Posts mit dem Label Allwissenheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Allwissenheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 6. November 2022

Ohne Gebet ist alles Nichts - 2. Wie funktioniert Gebet? (Matthäus 6,5-13)

[Predigt als MP3]

Guten Morgen, ihr Lieben. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch erinnern könnt. Das ist ja jetzt der zweite Teil einer Serie, die hoffentlich noch ein paar mehr Teile hat.

Was bisher geschah

Und im ersten Teil, da ging es um das Geheimnis vom geistlichen Sieg. Das war die Geschichte von Paulus und Silas im Kerker. Und damals war die Frage Warum ist Gebet so wichtig? Da hatten wir gesehen. Gebet ist deswegen so wichtig, weil es unseren Blick weg lenkt von den Problemen hin auf Gott. Weil Gott eben Situationen komplett verändern kann. Einmal: Paulus und Silas sind aus dem Kerker freigekommen. Ich weiß nicht, ob ihr euch an die Geschichte noch erinnern könnt, wo ich im Urlaub in Frankreich war, mit einem Motorrad, keine Bremse lieferbar war und ich dann trotzdem noch eine bekommen habe. Gebet ist also der Schlüssel zum geistlichen Sieg in unserem Leben. Und ich denke, Gebet ist auch der Schlüssel dazu, dass unsere Gemeindevision Wirklichkeit wird. "Gott begegnen, bewegt werden, Leben teilen."

Und damals hatten wir auch die erste Staffel von den Gebetskarten ausgegeben; die stehen hier vorne. Wenn ihr noch keine habt, dürft ihr euch gerne eine nehmen oder wenn euch eure bisherige gerade langweilig geworden ist, könnt ihr euch auch gerne eine neue holen. So. So viel einmal zu dem, was bisher geschah.

Was ist heute dran? In der heutigen Predigt wird es um die Frage gehen "Wie funktioniert Gebet?" Also nicht warum, sondern wie eigentlich? Und als Text habe ich uns Matthäus 6, Verse 5 bis 13 mitgebracht, der in der Lutherübersetzung überschrieben ist mit "Vom Beten".

Und ich denke, die Quintessenz, das nehme ich jetzt schon mal vorweg, die wird sein, Gott zentriert und begegnungsorientiert zu beten. Untertitel: Gebet ist keine Zauberei. Es ist auch kein leistungsorientierter Kuhhandel. Es ist kein bittstellerisches Betteln, sondern im Gebet geht es vorrangig um die Begegnung mit Gott, und zwar mit Gott, unserm Vater. Der sich um uns kümmert, weil wir seine Kinder sind. Und ich denke und hoffe, diese Erkenntnis wird uns herausführen aus irgendwelchen unnötigen Ängsten hinein ins Danken. Gebet ist, Gott zu begegnen als dem Allwissenden. Dem, der längst weiß, was wir brauchen. Und ich hoffe, das führt uns heraus aus Erklärungen hinein in die Gemeinschaft. Und last but not least Begegnung mit Gott als dem Allmächtigen, dessen Möglichkeiten da anfangen, wo unsere längst enden. Und auch das führt heraus aus der Enge, der Begrenzung unserer eigenen Sicht hinein in Gottes Weite. Kurz und gut: Es geht um das Gebet als Begegnung mit Gott, der nicht unsere Leistung sucht, sondern sich Gemeinschaft mit uns wünscht. Gebet, das uns herausführt aus dem Krampf der Werke hinein in die Freiheit der Gnade. 

So! Beim Text habe ich ein bisschen geschummelt, das muss ich zugeben, weil die Verse 5 bis 8, die habe ich mir aus der guten Nachricht geborgt. Und das Vaterunser habe ich mir dann aber in der gegenwärtigen ökumenischen Fassung geborgt von der Arbeitsgemeinschaft für Liturgische Texte, die das 1968 so zusammengestellt hat; weil das höchstwahrscheinlich die die Version ist, die ihr kennt. Die ist in der Guten Nachricht ein bisschen anders wiedergegeben. Also es ist zusammengezimmert. 


Unser heutiger Text

Ich möchte nun den Text mit uns lesen. Jesus sagt das übrigens auf die Frage hin "Herr, lehre uns beten!". Also auf die Frage hin "Wie funktioniert Gebet?" Und das ist Jesu Antwort auf die Frage "Wie können wir beten?" 

Und er sagt „Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen. Sie beten gern öffentlich in den Synagogen und an den Straßenecken, damit sie von allen gesehen werden. Ich versichere euch, sie haben ihren Lohn bereits bekommen. Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebets Worte herunter wie die Heiden. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen. Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiß, was Ihr braucht, bevor Ihr ihn bittet. So sollt ihr beten. Vaterunser im Himmel, Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld. Wie auch? Wir vergeben unseren Schuldigen. Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“.

 

Gott ist schon motiviert!

Ich fange mal mit den ersten beiden Versen an, da steht im Vers 5 „Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen. Sie beten gern öffentlich, damit sie von allen gesehen werden.“ 

Wir sollen beim Beten also nicht versuchen, Menschen zu beeindrucken. Weil wir dann nämlich im Herzen mehr bei den Menschen sind als bei Gott. Und ich weiß nicht, ob ihr das schon mal erlebt hat. Der eine oder andere von uns wird ja auch schon wohl in Gesellschaft gebetet haben. Ich habe das Gott sei Dank schon lange nicht mehr erlebt. Aber ich habe es schon erlebt, dass es Leute gibt, die - weiß ich nicht - einen Monolog halten, die mit ausgewählten und gut geschmückten Worten wirklich beeindrucken wollen, aber bei denen man den Eindruck hat, mit ihrem Herzen sind sie eigentlich gar nicht bei der Sache. Ich habe mich angesichts dieses Verses gefragt "Was würdest du von einem Ehemann halten, der seiner Frau nur in der Öffentlichkeit, das heißt vor allen Leuten, Komplimente macht und sie zu Hause einfach links liegen lässt?" Oder "Was würdest du von einer Ehefrau halten, die ihrem Mann, wenn alle zugucken, Achtung erweist und ihm zu Hause auf der Nase herumtanzt?" Das ist das, was Jesus mit scheinheilig meint. Und ich glaube, Gott empfindet uns gegenüber genauso. Ich glaube, dass Gott sehr gut merkt, wo wir mit unserem Herzen sind, wenn wir beten. Ob wir versuchen, die Menschen um uns herum zu beeindrucken mit unseren tollen Gebeten oder ob wir wirklich mit dem Herzen bei ihm sind. Ich denke, Gott will nicht, dass wir öffentlich eine Show abziehen. Er will, dass wir ihn lieben. Er will, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben. 

Und das geht am besten in der Stille. Im vertrauten Raum unserer vier Wände. Und genau darum sagt Jesus, Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer. Schließ die Tür zu. Und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Gott sehnt sich danach, mit uns allein zu sein. So wie gute Freunde bei einem wirklich persönlichen, tiefen Gespräch. Und ich glaube, dass Jesus das sagt, weil Gott in der Stille zu finden ist und nicht im Lärm. Und darum will Gott, dass wir uns zum Beten zurückziehen, eben in dieses Verborgene, in die Abgeschiedenheit unseres stillen Kämmerleins. Denn Gebet heißt mit Gott Gemeinschaft haben. Nicht nur mit ihm reden, sondern mit dem ganzen Herzen bei ihm sein. Darauf kommt es an. 


Und dann steht da: „Dein Vater, der auch in das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.“ 

Gott will also unsere Gebete belohnen. Und das finde ich sooo wichtig. Ich finde es deswegen so wichtig, weil ich kenne das von mir: Ich weiß nicht, ob es euch auch schon mal so gegangen ist. Ich habe ganz oft gemeint, ich müsste Gott motivieren, meine Gebete anzuhören. Ja, und ich habe ganz oft den Eindruck gehabt, dass ich gar nicht feste genug gebettelt habe, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ganz oft das Gefühl gehabt, ich müsste mir das, was ich mir wünsche durch harte Gebetsarbeit verdienen. Aber so ist Gott gar nicht. Gott ist gut. Gott ist längst motiviert, bevor ich noch den Mund aufmache. Und da steht es: Gott will uns belohnen. Und darum, weil er so ist, lädt er uns ein. 

Das habe ich mir jetzt aus Matthäus 7, Vers 7+11 gemopst. Er lädt uns ein, „Bittet und ihr werdet bekommen. Sucht und ihr werdet finden. Klopft an! Es wird euch geöffnet.“ Und für die, die das immer noch nicht fassen können, sagt er dann „So schlecht ihr auch seid, wisst ihr doch, was euren Kindern guttut und gebt es ihm. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten?“ 

Das heißt, dass Gott unsere Gebete nicht nur hören, sondern erhören will, wenn sie in seinem Sinne gebetet sind. Das ist so klar verbunden mit seinem Wesen und damit, dass er wirklich gut ist. Das eigentlich... - man müsste diesen Vers 11 eigentlich mit Kopfschütteln lesen: „Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten?“ Das ist doch klar. Gott ist gut! Wenn wir schon, die wir schlecht sind, unseren Kindern Gutes geben können, wie viel mehr wird Gott denen Gutes geben, die ihn darum bitten? Das heißt, wenn wir zu Gott im Gebet kommen, dann müssen wir ihn gar nicht erst davon überzeugen, unsere Gebete erhören zu wollen. Wir müssen ihn nicht erst motivieren, bevor er willig wird, uns etwas zu geben. Gott ist Liebe. Das ist übrigens einer der kürzesten Verse in der Bibel. 1. Johannes 4,16. „Gott ist Liebe.“ Und er will uns immer schon beschenken. Und zwar zuallererst mit sich selbst. Doch um ihm wirklich zu begegnen, braucht es Stille. Und wenn wir ihm in der Stille begegnen, wird er uns belohnen.

 

Gott weiß längst alles!

Gott ist also schon motiviert. Das ist doch schon mal was. Trotzdem kann es doch bestimmt nicht schaden, wenn wir ihm erst noch mal erklären, was passiert ist, oder? Wie wir uns fühlen. Und am besten auch noch kluge Ratschläge geben, wie er genau jetzt unser Problem lösen könnte. Ich denke, dass Gott weiß, dass wir so ticken. Und weil er das weiß, steht in den nächsten beiden Versen folgendes: 


„Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebets Worte herunter wie die Heiden. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen.“ 

Und für mich bedeutet es Wir müssen Gott nicht beeindrucken mit irgendwelchen toll auswendig gelernten Gebetsformeln oder mit kunstvoll formulierten Gebeten. Wir müssen bei Gott nichts leisten und auch keinen Eindruck schinden. Und schon gar nicht sollten wir unsere Gebete herunterleiern, wenn es doch darum geht, mit unserem Herzen bei ihm zu sein. Gott ist so viel wichtiger, dass wir ihm im Gebet begegnen. Aber noch wichtiger finde ich, was dann als nächstes kommt. 


Dort heißt es „Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiß, was Ihr braucht, bevor Ihr ihn bittet.“ 

Ich finde das so unaussprechlich tröstlich. „Euer Vater weiß, was Ihr braucht, bevor Ihr ihn bittet.“ Ich muss ihm gar nichts erklären. Gar nichts. Er weiß längst alles. Er weiß, was passiert ist. Er weiß, wie's mir geht. Er weiß, was das Problem ist. Und er weiß ganz sicher auch, wie man es löst. 

Wenn ich also zu Gott komme im Gebet, dann begegne ich keinem Fremden. Jemandem, dem ich erst alles erklären muss. Ich begegne ihm, meinem Vater, als dem allmächtigen und allwissenden Gott, der mich liebt. Im Gebet begegne ich Christus, der mich durch und durch kennt. Er hat mich gemacht! Ich begegne Ihm, der mich so sehr liebt, dass er für mich am Kreuz gestorben ist. Wenn ich bete, dann begegne ich dem, von dem es im Psalm 139 heißt. „Herr, Du durchschaust mich. Du kennst mich bis auf den Grund. Ob ich sitze oder stehe. Du weißt es. Du kennst meine Pläne von ferne. Ob ich tätig bin oder ausruhe. Du siehst mich. Jeder Schritt, den ich mache, ist dir bekannt. Und noch ehe ein Wort auf meine Zunge kommt, hast du, Herr, es längst gehört. Von allen Seiten umgibst du mich. Ich bin ganz in deiner Hand. Dass du mich so durch und durch kennst. Das übersteigt meinen Verstand. Es ist mir zu hoch. Ich kann es nicht fassen.“ Ihr Lieben, Wenn ich also zu Gott komme? Dann komme ich zu einem Vertrauten. Wie zu einem besten Freund; dem ich nicht erst erklären muss, was passiert ist; dem ich schon gar nicht erklären muss, wie er das Problem löst. Weil er längst alles weiß. Ich muss ihm nicht mal erklären, wie ich mich fühle, weil er auch das weiß. Und er hört mir gerne zu. Er freut sich, wenn ich ihm mein Herz ausschütte. Und er freut sich noch mehr, glaube ich, wenn ich anfange zu begreifen, dass er längst alles weiß: weiß, was kaputt ist; weiß, wie man's repariert; weiß, was ich brauche. Und zwar genauer als ich selbst. 


Gott kann absolut alles!

Ich möchte zum Dritten und letzten Punkt kommen, den ich überschrieben habe mit "Gott kann absolut alles". Ihr werdet gemerkt haben, dass ich die Bitten aus dem Vaterunser weggelassen habe, also die Verse 9 bis 13. Die können wir uns gern ein andermal anschauen, vielleicht sogar im Zusammenhang mit der Fortsetzung dieser Predigtreihe, weil in der ersten ist es ums "Warum?" Gegangen. Heute geht es ums "Wie?". Und in den folgenden soll es ums "Was?" gehen, und zwar um den Inhalt der einzelnen Gebetskärtchen. 

Heute möchte ich mit euch vielmehr nur den letzten Aspekt aus dem Vaterunser anschauen. Und noch mal: Das Vaterunser ist ja Jesu Antwort auf die Frage "Herr, erkläre uns, wie wir beten können!" Also genau unser Predigtthema "Wie funktioniert Gebet?" Wir hatten schon gesehen, dass wir Gott nicht motivieren müssen. Wir hatten auch gesehen, dass wir Gott nichts erklären müssen. Und jetzt kommt noch so ein toller Punkt und der ist versteckt. Vielleicht nicht ganz, aber ein bisschen versteckt. 


Im Vers 13. Dort heißt es „Denn dein ist das Reich und die Kraft. Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ 

Was in diesem Vers versteckt ist, ist Gottes Allmacht. Zumindest ein Hinweis darauf. Es heißt dein ist die Kraft. Aber was ist das für eine Kraft? In Jeremia 32,17 heißt es. „Ach, Herr, du mächtiger Gott! Durch deine gewaltige Kraft und Macht hast du Himmel und Erde geschaffen. Nichts ist dir unmöglich.“ 

Gott ist also so allmächtig, dass er ein ganzes Universum erschaffen konnte. Ich habe mir dazu notiert: "Das ist schon ein großer Brocken." Ich weiß nicht: Ich schaue gern Wissenschaftssendungen an und ich habe das wahrscheinlich auch schon mal gesagt. Falls ja, dann nehmt es mir bitte nicht krumm, aber das hat mich so von den Socken gehauen. Da hat sich jemand mal die Mühe gemacht, all die astronomischen Daten und Bilder zusammenzutragen, die es bis heute gibt über das bekannte Universum. Mit übrigens einer Ausdehnung von über 90 Milliarden Lichtjahren, obwohl es erst 13,8 Milliarden Jahre alt ist. 

Und er hat dieses Video gedreht – in sogenannten Zehnerpotenzen. Das ganze Ding fängt an mit einem Pärchen, das im Hyde Park liegt und Händchen hält. Und die Auflösung ist 1 Meter. Man sieht die Leute also noch gar nicht ganz. Man sieht die – sozusagen nur den Rumpf – wie sie Händchen halten und dann geht oben der Zähler los: 100 Meter. Das ist 1 Meter. Und dann geht der Zähler hoch. Um eins: 101 Meter. Das sind 10 Meter. Schwupps! Die beiden sind auf einmal nur noch ‚so‘ groß: alles ist zehnmal so klein! Man sieht jetzt zehnmal mehr. Und der Zähler läuft weiter. Und im Null Komma nichts verschwindet der Hyde Park. Man sieht auf einmal Nordamerika und dann verschwindet die Erde und dann dauert es ein bisschen. Dann fliegt der Mond vorbei und der Zähler geht ganz langsam weiter. 

104, 105, 106. Das Sonnensystem verschwindet. Alle möglichen Nachbarn schwimmen vorbei und irgendwann sieht man unsere Milchstraße und dann friert es einen schon und es wird noch kleiner und irgendwann fliegt unsere Milchstraße vorbei. Die Nachbargalaxien, die Magellanschen Wolken, die Andromeda Galaxie und dann friert es dich noch mehr. Dann denkst Du: "Das jetzt reicht! Das ist das Universum, oder?" Und dann wird es noch kleiner, noch kleiner und dann fängt es an: Dann fliegen Galaxien über Galaxien vorbei. Immer mehr, dass du denkst, dir haut's den Vogel raus und es wird immer kleiner. Dann denkst du: "Aber das ist es jetzt?" Nee, das ist nur eine Region des Himmels. Und dann wird es noch kleiner, bis es wie ein Punkt wird. Und dann fliegen solche Regionen ins Bild rein. Ich könnte noch weitererzählen. Das geht noch zwei Stufen weiter, bis du irgendwann dastehst und sagst "Das gibt's ja gar nicht!" 

So! Und das hat Gott geschaffen. Wie gesagt: "Ein großer Brocken." Und manchmal geht es uns so, dass wir sagen: Ja, aber diese Allmacht, das ist mir zu allmächtig, da habe ich kein Kleingeld, das kann ich nicht rausgeben, das kann ich auch nicht mehr begreifen. Und deswegen habe ich uns noch ein schönes, alltagstaugliches Beispiel mitgebracht für seine Allmacht. Und das ist Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer. Von der heißt es im Lukasevangelium: 

„Auch Elisabeth...“ - also das ist zur Maria gesprochen, der Mutter Jesu - „Auch Elisabeth, deine Verwandte, bekommt einen Sohn, trotz ihres Alters. Sie ist bereits im sechsten Monat und es hieß doch von ihr, sie könne keine Kinder bekommen.“ 

Gott ist nichts unmöglich. Und das ist ins Alltagsleben hineingesprochen. Und ich denke, gerade im Alltag geht es uns auch immer wieder so, dass wir vor Situationen stehen, wo wir sagen "Das geht nicht, das kann man jetzt nicht mehr lösen." Ich höre Gott sagen "So, so! Das kann man also nicht lösen." Wir können es nicht lösen. Das mag wahr sein, aber das heißt noch lange nicht, dass Gott es nicht kann. Denn er ist Gott. Der Gott, der wirklich alles kann. 

Jesus Christus, unser Heiland, ist dieser allmächtige Gott, der Mensch geworden ist. Und das hat er sein Leben lang bewiesen. Als Johannes, damals von Zweifeln geplagt, im Gefängnis saß, ließ Jesus ihm folgendes ausrichten. „Blinde sehen. Gelähmte gehen. Aussätzige werden gesund. Taube hören. Tote stehen auf. Und Armen wird die gute Nachricht verkündigt.“ Und das Gleiche lässt Jesus auch heute dir ausrichten: Nichts ist ihm zu schwer; nichts ist ihm unmöglich. Und das wird für alle Ewigkeit so bleiben. Oder um es mit einem alten Kirchenlied zu sagen „Befiehl du deine Wege und was dein Herz gekränkt, der aller treuesten Pflege des, der die Himmel lenkt. Ihn, ihn lass tun und walten, Er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst. Wird's aber sich befinden, dass du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, wenn du's am mindesten gläubst. Er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast.“ 

Dir mag es vielleicht unmöglich erscheinen, dass Gott dein Problem jemals löst. Für Gott ist es das nicht. Darum bitte ich dich heute mit Psalm 37,7: „Werde ruhig vor dem Herrn. Und warte gelassen auf sein Tun.“.

 

Ein Ausblick mit Hoffnung

Ihr Lieben, wenn das wirklich stimmt. Dass Gott längst motiviert ist, dir zu helfen. Und wenn du Gott gar nichts erklären musst, weil er längst alles weiß: Weil er weiß, was du erlebt hast. Weil er weiß, was du denkst. Weil er weiß, was du fühlst. Und wenn es wirklich stimmt, dass ihm kein Ding unmöglich ist, dann bedeutet das, dass du vielleicht auf eine ganz neue Art und Weise beten kannst. Nämlich in dem Bewusstsein, dass es in deinem Gebet vielmehr um die Begegnung mit Gott geht. Der schon seit Grundlegung der Welt nur das Beste für dich im Sinn hat. Und dass du ihm dein Herz ausschütten darfst in dem Wissen, dass er dich wie niemand anderes versteht. Und dass du, ohne zu viel zu wagen, ihn auch um Dinge bitten darfst, die unmöglich scheinen. Weil du sie ihm zutrauen darfst. 

Ich denke, Gott wünscht sich das, dass wir das begreifen. Dass es in unseren Gebeten nicht um unsere Leistung geht. Nicht darum, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Sondern darum, mit ihm Gemeinschaft zu haben. Mit ihm, der uns mehr liebt als sein Leben. Mit ihm, der uns versteht wie kein anderer. Mit ihm, der uns seit Grundlegung der Welt beschenken will. Mit ihm, dem kein Ding unmöglich ist. 

Und diese Erfahrung wünsche ich uns allen. 

Amen!

 

 

Sonntag, 2. Juni 2013

Ein Loblied auf Gottes Allmacht und Hilfe (Ps 33:1-22)


Text

1 Freuet euch des HERRN, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn recht preisen. 2 Danket dem HERRN mit Harfen; lobsinget ihm zum Psalter von zehn Saiten! 3 Singet ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall! 4 Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß. 5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN. 6 Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. 7 Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten. 8 Alle Welt fürchte den HERRN, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. 9 Denn wenn er spricht, so geschieht's; wenn er gebietet, so steht's da. 10 Der HERR macht zunichte der Heiden Rat und wehrt den Gedanken der Völker. 11 Aber der Ratschluß des HERRN bleibt ewiglich, seines Herzens Gedanken für und für. 12 Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! 13 Der HERR schaut vom Himmel und sieht alle Menschenkinder. 14 Von seinem festen Thron sieht er auf alle, die auf Erden wohnen. 15 Er lenkt ihnen allen das Herz, er gibt acht auf alle ihre Werke. 16 Einem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft. 17 Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen; und ihre große Stärke errettet nicht. 18 Siehe, des HERRN Auge achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen, 19 daß er sie errette vom Tode und sie am Leben erhalte in Hungersnot. 20 Unsre Seele harrt auf den HERRN; er ist uns Hilfe und Schild. 21 Denn unser Herz freut sich seiner, und wir trauen auf seinen heiligen Namen. 22 Deine Güte, HERR, sei über uns, wie wir auf dich hoffen. 
Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Loblied fordert David die von Gott gerecht gesprochene Gemeinde angesichts der Gutheit und Allmacht Gottes zu frohem Lob und Dank auf, denn Er, der Kenner der Herzen und Wege der Menschen, ja Er selbst, der Lenker der Nationen, der Urheber und Vollender des göttlichen Heilsplans, ist den Seinen Hilfe und Schild. Darum traut Sein Volk auf Ihn allein und auf sonst nichts und niemand.

Struktur

1-3 David ruft das Gottesvolk zu freudigem Dank und schallendem Lob
4-7 Denn Gottes Wesen ist makellos und Seine Macht kennt kein Ende
8-12 Darum soll jedermann Ihm mit Demut und voll Ehrfurcht begegnen: Er ist der Lenker der Nationen und Sein guter Plan allein hat Bestand, darum ist Er Schutz Seines Volkes
13-15 Der Schöpfer des menschlichen Herzens schaut sehr genau auf des Menschen Tun
16-19 Und warnt vor sinnlosem Selbstschutz: Gott allein ist den Seinen Hilfe im Leben
20-22 Darum erwartet Gottes Volk alle Hilfe, mit Freude und Hoffnung, allein von Ihm

Inhalt

1-3 In diesem Loblied besingt David die unvergleichliche Herrlichkeit Gottes und ruft die Gemeinde der Gerechten und Frommen auf, sich zusammen mit ihm von ganzem Herzen am HERRN zu freuen: Ihn sollen sie recht preisen, Ihm sollen sie danken, Ihm ein neues Loblied singen. Trefflich sollen sie spielen und ein Crescendo der Freude soll erschallen, wenn die Gemeinde sich Ihrem Gott zuwendet und Ihm zum Klang der Saiten die Ehre gibt.

4-7 Doch was hat David vor Augen, wenn er das ausdrückt? Es ist das gute und wunderbare Wesen unseres Gottes: Seine Liebe zur Gerechtigkeit und zum Recht, Seine Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, die Wahrhaftigkeit Seines Wortes und Seine Zuverlässigkeit und unverbrüchliche Treue mit der Er jedes Seiner Versprechen hält. Ja, jeder Winkel Seiner Schöpfung ist ein Loblied auf Seine Allmacht und Güte und die Erde fließt über vom Zeugnis Seiner Herrlichkeit und Kraft (Rö 1:20a, Hebr 11:3, Offb 4:11). In Christus schuf Er den Himmel durch Sein allmächtiges "es werde" und durch Seinen Geist die himmlischen Heerscharen (Kol 1:16). Er ist der Herr über die gewaltigen Ozeane und der Herr über die Gezeiten.

8-12 Weil Er so ist: ehrlich, wahrhaftig, zuverlässig und treu - herrlich, gewaltig, allmächtig und gut, soll jeder Mensch, ja alle Schöpfung auf der Welt, Ihm mit Ehrfurcht begegnen - und, angesichts der eigenen Hilflosigkeit und der unwiderstehlichen Schöpfungskraft Seines Wortes, im demütigen Bewusstsein Seiner unendlichen Macht und mit heiliger Scheu. Denn: Sein Plan allein hat Bestand, Seine Entscheidungen stehen für immer fest; was Er sich in Seinem Herzen vorgenomen hat, wird fortdauern in alle Ewigkeit. So durchkreuzt Er die Beschlüsse der gottlosen Nationen und läßt die Pläne der Staaten im Keim ersticken.

Ja so ein mächtiger Schutz gegen die Pläne der Nationen ist der Ewige und Allmächtige, dass David dem Gottesvolk um ihrer Beziehung zu Ihm willen den Segen zuspricht. Denn die Erwählten Gottes sind das von Gott selbst für sich auserkorene Erbteil: Ihm wird das Erbe nicht durch das Los zugeteilt; Er, der Souveräne, wählt es sich. Und so können wir sicher sein, dass wir, die durch das Blut Christi Gereinigten und Geheiligten, in Gottes Augen sind, wie "liebliches Land", dass Er beschützen wird vor allen Anschlägen des Bösen - über das Er wie David spricht: "mir ist ein schönes Erbteil geworden" (vgl. Ps 16:6).

13-15 Und so blickt nun der Ewige vom unumstößlichen Sitz Seiner Herrschaft im Himmel auf alle Menschen der Erde und beobachtet das Handeln jedes Einzelnen von ihnen sehr genau (Ps 8:5, Heb 2:6). Er, der ihr Herz im Mutterleib geformt (Buber: 'gebildet') hat (Hi 31:15, Ps 139:13, Jes 44:24, Jer 1:5), achtet auf alles, was sie tun.

16-19
Und David warnt uns: angesichts der Fährnisse des Lebens und der eigenen Sünde hilft weder einem Staatsoberhaupt seine politische Macht noch einem Elitesoldaten die körperliche Stärke. Auch der Verlass auf die unbändige Kraft von Streitrossen wäre angesichts solch großer Widersacher reiner Selbstbetrug. Vielmehr ist der allmächtige HERR allein die Rettung vom Tode; ER achtet auf die Herzen derer, die ihm in Ehrfurcht begegnen und auf seine unverdiente Güte hoffen und erhält sie auch in Dürrezeiten am Leben.

20-22 Weil das so ist, harren wir auf Ihn, warten wir auf Ihn und freuen uns seiner von Herzen. Darum vertrauen wir auf Sein vollkommenes Wesen, seinen heiligen und reinen Charakter und bitten Ihn, den unumschränkten Herrn der Schöpfung um seine helfende Hand und Seine schützende Güte. Und so beten wir auch um Seine Güte und hoffen allein auf Ihn.

Praktische Anwendung

1. Lobe Gott, den Er ist gut! (Ps 103:2)
2. Vertraue Gott allein, denn Sein Heilsplan wird vollendet (Jes 46:9f).
3. Bitte Gott um Hilfe "und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen" (Ps 37:5)

Sonntag, 21. April 2013

Vom Segen der Sündenvergebung (Der zweite Bußpsalm) (Ps 32:1-11)

Text
1 Eine Unterweisung Davids. Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! 2 Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist! 3 Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. 4 Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. SELA. 5 Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach:Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. SELA. 6 Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst. Darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen. 7 Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, daß ich errettet gar fröhlich rühmen kann. SELA. 8 »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. « 9 Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiß anlegen muß; sie werden sonst nicht zu dir kommen. 10 Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen. 11 Freuet euch des HERRN und seid fröhlich, ihr Gerechten, und jauchzet, alle ihr Frommen.


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalm lehrt David uns den unschätzbaren Wert der Vergebung
Gottes und ruft uns auf, von seiner Erfahrung zu lernen: Alles Vertuschen hat keinen Sinn vor den Augen des Allwissenden (Ps 139:1ff), sondern bringt uns nur noch mehr Leid. Allein im Wagnis der Begegnung mit Gott, dem allein Heiligen, liegt unsere Erlösung: Vergebung der Sünden. Mit dem durch diese Erfahrung gewonnenen Wissen über die Gnade und Güte Gottes kommt auch die Glaubensgewissheit der Erhörung unserer Gebete; denn "Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not." (Ps 34:18). Auf diese Weise doppelt im Glauben gestärkt, ruft David die Kirche auf zum Lob der Güte, Gnade und Hilfe Gottes, auf den wir allezeit hoffen und dem wir unser Herz ausschütten dürfen: ER ist unsere Zuversicht (Ps 62:9).


Struktur

Der Psalm ist in sechs Paare teils synonymer, teils synthetischer und endlich antithetischer, Parallelismen gegliedert, die sich, bis auf Vers 5, über je zwei Verse erstrecken. Dabei werden die einzelnen Aussagen aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt, verstärkt und zu einem Höhepunkt verdichtet:

1-2 Lobpreis des Segens der Sündenvergebung auf der Basis von Aufrichtigkeit.
3-4 Bericht über eigenes, durch Vertuschung von Schuld verursachtes, Leid.
5    Leid als Motivation zum
Bekenntnis. Sündenbekenntnis und Vergebung.
6-7 Gottes Gnade als Fundament unserer Gebete in Zeiten der Angst und
      Gottes Gebetserhörung als Garant unserer inneren Freude in Anfechtung.
8-9 Verheißung der Leitung und Ruf zum Gehorsam und zur Fügsamkeit.
10-11 Gegenüberstellung von Gottlosigkeit und Frömmigkeit; Aufruf an die
      Gemeine zu Freude und Lob angesichts der verheißenen Güte Gottes.


Inhalt

1a
Dieses Lied König Davids ist einem bestimmten Zweck gewidmet: es ist ein Lehrpsalm mit dem David dem Volk Gottes seine aus leidvoller Erfahrung gewonnene Erkenntnis zum Thema Sündenbekenntnis und Sündenvergebung vermitteln will.

1b-2 David kennt den Segen der Vergebung aus seiner eigenen Vergangenheit; er weiß, was es heißt, von der Zentnerlast der eigenen Schuld befreit zu werden und er hat am eigenen Leibe das seine Seele befreiende Wohl erfahren, das er hier besingt: Sich und Gott nicht länger selbst durch die Verheimlichung der eigenen Schuld zu betrügen, sondern in die glückselige Freiheit der Gemeinschaft mit Gott einzutauchen. Dem Gott, der ihm aus Gnade die Übertretungen Seines heiligen Gesetzes vergibt. Der die beschämende Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit mit dem Mantel Seiner liebenden Vergebung zudeckt. Dem Gott, der ihm und uns die faktisch existierende Verschuldung Ihm gegenüber aus reiner Güte, Gnade und Barmherzigkeit, nicht anrechnet.

So hat es auch 1.000 Jahre später der Apostel Johannes für uns festgehalten: "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit" (1Jo 1:8-9)

3-4 David weiß, welche schwerwiegenden Folgen es hat, wenn wir unsere Schuld unter den Teppich kehren, so tun als sei nichts gewesen und die Unmoral unserer Fehltritte und Sünden vertuschen und verheimlichen wollen; er berichtet uns in diesem Psalm davon, wie sehr er selbst unter den Folgen solcher Unaufrichtigkeit zu leiden hatte: das innere seiner Seele dörrte förmlich aus. So groß war seine innere Not, dass selbst sein Körper in Mitleidenschaft gezogen wurde. Tag für Tag, den er in dieser unseligen Haltung der Verleugnung seiner Schuld verbrachte, lag die Hand unseres gerechten Gottes auf seinem Gewissen. Nicht um ihn zu quälen, sondern um ihn zur Umkehr zu rufen. Und Tag für Tag, Nacht um Nacht, litt David unter der selbst verursachten Spannung zwischen der unumstößlichen Tatsache seiner Schuld und dem krampfhaft aufrecht erhaltenen Schein seines äußeren Ansehens. Und jeder Tag, den er so verschwendete, war angefüllt mit dem Brennen in seinem Gewissen und der täglichen Klage über den inneren Schmerz.

5 So sehr litt David, dass er, dank der souveränen Gnade Gottes, schlussendlich bereit war, Gott seine unheiligen Taten zu bekennen; zuzugeben, was er getan hatte und keinen Hehl mehr aus der Wahrheit zu machen: dass er nicht der war, der er gerne gewesen und dass er sich nicht so verhalten hatte, wie es recht gewesen wäre. Mit dieser Wahrheit und im Schmerz dieser Erkenntnis wagt er sich an die gefährlichste Stelle im Universum: in die heilige Gegenwart Seines Schöpfers, Königs,
Richters und HERRN. Und findet -nicht das befürchtete Gericht, vor dem er sich versteckte, sondern- liebende Annahme, Gnade und Vergebung seiner Sünde.

6-7 Diese überraschende, souveräne und freie Gnade Gottes ist unser aller Fundament zum Gebet; nur aus diesem Grunde wendeten sich die Heiligen aller Jahrhunderte in Zeiten der Angst und Bedrängnis an Gott: weil sie um Sein gutes Wesen wussten.
So wusste es Jakobus, als er schrieb: "Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen..." (Jak 4:8), denn er ist "barmherzig und ein Erbarmer" (Jak 5:11). So wusste es Hesekiel, als er niederschrieb "So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe." (Hes 33:11). Und so wusste es auch Jesaja, als er Gottes Offenbarung notierte: "Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung" (Jes 55:7). 
 
Das auf dieses gütige Wesen Gottes vertrauende Gebet in der Not jedoch, zeitigt wiederum selbst ein Ergebnis: Wenn auch in dieser Zeit Fluten der Angst und des Leidens (vgl. Ps 42:7-8) auf Gottes Kirche einstürmen, so ist doch die Gewissheit der Güte Gottes im Herzen der Gläubigen ein fester Damm, der die Heiligen beschützt: Ja es ist Gott selbst, der Seine Kinder durch das Wirken Seines Heiligen Geistes in ihren Herzen beschirmt und behütet, so dass sie sich
zusammen mit dem Apostel Paulus wahrnehmen als "...die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben." (2Kor 6:9-10).

Dieses Wissen um die Güte und Gnade Gottes, dieses Wissen um die eigene Errettung ist es, die es David erlauben, sich voll Freude zu rühmen, so wie geschrieben steht: "Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR" (Jer 9:22-23).

8-9
In diesem Wissen um die Gnade Gottes und Seine Freundlichkeit, welche unser Gebet in der Not erhört, ermahnt uns David zu Gehorsam und Fügsamkeit gegenüber der Leitung des Heiligen Geistes. Und durch seine Stimme hindurch klingt gleichsam die Stimme Gottes, der uns zuruft: »ICH will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.« (Vers 8). Ob durch Sein Wort und die Predigt, ob durch unser Gewissen und der Stimme Seines Geistes in uns oder durch Seine Vorsehung und das Gespräch mit unseren geistlichen Geschwistern: Gott ermahnt uns, uns in Bezug auf Seine Leitung nicht so störrisch anzustellen, wie Esel und nicht so, wie unverständige Pferde, die man erst mit Zaumzeug und Kandare dazu bekommt, dass sie die richtige Richtung einschlagen. In unserem Bilde: Hin zu Gott und nicht weg von Ihm. Hin zum Bekenntnis unserer Schuld und nicht fort in die Finsternis der Verleugnung der Wahrheit.

10-11 Nach Vorstellung dieser Einsichten in das geistliche Leben stellt David noch einmal die Folgen von Gottlosigkeit und Frömmigkeit einander gegenüber. "Wer seine Sünde leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen" (Spr 28:13) steht in den Sprüchen und David fügt hinzu: "...wer aber auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen" (Vers 10b). Wer das verstanden hat, wer verstanden hat, dass Er bei Gott Gnade finden wird, wenn er nur seine Schuld nicht verhehlt und seine Sünden nicht verleugnet und wer weiß, dass sein Ausharren und seine Hoffnung auf den Herrn nicht enttäuscht werden (
Jak 5:11), der kann Davids Aufruf folgen und mit unaussprechlicher Freude, mit Freudenschreien und Fröhlichkeit Gott loben und sich an IHM freuen, der unser großer Lohn ist (1Mo 15:1).


Praktische Anwendung

1. Verheimliche Deine Schuld nicht länger dem Allwissenden - beichte sie IHM!
2. Bekenne IHM Deine Sünden und freue Dich über Seine gnädige Vergebung!
3. Erinnere Dich in allem Leid: Du bist errettet und Gott hört gerne Dein Gebet!







[Pfingst-Predigt als PDF]

Freitag, 30. März 2012

Alles im Griff!


Wir Menschen der Postmoderne pendeln gerne zwischen den Extremen. Ganz besonders, wenn es um den Willen geht. Unseren natürlich. Unseren freien Willen. So sind wir einerseits und ganz im Allgemeinen geneigt anzunehmen, wir hätten unser Leben völlig im Griff. Schließlich sind wir es, die entscheiden, was wir tun und was wir lassen, wohin wir fahren, was wir essen, wie wir uns kleiden und viele andere Dinge mehr. "Unter'm Strich - zähl ich!" titelt die Postbank. Und das aus gutem Grund (1). Und so fühlen wir uns auch gern: Als Herr(inn)en der Lage: absolut souverän (1) in allen Entscheidungen.

Andererseits erklärt uns die Wissenschaft mit - oberflächlich betrachtet - bestechender Logik, dass unser Wille gar nicht frei sei, sondern lediglich eine Illusion. Und gerne säßen wir dieser Illusion auf, weil diese sich durch eine nachträgliche Sinnfindung für unsere Handlungen rechtfertigt (2). Diese Sinnfindung passt natürlich, weil von uns selbst erfunden, perfekt zu unserem Weltmodell und fügt sich somit nahtlos und unbemerkt in unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit ein und macht sich auf diese Weise unsichtbar. Eine perfekte Täuschung also? Was ist nun richtig? Sind wir souveräne Herren unseres Lebens? Oder sind wir Spielbälle unserer Illusion?

Eines steht fest: An unserem Selbstverständnis und an unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit ist, Gott sei Dank!, viel Wahres. Und doch stellt sich bei genauerer Betrachtung die Frage, ob es sich bei den im Fokus unseres Empfindens befindlichen Handlungen denn auch um wirklich wesentliche Entscheidungen handelt? Ist es nicht so, dass wir uns auch immer wieder unseren Umständen zu fügen haben und uns im Leben, öfter als uns lieb ist, Entscheidungen vorgegeben werden und Handlungsspielräume genommen werden - teils sogar durch unsere vorherigen Entscheidungen? Wer von uns hat denn schon 100%-igen Einfluss auf das Wetter, die Konjunktur oder die Weltpolitik und damit auf die Wahrscheinlichkeit nass zu werden, die Gefahr seiner Kündigung oder den Umstand eines Weltkrieges?

Ist es nicht vielmehr so, dass wir zwar einen Rahmen haben, innerhalb dessen wir uns bewegen können, den wir aber nicht überschreiten können? Frei nach dem Motto: "Wir sind frei zu entscheiden, ob wir uns einen Regenschirm kaufen, wenn es regnet, doch wir sind nicht frei zu entscheiden, ob es regnet." Das gilt zumindest für diejenigen unter uns, die sich nicht mit Unmengen Silberjodid und einem Privatflugzeug gesegnet wissen.Unser Handlungsrahmen ist also ganz offenbar beschränkt. Oder anders gesagt: Wir sind keinesfalls allmächtig.

Andererseits konstatiert Edgar Dahl in seinem Beitrag "Denn sie wissen nicht, was sie tun …": "Streng genommen haben wir es bei der Frage nach der Freiheit des Willens – ähnlich wie bei der Frage nach Gott oder der Seele – mit einem schier unlösbaren Problem zu tun. Unlösbar, weil sich Existenzaussagen nicht widerlegen und Nichtexistenzaussagen nicht beweisen lassen.". 

Und doch: ist es nicht wahr, dass, schon bevor wir uns der Absicht bewusst sind, eine Bewegung auszuführen, motorische Zentren in unserem Gehirn aktiv werden und wir dennoch die Bewegung als selbstbestimmten Willensakt erleben? Bedeutet das nicht tatsächlich, dass wir uns bei einigen Absichten über uns selbst täuschen? Ich denke, dass es so ist.

Doch: Darf man daraus wirklich pauschal verallgemeinernd ableiten, dass alle unserer Handlungen der Täuschung unterliegen? Dürfen wir einem Autofahrer, der sich gelegentlich intuitiv und vielleicht sogar reaktiv und instinktiv handelt, unterstellen, dass er gar nicht selber fährt, sondern gefahren wird? Wer den wissenschaftlichen Befund genauer analysiert wird feststellen, dass es sich bei den Untersuchungen, die zum Teil auf einen Personenkreis mit einer Hirnschädigung beschränkten, nur um einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit handelt.

Es bleibt: Wir sind zwar "frei" machen uns aber auch hin und wieder etwas vor. Wir handeln souverän, aber begrenzt. Wir täuschen uns und sind dennoch freie Akteure. Mit anderen Worten: Wir sind nicht nur nicht allmächtig, wir sind in jedem Falle auch nicht allwissend.

Nun könnten wir an dieser Stelle, neben der Begrenztheit und Fehlerhaftigkeit menschlichen Wissens und menschlicher Freiheit auch noch auf den moralischen Aspekt der menschlichen Willensfreiheit eingehen; an dieser Stelle mag jedoch der Verweis auf ein vorangegangenes Posting (3) genügen, in dem das Thema genauer erörtert wurde, wobei auch Luther's Auseinandersetzung mit Erasmus von Rotterdam Erwähnung fand: In „Vom unfreien Willen“ zeigte Luther dabei auf, dass dem Menschen mit dem Sündenfall etwas passiert ist, von dem er sich nicht aus eigener Kraft befreien kann: Der Verlust des göttlichen Lebens und damit eine Tendenz ganz praktisch solche ethisch und moralischen Dinge zu tun oder zu lassen, die er intellektuell für falsch erachtet (siehe 3).


Doch ganz offenbar haben wir bei der ganzen Betrachtung noch etwas ganz Wesentliches übersehen: Wohin steuern wir mit unserem Leben? Genauer: Wie weit können wir steuern mit unserem begrenzten Handlungsspielraum? Wie oft ist es so, dass wir gesteuert werden? Und wohin steuern wir in den Momenten in denen wir der Illusion erliegen?

Für den, der Sein Leben in selbstgewählter Autonomie lebt, wird die Antwort lauten, dass sein Handeln unweigerlich fehlerhaft sein wird und damit, trotz allen Lernens, sein Handlungsspielraum aufgrund der Unwiderbringlichkeit des Moments und der Unumkehrbarkeit vergangener Entscheidungen, immer enger wird, bis sein Leben schließlich in der selbstgewählten und absoluten Trennung von Dem endet, der seiner unbelebten Materie das Leben einhauchte und Dem er, nicht nur in seinem Gewissen, sondern mit seinem ganzen Sein, in alle Ewigkeit verantwortlich bleibt.

Für den, der Sein Leben in die Hand des allwissenden, allmächtigen und allguten Gottes gelegt hat, sieht es auf den ersten Blick nicht anders aus: Auch er macht Fehler, auch sein Handlungsspielraum verkürzt sich. Und doch finden sich hinsichtlich seines Lebensziels im Buch der Bücher unerwartet tröstliche Antworten: Der Allmächtige, der als Einziger im Universum wirklich alles weiß; vor allem, was wirklich und auch zukünftig gut für uns ist, Er, der als Einziger im Universum wirklich alles kann; vor allem dort, wo unsere Begrenzungen uns machtlos machen, Er will unser Leben zu einem guten Ziel, ja dem besten aller möglichen Ziele führen: Zu sich selbst. Wenn wir ihn denn lassen und uns eingestehen, dass unsere Wege oft von Irrtümern und Unmöglichkeiten gesäumt sind.


Wer sein Leben so in Gottes Hände legt, für den gilt:


 „In eines Mannes Herzen sind viele Pläne;
aber zustande kommt der Ratschluss des HERRN.“


„Jedermanns Schritte bestimmt der HERR.
Welcher Mensch versteht seinen Weg?“


„Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit,
auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt;
nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut,
weder Anfang noch Ende.“


„Ich weiß nicht, wohin Gott mich führt,
aber ich weiß, dass er mich führt.“


„Befiehl du deine Wege,
Und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden,
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.“


„»Ich will dich unterweisen
und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst;
ich will dich mit meinen Augen leiten.«“


„So nimm denn meine Hände
und führe mich
bis an mein selig Ende
und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen,
nicht einen Schritt:
wo du wirst gehn und stehen,
da nimm mich mit.“

 ______________________

(1) Wie die BBDO in einer Pressemitteilung erklärt haben laut einer Forsa-Umfrage "[...] knapp 40 Prozent der Deutschen das Vertrauen in ihre Bank verloren. Vor diesem Hintergrund ist konsequente Kundenorientierung wichtiger denn je.

Denn im Zeitalter des Web 2.0 agieren Kunden souverän in ihren Entscheidungen, sind informiert, kritisch und weniger markentreu als noch vor einigen Jahren. Die einzige mögliche Antwort darauf ist die Ausrichtung des unternehmerischen Handelns auf die Wünsche und Bedürfnisse der Konsumenten. Genau dies ist Kern des Next-Step-Programms der Postbank unter Führung des Vorstandsvorsitzenden Dr. Wolfgang Klein." (Quelle: forium.de)

(2) Der freie Wille auf dem Prüfstand, Sukhvinder S. Obhi und Patrick Haggard, spekturm der wissenschaft April 2005 (Quelle: holtzbrinck.de)

Sonntag, 22. Januar 2012

Psalm 17:1- 15 - Hilferuf eines Unschuldigen

Text
1 "Ein Gebet Davids." HERR, höre die gerechte Sache, merk auf mein Schreien, vernimm mein Gebet von Lippen, die nicht trügen. 2 Sprich du in meiner Sache; [mögen] deine Augen sehen, was recht ist. 3 Du prüfst mein Herz und suchst es heim bei Nacht; du läuterst mich und findest nichts. Ich habe mir vorgenommen, dass mein Mund sich nicht vergehe. 4 Im Treiben der Menschen bewahre ich mich / vor gewaltsamen Wegen durch das Wort deiner Lippen. 5 Erhalte meinen Gang auf deinen Wegen, dass meine Tritte nicht gleiten. 6 Ich rufe zu dir, denn du, Gott, wirst mich erhören; neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede! 7 Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen gegenüber denen, die sich gegen deine rechte Hand erheben. 8 Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel 9 vor den Gottlosen, die mir Gewalt antun, vor meinen Feinden, die mir von allen Seiten nach dem Leben trachten. 10 Ihr Herz haben sie verschlossen, mit ihrem Munde reden sie stolz. 11 Wo wir auch gehen, da umgeben sie uns; ihre Augen richten sie darauf, dass sie uns zu Boden stürzen, 12 gleichwie ein Löwe, der nach Raub lechzt, wie ein junger Löwe, der im Versteck sitzt. 13 HERR, mache dich auf, tritt ihm entgegen und demütige ihn! Errette mich vor dem Gottlosen mit deinem Schwert, 14 vor den Leuten, HERR, mit deiner Hand, vor den Leuten dieser Welt, die ihr Teil haben schon im Leben, denen du den Bauch füllst mit deinen Gütern, deren Söhne auch noch satt werden und ihren Kindern ein Übriges hinterlassen. 15 Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde.
Kommentar
 1-3a Wie immer, so betet David auch dieses Gebet aus tiefstem Herzen: In seiner inneren und äußeren Not schreit (Buber: wimmert) er zu Gott, seinem Retter. Es geht ihm um eine gerechte Sache, die er Gott, obwohl es dabei um ihn selbst geht, ohne die Wahrheit zu seinen Gunsten zu verdrehen, vorträgt. Im Wissen um Gottes Heiligkeit und Sein Allwissen bringt David seinen Fall in Demut vor Gott: Er allein kennt die ganze Wahrheit und ist Davids Hoffnung auf Rechtsprechung (statt "sprich Du in meiner Sache" haben Buber, die ESV und die Elberfelder die m.E. genauere ÜS: "Von Deinem Angesicht geht meine Rechtfertigung aus"). David bekräftigt seine Wahrhaftigkeit, indem er Gott daran 'erinnert', dass ER selbst ihn nächtlich prüft und reinigt und dabei "nichts" an ihm findet, d.i.: nichts Unaufrichtiges. Natürlich weiß David um seine generelle Sündhaftigkeit (vgl. Ps 19:13 [siehe auch Kommentar], Ps 51:5), doch hier steht seine Wahrhaftigkeit im Fokus.
 3b -5 David hat durch Gottes Wort gelernt, seine Zunge zu zügeln (vgl. Jak 3:2-15). Auch Angesichts des [gottlosen] Verhaltens der Menschen um ihn herum kann und will David sich mit Hilfe von Gottes Wort disziplinieren, um nichts falsches zu sagen, oder gar die Wege der Gewalttäter einzuschlagen (vgl. Mt 5:22-26) indem er sein Herz aus Hass zur Mördergrube macht. Auch dass es so bleiben möge, ist Davids Gebet, denn er weiß, dass nur Gott ihn vorm Ausrutschen und Abirren vom Wege bewahren kann.
6-8 Noch einmal ringt Davids Seele um Gottes Aufmerksamkeit, darum, dass Er ihm zuhöre, denn David weiß, dass Gott seine Bitte erhören wird:, dass Gott ihn behütet und beschützt, wie seinen Augapfel, oder eine Henne ihre Küken, und durch dieses Eingreifen all denen, die sich angesichts der Feinde Gottes voll Vertrauen bei Gott als ihrem Retter bergen, seine Wohlgesonnenheit David gegenüber zeigt.
9-12 Wer sind diese Feinde und was tun sie? Es sind gottlose Gewalttäter, unbarmherzige Menschen, die David ermorden wollen, auf Schritt und Tritt (heimlich und verborgen, wie ein Löwe auf der Lauer) nach Möglichkeiten suchen, ihn als König zu stürzen.
13-14a David fleht Gott an, höchst persönlich aktiv zu werden, den Atheisten Einhalt zu gebieten und sie "zu demütigen" (wörtl. "in die Knie zu zwingen", od. "niederzuwerfen"). Wo David das Schwert Gottes noch buchstäblich versteht, dürfen wir diesen Wunsch mit Heb 4:12 auf Gottes Wort beziehen.
14b Wie auch in Ps 37:20 oder Ps 73:4-5 und Ps 73:12 so stellt David auch hier als potentiell charakterverderbenden Umstand den Wohlstand und das Wohlergehen der Gottlosen heraus: sie haben an nichts Mangel und selbst nach ihrem Leben noch genug, es an Kinder und Enkel zu vererben.
15 David aber macht sich nicht aus dem Materialismus der Ungläubigen, denn er weiß um das einzig wahre Gut: die Gemeinschaft mit Gott: Sein freundliches Angesicht ist für David Reichtum und Wohlergehen, an Gottes gnädigem Blick und Seiner Barmherzigkeit, die uns Sünder rechtfertigt, will er sich sattsehen, wenn er erwacht. Im übertragenen Sinne könnte David mit der 'Nacht' auch das gesamte Leben im Diesseits, bzw. vor der Auferstehung (vgl. 1Pe 1:6 und Heb 10:37) im Blick gehabt haben.