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Sonntag, 8. März 2020

"Die Schönheit des Evangeliums - Wie wichtig Gott Versöhnung ist" (Matthäus 5,21-26)

[Predigt als MP3]


Einleitung

Guten Morgen, Ihr Lieben!

Heute möchte ich Euch zu Beginn mal eine kurze Geschichte vorlesen, die ich einmal in einem sehr guten Buch gelesen habe. Das Buch heißt: „Anleitung zum Unglücklichsein“ – und ist von Paul Watzlawick, einem sehr bekannten Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeuten und Philosophen – mit einem ziemlich guten Humor

Hier also die Geschichte:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer".

Dazu fällt mir folgendes ein. Einer unserer Söhne hat nämlich eine ganz besondere Gabe der "Kommunikation". Eine, die ich manchmal als das Äußerste aller Respektlosigkeiten empfinde. Danach fühle ich oft Schmerz und Zorn. Und wenn ich an einem solchen Abend ins Bett gehe, dann kriege ich „Kopfkino“: eine Folge von Bildern von Worten, dann Streit, eine handgreifliche Auseinandersetzung, bis hin zu Gewalt. Und wenn man das nicht anhalten würde, es würde in Mord und Totschlag enden!

Und dann bete ich: ich will keinen Hass und keinen Zorn und keine Ablehnung in meinem Herzen haben. Und doch will ich auch respektiert werden. Das ist ein echter geistlicher Kampf, der manchmal wirklich heftig wird und auch mal länger dauern kann. 

Um genau solche Kämpfe soll es heute gehen: um Kämpfe, die von außen unsichtbar sind. Um Kämpfe, die in unserem Herzen toben. Oder die vielleicht schon nicht mehr toben. Sondern zum kalten Gift der Bitterkeit erkaltet sind. 


Inhalt

Ich möchte heute mit Euch anschauen, wie wichtig es Gott ist, dass wir miteinander in Versöhnung leben.

  • Unser Text
    • Dazu möchte ich, wie immer, zu Beginn den Text mit Euch lesen

  • Der Irrtum
    • Dann möchte ich auf einen fatalen Irrtum eingehen, dem wir in Bezug auf Gottes Gesetz aufsitzen können

  • Die Wahrheit
    • Und uns danach – sozusagen als Gegengift – die Wahrheit nahebringen: nämlich, wie Gott unser Herz sieht

  • Höchste Priorität
    • Aus dem bis dahin gesagten wird sich eine Konsequenz ergeben, die ich mit Euch genauer beleuchten möchte.
    • Nämlich, wo aus Gottes Sicht unsere Prioritäten liegen – nicht außen, sondern innen!

  • Zeit & Ewigkeit...
    • Last, but not least möchte ich Euch auch Gottes Sicht über den zeitlichen Aspekt nahebringen, 
    • Also welchen Einfluss diese Prioritäten auf unsere zeitliche Planung von Versöhnung haben sollten.

  • An Dein Herz
    • Zum Schluss möchte ich Dir daher eine sehr ernste Frage stellen Dich um einen ganz konkreten Schritt bitten und Dir einen wunderbaren Ausblick zeigen. 
    • Und nun noch eine Randnotiz: „Unsere Predigtserie heißt ja «Die Schönheit des Evangeliums». Manchmal kann diese Schönheit aber erst sichtbar werden, wenn wir den Dreck und Schmutz aus unserem Herzen räumen, der uns die Sicht verstellt auf die Schönheit, die Freude und den Frieden für die Gott uns geschaffen hat.
Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen:

Unser Text

"21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht töten!«, wer aber tötet, der wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt, wird dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, der wird dem Hohen Rat verfallen sein. Wer aber sagt: Du Narr!, der wird dem höllischen Feuer verfallen sein. 23 Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe! 25 Sei deinem Widersacher bald geneigt, während du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit der Widersacher dich nicht etwa dem Richter ausliefert und der Richter dich dem Gerichtsdiener übergibt und du ins Gefängnis geworfen wirst. 26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Groschen bezahlt hast!"

Lasst uns im Folgenden schauen, was genau uns Jesus mit diesem Text zu sagen hat.

Der Irrtum – Matthäus 5,21

Zuerst einmal geht es darum, dass es sein kann, dass wir einem gewaltigen Irrtum aufsitzen
Um zu verstehen, um was für einen Irrtum es da geht, ist es wichtig, den Kontext unseres Textes mal näher anzusehen: Einen Abschnitt vorher – in Matthäus 5,17-20 – sagt Jesus nämlich folgendes:

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen!“

Jesus macht also glasklar, dass:
  1. Er nicht ein Fitzelchen vom Gesetz abschnippeln wird
     – so sehr wir uns das vielleicht auch wünschen würden
  2. Dass, wer trotzdem etwas abschnippelt, Ehre und Ruhm im Himmel verliert 
  3. Und dass der, der nicht gerechter ist als die Pharisäer, nicht in den Himmel kommt
All das sagt Jesus sozusagen als Einleitung  zu unserem Text. Aber warum? Ich denke, der Grund ist folgender: die Pharisäer haben das Gesetz auf reine Äußerlichkeiten reduziert. Das Wesen Gottes – und damit der Kern der Gebote – ist aber die Liebe! 

Es geht also um das, was im Herzen  ist – nicht allein darum, was vor Augen  ist. In dieser Hinsicht müssen wir besser und gerechter sein als die Pharisäer! Es geht dabei also nicht um Leistung – sondern um den Unterschied zwischen Heuchelei und Liebe!

In Vers 21 steht: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.“ Der Witz bei diesem Vers ist, dass Gott zu den Alten auch gesagt hat: „du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mose 6,5) 

Der Witz ist, dass Gott auch gesagt hat: „Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“ (3.Mose 19,18). Das große Doppelgebot der Liebe steht also schon im Alten Testament – im Gesetz. Und wir erinnern uns, dass Jesus gerade eben erst gesagt hatte, dass von diesem Gesetz kein Fitzelchen abgeschnippelt werden wird.

Trotzdem haben die Pharisäer eben dieses Gesetz auf reine Äußerlichkeiten reduziert: Wer nicht mordet (6. Gebot) hat aus ihrer Sicht schon gewonnen. Das aber wird dem großen Doppelgebot der Liebe – also dem, was wir gerade im Gesetz gelesen haben – nicht gerecht.
Es ist eine Verkürzung des Gesetzes Gottes, als ginge es um ein rein äußerliches, heuchlerisches Einhalten von Gottes viel vollkommenerem Gesetz.

Mit anderen Worten: Wenn wir glauben, dass das Gesetz Gottes – und damit das große Doppelgebot der Liebe – für uns nicht mehr gilt, dann haben wir uns geschnitten! (2x)
Jesus macht in unserem Text und auch im Kontext glasklar, dass der moralische Teil des Gesetz für ewig besteht. 

Wir müssen also lernen zu trennen zwischen: Werkgerechtigkeit, Gesetzlosigkeit, Gottes Gnade, liebender Nachfolge und "billiger Gnade":

  • Werkgerechtigkeit wäre, wenn ich glauben würde, ich müsste Gottes Gesetz halten, um gerettet zu werden. Das wäre nämlich Quatsch – denn da hätten wir alle schlechte Karten; das schafft keiner!

  • Gesetzlosigkeit auf der anderen Seite wäre: Wenn mir das Gesetz Gottes komplett egal wäre und ich mir denken würde „Das geht mich nichts mehr an; ich bin ja schon gerettet!“ Das ist nämlich genauso Quatsch – und brandgefährlich, wie wir noch sehen werden.
  • Gottes Gnade bedeutet: dass nur Gott mich retten kann – nicht ich mich selbst durch meine Taten oder durch meine Leistung; dass ich nur durch die Gerechtigkeit, die Gott mir schenkt, vor Gott bestehen kann; dass Jesus meine Schuld am Kreuz getragen hat – dass Er sein Blut vergossen hat, um mich zu erlösen – weil Er mich unendlich liebt! 

  • Liebende Nachfolge ist wenn diese Gnade mein ganzes Herz erweicht – ja, wenn diese Gnade mein Herz barmherzig und gnädig macht; wenn mich Gottes Liebe täglich anspornt, Jesus nachzufolgen – in der tiefen Sehnsucht, Ihm noch ähnlicher, noch heiliger zu werden; wenn ich bereit bin – wie wir es ja auch im Vaterunser beten – meinen Mitmenschen von ganzem Herzen zu vergeben.
  • Billige Gnade aber wäre: wenn Gottes Gnade dazu führt, dass ich mich in falscher Sicherheit fühle und mein Herz verhärte; wenn sie dazu führt, dass ich anderen die Schuld behalte, denn dann bin ich dem schlimmsten Irrtum verfallen, dem ein Mensch nur verfallen kann: dann gehöre ich zu denen, zu denen Jesus einmal sagen wird: „Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!“ (Mt 7,23)
Wir können also einem gewaltigen Irrtum aufsitzen – nämlich, wenn wir glauben die Gerechtigkeit der Pharisäer wäre genug – ein rein äußerliches Einhalten der Gebote.

Lasst uns als nächstes sehen, was die Wahrheit ist.

Die Wahrheit – Matthäus 5,22

Auf diese Irrtümer und Verkürzungen der Gebote Gottes reagiert Jesus mit seinem „Ich aber sage Euch...“ Mit diesem 'Ich aber' zeigt Jesus an, er hier als der Mensch gewordene Gott selbst – also als der Gesetzgeber! spricht. Es geht hier also nicht um eine Änderung des Gesetzes; schließlich wird kein Tüpfelchen vom Gesetz fallen! Es geht vielmehr um eine Korrektur der Lehre der Pharisäer. Es geht – wie immer! – um die Liebe!

Jesus spricht weiter: „Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt“ Da muss man natürlich fragen: „wer ist unser Bruder?“ Leiblich? Geistlich? Ein Ausleger schreibt dazu: „Unter unserem Bruder sollen wir jeden Menschen verstehen, auch wenn er noch so weit unter uns steht, denn wir sind alle aus einem Blut gemacht.“

Als nächstes könnte man sich fragen, was Jesus mit dem Wort “zürnt“ meint (oder „wütend werden“). Richtig ist ja: die Bibel ist voll von Geschichten über Gottes Zorn – und ER sündigt ganz gewiss nicht – im Gegenteil: Sein Zorn ist gerecht. Auch wird an vielen Stellen in der Bibel klar (z.B. „lasst nicht die Sonne untergehen über Eurem Zorn“), dass auch menschlicher Zorn nicht generell etwas Schlechtes ist. Es geht hier also viel mehr um unüberlegten und noch viel mehr ungerechten Zorn. Ungerechter Zorn und Hass sind wie ein unsichtbarer Mord des anderen im eigenen Herzen!

Jesus erklärt weiter: „der ist des Gerichts schuldig“. Es geht hier nicht um weltliche Gerichte – sondern um Abstufungen des göttlichen Gerichts. Jesus erläutert das göttliche Gericht dabei mit Bildern von weltlichen Gerichten, damit man es besser verstehen kann. Mit „Gericht“ ist das örtliche Gericht im Stadttor gemeint (wie es in 5. Mose 16,18 beschrieben wird). Aus Jesu Sicht reicht es also schon für das göttliche Gericht, wenn ich meinem Nächsten zu Unrecht zürne.

Aber es geht weiter: Jesus erklärt: „wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!“. Das Wort für Nichtsnutz ("Racha“) ist ein höhnisches Wort und könnte auch „Hohlkopf“ heißen. Wer so mit Seinem Nächsten redet, der offenbart damit nur eines: seinen eigenen Hochmut und Stolz. Und darum sagt Jesus auch „der er ist des Hohen Rats schuldig“. Wer so einen Hochmut und so eine Verachtung für seine Mitmenschen in seinem Herzen hegt, der er ist des Hohen Rats schuldig. Im Griechischen steht hier συνεδρίον (Synhedrion, also Sanhedrin). Das ist der Senat, oder der höchste Gerichtshof – bei uns wäre das das Bundesverfassungsgericht. Hochmut und Verachtung im herzen sind also aus Jesu Sicht ein Fall für das oberste Gericht!

Aber Jesus setzt noch einen drauf und erklärt: „wer aber sagt: Du Narr!“. „Narr" oder besser: „Gottloser Narr“ („More“) ist ein sehr boshaftes Wort. Die Entsprechung im Deutschen wäre so ungefähr: „Verflucht sollst Du sein!“ Wer so redet, der redet aus purem Hass. Und wer so redet, „der ist des höllischen Feuers schuldig.“ sagt Jesus. γέενναν τοῦ πυρός (Gehennan tou pyros) heißt dabei so viel, wie „die feurige Hölle“. Wer seinem Nächsten flucht – und das sage jetzt nicht ich: das sagt Jesus, ihr Lieben! –  der gräbt sich damit seinen ganz persönlichen Weg zur Hölle! 

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Ich möchte an dieser Stelle mal kurz innehalten und noch einmal mit Euch über das bisher Gehörte nachdenken: Zorn und Wut, Beleidigung und Verachtung, Hass und Flüche sind (ansteigende) Vorstufen von Mord. Und sie alle sind in Gottes Augen in steigendem Maße strafwürdig. Sie alle gehören vor Sein ewiges Gericht.

Und jetzt seien wir mal ehrlich – denken wir nicht oft: „Jetzt mal halblang. Das ist ja wohl alles nicht so schlimm, wie es jetzt da steht.“ „Das kann Jesus jetzt unmöglich ernst gemeint haben!“ Aber der Witz ist: Jesus macht schon im Vorspann klar, dass er es ganz genau so meint! 

Es mag sein, dass wir denken, dass nur ein besonders grausamer Mord vor Gottes Gericht gehört – aber keinesfalls eine Äußerung, wie „Du dämlicher Depp!“ Aber das zeigt nur, wie tief wir gefallen sind: Wir wurden geschaffen als Spiegel Gottes: Ebenbilder Seiner Liebe und Gnade, Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit.

Die Kommentatoren Jamieson, Faucet und Brown schreiben dazu: 

„Seit Ewigkeiten wird euch gelehrt, dass zum Beispiel das sechste Gebot nur vom Mörder gebrochen wird, um ein Urteil zu fällen, über das die anerkannten Gerichte zu entscheiden haben. Ich sage euch aber, daß es sogar durch grundlosen Zorn gebrochen wird, der nur Haß im Keim ist, wie Haß ein beginnender Mord ist (1Jo 3,15); und wenn durch die Gefühle, dann noch viel mehr durch jene Worte, mit denen man alle bösen Gefühle, vom geringsten bis zum vergiftetsten, auf einen Bruder zu werfen pflegt: und so wie es Abstufungen in den menschlichen Gerichtshöfen gibt, und in den Urteilen, die sie nach dem Grad der Kriminalität aussprechen, so wird auch die gerichtliche Behandlung aller Verstöße gegen dieses Gebot am göttlichen Tribunal vor dem Richter, der die Herzen erforscht, nach ihrer tatsächlichen Kriminalität erfolgen.“

Und doch fühlen wir uns im Recht: Schließlich gibt es ja einen Grund für unseren Zorn und unsere Worte. Oder nicht? Ich meine: „Wirklich?“ Seien wir doch mal ehrlich: Was wir für unser gutes Recht halten, ist meist nur unser unbeugsamer Stolz. Was wir für unseren heiligen Wunsch nach Gerechtigkeit halten, ist meist nur unser unglückseliger Wunsch nach Rache. 

Was es wirklich braucht ist, dass wir demütig werden! Was es wirklich braucht ist, dass wir Gott gehorsam werden! Wenn wir jemals in Gottes Frieden eintreten wollen, dann geht an der Versöhnung kein Weg vorbei! Wenn wir Gottes Freude bleibend in uns haben wollen, dann geht kein Weg daran vorbei, dass wir den Dreck aus unseren Herzen räumen!

DAS ALSO IST DIE WAHRHEIT: DASS FÜR GOTT UNVERSÖHNLICHKEIT, ZORN, HASS, ABLEHNUNG UND BITTERKEIT KEINE LAPPALIEN SIND – SONDERN SCHWERE SÜNDEN – DIE UNTER STRAFE STEHEN – UND DASS AN VERSÖHNUNG KEIN WEG VORBEI GEHT, WENN WIR IN DEN HIMMEL WOLLEN (2x)

Höchste Priorität  – Matthäus 5,23-24

Nachdem er das klar gemacht hat, sagt Jesus: „Darum“. „Darum“, weil Unversöhnlichkeit keine Lappalie ist sondern eine schwere Sünde. In Mt. 6,15 lesen wir den unfassbaren Satz: 

„Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Jesus sagt „Darum“, weil von Zorn und Bitterkeit in unserem Herzen – von und Hass und Ablehnung – umzukehren für Gott wichtiger ist als unsere Opfer: In Amos 5,21-24 steht: 

„Ich hasse, ich verachte eure Feste und mag eure Festversammlungen nicht riechen! Wenn ihr mir auch euer Brandopfer und Speisopfer darbringt, so habe ich doch kein Wohlgefallen daran, und das Dankopfer von euren Mastkälbern schaue ich gar nicht an. Tue nur hinweg von mir den Lärm deiner Lieder, und dein Harfenspiel mag ich nicht hören! Es soll aber das Recht einherfluten wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein unversiegbarer Strom!“

Jesus sagt dann weiter: „Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,“ Jetzt möchte ich Dich bitten, wirklich einmal in Dich zu gehen und Dich zu fragen: Was könnte Dein Bruder (oder Deine Schwester) denn gegen Dich haben? Sind da Zorn und Wut in Deinem Herzen? Sind da Hochmut und Verachtung? Sind da böse Worte und Flüche, die dem Stolz und dem Zorn entsprungen sind? 

Und Jesus sagt weiter: „so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe!“ Nicht Dein Nächster muss kommen, wenn Du sauer auf ihn bist und ihn beleidigst. Nicht Deine Nächste muss kommen, wenn du sie verachtest oder ihr fluchst. Du musst kommen, und dafür sorgen, dass der Schmerz aus der Welt geschafft wird, den Dein Zorn, Deine Ablehnung, Dein Stolz oder gar deine bösen Worte oder Taten im Herzen deines Bruders, Deiner Schwester, angerichtet haben.

Wenn uns einfällt, dass wir uns im Zorn an einem Bruder versündigt haben, sollen wir die Initiative ergreifen und uns versöhnen. Matthew Henry schreibt dazu: 

„Wir sollten sorgfältig die christliche Liebe und den Frieden [...] bewahren; und wenn es zu irgendeinem Zeitpunkt einen Streit gibt, sollten wir unsere Schuld bekennen, uns [...] demütigen und Genugtuung für das in Wort oder Tat begangene Unrecht leisten oder anbieten: und wir sollten dies schnell tun; denn solange dies nicht geschehen ist, sind wir für die Gemeinschaft mit Gott [...] ungeeignet.“ 

Was will Henry damit sagen? Für Gott ist es das Wichtigste, dass wir uns mit unseren Feinden versöhnen – Er möchte nicht, dass wir mit Gift im Herzen leben! Für Gott ist es das Wichtigste, dass wir uns versöhnen – viel wichtiger, als dass wir ihm irgendwelche Opfer oder Dienste bringen.

Darum: Lass alles stehen und liegen! Allen Gottesdienst, alle Spenden, allen Diakonischen Dienst, alle Evangelisation, ja sogar das Abendmahl! 

Jamieson, Faucet and Brown stoßen in das gleiche Horn: 

„Daher die schöne Praxis der frühen Kirche, zu sehen, dass alle Differenzen zwischen Brüdern und Schwestern in Christus im Geist der Liebe ausgeglichen wurden, bevor sie zur Heiligen Kommunion gingen; und die Kirche von England hat in ihrem Kommuniondienst eine Rubrik mit Anweisungen in dieser Richtung. Wenn [das Abendmahl] der höchste gottesdienstliche Akt auf Erden ist, dann muss eine solche Versöhnung, obwohl sie schon bei allen anderen gottesdienstlichen Anlässen obligatorisch ist, es hier ganz besonders sein.“

DAS ALSO IST DIE WAHRHEIT: DASS FÜR GOTT VERSÖHNUNG DIE ALLER-OBERSTE PRIORITÄT  HAT!

Zeit & Ewigkeit – Matthäus 5,25-26


Ein altes deutsches Sprichwort sagt: „Was Du heute kannst besorgen, das schiebe nicht auf morgen.“ Nirgends ist dieses Sprichwort wahrer, als hier: Worum es in den Versen 25+26 geht, sind die schrecklichen, ewigen Konsequenzen von Unversöhnlichkeit. Die Zeit zur Versöhnung aber haben wir nur in dieser Welt! Darum ist Versöhnung noch in dieser Welt so wichtig. 

Gott möge uns davor bewahren, dass wir jetzt in unseren Herzen denken, was manche Juden zu Jesu Tagen gedacht haben: „Ich bin ja Christ und stehe unter Gottes Gnade, da gilt das alles für mich nicht mehr.“ „Also brauche ich auch das was hier über die Versöhnung steht nicht so genau zu nehmen“

Wenn das so ist, dann hast Du die Tragweite von dem, was Jesus hier lehrt nicht einmal ansatzweise verstanden! In Lk 3,8+9 sagt Jesus klipp und klar: 

„Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; 
jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“

Das Ende vom Lied ist: Wir haben nur in diesem Leben Zeit, versöhnlich zu leben – danach ist es zu spät. Und dabei schaut Gott unser Herz an – und nicht, wie die Pharisäer dachten, allein unsere Taten. „Denn es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1Sam 16,7)


An Dein Herz

  • Wem gegenüber spürst Du Zorn, Verachtung, Hass, Ablehnung oder Bitterkeit?

  • Lasse Deinen Groll, Deinen Stolz und Deinen Wunsch nach Rache los und folge Jesus!

  • Am Ende des Weges wartet die Schönheit des Evangeliums: tiefer Friede; wahre Freude.

  • "Vergebt euch gegenseitig, was ihr einander angetan habt, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat, was ihr ihm angetan habt.“ (Epheser 4,32)

Sonntag, 9. Februar 2020

"Die Schönheit des Evangeliums - Wie Gott uns sieht" (Lukas 18,9-14)

[Predigt als MP3] 


Einleitung

Im Jahre 1991 habe ich eine Zeit durchlitten schwerster Depression mit Angstzuständen und mit Schlaflosigkeit. Ich war damals so fertig, dass ich selbst mit dem Ablesen der Uhrzeit ganz und gar überfordert war. 

Die Ursache war und ist unklar. Ja, ich hatte mit zwölf Jahren die Mutter verloren. Ja, ich hatte sie nach siebzehn Jahren wieder gefunden - und da hatte sie bereits Krebs. Ja, ich hatte einen Burnout von meiner Arbeit bei Microsoft. Es kam wohl alles zusammen.

Was noch dazu kam, war ein absolutes Bewusstsein meiner Schuld vor Gott. Eine Angst, die Erde würde sich unter mir auftun und mich verschlingen. Wie bei Datan und Abiram aus 4. Mose 16, 31-32, wo es heißt: da „[...] zerriss die Erde unter ihnen 32 und tat ihren Mund auf und verschlang sie [...]“. Wir werden später noch sehen, was das mit unserem heutigen Text zu tun hat.

Damit die Stimmung jetzt aber nicht zu düster wird, erzähle ich Euch noch eine Geschichte. Diese Geschichte wurde zuerst von einem Mann namens Fred Ciampi erzählt. Ich kenne Fred Ciampi nicht. Ich weiß auch nicht, ob die Geschichte wahr ist. Aber ich fand sie recht amüsant und dazu auch noch sehr erhellend. Also, hier ist sie: Fred Ciampi erzählte: 

"Gott sei Dank sind meine Tage als Verkaufsleiter vorbei und ich bin im Ruhestand. Ich bin früher mehrmals im Monat geflogen, und [ein Freund] hat gerade eine Erinnerung von vor etwa 15 Jahren wachgerufen. Ich flog gerade von San Francisco [...] zurück, als eine Mitarbeiterin am Schalter eine Verspätung für den Flug ankündigte. Ein gut gekleideter Herr stürzte sich auf die Mitarbeiterin und schrie: "Wissen Sie, wer ich bin?". Und er wiederholte: "Wissen Sie, wer ich bin?" Die junge Dame nahm sehr ruhig ihr Mikrofon in die Hand und sagte mit lauter und angenehmer Stimme: "Wir haben hier oben am Schalter einen Herrn, der nicht weiß, wer er ist. Gibt es jemanden im Terminal, der ihn kennt und ihm helfen kann?“ Die Gesichtsfarbe des Mannes oszillierte durch alle Schattierungen von rot und dann stürmte er aus dem Terminal. Ich habe nie herausgefunden, wer er war.“

Was für ein wunderbares Beispiel für Arroganz! Auch hier werden wir später sehen, was das mit unserem heutigen Text zu tun hat.


Inhalt 

Worum geht es also heute?

  • Unser Text

  • Worum es geht
    • Anlass
    • Rahmen
    • Inhalt

  • Der Pharisäer
    • Wer ist er?
    • Was denkt er?
    • Was ist sein Problem?

  • Der Zöllner
    • Wer ist er?
    • Was geht in ihm vor?

  • Balsam für Dein Herz

Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen.


Unser Text

Der Pharisäer und der Zöllner (Lukas 18,9-13)

9 Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.


Worum es geht

„Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren gerecht zu sein, und verachteten die andern“ (Lukas 18, 9)

Warum dieses Gleichnis? Was hat Jesus motiviert, es zu erzählen? In Vers 9 lesen wir: „Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, [...]“ Es geht also um eine situative Predigt!  Der Anlass dazu war: Jesus laufen einige komische Gestalten über den Weg. Eingebildete, lieblose Möchtegerne: völlig von sich selbst überzeugt; von ihrer Religiösen Leistung; von ihrem moralischen Status. Diese Situation nimmt Jesus also zum Anlass, um zu predigen!

In Vers 9 lesen wir weiter „Er sagte aber zu einigen [...] dies Gleichnis: [...]“. Ein Gleichnis ist eine Geschichte, die einen wichtigen Sachverhalt auf den Punkt bringt. Doch worum geht es in dem Gleichnis? Um die rechte Haltung vor Gott? Um rechtes Beten? Um rechte Frömmigkeit? Das ist alles irgendwo richtig. Aber ich glaube letztendlich geht es um Gottes unverdiente Gnade - und um echte Sündenerkenntnis, Demut und Buße, die zur Rechtfertigung führt.

In Vers 10 lesen wir: "Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner." Es geht also um 2 Menschen: Ein fleißiger Kirchgänger – stadtbekannt bekannt als strenggläubiges Vorbild. Und ein Staatsbeamter – stadtbekannt für seine Korruption und krummen Geschäfte. Und es geht um 2 Gebete: das des Pharisäers und des Zöllners.

Schauen wir uns die beiden Menschen und ihre Gebete mal etwas genauer an:

Der Pharisäer 

„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute“ (Lukas 18, 11-12)

In den Versen 11 und 12 lesen wir: „Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.“

Der Pharisäer steht „besonders“ (also abgesondert von den anderen!) Er fühlt sich wichtig, wie der Mann am Flughafenschalter! Und das finde ich interessant. Sein Problem ist nicht Prahlerei oder Lüge. Er prahlt nicht. Er dankt Gott! Und er lügt nicht. Er sagt die Wahrheit. 

Aber! Er vergleicht sich mit anderen! Und nicht nur das: Er hält sich auch für etwas Besseres! Er schaut nur auf das Äußere – auf die Taten. Auf den Diebstahl, Betrug, Ehebruch der anderen. Und auf Seine überragende "Leistung" (und er macht ja viel mehr, als im Gesetz des Mose gefordert!).

Was ist also laut Jesus sein Problem? Was ist daran jetzt falsch? Soll er nicht gutes tun?! Doch natürlich! Das Problem ist: Er vertraut auf seine Leistung. Er glaubt, dass das was er tut – Sein Handeln – Seine Taten – ihn gerecht machen vor Gott. Er ist selbstgerecht! Er ist werkgerecht. Er glaubt, dass er so in den Himmel kommt, weil er ein so toller Hecht ist. Doch in Gal 3,11 steht vielmehr: „Dass [...] durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar [...]“

Aber das ist noch nicht alles – er hat auch noch ein anderes Problem: Er ist so eingenommen von sich und seiner tollen Leistung, dass er für andere nichts mehr übrig hat außer Arroganz,  Verachtung und Lieblosigkeit. DOCH: WIE HIESS NOCH MAL DAS GRÖSSTE GEBOT? Es heißt: 

„Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, UND DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST!« (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18). “ (Lukas 10,27)


WAS GENAU DAS PROBLEM IST, STEHT IN 1Sam 16,7: „Aber der HERR sprach: [...] Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ UND ZU WELCHEM URTEIL KOMMT GOTT, wenn Er dem Pharisäer ins Herz schaut? Das lesen wir in Mt 23,27: “Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch scheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!“

Soviel mal zum Pharisäer.

Der Zöllner

"Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lukas 18, 13)

Der Zöllner steht abseits. Er schämt sich. Er schlägt die Augen nieder. Er weiß, dass er unwürdig ist und nichts vorzuweisen hat. Er ist völlig zerknirscht. Er schlägt an seine Brust, denn er weiß vom seinem Dreck am Stecken. Er weiß dass er vollkommen abhängig ist von Gottes Erbarmen. Versteht ihr, wie er sich fühlt? So ging es mir damals 1991.

DER ZÖLLNER KANN NUR NOCH EINE EINZIGE SACHE TUN – ER BITTET UM GNADE – WEIL ER SONST NICHTS ANZUBIETEN HAT.

ZWISCHENBILANZ: Es geht also um Gnade und NICHT UM Leistung! Was den Unterschied macht ist vor unseren Augen verborgen – was den Unterschied macht, passiert im Herzen!
Von außen betrachtet: gewinnt der Pharisäer. Aber Gott schaut uns ins Herz – und was er da beim Zöllner sieht, ist das einzige, was uns rettet: ECHTE REUE ÜBER UNSERE SÜNDEN! WORAN DU IN DEINEM HERZEN GLAUBST – AN DEINE LEISTUNG – ODER AN GOTTES GNADE - ENTSCHEIDET ALSO ÜBER DEINE RECHTFERTIGUNG UND UNSERE VERDAMMNIS!! (2x!!)

ES GIBT DA ABER   N O C H   EIN KLEINES PROBLEM: Ich gehe mal davon aus, dass es in Deinem Herzen so ausschaut, wie in dem des Zöllners. Damit wäre eigentlich alles in Ordnung. Dem Zöllner wird ja vergeben. Er wird von Gott persönlich gerecht gesprochen! 

MIT ANDEREN WORTEN: ICH HOFFE, IN DEINEM HERZEN HÖRT ES SICH NICHT SO AN: „Danke, lieber Herr Jesus, dass ich nicht so bin, wie dieser Pharisäer!“ DAS PROBLEM IST: DER MODERNE ZÖLLNER HÖRT SICH IN DER SEEELSORGE OFT SO AN: „Ich kann einfach nicht glauben, dass mir Jesus diese Sünde jemals vergeben kann.“ Mit anderen Worten: der Pharisäer predigt sich selbst ein falsches Evangelium. Und der Zöllner hört an jeder Ecke statt des Evangeliums das Gesetz.

WAS KANNST DU ALSO TUN, WENN ES DIR GEHT, WIE DEM ZÖLLNER? Du musst Deine Welt auf den Kopf stellen! Du darfst nicht länger Deinem Herzen glauben, das Dich verklagt! 
1Joh 3,20 denn: „wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.“ Du darfst Gottes Wort vertrauen: 

“Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ (Jes 57,15 )

ABER WIE WILL GOTT DAS MACHEN? WIE WILL ER EINEN SO GEDEMÜTIGTEN GEIST, WIE WILL ER SO EIN ZERSCHLAGENENS HERZ ERQUICKEN? DURCH DEN BLICK ANS KREUZ! AM KREUZ SEHEN WIR GOTTES LIEBE! DARUM KANN GOTT SPRECHEN:

“So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden.“ (Jes 1,18)

AMEN.

Sonntag, 3. November 2019

„Reinheit und Gott schauen“ (Matthäus 5,8)

[Predigt als MP3]

Einleitung

Seit geraumer Zeit kämpfe ich mit Gott an einer bestimmten Stelle in meinem Leben. Ich sehne mich nach Seiner spürbaren Nähe, danach, Ihm zu begegnen. Ich bete, lese Bücher, ich ringe mit ihm, wie Jakob am Jabbok: "Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn!" (1Mo 32,27). Und nichts passiert. Gestern morgen habe ich mich dann hingesetzt und mir die vielen guten Gedanken, die mir in den letzten Wochen und Monaten dazu gekommen sind mal nieder geschrieben, in der Hoffnung, dass sich die Puzzleteile zu einem Ganzen zu einer Lösung zusammensetzen. Hier ist, was dabei herausgekommen ist:

1. Mein Zustand: Ich bin freudlos: unglücklich, leer und lustlos im Glauben und bedrückt, zerquält und innerlich zerrissen im Hinblick auf das intensive Gebet zu Gott und die Begegnung mit ihm: auf der einen Seite lese ich Bücher über Bücher über das Innere Gebet - und auf der anderen Seite „fliehe ich vor Seinem Angesicht“. Drücke mich vor dem Gebet und sehne mich doch gleichzeitig nach Seiner herrlichen Gegenwart, die ich schon so oft als über alle Maßen heilbringend und glückseligmachend erfahren habe. Und so suche ich schon lange nach einer Lösung für dieses Dilemma und habe erkannt:

2. Mögliche Ursachen: Als mögliche Ursachen sind mir bisher Stolz und Angst in den Sinn gekommen: ich kann es zwar noch nicht greifen, aber die Ursache hat scheinbar irgend etwas mit Stolz (der Kardinal-Sünde) zu tun: dass ich mit Gott diskutiere, Ihm vorschreiben will, was Er zu tun und zu lassen hat; Ihn nicht als Gott verehre und anbete sondern statt dessen rebelliere. Und die Ursache hat scheinbar auch etwas mit Angst und Sorge zu tun (mit einer tiefen Lebenswunde): mit meinem schiefen Gottesbild; von einem Gott der mich unterbuttern will, mich zwingen will zu tun, was Er mir  vorschreibt - der mich gar nicht wirklich liebt, sondern dem mein Leiden schnurzpiepegal ist (wieso ändert Er sonst nichts an diesem unerträglichen Zustand?).

3. Die Lösung: Die Lösung, soweit meine Gedanken bisher, hat irgendwas mit Gnade zu tun: sie liegt nicht darin, dass ich mich mühe und abstrample. Auch die Nähe zu Gott ist Gnade, Er lässt sich nicht herbeizwingen; Er, der Souverän des Alls, offenbart sich wann und wem will. Mit meiner Anstrengung kann ich Ihn, den verborgenen Gott, den ganz und gar Unendlichen, ohnehin nicht erreichen. Auch die von Ihm geforderte, absolute! Heiligkeit, werde ich nie aus eigener Kraft zustande bringen.

4. Fazit: Als Fazit habe ich dann die folgenden Worte aufgeschrieben: "Erlösung und Ergebung": Er muss es tun. Er allein. Ohne meine Hilfe; ohne meinen Krampf und mein Abstrampeln. Trotz meiner Rebellion. Trotz meiner Flucht. Trotz meines schiefen Bildes von Ihm. Trotz meiner schiefen und Seine Majestät beleidigenden Gedanken über Ihn. Ich muss mich Ihm ergeben: Ihn Gott sein lassen. Ihm, wie Hiob (nach langem Kampf und Leiden), das Recht einräumen, Gott zu sein: das Recht zu haben, auch über meine Freude und mein Leiden wirklich HERR zu sein.

Als das dann so dastand, kam mir der Gedanke: Aber genau das hat Er doch schon getan! Genau das: mich erlöst! Mich freigesprochen von meiner Schuld. Trotz meiner Rebellion. Trotz meines Rumstrampelns: Römer 5:8+9 steht „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind!“ oder wie Jesus es gesagt hat: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15:3-5)

Das durchzubuchstabieren und zu erkennen wird wohl in den kommenden Wochen, Monaten und vielleicht auch Jahren meine Aufgabe sein - denn ich lerne in der Tiefe leider sehr langsam.  Und als ich mir das alles dann gestern morgen noch mal durchgelesen hatte, kam mir die Erkenntnis: "Das hat wohl eine ganze Menge mit dem Vers zu tun, um den es in dieser Predigt geht." Und habe mich entschlossen, es – auch, wenn es einen recht tiefen Einblick gibt – als Einleitung zu nehmen.  Ich hoffe ja immer noch, es bleibt unter uns?


Inhalt

Unseren Text heute – Matthäus 5,8 – also aus den Seligpreisungen – habe ich unter die Überschrift gestellt: „Reinheit und Gott schauen“. Eigentlich war ich das gar nicht, sondern Wolfgang, aber das weiß er wahrscheinlich selber noch gar nicht. Aber ich finde es gut so! 

Also – worum wird es heute gehen? 

  • Zum Ersten möchte ich mit uns den Text lesen und dann mit uns betrachten:
  • Was ist eigentlich die zentrale Sehnsucht unseres Textes (die Gottesschau) – und wo liegt das größte Hindernis? 
  • Was ist – wenn man das Hindernis etwas genauer unter die Lupe nimmt – eigentlich die Wurzel des Übels?
  • Und letztlich: wie werden wir dieses Übel los – GRUNDLEGEND und IMMER WIEDER?

Und ganz zum Schluss möchte ich uns 4 Fragen mit auf den Weg geben von denen ich hoffe, dass sie uns darin helfen, wirklich wichtige Entscheidungen zu treffen.

Nun also zuerst zu unserem Text:


Unser Text

„Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.“ (Matthäus 5,8)

In der 6. Seligpreisung – am Beginn der Bergpredigt – lesen wir: 

"Selig sind, 

die reinen Herzens sind; 

denn sie werden 

Gott schauen." 

Wie wir sehen werden, berührt dieser Text gleich zwei Aspekte unserer Gemeindevision, nämlich: „Gott begegnen“ und „Leben teilen“.

Doch der Reihe nach:


Sehnsucht & Hindernis

Es geht in unserem heutigen Vers also zentral um dieses eine Thema: die Reinheit des Herzens. Und um die Verheißung, die darauf liegt: "Gott zu schauen". Wie ich Euch ja gerade eben schon gebeichtet habe, hat diese Verheißung einen zentralen Platz in meinem Glaubensleben: Nicht nur ist sie mir am Anfang meines Glaubenslebens gleich 3x hintereinander und völlig unabhängig von einander von 3 verschiedenen Personen (ich meine: prophetisch) zugesagt worden "Du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen!" - sie ist auch das zentralste Element in meinem inneren Erleben: nichts auf der ganzen Welt ersehne ich mir mehr, als Gott nahe zu sein, in Seiner Liebe und Gnade geborgen zu sein - und die Fähigkeit zu erlangen, Ihn in gebührender Weise zurück zu lieben: zu sehen, zu greifen, zu begreifen, was das bedeutet: dass Er gut ist – und dass Er mich wirklich liebt.

Wahrscheinlich geht es mit dem „am liebsten schon im Himmel sein wollen“ allen gesunden Christen so. Auch Paulus hat das ja mal sehr schön auf den Punkt gebracht, als er schrieb: "[...] wir [...] wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem Herrn; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn." (2Kor 5,6-8) und an anderer Stelle noch deutlicher "Denn es setzt mir beides hart zu: Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre; aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben um euretwillen. " (Phil 1:23-24)  Ich für meinen Teil kann Paulus nur allzu gut verstehen. Und bitte, ohne dass ihr mich hier falsch versteht: ich weiß nicht, warum so viele Leute unbedingt steinalt werden wollen. Ja ich kenne Geschwister, die sich nichts sehnlicher wünschen, als endlich gehen zu dürfen - weil sie wissen, was sie erwartet: die Schau Gottes in Herrlichkeit.

Aber was ist denn dann das Problem? Wir können Gott doch schon hier begegnen - um nur einmal die 3 prominentesten Wege zu nennen:

1. in Seinem Wort (Joh 5:39) – Jesus sagt: „Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind's, die von mir zeugen; [...]“

2. in Seiner Natur (Rö 1:19+20) – wie Paulus sagt: „Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken [...]“

3. in Christus, Seinem Sohn (2Kor 4:4, Joh 14:9) – Paulus schreibt hier von der „Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes“ und Johannes zitiert Jesus als er sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ 

Natürlich: "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; [...] Jetzt erkenne ich stückweise" (1Kor 13,12) - aber dann kommt der Himmel. Und auf den muss ich noch warten. Also habe ich Sehnsucht danach. Und Sehnsucht zu haben, ist ja doch nichts Schlimmes? 

Das ist wohl war. Das Schlimme ist auch vielmehr, dass dieser Vers auch in seinem ersten Teil das sagt, was er sagt - nämlich: "Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen." Aber wer von uns ist das denn bitteschön? Irgend welche Meldungen? Irgend jemand hier mit einem absolut reinen Herzen? Aber es kommt noch schlimmer: es gibt auch einen Kehrvers zu Matthäus 5 Vers 8 - und zwar im Hebräerbrief. Dort steht: "Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird [...]" (Hebr 12,14) Ohne Heiligung - ohne ein reines Herz werde ich also Gott niemals sehen.

Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, stelle ich bei all meinem Bemühen um ein reines Herz dann auch noch fest: ich kann mir nicht selber helfen. Mir geht es, wie Paulus in Römer 7,14-24: "ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. [...] Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. [...] Mir, der ich das Gute tun will, hängt das Böse an. Denn ich habe Freude an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Verstand und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes? "

Die von Gott geforderte Reinheit des Herzens kann ich also gar nicht selber „machen“. Das ist das Problem. Und ohne diese Reinheit werde ich niemals an den Ort kommen, den ich mir ersehne: die Herrlichkeit Gottes, Seine liebende und mich bergende Gegenwart. --- Alles klar?!


Die Wurzel des Übels

Bevor wir uns mit der Lösung dieses Problems befassen, lasst uns noch einmal etwas genauer hinschauen, was genau das Problem eigentlich ist. Was genau ist Reinheit?! Was ist das für eine Reinheit, von der Jesus in unserem Vers redet? Ganz sicher ist es keine äußere Reinheit: sonst würde er die Pharisäer nicht so schimpfen: „Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein werde! Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch scheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat! So auch ihr: Von außen scheint ihr vor den Menschen gerecht, aber innen seid ihr voller Heuchelei und missachtet das Gesetz.“ (Mt 23:25-28) Darum sagt Jesus auch in Mt 15,19 „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.“ Wovon Jesus also redet, ist die Reinheit des Herzens. Eine Reinheit des Charakters, der Motive, der Gedanken. Eine Reinheit, die, wie ein guter Baum, gar nicht anders kann, als gute Früchte zu bringen.

Wenn Reinheit des Herzens also Tugend bedeutet, was ist dann ihr Gegenteil? Ich denke, die Unreinheit des Herzens manifestiert sich in eigentlich einer Grundsünde, die viele Facetten hat: dem Hochmut. Der Hochmut. Er ist am einfachsten erkennbar an den Lebenshaltungen, die er hervorruft: Rebellion, Ungehorsam, Unglaube & Sorgen oder Werkgerechtigkeit.

  • Rebellion: Ich alleine weiß was Recht ist. Besser noch, als Gott. Niemand hat das besser auf den Punkt gebracht, als Hiob: "Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seiner Stätte kommen könnte! So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde. Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich. Dort würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter!" (Hiob 23,3-7) HÖRT IHR DEN HOCHMUT? "Und Hiob fuhr fort mit seinem Spruch und sprach: So wahr Gott lebt, der mir mein Recht verweigert, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt – solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch von Gott in meiner Nase –: [...] An meiner Gerechtigkeit halte ich fest und lasse sie nicht [...]" (Hiob 27,1-6) Hiobs Position ist: Ich alleine bin im Recht, wenn ich mit Gott zürne. Und Er ist im Unrecht. Er soll schweigen und ich will reden. Dann werden wir schon sehen, wer Recht hat. Das ist der Hochmut in Reinkultur.

  • Ungehorsam: Ich weiß, was gut, ja besser ist - besser als Gott. "Ja, sollte Gott gesagt haben [...]?" (1Mo 3,1). Mir ist es egal was Gott sagt. Ob es das große Doppelgebot der Liebe ist - oder ob es die 10 Gebote sind (die Eltern ehren, nicht lügen, nicht stehlen, nicht Ehebrechen, nicht begehren, nicht gierig sein): ich weiß es besser und gehe meiner eigenen Wege. Aus dieser Haltung folgen alle Tatsünden. Und ihr Ursprung liegt im Hochmut. In der Rebellion.

  • Werkgerechtigkeit: Ich brauche Gottes Gnade nicht. Ich kann Erlösung besser als Er. Ich mühe mich und quäle mich Tag für Tag vergeblich. Weil ich Ihm etwas von Wert bringen will. Nicht meine Sünden. Etwas, wofür ich mich rühmen kann vor Ihm. Mein Werk. Meine Leistung. Ich mache mich gerecht: ich biete Gott meine eigene Heiligkeit an. 

  • Unglaube & Sorgen: Ich weiß besser als Gott, wie diese Welt funktioniert. Ich weiß es besser, als Sein Wort; als Seine Verheißung. Ich sehe doch, wie die Welt ist. Ich glaube nicht, dass Gott mir helfen wird. Ich kann mir selber besser helfen, als Er. Lieber Sorge ich mich, zermartere mir das Hirn, wie ich die Klippen meines Lebens alleine umschiffe. Ich schlage Seine nach mir ausgestreckte Hand aus. Ich schlage Sein Angebot, dass Er für mich sorgen wird, in den Wind.

Natürlich haben wir nicht nur eigene Sünde. Auch andere sind an uns schuldig geworden. Viele der Dinge, die in unseren Herzen schief laufen, haben ihren Grund in teilweise jahrzehntealten Wunden, die andere uns geschlagen haben. Unsere schiefen Bilder von Gott, der Welt und unserem Nächsten haben nur allzu oft ihre Wurzeln in unserer Kindheit oder Jugend. Irgend jemand hat das Porzellan zerschlagen und wir müssen nun mit den Scherben leben. Nicht alle unsere Ängste und Sorgen, Bedrückungen oder Schmerzen sind also auf die Sünde oder den Hochmut zurückzuführen - manche sind einfach nur der Ausdruck einer verletzten Seele. Hier braucht es dann natürlich nicht Umkehr, sondern Heilung. --- Doch auch diese Heilung hat, genau wie die Umkehr von den schiefen Dingen in unseren Herzen, etwas damit zu tun, sich zu ÖFFNEN. Dass wir uns einander anvertrauen, einander unser Herz ausschütten, wie wir später sehen werden.


Zwei Arten von Gnade

Wie also kann dieses Problem gelöst werden? Wie wir gesehen haben, gehören zur Lösung das Ausräumen von Schuld und Sünde, vom Hochmut als der Wurzel alles Übels: von Rebellion, Ungehorsam und Tatsünden, von Selbst- und Werkgerechtigkeit und von Unglauben und Sorgen. Und es gehört dazu das Heilen von Lebenswunden. Vor allem aber haben wir gesehen: die Lösung kommt nicht von uns. Sie kann nicht von uns kommen. Weil wir nicht fähig sind, uns selbst zu retten. Weil wir nicht fähig sind, uns selbst zu heilen.

Was uns rettet ist allein die Gnade Gottes. Was uns rettet, ist Gottes Eingreifen in diese Welt - in unser Leben - und zwar auf zweierlei Weise: Zum Einen: GRUNDLEGEND. Und zum zweiten: ERNEUERND. Was meine ich damit?

Mit GRUNDLEGEND meine ich, das Jesus mit Seinem Tod am Kreuz ein Fundament geschaffen hat, dass niemand mehr umstoßen kann. Er hat mit Seinem Blut für unsere Schuld bezahlt. Ein für alle Mal. Und Gott hat das Opfer Seiner Liebe angenommen: Christus ist von den Toten auferstanden! Und mit Seiner Auferstehung hat Er uns etwas geschenkt, das umso unfasslicher wird, je mehr wir unsere eigenen Herzen erkennen: ER HAT UNS REIN GEMACHT. 

Jesus spricht:

  • „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“ (John 15:3)

  • „Christus [hat] die Gemeinde geliebt […] und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort“ (Eph 5:25+26)

  • „um wie viel mehr wird dann das Blut Christi, der sich selbst als Opfer ohne Fehl durch den ewigen Geist Gott dargebracht hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott!“ (Heb 9:14)

Rein werden wir also nicht durch eigene Anstrengung (das sind tote Werke), sondern durch das Hören der Guten Nachricht, des Evangeliums, (das ist das Wort Gottes) und durch unsere Umkehr zu Gott im Glauben und durch die Taufe. Die Reinheit des Herzens, nach der wir streben IST UNS GESCHENKT! Wir müssen dazu nichts TUN. Es geht um ein neues SEIN, dass Gott uns schenkt! Es geht nicht um unsere Werke, denn diese Reinheit kann man nicht machen. Man kann sie nur empfangen. 

Diese Reinheit ist nichts anderes, als einfach nur das: das größte Geschenk der Liebe Gottes an uns! "IHR SEID SCHON REIN!" Bitte, ihr Lieben: lasst Euch das bitte mal auf der Zunge zergehen: "DU BIST SCHON REIN!" Das ist Gottes Urteil über Dich, wenn Du an Jesus glaubst - egal, wie unvollkommen Du bist - DAS ist das Evangelium!  Niemals mehr wird der Vater Sein Angesicht vor Dir und Deiner Schuld verbergen müssen. Niemals mehr musst Du den Zorn Gottes über Deiner Schuld fürchten, denn es heißt: "Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn gerettet werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind." (Röm 5,9) „DU  BIST SCHON REIN!“

--

Und doch wissen wir: diese uns von Gott geschenkte Reinheit die verdrecken wir nur allzuschnell erneut... Leiden wir nicht genau daran? Dass wir es trotz aller guten Vorsätze keine 5 Minuten schaffen, so rein zu BLEIBEN? Gott weiß das auch. ER wusste es schon vorher. Und darum gibt er uns noch ein Geschenk: Neben dem, dass Er in Christus GRUNDLEGEND in unser Leben eingegriffen hat, schenkt Er uns durch den Heiligen Geist auch eine stets ERNEUERNDE Gnade. Bevor ich Euch von der Art dieser ERNEUERNDEN Gnade erzähle, möchte ich Euch ein Bild mitgeben oder besser gleich zwei: 

Stellt Euch mal vor, ihr seid auf der Autobahn mit 200 Sachen unterwegs. Und jetzt schüttet Euch jemand von einer Brücke einen Eimer Schlamm auf die Scheibe. Was glaubt ihr, wie lange ihr da noch ohne Probleme weiter fahrt? Würdet ihr da nicht auch sofort eine Vollbremsung machen und hoffen, dass ihr die Standspur trefft und erst einmal die Scheiben wieder sauber machen? Schon oder? Mit klaren Scheiben sieht man einfach besser.

Das zweite Bild ist ähnlich aber etwas älter. Zu diesem Thema hat nämlich auch schon einer der Kirchenväter, Origenes (* 185 in Alexandria; † um 254) etwas gesagt. Christiana Reemts, das ist die Äbtissin eines Benediktinerinnen-Klosters in der Nähe von Duisburg hat das in ihrem Buch sehr schön zusammen gefasst (das Buch heißt übrigens ganz treffend: "Gott begegnen: Sieben Wegweiser"). Dort schreibt sie: 

"Origenes lehrt, dass der Mensch neben den leiblichen Sinnen auch geistige Sinne hat, neben den leiblichen Augen, die auf das Sehen körperlicher Dinge eingerichtet sind, auch geistige Augen, die Wahrheit und Liebe sehen. Können wir mit diesen geistigen Augen auch Gott wahrnehmen, kann das jeder Mensch? Ja, aber nur wenn wir, wie Jesus in der Bergpredigt sagt, ein reines Herz haben [...]. Zur Gotteserkenntnis gehört Reinheit des Herzens oder um es mit einem noch altmodischeren Wort zu sagen: Tugend. Nur der tugendhafte Mensch, der Mensch, der frei geworden ist vom ewigen Kreisen um sich selbst, kann Gott begegnen, d.h. er kann wahrnehmen, wenn Gott sich zeigt.

Wie reinigt man sein Herz, wie bekommt man ein reines Herz? Origenes vergleicht die Reinigung des Herzens mit der Reinigung eines Brunnens. Wie ein Brunnen, der mit Erde zugeworfen ist, so ist unser Herz durch irdisches Denken, durch Egoismus und Sünde verstopft und nicht mehr offen für Gott. Erst wenn wir unser Herz reinigen bzw. richtiger: wenn Christus unser Herz reinigt, können wir Gott erkennen. Diese Reinigung geschieht ganz konkret durch das Lesen der Heiligen Schrift. In der Schrift begegnen wir Christus und hören ihn zu uns sprechen. Origenes sagt: „Wenn ihr also das, was ihr heute hört, im Glauben aufnehmt, wirkt er auch in euch und reinigt euer Herz von irdischem Denken. ln der Erkenntnis, dass so große Mysterien in der Heiligen Schrift verborgen sind, wachst ihr in der Einsicht und wachst in geistlichem Verständnis. So werdet ihr auch selbst zu Lehrern, und aus euch werden Ströme lebendigen Wassers hervorquellen (vgl. Joh 4,14). Denn das Wort Gottes ist da und es wirkt jetzt, um aus der Seele eines jeden von euch die Erde wegzuschaffen und deine eigene Quelle aufzugraben.“

So ist es also auch mit unserem Herzen, wie mit dem Brunnen: nur mit einem klaren und reinen Herzen können wir Gott sehen, auf den hin wir leben. Und wenn es verdreckt ist, müssen wir es reinigen. Und zwar so schnell, wie möglich. Von allem Hochmut und aller Sorge. Von aller Rebellion und allem Ungehorsam. Von allem Zweifel und aller Angst. Von allem eigenen Krampf und jedem verzweifelten Versuch, uns selbst zu retten.

Doch, wie soll das gehen? Zum einen, wie Origenes sagt: durch das Lesen der Schrift. In der Eile des Alltags können wir uns allerdings oft nur damit behelfen, ein schnelles Gebet zu Gott zu sprechen und zu sagen, "Es tut mir leid." Und das ist auch gut. Aber es ist bei weitem nicht alles, was wir tun können - und es ist in vielen Fällen auch bei weitem nicht genug. 

Vielleicht mag es reichen, alle 100km mal die Scheibe zu putzen oder alle 500km frisch zu tanken. Aber jedes Auto muss irgendwann auch mal in die Inspektion. Sonst geht es auf Dauer kaputt. 

Und jeder Christ braucht sicher 10 mal am Tag ein kurzes Gebet um Vergebung. Und sicher mindestens 1 mal am Tag einen großen Schluck aus Gottes Wort. Aber wir alle brauchen auch hin und wieder mal mehr: die Möglichkeit, uns einander anzuvertrauen, einander unser Herz ausschütten, einander unsere Schuld zu bekennen oder unsere Nöte.

Früher nannte man dieses Mittel der ERNEUERNDEN Gnade die BEICHTE. Markus hatte in seiner letzten Predigt bereits darauf hingewiesen. Das Problem ist nur: dieses Wort hat leider, wodurch auch immer, einen sehr schalen Beigeschmack erhalten: etwas von Unfreiwilligkeit und Entblößung, etwas, das wir vielleicht im Stillen verbinden mit Erniedrigung und Scham. Eine echte Beichte ist aber genau das Gegenteil: sie ist ein Ort des Vertrauens, der Liebe und der Gnade. Der Offenheit und der Hilfe. Wer das selber schon einmal hat erleben dürfen, wie sehr Gott segnen kann, wenn man sich einem Bruder oder einer Schwester öffnet - und wirklich einmal reinen Tisch macht - Sünden klar beim Namen nennt - und um Vergebung bittet - und dann vom Gegenüber zugesprochen bekommt: "Deine Sünden sind Dir vergeben! Gehe hin in Frieden!" nur der weiß, welche Zentnerlast einem vom Herzen fallen kann. Auch wird nur, wer schon einmal einem Bruder oder einer Schwester sein Leid geklagt hat zu schätzen wissen, was gute Seelsorge eigentlich ist: sein ganzes Herz auszuschütten und dann erleben dürfen, wie Liebe da ist und Weisheit und Sanftmut und Fürsorge und guter Rat. Dass das wohltuender ist, als 100 Kuren an der See oder in den Bergen.

Und weil das so ist - weil das wirklich so ist - darum schreibt der Apostel Jakobus: "Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist." (Jak 5,16) (2x!) --- IHR LIEBEN! --- Manche Schuld wird erst von uns weichen, wenn wir bereit sind, unserem Stolz Lebewohl zu sagen und uns einem Bruder oder einer Schwester anvertrauen, wie es der Apostel Jakobus uns rät. Und manche Last wird uns erst von den Schultern genommen werden können, wenn wir den Mut aufbringen, uns einander zu öffnen und miteinander zu beten - für das was uns WIRKLICH bewegt. --- Wenn wir das jedoch tun, dann wird Gott die Erde aus unserem Brunnen entfernen und wir kommen ans klare Wasser. Und damit zu einer neuen und tieferen Gottes-Erkenntnis.

So wird aus der GRUNDLEGENDEN Gnade der ERLÖSUNG und der daraus wachsenden Erkenntnis Gottes und aus der ERNEUERNDEN Gnade der BEICHTE ein Kreislauf der Gottes- und Selbsterkenntnis: Je reiner mein Herz wird, um so besser erkenne ich Gott. Und um so besser erkenne ich mich - IN SEINEM LICHT - wiederum selber. Erst erkenne ich Gott vielleicht "wie in einem dunklen Bild" - dann immer mehr und mehr - und einmal dann in der Herrlichkeit, wenn wir Ihn sehen werden "wie Er ist" (1Jo 3,2; Offb 22,4). 

Das wünsche ich uns allen: Das wir Gottes Angebot annehmen. Dass wir seine GRUNDLEGENDE GNADE ergreifen, die Er uns mit unserer Umkehr zu Ihm anbietet: "DU BIST SCHON REIN!" Und dass wir uns die Worte des Apostels wirklich zu Herzen nehmen, um Anteil zu bekommen an der ERNEUERNDEN Gnade - in dem wir den Mut fassen, uns einem lieben Bruder - einer lieben Schwester ANZUVERTRAUEN. Gott hat es versprochen: "die reinen Herzens sind [...] werden Gott schauen."


Fragen an Dein Herz

Ihr Lieben! Lasst mich das bisher Gesagte in 4 einfache Fragen an Euer Herz formulieren – und bitte: denkt aufrichtig darüber nach: 

  1. Willst Du Gottes Angebot annehmen und rein werden?

  2. Welche Last drückt Dich so schwer, dass Du sie schon so lange nicht alleine los geworden bist?

  3. Zu wem willst Du Dir ein Herz fassen und im Vertrauen aussprechen, was Dich bedrückt?

  4. Wem möchtest Du ein Beistand sein in der Not?


"Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde,
so betrügen wir uns selbst,
und die Wahrheit ist nicht in uns.

Wenn wir aber unsre Sünden bekennen,
so ist er treu und gerecht,
dass er uns die Sünden vergibt
und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit."

(1Jo 1,8-9)

Sonntag, 10. September 2017

Es gibt Hoffnung - für Dich! - 2Tim 1:1


[Audio als MP3 Download hier]

Einleitung

Ihr Lieben! Gott segne uns! - Gestern, als ich diese Predigt vorbereiten wollte, war ich sehr bedrückt: ich hatte mir gleich morgens nach dem Aufstehen die aktuellsten Berichte über den Hurrikan IRMA angesehen. Was dort in der Karibik gerade geschieht, geschah und noch geschehen mag – von Haiti über Kuba nach Florida – ist einfach erschütternd. Orkanböen fegen mit bis zu 300km/h über die Inseln und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Menschen sterben oder verlieren Hab und Gut.


Ich weiß nicht, warum Gott so etwas zulässt; doch es treibt mich um. Und mit diesen Emotionen bin ich scheinbar nicht alleine. Schon zu Jesu Zeiten geschahen solche Dinge: Gräuel und Unglücke. Damals hatte „[Pontius] Pilatus einige Leute aus Galiläa [...] ermorden lassen, während sie in Jerusalem im Tempel Opfer darbrachten.“ – und Jesus fragte : „»Meint ihr, diese Galiläer seien größere Sünder gewesen als andere Menschen in Galiläa?«. »Glaubt ihr, dass sie deshalb leiden mussten? Ganz und gar nicht! Ihr werdet [vielmehr] genauso umkommen, wenn ihr euch nicht von euren bösen Wegen abkehrt und euch Gott zuwendet. Und was ist mit den achtzehn Männern, die starben, als der Turm von Siloah auf sie herabstürzte? Waren sie etwa die größten Sünder in Jerusalem? Nein. Ich sage euch noch einmal: Wenn ihr nicht Reue zeigt und auf eurem Weg umkehrt, werdet ihr genauso umkommen.«“

Diese Worte Jesu ändern nichts an meinen Gefühlen. Ich bin noch immer erschüttert und bedrückt. Und doch muss ich nachdenken über das, was Jesus sagt. Auf den ersten Blick klingt es herzlos. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass Jesus ganz etwas anderes meint: Ihm geht es  um unser ewiges  Glück! Letztlich ist doch das, was Er sagt, folgendes: „Was macht ihr Euch solche Sorgen über den leiblichen Tod? Euch bedroht eine viel schlimmere Gefahr: ihr könntet für Zeit und Ewigkeit verloren gehen – und das will ich nicht! Ich möchte, dass es Euch gut geht! Darum, bitte, liebe Leute: kümmert Euch um die wirklich wichtigen Dinge! Schaut zu, dass ihr mit Gott in Ordnung kommt; darum geht es!“ – Und darum geht es auch heute.

 

Übersicht

Heute geht es vordergründig um die Einleitung eines Briefes, den Paulus an seinen Glaubensschüler Timotheus, schreibt.Vielleicht erinnert sich die Eine oder der Andere noch daran, worüber ich das letzte Mal gepredigt habe: es war 2. Timotheus 4 – die Verse 1 bis 7. Keine Bange. Hätte ich auch nicht mehr gewusst. Aber vielleicht erinnert ihr Euch noch daran, dass ich gesagt habe, es sei der letzte Brief des Paulus gewesen – sozusagen sein „Testament“. Darin ging es dem Pauls um 4 Dinge:



  • Trotz Verführung in der Schrift zu bleiben
  • Trotz Gegenwind Christus mutig zu bekennen
  • Im Angesicht der Welt heilig zu leben – und:
  • In Verfolgung standhaft zu bleiben und willig zu leiden

Aber das nur zur Erinnerung. Heute geht es, wie gesagt, um die Einleitung des Briefes von Paulus an Timotheus. Und die besteht aus nur zwei Versen. Den ersten möchte ich mir heute gemeinsam mit Euch ansehen und fragen:



  •     Wer sind die Personen, die in diesem Vers genannt werden?
  •     Was bedeuten die Begriffe, die in diesem Vers genannt werden?
  •     Welche tiefe Wahrheit liegt in diesem Vers verborgen?
  •     Und – last but not least – Was bedeutet diese Wahrheit für mich heute?

 

Der Vers

Die Textlesung geht heute recht schnell, denn es ist ja nur ein Vers. Er heißt: 

„Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes nach der Verheißung des Lebens in Christus Jesus “
(2. Timotheus 1,1).

Es ist, wie gesagt, nur ein Vers – und man liest normalerweise ziemlich schnell darüber hinweg; ich zumindest. Weil: man kennt das ja: „Klar, dass ist ein Brief von Paulus, der ist ja Apostel, etc. - und dann noch irgendwas mit Gott und Jesus.“ Fertig. --- Wirklich? Ich glaube nicht... Was ist in diesem Vers nicht alles verborgen! Schauen wir also mal etwas genauer hin! In diesem Vers finden wir:

3 Personen

  • Paulus
  • Gott
  • Christus

3 Begriffe

  • Apostel
  • Wille Gottes
  • Verheißung des Lebens

Und alle zusammen formen eine Aussage. Eine Aussage, die oberflächlich betrachtet nichts weiter ist, als eine übliche Absenderadresse für Briefe in neutestamentlicher Zeit. Eine Aussage, die aber, wenn man einmal etwas genauer hinschaut, das ganze Evangelium beinhaltet; die gute Nachricht von Gottes Gnade! Um das "auszupacken", möchte ich mir  – gemeinsam mit Euch – diese Personen und Begriffe einmal genauer ansehen:



Personen – 1. Gott
 

Gott: Der Ewige

Gott wird in unseren Vers zwar erst als dritte Person genannt, doch ich möchte IHN aus mehreren Gründen an den Anfang stellen. Nicht nur, weil ER „in allem der Erste ist“, sondern ehrlicherweise, weil es so auch irgendwie besser in mein Predigt-Konzept passt. Also:

Zuerst einmal ist Gott genau das: eben GOTT. Er ist der, der sich – als Moses ihn nach Seinem Namen fragte – antwortete: „JHWH“. Also der: „Ich bin der ich bin!“ Oder mit anderen Worten: „Ich bin der ewig Seiende!“ ER ist der ewige, unendliche, allwissende, allmächtige, allgegenwärtige, herrliche und wunderbare Gott.



Gott: Unser Schöpfer

Zum Zweiten ist Gott auch unser aller Schöpfer; der, der uns erfunden hat. In der Genesis lesen wir „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und als er damit fertig war, lesen wir: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.“ Gott schuf also den Menschen. Und er gab unserem Leben, wie wir dort lesen können, einen Sinn: Ziel des Menschseins ist es, Gott gleich zu sein – und zwar um mittels dieser Ebenbildlichkeit die Schönheit und Herrlichkeit Gottes wieder zu spiegeln – wie ein Brillant das Licht der Sonne funkelnd reflektiert. Zu Gottes Ehre. So sagt es Gott über uns in Jesaja – dort nennt er uns „alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe.“


Gott: Herr und König

Und zum Dritten ist dieser Gott auch unser HERR und König. In Psalm 47 lesen wir: „Denn der Herr, der Höchste, ist ein heiliger Gott, ein großer König über die ganze Welt.“ Und als Regierender erlässt er selbstverständlich auch Gesetze – denken wir an die 10 Gebote – und natürlich verlangt ER, wie jede andere Regierung auch, dass wir diese Gesetze ernst nehmen und einhalten. Darum sagt ER auch: “Darum heiligt euch und seid heilig; denn ich bin der HERR, euer Gott.“ Das  war der Plan. Doch dann kam der Sündenfall – und mit ihm die Sünde in die Welt.

Damit kommen wir zu Paulus.



Personen – 2. Paulus

Saulus: Verfolger der Kirche

Der hieß nämlich nicht immer Paulus, sondern früher Saulus. Denn was wir Sünde nennen – diese Verfehlung des göttlichen Ziels, IHM ähnlich zu sein – war auch in Saulus Leben anzutreffen; wie bei uns allen.

Saulus selbst beschreibt sein Leben, wie es ohne Jesus war, wie folgt: "Wie die führenden Männer des jüdischen Volkes sehr wohl wissen, wurde ich von frühester Kindheit an bei meinem eigenen Volk und in Jerusalem nach jüdischer Tradition erzogen. Wenn sie es vielleicht auch nicht zugeben, so wissen sie doch genau, dass ich ein Mitglied der Pharisäer war, der strengsten Gruppierung unserer Religion. [...] Früher glaubte ich, alles, was in meinem Kräften steht, tun zu müssen, um den Anhängern des Jesus von Nazareth Einhalt zu gebieten.Von den Anführern des jüdischen Volkes dazu bevollmächtigt, ließ ich viele Gläubige in Jerusalem verhaften. Wenn sie zum Tode verurteilt wurden, stimmte ich ebenso gegen sie.Oft ließ ich sie in den Synagogen auspeitschen, weil ich sie dazu bringen wollte, Christus zu verfluchen. Ich bekämpfte sie mit solcher Erbitterung, dass ich sie sogar bis in weit entfernte Städte im Ausland verfolgte.)."

An einer Stelle – anlässlich der Steinigung des Heiligen Stephanus – wird sogar von Paulus berichtet „Die Anschuldigungen [...] versetzten die führenden Männer des jüdischen Volkes in maßlose Wut. [... Sie] hielten sie sich die Ohren zu, schrien mit lauter Stimme und stürzten sich auf ihn. Sie schleppten ihn hinaus vor die Stadt und steinigten ihn. Die amtlichen Zeugen der Hinrichtung zogen ihre Mäntel aus und legten sie zu Füßen eines jungen Mannes mit Namen Saulus nieder.“



Paulus: Prediger der Gnade und Liebe Gottes
 

Dieser Paulus war also ein religiöser Fanatiker und ein Möder oder doch zumindest ein Helfershelfer der Mörder vieler Christen. Ich will ihn hier nicht mit dem IS vergleichen, doch sein Verhalten kommt auf das Gleiche hinaus: durch seinen Fanatismus starben Menschen über Menschen.

Bis zu einem bestimmten Tag in seinem Leben – an dem er übrigens wieder einmal in einer Verfolgungs-Aktion unterwegs war. Auch über diesen Tag berichtet Paulus – mit den folgenden Worten: „[ich reiste] eines Tages mit der Ermächtigung und im Auftrag der obersten Priester nach Damaskus. Etwa gegen Mittag, o König, fiel aus dem Himmel ein Licht, strahlender als die Sonne, auf mich und meine Begleiter. Wir stürzten alle zu Boden, und ich hörte, wie eine Stimme auf Hebräisch zu mir sagte: `Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Es ist schwer für dich, gegen meinen Willen anzukämpfen.´  `Wer bist du, Herr?´, fragte ich. Und der Herr antwortete: `Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh jetzt auf! Denn ich bin dir erschienen, um dich zu meinem Diener und Zeugen zu machen. Du sollst der Welt von dieser Erfahrung und von anderen Ereignissen erzählen, bei denen ich dir erscheinen werde. Und ich werde dich sowohl vor deinem eigenen Volk als auch vor den anderen Völkern beschützen, zu denen ich dich senden werde. Ihnen sollen die Augen geöffnet werden, damit sie sich vom Dunkel zum Licht und aus der Macht Satans zu Gott bekehren. Dann werden sie Vergebung für ihre Sünden und einen Platz im Volk Gottes empfangen, alle, die durch den Glauben an mich ausgesondert sind.´ Deshalb [...] habe ich dieser Vision aus dem Himmel gehorcht. Ich habe zuerst den Juden in Damaskus, dann denen in Jerusalem und in ganz Judäa sowie auch den Nichtjuden gepredigt, dass sie sich von ihren Sünden abwenden und zu Gott bekehren müssen. Durch ihre guten Werke sollen sie beweisen, dass sie ihr Leben geändert haben.“

Jesus selbst hatte also, in Seiner Souveränität und Vollmacht, aus dem Saulus einen Paulus gemacht. Aus einem religiösen Fanatiker, der Menschen auf dem Gewissen hatte: einen frommen, demütigen und selbst verfolgten Prediger der Gnade und Liebe Gottes.



Personen – 3. Christus

Christus: Gott, König und Herr

Kommen wir zu der (in unserer Reihenfolge) letzten Person, die in diesem Vers genannt wird : Jesus Christus. Wer war er? Um Jesus Christus ranken sich Theorien und Spekulationen. In einer Hinsicht sind sich alle gleich: keiner bestreitet, dass Er gelebt hat, doch was man von ihm halten soll, da gehen die Meinungen auseinander. Der Islam hält ihn für einen Propheten, einige Philosophen für einen großen Lehrer, politisch motivierte für einen Revoluzzer und die breite Masse – hält ihn für einen Gutmenschen.

Das war auch schon früher so: im Matthäus-Evangelium lesen wir: „Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: »Für wen halten die Leute [mich]« »Nun«, erwiderten sie, »manche sagen, [Du seist] Johannes der Täufer, andere sagen, Elia, und wieder andere halten ihn für Jeremia oder einen der anderen Propheten.«  Daraufhin fragte er sie: »Und was meint ihr, wer ich bin?« Simon Petrus antwortete: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.« Da erwiderte Jesus: »Du bist gesegnet, Simon, Sohn des Johannes.« Denn das hat dir mein Vater im Himmel offenbart. Von einem Menschen konntest du das nicht haben.“

Jesus Christus ist also dem Bekenntnis des Petrus und der Bestätigung Christi nach Gott; genauer gesagt: die 2. Person der Dreieinigkeit: der Sohn. Und genau diese Aussage finden wir auch an zwei anderen Stellen in der Schrift: einmal, 650 Jahre vor Seiner Geburt im Propheten Jesaja, wo es heißt: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“. – und noch klarer kurz vor Seiner Geburt, wo ein Bote Gottes zu Maria spricht: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ Christus ist also Gott in menschlicher Gestalt
– und damit ebenfalls Gott, König und Herr.


Christus: Heiland und Erlöser

Christus, die 2. Person der Trinität, ist aber nicht nur Gott, König und Herr. Er ist auch unser Heiland und Erlöser – also der, der uns von unserer Schuld und Sünde befreit. Doch Moment! Unsere Schuld und Sünde? Welche Schuld und Sünde denn? Wir sind doch schließlich keine Religionsfanatiker wie Paulus, die anderen Leuten nach dem Leben trachten! Wir sind doch ganz in Ordnung. Oder etwa nicht?

Betrachten wir diese Frage mal aus einem anderen Blickwinkel: Nehmen wir an, in unserem Land gäbe es ein Gesetz, dass sagen würde: „Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer [...] Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt.“ Dieses Gesetz gibt es übrigens wirklich, nämlich
den §370 der Abgaben-Ordnung. Nehmen wir dann mal an, wir hätten es mit der Steuer nicht ganz so genau genommen. Und nehmen wir weiter an, wir würden uns dabei gar nicht so schlimm fühlen. So nach dem Motto: „Die anderen machen es ja auch!“. Schützt uns dieses gute Gefühl dann vor Gericht vor der Strafe, wenn uns jemand dahinter kommt?

Und dann denken wir noch an das, was wir eingangs gehört haben: auch Gott hat ein Gesetz erlassen. Und als König und Herrscher nimmt er seine Gesetze genauso ernst, wie unser lieber Staat. Und was gebietet ER ? ER sagt: „seid heilig!“ Vor allem aber sagt ER: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit deiner ganzen Kraft und all deinen Gedanken.´ Und: `[...] deinen Nächsten wie dich selbst“. Und? Tun wir das? Von ganzem Herzen? Mit all unserer Kraft? Glauben wir im Ernst, der Allwissende sähe nicht, wie es in unseren Herzen aussieht? Glauben wir im Ernst, es sei IHM egal? Wozu hat ER seine Gebote denn gegeben? Und warum heißt es dann „der Lohn der Sünde ist der Tod“? Begreifen wir jetzt, dass wir jemanden brauchen, der uns hilft und dafür sorgt, dass wir straffrei ausgehen? Begreifen wir jetzt, was es bedeutet, wenn es von Jesu Tod am Kreuz heißt: „Er ist das Opfer für unsere Sünden. Er tilgt nicht nur unsere Schuld, sondern die der ganzen Welt.“?

Lassen wir das erst einmal so stehen – und wenden uns wieder Paulus zu.



Begriffe

Apostel: Botschafter von Gottes Reich

Paulus nennt sich einen „Apostel Christi Jesu“. Aber was ist das genau, ein Apostel? Das griechische Wort ἀπόστολος (apostolos) bedeutet im Grunde: “der, der gesendet ist” oder “Bote”. Ein einfacher Überbringer einer Nachricht kann also bereits ein ἀπόστολος sein.

Es gibt aber noch eine weitere Bedeutung, die weitaus mehr Autorität in sich birgt und die am besten mit einem Begriff aus der Diplomatie wiedergegeben wird: “Botschafter”. Also ein “Abgesandter”, der seine Regierung im Ausland vertritt und mit besonderen Rechten und Befugnissen ausgestattet ist; bis hin zur Immunität.

Paulus war also mit den Augen der Diplomatie betrachtet, ein Botschafter Gottes – abgesandt, um Gottes himmlisches Reich auf Erden zu repräsentieren und um die Gute Nachricht vom Opfer Christi und von Gottes Gnade gegenüber unserer Schuld zu überbringen. Und er war, wie wir nachlesen können, von Gott mit Vollmacht ausgestattet und durch Gottes Geist befähigt, sogar bösen Mächten zu gebieten (siehe z.B. Apostelgeschichte 16,18 – die Magd mit dem Wahrsagegeist).

Wenn wir weiter ins Neue Testament schauen, dann sehen wir, dass ein Apostel in seinem Stand sogar über den Ältesten und Gemeindevorsteher stand. Ja wir
lesen: „sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.”

Und wenn wir in die Kirchengeschichte schauen, dann begreifen wir erst das volle Ausmaß der Autorität eines Apostels: kaum ein Mann hat sicherlich das christliche Abendland so sehr geprägt, wie Paulus, von dem ein Großteil der Briefe des Neuen Testaments stammen und der damit den Grundstein für die Kirche gelegt hat, die wiederum mit ihren Werten der Weisheit und Nächstenliebe die Kultur des "christlichen Abendlandes" geprägt hat und dazu beigetragen hat, dass in Europa Universitäten, Schulen, Waisen- und Krankenhäuser gegründet wurden.



Gottes Wille: Unsere Heiligung in Liebe

Was den Willen Gottes angeht: von dem haben wir schon zu Anfang gehört: Gott schuf den Menschen nach Seinem Bild – heilig, gerecht und gut. Und sein ausdrücklicher Wille an uns Menschen war – und ist: „Darum heiligt euch und seid heilig; denn ich bin der HERR, euer Gott.“  Oder mit anderen Worten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ – was im Grunde übrigens ein und dasselbe ist.

Wir sollen also in unserem Leben nicht unseren eigenen egoistischen Lüsten nachjagen, sondern uns in Liebe zu Gott an unsere Mitmenschen verschenken. Oder noch einmal mit den Worten von Paulus: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht .“ Oder: „seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ Oder auch bei Petrus: „Denn das ist der Wille Gottes, dass ihr mit guten Taten den unwissenden und törichten Menschen das Maul stopft“.

Doch das ist ja genau das Problem, wie wir eben gesehen haben: wir tun es ja alle nicht! Wir alle haben das Gesetz Gottes übertreten und uns somit, egal, ob wir uns deswegen schlecht fühlen oder nicht, vor eben diesem Gesetz schuldig gemacht. Und wir brauchen dringend jemanden, der uns vor dem (gerechten!) Urteil Gottes rettet. Denn wir erinnern uns: Gottes Strafgesetzbuch sagt dazu: „Der Lohn der Sünde ist der [ewige] Tod“!



Gottes Wille: Unsere Rettung

Darum ist, was Jesus zum Thema Wille Gottes zu sagen hat, sicher das Aller-Bedeutsamste: „Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“ – „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten. Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt.“ Das ist also Gottes Wille: Das wir – trotz unserer Gesetzesübertretungen – gerettet werden und ewig leben!


Verheißung des Lebens: Das Evangelium

Und genau dieser Wille Gottes – uns vor unserer Strafe zu erretten! – ist es, der in den Verheißungen des Alten und auch des Neuen Testamentes anklingt – es ist das Evangelium:

Im Propheten Micha 5,1 lesen wir: „Du, Bethlehem Efrata, bist zwar zu klein, um unter die großen Städte Judas gerechnet zu werden. Dennoch wird aus dir einer kommen, der über Israel herrschen soll. Seine Herkunft reicht in ferne Vergangenheit zurück, ja bis in die Urzeit.“ Und im Matthäus-Evangelium: “Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Ja „All das geschah, damit sich erfüllt, was Gott [übrigens 650 Jahre vor der Geburt Christi!] durch seinen Propheten Jesaja angekündigt hat: »Seht! Die Jungfrau wird ein Kind erwarten! Sie wird einem Sohn das Leben schenken, und er wird Immanuel genannt werden. Das heißt: Gott ist mit uns.«“.

Und eben diese Verheißung, eben dieses Versprechen hat Gott eingelöst. In Lukas-Evangelium lesen wir: „In Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und gottesfürchtig. Simeon war vom Heiligen Geist erfüllt und wartete sehnsüchtig auf die Ankunft des Christus, der Israel Trost und Rettung bringen sollte. Der Heilige Geist hatte ihm offenbart, dass er nicht sterben würde, bevor er den vom Herrn gesandten Christus gesehen hätte. An diesem Tag führte der Heilige Geist ihn in den Tempel. Als Maria und Josef kamen, um das Kind dem Herrn zu weihen, wie es im Gesetz vorgeschrieben ist, war Simeon dort. Er nahm das Kind auf seine Arme und lobte Gott und sagte: »Herr, nun kann ich in Frieden sterben! Wie du es mir versprochen hast, habe ich den Retter gesehen, den du allen Menschen geschenkt hast. Er ist ein Licht, das den Völkern Gott offenbaren wird, und er ist die Herrlichkeit deines Volkes Israel!«“.



Verheißung des Lebens: SOLUS CHRISTUS

Gott möchte also, dass uns unsere Schuld vergeben und unsere Übertretungen nicht mehr angerechnet werden. Wir selbst können uns vor Seinem Gericht nicht gerecht sprechen. Jemand muss die Schuld bezahlen. Und genau das hat Jesus Christus für uns am Kreuz getan: „Er ist das Opfer für unsere Sünden. Er tilgt nicht nur unsere Schuld, sondern die der ganzen Welt.“

Und das ist der Grund, warum diese „Verheißung des Lebens“ nur „in Christus“ gilt: weil allein Christus unsere Strafe getragen hat – niemand sonst. Darum heißt es im Ephesebrief „In IHM haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade [...]"  Dieses ewige Leben ist also ALLEIN IN CHRISTUS zu finden. Nichts sonst wird uns dieses Leben geben – nicht unserer HERKUNFT – nicht unsere eigenen religiösen ANSTRENGUNGEN – noch unsere ABSTAMMUNG. Darum heißt es: „All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Sie wurden dies weder durch ihre Abstammung noch durch menschliches Bemühen oder Absicht, sondern dieses neue Leben kommt von Gott.“ Und auch: „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“. Allein aus diesem Grunde sagte Jesus: „»Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. NIEMAND kommt zum Vater außer durch mich.«“


Ohne Jesus Nachzufolgen gibt es jedoch keinen Frieden mit Gott. Denn so, wie es heißt: “Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“, so heißt es auch: „Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ Darum steht geschrieben: „Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Darum –bitte!– höre auf Gott, wenn ER ruft: »Jetzt ist die Zeit gekommen [...] Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt euch ab von euren Sünden und glaubt an diese gute Botschaft!«



Bedeutung

Wenn Du das erkannt hast: dass Du mit Deiner eigenmächtigen Art zu leben komplett schief liegst – und wenn Du dann erkannt hast, dass Gott Dich dennoch! liebt – dann wirst Du aus Freude über diese unverdiente Gnade Deinen alten Lebensstil loslassen, zu Gott umkehren und Dich innerlich neu ausrichten auf IHN und Seinen Willen – Du wirst beginnen, in der Liebe zu leben statt in der Selbstsucht, in der Heiligung statt in der Sünde, im Frieden statt im Streit, in der Selbstdisziplin statt in der Sucht, etc. pp.

Und eben das ist die Bedeutung all dessen, was im ersten Vers des 2. Briefes des Paulus an Timotheus verborgen liegt: Das Gott, Dein Schöpfer, Herr und König Dich liebt. Und dass ER Dich kennt – auch Dein kaputtes Herz und Dein vielleicht verkorkstes Leben –  Deine Unfähigkeit Seine guten Gebote zu halten – auch Deine Sünden, Deine Angst, Deine Zweifel und Deine Hoffnungslosigkeit. Und dass ER Dir genau aus diesem Grunde – genauso, wie er es verheißen hatte – das ewige Leben anbietet – dieses Leben, welches allein in Christus Jesus ist. Und dass ER mit Dir fertig wird – so, wie er mit Saulus fertig geworden ist. Nichts ist IHM unmöglich! ER kann auch Dich zu einem Botschafter Seiner Liebe machen!

Das ist das Evangelium: ER kann Dich retten und verändern – und ER WILL es!

Und ER KANN es, denn: „Wenn [...] der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“ Darum schreibt Paulus weiter: „Ich bete, dass ihr erkennen könnt, wie übermächtig groß seine Kraft ist, mit der er in uns, die wir an ihn glauben, wirkt. Es ist dieselbe gewaltige Kraft,  die auch Christus von den Toten auferweckt und ihm den Ehrenplatz an Gottes rechter Seite im Himmel gegeben hat.“



Schlussfolgerung

Es mag sein, dass Du nun glaubst, Du seist so verdorben, so kaputt, so sündig, Du hättest Dich schon so oft gegen Gott verfehlt, dass Du bei IHM „ganz unten durch“ wärst.

Dann möchte ich Dir sagen: Wenn Gott aus einem fanatischen Religionsfreak einen Apostel machen kann, dann kann Er auch mit Dir noch etwas anfangen; obwohl Du so bist, wie Du bist. Er allein kann Dich "umgestalten in Sein Bild" und Dich in Deine Bestimmung führen: Ein Ebenbild zu werden von der Herrlichkeit Gottes
– Seiner Liebe, Gnade, Wahrheit und Vollmacht.

Wie ER das anstellen will? Das lass SEINE Sorge sein. Tue Du das Deine: Schaue auf das Kreuz von Golgatha (vgl. 2. Korinther 3,18): Schaue auf Christus, Gottes Sohn, wie Er für Dich verblutet; wie ER für Dich Sein Leben gibt – aus Liebe! „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ 

ER, der geboten hat, siebzig mal sieben Mal zu vergeben, wird auch Dir vergeben. Und ER wird Dich auch erhalten bis Er kommt: denn „[...] ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“


Darum bitte ich Dich:

  • schau‘ aufs Kreuz!
  • erkenne Christi Liebe!
  • glaube Seiner Gnade!
  • und lebe in Hoffnung!