Text
24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der
verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
25
Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein
Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.
26 Was hülfe es dem
Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an
seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele
auslöse?
27 Denn es wird geschehen, daß der Menschensohn kommt in der
Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem
jeden vergelten nach seinem Tun.
28 Wahrlich, ich sage euch: Es stehen
einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den
Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.
Kommentar
Zusammenfassung
Direkt im Anschluss an das Glaubensbekenntnis Petri und an die
Prophezeiung Seines Leidens, erläutert Jesus, der Messias, Seinen
Schülern, was Nachfolge wirklich bedeutet: das Ablegen der Selbstsucht
und das Anziehen liebenden Gehorsams gegenüber Christus und Seinem
Evangelium. Wer aus Feigheit vor dem Spott und aus egoistischer
Selbstsucht seine eigenen Ziele verfolgt, wird sterben; wer aber sein
Leben aus Liebe zu Christus und Seinem Evangelium hingibt, wird ewig
leben. Denn unsere Seele ist wertvoller als die ganze Welt. Und die
ganze Welt reicht nicht aus zur Begleichung unserer Sündenschuld vor
Gott. Christus wird einmal in Macht und Herrlichkeit kommen, um uns nach
unseren Werken zu richten; den Beginn dieses Reiches erlebten die
meisten Jünger noch zu ihrer Lebenszeit.
Struktur
24 Als
Messias erkannt und innerlich bereits auf dem Weg zu Seiner Kreuzigung
fordert Jesus Seine Jünger auf, ihm in freiwilliger Selbstverleugnung zu
folgen.
25 Und Er macht klar, dass die Hingabe an Ihn und Sein
Evangelium der einzige Weg zum ewigen Leben ist, denn der Egoismus und
die Selbstsucht führen allein in den Tod.
26 Beinahe rhetorisch
fragt Er sodann nach, was denn den Menschen ihr Eigennutz bringe, wenn
sie daran zugrunde gehen. Auch zeigt Er uns klar, dass der Wert unserer
Seele höher ist als der der ganzen Welt. Und dass daher selbst die Welt
nicht reicht, um uns freizukaufen von unserer Sünde.
27 Zudem
macht Jesus unmissverständlich klar, dass Er eines Tages mit Vollmacht
als unser Richter erscheinen wird, um unsere Taten zu beurteilen.
28 Dass der Ernst Seiner Mahnungen ein festes Fundament hat, bekräftigt
Christus durch die Prophezeiung Seines kommenden Reiches, dessen erste
Anfänge die Jünger noch zu ihren Lebzeiten miterleben würden.
Inhalt
24 Jesus, der hier spricht, ist eben der Jesus, den Petrus in seinem
Bekenntnis als den Messias erkannt und anerkannt hat. Eben derselbe
Jesus, der gerade eben von Seinem Tod durch die religiöse Elite in
Jerusalem gesprochen hat. Dieser Jesus, der sich im Innersten Seines
Herzens bereits auf den Weg ans Kreuz gemacht hatte, ist es, der Seinen
Schülern nun erklärt, was wahre Nachfolge wirklich bedeutet:
Wenn
im Herzen eines Menschen, sei es, wer es wolle, der Wunsch erwacht,
Jesus Christus als Seinem Herrn, Heiland und Lehrer und zu folgen, in
Seiner Gegenwart zu bleiben und von ihm zu lernen, so gilt ihm
unmittelbar der Befehl aus dem Mund des fleischgewordenen Gottes: jede
Ambition nach Selbstverwirklichung und nach egoistisch motivierter,
selbstzentrierter und selbstsüchtiger Bedürfnisbefriedigung aufzugeben
und statt dessen den Weg des täglichen Sterbens auf sich zu nehmen, der
Hingabe an Gott - Ihm zu folgen, wohin auch immer der Weg ihn führen
mag; ja, selbst bis in den Märtyrertod.
Doch nicht um der
Selbstverleugnung selbst willen sollen wir uns selbst verleugnen,
sondern um dessentwillen, das weit über uns und unsere Selbstverleugnung
hinausgeht: aus Liebe zu Christus und, wie wir aus Markus und Lukas
wissen, aus Liebe zum Evangelium, dessen wir uns nicht schämen werden
(
Mk 8,38), wollen wir das größte Gebot halten:
"Du sollst den Herrn,
deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen
Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst" (
Lk 10,27,
5. Mo 6,5;
3. Mo 19,18). Kurz: weil wir es zutiefst und von innen
heraus wollen; weil wir von Christus ergriffen sind (
Phil 3,12).
25 Wer sich jedoch sein eigenes Wohlergehen an die erste Stelle setzt
und sich deshalb aus Selbstschutz und, wie wir aus den synoptischen
Evangelien lernen, falscher Scham nicht zu Christus und zu seinem
Evangelium bekennt, um der Ablehnung oder dem Spott der Ungläubigen zu
entgehen, denen das Evangelium ein Dorn im Auge und lächerlich ist (
1Kor 1,23), den wird in gleicher Weise einst auch Christus vor Seinem Vater,
im Angesicht der Engel Gottes, verleugnen (
Mt 10,33,
Lk 12,9) und er
wird die Worte hören müssen:
"den unnützen Knecht werft in die
Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern" (
Mt 25,30) -
er wird den zweiten Tod (
Offb 21,8) sterben.
Wer jedoch bereit
ist, sein persönliches Wohl dem Reiche Gottes unterzuordnen, und sich
Christi und des Evangeliums Seiner Liebe nicht schämt, weil er Ihn liebt
und mit Paulus weiß:
"[das Evangelium] ist eine Kraft Gottes, die selig
macht alle, die daran glauben" (
Röm 1,16) weil:
"wenn man von Herzen
glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird
man gerettet" (
Röm 10,10), der mag zwar von dieser Welt verlacht,
verspottet und verfolgt werden und vielleicht sogar sein irdisches Leben
lassen; und wird doch eines Tages die Worte hören:
"Recht so, du
tüchtiger und treuer Knecht ... geh hinein zu deines Herrn Freude!" (
Mt 25,21.23) - und wird ewig leben.
26 Weil das so ist, dass Mut,
Treue und Gehorsam aus Liebe zu Christus und Seinem Wort zum ewigen
Leben führen, Selbstsucht, Feigheit und Ungehorsam aus Gleichgültigkeit
oder gar Ablehnung gegenüber Christus und Seinem Wort jedoch zu ewiger
Verdammnis, fragt Jesus rhetorisch nach, was es einem Geschöpf denn
letztlich bringt, aus Eigennutz die ganze Welt in sein Eigentum gebracht
zu haben, wenn er selbst daran zugrunde geht? Damit zeigt uns Christus
klar, dass der Wert unserer Seele weit höher ist als der der ganzen
Welt. Und so reicht die ganze Welt auch nicht aus, um uns freizukaufen
von dem Schaden und der Schuld, die wir mit unserer Sünde an Gott und
unseren Mitmenschen angerichtet haben. Allein das Blut Christi, des
makellosen Sohnes Gottes selbst, war dazu in der Lage (
Heb 9,14,
Offb 5,9).
27 Um sicher zu gehen, dass wir den Ernst Seiner Worte auch
wirklich verstanden haben, macht Jesus uns noch einmal
unmissverständlich klar, dass der Tag Seiner Wiederkehr so sicher ist,
wie das Amen in der Kirche und dass Er dann nicht, wie damals, in
menschlicher Niedrigkeit und Schwachheit, sondern mit göttlicher Macht
und mit der Herrlichkeit des allmächtigen Vaters selbst, nicht allein
und verlassen, sondern mit Heerscharen von Engeln kommen wird, um einem
jeden zu geben, was er aufgrund seiner Taten verdient hat: denen, die
umkehrten und ihm im Glauben und in Liebe nachgefolgt sind: ewiges Leben
- und denen, die ihn verachteten und lieber im Unglauben in ihren
selbstsüchtigen Sünden verharrten: den zweiten Tod.
28 Und dass
dieses kommende Gottesreich kein Hirngespinst ist, sondern eine
faktische und empirisch erfahrbare Wirklichkeit, das bezeugt Jesus
nachdrücklich als Wahrheit. Und Er prophezeit Seinen Jüngern, dass sie,
mit Ausnahme von Judas, der sich erhängte (
Mt 27,5), noch am Leben
wären, wenn Er als der König Seines Reiches zu Ihnen käme. Und eben
diese Tatsache, die in der Verklärung Jesu (
Mt 17,2) schon vorgeschattet
wurde, nimmt dann in der Vollmacht der Auferstehung (
Joh 20,1-31), der
Himmelfahrt (
Apg 1,6-11) und im Pfingsten (
Apg 2,1-47) volle Gestalt an:
Christus, der Sohn Gottes, Er ist der Herr und der König des
Gottesreiches.
Praktische Anwendung
1) Frage Dich eines:
"Willst Du in egoistischer Selbstsucht nur für Dich selbst leben und
daran für ewig sterben? Oder willst Du Dich Christus hingeben und ewig
leben?"
2) Bedenke: Er ist der einzige Erlöser und der einzige
Weg zum Vater (
Joh 14,6) und
"Im Namen Jesu Christi ... ist das Heil,
auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch
den wir sollen selig werden" (
Apg 4,12)
3) Und Er wird eines
Tages Dein Richter sein. Und Du wirst entweder
"als Lohn [Deiner
Nachfolge] das Erbe empfangen" (
Kol 3,24) oder Du wirst erfahren, warum
es heisst: "
Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (
Hebr 10,31), weil
"Gott selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht
verschont [hat], sondern hat sie mit Ketten der Finsternis in die Hölle
gestoßen und übergeben, damit sie für das Gericht festgehalten werden"
(
2Petr 2,4).
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