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Sonntag, 5. Januar 2014

In schwerer Heimsuchung (Der dritte Bußpsalm) (Ps 38:1-23)

Text

1 Ein Psalm Davids, zum Gedenkopfer. 2 HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn und züchtige mich nicht in deinem Grimm! 3 Denn deine Pfeile stecken in mir, und deine Hand drückt mich. 4 Es ist nichts Gesundes an meinem Leibe wegen deines Drohens und ist nichts Heiles an meinen Gebeinen wegen meiner Sünde. 5 Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden. 6 Meine Wunden stinken und eitern um meiner Torheit willen. 7 Ich gehe krumm und sehr gebückt; den ganzen Tag gehe ich traurig einher. 8 Denn meine Lenden sind ganz verdorrt; es ist nichts Gesundes an meinem Leibe. 9 Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen; ich schreie vor Unruhe meines Herzens. 10 Herr, du kennst all mein Begehren, und mein Seufzen ist dir nicht verborgen. 11 Mein Herz erbebt, meine Kraft hat mich verlassen, und das Licht meiner Augen ist auch dahin. 12 Meine Lieben und Freunde scheuen zurück vor meiner Plage, und meine Nächsten halten sich ferne. 13 Die mir nach dem Leben trachten, stellen mir nach; und die mein Unglück suchen, bereden, wie sie mir schaden; sie sinnen auf Trug den ganzen Tag. 14 Ich bin wie taub und höre nicht, und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht auftut. 15 Ich muß sein wie einer, der nicht hört und keine Widerrede in seinem Munde hat. 16 Aber ich harre, HERR, auf dich; du, Herr, mein Gott, wirst erhören. 17 Denn ich denke: Daß sie sich ja nicht über mich freuen! Wenn mein Fuß wankte, würden sie sich hoch rühmen wider mich. 18 Denn ich bin dem Fallen nahe, und mein Schmerz ist immer vor mir. 19 So bekenne ich denn meine Missetat und sorge mich wegen meiner Sünde. 20 Aber meine Feinde leben und sind mächtig; die mich zu Unrecht hassen, derer sind viele. 21 Die mir Gutes mit Bösem vergelten, feinden mich an, weil ich mich an das Gute halte. 22 Verlaß mich nicht, HERR, mein Gott, sei nicht ferne von mir! 23 Eile, mir beizustehen, Herr, du meine Hilfe!


Kommentar

Zusammenfassung

Wegen seiner Sünde von innen und außen - im Gewissen von Gottes Drohen und im Leben von Krankheit und einer ungerechten feindlichen Übermacht - bedrängt, bekennt David Gott seine Sünde und bittet Ihn um Gnade und Seine eilende Hilfe.


Struktur

Abweichend vom Aufbau der Strophen ergibt sich folgende Einteilung aus dem Inhalt:

1 Zweck: Zum Gedenken

2 Erste Bitte an Gott: Bitte um Milde in der Bestrafung:
3-9 Leiden an Leib und Seele aufgrund eigener Sünde und Gottes Drohen

10 Zweite Bitte an Gott: Erinnerung an die eigene Sehnsucht und Trauer:
11-15 Verängstigt, verlassen, angefeindet und wehrlos

16 Aufblick zu Gott: Warten auf den Ewigen und hoffen auf den Herrscher:
17-18 Trotz gegenüber der befürchteten Verspottung der eigenen Agonie

19 Dritte Bitte an Gott: Sündenbekenntnis und Reue (Gram)

20-21 Ungerechtigkeit der feindlichen Übermacht gegenüber dem Rechtschaffenen:
22-23 Vierte und letzte Bitte an Gott: Hilfeschrei um Nähe und Beistand


Inhalt

1 Dieses Lied schrieb David, als er sich von seinen Liebsten, seinen Freunden und seinen Nächsten ganz und gar verlassen sah (V. 12), mit dem Herzenswunsch, nicht auch von Gott noch verlassen zu werden (V. 22). Er schreibt diesen Psalm also zum Gedenken, dass Gott sich seiner erinnere. Luther übersetzt hier "zum Gedenkopfer" und erinnert so an eben den Teil des Speisopfers, der zum Wohlgefallen Gottes dargebracht wurde. Das Gedenkopfer verkörperte die Verbindung von Nachfolge und Freundschaft zwischen Gott und Israel, 3Mo 2:1-2b.9). Die Freundschaft wiederherzustellen sucht David in seiner Bitte um Vergebung für seine Sünden.

2 Das ist Davids erste herzliche Bitte: dass Gott ihn nicht aus den überbordenden Gewalten von Aggression und Wut heraus bestrafen und in Zucht nehmen möge. Vielmehr bittet er darum, dass Gott ihn, bei aller Notwendigkeit von Strafe und Züchtigung angesichts seiner Sünden (V. 4), mit Milde richten möge. Er fleht zu Gott wie der Prophet Habakuk: "Im Zorne denke an Barmherzigkeit!" (Hab 3:2). David kennt das Wesen Gottes und appelliert an Seine Güte und Gnade.

3-9
Den Beweggrund für sein eindringliches Gesuch nennt David sogleich: Er spürt den Biss seines Gewissens wie Pfeile Gottes in sich stecken und fühlt die allmächtige Hand des Allerhöchsten selbst, als die Last seiner Schuld ihn niederdrückt. Und er erkennt, dass der Grund für seine Qual allein in seinen Sünden liegt; in seiner Narrheit, die sich zu Sünden verleiten ließ, die nun wie Meereswogen über seinem Kopf zusammenschlagen und ihn zum Grunde drücken, wie eine allzuschwere Last (vgl. Jon 2:4). Doch nicht nur innerlich leidet David; auch sein ganzer Leib ist, als eine Mahnung Gottes, von den Folgen seiner Sünden und der Last seiner Seele in Mitleidenschaft gezogen. Ganz und gar krank ist sein Körper, bis auf die Knochen. Der üble Geruch des Eiters entzündeter Verletzungen plagt ihn und so schleppt er sich gebeugt und traurig von Tag zu Tag. Kein Flecken seines Körpers ist mehr heil. Wie ausgedörrt von feuriger Glut (Buber: "voller Brands") sind selbst seine Lenden, sonst ein Bild für die Kraft eines Mannes. Müde ist er geworden und matt, erschlagen und mit seinen Kräften völlig am Ende. Und dennoch findet seine Seele, wie ein eingesperrtes und gequältes Tier, keine Ruhe in ihm und so schreit er zu Gott aus der Rastlosigkeit seines sich nach Frieden sehnenden Herzens.

10 In seiner zweiten Bitte an Gott appelliert David an das Allwissen des Ewigen und an Dessen Kenntnis seiner Sehnsucht und Trauer, die er im Folgenden vor Gott ausbreitet.

11-15 David hat Angst; ihm bleibt schier das Herz stehen. Er ist, von seinen seelischen und körperlichen Qualen (Verse 3-9) vollkommen geschwächt, kraftlos und matt. Auch das Licht der Hoffnung erhellt seine Augen nicht mehr mit dem Glanz der Freude. Er ist allein: seine Familie und seine Freunde, ob aus fauler Bequemlichkeit oder ängstlichem Selbstschutz, schrecken vor ihm und seinem Leiden zurück und auch seine Nachbarn halten sich in sicherer Entfernung. In diese bis auf das Äußerste geweitete Bresche der Hilflosigkeit drängen nun auch noch seine Feinde, die es auf sein Leben abgesehen haben. Sie trachten nach Davids Unheil und Tod, verschwören sich miteinander gegen ihn und besprechen seinen Untergang. Sie planen von morgens bis abends Betrug und stellen ihm Fallen. So verängstigt, krank, verlassen und verfolgt, so matt und wehrlos ist David, dass er gar nicht mehr hören will, was seine Widersacher über ihn reden, geschweige denn zu widersprechen. So innerlich und äußerlich bedrängt, ist er gezwungen wegzuhören und den Mund zu halten. Und so erinnert er, trotz des Widerstreits in seinem Herzen, an unseren Herrn, von dem es heißt: "Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf" (Jes 53:7)".

16 Eingesperrt in dieser seelisch und körperlich, innerlich und äußerlich notvollen Situation blickt David sehnsüchtig und doch innerlich voller Vertrauen auf zu Gott und bekennt ihm seinen Willen und seine bereits gelebte Entscheidung: er will ausharren. Nicht einfach nur abwarten, sondern trotz allen Leidens sehnsüchtig und still auf Ihn warten, "dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her gewesen ist" (Mi 5:1), "eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war" (Spr 8:23 in Verbindung mit 1Kor 1:30). Auf "das A und das O", auf Den, "der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige" (Offb 1:8). Denn das weiß David in seinem Herzen ganz sicher: Gott, der allein gut ist (Mk 10:18), Er wird sein Gebet erhören.

17-18 Dass Gott sein Gebet erhört, ist David wichtig. Nicht allein angesichts seines Leidens: nein, er will auch nicht erleben, dass seine Feinde, etwa durch sein Einknicken, Grund und Raum hätten, ihn zu verachten und sich stattdessen selbst zu brüsten. Sein Gebet ist ihm ein dringliches Anliegen, denn er spürt wie ihm, von ununterbrochenen Schmerzen geplagt, die Kräfte schwinden und er nur noch eine Handbreit von seinem Sturz entfernt ist.

19 Inmitten dieser Not und wohl auch gerade wegen ihr, geschieht das Wunder der Buße und David spricht: "So bekenne ich nun..." --- "So..."
? --- Ja, "so"! So viel Leid war nötig. So viel Schmerz und Hilflosigkeit. Dann erst, endlich!, bricht und sprudelt es aus David heraus: das offene Bekenntnis seines Vergehens und seine Reue angesichts seiner Verfehlung. Endlich macht sich seine Seele Luft. Gott sei Dank!, der uns erzieht, indem Er uns "verletzt und verbindet" und indem Er uns "zerschlägt und ... heilt" (Hi 5:18). Von ihm singt Paul Gerhardt zu Recht:

Er wird dein Herze lösen
von der so schweren Last,
die du zu keinem Bösen
bisher getragen hast.

20-21 Und doch ist die Situation, in die Gott David gestellt hat, nur Mittel und nicht Zweck oder Ziel. Und so klagt David Gott sein Leid und seine begründete Furcht: seine Widersacher sind nicht allein lebendig, sie sind auch in der Überzahl und groß an Macht. Vor allem aber sind sie ihm grundlos feind. Denn was David gesündigt hat, das hat er an Gott allein gesündigt (Ps 51:6), nicht an ihnen. Ganz im Gegenteil: David tat ihnen nur Gutes, doch sie vergelten ihm dafür Böses. Doch warum? Sie sind aus einem Grund seine Feinde und das Unrecht, das sie tun, hat allein eine Wurzel: weil sie Davids Herzenshaltung nicht ertragen, der sich zum Guten hält und damit - wenn auch unwillentlich - ihre Bosheit entlarvt. Dieses merkwürdige Gesetz der Feindschaft erklärt uns unser Heiland in Joh 3:20: "Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden". Und nicht nur kommen sie, aus Furcht vor der Offenbarung ihrer Schuld, nicht zum Licht, sondern sie unterdrücken die Wahrheit sogar mit Gewalt, so dass Paulus über sie schreiben muss, dass "Gottes Zorn vom Himmel her offenbart [wird] über ... alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten" (Röm 1:18).

22-23 Angesichts dieser feindlichen Übermacht und seines ganz und gar elenden Zustands schreit David seine Not in seiner vierten und letzten Bitte an Gott heraus: er sehnt sich nach Gottes Nähe und fleht darum, dass Gott ihn doch um Himmels willen nicht verlassen möge. ER allein ist doch der Ewige und ist Davids Gott. IHN allein bittet David, ihm zur Seite zu stehen. Und so groß ist der Schmerz in Davids Herzen, dass er Gott anfleht, sich zu eilen, denn er weiß, wie Mose: "Herr, du bist unsre Zuflucht für und für" (Ps 90:1).


Praktische Anwendung
  • Wenn Gott Dich durch innere Not im Gewissen oder auch durch äußere Not in Form von Krankheit oder Anfeindung zur Buße ruft, dann sei "nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiss anlegen muss; sie werden sonst nicht zu dir kommen" (Ps 32:9).
  • Sondern bekenne Gott Deine Sünde sofort. Denn: "Wer seine Sünde leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen" (Spr 28:13).

Montag, 17. Juni 2013

Unter Gottes Schutz (Ps 34:1-23)

Text

1 Von David, als er sich wahnsinnig stellte vor Abimelech und dieser ihn von sich trieb und er wegging. 2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. 3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, daß es die Elenden hören und sich freuen. 4 Preiset mit mir den HERRN und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen! 5 Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. 6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. 7 Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. 8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. 9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! 10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. 11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. 12 Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren. 13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? 14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden. 15 Laß ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! 16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. 17 Das Angesicht des HERRN steht wider alle, die Böses tun, daß er ihren Namen ausrotte von der Erde. 18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. 19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. 20 Der Gerechte muß viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. 21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, daß nicht eines zerbrochen wird. 22 Den Gottlosen wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. 23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser Lehrpsalm, geschrieben anlässlich David's Flucht vor Abimelech, führt uns die frohmachende und lobenswerte Allmacht der göttlichen Gnade und Liebe, Vorsehung und Hilfe vor Augen, wie Gott sie allen zusagt, die Ihm vertrauen und ihm im Gehorsam, in Wort und Tat, folgen. Und er warnt uns eindringlich vor dem unausweichlichen göttlichen Gericht, welches alle treffen wird, welche die Gnade und Herrschaft Gottes, wie sie im Kreuz und Seinen Geboten offenbar werden, verachten.


Struktur

1 David nennt seine Flucht vor Abimelech und Seine Rettung aus verzweifelter Todesnot als Anlass für diesen Lehrpsalm, in welchem er uns Gottes mächtige Hilfe und bewahrende Vorsehung vor Augen führt, die allein uns Gläubigen zuteil wird und uns ins Lob führt.

2-4 David will Gott dabei so loben, dass die Elenden froh mit einstimmen.

5-8 Und er dankt Gott für Dessen Offenbarung und Hilfe, er preist die Glückseligkeit der Erkenntnis der Gnade Gottes und versichert uns der Gebetserhörung wider allen anderen Schein, ja die Hilfe des Engels Gottes selbst.

9-11
Diese Gnade und Hilfe ruft uns David auf zu schmecken und sagt denen, die Gott ehren und ihm wider alle Umstände vertrauen, Dessen Segen und Bewahrung vor Mangel zu.

12-15 David lehrt die nächste Generation wahre Gottesfurcht, die sich im Reden, Handeln und im erstrebten Frieden mit allen Menschen zu erkennen gibt.

16-19
Und das mit gutem Grund: Gott sieht alles und straft die Bösen. Den durch Christus Gerechtfertigten jedoch steht er bei, ist ihnen nahe und erhört ihre Gebete und hilft ihnen.

20-23 Ja, für uns wurde Christus gekreuzigt und auf Sein Bitten hin von Gott zu neuem Leben erweckt. Wer dieses höchste Opfer der Liebe Gottes im Hass verschmäht, wird gerichtet; wer es jedoch in gläubiger Dankbarkeit annimmt, dem wird alle Schuld vergeben.


Inhalt

1 Im Titel nennt David uns den Anlass für die Dichtung dieses Lehrpsalms: Es war die in 1Sam 21:11-22:1 festgehaltene Begebenheit, die sich am Hofe des Philisterkönigs Achisch von Gat abspielte. Wie uns im Samuelbuch berichtet wird, flüchtete David sich damals, offenbar völlig kopflos, vor Saul an den Hof des Königs von Gat, und wurde dort unglücklicherweise von dessen Fürsten wiedererkannt. Aus Furcht vor dem König wendete er daher eine List an, stellte sich wahnsinnig und konnte sich so zu guter Letzt in eine Höhle retten.

Dass David diesen König, der im 1. Samuelbuch Achisch genannt wird, im hier vorliegenden Psalm Abimelech nennt, hat folgenden Hintergrund: Abimelech ist nicht nur ein Eigenname, sondern wohl auch eine generelle Bezeichnung für Philisterkönige, vergleichbar etwa mit dem Titel Pharao für ägyptische Könige: Abimelech bedeutet "Mein Vater [ist] König". Der 'richtige' Name des Königs, um den es hier geht, war Achisch und er war der Sohn des Maacha oder Maoch und König von Gat (1Sam 27:2, 1Kö 2:39).

2-4 David beginnt seinen Psalm mit dem Ausdruck seines Herzenswunsches: Er hat die Absicht, dem Ewigen zu jeder Zeit mit seinen Worten die Erkenntnis Seines vollkommenen Wesens wiederzuspiegeln; beständig, so wünscht er sich, möge sein Mund gefüllt sein mit dem Lob seines wunderbaren Gottes. Ja, seine Seele, sein Innerstes, soll so vollmundig von seiner Erkenntnis Gottes strahlen, dass es auch die seelisch Niedergebeugten hören und über dem Evangelium, der öffentlich verkündeten Erkenntnis des guten Wesens Gottes (siehe Jer 9:22-23, 1Kor 1:31, 2Kor 10:17) froh werden. So froh, dass David sie einlädt, Ihn, den ewig Seienden, gemeinsam mit ihm zu lobpreisen und Seinem Wesen und Seiner Person in freudiger Gemeinschaft die Ehre zu geben.

5-8 Und kaum, dass David seinen Wunsch ausgeprochen hat, beginnt er auch schon, ihn in die Tat umzusetzen und lobt den Ewigen dafür, dass Er ihm Seine ersehnte Gemeinschaft schenkte, indem Er sich von ihm hatte finden lassen, ja ihm Antwort gab, als er Ihn herzlich suchte (vgl. Mt 7:8) und dafür, dass Er ihn aus seiner Not riss, indem Er ihn ganz und gar aus all seinen Ängsten errettete (vgl. Ps 50:15).

Und was, David persönlich erlebt hat, dass gilt auch allgemein: wer auf Gott in Christus schaut, auf Sein vollkommenes Wesen, Sein Werk am Kreuz, und die darin offenbarte unendliche Barmherzigkeit, wird über diesem Anblick der Herrlichkeit, der Liebe und der Gnade Gottes so von Herzen froh werden, dass er über sein ganzes Gesicht strahlen wird vor glücklicher, dankbarer Freude, weil er weiß, dass er sich nicht mehr wegen seiner Sünden zu schämen braucht, weil sein Erlöser sie aus Liebe zu ihm ans Kreuz trug und "
den Schuldbrief getilgt [hat], der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet" (Kol 2:14).

Noch einmal beteuert David mit einem Beispiel, dass Gott unsere Gebete, auch, wenn es oft anders scheinen mag, ganz sicher hört und uns hilft, wenn wir aus unserer Not, unserem Elend und unserem Jammer verzweifelt zu Ihm schreien. So ging es selbst Jesus, der "in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht [hat], der ihn vom Tod erretten konnte..." (Hebr 5:7) Ja, der Engel des Allmächtigen selbst wird sein schützendes Heerlager zur Verteidigung um all diejenigen herum aufrichten, die Gott fürchten und wird ihnen aus dem Auge des Sturmes der Not heraus helfen (vgl. Mt 4:11, Lk 22:43).

9-11 D
avid lädt uns ein, diese Freundlichkeit, Gnade und Barmherzigkeit, diese Hilfe Gottes aus der Not, bewusst zu betrachten, ja zu schmecken und zu kosten, wie wir es heute über Christus lesen und im Abendmahl erleben dürfen (vgl. 1Jo 1:1, Mt 26:26). Er verheißt all denen Gottes Segen und Wohlergehen, die Gott, Ihrem HERRN, ungeachtet aller Umstände vertrauen und Seine Majestät von Herzen ehren. Denn David weiß: wer Gott vertraut und Ihn im Herzen in Ehren hält, dem wird es außerhalb von Verfolgung an nichts mangeln (Ps 23:1, Heb 11:37), denn ihm hilft Gott mit Seinem Segen. Ob als Segen für eigenen Fleiß (Spr 14:23), in Form der Hilfe durch Geschwister (Apg 4:34, 2Kor 8:14f, 2Kor 9:12) oder durch die besondere Gnade der Genügsamkeit (Phil 4:11f): vor allem ist es immer und immer wieder die göttliche Vorsehung, die gerade im rechten Moment für Seine Kinder zu sorgen weiß, so dass sie auf die Frage Gottes: "habt ihr ... je Mangel gehabt?" wahrhaftig antworten können: "Niemals" (Lk 22:35).

12-15
So wie Christus, will auch David die Kinder um sich haben (Lk 18:16). Sie, die junge Generation, die gerade aufwachsende Gesellschaft von morgen, will er, wie später auch Luther ermahnte, im wichtigsten Fach des Lebens unterrichten: der Gottesfurcht als dem "Anfang der Weisheit" (Ps 111:10, Spr 9:10).

Diese Gottesfurcht jedoch muss echt sein und nicht bloße Religion: wer sich ein gutes Leben und Freude wünscht, soll dafür Sorge tragen, dass seine Ehrfurcht vor Gott auf moralischem Gebiet ganz praktische Auswirkungen hat, denn ohne Gehorsam gegen Gottes Gebote ist aller Gottesdienst nichtig (Mt 7:21), das gilt insbesondere für unser Reden (Jak 1:26): weder Betrug, noch Lüge, noch Zügellosigkeit soll unsere Worte kennzeichnen; weder im Leid, noch in der Freude, noch im Zorn.

Vielmehr sind wir aufgerufen, alles was Gott als Böse deklariert, zu lassen und vielmehr das zu tun, was Er, der allein alles weiß, für gut befindet: "Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden" (Rö 12:18). Diesen Frieden sollen wir stiften, ja ihn mit allen Kräften erstreben, denn damit säen wir aus, was wir einmal als Frucht unserer von Gott geschenkten Gerechtigkeit werden ernten dürfen (Jak 3:18): unsere Seligkeit (Mt 5:9).

16-19 Was für ein Trost! "Des HERRN Augen schauen alle Lande, daß er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind" (2Chr 16:9). Der Allmächtige selbst durchforstet mit Seinem alles durchdringenden Blick (Heb 4:13, Offb 19:12) das Weltgeschehen und achtet dabei besonders auf das flehentliche Rufen der durch Christus Gerechtfertigten.

Doch ihm sind auch die Boshaften nicht verborgen. Ja, der unermessliche Ernst Seiner Missbilligung und Sein eisernes Urteil über ihr böses Tun richten sich mit unwiderstehlicher Gewalt gegen sie und kennen nur ein Ziel: jeden einzelnen unter ihnen, wenn sie nicht umkehren von ihrer Bosheit und praktizierten Gottlosigkeit, zu vernichten (Ps 73:17ff).

Das Schreien der Gerechten aber hört der Ewige und reißt sie aus aller Not; Ja, er ist ganz nah bei denen, deren Herz über der eigenen Sündhaftigkeit zerbrochen wurde und deren Seele, vor lauter Kummer über den eigenen Mangel und über das Leid in der Welt, zersplittert am Boden liegt. Gerade ihnen, die begriffen haben, dass sie nur unnütze Kechte sind (Lk 17:10), gilt die volle Verheißung der Hilfe Gottes.

20-23 Ja, nicht nur die Verheißung der göttlichen Hilfe, sondern die Gnade und Liebe Gottes, die in dem, was Gott in Christus am Kreuz für uns tat, ihren Höhepunkt fand. Und so spricht es David in prophetischer Rede über Christus, dem allein Gerechten aus: Er, der von keiner Sünde wusste, musste leiden, wurde "für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt" (2Kor 5:21). "Wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Doch, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen" (Jes 53:4).

Doch trotz des unermesslichen Leidens, welches Christus auf sich nahm, wurde sein Gebet erhört. Ja Gottes Hilfe und Seine unverrückbare Vorsehung gingen so weit, dass wir im Neues Testament lesen, das Christus "in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht [hat], der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt" (Hebr 5:7). Und es heißt: "er hat ... ihn von den Toten auferweckt" (Apg 17:31). So unumstößlich ist der Plan Gottes, so groß Seine Allmacht und Vorsehung, dass selbst die feindlichen römischen Besatzungsmächte, ohne es zu wissen, Seine Verheißungen erfüllen halfen, als sie "zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war" und "brachen ... ihm die Beine nicht" (Joh 19:33).

Angesichts der zuvor gelehrten Tatsachen, dass wahre Gottesfurcht sich im Reden und im Tun offenbart und Gott die Bösen strafen, den Gerechtfertigten jedoch helfen wird, warnt und tröstet David zum Schluß noch einmal: Wer sich Gottes Sohn nicht beugt, sein Gesetz verachtet und Christus hasst, der ihn bis in den Tod geliebt hat, der fällt in größte Schuld vor Gott. Wer in der Gottesferne
bleibt und in der autonomen, selbstgerechten Feindschaft, ja im Haß gegen Christus verharrt und sich nicht durch Christi Liebe am Kreuz mit Gott versöhnen lässt, der wird, das steht auf ewig fest, katastrophal ums Leben kommen.

Wer seine Gerechtigkeit jedoch allein von Gott erwartet, sich Ihm und Seinem Willen unterwirft, dessen Leben wird, vom Ewigen Selbst, freigekauft von aller Schuld. Und wer Ihm aus Dankbarkeit für Seine unverdiente Gnade von Herzen dient, dessen Leben wird erlöst "von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes" (Rö 8:21) und mündet eines Tages in die ersehnte "Erlösung unseres Leibes" (Rö 8:23).


Praktische Anwendung

1. Vertraue Gott, dem Ewigen, der Deine Not sieht und Deine Gebete hört
2. Glaube Ihm, dessen unwiderstehliche Vorsehung auch Dir Hilfe sein wird
3. Folge Ihm und Seinem Gebot - in Worten, im Vertrauen und in liebender Tat


[Predigt als MP3]

Sonntag, 21. April 2013

Vom Segen der Sündenvergebung (Der zweite Bußpsalm) (Ps 32:1-11)

Text
1 Eine Unterweisung Davids. Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist! 2 Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Trug ist! 3 Denn als ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen. 4 Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. SELA. 5 Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach:Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde. SELA. 6 Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst. Darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen. 7 Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, daß ich errettet gar fröhlich rühmen kann. SELA. 8 »Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten. « 9 Seid nicht wie Rosse und Maultiere, die ohne Verstand sind, denen man Zaum und Gebiß anlegen muß; sie werden sonst nicht zu dir kommen. 10 Der Gottlose hat viel Plage; wer aber auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen. 11 Freuet euch des HERRN und seid fröhlich, ihr Gerechten, und jauchzet, alle ihr Frommen.


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalm lehrt David uns den unschätzbaren Wert der Vergebung
Gottes und ruft uns auf, von seiner Erfahrung zu lernen: Alles Vertuschen hat keinen Sinn vor den Augen des Allwissenden (Ps 139:1ff), sondern bringt uns nur noch mehr Leid. Allein im Wagnis der Begegnung mit Gott, dem allein Heiligen, liegt unsere Erlösung: Vergebung der Sünden. Mit dem durch diese Erfahrung gewonnenen Wissen über die Gnade und Güte Gottes kommt auch die Glaubensgewissheit der Erhörung unserer Gebete; denn "Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not." (Ps 34:18). Auf diese Weise doppelt im Glauben gestärkt, ruft David die Kirche auf zum Lob der Güte, Gnade und Hilfe Gottes, auf den wir allezeit hoffen und dem wir unser Herz ausschütten dürfen: ER ist unsere Zuversicht (Ps 62:9).


Struktur

Der Psalm ist in sechs Paare teils synonymer, teils synthetischer und endlich antithetischer, Parallelismen gegliedert, die sich, bis auf Vers 5, über je zwei Verse erstrecken. Dabei werden die einzelnen Aussagen aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt, verstärkt und zu einem Höhepunkt verdichtet:

1-2 Lobpreis des Segens der Sündenvergebung auf der Basis von Aufrichtigkeit.
3-4 Bericht über eigenes, durch Vertuschung von Schuld verursachtes, Leid.
5    Leid als Motivation zum
Bekenntnis. Sündenbekenntnis und Vergebung.
6-7 Gottes Gnade als Fundament unserer Gebete in Zeiten der Angst und
      Gottes Gebetserhörung als Garant unserer inneren Freude in Anfechtung.
8-9 Verheißung der Leitung und Ruf zum Gehorsam und zur Fügsamkeit.
10-11 Gegenüberstellung von Gottlosigkeit und Frömmigkeit; Aufruf an die
      Gemeine zu Freude und Lob angesichts der verheißenen Güte Gottes.


Inhalt

1a
Dieses Lied König Davids ist einem bestimmten Zweck gewidmet: es ist ein Lehrpsalm mit dem David dem Volk Gottes seine aus leidvoller Erfahrung gewonnene Erkenntnis zum Thema Sündenbekenntnis und Sündenvergebung vermitteln will.

1b-2 David kennt den Segen der Vergebung aus seiner eigenen Vergangenheit; er weiß, was es heißt, von der Zentnerlast der eigenen Schuld befreit zu werden und er hat am eigenen Leibe das seine Seele befreiende Wohl erfahren, das er hier besingt: Sich und Gott nicht länger selbst durch die Verheimlichung der eigenen Schuld zu betrügen, sondern in die glückselige Freiheit der Gemeinschaft mit Gott einzutauchen. Dem Gott, der ihm aus Gnade die Übertretungen Seines heiligen Gesetzes vergibt. Der die beschämende Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit mit dem Mantel Seiner liebenden Vergebung zudeckt. Dem Gott, der ihm und uns die faktisch existierende Verschuldung Ihm gegenüber aus reiner Güte, Gnade und Barmherzigkeit, nicht anrechnet.

So hat es auch 1.000 Jahre später der Apostel Johannes für uns festgehalten: "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit" (1Jo 1:8-9)

3-4 David weiß, welche schwerwiegenden Folgen es hat, wenn wir unsere Schuld unter den Teppich kehren, so tun als sei nichts gewesen und die Unmoral unserer Fehltritte und Sünden vertuschen und verheimlichen wollen; er berichtet uns in diesem Psalm davon, wie sehr er selbst unter den Folgen solcher Unaufrichtigkeit zu leiden hatte: das innere seiner Seele dörrte förmlich aus. So groß war seine innere Not, dass selbst sein Körper in Mitleidenschaft gezogen wurde. Tag für Tag, den er in dieser unseligen Haltung der Verleugnung seiner Schuld verbrachte, lag die Hand unseres gerechten Gottes auf seinem Gewissen. Nicht um ihn zu quälen, sondern um ihn zur Umkehr zu rufen. Und Tag für Tag, Nacht um Nacht, litt David unter der selbst verursachten Spannung zwischen der unumstößlichen Tatsache seiner Schuld und dem krampfhaft aufrecht erhaltenen Schein seines äußeren Ansehens. Und jeder Tag, den er so verschwendete, war angefüllt mit dem Brennen in seinem Gewissen und der täglichen Klage über den inneren Schmerz.

5 So sehr litt David, dass er, dank der souveränen Gnade Gottes, schlussendlich bereit war, Gott seine unheiligen Taten zu bekennen; zuzugeben, was er getan hatte und keinen Hehl mehr aus der Wahrheit zu machen: dass er nicht der war, der er gerne gewesen und dass er sich nicht so verhalten hatte, wie es recht gewesen wäre. Mit dieser Wahrheit und im Schmerz dieser Erkenntnis wagt er sich an die gefährlichste Stelle im Universum: in die heilige Gegenwart Seines Schöpfers, Königs,
Richters und HERRN. Und findet -nicht das befürchtete Gericht, vor dem er sich versteckte, sondern- liebende Annahme, Gnade und Vergebung seiner Sünde.

6-7 Diese überraschende, souveräne und freie Gnade Gottes ist unser aller Fundament zum Gebet; nur aus diesem Grunde wendeten sich die Heiligen aller Jahrhunderte in Zeiten der Angst und Bedrängnis an Gott: weil sie um Sein gutes Wesen wussten.
So wusste es Jakobus, als er schrieb: "Naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch. Reinigt die Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen..." (Jak 4:8), denn er ist "barmherzig und ein Erbarmer" (Jak 5:11). So wusste es Hesekiel, als er niederschrieb "So sprich zu ihnen: So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe." (Hes 33:11). Und so wusste es auch Jesaja, als er Gottes Offenbarung notierte: "Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung" (Jes 55:7). 
 
Das auf dieses gütige Wesen Gottes vertrauende Gebet in der Not jedoch, zeitigt wiederum selbst ein Ergebnis: Wenn auch in dieser Zeit Fluten der Angst und des Leidens (vgl. Ps 42:7-8) auf Gottes Kirche einstürmen, so ist doch die Gewissheit der Güte Gottes im Herzen der Gläubigen ein fester Damm, der die Heiligen beschützt: Ja es ist Gott selbst, der Seine Kinder durch das Wirken Seines Heiligen Geistes in ihren Herzen beschirmt und behütet, so dass sie sich
zusammen mit dem Apostel Paulus wahrnehmen als "...die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben." (2Kor 6:9-10).

Dieses Wissen um die Güte und Gnade Gottes, dieses Wissen um die eigene Errettung ist es, die es David erlauben, sich voll Freude zu rühmen, so wie geschrieben steht: "Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR" (Jer 9:22-23).

8-9
In diesem Wissen um die Gnade Gottes und Seine Freundlichkeit, welche unser Gebet in der Not erhört, ermahnt uns David zu Gehorsam und Fügsamkeit gegenüber der Leitung des Heiligen Geistes. Und durch seine Stimme hindurch klingt gleichsam die Stimme Gottes, der uns zuruft: »ICH will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.« (Vers 8). Ob durch Sein Wort und die Predigt, ob durch unser Gewissen und der Stimme Seines Geistes in uns oder durch Seine Vorsehung und das Gespräch mit unseren geistlichen Geschwistern: Gott ermahnt uns, uns in Bezug auf Seine Leitung nicht so störrisch anzustellen, wie Esel und nicht so, wie unverständige Pferde, die man erst mit Zaumzeug und Kandare dazu bekommt, dass sie die richtige Richtung einschlagen. In unserem Bilde: Hin zu Gott und nicht weg von Ihm. Hin zum Bekenntnis unserer Schuld und nicht fort in die Finsternis der Verleugnung der Wahrheit.

10-11 Nach Vorstellung dieser Einsichten in das geistliche Leben stellt David noch einmal die Folgen von Gottlosigkeit und Frömmigkeit einander gegenüber. "Wer seine Sünde leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen" (Spr 28:13) steht in den Sprüchen und David fügt hinzu: "...wer aber auf den HERRN hofft, den wird die Güte umfangen" (Vers 10b). Wer das verstanden hat, wer verstanden hat, dass Er bei Gott Gnade finden wird, wenn er nur seine Schuld nicht verhehlt und seine Sünden nicht verleugnet und wer weiß, dass sein Ausharren und seine Hoffnung auf den Herrn nicht enttäuscht werden (
Jak 5:11), der kann Davids Aufruf folgen und mit unaussprechlicher Freude, mit Freudenschreien und Fröhlichkeit Gott loben und sich an IHM freuen, der unser großer Lohn ist (1Mo 15:1).


Praktische Anwendung

1. Verheimliche Deine Schuld nicht länger dem Allwissenden - beichte sie IHM!
2. Bekenne IHM Deine Sünden und freue Dich über Seine gnädige Vergebung!
3. Erinnere Dich in allem Leid: Du bist errettet und Gott hört gerne Dein Gebet!







[Pfingst-Predigt als PDF]

Sonntag, 31. März 2013

Die kanaanäische Frau (Mt 15:21-28)

Text
 
21 Und Jesus ging weg von dort und zog sich zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon. 22 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem bösen Geist übel geplagt. 23 Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Laß sie doch gehen, denn sie schreit uns nach. 24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. 25 Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir! 26 Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht recht, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe es vor die Hunde. 27 Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer Herren fallen. 28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau, dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.


Kommentar

Zusammenfassung
Nach seinem Rückzug aus Galiläa in die großen Hafenstädte des götzendienerischen Syrien wird Christus von einer heidnischen Mutter mit der flehentlichen Bitte um Befreiung ihrer von einem Dämon geplagten Tochter bedrängt. In vier Stadien der Prüfung ihres Glaubens und ihrer Demut widerfährt ihr von Christus zuerst Schweigen, dann Ablehnung durch seine Nachfolger, eine niederschmetternde und demütigende Antwort durch Christus selbst mit dem Hinweis auf Seine Sendung und letztlich, angesichts ihres noch immer unerschütterlichen Glaubens und demütigen Gebets, die freie Gnade der Gebetserhörung.


Struktur

21
Jesus zieht sich aus dem Machtbereich der Pharisäer und Römer nach Syrien zurück.

22-23a Eine Mutter aus dem heidnischen Kanaan bittet um die Befreiung ihrer Tochter aus der plagenden Gewalt eines Dämons und erntet anfangs nur Christi Schweigen.

23b-24 Die Frau lässt in ihrem Gebet nicht nach und seine Jünger, die ihrer ledig werden wollen, erfahren von Christi Missionsauftrag, der dem Anliegen der Heidin entgegensteht.

25-26 Die Frau wagt einen dritten Anlauf, fällt Christus anbetend zu Füßen und erhält eine abweisende, läuternde und demütigende Antwort mit dem Hinweis auf Christi Sendung und Auftrag.

27-28 In ihrem vierten und letzten Versuch demütigt sich die Frau, gegen jede Hoffnung glaubend, unter die Heiligkeit und Souveränität Christi und erfährt die Gnade der Erhörung.


Inhalt

21 Nach seiner Auseinandersetzung mit den Pharisäern in Genezareth zog Jesus sich aus Galiläa in die römische Provinz Syrien, genauer: in die Gegend der beiden großen Hafen- und Handelsstädte Tyrus und Sidon zurück. Möglicherweise allein zum Schutz vor dem Zorn der Pharisäer (siehe Mt 15:12) aber auch heraus aus dem Machtbereich Herodes Agrippas (vgl. Kommentar zu Mt 14:13a). Aus eben diesem Gebiet kamen später viele Menschen, um ihn zu hören (Mk 3:8; Luk 6:17).

22-23a Die Frau, die sich Jesus nahte kam also aus Kanaan, dem Land des Sohnes Hams, des jüngsten Sohnes Noahs, den sein Vater dazu verfluchte, seinen Brüdern und deren Nachkommen für immer ein Knecht zu sein, weil er die Blöße seines Vaters aufgedeckt hatte (1Mo 9:22-28). Dem Land, dessen Völker Gott aufgrund ihres Götzendienstes vertilgen wollte. Dem Land, von dem er Seinem Volk geboten hatte, die darin befindlichen Götzenopferstätten zu vernichten und sich aus demselben keine Frauen zu nehmen, damit sie Sein Volk nicht verführten (2Mo 23:23-24, 5Mo 7:1-5); dem Land, in dem „Milch und Honig fließen“ (2Mo 3:8.17, 13:5). Doch trotz Ihres abgöttischen Umfeldes wusste diese Frau offenbar, wer Jesus wirklich war, denn sie nennt ihn "Sohn Davids", das ist der Titel des Messias, des geistlichen Nachkommen König Davids (Rut 4:22, Jes 11:1ff, Mt 1:6a, Apg 13:22).

Diese Frau also kommt aus dem verfluchten und götzendienerischen Land westlich des Jordans und doch wendet sie sich an Jesus, den sie als Christus und Messias erkennt und dem sie sich in ihrer Not anvertraut: Ihre Tochter wird von einem Dämon grauenvoll malträtiert. Und in ihrer Mutterliebe schreit sie ihre Not heraus und fleht Christus an, sich ihrer zu erbarmen. Doch unser Herr antwortet ihr kein einziges Wort. Dieses Schweigen angesichts so großer Not und so großer Mutterliebe scheint uns unverständlich, hart und bitter. Wie kann unser Heiland, der "HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue" (2Mo 34:6) so kalt und herzlos auf ein so inbrünstig dargebrachtes Gebet reagieren? Und doch bleibt Christi Schweigen vorerst die einzige Antwort, die diese Frau erhält.

So erleben auch wir es oft in unserem Glaubensleben hier auf Erden. Und mit dieser Erfahrung sind wir nicht allein, im Gegenteil: wir sind bester Gesellschaft. Denn so erlebte es schon David, der Mann nach dem Herzen Gottes, als er dichtete:
"HERR, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?
Wie lange soll ich sorgen in meiner Seele
und mich ängsten in meinem Herzen täglich?"
(Ps 13:2-3)
"Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht,
weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?"
 
(Ps 42:4)
"In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn; meine Hand ist des Nachts ausgereckt und lässt nicht ab; denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Ich denke an Gott - und bin betrübt; ich sinne nach - und mein Herz ist in Ängsten ... Meine Augen hältst du, dass sie wachen müssen; ich bin so voll Unruhe, dass ich nicht reden kann. ... Ich denke und sinne des Nachts und rede mit meinem Herzen, mein Geist muss forschen. Wird denn der Herr auf ewig verstoßen und keine Gnade mehr erweisen? Ist's denn ganz und gar aus mit seiner Güte, und hat die Verheißung für immer ein Ende? Hat Gott vergessen, gnädig zu sein, oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen? ... Ich sprach: Darunter leide ich, dass die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann." (Ps 77:3-5.7-11)
"Ich harre des HERRN, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort.
Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen;
mehr als die Wächter auf den Morgen..." (Ps 130:5-6)

Auch Hiob und Jeremia wissen von solchen schrecklichen Wüstenzeiten zu berichten. Hiob sprach: 
"Er hat meinen Weg vermauert, dass ich nicht hinüberkann, und hat Finsternis auf meinen Steig gelegt. Er hat mir mein Ehrenkleid ausgezogen und die Krone von meinem Haupt genommen. Er hat mich zerbrochen um und um, dass ich dahinfuhr, und hat meine Hoffnung ausgerissen wie einen Baum" (Hi 19:8-10)

Und Jeremia klagt: 
"Ich bin der Mann, der Elend sehen muss durch die Rute des Grimmes Gottes. Er hat mich geführt und gehen lassen in die Finsternis und nicht ins Licht. Er hat seine Hand gewendet gegen mich und erhebt sie gegen mich Tag für Tag. Er hat mir Fleisch und Haut alt gemacht und mein Gebein zerschlagen. Er hat mich ringsum eingeschlossen und mich mit Bitternis und Mühsal umgeben. Er hat mich in Finsternis versetzt wie die, die längst tot sind. Er hat mich ummauert, dass ich nicht herauskann, und mich in harte Fesseln gelegt. Und wenn ich auch schreie und rufe, so stopft er sich die Ohren zu vor meinem Gebet. Er hat meinen Weg vermauert mit Quadern und meinen Pfad zum Irrweg gemacht." (Kla 3:1-9)

23b-24 Doch trotz dieser Erfahrung lässt die Frau nicht locker. Wie die Blinden auf der Straße nach Jericho (Mt 20:31) schreit sie Jesus weiter nach und wie die bittende Witwe im Gleichnis vom ungerechten Richter (Lk 18:1ff) hört sie nicht auf, ihn mit ihrem inbrünstigen Gebet zu bestürmen. Als derart penetrant empfinden die Jünger ihr Geschrei, dass sie Jesus bitten, sie doch auf die eine oder andere Weise fortzuschicken; mit oder ohne Gebetserhörung. Jesus aber antwortet ihnen (nicht ihr!) und offenbart den Grund seines Schweigens: er konzentriert sich, im vollkommenen Gehorsam gegenüber unserem Vater im Himmel, allein auf das, was ihm zu diesem Punkt in der Heilszeit aufgetragen ist: die Suche nach den verlorenen Schafen Israels (Lk 4:43, Apg 10:45, 13:46, 18:6, Rö 11:11.25).

25-26 Ungeachtet der genervten Jünger kommt die Frau bis vor Jesus und fällt ihm anbetend zu Füßen, nennt ihn ihren Herrn und fleht ihn noch einmal um die so sehr ersehnte Hilfe an. Die Antwort, die Jesus ihr nun gibt scheint noch härter, vernichtender und entwürdigender, als sein vormaliges Schweigen: Er spricht von Recht und Unrecht, von Gottes Kindern und gar von Hunden.

Noch heute ist in südlichen Ländern -und nicht nur hier- das Wort 'Hund' eine schwere Beleidigung. Angesichts solcher Worte regt sich in unserer gefallenen Seele der Stolz, der sich über den Erlöser erheben will, um Ihn zu fragen, ob Er noch bei Sinnen sei? Doch genau diesem Stolz, dieser seit Adams Fall in uns wirksamen Ursünde, begegnet Christus hier in souveräner Heiligkeit und Wahrheit: Er war noch nicht für die Sünden der Welt gekreuzigt (1Joh 2:2), der Vorhang war noch nicht zerrissen (Mt 27:51) und der Zaun zwischen Heiden und Juden war noch nicht abgebrochen (Eph 2:13-14). Es ist die Wahrheit was Er spricht: Er war zu jener Zeit allein gesendet zu den verlorenen Schafen Israels (s.o.). Mit dieser Antwort zerstört Er jeden Wahn eines Anrechts auf Erlösung, jede Vorstellung auf einen pflichtgemäßen Lohn aus Werken (Rö 4:4) und jede Regung sündigen Stolzes, der Erhörung verlangt, statt demütig und ergeben um sie zu bitten. Und wäre die Frau nur von einer dieser Herzenshaltungen motiviert gewesen, sie wäre sicher beleidigt, erzürnt und aufgebracht von dannen gezogen.

27-28 Doch sie ordnet sich Jesu Autorität unter und antwortet ihm demütig und ergeben: "Ja, Herr!". Und dennoch lässt sie ihr Anliegen nicht und erniedrigt sich selbst und stellt sich somit in den Gnadenschein der Verheißung Gottes auf Erhörung ihres Gebetes (Mt 23:12). Sie anerkennt, dass ihr sündiges Wesen Grund genug ist, Christi Anrede als 'Hund' zu rechtfertigen. In ihrem Innersten weiß sie, das Jesaja die Wahrheit sprach als er sagte: "Aber nun sind wir alle wie die Unreinen, und alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid" (Jes 64:5).

Und doch lässt sie in ihrem Gebet nicht nach und wurde, wie Abraham, "...nicht schwach im Glauben, ..., sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre" (Rö 4:19-20). Und so bittet sie demütig und noch immer voll Inbrunst, dass Christus ihr, aus freien Stücken, doch wenigstens ein paar Brösel Seiner Gnade schenken möge. Und dieser Glaube, der -entgegen aller eigenen Unwürdigkeit und Unfähigkeit und Hoffnungslosigkeit- allein an Gottes Gnade festhält, wird am Ende belohnt: Jesus lobt ihren Glauben und erfüllt ihren Herzenswunsch: noch im gleichen Augenblick schenkt er ihrer Tochter die ersehnte Gesundheit.


Praktische Anwendung

1. Wenn Christus zu Deinen auf Seinem Wort ruhenden Bitten schweigt: bete weiter!
2. Wenn Christus Dein auf seiner Verheißung ruhendes Gebet zurückweist: bete weiter!
3. Und wenn Er es auch lange hinziehen mag, um Deinen Stolz zutiefst zu demütigen, so lange, bis all' Deine Hoffnung auf Gottes Verheißungen ganz und gar dahin scheint: dann füge Dich Seiner souveränen Züchtigung und: bete weiter!, denn es steht geschrieben: "Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer." (Jak 5:11)