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Sonntag, 20. Dezember 2015

Die Herrlichkeit der Reichen ist Trug und Schein (Ps 49:1-21)

Text

1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Jugend«." 2 Höret zu, alle Völker; merket auf, alle, die in dieser Zeit leben, 3 einfache Leute und Herren, Reich und Arm, miteinander! 4 Mein Mund soll Weisheit reden, und was mein Herz sagt, soll verständig sein. 5 Ich will einem Spruch mein Ohr neigen und mein Rätselwort kundtun beim Klang der Harfe. 6 Warum sollte ich mich fürchten in bösen Tagen, wenn mich die Missetat meiner Widersacher umgibt, 7 die sich verlassen auf Hab und Gut und pochen auf ihren großen Reichtum? 8 Kann doch keiner einen andern auslösen oder für ihn an Gott ein Sühnegeld geben 9 - denn es kostet zu viel, ihr Leben auszulösen; er muss davon abstehen ewiglich -, 10 damit er immer weiterlebe und die Grube nicht sehe. 11 Nein, er wird sehen: Auch die Weisen sterben, / so wie die Toren und Narren umkommen; sie müssen ihr Gut andern lassen. 12 Gräber sind ihr Haus immerdar, ihre Wohnung für und für, und doch hatten sie große Ehre auf Erden. 13 "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben," "sondern" "muss davon wie das Vieh." 14 Dies ist der Weg derer, die so voll Torheit sind, und das Ende aller, denen ihr Gerede so wohl gefällt. "SELA". 15 Sie liegen bei den Toten wie Schafe, der Tod weidet sie; aber die Frommen werden gar bald über sie herrschen, und ihr Trotz muss vergehen; bei den Toten müssen sie bleiben. 16 Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf. "SELA". 17 Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird, wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird. 18 Denn er wird nichts bei seinem Sterben mitnehmen, und seine Herrlichkeit wird ihm nicht nachfahren. 19 Er freut sich wohl dieses guten Lebens, und man preist dich, wenn es dir gut geht. 20 Aber doch fahren sie ihren Vätern nach und sehen das Licht nimmermehr. 21 "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben," "sondern muss davon wie das Vieh."


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser letzte im zweiten Buch der Psalmen aufgeführte Psalm der Korahleviten verkündet der ganzen Welt, ungeachtet deren Stand und Vermögen, Weisheit: es ist die Antwort auf die rätselhafte Frage nach dem Umgang des Gottesfürchtigen mit der Bosheit der Gewaltigen. Die Antwort lautet: Der Böse wird vergehen, Du aber bleibst - dank der erlösenden Gnade - in alle Ewigkeit bei Gott. Darum lass Dich nicht erbittern und fürchte Dich nicht.


Struktur

1 Auch dieses, als letztes im zweiten Psalmenbuch verzeichnete, Vortragslied der Korahleviten ist dem Chorleiter gewidmet.

2-5 Der Psalmist ruft, ungeachtet des Standes, der ganzen Welt zu, seine Botschaft zu hören: der weisen Antwort auf eine rätselhafte Frage, über die er lange nachgedacht hat.

6-7 Die Frage ist: Warum sollten wir uns vor der Bosheit der Gewaltigen fürchten?

8-13 Die Antwort: Wir sollten uns nicht fürchten. Denn selbst der Mächtigste kann sich nicht selbst vom Urteil Gottes über seine Sünde erlösen. Vielmehr wird er sterben, wie das Vieh.

14-16 Doch so sicher der Gottlose sterben muss und bessere nach ihm kommen, so sicher wird der Gottesfürchtige von Gott erlöst werden; von des Todes Gewalt zum ewigen Leben.

17-21 Das Fazit: Das Drohen der Mächtigen soll uns, im Angesicht der Ewigkeit, nicht anfechten. Denn sie werden mitsamt ihrem Reichtum, ihrer Macht und ihrem Ansehen vergehen.


Inhalt

1 Auch Psalm 49 (Buber: "ein Harfenlied"), das letzte dem zweiten Psalmbuch zugeordnete Vortragslied der Korahleviten, ist dem Chorleiter gewidmet. Schon in den Psalmen 44-47 und so auch hier müsste es also zu Beginn heißen: "Dem Chorleiter." und hier weiter: "Von den Söhnen Korach. Ein Psalm."

In der Übersetzung Luthers jedoch fehlt diese Widmung. Zudem geht der angefügte Hinweis "nach der Weise »Jugend«" nicht auf Luther, der sich auf den hebräischen Urtext stützte, zurück - sie ist in den Ausgaben von 1545 und auch in der Revision von 1912 nicht zu finden - sondern wurde erst mit der Revision von 1984 eingefügt.

2-5 Wie ein Herold die Bürger einer Stadt auf den Marktplatz ruft, um seines Königs Willen zu verkünden, so ruft der Psalmist allen Völkern seiner Zeit zu, ihm ihr Gehör und ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ganz egal, ob es einfache Bürger sind oder die oberen Zehntausend, egal ob sie arm sind oder reich, so bedeutungsvoll ist die Botschaft, dass alle miteinander hören sollen, was der Psalmdichter zu sagen hat:

Die Weisheit, die er in einem Sprichwort, dem er aufmerksam lauschte, vernommen und in seinem Herzen bewegt hat, will er in verständlicher Weise darlegen. Es ist die Antwort auf eine rätselgleiche Frage, die ihm dabei in den Sinn gekommen ist. Und diese Frage ist es, die er zur Musik der Harfe beantworten will.

6-7 Die Frage lautet: "Warum sollte ich mich in schlechten Zeiten fürchten? Warum sollte ich mich fürchten, wenn ich von der Bosheit meiner Feinde umgeben bin? Von prahlerischen Menschen, die sich auf ihr Vermögen verlassen und viel Wind um ihre Besitztümer machen?"

8-13 Die Antwort des Psalmisten liegt in der Zeit, in der Hilflosigkeit des sündigen Menschen gegenüber Gottes gerechtem Urteil über die Sünde und in der noch unsichtbaren Ewigkeit:

Wieviel Geld sie auch haben mögen, als Lösegeld für's ewige Leben wird es nicht reichen. Kein sündiger Mensch kann eines anderen Sünden sühnen oder ihn - schon gar nicht mit Geld - vor Gott freikaufen von seiner gerechten Strafe, das ist: vom Grab und vom ewigen Tod.

Von diesem Gedanken kann er sich für ewig verabschieden, ist doch offensichtlich, dass alle Menschen sterben müssen. Alle trifft das gleiche Los. Egal ob sie Narren oder Weise waren, ihr Vermögen, mit dem sie sich so brüsteten, können sie nicht mitnehmen, sondern müssen es anderen überlassen.

Vielmehr ist es so, dass, egal wie berühmt sie zu Lebzeiten gewesen sein mochten (selbst wenn ganze Länder nach ihnen benannt worden sein sollten, vgl. NeÜ), sie zu Grabe fahren und sie für immer im Totenreich ihre Heimat haben werden. Der Kehrvers fasst die Antwort des Psalmisten auf die Frage nach dem Sinn der Furcht vor der Bosheit der Mächtigen so brillant zusammen: "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh."

14-16 Noch einmal bestätigt der Psalmist das soeben Gesagte, so wichtig ist ihm seine Botschaft: Genau so wird es allen Narren gehen, genau so werden alle Prahlhanse enden: sie werden sterben und ihr Leib wird zerfallen (Luther: "ihr Trotz muss vergehen"). Die Herde ihrer Gräber hütet der Tod, dort müssen sie bleiben. Und schon morgen werden Aufrichtige an ihrer Stelle herrschen.

Doch für die Gottesfürchtigen besteht Hoffnung über den Tod hinaus: Gott selbst wird es sein, der Allmächtige persönlich, der uns aus den Krallen des Todes reißt und unser Leben vom Verderben erlöst. Und, Gott sei Dank!, das ist nun geschehen! Im Markusevangelium lesen wir von Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Gott: "Denn ... der Menschensohn ist ... gekommen, ... dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele." (Mk 10:45)

In Seiner Erlösungstat allein liegt unsere Hoffnung auf ewiges Leben, ein Leben, welches uns, befreit von aller Schuld und damit von der Macht des Todes (Röm 8:2, 2Tim 1:10, Hebr 2:14, Offb 20:6) und welches gekrönt wird mit der herzlichen Güte Gottes, der uns bei sich aufnimmt, damit wir, mit herrlichen Wohnungen beschenkt, da sind, wo Er ist, der uns geliebt hat his in den Tod (vgl. Joh 14:2, Joh 17:24).

17-21 In den letzten Versen fasst der Psalmdichter das Gesagte noch einmal zusammen: Es soll uns nicht ärgern, wenn ein Mensch zu großem Wohlstand kommt und sein öffentliches Ansehen wächst. Angesichts der Ausgangsfrage: "Wozu sollte ich mich in schlechten Zeiten fürchten - in Zeiten, wenn ich von der Bosheit prahlerischer Menschen umgeben bin, die auf ihr Vermögen pochen?" ist nun klar: der Mächtige und Reiche, der Prahlhans und Narr wird nichts mitnehmen, wenn er stirbt und auch sein weltlicher Ruhm und sein Reichtum werden ihm nicht ins Grab folgen.

Wohl mag er sich dieses Lebens gefreut und nach dem Motto gelebt haben: "Lass es Dir gut gehen, dann schmeichelt man Dir!" und doch muss er, wie seine Vorfahren, sterben und sind in ihrer Gottlosigkeit für immer und ewig abgeschnitten von Christus, dem Licht der Welt und des Lebens (Joh 8:12).

Noch einmal bringt es der Kehrvers auf den Punkt: Solche Menschen sind am Ende ihres Lebens nicht besser daran, als das Vieh. Und dann gilt endlich, was schon Salomo sagte: "dem Menschen, der ihm gefällt, gibt [Gott] Weisheit, Verstand und Freude; aber dem Sünder gibt er ..., dass er sammle und häufe und es doch dem gegeben werde, der Gott gefällt. Auch das ist eitel und Haschen nach Wind." (Pred 2:26)


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Gibt es gottlose Menschen in Deinem Leben, die Dich bedrängen und ängstigen?
  • Vertraue auf Gott, der Dich erlöst hat und aus Liebe zu Dir am Kreuz Sein Leben ließ.
  • Und sieh auf das Ende der Geschichte in der Herrlichkeit: Sieh auf zu Christus, "den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes." (Heb 12:2, ELB)

Mittwoch, 1. Mai 2013

Was tun, wenn uns der Zweifel überfällt...

Grundproblematik
 
Wenn auch nicht täglich, so haben wir doch alle immer wieder einmal mit Zweifeln zu kämpfen, der "Krankheit des Glaubens". Dabei hat der Zweifel in der Regel immer den gleichen Grundinhalt: 

Bezweifelt wird zumeist:
    Die Existenz Gottes (Atheismus, Nihilismus)
      • "Gott ist tot!" (Nietzsche)
      • "Wo ist nun Dein Gott?" (Ps 42:4) 
    Dieser Zweifel fragt sich angesichts des Leidens in der Welt und des eigenen Leidens, ob es überhaupt einen Gott gibt. Dass also das Leiden der Welt und das eigene Leid offensichtlich fortbestehen, gibt Anlass zur Frage, wo denn nun bitteschön Gott in all diesem Leid sei und ob aus dem Nichterkennbarkeit Seines Eingreifens nicht auch das Nichtvorhandensein seiner Existenz gefolgert werden müsse.
    Dieser Zweifel fragt also nach der Existenz und der Möglichkeit der Erkenntnis Gottes.
    Der gute Charakter Gottes (Theodizeefrage)
      • und Seiner Gebote: "Ja, sollte Gott [wirklich] gesagt haben?" (1Mo 3:1) und zwar
      • angesichts persönlichen Leidens und Not: "Als es mir wehe tat im Herzen..." (Ps 73:21f) 
    Dieser Zweifel setzt die Existenz Gottes zwar prinzipiell voraus, fragt sich jedoch angesichts des entweder einschränkenden oder fordernden Charakters von Gottes Geboten, ob Gott dem Menschen etwas vorenthalten wolle, oder ob er wirklich gute Absichten mit diesen Geboten verfolge. Auch die Frage nach dem Leiden der Welt und nach dem eigenen Leid wird hier nicht mit der Frage nach der Existenz Gottes beantwortet, sondern mit der Frage nach Seiner Gutheit.
    Diesem Zweifel geht es um die Frage nach der Ethik und charakterlichen Integrität Gottes.
    Die Glaubwürdigkeit Seines Wortes (Bibelkritik)
    Dieser Zweifel zielt auf die Verlässlichkeit der Schrift und des darin vermittelten biblischen Gottesbildes, in dem er danach fragt, ob die Schrift wirklich von Gott eingegeben sei, ob sie korrekt überliefert oder von Menschen verfälscht oder sonstwie in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt worden sei.
    Es geht diesem Zweifel also um die Frage der Authentizität und der Qualität der Schrift.

    Antwortmöglichkeiten

    Auf jede dieser Formen des Zweifels können eine Vielzahl theoretischer Antworten gegeben werden, die dann nach Belieben analysiert, angegriffen, verteidigt und sonstwie diskutiert werden können, wie z.B. ...
    Existenz Gottes
    ...die Beantwortung der Frage nach der Existenz und der Möglichkeit der Erkenntnis Gottes mittels eines sogenannten 'Gottesbeweises' (z.B. dem ontologischen Beweis nach Anselm von Canterbury, dem kosmologischen Beweis nach Thomas von Aquin oder als moralische Notwendigkeit nach Immanuel Kant; letzterer übrigens ohne Möglichkeit der Erkenntnis des Transzendenten aus dem Immanenten heraus).
    Charakter Gottes
    ...die Beantwortung der Frage nach der Ethik und charakterlichen Integrität Gottes mittels des Argumentes nach Gottes Funktion im Gericht (Rö 3:6), bzw. in direkter Ableitung aus expliziten Aussagen der Schrift (Ps 33:5, 1Jo 1:5, u.v.a.m).
    Glaubwürdigkeit der Schrift
    ...die Beantwortung der Frage nach der Authentizität und der Qualität der Schrift aus literaturhistorischer Sicht, aus Sicht der Prophetie oder aus Sicht der Archäologie.

    Diese Vielzahl theoretischer Antworten mag zwar zu interessanten und abendfüllenden Gesprächen führen, doch dem Zweifelnden sind diese kein Trost. Dem persönlich Betroffenen stellt sich ja vielmehr die Frage: "Wie gehe ich mit dem Zweifel um?" Oder besser: "Wie werde ich den Zweifel los?" Die Antwort auf diese Fragen sind also mehr auf der Handlungsebene angesiedelt, als auf der intellektuellen Ebene, ohne jedoch die intellektuelle Ebene auszugrenzen. Daher möchte ich im folgenden von meinem ganz persönlichen Umgang mit dem Zweifel berichten - in der Hoffnung, dass es dem einen, oder anderen eine Hilfe sein mag.


    Theorie für die Praxis

    Zu Beginn ist mir dabei wichtig festzustellen, dass die oben genannten Antwortmöglichkeiten eine innere 'Reihenfolge' oder 'Ordnung' haben, denn: Sind die Authentizität und Qualität der Heiligen Schrift erst einmal geklärt, dann klären sich mit ihnen auch die Fragen nach der Existenz, sowie nach der ethischen Integrität des Charakters Gottes, denn zu diesen Fragen bezieht die Heilige Schrift klar Stellung.

    Mir waren dabei in der Praxis folgende Überlegungen eine Hilfe:
    Argumente für die Glaubwürdigkeit der Schrift
    Neben den in früheren Artikeln gegebenen Argumenten für die Glaubwürdigkeit der Schrift aus literaturhistorischer Sicht, aus Sicht der Prophetie oder aus Sicht der Archäologie war es mir immer ein Trost, zu wissen, dass fast alle Apostel und einige Kirchenväter als Märtyrer ihr Leben für ihren Glauben an die Wahrheit des Evangeliums ließen.
    Ich fragte mich: "Wer würde angesichts des Todes an einer Lüge festhalten?" Die regelmäßig danach auftauchende Frage nach der moralischen Integrität der Apostel ist aus der Schrift sehr einfach zu beantworten: Jeder, der die biblischen Zeugnisse aufmerksam liest, kann nicht umhin, die Aufrichtigkeit, ja teilweise Einfalt der Berichte zu bemerken. Wenn also der Apostel Johannes schreibt:
    "Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens - und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist -,was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei." (1Jo 1:1-4)
    dann kann ich ihm gerade aufgrund seiner Einfalt glauben schenken, dass was er da berichtet tatsächlich sein ganz persönlicher Augenzeugenbericht ist. Darauf folgende, etwaig noch rührige Zweifel an der korrekten Überlieferung der Schrift wurden mit den Jahren und mit fortschreitendem Studium der Schrift (Joh 5:39, Apg 17:11) und der Literaturhistorie ebenfalls immer seltener. Vielmehr kann ich nach über 25 Jahren Prüfung bestätigen: "Alle Schrift [ist] von Gott eingegeben" (2Tim 3:16).
    Existenz und Erkenntnis Gottes
    In der Praxis bewährt hat sich für mich der kosmologischen Beweis des Thomas von Aquin, genauer: der Kausalitätsbeweis in folgender Abwandlung: "Das Universum existiert seit dem Urknall. Mit dem Urknall entstanden Zeit und Raum. Als Auslöser für die unvorstellbaren Energien des Urknalls kommt nur eine Ursache in Frage, die 'allmächtig', 'überzeitlich' und 'überräumlich' ist: Gott."
    Damit ist für mich nicht nur die Frage nach der Existenz Gottes beantwortet, sondern mit Römer 1:20 auch die Frage nach Erkenntnis Gottes: "Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt..."
    Charakter Gottes
    An dieser Stelle, das sei hier eingestanden, kämpfe ich am stärksten, härtesten und schon am längsten. Allein aus diesem Grunde habe ich vor etlicher Zeit eine systematische Theologie basierend auf der Analyse der Psalmen und des Matthäus-Evangeliums begonnen, deren exegetische 'Nebenprodukte' regelmäßig in diesem Blog erscheinen.
    Doch trotz allem Studium kämpfe ich noch immer mit der Spannung die sich aus dem Leid in meinem Leben und dem Leben meiner Nächsten, dem scheinbaren und teilweise realen Schweigen Gottes und Seinem in der Schrift offenbarten Charakter ergibt.
    Die Gedanken, die mich in solchen Spannungen bis zu einem gewissen Punkt getragen haben, sind diesen Versen entnommen: "Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken." (Jes 55:8f). Und: "Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet." (Jer 29:11).
    Kurz: Ich armes, begrenztes und fehlerhaftes Menschlein kann in keinster Weise auch nur im Ansatz ermessen, was Er, der unendlich Weise und Allwissende plant. Mein Verstand ist zu klein um zu verstehen, was Gott mit all dem 'Durcheinander' in meinem Leben vorhat. Oder mit den Worten des Predigers Salomo: "Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende." (Pred 3:11)
    So bleibt mir oft nur, die Spannung des Leidens, des Glaubens und noch nicht Schauens, auszuhalten. Doch das gelingt im Hinblick auf die Frage nach dem guten Charakter Gottes oftmals nur noch durch das Studium der Psalmen und wenn es ganz hart auf hart kommt:
    Im Anblick meines Heilandes am Kreuz.
    Nur dort wird sichtbar, dass Gott gut sein muss: Er richtet die Sünde (Er ist also gerecht) und Er trägt meine Sünde (und beweist damit de facto, dass Er barmherzig ist). Manchmal früher, manchmal später kann ich -so aufs Kreuz blickend- dann mit Paulus ausrufen: "was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und [hat] sich selbst für mich dahingegeben." (Gal 2:20)
    In dieser Spannung, innerlich leidend und um Gottes Existenz und Seine Gutheit wissend, bleibt mir nichts anderes, als zu warten, dass Gott seine Verheißungen wahr macht, wie Er es im Propheten Habakuk bezeugt: "Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben" (Hab 2:3).
    Beim diesem Warten helfen dann auch Paulus' Aussagen aus dem Römerbrief: "Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. " (Rö 8:24ff).

    Weiterführende Gedanken

    Mir ist bewußt, dass ich das Problem des Zweifels und des Leidens und die Antworten darauf nur im Groben anreißen konnte. Daher möchte ich an dieser Stelle noch drei Bücher empfehlen, von denen zwei mir bereits sehr gute Dienste geleistet haben und deren Drittes ich leider noch nicht kenne (jedoch den empfehlenswerten Autor):
    Ich möchte dieses Posting abschließen mit den Versen aus zwei Liedern, die mein Vater auf seiner Beerdigung singen ließ; eines davon war schon seit Jahren zuvor eines meiner liebsten Kirchenlieder: 
    So nimm denn meine Hände
    1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

    2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

    3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!
    Befiehl Du Deine Wege
    1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
    2. Dem Herren musst du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen: es muss erbeten sein.
    3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

    4. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.

    [Predigt als MP3]



    Sonntag, 22. Januar 2012

    Psalm 17:1- 15 - Hilferuf eines Unschuldigen

    Text
    1 "Ein Gebet Davids." HERR, höre die gerechte Sache, merk auf mein Schreien, vernimm mein Gebet von Lippen, die nicht trügen. 2 Sprich du in meiner Sache; [mögen] deine Augen sehen, was recht ist. 3 Du prüfst mein Herz und suchst es heim bei Nacht; du läuterst mich und findest nichts. Ich habe mir vorgenommen, dass mein Mund sich nicht vergehe. 4 Im Treiben der Menschen bewahre ich mich / vor gewaltsamen Wegen durch das Wort deiner Lippen. 5 Erhalte meinen Gang auf deinen Wegen, dass meine Tritte nicht gleiten. 6 Ich rufe zu dir, denn du, Gott, wirst mich erhören; neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede! 7 Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen gegenüber denen, die sich gegen deine rechte Hand erheben. 8 Behüte mich wie einen Augapfel im Auge, beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel 9 vor den Gottlosen, die mir Gewalt antun, vor meinen Feinden, die mir von allen Seiten nach dem Leben trachten. 10 Ihr Herz haben sie verschlossen, mit ihrem Munde reden sie stolz. 11 Wo wir auch gehen, da umgeben sie uns; ihre Augen richten sie darauf, dass sie uns zu Boden stürzen, 12 gleichwie ein Löwe, der nach Raub lechzt, wie ein junger Löwe, der im Versteck sitzt. 13 HERR, mache dich auf, tritt ihm entgegen und demütige ihn! Errette mich vor dem Gottlosen mit deinem Schwert, 14 vor den Leuten, HERR, mit deiner Hand, vor den Leuten dieser Welt, die ihr Teil haben schon im Leben, denen du den Bauch füllst mit deinen Gütern, deren Söhne auch noch satt werden und ihren Kindern ein Übriges hinterlassen. 15 Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde.
    Kommentar
     1-3a Wie immer, so betet David auch dieses Gebet aus tiefstem Herzen: In seiner inneren und äußeren Not schreit (Buber: wimmert) er zu Gott, seinem Retter. Es geht ihm um eine gerechte Sache, die er Gott, obwohl es dabei um ihn selbst geht, ohne die Wahrheit zu seinen Gunsten zu verdrehen, vorträgt. Im Wissen um Gottes Heiligkeit und Sein Allwissen bringt David seinen Fall in Demut vor Gott: Er allein kennt die ganze Wahrheit und ist Davids Hoffnung auf Rechtsprechung (statt "sprich Du in meiner Sache" haben Buber, die ESV und die Elberfelder die m.E. genauere ÜS: "Von Deinem Angesicht geht meine Rechtfertigung aus"). David bekräftigt seine Wahrhaftigkeit, indem er Gott daran 'erinnert', dass ER selbst ihn nächtlich prüft und reinigt und dabei "nichts" an ihm findet, d.i.: nichts Unaufrichtiges. Natürlich weiß David um seine generelle Sündhaftigkeit (vgl. Ps 19:13 [siehe auch Kommentar], Ps 51:5), doch hier steht seine Wahrhaftigkeit im Fokus.
     3b -5 David hat durch Gottes Wort gelernt, seine Zunge zu zügeln (vgl. Jak 3:2-15). Auch Angesichts des [gottlosen] Verhaltens der Menschen um ihn herum kann und will David sich mit Hilfe von Gottes Wort disziplinieren, um nichts falsches zu sagen, oder gar die Wege der Gewalttäter einzuschlagen (vgl. Mt 5:22-26) indem er sein Herz aus Hass zur Mördergrube macht. Auch dass es so bleiben möge, ist Davids Gebet, denn er weiß, dass nur Gott ihn vorm Ausrutschen und Abirren vom Wege bewahren kann.
    6-8 Noch einmal ringt Davids Seele um Gottes Aufmerksamkeit, darum, dass Er ihm zuhöre, denn David weiß, dass Gott seine Bitte erhören wird:, dass Gott ihn behütet und beschützt, wie seinen Augapfel, oder eine Henne ihre Küken, und durch dieses Eingreifen all denen, die sich angesichts der Feinde Gottes voll Vertrauen bei Gott als ihrem Retter bergen, seine Wohlgesonnenheit David gegenüber zeigt.
    9-12 Wer sind diese Feinde und was tun sie? Es sind gottlose Gewalttäter, unbarmherzige Menschen, die David ermorden wollen, auf Schritt und Tritt (heimlich und verborgen, wie ein Löwe auf der Lauer) nach Möglichkeiten suchen, ihn als König zu stürzen.
    13-14a David fleht Gott an, höchst persönlich aktiv zu werden, den Atheisten Einhalt zu gebieten und sie "zu demütigen" (wörtl. "in die Knie zu zwingen", od. "niederzuwerfen"). Wo David das Schwert Gottes noch buchstäblich versteht, dürfen wir diesen Wunsch mit Heb 4:12 auf Gottes Wort beziehen.
    14b Wie auch in Ps 37:20 oder Ps 73:4-5 und Ps 73:12 so stellt David auch hier als potentiell charakterverderbenden Umstand den Wohlstand und das Wohlergehen der Gottlosen heraus: sie haben an nichts Mangel und selbst nach ihrem Leben noch genug, es an Kinder und Enkel zu vererben.
    15 David aber macht sich nicht aus dem Materialismus der Ungläubigen, denn er weiß um das einzig wahre Gut: die Gemeinschaft mit Gott: Sein freundliches Angesicht ist für David Reichtum und Wohlergehen, an Gottes gnädigem Blick und Seiner Barmherzigkeit, die uns Sünder rechtfertigt, will er sich sattsehen, wenn er erwacht. Im übertragenen Sinne könnte David mit der 'Nacht' auch das gesamte Leben im Diesseits, bzw. vor der Auferstehung (vgl. 1Pe 1:6 und Heb 10:37) im Blick gehabt haben.