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Donnerstag, 18. Juni 2015

Gott ist König über alle Völker (Ps 47:1-10)


Text

1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen." 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! 3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist heilig, ein großer König über die ganze Erde. 4 Er beugt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße. 5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er lieb hat. "SELA". 6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Hall der Posaune. 7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige! 8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen! 9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron. 10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden; er ist hoch erhaben.


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser Lobgesang der Korahleviten will uns förmlich aus den Stühlen reißen, unseren Gott mit stürmischem Jubel zu besingen. Denn Er allein ist gut. Er allein ist wahrhaft gnädig. Er wird einst Menschen aus allen Völkern unter Seiner gerechten und liebenden Herrschaft vereinen. Denn er allein, der gute und gnädige Gott, regiert über alle Völker der Erde.


Struktur

1 Autoren dieses Lobliedes sind die Korahleviten; es dient dem öffentlichen Vortrag.
2-3 Es lädt alle Völker ein, unseren vollkommen guten Gott von Herzen zu bejubeln
4-6 und bestaunt Sein gnädiges Werk bis hin zur Vollendung der Heidenmission
7-8 Dieser gnädige Gott regiert als unser König die Welt; das ist aller Grund zum Lob
9-10 Auch heidnische Machthaber werden einst als Seine Kinder vor ihm stehen


Inhalt

1 Dieser Lobgesang (vgl. Zusammenfassung von Psalm 44) ist eine zum öffentlichen Vortrag verfasste Dichtung der Korahleviten und besingt in prophetischer Schau die Ehre und das Lob Gottes angesichts der Vollendung des Missionsauftrages.


2-3 Stehende Ovationen sind es, eine unbändige und völlig selbstvergessene Freude, zu denen dieser Psalm uns einlädt: Dass alle Gläubigen (s. Ps 70:5) aus allen Volksgruppen, Ländern und Nationen Gott von ganzem Herzen zujubeln und voller Begeisterung Ihm Beifall klatschen. 

Denn Er, der Ewige, ist nicht nur über jede Macht des Kosmos weit erhaben, nein, Er ist vor allem auch heilig; von vollkommenem Wesen. Er allein ist vollkommen gut und gerecht (Ps 25:8, Ps 92:16, 1Joh 1:5). Er allein ist vollkommen schön: prächtig und herrlich (Ps 104:1). Er allein ist die Wahrheit (Joh 14:6). 

Vor allem aber ist Er - trotz all Seiner für unseren Geist unfassbaren Weisheit, Seiner unsere Seele erschütternden Macht, Seiner für Sünder unerträglichen Heiligkeit und Seiner, für die Augen unseres Herzens blendenden, Herrlichkeit - freundlich (Ps 100:5), barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue (2Mo 34:6). Und dies auf immer; unwandelbar und ewig (1Joh 1:5, Jak 1:17). 

Allein das Wesen Gottes und Seine herrliche Gnade sind es, die Sein Volk aus vollem Herzen jubeln lässt - angesichts der Tatsache, dass Er, unser Heiland, alle Macht hat; als Großkönig über alle Könige der Erde (1Tim 6:15, Offb 17:14, 19:16).


4-6 Nach der Begeisterung über die Vollkommenheit des Wesens Gottes schwenkt der Blick des Psalmisten auf die in Seinen Werken sichtbar werdende Güte und Gnade. Allein die Gnade Gottes war es, die Jakob und vor ihm Abraham das Land zusprach und Israel bei der Landnahme sein Erbteil sicherte. Seine Gnade allein ist es, die das Evangelium vom Heil in Christus unter den Heiden ausrichtet und allein Seine Gnade wird es sein, die in Bälde für die Vollendung des Missionsauftrages sorgen wird, so dass alle Gläubigen an Christus (vgl. Rö 1:16, 11:11-16, Gal 3:28, Eph 2:14, Kol 3:11) - ob aus den Juden oder aus den Heiden - gemeinsam in den Jubel einstimmen werden. Seine Liebe, zuerst zu Jakob und nun auch zu uns ist es, die Ihn dazu drängt (s. Joh 3:16). Und so, wie Gott zum Himmel auffuhr, nachdem Er Abraham und nach ihm Jakob ihr Erbteil verheissen hatte (1Mo 17:22, 1Mo 35:13), so fuhr auch Christus auf, nach dem Er den Jüngern den Heiligen Geist verheißen hatte (Lk 24:51), ohne den der Beginn und die Durchführung der Heidenmission gar nicht möglich gewesen wären. Das Bild vom Hall der Posaune erinnert dabei an den Ruf in die Schlacht - den guten Kampf des Glaubens - und die Verkündigung des Versöhnungstages (3Mo 25:9) - und damit an die Gnade, die Gott allen Völkern in Jesus Christus anbietet.


7-8 Nun, nachdem die Augen unseres Herzens Gottes vollkommenes Wesen und Sein vollkommenes Werk gesehen haben und so unsere Seele Seine wunderbare Heiligkeit erblickt hat, fordert der Psalmist uns zu dem auf, wozu unser Herz ohnehin schon bereit ist: Gott zu loben und ihm zu singen. Drei mal erfolgt diese Aufforderung; zwei mal sogar zur Verstärkung des Aufrufs verdoppelt: Es ist unser heiliger und guter Gott, der zu loben ist; es ist unser liebender König. Und dass Er es ist, der heilige, gute, gnädige und barmherzige Gott, dass ist der Grund für diese Einladung zum freudigen, begeisterten und glückseligen Gotteslob.


9-10 Der Psalm schließt mit einer gewaltigen Feststellung: Gott regiert "über die ganze Erde" (V7) und so über alle Völker, Volksgruppen, Stämme und Nationen. Er ist der unumschränkte Herrscher über alle Menschen. Ihm sind wir alle Rechenschaft und Gehorsam schuldig. Und Er wacht in Seiner Regierung über uns alle. Unbefleckt von der Machtgier und Selbstsucht, die wir so oft bei menschlichen Diktatoren, Tyrannen und Despoten zu beklagen haben, ist Seine Herrschaft; trotz ihres unbeschränkten Machtbereiches vollkommen rein und heilig. Denn unser Gott ist "sanftmütig und von Herzen demütig" (Mt 11:29). Sein Reich ist ein Reich der Gerechtigkeit, der Freude und des Friedens (Röm 14:17), denn Er Selbst ist der Fürst des Friedens (Jes 9:5) und die Liebe in Person (1Joh 4:8). In diesem Friedensreich werden, das ist die hoffnungsfrohe Vision dieses Psalms, einst auch Mächtige aus den Ländern als Kinder Abrahams versammelt werden, das ist: als an Christus Gläubige (Gal 3:7) und als Sein Volk (Röm 9:26, 1Petr 2:9+10). Gottes Volk aber sind Kinder der Verheißung (Rö 9:8), auf der in Christus das "Ja" Gottes ruht (2Kor 1:20). So sind schon in diesem Psalm die Heidenmission und deren letztlich erfolgreiche Vollendung angedeutet.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung

* Hast Du die heilige Güte des Wesens Gottes vor Augen?
* Ist Dir die Gnade Deines liebenden Heilands im Sinn?
* Glaubst Du in Deinem Herzen, dass Dein guter Gott allein regiert?
* So "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!"

Mittwoch, 1. Mai 2013

Was tun, wenn uns der Zweifel überfällt...

Grundproblematik
 
Wenn auch nicht täglich, so haben wir doch alle immer wieder einmal mit Zweifeln zu kämpfen, der "Krankheit des Glaubens". Dabei hat der Zweifel in der Regel immer den gleichen Grundinhalt: 

Bezweifelt wird zumeist:
    Die Existenz Gottes (Atheismus, Nihilismus)
      • "Gott ist tot!" (Nietzsche)
      • "Wo ist nun Dein Gott?" (Ps 42:4) 
    Dieser Zweifel fragt sich angesichts des Leidens in der Welt und des eigenen Leidens, ob es überhaupt einen Gott gibt. Dass also das Leiden der Welt und das eigene Leid offensichtlich fortbestehen, gibt Anlass zur Frage, wo denn nun bitteschön Gott in all diesem Leid sei und ob aus dem Nichterkennbarkeit Seines Eingreifens nicht auch das Nichtvorhandensein seiner Existenz gefolgert werden müsse.
    Dieser Zweifel fragt also nach der Existenz und der Möglichkeit der Erkenntnis Gottes.
    Der gute Charakter Gottes (Theodizeefrage)
      • und Seiner Gebote: "Ja, sollte Gott [wirklich] gesagt haben?" (1Mo 3:1) und zwar
      • angesichts persönlichen Leidens und Not: "Als es mir wehe tat im Herzen..." (Ps 73:21f) 
    Dieser Zweifel setzt die Existenz Gottes zwar prinzipiell voraus, fragt sich jedoch angesichts des entweder einschränkenden oder fordernden Charakters von Gottes Geboten, ob Gott dem Menschen etwas vorenthalten wolle, oder ob er wirklich gute Absichten mit diesen Geboten verfolge. Auch die Frage nach dem Leiden der Welt und nach dem eigenen Leid wird hier nicht mit der Frage nach der Existenz Gottes beantwortet, sondern mit der Frage nach Seiner Gutheit.
    Diesem Zweifel geht es um die Frage nach der Ethik und charakterlichen Integrität Gottes.
    Die Glaubwürdigkeit Seines Wortes (Bibelkritik)
    Dieser Zweifel zielt auf die Verlässlichkeit der Schrift und des darin vermittelten biblischen Gottesbildes, in dem er danach fragt, ob die Schrift wirklich von Gott eingegeben sei, ob sie korrekt überliefert oder von Menschen verfälscht oder sonstwie in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt worden sei.
    Es geht diesem Zweifel also um die Frage der Authentizität und der Qualität der Schrift.

    Antwortmöglichkeiten

    Auf jede dieser Formen des Zweifels können eine Vielzahl theoretischer Antworten gegeben werden, die dann nach Belieben analysiert, angegriffen, verteidigt und sonstwie diskutiert werden können, wie z.B. ...
    Existenz Gottes
    ...die Beantwortung der Frage nach der Existenz und der Möglichkeit der Erkenntnis Gottes mittels eines sogenannten 'Gottesbeweises' (z.B. dem ontologischen Beweis nach Anselm von Canterbury, dem kosmologischen Beweis nach Thomas von Aquin oder als moralische Notwendigkeit nach Immanuel Kant; letzterer übrigens ohne Möglichkeit der Erkenntnis des Transzendenten aus dem Immanenten heraus).
    Charakter Gottes
    ...die Beantwortung der Frage nach der Ethik und charakterlichen Integrität Gottes mittels des Argumentes nach Gottes Funktion im Gericht (Rö 3:6), bzw. in direkter Ableitung aus expliziten Aussagen der Schrift (Ps 33:5, 1Jo 1:5, u.v.a.m).
    Glaubwürdigkeit der Schrift
    ...die Beantwortung der Frage nach der Authentizität und der Qualität der Schrift aus literaturhistorischer Sicht, aus Sicht der Prophetie oder aus Sicht der Archäologie.

    Diese Vielzahl theoretischer Antworten mag zwar zu interessanten und abendfüllenden Gesprächen führen, doch dem Zweifelnden sind diese kein Trost. Dem persönlich Betroffenen stellt sich ja vielmehr die Frage: "Wie gehe ich mit dem Zweifel um?" Oder besser: "Wie werde ich den Zweifel los?" Die Antwort auf diese Fragen sind also mehr auf der Handlungsebene angesiedelt, als auf der intellektuellen Ebene, ohne jedoch die intellektuelle Ebene auszugrenzen. Daher möchte ich im folgenden von meinem ganz persönlichen Umgang mit dem Zweifel berichten - in der Hoffnung, dass es dem einen, oder anderen eine Hilfe sein mag.


    Theorie für die Praxis

    Zu Beginn ist mir dabei wichtig festzustellen, dass die oben genannten Antwortmöglichkeiten eine innere 'Reihenfolge' oder 'Ordnung' haben, denn: Sind die Authentizität und Qualität der Heiligen Schrift erst einmal geklärt, dann klären sich mit ihnen auch die Fragen nach der Existenz, sowie nach der ethischen Integrität des Charakters Gottes, denn zu diesen Fragen bezieht die Heilige Schrift klar Stellung.

    Mir waren dabei in der Praxis folgende Überlegungen eine Hilfe:
    Argumente für die Glaubwürdigkeit der Schrift
    Neben den in früheren Artikeln gegebenen Argumenten für die Glaubwürdigkeit der Schrift aus literaturhistorischer Sicht, aus Sicht der Prophetie oder aus Sicht der Archäologie war es mir immer ein Trost, zu wissen, dass fast alle Apostel und einige Kirchenväter als Märtyrer ihr Leben für ihren Glauben an die Wahrheit des Evangeliums ließen.
    Ich fragte mich: "Wer würde angesichts des Todes an einer Lüge festhalten?" Die regelmäßig danach auftauchende Frage nach der moralischen Integrität der Apostel ist aus der Schrift sehr einfach zu beantworten: Jeder, der die biblischen Zeugnisse aufmerksam liest, kann nicht umhin, die Aufrichtigkeit, ja teilweise Einfalt der Berichte zu bemerken. Wenn also der Apostel Johannes schreibt:
    "Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens - und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist -,was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei." (1Jo 1:1-4)
    dann kann ich ihm gerade aufgrund seiner Einfalt glauben schenken, dass was er da berichtet tatsächlich sein ganz persönlicher Augenzeugenbericht ist. Darauf folgende, etwaig noch rührige Zweifel an der korrekten Überlieferung der Schrift wurden mit den Jahren und mit fortschreitendem Studium der Schrift (Joh 5:39, Apg 17:11) und der Literaturhistorie ebenfalls immer seltener. Vielmehr kann ich nach über 25 Jahren Prüfung bestätigen: "Alle Schrift [ist] von Gott eingegeben" (2Tim 3:16).
    Existenz und Erkenntnis Gottes
    In der Praxis bewährt hat sich für mich der kosmologischen Beweis des Thomas von Aquin, genauer: der Kausalitätsbeweis in folgender Abwandlung: "Das Universum existiert seit dem Urknall. Mit dem Urknall entstanden Zeit und Raum. Als Auslöser für die unvorstellbaren Energien des Urknalls kommt nur eine Ursache in Frage, die 'allmächtig', 'überzeitlich' und 'überräumlich' ist: Gott."
    Damit ist für mich nicht nur die Frage nach der Existenz Gottes beantwortet, sondern mit Römer 1:20 auch die Frage nach Erkenntnis Gottes: "Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt..."
    Charakter Gottes
    An dieser Stelle, das sei hier eingestanden, kämpfe ich am stärksten, härtesten und schon am längsten. Allein aus diesem Grunde habe ich vor etlicher Zeit eine systematische Theologie basierend auf der Analyse der Psalmen und des Matthäus-Evangeliums begonnen, deren exegetische 'Nebenprodukte' regelmäßig in diesem Blog erscheinen.
    Doch trotz allem Studium kämpfe ich noch immer mit der Spannung die sich aus dem Leid in meinem Leben und dem Leben meiner Nächsten, dem scheinbaren und teilweise realen Schweigen Gottes und Seinem in der Schrift offenbarten Charakter ergibt.
    Die Gedanken, die mich in solchen Spannungen bis zu einem gewissen Punkt getragen haben, sind diesen Versen entnommen: "Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken." (Jes 55:8f). Und: "Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet." (Jer 29:11).
    Kurz: Ich armes, begrenztes und fehlerhaftes Menschlein kann in keinster Weise auch nur im Ansatz ermessen, was Er, der unendlich Weise und Allwissende plant. Mein Verstand ist zu klein um zu verstehen, was Gott mit all dem 'Durcheinander' in meinem Leben vorhat. Oder mit den Worten des Predigers Salomo: "Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende." (Pred 3:11)
    So bleibt mir oft nur, die Spannung des Leidens, des Glaubens und noch nicht Schauens, auszuhalten. Doch das gelingt im Hinblick auf die Frage nach dem guten Charakter Gottes oftmals nur noch durch das Studium der Psalmen und wenn es ganz hart auf hart kommt:
    Im Anblick meines Heilandes am Kreuz.
    Nur dort wird sichtbar, dass Gott gut sein muss: Er richtet die Sünde (Er ist also gerecht) und Er trägt meine Sünde (und beweist damit de facto, dass Er barmherzig ist). Manchmal früher, manchmal später kann ich -so aufs Kreuz blickend- dann mit Paulus ausrufen: "was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und [hat] sich selbst für mich dahingegeben." (Gal 2:20)
    In dieser Spannung, innerlich leidend und um Gottes Existenz und Seine Gutheit wissend, bleibt mir nichts anderes, als zu warten, dass Gott seine Verheißungen wahr macht, wie Er es im Propheten Habakuk bezeugt: "Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben" (Hab 2:3).
    Beim diesem Warten helfen dann auch Paulus' Aussagen aus dem Römerbrief: "Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. " (Rö 8:24ff).

    Weiterführende Gedanken

    Mir ist bewußt, dass ich das Problem des Zweifels und des Leidens und die Antworten darauf nur im Groben anreißen konnte. Daher möchte ich an dieser Stelle noch drei Bücher empfehlen, von denen zwei mir bereits sehr gute Dienste geleistet haben und deren Drittes ich leider noch nicht kenne (jedoch den empfehlenswerten Autor):
    Ich möchte dieses Posting abschließen mit den Versen aus zwei Liedern, die mein Vater auf seiner Beerdigung singen ließ; eines davon war schon seit Jahren zuvor eines meiner liebsten Kirchenlieder: 
    So nimm denn meine Hände
    1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

    2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

    3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!
    Befiehl Du Deine Wege
    1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
    2. Dem Herren musst du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen: es muss erbeten sein.
    3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

    4. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.

    [Predigt als MP3]



    Sonntag, 1. Juli 2012

    Das egozentrische Dilemma

    Von Kelly M. Kapic - Übersetzung aus dem Amerikanischen von Michael Künnemann


    "Denn die Menschen werden viel von sich halten, 
    geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, 
    den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, 
    unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, 
    dem Guten Feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. 
    Sie lieben die Wollust mehr als Gott; 
    sie haben den Schein der Frömmigkeit, 
    aber deren Kraft verleugnen sie; 
    solche Menschen meide!" 



    Wer ist das Zentrum Deines Lebens? Ist Deine Antwort Jesus, oder sind es Deine Kinder, Deine Freunde oder Dein Ehepartner? Was wäre, wenn ich Dir sagen würde, dass die Antwort auf diese Frage "Du!" lautet? Und was wäre, wenn ich Dir sagen würde, dass das OK ist? Lasst uns klarstellen: die Frage ist nicht, ob Du das Zentrum Deines Universums bist - das bist Du. Das ist, was Philosophen und Psychologen manchmal das egozentrische Dilemma nennen. Einfach ausgedrückt, wir können uns selbst nicht entkommen. Was immer wir fühlen, denken, sprechen oder glauben, es sind wir, die das Fühlen, Denken, Sprechen oder Glauben besorgen. Wenn wir mit Gott, anderen und der Welt in Beziehung treten, ist unser Referenzpunkt unausweichlich unser Ego.

    Nun, hier ist die 'Überraschung': Für diese Art der "Selbstzentriertheit" müssen wir nicht umkehren. Stattdessen müssen wir erkennen, wie sehr wir von einer schwachen Schöpfungslehre beeinflusst sind. Ein Geschöpf zu sein, einschließlich unserer Endlichkeit und Besonderheit, ist ein Geschenk Gottes. Zu versuchen, uns selbst zu "entkommen" und irgendein anderes "Zentrum" zu haben, kann leicht in eine abstrakte Form der Spiritualität abgleiten, die unsere Geschöpflichkeit untergräbt. Das "Ich" vollständig zu verleugnen bedeutet aufzuhören zu existieren. Lasst uns vorsichtig sein mit unserem fromm-klingenden Gerede, das unsere Menschlichkeit untergräbt, denn sobald dies geschieht, wird aller Rat über die Heiligung und Umgang mit Sünde schief und letztendlich selbst-zerstörerisch für einen Christen. Wir sind nicht gerufen, uns für unsere Menschlichkeit zu entschuldigen, oder von ihr umzukehren.

    Doch es existiert eine andere Art von "Selbst-Zentriertheit" die zerstörerisch ist und von der wir ganz sicher umkehren müssen. Das ist, was wir Egozentrik nennen. Den Unterschied zwischen geschöpflicher Selbst-Zentriertheit und sündigem Egozentrik zu kennen, kann uns helfen in Gnade und Wahrheit zu wachsen. Und es mag dazu führen, dass wir die Spülmaschine für unseren Ehepartner etwas öfter leeren.

    Sünde erzeugt eine Perversion unserer geschöpflichen Selbst-Zentriertheit, so dass wir annehmen, wir seien nicht allein das Zentrum unserer eigenen Welt, sondern wir wären tatsächlich das Zentrum der Welt aller anderen. Wir vergessen, dass wir Teil der majestätischen und miteinander verbundenen Schöpfung sind und engstirnige und zerstörerische Egozentrik ist das Ergebnis. Wir sind noble und glorreiche Geschöpfe, geschaffen nach Seinem Bilde, doch wir sind nur Teil dieser Schöpfung; wir sind nicht deren Gesamtsumme. Obwohl es wahr ist, dass wir unentrinnbar das Zentrum unserer eigenen Welt sind, ist es ein großer Unterschied zu sagen, wir seien das Zentrum der Welt. Nur der Dreieine Schöpfer wird zu Recht als das Zentrum des Universums angesehen, denn es ist Seine Schöpfung: Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. (Rö 11,36).

    Hier ist also das Dilemma: Auf der einen Seite können - und sollen - wir es als Geschöpfe nicht darauf anlegen, unserem "Selbst" zu entkommen. Auf der anderen Seite, ist unser "Selbst" durch die Sünde verbogen worden und wir stehen nicht mehr in der richtigen Beziehung zu Gott oder dem Rest Seiner Schöpfung. Aufgrund unserer Sünde sind wir, mit in einem Wort gesagt, egozentrisch. Die Sünde hat beeinflusst, wie wir denken, fühlen und begehren. Infolgedessen versuchen wir das Werk der Hände Gottes zu verbiegen, um unserem eigenen egoistischen Verlangen zu dienen. Nehmen wir wenn wir autofahren nicht an, dass unser Zeitplan der Wichtigste ist in Gottes Welt? Wenn wir versäumen, andere zu sehen und zu wertschätzen, offenbaren wir eine verdorbene Selbst-Zentriertheit, die den Schöpfer und Seine Schöpfung unterminiert. Dabei frisst diese Selbstsucht unser eigenes Leben. Die ganze Schöpfung war darauf angelegt, die Güte des Schöpfers zu genießen, Ihn als Herrn und Schöpfer aller Dinge anzubeten. Konsequenterweise sollte jedes Teil alle anderen Teile schätzen und lieben. Eine unheimliche Seite der Sünde ist, dass sie uns in uns selbst gekehrt hat. In beunruhigender Weise handeln wir subtil so, als wären wir der Schöpfer, statt das Geschöpf, als ob alle Dinge allein für uns gemacht seien.

    Doch hier entdecken wir auch die christliche Hoffnung. Wenn Gott Sein Volk befreit, beginnt Er auch uns Einklang mit dem zu bringen, wie Er uns ursprünglich für uns zu leben geplant hatte. Der Schöpfer-Gott ist auch der Neu-Schöpfer. Als solche, die durch Christus erlöst und in der Kraft Seines Geistes freigesetzt sind, sehen wir, wie unsere Welt beginnt, sich zu verändern. Während die Sünde uns fortwährend nach innen verbiegt, so dass wir von uns selbst verzehrt werden, zieht uns das Evangelium wieder zurück zu einer angemessenen Liebe für den Schöpfer und Seine Schöpfung.

    Getränkt in der Liebe des Vaters, der Gnade des Sohnes und der starken Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sind wir ermächtigt, uns in Gottes Vergebung zu sonnen. Wir sind befreit, andere zu lieben, nicht nur uns selbst. Während sündige Selbst-Zentriertheit dazu tendiert, das Individuum und Beziehungen zu unterminieren, schafft es die lebensspendende Kraft Gottes, das Individuum und Beziehungen wieder herzustellen. Wir hören auf, uns ausschließlich um unsere Welt zu sorgen und beginnen, uns um Gottes Welt zu kümmern, die Welt, die Er so liebte, dass Er seinen einzig geborenen Sohn für sie gab (Johannes 3,16).

    Um biblisches Vokabular zu bemühen, ist die Frage nicht, ob Du ein "Selbst" hast, sondern ob es das "Neue Selbst" oder das "Alte Selbst" ist, das Dich regiert. (Eph 4,20, 1Kor 5,7). Wie Paulus an die Kirche in Kolossä schreibt, "belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat." (Kol 3,9-10). Andere zu belügen ist nur annehmbar, wenn Du glaubst, dass Du mehr wert bist, als die anderen, was eine gefährliches Missverständnis der Schöpfung ist.

    Wenn Gott uns ein neues Selbst gibt, sind wir dazu befreit, den Schöpfer als Allmächtigen Herrn anzubeten, was uns ermöglicht, das alte Selbst und seine von Eigeninteresse und Selbstschutz verunreinigten Gewohnheiten hinter uns zu lassen. Als die, die in Christus freigesetzt sind, sind wir frei, Gott und Nächsten zu lieben und das Gute der Anderen zu suchen, selbst wenn es uns selbst etwas kostet. Das alte Selbst praktiziert eine verdrehte Selbst-Liebe, die letztendlich zur Selbst-Zerstörung führt, wohingegen das neue Selbst eine kreuzförmiges Leben praktiziert, welches darauf abzielt, das Leben und die Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen, denen wir begegnen.

    Paulus warnt in seinem zweiten Brief an Timotheus vor "den letzten Tagen", in denen diese pervertierte Selbst-Liebe sich immer mehr manifestieren wird: "Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten Feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!" (2Tim 3,2-5)

    Indem wir diese Warnung umkehren, können wir aber auch sehen, wie Paulus sich Christen vorstellt, die für das Gute der Anderen leben. Gläubige sind dazu berufen, keine "Selbst-Liebhaber" zu sein, denn sie begreifen, dass sie zu Gott gehören und für Seine guten Absichten geschaffen wurden. In unserer sündigen Welt bedeutet das, dass wir von Christus dazu berufen sind, uns selbst für andere hinzugeben, auf dass sie die Kraft seiner Liebe durch uns erkennen mögen.

    Wir gehören zu Gott und daher sind wir frei, den Schöpfer und Seine Schöpfung angemessen zu lieben. Denk noch einmal über die Kehrseite dessen nach, was Paulus oben sagt. Wir Christen sind frei, unser Geld an die wegzugeben, die in Not sind. Wir sind, sowohl unsere Endlichkeit, wie auch unsere sündigen Verdrehungen der Realität erkennend, frei, uns von der Arroganz zur Demut zu wenden. Wir sind frei dankbar zu sein, voller Respekt und Ehrerbietung für andere, weil wir anerkennen, dass alles was wir haben ein Geschenk von Gott ist. Wir sind frei, große Herzen zu haben, einen empathischen Sinn für andere zu kultivieren, deren Wohlergehen und Gutes zu suchen, wo wir an ihren Geschichten und Schmerzen teilhaben. Wir sind frei, Gott mehr zu lieben, als unser eigenes Vergnügen; darum sind wir befähigt, das Kreuz Christi aufzunehmen, Ihm zu folgen, unsere eigene Selbst-Sucht abzulegen und zuerst das Reich Gottes zu suchen und Seine Gerechtigkeit [siehe Mt 6,33 Anm. d. Üs.]. Wir sind frei von abstumpfender Religiosität (dem Schein der Frömmigkeit), welche oft in solcher Weise von Sünde spricht, dass wir zum Fokus werden, statt unseren Blick zu Christus und der verändernden Macht Seines Geistes zu erheben. Einfach gesagt, sind wir in Christus frei, den Schöpfer und Seine Schöpfung richtig zu lieben.

    Frömmigkeit ruft uns nicht dazu auf, die Realität der des egozentrischen Dilemmas zu leugnen, sondern es ruft uns dazu auf, die Selbst-Sucht abzulegen. Gott widersteht den Hochmütigen. Wenn wir arrogant sind, vergessen wir, dass wir Geschöpfe sind und unsere Sünde macht uns anderen gegenüber "spöttisch" (Spr. 3,34). Doch Gott gibt den Demütigen Gnade, denn die Demütigen begreifen ihre Abhängigkeit von Ihm und anderen und sind daher aufmerksam und gnädig gegenüber denen, die sie umgeben (1Pe 5,5c, Jak 4,6). Wiewohl wir nicht in der Lage sein mögen, der geschöpflichen Realität des egozentrischen Dilemmas zu entkommen, können wir doch eine vom Geist bevollmächtigte Aufmerksamkeit und Nächstenliebe kultivieren. Lasst uns, während wir unseren Platz in Gottes Neu-Schöpfung einnehmen: schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn sein, das Gute der anderen noch vor uns selbst fördern und durch unsere Worte und Taten immer darauf abzielen, andere zum Dreieinen Schöpfer zurück zu ziehen, der allein uns von der dunklen Falle unserer Selbst-Sucht befreien kann (Jak 1,19, 1Pe 2,12). Also, auf geht's, lass den anderen Fahrer überholen und leere vielleicht sogar die Spülmaschine, wenn keiner hinschaut.

    ___________________

    Dr. Kelly M. Kapic ist Professor für Religionslehre am Covenant College in Lookout Mountain, Georgia. Er ist, zusammen mit Justin Borger, der Autor von God So Loved, He Gave: Entering the Movement of Divine Generosity.

    Sonntag, 17. Juni 2012

    Wie man ein Wunder übersieht

    Als wir vor kurzem bei einem befreundeten Ehepaar eingeladen waren, fiel mir etwas auf. An mir. Oder besser: an meiner Wahrnehmung. Etwas, das mir noch nie so bewusst aufgefallen war: Ich war überrascht von meiner "Fähigkeit zur geistlichen Blindheit". Meiner Blindheit gegenüber dem Handeln Gottes in dem sich sein Wesen so klar und eindeutig widerspiegelte: Seine Gutheit, Seine Barmherzigkeit, Seine Treue. 

    Doch von Anfang an.

    Ich habe einen Freund; nennen wir ihn G. Vor vielen Jahren war G. ein einsamer Mensch, der sein Dasein, zumindest aus dem Blickwinkel anderer, eher am Rande der Gesellschaft fristete. Ihm ging es nicht gut, weder äußerlich, noch innerlich. Weder finanziell noch emotional. Er war arbeitslos, ehelos, hoffnungslos. Er war mir und einem weiteren Freund von uns ein ständiges Gebetsanliegen.

    Und was er für Wünsche hatte! Er sehnte sich nicht nur nach einer festen Anstellung, was aus diversen Gründen schon eine Herausforderung darstellte, nicht nur nach einem festen Einkommen, sondern - in seiner Lage! - auch noch nach einer Frau. Und nicht nach irgend einer Frau. Nein, eine Frau von einem ganz bestimmten Fleck auf diesem Planenten sollte es sein. Das war für G. ausgemachte Sache.

    Wenn ich mich heute zurück erinnere, spüre ich noch gut meine innere Zerrissenheit: Auf der einen Seite wollte ich G. nicht enttäuschen, indem ich ihm seine, aus meiner Sicht etwas hoch gestochenen, Wünsche ausredete. Auf der anderen Seite wollte ich nüchtern bleiben und realistisch. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass er eine Arbeit finden würde, geschweige denn eine Frau. Und dann noch eine aus dieser ganz besonderen Region auf unserem Planeten. Das war für mich einfach zu viel.

    Doch meine Zuneigung und vielleicht auch mein Mitgefühl überwogen und so sagte ich ein ums andere Mal zu, für G. zu beten. Und mit ihm zu beten; wie auch mein anderer Freund und viele andere mit uns.

    Die Jahre vergingen. G. fand eine Arbeit. G. fand eine Frau. Alles geschah so natürlich, so unauffällig, so leise, so ohne Pomp und Klimbim. So leise und unauffällig sogar, dass ich gar nicht realisierte, was sich da eigentlich direkt vor meinen Augen zugetragen hatte.

    Und so saßen wir dann neulich zusammen und sprachen über alte Zeiten. Und G. fragte mich: "Weißt Du noch, wie anders damals alles war?" Dieser Satz traf mich, wie ein Blitz aus heiterem Himmel und es fiel mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Ja! Es war in der Tat alles anders. Denn Gott hatte unsere Gebete erhört und alle unsere Erwartungen -zumindest meine- bei weitem übertroffen:

    Inzwischen steht G. vor seinem 10-jährigen Firmenjubiläum in einem Unternehmen, an welches wir damals nicht im Traum zu denken gewagt hätten. Nicht nur ist er inzwischen verheiratet und Vater eines gesunden und ganz wunderbaren Kindes. Er ist vor allem auch der Ehemann einer wunderbaren Frau - einer Frau, die von genau dem Ort auf unserer Erde kommt, den er sich so sehr gewünscht hatte.

    Diese Erkenntnis traf mich mitten ins Herz: So liebevoll ist Jesus (Mt. 11,28), so sehr interessiert daran, uns Freude zu bereiten, so beharrlich darin, unseren Wünschen und Gebeten zuzuhören und uns am Ende zu geben, was unser Herz sich so sehr ersehnt (Ps 37,4). Auch darin liegt seine Herrlichkeit: Dass ER - ungleich uns - nicht allein an Sich selber denkt, sondern sein Höchstes für uns gibt, damit wir glücklich sind.

    Mich hat dieses Erlebnis eine -theologisch längst bekannte- Wahrheit in ganz neuem, viel realistischerem Licht erkennen lassen: dass Jesus unseren Gebeten tatsächlich zuhört. Dass sie Ihm wichtig sind. Dass Er sie erhört. Nicht, weil wir es verdient hätten. Sondern weil Er uns gnädig ist. Weil Er uns wirklich liebt.

    Und sie hat mich noch etwas gelehrt. Über einen Widerspruch in meinem Denken und Empfinden. Dass es scheinbar recht einfach für mich ist, Dinge zu übersehen, die ich, als sie noch in der Zukunft lagen, für richtige Wunder gehalten habe, für absolut menschenunmöglich. Und die ich, als sie so selbstverständlich und natürlich geschahen und in dann in der Vergangenheit verblassten, als gegeben hinnahm, als seien sie das Normalste von der ganzen Welt.


    Doch vielleicht geht es nicht nur mir so? Vielleicht gibt es auch im Leben meiner Mitmenschen Dinge, für die sie in ihrer Not zu Gott gerufen haben, gefleht und gebetet. Dinge, von denen sie glaubten, sie seien undenkbar. Und die Gott in seiner Gnade dann doch hat wahr werden lassen, weil uns Menschen liebt. Dinge, die vielleicht bis heute übersehen wurden, weil sie so völlig natürlich in's Leben kamen, so bescheiden, so leise, so unscheinbar... - ganz so, wie es Gottes Wesen entspricht. Denn Er ist demütig, sanftmütig und bescheiden... (Mt 11,29)

    Mittwoch, 25. April 2012

    Gottes Hilfe für den König (Psalm 21:1-14)

    Text  

    1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. 2 HERR, der König freut sich in deiner Kraft, und wie sehr fröhlich ist er über deine Hilfe! 3 Du erfüllst ihm seines Herzens Wunsch und verweigerst nicht, was sein Mund bittet. SELA. 4 Denn du überschüttest ihn mit gutem Segen, du setzest eine goldene Krone auf sein Haupt. 5 Er bittet dich um Leben; du gibst es ihm, langes Leben für immer und ewig. 6 Er hat große Herrlichkeit durch deine Hilfe; Pracht und Hoheit legst du auf ihn. 7 Denn du setzest ihn zum Segen ewiglich, du erfreust ihn mit Freude vor deinem Antlitz. 8 Denn der König hofft auf den HERRN und wird durch die Güte des Höchsten festbleiben. 9 Deine Hand wird finden alle deine Feinde, deine Rechte wird finden, die dich hassen. 10 Du wirst es mit ihnen machen wie im Feuerofen, wenn du erscheinen wirst. Der HERR wird sie verschlingen in seinem Zorn; Feuer wird sie fressen. 11 Ihre Nachkommen wirst du tilgen vom Erdboden und ihre Kinder aus der Zahl der Menschen. 12 Denn sie gedachten, dir Übles zu tun, und machten Anschläge, die sie nicht ausführen konnten. 13 Denn du wirst machen, daß sie den Rücken kehren; mit deinem Bogen wirst du auf ihr Antlitz zielen. 14 HERR, erhebe dich in deiner Kraft, so wollen wir singen und loben deine Macht.

     Kommentar

    1 Dieses Lied Davids hat zwei Hauptteile und einen Schluss: Die Freude Davids über die Gnade und barmherzige Hilfe und Gegenwart Gottes (Verse 2-8), ein Gerichtswort gegen die Feinde Gottes (Verse 9-13) und ein Gebetsaufruf an das vollmächtige Handeln Gottes (Vers 14).

     2-8 David freut sich, doch nicht über die Welt (vgl. 1Joh 2,15) und auch nicht in emotionsgieriger Weise aus sich selbst heraus, sondern in der Ausrichtung und Besinnung auf Gott (vgl. Ps 37,4) und der ihm dank der Hilfe Gottes daraus zuteil gewordenen Kraft des Allmächtigen (s. auch Rö 15,13). ER hat Davids Gebet erhört und ihm seinen innigsten Wunsch erfüllt, das ist für David zu aller Erst: Die Fülle des Segens Gottes zu erlangen und erst danach auch, geradezu als Zeichen göttlichen Segens, seine Krönung zum König über Israel mit einer Krone aus purem Gold. Dieses Bild und die folgenden Verheißungen sind (nach 2Kor 1,20 und Offb 1,5f) auch für uns als von Christus Erlöste ein Ausdruck der Liebe und Gnade Gottes uns gegenüber: David bat Gott (sicher auch wegen seiner Sünden und seiner Feinde (s. Ps 6,4, Ps 22,20, Ps 26,9, Ps 30,3 u.v.a.m.) um sein [Über]Leben - und wird überreich beschenkt mit ewigem Leben aus Gott. David weiß um die wahre Ursache seines königlichen Prunks und seiner Majestät und anerkennt demütig: nicht aus sich selbst heraus hat er es so weit gebracht, sondern allein Gottes gnädiger Hilfe ist es zu verdanken. Allein der Entscheid der göttlichen Erwählung ist die Ursache, dass David als König ein Segen für sein Volk sein darf und nur in Gott ist die Ursache für Davids Freude zu finden. Die Formulierung von V7 erinnert dabei an unsere Umgestaltung in Christi Ebenbild durch den Anblick Seiner Herrlichkeit (siehe Rö 8,29 u. 2Kor 3,18). Als vermittelnde Ursache für den erhaltenen Segen erkennt David seine Hoffnung , die er ganz allein in Gott und Seine Güte setzt und die sich auf den Erhalt seines Königtums richtet.  

    9-13 Die zweite Hälfte dieses Psalmlieds enthält ein, in Gebetsform an Gott gerichtetes, prophetisches Wort über die Feinde Davids. David erkennt es und spricht es aus: IHM, Seinem Gott ist nichts verborgen (Mt 10:26); ER wird am Tage des Gerichtes jeden einzelnen Seiner(!) Feinde finden, das sind alle diejenigen, die IHN gehasst haben, indem sie denen nicht gedient und geholfen haben, mit denen ER sich durch Erwählung und Glauben verbunden hat (Sach 2,12, Mt 25,21ff, Offb 21,8), ja, weil sie IHN und mit Ihm Seine Kinder mit Hass, Feindschaft, Verfolgung und Tod überzogen haben (Joh 15:20). Gottes Gericht, und hier ist die gesamte Heilige Schrift über einen Zeitraum von Jahrhunderten vollkommen konsistent, wird ein Tag des Feuers sein welches alle Werke auf Erden sichtet und all diejenigen richtet, deren Werke nicht in und aus und für Gott getan sind (Zef 3,8, Mal 3,2ff, 1Kor 3,13, 2Pe 3,7). Solche Gottlose werden dem unendlich schrecklichen Zorn Gottes anheim fallen (Heb 10,31) und werden samt ihren gottlosen Nachfahren vom Feuer des Gerichts vollständig vernichtet werden. Auf diese Weise wird Gott all ihre hinterlistigen Pläne vereiteln. Zwar werden diese Menschen versuchen vor IHM zu fliehen und IHM den Rücken zu kehren, doch Gott wird auch auf ihrer Flucht schon auf sie warten und ihr Schicksal besiegeln. Der bildliche Ausdruck des auf das Angesicht gerichteten Bogens zeigt dabei in aller Schärfe die unverrückbare Absicht Gottes und die unerbittliche Präzision seines Gerichtes.  

    14 David beschließt diesen Bitt- und Gerichtspsalm mit der Bitte, Gott möge sich - für David und gegen seine Feinde - in Seiner Vollmacht erheben und Segen für David und Gericht über seine Feinde bewirken. Dann will David mit seinem Volk gerne die Allmacht Gottes in einem weiteren Psalmlied loben.

    Donnerstag, 8. März 2012

    Psalm 19 - Gottes Herrlichkeit in Seiner Schöpfung und in Seinem Gesetz

    Text
     
    1 "Ein Psalm Davids, vorzusingen." 2 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk. 3 Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern, 4 ohne Sprache und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. 5 Ihr Schall geht aus in alle Lande und ihr Reden bis an die Enden der Welt. Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; / 6 sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn.7 Sie geht auf an einem Ende des Himmels / und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen. 8 Das Gesetz des HERRN ist vollkommen und erquickt die Seele. Das Zeugnis des HERRN ist gewiss und macht die Unverständigen weise. 9 Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist rein und bleibt ewiglich. Die Rechte des HERRN sind Wahrheit, allesamt gerecht. 11 Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold, sie sind süßer als Honig und Honigseim. 12 Auch lässt dein Knecht sich durch sie warnen; und wer sie hält, der hat großen Lohn. 13 Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Sünden! 14 Bewahre auch deinen Knecht vor den Stolzen, dass sie nicht über mich herrschen; so werde ich ohne Tadel sein und rein bleiben von großer Missetat. 15 Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes / und das Gespräch meines Herzens vor dir, HERR, mein Fels und mein Erlöser.


    Kommentar
     
    1 Dieses Lied Davids besingt (wie Ps 8:4-5, Ps 65 und Ps 104) die Ehre Gottes, die in Seiner Schöpfung (vgl. Rö 1:19-20) sowie in Seinem Wort sichtbar wird.

    2-7 Der Blick an den Himmel offenbart die Wunder der Schöpfung (vgl. Gen 1:14-19) und diese die Herrlichkeit und Ehre Gottes (vgl. Rö 1:19-20): Gottes Schöpfung spricht täglich zu uns, vom Anbeginn der Welt bis an das Ende der Zeit, ganz ohne Worte, durch ihre Schönheit und Vollkommenheit, zu unseren Herzen. Dieser Kommunikation sind keine räumlichen Grenzen gesetzt: sie ist in jedem Winkel dieser Welt und dieses Universums zu empfangen, so wie die Sonne alle Orte unseres Planeten erhellt und dabei keinen Flecken auslässt. Die phänomenologische Beschreibung des Sonnenlaufes ist dabei genau so zulässig, wie die Angabe von 'Sonnenaufgang' & 'Sonnenuntergang' in der Tagespresse.

    8-12 Der Blick in Gottes Wort offenbart das Herz Gottes. Wie sein Wort (vgl. Joh 1:1-18 und 1Jo 1:1-5) so ist auch Er vollkommen und erquickt unsere Seele (vgl. Mt 11:28). Er ist verlässlich (1 Thess 5.24 und 2 Thess 3:3) und schenkt uns in Christus (vgl. 1Kor 1:30) gerne Weisheit (vgl. Jak 1:5). Er ist gerade und aufrichtig und es ist keine Ungerechtigkeit in Ihm (Joh 7:18 und 1Jo 1:5). Seine Gebote sind voller Wahrheit (Joh 17:17), absolut gerecht und rein, d.i. ohne Verschmutzung oder Befleckung durch eine Sünde, wie z.B. des Eigennutzes. Und sie sind, wenn man liebt, auch nicht schwer (Mt. 11:30 und 1Jo 5:3) sondern sie tun, was Gott unser Vater will: sie bringen seinen Kindern Freude (Joh 17:13) und Erkenntnis. Darum sind sie wertvoller als alles Gold Welt und erfreuen das Herz mehr als die süßesten Speisen. Sie erinnern unser Gewissen an das Wahre, das Gute und das Schöne und stellen uns, wenn wir sie halten, eine große Belohnung in Aussicht. Solche, in Gottes Wort und der Erkenntnis Seines Wesens gegründete Gottesfurcht ist ebenfalls rein und sie wird alle Ewigkeit überdauern.

    13-14 Der Anblick von Gottes Heiligkeit, die sich in Seiner Schöpfung und in Seinem Wort offenbart, treibt David in die Erkenntnis seiner Sündhaftigkeit und in die Umkehr: David weiß, wie viele seiner Sünden er nicht einmal bemerkt, oder moderner: er ist sich darüber bewusst, dass sein ganzes Wesen von der Sünde durchzogen ist (vgl. Rö 7:18) und bittet Gott um Vergebung (vgl. Mt 6:12). Auch bittet David um Bewahrung vor den Bösen (vgl. Mt. 6:13), konkret: vor der Herrschaft der Arroganten; Er möchte durch die Herrschaft der Stolzen nicht grober Sünden schuldig werden (z.B. in dem ihm diese befohlen werden), denn er möchte vor Gott ohne bewussten Tadel sein.

    15 Zum Abschluss des Liedes bittet David Gott darum, sein Gebet zu erhören, welches er aus dem Herzen und im Bewusstsein der Gegenwart Gottes spricht. Des Gottes, der Davids Schutzort ist und der ihn aus aller Not erlöst & rettet.