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Samstag, 16. Januar 2016

Die Jahreslosung - Jesaja 66:13


Ich selbst werde euch trösten,
wie eine Mutter ihr Kind tröstet.

Jesaja 66:13


Worum es nicht geht

Um die Jahreslosung wirklich zu verstehen, müssen wir sie in ihrem Kontext betrachten. Sonst  wäre die Gefahr groß, dass wir eine Kuschelbotschaft mit Gott als Mutter darunter verstehen - das wäre dann eine viel zu kleine Botschaft, die um ein unsagbar Vielfaches hinter dem zurück bleibt, was Gott an dieser Stelle tatsächlich verspricht. 

So etwas passiert leicht und schnell, wenn man ein Gotteswort aus seinem Zusammenhang reißt. Darum bitte ich alle Leser: Was auch immer ihr in Gottes Wort lest: Lest es immer auch in seinem Zusammenhang!

Die Jahreslosung ist also viel größer, als es auf den ersten Blick den Anschein zu haben scheint. Um sie zu verstehen, wollen wir uns einen Überblick über das Jesajabuch, über die geschichtliche Situation des Volkes Gottes zur Zeit Jesajas und einen Überblick über das 66. und damit letzte Kapitel des Jesajabuches (dem "Evangelium des Alten Testaments") verschaffen.


Worum es wirklich geht

Der Kontext: Was war passiert?

Der Aufbau des Jesajabuches ist spiegelsymmetrisch: In der ersten Hälfte des Jesajabuches geht es um die politische Krise mit Assyrien und den Glauben Hiskias, der Gottes Rettung von den Assyrern zum Ende hatte. In der zweiten Hälfte des Jesajabuches geht es um die persönliche Krise Hiskias und die Torheit Hiskias, die die babylonische Gefangenschaft zur Folge hatte; nachzulesen in 2. Könige 18-20 und 2. Chronika 29-32.

Der zweite Teil, indem unser 66. Kapitel zu finden ist, spricht also vornehmlich in die Krise der babylonischen Gefangenschaft oder das babylonische Exil hinein: Als babylonisches Exil wird dabei eine Epoche der jüdischen Geschichte bezeichnet, die 597 v. Chr. mit der Eroberung Jerusalems und des  Königreiches Juda durch den babylonischen König Nebukadnezar II. beginnt und bis zur Eroberung  Babylons 538 v. Chr. durch den Perserkönig Kyros II fortdauert. Dies ist auch die Zeit, von der uns im Buch Daniel berichtet wird - in der Daniel, Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu den auserwählten Exilanten gehörten, die eine Ausbildung für den babylonischen Staatsdienst erhielten. Das Buch spricht also hinein in eine Zeit des Kummers fern der Heimat. 

Im 137. Psalm lesen wir:

An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten,
wenn wir an Zion gedachten.
Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande.
Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen
und in unserm Heulen fröhlich sein:
»Singet uns ein Lied von Zion! «

Psalm 137:1-3


Die Botschaft

Jesaja, Kapitel 66

Das 66. ist das letzte Kapitel und enthält mehrere ineinander verschlungene Worte der Prophetie, die sich beziehen auf:

  • die Erlösung des Volkes Gottes
  • die Ankündigung des Messias
  • die Neugründung des Staates Israel
  • die Wiederherstellung Jerusalems
  • das Gericht Gottes über Seine Feinde
  • das 1.000-jährige Reich
  • die Ewigkeit: Gottes neue Welt (Himmel und Erde werden neu)
 
Genauer:

  • Die Verse 1-4 beschreiben zwei Gruppen von Menschen
  • Die Verse 5-9 kündigen den Messias und die Neugründung des Staates Israel an
  • Die Verse 10-14 kündigen die Wiederherstellung und Frieden für Jerusalem an
  • Die Verse 15-18 beschreiben Gottes Gericht.
  • Die Verse 19-21 beschreiben die Friedenszeit danach.
  • Die Verse 22-24 beschreiben Gottes Reich in Vollendung: neuer Himmel und Erde.


2 Gruppen von Empfängern, 2 Botschaften

Im 66. Kapitel lesen wir von 2 Gruppen von Menschen: den Abgewichenen und Gottlosen auf der einen Seite und den Treuen, Gottes Volk, auf der anderen. Über diese beiden Gruppen lesen wir folgendes: 

  • Die Abgewichenen und Gottlosen, das sind: Mörder, Übeltäter, Gräueltäter und Götzendiener, die eigene Wege gehen (Vers 3). Sie hören Gottes Stimme nicht, antworten ihm nicht (Vers 4) und tun, was böse ist (Vers 4). 

  • Die Treuen, Gottes Volk dagegen, das sind die, die gedemütigten, die mit einem gebrochenen Geist, die vor Gottes Wort zittern (Vers 2). Sie sind seine Diener (Vers 14), sie hören Gottes Wort (Vers 5), sie werden von den Feinden Gottes gehasst und verstoßen und verspottet, weil sie Gott treu sind (Vers 5).

Weiter lesen wir im 66. Kapitel von 2 Botschaften Gottes: Zum einen von Gottes Gericht über die Gottlosen und zum anderen von Gottes Heilshandeln an Seinem Volk. Konkret lesen wir in Jesaja 66:15-18 - über das Weltgericht:

  • Die Gottlosen (Vers 4) werden zugrunde gehen (Vers 5), der HERR vergilt seinen Feinden ihr Tun (Vers 6). Durch Feuer und Wagen übt Gott Vergeltung, wie ein vernichtender Orkan (Vers 15), in glühendem Zorn  und in flammendem Feuer (Vers 15) für alles Böse, was die Menschheit (Vers 16), ja alle Völker und Nationen (Vers 18) gegen Ihn und Sein Volk gesündigt haben und setzt damit ein Zeichen (Vers 18). Die Leichen der Männer jedoch, die sich gegen Gott auflehnten, werden mit ewigem Feuer brennen (Vers 24); seine Feinde nehmen ein schreckliches Ende (Vers 17).
  • Sein Volk jedoch wird Gott trösten, wie eine Mutter ihr Kind und zwar in Jerusalem (Vers 13). Er wird Jerusalem Frieden verschaffen und den Reichtum der Völker wie einen breiten Strom nach Jerusalem lenken (Vers 12) - zur Freude seiner Kinder (Verse 12 und 14). Dieser Trost hat jedoch nicht allein zu tun mit Frieden und Wohlstand, sondern vor allem mit einer Geburt, die uns in mehreren ineinander verwobenen Bildern der Prophetie gezeigt wird (Verse 7-9).


Prophetische Bilder

Die Trost-Botschaft von Jesaja 66 berichtet von einer Geburt: in wenigen Versen (Jesaja 66:7-9) überlagern sich mehrere, ineinander verwobene Bilder, die sich schon mehrfach in der Geschichte erfüllt haben.


Erste Erfüllung

"Wer hat so etwas je gehört?
Wer hat so etwas schon gesehen?
Hat ein Land sich je an einem Tag gebildet?
Wurde je ein Volk an einem einzigen Tag geboren?
Doch Zions Wehen hatten kaum eingesetzt,
da waren ihre Söhne schon geboren."

Jesaja 66:8

Das war, was im Jahr 538 v. Chr. passierte. Damals wurde die Nation Israel tatsächlich neu geboren — gewissermaßen an einem Tag —, nachdem das Land rund 70 Jahre zuvor von den Babyloniern verwüstet und entvölkert worden war. Jesaja 66:8 erfüllte sich zu der Zeit auf beeindruckende Weise, als der persische Eroberer Kyrus der II oder Kyrus der Große den Juden die Rückkehr in ihre Heimat, den Wiederaufbau der Stadt und den Tempelbau erlaubte. Konkret lesen wir im Kyrus-Edikt aus dem Jahre 538 (siehe Esra 1:2):

"So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben. Nun hat er mich dazu bestimmt, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu errichten. Denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt. Aber auch die übrigen Einwohner aus all den Orten in denen er als Fremder lebt, sollen ihn unterstützen mit Silber und Gold, mit Vorräten, mit Vieh und darüber hinaus mit einer freiwilligen Gabe für das Haus Gottes in Jerusalem." (siehe auch Esra 6,3-5)

Allein das ist schon ein wunderbares Beispiel dafür, dass Gottes Prophetien eintreffen. 
Doch es kommt noch besser:


Zweite Erfüllung

"Noch bevor die Wehen einsetzten, hat sie geboren,
noch ehe die  Wehen begannen, bekam sie einen Sohn.“

Jesaja 66:7

Das ist wohl der Traum jeder Mutter: Eine Geburt ohne Wehen und Schmerzen. Auf wen trifft das zu? Nicht auf Maria. Wohl aber auf Jerusalem, die "Tochter Zion", also die Nation Israel, die den „Sohn“, Christus, hervorgebracht hat (vgl. Jesaja 9,6; Micha 5,1; Römer 9,5 usw.). Als der Messias zur Welt kam, lagerten Israels Hirten in Bethlehem friedlich auf dem Feld. 

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, 
und du, Tochter Jerusalem, jauchze! 
Siehe, dein König kommt zu dir...“
Sacharja 9,9


Dritte Erfüllung

Und es gibt noch eine Erfüllung von Jesaja 66:8 – aus meiner Sicht die klarste von allen. Zitat: „Es war an einem Freitagnachmittag, am 14. Mai 1948 um 16 Uhr. Die letzten Stunden des britischen Mandats waren angebrochen und im Museum von Tel Aviv hatte sich eine nicht allzu große, handverlesene Gruppe von 350 Personen zu einem schon sehnlichst erwarteten Akt zusammengefunden: der offiziellen Gründung des neuzeitlichen Staates Israel.“ 

Nochmals zur Erinnerung:

"Wer hat so etwas je gehört?
Wer hat so etwas schon gesehen?
Hat ein Land sich je an einem Tag gebildet?
Wurde je ein Volk an einem einzigen Tag geboren?
 
Jesaja 66:8


Unsere Jahreslosung

Ein Wort in die Not

In diese Situation hinein also, mitten hinein in die Bedrängnis und Trübsal Seines Volkes, welches in der babylonischen Gefangenschaft weinte, welches unter der römischen Besatzung große Not litt, welches in der Zeit der Shoah, also des Holocaust unendliches erduldet hatte - und auch in unsere Zeit, in welcher Gottes Volk unter der Bedrängnis der Verfolgung durch die Feinde Gottes - ISIS, Boko Haram und viele andere - leidet, mitten in diese Situation hinein spricht Gott sein Wort vom Trost:

Jubelt alle in der Stadt, die ihr liebt.
Singt alle voller Freude mit ihr,
die ihr um sie getrauert habt.

Dann werdet auch ihr Euch an ihrer tröstenden Brust satt trinken können
und euch an ihrer herrlichen Mutterbrust erfreuen.
Denn so spricht der HERR: "Schaut, ich werde den Frieden wie einen Strom
und den Reichtum der Völker wie einen Fluss nach Jerusalem fließen lassen.

Ihre Kinder werden saugen,
sie werden auf den Armen getragen und auf den Knien liebkost werden.
Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Ihr werdet es zu sehen bekommen
und Euer Herz wird sich freuen....“

Jesaja 66:10-14


Ein Wort der Verheißung

Das also ist es, was Gott seinem seit Anbeginn geknechteten Volk zu sagen hat - denen, die gedemütigt werden, denen mit einem gebrochenen Geist, denen die vor Gottes Wort zittern, denen, die seine Diener sind und Sein Wort hören, denen, die von Gottes Feinden gehasst und verstoßen und verspottet werden, weil sie Gott treu sind: 

Die Botschaft lautet:

  • Ihr seid nicht vergessen!
  • Ich werde Euch aus aller Eurer Not retten!
  • Ich werde mich an Euren Feinden als der Herrliche offenbaren!

Gott hat Sein Wort bereits in der Vergangenheit erfüllt:

  • durch Kyrus, indem er sein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft befreite
  • in Christus, der uns besuchte und mit sich versöhnte durch Sein Opfer am Kreuz
  • in der Neugründung Israels; einem nie dagewesenen historischen Ereignis!
Und er wird es ein letztes Mal erfüllen - und diesmal endgültig:

  • durch Sein Weltgericht,
  • welches allen Seinen Feinden ein Ende macht
  • und Seinem Volk ewigen Frieden bringt.

Ein Wort, das sich erfüllt

Das Wachstum des Reiches Gottes zieht sich, ungeachtet aller Verfolgung, durch die Geschichte: was sich im Jahr 538 v. Chr. (siehe Erlösung aus der Babylonischen Gefangenschaft) vorbildhaft vollzogen hatte, wurde (im Kommen Christi) bleibende Realität. Uns diese Realität breitet sich vor unseren Augen (siehe Neugründung des Staates Israel) immer weiter aus. Und sie wird eines Tages volle Wirklichkeit werden, wenn Christus in Herrlichkeit zurück gekehrt ist, wenn alle Feinde Gottes besiegt sind und auch Gottes letzte Verheißung an uns wahr geworden ist:  

Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. 
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Jesaja 66:13

Dieser Trost hat zu tun mit dem, was Gott tun wird. In Offenbarung 21 lesen wir darüber: 

"Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der alte Himmel und die alte Erde waren verschwunden. Und auch das Meer war nicht mehr da. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen wie eine schöne Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. Ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: »Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen.« Und der, der auf dem Thron saß, sagte: »Ja, ich mache alles neu!« Und dann sagte er zu mir: »Schreib es auf, denn was ich dir sage, ist zuverlässig und wahr!« Und er sagte auch: »Es ist vollendet! Ich bin das Alpha und das Omega - der Anfang und das Ende. Jedem, der durstig ist, werde ich aus der Quelle, die das Wasser des Lebens enthält, umsonst zu trinken geben! Wer siegreich ist, wird dies alles empfangen; ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein." (Offb 21:1-7)

Dieser Trost, der uns in Gottes neuer Welt, im himmlischen Jerusalem, erwartet, wird so innig und so tief und so beruhigend sein, wie die vollkommene Geborgenheit, die ein kleines Kind an der Brust seiner Mutter erfährt. David beschrieb diesen Zustand im 131. Psalm so:

Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden
wie ein kleines Kind bei seiner Mutter;
wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

Psalm 131:2


Ein Wort des Trostes

Das Volk Gottes wurde zu allen Zeiten verachtet, verspottet und verfolgt:

  • unter den Babyloniern
  • unter den Römern
  • unter Hitler & Stalin
  • und auch zu unserer Zeit unter Boko Haram und ISIS
Und manchmal haben wir den Eindruck, als habe Gott sein Volk verlassen. 
Doch Gottes Volk war und ist niemals vergessen - Gott hält Seine Versprechen:

  • Er sandte Kyrus, zur Befreiung aus der Gefangenschaft
  • Er kam in Christus und erlöste uns von unseren Sünden
  • Er wirkte in der neuzeitlichen Geschichte und baut weiter Sein Reich
  • und Er wird am Ende der Tage auch Sein letztes Versprechen einlösen

Darum dürfen wir getrost sein in aller Not - und voller Hoffnung warten auf das, was noch kommt: Die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus, der jetzt sitzt zur Rechten des Thrones Gottes und uns vertritt. Denn: mit Seinem Kommen kommt endgültiger Frieden und innigste Geborgenheit. Dann, im himmlischen Jerusalem, werden wir in der ganzen Fülle erfahren, was es heißt, was Gott uns hier verspricht:

Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Jesaja 66:13

Weil das so ist möchte ich diese Worte abschließen mit zwei Ermunterungen:

"...auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes." (Heb 12:1-2)
In diesem Sinne: "Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für  die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.“ (1Thess 5:22-23).

AMEN.


Frage und Worte an Dein Herz

  • Bist Du gerade in großer Not?
  • Schau auf Gottes treues Handeln in der Geschichte.
  • Schau auf Christus, den Anfänger und Vollender Deines Glaubens!
  • Hoffe auf Seine Verheißungen.
  • „Treu ist er, der Dich ruft; er wird Dich bewahren!“ (1 Thess 5:22-23)

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[Predigt als MP3]

Donnerstag, 18. Juni 2015

Gott ist König über alle Völker (Ps 47:1-10)


Text

1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen." 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! 3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist heilig, ein großer König über die ganze Erde. 4 Er beugt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße. 5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er lieb hat. "SELA". 6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Hall der Posaune. 7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige! 8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen! 9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron. 10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden; er ist hoch erhaben.


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser Lobgesang der Korahleviten will uns förmlich aus den Stühlen reißen, unseren Gott mit stürmischem Jubel zu besingen. Denn Er allein ist gut. Er allein ist wahrhaft gnädig. Er wird einst Menschen aus allen Völkern unter Seiner gerechten und liebenden Herrschaft vereinen. Denn er allein, der gute und gnädige Gott, regiert über alle Völker der Erde.


Struktur

1 Autoren dieses Lobliedes sind die Korahleviten; es dient dem öffentlichen Vortrag.
2-3 Es lädt alle Völker ein, unseren vollkommen guten Gott von Herzen zu bejubeln
4-6 und bestaunt Sein gnädiges Werk bis hin zur Vollendung der Heidenmission
7-8 Dieser gnädige Gott regiert als unser König die Welt; das ist aller Grund zum Lob
9-10 Auch heidnische Machthaber werden einst als Seine Kinder vor ihm stehen


Inhalt

1 Dieser Lobgesang (vgl. Zusammenfassung von Psalm 44) ist eine zum öffentlichen Vortrag verfasste Dichtung der Korahleviten und besingt in prophetischer Schau die Ehre und das Lob Gottes angesichts der Vollendung des Missionsauftrages.


2-3 Stehende Ovationen sind es, eine unbändige und völlig selbstvergessene Freude, zu denen dieser Psalm uns einlädt: Dass alle Gläubigen (s. Ps 70:5) aus allen Volksgruppen, Ländern und Nationen Gott von ganzem Herzen zujubeln und voller Begeisterung Ihm Beifall klatschen. 

Denn Er, der Ewige, ist nicht nur über jede Macht des Kosmos weit erhaben, nein, Er ist vor allem auch heilig; von vollkommenem Wesen. Er allein ist vollkommen gut und gerecht (Ps 25:8, Ps 92:16, 1Joh 1:5). Er allein ist vollkommen schön: prächtig und herrlich (Ps 104:1). Er allein ist die Wahrheit (Joh 14:6). 

Vor allem aber ist Er - trotz all Seiner für unseren Geist unfassbaren Weisheit, Seiner unsere Seele erschütternden Macht, Seiner für Sünder unerträglichen Heiligkeit und Seiner, für die Augen unseres Herzens blendenden, Herrlichkeit - freundlich (Ps 100:5), barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue (2Mo 34:6). Und dies auf immer; unwandelbar und ewig (1Joh 1:5, Jak 1:17). 

Allein das Wesen Gottes und Seine herrliche Gnade sind es, die Sein Volk aus vollem Herzen jubeln lässt - angesichts der Tatsache, dass Er, unser Heiland, alle Macht hat; als Großkönig über alle Könige der Erde (1Tim 6:15, Offb 17:14, 19:16).


4-6 Nach der Begeisterung über die Vollkommenheit des Wesens Gottes schwenkt der Blick des Psalmisten auf die in Seinen Werken sichtbar werdende Güte und Gnade. Allein die Gnade Gottes war es, die Jakob und vor ihm Abraham das Land zusprach und Israel bei der Landnahme sein Erbteil sicherte. Seine Gnade allein ist es, die das Evangelium vom Heil in Christus unter den Heiden ausrichtet und allein Seine Gnade wird es sein, die in Bälde für die Vollendung des Missionsauftrages sorgen wird, so dass alle Gläubigen an Christus (vgl. Rö 1:16, 11:11-16, Gal 3:28, Eph 2:14, Kol 3:11) - ob aus den Juden oder aus den Heiden - gemeinsam in den Jubel einstimmen werden. Seine Liebe, zuerst zu Jakob und nun auch zu uns ist es, die Ihn dazu drängt (s. Joh 3:16). Und so, wie Gott zum Himmel auffuhr, nachdem Er Abraham und nach ihm Jakob ihr Erbteil verheissen hatte (1Mo 17:22, 1Mo 35:13), so fuhr auch Christus auf, nach dem Er den Jüngern den Heiligen Geist verheißen hatte (Lk 24:51), ohne den der Beginn und die Durchführung der Heidenmission gar nicht möglich gewesen wären. Das Bild vom Hall der Posaune erinnert dabei an den Ruf in die Schlacht - den guten Kampf des Glaubens - und die Verkündigung des Versöhnungstages (3Mo 25:9) - und damit an die Gnade, die Gott allen Völkern in Jesus Christus anbietet.


7-8 Nun, nachdem die Augen unseres Herzens Gottes vollkommenes Wesen und Sein vollkommenes Werk gesehen haben und so unsere Seele Seine wunderbare Heiligkeit erblickt hat, fordert der Psalmist uns zu dem auf, wozu unser Herz ohnehin schon bereit ist: Gott zu loben und ihm zu singen. Drei mal erfolgt diese Aufforderung; zwei mal sogar zur Verstärkung des Aufrufs verdoppelt: Es ist unser heiliger und guter Gott, der zu loben ist; es ist unser liebender König. Und dass Er es ist, der heilige, gute, gnädige und barmherzige Gott, dass ist der Grund für diese Einladung zum freudigen, begeisterten und glückseligen Gotteslob.


9-10 Der Psalm schließt mit einer gewaltigen Feststellung: Gott regiert "über die ganze Erde" (V7) und so über alle Völker, Volksgruppen, Stämme und Nationen. Er ist der unumschränkte Herrscher über alle Menschen. Ihm sind wir alle Rechenschaft und Gehorsam schuldig. Und Er wacht in Seiner Regierung über uns alle. Unbefleckt von der Machtgier und Selbstsucht, die wir so oft bei menschlichen Diktatoren, Tyrannen und Despoten zu beklagen haben, ist Seine Herrschaft; trotz ihres unbeschränkten Machtbereiches vollkommen rein und heilig. Denn unser Gott ist "sanftmütig und von Herzen demütig" (Mt 11:29). Sein Reich ist ein Reich der Gerechtigkeit, der Freude und des Friedens (Röm 14:17), denn Er Selbst ist der Fürst des Friedens (Jes 9:5) und die Liebe in Person (1Joh 4:8). In diesem Friedensreich werden, das ist die hoffnungsfrohe Vision dieses Psalms, einst auch Mächtige aus den Ländern als Kinder Abrahams versammelt werden, das ist: als an Christus Gläubige (Gal 3:7) und als Sein Volk (Röm 9:26, 1Petr 2:9+10). Gottes Volk aber sind Kinder der Verheißung (Rö 9:8), auf der in Christus das "Ja" Gottes ruht (2Kor 1:20). So sind schon in diesem Psalm die Heidenmission und deren letztlich erfolgreiche Vollendung angedeutet.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung

* Hast Du die heilige Güte des Wesens Gottes vor Augen?
* Ist Dir die Gnade Deines liebenden Heilands im Sinn?
* Glaubst Du in Deinem Herzen, dass Dein guter Gott allein regiert?
* So "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!"

Sonntag, 4. Mai 2014

Die Verklärung Jesu (Mt 17:1-13)


Text

1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. 10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse Elia kommen? 11 Jesus antwortete und sprach zu ihnen:Elia soll freilich kommen und alles zurechtbringen. 12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden müssen. 13 Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte.


Kommentar

Zusammenfassung

Auf einem hohen Berg wird Jesus vor Zeugen, Seinen engsten Jüngern, verklärt und von Seinem Vater als der Christus, der Bringer des Evangeliums bestätigt. Mit Mose und Elia spricht er über sein Leiden, stärkt, ermutigt und ermahnt Seine Nachfolger und legt ihnen die Schrift richtig aus.


Struktur

1-4 Mit drei seiner engsten Jüngern besteigt Jesus einen hohen Berg und wird vor ihren Augen verklärt, wie er es ihnen vorhergesagt hatte. Mose und Elia erscheinen und sprechen mit Christus über dessen Leidensweg. Und Petrus, völlig hin und weg vom verklärten Christus, will, selbstvergessen, allen dreien je eine Hütte bauen.

5-8 Noch spricht Petrus, da überschattet die Shekinah-Wolke die Gemeinschaft und der allmächtige Vater selbst bestätigt und autorisiert Seinen Sohn und seine Predigt. Zutiefst erschreckt über die gewaltige Stimme Gottes fallen die Jünger anbetend auf ihr Angesicht; Christus aber rührt sie an und spricht ihnen Mut zu. Und schon ist die himmlische Schau vorüber.

9-13 Während des Abstieges ermahnt Christus die Jünger zu absolutem Schweigen über das Gesehene bis zu Seiner Auferstehung, um seinen Leidensweg nicht durch falsche Ambitionen des Volkes zu torpedieren. Und er erklärt Seinen, aufgrund einer irrigen Auslegung der Schriftgelehrten, verwirrten Jüngern, dass das Verschwinden Elias kein Widerspruch zur Schrift ist - und prophezeit noch einmal sein Leiden. 


Inhalt

1-4 Vor kaum einer Woche hatte Jesus Seinen Jüngern prophezeit, "Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich" (Mt 16:28) und schon vollzieht sich die erste Vorschattung dessen, wovon Er sprach. Christus hatte den Kreis Seiner drei engsten Jünger, Simon Petrus und die Donnersöhne Jakobus und Johannes (Mk 3:17), mit sich genommen und sie -sie allein- auf einen "hohen Berg" geführt; vermutlich den im Nordosten von Cäserea Philippi liegenden über 2.800 m hohen Hermon.

Dort oben, in der Einsamkeit der Bergwelt, abgeschottet vom hektischen Treiben der Welt, geschieht etwas. Etwas so Außergewöhnliches, dass die Worte unserer irdischen Sprachen es kaum zu fassen vermögen. Es ist, als ob Gott den Schleier der Diesseitigkeit beiseite schöbe, ja so, als ob das, was wir als Realität betrachten, plötzlich transparent würde und den Blick freigäbe auf das, was wirklich ist, auf das letzgültige und wahre Sein, die ultimative Wirklichkeit. Vor den Augen der Jünger vollzieht sich, was mit Worten nicht auszusagen ist (vgl. 2Kor 12:4), denn für einen Moment ist es ihnen vergönnt, einen tieferen Blick zu erhaschen auf Ihn: Jesus Christus, den Sohn Gottes, die zweite Person der Trinität, den Allmächtigen, in Seiner Herrlichkeit: das Antlitz Christi erstrahlt wie die gleißende Sonne und seine Gewänder werden "hell und sehr weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann" (Mk 9,3); so weiß, wie das Licht. 

Er ist " »...der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs«" und dieser "Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden" (Mt 22,32). Und so wird den Jüngern ein Stück der Blick frei in die himmlische Welt, die Welt der Lebenden in Christus. Moses und Elia, die größten Propheten nach Johannes dem Täufer, werden sichtbar und sprechen mit Christus über dessen Leidensweg (Lk 9:30f). 

So überirdisch ist die Schau des verklärten Christus, dass Petrus, völlig verzückt, gern für immer dort geblieben wäre. So sagt er es seinem Herrn und fragt ihn, ob auch Er gerne bliebe; gerne würde er mit frohem Herzen jedem der Drei eine eigene Bleibe bauen; sich selbst und seine Mitjünger hatte er ob der himmlischen Schau schon ganz vergessen. So verzückt war er, das Lukas später schrieb: "er wusste aber nicht, was er redete" (Lk 9,33).

5-8 Mitten in diesem Moment der Verklärung, hinein in das Gestammel Petri werden sie alle von der Shekinah überschattet, der leuchtenden Wolke der manifestierten Gegenwart Gottes des Vaters, in der Er sich auch schon bei der Einweihung des Tempels Salomons (2Chr 5:14) dem Volk Israel zeigte. Und aus der Wolke heraus hören sie alle die Stimme des Allmächtigen, der ihnen, wie schon bei Christi Taufe versichert "Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe..." (Mt 3,17) und dieses Mal hinzufügt "...auf den sollt ihr hören!" Damit bestätigt der Vater nicht allein die Echtheit Seines Sohnes, Seine Identität und Authentizität, sondern auch Seine Vollmacht und Autorität in der Verkündigung Seines Evangeliums vom Reich Gottes: das Er die Schuld unserer Sünde am Kreuz bezahlte, damit wir -von aller Schuld freigesprochen- ewig leben können.

So machtvoll, vielschichtig und reich ist Gottes Stimme, wie das Rauschen großer Wasser (Hes 1:24, vgl. Offb 1:15); so gewaltig ist die Stimme des Allmächtigen, dass die Jünger sich zu Tode erschreckten und vor Ihm niederfielen - mit dem Gesicht zum Boden, in die Haltung der Anbetung. Doch sogleich ist Jesus bei ihnen, kommt ihnen in Seiner Barmherzigkeit nahe und berührt sie mit Seiner Kraft und spricht die ermutigenden und stärkenden Worte zu ihnen, die schon vor ihnen gehört haben, die vor der Stimme Gottes erzitterten: "Fürchtet Euch nicht!" (vgl. 1Mo 15:1, 1Mo 26:24, 1Mo 46:3, u.v.a.m.; vgl. insbesondere Johannes: Offb 1:12-18). 

Und Jesus fügt hinzu: "Steht auf!", als ob er sagen wollte, "Es ist vorüber!". Und kaum hat Er diese Worte ausgesprochen, kaum haben die Jünger sich auch nur ein wenig von ihrem Schrecken erholt, kaum heben sie ihren Kopf, schon ist dieser Moment der außergewöhnlichen Gnade und Verzückung vorbei und sie finden sich wieder mit Jesus ganz allein auf dem Berg, zurück in der Welt des Profanen.

9-13 Und Christus bleibt auch nach diesem Erlebnis, als sie den Berg hinabsteigen, bei Ihnen, wenn auch nicht mehr in Herrlichkeit, sondern in Knechtsgestalt (Phil 2:6-7). Auf dem langen Weg des Abstieges schärft Er es Ihnen ein: keinesfalls sollen sie mit einer Menschenseele über das Gesehene sprechen; wohl um Seinen hinab ans Kreuz führenden Weg nicht durch unangebrachte Ambitionen des Volkes zu hindern, das seit nun schon über 400 Jahre auf das Erscheinen des Messias gewartet hatte und sich sehnte, die Befreiung aus der römischen Besatzungsherrschaft möge vom König der Könige in Seiner Macht und Herrlichkeit beendet werden. Deshalb mahnt Jesus Seine Jünger, über das Gesehene zu schweigen, bis dass Er, - und bei dieser zweiten Leidensankündigung (vgl. Mt 16:21) kommen die Jünger ins Stocken -, von den Toten auferstanden sei. 

Nicht die Auferstehung von den Toten gibt Ihnen Rätsel auf, denn von ihr ist auch schon im Alten Testament die Rede (Jes 26:19), sondern vielmehr verwirrt sie, dass Elia, den sie eben noch sahen, nun nicht mehr da ist. Elia jedoch, so hatten sie es von den Schriftgelehrten sagen gehört, solle zuvor kommen, um alles zurecht zu bringen. Die dieser Lehre zugrunde liegende Prophezeiung jedoch (Mal 3:23) bezog sich auf das zweite Kommen Christi (siehe 2Pe 3:4). Und so legt ihnen Christus die Prophezeiung richtig aus: Natürlich soll Elia vor dem großen Tag des Herrn kommen und "das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu ihren Vätern" (Mal 3:24). Doch wie für so viele Prophetien, so gibt es auch für diese eine Vorschattung; und zwar für die Zeit von Jesu erstem Kommen - der Zeit der Jünger. 

Eben dies war aber bereits geschehen. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten ihn jedoch nicht erkannt, sondern ihn vielmehr einen Besessenen genannt (Lk 7:30.33). Und so, wie Johannes leiden musste, der von Herodes getötet wurde (Mk 6:14-29), so würde auch Christus leiden müssen. Als Jesus es ihnen so erklärt, verstehen die Jünger, von wem er redete: von Johannes dem Täufer, der zwar nicht Elia in Person war (Joh 1:21), der jedoch den Geist der Reformation Elias repräsentierte in dem er Busse zur Vergebung der Sünden predigte und so den Weg für den Messias ebnete, wie es vorhergesagt war (Jes 40:3-5, Mal 3:1, Lk 3:3-6). 


Praktische Anwendung

1. Wenn Christus Dich in Höhen führt und verzückt, freue Dich - und lasse los: noch sind wir nicht im Himmel; und noch wird es immer wieder einen Abstieg geben.

2. Höre auf Christus und Sein Evangelium vom Gnadenreich Gottes; Er ist es der Dich mit Seinem Wort anrührt und Dir auch in der Angst neue Kraft gibt.

3. Was Christus Dir anvertraut, verkündige zur rechten Zeit und bitte Ihn um Seinen Heiligen Geist, dass Er Dir die Schrift recht auslege.

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[Predigt als MP3]

Sonntag, 23. Juni 2013

Unsere Belohnung im Himmel - Hoffnung der Herrlichkeit

Vorwort

Immer wieder bewegen uns als Christen Fragen, die ohne ein umfassenderes Studium der Schrift nicht, oder zumindest nicht vollständig beantwortbar sind, wie die Frage nach unserer Belohnung im Himmel.

Bevor wir uns jedoch damit beschäftigen, die Frage, zumindest in groben Zügen, zu beantworten, sollten wir uns die Frage stellen, warum uns diese Frage eigentlich bewegt: Ist es reine Neugier? Ist es unsere Sehnsucht nach Erlösung? Ist es Selbstsucht? Oder suchen wir einen Ausweg aus unseren Leiden? Ist es die Hoffnung; ist es unsere Liebe zu Gott, die uns bewegt? Oder ist es der schlichte Wunsch nach mehr Verständnis der Dinge, die auf uns warten?

Denn: Wie auch immer wir diese Frage beantworten wird uns auch einen Aufschluss darüber geben, was uns im Innersten bewegt. Und das wird Auswirkungen haben auf den Schwerpunkt unserer Frage und auf die Wichtigkeit mit der wir die Antwort empfinden. Sind wir nur neugierig, so wird uns die Antwort, wie auch immer sie ausfällt, nur oberflächlich befriedigen und der kurzfristigen Erfrischung durch die Antwort wird schnell ein neuer Durst nach weiteren oder anderen Neuigkeiten folgen. Sinde es jedoch unsere, wie auch immer unvollständige, Liebe zu Gott und unsere Sehnsucht nach Erlösung, so werden uns die Antworten zu einer Hoffnung führen, die uns auch in schweren Zeiten Trost und Halt bietet.


Textstellen

Bevor wir uns systematisch mit den wesentlichen Aussagen der Heiligen Schrift auseinandersetzen, um eine Antwort auf unsere Frage zu finden, ist es sinnvoll, zumindest einige zentrale Stellen einmal zu Wort kommen zu lassen:
1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. 4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. 5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. 6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. 7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. 8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. 9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. 10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. 12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind. 13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. 15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. 16 So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen. 17 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht.
35 Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? 36 Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. 37 Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. 38 Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. 39 Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische. 40 Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. 41 Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern durch seinen Glanz. 42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. 44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. 45 Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einem lebendigen Wesen« (1.Mose 2:7), und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht. 46 Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche; danach der geistliche. 47 Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel. 48 Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen. 49 Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. 50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. 51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. 54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25:8; Hosea 13:14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg. 55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«  56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus! 58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.
18 Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. 19 Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden. 20 Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit - ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat -, doch auf Hoffnung; 21 denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstet. 23 Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. 24 Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? 25 Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld.
1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. 2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. 3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; 4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. 5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss! 6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. 7 Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein. 
 
Begründungen für die Wichtigkeit der Kenntnis

Auffällig ist, dass alle Textstellen, welche etwas über die neue Welt, das Himmelreich, den Himmel oder unsere dortige Belohnung aussagen, untrennbar mit dem Thema des Leides in dieser Welt verwoben sind. Betrachten wir weitere Textstellen, so wird deutlich, dass dies einen tiefer liegenden Grund hat: Gott will uns mit der Kenntnis unserer Hoffnung zumindest zwei Dinge verleihen:

Feste Zuversicht und Hoffnung
Angesichts der Leiden, die wir in dieser Welt zu erdulden haben, angesichts der Ängste, denen wir als nicht-autonome Geschöpfe unterworfen sind und angesichts der "Knechtschaft der Vergänglichkeit" unseres irdischen Lebens, die uns oft genug zum Seufzen bringen, gibt Gott uns mit seinen Verheißungen der zukünftigen Welt eine feste Hoffnung (Römer 8:18-25) und eine feste Zuversicht auf das, "was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht" (Heb 11:1). Denn in schwersten Zeiten finden wir allein im Glauben an unseren guten Gott und in der Hoffnung auf unsere einmalige Erlösung die Kraft, die wir zum Durchhalten brauchen...
 
Kraft zum Durchhalten
...so dass wir handeln können, wie Mose. Der "hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung" (Heb 11:26). Angesichts dessen, was Gott für uns in Petto hat, das ist, "weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen" können wir selbst im Leid noch "dankbar sein und so Gott dienen mit Scheu und Furcht, wie es ihm gefällt" (Heb 12:28). Nur im Aufblick auf Gott und Seine Verheißungen wird es uns im Leiden gelingen, dem Aufruf des Apostels Paulus gerecht zu werden, der uns anspornt "seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn" (1Kor 15:58). Kurz: Mit den Verheißungen für die neue Welt gibt Gott uns ein Ziel vor Augen für das Leben im hier und jetzt.
 
 

Unsere Hoffnung

Doch auf was genau dürfen wir denn hoffen? Im Wesentlichen sind dies, auch wenn die Aufzählung nicht vollständig sein mag, folgende Versprechen, die Gott eines Tages wahr machen wird:

Eine neue Umgebung
In Gottes neuer Welt wird es keine Tränen mehr geben, keinen Tod, kein Leid, kein Geschrei und keinen Schmerz (Offb 21:4). Vielmehr wird uns dann endlich im vollen Maße das zuteil, wonach wir uns unser ganzes irdisches Christenleben lang gesehnt haben: Trost, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit (Mt 5:4.6-7).

Ein neuer Leib
In dieser neuen Welt werden wir, unter Beibehalt unserer Identität, mit einem neuen Leib ausgestattet sein, einem geistlichen, spirituellen Leib (wie die Engel): himmlisch, unverweslich, unsterblich, unvergänglich und voller Kraft (1Kor 15:42, Rö 8:21.23, 1Kor 15:53, 1Kor 15:43-44.46-49).

Ein neues Wesen
In Gottes neuer Welt werden wir jedoch nicht nur von allen körperlichen Schwächen befreit sein, sondern auch von aller Schwachheit und Anfechtbarkeit der Seele: Wir werden heilig sein, untadelig und makellos. Auch werden wir als keinen sexuellen Begierden mehr ausgeliefert sein (Kol 1:22, Mt 22:30), sondern werden für immer genießen können, was uns hier auch in den seltensten Momenten höchster Kommunion nie im Letzten zuteil wird: vollkommene Erkenntnis Gottes; so vollkommen, wie Er uns erkannt hat (Hab 2:14, 1Kor 13:12). Ja wir werden dem auferstandenen Christus in dieser Hinsicht gleich werden, denn wir werden Ihn erkennen, wie Er ist (Rö 6:5, 1Joh 3:2).

Eine neue Autorität
Ausgestattet mit diesem neuen Leib in dieser neuen Umgebung und einem vollkommen heiligen Wesen wird uns auch eine unvorstellbare Autorität übertragen werden: Wir werden über (die gefallenen) Engel zu Gericht sitzen (1Kor 6:3). Wir werden als Kinder Gottes (Mt 5:9, Rö 8:16) als Seine Erben und Miterben Christi eingesetzt werden und in der Auferstehung mit Christus herrschen (Offb 20:4, 1Kor 15:22-23) über unseren neuen Besitz: Himmel und Erde (Mt 5:3.5.10)!

Unser großer Lohn
Über all diesen wunderbaren Versprechungen wollen wir aber eines nicht vergessen: Was unser wirklich größter Lohn sein wird: Christus und damit Gott selbst. Die ewige Gemeinschaft mit Ihm, der uns geliebt hat bis in den Tod, unser Hochzeitsmahl mit dem Lamm, das für uns geopfert wurde (Mt 22:2ff, 25:1ff): die volle Erkenntnis Gottes selbst (Mt 5:8.12). Gott selbst wird, wie für Abraham, unser sehr großer Lohn sein - für immer (Lk 6:23, 1Mo 15:1, Off 21:3).


Schlusswort

Diese Verheißungen sind wahrlich eines Gottes würdig: sie sind fast zu schön, um wahr zu sein; und doch sind sie es, denn: "der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!" (Offb 21:5). Eines Tages werden wir tatsächlich in einer Welt ohne Leid, Tod und Schmerzen, in einem Leib ohne Sünde, Krankheit und Tod, in vollkommener Gotteserkenntnis und mit der Autorität über Himmel und Erde, Engel und Dämonen gemeinsam mit Christus herrschen bis in Ewigkeit. Und die Schönheit und Wahrheit und Gerechtigkeit Gottes wird unsere Sonne sein, ja "es wird keine Nacht mehr sein, und sie bedürfen keiner Leuchte und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird sie erleuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit" (Offb 22:5). 

Mögen uns diese Worte Trost sein in schweren Stunden und Hoffnung geben auf ein neues Morgen.