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Samstag, 9. Juli 2016

Joyce Meyer – Lehrerin oder Irrlehrerin? (Teil II)

Eine interessante Leserfrage zu meinem ersten Artikel über Joyce Meyer hat mich dazu bewegt, eine Antwort zu verfassen, die so lang geworden ist, dass ich mich entschlossen habe, einen eigenen Artikel daraus zu machen. Ich möchte ihn mit der Frage überschreiben: 

"Ist es eine Verurteilung zu behaupten, Joyce Meyer sei eine Irrlehrerin?"

Ich bin, wie meine Leser, der Überzeugung, dass niemand uns das Recht gibt, einen anderen Menschen zu verurteilen. Doch Gott gibt uns sehr wohl den Auftrag, dass was wir das, was wir hören, sehen, lesen und wahrnehmen, vorher zu überprüfen, um nicht "einfach so" alles für Gold zu halten, was glänzt. Gott möchte, dass wir die Inhalte, die wir für uns übernehmen, um sie zu glauben, vorher prüfen (1Thess 5:21) - weil Er uns liebt und nicht möchte, dass wir unseren Glauben mit halbwahren oder gar falschen Inhalten  vergiften.

Diese Unterscheidung zwischen "prüfen", "unterscheiden" oder "beurteilen" auf der einen Seite und "richten" oder "verurteilen" auf der anderen Seite wird jedoch in unserer Zeit leider nur noch selten getroffen. Oft werden beide - die sachliche wichtige Prüfung von Fakten einerseits und die moralisch verwerfliche Aburteilung einer Person andererseits - in einen Topf geworfen. Mit dem Ergebnis, dass wir am Ende gar nichts mehr beurteilen können, aus lauter Angst, dabei aus Versehen jemanden zu richten.

Dabei ist das Beurteilen und Prüfen so wichtig. Vor allem in unserer heutigen Zeit, von der uns schon Petrus warnte: "Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen [...] haben den Schein der Frömmigkeit, 
[...] solche Menschen meide!" (2Tim 3,1). Und wir prüfen ja auch alle möglichen Dinge den lieben langen Tag in unserem natürlichen Leben (ohne groß darüber nachzudenken): wir prüfen das Essen, das wir essen ("Ist es verschimmelt?"), oder die Ampel ("Ist sie grün? Kann ich gefahrlos über die Straße gehen?") und so weiter und so fort. Um uns zu schützen. Und das ist gut so. Mit der Lehre von anderen Menschen sollen wir es genau so machen. Darum habe ich auch ganz am Anfang meines ersten Artikels eine Einleitung über "richten" und "unterscheiden" geschrieben. Und ich empfehle allen meinen Lesern, sich die dort angegebenen Bibelstellen noch einmal gründlich durchzulesen.

Doch wie komme ich nun zu meiner Beurteilung von Joyce Meyer?

Ich habe sie im Fernsehen gesehen und mir auch angehört, was sie lehrt. Darüber hinaus habe ich eigenen Recherchen betrieben und unter anderem das Buch "Christianity In Crisis: The 21st Century" von Hank Hanegraaff" studiert, der alle seine Aussagen mit unwiderlegbaren und vor allem überprüfbaren Fakten unterlegt. Hank Hanegraaff ist niemand, der einfach mal so aus Spass behauptet "Joyce Meyer ist eine Irrlehrerin", sondern der einen Großteil ihrer Publikationen und Ausstrahlungen durchforstet hat und sich die Mühe gemacht hat, die Aussagen von ihr (und vielen anderen Irrlehrern) den Aussagen der Bibel gegenüber zu stellen. Und die Faktenlage ist erschreckend. Ich kann nur jedem empfehlen, das Standardwerk von Hank Hanegraaff zu lesen - es ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Bücher unseres Jahrhunderts.

Das Problem mit Joyce Meyer ist dabei nicht, dass "jede einzelne Predigt [...] ein klarer und sichtbarer Widerspruch zu Gottes Geboten oder Wort Gottes" wäre. Vieles von dem, was sie aussagt, ist richtig und manches scheint darüber hinaus auf den ersten Blick recht hilfreich. Es ist vielmehr "die große Richtung", die bei ihr nicht stimmt. Das bedeutet: man kann eine ganze Predigt von Joyce Meyer hören und dabei nicht ein einziges Mal "zusammenzucken", weil sie etwas offensichtlich falsches predigen würde. Verfolgt man jedoch eine Reihe von ihren Predigten, so wird eine größere "Strömung" sichtbar, die ich hier einmal mit dem Gegensatz zwischen "Selbstverwirklichung" und "Nachfolge" beschreiben möchte.

Joyce Meyer predigt an vielen Stellen ein Evangelium, was den Menschen und sein Wohlergehen ins Zentrum stellt. Das Evangelium in der Bibel jedoch hat Gott und seine Ehre zum Zentrum. Natürlich möchte Gott, dass wir uns in Ihm und an Ihm freuen. Er erwartet jedoch auch, dass wir in Seine Fußstapfen treten - sogar dann, wenn das bedeuten sollte, für ihn zu leiden (siehe Phil 1,29). In Markus 8,34 lehrt uns Jesus selbst, dass wir unser Kreuz auf uns nehmen sollen. Die Seite www.bibelkommentare.de beantwortet die Frage, was es bedeutet, "sein Kreuz auf sich nehmen", so: das "Mitgekreuzigtseins unseres alten Menschen samt seinen Leidenschaften und Lüsten. [...] Es ist das völlige in des Herrn Fußstapfen treten auf Seinem Wege der Verwerfung, des Widerspruchs und der Schmach von Seiten dieser Welt."

Diesen Aspekt der Nachfolge jedoch sucht man bei Joyce Meyer an vielen Stellen vergeblich. Und das ist es, was mich besorgt. Hier weicht sie vom Wort Gottes ab, der von Anbeginn der Schöpfung nur ein Ziel hat: "Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei [...]" (1Mo 1,26). Und der Zweck hinter dieser Absicht, Menschen nach dem Abbild Gottes zu schaffen, ist kein Geheimnis: Es ist nichts anderes - nicht mehr und nicht weniger als - die Ehre Gottes (siehe Jes 43,7).

Mit anderen Worten: Joyce Meyer predigt ein Wohlfühlevangelium, in dem der Mensch und sein Wohlergehen im Mittelpunkt stehen und in dem Gott das Mittel zum Zweck unseres Wohlergehens ist. Das jedoch steht im krassen Widerspruch zum Evangelium Christi, in welchem Gott im Zentrum steht und dem wir aufgerufen sind, in einem lebenslangen Prozess der Umkehr - durch das "töten der Werke des Fleisches" und durch "in das Anschauen der Herrlichkeit Christi" in das Bild Christi umgestaltet zu werden (vgl. Rö 8,13, Gal 5,19ff, Jak 1,21, 2Kor 3,18) - damit durch unsere Lebensführung die Ehre Gottes gemehrt wird.

Es ist richtig: Am Ende ist in der Tat nur der Glaube an Christus und die Einhaltung Seiner Gebote von größter Bedeutung und wichtig für jeden wahren Nachfolger Jesu. Doch so, wie Christus sie gelehrt hat - und nicht in einer verdrehten Form, die den Menschen statt Gott in den Mittelpunkt stellt und schöne Gefühle, statt Gottes Ehre.

Sonntag, 1. Februar 2015

Warnung vor Verführung zum Abfall (Mt 18:6-9)


Text

6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist. 7 Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt! 8 Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser für dich, dass du lahm oder verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige Feuer geworfen. 9 Und wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, reiß es aus und wirf's von dir. Es ist besser für dich, dass du einäugig zum Leben eingehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.


Kommentar

Zusammenfassung

Im Gesamtzusammenhang von Größe und Demut, sowie von Beziehung, Vergebung und Gemeindezucht spricht Jesus dieses doppelte Mahnwort von der Verführung zum Abfall. Eine Mahnung an Verführer, welche die Kinder Gottes zu Fall bringen. Und eine Mahnung an die von Sünde Versuchten, welche diesen die unendlichen Konsequenzen der Sünde vor Augen stellt.


Struktur

6-7 Mahnung an die Verführer: die Strafe für Verführung ist unvorstellbar hoch
8-9 Mahnung an die Verführbaren: kein Opfer ist zu hoch für das ewige Leben


Inhalt

6-7 'Betonschuhe'. Eine der übelsten Mafia-Praktiken überhaupt. An Grausamkeit kaum zu überbieten. Lebendig versenkt zu werden. Die Füße des Opfers kommen in Zement. Ist der Beton erhärtet, wird er zusammen mit dem Menschen versenkt. Ein solches Bild zeichnet Jesus: Mit einem Mühlstein am Hals, kopfüber, unaufhaltsam in die Tiefe der immer dunkler und kälter werdenden Fluten des Meeres gerissen zu werden und dabei jämmerlich und völlig hilflos zu ertrinken. Und Er fügt hinzu: diese Strafe wäre eine geradezu attraktive Alternative gegen die tatsächliche Strafe, die denjenigen erwartet, der Seine Kinder verführt, von der ihnen verordneten Heiligkeit (3Mo 20:7) abzufallen. 

Das hier verwendete Wort (σκανδαλιση, skandalisä = Abfall) hat als weitere mit schwingende Bedeutungen die Vorstellungen von Anstoß, Falle, Verführung und Irreführung. Liest man unsere Stelle im Kontext, so wird deutlich, dass es bereits anlässlich der Zahlung der Tempelsteuer um einen Anstoß geht (Mt 17:27). Jesus hätte sie als Sohn Gottes nicht zahlen müssen, aber er tat es dennoch, um keinen *Anstoß* zu erregen. Anlässlich des Rangstreits der Jünger (Mt 18:1-5) klärt Jesus dann auf, was im Himmelreich wahre Größe ist: die Herzensgröße des Demütigen, der um der Liebe willen so niedrig wird, wie ein Kind. In den folgenden Abschnitten geht es um Gottes Liebe zu den Verlorenen am Beispiel des verlorerenen Schafes (Mt 18:10-14) und um Anweisungen zur Versöhnung von Sünde, Sündenvergebung und Gemeindezucht (Mit 18:15-20). In diesen Zusammenhang hinein spricht Jesus also seine Mahnungen über den Abfall.

Unser Text findet sich, neben der Parallelstelle Markus 9:42ff auch in Mt 5:19f und hier ganz klar im Zusammenhang mit Ehebruch. In den Parallelstellen geht es also um die Verführung zum Abfall von der heiligen Reinheit unserer Herzen, zu der wir gerufen sind (Jak 4:8). Und wie wir aus Mt 5:28 wissen, kann schon ein lüsterner Blick genügen, um diesen Skandal herauf zu beschwören. In Textzusammenhang hier geht es jedoch vor allem um Demut und Beziehung und somit eher um das Thema des "allgemeinen Anstoßerregens"; nämlich im Gewissen meines Nächsten (vgl. Rö 14:21, 1. Kor 10:29). Es geht also auch um den Vorbildcharakter, den unser aller Leben als Beispiel für unsere Nächsten hat.

Um die Härte der Worte Christi zu verstehen, sind zwei Dinge zu wissen vonnöten. Zum Ersten: die Ungeheuerlichkeit der Sünde (σκανδαλον, skandalon = Verführung), das ist, die Kluft zwischen Gottes vollkommener Heiligkeit und dieser äußersten Verdorbenheit. So schrecklich ist Sünde in Gottes Augen, dass er denen, die Seine Kinder dazu verführen, eine so fürchterliche Strafe verordnet. Und zum Zweiten: die unfassbare Liebe Gottes, die bereit war, in Christus vom Himmel herab zu steigen, Mensch zu werden und an unserer Stelle den qualvollen Tod am Kreuz zu erleiden, um unser Leben zu retten. Weil Christus uns so sehr liebt, weil wir so wertgeachtet sind in Seinen Augen (Jes 43:4), will er uns vor einem solchem Fall bewahren. Nur darum droht er so vehement mit Strafe: Er will, dass wir leben.

Und auch, wenn Verführungen in Gottes Heilsplan eingeschlossen sind (Mt 24:10), so spricht Gott dennoch über diejenigen, die durch ihr absichtliches Tun Gottes Kinder in Gefahr bringen, Sein "Wehe!" aus. Was aber ein "Wehe!" des lebendigen Gottes bedeutet, ja, wie schrecklich es ist, ohne Gnade gesucht zu haben, in Seine Hände zu fallen, zeigt uns die Offenbarung des Johannes (vgl. Heb 10:31).


8-9 Nachdem Christus die Verführer auf's Schärfste verwarnt hat, verwarnt er nun in gleicher Schärfe uns, die wir Seinen Namen tragen, uns nicht verführen zu lassen. In der Warnung Christi wird deutlich, dass im irdischen Leib eines Christen ein Kampf tobt zwischen den leiblichen Organen und den geistlichen Organen (Rö 7:23). Nicht Fremde sind es, die uns verführen, sondern unser eigener Leib. Unsere Füße tragen uns an Orte, an denen wir nicht sein sollten; unsere Hände tun Dinge, die wir nicht tun sollten und unsere Augen sehen Dinge, die wir nicht sehen sollten. Und doch ist etwas in uns, dass uns tun lässt, was wir nicht wollen (Rö 7:22-24). Unser irdischer Leib hat Begierden (Rö 6:12, Jak 1:14). Doch wir selbst entscheiden in Freiheit, ob wir ihn in den Dienst diesen Begierden stellen oder dem Geist Gottes folgen wollen (Rö 6:13.19). Christlicher Glaube ist also keine reine Kopf- oder Gefühlssache: Es sind unsere Hände, Füße und Augen, die in der Schusslinie stehen: zwischen Gottes Geboten und der Führung durch Seinen Heiligen Geist auf der einen - und unseren Begierden, die von der Sünde, die in unserem Fleisch wohnt (Rö 7:17), angestachelt werden (Jak 1:14), auf der anderen Seite. Dazwischen aber steht unser Wille der nun entscheiden muss, wem er folgt: dem begierigen Ruf der Sünde im Fleisch, oder dem liebenden Gebot Gottes, der uns gebietet: "Du sollst Deinen Nächsten lieben, wie Dich selbst" (Mt 22:39) oder "Du sollst nicht ehebrechen" (Mt 5:27), etc.

Wie wir entscheiden ist dabei nicht gleichgültig, sondern von ewiger Bedeutung, denn Glaube geht den ganzen Menschen an: Was wir tun hat Einfluss darauf, wer wir sind und wer wir sein werden und wohin wir uns entwickeln; ja, auf unser ewiges Schicksal. Ein Glaube ohne Werke rettet niemanden; er ist tot (Jak 2:14.17) und nichts nütze. Das war damals so wahr wie heute. So schrieb schon Luther: "Aber das [ihr Glaube] eine lautere Hülse sei, sieht man daran, dass sie nicht denken, danach zu leben ..., dass man sehen könnte, dass es ihnen Ernst wäre, haben nicht mehr davongebracht, denn dass sie gehört haben, dass man allein durch den Glauben Vergebung der Sünden kriege und selig werde und mit Werken solches nicht erlangen könne. Daher werden sie faul und wollen nun keine Werke tun, gehen immer dahin unter dem Namen des Glaubens und werden ärger denn zuvor und leben also, dass auch die Welt sie strafen muss, geschweige, dass sie vor Gott sollten bestehen können." Ja schon Johannes der Täufer predigte, dass niemand Gottes Zorn entrinnt, der nicht rechtschaffene Werke der Busse aufweist, sondern sich auf einen falschen Glauben verlässt (Lk 3:7-9). Sondern, dass vielmehr das Ende des Weges, den unsere Füße gemäß unseren Entscheidungen einschlagen, der Lohn für die Werke unserer Hände sein wird. Und dass die Strafe für die Lust unserer Augen, wenn wir nicht täglich umkehren, das ewige Feuer ist.

Und nur, weil das so ist, weil die Heiligkeit Gottes keine Sünde in seinem Himmel duldet, weil wir unbedingt (nicht nur 'de jure', sondern auch 'de facto') heilig werden müssen, wenn wir Gott einmal sehen wollen (Heb 12:14), darum warnt uns Christus so eindringlich davor, uns nicht von unseren eigenen Gliedern verführen zu lassen, sondern sie lieber zu amputieren, als uns von ihnen zu dem verleiten zu lassen, was uns in Verdammnis bringt und, durch unser schlechtes Beispiel, unsere Geschwister im Glauben verführt. Besser, so lehrt uns Christus eindringlich, verkrüppelt in Gottes Himmel eingehen, als alle Ewigkeiten in der Hölle zu verbringen. 


Fragen zur praktischen Anwendung

  • Welche Versuchung ist gegenwärtig für Dich die schlimmste?
  • Wo stehst Du in der Gefahr, anderen ein schlechtes Beispiel zu sein?
  • Was kannst und willst Du tun, um der Sünde zu entfliehen?

Sonntag, 16. März 2014

Von der Nachfolge (Mt 16:24-28)


Text

24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir. 25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden. 26 Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 27 Denn es wird geschehen, daß der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. 28 Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.


Kommentar

Zusammenfassung

Direkt im Anschluss an das Glaubensbekenntnis Petri und an die Prophezeiung Seines Leidens, erläutert Jesus, der Messias, Seinen Schülern, was Nachfolge wirklich bedeutet: das Ablegen der Selbstsucht und das Anziehen liebenden Gehorsams gegenüber Christus und Seinem Evangelium. Wer aus Feigheit vor dem Spott und aus egoistischer Selbstsucht seine eigenen Ziele verfolgt, wird sterben; wer aber sein Leben aus Liebe zu Christus und Seinem Evangelium hingibt, wird ewig leben. Denn unsere Seele ist wertvoller als die ganze Welt. Und die ganze Welt reicht nicht aus zur Begleichung unserer Sündenschuld vor Gott. Christus wird einmal in Macht und Herrlichkeit kommen, um uns nach unseren Werken zu richten; den Beginn dieses Reiches erlebten die meisten Jünger noch zu ihrer Lebenszeit.


Struktur

24 Als Messias erkannt und innerlich bereits auf dem Weg zu Seiner Kreuzigung fordert Jesus Seine Jünger auf, ihm in freiwilliger Selbstverleugnung zu folgen.

25 Und Er macht klar, dass die Hingabe an Ihn und Sein Evangelium der einzige Weg zum ewigen Leben ist, denn der Egoismus und die Selbstsucht führen allein in den Tod.

26 Beinahe rhetorisch fragt Er sodann nach, was denn den Menschen ihr Eigennutz bringe, wenn sie daran zugrunde gehen. Auch zeigt Er uns klar, dass der Wert unserer Seele höher ist als der der ganzen Welt. Und dass daher selbst die Welt nicht reicht, um uns freizukaufen von unserer Sünde.

27 Zudem macht Jesus unmissverständlich klar, dass Er eines Tages mit Vollmacht als unser Richter erscheinen wird, um unsere Taten zu beurteilen.

28 Dass der Ernst Seiner Mahnungen ein festes Fundament hat, bekräftigt Christus durch die Prophezeiung Seines kommenden Reiches, dessen erste Anfänge die Jünger noch zu ihren Lebzeiten miterleben würden.


Inhalt

24 Jesus, der hier spricht, ist eben der Jesus, den Petrus in seinem Bekenntnis als den Messias erkannt und anerkannt hat. Eben derselbe Jesus, der gerade eben von Seinem Tod durch die religiöse Elite in Jerusalem gesprochen hat. Dieser Jesus, der sich im Innersten Seines Herzens bereits auf den Weg ans Kreuz gemacht hatte, ist es, der Seinen Schülern nun erklärt, was wahre Nachfolge wirklich bedeutet:

Wenn im Herzen eines Menschen, sei es, wer es wolle, der Wunsch erwacht, Jesus Christus als Seinem Herrn, Heiland und Lehrer und zu folgen, in Seiner Gegenwart zu bleiben und von ihm zu lernen, so gilt ihm unmittelbar der Befehl aus dem Mund des fleischgewordenen Gottes: jede Ambition nach Selbstverwirklichung und nach egoistisch motivierter, selbstzentrierter und selbstsüchtiger Bedürfnisbefriedigung aufzugeben und statt dessen den Weg des täglichen Sterbens auf sich zu nehmen, der Hingabe an Gott - Ihm zu folgen, wohin auch immer der Weg ihn führen mag; ja, selbst bis in den Märtyrertod.

Doch nicht um der Selbstverleugnung selbst willen sollen wir uns selbst verleugnen, sondern um dessentwillen, das weit über uns und unsere Selbstverleugnung hinausgeht: aus Liebe zu Christus und, wie wir aus Markus und Lukas wissen, aus Liebe zum Evangelium, dessen wir uns nicht schämen werden (Mk 8,38), wollen wir das größte Gebot halten: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst" (Lk 10,27, 5. Mo 6,5; 3. Mo 19,18). Kurz: weil wir es zutiefst und von innen heraus wollen; weil wir von Christus ergriffen sind (Phil 3,12).


25 Wer sich jedoch sein eigenes Wohlergehen an die erste Stelle setzt und sich deshalb aus Selbstschutz und, wie wir aus den synoptischen Evangelien lernen, falscher Scham nicht zu Christus und zu seinem Evangelium bekennt, um der Ablehnung oder dem Spott der Ungläubigen zu entgehen, denen das Evangelium ein Dorn im Auge und lächerlich ist (1Kor 1,23), den wird in gleicher Weise einst auch Christus vor Seinem Vater, im Angesicht der Engel Gottes, verleugnen (Mt 10,33, Lk 12,9) und er wird die Worte hören müssen: "den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern" (Mt 25,30) - er wird den zweiten Tod (Offb 21,8) sterben.

Wer jedoch bereit ist, sein persönliches Wohl dem Reiche Gottes unterzuordnen, und sich Christi und des Evangeliums Seiner Liebe nicht schämt, weil er Ihn liebt und mit Paulus weiß: "[das Evangelium] ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben" (Röm 1,16) weil: "wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet" (Röm 10,10), der mag zwar von dieser Welt verlacht, verspottet und verfolgt werden und vielleicht sogar sein irdisches Leben lassen; und wird doch eines Tages die Worte hören: "Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht ... geh hinein zu deines Herrn Freude!" (Mt 25,21.23) - und wird ewig leben.


26 Weil das so ist, dass Mut, Treue und Gehorsam aus Liebe zu Christus und Seinem Wort zum ewigen Leben führen, Selbstsucht, Feigheit und Ungehorsam aus Gleichgültigkeit oder gar Ablehnung gegenüber Christus und Seinem Wort jedoch zu ewiger Verdammnis, fragt Jesus rhetorisch nach, was es einem Geschöpf denn letztlich bringt, aus Eigennutz die ganze Welt in sein Eigentum gebracht zu haben, wenn er selbst daran zugrunde geht? Damit zeigt uns Christus klar, dass der Wert unserer Seele weit höher ist als der der ganzen Welt. Und so reicht die ganze Welt auch nicht aus, um uns freizukaufen von dem Schaden und der Schuld, die wir mit unserer Sünde an Gott und unseren Mitmenschen angerichtet haben. Allein das Blut Christi, des makellosen Sohnes Gottes selbst, war dazu in der Lage (Heb 9,14, Offb 5,9).

27 Um sicher zu gehen, dass wir den Ernst Seiner Worte auch wirklich verstanden haben, macht Jesus uns noch einmal unmissverständlich klar, dass der Tag Seiner Wiederkehr so sicher ist, wie das Amen in der Kirche und dass Er dann nicht, wie damals, in menschlicher Niedrigkeit und Schwachheit, sondern mit göttlicher Macht und mit der Herrlichkeit des allmächtigen Vaters selbst, nicht allein und verlassen, sondern mit Heerscharen von Engeln kommen wird, um einem jeden zu geben, was er aufgrund seiner Taten verdient hat: denen, die umkehrten und ihm im Glauben und in Liebe nachgefolgt sind: ewiges Leben - und denen, die ihn verachteten und lieber im Unglauben in ihren selbstsüchtigen Sünden verharrten: den zweiten Tod.

28 Und dass dieses kommende Gottesreich kein Hirngespinst ist, sondern eine faktische und empirisch erfahrbare Wirklichkeit, das bezeugt Jesus nachdrücklich als Wahrheit. Und Er prophezeit Seinen Jüngern, dass sie, mit Ausnahme von Judas, der sich erhängte (Mt 27,5), noch am Leben wären, wenn Er als der König Seines Reiches zu Ihnen käme. Und eben diese Tatsache, die in der Verklärung Jesu (Mt 17,2) schon vorgeschattet wurde, nimmt dann in der Vollmacht der Auferstehung (Joh 20,1-31), der Himmelfahrt (Apg 1,6-11) und im Pfingsten (Apg 2,1-47) volle Gestalt an: Christus, der Sohn Gottes, Er ist der Herr und der König des Gottesreiches.


Praktische Anwendung

1) Frage Dich eines: "Willst Du in egoistischer Selbstsucht nur für Dich selbst leben und daran für ewig sterben? Oder willst Du Dich Christus hingeben und ewig leben?"

2) Bedenke: Er ist der einzige Erlöser und der einzige Weg zum Vater (Joh 14,6) und "Im Namen Jesu Christi ... ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden" (Apg 4,12)

3) Und Er wird eines Tages Dein Richter sein. Und Du wirst entweder "als Lohn [Deiner Nachfolge] das Erbe empfangen" (Kol 3,24) oder Du wirst erfahren, warum es heisst: "Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (Hebr 10,31), weil "Gott selbst die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont [hat], sondern hat sie mit Ketten der Finsternis in die Hölle gestoßen und übergeben, damit sie für das Gericht festgehalten werden" (2Petr 2,4).

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[Predigt als PPS | Predigt als MP3]

Sonntag, 22. September 2013

Joyce Meyer – Lehrerin oder Irrlehrerin?




Übersicht

Vorwort
  • Richten – oder unterscheiden?
  • Gelehrte – oder Gelehrige?
  • Lehrer – oder Irrlehrer?
Joyce Meyer – Ihr Leben
  • Persönliche Daten
  • Ihr Wirken - Inhalt & Ziel
Joyce Meyer – Ihre Botschaft
  • Glaube an den Glauben – oder Glauben an Gott?
  • Glauben als Mittel zum Zweck – oder Glauben zur Ehre Gottes?
  • Das Opfer Christi – Kreuz oder Hölle?
Fazit



Vorwort

Richten – oder unterscheiden?

Jesus lehrte klar, dass wir unsere Mitmenschen nicht verurteilen sollen: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“ (Mt 7:1). Gleichzeitig machte er jedoch auch klar, dass wir sehr wohl in der Lage sein sollen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden: „Richtet nicht nach dem, was vor Augen ist, sondern richtet gerecht“ (Joh 7:24). Auch der Hebräerbrief weiß, dass „...die Vollkommenen,... geübte Sinne haben und Gutes und Böses unterscheiden können“ (Hebr 5:14).

Das bedeutet: Wir sollen als Christen mit offenen Augen durch die Welt gehen und – ohne jemanden zu Verurteilen und uns moralisch über ihn oder sie zu stellen – zwischen Gut und Böse unterscheiden: „Prüft aber alles und das Gute behaltet“ (1Thess 5:21). Denn es heißt nicht umsonst: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“ (1Petr 5:8).


Gelehrte – oder Gelehrige?

Nun hört man in diesem Zusammenhang oft das Argument, dass wir als Christen ja alle den Heiligen Geist haben und es daher gar nicht mehr nötig ist, dass wir von anderen Menschen gelehrt oder in unserem Unterscheidungsvermögen geschult werden müssten.

Gerne werden dazu die Stellen aus (Joh 6:45, 1Kor 2:15-16) bemüht.

In diesem Stellen geht es jedoch, wenn man einmal den Kontext genauer betrachtet, gar nicht um eine allgemeine Aussage darüber, ob wir es nötig haben gelehrt zu werden (oder nicht). Vielmehr geht es bei dem „von Gott gelehrt sein“ in Joh 6:45 darum, dass nur solche Menschen Christus als den Messias erkennen können, denen Gott es durch den Heiligen Geist offenbart. Genauso redet 1Kor 2:15-16 vom „verborgenen Geheimnis Gottes“. Das Geheimnis Gottes aber ist Christus, den der natürliche Mensch nicht erkennt; wohl aber der Mensch, der den Geist Gottes hat, denn: „Daran sollt ihr den Geist Gottes erkennen: Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott“ (1Joh 4:2-3).Darum also geht es in diesen Stellen.

Das wir es als Christen jedoch nötig haben, gelehrt zu werden, steht an vielen Stellen der Heiligen Schrift – und zwar ganz ausdrücklich. Dazu hat Gott sogar eigens das Amt des Lehrers in der Gemeinde eingesetzt und uns dazu gesagt, dass wir die Lehrer ehren sollen: „Gott hat in der Gemeinde eingesetzt ... Lehrer...“ (1Kor 12:28). „Die ... halte man zwiefacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre“ (1Tim5:17).

Daher fordert Paulus seinen Schützling Timotheus auch nicht nur auf, persönlich die Gemeinde zu lehren: „Fahre fort mit ... Lehren, bis ich komme“ (1Tim 4:13), sondern er trägt ihm auch auf, die gesunde Lehre auch an andere Menschen weiter zu geben, die selbst die Fähigkeit besitzen, zu lehren: „was du von mir gehört hast ..., das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren“ (2Tim2:2). Doch nicht nur das, die Begabung zur Lehre wird sogar als besonderes Kennzeichen für einen Dieners Gottes angegeben: „Ein Knecht des Herrn aber soll ... sein ... im Lehren geschickt ...“ (2Tim 2:24).

Das bedeutet: offenbar haben wir es, trotz unserer Fähigkeit Jesus als den Christus zu erkennen, nicht nur nötig gelehrt zu werden, Gott hat sogar eigens das Amt des Lehrer dazu in seiner Kirche eingerichtet und möchte, dass wir solche Leute ehren.


Lehrer – oder Irrlehrer?

Die Frage ist nun natürlich: was ist ein Lehrer und was ist ein Irrlehrer?

Ein Lehrer im biblischen Sinne ist ein Mensch, der von Gott mit der Gabe ausgestattet wurde, andere Menschen zu unterrichten. Die Basis dazu ist immer die göttliche Offenbarung in der Heiligen Schrift: „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt“ (2Tim 3:16-17). Ein Lehrer wird also nur lehren, was in der Schrift steht oder mit ihr vereinbar ist.

Ein Irrlehrer oder "Häretiker" dagegen ist ein Mensch, der andere Menschen Dinge lehrt, die nicht in der Schrift stehen, oder von der Schrift in wesentlichen Punkten abweichen. Eine Irrlehre ist laut Wikipedia „eine Bezeichnung für eine Lehre, die im Widerspruch ... steht ...; Gegenbegriff ist die Orthodoxie (Rechtgläubigkeit).“[1]

Einen Lehrer von einem Irrlehrer zu unterscheiden kann also nur auf Basis der Heiligen Schrift gelingen: Wer lehrt, was sie lehrt, lehrt richtig. Wer etwas anderes lehrt, als sie lehrt, lehrt eine Irrlehre. Und oft, wie in diesem Falle, sind die Unterschiede zwischen der Irrlehre und der Heiligen Schrift so offensichtlich, dass selbst ein Laie sie erkennen kann.


Joyce Meyer – Ihr Leben

Persönliche Daten

Pauline Joyce Meyer, geborene Hutchison (geboren am 4. Juni 1943 in St. Louis, Missouri) ist eine US-amerikanische Autorin und Predigerin. Sie ist mit Dave Meyer verheiratet und lebt mit ihm und ihren vier Kindern in der Nähe von St. Louis, Missouri.

Mit über 100 veröffentlichten Büchern, die in über 100 Sprachen übersetzt und nach eigenen Angaben mehr als 23 Millionen Mal verkauft wurden, zählt Joyce Meyer laut Wikipedia zu den 25 einflussreichsten Predigern der "evangelikalen Szene" in den Vereinigten Staaten. In Deutschland werden ihre Vorträge im Fernsehen über Tele5, Bibel TV, Super RTL und rheinmaintv ausgestrahlt.[2] 

Joyce Meyer gibt auf ihrer Webseite an, folgenden Titel erhalten zu haben: Ph. D. in Theologie der Life Christian University (LCU) in Tampa, Florida. Die LCU ist allerdings keine anerkannte Vergabestelle für Doktortitel.


Ihr Wirken - Inhalt & Ziel

Die Botschaften von Joyce Meyer beinhalten oft Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben. Themen sind meist Strategien für ein glückliches und gottgesegnetes Leben, das Erlangen von spirituellem Erfolg, und die persönliche Krisenbewältigung. Im Anschluss an diese Predigten wird Werbung für Hilfsprojekte und Medien von Joyce Meyer gesendet.

Kritiker werfen Meyer vor, sie würde ein Wohlstandsevangelium predigen. Meyer verdiente 2002 und 2003 pro Jahr ungefähr 900.000 US-Dollar und ihr Ehemann bezog 450.000 US-Dollar. Nach Kritik wurde ihr Gehalt auf 250.000 US-Dollar gesenkt[3].


Joyce Meyer – Ihre Botschaft

Glaube an den Glauben – oder Glauben an Gott?

Joyce Meyer reiht sich mit ihren Aussagen über den Glauben ein in eine lange Reihe von ‚Wort des Glaubens‘ Predigern, wie Napoleon Hill, Kenneth Hagin, Benny Hinn, Kenneth Copeland, Joel Osteen, u.v.a.m.

Der Lehre von ‚Wort des Glaubens‘ zufolge, deren Lehre und Praxis ich über mehrere Jahre persönlich „genießen“ durfte, ist der Glaube eine Kraft, über die der Gläubige frei verfügt und die, wie die Bewegung eines Muskels, eher dem Willen des Menschen entspringt, als der Gnade Gottes. 

Demgegenüber steht die Aussage der Heiligen Schrift: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es“ (Eph 2:8). 


Glauben als Mittel zum Zweck – oder Glauben zur Ehre Gottes?

„Anders gesagt, ist der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlstand, Glauben an Deinen Glauben zu haben, statt Glauben an Deinen Gott zu haben. Meyer sagt «Glaube ist nicht nur so ein kleines ‚Naja, wissen Sie, ich glaube an Jesus.‘ Glaube ist eine Kraft die ihr Leben ändern und ihr Schicksal ändern wird.» [4]

Meyer präzisiert dies, indem sie sagt: «Worte sind Behälter für Macht. Sie tragen kreative oder zerstörerische Kraft, positive oder negative Kraft. Und daher sollten wir die richtigen Dinge über unser Leben aussprechen und über unsere Zukunft, wenn wir wollen, dass gute Dinge passieren. Denn was Du heute sagst, ist was Du wahrscheinlich morgen letztendlich haben wirst.» [5]

Meyer zufolge erzeugen die Worte die man spricht ... künftige Realitäten." [6]

Die Bibel lehrt jedoch an keiner Stelle, dass unsere Worte die Grundlage künftiger Realitäten sind, sondern vielmehr, dass der allmächtige und souveräne Gott selbst uns aus völlig freien Stücken Seine Verheißungen gegeben hat und dass Er, allein um Seiner Gnade und Treue willen, unsere Gebete erhört, um uns eine Freude zu machen: "denn er selbst, der Vater, hat euch lieb" (Joh 16:27). Und: "euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet" (Mt 6:8). Nur darum heißt es: "Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan" (Mt 7:7) und "Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei" (Joh 16:24).

Auch dient das biblische Gebet zuerst dem Bau des Reiches und der Ehre Gottes und nicht primär dem eigenen Vergnügen oder Wohlergehen, sondern vielmehr der Ehre Gottes. Sonst wäre der arme Lazarus sicher kein gutes Beispiel gewesen und es würde auch nicht heißen: "Selig sind, die da Leid tragen..." (Mt 5:4) und auch nicht: "er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes ..., sondern wurde stark im Glauben und gab Gott die Ehre" (Röm 4:20).

Erst recht dient der biblische Glaube nicht dem Zweck, dass wir unsere Wünsche durch ihn befriedigen, sonst würde es nicht heißen: "ihr bittet und empfangt nichts, weil ihr in übler Absicht bittet, nämlich damit ihr's für eure Gelüste vergeuden könnt" (Jak 4:3).

Meyer jedoch predigt einen Glauben, der nicht primär die Ehre Gottes zum Ziel hat, sondern "die guten Dinge" in unserem Leben. Natürlich gibt es nichts einzuwenden gegen Gesundheit oder Wohlstand. Doch sie sind nicht das Kernstück oder Ziel unseres Glaubens. Und schon gar nicht sollten sie das Zentrum unserer Bestrebungen bilden. Denn wir wurden zu einem bestimmten Zweck geschaffen: Zur Ebenbildlichkeit Gottes und zu Seiner Ehre, denn es heißt: "Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn" (1Mo 1:27) und: "...die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen ... habe." (Jes 43:7).


Das Opfer Christi – Kreuz oder Hölle?

„In einer Publikation mit den Titel „Die Wichtigste Entscheidung, die sie jemals treffen werden“ verbreitet Meyer ein weiteres Kennzeichen der ‚Wort des Glaubens‘ Theologie – nämlich, dass Jesus nicht nur am Kreuz leiden musste, sondern dass er in der Hölle leiden musste, damit Du und ich wiedergeboren werden können.

Jesus «war drei tage im Grab. Während dieser Zeit betrat er die Hölle, in die Du und ich wegen unserer Sünde (rechtmäßig) verdient hätten zu gehen. Er bezahlte den Preis dort.», so Meyer [7]. Nach drei Tagen der Qual, fährt Meyer fort «stand Gott von Seinem Thron auf und sagte zu den dämonischen Kräften, die den sündlosen Sohn Gottes quälten, „Lasst ihn gehen.“ Dann ging die Auferstehungskraft des Allmächtigen Gottes durch die Hölle und erfüllte Jesus. Auf der Erde, füllte sich Sein Grab, die Gruft in der sie ihn begraben hatten, mit Licht, als die Kraft Gottes Seinen Körper erfüllte, und Er wurde von den Toten zu neuem Leben erweckt – der erste wiedergeborene Mensch.» [8]

In krassem Gegensatz zu Meyers Behauptung, sagt die Bibel an keiner Stelle, dass Jesus Christus wiedergeboren wurde. Vielmehr bezieht sich das biblische Konzept der Wiedergeburt (Joh 3:3) allein auf die sündige Menschheit. ... Jesus hatte es nicht nötig, in der Hölle wiedergeboren zu werden, denn Jesus ist und war immer der ewige Sohn Gottes.

So scharf ist Meyer in ihrer Behauptung, dass Jesus in der Hölle litt und von neuem geboren wurde, dass sie in nachfolgenden Ausgaben ihrer Erstpublikation, ständig die Auffassung wiederholt, dass wir, unabhängig vom Glauben, dass Jesus in der Hölle litt, absolut keine Hoffnung haben, in den Himmel zu kommen. «Es gibt keine Hoffnung, dass irgendjemand in den Himmel kommt, es sei denn, dass er diese Wahrheit glaubt, die ich präsentiere. Sie können nicht in den Himmel kommen, es sei denn, sie glauben mit ihrem ganzen Herzen, dass Jesus ihren Platz in der Hölle einnahm.»" [9]

Im krassen Gegensatz dazu schrie Jesus am Kreuz, also bereits vor seinem Tod den alles umfassenden Satz der Erlösung: "«Es ist vollbracht!»" (Joh 19:30). Weiterhin lehrt die Heilige Schrift klar und deutlich, dass das Werk Christi nicht in der Hölle vollbracht wurde, sondern eben genau dort – am Kreuz: "Denn es hat Gott wohlgefallen, dass ... er durch ihn alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz" (Kol 1:19-20).


Fazit

Diese wenigen Beispiele mögen genügen, um zu zeigen, dass Joyce Meyer, wie ihre ‚Wort des Glaubens‘ Kollegen (Napoleon Hill, Kenneth Hagin, Benny Hinn, Kenneth Copeland, Joel Osteen, u.v.a.m.) ein anderes Evangelium predigen, als das biblische. Über solche Menschen heißt es in der Heiligen Schrift: "Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht." (Gal 1,8). Und: "„Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen. Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht.“" (Offb22:18-29).


"Der Geist aber sagt deutlich,
dass in den letzten Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden
und verführerischen Geistern und teuflischen Lehren anhängen..."

(
1Tim 4:1)

Wer eine detaillierte Betrachtung des Themas und zu den Irrlehren weiterer 'Wort des Glaubens' Prediger sucht, dem empfehle ich herzlich das ausnehmend sehr gut recherchierte Werk von Hank Hanegraaff "Christianity in Crisis, The 21st Century" [ISBN 13: 978-0849900068].

Siehe auch: http://bibelkreis-muenchen.de/?p=226



[3] ebd.

[4] Meyer, Joyce, Interrupting Satan’s Plan - Releasing the Supernatural Power of God Through Prayer (Kassette 3 der Serie mit dem Titel “Gewalttätige Christen in einer gewalttätigen Gesellschaft”, aufgenommen in San Jose, Kalifornien, 19. Juli 2001)

[5] „ Meyer, Joyce. Eight Ways to Keep the Devil Under Your Feet “. (Seite 87-88)

[6] Hanegraaff, Hank. ChristianityIn Crisis: The 21st Century. First. Thomas Nelson, 2009., Seite 41 (Übersetzung durch den Autor)

[7] Meyer, Joyce. The Most Important Decision You’ll Ever Make A Complete and Thorough Understanding of What it Means to be Born Again, (Seite 41). 

[8] ebd. (Seite 42).

[9] Hanegraaff, Hank. ChristianityIn Crisis: The 21st Century. First. Thomas Nelson, 2009., Seite 42 (Übersetzung durch den Autor)