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Mittwoch, 1. April 2026

Johannes Evangelium 7,14-18


 

Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Jesus in Jerusalem: Jesus lehrt selbstlos und mit Vollmacht 


Als das Laubhüttenfest schon zur Hälfte vorbei war, kam für Jesus der Zeitpunkt, um auf dem Fest an die Öffentlichkeit zu treten. Er ging also den Berg hinauf zum Tempel und unterrichtete dort die Leute. Und das Volk war baff angesichts seiner außergewöhnlichen Kenntnis von Gottes Wort – sie fragten: „Wie kann das sein, dass er die Tora so gut kennt? Er hatte doch nie eine theologische Ausbildung?“

Jesus ging darauf ein und antwortete: „Was ich lehre, ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern stammt von dem, der mich zu Euch geschickt hat. Und jeder der bereit ist, in die Tat umzusetzen was Gott will, der wird – indem er es tut! – merken, ob ich mir das was ich euch beibringe selbst ausgedacht habe, oder ob es wirklich von Gott kommt.“

„Wer nur in sein eigenes Horn bläst, der sucht den Ruhm für sich selber. Wer aber will, dass derjenige geehrt wird, der ihn geschickt hat, der ist ehrlich und hat keine faulen Motive.“

O-Ton: Die Hälfte der Festwoche war schon vorüber, da ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte das Volk. Die Leute waren sehr erstaunt und sagten: »Er hat doch keinen Lehrer gehabt. Wie kommt es, dass er die Heiligen Schriften so gut kennt?« 

Jesus ging darauf ein und sagte: »Meine Lehre habe ich nicht selbst ausgedacht. Ich habe sie von Gott, der mich gesandt hat. Wer bereit ist, Gott zu gehorchen, wird merken, ob meine Lehre von Gott ist oder ob ich meine eigenen Gedanken vortrage.

Wer seine eigenen Gedanken vorträgt, dem geht es um die eigene Ehre. Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, ist vertrauenswürdig. Man kann ihm keinen Betrug vorwerfen. (Joh 7,14-18)

Sonntag, 14. Februar 2021

"Wie wir Gott begegnen können - Teil 5: Ein Tisch steht auf 4 Beinen" (Apostelgeschichte 2,42)

[Predigt als Video] | [Predigt als MP3]


Einleitung

Stellt Euch mal folgendes vor: Ein Mann schreibt seiner Frau gerne WhatsApps mit  Liebesbekundungen und Herzchen und allem drum und dran – und die Frau liest sie natürlich gerne. Der Mann ist auch gerne mit seiner Frau zusammen und verbringt gern seine Zeit mit ihr – und die Frau natürlich auch mit ihm. Und manchmal hat der Mann große Sehnsucht nach inniger Nähe zu seiner Frau – und die Frau auch nach ihm. Und nicht zuletzt redet die Frau auch gerne mit ihrem Mann und der Mann hört ihr gerne zu. 

Könnt ihr Euch das vorstellen?

Und dann passiert etwas: Der Arbeitgeber der Frau sagt ihr, dass das Unternehmen auf der Kippe steht. Und dass sie jetzt viele Überstunden machen muss, damit das Unternehmen – und mit ihm die vielen Arbeitsplätze in ihm - vor dem Ruin bewahrt werden kann. Und weil die Frau eine gute Mitarbeiterin ist, hilft sie natürlich gerne. Und sie arbeitet bis in die Puppen. Für die WhatsApps ihres Mannes hat sie natürlich keine Zeit mehr. Und wenn sie abends nach Hause kommt, ist sie auch hundemüde und hat nicht mehr so wirklich Zeit für Gemeinschaft. Und für gewisse andere Dinge ist sie viel zu müde. Und vor lauter Müdigkeit redet sie auch kaum noch mit ihm. 

Könnt ihr Euch das auch vorstellen?

Das geht so eine Woche, noch eine Woche, noch eine Woche und noch eine Woche. Und noch einen Monat und noch einen Monat und noch einen und noch einen... 

Könnt ihr Euch das immer noch vorstellen?

Was glaubt ihr? Nach über einem Jahr? Wie wird diese Ehe aussehen? Was meint ihr?

Jetzt fragt ihr Euch natürlich: was ist denn dass für eine seltsame Geschichte? Und warum erzählt uns der Michi die? Und vor allem: was hat das mit der Apostelgeschichte zu tun? Und vor allem: mit einem Tisch? Und: „mit 4 Beinen?!“

Ich würde mal sagen: „Es bleibt spannend!“


Inhalt 

Worum geht es also heute?

  • „Was bisher geschah“
    • Zu Beginn möchte ich mit Euch den Text aus der Bibel lesen
    • Und noch einmal kurz zusammenfassen, was wir bisher dazu gehört haben
    • Ist ja immerhin schon wieder 1 Monat her, dass wir hier aufgehört haben
    • Und bis dahin ist ja einiges passiert

  • „Stürmische Zeiten“
    • Nach der kurzen Zusammenfassung möchte ich eine Brücke schlagen
    • Vom Text und seinem Inhalt – zu dem, was wir heute erleben
    • Und von dem, was wir heute erleben – zu unserer seltsamen Geschichte von eben

  • „Ein Tisch steht auf 4 Beinen“
    • Zu guter Letzt möchte ich Euch mit hinein nehmen, in das, was mich – im Anblick dieser stürmischen Zeiten in denen wir aktuell leben – in geistlicher Hinsicht bewegt

  • Fragen an Dein Herz
    • Zum Schluss möchte ich Dir und mir ein paar Fragen stellen – eigentlich sogar nur eine Frage mit mehreren Facetten 
    • In der Hoffnung, dass unsere Antwort auf diese Frage uns zur Freude führt


Unser Text


Lasst uns zu Anfang den Text gemeinsam lesen:

„Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ (Apg 2,42)

„Was bisher geschah“:

  • Teil 1 - Gott begegnen - In Seinem Wort: Im 1. Teil „Gott begegnen – In Seinem Wort“ ging es darum, dass wir Gott in Seinem Wort - der Bibel - begegnen können. Und wir hatten gesehen: Gott wirkt durch den Heiligen Geist in wundersamer Weise mit dem gelesenen oder auch gelehrten und gepredigten Wort in unserem Herzen zusammen. Er macht Sein Wort lebendig - Er spricht direkt zu mir ins Herz - und so begegne ich Gott in Seinem Wort. Wir hatten auch gesehen, dass Gott uns eine wunderbare Verheißung gegeben hat, was das Lesen Seines Wortes angeht: Er hat uns versprochen: „wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden.“ (Jer 29:12-14) Und letztlich hatten wir gesehen, dass wir, wenn wir Gott in Seinem Wort finden – wir mit Ihm auch Schutz und Vergebung, Freiheit und Glück, Leben und Weisheit – finden. 

  • Teil 2 - Gott begegnen - In der Gemeinschaft: Bei meiner Begrüßung zum Teil 2 "Gott begegnen - In der Gemeinschaft" hatte ich Euch als Hobbits angesprochen; als Figuren aus dem Buch "Der Herr der Ringe". Und ich hatte Euch gesagt, dass ich davon überzeugt bin, dass wir zueinander sagen könnten: „Ich kenne die Hälfte von Euch nicht halb so gut, wie ich es gern möchte, und ich habe weniger als die Hälfte von uns auch nur halb so viel geliebt, wie ihr es verdient.“ Und dann hatte ich Euch davon berichtet, wie ich in Kenia die Erfahrung gemacht hatte, Christus in die Augen zu  sehen – durch die Augen meines Freundes Chris Mwalwa. Ich war Christus begegnet – in meinem Bruder. Und ich hatte Euch gesagt, dass ich seitdem verstehe, warum Gottes Gebot so wichtig ist: „Denn das ganze Gesetz ist erfüllt, wenn ihr das eine Gebot haltet: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ (Gal 5,14). Dieses Gebot ist so wichtig: weil wir auf diese Weise Christus in unserem Bruder und unserer Schwester begegnen können. Und weil Jesus uns gesagt hat: „Daran wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr LIEBE untereinander habt.“ (Johannes 13,35). Weil dann die Welt eine Ahnung davon bekommt, wie Gott wirklich ist: nämlich Liebe!

  • Teil 3 - Gott begegnen - Im Abendmahl: Im 3. Teil „Gott begegnen – Im Abendmahl“ hatten wir dann gesehen, dass wir Christus im Abendmahl begegnen können. Und dass sich die Tiefe und Innigkeit dieser Begegnung in der Ehe von Mann und Frau widerspiegelt. Wir hatten gesehen, dass ein Ehepaar sich nicht nur in der Öffentlichkeit begegnet oder im privaten Kreis von Freunden – sondern auch ganz im Vertrauten. Und, dass diese vertraute Begegnung etwas Hochheiliges ist. Die tiefste Art und Weise, wie sich zwei Menschen überhaupt begegnen können. Weil sie sich hier einander offenbaren. Ohne Masken, ohne Schleier, ohne äußeren Schein. Und dass wir Jesus im Abendmahl genau so begegnen können: ohne Maske. Einfach so. Als die, die wir sind. Weil wir wissen dürfen: wir sind von Ihm geliebt. Durch und durch geliebt. So, wie wir sind. Und weil das Abendmahl so etwas „Tiefes“ ist, hat Gott uns ganz einfache Zeichen -  Brot und Wein – gegeben. Damit wir es sehen können - und schmecken können - und spüren können: „Ich gebe mich Euch hin – ich mache mich mit Euch eins – ich schenke Euch mein Leben!“

  • Teil 4 - Gott begegnen - Im Gebet: Im 4. und letzten Teil - "Gott begegnen - Im Gebet" hatten wir gesehen, dass wir Gott auch im Gebet begegnen können. Dass wir ihn nicht erst motivieren müssen, unsere Gebete zu erhören - weil Er uns schon von Ewigkeit her geliebt hat – und liebt – und helfen kann und will. Wir hatten gesehen, dass alles, was es braucht, um im Gebet zu Gott zu kommen, unsere Hilflosigkeit ist: Zu spüren und zu wissen: dass allein schon die Tatsache, dass ich beten will, der Beweis dafür ist, dass Jesus vor meiner Herzenstüre steht und anklopft - weil Er mit mir Gemeinschaft haben will! Wir hatten gesehen, dass es beim Gebet nicht darum geht, „würdig zu werden“. Sondern ganz einfach darum, Jesus in unsere Not hinein zu lassen. Ihm zu sagen, was uns fehlt. Aber auch stille vor Ihm zu werden und zu staunen - über Seine Güte, seine Großzügigkeit, ja, Sein wunderbares Wesen.

„Stürmische Zeiten“


Vom Text und seinem Inhalt – zu dem, was wir heute erleben: Doch wie erleben wir unseren Vers heute? Ich meine: wir haben Corona! Und da ist eben vieles nicht mehr einfach so möglich, wie wir das vielleicht gerne hätten.Bitte versteht mich richtig – ich möchte hier nicht werten – und schon gar nicht möchte ich für eine Seite Partei ergreifen. Ich möchte uns vielmehr etwas fragen – ich möchte jeden von uns – ich möchte Dich – gerne etwas fragen: 
  • Wie läuft es bei Dir mit der „Lehre der Apostel“? 
  • Damit, Gott zu begegnen in Seinem Wort? 
  • Hat sich da etwas verändert? 
  • Wie ist es heute bei Dir mit der „Gemeinschaft“? 
  • Damit, Gott zu begegnen in Deinen Brüdern und Schwestern? 
  • Hat sich da etwas verändert? 
  • Wie ist es in letzter Zeit mit dem „Brotbrechen“? 
  • Damit, Gott zu begegnen im Abendmahl? 
  • Und wie ist es mit dem „Gebet“? 
  • Damit, Gott zu begegnen? 
  • Ist da noch alles beim Alten?

Unsere seltsamen Geschichte von eben: Ich meine das nicht vorwurfsvoll – bitte versteht mich richtig. Ich frage all das eher schweren Herzens. Am besten erzähle ich Euch erst mal, wie es mir selber damit geht – dann versteht ihr auch sicher sofort, was das alles mit dieser seltsamen Geschichte vom Anfang zu tun hat. 

Mir persönlich geht es so: auf meiner stillen Zeit – die ich eigentlich gerne in Gottes Wort verbringe - liegt in letzter Zeit oft eine bleierne Schwere. Und die Gemeinschaft mit Euch – nicht nur der Ratsch nach dem Gottesdienst bei Kaffee und Kuchen – sondern vor allem das gegenseitig-sich-besuchen-können – vor allem zu mehreren – das fehlt mir schon sehr. Und dann das Abendmahl! – Mei! - Das Abendmahl! Das fehlt mir ganz besonders. Ja, manchmal bringt Seham von der Koptischen Kirche etwas Abendmahlsbrot (ohne Wein) mit nach Hause. Und ja, dafür bin ich dankbar. Sehr dankbar. Aber es ist nicht das selbe, wie mit Euch zu feiern.
Nur, was das Gebet angeht, geht es mir etwas besser: Gottseidank habe ich „meinen“ Gebetskreis (der aus historischen Gründen in Hörlkofen stattfindet) – und ganz, ganz liebe Geschwister, ja wirklich gute Freunde mit denen ich alle Herzensanliegen teilen kann. Und „Gott sei Dank!“ - kann ich dort sogar übernachten. Sonst wäre das gar nicht möglich. Ich komme Freitags ja meist erst um 19 Uhr hier in München los.

Nun: warum erzähle ich Euch das alles? Weil mir seit einiger Zeit ein Gedanke im Kopf herum geht: Wie kriege ich Corona und meine Beziehung zu Gott unter einen Hut? Wie kann ich die aktuellen Rahmenbedingungen einhalten, ohne Gefahr zu laufen, dass meine Beziehung zu Gott darunter leidet? Ich bin nicht sicher, ob ich darauf eine finale Antwort habe. Eines aber weiß ich:

Ein Tisch steht auf 4 Beinen


„Ein Tisch steht nur auf 4 Beinen gerade – und das auch nur dann, wenn sie alle gleich lang sind.“ Wo nicht, da fängt er entweder an zu wackeln, oder – falls ein oder gar zwei Beine völlig fehlen – er fällt völlig um.

Ich spüre es immer deutlicher: meine Beziehung zu Gott braucht es – ich brauche es – alle diese Dinge zu haben: Das Evangelium von Gottes Liebe; ob nun in der Predigt oder in Seinem Wort – und in ihm die Begegnung mit dem lebendigen Gott UND Eure Gemeinschaft; geistliche Gespräche – in denen der „Christus in uns“ uns untereinander begegnet und uns „auferbaut“ UND das Abendmahl; mit Christus und mit Euch; mit Brot und mit Wein – und dieses tiefe Wissen um mein Angenommen-Sein – mein EINSSEIN mit Christus und mit Euch.
UND das Gebet – die Begegnung mit dem Allerhöchsten; mit meinem Heiland – meinem Helfer in der Not; gemeinsam mit meinen Geschwistern; nicht allein.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht – aber ich für meinen Teil möchte diese Dinge wieder mehr erfahren – ich sehne mich danach. Und ich denke, ich kann etwas dafür tun! Nicht viel vielleicht, aber sicher mehr als nichts.

Fragen an Dein Herz


Ich muss dabei immer an eine andere Stelle aus der Apostelgeschichte denken – und der steht (von unserem Vers aus gesehen) „gleich ums Eck“: Dort steht: 

„Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“ (Apg 2,46-47)

Und im Anschauen dieser Stelle – und im Anschauen dieser Freude, die die Geschwister damals hatten - und die hatten es noch viel schwerer, als wir: die wurden von den Römern verfolgt! – mich im Anschauen dieser Freude zu fragen: 
  • Wen kann ich besuchen, um diese Freude neu zu erleben?
    • Um die Bibel zu erforschen?
    • Um Gemeinschaft zu haben? 
    • Um das Abendmahl zu feiern? 
    • Um Gott im Gebet und im Lobpreis zu begegnen? 

  • Das nämlich wünsche ich uns allen: Freude an der Begegnung mit Gott:
    • In Seinem Wort
    • In der Gemeinschaft untereinander
    • Im Abendmahl
    • Und im Gebet
AMEN.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Viel Fleiß – viel Preis! (2. Tim 2,4-7)

[Predigt als mp3]

Übersicht

  • Einleitung
  • Unser Text
  • Hingabe
  • Rechtschaffenheit
  • Mühe
  • Lohn
  • Fragen


Einleitung


Goldmedaille

Habt ihr schon mal einen Pokal gewonnen? Oder einen ersten Preis? Ein einziges Mal in meinem Leben (man glaubt es kaum!) hatte ich diese Ehre: bei den Meisterschaften an der Hochschule der Bundeswehr im Jahre 1983 gewann ich mit 21 Jahren als 2. Schwimmer unserer 4er-Staffel den 1. Platz in der Disziplin 4 x 50m Brust. Sicher, diesem 1. Platz gingen Jahre des Training voraus: Arbeit, Disziplin und Ausdauer. Aber das ist gar nichts im Vergleich mit einer Goldmedaille bei den Olympischen Spielen; oder mit dem Training, dass nötig ist um so eine Goldmedaille zu gewinnen. Und eine Goldmedaille bei de Olympischen Spielen wiederum ist nichts im Vergleich zu dem Preis, der uns im Himmel erwartet. Wenn wir denn überhaupt darum kämpfen. Hingegeben. Rechtschaffen. Fleißig und ausdauernd.


Rückblick

Doch eins nach dem anderen: In der letzten Predigt aus dem 2. Timotheus-Brief ging es um die Aufforderung des Paulus an den Timotheus, in der Stärke der Gnade Christi zu lehren und zu leiden; also: ein guter Kämpfer für das Evangelium zu sein. Paulus schrieb: "Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu." (2Tim 2:2-3) 


Inhalt

Paulus geht es im Folgenden um eine Verdeutlichung eben dieser Aufforderung, als „ein guter Streiter Jesus Christi“ „zu lehren“ und auch mit zu „leiden“. Dazu bringt er in den folgenden Versen (2Tim 2:4-7) drei Beispiele, die er drei verschiedenen Sphären entlehnt: dem Militär, der Athletik und der Landwirtschaft. Ich möchte diese drei Beispiele überschreiben mit „hingegeben“, „rechtschaffen“ und „fleißig“. Denn was Paulus möchte, ist, Timotheus zu verdeutlichen, was ein „guter Streiter“ ist und warum das wichtig ist, ein „guter Streiter“ zu sein.

Übrigens: Was dem Timotheus hier gesagt ist, gilt ihm zwar - als dem Nachfolger Pauli und als einem der Ältesten der Gemeinde in Ephesus – ganz im Besonderen. Gleichwohl gilt es prinzipiell auch uns allen, die wir kein offizielles Amt bekleiden, denn „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, 17 dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“ (2 Tim 3:16-17)

Schauen wir also einmal in unseren Text:


Unser Text

2 Tim 2,4-7

„Wer in den Krieg zieht, verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. Und wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. Es soll der Bauer, der den Acker bebaut, die Früchte als erster genießen. Bedenke, was ich sage! Der Herr aber wird dir in allen Dingen Verstand geben.“


Inhalte

Ich denke, in unserem heutigen Text geht es hauptsächlich um 4 Aspekte
1. Dass das Leben als Christ ein Leben der Hingabe ist (Vers 4)
2. Dass das Leben als Christ ein Leben in Rechtschaffenheit ist (Vers 5)
3. Dass das Leben als Christ ein Leben harter Arbeit ist (Vers 6)
4. Und letztlich: Dass dieses Leben am Ende mit unendlichem Genuss gekrönt wird (Verse 5 und 6).


Zwischenbilanz

Denn was Paulus möchte, ist, Timotheus zu verdeutlichen, dass ein „guter Streiter“ ein hingegebener Streiter ist – einer, der die richtigen Prioritäten setzt. Und dass ein „guter Streiter“ bereit ist, nach den Regeln zu kämpfen – und hier konkret: zu leiden; und dass dieses „Mitleiden“ eine freiwillige Rechtschaffenheit erfordert. Und auch, dass ein „guter Streiter“ bereit ist, ausdauernde harte Arbeit zu leisten – weil es genau das ist, was erforderlich ist, um das Evangelium weiter zu sagen und es entsprechend zu „lehren“ . Und letztlich, dass dem „guten Streiter“, der all diese Anforderungen erfüllt, eine mehr als erstrebenswerte Belohnung winkt.


Hingabe 

2Tim 2,4

„Wer in den Krieg zieht, verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. “

Besonderheiten im Text

2:4 hingegeben
  • ἐμπλέκεται (empleketai = sich verstricken)
  • τοῦ βίου πραγματείαις  (tou biou pragmataiais = Geschäfte täglichen Lebens)

„sich nicht verwickeln – in Geschäfte des täglichen Lebens“ 

Wenn Paulus hier von „sich nicht verwickeln“ spricht, dann meint er = sich nicht verstricken = sich nicht einwickeln lassen. Doch in was? Paulus nennt hier die „Geschäfte des täglichen Lebens“. 

Doch nun müssen wir aufpassen, denn: 

  1. ist die Beschreibung die Paulus hier benutzt ein Bild, ein Gleichnis und daher nicht 1:1 auf unser Leben übertragbar. Und 
  2. steht da außerdem nicht „er betreibt nicht Geschäfte des täglichen Lebens“! – Sondern: „er verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens!“ 

Paulus will also nicht sagen: „Zieh in den Krieg und höre auf, euch Dir mit redlicher Arbeit Dein Brot zuverdienen.“ (das wäre ja auch völliger Unsinn) – Er sagt vielmehr: „So, wie ein antiker Soldat sich zu 100% auf seine Pflichten fokussiert, so wie er sich zu 100% darauf konzentriert, für die Schlacht zu trainieren, anstatt das Training zu vernachlässigen, um sich nebenher mit „gewöhnlicher Arbeit“ noch ein paar Drachmen dazu zu verdienen, so sollst auch Du Dich ganz auf Dein geistliches Leben konzentrieren und Dich von nichts und niemand davon ablenken lassen.“

Was Paulus also meint ist = sich auf etwas zu konzentrieren = und seine Prioritäten richtig zu setzen. Aber worauf? Oder anders gefragt: von was sollen wir uns nicht einwickeln lassen?


Bedeutung 

Jesus sagt das so: „Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht.“ (Mt 13:22)

Der Apostel Johannes sagt es so: „Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ (1Jo 1:5-7)

Im Römerbrief lesen wir: „Was sollen wir nun sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade um so mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir doch gestorben sind? Oder wißt ihr nicht, daß alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Rö 6:1-4)

Und der Apostel Petrus letztlich sagt es so: „Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer im Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht den Begierden der Menschen, sondern dem Willen Gottes lebe. Denn es ist genug, daß ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und greulichem Götzendienst. Das befremdet sie, daß ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern; aber sie werden Rechenschaft geben müssen dem, der bereit ist, zu richten die Lebenden und die Toten. “ (1Pe 4:1-5)


Zwischenbilanz

Paulus geht es also darum, dass wir – uns ganz darauf konzentrieren, ein heiliges Leben zu führen –  uns nicht um weltliche Dinge sorgen – nicht gierig dem Reichtum nachlaufen – oder gar in der Sünde verharren. Paulus geht es um das, was in Hebräer 12:1 steht „laßt uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und laßt uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens “.


Rechtmäßigkeit

2 Tim 2,5

„Und wenn jemand auch kämpft, wird er doch nicht gekrönt, er kämpfe denn recht. “

Besonderheiten im Text

  • 2:5 rechtschaffenἀθλῇ (athlä = an [athletischem] Wettkampf teilnehmen)
  • νομίμως (nomimos = gesetzeskonform)

Bedeutung

Noch in Vers 3 hatte Paulus den Timotheus aufgefordert: „Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu.“ – Es geht Paulus also auch darum, dass Nachfolge Leid bedeuten kann – und damit die freiwillige Entscheidung dazu, körperliche oder seelische Leiden auf sich zu nehmen, falls und wo die Sache des Glaubens es erforderlich macht. 

Um das zu verdeutlichen, benutzt Paulus nun das Bild eines Athleten, der in einem Wettkampf um den Sieg ringt: - Da geht es ja auch nicht, dass man beim 400m Lauf einfach quer über das Feld abkürzt und sich so 200m spart. Stellt euch das bitte mal vor: es wären Olympische Spiele, der Startschuss fällt und die Läufer sprinten los. Und irgendein Heini biegt nach der Hälfte der Tartanbahn links ab, läuft über den Rasen und läuft dann die restliche halbe Runde bis ins Ziel. Was würde passieren? Völlig klar: der Läufer würde nach allen Regeln der Kunst disqualifiziert. Keine Diskussion. Ende der Veranstaltung. Dafür hätte er gar nicht so hart zu trainieren brauchen. Da hätte er gleich zu Hause bleiben können.
Was will uns Paulus also sagen? Paulus will uns sagen, dass es da keine Abkürzung gibt. „Mogeln gildet nicht.“ 

Der Apostel Petrus sagt das so: „Ihr Lieben, laßt euch durch die Hitze nicht befremden, die euch widerfährt zu eurer Versuchung, als widerführe euch etwas Seltsames, sondern freut euch, daß ihr mit Christus leidet, damit ihr auch zur Zeit der Offenbarung seiner Herrlichkeit Freude und Wonne haben mögt. “ (1Pe 4:12-13)

Und im Philippperbrief lesen wir: „Denn euch ist es gegeben um Christi willen, nicht allein an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden [...]“ (Phil 1:29)

Ja, der Römerbrief letztlich macht es klar, dass das Leiden eine unabdingbare Voraussetzung dafür ist, einmal mit Christus verherrlicht zu werden: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden. “ (Rö 8:17) (2x)


Zwischenbilanz

Paulus will uns also sagen, dass das Leiden zum Christlichen Leben dazu gehört – wie die Schwerkraft zu unserem Universum. 


Mühe

2 Tim 2,6

„Es soll der Bauer, der ackert, die Früchte als erster genießen.“ 


Besonderheiten im Text

2:6 fleißig
  • τὸν κοπιῶντα γεωργὸν (to kopionta georgon = schuftender Bauer)

Bedeutung

Das Wort, was hier im griechischen steht (kopioonta), ist in seinem Bedeutungsraum verknüpft mit Begriffen, wie „mühsam“, „kämpfen“, „müde“ und „erschöpft“. 

Wir kennen für die Art von Arbeit, von der hier die Rede ist, das deutsche Wort „ackern“ oder „sich abrackern“. Was gemeint ist, ist eine mühsame, langwierige und erschöpfende Arbeit – kein Kindergeburtstag.

Und ich denke, dass Paulus hier anspielt auf die Aufgabe, die er Timotheus (siehe letzte Predigt) in Vers 2 gegeben hat: „Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

Dieses „das Evangelium weiter geben“ oder „treuen Menschen anbefehlen“ ist jedoch kein Sonntagsspaziergang, sondern harte Arbeit. Mühsame Arbeit. Oft auch ermüdende Arbeit. Erschöpfende Arbeit. Und doch Arbeit, die getan werden muss, wenn Gottes Reich wirklich wachsen soll. Arbeit, die wir nicht einfach an unsere „Hauptamtlichen“ ‚abtreten‘ können, als gälte uns der Aufruf Christi im Evangelium nicht, der uns – uns allen! – geboten hat: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Mt 28:18-20)

Zwischenbilanz

Was Paulus hier also sagt, das ist kein Spaß. Es ist Gottes Auftrag an Dich und an mich. Keinen Deut weniger. (2x)


Lohn

2 Tim 2,4.5.6

„[...] damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. [...] gekrönt [...] genießen [...]“


Besonderheiten im Text

2:5/6 krönt/teilhabe
  • ἀρέσκω (areskoo = gefallen, zufrieden stellen, akzeptieren)
  • στεφανοῦται (stephanoo = krönen)
  • τῶν καρπῶν μεταλαμβάνειν (ton karpon metalambein = teilhaben)

Bedeutung

Das Wort, was hier für „gefallen“ steht (kopioonta), ist in seinem Bedeutungsraum verknüpft mit Begriffen, wie „zufriedenstellen“, „dankbar sein“ und „akzeptieren“. Das Wort, das hier für „krönen“ steht, meint tatsächlich: „jemandem eine Krone (oder einen Siegeskranz) aufsetzen“
Und das Wort, das hier im Zusammenhang mit den Früchten steht, meint: „an den Früchten Anteil haben“ – und scheint mir mit „genießen“ gut umschrieben. 

Was ist das nun, was Paulus mit diesen Worten “gefallen”, “krönen” und “genießen” beschreibt? Es ist letztlich die würdige Vollendung unserer Erlösung – unsere Verherrlichung im Himmel – von der wir in einer der nächsten Predigten (wenn es um die Verse 10-12 gehen wird) mehr hören werden.

Letztlich geht es darum, dass wir einmal im Himmel von unserem Heiland und König das Lob hören dürfen: „Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!“ (Mt 25,23)

Paulus wusste, dass er ein Leben in eben dieser Hingabe, in dieser Rechtschaffenheit und in dieser Mühe und Fleiß gelebt hatte. Und Paulus wusste, dass ihm sein leiblicher Tod – und damit sein Eingang in den Himmel – und damit diese Krönung – kurz bevor stand. Ein wenig später in seinem Brief wird er das noch so formulieren: “Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben.” (2Tim 4:7-8)

Ja es wird nicht nur eine Krone für uns geben für unsere Hingabe, unsere Rechtschaffenheit und unsere Mühen und unseren Fleiß: Gott selbst wird unser Lohn sein – wie es schon Abraham verheißen wurde: “Fürchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn.” (Gen 15:1)

Ja, es heißt bei Johannes: “Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.” (1Joh 3,2)


Zusammenfassung

Zusammengefasst bedeutet all das: Ja, es wird uns einiges abverlangt: heilige Hingabe – williges Leiden – und ausdauernde Arbeit. Aber es wird die Mühe mehr als wert sein: Wir werden die Herrlichkeit Gottes sehen und leben für alle Ewigkeit – in einem für uns heute noch unvorstellbaren Zustand von Glückseligkeit  - von dem es heißt: „[...] und der Tod wird nicht mehr sein, noch Trauer noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offb 21:4)


Fragen an Dein Herz

  • Wo verhindern nebensächliche Angelegenheiten Deine Hingabe?
  • Wo ist Jesu Missionsbefehl für Dich unbequem oder schmerzhaft?
  • Bist Du bereit, Dich ganz und gar in Jesu Dienst stellen zu lassen?
  • Richte Deinen Blick nach oben und glaube:
"Das ist gewisslich wahr: 
Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben; 
dulden wir, so werden wir mit herrschen; 
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 
sind wir untreu, so bleibt er treu; 
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.". 

(2Tim 1,11-13)

Samstag, 29. Juli 2017

Echte Treue - 2Tim 4,1-7


Einleitung

Was ist „Echte Treue“? Manche von uns mögen dabei an ein Liebespaar denken, dass sich bis ins hohe Alter die eheliche Treue hält. Und das ist sicher ein gutes und ein schönes Bild. Denn auch in der Ehe gibt es stürmische Zeiten, die es zu überstehen gilt. Echte Treue gibt es nicht umsonst. Sie kostet etwas. Sie braucht Durchhaltevermögen. Und Selbstbeherrschung. Und gelegentlich braucht sie auch ein gerüttelt Maß an Leidensfähigkeit.

Wenn ich an „Echte Treue“ denke, dann denke ich – und ich bin nicht einmal ein ausgesprochener Fan von König Artus‘ Tafelrunde – an alte Rittersagen. Weil es darum nicht nur um Tugenden geht, sondern weil es dort auch um echte Gefahren geht. Um Mut. Um Kampf. Und eben um echte Treue – bis in den Tod. Treue, die etwas kostet. Treue, die auch Leidensbereitschaft mit einschließt. Und eben Tugendhaftigkeit.

Nun sind wir als Kinder Gottes natürlich nicht aufgerufen, alle Ritter zu werden. Und doch gibt es Elemente im christlichen Leben, die der Treue eines Ritters gegenüber seinem König gar nicht so unähnlich sind. Nicht zuletzt dienen wir ja einem König – ja, dem König der Könige! – und zu welcher Art von Treue ER uns ruft, darum wird es heute gehen.


Übersicht

In unserer heutigen Predigt möchte ich uns mit hinein nehmen in den Kontext unseres Textes – 2. Timotheus 4,1-7 – in die Situation des Paulus, wie auch in die Situation der Kirche damals – und uns dann, nachdem wir den Text gehört haben – mit hinein nehmen in unsere Zeit, die der des Paulus so unerwartet ähnlich ist – um uns zum Schluss Gottes Willen und Wunsch für unser Leben in dieser Zeit aufzuzeigen: Echte Treue.

Der Kontext

Historisch
Paulus sitzt in Rom. Er ist am Ende seines Lebens und seines Lebens in der Nachfolge angelangt. Er sitzt im Gefängnis und erwartet seine Hinrichtung. Timotheus ist sein Nachfolger. Paulus wünscht sich dringend seinen Besuch. Es ist beinahe Winter und Bootsüberfahrten von der Levante nach Italien sind von 10. November bis 10. März nicht mehr möglich (in dieser Zeit wurde der komplette Schifffahrtsbetrieb eingestellt). Doch selbst vom 15. September bis 9. November und vom 11. März bis zum 26. Mai waren Überfahrten teils noch sehr gefährlich. Darum ruft Paulus Timotheus zur Eile auf.

Die äußere Situation der Gemeinde - Verfolgung
Die äußerliche Situation der Gemeinde ist gekennzeichnet von der Christenverfolgung durch Nero: wir denken an "menschliche Fackeln", "Brot und Spiele" und Christen, die "den Löwen zum Fraß vorgeworfen" wurden. Paulus selbst wurde ~ A.D. 64 unter Nero hingerichtet

Die innere Situation der Gemeinde - Verführung
Die innere Situation der Gemeinde ist gekennzeichnet durch Angriffe griechischer Intellektueller: sie verbreiten die "Gnosis" – ein esoterisches Sonderwissen voll philosophischer Spekulationen. Alexander und Hymenäus "demythologisieren" den Glauben ("es gibt nichts Neues unter der Sonne":  Rudolf Bultmann). Irrlehrer - gekennzeichnet durch: Egoismus, Heuchelei, Sündhaftigkeit, Zügellosigkeit, Lasterhaftigkeit, etc. (sie zogen durch die Häuser und verführten weniger gebildete Frauen, etc.)


Der Text
Ohne näher auf den Aufbau einzugehen, ist der 2. Timotheusbrief – samt seiner Kernbotschaft – schnell auf den Punkt gebracht:  Er ist Paulus' Testament - Er ist Paulus‘ letzter Aufruf an Timotheus - Und er hat folgende – wesentliche – Facetten:

1. Mut statt Scham: den Aufruf zum Mut, zum Evangelium zu stehen, trotz äußeren oder inneren Widerstandes – also den Aufruf, sich seines Glaubens nicht zu schämen, sondern das Evangelium zu predigen. 2Tim 1:8 „Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin [...]“

2. Heiligung statt Lasterhaftigkeit: den Aufruf, durch die persönliche Heiligung, ein gutes Vorbild und Zeugnis zu sein: voll Glauben, friedlich, freundlich, keusch und gerecht -- statt ungerecht und Leidenschaften und Lüsten ergeben. 2Tim 2:22 „Fliehe die Begierden der Jugend! Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.“

3. Leidensbereitschaft statt Feigheit: den Aufruf, leidensbereit zu sein und zu predigen, statt sich schamvoll zu verkriechen und zu schweigen. 2Tim 1:8 „[...] leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“, 2Tim 2,3 „Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu.“

4. Und das Hauptstück – Die Bewahrung der Lehre: den Aufruf, die rechte Lehre zu bewahren und damit Widerstand gegen Irrlehrer zu leisten. 2Tim 2:2 „was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

5. Was ist diese Lehre? Sie ist Gottes Wort – die Heilige Schrift – das Zeugnis des Planes Gottes – und des Werkes Christi – sie ist die Wahrheit. 2Tim 1:9-10 „[Gott] hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus - der dem Tode die Macht genommen und das [ewige] Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“

Diese 2 Verse enthalten das ganze Evangelium:
  • Wir sind von Gott berufen vor Grundlegung der Welt
  • Wir sind errettet aus Gnade – nicht aus Werken
  • Wir sind Selig in Christus allein – dem Gott, der sich in der Geschichte offenbarte
  • Wir haben Hoffnung auf ewiges Leben – und auf einen neuen Leib
Das ist das Evangelium, das wir  weitersagen sollen! Das ist die Gute Botschaft, die wir bewahren sollen. Gegen allen Widerstand von außen oder von innen. Hören wir die Botschaft noch einmal: 2Tim 1:9-10  „[Gott] hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus - der dem Tode die Macht genommen und das [ewige] Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“

Nachdem wir nun gesehen haben, aus welcher Situation heraus Paulus den 2. Timotheus Brief schrieb – als „dead man walking“ – in eine Gemeindesituation, die geprägt war von äußerer Verfolgung und innerer Verführung – und nachdem wir im groben gehört haben, was Paulus so am Herzen lag: Mut, Heiligung, Leidensbereit-schaft und die Bewahrung der reinen Lehre von der Gnade und Liebe Gottes - Hören wir das Wort, um das es heute gehen soll:

"1 So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: 2 Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. 3 Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, 4 und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. 5 Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus. 6 Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen.  7 Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; 8 hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben." (2Tim 4:1-7)

Zusammenfassung des Textes
Glauben ist also ein Marathon, ja ein Kampf! Auf dem Spiel stehen: Gottes Wort, Seine Wahrheit, die rechte Lehre. Die Kontrahenten sind: persönliche Lüste, dem Gusto angenehme Fabeln und Irrlehren. Die Waffen im Kampf sind: Nüchternheit, leidensfähige Hingabe und das Evangelium.


Die Gegenwart

Außen – Verfolgung
Wir erfahren es über OpenDoors, Hilfe für die Märtyrerkirche (HMK) oder Christian Solidarity International (CSI): » Blutige Attentate von IS und Boko Haram, Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgt, vergewaltigt, aufgeschlitzt oder geköpft werden. » Bei uns ist es milder: Wir haben den modernen Atheismus, der in selbstherrlicher Aggressivität unseren christlichen Glauben verhöhnt.  Was in der Welt vorgeht, bedrängt meinen Glauben immer wieder aufs äußerste – und ich bin dankbar, dass Luther in seinem Traktat „Von der freien Gnade“ geschrieben hat:
„Ich will ein Exempel geben, denselben Glauben zu stärken, und zu trösten diejenigen, so mit schelen Augen Gott verdächtigt haben, als sei er ungerecht. Siehe, Gott der Herr würket in äusserlichen Dingen in dieser Welt also, daß wenn man es nach Vernunft sollte ansehen und richten, man sagen müßte, daß entweder kein Gott wäre, oder je ein ungerechter Gott wäre, wie jener Poet sagt: Es ficht mich oft an, daß Gott sei. Denn siehe, wie es den Gottlosen in der Welt aufs allerbeste gehet; wiederum, wie es den Frommen und den Christen allenthalben so ganz übel gehet, wie dann solches das tägliche gemeine Sprüchwort und die Erfahrung, aus welcher alle Sprüchwörter kommen, bezeuget, daß man sagt, je größer der Schalk, je besser Glück: Und in den Hütten der Gottlosen (sagt Hiob) ist die Fülle allenthalben. In dem Psalm 73 ist auch die Klage, daß die Gottlosen in der Welt den Reichthum besitzen. Nun Lieber, sage mir, ist es nicht bei allen, so Vernunft und Verstand haben, für ganz unrecht anzusehen, daß es gottlosen und bösen Buben nach Wunsch soll gehen, und daß die Frommen im Kummer, Jammer, Herzeleid und allem Uebel sollen stecken? Wohlan, nun ist je öffentlich der Weltlauf also, und ist stets also gewesen von Anbeginn. (S. 541.)“
Und Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) – ein schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts tröstet darüber in seinem Kommentar zu Römer 4:16: 
"Und wie Abraham auf Gottes Wort und Allmacht hin auch solches glaubte, wovon er jetzt nichts sah, ja, solches, das aufs höchste gegen alles stritt, was er sah oder bei sich fühlte, so muß auch jeder Christ auf die Zusage des Herrn hin glauben, seinem eigenen Sehen und Fühlen ganz zuwider. Das ist es, was eigentlich Glaube heißt; der Glaube an Gottes Allmacht und Treue, daß Er alles jetzt Gesehene und Gefühlte in das Gegenteil wenden kann. So hat Luther zum Trost der armen Christen den Glauben Abrahams und den Gott Abrahams dargestellt, der dem ruft, das nicht ist, daß es sei, indem er sagt: ,,Es scheint wohl nicht, wenn man Seine Christen mit Füßen tritt oder ihnen die Köpfe abhaut, daß es soll Ehre und Herrlichkeit, Freude und Seligkeit heißen, sondern es fühlt sich nur als eitel Widerspiel. Aber Gott spricht: Ich kann machen, daß da stehe, was da nicht ist, und daß eitel Freude werde aus Traurigkeit und allem Herzeleid. Ich kann sagen: Tod und Grab, sei du Leben! Hölle, werde du Himmel und Seligkeit! Gift, sei du köstliche Arznei und Labsal! Teufel und Welt, sei du Meinen Christen nützlicher als die lieben Engelein und frommen Heiligen! Denn Ich kann und will Meinen Weingarten also bauen und warten, daß er durch allerlei Leiden und Unglück nur besser soll werden."
Innen - Verführung
  • Anthropozentrische Anbetung → Zweck = Hochgefühl vs. Verherrlichung Gottes
  • Emotionszentriertes Glaubensleben → Gefühl vs. Wort
  • lockerer Umgang mit körperlichen Sünden → Seelsorge:  "Anfassen" = normal
  • Facebook-Foren: "Schwärmertum" → Inflation von "Offenbarung" und "Prophetie"
  • Falsche Toleranz ("LGBTQ, Gender, ...) → Menschen lieben vs. Sünden hassen
Diese falsch verstandene Toleranz hat sich nun auch in unserem Grundgesetz niedergeschlagen – ich zitiere aus einem Rundbrief:
"Am 30. Juni 2017, hat der Deutsche Bundestag eine Ergänzung von § 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) beschlossen, der jetzt lautet: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."  Das ist eine verhängnisvolle Fehlentscheidung. Der eigentliche Skandal besteht [...] darin, dass die evangelischen Kirchen in dieser Sache Vorreiter waren. Der Rat der EKD gab dieser Bundestagsentscheidung in seiner Erklärung vom 28. Juni 2017 bereits vorab die kirchliche Zustimmung: „Dass auch für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden, begrüßt die EKD [...]"
Und das, obwohl die Heilige Schrift – glasklar(!) – davon spricht, was denen blüht, die so leben. Paulus schreibt:
1. Kor 6:9-10: „Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.“ 
  – oder noch klarer: 
Rö 1:22-28: „Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen [...] Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, sodass ihre Leiber durch sie selbst geschändet werden, sie, die Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen. Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen. Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist [...]“.
Bitte versteht mich Recht, ihr Lieben: ich habe Freunde in meinem Bekanntenkreis, die schwul sind. Ja, die schwul verheiratet sind. Und ich liebe sie – aufrichtig! Doch das ändert nichts daran, dass das, was sie tun, Sünde ist – Sünde, die genauso der Umkehr bedarf, wie Diebstahl, Drogenmissbrauch oder Okkultismus.


Gottes Wille
Was ist es nun also, was Christus von uns – im Angesicht äußerer Verfolgung und Verführung von innen – erwartet? Es ist das gleiche, was Paulus von Timotheus erwartet: Echte Treue – das ist: Der Mut, zum Evangelium zu stehen, trotz äußeren / inneren Widerstandes , d.i. den Mut, sich seines Glaubens nicht zu schämen, sondern das Evangelium klar zu predigen. Die Leidensbereitschaft, zu predigen, statt sich schamvoll zu verkriechen / zu schweigen. Die Persönliche Heiligung: d.i.: den Willen, durch ernsthafte Nachfolge ein gutes Vorbild und Zeugnis zu sein: voll Glauben, friedlich, freundlich, keusch und gerecht -- statt ungerecht, Irrlehren ergeben samt schändlichen Leidenschaften und Lüsten. Rechte Nüchternheit: die Bereitschaft, die rechte Lehre zu bewahren und damit Widerstand gegen Irrlehrer zu leisten - und das Evangelium hoch zu halten, die rechte Lehre, Gottes Wort, die Heilige Schrift, die Wahrheit → das Zeugnis Gottes Gnade, unserer Berufung, dem Leben, Sterben und der Auferstehung Christi und vom ewigen Leben.

Wie wichtig das Festhalten am Wort Gottes ist, mögen uns folgende Stellen zeigen:
  •  Joh 8:31 „Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger.“
  • 1Joh 2,24 „Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet ihr auch im Sohn und im Vater bleiben.“
  • 2Thess 2,15 „So steht nun fest und haltet euch an die Überlieferungen, in denen ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.“

Fazit / Aufruf
  • Bleibe in der Schrift!
  • Bekenne Christus mutig!
  • Lebe heilig!
  • Leide willig!
Mit einem letzten Vers aus Gottes Wort möchte ich schließen – in der Hoffnung, dass er sich uns einprägt in seiner Dringlichkeit – angesichts der Lage von Gottes Volk in unserer Zeit:
Phil 2,14-16 „Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel, damit ihr ohne Tadel und lauter seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens [...]“
 Amen.

Samstag, 14. Januar 2017

Alle Theologen sind Heuchler - Pharisäer und Schriftgelehrte

Auf einer christlichen Facebook-Seite las ich heute "Alle Theologen sind Heuchler". Die ganze Argumentation mündete in der Schlussfolgerung, die heutigen Theologen seien die neuzeitliche Entsprechung derer, die Jesus Pharisäer, Schriftgelehrte und Heuchler nannte.

Hier meine Stellungnahme.


Es gibt leider auch heutzutage tatsächlich Pharisäer und Schriftgelehrte. Offensichtlich sterben die nicht aus. Die damaligen Pharisäer und Schriftgelehrten wurden von Gott übrigens niemals dafür gerügt, dass sie Schriftgelehrte waren. Sondern Jesus hat sie gerügt für ihre Bosheit und Hartherzigkeit und für ihre Heuchelei. Vor allem aber dafür, dass sie Ihn ablehnten und nicht an Ihn glaubten. Nicht jedoch dafür, dass sie die Schrift kannten. Jesus sagt zu ihnen: "ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat. Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind's, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet." (Joh 5:38b-40)

Genau diesen Vers könnte man jetzt so verstehen, dass es eben allein um Jesus geht und um den Glauben an Ihn und um den Heiligen Geist - und dass es darum schlecht ist, wenn man "in den Schriften sucht". 
 

Wie gesagt: könnte man. Doch sollte man? 

 

Ist es nicht vielmehr interessant, dass die Propheten im Alten Testament so oft dagegen gewettert haben, dass niemand das Wort Gottes hören wollte? Auch die Apostel im Neuen Testament weisen an jeder Ecke darauf hin, acht zu haben auf die Lehre (1Tim 4:16), nicht jeder Lehre zu glauben und unbedingt am Wort festzuhalten (Joh 14:23, 2Tim 1:13, Tit 1:9, ...). Die Beröer werden sogar dafür gelobt, denn sie "sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte." (Apg 17:11) Nur von den Gottlosen heißt es, dass "sie nicht an das Wort glauben" (1Petr 2:8).

Das war es, was Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten vorwarf.

Was jedoch die Lehre, das Wort und die Schrift angeht, ist Gott ganz offensichtlich der Ansicht, dass Lehre etwas Gutes ist - und dass sie aus seinem Wort kommen sollte, aus der Schrift. Und dass Sein Wort so heilig ist, dass es niemandem - aber auch absolut gar niemandem zusteht, darüber zu urteilen oder es gar zu verändern.

Und in eben diesem Wort steht, dass "alle Schrift, von Gott eingegeben, nütze [ist] zur Lehre" (2Tim 3,16). Von daher finde ich es am aller-interessantesten, dass eine der Gaben, die niemand anderes als der Heilige Geist(!) der Gemeinde gegeben hat, die Gabe des Lehrers ist! (1Kor 12:29) Und was macht ein Lehrer? Er lehrt. Ist ja klar. Aber was lehrt er? Er lehrt Gottes Wort, so wie es uns in der Heiligen Schrift überliefert wurde - ebendieses Wort, von dem Offb 22,19 steht: "Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht."

Allein darum heisst es in den Briefen: "die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre." (1Tim 5:17). Denn den Lehrern selbst wird gesagt: "Wenn du die Brüder und Schwestern [...] lehrst, so wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, genährt durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre, der du gefolgt bist." (1Tim 4:6) Und weil die Lehrer so hoch angesehen sind bei Gott, steht auch: "Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens." (Hebr 13:7).

Nun, ich gehöre nicht zu denen, die eine [Zitat des Autors des Postings auf der eingangs genannten Facebook-Seite] "religiöse Brille aufhaben und [...] die Pastoren/Theologen verteidigen." Im Gegenteil: vieles, was heutzutage in unseren Kirchen abgeht, ist nichts weniger als der Abfall von Gott und vom Glauben: dem Zeitgeist angepasste Anbiederung bei der Gesellschaft, kraftlose Predigten über Politik und Gesellschaft und nicht zu Letzt die Verschwendung von unter Zwang eingezogener Kirchensteuer [vgl. 2Kor 9:7]. Ich könnte noch einige Zeit so weiter machen - aber darum geht es hier ja gar nicht...

Worum es geht ist, dass ich vor allem glaube, dass es nicht gut und auch nicht richtig ist, alle Theologen in einen Topf zu werfen und zu behaupten, "jeder Theologe [sei] ein Heuchler".

Wer Gottes(!) Wort liest, der kann - siehe oben - gar nicht zu einer solchen Einschätzung kommen. Und wenn dann auch noch "Gott" im griechischen "theos" heißt und wenn "logos" im griechischen nicht nur "Wort" und "Äusserung", sondern auch "Lehre" bedeutet (und das tut es!), dann ist ein Theologe ganz einfach ein Mensch, der etwas über Gott gelernt hat und lehrt. Also ein Mensch, von denen Paulus und der Schreiber des Hebräerbriefes sich einig waren, dass wir ihn "zweifacher Ehre wert" halten sollten.

Der Satz: "jeder Theologe ist ein Heuchler" tut das nicht.