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Samstag, 6. August 2022

Ohne Gebet ist alles Nichts - 1. Das Geheimnis vom geistlichen Sieg (Apostelgeschichte 16,22-34)


[Predigt als Video] | [Predigt als MP3]

Mit ist jede Predigt ein Herzensanliegen. Ich bereite mich auf jede Predigt anständig vor. Aber die heute, die ist mir ein ganz besonderes Herzensanliegen. Weil: ich weiß nicht, wann das angefangen hat, aber ich gehe seit Jahrzehnten in einen Gebetskreis... Und ich weiß nicht, wie ich das rüberbringen kann heute... Ich hoffe, es gelingt! Aber Gebet ist, denke ich, eine der ganz zentralen Tätigkeiten im christlichen Leben. Und es ist mir wirklich ein Herzensanliegen.

Ich denke mal, Gebet ist so wie die Einspritzpumpe in einem Auto, wenn der Heilige Geist das Benzin ist. Ja? Also keiner möchte seine 1,6 Tonnen schieben. Und ohne Benzin geht nichts. Ohne den Heiligen Geist geht nichts. Aber auch der Heilige Geist reagiert auf unser Gebet. Gott reagiert auf unser Gebet und ich denke, dass es ein Geheimnis gibt, was geistlichen Sieg angeht. Und das hat was mit Gebet zu tun. Und ich fand es auch so schön, Ruth, was du gesagt hast: Die Zeit, die dir am besten gefallen hat, war die Zeit von Anbetung und Lobpreis und Gebet. Und es ist wirklich so, dass da ein Geheimnis drin liegt. Und da möchte ich heute ein bisschen was zu sagen, bevor ich in den Text reingehe.


Was bisher geschah

Ganz kurz, wie in jeder guten Fernsehserie, da kriegt man ja immer mit, was bisher geschah. Also bevor unser Text passiert ist, sozusagen, ist der Paulus unterwegs gewesen auf Missionsreise. Die Purpurhändlerin Lydia ist zum Glauben gekommen. Dann hat er noch eine Dienstmagd, von dem bösen Wahrsagegeist befreit. Man hätte sagen können, eigentlich lief alles prächtig. Aber dann auch ähnlich wie bei euch: gerade dann, wenn es prächtig läuft, dann kommen die Anfechtungen. Und da haben jetzt die Chefs dieser Dienstmagd, die haben mit diesem Wahrsagegeist, den der Paulus da ausgetrieben hat, fleißig Geld verdient. Sozusagen: hier die Wahrsagerin mit der Kugel und dem ganzen Cash, den haben die sich da eingesackt. Und als der Wahrsagegeist raus war, gab es halt kein Cash mehr, und da waren die jetzt nicht so amüsiert. Und dann haben die Paulus und Silas vors Gericht geschleppt, haben einen Meineid geschworen und haben behauptet, sie würden das Volk gegen die Obrigkeit aufwiegeln und haben dann dafür gesorgt, dass die beiden ins Gefängnis kommen.


Unser heutiger Text

Und den Text, den lesen wir uns jetzt mal durch, der steht in der Apostelgeschichte, Kapitel 16 und ich habe jetzt mal ab Vers 22 genommen, weil da geht es ja schon los mit dem Unschönen. Da steht jetzt: "Die Stadtoberen ließen Paulus und Silas die Kleider vom Leib reißen und gaben Befehl, sie mit Stöcken zu prügeln. Nachdem man ihnen viele Schläge verabreicht hatte, brachte man sie ins Gefängnis. Dem Gefängniswärter wurde eingeschärft, sie sicher zu verwahren. Er sperrte sie darauf in die hinterste Zelle und schloss ihre Füße in den Block. Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und priesen Gott in Lobgesang. Die anderen Gefangenen hörten zu. Da gab es plötzlich ein gewaltiges Erdbeben. Die Mauern des Gefängnisses schwankten, alle Türen sprangen auf und die Ketten fielen von den Gefangenen ab. Der Gefängniswärter fuhr aus dem Schlaf. Als er die Türen offen stehen sah, zog er sein Schwert und wollte sich töten, denn er dachte, die Gefangenen seien geflohen. Aber Paulus rief so laut er konnte Tu dir nichts an, wir sind alle noch hier. Der Wärter rief nach Licht, stürzte in die Zelle und warf sich zitternd vor Paulus und Silas nieder. Dann führte er sie hinaus und fragte Ihr Herren, Götter oder Boten der Götter, was muss ich tun, um gerettet zu werden? Sie antworteten Jesus ist der Herr. Erkenne ihn als Herrn an und setze dein Vertrauen auf ihn, dann wirst du gerettet und die deinen mit dir. Und sie verkündeten ihm und allen in seinem Haus die Botschaft Gottes. Der Gefängniswärter nahm Paulus und Silas noch in derselben Nachtstunde mit sich und wusch ihre Wunden. Dann ließ er sich mit seiner ganzen Hausgemeinschaft, seiner Familie und seinen Leuten taufen. Anschließend führte er die beiden hinauf ins Haus und lud sie zu Tisch. Er und all die Seinen waren überglücklich, dass sie zum Glauben an Gott gefunden hatten."


"Sind die bescheuert?"

Ja. Erst lief es so gut und dann: öffentlich entkleidet. Hart geschlagen mit Stöcken. Ins innerste Gefängnis gelegt, die Füße im Block. Wie kann man so eine Situation beschreiben? Mir sind dazu die Wörter eingefallen: Hoffnungslos. Trostlos. Friedlos. Und freudlos. Hilflos. Und dann lesen wir, nachdem denen das alles passiert ist, die sitzen im hintersten Knast. Und ich sage mal, damals waren die Gefängnisse jetzt nicht so wirklich gemütlich. Füße im Block. Hart geschlagen. Keiner versorgt die Wunden. Die liegen also sozusagen mit den offenen Wunden mitten im Dreck. Und dann singen die Lobpreis Lieder.

Da könnte man doch jetzt fragen (das ist mir so in der Vorbereitung gekommen): "Sind die bescheuert?" Mitten in der Nacht! Ich habe mir gedacht, also wahrscheinlich waren die noch wegen ihren Schmerzen wach. Ja. Aber ich denke, die waren nicht bescheuert, sondern sie kennen ein Geheimnis, eine geistliche Wahrheit. Und die möchte ich euch jetzt mit ein paar anderen Versen aus der Schrift nahebringen und dann ein bisschen erklären. In Matthäus 7, Vers 7 lesen wir "Bittet, so wird euch gegeben. Denn wer da bittet, der empfängt." Das heißt, eine Wahrheit ist, dass es Verheißungen gibt, auf die wir uns stellen können. Wo Gott uns verspricht: Wenn wir X tun, macht er Y. Wenn wir bitten, werden wir empfangen. Und das zweite steht im Psalm 50 ganz am Ende; Vers 23: "Wer Dank opfert, der preist mich. Und da ist der Weg, dass ich ihm zeige, dass Heil Gottes." Auf Deutsch. Was dort steht, ist auch eine Verheißung. Da steht: Wenn du mir dankst, wenn du mich preist, dann ist das der Anfang von einem Weg, wo ich dir zeige, wo du das Heil finden kannst. Das heißt, ich denke, das große Geheimnis, um das es hier geht, ist Verheißungsorientiert und dankbar, gottzentriert zu beten und zu loben. Weil damit der Fokus eben nicht auf der eigenen Situation bleibt, sondern weggeht. Auf Gott. Auf sein Wesen. Weg von unserer Unfähigkeit an irgendeiner Situation.

Was hätten der Paulus und Silas machen sollen? Die hatten Füße im Block, die kamen da nicht mehr raus. Da war nichts zu holen. Aber was für uns unmöglich ist, das ist für Gott überhaupt kein Problem. Das heißt, sie haben weggeschaut von ihrer Situation hin auf den, der alles kann, hin auf den, von dem es heißt, dass er so gerne hilft. Sie haben hingeschaut auf den, der für uns ans Kreuz gegangen ist. Jesus Christus.

Ich kann das Thema Gebet hier mitnichten in einer Predigt oder in zehn Predigten erschöpfend behandeln. Der Markus hat schon mal von einem Buch gesprochen. Das habe ich schon vor X Jahrzehnten gekauft und gelesen. Das kann ich jedem nur das beste Buch, was ich jemals zum Thema Gebet gelesen habe: Ole Hallesby, "Vom Beten". Ganz kleines Taschenbuch. Kauft euch das Buch! Wenn es euch nicht gefällt, bezahle ich euch das Geld zurück. Aber kauft das Buch.


Da wackelt die Wand!

Ja, und jetzt ist die Frage, was passiert? Die sitzen jetzt da immer noch im Knast. Immer noch die Füße im Block, immer noch offene Wunden mitten im Dreck. Aber sie loben Gott. Sie danken ihm, weil sie das wissen. Er ist allmächtig. Er hilft gern. Wer bittet, der empfängt. Und was passiert dann? Wir lesen von einem großen Erdbeben. Davon, dass die Grundmauern erschüttert werden. Davon, dass alle Türen aufgehen und alle Ketten abfallen. Das heißt, die komplette Situation ist auf einmal verändert. Das heißt was Lob und Dank und Gebet bewirken können. Das ist einfach krass. Und ich denke, dieses Geheimnis, wie unsere Sorgen und Nöte gelöst werden, liegt eben genau da im Gebet, das heißt im Bitten und im Lobpreis.

Das ist eben dieser Geist der Dankbarkeit. Noch eine Stelle aus dem Sacharja 4, Vers 6. Dort steht glasklar drin "Es soll nicht durch Heer oder durch Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen. Spricht der Herr der Heerscharen." Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen. Und dieser Herr der Heerscharen? Dieser Gott ist unser Jesus, der Allmächtige.


Ein Zeugnis zum Thema Lob, Dank und Gebet

Ich möchte ganz kurz ein Zeugnis geben zum Thema Lob, Dank und Gebet. Das ist eine der krassesten. Ich habe mehrfach solche Sachen erlebt, aber das ist sicherlich die krasseste. Ganz kurz nur: Ich bin mit dem Helmut Hilliges, da war ich 33, also ist es ungefähr 27 Jahre her, mit dem Motorrad nach Portugal in Urlaub gefahren und dann haben wir in Saintes-Maries-de-la-Mer Zwischenstopp gemacht, übernachtet, weil das ist ja eine lange Reise, 2.500 Kilometer. Und auf dem Motorrad zählt jeder Kilometer doppelt, was die Anstrengung angeht.

Und ich hatte damals ein Bremsenschloss. Das macht man vorne auf die Scheibenbremse drauf und dann kann man das Rad nicht mehr bewegen. Also nächsten Morgen wachen wir auf und ich war natürlich jung und dumm, habe auch vergessen, dass ich dieses Kettenschloss da drauf hatte. Setz mich drauf und wollte einen ganz besonders coolen Start hinlegen. Zündschlüssel rein, Maschine angemacht, die stand auf dem Ständer und wenn man sich dann nach hinten bewegt und richtig Gas gibt und den ersten Gang rein macht, dann springt die von dem Hauptständer. Der klappt dann automatisch ein. Wenn's klappt, schaut es cool aus. Wenn man vorne im Bremsen Schloss drin hat, gibt es ein Problem. Das heißt, ich habe einen Satz gemacht von zwei Metern und dann lag ich schon auf der Schnauze, weil das Bremsenschloss ist natürlich nicht abgegangen. Das ist ein Riesen Stahlprügel, der da vorne drin sitzt und hat mir die komplette vordere Bremse abgerissen.

So, jetzt waren wir in Frankreich und zwar in Saintes-Maries-de-la-Mer. Der Urlaub hatte gerade erst begonnen. Und ich konnte nicht mehr fahren; konnte vorne nicht mehr bremsen. Und dann meinte der Helmut: "Schaffst du es noch bis zur Werkstatt?" Sag ich: "Müssen wir gucken." Bremsenschloss abgebaut: Ja, rollen tut es noch. Verzogen ist es auch nicht. Wir also zur Werkstatt.

Lange Rede, kurzer Sinn: In der Werkstatt gab es keine Ersatzteile. Dann haben wir ihm gesagt, er soll bitte in den umliegenden Werkstätten rum schauen. Da gab es auch keine Ersatzteile. Da haben wir gesagt er soll beim Zentralhandel nachfragen. Der sagt "ja", der kann was bestellen. Dann wird es zum Zentralhandel geschickt. Der schickt es dann zu uns. Ich sage Wie lange dauert das? Acht Tage. So, da saßen wir wie Paulus und Silas im Knast. Hoffnungslose Situation. Der Urlaub war gelaufen. Weil du brauchst nach Portugal runter locker zweieinhalb Tage. Und zurück noch mal zweieinhalb. Plus acht. Wir hatten 14 Tage Urlaub. Den Rest könnt ihr euch ausrechnen.

Das wäre jetzt nicht mehr wirklich was geworden. Und damals hatte ich mich zum Ersten Mal mit diesem Thema Lob und Dank beschäftigt und habe im Helmut drüber geredet. Der hat gesagt: "Ja, das machen wir jetzt. Wir danken jetzt für die Situation, auch wenn wir nicht verstehen, wozu die gut sein soll. Aber möge Gott sich verherrlichen." Da hab ich gedacht: "Na ja, das fängt ja...". Ich war ja jung im Glauben. Ich habe gedacht, "Jetzt sind die bescheuert." Aber ich sagte "Okay, machen wir."

Dann haben wir gebetet und haben Gott dafür gedankt, dass wir jetzt in dieser Situation stecken, auch wenn wir die Situation nicht verstehen. Ich schwör's euch, ihr Lieben, das hat keine fünf Minuten gedauert, fährt einer auf den Hof von diesem Motorradhändler, stellt sich auch an den Tresen, und fängt an zu erklären, was er da gerne hätte. Kriegt mit: "Parlez allemand?". "Sprechen Sie deutsch?" "Gut. Was ist Ihre Problème?" Haben wir das erklärt: Bremse kaputt. "Oh!" sagt er, "Ich fahr' so eine Maschine für Rennen. Kann ich nach Hause fahren, baue ich meine Bremse aus, bringe ich und kaufe ich dann deine Bremse nach acht Tage, die du gekauft hast?" 

Und dann ist der losmarschiert, hat bei seinem Moped... - er hat exakt die gleiche Maschine gefahren - ... baut also die Bremse aus, und bringt die. Wir bauen die ein. Nach zwei Stunden waren wir wieder fertig.

So, jetzt kommt ihr. So Lob und Dank und Gebet!


Panik und Selbstmordgedanken

Das hat mich tief beeindruckt. Und ich habe dann öfter mal Situationen gehabt, wo ich dann gesagt habe Ich verstehe es nicht. Ich finde es auch wirklich nicht lustig, das sage ich Gott dann schon auch. Und ja, weil es manchmal einfach so ist: manchmal schätzen wir eine Situation komplett falsch ein, so wie der Kerkermeister. Ja, der Kerkermeister sieht die Türen offen, denkt alle sind weg. Der hätte ja sowieso mit seinem Leben dafür bezahlt, hat er gedacht. Bevor die mich umbringen, bring ich mich lieber selber um. Und auf solche dummen Gedanken kann man kommen, wenn man entweder wie Paulus und Silas im Knast liegt, mit den Füßen im Block oder wie der Kerkermeister, wenn er alle Türen offen sieht. Oder ich, wenn ich mir denk "Bremse ab. Feierabend!" Ja, solche Gedanken dummen Gedanken können einem kommen, wenn man den Fokus auf den Problemen lässt. Statt auf Gott.


Das Evangelium

Aber Gott sei Dank hat Paulus ja dann den Kerkermeister davon abgehalten, sich selber umzubringen und sich in Schwert zu stürzen. Und dann kommt für mich der Hammer in dieser Geschichte. Die beiden sind nicht nur frei, sondern der Kerkermeister, der kommt ja an, der bettelt ja darum, dass man ihm das Evangelium erzählt. Muss man sich mal geben! Jochen! Das passiert jetzt nicht jeden Tag, dass einer kommt und sagt "Bitte schön, was muss ich tun, um gerettet zu werden?" Da muss man manchmal jahrelang beten, dass einer so weit ist, dass er so einen Satz von sich gibt, wenn überhaupt. Und das heißt, der Paulus und Silas können jetzt nicht nur frei sein, sondern sie können ihm und seiner ganzen Familie samt seinen Haushaltshilfen das Evangelium weitersagen. Und am Ende vom Lied, am Ende von dieser Story, sitzen alle happy beim Frühstück. Oder wie wir in der Vorbereitung gesagt haben Es ist Party. 


Das Geheimnis

Meine Stiefmutter hätte jetzt gefragt. "Und? Was hat uns das gelernt?" Ja, ich würde sagen, schauen wir uns dazu noch mal Anfang und Ende an. Am Anfang haben wir einen Paulus und einen Silas. Die sind öffentlich beschämt, schmerzerfüllt, in einer ausweglosen Situation. Und am Ende ist Party. Alle sitzen mit Freude beim Frühstück, weil eine ganze Familie zum Glauben gekommen ist. Und mal ganz ehrlich, wer hätte das in so einer Situation erwartet, dass das der Ausgang ist? Und was hat diesen krassen Unterschied bewirkt? Gott natürlich, seine Hilfe. Aber wie ist die gekommen? Paulus und Silas haben nicht auf das Problem geschaut, sondern auf Gottes Wesen und seine Möglichkeiten. Das heißt, Paulus und Silas kannten das Geheimnis vom geistlichen Sieg. Nämlich dieses Wissen darum, wie viel Unerwartetes geschehen kann, wenn wir in einer völlig prekären Situation beten und loben. So bescheuert, wie das klingt: Beten und loben. Es gibt noch irgendeine andere Stelle im Neuen Testament, wo Paulus, glaube ich, auch sagt Bringt eure Anliegen mit Dank und Lob zu Gott. Also nicht nur beten! Weil beim Beten sagt man ganz oft "Aber bitte!" und dann guckt man auf das Problem. Sondern weggucken! Gott ist kein Ding unmöglich!

Und da gibt es noch eine ganz tolle Stelle. Ich glaube, das war bei der Taufe von Semina, wenn ich mich richtig erinnere. "Er ruft mich an, darum will ich ihn hören." Das heißt, wenn ihr mal auf die Vorderseite von eurer Karte guckt, dann steht da dieser Spruch vom Johannes Hartl: "Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts." Dieses Gebet, dieses Lob, das ist das, was den Unterschied macht, auf das hin Gott handelt.


Gutes für Dein Herz

Ich möchte Dich zum Schluss etwas fragen, und zwar, ob du dieses Geheimnis auch gerne lüften würdest. Weil, wenn ja, dann würde ich dich bitten: Such dir in den nächsten Tagen einen vertrauten Menschen, mit dem du offen reden kannst und sprich mit ihm über die Rückseite von deiner Karte. Und überlegt mal, was kommt Dir dazu in den Sinn?

All diese Anliegen, die da draufstehen, die haben ja zentral mit der Vision unserer Gemeinde zu tun. Ihr kennt unseren Slogan "Gott begegnen. Bewegt werden. Leben teilen." All diese Anliegen... Jeder hat jetzt ein eigenes.

Übrigens hier hinten gibt es auch noch mehr. Wenn ihr euer Anliegen durchgebetet habt, könnt ihr es gerne wieder da reinschmeißen und euch ein neues ziehen. Das werden wir, glaube ich, da hinten irgendwo aufstellen. Aber ich denke, dass das ein Anreiz sein kann, erst mal über diese Anliegen... Aber auch über diese Anliegen hinaus sich mal inspirieren zu lassen: Was sagt mir dieses Anliegen auch für mein Leben... 

Wir haben alle, Leute, wir haben alle was zu tragen im Leben. Und vielleicht hat Gott es ja genau so geführt, dass du diese Karte hast, wo du sagst: "Die, die sagt mir was, das hat auch was mit meinem Leben zu tun!" Und dann könntet ihr euch austauschen und könntet über diese Dinge ins Gebet kommen. Ins Lob kommen. Und wegschauen von diesen Problemen, weg von der Hilflosigkeit hin auf Gott, auf seine Güte und seine Möglichkeiten. Und dann Gott um das zu bitten, was du brauchst.

Und Gott auch um das zu bitten, was wir als Gemeinde brauchen. Weil das kommt auch nicht von automatisch irgendwie her. Wenn wir das wirklich erleben wollen, ihr Lieben, dass wir irgendwann eine Gemeinde sind, wo jeder weiß, da kommt das Evangelium in den ganzen Stadtteil, wo wirklich die Liebe so gelebt wird, dass die Menschen erkennen, dass wir Gottes Kinder sind: das kommt nicht von ungefähr! All die Dinge im geistlichen Leben, die werden durch Gottes Geist bewirkt, und der bewegt sich (wie das Benzin in der Leitung) auf Gebet hin. Das heißt, wenn wir das erleben wollen, dass wir die Gemeinde, die wir in unserer Vision sehen können, dass die Wirklichkeit wird, dann ist das erste, was wir machen sollten, das Erste, was wir machen dürfen: zu beten.

Und ich denke, wir können selbst angesichts unserer Schwäche, unserer Begrenztheit und unserer persönlichen Nöte Gott loben. Für seine Güte, für sein Wesen. Dafür, dass er uns so gerne hilft. Dafür, dass er wirklich unmögliche Situationen zum Guten wenden kann.

Ich möchte da noch mal zwei Verheißungen - die habe ich da hinten auch an die Wand geschmissen - die sind mir in meinem persönlichen Leben wirklich wichtig geworden: Matthäus 19, Vers 26 steht "Wenn es auf die Menschen ankommt, dann ist es unmöglich. Aber für Gott ist alles möglich." Das heißt, wenn du in irgendeiner Situation steckst, wo du sagst, da ist nichts mehr zu holen. So wie Paulus und Silas im Block. So wie Helmut und ich in Frankreich, wo wir sagen "Es ist Feierabend! Es geht einfach nicht!" Für Gott kein Problem.

Und das zweite: diese Zusage Gottes. Weil auch da muss ich persönlich sagen, manchmal habe ich Zweifel und dann hilft mir Gottes Wort. Weil wenn ich mich auf irgendetwas verlassen kann auf diesem Planeten, dann darauf, dass Gottes Wort die Wahrheit ist und dass er hält, was er verspricht. Und Psalm 91 eben diese Verheißung "Er hängt an mir mit ganzer Liebe. Darum werde ich ihn bewahren. Weil er mich kennt und ehrt, werde ich ihn in Sicherheit bringen. Wenn er mich ruft, dann antworte ich. Wenn er in Not ist, bin ich bei ihm, hole ihn heraus und bringe ihn zu Ehren."


Ihr Lieben! Gott hat uns das versprochen. Und es ist mein Wunsch, mein Gebet für uns alle, dass wir eine betende Gemeinde werden, die angesichts von unwägbaren und aussichtslosen Situationen. Der es gelingt, den Blick hin zu wenden auf Gott, der es gelingt, trotz dieser unwägbaren und unlösbaren Situationen, Gott zu bitten, Gott zu loben und dann wirklich Wunder erlebt. 

Amen.

Montag, 17. Juni 2013

Unter Gottes Schutz (Ps 34:1-23)

Text

1 Von David, als er sich wahnsinnig stellte vor Abimelech und dieser ihn von sich trieb und er wegging. 2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. 3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, daß es die Elenden hören und sich freuen. 4 Preiset mit mir den HERRN und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen! 5 Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. 6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. 7 Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. 8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. 9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! 10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. 11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. 12 Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren. 13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? 14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden. 15 Laß ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! 16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. 17 Das Angesicht des HERRN steht wider alle, die Böses tun, daß er ihren Namen ausrotte von der Erde. 18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. 19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. 20 Der Gerechte muß viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. 21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, daß nicht eines zerbrochen wird. 22 Den Gottlosen wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. 23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser Lehrpsalm, geschrieben anlässlich David's Flucht vor Abimelech, führt uns die frohmachende und lobenswerte Allmacht der göttlichen Gnade und Liebe, Vorsehung und Hilfe vor Augen, wie Gott sie allen zusagt, die Ihm vertrauen und ihm im Gehorsam, in Wort und Tat, folgen. Und er warnt uns eindringlich vor dem unausweichlichen göttlichen Gericht, welches alle treffen wird, welche die Gnade und Herrschaft Gottes, wie sie im Kreuz und Seinen Geboten offenbar werden, verachten.


Struktur

1 David nennt seine Flucht vor Abimelech und Seine Rettung aus verzweifelter Todesnot als Anlass für diesen Lehrpsalm, in welchem er uns Gottes mächtige Hilfe und bewahrende Vorsehung vor Augen führt, die allein uns Gläubigen zuteil wird und uns ins Lob führt.

2-4 David will Gott dabei so loben, dass die Elenden froh mit einstimmen.

5-8 Und er dankt Gott für Dessen Offenbarung und Hilfe, er preist die Glückseligkeit der Erkenntnis der Gnade Gottes und versichert uns der Gebetserhörung wider allen anderen Schein, ja die Hilfe des Engels Gottes selbst.

9-11
Diese Gnade und Hilfe ruft uns David auf zu schmecken und sagt denen, die Gott ehren und ihm wider alle Umstände vertrauen, Dessen Segen und Bewahrung vor Mangel zu.

12-15 David lehrt die nächste Generation wahre Gottesfurcht, die sich im Reden, Handeln und im erstrebten Frieden mit allen Menschen zu erkennen gibt.

16-19
Und das mit gutem Grund: Gott sieht alles und straft die Bösen. Den durch Christus Gerechtfertigten jedoch steht er bei, ist ihnen nahe und erhört ihre Gebete und hilft ihnen.

20-23 Ja, für uns wurde Christus gekreuzigt und auf Sein Bitten hin von Gott zu neuem Leben erweckt. Wer dieses höchste Opfer der Liebe Gottes im Hass verschmäht, wird gerichtet; wer es jedoch in gläubiger Dankbarkeit annimmt, dem wird alle Schuld vergeben.


Inhalt

1 Im Titel nennt David uns den Anlass für die Dichtung dieses Lehrpsalms: Es war die in 1Sam 21:11-22:1 festgehaltene Begebenheit, die sich am Hofe des Philisterkönigs Achisch von Gat abspielte. Wie uns im Samuelbuch berichtet wird, flüchtete David sich damals, offenbar völlig kopflos, vor Saul an den Hof des Königs von Gat, und wurde dort unglücklicherweise von dessen Fürsten wiedererkannt. Aus Furcht vor dem König wendete er daher eine List an, stellte sich wahnsinnig und konnte sich so zu guter Letzt in eine Höhle retten.

Dass David diesen König, der im 1. Samuelbuch Achisch genannt wird, im hier vorliegenden Psalm Abimelech nennt, hat folgenden Hintergrund: Abimelech ist nicht nur ein Eigenname, sondern wohl auch eine generelle Bezeichnung für Philisterkönige, vergleichbar etwa mit dem Titel Pharao für ägyptische Könige: Abimelech bedeutet "Mein Vater [ist] König". Der 'richtige' Name des Königs, um den es hier geht, war Achisch und er war der Sohn des Maacha oder Maoch und König von Gat (1Sam 27:2, 1Kö 2:39).

2-4 David beginnt seinen Psalm mit dem Ausdruck seines Herzenswunsches: Er hat die Absicht, dem Ewigen zu jeder Zeit mit seinen Worten die Erkenntnis Seines vollkommenen Wesens wiederzuspiegeln; beständig, so wünscht er sich, möge sein Mund gefüllt sein mit dem Lob seines wunderbaren Gottes. Ja, seine Seele, sein Innerstes, soll so vollmundig von seiner Erkenntnis Gottes strahlen, dass es auch die seelisch Niedergebeugten hören und über dem Evangelium, der öffentlich verkündeten Erkenntnis des guten Wesens Gottes (siehe Jer 9:22-23, 1Kor 1:31, 2Kor 10:17) froh werden. So froh, dass David sie einlädt, Ihn, den ewig Seienden, gemeinsam mit ihm zu lobpreisen und Seinem Wesen und Seiner Person in freudiger Gemeinschaft die Ehre zu geben.

5-8 Und kaum, dass David seinen Wunsch ausgeprochen hat, beginnt er auch schon, ihn in die Tat umzusetzen und lobt den Ewigen dafür, dass Er ihm Seine ersehnte Gemeinschaft schenkte, indem Er sich von ihm hatte finden lassen, ja ihm Antwort gab, als er Ihn herzlich suchte (vgl. Mt 7:8) und dafür, dass Er ihn aus seiner Not riss, indem Er ihn ganz und gar aus all seinen Ängsten errettete (vgl. Ps 50:15).

Und was, David persönlich erlebt hat, dass gilt auch allgemein: wer auf Gott in Christus schaut, auf Sein vollkommenes Wesen, Sein Werk am Kreuz, und die darin offenbarte unendliche Barmherzigkeit, wird über diesem Anblick der Herrlichkeit, der Liebe und der Gnade Gottes so von Herzen froh werden, dass er über sein ganzes Gesicht strahlen wird vor glücklicher, dankbarer Freude, weil er weiß, dass er sich nicht mehr wegen seiner Sünden zu schämen braucht, weil sein Erlöser sie aus Liebe zu ihm ans Kreuz trug und "
den Schuldbrief getilgt [hat], der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet" (Kol 2:14).

Noch einmal beteuert David mit einem Beispiel, dass Gott unsere Gebete, auch, wenn es oft anders scheinen mag, ganz sicher hört und uns hilft, wenn wir aus unserer Not, unserem Elend und unserem Jammer verzweifelt zu Ihm schreien. So ging es selbst Jesus, der "in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht [hat], der ihn vom Tod erretten konnte..." (Hebr 5:7) Ja, der Engel des Allmächtigen selbst wird sein schützendes Heerlager zur Verteidigung um all diejenigen herum aufrichten, die Gott fürchten und wird ihnen aus dem Auge des Sturmes der Not heraus helfen (vgl. Mt 4:11, Lk 22:43).

9-11 D
avid lädt uns ein, diese Freundlichkeit, Gnade und Barmherzigkeit, diese Hilfe Gottes aus der Not, bewusst zu betrachten, ja zu schmecken und zu kosten, wie wir es heute über Christus lesen und im Abendmahl erleben dürfen (vgl. 1Jo 1:1, Mt 26:26). Er verheißt all denen Gottes Segen und Wohlergehen, die Gott, Ihrem HERRN, ungeachtet aller Umstände vertrauen und Seine Majestät von Herzen ehren. Denn David weiß: wer Gott vertraut und Ihn im Herzen in Ehren hält, dem wird es außerhalb von Verfolgung an nichts mangeln (Ps 23:1, Heb 11:37), denn ihm hilft Gott mit Seinem Segen. Ob als Segen für eigenen Fleiß (Spr 14:23), in Form der Hilfe durch Geschwister (Apg 4:34, 2Kor 8:14f, 2Kor 9:12) oder durch die besondere Gnade der Genügsamkeit (Phil 4:11f): vor allem ist es immer und immer wieder die göttliche Vorsehung, die gerade im rechten Moment für Seine Kinder zu sorgen weiß, so dass sie auf die Frage Gottes: "habt ihr ... je Mangel gehabt?" wahrhaftig antworten können: "Niemals" (Lk 22:35).

12-15
So wie Christus, will auch David die Kinder um sich haben (Lk 18:16). Sie, die junge Generation, die gerade aufwachsende Gesellschaft von morgen, will er, wie später auch Luther ermahnte, im wichtigsten Fach des Lebens unterrichten: der Gottesfurcht als dem "Anfang der Weisheit" (Ps 111:10, Spr 9:10).

Diese Gottesfurcht jedoch muss echt sein und nicht bloße Religion: wer sich ein gutes Leben und Freude wünscht, soll dafür Sorge tragen, dass seine Ehrfurcht vor Gott auf moralischem Gebiet ganz praktische Auswirkungen hat, denn ohne Gehorsam gegen Gottes Gebote ist aller Gottesdienst nichtig (Mt 7:21), das gilt insbesondere für unser Reden (Jak 1:26): weder Betrug, noch Lüge, noch Zügellosigkeit soll unsere Worte kennzeichnen; weder im Leid, noch in der Freude, noch im Zorn.

Vielmehr sind wir aufgerufen, alles was Gott als Böse deklariert, zu lassen und vielmehr das zu tun, was Er, der allein alles weiß, für gut befindet: "Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden" (Rö 12:18). Diesen Frieden sollen wir stiften, ja ihn mit allen Kräften erstreben, denn damit säen wir aus, was wir einmal als Frucht unserer von Gott geschenkten Gerechtigkeit werden ernten dürfen (Jak 3:18): unsere Seligkeit (Mt 5:9).

16-19 Was für ein Trost! "Des HERRN Augen schauen alle Lande, daß er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind" (2Chr 16:9). Der Allmächtige selbst durchforstet mit Seinem alles durchdringenden Blick (Heb 4:13, Offb 19:12) das Weltgeschehen und achtet dabei besonders auf das flehentliche Rufen der durch Christus Gerechtfertigten.

Doch ihm sind auch die Boshaften nicht verborgen. Ja, der unermessliche Ernst Seiner Missbilligung und Sein eisernes Urteil über ihr böses Tun richten sich mit unwiderstehlicher Gewalt gegen sie und kennen nur ein Ziel: jeden einzelnen unter ihnen, wenn sie nicht umkehren von ihrer Bosheit und praktizierten Gottlosigkeit, zu vernichten (Ps 73:17ff).

Das Schreien der Gerechten aber hört der Ewige und reißt sie aus aller Not; Ja, er ist ganz nah bei denen, deren Herz über der eigenen Sündhaftigkeit zerbrochen wurde und deren Seele, vor lauter Kummer über den eigenen Mangel und über das Leid in der Welt, zersplittert am Boden liegt. Gerade ihnen, die begriffen haben, dass sie nur unnütze Kechte sind (Lk 17:10), gilt die volle Verheißung der Hilfe Gottes.

20-23 Ja, nicht nur die Verheißung der göttlichen Hilfe, sondern die Gnade und Liebe Gottes, die in dem, was Gott in Christus am Kreuz für uns tat, ihren Höhepunkt fand. Und so spricht es David in prophetischer Rede über Christus, dem allein Gerechten aus: Er, der von keiner Sünde wusste, musste leiden, wurde "für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt" (2Kor 5:21). "Wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Doch, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen" (Jes 53:4).

Doch trotz des unermesslichen Leidens, welches Christus auf sich nahm, wurde sein Gebet erhört. Ja Gottes Hilfe und Seine unverrückbare Vorsehung gingen so weit, dass wir im Neues Testament lesen, das Christus "in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht [hat], der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt" (Hebr 5:7). Und es heißt: "er hat ... ihn von den Toten auferweckt" (Apg 17:31). So unumstößlich ist der Plan Gottes, so groß Seine Allmacht und Vorsehung, dass selbst die feindlichen römischen Besatzungsmächte, ohne es zu wissen, Seine Verheißungen erfüllen halfen, als sie "zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war" und "brachen ... ihm die Beine nicht" (Joh 19:33).

Angesichts der zuvor gelehrten Tatsachen, dass wahre Gottesfurcht sich im Reden und im Tun offenbart und Gott die Bösen strafen, den Gerechtfertigten jedoch helfen wird, warnt und tröstet David zum Schluß noch einmal: Wer sich Gottes Sohn nicht beugt, sein Gesetz verachtet und Christus hasst, der ihn bis in den Tod geliebt hat, der fällt in größte Schuld vor Gott. Wer in der Gottesferne
bleibt und in der autonomen, selbstgerechten Feindschaft, ja im Haß gegen Christus verharrt und sich nicht durch Christi Liebe am Kreuz mit Gott versöhnen lässt, der wird, das steht auf ewig fest, katastrophal ums Leben kommen.

Wer seine Gerechtigkeit jedoch allein von Gott erwartet, sich Ihm und Seinem Willen unterwirft, dessen Leben wird, vom Ewigen Selbst, freigekauft von aller Schuld. Und wer Ihm aus Dankbarkeit für Seine unverdiente Gnade von Herzen dient, dessen Leben wird erlöst "von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes" (Rö 8:21) und mündet eines Tages in die ersehnte "Erlösung unseres Leibes" (Rö 8:23).


Praktische Anwendung

1. Vertraue Gott, dem Ewigen, der Deine Not sieht und Deine Gebete hört
2. Glaube Ihm, dessen unwiderstehliche Vorsehung auch Dir Hilfe sein wird
3. Folge Ihm und Seinem Gebot - in Worten, im Vertrauen und in liebender Tat


[Predigt als MP3]

Sonntag, 2. Juni 2013

Ein Loblied auf Gottes Allmacht und Hilfe (Ps 33:1-22)


Text

1 Freuet euch des HERRN, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn recht preisen. 2 Danket dem HERRN mit Harfen; lobsinget ihm zum Psalter von zehn Saiten! 3 Singet ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall! 4 Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß. 5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN. 6 Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. 7 Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten. 8 Alle Welt fürchte den HERRN, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. 9 Denn wenn er spricht, so geschieht's; wenn er gebietet, so steht's da. 10 Der HERR macht zunichte der Heiden Rat und wehrt den Gedanken der Völker. 11 Aber der Ratschluß des HERRN bleibt ewiglich, seines Herzens Gedanken für und für. 12 Wohl dem Volk, dessen Gott der HERR ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat! 13 Der HERR schaut vom Himmel und sieht alle Menschenkinder. 14 Von seinem festen Thron sieht er auf alle, die auf Erden wohnen. 15 Er lenkt ihnen allen das Herz, er gibt acht auf alle ihre Werke. 16 Einem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft. 17 Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen; und ihre große Stärke errettet nicht. 18 Siehe, des HERRN Auge achtet auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen, 19 daß er sie errette vom Tode und sie am Leben erhalte in Hungersnot. 20 Unsre Seele harrt auf den HERRN; er ist uns Hilfe und Schild. 21 Denn unser Herz freut sich seiner, und wir trauen auf seinen heiligen Namen. 22 Deine Güte, HERR, sei über uns, wie wir auf dich hoffen. 
Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Loblied fordert David die von Gott gerecht gesprochene Gemeinde angesichts der Gutheit und Allmacht Gottes zu frohem Lob und Dank auf, denn Er, der Kenner der Herzen und Wege der Menschen, ja Er selbst, der Lenker der Nationen, der Urheber und Vollender des göttlichen Heilsplans, ist den Seinen Hilfe und Schild. Darum traut Sein Volk auf Ihn allein und auf sonst nichts und niemand.

Struktur

1-3 David ruft das Gottesvolk zu freudigem Dank und schallendem Lob
4-7 Denn Gottes Wesen ist makellos und Seine Macht kennt kein Ende
8-12 Darum soll jedermann Ihm mit Demut und voll Ehrfurcht begegnen: Er ist der Lenker der Nationen und Sein guter Plan allein hat Bestand, darum ist Er Schutz Seines Volkes
13-15 Der Schöpfer des menschlichen Herzens schaut sehr genau auf des Menschen Tun
16-19 Und warnt vor sinnlosem Selbstschutz: Gott allein ist den Seinen Hilfe im Leben
20-22 Darum erwartet Gottes Volk alle Hilfe, mit Freude und Hoffnung, allein von Ihm

Inhalt

1-3 In diesem Loblied besingt David die unvergleichliche Herrlichkeit Gottes und ruft die Gemeinde der Gerechten und Frommen auf, sich zusammen mit ihm von ganzem Herzen am HERRN zu freuen: Ihn sollen sie recht preisen, Ihm sollen sie danken, Ihm ein neues Loblied singen. Trefflich sollen sie spielen und ein Crescendo der Freude soll erschallen, wenn die Gemeinde sich Ihrem Gott zuwendet und Ihm zum Klang der Saiten die Ehre gibt.

4-7 Doch was hat David vor Augen, wenn er das ausdrückt? Es ist das gute und wunderbare Wesen unseres Gottes: Seine Liebe zur Gerechtigkeit und zum Recht, Seine Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, die Wahrhaftigkeit Seines Wortes und Seine Zuverlässigkeit und unverbrüchliche Treue mit der Er jedes Seiner Versprechen hält. Ja, jeder Winkel Seiner Schöpfung ist ein Loblied auf Seine Allmacht und Güte und die Erde fließt über vom Zeugnis Seiner Herrlichkeit und Kraft (Rö 1:20a, Hebr 11:3, Offb 4:11). In Christus schuf Er den Himmel durch Sein allmächtiges "es werde" und durch Seinen Geist die himmlischen Heerscharen (Kol 1:16). Er ist der Herr über die gewaltigen Ozeane und der Herr über die Gezeiten.

8-12 Weil Er so ist: ehrlich, wahrhaftig, zuverlässig und treu - herrlich, gewaltig, allmächtig und gut, soll jeder Mensch, ja alle Schöpfung auf der Welt, Ihm mit Ehrfurcht begegnen - und, angesichts der eigenen Hilflosigkeit und der unwiderstehlichen Schöpfungskraft Seines Wortes, im demütigen Bewusstsein Seiner unendlichen Macht und mit heiliger Scheu. Denn: Sein Plan allein hat Bestand, Seine Entscheidungen stehen für immer fest; was Er sich in Seinem Herzen vorgenomen hat, wird fortdauern in alle Ewigkeit. So durchkreuzt Er die Beschlüsse der gottlosen Nationen und läßt die Pläne der Staaten im Keim ersticken.

Ja so ein mächtiger Schutz gegen die Pläne der Nationen ist der Ewige und Allmächtige, dass David dem Gottesvolk um ihrer Beziehung zu Ihm willen den Segen zuspricht. Denn die Erwählten Gottes sind das von Gott selbst für sich auserkorene Erbteil: Ihm wird das Erbe nicht durch das Los zugeteilt; Er, der Souveräne, wählt es sich. Und so können wir sicher sein, dass wir, die durch das Blut Christi Gereinigten und Geheiligten, in Gottes Augen sind, wie "liebliches Land", dass Er beschützen wird vor allen Anschlägen des Bösen - über das Er wie David spricht: "mir ist ein schönes Erbteil geworden" (vgl. Ps 16:6).

13-15 Und so blickt nun der Ewige vom unumstößlichen Sitz Seiner Herrschaft im Himmel auf alle Menschen der Erde und beobachtet das Handeln jedes Einzelnen von ihnen sehr genau (Ps 8:5, Heb 2:6). Er, der ihr Herz im Mutterleib geformt (Buber: 'gebildet') hat (Hi 31:15, Ps 139:13, Jes 44:24, Jer 1:5), achtet auf alles, was sie tun.

16-19
Und David warnt uns: angesichts der Fährnisse des Lebens und der eigenen Sünde hilft weder einem Staatsoberhaupt seine politische Macht noch einem Elitesoldaten die körperliche Stärke. Auch der Verlass auf die unbändige Kraft von Streitrossen wäre angesichts solch großer Widersacher reiner Selbstbetrug. Vielmehr ist der allmächtige HERR allein die Rettung vom Tode; ER achtet auf die Herzen derer, die ihm in Ehrfurcht begegnen und auf seine unverdiente Güte hoffen und erhält sie auch in Dürrezeiten am Leben.

20-22 Weil das so ist, harren wir auf Ihn, warten wir auf Ihn und freuen uns seiner von Herzen. Darum vertrauen wir auf Sein vollkommenes Wesen, seinen heiligen und reinen Charakter und bitten Ihn, den unumschränkten Herrn der Schöpfung um seine helfende Hand und Seine schützende Güte. Und so beten wir auch um Seine Güte und hoffen allein auf Ihn.

Praktische Anwendung

1. Lobe Gott, den Er ist gut! (Ps 103:2)
2. Vertraue Gott allein, denn Sein Heilsplan wird vollendet (Jes 46:9f).
3. Bitte Gott um Hilfe "und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen" (Ps 37:5)

Sonntag, 27. Januar 2013

Dank für Rettung aus Todesnot (Ps 30:1-13)

Text

1 Ein Psalm Davids, ein Lied zur Einweihung des Tempels. 2 Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen und lässest meine Feinde sich nicht über mich freuen. 3 HERR, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund. 4 HERR, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten, aber sie mußten in die Grube fahren. 5 Lobsinget dem HERRN, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen! 6 Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude. 7 Ich aber sprach, als es mir gutging:Ich werde nimmermehr wanken. 8 Denn, HERR, durch dein Wohlgefallen hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt. Aber als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich. 9 Zu dir, HERR, rief ich, und zum Herrn flehte ich: 10 Was nützt dir mein Blut, wenn ich zur Grube fahre? Wird dir auch der Staub danken und deine Treue verkündigen? 11 HERR, höre und sei mir gnädig! HERR, sei mein Helfer! 12 Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet, 13 daß ich dir lobsinge und nicht stille werde. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.


Kommentar

Zusammenfassung

Anlässlich der Einweihung des Tempels dichtet David für alle Heiligen dieses Psalmlied, welches Gottes Erlösung zum Thema hat: sein Aufruf an uns zu Lobpreis & Lobgesang ergeht dabei in Form von Parallelismen und am Beispiel persönlicher Erfahrungen die David mit uns teilt: seine Selbstüberschätzung, Demütigung, sein flehentliches Gebet und letztendlich seine tiefe Freude und Dankbarkeit über Gottes Erlösung.


Struktur

1 Urheberschaft und Anlass dieses Lobliedes

2-4 Lobreis Davids über Gottes Gnade und Gebetserhörung in der Not
5-6 Aufforderung zu Lobgesang & Lobpreis im Hinblick auf die Ewigkeit

7-8 Bekenntnis seiner leichtfertigen Selbstüberschätzung in Zeiten des Wohlstands
      und die wahre Tiefe der Abhängigkeit seiner Seele von Gott
9-11 Davids demütiges Gebet um Gnade, Hilfe, Errettung & Erhörung

12-13 Dankbarer Lobpreis angesichts Gottes Gnade, Hilfe & Barmherzigkeit


Inhalt

1 David dichtete dieses Loblied noch vor seinem Tod anlässlich der Einweihung des Tempels. Eben jenes Tempels, den Salomo errichtete, weil David selbst ihn wegen seiner vielen Kriege und des dabei angerichteten Blutvergießens nicht bauen durfte (1Kö 5:17-19, 1Kö 8:17ff, 2Chr 7:11, 1Chr 22:8, 2Chr 6:9).

Davids Herz hing sehr an dem Bau dieses Tempels, doch er war bereits alt. So tat er, was er noch konnte und versorgte Salomo vor seinem Tod noch mit allem, was in seiner Macht stand und was sein Sohn für den Tempelbau brauchen würde: Mit Baumaterial (1Chr 22:5) und mit Plänen; nicht nur für den Tempel, sondern auch für die Geräte darin (1Chr 28:11ff). Und nicht zuletzt mit eben diesem Loblied, um Gott für seine ewige Barmherzigkeit zu danken (2Chr 7:6).

David hat sicher gewusst, dass die Einweihung des Tempels ein riesiges Fest werden würde (2Chr 7:1ff), denn der Zweck des Tempels war so groß, dass Salomo das Unbegreifliche in die Worte fasste: "Und das Haus, das ich bauen will, soll groß sein; denn unser Gott ist größer als alle Götter. Aber wer vermag es, ihm ein Haus zu bauen? Denn der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen. Wer bin ich denn, dass ich ihm ein Haus baue, es sei denn, um vor ihm zu opfern?" (2Chr 2:4-5)


2-4 Bevor er sich mit seiner Aufforderung zum Lob an das ganze Gottesvolk wendet, richtet David sich mit seinem von Herzen kommendem Lobreis selbst an Gott und dankt Ihm für Seine Gnade und für die Gebetserhörung in der Not. Dabei sind Davids diesseitige Feinde und seine Errettung vom physischen Tode ein Bild für unsere geistlichen Feinde und unsere Errettung vor dem zweiten Tod, der Hölle, der feurigen Grube, dem ewigen Gericht unseres heiligen und allmächtigen Gottes (Offb 20:14).

Und so erinnert sich David, wie er seiner Verlorenheit zu Gott um Rettung vor seinen Feinden und auch um Vergebung seiner Sünden betete: "Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst- Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte." (Ps 130:1-4, vgl. Ps 69:2.6.15-18.21).

Und voll Dankbarkeit lässt David uns Anteil haben an seiner Erfahrung: dass Gott die nicht hinaus stößt, die sich in ihrer Not so -demütig und bußfertig- an Ihn wenden (Joh 6:37), sondern berichtet, dass Gott ihn aus der Tiefe seiner Not zog, ihn vom Tode errettete, am Leben erhielt und ihn von seiner durch die Anfechtungen seiner Feinde verursachten, wohl seelischen, Krankheit heilte (vgl. Ps 69:5.21).

Seine Feinde aber, Gottlose und hochmütige Menschen (Ps 10:4, 36:12), die in ihrem Stolz meinten, sich nicht an Gott wenden zu müssen, wurden am Ende wider ihren Willen dem Tode und der Grube ausgeliefert. 


5-6 Nachdem er von seiner heilenden Erfahrung mit Gottes Barmherzigkeit Zeugnis gegeben hat, lädt David die Heiligen Gottes, das ist: Gottes Volk und damit auch uns (Ps 12:2, 148:14, Rö 1:7, Kol 3:12) ein zum Lobgesang und zum Lobpreis des Namens unseres barmherzigen Gottes: "Immanuel!", das ist: "der Gott, der mit uns ist"; "der Gott, der für uns ist" (Mt 1:23, Rö 8:31).

Zwar macht es wohl Gottes "... Zorn, dass wir so vergehen, und [Sein] Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen" (Ps 90:7), doch unsere leidvolle Lebenszeit hier auf Erden, im finsteren Tal des Todes und der Tränen (Ps 23:4) ist nur ein kurzer Wimpernschlag, verglichen mit der unendlichen Ewigkeit der Gnade Gottes, die anbrechen wird wie der helle Morgen, wenn ER wiederkommt und uns endlich erscheint, "der helle Morgenstern" (Offb 22:16), "die Sonne der Gerechtigkeit" (Mal 3:20) und Er "wird abwischen alle Tränen von [unseren] Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen" (Offb 21:4).

So wird am Ende wahr, was geschrieben steht: "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten" (Ps 126:5, Offb 7:17, 21:4, Mt 5:3ff). In diese Freude stimmt auch Petrus ein, wenn er unseren Blick auf unsere Zukunft richtet und von Herzen schreibt: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen" (1Pe 1:3-6).


7-8 Doch solche Hoffnung braucht nur, wer auf Erden leidet. David bekennt es selbst: als es ihm dank der souveränen Gnade Gottes gut ging, verfiel auch er dem selbstherrlichen Irrtum, von sich zu behaupten, er sei unerschütterlich. Doch in Wahrheit war es Gottes souveräne Wahl, die ihn in Sicherheit gebracht, ihn auf einen hohen Felsen - ein Bild für Christus (1Kor 10:4) - gestellt und ihn gerettet hatte.

Erst als Gott Sein gnädiges Antlitz verbirgt, erkennt David die Wahrheit: dass Sein Wohl die ganze Zeit allein in Gottes Hand gestanden hatte und dass Er, ganz entgegen seiner selbstsicheren Sicht, ohne den Blick auf Gottes Barmherzigkeit, tief in seinem Innersten erschütterbar war. Davids ehrliches Bekenntnis seiner leichtfertigen Selbstüberschätzung in Zeiten des Wohlstands und die Tiefe der Abhängigkeit seiner Seele von Gott möge uns lehren, unsere Hoffnung nicht auf uns selbst zu setzen, sondern allzeit "im Geist Gottes [zu] dienen und uns Christi Jesu [zu] rühmen" (Phil 3:3).


9-11 So von Gott aus seinem selbstgefälligen Traum geschreckt und zurück zur demütigen Anerkenntnis der Wahrheit geführt, fleht David inniglich um Gnade und ruft Gott mit lauter Stimme als Nothelfer an (vgl. Jer 14:8, Dan 6:28). In seiner verzweifelten Suche nach Argumenten, Gott gnädig zu stimmen, weiss er dabei nur noch seinen Dank und seine Verkündigung ins Feld zu führen, die bei seiner Verdammnis verstummen würden. Auch sein Blut und damit sein Leben (5Mo 12:23) würde der allmächtigen, sich Selbst genügenden und allseeligen Trinität keinen Nutzen bringen, führe der König zur Grube. So ringt David im Gebet aus hilfloser Position mit Gott, weil er erkannt hat, was er in diesen wenigen Versen gleich dreimal zum Ausdruck bringt: Gott ist der HERR, der souveräne und allmächtige Herrscher über unser Schicksal. Ihn ruft David an. Ihn allein fleht er an, sein Gebet zu erhören. Denn er hat erkannt: "Du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden" (Jer 17:13).


12-13 So gedemütigt und auf die wahre Machtverteilung der Souveränität zurück geführt erlebt David etwas wunderbares: Die Güte und Gnade unseres barmherzigen Gottes, der sich schon Mose zu erkennen gab als "HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue" (2Mo 34:6). So groß ist die Gnade und Barmherzigkeit unseres Gottes, so immerwährend Seine Geduld und Treue, dass David lernen darf: ER "lässt sich nicht erbittern" (1Kor 13:5), sondern "versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu" (2Kor 5:19). Seinem freiem Entscheid und allein Seinem souveränen Wohlgefallen ist es zu verdanken, dass David erleben darf: Gottes Barmherzigkeit wendet sein Leid und verwandelt seine Klage in einen fröhlichen Tanz; ER nimmt seine Trauer fort und seine Güte verankert ihn fest in der Freude. Und im Angesicht solcher Gnade, Hilfe & Barmherzigkeit Gottes stimmt David voll Dankbarkeit einen Lobpreis an, mit dem er vor lauter Freude am liebsten gar nicht mehr aufhören würde. So wunderbar erlebte er die Hilfe Gottes und so groß ist sein Glück, dass er sich wünscht, seinem HERRN und Gott danken zu dürfen in Ewigkeit.


Praktische Anwendung

1. Wir sollten auch guten Zeiten nicht vergessen, dass wir allein in Gott geborgen sind.
2. Wir sollten in angefochtenen Zeiten der Not, allein bei Gott unsere Hilfe suchen
3. Wir dürfen wissen: Seine Gnade und Treue sind immer noch größer als unsere Schuld; "Wenn wir ... unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit." (1Joh 1:9).


[Predigt als MP3]

Sonntag, 17. Juni 2012

Wie man ein Wunder übersieht

Als wir vor kurzem bei einem befreundeten Ehepaar eingeladen waren, fiel mir etwas auf. An mir. Oder besser: an meiner Wahrnehmung. Etwas, das mir noch nie so bewusst aufgefallen war: Ich war überrascht von meiner "Fähigkeit zur geistlichen Blindheit". Meiner Blindheit gegenüber dem Handeln Gottes in dem sich sein Wesen so klar und eindeutig widerspiegelte: Seine Gutheit, Seine Barmherzigkeit, Seine Treue. 

Doch von Anfang an.

Ich habe einen Freund; nennen wir ihn G. Vor vielen Jahren war G. ein einsamer Mensch, der sein Dasein, zumindest aus dem Blickwinkel anderer, eher am Rande der Gesellschaft fristete. Ihm ging es nicht gut, weder äußerlich, noch innerlich. Weder finanziell noch emotional. Er war arbeitslos, ehelos, hoffnungslos. Er war mir und einem weiteren Freund von uns ein ständiges Gebetsanliegen.

Und was er für Wünsche hatte! Er sehnte sich nicht nur nach einer festen Anstellung, was aus diversen Gründen schon eine Herausforderung darstellte, nicht nur nach einem festen Einkommen, sondern - in seiner Lage! - auch noch nach einer Frau. Und nicht nach irgend einer Frau. Nein, eine Frau von einem ganz bestimmten Fleck auf diesem Planenten sollte es sein. Das war für G. ausgemachte Sache.

Wenn ich mich heute zurück erinnere, spüre ich noch gut meine innere Zerrissenheit: Auf der einen Seite wollte ich G. nicht enttäuschen, indem ich ihm seine, aus meiner Sicht etwas hoch gestochenen, Wünsche ausredete. Auf der anderen Seite wollte ich nüchtern bleiben und realistisch. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass er eine Arbeit finden würde, geschweige denn eine Frau. Und dann noch eine aus dieser ganz besonderen Region auf unserem Planeten. Das war für mich einfach zu viel.

Doch meine Zuneigung und vielleicht auch mein Mitgefühl überwogen und so sagte ich ein ums andere Mal zu, für G. zu beten. Und mit ihm zu beten; wie auch mein anderer Freund und viele andere mit uns.

Die Jahre vergingen. G. fand eine Arbeit. G. fand eine Frau. Alles geschah so natürlich, so unauffällig, so leise, so ohne Pomp und Klimbim. So leise und unauffällig sogar, dass ich gar nicht realisierte, was sich da eigentlich direkt vor meinen Augen zugetragen hatte.

Und so saßen wir dann neulich zusammen und sprachen über alte Zeiten. Und G. fragte mich: "Weißt Du noch, wie anders damals alles war?" Dieser Satz traf mich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel und es fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Ja! Es war in der Tat alles anders. Denn Gott hatte unsere Gebete erhört und alle unsere Erwartungen -zumindest meine- bei weitem übertroffen:

Inzwischen steht G. vor seinem 10-jährigen Firmenjubiläum in einem Unternehmen, an welches wir damals nicht im Traum zu denken gewagt hätten. Nicht nur ist er inzwischen verheiratet und Vater eines gesunden und ganz wunderbaren Kindes. Er ist vor allem auch der Ehemann einer wunderbaren Frau - einer Frau, die von genau dem Ort auf unserer Erde kommt, den er sich so sehr gewünscht hatte.

Diese Erkenntnis traf mich mitten ins Herz: So liebevoll ist Jesus (Mt. 11,28), so sehr interessiert daran, uns Freude zu bereiten, so beharrlich darin, unseren Wünschen und Gebeten zuzuhören und uns am Ende zu geben, was unser Herz sich so sehr ersehnt (Ps 37,4). Auch darin liegt seine Herrlichkeit: Dass ER - ungleich uns - nicht allein an Sich selber denkt, sondern sein Höchstes für uns gibt, damit wir glücklich sind.

Mich hat dieses Erlebnis eine -theologisch längst bekannte- Wahrheit in ganz neuem, viel realistischerem Licht erkennen lassen: dass Jesus unseren Gebeten tatsächlich zuhört. Dass sie Ihm wichtig sind. Dass Er sie erhört. Nicht, weil wir es verdient hätten. Sondern weil Er uns gnädig ist. Weil Er uns wirklich liebt.

Und sie hat mich noch etwas gelehrt. Über einen Widerspruch in meinem Denken und Empfinden. Dass es scheinbar recht einfach für mich ist, Dinge zu übersehen, die ich, als sie noch in der Zukunft lagen, für richtige Wunder gehalten habe, für absolut menschenunmöglich. Und die ich, als sie so selbstverständlich und natürlich geschahen und in dann in der Vergangenheit verblassten, als gegeben hinnahm, als seien sie das Normalste von der ganzen Welt.


Doch vielleicht geht es nicht nur mir so? Vielleicht gibt es auch im Leben meiner Mitmenschen Dinge, für die sie in ihrer Not zu Gott gerufen haben, gefleht und gebetet. Dinge, von denen sie glaubten, sie seien undenkbar. Und die Gott in seiner Gnade dann doch hat wahr werden lassen, weil uns Menschen liebt. Dinge, die vielleicht bis heute übersehen wurden, weil sie so völlig natürlich in's Leben kamen, so bescheiden, so leise, so unscheinbar... - ganz so, wie es Gottes Wesen entspricht. Denn Er ist demütig, sanftmütig und bescheiden... (Mt 11,29)

Dienstag, 20. Dezember 2011

Psalm 16 - Das schöne Erbteil

Text

1 "Ein güldenes Kleinod Davids." Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich. / 2 Ich habe gesagt zu dem HERRN: Du bist ja der Herr! Ich weiß von keinem Gut außer dir. 3 An den Heiligen, die auf Erden sind, an den Herrlichen hab ich all mein Gefallen. 4 Aber jene, die einem andern nachlaufen, werden viel Herzeleid haben. Ich will das Blut ihrer Trankopfer nicht opfern noch ihren Namen in meinem Munde führen. 5 Der HERR ist mein Gut und mein Teil; du erhältst mir mein Erbteil. 6 Das Los ist mir gefallen auf liebliches Land; mir ist ein schönes Erbteil geworden. 7 Ich lobe den HERRN, der mich beraten hat; auch mahnt mich mein Herz des Nachts. 8 Ich habe den HERRN allezeit vor Augen; steht er mir zur Rechten, so werde ich festbleiben. 9 Darum freut sich mein Herz, und meine Seele ist fröhlich; auch mein Leib wird sicher liegen. 10 Denn du wirst mich nicht dem Tode überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Grube sehe. 11 Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich.


Kommentar

In diesem Lied Davids (Luther übersetzt 'Miktam' mit 'güldenes Kleinod' - mglw. handelt es sich jedoch um einen musikalischen, oder liturgischen Ausdruck) vermischen sich Anbetung mit Prophetie auf der einen Seite - und Liebe, Glaube, Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott mit dem Abscheu vor den Gottlosen auf der anderen. 

Auch vermischen sich Diesseits und Jenseits, das Leben in der Welt und das Sein in der Gegenwart Gottes. Aus diesem Grunde ist dieser Psalm sehr schwer allein exegetisch zu fassen oder zu "strukturieren", will man die emotionale Komponente nicht verlieren: David bittet und betet an, er ist verzückt von Gott und weissagt die Auferstehung Christi. 

1-2 Aus der profanen Welt seines gegenwärtigen Lebens, in welchem auch David Verfolgung durch Gottlose leidet, tritt David ein in das Gebet dieses Liedes mit der Bitte um Bewahrung und begründet seine Bitte in seiner Vertrauensbeziehung zu Gott: Gott allein ist der HERR über alles - auch über seine Feinde. Und in Seiner Gegenwart verblasst die Welt und es wird strahlend klar: Gott selbst ist das einzig wahre Gut seines und unseres Lebens.   

3-4 Wie David aus der Gegenwart Gottes zurück blickt auf die Welt, sieht er die Heiligen und Herrlichen, die sich, wie er, zu Gott halten und freut sich an ihnen. Auch sieht er, wie aus der Ferne, die Gottlosen, die ihren nichtigen Götzen hinterher rennen und sich damit selbst das Herz zerbrechen. Mit ihnen will er keine Gemeinschaft haben. Auch mit ihren heidnischen Opferritualen (das israelitische Gesetz verlangt in 4Mo 28:7-7 ein Trankopfer aus starkem Wein, nicht aus Blut!) will er nichts zu schaffen haben, ja er will nicht einmal ihre Namen aussprechen. 

5-7 Davids Blick gleitet zurück zu Gott, dem einzig wahren Gut und Anteil (ESV: 'cup' = Quelle des Lebens, vgl. Abendmahl!) seines Lebens (vgl. Vers 2) und auf das wunderschöne, ihm durch Gottes Gnadenwahl (vgl. 4Mo 26:55 & Jes 34:17) vermachte Erbe, welches von Gott selbst behütet und bewahrt wird. So dankt er Gott, dessen Wort und Rat er dieses Glück verdankt (vgl. Ps 119:105) 

8-11 Im folgenden verschmelzen - angesichts der Schau von Gottes Herrlichkeit - Anbetung, Dank und Freude mit der Prophetie der Auferstehung Christi (vgl. Apg 2:27, Apg 13:35).