiden“? Nicht mehr anschauen? Nicht mehr „Grüß Gott!“ sagen? 

Natürlich nicht! Es ja nicht darum, den Kontakt abzubrechen, sondern darum, sein eigenes Herz zu schützen. – Es geht darum, GRENZEN zu ziehen – und Position zu beziehen. – Ich kann
zum Beispiel sagen: „Sorry, aber da möchte ich nicht mitmachen!“ Oder noch besser: das dann auch klar zu begründen. Zum Beispiel: „Meine Nähe zu Jesus ist mir einfach zu wichtig und die möchte ich nicht mit <diesem oder jenem> trüben.“

Aber vielleicht traue ich mich das nicht? – Dann ist die Frage: Mit wem kann ich über mein Dilemma reden? Wer kann mir dabei helfen, meine Grenzen so zu ziehen, wie ich es – um Gottes Willen – gerne möchte?

Gebet: "HERR, bitte segne uns mit dem Wirken Deines Geistes! Zeige uns auf, wo wir Grenzen brauchen! Und wirke Du – in uns – und auch durch unsere Geschwister. AMEN"

Sonntag, 25. April 2021

"Wie Gott möchte, dass wir mit geistlicher Korrektur umgehen" (2.Timotheus 2,23-26)

[Predigt als Video] | [Predigt als MP3


Einleitung

Seit einiger Zeit kann ich in Online-Foren mit verfolgen, wie massenhaft „geistliche Weisheiten“ verbreitet werden. „Geistliche Weisheiten“ mit einem ziemlich abstrusen Inhalt. Spekulationen über die Endzeit, wie aus einem Sci-Fi Roman. Spekulationen mit einem so derartig abstrusen Inhalt, dass eigentlich schon beim Lesen der ersten Worte klar wird: hier stimmt irgendwas ganz gewaltig nicht.

Sicher: auch große Theologen haben hier und da mal spekuliert. Aber manche Spekulationen gehen dann doch echt zu weit. Kennt ihr das? Das es so Themen gibt, wo sofort das Blut in Wallung gerät? Wo ihr ihr spürt, dass Euer Gegenüber etwas von sich gibt, was irgendwie Explosionspotential hat? Und wo ihr sofort wisst: wenn ich mich da jetzt drauf einlasse – dann kracht es gewaltig. Dann gibt es Zoff. Und wenn es sich um scheinbar geistliche Themen handelt, dann kochen die Emotionen oft sogar noch schneller hoch!

Und dann gibt es noch etwas ganz anderes: Wirklich gute geistliche Gespräche. Gespräche, die in Liebe geführt werden – und in Geduld. Mit Freundlichkeit und in einer demütigen Haltung. Gespräche, die sicher auch mal kontrovers sein können. Aber Gespräche, die sich um den Kern des Glaubens drehen. Gespräche die uns weiter bringen. Gespräche die zu Christus führen – vielleicht sogar zum ersten Mal. Gespräche, die uns zu Christus zurück führen – zum Evangelium. Wohltuende Gespräche.

Schmeckt ihr den Unterschied?


Inhalt 

Darum geht es heute: Wie Gott möchte, dass wir mit geistlicher Korrektur umgehen.

  • Unser Text
    • Zu Beginn möchte ich mit Euch den Text lesen
    • Und kurz zusammenfassen, worum es geht
    • Und uns noch einmal in Erinnerung rufen,
    • „was bisher geschah“

  • Was wirklich wesentlich ist
    • Dann möchte ich gemeinsam mit Euch anschauen,
    • Welche Auswahl uns bei Themen der geistlichen Korrektur zur Verfügung steht

  • Was zu korrigieren ist
    • Und unter dem Titel „Was zu korrigieren ist“
    • Möchte ich mit Euch anschauen, für welche der beiden Möglichkeiten wir uns entscheiden sollten

  • Wie Korrektur gelingt
    • Nachdem wir gesehen haben, was die bessere Wahl ist,
    • Bleibt die entscheidende Frage: wie kann geistliche Korrektur gelingen?

  • Fragen an Dein Herz
    • Zum Schluss möchte ich uns die Möglichkeit geben,
    • Uns selbst anhand der Schrift zu prüfen

Lasst uns zu Anfang den Text gemeinsam lesen:


Unser Text

"Mit törichten Spekulationen hingegen, die nur von Unverstand zeugen, gib dich nicht ab. Du weißt ja, dass sie zu nichts anderem führen als zu Streitigkeiten. Und wer ein Diener des Herrn sein will, darf nicht streiten, sondern soll zu allen freundlich sein. Er muss fähig sein, die Lehre ´des Evangeliums` weiterzugeben, muss es gelassen ertragen können, wenn ihm Unrecht zugefügt wird, und soll denen, die sich gegen ´das Evangelium` stellen, geduldig den rechten Weg zeigen. Vielleicht gibt Gott ihnen ja die Möglichkeit zur Umkehr, sodass sie die Wahrheit erkennen und zur Besinnung kommen. ´Dann können sie sich` aus der Schlinge ´befreien`, in der sie der Teufel gefangen hält, um ihnen seinen Willen aufzuzwingen."

Kontext: Lasst uns noch mal kurz rekapitulieren, was bisher geschah: 

Paulus schreibt kurz vor seinem Tod einen Brief an Timotheus, seinen Sohn in Christus
den Leiter der Gemeinde in Ephesus. Er schreibt aus dem Gefängnis in Rom. Und was er schreibt, ist ein Abschiedsbrief. Was er schreibt, ist sein geistliches Vermächtnis. Er möchte Timotheus alles mit auf den Weg geben, was er als Gemeindeleiter wissen muss.

Im vorangegangenen Abschnitt ging es dabei um 2 Dinge: 
  • Timotheus soll sich (s. V14) „nicht um Worte streiten“, bzw. (V16) sich fernhalten „von ungeistlichem losen Geschwätz“. Das ist in unserem heutigen Text in (V23) gemeint, wenn Paulus Timotheus den Rat gibt: „Mit törichten Spekulationen hingegen, die nur von Unverstand zeugen, gib dich nicht ab“. In (1Tim 4,7) nennt Paulus diese Spekulationen „Altweiberfabeln“. 
  • Auf der anderen Seite gab es echte Irrlehrer: Hymenäus und Philetus, von denen es in (V18) heißt: „die von der Wahrheit abgeirrt sind und sagen, die Auferstehung sei schon geschehen, und bringen einige vom Glauben ab.“ Das ist in unserem heutigen Text gemeint, wenn in (V25) die Rede ist von „denen, die sich gegen das Evangelium stellen“.

Zusammenfassung: In Ephesus, der Gemeinde, der Timotheus vorstand gab es also mindestens 2 Probleme:
  • Irrlehrer, die behaupteten, Jesus sei schon wiedergekommen und damit den Glauben der Geschwister ernsthaft ins Wanken brachten. 

  • Geplapper: Und obendrein dummes Geschwätz über Altweiberfabeln – sinnlose Debatten mit dem Potential schlimmen Streit zu entfachen. 
Fokus: Was Paulus dem Timotheus mit auf den Weg geben will – und darum geht es in unserem heutigen Abschnitt –, ist: Dass Timotheus sich auf die wirklich wichtigen Themen fokussieren soll; sich also nur dort in den Dialog zu begeben, wo wirklich wesentliche Aspekte der Lehre in Gefahr standen, oder wo der Glaube der Geschwister angefochten wurde.

Worauf Timotheus sich fokussieren soll ist, im Dialog — sanftmütig und Böses ertragend —, theologische Fehler zu korrigieren - und zwar auf der Sachebene – und nicht in hitzigen Debatten. Und das mit nur einem einzigen Ziel: die betroffenen Geschwister zurück auf den Boden von Gottes Wort zu holen. Die betroffenen Geschwister von Ihrem aufgewühlten Wahn zurück zum Evangelium zu führen. 

Was Paulus dem Timotheus mit auf den Weg geben will ist: Dass Timotheus sich mit dem Unfug mancher Debatten gar nicht erst abgeben soll. Es geht heute also darum, sich um die geduldige und sachliche Korrektur von Irrtümern in heilsnotwendigen Dingen zu kümmern,
anstatt sich in hitzigen Streitgesprächen über dumme und halbwahre Unwichtigkeiten aufzureiben, die überhaupt nichts bringen.


Wozu dieser Text?


In (V24) lesen wir: 

Und wer ein Diener des Herrn sein will, [...] muss fähig sein, die Lehre des Evangeliums weiterzugeben, [...] und soll denen, die sich gegen das Evangelium stellen, geduldig den rechten Weg zeigen. Vielleicht gibt Gott ihnen ja die Möglichkeit zur Umkehr, [...].

Es geht Paulus hier also als erstes um die Frage nach unserem FOKUS! Es geht Paulus hier also als erstes um die Frage nach dem was wirklich WICHTIG ist! Und es geht Paulus um den Unterschied zu dem, was eigentlich BELANGLOS ist!

Paulus möchte nicht, dass Timotheus seine Kraft mit dem Kampf gegen harmlosen Unsinn verschwendet. Zum einen, weil das Diskutieren über Spekulationen nur zu Streit führt - und Streit ist nun wirklich nicht das, was Gott sich für uns wünscht. Emotional aufgewühlter Streit ist nutzlos und kostet nur Kraft.

Und zum anderen, weil er all seine Kraft brauchen wird, um die Gemeinde nach Gottes Willen zu leiten. Weil er all seine Kraft brauchen wird:
  • Um die Gute Botschaft des Evangeliums weiter zugeben: dass Gott uns liebt! 
  • Um Unrecht gelassen zu ertragen. 
  • Um den Gegnern des Evangeliums geduldig den rechten Weg zeigen. 
  • Um Gottes Gnade Raum zu geben, der ihnen die Möglichkeit zur Umkehr gibt

  • Damit diese verirrten Seelen die Wahrheit erkennen und zur Besinnung kommen. 
  • Damit sie sich aus dem Gefängnis ihrer falschen Überzeugungen befreien können
  • Damit sie frei werden, den Willen Gottes zu tun – zu glauben – zu hoffen – zu lieben

Was zu korrigieren ist


Deswegen gibt Paulus dem Timotheus den guten Rat mit auf den Weg, zwischen Belanglosem und Wesentlichem zu unterscheiden:

Was ist dieses BELANGLOSE? Es sind törichte Spekulationen: Vermutungen, die nichts mit dem Evangelium zu tun haben. Hier mal ein praktisches Beispiel: Sind im mRNA Impfstoff kleine Chips drin, die uns alle fernsteuern? Oder ist die Patent-Nummer des Impfstoffs die Zahl des Tieres 666? Natürlich nicht – das ist eine völlig haltlose Spekulation – mit der ich mich hier auch gar nicht weiter aufhalten will. Aber lasst Euch bitte nicht jeden Bären aufbinden. 

Das soll übrigens nicht heißen, dass ich nicht glaube, dass wir am Ende der Endzeit leben – lest Matthäus 24! Das soll auch nicht heißen, dass ich nicht glaube, dass alles gut ist, was aktuell so auf diesem Erdball geschieht.

Was es heißt ist, das was Paulus meinte: Solche Spekulationen sind töricht (gr. mooras, dt.: dumm, engl. „moron“ (Dummkopf)) Sie zeugen von Unverstand (gr. apeideutos = ungebildet, nicht erzogen, ohne Zucht). 

Von solchen Spekulationen sagt Paulus: „gib dich nicht mit ihnen ab!“ Sie führen zu nichts anderem als zu Streitigkeiten! Timotheus soll Gespräche über solche Spekulationen also einfach links liegen lassen. Timotheus soll in solche Gespräche gar nicht erst einsteigen.
Denn Paulus weiß: 
  • mit solchen Debatten können wir prima unsere Zeit totschlagen 
  • mit solchen Debatten können wir prima unsere Kräfte verschwenden 
  • und mit solchen Debatten können wir ganz prima prächtig Streit vom Zaun brechen
Aber sie bringen uns in der Liebe und im Glauben und in der Demut keinen Millimeter weiter – im Gegenteil! Darum kommt Paulus zu sprechen auf das was wirklich WESENTLICH ist: Was zu korrigieren ist.

WESENTLICH ist vielmehr, dass: Timotheus – der ja der Leiter der Gemeinde in Ephesus ist, fähig sein soll, die Lehre des Evangeliums weiterzugeben. Und ich denke, dass gilt für jeden Gemeindeleiter! Timotheus soll denen, die sich gegen das Evangelium stellen, den rechten Weg zeigen – und zwar in Geduld. Er soll Ihnen die Möglichkeit zur Umkehr, geben, 
und zwar so, dass sie die Wahrheit des Evangeliums von der Liebe Gottes erkennen 
also so, dass sie zur Besinnung kommen; so, dass sie erlöst werden.

DAS WESENTLICHE IST ALSO : DER GLAUBE DER GESCHWISTER – UND UNSER ALLER LIEBE ZU GOTT UND DEN MENSCHEN.

Versteht ihr? Es geht um den Fokus auf heilsnotwendige Dinge Es geht um den Fokus auf das Evangelium. Es geht darum, alle Kraft darauf zu verwenden, Menschen in die Freiheit Gottes zu führen. Nicht darum, sie mit dem Streit um dumme Vermutungen zu verplempern.

Wenn nun also klar ist, dass es Wesentliches und Unwesentlich es gibt, und wenn klar ist, was das Wesentliches eigentlich ist, und wenn klar ist, dass wir uns nur um das Wesentliche kümmern sollten, dann bleibt natürlich die Frage: WIE?! Wie sollen wir uns darum kümmern?

Wie Korrektur gelingt

Es geht also darum, wie geistliche Korrektur – die Korrektur von wirklich wichtigen Dingen des Glaubens – gelingt. Paulus nennt dabei 4 Punkte:

  1. zu allen freundlich: „freundlich sein“ bedeutet: aus Stärke handeln, nicht aus Schwäche. Kein „anbiedern“, sondern authentisch und von Herzen reden und handeln. Nicht „aufgesetzt“. „Zu allen“; also nicht nur zu den „netten“, sondern auch gegenüber „denen, die sich gegen das Evangelium stellen“. 

  2. fähig, die Lehre des Evangeliums weiterzugeben: fähig: hier geht es um theologische Fachkompetenz, und um persönliche Reife. Wie schaut es dabei Dir aus? Bist Du fachlich kompetent? Die Lehre des Evangeliums; das ist: Gottes Liebe für die Welt, Christus am Kreuz, Gnade statt Werke.

  3. Unrecht gelassen ertragen: zugefügtes Unrecht "ertragen": (gr. anexikakon, dt. Böses ertragen) - ohne zurück zu schlagen; z.B. ad hominem Argumente, Unhöflichkeiten, Beleidigungen, und  Gemeinheiten. Und das "gelassen": also mit der Fähigkeit, nicht auf jeden persönlichen Angriff einzusteigen; mit Geduld; mit innerer Stärke; Leidensfähigkeit; mit Ausdauer.

  4. geduldig den rechten Weg zu zeigen: "geduldig" heißt: einen langen Atem haben; nicht gleich aufgeben; zu glauben, zu hoffen und zu beten! "den rechten Weg": die Beziehung zu Christus. Nicht Egoismus, sondern Liebe führt zu einem erfüllten Leben. Nicht religiöse Leistung, sondern Gottes Gnade rettet. Umkehr zu einem Leben mit Gott!
Damit geistliche Korrektur gelingt, braucht es also schon einiges. Es braucht den Fokus auf das Wesentliche. Es braucht die Frucht des Geistes: echte Liebe: – Freundlichkeit und Geduld. Es braucht die Gaben des Geistes: die Fähigkeit zu Lehren. Und es braucht persönliche Reife: Gelassenheit, innere Stärke und die Bereitschaft, um des Evangeliums willen auch Unrecht zu erleiden.

Wenn wir uns vor diesem Hintergrund einmal die Spannungen und Diskussionen in unserem eigenen Leben anschauen, dann möchte ich uns folgendes fragen:

Fragen an Dein Herz


„Wähle Deine Schlachten!“
  • Was ist Dein Fokus?
  • Was bestimmt Dein Handeln?
  • Was möchtest Du gerne ändern?

„Eure Güte 
laßt kund sein 
allen Menschen!“ 

(Philipper 4:5)


Sonntag, 7. März 2021

"Wie Gott möchte, dass wir leben" (2. Timotheus 2,20-22)

[Predigt als Video] | [Predigt als MP3


Einleitung

Ich bin ja so ein kleiner Hobby-Philosoph. Und hin und wieder fällt mir dabei sogar etwas halbwegs Gescheites ein... 

Eine meiner größten Erleuchtungen geht dabei um das Thema Qualität. Ich saß nämlich eines Abends mal so rum - und weil ich nichts besseres zu tun hatte, habe ich mich gefragt, woran man eigentlich Qualität misst. Und dann kam mir der glorreiche Gedanke, dass man nämlich Qualität nur messen kann, wenn man den Zweck einer Sache kennt.

Mal ein Beispiel: Was ist ein gutes Messer? Na, das ist einfach, werdet ihr sagen! Ein gutes Messer ist ein Messer was scharf ist! Aber warum ist das so? Na, weil das Messer dazu da ist, etwas zu zerschneiden! Und wenn es stumpf ist, dann kann man mit dem Messer nicht wirklich viel anfangen. Dann taugt es nichts – außer man kann es noch nachschärfen. 

Und dann habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich der Zweck des Menschseins? Also der Sinn des Lebens, sozusagen?! Krasse Frage oder? Und, ob ihr‘s glaubt oder nicht, bei der Beantwortung dieser Frage bin ich auf 2 meiner Lieblingsverse (seitdem) gestoßen: 1. Mose 1,27 und Jesaja 43,7. 

Was dort steht? Dort steht:

„Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (1Mo 1,27)

„Bring her meine Söhne [...] und meine Töchter [...] alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe.“ (Jes 43,6b-7)

Gott hat uns also zu mindestens diesem Zweck geschaffen: Zu seiner Ehre (und übrigens auch – siehe Heidelberger Katechismus – zu unserer Freude). Die beiden gehören untrennbar zusammen.

Und wie macht man das jetzt: zu Gottes Ehre leben? Eine allgemeine Antwort könnte lauten: Indem wir Seine Herrlichkeit – sein wunderbares Wesen widerspiegeln, wie die 1000 Facetten eines Brillanten das Licht der Sonne. 

An der Stelle mache ich jetzt mal eine kleine Pause. Denn einige Aufmerksame unter Euch fragen sich nämlich wahrscheinlich schon: Was hat das alles mit einer Bratpfanne zu tun?! 

Nun, dass will ich Euch erklären! 


Inhalt 


Ich habe Euch nämlich heute ein biblisches 5 Gänge-Menu mitgebracht:

  1. Amuse Gueule oder Aperitif: Als amuse gueule oder Aperitif gibt es heute unter dem Titel „Was bisher geschah“ einen kurzen Rückblick. Zum einen, um unser Gedächtnis noch mal kurz aufzufrischen, wo wir mit dem Timotheusbrief eigentlich stehen geblieben sind. Dann natürlich auch, um zu schauen in welchem Zusammenhang unser heutiger Text eigentlich steht. Und nicht zuletzt, um uns den heutigen Text noch einmal kurz aus der Bibel vorzulesen. Ist ja immerhin schon wieder 1 Monat her, dass wir hier aufgehört haben. Und bis dahin ist ja einiges passiert.

  2. Von Brat- und Bettpfannen: Als Horsd'œuvre gibt es dann ein Gleichnis von Bratpfannen und Bettpfannen. Zweck dieser Übung wird sein: den kleinen aber feinen Unterschied zwischen den beiden Gefäßen zu entdecken. Und damit auf den richtigen Geschmack zu kommen. Beziehungsweise darum, uns das eigentliche Thema vorzustellen: Die Reinigung von Beziehungen && die Reinigung des Herzens. Als Hauptgang werde ich Euch dann gleich 2 Gerichte servieren: Die Reinigung unserer Beziehungen und Die Reinigung unseres Herzens.

  3. Anhand der Reinigung unserer Beziehungen werden wir sehen, dass dies der äußerliche Teil der Reinigung ist. Welchen Zweck Paulus – beziehungsweise Gott – mit diesem Text verfolgt. Und wir werden auch die Mittel zum Zweck kennen lernen

  4. Bei der Reinigung unsers Herzens werden wir erkennen, dass dies der innerliche Teil der Reinigung ist. Welchem Ziel diese Reinigung dient. Und welche Wege zu diesem Ziel führen

  5. Fragen an Dein Herz: Als Dessert  werde ich Euch dann 3 sehr einfache Fragen stellen. In der Hoffnung, dass Jesus diese Fragen nutzt, um Euch direkt ins Herz zu sprechen!

Dann also: „Guten Appetit!“


Was bisher geschah

Vor gut 1 ¼ Jahren, genau am 1.12.2019, haben wir hier im 2.Timotheusbrief aufgehört.

Was bisher geschah: Paulus schreibt, kurz vor seiner Exekution aus dem Gefängnis in Rom, an Timotheus, seinen geliebten geistlichen Sohn, damals Bischof der Gemeinde in Ephesus und vertraut ihm sein geistliches Erbe an. 

Bisher ging es um den Glauben an das Evangelium von Gottes Gnade. Und darum, dass Timotheus diesem Evangelium treu bleiben soll, auch, wenn das teilweise Kampf und Leiden für ihn bedeutet.

Und im Abschnitt der kurz vor unserer heutigen Passage steht, geht es dabei um die Warnung vor unnützem Streit. Also: darum, sich nicht um Worte [zu] streiten, was zu nichts nütze ist. Darum, ein [...] Arbeiter [zu sein], der das Wort der Wahrheit recht austeilt. Darum, „sich fern [zu halten] von ungeistlichem losem Geschwätz“. Und als Beispiel führte Paulus die Irrlehrer Hymenäus und Philetus an.

In diesen Zusammenhang hinein schreibt Paulus also unseren heutigen Text. Und der geht so:

„In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, die einen zu ehrenvollem, die andern zu nicht ehrenvollem Gebrauch. Wenn nun jemand sich reinigt von solchen Leuten, der wird ein Gefäß sein zu ehrenvollem Gebrauch, geheiligt, für den Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet. Flieh die Begierden der Jugend! Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.“ (2. Tim 2;20-22)


Von Brat- und Bettpfannen

Warum gebraucht Paulus dieses seltsame Beispiel von den Gefäßen? Worum geht es ihm dabei? Und warum redet er von „ehrenvoll“ und „nicht ehrenvoll“? Und wieso steht im Text das Wort „Gebrauch“? Ich denke es geht Paulus um die Dimension von „Heiligkeit“ und „Sünde“ um die Dimension von „schmutzig“ oder „sauber“. Darum, ob etwas „ehrenvoll“ ist oder eben nicht. 

Das Thema, um das es heute gehen wird, ist hat also damit zu tun: was ehrenvoll ist und was nicht. Und wie wir noch sehen werden, geht es dabei vor allem darum, dass wir – als Christen - für Gott brauchbar sind und werden. Das also ist das Thema heute: Brauchbar sein / brauchbar werden für Gott.

Und damit mit man sich das Thema besser vorstellen kann, benutzt Paulus das Bild von Haushaltsgefäßen. Da gab es damals goldene und silberne Gefäße; das waren die guten. Und es gab hölzerne und irdene (also welche aus Ton); das waren die nicht so guten. Auf Deutsch: Paulus spricht hier von Bratpfannen und Bettpfannen. Von Gefäßen in denen man Speisen zubereiten oder servieren kann. Und von Gefäßen, von denen wir lieber nicht im Detail sprechen. Ihr kennt doch den Unterschied zwischen einer Brat- und einer Bettpfanne? Ich würde den Unterschied mal so zusammenfassen: Eine Bettpfanne ist für den Sonntagsbraten denkbar ungeeignet!


„Beziehungsputz“


Nachdem das Thema klar ist, geht es nun in Vers 21 um die äußerliche Reinigung.

Zweck: Der Zweck und das Ziel, das Paulus mit Vers 21 erreichen will, ist klar: es geht ihm darum, dass Timotheus für Gott brauchbar ist. Der Zweck und das Ziel, dass Gott mit diesem Vers erreichen will ist auch klar: Es geht ihm darum, dass wir für Ihn brauchbar sind! Ihr erinnert Euch? Eine Bettpfanne ist für den Sonntagsbraten denkbar ungeeignet.

Mittel: Das Mittel, um diese Reinigung zu erreichen, ist sich von „solchen Leuten“ (wie Paulus sie nennt), zu „reinigen“ – was nichts anderes heißt, als sich von ihnen zu distanzieren. Primär geht es Paulus dabei darum, sich von solchen Menschen zu distanzieren, die das Evangelium verdrehen, in dem sie (wie Hymenäus und Philetus) am Wort Gottes „herumschrauben“ 
– also Dinge hinzudichten, Dinge weglassen oder Dinge verdrehen. 

Denn das „herumschrauben“ an Gottes Wort hat immer nur zwei Effekte: Entweder es führt in die Verdammnis der Gesetzlichkeit und Heuchelei in der unsere Seele mit Vorschriften geknechtet wird, von denen Christus nie geredet hat oder es führt in die Verführung zur „billigen Gnade“, wo man meint, dass einem Christen alles erlaubt wäre; was Jesus auch nie gesagt hat 

Zum Thema Gesetzlichkeit sagt Jesus in Mt 23,23: 

“Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von Minze, Dill und Kümmel und lasst das Wichtigste im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben!“

Zum Thema Verführung und billige Gnade, sagt Jesus in Lk 6:46 :

„Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage?“

Solche „Herumschrauber“ und Irrlehrer waren Hymenäus und Philetus auch. Sie behaupteten „die Auferstehung sei schon geschehen“. Und was war das Ergebnis? Paulus schreibt, sie „bringen einige vom Glauben ab“.

Ihr Lieben! Bewahrt das Wort Gottes, das Evangelium, in Euren Herzen! Lasst nicht zu, dass Euch jemand etwas davon wegnimmt, etwas dazutut oder etwas darin verdreht. Denn nur im Evangelium erkennen wir das Angesicht unseres Heilandes. Und das klingt so: 

„Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue“ (2Mo 34,6)

Und so: 

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Mt 11,28-30)

Zusammenfassung: Wir sollen Gottes Evangelium treu bleiben – in beiden Punkten: in Seiner Gnade (was unser Versagen angeht) und in Seinem Ernst (was unseren Gehorsam angeht). Und von Leuten, die Gottes Wort verdrehen, sollen wir uns trennen.


Reinigung des Herzens


Nachdem Paulus nun etwas zur äußerlichen Reinigung gesagt hat, geht es nun weiter um die innerliche Reinigung - und um das Ziel und den Weg dorthin.

Ziel: Das Ziel sind Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden. Das Gegenteil davon sind Sünde, Gottlosigkeit, Egoismus, und Streit. Wenn Paulus hier also von den Begierden der Jugend spricht, dann meint er Dinge, wie sexuelle Versuchung (in jeder Gestalt!). Aber auch den Genuss von Drogen, Schlägereien, Streitereien – sowie Vergnügungssucht und Experimentieren.

Wege: Nun gut! Das war einfach. Da sind wir uns wahrscheinlich alle einig. Die viel  interessantere Frage ist daher: wie komme ich da hin? Und Paulus beantwortet auch diese Frage auf der Stelle: Als Wege gegen diese Begierden – und zum Erreichen der „Brauchbarkeit für Gott“ empfiehlt Paulus ganz klar eine doppelte Strategie: Flucht und Jagd.

Flucht: Was die Sünde angeht, gibt es für Paulus nur eine einzige Strategie: Flucht. Und nach 35 Jahren Glaubensleben kann ich Euch versichern: es gibt auch keine andere. Entweder Du fliehst vor der Sünde, oder sie frisst Dich auf. Mit Haut und Haaren. Nimm das ernst! Nicht umsonst sagt Paulus 

1.Korinther 6,18-20: „Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, sind außerhalb seines Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe.“

Jagd: Was aber die Tugenden angeht, so empfiehlt Paulus die Jagd: Er sagt: „Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen." Nicht umsonst schreibt er auch im Philipperbrief:

„Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, [...] ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott kommt durch den Glauben. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung [...], damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.“ (Phil 3,7-12;gekürzt)

Zusammenfassung: Um brauchbar zu werden für Gottes Reich, gibt es für uns also allein 2 Dinge zu tun: vor der Sünde zu fliehen – anstatt damit zu spielen oder sich darin zu suhlen. Und sich von Jesus ergreifen zu lassen – und der Heiligung nachzujagen. Und wenn Dir das nun klargeworden ist – dann hat Gott (glaube ich) nur noch 2 Fragen, die er Dir heute stellen will:


3 Fragen an Dein Herz

  • Wovon willst Du Dich trennen?
  • Vor welcher Sünde willst Du fliehen?
  • Welcher Tugend willst Du nachjagen?

Wer Ohren hat, der höre, 
was der Geist den Gemeinden sagt! 

Wer überwindet, 

dem will ich zu essen geben 
von dem Baum des Lebens, 
der im Paradies Gottes ist. 

(Offenbarung 2,7)

Sonntag, 1. Dezember 2019

„Gottes Wahl steht felsenfest “ (2. Timotheus 2,17-19)

[Predigt als MP3]


Inhalt

  • Worum es heute gehen wird:
    • Unser Text
    • 2 böse Buben
    • Unbiblische Lehre heute 
    • Gottes unverbrüchliche Verheißung 
    • Schluss: Eine Zusage für Dein Herz

Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen.


Unser Text

Unser Text steht in 2. Timotheus 2, Verse 17-19. Ich lese aus der Übertragung „Die Gute Nachricht“:

„Ich denke zum Beispiel an Hymenäus und Philetus, 

die von der Wahrheit der Guten Nachricht abgeirrt sind, 

wenn sie behaupten, unsere Auferstehung sei bereits geschehen. 

Damit bringen sie manche vom wahren Glauben ab. 

Aber das sichere Fundament, das Gott gelegt hat, ist unverrückbar. 

Es trägt den Abdruck von Gottes Siegel, auf dem zu lesen ist: 

»Der Herr kennt die, die zu ihm gehören.«“ 

Ich denke, dieser Text berührt zwei Aspekte unserer Gemeindevision, nämlich: „Gott begegnen“ und „bewegt werden“.

Doch der Reihe nach.


2 böse Buben

Text redet von 2 Personen: Hymenäus und Philetus. Über Philetus wissen wir (meines Wissens nach) gar nichts. Hymenäus wurde (zusammen mit Alexander) aus der Gemeinde geschmissen (1Tim 1,20). Aber Warum? 3x dürft ihr raten... Wegen Irrlehre. Scheinbar wurden sie wieder  in die Gemeinde aufgenommen. Doch kaum war das geschehen, ging das Theater von Neuem los. 

Was war das Problem? KONKRET war es, dass: "sie behaupteten, unsere Auferstehung sei bereits geschehen“. Das war die so genannte "gnostische Auffassung". Geist und Intellekt wurden in der Gnosis als höherwertig, Körper oder Seele dagegen als minderwertig eingestuft. Der Geist ist im Kerker des Körpers eingesperrt. Durch einen Erkenntnisakt aber wird der im Körper gefangene "göttlicher Funke" befreit. In diese Interpretation hat die Gnosis dann die Verheißung der körperlichen Auferstehung "umgemünzt" - sozusagen in eine rein "spirituelle Auferstehung".

Für sowas braucht man natürlich Spezial-Wissen! Das haben natürlich nur die Irrlehrer! Was macht so eine Irrlehre mit dem Menschen? Stellt Euch mal vor, ihr könntet nicht mehr an eine leibliche Auferstehung glauben! Oder ihr müsstet glauben, die Auferstehung sei schon rum! Was würde das mit Euch machen? Mit Eurer Hoffnung? 

Entweder würdet ihr etwas glauben, was nicht stimmt: dass ihr körperlos durchs All gast. Oder ihr würdet im schlimmsten Fall glauben, ihr wäret nicht mit dabei. SOWAS MACHT DEN GLAUBEN KAPUTT!

Was also war das Problem? Ganz ALLGEMEIN: Hymenäus und Philetus lehrten etwas, das mit Gottes Wort im Widerspruch stand. Dort aber steht: "Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.“ (1Kor 15,44)

Falsche Lehrer sind oft Lehrer einer "höheren Erkenntnis" (z.B. die der Gnosis). Nur sie kennen natürlich die Geheimnisse. In Wirklichkeit aber haben sie keine Ahnung und wollen vielmehr „modern daherkommen", „angeben“ und „etwas gelten“.

Das erinnert mich auch an die "Entmythologisierung der Bibel" nach Rudolf Bultmann...


Unbiblische Lehre heute

Es gibt heute 1.000 Irrlehren – Zeugen Jehovas - Mormonen – Engelslehren – etc. pp. Ich kann hier nicht auf alle eingehen. Das betrifft uns auch hoffentlich auch nicht. 

Es gibt allerdings eine unbiblische Lehre, die uns vielleicht doch betrifft. Was ist das für eine Lehre? Ich nenne sie die „Wir-haben-Christus-erwählt-Lehre“. Wir hören heutzutage: „Ich habe mich für Jesus entschieden...“ „Ich bin zum Glauben gekommen...“ „Ich habe mich bekehrt...“ Auf Evangelisationen wird dazu aufgerufen, „sich für Christus zu entscheiden“. All das ist nicht wirklich falsch. Sich nur auf den menschlichen Aspekt der Erlösung zu konzentrieren resultiert am Ende jedoch in einer sehr menschenzentrierten Sicht.

Wo kommt diese Sicht her?  Seit der Zeit der Aufklärung gab es eine immer fortschreitende Individualisierung und damit eine immer weiter fortschreitende "ich-Zentrierung". In 2Tim 3,2 lesen wir: „Die Menschen werden selbstsüchtig, geldgierig, prahlerisch und eingebildet sein.“ Ist Euch diese Selbstzentrierung in unserer Zeit schon einmal aufgefallen? Zum Beispiel in der Werbung? Dort heißt es iPod, iPad, iPhone, Mercedes me, mySpace, etc.

Und was macht diese Sicht mit uns? Sie macht uns letzten Endes Angst! Das mag nun nach einer sehr steilen Behauptung ausschauen. Von daher: wie komme ich dazu? Nun, wir sind als Menschen unbeständig, unzuverlässig und fehlerhaft. Was macht das mit uns? Wenn unsere Erlösung auf unserem Willen basiert: ist sie dann tragfähig für die Ewigkeit? Kannst Du die Hand für Dich ins Feuer legen?

Wie aber sollen wir mit dieser Angst umgehen?


Gottes unverbrüchliche Verheißung

Wir sollten mit unserer Angst zu Gott gehen – zu dem, was uns Sein Wort verspricht: „»Der Herr kennt die, die zu ihm gehören.«“ Doch inwiefern ist das für uns ein Trost? Das Gott uns kennt ist uns nur dann ein Trost, wenn man sich die ganze Wahrheit anschaut. Das möchte ich im folgenden mit Euch tun - und zwar anhand von 8 Versen aus der Heiligen Schrift:

  • Römer 8,7 steht „unser selbstsüchtiger Wille lehnt sich gegen Gott auf. Er gehorcht seinen Geboten nicht; er kann es gar nicht.“ 

  • Römer 5,10 „Als wir Gott noch als Feinde gegenüberstanden, hat er uns durch den Tod seines Sohnes mit sich versöhnt.“ 
Zum Gehorsam unfähige Feinde sollen also freiwillig zu Gott kommen? Wirklich?!
  • Johannes 6,44 „Zu mir kommen können nur, die der Vater, der mich gesandt hat, zu mir führt.“

  • Johannes 3, 5+7 „Jesus sagte: »Amen, ich versichere Dir: Nur wer von Wasser und Geist geboren wird, kann in Gottes neue Welt hineinkommen. [...] Wundere dich also nicht, dass ich zu dir sagte: ›Ihr müsst alle von oben her geboren werden.“
Führen wir uns wirklich selbst Du Christus? Lassen wir uns selbst von Neuem geboren sein WIR SEHEN – SO KANN ES NICHT SEIN:  ES IST GOTT DER UNS ERWÄHLT HAT – DARUM IST DAS FUNDAMENT UNSERES GLAUBENS SICHER – WEIL GOTTES WILLE UNVERRÜCKBAR IST:
  • Johannes 15,16 „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“

  • Epheser 1,4 „Schon bevor er die Welt erschuf, hat er uns [...] dazu erwählt, dass wir heilig und fehlerlos vor ihm stehen.“ 
GOTT HAT UNS ERWÄHLT! NICHT WIR UNS SELBST!
  • Römer 8,38-39 „Denn ich bin gewiss, dass [nichts] uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

  • Johannes 10,28+29 „Ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden niemals umkommen. Niemand kann sie mir aus den Händen reißen, weil niemand sie aus den Händen meines Vaters reißen kann. Er schützt die, die er mir gegeben hat; denn er ist mächtiger als alle.“

GOTTES WILLEN KANN NIEMAND UMSTOSSEN - NIEMAND UND NICHTS KANN UNS VON GOTTES LIEBE SCHEIDEN – NIEMAND KANN UNS AUS SEINER HAND REISSEN!


Eine Zusage für Dein Herz

Diese Zusage Gottes möchte ich Dir heute mitgeben:

Weil Gott Dich erwählt hat, bist Du auf ewig in sicheren Händen!

„Und wenn Gott sie dazu bestimmt hat,
dann hat er sie auch berufen,

und wenn er sie berufen hat,
dann hat er sie auch für gerecht erklärt,

und wenn er sie für gerecht erklärt hat,
dann steht auch fest, dass sie an seiner Herrlichkeit teilhaben. “

(Römer 8,30)


„Ich bin ganz sicher:
Gott wird das gute Werk, das er bei euch angefangen hat,
auch vollenden bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt."

(Phil 1,6)

AMEN

Samstag, 22. Juni 2019

„Hüte Deine Zunge!“ - 2. Timotheus 2,14-17a

[Predigt als MP3]

Inhalt

Beim Durcharbeiten des Textes hat sich die folgende Struktur der Predigt ergeben:

  • Einleitung
  • Text
  • Das Problem
    • Was war passiert? Was war das Problem?
    • Die Motivation hinter dem Problem
    • Die Folgen des Problems
    • Die Lösung: 
      • Was sollte passieren? Was ist das Ziel?
      • Wie geht man mit so einem Problem um? Was ist der Weg?
      • Was ist die Motivation für diesen Weg? 
  • Und zu guter Letzt: Was heißt das für mich? 2 Fragen an Dein Herz


Einleitung

Kennt ihr den Unterschied zwischen einem Messer und einem Messer? Überlegt mal: Wenn ich mit einem Messer herumfuhrwerke, um zu töten, wird wahrscheinlich etwas anderes dabei herauskommen, als wenn ich versuche, damit in Ruhe Kartoffeln zu schälen. Das Messer selber ist dabei nur ein Werkzeug. Ebenso verhält es sich mit Worten: ich kann mit ihnen herumhantieren, um vor einem Publikum Eindruck zu schinden oder ich kann sie verwenden, um Menschen aus Liebe im Glauben aufzurichten, um sie zu ermuntern, Gutes zu tun. Meine Worte sind dabei nur ein Werkzeug. Die Motivation und das Ziel dahinter aber bestimmen über das Ergebnis; nicht das Instrument, mit dem ich hantiere. Von daher müsste unsere heutige Predigt eigentlich heißen: „Hüte Dein Herz!“ Aber als mir das aufgefallen ist, war es schon zu spät... ;)

Das, was in unserem Herzen ist, bestimmt also darüber, wie wir mit unseren Worten umgehen – und damit darüber, was unsere Worte anrichten – oder was sie Gutes tun. Oder, um es mit den Worten von Jesus zu sagen: „Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken [...]“ (Mt 15,18f)

Ich möchte in dieser Predigt daher nicht allein auf den Inhalt der in Ephesus grassierenden Irrlehren eingehen, oder auf die griechische Vorliebe für Diskussionen und Philosophie (also auf die konkreten Worte oder Instrumente), sondern ich möchte vor allem den Streitern und falschen Lehrern ins Herz schauen, von denen Paulus hier spricht. Ich möchte mit Euch hineinschauen in das Herz von Paulus und das Ziel seiner Aufforderungen an Timotheus.  Wir werden also nicht nur sehen, was in Ephesus alles schief gelaufen ist, sondern uns auch das Ziel und die Motivation dahinter anschauen.

Dabei denke ich, dass es im heutigen Text – sozusagen „hinter den Kulissen“ – um 2 verschiedene Motivationen oder Ziele geht: um die Prahlerei und um die Liebe. Im 1. Korintherbrief lesen wir dazu im 8. Kapitel: „Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf.“ (1Kor 8,1) – und im 13. Kapitel: „die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern [...] sie freut sich aber an der Wahrheit;“ (1Kor 13,4-6).

Die Frage ist also nicht nur: "Was genau ist eigentlich in Ephesus passiert?" Sondern auch: "Was war das Motiv der Irrlehrer?" Und: "Was sollte Timotheus‘ Motiv und Ziel sein?" Oder mit anderen Worten: Was ist eigentlich das Problem? Und wie kann man es lösen? Diese Fragen werden uns am Ende zu der Frage führen: "Was hat das alles mit mir zu tun?" 

Aber der Reihe nach.  Lesen wir erst einmal den Text...

Unser Text (2Tim 2,14-17a)

dort heißt es: „Daran erinnere sie und ermahne sie inständig vor Gott, daß sie nicht um Worte streiten, was zu nichts nütze ist, als die zu verwirren, die zuhören. Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als einen rechtschaffenen und untadeligen Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht austeilt. Halte dich fern von ungeistlichem losem Geschwätz; denn es führt mehr und mehr zu ungöttlichem Wesen, und ihr Wort frißt um sich wie der Krebs.“  (2Tim 1,14-17a)

Das Problem – Was war passiert?

Ungeistliches loses Geschwätz: Bei der Formulierung „ungeistliches, loses Geschwätz“ musste ich erst an Gerüchte, anzügliche Witze oder sexistische Bemerkungen denken. Einige Bibelkommentare später ist mir dann aufgefallen, dass der Kontext das gar nicht hergibt. Denn hier geht es ja ganz konkret um Häresien und Sonderlehren.

Und die entstehen ganz offenbar nicht im „luftleeren Raum“, sondern hinter ihnen steht eine treibende Kraft: die Zurschaustellung der eigenen „Kompetenz“. Und so eine schiefe Motivation macht auch die beste Theologie kaputt. Wo ich mich nicht mehr bemühe, Gottes Wort zu verstehen und mir von ihm etwas sagen zu lassen, sondern vielmehr versuche, vor anderen etwas darzustellen – am besten indem ich etwas modernes oder neues von mir gebe, weil das einfach besser wirkt, als dieses altmodische „Wort Gottes“, da geht alles den Bach runter, was dieses Wort Gottes eigentlich bezwecken will – oder wie der Schweizer Reformator es ausdrückte: «[...] wo sich ein ehrgeiziger Wunsch nach Wohlgefallen durchsetzt, gibt es keinen starken Wunsch nach Erbauung mehr.» (Calvin) 

Das falsche Motiv zerstört also das gewünschte Ergebnis: Am Ende steht dann der Beifall der Menge – statt dem Glauben und dem Trost für den Anderen oder die Gemeinde. 

Um Worte streiten: Um zu verstehen, was in Ephesus geschehen war, hilft ein Blick in den 1. Brief des Paulus an den Timotheus – dort steht: „Du weißt, wie ich dich ermahnt habe, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Mazedonien zog, und einigen zu gebieten, daß sie nicht anders lehren, auch nicht achthaben auf die Fabeln und Geschlechtsregister, die kein Ende haben und eher Fragen aufbringen, als daß sie dem Ratschluß Gottes im Glauben dienen.“ (1Tim 1,3-4)

Zum einen ging es also in Ephesus um völlig irrelevante theologische Randgebiete und außerhalb des Glaubens befindliche Sonderlehren. Dem stellt Paulus das eigentliche Ziel des Glaubens gegenüber: „Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungefärbtem Glauben.“ (1Tim 1,5)

Weiter ist im 1Timotheusbrief zu lesen, „daß das Gesetz gut ist, wenn es jemand recht gebraucht, weil er weiß, daß dem Gerechten kein Gesetz gegeben ist, sondern den Ungerechten und Ungehorsamen, den Gottlosen und Sündern, den Unheiligen und Ungeistlichen  [...]“ (1Tim 1,9)

Es ging in Ephesus also auch darum, dass das Gesetz missbraucht wurde. Gesetzesgerechtigkeit kann dabei viele Blüten treiben. So zum Beispiel die, dass Gläubige das ganze Gesetz zu halten hätten. Gerecht vor Gott werden wir aber nicht, weil wir seine Gebote perfekt halten, sondern einzig und allein dadurch, dass Jesus - stellvertretend für uns - am Kreuz den Preis für unsere Schuld bezahlt hat und dass Er – der Auferstandene – uns mit dem Glauben an Ihn Seine vollkommene Gerechtigkeit schenkt. Umsonst! Ohne Leistung!

Zu guter Letzt lesen wir dann in 1Tim 6,3-5: „Wenn jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unseres Herrn Jesus Christus und bei der Lehre, die dem Glauben gemäß ist, der ist aufgeblasen und weiß nichts, sondern hat die Seuche der Fragen und Wortgefechte. Daraus entspringen Neid, Hader, Lästerung, böser Argwohn, Schulgezänk solcher Menschen, die zerrüttete Sinne haben und der Wahrheit beraubt sind, die meinen, Frömmigkeit sei ein Gewerbe.“ (1Tim 6,3-5)

Es ging in Ephesus also auch darum, dass falsche Lehrer aufgetreten waren, die – wie heutzutage einige Fernsehprediger – der Ansicht waren, das Evangelium zu predigen sei vor allem profitabel. Es ging also in Ephesus – statt um die gute Nachricht, dass Gott uns liebt und uns unsere Schuld vergibt – um Sonderlehren und Irrlehren (z.B., dass die Auferstehung schon geschehen sei; siehe 2Tim 2,18) – um Werkgerechtigkeit und um prahlerische Zurschaustellung und um Profit.

All das führte zu endlosen Wortgefechten und zu Zank und Streit in der Gemeinde.

Das Problem – Die Motivation dahinter

Die Frage ist jetzt natürlich: warum streiten sich Menschen um Worte? Das Wort, was Paulus hier gebraucht, könnte man auch übersetzen mit „Krieg der Worte“ oder „Wortgefecht“. Es ging also bei den Streitereien gar nicht um die Wahrheit – um das „Vorbild der heilsamen Worte“ – also um das Evangelium. 

Es geht bei solchen Wortgefechten meist um kleinkarierte Wortklaubereien und spitzfindige Auslegungen, die nur die Selbstprofilierung und Angeberei der Streitenden zum Ziel haben – nicht aber die Erbauung des Nächsten oder der Gemeinde – und schon gar nicht geschieht ein solches Wortgefecht aus Liebe – oder in Liebe.

Das eigentliche Motiv hinter einem „Wortgefecht“ ist meistens Frage, wer dieses Gefecht gewinnt, also die Frage: „Wer hat Recht?“ – und vor allem: „Wer behält Recht?“ – „Wer steht am Ende besser da?“ – „Wer sieht nachher klüger aus?“ – „Wer gewinnt?“ Das eigentliche Motiv hinter der ganzen Streiterei sind Hochmut und Besserwisserei. – Und die führen nicht nur zu Streit, sondern – weil das Motiv schief ist – am Ende auch zu einer „schiefen Theologie“. Das richtige Ergebnis wird durch den Missbrauch der Mittel verfehlt. So, wie beim Küchenmesser... Streiten macht also schlechte Theologen!

Die Lösung – Das Ziel

Die beste Chance auf Heilung bei Krebs ist bekanntlich immer noch, ihn so früh, wie möglich zu erkennen und zu behandeln. Und dafür hat Paulus drei ganz konkrete Methoden parat:
  • Die Aufforderung, die Gemeinde an das Evangelium zu erinnern und es zu predigen
  • Die inständige Ermahnung, sich nicht zu streiten
  • Die Aufforderung, den Besserwissern aus dem Weg zu gehen

Daran erinnere sie: Wenn Paulus sagt: „Daran erinnere sie“, dann meint er damit das Evanglium (Vers 8). Das Evangelium von Gottes Wesen und Werk – unserer Sünde und unserer Begnadigung – von Gottes unfassbarer Liebe am Kreuz – und von der absoluten Glückseligkeit und ewigen Herrlichkeit, die auf uns warten. 

Und es ist wichtig, dass wir an das Evangelium erinnert werden. Wir sind nämlich sehr vergesslich. Kaum haben wir am Sonntag die Predigt gehört, haben wir sie auch schon wieder vergessen. Darum haben wir es nötig, dass die wichtigsten Dinge – immer und immer wieder – wiederholt werden. So prägen sie sich über die Zeit dann doch ein – trotz unserer Vergesslichkeit. 

Das Wort der Wahrheit recht austeilen: Und wenn es um das Evangelium geht, dann ist es Paulus wichtig, dass es so gepredigt wird, wie es ist. Ohne Gesetzlichkeit und ohne Gesetzlosigkeit. Ohne Angst vor dem Gericht und ohne Lauheit in der Heiligung. Was Paulus sich wünscht ist, dass Timotheus das Evangelium „gerade schneidet“. So, dass es am Ende nicht krumm und schief wird. 

Damit es von Gottes Wahrheit im Evangelium am Ende nicht heißen muss «Einige verstümmeln sie, andere zerreißen sie, andere foltern sie, andere zerbrechen sie in Stücke, andere halten sie an der Außenseite, (wie wir gesagt haben) kommen nie zum Kern der Lehre.» (Calvin)  Der Kern der Lehre aber ist die Liebe!

und ermahne sie inständig vor Gott: Paulus will aber nicht nur, dass Timotheus die Gemeinde an das Evangelium erinnert – und dass er das Evangelium dabei nicht verzerrt –, er will auch, dass er die Gemeinde ermahnt – sie inständig ermahnt! 

Die Geschwister sollen sich nicht über Nichtigkeiten oder gar Irrlehren streiten. Das ist ihm so superwichtig, weil er weiß, dass nicht nur das komplette Gemeindeklima und das harmonische Zusammenleben darunter leiden, sondern das bei Irr- und Sonderlehren vor allem der Frieden im Gewissen und der Trost des Glaubens in Gefahr sind.  

Die Lösung – Das Ziel

Halte Dich fern: Zu guter Letzt aber hilft nicht nur das erinnern und ermahnen der Guten, es ist auch wichtig, mit den Bösen richtig umzugehen. Jetzt könnte man mit Adolf Schlatter fragen: «Könnte man ihren Verfechtern nicht helfen, wenn man ihre Meinungen eingehend mit ihnen verhandelte? Paulus verneint das. Ihre Wurzel ist krank, und aus dieser wird nichts Gesundes erwachsen.“ Daher „braucht [Timotheus] solche Theorien nicht zu ewägen oder zu widerlegen. Je weniger Aufmerksamkeit ihnen gewährt wird, um so besser.» (Adolf Schlatter)

Die goldene Regel im Umgang mit christlichen Posern ist also: „Nimm nicht an ihren Wortgefechten teil; gehe ihnen einfach dem aus dem Weg!“ {Beispiel: Peter, mein alter Exec VP: Er sagte einmal auf meine Frage, warum er auf eine gewisse Unverschämtheit nicht reagiert habe: „Darauf antworte ich gar nicht. So viel Aufmerksamkeit hat der gar nicht verdient.“ Und siehe da, das Thema beruhigte sich.}

Selbstverständlich muss man, was den Umgang mit geistlichen Fragen angeht, die Motive gut unterscheiden, denn – ich zitiere noch mal Schlatter –: «ob die Anstöße und Bedenken aus treuem Herzen kommen und ein aufrichtiger Sinn zweifelt oder ob ein gottloser Wille theologisiert, dazu braucht es den bewährten Arbeiter und jene geschickte Hand, die „gerade schneidet“.» (Adolf Schlatter)

Die Lösung – Die Motivation

Bemühe dich: Erinnern, ermahnen und aus dem Weg gehen. Das sind die Anweisungen von Paulus in einer solchen Situation. Doch was soll die Motivation hinter diesen Anweisungen sein? 

Es ist – wer hätte das gedacht – das Gegenteil von Menschenfurcht und Prahlerei: es sind die Ehrfurcht vor Gott und der Wunsch, ihm zu gefallen. «Kurz gesagt, [Paulus] bittet Timotheus fleißig zu arbeiten, damit er sich vor Gott nicht schämen muss; während ehrgeizige Menschen nur diese Art von Scham fürchten, um nichts von ihrem Ruf für Scharfsinn oder tiefes Wissen zu verlieren.» (Calvin) 

Rechtschaffen und untadelig: Mit „rechtschaffen“ und „untadelig“ meint Paulus dabei, sich so zu verhalten, dass man vor Gott ein gutes Gewissen haben kann. So zu leben, dass man sich vor Gott nicht schämen muss; – nicht rot zu werden braucht. Wir müssen uns nicht, wie die ungeistlichen Streiter davor fürchten, in einem Streit den Kürzeren zu ziehen – oder etwas nicht zu wissen. Es kann uns Wurscht sein, was die Menschen über uns denken. Wichtig und entscheidend ist nur, das wir aus Lieben handeln – und was Gott dann über uns denkt! 

Das also ist die alles entscheidende Frage: Was ist Dein Motiv? 

Willst Du vor Gott gut dastehen oder vor den Menschen? Willst Du Recht behalten oder willst Du in der Liebe bleiben? (2x)

Die Entscheidung liegt allein bei Dir!

2 Fragen an Dein Herz

  • Ist mein Motiv die Liebe? 
    • Strebe ich nach Wahrheit, Heilung und Hilfe? 
    • Oder will ich nur Recht behalten und gut dastehen?
  • Wo bin ich beteiligt an unnützem Streit? 
    • Was  will ich konkret tun, damit dieser Krebs nicht
      weiter wächst und Charakter und Glauben zerfrisst?

„Die Liebe ist langmütig und freundlich [...] 
Sie eifert nicht [...] 
sie bläht sich nicht auf [...] 
Sie sucht nicht das Ihre“  
(1Kor 13,4-5)


„Für‘s Evangelium leiden?!“ - 2. Tim 2,9-13

Struktur

[Predigt als MP3]
  • Einleitung
  • Predigt
  •  - Unser Text
  •  - Geduld
  •  - Der Zweck
  •  - Das Ziel
  •  - Der Weg
  •  - Die Kraft
  • Zwei Fragen an Dein Herz


Einleitung: „Brand im Notre Dame & Münchner Waisenhaus“

Am 1. Mai 2019 hat es im Münchner Waisenhaus gebrannt. – Aber keine Angst: Alle Kinder wurden gerettet. Aber stellt Euch einfach nur mal vor, es wäre so gelaufen: die Leute vom Waisenhaus rufen bei der Feuerwehr an, jemand nimmt den Hörer ab – und gibt so eine Antwort: 

"Wie? Es brennt?! So ein Quatsch! Sowas wie Feuer und Brände gibt’s doch gar nicht! Legen Sie sich mal ruhig wieder schlafen!" Oder so: "Also hören Sie mal! Wieso rufen Sie hier an?! Wissen Sie, wie spät es ist?" Oder so: "Wie? Es brennt?! Ja, was geht mich das an?! Hab ich das gelegt?! Löschen Sie‘s doch selber ihr olles Feuer!!" Oder so: "Wie? Feuer?! Wissen Sie, wie gefährlich das ist?! Nee, lassen Sie mal, das ist mir echt zu heiß!" Oder sogar so: "Wie? Es brennt?! Jetzt machen Sie mal keine Panik! Das wird schon..."

Erwarten wir nicht, wie selbstverständlich folgendes: Dass die Feuerwehr allzeit bereit ist? Bereit auch Leid zu ertragen? Weil die Feuerwehrleute wissen, dass löschen eine gute Sache ist? Weil sie wissen, wie schön das Leben ist - und es denen wünschen, die im Feuer gefangen sind? Weil sie wissen, dass ihr Dienst Leben rettet? Weil sie wissen, dass genau das am Ende ihre Ehre ist: dass sie ihr Leben für die Freude anderer gewagt haben? Weil sie wissen, dass es für ihren Dienst einfach keine Alternative gibt? (wohl wissend: letztlich ist alles in Gottes Hand)?


Unser Text - 2. Timotheus 2, 9-13

[...] nach meinem Evangelium, 9 für welches ich leide bis dahin, dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. 10 Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit.

11 Das ist gewisslich wahr: 
Sterben wir mit, so werden wir mit leben; 
12 dulden wir, so werden wir mit herrschen; 
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 
13 sind wir untreu, so bleibt er doch treu; 
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.


Aktive Geduld – Drunter bleiben – Vers 9+10 „Darum dulde ich alles...“

Der Kontext: Paulus liegt – weil er das Evangelium weiter gegeben hat – im Gefängnis in Rom – angekettet, wie ein Verbrecher – und wartet wohl auf seinen Tod. 

Bei der Vorbereitung der Predigt habe ich mich gefragt: „Wie würde ich wohl reagieren, wenn mir das passieren würde?!“ Dabei ist mir eine Phrase – und in dieser Phrase ein kleines Wort – besonders ins Gesicht gesprungen: „Darum dulde ich alles...“ Das Wort, was hier für „dulden“ steht, heißt: „ὑπομένω“ – es setzt sich zusammen aus den Wörtern „ὑπο“ (unter) und „μένω“ (bleiben) – heißt also: „ darunter bleiben, ertragen, erdulden“.

Als ich das Wort las und – in dieser Zusammensetzung – seine Bedeutung verstand, musste ich an eine Begegnung von vor vielen Jahren denken (es muss auf einer Freizeit in Wiedenest gewesen sein oder auf Besuch bei Freunden in der Nähe von Rotenburg, ich weiß es nicht mehr genau),  da sprach ich mit einem (damals für mich) „älteren“ Bruder über das Thema „Geduld“. Er gab mir dann Zeugnis von seinem eigenwilligen und rebellischen Wesen und wie Gott den Zusammenbruch seiner Firma benutzt hatte, um ihn Demut zu lehren – und zu lehren, dass es Gott ist, der in allem den ersten Platz einnehmen sollte, der voran geht, den Weg vorgibt und dem wir im Vertrauen und im Gehorsam nachfolgen sollen. Und in eben diesem Zusammenhang benutzte er diese Formulierung: „drunter bleiben“.

Heute sehe ich, wo er diese Phrase her hatte – und warum sie so wichtig für uns ist: im Angesicht von Anfechtung und Leid ist es unsere alte Natur, die aufbegehren und rebellieren will: – sie will nicht leiden – sie will nicht „drunter bleiben“ – sie will ihren Willen – und zwar „jetzt gleich!“ – Nicht so Paulus: er bleibt aktiv/freiwillig(!) „drunter“.


Die Freude der anderen – Um der Auserwählten willen... – Vers 10 „...um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit.“

Aber wie bringt Paulus das fertig? Wieso randaliert er nicht gegen Gott? Wieso zetert und lamentiert er nicht in seiner Zelle und fragt: „Mein Gott, warum?!“ Wie kann er so was sagen: „Darum dulde ich das alles...“? Wie bringt er das fertig?

Ich denke, dass uns Paulus in diesem Text mindestens 3 Gründe darauf angibt, was ihn zu dieser Haltung befähigt – und hinter diesen 3 Hinweisen steht – so glaube ich – wohl noch etwas 4. – was all diesen Hinweisen gemeinsam ist.

Den ersten dieser Gründe habe ich „Den Zweck“ genannt. Er beantwortet die Frage „wozu“ Paulus dieses Leiden auf sich nimmt. Was ist der „Mehrwert“? Was „bringt“ es, dass Paulus so leidet? Die Antwort von Paulus ist ziemlich klar: „damit auch die Auserwählten die Seligkeit erlangen – in Christus – mit ewiger Herrlichkeit“. Paulus ist offensichtlich klar, dass Erlösung kein „Selbstläufer“ ist – er weiß: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Römer 10,17). Im Bilde von der Feuerwehr: ihm ist klar, dass er die Ungläubigen nicht sich selbst überlassen kann und sagen „Wie? Es brennt?! Jetzt machen Sie mal keine Panik! Das wird schon... (von ganz alleine)“. 

Und ganz offensichtlich ist ihm auch noch etwas anderes klar: nämlich, was passieren würde, wenn er sagen würde: „Wie? Es brennt?! So ein Quatsch! Sowas gibt’s doch gar nicht! Legen Sie sich mal ruhig wieder schlafen.“ Denn: „...ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6). Jesus hat das ganz klar gepredigt: „fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“ (Mt 10,28). Die Frage ist nur: glauben wir das? Also letztlich: dass der Glaube aus der Predigt kommt - und ohne Glauben niemand den Himmel erreicht?


Das eigene Lohn – Um seiner selbst willen... – Verse 11f „Sterben wir mit, werden wir mitleben; dulden wir, werden wir mitherrschen“

Paulus hat noch einen 2. Grund, der ihn motiviert, das Evangelium weiter zu sagen. Einen 2. Grund, der ihn motiviert, auch dann nicht damit aufzuhören, wenn das Leiden bedeutet: Er hat begriffen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen unserem Handeln und dem, was uns im Himmel erwartet. Er hat begriffen, dass das, was uns im Himmel erwartet, kein Automatismus ist – sondern absolut damit zu tun hat, was wir auf Erden getan haben.

In 1Kor 3,8b-15 beschreibt er das so: „Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“.

Paulus war also klar: „Von nichts kommt nichts!“. – Ihm war aber auch klar, wie unfassbar überschwänglich unser Lohn sein wird: Römer 8:18 schreibt er: „...ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ – Ich denke, es ist nicht zu viel, zu sagen, dass Paulus davon überzeugt war, dass „das bisschen, was es hier zu leiden gibt“ in überhaupt gar keinem Verhältnis steht zu dem, was an Lohn in der Herrlichkeit dafür auf uns wartet.  „Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit...“ (2Kor 4,16)


Der schmale Weg – Weil es nicht anders sein kann... – Vers 12+13 „verleugnen wir, wird er uns auch verleugnen; sind wir untreu, bleibt er doch treu; “

Der 3. Grund, den Paulus nennt, warum er das Evangelium weiter gibt – auch, wenn das für ihn Leiden bedeuten sollte – finden wir in den Versen 12 und 13: Paulus macht hier 2 Dinge ganz unmissverständlich klar: den Ernst und die Güte Gottes – von denen er in Römer 11,22 schreibt: „Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden. “

Paulus sagt damit ganz klar, dass 1. „vom Glauben abfallen“ keine Option ist, denn es hätte – wenn es denn überhaupt möglich wäre – zur Folge, „abgehauen“ zu werden. Das ist ja auch logisch: Wenn es tatsächlich „ohne Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6) und wenn tatsächlich ohne Glauben „Leib und Seele in der Hölle verderben“ (Mt 10,28), dann ist auch klar, warum es keine Option ist, den Glauben angesichts von Leiden aufzugeben. Oder wie Jesus es sagt: „Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.“ (Lukas  9,26)

Zum 2. macht Paulus aber auch klar, dass unsere Erlösung letzten Endes nicht auf unseren Schultern ruht –hier öffnet sich im Text für uns ein Blick direkt in das Herz Gottes hinein! – ein Blick auf Seine Treue und Barmherzigkeit – auf Seine Geduld mit uns und Seine Gnade: 
Sind wir einmal „untreu, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
Da, wo wir – entgegen dem Wollen unseres neuen Menschen – versagen, da trägt uns Seine Gnade. Jesus weiß: „Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ (Mt 26,41) Darum hat er uns versprochen: „Wenn wir [...] unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1Jo 1,9). Nur darum kann Paulus seine eigene Frage „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ beantworten mit: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ (Rö 7,24-25)


Die Kraft Gottes – Der Blick nach oben... – Verse 10-13 „Seligkeit [...] ewige Herrlichkeit. [...] mitleben [...] mitherrschen [...] bleibt treu.

Paulus ist willig, für die Predigt des Evangeliums zu leiden, weil er 3 gute Gründe hat: 

Zum 1. möchte er, dass die von Gott Auserwählten das Evangelium hören und zum Glauben finden und so für alle Ewigkeit gerettet werden vor dem gerechten Zorn Gottes über ihre Sünden – ja, dass sie – vielmehr noch! – für alle Ewigkeit glücklich und selig werden – ja, dass sie eine ewige Herrlichkeit erlangen.

Zum 2. ist ihm wichtig, dass auch er selbst dahin kommt, mit Christus zu leben und zu herrschen – weil ihm klar ist, dass das, was im Himmel auf ihn wartet, nicht allein ein Geschenk ist (das wäre schon ein Leben in Ewigkeit ohne Schmerz und Sünde), sondern dass es etwas zu tun hat mit dem Lohn für seine Werke hier auf Erden (wohl wissend, dass es „Gott ist, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (Phil 2,13)

Zum 3. haben wir gesehen, dass Paulus klar war, dass es auch gar nicht anders sein kann, als dass er das Evangelium predigt. Zum einen, weil die Verleugnung Christi keine Option ist – und zum anderen, weil Er sich von Gottes Gnade getragen weiß.

Hinter all diesen Gründen zeichnet sich für mich ein 4. Grund ab – der alle anderen Gründe in sich schließt. Der Grund, der Paulus die Kraft gibt, das alles auszuhalten – es ist der „Blick nach oben“ – auf Christus, auf die Herrlichkeit, in die Ewigkeit, auf den so übergroßen Lohn und auf die ewige und unbeschreibliche Freude, die uns erwartet. Darum sagt Hebräer 12,1-2 : „Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“


Zwei Fragen an Dein Herz

Was möchtest Du ändern, um Gottes Herrlichkeit (noch) tiefer zu begegnen?
Wo (noch) kannst Du Gottes Evangelium mit anderen teilen?


„So spiegeln wir alle
mit aufgedecktem Angesicht
die Herrlichkeit des Herrn wieder. 
Und wir werden seinem Bild 
immer ähnlicher, 
denn seine Herrlichkeit 
verwandelt uns.“ 

(2. Korinther 3,18)