Freitag, 10. April 2026

Johannes Evangelium 7,25-31


Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Ist er der versprochener Retter? - Skepsis und Glauben

„Ja, schaut euch das an!“ Einige der Einwohner Jerusalems waren ziemlich von der Rolle, als sie mitkriegten, wie Jesus öffentlich predigte, ohne dass die Oberen, die doch ein Mordkomplott gegen ihn geschmiedet hatten, ihn davon abhielten: „Glauben die jetzt doch, dass er der Messias ist?“ — „Kann nicht sein! Angeblich heißt es doch, keiner würde eine Ahnung davon haben, wo der Messias herkommt; aber von dem da wissen wir’s doch genau!“

Als Jesus, der noch im Tempel lehrte, das mitkriegte, rief zu ihnen herüber: „Ihr wisst also, wer ich bin und woher ich komme? Ich hab‘ mich nicht selbst geschickt. Der, der mich geschickt hat, ist der wahrhaftige Gott. Und den kennt ihr gar nicht, aber ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und er mich geschickt hat.“

Wegen dieser Aussage hätten sie ihn am liebsten festgenommen, aber es kriegte ihn keiner zu fassen; weil der von Gottes Vorsehung dafür bestimmte Zeitpunkt noch nicht gekommen war. In der Volksmenge gab es aber nicht nur Widerspruch, im Gegenteil: viele begannen zu glauben. Und die fragten ironisch zurück in die Menge: „Glaubt ihr wirklich, der Messias könnte noch mehr Wunder tun, als dieser Mann hier?!“ 

O-Ton: Einige Leute in Jerusalem sagten: »Seht euch das an! Ist das nicht der, den sie töten wollten? Er redet in aller Öffentlichkeit und keiner verbietet es ihm! Sollten die Ratsmitglieder zu der Überzeugung gekommen sein, dass er der versprochene Retter ist? Aber wenn der Retter eines Tages auftritt, wird keiner wissen, woher er kommt. Und die Herkunft dieses Menschen kennen wir doch alle!« 

Jesus aber, der gerade im Tempel lehrte, rief mit lauter Stimme: »Wisst ihr wirklich, wer ich bin und woher ich komme? Ich bin nicht im eigenen Auftrag gekommen. Aber der, der mich gesandt hat, ist glaubwürdig. Und den kennt ihr nicht. Ich kenne ihn, denn ich komme von ihm und er hat mich gesandt.« 

Da wollten sie ihn festnehmen. Aber keiner konnte Hand an ihn legen, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. Viele in der Menge kamen zum Glauben an ihn und sagten: »Kann der versprochene Retter, wenn er kommt, mehr Wunderzeichen tun, als dieser Mann getan hat?« (Joh 7,25–31)

Donnerstag, 2. April 2026

Johannes Evangelium 7,19-24


 Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Jesus in Jerusalem: Die Ungerechtigkeit des Volkes


Auch wenn viele von seiner Weisheit beeindruckt waren, waren trotzdem nicht alle mit Jesus einer Meinung, was die Auslegung der Tora anging. Und Jesus sagt ihnen auch, woran das liegt: „Niemand von Euch hält sich an das Gesetz, das euch Moses damals übergeben hat. Ja, nicht nur das, man will mich sogar töten!“ Einige aus der Menge daraufhin so: „Du bist wohl nicht mehr ganz dicht?! Wer will dich hier töten?!“

Daraufhin lässt Jesus die Katze aus dem Sack und sagt ihnen, worum es hier wirklich geht: nicht etwa nur um unterschiedliche Ansichten, sondern um einen ganz konkreten Vorfall: vor vielen Monaten hatte er in Jerusalem einen Gelähmten geheilt, der am Teich Betesda schon seit 38 Jahren krank lag. Und zwar an einem Sabbat; einem Ruhetag. Das war es, weswegen sie so verbittert und zornig auf ihn waren. Schon damals wollten sie ihn töten.

Und wegen dieser Ungerechtigkeit hält Jesus ihnen jetzt den Spiegel vor: sie selber werden doch auch am Sabbat aktiv, wenn es darum geht, ihre Söhne genau am achten Tag beschneiden zu lassen, weil es so in Moses’ Gesetz steht – wobei die Beschneidung ja eigentlich schon von Abraham eingeführt wurde. Sie selber werden also an einem Ruhetag aktiv, weil sie das Gesetz nicht übertreten, sondern erfüllen wollen.

Und Jesus wollen Sie genau das jetzt vorwerfen? Dass er am Ruhetag nicht nur Moses‘ Gesetz gehalten, sondern sogar einen lebendigen Menschen wieder gesund gemacht hat? Da müssen sie sich dann auch diese Kritik von ihm gefallen lassen: “Urteilt nicht dem oberflächlichen Schein nach, sondern so, wie es dem tiefsten und eigentlichen Sinn des Gesetzes entspricht.“

O-Ton: Mose hat euch doch das Gesetz gegeben. Aber niemand von euch hält sich daran. Ihr wollt mich sogar töten!« Die Menge antwortete: »Du bist wohl von einem bösen Geist besessen! Wer will dich töten?«

Jesus antwortete: »Ich habe hier in Jerusalem eine einzige Tat vollbracht und ihr nehmt alle Anstoß daran.

Ihr Beschneidet eure Söhne, wenn es sein muss, auch am Sabbat, weil Mose angeordnet hat, dass eure Kinder am achten Tag beschnitten werden sollen. – Aber eigentlich haben schon die Stammväter die Beschneidung eingeführt und nicht erst Mose. – Ein Junge wird also auch am Sabbat an einem Teil seines Körpers beschnitten, damit die Vorschriften Moses nicht verletzt werden. 

Wie könnt ihr euch dann über mich aufregen, weil ich am Sabbat einen ganzen Menschen gesund gemacht habe? Urteilt nicht nach dem äußeren Eindruck, sondern wie es wirklich dem Gesetz entspricht!« (Joh 7,19-24)

Mittwoch, 1. April 2026

Johannes Evangelium 7,14-18


 

Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Jesus in Jerusalem: Jesus lehrt selbstlos und mit Vollmacht 


Als das Laubhüttenfest schon zur Hälfte vorbei war, kam für Jesus der Zeitpunkt, um auf dem Fest an die Öffentlichkeit zu treten. Er ging also den Berg hinauf zum Tempel und unterrichtete dort die Leute. Und das Volk war baff angesichts seiner außergewöhnlichen Kenntnis von Gottes Wort – sie fragten: „Wie kann das sein, dass er die Tora so gut kennt? Er hatte doch nie eine theologische Ausbildung?“

Jesus ging darauf ein und antwortete: „Was ich lehre, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stammt von dem, der mich zu Euch geschickt hat. Und jeder der bereit ist, in die Tat umzusetzen was Gott will, der wird – indem er es tut! – merken, ob ich mir das was ich euch beibringe selbst ausgedacht habe, oder ob es wirklich von Gott kommt.“

„Wer nur in sein eigenes Horn bläst, der sucht den Ruhm für sich selber. Wer aber will, dass derjenige geehrt wird, der ihn geschickt hat, der ist ehrlich und hat keine faulen Motive.“

O-Ton: Die Hälfte der Festwoche war schon vorüber, da ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte das Volk. Die Leute waren sehr erstaunt und sagten: »Er hat doch keinen Lehrer gehabt. Wie kommt es, dass er die Heiligen Schriften so gut kennt?« 

Jesus ging darauf ein und sagte: »Meine Lehre habe ich nicht selbst ausgedacht. Ich habe sie von Gott, der mich gesandt hat. Wer bereit ist, Gott zu gehorchen, wird merken, ob meine Lehre von Gott ist oder ob ich meine eigenen Gedanken vortrage.

Wer seine eigenen Gedanken vorträgt, dem geht es um die eigene Ehre. Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, ist vertrauenswürdig. Man kann ihm keinen Betrug vorwerfen. (Joh 7,14-18)

Dienstag, 31. März 2026

Johannes Evangelium 7,10–13



Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Jesus in Jerusalem: Gemunkel hinter vorgehaltener Hand

Letztlich zog auch Jesus los; seinen Brüdern nach, die sich schon vor ihm nach Jerusalem auf den Weg gemacht hatten. Jedoch hielt er sich vor der Öffentlichkeit noch verborgen. Und das aus gutem Grund: von den führenden Männern im Volk wurde schon nach ihm gefahndet und der Zeitpunkt, um auf dem Fest an die Öffentlichkeit zu treten, war für ihn noch nicht gekommen. 

Unter den Menschenmengen, die aus allen Landesteilen zum Fest nach Jerusalem gekommen waren, wurde bereits über ihn gemunkelt. „Der Typ ist voll in Ordnung“, fanden die einen. Andere wiederum behaupteten: „Der verführt doch die Massen“. Aber keiner wagte offen auszusprechen, was er dachte, weil sie alle Angst vor der Obrigkeit hatten.

O-Ton: Nachdem seine Brüder zum Fest nach Jerusalem hinaufgegangen waren, kam Jesus nach; aber er zeigte sich nicht in der Öffentlichkeit. Die führenden Männer suchten ihn unter den Festbesuchern. »Wo ist er?«, fragten sie. 

In der Volksmenge wurde viel über ihn geflüstert. »Der Mann ist gut«, meinten einige. Andere entgegneten: »Nein, er ist ein Volksverführer.« Aber niemand sprach offen über ihn, weil sie Angst vor ihren führenden Männern hatten. (Joh 7,10–13)

Dienstag, 24. März 2026

Johannes Evangelium 7,1-9


Das Buch der Zeichen - Jesus und seine Brüder

Nach der Brotrede zog Jesus durch Galiläa, ganz im Norden des Landes, also so weit wie möglich von Judäa und damit von Jerusalem entfernt, wo der Hohe Rat saß, der bereits Pläne geschmiedet hatte, ihn umzubringen.

Kurz vor dem Laubhüttenfest, zu dem das ganze Volk aus allen Landesteilen nach Jerusalem strömen würde, gaben seine Brüder Jesus einen sarkastischen Rat: wenn er denn seine Schüler wirklich beeindrucken wolle, dann solle er doch nach Judäa gehen, damit dort alle seine spektakulären Taten bestaunen könnten. Wer berühmt werden wolle, brauche schließlich Publicity – und dafür müsse man auch selber etwas tun. Mit dieser Einstellung zeigten sie, dass sie ihm nicht glaubten; weder wer er ist, noch wozu er gekommen war.
 
Ihr Vorschlag traf bei Jesus jedoch auf taube Ohren. Er will den gottbestimmten Zeitpunkt treffen, um auf dem Fest an die Öffentlichkeit zu treten. Im Gegensatz zu seinen Brüdern. Die sangen noch immer das Lied der Welt und eckten deshalb nirgendwo an. Sollten sie doch gehen! Ihnen stünde die Welt ganz sicher nicht entgegen. Jesus aber predigte genau dieser Welt Umkehr von ihrem gottlosen Leben und rechnete deshalb mit dem Hass der Welt.  Für ihn war es absolut lebensgefährlich, einfach eigenmächtig loszuziehen. Deshalb blieb er vorerst im sichereren Galiläa.

O-Ton: Danach zog Jesus in Galiläa umher. Er hielt sich von Judäa fern, weil die führenden Männer dort ihn töten wollten. 

Das jüdische Laubhüttenfest stand vor der Tür. Da sagten seine Brüder zu ihm: »Du solltest nicht hier bleiben, sondern nach Judäa gehen, damit deine Anhänger dort die großen Taten zu sehen bekommen, die du tust. Wenn jemand bekannt werden möchte, versteckt er sich nicht. Wenn du schon solche Taten vollbringst, dann sorge auch dafür, dass alle Welt davon erfährt!« Denn nicht einmal seine Brüder schenkten ihm Glauben. 

Jesus sagte zu ihnen: »Meine Zeit ist noch nicht da. Für euch dagegen passt jede Zeit. Euch kann die Welt nicht hassen; aber mich hasst sie, weil ich als Zeuge gegen sie bestätige, dass ihr Tun böse ist. Zieht doch ihr zu diesem Fest hinauf! Ich gehe nicht zum Fest, weil meine Zeit noch nicht da ist.« Das sagte er zu ihnen und blieb in Galiläa. (Joh 7,1-9)

Dienstag, 17. März 2026

Johannes Evangelium 6,66-71


Das Buch der Zeichen - Worte, die zum ewigen Leben führen - Das Bekenntnis des Petrus - und der erste Hinweis auf den Verräter


Als Jesus fertig war mit seiner harten Rede, dass wir „sein Fleisch essen“ und „sein Blut trinken“, ihn also im Glauben in uns aufnehmen müssen, um Anteil an ihm und seinem ewigen Leben zu bekommen, kehrten ihm viele seiner Anhänger den Rücken und entschieden sich, ihm nicht länger zu folgen.

Daraufhin wendete sich Jesus an den inneren Kreis der zwölf ihm am nächsten stehenden Schüler und fragte sie, ob sie sich nun auch von ihm abwenden wollten. Stellvertretend für die Gruppe antwortete ihm Petrus mit einer Gegenfrage, in der die ganze Tragweite klar wird, nämlich wie alternativlos der Glaube an ihn ist: in Jesus begegnet ihnen der Messias, kein Geringerer als Gott selbst; und allein in seinen Worten liegt ewiges Leben.

So richtig Petrus’ Antwort auch war, es gab einen Aspekt, der ihm verborgen geblieben war, und den wollte Jesus offenbaren: Zwar hatte er alle Zwölf, den engsten Kreis, selbst ausgewählt, und doch lag Petrus schief, wenn er für die ganze Gruppe sprach: Jesus wusste bereits, dass einer von ihnen, Judas, nicht – wie Petrus – mit einem glaubenden Herzen an ihm hing, sondern ein Feind war und ihn später verraten würde.

O-Ton: Als sie das hörten, wandten sich viele seiner Anhänger von ihm ab und wollten nicht länger mit ihm gehen. 

Da fragte Jesus die Zwölf: »Und ihr, was habt ihr vor? Wollt ihr mich auch verlassen?« Simon Petrus antwortete ihm: »Herr, zu wem sonst sollten wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben. Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet.« 

Jesus antwortete ihm: »Euch zwölf habe ich doch selber ausgewählt. Trotzdem ist einer von euch ein Teufel!« Er meinte Judas, den Sohn von Simon Iskariot. Judas war es, der Jesus später verriet – einer aus dem Kreis der Zwölf. (Joh 6,66-71)

Mittwoch, 4. März 2026

Johannes Evangelium 6,60–65

 


Das Buch der Zeichen - Worte, die zum ewigen Leben führen - Murren  offenbart Unglauben.

Die Reaktion auf das, was Jesus mit den Worten vom Fleisch und Blut über den Glauben gesagt hatte – nämlich, dass wir ihn selbst, Gottes Sohn durch Glauben in uns aufnehmen müssen – ließ nicht lange auf sich warten. Viele seiner Anhänger waren außer sich und protestierten hinter vorgehaltener Hand: »Das ist jetzt echt too much! Das ist ja nicht zum aushalten!«

Auch wenn das Murmeln wohl kaum zu hören gewesen sein durfte, war es für Jesus kein Geheimnis. Er wusste innerlich schon längst was ihnen quer lag. Und er sagte Ihnen daraufhin – in Anspielung auf die Himmelfahrt bei der seine Göttlichkeit nicht länger zu leugnen sein würde – »Das findet ihr schon krass? Dann wartet mal, bis ich in meine Herrlichkeit zurückkehre; dahin, wo ich hergekommen bin.«

Ihr Unglaube hatte sie blind gemacht für Jesus‘ wahre Identität und damit für die Glaubwürdigkeit seiner Worte. Darum sagt Jesus es ihnen noch einmal ganz klar: alle menschliche Anstrengung ist zu nichts nütze, denn das ewige Leben kann nur Gott allein schenken; durch seinen Heiligen Geist — und alles, was er ihnen gesagt hat ist von eben diesem Heiligen Geist getragen und vermittelt ewiges Leben.

Das Problem lag also nicht in den Worten, sondern an seinen Zuhörern; daran, dass einige seiner Nachfolger sich weigerten, seine wahre Identität anzuerkennen und an ihn zu glauben. Jesus wusste das von Anfang an: wer ihn ablehnen würde und sogar, dass es Judas sein würde, der ihn am Ende verraten würde.

Eben, weil es wahr ist, dass das ewige Leben nur Gott durch seinen Heiligen Geist schenken kann, hatte Jesus ihnen genau das gesagt: »Nur diejenigen, die vom Vater dazu befähigt werden, können im Glauben daran zu mir kommen, dass ich tatsächlich der Messias bin; Gott in menschlicher Gestalt.«

O-Ton: Als sie das hörten, sagten viele, die sich Jesus angeschlossen hatten: »Was er da redet, geht zu weit! So etwas kann man nicht mit anhören!« 

Jesus wusste schon von sich aus, dass sie murrten, und sagte zu ihnen: »Daran nehmt ihr Anstoß? Wartet doch, bis ihr den Menschensohn dorthin zurückkehren seht, wo er vorher war! 

Gottes Geist allein macht lebendig; alle menschlichen Möglichkeiten richten nichts aus. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind von diesem Geist erfüllt und bringen das Leben. 

Doch einige von euch haben keinen Glauben.« Jesus kannte nämlich von Anfang an die, die ihn nicht annehmen würden, und wusste auch, wer ihn verraten würde. 

Und er fügte hinzu: »Aus diesem Grund habe ich zu euch gesagt: Nur die können zu mir kommen, die der Vater dazu fähig macht.« (Joh 6,60–65)

Dienstag, 24. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,48–59


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot vom Himmel, das ewiges Leben gibt -  Ewiges Leben wird vermittelt durch das Opfer Christi am Kreuz


Jesus erklärt die unbekannten Dinge in der unsichtbaren Welt oft mit bekannten Dingen aus der sichtbaren Welt. Diesmal vergleicht er irdisches Brot, das nur für eine Zeitlang unser biologisches Leben erhält, mit sich selbst - dem Brot, dessen „Verzehr“ vor dem ewigen Tod bewahrt.

Er beschreibt sich als das lebendige Himmelsbrot - das lebensspendende Brot, dessen „Verzehr“ ewiges Leben garantiert. Was er uns geschenkt hat ist das Opfer seines Körpers am Kreuz von Golgatha, wo er sich als Stellvertreter für unsere Sünden hingab, damit alle, die auf dieses Opfer vertrauen, das ewige Leben bekommen können.

Seine Zuhörer haben seine Metapher jedoch willentlich wörtlich genommen und Jesus vorgeworfen, er wolle Ihnen, wie bei Kannibalen, das Fleisch seines Körpers zu essen geben. Daraufhin versichert Jesus ihnen noch einmal, und diesmal mit Nachdruck, dass sie nur dann Anteil am ewigen Leben haben werden, wenn sie „sein Fleisch und sein Blut“ – also ihn selbst, das ewige Leben in Person – in sich aufnehmen. Das aber geschieht im Glauben an sein Opfer für uns am Kreuz.

Wer so mit ihm vereint ist und bleibt – im Glauben an Jesus‘ stellvertretendes Opfer für die eigene Sünde und Schuld, der wird ewig leben, auch wenn sein Körper stirbt; Jesus wird ihn am Ende aller Tage auferwecken. Denn er, den wir voll Vertrauen in unser Herz aufnehmen und so eins mit ihm werden, ist die wahre Nahrung und der wahre Trank; er ist der Ewige selbst; das ewige Leben in Person. 

Zum Schluss fasst Jesus seine Rede in der Synagoge Kafarnaums noch einmal zusammen: der Vater hat ihn gesandt. Und so wie Jesus in Einheit mit ihm ewig lebt, können auch wir in Einheit mit Jesus ewig leben. Im Glauben an sein Opfer – sein Fleisch und Blut, die er am Kreuz für unsere Sünden hingab – „essen“ wir ihn; nehmen ihn in uns auf; werden eins mit ihm. Er, das Himmelsbrot, ist anders, als das Manna, das dem Volk Israel nur das irdische Leben rettete: wer an ihn glaubt, wird ewig leben.

O-Ton: Ich bin das Brot, das Leben schenkt. Eure Vorfahren aßen das Manna in der Wüste und sind trotzdem gestorben. Hier aber ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit, wer davon isst, nicht stirbt. 

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib. Ich gebe ihn hin, damit die Menschen zum Leben gelangen können.« 

Das löste unter den Zuhörern einen heftigen Streit aus. »Wie kann dieser Mensch uns seinen Leib, sein Fleisch, zu essen geben?«, fragten sie. Jesus sagte zu ihnen: »Amen, ich versichere euch: Ihr habt keinen Anteil am Leben, wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht esst und sein Blut nicht trinkt. 

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn am letzten Tag vom Tod erwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Nahrung, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt mit mir verbunden und ich mit ihm.

Der Vater, von dem das Leben kommt, hat mich gesandt, und ich lebe durch ihn. Genauso wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Das also ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist etwas ganz anderes als das Brot, das eure Vorfahren gegessen haben. Sie sind gestorben, wer aber dieses Brot isst, wird ewig leben.« Dies sagte Jesus in der Synagoge von Kafarnaum, so lehrte er dort die Menschen. (Joh 6,48–59)

Freitag, 20. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,41–47

 


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot, das Leben gibt -  ewiges Leben ist reine Gnade

Auf seine Aussage hin, dass er selbst das personifizierte Himmelsbrot ist, die spirituelle Nahrung, die unser Herz und unsere Seele wirklich satt macht, fangen seine Zuhörer an, hinter vorgehaltener Hand zu meckern. Sie sehen nur auf das, was vor Augen ist: Jesus‘ irdischen Körper und seine irdische Abstammung.

Was Jesus darauf sagt, geht unfassbar tief: er sagt Ihnen nicht nur, dass sie aufhören sollen zu meckern. Er offenbart Ihnen ein Geheimnis. Dass es nämlich einen Grund dafür gibt, dass Menschen überhaupt zu ihm kommen; sich ihm im Glauben zuwenden: Gott der Vater selbst muss sie ziehen. Und wer immer sich im Herzen von Gott ziehen lässt und wirklich im Glauben zu Jesus kommt, den wird Jesus am Ende der Zeiten zum ewigen Leben auferwecken.

Um das zu unterstreichen, zitiert Jesus die Propheten, die schon damals sagten, dass alle Gläubigen von Gott gelehrt sein würden. Doch was lehrt Gott der Vater? Er sagte auf dem Berg der Verklärung über Jesus: »Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe; auf ihn sollt ihr hören!« (Markus 9,7). Wer in seinem Herzen auf diese Stimme Gottes hört und Gottes Zeugnis Glauben schenkt – nämlich, dass Jesus tatsächlich sein Sohn ist und wir auf ihn hören sollen – der kommt auch zu Jesus.

Niemand von uns hat Gott je gesehen, gehört, gefühlt, gerochen, geschmeckt. Niemand von uns hat den Unendlichen jemals mit seinen Gedanken umfasst. Alles, was wir über Gott wissen können, können wir nur von dem Einen wissen; von ihm, der Gott tatsächlich gesehen hat: Jesus. Dem, der vom Himmel herabgekommen ist, um uns am eigenen Beispiel Gottes Wesen zu zeigen.

Wer an ihn glaubt; auf ihn vertraut — an ihn, auf den Gott der Vater hinweist und zu dem er unsere Herzen hinzieht; an ihn, der als Sohn allein weiß, wer Gott wirklich ist, weil nur er ihn wirklich gesehen hat; an ihn, der tatsächlich der Heiland ist; an ihn, der zu unserer Rettung vom Himmel auf die Erde gekommen ist; an ihn, der tatsächlich das Himmelsbrot ist; der das ewige Leben in sich trägt — der wird aufgrund dieser Beziehung selbst ewig leben.

O-Ton: Die Zuhörenden murrten, weil er gesagt hatte: »Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist.« Sie sagten: »Wir kennen doch seinen Vater und seine Mutter! Er ist doch Jesus, der Sohn Josefs! Wie kann er behaupten: 'Ich komme vom Himmel'?« 

Jesus sagte zu ihnen: »Was murrt ihr? Nur die können zu mir kommen, die der Vater, der mich gesandt hat, zu mir führt. Und ich werde alle, die zu mir kommen, am letzten Tag vom Tod auferwecken. 

In den Schriften der Propheten heißt es: 'Alle werden von Gott unterwiesen sein.' Wer den Vater hört und von ihm lernt, kommt zu mir. 

Nicht, dass je ein Mensch den Vater gesehen hätte. Nur der Eine, der von Gott gekommen ist, hat den Vater gesehen. 
Amen, ich versichere euch: Wer sich an mich hält, hat das ewige Leben. (Joh 6,41–47)

Mittwoch, 18. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,36–40

 


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot, das Leben gibt -  Gottes Wille: ewiges Leben

Das Volk hatte Jesu Wunder mit eigenen Augen gesehen. Und trotzdem wollen sie schlicht nicht an ihn glauben. Dieser durch Unglauben verursachten Blindheit für seine Identität stellt Jesus eines der größten christlichen Mysterien gegenüber: alle, die Gott schon vor Erschaffung der Welt dazu erwählt hat, werden zum Glauben an Jesus kommen — und jeder einzelne, der bei Jesus Gnade und Vergebung sucht, wird mit offenen Armen empfangen werden.

Denn Jesus hat den Himmel nicht verlassen, um irgendwelche egoistischen Ziele zu verfolgen, sondern nur, um sein Leben - in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes - einer einzigen Sache zu widmen: absolut sicherzustellen, dass alle Menschen, die der Vater im Himmel ihm anvertraut hat, die zu ihm gekommen sind und an ihn glauben, ohne Ausnahme gerettet werden.

Jesus wird am Ende der Zeiten all den Menschen, die auf ihn vertrauen, einen neuen, herrlichen und unvergänglichen Körper und ewiges Leben geben. Es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass jeder, der seine Hoffnung auf Jesus setzt und an ihn glaubt, am Ende aller Tage zu diesem neuen, ewigen und herrlichen Leben auferweckt wird, wie es Gott selbst es beschreibt; siehe Offenbarung 21,4.

O-Ton: Aber ich habe es euch bereits gesagt: Obwohl ihr meine Taten gesehen habt, schenkt ihr mir keinen Glauben. Alle, die mein Vater mir gibt, werden zu mir kommen, und niemand, der zu mir kommt, wird von mir abgewiesen. 

Ich bin vom Himmel gekommen, nicht um zu tun, was ich will, sondern um zu tun, was der will, der mich gesandt hat. Und er will von mir, dass ich niemand von denen verliere, die er mir gegeben hat. 

Vielmehr soll ich sie alle am letzten Tag zum Leben erwecken. Mein Vater will, dass alle, die den Sohn sehen und sich an ihn halten, ewig leben. Ich werde sie am letzten Tag vom Tod auferwecken.« (Joh 6,36–40)

Dienstag, 10. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,30–35


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot, das Leben gibt - Echtes Brot und echtes Leben


Noch immer giert das Volk nach der Befriedigung seiner Sensationslust. Und als ob das Brotwunder oder Jesus‘ Zu-Fuß-Überquerung des Sees nicht schon krass genug gewesen wären, wollen sie jetzt ein „echtes“ Wunder sehen: Wenn Jesus wirklich der ist, der er behauptet zu sein, dann soll er, wie damals Moses in der Wüste, Brot vom Himmel regnen lassen.

Ohne auf die Unverschämtheit ihrer Forderung einzugehen, berichtigt Jesus mit Nachruck zwei Dinge: erstens war es nicht Moses, der das Manna vom Himmel regnen ließ, sondern Gott, der Vater; und zweitens ist nicht das Manna aus dem Alten Testament das wahre Himmelsbrot, sondern das, was aus dem Himmel auf die Erde herab kam, um der Welt ewiges Leben zu geben.

Darauf reagiert das Volk wie die Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4). Dieses Brot, das ewiges Leben verspricht, wollen Sie jeden Tag haben. Wie Jesus darauf antwortet, lässt sich nicht so einfach ins Deutsche übersetzen. In der Aussage „Ich bin das Brot“ steckt nämlich nicht nur die Auflösung der Metapher vom Brot. Jesus verwendet bei der Formulierung „Ich bin“ auch erneut die Worte „εγώ είμι“ (ego eimi) und erinnert so an die Offenbarung Gottes im alten Testament: „Ich bin der ich bin“ — den Namen Gottes selbst. Er ist das Brot vom Himmel. Er ist Gott.

Und weil er Gott ist, der Schöpfer aller Dinge, der Allmächtige, der absolut alles überragt, kann er uns versprechen, was nichts auf dieser Welt auch nur im Ansatz halten kann: wer zu ihm kommt und bei ihm Erfüllung sucht, dessen Lebensdurst und -hunger wird er für immer stillen; weil er die Quelle ist; die Quelle allen Glücks.

O-Ton: Sie erwiderten: »Gib uns einen Beweis für deine Bevollmächtigung! Lass uns ein eindeutiges Wunderzeichen sehen, damit wir dir glauben. Unsere Vorfahren aßen das Manna in der Wüste. In den Heiligen Schriften heißt es von Mose: 'Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.'« 

Jesus entgegnete: »Amen, ich versichere euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Das wahre Brot Gottes ist das, das vom Himmel herabsteigt und der Welt das Leben gibt.« 

»Herr«, sagten sie, »gib uns immer von diesem Brot!« » Ich bin das Brot, das Leben schenkt«, sagte Jesus zu ihnen. 

»Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein. Wer sich an mich hält, wird keinen Durst mehr haben. (Joh 6,30-35)

Donnerstag, 5. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,22–29


Das Buch der Zeichen - Die Brotrede in Kapernaum - Echte Nahrung und Gottes Wille

Am nächsten Tag war die Volksmenge mehr als nur ein bisschen baff: sie wussten genau, dass die Jünger mit einem einzigen Boot gekommen waren. Und dass sie mit genau diesem Boot am Abend auch wieder abgefahren waren. Und zwar ohne Jesus. Eigentlich hätte Jesus also noch da sein müssen.

War er aber nicht. Das war erst mal nur seltsam. Und es waren auch keine Boote mehr da. Das war auch noch unpraktisch. Zum Glück aber kamen Boote aus dem am Südwestufer des Sees gelegenen Tiberias und legten in der Nähe von Bethsaida am Ostufer des Sees an; dort wo der Rest der Leute war, die Jesus satt gemacht hatte. In diese Boote stiegen sie ein und fuhren den Jüngern hinterher nach Kafarnaum, also ans Nordwestufer des Sees, um Jesus dort zu suchen.

Als sie ihn endlich gefunden hatten, waren sie platt: wann genau war er hier angekommen? Mit dem Boot war er ja nicht gefahren, und zu Fuß hätte er es sicher so schnell nicht geschafft. Jetzt wollten Sie wissen, wie er das gemacht hatte? Doch Jesus beantwortet eine ganz andere Frage. Denn das Volk hatte den Sinn der Zeichen und Wunder offenbar nicht verstanden. Statt sich zu fragen, was all diese Zeichen und Wunder zu bedeuten hätten, suchten sie nur nach der Befriedigung ihrer Neugier und ihrer körperlichen Bedürfnisse.

Genau diese falsche Reihenfolge will Jesus korrigieren. Darum sagt er ihnen, sie sollen sich nicht so sehr um ihr leibliches Wohl kümmern - dafür wird Gott schon sorgen -, sondern sich vor allem um „geistliches Essen“ bemühen, dass zum ewigen Leben taugt. Genau diese Art Nahrung will Jesus ihnen nämlich geben. Denn er ist der, auf dessen Identität die Zeichen und Wunder zeigen. Durch sie hat der Vater ihm sein Siegel aufgedrückt; ihn als seinen Botschafter bestätigt; als den, der er ist: Gott in menschlicher Gestalt.

Weil Jesus ihnen sagte, sie sollten sich um ihr spirituelles Wohl kümmern, will das Volk jetzt wissen: »Was müssen wir denn tun, um Gottes Willen zu erfüllen?« Diese Frage aber ist für uns alle symptomatisch: Wir wollen uns den Himmel mit unserer Leistung verdienen. Weil wir nichts begriffen haben. 

Weder, wie unwürdig wir dafür sind - und dass alle guten Werke dieser Welt nichts daran ändern können. Noch, wie großzügig und gnädig Gott ist, der uns unsere Gottlosigkeit vergeben und uns das ewige Leben schenken will - und dafür nichts von uns verlangt. Selbst den Glauben — Jesus als unseren Retter anzuerkennen und allein auf ihn und seine Liebestat am Kreuz zu vertrauen — will er uns schenken; es ist Gottes Werk.

O-Ton: Die Volksmenge, die am anderen Ufer geblieben war, erinnerte sich am nächsten Tag, dass nur ein einziges Boot am Ufer gelegen hatte. Die Leute wussten, dass Jesus nicht ins Boot gestiegen war und seine Jünger ohne ihn abgefahren waren. 

Es legten aber andere Boote, die von Tiberias kamen, nahe bei dem Ort an, wo der Herr das Dankgebet gesprochen und die Menge das Brot gegessen hatte. Als die Leute nun sahen, dass Jesus nicht mehr da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in diese Boote. Sie fuhren nach Kafarnaum und wollten Jesus dort suchen. 

Sie fanden ihn tatsächlich auf der anderen Seite des Sees und fragten ihn: »Rabbi, wann bist du hierher gekommen?« Jesus antwortete: »Amen, ich versichere euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr meine Wunder als Zeichen verstanden habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. 

Bemüht euch nicht um vergängliche Nahrung, sondern um wirkliche Nahrung, die für das ewige Leben vorhält. Diese Nahrung wird euch der Menschensohn geben, denn ihn hat Gott, der Vater, als seinen Gesandten bestätigt.« 

Da fragten sie ihn: »Was müssen wir denn tun, um Gottes Willen zu erfüllen?« Jesus antwortete: »Gott verlangt nur eins von euch: Ihr sollt den anerkennen, den er gesandt hat.« (Joh 6,22–29)

Montag, 26. Januar 2026

Johannes Evangelium 6,16–21

 


Das Buch der Zeichen - Das 5. Zeichen - Jesus geht über das Wasser 

Am Abend nach der Speisung der 5.000 stiegen seine Schüler wieder vom Berg herunter und in das Boot, um über den See zurück nach Kafarnaum (oder Kapernaum) zu fahren. Übrigens nicht ganz freiwillig, denn bei Matthäus lesen wir, dass Jesus sie quasi genötigt hatte, in das Boot zu steigen.

Und so ruderten sie los. Inzwischen war es Nacht geworden und ein schwerer Sturm war aufgezogen. Jesus‘ Schüler mussten sich mit ihrem Boot inzwischen durch hohe Wellen kämpfen. Es war dunkel. Und sie waren allein. Mit diesem Bild beschreibt Johannes die existenzielle Not, in die wir in diesem Leben geraten können.

Obwohl sie schon seit dem Abend wie wild um ihr Leben ruderten, waren Sie nicht weiter gekommen, als bei gutem Wetter in wohl einer Stunde. Man kann sich ihre innere Not kaum vorstellen. Und dann sehen Sie, durch die vom Sturm aufgepeitschte Gischt, eine Gestalt in der Finsternis, die über das Wasser geht. Kein Wunder, dass sie in eine Panik gerieten, als sei der Klabautermann hinter ihnen her.

Was Jesus ihnen dann sagt, lässt sich nicht so einfach ins Deutsche übersetzen. Die Worte „ἐγώ εἰμι!“ (ego eimi), die hier im griechischen Grundtext stehen, stehen auch in der Septuaginta, einer Übersetzung des Alten Testaments ins Altgriechische. Und zwar an der Stelle, in der Gott der Allmächtige sich Mose offenbart, als der ihn vor dem brennenden Dornbusch nach seinem Namen fragt: „JHWH!“ Dieses „JHWH!“ oder „ἐγώ εἰμι!“ aber bedeutet auf Deutsch nicht weniger als „Ich bin Der Ewig Seiende!“

Mit dieser Selbstoffenbarung ändert sich die ganze Szene: Ihre Angst ist verflogen, und sie wollen ihn bei sich haben. Mit dem Bild des Bootes, das sofort an Land ist, malt Johannes uns dabei vor Augen, wie auch in den Stürmen unseres Lebens sofort Ruhe einkehren kann: wenn wir nur erkennen, dass Jesus der Allmächtige Gott ist und ihn bei uns haben wollen. Weil er keine Gefahr für uns ist. Weil er für uns ist.

O-Ton: Als es Abend geworden war, gingen seine Jünger zum See hinunter. Sie stiegen in ein Boot, um über den See nach Kafarnaum zurückzufahren. 

Es wurde Nacht und Jesus war immer noch nicht zu ihnen gekommen. Das Wetter war sehr stürmisch und das Wasser schlug hohe Wellen. 

Die Jünger hatten eine Strecke von etwa fünf Kilometern zurückgelegt, da sahen sie plötzlich Jesus, wie er über das Wasser ging und sich ihrem Boot näherte. Die Angst packte sie. 

Aber Jesus sagte: »Habt keine Angst, ich bin's!« Sie wollten ihn zu sich ins Boot nehmen. Aber da waren sie auch schon am Ufer, dort, wo sie hinwollten. (Joh 6,16–21)

Dienstag, 20. Januar 2026

Johannes Evangelium 6,1–15

 


Das Buch der Zeichen - Das 4. Zeichen - Jesus macht mehr als 5.000 Menschen satt


Was sind Zeichen und Wunder? Klar ist auf jeden Fall, was sie nicht sind: sie sind keine Mythen oder Sagen. Keine billigen Tricks zur Bespaßung der Menge. Sie sind vielmehr Jesus' Personalausweis: sie bezeugen, dass er tatsächlich der ist, der er behauptet zu sein: der Mensch gewordene Gott.

Dass sie echt sind, zeigt sich vor allem daran, dass sich immer wieder Tausende auf den weiten Weg machen, um ihm zu begegnen; seine Hilfe zu suchen. Weil sie das Unglaubliche bereits gesehen und live erlebt haben: dass Blinde plötzlich sehen und Lahme plötzlich gehen können; dass die sonst Unheilbaren gegen jede Erwartung geheilt werden.

Auch deswegen waren sie ihm quer über den ganzen See, bzw. drum herum gefolgt. Um die 5.000 Männer; dazu noch Frauen und Kinder. Dimensionen eines Rockkonzerts. Und Jesus nutzt diese Gelegenheit, um seinen Schülern etwas Wesentliches beizubringen. 

Wohl wissend, dass neun Monatslöhne nicht ausreichen würden, diese Menge satt zu machen, fordert er seinen Schüler Philippus heraus, sich Gedanken darüber zu machen, wo sie jetzt genügend zu essen herbekommen.

Alles, was ihnen zur Verfügung stand, waren läppische 5 Fladenbrote und 2 kleine Fischlein. Doch für Jesus war das genug. Er sagt zu Gott dem Vater über dem Wenigen das Dankgebet und das Unfassbare geschieht: alle werden satt, und es ist noch in Hülle und Fülle übrig. Der Lerneffekt für seine Schüler? Jesus ist und bringt Leben. Und wo wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind, fangen Gottes Möglichkeiten erst an. 

So viel Macht in den Händen des Messias verleitete das Volk dazu, zu hoffen, er würde als irdischer König den römischen Besatzern die Stirn bieten. Aber so tickt Jesus nicht. So funktioniert auch sein Reich nicht. Was er sich wünscht, ist keine militärische Bekämpfung des Bösen mit Macht und Tod, sondern eine Verwandlung von innen heraus; aus dem Herzen: durch Gnade, Umkehr und Liebe. Darum zieht er sich am Ende zurück: er will nicht ihr Tyrann werden; er ist unser Heiland.

O-Ton: Danach fuhr Jesus über den See von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menge Menschen folgten ihm, weil sie seine Wunder an den Kranken gesehen hatten. 

Jesus stieg auf einen Berg und setzte sich mit seinen Jüngern. Es war kurz vor dem jüdischen Passafest. Jesus blickte auf und sah die Menschenmenge auf sich zukommen. Er wandte sich an Philippus: »Wo können wir Brot kaufen, damit alle diese Leute zu essen bekommen?« Das sagte er, um Philippus auf die Probe zu stellen; er selbst wusste schon, was er tun würde.

Philippus antwortete: »Zweihundert Silberstücke wären nicht genug, um so viel zu kaufen, dass jeder auch nur einen Brocken abbekommt.« Andreas, ein anderer Jünger, der Bruder von Simon Petrus, sagte: »Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das schon bei so einer Menschenmenge?« 

»Sorgt dafür, dass die Leute sich setzen«, sagte Jesus. Es gab viel Gras an dem Ort. Sie setzten sich; ungefähr fünftausend Männer waren da. Jesus nahm die Brote, sprach darüber das Dankgebet und verteilte sie an die Menge. Mit den Fischen tat er dasselbe, und alle hatten reichlich zu essen. 

Als sie satt waren, sagte er zu seinen Jüngern: »Sammelt die Brotreste auf, damit nichts verdirbt.« Sie taten es und füllten zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben. 

Als die Leute das Wunder sahen, das Jesus vollbracht hatte, sagten sie: »Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll!« Jesus merkte, dass sie drauf und dran waren, ihn mit Gewalt zu ihrem König zu machen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, ganz für sich allein. (Joh 6,1–15)

Dienstag, 13. Januar 2026

Johannes Evangelium 5,39-47

 


Das Buch der Zeichen - Das Zeugnis für den Sohn, Teil 2

Die Pharisäer machen einen kapitalen Fehler: nicht theologisches Wissen führt zur Erlösung, sondern das Einssein mit Gott in und durch Jesus. Ewiges Leben ist kein Ergebnis religiöser Studien oder theologischer Forschung. Ewiges Leben ist ein Geschenk, dass nur er, der Ewige, selbst verschenken kann: indem er sich selbst verschenkt an alle, die zu ihm kommen.

Jesus geht es mit dieser Aussage nicht darum, sich selbstherrlich in den Mittelpunkt zu stellen. Was er sagt, sagt er nicht, weil er will, dass sich alles um ihn dreht. Alles was er sagt und tut hat nur einen Grund: Gottes Auftrag, uns Menschen zu retten. Um so schlimmer ist es, dass die Pharisäer zwar jedem selbst ernannten „Heilsbringer“ gerne hinterher laufen, aber ihn — die Quelle ewigen Lebens — ablehnen. Weil sie Gott nicht wirklich lieben.

Ihnen geht es nicht um eine liebende Beziehung zu Gott; darum, in seinen Augen wertgeschätzt zu sein. Ihnen geht es allein um die Zustimmung und den Beifall untereinander. Und genau diese falsche Ausrichtung ihrer Herzen steht dem wahren Glauben und damit ihrer Rettung im Weg.

Jesus kam nicht in die Welt, um uns zu verurteilen, sondern um uns zu retten (Joh 3,17). Deshalb warnt er die Pharisäer vor ihrem selbstgebauten Dilemma: es sind die Worte Moses‘, die sie verurteilen. Moses hatte nämlich in Prophetien (z.B. 5. Buch Mose 18,15–19) auf Jesus hingewiesen und ausdrücklich verlangt, auf ihn zu hören. Wenn sie aber nicht auf Moses hören, obwohl sie auf ihn hoffen, wie können sie dann an Jesus glauben, auf den doch Moses zeigt? 

O-Ton: Ihr forscht doch in den Heiligen Schriften und seid überzeugt, in ihnen das ewige Leben zu finden – und gerade sie weisen auf mich hin. Aber ihr seid nicht bereit, zu mir zu kommen und so das ewige Leben zu haben. 

Ich bin nicht darauf aus, von Menschen geehrt zu werden. Außerdem kenne ich euch; ich weiß, dass in euren Herzen keine Liebe zu Gott ist. Ich bin im Auftrag meines Vaters gekommen, doch ihr weist mich ab. Wenn aber jemand in seinem eigenen Auftrag kommt, werdet ihr ihn aufnehmen. 

Wie könntet ihr denn auch zum Glauben an mich kommen? Ihr legt ja nur Wert darauf, einer vom andern bestätigt zu werden. Aber die Anerkennung bei Gott, dem Einen, zu dem ihr euch bekennt, die sucht ihr nicht. 

Ihr braucht aber nicht zu denken, dass ich euch bei meinem Vater verklagen werde. Mose klagt euch an, derselbe Mose, auf dessen Fürsprache ihr hofft. Wenn ihr Mose wirklich glaubtet, dann würdet ihr auch mir glauben; denn er hat über mich geschrieben. Da ihr aber seinen geschriebenen Worten nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen gesprochenen glauben?« (Joh 5,39-47)