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Dienstag, 9. Dezember 2025

Johannes Evangelium 5,24–30


Das Buch der Zeichen - Die Vollmacht des Sohnes, Teil 2

Unser Problem ist, dass wir von Gott unabhängig sein wollen: niemandem als uns selbst unterstellt; uns selbst Gesetz; überzeugt, uns den Himmel mit guten Werken selbst verdienen zu können, wenn wir denn in unserer Gottlosigkeit überhaupt an einen Himmel glauben. »Weit gefehlt!«, sagt Jesus und betont:

Das ewige Leben wird sehen, wer bereit ist, auf seine Gebote zu hören und ihm zu folgen. Wer statt auf seine Leistung auf die Liebe und Gnade Gottes vertraut, der Jesus als Lebensretter zu uns schickte, wird nicht mehr für seine Schuld vor sein Gericht gestellt, sondern kriegt das ewige Leben schon jetzt und hier geschenkt.

Mit Nachdruck betont Jesus, dass eine Zeit kommen wird, ja, dass diese Zeit genau jetzt ist, wo alle „Toten“ — also alle noch von Gott getrennten Menschen — das Evangelium aus Jesus’ Mund hören werden. Und dass die, die auf ihn hören, auf Gottes Liebe und Gnade vertrauen, ewig leben werden.

Weil Gott der Sohn und Gott der Vater völlig eins sind, hat nicht nur der Vater, sondern auch der Sohn die Macht uns zu begnadigen; uns mit seiner Macht aus dem Tod zu reißen; uns ewiges Leben zu schenken. Denn er selbst ist das ewige Leben in menschlicher Gestalt.

Und nicht nur das. Weil Jesus bereit war, Mensch zu werden und für unsere Schuld am Kreuz zu sterben, hat der Vater ihn auch bevollmächtigt, als Richter unser Leben zu beurteilen. Darüber sollten wir uns nicht wundern.

Am Ende der Zeit werden alle Menschen, die jemals gelebt haben, Jesus‘ Stimme hören und aus ihren Gräbern auferstehen: die, die auf ihn vertraut und, dankbar für ihre Erlösung, Gutes getan haben, werden ewig leben. Diejenigen aber, die Gott bis zum Ende den Rücken gekehrt und weiter selbstsüchtig Böses getan haben, werden ihr ewiges Urteil empfangen.

Abschließend macht Jesus noch mal klar, dass er nicht eigenmächtig handeln wird, sondern in völliger Einheit mit dem Vater. Deshalb sind seine Urteile im letzten Gericht auch absolut gerecht. Er setzt nämlich nicht seinen eigenen Kopf durch, sondern den vollkommenen, guten und gerechten Willen Gottes, des Vaters, der ihn als Retter zu uns geschickt hat.

O-Ton: »Amen, ich versichere euch: Alle, die auf mein Wort hören und dem glauben, der mich gesandt hat, haben das ewige Leben. Sie kommen nicht mehr vor Gottes Gericht; sie haben den Tod schon hinter sich gelassen und das unvergängliche Leben erreicht. 

Amen, ich versichere euch: Die Stunde kommt – ja, sie ist schon da –, dass die Toten die Stimme des Gottessohnes hören werden, und wer sie hört, wird leben. Wie der Vater der Geber des Lebens ist, so hat er auch dem Sohn Macht verliehen, Leben zu geben. 

Und er hat dem Sohn die Macht verliehen, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, da werden alle Toten in den Gräbern seine Stimme hören und ihre Gräber verlassen. Alle, die Gutes getan haben, werden auferstehen, um das Leben zu empfangen, und die Böses getan haben, um verurteilt zu werden. 

Ich kann nichts von mir aus tun, sondern entscheide als Richter so, wie ich den Vater entscheiden höre. Meine Entscheidung ist gerecht, denn ich setze nicht meinen eigenen Willen durch, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.« (Joh 5,24–30)

Dienstag, 21. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,13-22

 


Das Buch der Zeichen - Jesus im Tempel

Zum Passafest war in Jerusalem immer die Hölle los. Juden aus allen Regionen kamen hier einmal im Jahr zusammen, um das größte Fest von allen zu feiern: die Erinnerung daran, wie Gott ihr Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte. Im Zentrum der Feierlichkeiten stand dabei der Jerusalemer Tempel: hier wurde gedankt und gebetet, hier wurden Opfer gebracht. Die meisten Pilger hatten eine weite Anreise. 

So hatte es sich eingeschlichen, dass die meisten ihre Opfertiere nicht mehr selber mitbrachten, sondern diese direkt vor Ort kauften. Und um sicher zu gehen, dass die Tiere genau den Vorschriften der Tora entsprachen, kaufte man geprüfte Tiere direkt beim Tempel. Um dort eine Taube, ein Schaf oder ein Rind kaufen zu können, musste man sein regionales Geld aber erst mal in den zentralen Tempelgroschen umtauschen. Man kann sich vorstellen, was für ein Gedränge damals geherrscht haben muss; aus dem Dankfest für die Befreiung war ein Geschäft geworden.

Und das ging Jesus unfassbar auf den Zeiger. Er ist ja fast nie ausgeflippt. Vor allem nicht, wenn er selbst beleidigt oder sogar gefoltert wurde. Aber wenn es um die Ehre Gottes, seines Vaters ging, gab es für ihn kein Halten. Er war sowas von stocksauer! Weil man — TV preachers: listen! — aus der Wohnung Seines Vaters, dem dem Ort, an dem Gott und Mensch sich begegnen sollten, einen Ort gemacht hatte, an dem es nur noch ums Geld ging. 

Jesus war darüber so sauer, dass er den Leuten nicht nur sagte, sie sollten sich verziehen und aus Gottes Haus keinen Basar machen, sondern in einem Wisch auch noch die Tische umschmiss, das Geld auf den Boden fegte und die ganze Bagage mit einem Treibriemen wie Hühner aus dem Tempel scheuchte. Als seine Jünger das mitkriegen, mussten sie daran denken, dass die Propheten über ihn geschrieben hatten: „Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch auffressen; wie ein Feuer!“ 

Die obersten Geistlichen seiner Zeit hätten es als fleißige Studenten der Tora eigentlich wissen müssen, dass Jesus im Recht war; dass der Tempel ein heiliger Ort war. Aber ihre Gier nach Macht und ihr Hochmut vernebelten ihnen den Blick. Statt nur danach zu fragen, woher er (Gott!) das Recht habe, das zu tun, forderten sie (bloße Menschen) auch gleich noch ein Wunder ein. Auf diese verstockte Arroganz reagiert Jesus mit einer für sie kryptischen Prophetie: Sie sollten doch den Tempel einreißen, und er würde ihn in drei Tagen wieder aufbauen.

Die Pharisäer bezogen das natürlich auf den Tempel, den sie sehen konnten. Und den zu bauen, hatte 46 Jahre gedauert. Daher sagen Sie ihm, diesen Tempel in nur drei Tagen wieder aufzubauen sei ein Ding der Unmöglichkeit. Jesus sprach aber gar nicht vom Jerusalemer Tempel, sondern im übertragenen Sinn vom Tempel seines Leibes: vom Wohnort des Heiligen Geistes. Erst als er nach drei Tagen von den Toten auferstanden war, kapierten seine Jünger, was was Jesus mit seiner kryptischen Prophezeiung eigentlich gemeint hatte und glaubten seinen Worten; Gottes Worten. 

O-Ton: „Als das Passafest näher kam, ging Jesus hinauf nach Jerusalem. Im Vorhof des Tempels sah er die Händler, die dort Rinder, Schafe und Tauben verkauften; auch die Geldwechsler saßen dort an ihren Tischen.

Da machte er sich aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle aus dem Tempelbezirk, mitsamt ihren Rindern und Schafen. Er fegte das Geld der Wechsler zu Boden und warf ihre Tische um. Den Taubenverkäufern befahl er: »Schafft das hier weg! Macht aus dem Haus meines Vaters keine Markthalle!« Seinen Jüngern kam das Wort aus den Heiligen Schriften in den Sinn: »Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch umbringen.« 

Die führenden Männer fragten ihn: »Woran können wir erkennen, dass du so etwas tun darfst? Gib uns ein Wunderzeichen als Beweis!« Jesus antwortete ihnen: »Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen!« 

Sie hielten ihm entgegen: »Für den Bau dieses Tempels wurden sechsundvierzig Jahre gebraucht! Und du willst ihn in drei Tagen wieder aufbauen?« Mit dem Tempel meinte Jesus aber seinen Leib. Als er vom Tod auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger an dieses Wort. Da glaubten sie den Heiligen Schriften und dem, was Jesus damals gesagt hatte.“ (Joh 2,13–22)

Sonntag, 23. Dezember 2018

Leben mit Jesus vor Augen! - 2. Tim 2,8


Übersicht

  • Einleitung: Verliebt!
  • Evangelium: Wozu wir ein Evangelium brauchen 
  • Jesus: Von der Bedeutung Seines Namens – Retter und Heiland
  • Sohn Davids: Von Seiner Menschlichkeit – und seiner königlichen Linie
  • Christus: Von der Bedeutung seines Titels – König und Priester
  • Gestorben: Von der Bedeutung Seines Todes – Seiner Liebe und unseren Sünden
  • Auferstanden: Von Seiner Göttlichkeit – und unserer Rechtfertigung
  • Das Evangelium: Von unserer Erlösung – und unserer Hoffnung
  • Für Dein Herz: Christus stets vor Augen



Einleitung


Verliebt: Kennt ihr das? Verliebt zu sein? So richtig mit Haut und Haaren? Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, als ich meine Frau kennen lernte: Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute hatte ich ihr Bild vor Augen. 

Ich – nein: wir beide! – konnten es nicht erwarten, einander wieder zu sehen. Wenn wir uns getroffen haben, habe ich jedes kleine Detail an ihrem Gesicht in mich aufgesogen: ihr Lächeln, ihre Zähne, Ihren Blick. 

Wenn jetzt jemand reinkommen und fragen würde, ob ich dazu gezwungen wurde, den ganzen Tag nur an sie zu denken, dann würden wir sicher alle lachen und mit dem Kopf schütteln. Weil wir es besser wissen: Denn, was aus Liebe geschieht, das geschieht nicht aus Zwang. Nicht, weil man muss. Wir haben den anderen immer vor Augen, weil wir so glücklich sind, dass wir ihn in unserem Leben haben.

Um dieses Phänomen – jemanden stets vor Augen zu haben, soll es heute gehen:


Unser Text (2 Tim 2,8)

„ Halte dir stets Jesus Christus vor Augen, der, aus der Nachkommenschaft Davids stammend, auferstanden ist von den Toten - das ist das Evangelium, das ich verkündige.“


Eigentlich wollte ich heute über die Verse 8-13, also über ganze sechs Verse predigen. Aber dieser eine Vers, Vers 8, ist so reich, in diesem Vers ist so viel enthalten, dass ich nicht anders konnte, als nur über ihn zu predigen. Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, ihn mit fünf weiteren Versen zuzuschütten. 

Denn dieser eine Vers enthält das ganze Evangelium: das historische Zeugnis der Augenzeugen über Jesus Christus, wie es sich auch schon im Apostolischen Glaubensbekenntnis und dem Credo des Konzils von Chalzedon wiederfindet: 

"Unser Herr Jesus Christus ist [...] wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch [...] wesensgleich dem Vater der Gottheit nach, wesensgleich uns [...] der Menschheit nach, in allem uns gleich außer der Sünde, vor Weltzeiten aus dem Vater geboren der Gottheit nach, in den letzten Tagen derselbe für uns und um unseres Heiles willen [geboren] [...] wie die Propheten von Anfang an lehrten und er selbst, Jesus Christus, uns gelehrt hat, und wie es uns [...] überliefert ist." (Konzil von Chalzedon, 451 nach Christus) 

Dieser Vers spricht vom Evangelium, das ist: von Jesus Christus, der "um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde. (Röm 4,25) Dieser Vers spricht vom einzig wahren Evangelium; dem Evangelium, wie es auch von Paulus verkündigt wurde. 

Diesen einen Vers, der doch das ganze Evangelium enthält, möchte ich heute gemeinsam mit Euch, sozusagen, wie ein Weihnachtsgeschenk, "auspacken".


Evangelium?

Warum überhaupt ein Evangelium – eine gute Nachricht?

Im Anfang

Um zu verstehen, warum das Evangelium so wichtig – so außergewöhnlich – ist, müssen wir zum Anfang zurück gehen. Wir wurden geschaffen als Ebenbilder Gottes, als vollkommene Spiegelbilder Seiner Herrlichkeit, Seiner Heiligkeit, Seines Wesens.

Und dann kam der Sündenfall im Paradies: Wir aßen vom Baum der Erkenntnis, wollten nicht mehr anerkennen, was Gott als Gut und Böse definiert – wir wollten selber bestimmen, was Gut und Böse ist. Wir wurden Abtrünnige. Wollten Gott, den König der Könige, vom Thron stoßen. Wir haben Ihm die Treue gebrochen, Ihn verraten, eine Revolution vom Zaun gebrochen – mit unserer Forderung nach Selbstbestimmung und Autonomie. Nicht mehr Gott sollte entscheiden, was gut für uns ist: wir selbst wollten Gott sein und sagen können, was Gesetz ist.

Das Ergebnis das wir Menschen uns mit unserer Rebellion und unserem Aufstand gegen Gott eingebrockt haben, sehen wir jeden Tag in der Presse und in den Nachrichten: die Welt ist voller Leid und Schuld, voller Angst und Not. Wir leben in einer Welt die jeden Tag danach schreit, geheilt und erlöst zu werden. Oder wie Paulus Rö 8:22 schreibt: „wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.“ Wir hören von Kriegen und Hungersnöten, von Erdbeben und Seuchen. Aber wir erleben es auch im eigenen Leben: in der Ehe, in der Arbeit, im Freundes- und Bekanntenkreis. Unsere Welt ist nicht heil. Sie ist defekt. Und es sind auch nicht immer nur die anderen: Der tiefe Schaden der Sünde – der Rebellion gegen Gott – sitzt auch in unserem Herzen.

Und in diese zerbrochene Welt hinein strahlt Gottes Evangelium: dass Gott uns - weil Er gnädig ist - nicht verdammen will. Dass Er uns immer noch liebt. Trotz unserer Schuld. Trotz unserer Rebellion. Trotz unserer Gottlosigkeit. Darum geht es im Evangelium. Und darum geht es in unserem heutigen Vers.


Jesus

Wenn ich etwas mehr über einen bestimmten biblischen Begriff oder über einen Namen wissen möchte, dann greife ich – neben guten Bibelkommentaren – auch gerne mal zum "Lexikon zur Bibel“. Dieses Standardwerk von Fritz Rienecker und Gerhard Maier hat zur Herkunft und Bedeutung des Namens „Jesus“ folgendes zu sagen: 

"Der Name Jesus (griech.-lat. Form des hebr. Jeschua, einer späteren Bildung aus Jehoschua oder Joschua) bedeutet «der Herr ist Heil (Rettung)»“

Ebenso präzise hat es das WiBiLex: „Jesus (Ἰησοῦς, Iesoús) ist die gräzisierte Form des hebräischen [...] Eigennamens Jeshua/Joshua (Jahwe hilft / rettet). Jesus kommt 905mal im Neuen Testament vor und ist das zweithäufigste Nomen nach Gott (theós).“

Der Name Jesus bedeutet also „Gott rettet“. 

Das können wir übrigens auch schon ganz zu Anfang des ersten Evangeliums lesen, wo geschrieben steht: "Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden." (Mt 1:21)

Jesus bedeutet also: Gott ist unser Erlöser – unser Heiland.

Was genau es damit auf sich hat, werden wir im folgenden sehen:


Sohn Davids

Ganz Mensch

Wenn es hier im Text heißt, „aus der Nachkommenschaft Davids“, dann bedeutet das zuerst einmal: er wurde geboren! Wie wir alle auch.  Mit anderen Worten: Jesus war ein Mensch. Das scheint zuerst einmal nichts wirklich besonderes zu sein.

Im Evangelium von Matthäus lesen wir: „Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.“ (Mt 1:18-25)

Jesus ist also ganz Mensch. Und doch sehen weir hier schon, dass bei ihm etwas anders ist: er ist „vom heiligen Geist empfangen“ – und „von einer Jungfrau geboren“. Das gibt‘s ja nun nicht wirklich alle Tage. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten wir: "Ich glaube an [...] Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria". Spurgeon schrieb dazu: "Wahrlich, Er war göttlich und Seine Geburt war nicht nach der gewöhnlichen Art der Menschen, aber dennoch war Er in jeder Hinsicht Teilhaber unserer menschlichen Natur und kam aus dem Stamm Davids." (Spurgeon) Womit wir beim nächsten Thema wären: „vom Stamm Davids“. Was hat es damit auf sich?


Adoptiert

Zuerst einmal ist es sicher wichtig, zu erkennen, das Joseph von seiner Abstammungslinie her so noble Vorfahren hatte, wie Abraham, Isaak und Jakob – nicht zu vergessen Isai und König David. König David war also einer der Altvorderen von Joseph.

Zudem ist wichtig zu erkennen, dass Joseph nicht der leibliche  Vater von Jesus war. Sonst hätte er sich anfangs nicht so sicher sein können, dass das Kind in Marias Bauch nicht von ihm war – sondern, wie er dann später im Traum gesagt bekam – von Maria auf wunderbare Weise von Gottes Geist empfangen wurde.

Dennoch lesen wir schon im Matthäus-Evangelium ganz zu Anfang: „Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Mt 1:1). Wie geht das jetzt? Wie kann Jesus ein Sohn Davids sein, wenn Joseph doch gar nicht sein leiblicher Vater war. Hat die Bibel hier einen Knacks? 

Natürlich nicht. Vielmehr war Jesus tatsächlich ein „Sohn Davids“, denn er wurde von Joseph adoptiert. Die die öffentliche Benennung eines Kindes (wir erinnern uns: „dem sollst du den Namen Jesus geben“) war in der Antike nichts anderes, als der legale Schritt der Adoption: "Das erste, was [Joseph] [also] tut, ist, Maria nach Hause zu bringen, um seine Frau zu sein. Dies ist ein rechtlicher Schritt. Das bedeutete, dass er öffentlich Maria zu seiner Frau nahm. Das zweite, was er tut, ist, das Kind zu benennen. Auch das ist ein rechtlicher Schritt. Im Zuge der Benennung des Kindes adoptiert Joseph öffentlich das Kind als sein eigenes." *  In der Antike bedeutete Adoption die volle Sohnschaft. Ein Adoptivkind war damals von einem leiblichen Kind aus rechtlicher Sicht in nichts zu unterscheiden. Das galt auch für‘s Erbrecht. Jesus wurde also von Joseph adoptiert kam so (auch von menschlicher Seite) in den Genuss einer königlichen Abstammung. So erklärt sich die königliche Line von der im Matthäus-Evangelium die Rede ist.(*)



Christus

Messias und König

Auch zum Titel ‚Christus‘ hat das "Lexikon zur Bibel" etwas zu sagen, nämlich: "Christus ist der Titel, die Amtsbezeichnung Jesu. Das griech. christos ist die Übersetzung des aram. meschicha bzw. des hebr. maschiach und bedeutet «der Gesalbte» (Messias). Priester und Könige wurden in Israel durch eine Salbung mit Öl feierlich in ihr Amt eingesetzt. [...] Die Bezeichnung «der Gesalbte» wurde zunächst vom König gebraucht [...] Darüber hinaus schauen die Propheten einen kommenden König aus Davids Geschlecht, einen «Gesalbten», der - Priester und König in einem - alles das erfüllen wird, was Israel von einem wahren Friedenskönig erwartet. Von dieser Erwartung zeugen die messianischen Weissagungen [...]" 

So ist der Doppelname Jesus Christus zugleich das kürzeste Bekenntnis der Christenheit: Jesus von Nazareth ist in seiner Person der verheißene Christus (Messias).“  So sagen auch die Jünger am Anfang des Johannes-Evangeliums: „Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte“ (Joh 1:41)

Dieser Gesalbte – der Christus, der Messias – wurde vorausgesagt. David erhielt ca. 1.000 v.Chr. die Verheißung: „Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein." (2 Sam 7:12-14). 

Dieser Gesalbte – Christus – ist also der von Gott zum König gesalbte Messias. 


Bekenntnis Christi

Das Jesus der Christus ist – der König der Könige und Herr aller Herren – sagt aber nicht Gerhard Maier‘s nur Fritz Rienecker‘s „Lexikon zur Bibel“. Jesus sagt es selbst! Bei Johannes lesen wir: „Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht." (Joh 10,24-25)


Bekenntnis der Jünger

Das Jesus der Christus ist, erkannten aber auch einige Menschen, z.B. die Samariterin am Jakobsbrunnen, zu der Jesus spricht: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt." (Joh 11,25-27)   

Und auch Petrus bekennt in Mt 16:16: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!"


Solus Christus

Dieser Christus – der Sohn des lebendigen Gottes – ist der König der Könige – und der einzige Weg zum Heil. Das ist ein steiler Satz! Wie kann das sein? Der Grund dafür ist: Allein Christus hat das Problem mit unserer Schuld wirklich gelöst – Er allein – und sonst niemand – hat die Strafe für unsere Schuld getragen. Darum heißt es: "Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden." (Apg 4,12)

Martin Luther schrieb dazu: "Kein feindseligerer Name ist auf Erden, denn eben Jesus Christus, nicht daß man ihn nicht nennen oder hören nennen könnte. [...] Warum? Darum, daß wir diesen Namen nicht einen schlechten Namen lassen bleiben mit ledigen Buchstaben geschrieben; wie meiner und deiner, sondern glauben, predigen und bekennen, daß die Person, so Jesus Christus heißt, ihrem Namen nach sei der einzige Heiland der Welt, der von Sünden selig mache, der einzige Hohepriester, der die Sünder mit Gott versöhne, der einzige Herr und König, der aus aller Angst und Not helfe, und daß er allein die, die ihn dafür erkennen, von Sünden und Tod erlöst und sie Gnade und ewige Seligkeit erlangen. [...]" (Martin Luther)


Gestorben

„Von den Toten“

Was bedeutet das? Zum ersten einmal mindestens dies: Jesus war tot. Aber warum? Oder noch wichtiger: Wozu? Die Antwort auf diese Frage steht bei Jesaja; er schreibt: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn." (Jes 53:4-6) 

Jesus ist also mit einem Ziel gestorben. Er ist „um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen“. Jesus ging aus einem einzigen Grund ans Kreuz: weil Er uns unendlich liebt und nicht möchte, dass wir die Strafe für unsere gottlose Rebellion selber tragen müssen. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“.

Im Kolosser-Brief lesen wir über den Tod Jesu am Kreuz: „Es hat Gott wohlgefallen, daß [...] er durch [Christus] alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. Auch euch, die ihr einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes [...]“ (Kol 1:15-33)  

Und ein Kapitel weiter lesen wir dort: „in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, [...] Und er hat [...] uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet [...] in Christus.“ (Kol 2:9-15) 

Und im Philipper-Brief lesen wir : „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2:6-11)

Ihr Lieben – ich frage Euch: „Wie tief muss Gottes Liebe sein?!“, dass Er so für uns stirbt? Dass Er Mensch wird, nur um Sein Leben zu lassen? Für uns!! Damit es uns gut geht. „Wie tief muss Gottes Liebe sein?!“


Auferstanden

Lebendig

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „[...] am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten." (Apostolisches Glaubensbekenntnis). Was bedeutet das? Auferstanden? 

Es bedeutet: Jesus Lebt! Er ist nicht mehr im Grab! – Er ist nicht mehr tot! - Jesus lebt!

Gott

Begreifen wir, was das bedeutet? Mal im Ernst: wer von uns kann sagen, was Jesus sagte, und es dann auch, wie Er, in die Tat umsetzen? Er sagte: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich's wieder empfange. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen.“ (Joh 10:17+18) 

Kein Mensch hat die Macht, zu sterben und sein Leben dann wieder zurück zu holen. Die Tatsache der Auferstehung bedeutet also nichts weniger, als dass Jesus nicht nur ganz Mensch gewesen ist – sondern Jesus war auch ganz Gott. Er ist der Ewige, der die Macht hat über Leben und Tod. Und genau das lesen wir auch im Römerbrief: "Christus [...] ist Gott, der über alles regiert, ihn loben wir in alle Ewigkeit!" (Rö 9:5) 


Zu unserer Rechtfertigung

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, sagt aber nicht nur etwas über Ihn selber aus, sondern hat auch etwas mit uns zu tun.  Im Römerbrief lesen wir, dass Christus „um unsrer Sünden willen dahin gegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde (Röm 4,25).  Aber was bedeutet das? Rechtfertigung bedeutet, dass wir - trotz unserer Schuld – vor Gott gerecht da stehen können, weil Jesus stellvertretend für uns am Kreuz gestorben ist. Und wenn es heißt, dass Jesus „um unserer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde, dann bedeutet das, dass Gott dieses stellvertretende Opfer angenommen hat – dass Er es gelten lässt. 

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, bedeutet also nichts weniger, als dass Gott das Opfer Jesu Christi anerkannt hat – es ist gültig – für Zeit und Ewigkeit.


Hoffnung

Dass Jesus auferstanden ist, bedeutet aber noch etwas. Im 1. Korinther-Brief lesen wir dazu "Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. [...]  So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. [...] Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen."  (1Kor 15, 42-43;49)

Spurgeon formulierte das einmal so: "Lasst uns also, wenn wir an den auferstandenen Christus denken, [...] ganz sicher sein, dass unser Körper in ihm in einem verherrlichten Zustand existieren wird."

Jesus ist also Gott in menschlicher Gestalt. Und Er ist an unserer Statt gestorben. Und dass Er auferstanden ist, bedeutet, dass der Preis, den Er für unsere Schuld bezahlt hat, angenommen wurde: wenn wir das im Glauben annehmen, sind wir freigesprochen – und dürfen ewig leben!


Das Evangelium

Das ist also das Evangelium. Mit diesem einen Vers fasst Paulus also alles zusammen, was er bisher gesagt hat: das Jesus Christus der verheißene Messias ist, der Gesalbte Gottes, unser König, wahrer Mensch und wahrer Gott, gestorben für unsere Sünden und auferstanden zu unserer Rechtfertigung und dass wir im Glauben an Ihn die wunderbare Hoffnung haben dürfen, Ihn und Seine Liebe für alle Ewigkeit in Herrlichkeit genießen zu dürfen. Eine Herrlichkeit, von der es heißt: "[...] und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." (Offb 21,4)

Das ist es, warum wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten: "Ich glaube an [die] Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ 

Das ist es, was Jesus selber sagt: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«“ (Lk 4:16-22)“ 

Darum heißt es bei Jesaja: „Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt [...] und wird euch helfen.« [...] Die Erlösten des HERRN werden [...] kommen [...] mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“ (Jes 35:2-10)

Das ist es, was auch Jesus selbst in der Offenbarung des Johannes bezeugt: „Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ (Offb 22,16-17)

Wir haben Gott die Treue gekündigt. Wir haben gegen Seine Herrschaft rebelliert, haben Seine Gebote übertreten und uns selbst zu Gott gemacht. Wir haben Ihn vom Thron unseres Lebens gestoßen, um selber zu definieren, was Gut und was Böse ist. Doch Gottes Liebe ist so groß, dass Er sich zu uns hinab beugt – Mensch wird – und für uns stirbt – damit wir leben können. Ewig leben. Gott ist – trotz all unserer Rebellion! – FÜR UNS. 


Stets vor Augen

Das ist das Evangelium, das Paulus hier predigt. Ich kann über Gottes Liebe und Gnade nur staunen und mich in Anbetung fragen: WIE TIEF MUSS GOTTES LIEBE SEIN?!

Dieses Evangelium – diese Liebe Gottes – der für mich Mensch geworden ist – für mich starb – und für mich auferstand – der mich erlöst von meinen Sünden und mir ewiges Leben schenkt – dieses Evangelium möchte ich stets vor Augen haben. 

Mit dem Ausleger Barnes möchte ich – ihr Lieben! – mit dem Ausleger Barnes möchte ich uns allen sagen: "Denke an den Erlöser, der nach all den Leiden dieses Lebens jetzt von den Toten auferstanden ist, und lasse dich dadurch ermutigen, deine Prüfungen zu ertragen.“

Wie tief muss Gottes Liebe sein?! Diese Liebe Gottes – diese unfassbare Liebe – dürfen wir uns jeden Tag neu vor Augen halten: dieses Evangelium - dass der ewige und allmächtige Gott - der König aller Könige und der Herr aller Herren - in Jesus Christus Mensch geworden ist - der für unsere Schuld und Sünde gestorben ist - und der zu unserer Rechtfertigung von den Toten auferstanden ist - der unser Heiland und Erlöser geworden ist - der uns mehr liebt, als sein Leben. 

Diesem Herrn, unserem Gott, Jesus Christus, sei alle Ehre, von nun an bis in Ewigkeit - Amen.

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Sonntag, 24. August 2014

Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung (Mt 17:22-23)

Text

22 Als sie aber beieinander waren in Galiläa, sprach Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen, 23 und sie werden ihn töten, und am dritten Tag wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt.


Kommentar

Zusammenfassung

Nach der Rückkehr vom Berg der Verklärung und der Heilung des mondsüchtigen Knaben zieht Jesus aus Sicherheitsgründen mit Seinen Jüngern durch Galiläa. Hier wiederholt Er, der ewige König (Lk 1:33), die Prophetie seiner nun bevorstehenden Passion: Durch die Hand Seiner eigenen Geschöpfe wird er, der Allmächtige Sohn des Ewigen, den Tod erleiden. Und als das Leben selbst wird er am dritten Tage wieder auferstehen von den Toten. Seine Jünger jedoch, die dieses Wort weder verstanden noch Christus um eine Erklärung fragten, blieben im Hinblick auf dies Wort im Geiste ohne Frucht und wurden so aufgrund ihres Unverständnisses sehr traurig.


Inhalt

22-23 Von Magadan führte Jesus und Seine Jünger ihre Reise über Bethsaida und Cäserea Philippi, von dort wohl auf den Hermon und nun wieder zurück ins westlich des Sees gelegene Galiläa, "denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil ihm die Juden nach dem Leben trachteten" (Joh 7:1).

Hier wiederholte Jesus Seine ernste Prophetie, mit der Er nach dem Bekenntnis des Petrus begonnen hatte "seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen" (Mt 16:21).

Doch wo Christus Mt 16:21 noch konkret von Hohenpriestern und Schriftgelehrten als den Schuldigen an Seiner Passion spricht und wo er nicht allein von Seinem Tod sondern auch von Seinen Leiden redet, da lesen wir hier, eher zusammenfassend, ja beinahe schon stenografisch, von "Menschen" und "Tod" und, wie schon zuvor, von Seiner Auferstehung.

So knapp ist diese erneute Ankündigung Seiner Passion, dass ein nur flüchtiger Blick das Wesentliche zu übersehen droht: Es ist der ewige, allmächtige Sohn des ewig Seienden, von dessen bevorstehendem Tod wir hier lesen. Es ist Der, von Dem Daniel weissagte: "und siehe, es kam einer mit den Wolken des Himmels wie eines Menschen Sohn und gelangte zu dem, der uralt war, und wurde vor ihn gebracht. Der gab ihm Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende" (Dan 7:13f).

Dieser Menschensohn ist es, das fleischgewordene Wort Gottes, der herrliche und einzige Sohn des Allmächtigen, "voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1:14), der hier von Seinem Tod und Leiden spricht. Der ewig mächtige und herrliche "Fürst des Lebens" (Apg 3:15) ist es - Er, dem der Vater auf Seinen Wunsch hin im Nu "mehr als zwölf Legionen Engel" schicken würde (Mt 26,53) um Ihn zu bewahren -, der nun davon spricht, in die Gewalt Seiner eigenen Geschöpfe (Kol 1:16) übergeben zu werden.

Und sie, Seine Kreaturen, - sie, die Er, der Allmächtige, noch viel müheloser hätte töten können, als den Feind "mit dem Hauch seines Mundes" (2Thess 2:8) -, sie sind es, in deren Hände Er überantwortet werden wird. Ja, Er, der Sündlose selbst (Joh 8:46, Heb 4:15) ist es, der überantwortet werden soll in die Hände der Sünder (Lk 24:7). Was Christus hier prophezeit, ist, was Johannes später zu Anfang seines Evangeliums beklagen wird: "Er kam in sein Eigentum; und die Seinen nahmen ihn nicht auf" (Joh 1,11). Ja, "Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz" (Phil 2:6-8).

Von den Jüngern aber lesen wir bei Lukas: "Aber dieses Wort verstanden sie nicht, und es war vor ihnen verborgen, so dass sie es nicht begriffen. Und sie fürchteten sich, ihn nach diesem Wort zu fragen" (Lk 9:45, vgl Mk 9:32). Und so kam es wohl, dass sie einen wesentlichen Aspekt der Aussage Christi völlig überhörten, nämlich: "am dritten Tag wird er auferstehen." Da sie nicht nachfragten, bekamen sie keine Antwort. Und ohne göttliche Antwort blieb ihnen nur das menschliche Verständnis eines Juden zu ihrer Zeit, wie es auch schon Martha äußerte: "Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tage" (Joh 11:24). Und so wurden sie sehr traurig und betrübt, befürchteten sie doch, ihr geliebter Rabbuni würde bis zum jüngsten Tage von ihnen genommen.


Praktische Anwendung

1. Wenn Jesus - im Einklang mit Gottes Willen und Plan - einer Lebensgefahr ausweicht, ist es auch für Dich keine Schande (vgl. Mt 10:23).

2. Betrachte die Tiefe der Liebe Christi zu Dir: Er, der ewige, mächtige und herrliche Gottessohn ging für Dich elenden Sünder ans Kreuz!

3. Wenn Du ein Wort Gottes nicht verstehst, frage Ihn, damit Du nicht traurig bleibst.

Sonntag, 5. Januar 2014

Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung (Mt 16:21-23)

Text

21 Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. 22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach:Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! 23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus:Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.


Kommentar

Zusammenfassung

Endlich klar als Messias bekannt, offenbart Jesus Sein kommendes Leiden durch die theologische Avantgarde Seiner Zeit und Seine Auferstehung von den Toten. Petrus, der Ihn, Christus, den Mensch gewordenen Gott, aus seelischen Regungen heraus von Seiner göttlichen Mission 'bewahren' will, weist Christus scharf zurecht.


Struktur

21 Jesus, erkannt als Messias, prophezeit Sein Leiden und Seinen Tod durch die religiöse Elite in Jerusalem und Seine Auferstehung am dritten Tage.

22 Petrus, menschlich auf's Äußerste besorgt um Jesu Wohlergehen, will ihn unter vier Augen mit aller Kraft vor Seinem vermeintlichen 'Schicksal' bewahren.

23 Christus, geistlich von der Motivation Petri abgestoßen, wendet sich von diesem ab und rügt ihn für sein widergöttliches Streben.


Inhalt
21 Von dem Tage an, an dem Simon Petrus öffentlich aussprach, was die Jünger in ihren Herzen glaubten, nämlich, dass Jesus der Christus sei, der Messias, der von Gott verheißene Retter, von diesem Tage an begann Jesus, Ihnen von Seinem Tode zu prophezeien. Nun war ihr Glaube stark genug für diese Wahrheit. Und doch war es aus weiteren Gründen notwendig, dass Christus sie ihnen offenbarte.

Zum Einen, um ihnen die Illusion zu nehmen, Seine Herrschaft in Herrlichkeit würde schon jetzt beginnen. Zum Zweiten, um sie auf Seinen -für die Jünger undenkbaren- Tod am Schandholz vorzubereiten und sie so gegen die Verzweiflung zu wappnen. Weiterhin, um ihnen die Augen dafür zu öffnen, dass die Ursache für Seinen Tod bei niemand anderm zu suchen sein würde, als bei den Kirchenräten, Erzbischöfen und Theologieprofessoren, die doch eigentlich Seine Herrschaft hätten stützen sollen.

Doch letztlich auch, um Ihnen Hoffnung zu geben. Ja, er würde nach Jerusalem gehen und er würde vieles leiden: von Verrat und unrechtem Urteil über Spott und Hohn, bis hin zu Verachtung, Misshandlung und der öffentlichen Schande eines Schwerverbrechertodes. Doch er würde, am Morgen des dritten Tages, von den Toten auferstehen und ihnen zurückgegeben werden. Das durften, sollten und mussten sie wissen.

22 Wohl aus Respekt um Seiner Reputation als Rabbi und Lehrer willen, nahm Petrus Jesus daraufhin beiseite, um Ihn, wie er meinte zu Recht, zu kritisieren: so tief besorgt um das irdische Wohl seines Herrn und Gebieters (Κυριος (Kyrios) = Herr, Meister) wünscht er Ihm nur eines: Gottes Schutz und Bewahrung vor einem so schrecklichen Ende. Und doch widerspricht er auf diese Weise der göttlichen Prophezeiung und mit ihr dem ewigen Plan unseres barmherzigen Schöpfers, dem allein unser aller Heil am Herzen liegt.

Es ist beinahe tragisch, mitanzusehen, wie selbst unsere besten menschlichen Motive, welche letzlich doch nur in Egoismus und Selbstschutz gegründet sind, zum Widerspiel des göttlichen Sinnens werden: Nicht sich selbst und Sein Wohl hatte unser geliebter Heiland im Blick, sondern allein uns und unser aller ewige Seeligkeit.

23 So groß ist die Kluft zwischen dem menschlichen Trachten Petri und dem Plan Gottes, zwischen irdischem, zeitlichem, körperlichem Wohl und himmlischem, ewigem, geistigem Heil, dass Christus, an Seiner empfindlichsten Stelle berührt, sich von Petrus weg wendet und ihn auf das allerschärfste zurechtweist. Denn in den Worten Petri liegt, wenn auch unbeabsichtigt und ungewollt, das höchste Ziel des Satans: die Mission Christi zu vereiteln und so die Erlösung der Menschen aus seiner Knechtschaft und somit das ewige, göttliche Ziel, unsere Verwandlung in Sein Bild, zu vereiteln.

Nur so ist zu erklären, dass Petrus, eben noch für das Zeugnis seines Glaubens selig gepriesen (Mt 16:17), von Christus als Widersacher (Σατανα (Satana) = Satan, Feind)  abgewiesen wird: unwissentlich war er in seiner Fleischlichkeit zum Werkzeug und Komplizen des Feindes Gottes und der Menschen geworden. Und in dieser Herzenshaltung, mit dem Ziel menschlichen, nicht göttlichen, Sinnens ist Petrus unserem Erlöser nichts als ein Stolperstein und ein Hindernis auf Seinem Weg zu unserer Errettung.


Praktische Anwendung
  • Erkenne und freue Dich über die Liebe Deines Erlösers, der Sich durch nichts davon abbringen ließ, für Dein ewiges Heil am Kreuz von Golgatha zu sterben.
  • Erkenne den Abgrund Deiner Selbstliebe und prüfe Dich anhand der Heiligen Schrift, wo Du vielleicht Gottes Heilsplan und Seinem Werk im Wege stehst?
  • "Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene." (Rö 12:2)

Samstag, 3. August 2013

Die Zeichenforderung der Pharisäer (Mt 16:1-4)

Text

1 Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu ihm; die versuchten ihn und forderten ihn auf, sie ein Zeichen vom Himmel sehen zu lassen. 2 Aber er antwortete und sprach:Des Abends sprecht ihr:Es wird ein schöner Tag werden, denn der Himmel ist rot. 3 Und des Morgens sprecht ihr:Es wird heute ein Unwetter kommen, denn der Himmel ist rot und trübe. Über das Aussehen des Himmels könnt ihr urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen? 4 Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen; doch soll ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Jona. Und er ließ sie stehen und ging davon.


Kommentar

Zusammenfassung

In ihrer frechen Anzweiflung der Identität und Autorität Christi verbündeten sich die zerstrittenen Pharisäer und Sadduzäer und fordern, trotz der vielen bereits geschehenen Wunder, ein weiteres Zeichen. Doch Jesus macht ihnen klar, dass es bereits genug zu sehen gab, um Seine Göttlichkeit zu erkennen und dass es ihre bösen und von Gott abgewendeten Herzen sind, die sie so blind machen für das Offensichtliche. Was sie fordern, verweigert Er Ihnen, doch was Er ihnen prophezeit ist ein noch weit größeres Zeichen: mit Seiner Auferstehung wird er Ihnen und der ganzen Welt ein für alle mal zeigen, dass Er Gott ist, das ewige Leben. Und nach dieser Feststellung verlässt Er sie. 


Struktur

1 Die ansonsten verfeindeten Pharisäer und Sadduzäer, im Herzen Mörder und Werkheilige, verbündeten sich, von Jesus ein Zeichen zu fordern und sprechen Ihm auf diese Weise seine Gottessohnschaft ab.

2-3 Doch Jesus ignoriert ihre Forderungen und verweist auf die vielfältigen, bereits gegebenen Zeichen Seiner Gottessohnschaft, sowie auf eine wichtige Tatsache: so Ungewisses, wie das Wetter vermögen sie zu deuten, doch so Offensichtliches, wie Seine Identität können sie angeblich nicht wahrnehmen.

4a Und Er nennt den Grund für die Blindheit und Bosheit ihrer Herzen: sie sind eine böse und von Gott abgefallene Generation. Und deshalb verschließt Er sich Jesus ihren Forderungen und prophezeit ihnen Seinen Tod und Seine Auferstehung als einzig noch verbliebenes Zeichen, dass Er ihnen geben will: den ultimativen Beweis Seiner Göttlichkeit.

4b Damit ist die Unterredung beendet. Mehr ist einem Menschen mit einem verstockten Herzen nicht zu sagen, außer diesen dreien: die Wahrheit, die Sünde und die darin begründete Notwendigkeit der Umkehr. Und so lässt Er sie stehen und geht von ihnen fort.


Inhalt

1
Kaum war Jesus mit seinen Jüngern in Magadan (Tarichea) auf der Westseite des Sees von Genezareth angekommen, wird er schon wieder umringt. Doch diesmal sind es nicht die Hungrigen und Kranken, sondern ein hinterlistiger Haufe von Pharisäern und Sadduzäern, ein "böses und abtrünniges Geschlecht" (Vers 4), die sich bereits beraten hatten, "wie sie ihn umbrächten" (Mt 12:14). Es sind die führenden Köpfe der Kirche von damals, vor deren Lehre Jesus seine Jünger in Kürze eindringlich warnen wird (Mt 16:12): Sie, sind es, die die Gnade Christi verleugnen und damit "den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen" haben. Sie, die ihren Mitmenschen den Weg ins Himmelreich verwehren (Lk 11:52), indem sie ihnen die Werkgerechtigkeit predigen und sie so "mit unerträglichen Lasten" beladen (Lk 11:46).

Wie groß ihr Hass gegen Christus gewesen sein muss, zeigt sich schon in der Tatsache, dass sie, die sich in Bezug auf den Inhalt ihrer jeweiligen Lehre spinnefeind waren (Apg 23:8ff), miteinander verbünden, um Christus zu versuchen. Von Ihm, dem Christus, der "von Gott ... ausgewiesen [war] durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn ... getan hat" (Apg 2:22) wollen sie "ein Zeichen vom Himmel" sehen. Doch hatte Jesus bereits so viele Zeichen und Wunder getan, dass selbst das einfache Volk bezeugte: "Von Anbeginn der Welt an hat man nicht gehört, daß jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan habe. Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun" (Joh 9:32f). Doch den Pharisäern und Sadduzäern ging es gar nicht um ein Zeichen, welches sie sich wünschten, um endlich glauben zu können, es ging ihnen um ein Zeichen, welches sie vom Allmächtigen forderten(!), um Ihm, sollte er es nicht tun, Seine Gottessohnschaft abzusprechen. Darin gleichen sie ihrem Vater, dem Teufel, der Christus bereits in der Wüste mit den Worten versuchte: "Bist du Gottes Sohn, dann..." (Mt 4:3ff).

2-3 Doch Jesus geht mit keinem Wort auf ihre Forderungen ein. Er ist Gottes Sohn. Er weiß um seine Identität und muss sie niemandem beweisen. Doch Er sieht die Sünde im Herzen Seiner Widersacher und nur auf diese geht Er ein: ihre geistliche Blindheit für das, was unübersehbar vor Augen ist: "Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert." (Mt 11:5). Doch trotz dieser Fülle an Wundern, die Jesus direkt vor ihren Augen tat, wollen sie die Zeichen der Zeit nicht sehen. Sie wollen nicht anerkennen, das Jesus der Christus ist, der Messias, Sohn Gottes, Schöpfer der Welt und ihr Herr und König. Die Zeichen für gutes Wetter und schlechtes vemögen sie zu deuten, warum dann nicht die Zeichen Seiner Herrschaft? Die Anzeichen für gutes und schlechtes Wetter können trügen, doch die Zeichen der Gottessohnschaft Christi sind mehr als eindeutig.

4a Der Grund ist offensichtlich: sie sind eine böse und von Gott abgefallene Generation. Das ist der Grund, warum ihnen alle Zeichen und Wunder, die Er direkt vor ihren Augen tat für nichts achten und stattdessen solche Zeichen fordern, wie sie sie sich ausgedacht haben. Sie wollen nicht anerkennen, das das, was Christus tat, niemand anders hätte tun können und sie wollen nicht mit Nikodemus bekennen: "Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm" (Joh 3:2). Doch genau aus diesem Grunde verschließt sich Jesus ihren Forderungen und teilt ihnen seinen göttlichen, souveränen Beschluss mit: Er wird ihre Forderungen nicht erfüllen. Er ist der HERR. Und Er wird ihnen kein anderes Zeichen geben, als das Zeichen des Propheten Jona: "Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte" (Jon 2:1). Und "wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war", das bezeugt Er ihnen, "so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein" (Mt 12:40). So prophezeit Er ihnen das größte Wunder: Seine Auferstehung von den Toten und damit den letztgültigen Beweis Seiner Gottessohnschaft: Er ist das ewige Leben in Person (1Joh 1:2).

4b Wo das Herz eines Menschen nicht offen ist, ist jede Kommunikation zwecklos. So hat er ihnen aufgezeigt, wo sie stehen und was ihr Problem ist: Sie wollen nicht sehen, was doch so klar zu erkennen ist. Und solange sie diese Haltung nicht aufgeben, solange sie nicht umkehren und sich ihm zuwenden und unterordnen, ist jede weitere Silbe verschwendet. Damit ist diese Unterredung für Jesus beendet. Es ist alles gesagt. Und so lässt Er sie mit ihrer frechen und unverschämten Forderung stehen und geht fort.

Das ist das Schrecklichste, was einem Menschen passieren kann: Gott lässt ihn stehen und geht fort. Gott gebe uns allezeit ein weiches und zur Umkehr bereites Herz. Ein Herz das nicht fordert, sondern sieht. Ein Herz, welches die Identität, Autorität und Souveränität Gottes anerkennt und sich ihr nicht in dreister Weise widersetzt.


Praktische Anwendung

1. Frage Dich: wo forderst Du in Deinem Leben ein Zeichen von Gott?
2. Frage Dich auch: Welche offenbaren Zeichen (z.B. Kreuz, Auferstehung, Taufe, Abendmahl, etc.)
    hat er Dir längst gegeben?
3. Lass dir an Seiner Gnade genügen (2Kor 12:9) und vertraue darauf: Er ist Gott (Joh 1:1),
    Er ist Dein Fels, Er macht es recht und ist kein Unrecht ist an Ihm (Ps 92:16).


[Predigt als MP3]

Sonntag, 23. Juni 2013

Unsere Belohnung im Himmel - Hoffnung der Herrlichkeit

Vorwort

Immer wieder bewegen uns als Christen Fragen, die ohne ein umfassenderes Studium der Schrift nicht, oder zumindest nicht vollständig beantwortbar sind, wie die Frage nach unserer Belohnung im Himmel.

Bevor wir uns jedoch damit beschäftigen, die Frage, zumindest in groben Zügen, zu beantworten, sollten wir uns die Frage stellen, warum uns diese Frage eigentlich bewegt: Ist es reine Neugier? Ist es unsere Sehnsucht nach Erlösung? Ist es Selbstsucht? Oder suchen wir einen Ausweg aus unseren Leiden? Ist es die Hoffnung; ist es unsere Liebe zu Gott, die uns bewegt? Oder ist es der schlichte Wunsch nach mehr Verständnis der Dinge, die auf uns warten?

Denn: Wie auch immer wir diese Frage beantworten wird uns auch einen Aufschluss darüber geben, was uns im Innersten bewegt. Und das wird Auswirkungen haben auf den Schwerpunkt unserer Frage und auf die Wichtigkeit mit der wir die Antwort empfinden. Sind wir nur neugierig, so wird uns die Antwort, wie auch immer sie ausfällt, nur oberflächlich befriedigen und der kurzfristigen Erfrischung durch die Antwort wird schnell ein neuer Durst nach weiteren oder anderen Neuigkeiten folgen. Sinde es jedoch unsere, wie auch immer unvollständige, Liebe zu Gott und unsere Sehnsucht nach Erlösung, so werden uns die Antworten zu einer Hoffnung führen, die uns auch in schweren Zeiten Trost und Halt bietet.


Textstellen

Bevor wir uns systematisch mit den wesentlichen Aussagen der Heiligen Schrift auseinandersetzen, um eine Antwort auf unsere Frage zu finden, ist es sinnvoll, zumindest einige zentrale Stellen einmal zu Wort kommen zu lassen:
1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. 4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. 5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. 6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. 7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. 10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. 12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind. 13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. 17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.
35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. 37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. 38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. 39 Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische. 40 Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. 41 Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern durch seinen Glanz. 42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. 45 Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einem lebendigen Wesen« (1.Mose 2:7), und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht. 46 Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche; danach der geistliche. 47 Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel. 48 Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen. 49 Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. 50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. 51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25:8; Hosea 13:14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«  56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.
18 Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. 19 Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. 20 Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; 21 denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. 23 Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. 24 Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? 25 Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.
1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. 
 
Begründungen für die Wichtigkeit der Kenntnis

Auffällig ist, dass alle Textstellen, welche etwas über die neue Welt, das Himmelreich, den Himmel oder unsere dortige Belohnung aussagen, untrennbar mit dem Thema des Leides in dieser Welt verwoben sind. Betrachten wir weitere Textstellen, so wird deutlich, dass dies einen tiefer liegenden Grund hat: Gott will uns mit der Kenntnis unserer Hoffnung zumindest zwei Dinge verleihen:

Feste Zuversicht und Hoffnung
Angesichts der Leiden, die wir in dieser Welt zu erdulden haben, angesichts der Ängste, denen wir als nicht-autonome Geschöpfe unterworfen sind und angesichts der "Knechtschaft der Vergänglichkeit" unseres irdischen Lebens, die uns oft genug zum Seufzen bringen, gibt Gott uns mit seinen Verheißungen der zukünftigen Welt eine feste Hoffnung (Römer 8:18-25) und eine feste Zuversicht auf das, "was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht" (Heb 11:1). Denn in schwersten Zeiten finden wir allein im Glauben an unseren guten Gott und in der Hoffnung auf unsere einmalige Erlösung die Kraft, die wir zum Durchhalten brauchen...
 
Kraft zum Durchhalten
...so dass wir handeln können, wie Mose. Der "hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung" (Heb 11:26). Angesichts dessen, was Gott für uns in Petto hat, das ist, "weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen" können wir selbst im Leid noch "dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt" (Heb 12:28). Nur im Aufblick auf Gott und Seine Verheißungen wird es uns im Leiden gelingen, dem Aufruf des Apostels Paulus gerecht zu werden, der uns anspornt "seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn" (1Kor 15:58). Kurz: Mit den Verheißungen für die neue Welt gibt Gott uns ein Ziel vor Augen für das Leben im hier und jetzt.
 
 

Unsere Hoffnung

Doch auf was genau dürfen wir denn hoffen? Im Wesentlichen sind dies, auch wenn die Aufzählung nicht vollständig sein mag, folgende Versprechen, die Gott eines Tages wahr machen wird:

Eine neue Umgebung
In Gottes neuer Welt wird es keine Tränen mehr geben, keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei und keinen Schmerz (Offb 21:4). Vielmehr wird uns dann endlich im vollen Maße das zuteil, wonach wir uns unser ganzes irdisches Christenleben lang gesehnt haben: Trost, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit (Mt 5:4.6-7).

Ein neuer Leib
In dieser neuen Welt werden wir, unter Beibehalt unserer Identität, mit einem neuen Leib ausgestattet sein, einem geistlichen, spirituellen Leib (wie die Engel): himmlisch, unverweslich, unsterblich, unvergänglich und voller Kraft (1Kor 15:42, Rö 8:21.23, 1Kor 15:53, 1Kor 15:43-44.46-49).

Ein neues Wesen
In Gottes neuer Welt werden wir jedoch nicht nur von allen körperlichen Schwächen befreit sein, sondern auch von aller Schwachheit und Anfechtbarkeit der Seele: Wir werden heilig sein, untadelig und makellos. Auch werden wir als keinen sexuellen Begierden mehr ausgeliefert sein (Kol 1:22, Mt 22:30), sondern werden für immer genießen können, was uns hier auch in den seltensten Momenten höchster Kommunion nie im Letzten zuteil wird: vollkommene Erkenntnis Gottes; so vollkommen, wie Er uns erkannt hat (Hab 2:14, 1Kor 13:12). Ja wir werden dem auferstandenen Christus in dieser Hinsicht gleich werden, denn wir werden Ihn erkennen, wie Er ist (Rö 6:5, 1Joh 3:2).

Eine neue Autorität
Ausgestattet mit diesem neuen Leib in dieser neuen Umgebung und einem vollkommen heiligen Wesen wird uns auch eine unvorstellbare Autorität übertragen werden: Wir werden über (die gefallenen) Engel zu Gericht sitzen (1Kor 6:3). Wir werden als Kinder Gottes (Mt 5:9, Rö 8:16) als Seine Erben und Miterben Christi eingesetzt werden und in der Auferstehung mit Christus herrschen (Offb 20:4, 1Kor 15:22-23) über unseren neuen Besitz: Himmel und Erde (Mt 5:3.5.10)!

Unser großer Lohn
Über all diesen wunderbaren Versprechungen wollen wir aber eines nicht vergessen: Was unser wirklich größter Lohn sein wird: Christus und damit Gott selbst. Die ewige Gemeinschaft mit Ihm, der uns geliebt hat bis in den Tod, unser Hochzeitsmahl mit dem Lamm, das für uns geopfert wurde (Mt 22:2ff, 25:1ff): die volle Erkenntnis Gottes selbst (Mt 5:8.12). Gott selbst wird, wie für Abraham, unser sehr großer Lohn sein - für immer (Lk 6:23, 1Mo 15:1, Off 21:3).


Schlusswort

Diese Verheißungen sind wahrlich eines Gottes würdig: sie sind fast zu schön, um wahr zu sein; und doch sind sie es, denn: "der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!" (Offb 21:5). Eines Tages werden wir tatsächlich in einer Welt ohne Leid, Tod und Schmerzen, in einem Leib ohne Sünde, Krankheit und Tod, in vollkommener Gotteserkenntnis und mit der Autorität über Himmel und Erde, Engel und Dämonen gemeinsam mit Christus herrschen bis in Ewigkeit. Und die Schönheit und Wahrheit und Gerechtigkeit Gottes wird unsere Sonne sein, ja "es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit" (Offb 22:5). 

Mögen uns diese Worte Trost sein in schweren Stunden und Hoffnung geben auf ein neues Morgen.

Montag, 7. Mai 2012

Leiden und Herrlichkeit des Gerechten (Psalm 22,1-32)

Text 

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise »die Hirschkuh, die früh gejagt wird«. 2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. 3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe. 4 Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. 5 Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. 6 Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden. 7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, ein Spott der Leute und verachtet vom Volke. 8 Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: 9 »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.« 10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen; du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter. 11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an, du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an. 12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer. 13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben, mächtige Büffel haben mich umringt. 14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf wie ein brüllender und reißender Löwe. 15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst; mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs. 16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, und meine Zunge klebt mir am Gaumen, und du legst mich in des Todes Staub. 17 Denn Hunde haben mich umgeben, und der Bösen Rotte hat mich umringt; sie haben meine Hände und Füße durchgraben. 18 Ich kann alle meine Knochen zählen; sie aber schauen zu und sehen auf mich herab. 19 Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los um mein Gewand. 20 Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen! 21 Errette meine Seele vom Schwert, mein Leben von den Hunden! 22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und vor den Hörnern wilder Stiere - du hast mich erhört! 23 Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern, ich will dich in der Gemeinde rühmen: 24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet; ehret ihn, ihr alle vom Hause Jakob, und vor ihm scheuet euch, ihr alle vom Hause Israel! 25 Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht das Elend des Armen und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen; und als er zu ihm schrie, hörte er's. 26 Dich will ich preisen in der großen Gemeinde, ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten. 27 Die Elenden sollen essen, daß sie satt werden; und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben. 28 Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden. 29 Denn des HERRN ist das Reich, und er herrscht unter den Heiden. 30 Ihn allein werden anbeten alle, die in der Erde schlafen; vor ihm werden die Knie beugen alle, die zum Staube hinabfuhren und ihr Leben nicht konnten erhalten. 31 Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen; vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind. 32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat's getan.


Kommentar

1 Etwa 1.000 vor Christus dichtet David dieses Lied, in welchem das Leiden Christi am Kreuz in prophetischer Vorschau bis ins Detail vorausgesagt wird. Schon die Melodie, nach der dieses Lied vorzutragen ist, spricht Bände: es ist die Melodie eines Jagdliedes.

2-3 In Mt 27,46 berichtet uns der Evangelist: «[...] um die neunte Stunde schrie Jesus laut: "Eli, Eli, lama asabtani?" Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?». Mehr, als den ersten Vers dieses Psalms zu beten war Jesus in seiner völligen Entkräftung nicht mehr möglich; vier Verse weiter berichtet Matthäus: «Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.».

Wer kann ermessen, was es für den Sohn Gottes, der von Ewigkeit zu Ewigkeit mit dem Vater in innigster Liebe verbunden war (vgl. Joh 1,18), bedeutet hat, so zu empfinden: vom eigenen Vater, Gott, verlassen, der sich die Ohren zuhält und die verzweifelten Schreie seines Sohnes, der unablässig zu ihm fleht, nicht mehr hören will. Weil Jesus am Kreuz die Sünden der ganzen Welt trägt (1Jo 2,2) in dem er für uns zur Sünde gemacht wurde (2Kor 5,21). Doch durch genau diese größte Tat der Liebe, indem Er meine Schuld und Sünde auf sich nimmt, tut sich die unüberwindliche Kluft zwischen Ihm und der absoluten Heiligkeit des Vaters auf, die nun durch nichts in der Welt mehr zu überbrücken ist. So ist Jesus am Kreuz in seiner Verzweiflung mutterseelenallein: ohne spürbare Antwort auf die Schreie Seiner ruhelosen Seele.

4-6 Und doch birgt dieser Schrei aus der Not keinerlei Anklage in sich: Der Psalmist weiß, was auch Jesus weiß: Gott allein ist heilig: gerecht und gut. Zu Recht thront Er in Seiner Vollkommenheit, Herrlichkeit und Schönheit hoch über den Anbetungsliedern Seines Volkes. Und noch etwas Weiteres schwingt mit in diesem Vers: die Hoffnung Jesu, Gott möge entgegen aller Hoffnung doch noch helfen. So wie Er es in den Tagen der Stammväter Israels tat, die auf Ihn hofften und nicht enttäuscht oder zum Spott wurden (Gen 22,8), die zu Ihm beteten und erhört und gerettet wurden.

7-9 Von dieser Hoffnung kehrt der Blick des Psalmisten zurück zu Christus am Kreuz und spricht Sein Leiden aus: «[...] wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben» (Joh 3,14). Christus, der Menschensohn, ist dieser Wurm, ist diese Schlange am Kreuz. Und er wird von den Menschen die Ihn dort am Kreuz hängen sehen - hilflos, leidend und allein - trotz all Seiner Schmerzen, die Er aus Liebe zu uns erträgt, auch noch verspottet. So berichtet 1.000 Jahre später Matthäus: "Die aber vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber, wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz! Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen: Andern hat er geholfen und kann sich selber nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben. Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt: Ich bin Gottes Sohn. Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber, die mit ihm gekreuzigt waren." (Mt 27,39-44). Mit desem Spott erfüllen die Oberen des Volkes, ohne es zu merken, die Prophezeiung Davids, der in diesen Versen schreibt: "Alle, die mich sehen, verspotten mich, sperren das Maul auf und schütteln den Kopf: »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus und rette ihn, hat er Gefallen an ihm«".

10-14 Und wieder wendet sich der Blick des Psalmisten weg vom Kreuz und schaut gleichsam mit Christus zum Vater auf und lässt uns an Seinem Gebet teilhaben: ER, der Vater, der Allmächtige, war Sein Gott und Sein Halt, der Ihm beistand: schon im Mutterleib, bei Seiner Geburt und im jüngsten Säuglingsalter war ER der Grund Seiner Geborgenheit. Zu IHM, Seinem Vater, betet Christus: Er fleht um SEINE Nähe, denn Er ist voller Angst, weil Ihm niemand mehr hilft. Er ist umringt von der Elite des Volkes, deren Macht der Psalmist mit der unbändigen Urgewalt des Wildstiers umschreibt; ein Bild der zügellosen Kraft, welches schon Hiob vor ihm brauchte (Hi 39:9-12). Der Vergleich mit dem brüllenden und reißenden Löwen deutet auf die Gier und Gottlosigkeit der Hohenpriester, Schriftgelehrten & Ältesten (vgl. Spr 28,15 und Hes 22,25).

15-16 Doch nicht nur die Welt wendet sich gegen Christus. Sein eigener Leib versagt angesichts der unmenschlichen Qualen am Kreuz seinen Dienst. Seine Kräfte verlassen ihn. Sie versickern, gleichwie auf dem Erdboden verschüttetes Wasser. Die unablässigen Krämpfe haben seine Muskeln über ihre Grenzen gefordert und noch immer zerrt das Gewicht seines Körpers ihn nach unten; bis seine Knochen aus ihren Gelenken gerissen werden und sich voneinander lösen. Sein Herz müht sich, das letzte noch verbleibende Blut durch Seinen geschundenen Körper zu pumpen und droht zu erschlaffen und erweichen, wie in der Kerzenflamme zerschmolzenes Wachs. Die körperliche Qual, Anstrengung und der Blutverlust haben ihn dehydriert: Sein Mund ist trocken wie eine Tonscherbe in der Glut der Wüste. Er hat Durst (Joh 19,28). Sein Tod steht unmittelbar bevor.

17-19 Noch einmal wendet sich der prophetische Blick Davids von Christus hin auf die äußere Szenerie der Kreuzigung. Christus ist umgeben von Menschen deren Herz so böse ist, dass der Psalmist es wagt, sie mit einem der im Orient schlimmsten Schimpfworte zu belegen: sie sind aus moralischer Sicht - und das war und ist für jeden Orientalen noch immer ein schlimmes Schimpfwort - streunende Straßenköter.

Was nun als Beschreibung folgt ist angesichts der Tatsache, dass dieser Psalm nachweislich auf um 1.000 v. Chr. zu datieren ist, in mehrfacher Sicht außergewöhnlich. Zum Einen beschreibt David hier eine Foltermethode, die in dieser Variante, d.i. durch das Annageln durch Durchbohren von Händen und Füßen mit Zimmermannsnäglen, erst im Makedonischen Großreich erfunden wurde (1), also mindestens 600 Jahre nach seiner Zeit. Noch erstaunlicher aber ist die Tatsache, dass David nicht nur den Spott der Menge voraussieht (siehe Mt 27,41) sondern auch eine prophetische Voraussage darüber macht, dass die Kleidungsstücke Christi unter den römischen Soldaten aufgeteilt werden und dass über sein aus einem Stück gewebtes Unterkleid das Los geworfen werden wird (siehe Joh 19,23 ff).

Woher hätte David, 1.000 Jahre vor seiner Zeit(!) diese Details wissen sollen, wären sie ihm nicht vom Allwissenden und Ewigen offenbart worden, der oberhalb und außerhalb der Zeit steht? Wie hätten, ein Jahrtausend später die Römer willentlich und wissentlich eine Prophezeiung erfüllen sollen, die in ihrem Religions- und Kulturkreis völlig unbekannt war? Und welchen Grund sollten sie gehabt haben, um diese Prophezeiung zu erfüllen? Jemandem zu Gefallen der von ihrer eigenen Gerichtsbarkeit unter der Anklage des politischen Aufruhrs zum Tode am Kreuz verurteilt wurde?

Die Unmöglichkeit, derlei Fragen mit menschlichen Argumenten zu beantworten, lässt angesichts der Tatsache, dass das Neue Testament aus literaturhistorischer Sicht ein unzweifelhaft glaubwürdiges und korrekt überliefertes Dokument ist -wie dies schon an anderer Stelle ausführlich dargestellt wurde (2)- nur einen einzigen Schluss zu: Psalm 22 ist ein weiterer, stichhaltiger Beweis für die übernatürliche Inspiration (3) der Heiligen Schrift.

20-22 Wieder wendet sich der Psalmist dem leidenden Christus am Kreuz zu und gibt uns prophetisch Einblick in die letzten Herzensgedanken Christi: Jesus fleht zu Seinem Vater, sehnt sich nach Seinem Eingreifen mit starker Hand, Er bittet, dass diese Hilfe schnell kommen möge: Seine Errettung vor der Rotte römischen Schwertträger und den gierigen Machthabern der Volkskirche. Und dann endet Sein Gebet, im völligen Vertrauen und entgegen aller leidvollen Erfahrung, in der Glaubensgewissheit Seiner Erhörung. Die Evangelien teilen uns diese Gewissheit nur indirekt mit; Sie berichten uns von Christi letzten Gedanken nur Seine im Glauben gesprochenen Worte: «"Es ist vollbracht!"» (Joh 19,28). Direkt darauf starb Jesus (Joh 19,30).

23-27 Christus, Gottes Sohn, liebte uns bis in den Tod und liebt uns noch immer und darüber hinaus. Er, der Auferstandene, nennt uns, die an Ihn Gläubigen, "Brüder" (Mt 12,49, Rö 8,29) und verkündet uns den Namen (d.i. das Wesen und den Charakter) Gottes, des Vaters durch Seinen Lobgesang in der Mitte der Gemeinde (Heb 2,11-12, Joh 14,9). Zuerst gilt Sein Gebot, Gott mit Ehrfurcht zu begegnen, Seinem Volk: Israel. Ihn sollen Sie loben, weil Er Ihnen den Messias sandte und Dessen in Elend und Not heraus geschrieenes Gebet am Kreuz erhörte, indem er Christus von den Toten auferweckte. Damit ist zuerst für das Volk Israel, dann aber auch für die Gemeinde der Grundstein zur Erlösung gelegt. So wie Jesus es immer getan hat, will Er es auch morgen tun: Die Ehre & Herrlichkeit Gottes in aller Öffentlichkeit loben und die Ihm gegebenen Versprechen halten (s. das Hohepriesterliche Gebet in Joh 17,1 ff). Sein Wunsch ist, dass die Armen und Bedürftigen zu essen haben und dass die, die nach Gott und Seinem Willen fragen, ewig leben und sich so innig an Ihm freuen, dass sie ihrer überströmenden Freude im Lobpreis Ausdruck verleihen.

28-32 David beschließt diesen Psalm mit einer weiteren Prophetie und malt auf diese Weise die ganze, nun schon Jahrtausende währende Kirchengeschichte, mit einem einzigen Pinselstrich vor die Augen des Lesers: Gottes Reich wird sich ausbreiten (Lk 13,19), bis aus der anfänglichen, kleinen Schar der Zwölf Jünger, über Seine heute ca. eine Milliarde Menschen zählende Kirche, das Ziel Gottes erreicht ist: Dass Menschen aus allen geografischen Gebieten und aus allen Völkern Ihn erkennen und Ihm in der Anbetung die Ehre geben, die Ihm allein zusteht. Fast erinnern diese Verse an das Vaterunser, in dem es heißt: «Dein Name werde geheiligt. [...] Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.» (Mt 6,9.13)

Auch die Auferstehung der Toten, die von allen Christen im Glaubensbekenntnis (4) bekannt wird, sieht David voraus. Und die Tatsache, dass der Tag kommen wird, an dem Gott in Christus in Seiner Allmacht und Herrlichkeit offenbar werden wird, so dass alle Menschen, selbst die schon verstorbenen, vor Ihm die Knie beugen und bekennen werden, dass Er allein, Jesus Christus, der uneingeschränkte Herrscher über alles und jeden ist (Phil 2,10, Offb 15,3).

David sieht, dass Jesus Nachfolger haben wird, die Ihm von Herzen gehorsam sind und Seinen Willen tun; die von Seiner Liebestat am Kreuz noch Kind und Enkel erzählen und mit dem Evangelium im Herzen in die Welt hinaus gehen und die Gerechtigkeit Christi predigen, die - entgegen aller menschlichen Werke - allein vor Gott Bestand haben wird (Rö 3,20, Rö 3,28, Rö 4,5, Gal 2,16).

Denn allein Christus hat's getan: Er hat unsere Schuld bezahlt und Er allein ist das Lösegeld für unsere Sünden. Niemand wird Gottes Himmel je betreten, der nicht allein in Christus seine Gerechtigkeit und den Freispruch von seiner Schuld gegen Gottes Gebote gesucht und gefunden hat, denn:

«[...] in keinem andern ist das Heil,
auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben,
durch den wir sollen selig werden.»

(Apg 4,12)

So sagte Christus es bereits, als er noch auf Erden war:

«Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater denn durch mich.
» (Joh 14,6)

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