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Mittwoch, 1. April 2026

Johannes Evangelium 7,14-18


 

Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Jesus in Jerusalem: Jesus lehrt selbstlos und mit Vollmacht 


Als das Laubhüttenfest schon zur Hälfte vorbei war, kam für Jesus der Zeitpunkt, um auf dem Fest an die Öffentlichkeit zu treten. Er ging also den Berg hinauf zum Tempel und unterrichtete dort die Leute. Und das Volk war baff angesichts seiner außergewöhnlichen Kenntnis von Gottes Wort – sie fragten: „Wie kann das sein, dass er die Tora so gut kennt? Er hatte doch nie eine theologische Ausbildung?“

Jesus ging darauf ein und antwortete: „Was ich lehre, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stammt von dem, der mich zu Euch geschickt hat. Und jeder der bereit ist, in die Tat umzusetzen was Gott will, der wird – indem er es tut! – merken, ob ich mir das was ich euch beibringe selbst ausgedacht habe, oder ob es wirklich von Gott kommt.“

„Wer nur in sein eigenes Horn bläst, der sucht den Ruhm für sich selber. Wer aber will, dass derjenige geehrt wird, der ihn geschickt hat, der ist ehrlich und hat keine faulen Motive.“

O-Ton: Die Hälfte der Festwoche war schon vorüber, da ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte das Volk. Die Leute waren sehr erstaunt und sagten: »Er hat doch keinen Lehrer gehabt. Wie kommt es, dass er die Heiligen Schriften so gut kennt?« 

Jesus ging darauf ein und sagte: »Meine Lehre habe ich nicht selbst ausgedacht. Ich habe sie von Gott, der mich gesandt hat. Wer bereit ist, Gott zu gehorchen, wird merken, ob meine Lehre von Gott ist oder ob ich meine eigenen Gedanken vortrage.

Wer seine eigenen Gedanken vorträgt, dem geht es um die eigene Ehre. Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, ist vertrauenswürdig. Man kann ihm keinen Betrug vorwerfen. (Joh 7,14-18)

Dienstag, 21. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,13-22

 


Das Buch der Zeichen - Jesus im Tempel

Zum Passafest war in Jerusalem immer die Hölle los. Juden aus allen Regionen kamen hier einmal im Jahr zusammen, um das größte Fest von allen zu feiern: die Erinnerung daran, wie Gott ihr Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit hatte. Im Zentrum der Feierlichkeiten stand dabei der Jerusalemer Tempel: hier wurde gedankt und gebetet, hier wurden Opfer gebracht. Die meisten Pilger hatten eine weite Anreise. 

So hatte es sich eingeschlichen, dass die meisten ihre Opfertiere nicht mehr selber mitbrachten, sondern diese direkt vor Ort kauften. Und um sicher zu gehen, dass die Tiere genau den Vorschriften der Tora entsprachen, kaufte man geprüfte Tiere direkt beim Tempel. Um dort eine Taube, ein Schaf oder ein Rind kaufen zu können, musste man sein regionales Geld aber erst mal in den zentralen Tempelgroschen umtauschen. Man kann sich vorstellen, was für ein Gedränge damals geherrscht haben muss; aus dem Dankfest für die Befreiung war ein Geschäft geworden.

Und das ging Jesus unfassbar auf den Zeiger. Er ist ja fast nie ausgeflippt. Vor allem nicht, wenn er selbst beleidigt oder sogar gefoltert wurde. Aber wenn es um die Ehre Gottes, seines Vaters ging, gab es für ihn kein Halten. Er war sowas von stocksauer! Weil man — TV preachers: listen! — aus der Wohnung Seines Vaters, dem dem Ort, an dem Gott und Mensch sich begegnen sollten, einen Ort gemacht hatte, an dem es nur noch ums Geld ging. 

Jesus war darüber so sauer, dass er den Leuten nicht nur sagte, sie sollten sich verziehen und aus Gottes Haus keinen Basar machen, sondern in einem Wisch auch noch die Tische umschmiss, das Geld auf den Boden fegte und die ganze Bagage mit einem Treibriemen wie Hühner aus dem Tempel scheuchte. Als seine Jünger das mitkriegen, mussten sie daran denken, dass die Propheten über ihn geschrieben hatten: „Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch auffressen; wie ein Feuer!“ 

Die obersten Geistlichen seiner Zeit hätten es als fleißige Studenten der Tora eigentlich wissen müssen, dass Jesus im Recht war; dass der Tempel ein heiliger Ort war. Aber ihre Gier nach Macht und ihr Hochmut vernebelten ihnen den Blick. Statt nur danach zu fragen, woher er (Gott!) das Recht habe, das zu tun, forderten sie (bloße Menschen) auch gleich noch ein Wunder ein. Auf diese verstockte Arroganz reagiert Jesus mit einer für sie kryptischen Prophetie: Sie sollten doch den Tempel einreißen, und er würde ihn in drei Tagen wieder aufbauen.

Die Pharisäer bezogen das natürlich auf den Tempel, den sie sehen konnten. Und den zu bauen, hatte 46 Jahre gedauert. Daher sagen Sie ihm, diesen Tempel in nur drei Tagen wieder aufzubauen sei ein Ding der Unmöglichkeit. Jesus sprach aber gar nicht vom Jerusalemer Tempel, sondern im übertragenen Sinn vom Tempel seines Leibes: vom Wohnort des Heiligen Geistes. Erst als er nach drei Tagen von den Toten auferstanden war, kapierten seine Jünger, was was Jesus mit seiner kryptischen Prophezeiung eigentlich gemeint hatte und glaubten seinen Worten; Gottes Worten. 

O-Ton: „Als das Passafest näher kam, ging Jesus hinauf nach Jerusalem. Im Vorhof des Tempels sah er die Händler, die dort Rinder, Schafe und Tauben verkauften; auch die Geldwechsler saßen dort an ihren Tischen.

Da machte er sich aus Stricken eine Peitsche und trieb sie alle aus dem Tempelbezirk, mitsamt ihren Rindern und Schafen. Er fegte das Geld der Wechsler zu Boden und warf ihre Tische um. Den Taubenverkäufern befahl er: »Schafft das hier weg! Macht aus dem Haus meines Vaters keine Markthalle!« Seinen Jüngern kam das Wort aus den Heiligen Schriften in den Sinn: »Die Liebe zu deinem Haus wird mich noch umbringen.« 

Die führenden Männer fragten ihn: »Woran können wir erkennen, dass du so etwas tun darfst? Gib uns ein Wunderzeichen als Beweis!« Jesus antwortete ihnen: »Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen!« 

Sie hielten ihm entgegen: »Für den Bau dieses Tempels wurden sechsundvierzig Jahre gebraucht! Und du willst ihn in drei Tagen wieder aufbauen?« Mit dem Tempel meinte Jesus aber seinen Leib. Als er vom Tod auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger an dieses Wort. Da glaubten sie den Heiligen Schriften und dem, was Jesus damals gesagt hatte.“ (Joh 2,13–22)

Sonntag, 27. Januar 2013

Dank für Rettung aus Todesnot (Ps 30:1-13)

Text

1 Ein Psalm Davids, ein Lied zur Einweihung des Tempels. 2 Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen und lässest meine Feinde sich nicht über mich freuen. 3 HERR, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund. 4 HERR, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten, aber sie mußten in die Grube fahren. 5 Lobsinget dem HERRN, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen! 6 Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude. 7 Ich aber sprach, als es mir gutging:Ich werde nimmermehr wanken. 8 Denn, HERR, durch dein Wohlgefallen hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt. Aber als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich. 9 Zu dir, HERR, rief ich, und zum Herrn flehte ich: 10 Was nützt dir mein Blut, wenn ich zur Grube fahre? Wird dir auch der Staub danken und deine Treue verkündigen? 11 HERR, höre und sei mir gnädig! HERR, sei mein Helfer! 12 Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet, 13 daß ich dir lobsinge und nicht stille werde. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.


Kommentar

Zusammenfassung

Anlässlich der Einweihung des Tempels dichtet David für alle Heiligen dieses Psalmlied, welches Gottes Erlösung zum Thema hat: sein Aufruf an uns zu Lobpreis & Lobgesang ergeht dabei in Form von Parallelismen und am Beispiel persönlicher Erfahrungen die David mit uns teilt: seine Selbstüberschätzung, Demütigung, sein flehentliches Gebet und letztendlich seine tiefe Freude und Dankbarkeit über Gottes Erlösung.


Struktur

1 Urheberschaft und Anlass dieses Lobliedes

2-4 Lobreis Davids über Gottes Gnade und Gebetserhörung in der Not
5-6 Aufforderung zu Lobgesang & Lobpreis im Hinblick auf die Ewigkeit

7-8 Bekenntnis seiner leichtfertigen Selbstüberschätzung in Zeiten des Wohlstands
      und die wahre Tiefe der Abhängigkeit seiner Seele von Gott
9-11 Davids demütiges Gebet um Gnade, Hilfe, Errettung & Erhörung

12-13 Dankbarer Lobpreis angesichts Gottes Gnade, Hilfe & Barmherzigkeit


Inhalt

1 David dichtete dieses Loblied noch vor seinem Tod anlässlich der Einweihung des Tempels. Eben jenes Tempels, den Salomo errichtete, weil David selbst ihn wegen seiner vielen Kriege und des dabei angerichteten Blutvergießens nicht bauen durfte (1Kö 5:17-19, 1Kö 8:17ff, 2Chr 7:11, 1Chr 22:8, 2Chr 6:9).

Davids Herz hing sehr an dem Bau dieses Tempels, doch er war bereits alt. So tat er, was er noch konnte und versorgte Salomo vor seinem Tod noch mit allem, was in seiner Macht stand und was sein Sohn für den Tempelbau brauchen würde: Mit Baumaterial (1Chr 22:5) und mit Plänen; nicht nur für den Tempel, sondern auch für die Geräte darin (1Chr 28:11ff). Und nicht zuletzt mit eben diesem Loblied, um Gott für seine ewige Barmherzigkeit zu danken (2Chr 7:6).

David hat sicher gewusst, dass die Einweihung des Tempels ein riesiges Fest werden würde (2Chr 7:1ff), denn der Zweck des Tempels war so groß, dass Salomo das Unbegreifliche in die Worte fasste: "Und das Haus, das ich bauen will, soll groß sein; denn unser Gott ist größer als alle Götter. Aber wer vermag es, ihm ein Haus zu bauen? Denn der Himmel und aller Himmel Himmel können ihn nicht fassen. Wer bin ich denn, dass ich ihm ein Haus baue, es sei denn, um vor ihm zu opfern?" (2Chr 2:4-5)


2-4 Bevor er sich mit seiner Aufforderung zum Lob an das ganze Gottesvolk wendet, richtet David sich mit seinem von Herzen kommendem Lobreis selbst an Gott und dankt Ihm für Seine Gnade und für die Gebetserhörung in der Not. Dabei sind Davids diesseitige Feinde und seine Errettung vom physischen Tode ein Bild für unsere geistlichen Feinde und unsere Errettung vor dem zweiten Tod, der Hölle, der feurigen Grube, dem ewigen Gericht unseres heiligen und allmächtigen Gottes (Offb 20:14).

Und so erinnert sich David, wie er seiner Verlorenheit zu Gott um Rettung vor seinen Feinden und auch um Vergebung seiner Sünden betete: "Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Laß deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst- Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, daß man dich fürchte." (Ps 130:1-4, vgl. Ps 69:2.6.15-18.21).

Und voll Dankbarkeit lässt David uns Anteil haben an seiner Erfahrung: dass Gott die nicht hinaus stößt, die sich in ihrer Not so -demütig und bußfertig- an Ihn wenden (Joh 6:37), sondern berichtet, dass Gott ihn aus der Tiefe seiner Not zog, ihn vom Tode errettete, am Leben erhielt und ihn von seiner durch die Anfechtungen seiner Feinde verursachten, wohl seelischen, Krankheit heilte (vgl. Ps 69:5.21).

Seine Feinde aber, Gottlose und hochmütige Menschen (Ps 10:4, 36:12), die in ihrem Stolz meinten, sich nicht an Gott wenden zu müssen, wurden am Ende wider ihren Willen dem Tode und der Grube ausgeliefert. 


5-6 Nachdem er von seiner heilenden Erfahrung mit Gottes Barmherzigkeit Zeugnis gegeben hat, lädt David die Heiligen Gottes, das ist: Gottes Volk und damit auch uns (Ps 12:2, 148:14, Rö 1:7, Kol 3:12) ein zum Lobgesang und zum Lobpreis des Namens unseres barmherzigen Gottes: "Immanuel!", das ist: "der Gott, der mit uns ist"; "der Gott, der für uns ist" (Mt 1:23, Rö 8:31).

Zwar macht es wohl Gottes "... Zorn, dass wir so vergehen, und [Sein] Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen" (Ps 90:7), doch unsere leidvolle Lebenszeit hier auf Erden, im finsteren Tal des Todes und der Tränen (Ps 23:4) ist nur ein kurzer Wimpernschlag, verglichen mit der unendlichen Ewigkeit der Gnade Gottes, die anbrechen wird wie der helle Morgen, wenn ER wiederkommt und uns endlich erscheint, "der helle Morgenstern" (Offb 22:16), "die Sonne der Gerechtigkeit" (Mal 3:20) und Er "wird abwischen alle Tränen von [unseren] Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen" (Offb 21:4).

So wird am Ende wahr, was geschrieben steht: "Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten" (Ps 126:5, Offb 7:17, 21:4, Mt 5:3ff). In diese Freude stimmt auch Petrus ein, wenn er unseren Blick auf unsere Zukunft richtet und von Herzen schreibt: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen" (1Pe 1:3-6).


7-8 Doch solche Hoffnung braucht nur, wer auf Erden leidet. David bekennt es selbst: als es ihm dank der souveränen Gnade Gottes gut ging, verfiel auch er dem selbstherrlichen Irrtum, von sich zu behaupten, er sei unerschütterlich. Doch in Wahrheit war es Gottes souveräne Wahl, die ihn in Sicherheit gebracht, ihn auf einen hohen Felsen - ein Bild für Christus (1Kor 10:4) - gestellt und ihn gerettet hatte.

Erst als Gott Sein gnädiges Antlitz verbirgt, erkennt David die Wahrheit: dass Sein Wohl die ganze Zeit allein in Gottes Hand gestanden hatte und dass Er, ganz entgegen seiner selbstsicheren Sicht, ohne den Blick auf Gottes Barmherzigkeit, tief in seinem Innersten erschütterbar war. Davids ehrliches Bekenntnis seiner leichtfertigen Selbstüberschätzung in Zeiten des Wohlstands und die Tiefe der Abhängigkeit seiner Seele von Gott möge uns lehren, unsere Hoffnung nicht auf uns selbst zu setzen, sondern allzeit "im Geist Gottes [zu] dienen und uns Christi Jesu [zu] rühmen" (Phil 3:3).


9-11 So von Gott aus seinem selbstgefälligen Traum geschreckt und zurück zur demütigen Anerkenntnis der Wahrheit geführt, fleht David inniglich um Gnade und ruft Gott mit lauter Stimme als Nothelfer an (vgl. Jer 14:8, Dan 6:28). In seiner verzweifelten Suche nach Argumenten, Gott gnädig zu stimmen, weiss er dabei nur noch seinen Dank und seine Verkündigung ins Feld zu führen, die bei seiner Verdammnis verstummen würden. Auch sein Blut und damit sein Leben (5Mo 12:23) würde der allmächtigen, sich Selbst genügenden und allseeligen Trinität keinen Nutzen bringen, führe der König zur Grube. So ringt David im Gebet aus hilfloser Position mit Gott, weil er erkannt hat, was er in diesen wenigen Versen gleich dreimal zum Ausdruck bringt: Gott ist der HERR, der souveräne und allmächtige Herrscher über unser Schicksal. Ihn ruft David an. Ihn allein fleht er an, sein Gebet zu erhören. Denn er hat erkannt: "Du, HERR, bist die Hoffnung Israels. Alle, die dich verlassen, müssen zuschanden werden" (Jer 17:13).


12-13 So gedemütigt und auf die wahre Machtverteilung der Souveränität zurück geführt erlebt David etwas wunderbares: Die Güte und Gnade unseres barmherzigen Gottes, der sich schon Mose zu erkennen gab als "HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue" (2Mo 34:6). So groß ist die Gnade und Barmherzigkeit unseres Gottes, so immerwährend Seine Geduld und Treue, dass David lernen darf: ER "lässt sich nicht erbittern" (1Kor 13:5), sondern "versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu" (2Kor 5:19). Seinem freiem Entscheid und allein Seinem souveränen Wohlgefallen ist es zu verdanken, dass David erleben darf: Gottes Barmherzigkeit wendet sein Leid und verwandelt seine Klage in einen fröhlichen Tanz; ER nimmt seine Trauer fort und seine Güte verankert ihn fest in der Freude. Und im Angesicht solcher Gnade, Hilfe & Barmherzigkeit Gottes stimmt David voll Dankbarkeit einen Lobpreis an, mit dem er vor lauter Freude am liebsten gar nicht mehr aufhören würde. So wunderbar erlebte er die Hilfe Gottes und so groß ist sein Glück, dass er sich wünscht, seinem HERRN und Gott danken zu dürfen in Ewigkeit.


Praktische Anwendung

1. Wir sollten auch guten Zeiten nicht vergessen, dass wir allein in Gott geborgen sind.
2. Wir sollten in angefochtenen Zeiten der Not, allein bei Gott unsere Hilfe suchen
3. Wir dürfen wissen: Seine Gnade und Treue sind immer noch größer als unsere Schuld; "Wenn wir ... unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit." (1Joh 1:9).


[Predigt als MP3]

Montag, 1. Oktober 2012

Gemeinschaft mit Gott (Ps 27:1-14)


Text

1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? 2 Wenn die Übeltäter an mich wollen, um mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, sollen sie selber straucheln und fallen. 3 Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn. 4 Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: daß ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten. 5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen. 6 Und nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich her sind; darum will ich Lob opfern in seinem Zelt, ich will singen und Lob sagen dem HERRN. 7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich! 8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. 9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlaß mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil! 10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf. 11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen. 12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht ohne Scheu. 13 Ich glaube aber doch, daß ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen. 14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalmlied betet David in einer militärischen Krisensituation, in der es für ihn um Leben und Tod geht (Vers 2), zu Gott, seinem Heiland (Vers 1): Seine Feinde führen Krieg gegen ihn (Vers 3), haben ihn mit ihren Armeen umzingelt (Vers 6a) und bereits mit der Belagerung begonnen (Vers 3).

In dieser Situation flieht David gerne (Vers 4) im Gebet zu Gott, wo er Geborgenheit und Stärkung findet (Vers 5 und 6a): er betet Gott an (Vers 6b) und bittet Ihn um Seine Gegenwart und Führung, Seinen Beistand und Schutz (Verse 7-12). Im Gebet vor Gott gewinnt er genug Hoffnung, Trost und Stärke (Vers 13 und 14) um auf die Vorsehung Gottes und sein Eingreifen zu warten (Vers 14).


Struktur

Davids Lied ist grob in drei Teile unterteilt:

i) In den Versen 1-3 und 5-6 richtet David sich, fast wie im Selbstgespräch versunken, an seine Zuhörer und berichtet ihnen von Gottes Herrlichkeit und seiner daraus gewonnenen Herzenshaltung seinen Feinden gegenüber.

ii) In den Versen 4 und 7-12 wendet er sich mit seinen Bitten an Gott.

iii) In den abschließenden Versen 13-14 bezeugt er sein Vertrauen in die Güte Gottes und ermahnt seine Seele zur Bereitschaft, geduldig auf Gottes Eingreifen zu warten.


Inhalt

1 Trotz der sichtbaren und dringlichen Gefahr bleibt Davids Blick, anders als der Blick des Apostels Petrus (vgl. Mt 14:30) fest auf Gott und dessen unsichtbare Welt gerichtet. Wie Elia weiß David, dass die unsichbare Realität Gottes von viel entscheidenderer Bedeutung für den Ausgang seiner Sache ist, als die sichtbare Realität vor seinen Augen (vgl. 2Kö 6:16).

Gott, der ewig Seiende, der das Licht der Welt ist (Joh 8:12), erhellt seine Seele. ER, der unwandelbar Treue, der Heiland des Volkes Israel und der ganzen Welt (2Mo 20:2, Jes 43:3, Jes 43:11, Joh 4:42, 1Jo 4:14) ist auch Davids Heil.

David hat also zu Gott eine ganz persönliche Beziehung; er kann sagen: mein Licht und mein Heil. Der Allmächtige selbst (Hi 42:2), ER ist die Quelle, aus der David seine Kraft schöpft. Das ist der einzige Grund, warum David keine Angst hat: weil er weiß, dass dieser ewige, allmächtige, rettende Gott und Heiland für ihn ist, auf seiner Seite ist - wer könnte ihm da noch etwas antun (Rö 8:31)?

2 Angesichts der Übermacht Gottes an Davids Seite gilt vielmehr: seine Gegenspieler und Feinde, diese Verbrecher die ihn, Kannibalen gleich, am liebsten in Stücke reißen und völlig verschlingen würden, werden sie stolpern und hinfallen, weil Gott selbst, wie vor ihm schon für Gideon (Ri 7:22), auch für David streiten wird; Er hat es versprochen (vgl. 2Mo 14:14 und Sach 4:6).

3 Weil David das weiß und weil er Seinen Blick fest auf Seinen treuen Herrn gerichtet hält, hat er noch nicht einmal dann Angst, wenn bereits Krieg herrscht und ihm ganze Armeen gegenüber stehen. Vielmehr verlässt er sich ganz und gar auf Gott und Seine allmächtige Rettung und nicht auf seinen Verstand (Spr 3:5ff).

4 So hat denn auch Davids Herzenswunsch nichts mit Macht, Ruhm oder Reichtum zu tun, sondern er wünscht sich, sein Leben ungestört und in der Gegenwart Gottes verbringen zu dürfen: im Tempel Gottes, dessen Schönheit (siehe 2Mo 35:4ff) eine Augenweide ist und von dem er später dichten wird: "Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend" (Ps 84,11).

5 Im Tempel Gottes (vgl. 1Kor 3:16f), wenn das Herz still wird in der Betrachtung Gottes in Seinem Wort, weiß sich auch David von Gott versteckt und geborgen, hier wird er von Gott auf einen festen Felsen gestellt, das ist auf Christus (1Kor 10:4) den Eckstein, und mit ihm auf seine göttlichen Gerechtigkeit, mit der Er jeden gerecht macht, der an Ihn glaubt (Rö 3:26, Rö 4:5). Dieser Christus ist Davids und unser fester Grund im Himmel (Jes 28:16, Ps 89:3) und Seine Gerechtigkeit ist die, nach der wir streben sollen (Mt 6:33).

6 So von Gott gerecht gemacht, geborgen und der bleibenden Treue und Gegenwart seines allmächtigen Retters versichert, erhebt David ermutigt und gestärkt sein Haupt über seine Feinde und wünscht sich, inmitten des Krieges und der Belagerung!, ein Loblied zu singen: Ein Loblied zum Dank an den Ewigen, der ihn rettet, birgt und schützt.

7-8 In dieser Gemütsverfassung wendet David sich nun an Gott und bittet um die Gnade der Gebetserhörung, wohl wissend, dass ihm Gott trotz Seiner Güte nicht das Geringste schuldig ist (Rö 11:35). Vielmehr ist es David, der Gottes Befehlen Gehorsam schuldet und so beginnt er sein Gebet in Demut, indem er sich in seinen Wunsch (mit seinen Bitten vor das Antlitz des Allmächtigen zu treten), auf Dessen Wort beruft, welches ihm eben dies befiehlt. David, selbst ein König, weiß, wie er sich in Gegenwart des Höchsten zu verhalten hat und gibt in Seiner vorbildlichen Demut Gott allein die Ehre; und selbst das Wollen und Vollbringen solcher Demut ist gewiss durch Gottes Geist in Davids Herz gewirkt (Phil 2,13).

9 David weiß, er ist "als Sünder geboren, und [...] in Sünden empfangen" (Ps 51,7). Dank dieser heilsamen Erkenntnis ist er Gott gehorsam und fürchtet Ihn (5Mo 6:13) und bittet daher um das gar nicht Selbstverständliche: dass Gott ihn in Seinem gerechten und heiligen Zorn
nicht verstoße oder verlasse und vor allem Sein leuchtendes Antlitz nicht vor ihm verberge (vgl. 4Mo 6,25). Er versteht sich trotz seines Königtums zu Recht als Gottes Diener, dessen Wohlergehen völlig in der allmächtigen Hand seines Gottes liegt.

10 Und neben all dieser Erkenntnis seiner Sündhaftigkeit auf der einen und der absoluten Heiligkeit seines Schöpfers auf der anderen Seite, leuchtet in Davids Gebet und Psalmlied an jeder Stelle Gottes Güte auf: selbst da, wo seine Eltern ihn verlassen, steht Sein Erlöser in Seiner Liebe treu zu ihm und nimmt ihn bei sich auf.

11-12 Jetzt erst, nachdem Er im Geiste Gott begegnet ist, sich vor Seiner Ehre und Heiligkeit in Demut gebeugt hat, sich seine Verpflichtung zum Gehorsam, seine Bedürftigkeit und seine Sündhaftigkeit samt Gottes Heiligkeit, Gnade und Güte ins Bewusstsein gerufen hat (vgl. das Vaterunser, Mt 6:9ff!), trägt David seine Bitte vor:

Wie später gegen Christus, so stehen auch gegen David falsche Zeugen auf und tun ihm mit ihren Meineiden ohne Gewissensbisse Unrecht. Und so bittet David, dass Gott ihn in dieser schrecklichen Lage beraten und ihm angesichts seiner Widersacher den richtigen Weg aus dieser Prüfung weisen und ihn vor deren hinterlistigen Plänen und abgekarteten Spielen beschützen möge (vgl. auch hier das Vaterunser, Mt 6:13ff!).

13-14 David schließt sein Gebet und Psalmlied - ungeachtet der ihn belagernden Armeen - im Glauben an die Güte Gottes und der daraus erwachsenden Hoffnung, auch dieses Gefecht zu überleben. Und so ruft er, durch die im Gebet erfahrene Gottesbegegnung im Glauben gestärkt und getröstet, seiner und auch unserer Seele zu, ohne Angst und voller Hoffnung auf Gottes verheißene Hilfe zu warten, die gewiss nicht ausbleiben wird: "Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!" (2Mo 14:14, Hab 2:3)