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Montag, 7. September 2026

Johannes Evangelium 8,21-30


 

Das Buch der Zeichen - „Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen“

Nachdem Jesus am Spendenkasten beim Tempel offenbart hatte, dass er vom Himmel gekommen war und dass er das Licht der Welt ist, wiederholte er seine Ankündigung, dass er die Erde wieder verlassen würde. Wohin er gehen würde - damit meinte er den Himmel -, dahin könnten Sie ihm nicht folgen. Dann würden Sie ihn suchen, aber nicht mehr finden können und in ihren Sünden umkommen.

Aber die Leute verstanden nicht, was er meinte. Sie dachten, dass Jesus sich womöglich umbringen wollte und deswegen sagte, er würde an einen Ort gehen, an den sie ihm nicht folgen könnten.

Deswegen erklärte Jesus es ihnen nochmal: sie stammen von hier unten; haben ihre Wurzeln in dieser Welt. Er aber kommt von oben, vom Himmel; nicht von dieser Welt. Er ist der Eine, an dem sich ihr Schicksal entscheidet: wenn sie auch weiterhin nicht an ihn glauben würden, würden Sie in ihren Sünden sterben.

Da wollten Sie von ihm wissen, wer er denn nun sei? Jesus sagte Ihnen: „Das erkläre ich euch doch schon die ganze Zeit! Und auch über euch hätte ich noch eine ganzeMenge zu sagen und zu urteilen – aber ich will mich auf das beschränken, was ich von dem gehört habe, der mich zu euch geschickt hat, denn er ist wahrhaftig.“ Die Leute aber verstanden nicht, dass er von seinem Vater sprach; von Gott.

Darum erklärte Jesus Ihnen, dass sie, wenn sie den ‚Menschensohn‘ (mit diesem Titel wurde im Alten Testament der Messias bezeichnet!) ‚erhöht‘ haben würden (mit diesem Wort spielte er auf seine Kreuzigung an), begreifen würden, dass er selbst eben dieser ‚Menschensohn‘ ist. Dann würden Sie erkennen, dass er nie eigenmächtig gehandelt, sondern nur das an sie weitergegeben habe, was sein Vater im Himmel ihm beigebracht hatte.

Außerdem stünde der Vater ihm zur Seite und würde ihn nie allein lassen, weil er immer nur das tun würde, was Gott gefällt. Als er das gesagt hatte, kam viele zum Glauben an ihn.


O-Ton: Jesus sagte noch einmal zu ihnen: »Ich werde fortgehen. Dann werdet ihr vergeblich nach mir suchen und in eurem Unglauben zugrunde gehen. Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen.« 

Die Leute meinten: »Wenn er sagt: 'Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen' – heißt das, dass er Selbstmord begehen will?« 

Jesus antwortete: »Ihr seid von hier unten, aber ich komme von oben. Ihr gehört zu dieser Welt, aber ich bin nicht von dieser Welt. Ich habe es euch ja gesagt, dass ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen werdet. Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Wenn ihr das nicht glauben wollt, werdet ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen.« 

»Du? Wer bist du denn?«, fragten sie ihn. Jesus antwortete: »Was rede ich überhaupt noch zu euch? Ich hätte zwar vieles über euch zu sagen und allen Grund, euch zu verurteilen; aber der, der mich gesandt hat, steht zu seinen Zusagen; und ich sage der Welt nur das, was ich bei ihm gehört habe.« Sie verstanden nicht, dass Jesus vom Vater sprach. 

Deshalb sagte er zu ihnen: »Wenn ihr den Menschensohn erhöht habt, werdet ihr es begreifen: Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Dann werdet ihr auch erkennen, dass ich nichts von mir aus tue, sondern nur das sage, was der Vater mich gelehrt hat. 

Er, der mich gesandt hat, steht mir zur Seite und lässt mich nicht allein; denn ich tue stets, was ihm gefällt.« Als Jesus das sagte, kamen viele zum Glauben an ihn. (Johannes 8:21-30) 

Dienstag, 24. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,48–59


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot vom Himmel, das ewiges Leben gibt -  Ewiges Leben wird vermittelt durch das Opfer Christi am Kreuz


Jesus erklärt die unbekannten Dinge in der unsichtbaren Welt oft mit bekannten Dingen aus der sichtbaren Welt. Diesmal vergleicht er irdisches Brot, das nur für eine Zeitlang unser biologisches Leben erhält, mit sich selbst - dem Brot, dessen „Verzehr“ vor dem ewigen Tod bewahrt.

Er beschreibt sich als das lebendige Himmelsbrot - das lebensspendende Brot, dessen „Verzehr“ ewiges Leben garantiert. Was er uns geschenkt hat ist das Opfer seines Körpers am Kreuz von Golgatha, wo er sich als Stellvertreter für unsere Sünden hingab, damit alle, die auf dieses Opfer vertrauen, das ewige Leben bekommen können.

Seine Zuhörer haben seine Metapher jedoch willentlich wörtlich genommen und Jesus vorgeworfen, er wolle Ihnen, wie bei Kannibalen, das Fleisch seines Körpers zu essen geben. Daraufhin versichert Jesus ihnen noch einmal, und diesmal mit Nachdruck, dass sie nur dann Anteil am ewigen Leben haben werden, wenn sie „sein Fleisch und sein Blut“ – also ihn selbst, das ewige Leben in Person – in sich aufnehmen. Das aber geschieht im Glauben an sein Opfer für uns am Kreuz.

Wer so mit ihm vereint ist und bleibt – im Glauben an Jesus‘ stellvertretendes Opfer für die eigene Sünde und Schuld, der wird ewig leben, auch wenn sein Körper stirbt; Jesus wird ihn am Ende aller Tage auferwecken. Denn er, den wir voll Vertrauen in unser Herz aufnehmen und so eins mit ihm werden, ist die wahre Nahrung und der wahre Trank; er ist der Ewige selbst; das ewige Leben in Person. 

Zum Schluss fasst Jesus seine Rede in der Synagoge Kafarnaums noch einmal zusammen: der Vater hat ihn gesandt. Und so wie Jesus in Einheit mit ihm ewig lebt, können auch wir in Einheit mit Jesus ewig leben. Im Glauben an sein Opfer – sein Fleisch und Blut, die er am Kreuz für unsere Sünden hingab – „essen“ wir ihn; nehmen ihn in uns auf; werden eins mit ihm. Er, das Himmelsbrot, ist anders, als das Manna, das dem Volk Israel nur das irdische Leben rettete: wer an ihn glaubt, wird ewig leben.

O-Ton: Ich bin das Brot, das Leben schenkt. Eure Vorfahren aßen das Manna in der Wüste und sind trotzdem gestorben. Hier aber ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit, wer davon isst, nicht stirbt. 

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib. Ich gebe ihn hin, damit die Menschen zum Leben gelangen können.« 

Das löste unter den Zuhörern einen heftigen Streit aus. »Wie kann dieser Mensch uns seinen Leib, sein Fleisch, zu essen geben?«, fragten sie. Jesus sagte zu ihnen: »Amen, ich versichere euch: Ihr habt keinen Anteil am Leben, wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht esst und sein Blut nicht trinkt. 

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn am letzten Tag vom Tod erwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Nahrung, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt mit mir verbunden und ich mit ihm.

Der Vater, von dem das Leben kommt, hat mich gesandt, und ich lebe durch ihn. Genauso wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Das also ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist etwas ganz anderes als das Brot, das eure Vorfahren gegessen haben. Sie sind gestorben, wer aber dieses Brot isst, wird ewig leben.« Dies sagte Jesus in der Synagoge von Kafarnaum, so lehrte er dort die Menschen. (Joh 6,48–59)

Montag, 27. Oktober 2025

Johannes Evangelium 3,13-21


 

Das Buch der Zeichen - Ohne Glauben an Jesus kein Leben

Gerade erst hatte er Nikodemus mit der Nase darauf gestoßen, wie wichtig es ist, das anzunehmen, was er zu sagen hat. Denn jetzt kommt Jesus zu den ewigen Dingen. Dingen, die mit dem Himmel und mit dem Schicksal von uns allen zu tun haben: Er, Jesus, ist der Messias; der, den die Propheten als “Sohn eines Menschen“ vorher gesagt hatten. Er selbst ist der Ewige, der vom Himmel zu uns auf die Erde kam.

In einem Bild aus dem Alten Testament erklärt Jesus auch, was Er mit unserem Schicksal zu tun hat: wie er uns vor Gottes Gericht bewahren kann. Und zwar so, wie schon das Volk Israel im Alten Testament: durch Glauben. Sie mussten nur ein Symbol ansehen, das auf das Kreuz zeigte: auf Christus, der am Kreuz (Pfahl) die Strafe (Schlange) für unsere Sünde trug. Und genau so werden auch wir gerettet.

Was wir am Kreuz sehen ist, dass Gott bereit war, uns seinen geliebten Sohn zu schicken; vom Himmel auf die Erde zu kommen, um die Strafe, die wir verdient hätten, selbst zu tragen. Weil er unseren Freispruch will; dass wir in ewigem Glück leben können. Weil er uns so sehr liebt. Wer das begreift und glaubt, wird nicht vergehen. Dazu ist Jesus gekommen: uns zu retten; nicht uns zu verurteilen. Wer das glaubt, wir freigesprochen; nicht verurteilt.

Wer diese größte Liebestat aber in den Wind schießt, das unendliche Opfer Christi verachtet, der hat sich selbst schon das Urteil gesprochen. Das ist das Problem mit unserer Welt: dass wir den finsteren Abgrund der Sünde – unser ständiges, egoistisches Streben nach Befriedigung unserer Wünsche – mehr lieben als ihn; die Liebe in Person.

Den, der Gott den Rücken kehrt und nur zur Befriedigung seiner Wünsche lebt, ekelt es vor nichts mehr, als vorm Licht der Wahrheit Gottes. Diesem Licht weicht er aus, wo er nur kann, denn es würde die Hässlichkeit seines Strebens offenbaren. Wer aber die Tiefe der Liebe Gottes am Kreuz erkannt hat und umgekehrt ist zu einem Leben in Gottes Wahrheit, hat keine Angst, ins Licht zu treten, weil er weiß, dass ihn nichts als Lob erwartet.

O-Ton: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen als nur der eine, der vom Himmel herabgekommen ist, der Menschensohn. 

Mose richtete in der Wüste den Pfahl mit der bronzenen Schlange auf. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die sich im Glauben ihm zuwenden, durch ihn ewiges Leben bekommen. 

Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben. Gott sandte den Sohn nicht in die Welt, um die Menschen zu verurteilen, sondern um sie zu retten. Wer sich an den Sohn Gottes hält, wird nicht verurteilt. 

Wer sich aber nicht an ihn hält, ist schon verurteilt, weil er Gottes einzigen Sohn nicht angenommen hat. So geschieht die Verurteilung: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Dunkelheit mehr als das Licht; denn ihre Taten waren schlecht. 

Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und bleibt im Dunkeln, damit seine schlechten Taten nicht offenbar werden. Aber wer der Wahrheit gehorcht, kommt zum Licht; denn das Licht macht offenbar, dass er mit seinen Taten Gott gehorsam war. (Joh 3,13–21)

Sonntag, 23. Dezember 2018

Leben mit Jesus vor Augen! - 2. Tim 2,8


Übersicht

  • Einleitung: Verliebt!
  • Evangelium: Wozu wir ein Evangelium brauchen 
  • Jesus: Von der Bedeutung Seines Namens – Retter und Heiland
  • Sohn Davids: Von Seiner Menschlichkeit – und seiner königlichen Linie
  • Christus: Von der Bedeutung seines Titels – König und Priester
  • Gestorben: Von der Bedeutung Seines Todes – Seiner Liebe und unseren Sünden
  • Auferstanden: Von Seiner Göttlichkeit – und unserer Rechtfertigung
  • Das Evangelium: Von unserer Erlösung – und unserer Hoffnung
  • Für Dein Herz: Christus stets vor Augen



Einleitung


Verliebt: Kennt ihr das? Verliebt zu sein? So richtig mit Haut und Haaren? Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, als ich meine Frau kennen lernte: Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute hatte ich ihr Bild vor Augen. 

Ich – nein: wir beide! – konnten es nicht erwarten, einander wieder zu sehen. Wenn wir uns getroffen haben, habe ich jedes kleine Detail an ihrem Gesicht in mich aufgesogen: ihr Lächeln, ihre Zähne, Ihren Blick. 

Wenn jetzt jemand reinkommen und fragen würde, ob ich dazu gezwungen wurde, den ganzen Tag nur an sie zu denken, dann würden wir sicher alle lachen und mit dem Kopf schütteln. Weil wir es besser wissen: Denn, was aus Liebe geschieht, das geschieht nicht aus Zwang. Nicht, weil man muss. Wir haben den anderen immer vor Augen, weil wir so glücklich sind, dass wir ihn in unserem Leben haben.

Um dieses Phänomen – jemanden stets vor Augen zu haben, soll es heute gehen:


Unser Text (2 Tim 2,8)

„ Halte dir stets Jesus Christus vor Augen, der, aus der Nachkommenschaft Davids stammend, auferstanden ist von den Toten - das ist das Evangelium, das ich verkündige.“


Eigentlich wollte ich heute über die Verse 8-13, also über ganze sechs Verse predigen. Aber dieser eine Vers, Vers 8, ist so reich, in diesem Vers ist so viel enthalten, dass ich nicht anders konnte, als nur über ihn zu predigen. Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, ihn mit fünf weiteren Versen zuzuschütten. 

Denn dieser eine Vers enthält das ganze Evangelium: das historische Zeugnis der Augenzeugen über Jesus Christus, wie es sich auch schon im Apostolischen Glaubensbekenntnis und dem Credo des Konzils von Chalzedon wiederfindet: 

"Unser Herr Jesus Christus ist [...] wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch [...] wesensgleich dem Vater der Gottheit nach, wesensgleich uns [...] der Menschheit nach, in allem uns gleich außer der Sünde, vor Weltzeiten aus dem Vater geboren der Gottheit nach, in den letzten Tagen derselbe für uns und um unseres Heiles willen [geboren] [...] wie die Propheten von Anfang an lehrten und er selbst, Jesus Christus, uns gelehrt hat, und wie es uns [...] überliefert ist." (Konzil von Chalzedon, 451 nach Christus) 

Dieser Vers spricht vom Evangelium, das ist: von Jesus Christus, der "um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde. (Röm 4,25) Dieser Vers spricht vom einzig wahren Evangelium; dem Evangelium, wie es auch von Paulus verkündigt wurde. 

Diesen einen Vers, der doch das ganze Evangelium enthält, möchte ich heute gemeinsam mit Euch, sozusagen, wie ein Weihnachtsgeschenk, "auspacken".


Evangelium?

Warum überhaupt ein Evangelium – eine gute Nachricht?

Im Anfang

Um zu verstehen, warum das Evangelium so wichtig – so außergewöhnlich – ist, müssen wir zum Anfang zurück gehen. Wir wurden geschaffen als Ebenbilder Gottes, als vollkommene Spiegelbilder Seiner Herrlichkeit, Seiner Heiligkeit, Seines Wesens.

Und dann kam der Sündenfall im Paradies: Wir aßen vom Baum der Erkenntnis, wollten nicht mehr anerkennen, was Gott als Gut und Böse definiert – wir wollten selber bestimmen, was Gut und Böse ist. Wir wurden Abtrünnige. Wollten Gott, den König der Könige, vom Thron stoßen. Wir haben Ihm die Treue gebrochen, Ihn verraten, eine Revolution vom Zaun gebrochen – mit unserer Forderung nach Selbstbestimmung und Autonomie. Nicht mehr Gott sollte entscheiden, was gut für uns ist: wir selbst wollten Gott sein und sagen können, was Gesetz ist.

Das Ergebnis das wir Menschen uns mit unserer Rebellion und unserem Aufstand gegen Gott eingebrockt haben, sehen wir jeden Tag in der Presse und in den Nachrichten: die Welt ist voller Leid und Schuld, voller Angst und Not. Wir leben in einer Welt die jeden Tag danach schreit, geheilt und erlöst zu werden. Oder wie Paulus Rö 8:22 schreibt: „wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.“ Wir hören von Kriegen und Hungersnöten, von Erdbeben und Seuchen. Aber wir erleben es auch im eigenen Leben: in der Ehe, in der Arbeit, im Freundes- und Bekanntenkreis. Unsere Welt ist nicht heil. Sie ist defekt. Und es sind auch nicht immer nur die anderen: Der tiefe Schaden der Sünde – der Rebellion gegen Gott – sitzt auch in unserem Herzen.

Und in diese zerbrochene Welt hinein strahlt Gottes Evangelium: dass Gott uns - weil Er gnädig ist - nicht verdammen will. Dass Er uns immer noch liebt. Trotz unserer Schuld. Trotz unserer Rebellion. Trotz unserer Gottlosigkeit. Darum geht es im Evangelium. Und darum geht es in unserem heutigen Vers.


Jesus

Wenn ich etwas mehr über einen bestimmten biblischen Begriff oder über einen Namen wissen möchte, dann greife ich – neben guten Bibelkommentaren – auch gerne mal zum "Lexikon zur Bibel“. Dieses Standardwerk von Fritz Rienecker und Gerhard Maier hat zur Herkunft und Bedeutung des Namens „Jesus“ folgendes zu sagen: 

"Der Name Jesus (griech.-lat. Form des hebr. Jeschua, einer späteren Bildung aus Jehoschua oder Joschua) bedeutet «der Herr ist Heil (Rettung)»“

Ebenso präzise hat es das WiBiLex: „Jesus (Ἰησοῦς, Iesoús) ist die gräzisierte Form des hebräischen [...] Eigennamens Jeshua/Joshua (Jahwe hilft / rettet). Jesus kommt 905mal im Neuen Testament vor und ist das zweithäufigste Nomen nach Gott (theós).“

Der Name Jesus bedeutet also „Gott rettet“. 

Das können wir übrigens auch schon ganz zu Anfang des ersten Evangeliums lesen, wo geschrieben steht: "Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden." (Mt 1:21)

Jesus bedeutet also: Gott ist unser Erlöser – unser Heiland.

Was genau es damit auf sich hat, werden wir im folgenden sehen:


Sohn Davids

Ganz Mensch

Wenn es hier im Text heißt, „aus der Nachkommenschaft Davids“, dann bedeutet das zuerst einmal: er wurde geboren! Wie wir alle auch.  Mit anderen Worten: Jesus war ein Mensch. Das scheint zuerst einmal nichts wirklich besonderes zu sein.

Im Evangelium von Matthäus lesen wir: „Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.“ (Mt 1:18-25)

Jesus ist also ganz Mensch. Und doch sehen weir hier schon, dass bei ihm etwas anders ist: er ist „vom heiligen Geist empfangen“ – und „von einer Jungfrau geboren“. Das gibt‘s ja nun nicht wirklich alle Tage. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten wir: "Ich glaube an [...] Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria". Spurgeon schrieb dazu: "Wahrlich, Er war göttlich und Seine Geburt war nicht nach der gewöhnlichen Art der Menschen, aber dennoch war Er in jeder Hinsicht Teilhaber unserer menschlichen Natur und kam aus dem Stamm Davids." (Spurgeon) Womit wir beim nächsten Thema wären: „vom Stamm Davids“. Was hat es damit auf sich?


Adoptiert

Zuerst einmal ist es sicher wichtig, zu erkennen, das Joseph von seiner Abstammungslinie her so noble Vorfahren hatte, wie Abraham, Isaak und Jakob – nicht zu vergessen Isai und König David. König David war also einer der Altvorderen von Joseph.

Zudem ist wichtig zu erkennen, dass Joseph nicht der leibliche  Vater von Jesus war. Sonst hätte er sich anfangs nicht so sicher sein können, dass das Kind in Marias Bauch nicht von ihm war – sondern, wie er dann später im Traum gesagt bekam – von Maria auf wunderbare Weise von Gottes Geist empfangen wurde.

Dennoch lesen wir schon im Matthäus-Evangelium ganz zu Anfang: „Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Mt 1:1). Wie geht das jetzt? Wie kann Jesus ein Sohn Davids sein, wenn Joseph doch gar nicht sein leiblicher Vater war. Hat die Bibel hier einen Knacks? 

Natürlich nicht. Vielmehr war Jesus tatsächlich ein „Sohn Davids“, denn er wurde von Joseph adoptiert. Die die öffentliche Benennung eines Kindes (wir erinnern uns: „dem sollst du den Namen Jesus geben“) war in der Antike nichts anderes, als der legale Schritt der Adoption: "Das erste, was [Joseph] [also] tut, ist, Maria nach Hause zu bringen, um seine Frau zu sein. Dies ist ein rechtlicher Schritt. Das bedeutete, dass er öffentlich Maria zu seiner Frau nahm. Das zweite, was er tut, ist, das Kind zu benennen. Auch das ist ein rechtlicher Schritt. Im Zuge der Benennung des Kindes adoptiert Joseph öffentlich das Kind als sein eigenes." *  In der Antike bedeutete Adoption die volle Sohnschaft. Ein Adoptivkind war damals von einem leiblichen Kind aus rechtlicher Sicht in nichts zu unterscheiden. Das galt auch für‘s Erbrecht. Jesus wurde also von Joseph adoptiert kam so (auch von menschlicher Seite) in den Genuss einer königlichen Abstammung. So erklärt sich die königliche Line von der im Matthäus-Evangelium die Rede ist.(*)



Christus

Messias und König

Auch zum Titel ‚Christus‘ hat das "Lexikon zur Bibel" etwas zu sagen, nämlich: "Christus ist der Titel, die Amtsbezeichnung Jesu. Das griech. christos ist die Übersetzung des aram. meschicha bzw. des hebr. maschiach und bedeutet «der Gesalbte» (Messias). Priester und Könige wurden in Israel durch eine Salbung mit Öl feierlich in ihr Amt eingesetzt. [...] Die Bezeichnung «der Gesalbte» wurde zunächst vom König gebraucht [...] Darüber hinaus schauen die Propheten einen kommenden König aus Davids Geschlecht, einen «Gesalbten», der - Priester und König in einem - alles das erfüllen wird, was Israel von einem wahren Friedenskönig erwartet. Von dieser Erwartung zeugen die messianischen Weissagungen [...]" 

So ist der Doppelname Jesus Christus zugleich das kürzeste Bekenntnis der Christenheit: Jesus von Nazareth ist in seiner Person der verheißene Christus (Messias).“  So sagen auch die Jünger am Anfang des Johannes-Evangeliums: „Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte“ (Joh 1:41)

Dieser Gesalbte – der Christus, der Messias – wurde vorausgesagt. David erhielt ca. 1.000 v.Chr. die Verheißung: „Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein." (2 Sam 7:12-14). 

Dieser Gesalbte – Christus – ist also der von Gott zum König gesalbte Messias. 


Bekenntnis Christi

Das Jesus der Christus ist – der König der Könige und Herr aller Herren – sagt aber nicht Gerhard Maier‘s nur Fritz Rienecker‘s „Lexikon zur Bibel“. Jesus sagt es selbst! Bei Johannes lesen wir: „Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht." (Joh 10,24-25)


Bekenntnis der Jünger

Das Jesus der Christus ist, erkannten aber auch einige Menschen, z.B. die Samariterin am Jakobsbrunnen, zu der Jesus spricht: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt." (Joh 11,25-27)   

Und auch Petrus bekennt in Mt 16:16: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!"


Solus Christus

Dieser Christus – der Sohn des lebendigen Gottes – ist der König der Könige – und der einzige Weg zum Heil. Das ist ein steiler Satz! Wie kann das sein? Der Grund dafür ist: Allein Christus hat das Problem mit unserer Schuld wirklich gelöst – Er allein – und sonst niemand – hat die Strafe für unsere Schuld getragen. Darum heißt es: "Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden." (Apg 4,12)

Martin Luther schrieb dazu: "Kein feindseligerer Name ist auf Erden, denn eben Jesus Christus, nicht daß man ihn nicht nennen oder hören nennen könnte. [...] Warum? Darum, daß wir diesen Namen nicht einen schlechten Namen lassen bleiben mit ledigen Buchstaben geschrieben; wie meiner und deiner, sondern glauben, predigen und bekennen, daß die Person, so Jesus Christus heißt, ihrem Namen nach sei der einzige Heiland der Welt, der von Sünden selig mache, der einzige Hohepriester, der die Sünder mit Gott versöhne, der einzige Herr und König, der aus aller Angst und Not helfe, und daß er allein die, die ihn dafür erkennen, von Sünden und Tod erlöst und sie Gnade und ewige Seligkeit erlangen. [...]" (Martin Luther)


Gestorben

„Von den Toten“

Was bedeutet das? Zum ersten einmal mindestens dies: Jesus war tot. Aber warum? Oder noch wichtiger: Wozu? Die Antwort auf diese Frage steht bei Jesaja; er schreibt: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn." (Jes 53:4-6) 

Jesus ist also mit einem Ziel gestorben. Er ist „um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen“. Jesus ging aus einem einzigen Grund ans Kreuz: weil Er uns unendlich liebt und nicht möchte, dass wir die Strafe für unsere gottlose Rebellion selber tragen müssen. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“.

Im Kolosser-Brief lesen wir über den Tod Jesu am Kreuz: „Es hat Gott wohlgefallen, daß [...] er durch [Christus] alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. Auch euch, die ihr einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes [...]“ (Kol 1:15-33)  

Und ein Kapitel weiter lesen wir dort: „in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, [...] Und er hat [...] uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet [...] in Christus.“ (Kol 2:9-15) 

Und im Philipper-Brief lesen wir : „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2:6-11)

Ihr Lieben – ich frage Euch: „Wie tief muss Gottes Liebe sein?!“, dass Er so für uns stirbt? Dass Er Mensch wird, nur um Sein Leben zu lassen? Für uns!! Damit es uns gut geht. „Wie tief muss Gottes Liebe sein?!“


Auferstanden

Lebendig

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „[...] am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten." (Apostolisches Glaubensbekenntnis). Was bedeutet das? Auferstanden? 

Es bedeutet: Jesus Lebt! Er ist nicht mehr im Grab! – Er ist nicht mehr tot! - Jesus lebt!

Gott

Begreifen wir, was das bedeutet? Mal im Ernst: wer von uns kann sagen, was Jesus sagte, und es dann auch, wie Er, in die Tat umsetzen? Er sagte: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich's wieder empfange. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen.“ (Joh 10:17+18) 

Kein Mensch hat die Macht, zu sterben und sein Leben dann wieder zurück zu holen. Die Tatsache der Auferstehung bedeutet also nichts weniger, als dass Jesus nicht nur ganz Mensch gewesen ist – sondern Jesus war auch ganz Gott. Er ist der Ewige, der die Macht hat über Leben und Tod. Und genau das lesen wir auch im Römerbrief: "Christus [...] ist Gott, der über alles regiert, ihn loben wir in alle Ewigkeit!" (Rö 9:5) 


Zu unserer Rechtfertigung

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, sagt aber nicht nur etwas über Ihn selber aus, sondern hat auch etwas mit uns zu tun.  Im Römerbrief lesen wir, dass Christus „um unsrer Sünden willen dahin gegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde (Röm 4,25).  Aber was bedeutet das? Rechtfertigung bedeutet, dass wir - trotz unserer Schuld – vor Gott gerecht da stehen können, weil Jesus stellvertretend für uns am Kreuz gestorben ist. Und wenn es heißt, dass Jesus „um unserer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde, dann bedeutet das, dass Gott dieses stellvertretende Opfer angenommen hat – dass Er es gelten lässt. 

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, bedeutet also nichts weniger, als dass Gott das Opfer Jesu Christi anerkannt hat – es ist gültig – für Zeit und Ewigkeit.


Hoffnung

Dass Jesus auferstanden ist, bedeutet aber noch etwas. Im 1. Korinther-Brief lesen wir dazu "Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. [...]  So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. [...] Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen."  (1Kor 15, 42-43;49)

Spurgeon formulierte das einmal so: "Lasst uns also, wenn wir an den auferstandenen Christus denken, [...] ganz sicher sein, dass unser Körper in ihm in einem verherrlichten Zustand existieren wird."

Jesus ist also Gott in menschlicher Gestalt. Und Er ist an unserer Statt gestorben. Und dass Er auferstanden ist, bedeutet, dass der Preis, den Er für unsere Schuld bezahlt hat, angenommen wurde: wenn wir das im Glauben annehmen, sind wir freigesprochen – und dürfen ewig leben!


Das Evangelium

Das ist also das Evangelium. Mit diesem einen Vers fasst Paulus also alles zusammen, was er bisher gesagt hat: das Jesus Christus der verheißene Messias ist, der Gesalbte Gottes, unser König, wahrer Mensch und wahrer Gott, gestorben für unsere Sünden und auferstanden zu unserer Rechtfertigung und dass wir im Glauben an Ihn die wunderbare Hoffnung haben dürfen, Ihn und Seine Liebe für alle Ewigkeit in Herrlichkeit genießen zu dürfen. Eine Herrlichkeit, von der es heißt: "[...] und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." (Offb 21,4)

Das ist es, warum wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten: "Ich glaube an [die] Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ 

Das ist es, was Jesus selber sagt: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«“ (Lk 4:16-22)“ 

Darum heißt es bei Jesaja: „Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt [...] und wird euch helfen.« [...] Die Erlösten des HERRN werden [...] kommen [...] mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“ (Jes 35:2-10)

Das ist es, was auch Jesus selbst in der Offenbarung des Johannes bezeugt: „Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ (Offb 22,16-17)

Wir haben Gott die Treue gekündigt. Wir haben gegen Seine Herrschaft rebelliert, haben Seine Gebote übertreten und uns selbst zu Gott gemacht. Wir haben Ihn vom Thron unseres Lebens gestoßen, um selber zu definieren, was Gut und was Böse ist. Doch Gottes Liebe ist so groß, dass Er sich zu uns hinab beugt – Mensch wird – und für uns stirbt – damit wir leben können. Ewig leben. Gott ist – trotz all unserer Rebellion! – FÜR UNS. 


Stets vor Augen

Das ist das Evangelium, das Paulus hier predigt. Ich kann über Gottes Liebe und Gnade nur staunen und mich in Anbetung fragen: WIE TIEF MUSS GOTTES LIEBE SEIN?!

Dieses Evangelium – diese Liebe Gottes – der für mich Mensch geworden ist – für mich starb – und für mich auferstand – der mich erlöst von meinen Sünden und mir ewiges Leben schenkt – dieses Evangelium möchte ich stets vor Augen haben. 

Mit dem Ausleger Barnes möchte ich – ihr Lieben! – mit dem Ausleger Barnes möchte ich uns allen sagen: "Denke an den Erlöser, der nach all den Leiden dieses Lebens jetzt von den Toten auferstanden ist, und lasse dich dadurch ermutigen, deine Prüfungen zu ertragen.“

Wie tief muss Gottes Liebe sein?! Diese Liebe Gottes – diese unfassbare Liebe – dürfen wir uns jeden Tag neu vor Augen halten: dieses Evangelium - dass der ewige und allmächtige Gott - der König aller Könige und der Herr aller Herren - in Jesus Christus Mensch geworden ist - der für unsere Schuld und Sünde gestorben ist - und der zu unserer Rechtfertigung von den Toten auferstanden ist - der unser Heiland und Erlöser geworden ist - der uns mehr liebt, als sein Leben. 

Diesem Herrn, unserem Gott, Jesus Christus, sei alle Ehre, von nun an bis in Ewigkeit - Amen.

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Samstag, 9. Juli 2016

Joyce Meyer – Lehrerin oder Irrlehrerin? (Teil II)

Eine interessante Leserfrage zu meinem ersten Artikel über Joyce Meyer hat mich dazu bewegt, eine Antwort zu verfassen, die so lang geworden ist, dass ich mich entschlossen habe, einen eigenen Artikel daraus zu machen. Ich möchte ihn mit der Frage überschreiben: 

"Ist es eine Verurteilung zu behaupten, Joyce Meyer sei eine Irrlehrerin?"

Ich bin, wie meine Leser, der Überzeugung, dass niemand uns das Recht gibt, einen anderen Menschen zu verurteilen. Doch Gott gibt uns sehr wohl den Auftrag, dass was wir das, was wir hören, sehen, lesen und wahrnehmen, vorher zu überprüfen, um nicht "einfach so" alles für Gold zu halten, was glänzt. Gott möchte, dass wir die Inhalte, die wir für uns übernehmen, um sie zu glauben, vorher prüfen (1Thess 5:21) - weil Er uns liebt und nicht möchte, dass wir unseren Glauben mit halbwahren oder gar falschen Inhalten  vergiften.

Diese Unterscheidung zwischen "prüfen", "unterscheiden" oder "beurteilen" auf der einen Seite und "richten" oder "verurteilen" auf der anderen Seite wird jedoch in unserer Zeit leider nur noch selten getroffen. Oft werden beide - die sachliche wichtige Prüfung von Fakten einerseits und die moralisch verwerfliche Aburteilung einer Person andererseits - in einen Topf geworfen. Mit dem Ergebnis, dass wir am Ende gar nichts mehr beurteilen können, aus lauter Angst, dabei aus Versehen jemanden zu richten.

Dabei ist das Beurteilen und Prüfen so wichtig. Vor allem in unserer heutigen Zeit, von der uns schon Petrus warnte: "Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen [...] haben den Schein der Frömmigkeit, 
[...] solche Menschen meide!" (2Tim 3,1). Und wir prüfen ja auch alle möglichen Dinge den lieben langen Tag in unserem natürlichen Leben (ohne groß darüber nachzudenken): wir prüfen das Essen, das wir essen ("Ist es verschimmelt?"), oder die Ampel ("Ist sie grün? Kann ich gefahrlos über die Straße gehen?") und so weiter und so fort. Um uns zu schützen. Und das ist gut so. Mit der Lehre von anderen Menschen sollen wir es genau so machen. Darum habe ich auch ganz am Anfang meines ersten Artikels eine Einleitung über "richten" und "unterscheiden" geschrieben. Und ich empfehle allen meinen Lesern, sich die dort angegebenen Bibelstellen noch einmal gründlich durchzulesen.

Doch wie komme ich nun zu meiner Beurteilung von Joyce Meyer?

Ich habe sie im Fernsehen gesehen und mir auch angehört, was sie lehrt. Darüber hinaus habe ich eigenen Recherchen betrieben und unter anderem das Buch "Christianity In Crisis: The 21st Century" von Hank Hanegraaff" studiert, der alle seine Aussagen mit unwiderlegbaren und vor allem überprüfbaren Fakten unterlegt. Hank Hanegraaff ist niemand, der einfach mal so aus Spass behauptet "Joyce Meyer ist eine Irrlehrerin", sondern der einen Großteil ihrer Publikationen und Ausstrahlungen durchforstet hat und sich die Mühe gemacht hat, die Aussagen von ihr (und vielen anderen Irrlehrern) den Aussagen der Bibel gegenüber zu stellen. Und die Faktenlage ist erschreckend. Ich kann nur jedem empfehlen, das Standardwerk von Hank Hanegraaff zu lesen - es ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Bücher unseres Jahrhunderts.

Das Problem mit Joyce Meyer ist dabei nicht, dass "jede einzelne Predigt [...] ein klarer und sichtbarer Widerspruch zu Gottes Geboten oder Wort Gottes" wäre. Vieles von dem, was sie aussagt, ist richtig und manches scheint darüber hinaus auf den ersten Blick recht hilfreich. Es ist vielmehr "die große Richtung", die bei ihr nicht stimmt. Das bedeutet: man kann eine ganze Predigt von Joyce Meyer hören und dabei nicht ein einziges Mal "zusammenzucken", weil sie etwas offensichtlich falsches predigen würde. Verfolgt man jedoch eine Reihe von ihren Predigten, so wird eine größere "Strömung" sichtbar, die ich hier einmal mit dem Gegensatz zwischen "Selbstverwirklichung" und "Nachfolge" beschreiben möchte.

Joyce Meyer predigt an vielen Stellen ein Evangelium, was den Menschen und sein Wohlergehen ins Zentrum stellt. Das Evangelium in der Bibel jedoch hat Gott und seine Ehre zum Zentrum. Natürlich möchte Gott, dass wir uns in Ihm und an Ihm freuen. Er erwartet jedoch auch, dass wir in Seine Fußstapfen treten - sogar dann, wenn das bedeuten sollte, für ihn zu leiden (siehe Phil 1,29). In Markus 8,34 lehrt uns Jesus selbst, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen sollen. Die Seite www.bibelkommentare.de beantwortet die Frage, was es bedeutet, "sein Kreuz auf sich nehmen", so: das "Mitgekreuzigtseins unseres alten Menschen samt seinen Leidenschaften und Lüsten. [...] Es ist das völlige in des Herrn Fußstapfen treten auf Seinem Wege der Verwerfung, des Widerspruchs und der Schmach von Seiten dieser Welt."

Diesen Aspekt der Nachfolge jedoch sucht man bei Joyce Meyer an vielen Stellen vergeblich. Und das ist es, was mich besorgt. Hier weicht sie vom Wort Gottes ab, der von Anbeginn der Schöpfung nur ein Ziel hat: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei [...]" (1Mo 1,26). Und der Zweck hinter dieser Absicht, Menschen nach dem Abbild Gottes zu schaffen, ist kein Geheimnis: Es ist nichts anderes - nicht mehr und nicht weniger als - die Ehre Gottes (siehe Jes 43,7).

Mit anderen Worten: Joyce Meyer predigt ein Wohlfühlevangelium, in dem der Mensch und sein Wohlergehen im Mittelpunkt stehen und in dem Gott das Mittel zum Zweck unseres Wohlergehens ist. Das jedoch steht im krassen Widerspruch zum Evangelium Christi, in welchem Gott im Zentrum steht und dem wir aufgerufen sind, in einem lebenslangen Prozess der Umkehr - durch das "töten der Werke des Fleisches" und durch "in das Anschauen der Herrlichkeit Christi" in das Bild Christi umgestaltet zu werden (vgl. Rö 8,13, Gal 5,19ff, Jak 1,21, 2Kor 3,18) - damit durch unsere Lebensführung die Ehre Gottes gemehrt wird.

Es ist richtig: Am Ende ist in der Tat nur der Glaube an Christus und die Einhaltung Seiner Gebote von größter Bedeutung und wichtig für jeden wahren Nachfolger Jesu. Doch so, wie Christus sie gelehrt hat - und nicht in einer verdrehten Form, die den Menschen statt Gott in den Mittelpunkt stellt und schöne Gefühle, statt Gottes Ehre.

Sonntag, 16. März 2014

Von der Nachfolge (Mt 16:24-28)


Text

24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. 25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. 26 Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 27 Denn es wird geschehen, daß der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. 28 Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.


Kommentar

Zusammenfassung

Direkt im Anschluss an das Glaubensbekenntnis Petri und an die Prophezeiung Seines Leidens, erläutert Jesus, der Messias, Seinen Schülern, was Nachfolge wirklich bedeutet: das Ablegen der Selbstsucht und das Anziehen liebenden Gehorsams gegenüber Christus und Seinem Evangelium. Wer aus Feigheit vor dem Spott und aus egoistischer Selbstsucht seine eigenen Ziele verfolgt, wird sterben; wer aber sein Leben aus Liebe zu Christus und Seinem Evangelium hingibt, wird ewig leben. Denn unsere Seele ist wertvoller als die ganze Welt. Und die ganze Welt reicht nicht aus zur Begleichung unserer Sündenschuld vor Gott. Christus wird einmal in Macht und Herrlichkeit kommen, um uns nach unseren Werken zu richten; den Beginn dieses Reiches erlebten die meisten Jünger noch zu ihrer Lebenszeit.


Struktur

24 Als Messias erkannt und innerlich bereits auf dem Weg zu Seiner Kreuzigung fordert Jesus Seine Jünger auf, ihm in freiwilliger Selbstverleugnung zu folgen.

25 Und Er macht klar, dass die Hingabe an Ihn und Sein Evangelium der einzige Weg zum ewigen Leben ist, denn der Egoismus und die Selbstsucht führen allein in den Tod.

26 Beinahe rhetorisch fragt Er sodann nach, was denn den Menschen ihr Eigennutz bringe, wenn sie daran zugrunde gehen. Auch zeigt Er uns klar, dass der Wert unserer Seele höher ist als der der ganzen Welt. Und dass daher selbst die Welt nicht reicht, um uns freizukaufen von unserer Sünde.

27 Zudem macht Jesus unmissverständlich klar, dass Er eines Tages mit Vollmacht als unser Richter erscheinen wird, um unsere Taten zu beurteilen.

28 Dass der Ernst Seiner Mahnungen ein festes Fundament hat, bekräftigt Christus durch die Prophezeiung Seines kommenden Reiches, dessen erste Anfänge die Jünger noch zu ihren Lebzeiten miterleben würden.


Inhalt

24 Jesus, der hier spricht, ist eben der Jesus, den Petrus in seinem Bekenntnis als den Messias erkannt und anerkannt hat. Eben derselbe Jesus, der gerade eben von Seinem Tod durch die religiöse Elite in Jerusalem gesprochen hat. Dieser Jesus, der sich im Innersten Seines Herzens bereits auf den Weg ans Kreuz gemacht hatte, ist es, der Seinen Schülern nun erklärt, was wahre Nachfolge wirklich bedeutet:

Wenn im Herzen eines Menschen, sei es, wer es wolle, der Wunsch erwacht, Jesus Christus als Seinem Herrn, Heiland und Lehrer und zu folgen, in Seiner Gegenwart zu bleiben und von ihm zu lernen, so gilt ihm unmittelbar der Befehl aus dem Mund des fleischgewordenen Gottes: jede Ambition nach Selbstverwirklichung und nach egoistisch motivierter, selbstzentrierter und selbstsüchtiger Bedürfnisbefriedigung aufzugeben und statt dessen den Weg des täglichen Sterbens auf sich zu nehmen, der Hingabe an Gott - Ihm zu folgen, wohin auch immer der Weg ihn führen mag; ja, selbst bis in den Märtyrertod.

Doch nicht um der Selbstverleugnung selbst willen sollen wir uns selbst verleugnen, sondern um dessentwillen, das weit über uns und unsere Selbstverleugnung hinausgeht: aus Liebe zu Christus und, wie wir aus Markus und Lukas wissen, aus Liebe zum Evangelium, dessen wir uns nicht schämen werden (Mk 8,38), wollen wir das größte Gebot halten: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst" (Lk 10,27, 5. Mo 6,5; 3. Mo 19,18). Kurz: weil wir es zutiefst und von innen heraus wollen; weil wir von Christus ergriffen sind (Phil 3,12).


25 Wer sich jedoch sein eigenes Wohlergehen an die erste Stelle setzt und sich deshalb aus Selbstschutz und, wie wir aus den synoptischen Evangelien lernen, falscher Scham nicht zu Christus und zu seinem Evangelium bekennt, um der Ablehnung oder dem Spott der Ungläubigen zu entgehen, denen das Evangelium ein Dorn im Auge und lächerlich ist (1Kor 1,23), den wird in gleicher Weise einst auch Christus vor Seinem Vater, im Angesicht der Engel Gottes, verleugnen (Mt 10,33, Lk 12,9) und er wird die Worte hören müssen: "den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern" (Mt 25,30) - er wird den zweiten Tod (Offb 21,8) sterben.

Wer jedoch bereit ist, sein persönliches Wohl dem Reiche Gottes unterzuordnen, und sich Christi und des Evangeliums Seiner Liebe nicht schämt, weil er Ihn liebt und mit Paulus weiß: "[das Evangelium] ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben" (Röm 1,16) weil: "wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet" (Röm 10,10), der mag zwar von dieser Welt verlacht, verspottet und verfolgt werden und vielleicht sogar sein irdisches Leben lassen; und wird doch eines Tages die Worte hören: "Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht ... geh hinein zu deines Herrn Freude!" (Mt 25,21.23) - und wird ewig leben.


26 Weil das so ist, dass Mut, Treue und Gehorsam aus Liebe zu Christus und Seinem Wort zum ewigen Leben führen, Selbstsucht, Feigheit und Ungehorsam aus Gleichgültigkeit oder gar Ablehnung gegenüber Christus und Seinem Wort jedoch zu ewiger Verdammnis, fragt Jesus rhetorisch nach, was es einem Geschöpf denn letztlich bringt, aus Eigennutz die ganze Welt in sein Eigentum gebracht zu haben, wenn er selbst daran zugrunde geht? Damit zeigt uns Christus klar, dass der Wert unserer Seele weit höher ist als der der ganzen Welt. Und so reicht die ganze Welt auch nicht aus, um uns freizukaufen von dem Schaden und der Schuld, die wir mit unserer Sünde an Gott und unseren Mitmenschen angerichtet haben. Allein das Blut Christi, des makellosen Sohnes Gottes selbst, war dazu in der Lage (Heb 9,14, Offb 5,9).

27 Um sicher zu gehen, dass wir den Ernst Seiner Worte auch wirklich verstanden haben, macht Jesus uns noch einmal unmissverständlich klar, dass der Tag Seiner Wiederkehr so sicher ist, wie das Amen in der Kirche und dass Er dann nicht, wie damals, in menschlicher Niedrigkeit und Schwachheit, sondern mit göttlicher Macht und mit der Herrlichkeit des allmächtigen Vaters selbst, nicht allein und verlassen, sondern mit Heerscharen von Engeln kommen wird, um einem jeden zu geben, was er aufgrund seiner Taten verdient hat: denen, die umkehrten und ihm im Glauben und in Liebe nachgefolgt sind: ewiges Leben - und denen, die ihn verachteten und lieber im Unglauben in ihren selbstsüchtigen Sünden verharrten: den zweiten Tod.

28 Und dass dieses kommende Gottesreich kein Hirngespinst ist, sondern eine faktische und empirisch erfahrbare Wirklichkeit, das bezeugt Jesus nachdrücklich als Wahrheit. Und Er prophezeit Seinen Jüngern, dass sie, mit Ausnahme von Judas, der sich erhängte (Mt 27,5), noch am Leben wären, wenn Er als der König Seines Reiches zu Ihnen käme. Und eben diese Tatsache, die in der Verklärung Jesu (Mt 17,2) schon vorgeschattet wurde, nimmt dann in der Vollmacht der Auferstehung (Joh 20,1-31), der Himmelfahrt (Apg 1,6-11) und im Pfingsten (Apg 2,1-47) volle Gestalt an: Christus, der Sohn Gottes, Er ist der Herr und der König des Gottesreiches.


Praktische Anwendung

1) Frage Dich eines: "Willst Du in egoistischer Selbstsucht nur für Dich selbst leben und daran für ewig sterben? Oder willst Du Dich Christus hingeben und ewig leben?"

2) Bedenke: Er ist der einzige Erlöser und der einzige Weg zum Vater (Joh 14,6) und "Im Namen Jesu Christi ... ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden" (Apg 4,12)

3) Und Er wird eines Tages Dein Richter sein. Und Du wirst entweder "als Lohn [Deiner Nachfolge] das Erbe empfangen" (Kol 3,24) oder Du wirst erfahren, warum es heisst: "Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (Hebr 10,31), weil "Gott selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont [hat], sondern hat sie mit Ketten der Finsternis in die Hölle gestoßen und übergeben, damit sie für das Gericht festgehalten werden" (2Petr 2,4).

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[Predigt als PPS | Predigt als MP3]

Sonntag, 5. Januar 2014

Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung (Mt 16:21-23)

Text

21 Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und am dritten Tage auferstehen. 22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn an und sprach:Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre dir nur nicht! 23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus:Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.


Kommentar

Zusammenfassung

Endlich klar als Messias bekannt, offenbart Jesus Sein kommendes Leiden durch die theologische Avantgarde Seiner Zeit und Seine Auferstehung von den Toten. Petrus, der Ihn, Christus, den Mensch gewordenen Gott, aus seelischen Regungen heraus von Seiner göttlichen Mission 'bewahren' will, weist Christus scharf zurecht.


Struktur

21 Jesus, erkannt als Messias, prophezeit Sein Leiden und Seinen Tod durch die religiöse Elite in Jerusalem und Seine Auferstehung am dritten Tage.

22 Petrus, menschlich auf's Äußerste besorgt um Jesu Wohlergehen, will ihn unter vier Augen mit aller Kraft vor Seinem vermeintlichen 'Schicksal' bewahren.

23 Christus, geistlich von der Motivation Petri abgestoßen, wendet sich von diesem ab und rügt ihn für sein widergöttliches Streben.


Inhalt
21 Von dem Tage an, an dem Simon Petrus öffentlich aussprach, was die Jünger in ihren Herzen glaubten, nämlich, dass Jesus der Christus sei, der Messias, der von Gott verheißene Retter, von diesem Tage an begann Jesus, Ihnen von Seinem Tode zu prophezeien. Nun war ihr Glaube stark genug für diese Wahrheit. Und doch war es aus weiteren Gründen notwendig, dass Christus sie ihnen offenbarte.

Zum Einen, um ihnen die Illusion zu nehmen, Seine Herrschaft in Herrlichkeit würde schon jetzt beginnen. Zum Zweiten, um sie auf Seinen -für die Jünger undenkbaren- Tod am Schandholz vorzubereiten und sie so gegen die Verzweiflung zu wappnen. Weiterhin, um ihnen die Augen dafür zu öffnen, dass die Ursache für Seinen Tod bei niemand anderm zu suchen sein würde, als bei den Kirchenräten, Erzbischöfen und Theologieprofessoren, die doch eigentlich Seine Herrschaft hätten stützen sollen.

Doch letztlich auch, um Ihnen Hoffnung zu geben. Ja, er würde nach Jerusalem gehen und er würde vieles leiden: von Verrat und unrechtem Urteil über Spott und Hohn, bis hin zu Verachtung, Misshandlung und der öffentlichen Schande eines Schwerverbrechertodes. Doch er würde, am Morgen des dritten Tages, von den Toten auferstehen und ihnen zurückgegeben werden. Das durften, sollten und mussten sie wissen.

22 Wohl aus Respekt um Seiner Reputation als Rabbi und Lehrer willen, nahm Petrus Jesus daraufhin beiseite, um Ihn, wie er meinte zu Recht, zu kritisieren: so tief besorgt um das irdische Wohl seines Herrn und Gebieters (Κυριος (Kyrios) = Herr, Meister) wünscht er Ihm nur eines: Gottes Schutz und Bewahrung vor einem so schrecklichen Ende. Und doch widerspricht er auf diese Weise der göttlichen Prophezeiung und mit ihr dem ewigen Plan unseres barmherzigen Schöpfers, dem allein unser aller Heil am Herzen liegt.

Es ist beinahe tragisch, mitanzusehen, wie selbst unsere besten menschlichen Motive, welche letzlich doch nur in Egoismus und Selbstschutz gegründet sind, zum Widerspiel des göttlichen Sinnens werden: Nicht sich selbst und Sein Wohl hatte unser geliebter Heiland im Blick, sondern allein uns und unser aller ewige Seeligkeit.

23 So groß ist die Kluft zwischen dem menschlichen Trachten Petri und dem Plan Gottes, zwischen irdischem, zeitlichem, körperlichem Wohl und himmlischem, ewigem, geistigem Heil, dass Christus, an Seiner empfindlichsten Stelle berührt, sich von Petrus weg wendet und ihn auf das allerschärfste zurechtweist. Denn in den Worten Petri liegt, wenn auch unbeabsichtigt und ungewollt, das höchste Ziel des Satans: die Mission Christi zu vereiteln und so die Erlösung der Menschen aus seiner Knechtschaft und somit das ewige, göttliche Ziel, unsere Verwandlung in Sein Bild, zu vereiteln.

Nur so ist zu erklären, dass Petrus, eben noch für das Zeugnis seines Glaubens selig gepriesen (Mt 16:17), von Christus als Widersacher (Σατανα (Satana) = Satan, Feind)  abgewiesen wird: unwissentlich war er in seiner Fleischlichkeit zum Werkzeug und Komplizen des Feindes Gottes und der Menschen geworden. Und in dieser Herzenshaltung, mit dem Ziel menschlichen, nicht göttlichen, Sinnens ist Petrus unserem Erlöser nichts als ein Stolperstein und ein Hindernis auf Seinem Weg zu unserer Errettung.


Praktische Anwendung
  • Erkenne und freue Dich über die Liebe Deines Erlösers, der Sich durch nichts davon abbringen ließ, für Dein ewiges Heil am Kreuz von Golgatha zu sterben.
  • Erkenne den Abgrund Deiner Selbstliebe und prüfe Dich anhand der Heiligen Schrift, wo Du vielleicht Gottes Heilsplan und Seinem Werk im Wege stehst?
  • "Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene." (Rö 12:2)

Sonntag, 22. September 2013

Joyce Meyer – Lehrerin oder Irrlehrerin?




Übersicht

Vorwort
  • Richten – oder unterscheiden?
  • Gelehrte – oder Gelehrige?
  • Lehrer – oder Irrlehrer?
Joyce Meyer – Ihr Leben
  • Persönliche Daten
  • Ihr Wirken - Inhalt & Ziel
Joyce Meyer – Ihre Botschaft
  • Glaube an den Glauben – oder Glauben an Gott?
  • Glauben als Mittel zum Zweck – oder Glauben zur Ehre Gottes?
  • Das Opfer Christi – Kreuz oder Hölle?
Fazit



Vorwort

Richten – oder unterscheiden?

Jesus lehrte klar, dass wir unsere Mitmenschen nicht verurteilen sollen: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Mt 7:1). Gleichzeitig machte er jedoch auch klar, dass wir sehr wohl in der Lage sein sollen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden: „Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht“ (Joh 7:24). Auch der Hebräerbrief weiß, dass „...die Vollkommenen,... geübte Sinne haben und Gutes und Böses unterscheiden können“ (Hebr 5:14).

Das bedeutet: Wir sollen als Christen mit offenen Augen durch die Welt gehen und – ohne jemanden zu Verurteilen und uns moralisch über ihn oder sie zu stellen – zwischen Gut und Böse unterscheiden: „Prüft aber alles und das Gute behaltet“ (1Thess 5:21). Denn es heißt nicht umsonst: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1Petr 5:8).


Gelehrte – oder Gelehrige?

Nun hört man in diesem Zusammenhang oft das Argument, dass wir als Christen ja alle den Heiligen Geist haben und es daher gar nicht mehr nötig ist, dass wir von anderen Menschen gelehrt oder in unserem Unterscheidungsvermögen geschult werden müssten.

Gerne werden dazu die Stellen aus (Joh 6:45, 1Kor 2:15-16) bemüht.

In diesem Stellen geht es jedoch, wenn man einmal den Kontext genauer betrachtet, gar nicht um eine allgemeine Aussage darüber, ob wir es nötig haben gelehrt zu werden (oder nicht). Vielmehr geht es bei dem „von Gott gelehrt sein“ in Joh 6:45 darum, dass nur solche Menschen Christus als den Messias erkennen können, denen Gott es durch den Heiligen Geist offenbart. Genauso redet 1Kor 2:15-16 vom „verborgenen Geheimnis Gottes“. Das Geheimnis Gottes aber ist Christus, den der natürliche Mensch nicht erkennt; wohl aber der Mensch, der den Geist Gottes hat, denn: „Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott“ (1Joh 4:2-3).Darum also geht es in diesen Stellen.

Das wir es als Christen jedoch nötig haben, gelehrt zu werden, steht an vielen Stellen der Heiligen Schrift – und zwar ganz ausdrücklich. Dazu hat Gott sogar eigens das Amt des Lehrers in der Gemeinde eingesetzt und uns dazu gesagt, dass wir die Lehrer ehren sollen: „Gott hat in der Gemeinde eingesetzt ... Lehrer...“ (1Kor 12:28). „Die ... halte man zwiefacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre“ (1Tim5:17).

Daher fordert Paulus seinen Schützling Timotheus auch nicht nur auf, persönlich die Gemeinde zu lehren: „Fahre fort mit ... Lehren, bis ich komme“ (1Tim 4:13), sondern er trägt ihm auch auf, die gesunde Lehre auch an andere Menschen weiter zu geben, die selbst die Fähigkeit besitzen, zu lehren: „was du von mir gehört hast ..., das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren“ (2Tim2:2). Doch nicht nur das, die Begabung zur Lehre wird sogar als besonderes Kennzeichen für einen Dieners Gottes angegeben: „Ein Knecht des Herrn aber soll ... sein ... im Lehren geschickt ...“ (2Tim 2:24).

Das bedeutet: offenbar haben wir es, trotz unserer Fähigkeit Jesus als den Christus zu erkennen, nicht nur nötig gelehrt zu werden, Gott hat sogar eigens das Amt des Lehrer dazu in seiner Kirche eingerichtet und möchte, dass wir solche Leute ehren.


Lehrer – oder Irrlehrer?

Die Frage ist nun natürlich: was ist ein Lehrer und was ist ein Irrlehrer?

Ein Lehrer im biblischen Sinne ist ein Mensch, der von Gott mit der Gabe ausgestattet wurde, andere Menschen zu unterrichten. Die Basis dazu ist immer die göttliche Offenbarung in der Heiligen Schrift: „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt“ (2Tim 3:16-17). Ein Lehrer wird also nur lehren, was in der Schrift steht oder mit ihr vereinbar ist.

Ein Irrlehrer oder "Häretiker" dagegen ist ein Mensch, der andere Menschen Dinge lehrt, die nicht in der Schrift stehen, oder von der Schrift in wesentlichen Punkten abweichen. Eine Irrlehre ist laut Wikipedia „eine Bezeichnung für eine Lehre, die im Widerspruch ... steht ...; Gegenbegriff ist die Orthodoxie (Rechtgläubigkeit).“[1]

Einen Lehrer von einem Irrlehrer zu unterscheiden kann also nur auf Basis der Heiligen Schrift gelingen: Wer lehrt, was sie lehrt, lehrt richtig. Wer etwas anderes lehrt, als sie lehrt, lehrt eine Irrlehre. Und oft, wie in diesem Falle, sind die Unterschiede zwischen der Irrlehre und der Heiligen Schrift so offensichtlich, dass selbst ein Laie sie erkennen kann.


Joyce Meyer – Ihr Leben

Persönliche Daten

Pauline Joyce Meyer, geborene Hutchison (geboren am 4. Juni 1943 in St. Louis, Missouri) ist eine US-amerikanische Autorin und Predigerin. Sie ist mit Dave Meyer verheiratet und lebt mit ihm und ihren vier Kindern in der Nähe von St. Louis, Missouri.

Mit über 100 veröffentlichten Büchern, die in über 100 Sprachen übersetzt und nach eigenen Angaben mehr als 23 Millionen Mal verkauft wurden, zählt Joyce Meyer laut Wikipedia zu den 25 einflussreichsten Predigern der "evangelikalen Szene" in den Vereinigten Staaten. In Deutschland werden ihre Vorträge im Fernsehen über Tele5, Bibel TV, Super RTL und rheinmaintv ausgestrahlt.[2] 

Joyce Meyer gibt auf ihrer Webseite an, folgenden Titel erhalten zu haben: Ph. D. in Theologie der Life Christian University (LCU) in Tampa, Florida. Die LCU ist allerdings keine anerkannte Vergabestelle für Doktortitel.


Ihr Wirken - Inhalt & Ziel

Die Botschaften von Joyce Meyer beinhalten oft Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben. Themen sind meist Strategien für ein glückliches und gottgesegnetes Leben, das Erlangen von spirituellem Erfolg, und die persönliche Krisenbewältigung. Im Anschluss an diese Predigten wird Werbung für Hilfsprojekte und Medien von Joyce Meyer gesendet.

Kritiker werfen Meyer vor, sie würde ein Wohlstandsevangelium predigen. Meyer verdiente 2002 und 2003 pro Jahr ungefähr 900.000 US-Dollar und ihr Ehemann bezog 450.000 US-Dollar. Nach Kritik wurde ihr Gehalt auf 250.000 US-Dollar gesenkt[3].


Joyce Meyer – Ihre Botschaft

Glaube an den Glauben – oder Glauben an Gott?

Joyce Meyer reiht sich mit ihren Aussagen über den Glauben ein in eine lange Reihe von ‚Wort des Glaubens‘ Predigern, wie Napoleon Hill, Kenneth Hagin, Benny Hinn, Kenneth Copeland, Joel Osteen, u.v.a.m.

Der Lehre von ‚Wort des Glaubens‘ zufolge, deren Lehre und Praxis ich über mehrere Jahre persönlich „genießen“ durfte, ist der Glaube eine Kraft, über die der Gläubige frei verfügt und die, wie die Bewegung eines Muskels, eher dem Willen des Menschen entspringt, als der Gnade Gottes. 

Demgegenüber steht die Aussage der Heiligen Schrift: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es“ (Eph 2:8). 


Glauben als Mittel zum Zweck – oder Glauben zur Ehre Gottes?

„Anders gesagt, ist der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlstand, Glauben an Deinen Glauben zu haben, statt Glauben an Deinen Gott zu haben. Meyer sagt «Glaube ist nicht nur so ein kleines ‚Naja, wissen Sie, ich glaube an Jesus.‘ Glaube ist eine Kraft die ihr Leben ändern und ihr Schicksal ändern wird.» [4]

Meyer präzisiert dies, indem sie sagt: «Worte sind Behälter für Macht. Sie tragen kreative oder zerstörerische Kraft, positive oder negative Kraft. Und daher sollten wir die richtigen Dinge über unser Leben aussprechen und über unsere Zukunft, wenn wir wollen, dass gute Dinge passieren. Denn was Du heute sagst, ist was Du wahrscheinlich morgen letztendlich haben wirst.» [5]

Meyer zufolge erzeugen die Worte die man spricht ... künftige Realitäten." [6]

Die Bibel lehrt jedoch an keiner Stelle, dass unsere Worte die Grundlage künftiger Realitäten sind, sondern vielmehr, dass der allmächtige und souveräne Gott selbst uns aus völlig freien Stücken Seine Verheißungen gegeben hat und dass Er, allein um Seiner Gnade und Treue willen, unsere Gebete erhört, um uns eine Freude zu machen: "denn er selbst, der Vater, hat euch lieb" (Joh 16:27). Und: "euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet" (Mt 6:8). Nur darum heißt es: "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan" (Mt 7:7) und "Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei" (Joh 16:24).

Auch dient das biblische Gebet zuerst dem Bau des Reiches und der Ehre Gottes und nicht primär dem eigenen Vergnügen oder Wohlergehen, sondern vielmehr der Ehre Gottes. Sonst wäre der arme Lazarus sicher kein gutes Beispiel gewesen und es würde auch nicht heißen: "Selig sind, die da Leid tragen..." (Mt 5:4) und auch nicht: "er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes ..., sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre" (Röm 4:20).

Erst recht dient der biblische Glaube nicht dem Zweck, dass wir unsere Wünsche durch ihn befriedigen, sonst würde es nicht heißen: "ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr's für eure Gelüste vergeuden könnt" (Jak 4:3).

Meyer jedoch predigt einen Glauben, der nicht primär die Ehre Gottes zum Ziel hat, sondern "die guten Dinge" in unserem Leben. Natürlich gibt es nichts einzuwenden gegen Gesundheit oder Wohlstand. Doch sie sind nicht das Kernstück oder Ziel unseres Glaubens. Und schon gar nicht sollten sie das Zentrum unserer Bestrebungen bilden. Denn wir wurden zu einem bestimmten Zweck geschaffen: Zur Ebenbildlichkeit Gottes und zu Seiner Ehre, denn es heißt: "Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn" (1Mo 1:27) und: "...die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen ... habe." (Jes 43:7).


Das Opfer Christi – Kreuz oder Hölle?

„In einer Publikation mit den Titel „Die Wichtigste Entscheidung, die sie jemals treffen werden“ verbreitet Meyer ein weiteres Kennzeichen der ‚Wort des Glaubens‘ Theologie – nämlich, dass Jesus nicht nur am Kreuz leiden musste, sondern dass er in der Hölle leiden musste, damit Du und ich wiedergeboren werden können.

Jesus «war drei tage im Grab. Während dieser Zeit betrat er die Hölle, in die Du und ich wegen unserer Sünde (rechtmäßig) verdient hätten zu gehen. Er bezahlte den Preis dort.», so Meyer [7]. Nach drei Tagen der Qual, fährt Meyer fort «stand Gott von Seinem Thron auf und sagte zu den dämonischen Kräften, die den sündlosen Sohn Gottes quälten, „Lasst ihn gehen.“ Dann ging die Auferstehungskraft des Allmächtigen Gottes durch die Hölle und erfüllte Jesus. Auf der Erde, füllte sich Sein Grab, die Gruft in der sie ihn begraben hatten, mit Licht, als die Kraft Gottes Seinen Körper erfüllte, und Er wurde von den Toten zu neuem Leben erweckt – der erste wiedergeborene Mensch.» [8]

In krassem Gegensatz zu Meyers Behauptung, sagt die Bibel an keiner Stelle, dass Jesus Christus wiedergeboren wurde. Vielmehr bezieht sich das biblische Konzept der Wiedergeburt (Joh 3:3) allein auf die sündige Menschheit. ... Jesus hatte es nicht nötig, in der Hölle wiedergeboren zu werden, denn Jesus ist und war immer der ewige Sohn Gottes.

So scharf ist Meyer in ihrer Behauptung, dass Jesus in der Hölle litt und von neuem geboren wurde, dass sie in nachfolgenden Ausgaben ihrer Erstpublikation, ständig die Auffassung wiederholt, dass wir, unabhängig vom Glauben, dass Jesus in der Hölle litt, absolut keine Hoffnung haben, in den Himmel zu kommen. «Es gibt keine Hoffnung, dass irgendjemand in den Himmel kommt, es sei denn, dass er diese Wahrheit glaubt, die ich präsentiere. Sie können nicht in den Himmel kommen, es sei denn, sie glauben mit ihrem ganzen Herzen, dass Jesus ihren Platz in der Hölle einnahm.»" [9]

Im krassen Gegensatz dazu schrie Jesus am Kreuz, also bereits vor seinem Tod den alles umfassenden Satz der Erlösung: "«Es ist vollbracht!»" (Joh 19:30). Weiterhin lehrt die Heilige Schrift klar und deutlich, dass das Werk Christi nicht in der Hölle vollbracht wurde, sondern eben genau dort – am Kreuz: "Denn es hat Gott wohlgefallen, dass ... er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz" (Kol 1:19-20).


Fazit

Diese wenigen Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, dass Joyce Meyer, wie ihre ‚Wort des Glaubens‘ Kollegen (Napoleon Hill, Kenneth Hagin, Benny Hinn, Kenneth Copeland, Joel Osteen, u.v.a.m.) ein anderes Evangelium predigen, als das biblische. Über solche Menschen heißt es in der Heiligen Schrift: "Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht." (Gal 1,8). Und: "„Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.“" (Offb22:18-29).


"Der Geist aber sagt deutlich,
dass in den letzten Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden
und verführerischen Geistern und teuflischen Lehren anhängen..."

(
1Tim 4:1)

Wer eine detaillierte Betrachtung des Themas und zu den Irrlehren weiterer 'Wort des Glaubens' Prediger sucht, dem empfehle ich herzlich das ausnehmend sehr gut recherchierte Werk von Hank Hanegraaff "Christianity in Crisis, The 21st Century" [ISBN 13: 978-0849900068].

Siehe auch: http://bibelkreis-muenchen.de/?p=226



[3] ebd.

[4] Meyer, Joyce, Interrupting Satan’s Plan - Releasing the Supernatural Power of God Through Prayer (Kassette 3 der Serie mit dem Titel “Gewalttätige Christen in einer gewalttätigen Gesellschaft”, aufgenommen in San Jose, Kalifornien, 19. Juli 2001)

[5] „ Meyer, Joyce. Eight Ways to Keep the Devil Under Your Feet “. (Seite 87-88)

[6] Hanegraaff, Hank. ChristianityIn Crisis: The 21st Century. First. Thomas Nelson, 2009., Seite 41 (Übersetzung durch den Autor)

[7] Meyer, Joyce. The Most Important Decision You’ll Ever Make A Complete and Thorough Understanding of What it Means to be Born Again, (Seite 41). 

[8] ebd. (Seite 42).

[9] Hanegraaff, Hank. ChristianityIn Crisis: The 21st Century. First. Thomas Nelson, 2009., Seite 42 (Übersetzung durch den Autor)