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Sonntag, 11. Oktober 2015

Gottes Stadt (Ps 48:1-15)


Text

1 "Ein Psalmlied der Söhne Korach." 2 Groß ist der HERR und hoch zu rühmen in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge. 3 Schön ragt empor der Berg Zion, daran sich freut die ganze Welt, der Gottesberg fern im Norden, die Stadt des großen Königs. 4 Gott ist in ihren Palästen, er ist bekannt als Schutz. 5 Denn siehe, Könige waren versammelt und miteinander herangezogen. 6 Sie haben sich verwundert, als sie solches sahen; sie haben sich entsetzt und sind davongestürzt. 7 Zittern hat sie da erfasst, Angst wie eine Gebärende. 8 Du zerbrichst die großen Schiffe durch den Sturm vom Osten. 9 Wie wir es gehört haben, so sehen wir es an der Stadt des HERRN Zebaoth, an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich. "SELA". 10 Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel. 11 Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit. 12 Dessen freue sich der Berg Zion, und die Töchter Juda seien fröhlich, weil du recht richtest. 13 Ziehet um Zion herum und umschreitet es, zählt seine Türme; 14 habt gut Acht auf seine Mauern, / durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt: 15 Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist's, der uns führet.


Kommentar

Zusammenfassung

Der dritte und letzte Lobpsalm der Dreierkette der Psalmen 46-48 preist die Stadt Gottes, welche von Gott selbst bewohnt und daher herrlich und schön ist und die allein durch Ihn bewahrt und erhalten wird. Er, der Ewige, verleiht ihr durch Seine Präsenz seine Herrlichkeit und macht sie so zum Sinnbild Seiner Majestät.


Struktur

1 Auch dieser Psalm wurde von den Korahleviten verfasst.

2-4 Vor allem darum ist Jerusalem für alle Welt bewundernswert, weil Gott, der HERR, ihr ruhmreicher Großkönig, sie mit Seiner Anwesenheit ehrt und auch schützt.

5-9 Die unerwartete Gegenwart Gottes - auch damals erkennbar, wie in der Überlieferung - überraschte seine Belagerer mit Schrecken; sie wurden zerbrochen, wie Schiffe im Sturm.

10-12 Diese schützende Güte Gottes und Seine Gerechtigkeit, sie sind der Ruhm Gottes, der, angefangen in Jerusalem, hinaus reicht bis an die Enden der Welt und dessen seine Kinder in Seinem Tempel gedenken.

13-15 Das Psalmende ruft zur aktiven Achtsamkeit: diesen guten, ewigen und uns leitenden Gott im Angesicht Jerusalems zu entdecken und der Nachwelt davon zu erzählen.


Inhalt

1 Auch dieser Lobgesang, der dritte und letzte der Dreierkette der Psalmen 46-48, wurde von den Korahleviten verfasst. Psalm 46 pries die Errettung des Volkes und der Stadt Gottes durch Sein wunderbares Eingreifen. Psalm 47 pries die Herrlichkeit Seiner Gnadenherrschaft über letztlich alle Völker. Und Psalm 48, endlich, preist den Ruhm des Königs der Könige im Angesicht der Schönheit der von Ihm bewohnten und bewahrten Stadt.


2-4 Es ist nicht die Stadt an sich, die allein um ihrer selbst hoch zu loben wäre und so legen die Psalmisten den Fokus, gleich zu Beginn dieses Psalms, auf den Ewigen selbst, der sie bewohnt. Er ist es, Er allein, der wirklich wahre Größe besitzt - Größe des Herzens und nicht nur der Macht - der deshalb allein und wahrhaft würdig ist, "Ehre und Preis und Lob" Seines Volkes entgegen zu nehmen (Offb 5,12).
Darum also ist die Stadt Jerusalem zu loben: nicht allein wegen ihrer Architektur oder ihrer Ästhetik, sondern weil es *Gottes* Stadt ist. Nicht allein David und Salomon regierten hier. Die Paläste der Stadt sind insbesondere *Gottes* Wohnsitz, ja die ganze Stadt ist *Sein* Eigentum. *Er* ist der wahre Großkönig, der hier residiert und die Stadt beschützt. *Er*, der König der Könige; in Jerusalem, der besungenen Stadt. 

Auf dem Berg Gottes, dem Zion ist sie gegründet, der herrlichen und erhebenden Schönheit, die im Norden Judas empor ragt; im Norden, der in damaliger Vorstellung mit größter Höhe verbunden wurde. So entzückt sind die Psalmisten, dass sie ihre Freude - vielleicht auch, wie in der prophetischen Schau der vollendeten Heidenmission in Psalm 47 - als eine die ganze Welt begeisternde sehen.


5-9 Es ist unklar, von welcher Belagerung in diesem Psalm die Rede ist, doch ist es, wie auch in Psalm 46, nicht ausgeschlossen, dass hier die Belagerung im Jahre 701 v. Chr. durch die Assyrer angedeutet ist. Sanherib, der König von Assur und seine Großen waren gegen Jerusalem gezogen und hatten es eingekesselt. Es schien ihnen eine Stadt zu sein, zwar gut befestigt, jedoch nicht uneinnehmbar. 

Doch war sie, wider ihr Erwarten, nicht allein von Menschen bewohnt. Angesichts des Eingreifens Gottes - des Herren der Stadt, ihres Schutzes - fielen in einer Nacht 185.000 Mann. Dieses Schrecknis veränderte den Blick der Heiden auf die Stadt Gottes: Verwunderung ergiff sie und Entsetzen, Angst und Zittern - und sie flohen in überstürtzter Hast und Eile davon (siehe 2Chr 32:9-23, 2Kö 18-19; Jes 36-37). Wie die großen Tarsisschiffe, damals Symbole und Inbilder von Handel, Reichtum und Macht, durch einen Orkan zerbrechen und sinken konnten, so zerbrach der Sturm des Zornes Gottes die Macht der Feinde Jerusalems. 

So, wie diese Begebenheit den folgenden Generationen durch die Lesungen aus den Büchern der Geschichte hörbar überliefert wurde, so wurde sie ihnen auch im Anblick von Jerusalem bestätigt: sie ist die Stadt des Ewigen, die Stadt Gottes, des Königs des Volkes Israel und sie wird allein durch Ihn bewahrt in alle Ewigkeit.


10-12 Dieser erfahrenen und sichtbaren Hilfe seines Gottes erinnert sich das Volk während der Gottesdienste im Tempel: Groß und herrlich, wie Sein Name, so sind auch Sein Ruhm und Seine Ehre ohne Grenzen und reichen bis an die Enden der Welt. Das in Seiner Hilfe sichtbar werdende Wesen Gottes ist es, Sein Recht und Seine Gerechtigkeit mit denen er herrscht, sind die Grundlage für die Freude der Stadt Gottes auf dem Berge, die Stadt des Volkes Gottes und alle Städte in Juda, die gleichsam dessen Töchter heißen. 

13-15 Diesen Blick wollen die Psalmisten uns schärfen, den Blick für den Ruhm und die Ehre Gottes, die in Seinem Heilshandeln und Seiner gerechten Herrschaft über die Menschen deutlich werden; den Blick für den Ruhm und die Ehre, die durch die Schönheit der Mauern und Türme Jerusalems hindurch, angesichts der von Gott bewohnten und bewahrten Stadt, sichtbar werden. Jeder Gang durch die Stadt und jeder Blick auf die Anzahl seiner Zinnen, jede Wanderung - mit achtsamem Herzen - durch die Majestät seiner Paläste soll das Volk daran erinnern. Von dem, was sie an Jerusalem und seiner Geschichte erkennen, von dem, was sie dadurch von Gottes Wesen erkennen und lernen, sollen sie auch noch ihren Enkeln und Urenkeln weiter sagen: Dieser gute und gerechte Gott, dieser Helfer in der Not, dieser Hüter und Bewahrer der Stadt, dieser Hirte, der uns ans frische Wasser führt, das ist unser Gott, von heute an und bis in alle Ewigkeit.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Bist Du - ist Dein Leben - vom Feind belagert und bedroht?
  • Sind Dir die Gegenwart und der Schutz Gottes, Deines großen Königs, heute bewusst?
  • Achte auf Details und Du wirst erkennen: Er ist bei Dir "alle Tage, bis an das Ende der Welt"

Sonntag, 29. März 2015

Ein feste Burg ist unser Gott (Ps 46:1-12)

Text

1 "Ein Lied der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Jungfrauen«." 2 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. 3 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, 4 wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. "SELA". 5 Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. 6 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie festbleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen. 7 Die Heiden müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt. 8 "Der Herr Zebaoth ist mit uns," "der Gott Jakobs ist unser Schutz." "SELA" 9 Kommt her und schauet die Werke des HERRN, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet, 10 der den Kriegen steuert in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt. 11 Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden. 12 "Der Herr Zebaoth ist mit uns," "der Gott Jakobs ist unser Schutz." "SELA".


Kommentar

Zusammenfassung

Wohl angesichts der Belagerung Jerusalems und der letztendlichen Errettung des Volkes und der Stadt durch das Eingreifen Gottes entstand dieser Psalm, der uns mit apokalyptischen Bildern die Gefahr und Bedrängnis des Volkes Gottes und die verlässliche Hilfe Gottes schildert, der Seinem Volk inmitten von Not und Streit ein Quellborn des Friedens ist. Und in prophetischer Vorausschau weist dieser Psalm auf das Ende der Tage, wenn Gott selbst den Frieden auf Erden schaffen wird. Er, der Gott des Friedens aber ist es, der uns auffordert Ihn in Seinem Wort und Werk zu erkennen und der uns auch im Kehrvers diess Psalms immer wieder zusagt, dass Er mit uns ist und daß Er, Er allein, unser verlässlicher Schutz in aller Not ist.


Struktur

1 Die Korahleviten verfassten dieses Vortragslied für einen Jugend-Chor.
2-4 Gott der Allmächtige ist unser Schutz selbst inmitten apokalyptischer Szenarien.
5-8 Dank Gott hat Sein Volk seligen Frieden inmitten des Chaos; Er ist ihre Hilfe.
9-12 Gott wird Frieden schaffen auf Erden und will, dass wir Ihn wirklich erkennen.


Inhalt

1 Dieser Psalm wurde von den Korahleviten (vgl. Zusammenfassung von Psalm 44) als Vortragslied "für hohe Stimmen" komponiert (Buber übersetzte: "in der Jugend-Tonart"; Luther: "nach der Weise »Jungfrauen«.")


2-4 Dieser Psalm beginnt und endet mit einem Wort des Trostes: Dass nämlich Gott, der Gott Jakobs, der Herr der Heerscharen, bei uns ist, uns zur Seite steht, uns begleitet und uns beschützt. Er, der allmächtige Gott selbst, ist unsere Hoffnung und die Quelle unserer Kraft. Daran muss auch Paulus gedacht haben, als er uns schrieb: "Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?" (Rö 8:31). 

Dieser Beistand aber war dem Volk Gottes überlebenswichtig, denn offenbar litt es um die Zeit der Verfassung des Psalms große Not, wie z.B. während der Belagerung Jerusalems durch die Assyrer (siehe 2Chr 32:9-23).

Doch ungeachtet der überwältigenden Gefahr konnten die Psalmisten getrost dichten "wir fürchten uns nicht!" Auch dann nicht, wenn die Grundfesten der Erde so erschüttert würden, dass ganze Gebirgszüge vom Wüten katastrophischer Fluten verschlungen würden. Ja, selbst dann nicht, wenn die ganze Schöpfung in einem apokalyptischen Szenario vor ihrem Untergang stünde. Der Grund aber für diese unerschütterliche Furchtlosigkeit ist ein einziger: Das Wissen, dass Gott selbst, der Herr der Schöpfung, der Erschaffer von Bergen und Meeren, in ihrer Mitte ist.


5-8 Wenn auch außen, rund um die Stadt, die Apokalypse tobt und das brausende Meer der Belagerer die Mauern einzureißen droht, so soll doch Gottes heilige Stadt, getrost und fröhlich bleiben. Welch scharfer Kontrast: draußen das tosende Meer der Belagerer und drinnen das fröhliche Plätschern des Bächleins Siloah (Luther: "Brünnlein"), oder wie Jesaja schrieb: "die Wasser von Siloah, die still dahinfließen" (Jes 8:6). In dieser idyllischen Stille hat Gott Wohnung genommen. Und weil ER, der Allmächtige, die Stadt bewohnt, allein darum wird sie nicht eingenommen werden, sondern Bestand haben. Und auf diesen Zuspruch folgt die Verheißung: "Gott hilft [der Stadt] früh am Morgen". Interessant ist in diesem Zusammenhang der Bericht vom Ende der Belagerung Jerusalems, wie er im 2. Buch der Könige festgehalten wurde, in welchem uns berichtet wird, dass Gottes Hilfe den Belagerten tatsächlich früh am Morgen zuteil wurde (vgl. 2Kö 19:35f).

In Vers 7 klingt dann, neben dem Triumph Gottes über die heidnischen Belagerer, auch ein prophetisches Element durch, welches, einem fernen Echo gleich, vom Ende der Welt und den ihm vorausgehenden Ereignissen kündet: von den Kriegen unter den Königreichen der Welt (vgl. Mt 24:7-8), von der Angst der Heiden vor dem gewaltigen Zorn Gottes am Tag seines Gerichtes (vgl. Offb 6:14-17), und letztlich vom feurigen Gericht, in welchem gar die Erde vergeht (vgl. 2Pe 3:10).

In all dem aber, so tröstet der Kehrvers, der ursprünglich wohl auch einmal die erste Strophe nach Vers 4 zierte, ist Gott, der Allmächtige, der Herr über die himmlischen Heerscharen, der Pantokrator - mit uns. Der Gott Jakobs selbst, der Allerhöchste, der König aller Könige und Herr aller Herren, der Herrscher des Alls, er selbst ist es, der uns beschützt.


9-12 Alle Welt ist aufgefordert, zu kommen und sich höchstpersönlich und aus nächster Nähe anzusehen, wie Er, der Ewige und Allmächtige handelt. Er, der in Christus das Angebot von Waffen mit einem "Genug!" ausschlug (Lk 22:38) und der angesichts der Waffengewalt Petri gegen den Knecht des Hohenpriesters sprach: "Lasst ab!" (Lk 22:50f). Eben Sein Werk wird am Ende der Tage dieses sein, dass Er die Waffen der ganzen Welt zerstört und so die Kriege auf Erden in Frieden verwandelt. Ganz so, wie Er es später auch durch Seine Propheten verkünden ließ, dass am Ende der Tage eine Zeit kommen wird, in der die Völker "ihre Schwerter zu Pflugscharen machen" und "hinfort nicht mehr lernen [werden], Krieg zu führen" (Jes 2:4, Mi 4:3). 

Eben dieser Gott des Friedens (Rö 15:33, 16:20, 1Kor 14:33, Phil 4:9, 1Thess 5:23, Heb 13:20) aber fordert uns in Seinem Wort auf, stille zu werden und uns auf Ihn zu besinnen; Ihn selbst in Seinem Wort zu erkennen: Ihn, den Gott unseres Friedens, Ihn, unseren Beschützer in der Apokalypse, Ihn, den Bewahrer seligen und stillen Friedens, Ihn, unseren Helfer in der Not. Er selbst ist es, unser friedfertiger Helfer, Beschützer und Bewahrer, der zu uns spricht: "Ich will der Höchste sein unter den Heiden, der Höchste auf Erden." Ja, es ist wahr: "Der Herr Zebaoth ist mit uns" und Er selbst, "der Gott Jakobs ist unser Schutz".


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Welche Not, Gefahr oder Bedrängnis ist es, die zurzeit Deine Seele schrecken will?
  • Geh in die Stille des Gebetes vor Gott, in die Betrachtung Seines Wortes und erkenne: Er, der Allmächtige, der Schutz Jakobs, ist mit Dir "alle Tage bis an der Welt Ende." (Mt 28:20)
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[Predigt als MP3]


Sonntag, 20. Juli 2014

Dank und Bitte (Ps 40:1-18)

Text 

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. 2 Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. 3 Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, daß ich sicher treten kann; 4 er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den HERRN hoffen. 5 Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen und denen, die mit Lügen umgehen! 6 HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest; dir ist nichts gleich! Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. 7 Schlachtopfer und Speisopfer gefallen dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. 8 Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: 9 Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. 10 Ich verkündige Gerechtigkeit in der großen Gemeinde. Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen; HERR, das weißt du. 11 Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich. Ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde. 12 Du aber, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten. 13 Denn es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl. Meine Sünden haben mich ereilt; ich kann sie nicht überblicken. Ihrer sind mehr als Haare auf meinem Haupt, und mein Herz ist verzagt. 14 Laß dir's gefallen, HERR, mich zu erretten; eile, HERR, mir zu helfen! 15 Schämen sollen sich und zuschanden werden, die mir nach dem Leben trachten, mich umzubringen. Es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mir mein Unglück gönnen. 16 Sie sollen in ihrer Schande erschrecken, die über mich schreien: Da, da! 17 Laß deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, laß allewege sagen: Der HERR sei hoch gelobt! 18 Denn ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, säume doch nicht!


Kommentar

Zusammenfassung

In einer schlimmen Notsituation, umringt von mordlustigen Feinden und in der unsichtbaren Welt von seinen Sünden, wartet David geduldig auf das gnädige Eingreifen des allguten und allmächtigen Gottes; und wird erhört. Die Errettung Gottes führt David in die Anbetung und in die Mission und er verkündigt prophetisch Christus, den Bringer des Evangeliums Gottes. Dieser Gott ist es, den David um Gnade, Schutz und Hilfe bittet. Seinen Feinden wünscht er Schimpf und Schande, den Gottefürchtigen dagegen Freude und Lob. Sich selbst aber, dass Gott ihn nicht versäumen möge.


Struktur

1 Diesen Psalm dichtete David zum Vortrag vor der Gemeinde.

2-5 David trotzt aller seiner Not in Geduld und wartet, Gottes Wesen und Werk vor Augen, auf dessen gnädiges Eingreifen. Und er wird erhört: der Herrscher des Alls neigt sich liebend zu ihm herab, hilft ihm aus Sünde und Not hinauf auf den Felsen des Glaubens und der Gerechtigkeit und legt David damit, vielen zur Hoffnung, ein Loblied auf die Lippen.

6-11 Von Wunder seiner Errettung ergriffen, findet David in die Anbetung und in die Mission. In dem Wissen, dass es Gott um Bussfertigkeit und Gehorsam geht, scheint durch Davids Worte der Christus durch, der das Evangelium Seiner Gerechtigkeit nicht vor uns verbirgt.

12-14 Diesen allein guten, gnädigen und barmherzigen Gott bittet David, angesichts der Unzahl seiner Sünden, ihn aus freier Gnade zu erretten und um den Schutz und die Hilfe Seiner Gegenwart - auf allen Wegen.

15-16 Seinen mordgierigen Feinden aber wünscht er Schimpf und Schande und sich selbst, dass sie von ihm weichen mögen.

17 Den Gottesfürchtigen aber, die Seine Errettung lieben, wünscht er Freude, Fröhlichkeit und jederzeit ein Lob auf den Lippen.

18 David schließt dieses Vortragslied mit dem Bekenntnis seines Glaubens an Gottes Hilfe, Rettung und Fürsorge und mit dem Gebet um Gottes baldiges Eingreifen. 


Inhalt

1 Diesen Psalm dichtete David als Vortragslied, damit er vorgesungen würde.

2-5 Das ist die wohl größte Kunst, die David hier beschreibt: in allem Leid und aller Not nicht zu verzagen, nicht davon zu laufen, nicht abtrünnig zu werden, sondern, wider allen Schein und alles Fühlen, auf Gott zu warten, ja auszuharren, bis Er uns gnädig sei. Und so wartet David und führt sich Gott, Sein Wesen, Seinen Plan und Sein Werk vor Augen. Und dieses Aushalten, dieses demütige Warten, wird von Gott belohnt: aus höchster Höhe, von Seinem Thron im Himmel, auf dem Er seit Ewigkeiten mit souveräner Majestät und Herrlichkeit das All regiert, neigt er sich als der liebende Vater zu uns herab. Herunter in das Dunkel und in die Tiefe, in das Leid und in den schreienden Schmerz unserer von Gott gefallenen Welt. Erhört uns zu. Schenkt uns aus tiefstem Herzen Seine Aufmerksamkeit. Weil Er uns liebt. 

So erhörte Er auch das verzeifelte Rufen Davids und zog ihn aus dem tiefen Loch, aus dem er sich selbst nicht befreien konnte; aus der schrecklichen Situation des Leidens aufgrund von Sünde (V13) und Verfolgung (V15); hinaus aus Schmutz und Schlamm, hinauf auf den Felsen Christi (1Kor 10:4) und Seiner Gerechtigkeit, die allein aus dem Glauben an Christus kommt (Rö 1:17, 3:28). Hier steht David endlich auf festem Grund, ist in Sicherheit und findet Halt unter den Füßen, um sichere Schritte zu tun auf seiner Pilgerreise durch diese Welt (1Chr 29:15).

Mit dieser Rettung aus Leid und Not hat Gott in Davids Herzen ein neues Lied geboren, das er nun fröhlich singen kann: sein Mund fließt, von der Quelle der Dankbarkeit gespeist, über vom Lob Gottes. Und David ist sicher: von diesem Zeugnis seiner Errettung und Dankbarkeit werden -wie es heute durch den Psalter in der Tat geschieht- noch viele Menschen erfahren und dadurch zur Gottesfurcht geführt werden, so dass sie ihre Hoffnung ganz auf den Einen setzen, den ewigen Herrn des Alls. Diese Menschen, die ihre Hoffnung auf den Allmächtigen setzen und -wie wir- ihr Heil nicht bei den Arroganten und Verlogenen suchen, preist David von Herzen selig.

6-11 Und er lobt den Ewigen, seinen Herrn und Gott für Seine Wunder und Seine Gedanken. Und Seiner Wunder sind viele: die Wunder Seiner Schöpfung (Ps 139,14), die Wunder in der Geschichte Israels (Ps 77,15, Mt 21,15) und die Wunder in Seinem Wort und Seinen Geboten (Ps 119,18.27). Vor allem aber das große Wunder unserer Erlösung (Ps 98,1). Dieses Wunder und die Gedanken Gottes an uns Menschen sind wahrlich unzählbar, groß, schwer und sehr tief (Ps 40,6, Ps 92,6, Ps 139,17). Und so anbetet David den Ewigen, Einen, unbegreiflichen und unvergleichlich guten, gnädigen und barmherzigen Gott (Ps 103,8). So begeistert und so glückselig ist David, dass Er diese Wunder und Gedanken Gottes weitersagen will, auf dass auch andere von Ihm hören und Ihn kennen lernen mögen.

Das Wesen und die Wunder Gottes bleiben bei David nicht ohne Wirkung. Und so nimmt er uns in den nächsten Versen mit hinein in seine überströmende Freude und beschreibt uns, was ihm Gott und Sein Tun bedeuten; dabei scheint es so, als würden sich Selbstaussage und Prophetie überlagern, denn was David dichtet, findet sich 1.000 Jahre später in Christi Wesen und Werk in Vollendung wieder:

Er weiß, dass Gott nicht am Opfer als Solchem gelegen ist, weder am Schlachtopfer noch am Speisopfer; weder an unserem Bemühen um Vergebung noch an unserer ausdrücklichen Dankbarkeit (vgl. 3Mo 6:1ff). Sondern daran, dass wir Ihn mit offenen Ohren hören, wo Er in Seinem Wort zu uns spricht; diese offenen Ohren sind gleichwohl allein Gottes Werk: Er Selbst muss sie uns in der Wiedergeburt auftun, denn: "wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht" (1Joh 4:6, vgl. Joh 3:3). Gott will nur um unseretwillen unseren Gehorsam, denn: "So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe" (Hes 33:11). Unsere hörende, gehorchende Bussfertigkeit ist es also, die Gott so wichtig ist, "Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten" (Ps 51:19). 

Zu diesen zerbrochenen Herzen kommt Christus gern, Ihnen das Evangelium zu predigen; die Gerechtigkeit, mit der Er "gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus" (Röm 3,26). Diese Gerechtigkeit, derer wir so sehr bedürfen, verbirgt unser Heiland nicht in Seinem Innersten, sondern predigt sie durch das Wort Seiner weltweiten Kirche und lässt sich von nichts und niemandem den Mund verbieten. So bezeugt Ihn Johannes: "wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14). Und so steht es schon in der Schrift. Denn wie die Chroniken oder die Bücher der Könige von David berichten, so ist es bei Christus die ganze Schrift des Alten Testaments für die gilt: "sie ist's, die von mir zeugt" (Joh 5,39). Und was sie uns bezeugt ist das, was Christus allein in Seiner vollkommenen Heiligkeit und Gerechtigkeit von sich sagen kann: "Der Geist des Herrn ist auf mir ... zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn" (Jes 61,1-2, Lk 4:18-21). Eben dies ist der Wille Gottes. Und Christus tut ihn von Herzen gern; in Ihm ist auch diese Verheißung Gottes in Vollkommenheit erfüllt: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben" (Jer 31,33). Er hat nicht nur das wunderbare Gesetz Gottes (Ps 119,18) im Herzen, Er selbst ist das ewige Wort des Evangeliums von der Gnade Gottes (Joh 1,1). Und Er selbst ist die Gerechtigkeit, mit der Gott uns gerecht spricht - in Person (1Kor 1,30).

12-14 Nach dieser Erinnerung an Gott, an Seine herzliche Barmherzigkeit und Errettung, Seine Wunder und Gedanken, Seinen Willen und Werk, Seine Gerechtigkeit, Sein Wesen, Sein Evangelium, ja Seine Person fleht David Gott darum an, mit dieser Barmherzigkeit bei ihm zu bleiben, sich nicht von ihm abzuwenden. Er sehnt sich danach, dass Gott auf allen seinen Wegen bei ihm bleibt und ihn in Seinem Erbarmen, Seiner wohlwollenden Zuwendung und in Seiner Treue, die sich selbst nicht verleugnen kann (2Tim 2:13), beschützt. Denn noch immer steckt David in schwersten Leiden, die ihn umringen, wie ein unzählbares Heer. Und der Grund für diese Leiden ist David offenbar: seine Sünden haben ihn eingeholt. Woran genau David denkt, wissen wir nicht, aber es darf uns dennoch eine Warnung sein: es gibt nichts in dieser Welt, was ohne Folgen bleibt - auch unsere Sünde nicht. So überwältigt ist David von seinen Missetaten, dass sie ihm endlos groß scheinen, unüberblickbar, wie das weite Meer und unzählbar viele, mehr als er Haare auf seinem Kopf hat. Und so verzweifelt sein geängstetes Herz ganz und gar und so betet er inbrünstig und fleht zu Gott, ihn zu erretten und ihm zu helfen. Doch nicht auf sein eigenes Tun und auf seine eigene Gerechtigkeit gründet David sein Gebet -denn er weiß genau, dass er Gott nichts zu bringen hat, außer seiner großen Schuld- sondern er richtet sein Gebet rein an den freien Gnadenwillen unseres souveränen Gottes, der von sich spricht: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich" (2.Mose 33,19, Röm 9:15) und der uns -gottlob!- auch versprochen hat: "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit" (1Joh 1:9).

15-16 Nachdem David seine Beziehung zu Gott ins Reine gebracht hat, betet er zu Ihm um seiner Widersacher willen. Schämen sollen sie sich, ihm das Leben nehmen zu wollen; Gott möge schenken, dass ihre Mordlust völlig frustriert werde. Und sie selbst sollen -Dank Gottes Hilfe- von David ablassen, ja von ihm weichen, wie von einem übermächtigen Feind. Schande wünscht er ihnen, die ihm so kaltherzig begegnen; von seinem Unglück völlig ungerührt. Und soviel Selbsterkenntnis wünscht er seinen Feinden, dass sie sich, wegen ihres schändlich bösen Wesens, das sie zu so herzlosen Worten, wie etwa "Ja, schau dir den einmal an!" hinriss, selbst anwidern.

17 Allen Menschen jedoch, die nach Gott fragen, wünscht David Freude an Seiner Person und eine leichtherzige Fröhlichkeit; ja sie, die die Erlösung Gottes herzlich lieb gewonnen haben, mögen den Namen des Ewigen zu allen Zeiten aufs höchste preisen.

18 David schließt sein Gebet mit der Erkenntnis seiner eigenen Armut und Not vor Gott auf der einen Seite; und auf der anderen Seite in dem Wissen, dass er dennoch und trotz allem von Gott versorgt wird. Denn Gott selbst ist sein Nothelfer und sein Retter. Gleichwohl, trotz aller Erkenntnis von Gottes Wesen und Gnade, Seines Werkes und Heils, drängt David noch immer seine konkrete Not und so schließt er mit dem einem Doppelten: dem Bekenntnis seines Glaubens an die treue Sorge Gottes, seines Helfers und Erretters und mit der lieben Bitte an Gott, ihn doch bitte nicht zu versäumen. 


Praktische Anwendung

1. Wenn Deine Not auch lange währt: warte auf Gott, Seine Hilfe und Seine Gerechtigkeit
2. Bete zu Gott um Hilfe & Vergebung für Deien Sünde; Er wird Dich gern erhören (1Joh 1:9)
3. Schaue mit Hoffnung auf Christus, der Dich liebt und für Deine Schuld gestorben ist

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[Predigt als MP3]

Gebet in Krankheit (Ps 41:1-14)

Text 

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. 2 Wohl dem, der sich des Schwachen annimmt! Den wird der HERR erretten zur bösen Zeit. 3 Der HERR wird ihn bewahren und beim Leben erhalten und es ihm lassen wohlgehen auf Erden und ihn nicht preisgeben dem Willen seiner Feinde. 4 Der HERR wird ihn erquicken auf seinem Lager; du hilfst ihm auf von aller seiner Krankheit. 5 Ich sprach:HERR, sei mir gnädig! Heile mich; denn ich habe an dir gesündigt. 6 Meine Feinde reden Arges wider mich:»Wann wird er sterben und sein Name vergehen? « 7 Sie kommen, nach mir zu schauen, und meinen's doch nicht von Herzen; sondern sie suchen etwas, daß sie lästern können, gehen hin und tragen's hinaus auf die Gasse. 8 Alle, die mich hassen, flüstern miteinander über mich und denken Böses über mich: 9 »Unheil ist über ihn ausgegossen; wer so daliegt, wird nicht wieder aufstehen. « 10 Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen. 11 Du aber, HERR, sei mir gnädig und hilf mir auf, so will ich ihnen vergelten. 12 Daran merke ich, daß du Gefallen an mir hast, daß mein Feind über mich nicht frohlocken wird. 13 Mich aber hältst du um meiner Frömmigkeit willen und stellst mich vor dein Angesicht für ewig. 14 Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen! Amen!


Kommentar

Zusammenfassung

Dieses Loblied König Davids erzählt vom Gottes Beistand gegen die Barmherzigen, Davids Krankheit und Gebet um Gnade, sowie von seinen argen Feinden, die ihn verlästern und sein Sterben herbeisehnen. Es erzählt von Davids Flehen um Heilung um der staatlichen Ordnung willen und von Davids Hoffnung auf Erhörung, die sich in seinem Glauben an Gottes Güte und unwandelbare Treue gründet. Diese sind Anlass für Davids Gotteslob.


Struktur

1 König David dichtete dies Loblied zum Vortrag durch den Chor:

2-4 Wer die Angefochtenen achtet, wird mit ihnen Gottes Segen erfahren: Schutz, Rettung und Heilung in schlimmer Zeit.

5 Angesichts seiner eigenen Sünde jedoch bittet David reumütig um Gnade.

6-10 Seine Feinde jedoch, falsch und von Hass erfüllt, lästern über ihn und wünschen ihm den Tod.

11 Angesichts dessen betet David um Gnade und Heilung, um die Übeltäter in seiner Funktion als Regent zurechtweisen zu können.

12-13 Gottes Gnade und ewige Treue erkennt David dabei am Scheitern seiner Feinde und weiß sich für ewig sicher in Gottes Hand.

14 Angesichts dieser Gewissheit stimmt David ein großes Gotteslob an und wünscht, es möge für immer fortklingen.


Inhalt

1 Auch dieses letzte Loblied des ersten Psalmenbuches wurde von David zu dem Zweck gedichtet, vom königlichen Meisterchor in Liedform vorgetragen zu werden.

2-4 Gleich zu Anfang seines Lobliedes stimmt David einen Segen an: denjenigen, die sich, weil sie die Angefochtenen recht achten, um die Anliegen derer kümmern, die so schwach sind, dass sie sich nicht mehr selbst helfen können, spricht er den Segen Gottes zu. Ihnen wird es wohlgehen in dieser Welt und selbst in schlimmen Zeiten wird der Ewige selbst ihr Retter sein. Er wird sie behüten vor allem und vor jedem, der ihnen zusetzt, sie bedroht und ihnen Übles will, so dass sie trotz der Boswilligkeit ihrer Feinde am Leben bleiben. Ja der Allmächtige selbst wird sie in ihrem Krankenbett erfrischen und ihnen von aller Krankheit zur Gesundheit helfen.

5 Kaum hat er diesen Segen Gottes über den Barmherzigen ausgesprochen, so bricht schon ein Gebet um Gnade und Heilung angesichts seiner eigenen Sünde aus David heraus: mit der Inbrunst der Not und völlig demütig kommt er vor den Ewigen Herrscher des Alls und fleht um Gnade. Denn er hat das Wesentliche seiner Sünde erkannt: was auch immer er tat, vor allem an Gott hat er gesündigt (Ps 51:6). Er hat begriffen, dass jede unserer Sünden die Gottebenbildlichkeit zerstört, zu der wir geschaffen wurden (1Mo 1:26). Und dass wir damit die Ehre Gottes in den Schmutz ziehen, für die wir gemacht sind (Jes 43:7). Auch verachtet unsere Sünde, in rebellischer Eigensucht, Gottes legislative Gewalt und sucht allein das eigene Wohl, statt erstlich Gottes Ehre und macht sich so, wider das erste Gebot, selbst zu Gott und Gesetz. Und so bittet David - was uns scheinen mag, wie eine eigenartige Kombination - angesichts seiner Sünde um Heilung. Fast, als ob er gewusst hätte, was Jahrhunderte später der Prophet Jesaja über Christus weissagen würde: "Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt" (Jes 53:5). Und wir dürfen gewiss sein, dass David's Gebet erhört wurde, denn das ist Gottes Verheißung an jedes bußfertige Herz und jedes reuevolle Gebet (1Joh 1:8f, Lk 18:13ff).

6-10 Während David im Stillen, inniglich und von Herzen, mit Gott über seine Schuld und die von Ihm ersehnte Vergebung redet, tragen Davids Feinde ihr herzloses und hasserfülltes Gerede hinterrücks hinaus in die Öffentlichkeit der Straße. Nicht einmal ihre Krankenbesuche sind ungeheuchelt, sondern dienen nur dem einen Zweck, sich Nachschub zur üblen Nachrede zu verschaffen. Konspirativ tuscheln seine Hasser miteinander und führen nur Verrat im Schilde; ihr sehnlichster Wunsch ist Davids Tod, sie können es gar nicht erwarten, dass er stirbt. Und so, wie sie über ihn denken, so reden sie auch über ihn: sie unken über sein angeblich nicht mehr zu verhinderndes Sterben. Davids Erleben jedoch ist, ohne sein Wissen, eine Vorschattung des Hasses und der Mordgedanken, die 1.000 Jahre später unserm lieben Heiland von den Pharisäern entgegenschlagen würde. Und so nimmt es nicht wunder, dass auch Worte dieses Psalms, dank Davids prophetischer Gabe, für die Zukunft transparent werden und der Verrat des Judas an Christus hindurchscheint, als David dichtet: "Auch mein Freund, dem ich vertraute, der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen."

11 Um dieser inneren, wie äußeren Not willen betet David ein Zweifaches: zuerst und im Angesicht seiner eigenen Sünde, dass der ewige und allmächtige König aller Könige ihm gnädig sei. Dann aber auch, dass Er ihm, entgegen allen Unkenrufen seiner Feinde, von seinem Krankenlager aufhelfe und ihn so in die Lage versetze, seine Widersacher zur Rechenschaft zu ziehen. Nicht gottlosen Hass und geistlich verwerfliche Rachegedanken hat David dabei im Sinn, sondern vielmehr, denn er ist König!, die Eingrenzung des Unrechts in seinem Reich und damit den Schutz und die Aufrechterhaltung des bürgerlichen Lebens.

12-13 Die herzliche Zugewandtheit Gottes und Dessen anerkennende Zufriedenheit mit seiner Person erkennt David dabei am Scheitern der Pläne seiner Feinde: wo Gott ihn liebt, wird es seinen Widersachern nicht gelingen, zu obsiegen; werden, die ihn hassen, niemals Triumphlieder über ihn anstimmen. Im Gegenteil: Gott wird ihn auch in Zukunft erhalten; nicht um seiner etwaigen Sündlosigkeit willen (David hatte ja nur wenige Verse zuvor um Gnade für seine Sünde gebeten), sondern vielmehr um des Wohlgefallens Gottes willen, welches seine Aufrichtigkeit und Integrität honoriert. Er, der Ewige, das weiß David gewiss, wird ihn bis zum Ende festhalten - niemand wird ihn aus Seiner Hand reißen (vgl. Joh 10:28f) - und wird ihn zu guter Letzt und für alle Ewigkeiten vor Sein Angesicht stellen mit Freuden (Jud 24).

14 Mit dieser Gewissheit vor Augen dichtet David, der Regent von Israel, die finalen Zeilen und wir können nur ahnen, wie der königliche Meisterchor Luft und Raum mit seinem volltönenden Klang erfüllt. Das gewaltige Gotteslob erhebt den Allmächtigen und Souverän auch über Davids Königreich und gibt Davids Sehnsucht Ausdruck, dass diese Euphonie fortklingen möge in alle Ewigkeit und bekräftigt diesen festen Entschluss mit einem unumstößlichen, doppelten Amen: "So ist es." und "So soll es sein - für immer."


Praktische Anwendung

1. Wenn Dein Nächster in Nöten ist, nimm Dich seiner voll Erbarmen an.
2. Wenn innere und äußere Not Dich bedrängt, bete zu Gott um Gnade, Heilung und Hilfe.
3. Sei gewiss und lobe Gott, denn: Er hört Dein Gebet und hält Dich fest in Ewigkeit.

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[Predigt als MP3]

Samstag, 3. August 2013

Gebet um Errettung von boshaften Feinden (Ps 35:1-28)


Text

1 Von David. HERR, führe meine Sache wider meine Widersacher, bekämpfe, die mich bekämpfen! 2 Ergreife Schild und Waffen und mache dich auf, mir zu helfen! 3 Zücke Speer und Streitaxt wider meine Verfolger! Sprich zu mir: Ich bin deine Hilfe! 4 Es sollen sich schämen und zum Spott werden, die mir nach dem Leben trachten; es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mein Unglück wollen. 5 Sie sollen werden wie Spreu vor dem Winde, und der Engel des HERRN stoße sie weg. 6 Ihr Weg soll finster und schlüpfrig werden, und der Engel des HERRN verfolge sie. 7 Denn ohne Grund haben sie mir ihr Netz gestellt, ohne Grund mir eine Grube gegraben. 8 Unversehens soll ihn Unheil überfallen; sein Netz, das er gestellt hat, fange ihn selber, zum eigenen Unheil stürze er hinein. 9 Aber meine Seele soll sich freuen des HERRN und fröhlich sein über seine Hilfe. 10 Alle meine Gebeine sollen sagen:HERR, wer ist dir gleich? Der du den Elenden rettest vor dem, der ihm zu stark ist, und den Elenden und Armen vor seinen Räubern. 11 Es treten falsche Zeugen auf; sie fordern von mir, wovon ich nichts weiß. 12 Sie vergelten mir Gutes mit Bösem, um mich in Herzeleid zu bringen. 13 Ich aber zog einen Sack an, wenn sie krank waren, tat mir wehe mit Fasten und betete immer wieder von Herzen. 14 Als wäre es mein Freund und Bruder, so ging ich einher; wie einer Leid trägt über seine Mutter, so beugte ich mich in Trauer. 15 Sie aber freuen sich, wenn ich wanke, und rotten sich zusammen; sie rotten sich heimlich zum Schlag wider mich, sie lästern und hören nicht auf. 16 Sie lästern und spotten immerfort und knirschen wider mich mit ihren Zähnen. 17 Herr, wie lange willst du zusehen? Errette doch meine Seele vor ihrem Unheil, mein Leben vor den jungen Löwen! 18 Ich will dir danken in großer Gemeinde; unter vielem Volk will ich dich rühmen. 19 Laß sich nicht über mich freuen, die mir zu Unrecht feind sind; laß nicht mit den Augen spotten, die mich ohne Grund hassen! 20 Denn sie reden nicht, was zum Frieden dient, und ersinnen falsche Anklagen wider die Stillen im Lande. 21 Sie sperren das Maul weit auf wider mich und sprechen: »Da, da, wir haben es gesehen!« 22 HERR, du hast es gesehen, schweige nicht; HERR, sei nicht ferne von mir! 23 Wache auf, werde wach, mir Recht zu schaffen und meine Sache zu führen, mein Gott und Herr! 24 HERR, mein Gott, verhilf mir zum Recht nach deiner Gerechtigkeit, daß sie sich nicht über mich freuen. 25 Laß sie nicht sagen in ihrem Herzen: »Da, da! das wollten wir.« Laß sie nicht sagen: »Wir haben ihn verschlungen.« 26 Sie sollen sich schämen und zuschanden werden, alle, die sich meines Unglücks freuen; sie sollen in Schmach und Schande sich kleiden, die sich wider mich rühmen. 27 Jubeln und freuen sollen sich, die mir gönnen, daß ich recht behalte, und immer sagen:Der HERR sei hoch gelobt, der seinem Knecht so wohl will! 28 Und meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalm, einem Gebetslied um die Errettung von boshaften Feinden, sind Davids Hilfeschreie zu Gott, die seine Widersacher betreffenden Gerichtswünsche, die von ihm aufgezählten Sündenregister seiner Feinde, sowie Lob und Dank an Gott so vermischt, dass kaum eine klare Struktur zu erkennen ist. Vielmehr scheint es sinnvoll, dem Inhalt durch eine thematische Zusammenschau noch klarere Konturen zu verleihen. 


Struktur

Bitten (Verse 1-3, 17, 19, 22a, 23-25). Angesichts der Übermacht seiner Feinde drängt David auf Gottes endliches und gewaltiges Eingreifen, auf Gottes Hilfe für seine gerechte Sache, Seine Bewahrung vor der Mordlust seiner Feinde und erfleht für sich von Gott ein Wort der Hoffnung, des Trostes und der Zuversicht.

Gerichtswünsche (Verse 4-6, 8, 26). Seinen Feinden wünscht er den Untergang durch Gottes Hand und ein Ende in Schimpf und Schande. Ganz besonders dem Rädelsführer wünscht David, dass ihm seine eigene Intrige zur Falle wird.

Sündenregister (Verse 7, 11-12, 15-16, 20-21). Denn obwohl er sie wie sein eigen Fleisch und Blut liebte, für sie fastete und um ihre Genesung bat, haben sie in seiner Not nur Böses im Sinn: sie lästern, spotten und lügen gegen ihn und rotten sich gegen ihn zusammen, um ihm auf's Äußerste zu schaden.

Lob & Dank (Verse 9-10, 18, 27-28). David will Gott in der großen Gemeinde derer lobpreisen, die sich mit ihm darüber freuen, dass Gott auf seiner Seite ist und ihn loben für Seine Nothilfe gegen die übermächtigen Feinde der Armen und Leidenden.


Inhalt

1-3, 17, 19, 22-25: Das ist Davids Gebet, dass Gott, der Ewige und Allmächtige, sich auf den Weg macht, ihm zu helfen, ja Partei für ihn ergreift und sein Anliegen gegen dessen Feinde durchsetzt. Mit rauen Bildern des Krieges beschreibt David dabei die ersehnte Hilfe: mit massiver Waffengewalt möge Gott gegen diejenigen streiten, die gegen David kämpfen und ihm nachsetzen.

Was auch immer vorgefallen sein mag, David weiß sich im Recht. So sicher ist er seiner Sache, dass er es wagt, den Allwissenden als Zeugen anzurufen. Er weiß: der HERR über Raum und Zeit hat gesehen, was David geschah - und wird ihm zustimmen in der Einschätzung seiner Situation.

Wie einen Schlafenden im plötzlichen Gefecht bestürmt David seinen Herrn und Gebieter; mit höchster Dringlichkeit rüttelt er Ihn wach aus Seinem bildlichen Schlummer und dringt in Ihn mit seinem herzlichsten Anliegen: Gott möge doch endlich von Seinem langen Schweigen erwachen, möge aufhören nur Zuschauer zu sein, sich David nahen und zu ihm sprechen. So tröstende, mutmachende Worte, wie sie Jesaja hörte: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland." (Jes 43:1b-3a).

Diese Hilfe ersehnt sich David: dass seinem Anliegen zum Recht verholfen werde. IHN, den Ewigen, Davids König und seinen Gott, bittet er darum, ihm dieses Recht werden zu lassen, indem Er sich, um Seiner Gerechtigkeit willen, Davids Sache annimmt und sie zum ersehnten Ende führt, nämlich: seine Seele vor dem Verderben zu bewahren, ja sein Leben zu retten vor seinen Feinden, die ihn bedrohen, wie ein Rudel blutrünstiger Raubtiere.

Denn das will David seinen Feinden nicht gönnen, dass sie, die ihm zu mächtig sind, sie, die voll von glühendem, grundlosem und ungerechtem Haß sind, ihn vernichten, sich gegenseitig zuzwinkern, sich in hämischer Freude über ihn lustig machen und sich dann in Zufriedenheit innerlich auf die Schulter klopfen, mit dem Gedanken: "Ha! Den haben wir!".

4-6, 8, 26: Vielmehr sollen sie sich schämen für ihre intrigante Mordlust und für ihre herzlose Schadenfreude über Davids Elend. Ja, David wünscht sich, dass sie, die sich ihm gegenüber aufblasen und ihm Böses wollen, vom Engel des HERRN höchst persönlich von ihrer Stellung gedrängt werden und sich zurückziehen, wie ein geschlagenes Heer. Vom Engel des Allmächtigen selbst verfolgt, sollen sie auf einen Weg geraten, auf dem sie vor lauter Dunkelheit nicht mehr die Hand vor Augen sehen können; auf dem sie ausrutschen und keinen Halt mehr finden, bis sie zu guter Letzt so zunichte werden wie die Spreu, die der Wind verweht, bis sie nicht mehr zu finden ist. Ja, gekleidet in Peinlichkeit und Schande sollen sie zum Gespött der Leute werden. Und diesem Einen, den David ganz besonders vor Augen hat, dem Rädelsführer, der das Netz der Intrige spannte, ihm wünscht er, sein Plan möge nach hinten losgehen: zum eigenen Verderben möge er überraschend in die eigene Falle stürzen.

7, 11-12, 13-16, 20-21: Dass David so schwerwiegende Worte betet, hat ein geistliches Fundament: Er weiß von der Strafe des "gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit" (Rö 2:5b-8).

Und es gibt, neben dem Fundament, auch einen traurigen Anlass für Davids Gebet: dass seine Feinde ihm eine Falle stellten, dass sie Meineidige gegen ihn ins Rennen schickten, um Forderungen gegen ihn geltend zu machen, von deren Existenz David noch nicht einmal Kenntnis besitzt, dass sie ihm seine Liebe mit Ungerechtigkeit vergelten, um ihm in böser Absicht bewusst Kummer zu bereiten, all das geschah, ohne dass David ihnen dazu Anlass gegeben hätte.

Ganz im Gegenteil: er betete inbrünstig für sie, wenn es ihnen gesundheitlich schlecht ging, er demütigte sich für sie vor Gott und fastete inständig, um für von ganzem Herzen um Heilung -und auch, das deutet der Sack an, um Vergebung- zu bitten. Kurz: er liebte sie so, als wären sie seine eigenen Geschwister und besten Freunde, ja er trug so inniglich Leid um sie und war so traurig über ihre Not, wie er es bei seiner eigenen, geliebten Mutter gewesen wäre. Mit dieser heiligen Liebe lebt David uns in vorbildlicher Weise das Gebot Christi vor: "Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen" (Mt 5:44).

Doch diese herzliche Liebe wird nicht erwidert. Ganz im Gegenteil: sobald es ihm einmal schlecht geht und er vor Schwachheit stolpert, sind die Reaktionen darauf nicht Leid, Fasten und Gebet, sondern hämische Freude, Lästerungen und Spott, sowie heimliche Verschwörungen mit dem Ziel ihm zu schaden. So erstattet auch David, wie es uns als Christen allen bestimmt ist, an seinem Fleisch "was an den Leiden Christi noch fehlt" (Kol 1:24):

Mit zähneknirschendem Hass erfinden seine Feinde immer wieder vollkommen haltlose Vorwürfe gegen die friedlichen Bürger seines Königreichs. Ihnen geht es gar nicht um eine friedliche und konstruktive Lösung; sie wollen zerstören.

Und so wenden sie sich mit ihren in der Öffentlichkeit lauthals und grossspurig propagierten Lügen als falsche Zeugen gegen ihn und tun gar so, als wären sie persönlich dabei gewesen und hätten mit eigenen Augen gesehen, als David das von ihnen erlogene Unrecht tat. So ging es Daniel (Dan 6:5), so ging es Jesus (Mt 22:15) und so mag es auch uns ergehen, wenn sich das Wort erfüllt: "Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten" (Joh 15:20).

9-10, 18, 27-28: Doch trotz des äußeren Leidens will David sich nicht davon abbringen lassen, den Ewigen zu loben und Ihm für Seine Hilfe zu danken. Mit seinem ganzen Wesen will er Seinen Herrscher und König um Seiner Heiligkeit, Einzigartigkeit und Herrlichkeit willen loben, rühmen, preisen und anbeten.

Inmitten der Volksmenge, der Gemeinde seiner Glaubensgeschwister, will er Gott für seine Hilfe danken und Dessen Ruhm mehren. Denn Er errettet die Armen und Leidenden, die Schwachen und Betrübten vor Ihren Feinden: übermächtigen und gewalttätigen Dieben. Und so wie er seinen Gott jeden einzelnen Tag preisen und Seine Gerechtigkeit verkündigen will, so sollen sich mit David auch alle jubelnd freuen, die ihm den endlichen Sieg in seiner Sache zubilligen und Gott von Herzen loben, weil Er auf Davids Seite steht und auf sein Wohl bedacht ist.


Praktische Anwendung

1. Rufe anhaltend zu Gott um Errettung aus aller Not, wie die arme Witwe (Lk 18:1-8)
2. Bedenke das schreckliche und jähe Ende aller Deiner Feinde Gottes (Ps 73:16-20)
3. Freue Dich an Gottes gutem Wesen und lobe Ihn für Seine Rettung & Gerechtigkeit

Montag, 1. Oktober 2012

Gemeinschaft mit Gott (Ps 27:1-14)


Text

1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen? 2 Wenn die Übeltäter an mich wollen, um mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, sollen sie selber straucheln und fallen. 3 Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn. 4 Eines bitte ich vom HERRN, das hätte ich gerne: daß ich im Hause des HERRN bleiben könne mein Leben lang, zu schauen die schönen Gottesdienste des HERRN und seinen Tempel zu betrachten. 5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen. 6 Und nun erhebt sich mein Haupt über meine Feinde, die um mich her sind; darum will ich Lob opfern in seinem Zelt, ich will singen und Lob sagen dem HERRN. 7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und erhöre mich! 8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. 9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlaß mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, Gott, mein Heil! 10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf. 11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen. 12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht ohne Scheu. 13 Ich glaube aber doch, daß ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen. 14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalmlied betet David in einer militärischen Krisensituation, in der es für ihn um Leben und Tod geht (Vers 2), zu Gott, seinem Heiland (Vers 1): Seine Feinde führen Krieg gegen ihn (Vers 3), haben ihn mit ihren Armeen umzingelt (Vers 6a) und bereits mit der Belagerung begonnen (Vers 3).

In dieser Situation flieht David gerne (Vers 4) im Gebet zu Gott, wo er Geborgenheit und Stärkung findet (Vers 5 und 6a): er betet Gott an (Vers 6b) und bittet Ihn um Seine Gegenwart und Führung, Seinen Beistand und Schutz (Verse 7-12). Im Gebet vor Gott gewinnt er genug Hoffnung, Trost und Stärke (Vers 13 und 14) um auf die Vorsehung Gottes und sein Eingreifen zu warten (Vers 14).


Struktur

Davids Lied ist grob in drei Teile unterteilt:

i) In den Versen 1-3 und 5-6 richtet David sich, fast wie im Selbstgespräch versunken, an seine Zuhörer und berichtet ihnen von Gottes Herrlichkeit und seiner daraus gewonnenen Herzenshaltung seinen Feinden gegenüber.

ii) In den Versen 4 und 7-12 wendet er sich mit seinen Bitten an Gott.

iii) In den abschließenden Versen 13-14 bezeugt er sein Vertrauen in die Güte Gottes und ermahnt seine Seele zur Bereitschaft, geduldig auf Gottes Eingreifen zu warten.


Inhalt

1 Trotz der sichtbaren und dringlichen Gefahr bleibt Davids Blick, anders als der Blick des Apostels Petrus (vgl. Mt 14:30) fest auf Gott und dessen unsichtbare Welt gerichtet. Wie Elia weiß David, dass die unsichbare Realität Gottes von viel entscheidenderer Bedeutung für den Ausgang seiner Sache ist, als die sichtbare Realität vor seinen Augen (vgl. 2Kö 6:16).

Gott, der ewig Seiende, der das Licht der Welt ist (Joh 8:12), erhellt seine Seele. ER, der unwandelbar Treue, der Heiland des Volkes Israel und der ganzen Welt (2Mo 20:2, Jes 43:3, Jes 43:11, Joh 4:42, 1Jo 4:14) ist auch Davids Heil.

David hat also zu Gott eine ganz persönliche Beziehung; er kann sagen: mein Licht und mein Heil. Der Allmächtige selbst (Hi 42:2), ER ist die Quelle, aus der David seine Kraft schöpft. Das ist der einzige Grund, warum David keine Angst hat: weil er weiß, dass dieser ewige, allmächtige, rettende Gott und Heiland für ihn ist, auf seiner Seite ist - wer könnte ihm da noch etwas antun (Rö 8:31)?

2 Angesichts der Übermacht Gottes an Davids Seite gilt vielmehr: seine Gegenspieler und Feinde, diese Verbrecher die ihn, Kannibalen gleich, am liebsten in Stücke reißen und völlig verschlingen würden, werden sie stolpern und hinfallen, weil Gott selbst, wie vor ihm schon für Gideon (Ri 7:22), auch für David streiten wird; Er hat es versprochen (vgl. 2Mo 14:14 und Sach 4:6).

3 Weil David das weiß und weil er Seinen Blick fest auf Seinen treuen Herrn gerichtet hält, hat er noch nicht einmal dann Angst, wenn bereits Krieg herrscht und ihm ganze Armeen gegenüber stehen. Vielmehr verlässt er sich ganz und gar auf Gott und Seine allmächtige Rettung und nicht auf seinen Verstand (Spr 3:5ff).

4 So hat denn auch Davids Herzenswunsch nichts mit Macht, Ruhm oder Reichtum zu tun, sondern er wünscht sich, sein Leben ungestört und in der Gegenwart Gottes verbringen zu dürfen: im Tempel Gottes, dessen Schönheit (siehe 2Mo 35:4ff) eine Augenweide ist und von dem er später dichten wird: "Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend" (Ps 84,11).

5 Im Tempel Gottes (vgl. 1Kor 3:16f), wenn das Herz still wird in der Betrachtung Gottes in Seinem Wort, weiß sich auch David von Gott versteckt und geborgen, hier wird er von Gott auf einen festen Felsen gestellt, das ist auf Christus (1Kor 10:4) den Eckstein, und mit ihm auf seine göttlichen Gerechtigkeit, mit der Er jeden gerecht macht, der an Ihn glaubt (Rö 3:26, Rö 4:5). Dieser Christus ist Davids und unser fester Grund im Himmel (Jes 28:16, Ps 89:3) und Seine Gerechtigkeit ist die, nach der wir streben sollen (Mt 6:33).

6 So von Gott gerecht gemacht, geborgen und der bleibenden Treue und Gegenwart seines allmächtigen Retters versichert, erhebt David ermutigt und gestärkt sein Haupt über seine Feinde und wünscht sich, inmitten des Krieges und der Belagerung!, ein Loblied zu singen: Ein Loblied zum Dank an den Ewigen, der ihn rettet, birgt und schützt.

7-8 In dieser Gemütsverfassung wendet David sich nun an Gott und bittet um die Gnade der Gebetserhörung, wohl wissend, dass ihm Gott trotz Seiner Güte nicht das Geringste schuldig ist (Rö 11:35). Vielmehr ist es David, der Gottes Befehlen Gehorsam schuldet und so beginnt er sein Gebet in Demut, indem er sich in seinen Wunsch (mit seinen Bitten vor das Antlitz des Allmächtigen zu treten), auf Dessen Wort beruft, welches ihm eben dies befiehlt. David, selbst ein König, weiß, wie er sich in Gegenwart des Höchsten zu verhalten hat und gibt in Seiner vorbildlichen Demut Gott allein die Ehre; und selbst das Wollen und Vollbringen solcher Demut ist gewiss durch Gottes Geist in Davids Herz gewirkt (Phil 2,13).

9 David weiß, er ist "als Sünder geboren, und [...] in Sünden empfangen" (Ps 51,7). Dank dieser heilsamen Erkenntnis ist er Gott gehorsam und fürchtet Ihn (5Mo 6:13) und bittet daher um das gar nicht Selbstverständliche: dass Gott ihn in Seinem gerechten und heiligen Zorn
nicht verstoße oder verlasse und vor allem Sein leuchtendes Antlitz nicht vor ihm verberge (vgl. 4Mo 6,25). Er versteht sich trotz seines Königtums zu Recht als Gottes Diener, dessen Wohlergehen völlig in der allmächtigen Hand seines Gottes liegt.

10 Und neben all dieser Erkenntnis seiner Sündhaftigkeit auf der einen und der absoluten Heiligkeit seines Schöpfers auf der anderen Seite, leuchtet in Davids Gebet und Psalmlied an jeder Stelle Gottes Güte auf: selbst da, wo seine Eltern ihn verlassen, steht Sein Erlöser in Seiner Liebe treu zu ihm und nimmt ihn bei sich auf.

11-12 Jetzt erst, nachdem Er im Geiste Gott begegnet ist, sich vor Seiner Ehre und Heiligkeit in Demut gebeugt hat, sich seine Verpflichtung zum Gehorsam, seine Bedürftigkeit und seine Sündhaftigkeit samt Gottes Heiligkeit, Gnade und Güte ins Bewusstsein gerufen hat (vgl. das Vaterunser, Mt 6:9ff!), trägt David seine Bitte vor:

Wie später gegen Christus, so stehen auch gegen David falsche Zeugen auf und tun ihm mit ihren Meineiden ohne Gewissensbisse Unrecht. Und so bittet David, dass Gott ihn in dieser schrecklichen Lage beraten und ihm angesichts seiner Widersacher den richtigen Weg aus dieser Prüfung weisen und ihn vor deren hinterlistigen Plänen und abgekarteten Spielen beschützen möge (vgl. auch hier das Vaterunser, Mt 6:13ff!).

13-14 David schließt sein Gebet und Psalmlied - ungeachtet der ihn belagernden Armeen - im Glauben an die Güte Gottes und der daraus erwachsenden Hoffnung, auch dieses Gefecht zu überleben. Und so ruft er, durch die im Gebet erfahrene Gottesbegegnung im Glauben gestärkt und getröstet, seiner und auch unserer Seele zu, ohne Angst und voller Hoffnung auf Gottes verheißene Hilfe zu warten, die gewiss nicht ausbleiben wird: "Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!" (2Mo 14:14, Hab 2:3)

Montag, 6. August 2012

Gebet um Gottes Vergebung und Leitung (Ps 25:1-22)

Text

1 Von David. Nach dir, HERR, verlanget mich. 2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; laß mich nicht zuschanden werden, daß meine Feinde nicht frohlocken über mich. 3 Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. 4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! 5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. 6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. 7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen! 8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. 9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. 10 Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Gebote halten. 11 Um deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, die so groß ist! 12 Wer ist der Mann, der den HERRN fürchtet? Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll. 13 Er wird im Guten wohnen, und sein Geschlecht wird das Land besitzen. 14 Der HERR ist denen Freund, die ihn fürchten; und seinen Bund läßt er sie wissen. 15 Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. 16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. 17 Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! 18 Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! 19 Sieh, wie meiner Feinde so viel sind und zu Unrecht mich hassen. 20 Bewahre meine Seele und errette mich; laß mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich! 21 Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten; denn ich harre auf dich. 22 Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not!


Kommentar

1a Dieses Psalmlied gewährt uns einen direkten Blick in die Seele Davids, "des Mannes nach Gottes Herzen" (Apg 13,22). In seinem Gebet sind Hoffnung und Leid, Bitten und Lobpreis so miteinander verwoben, dass sich eine klare Struktur nur schwer erkennen lässt. Es lassen sich jedoch folgende Themen erkennen, um die sich das Gebet Davids dreht:


Äußere Not und innere Angst

David leidet große seelische Not und hat große innere Ängste (Vers 17a) und hat daher ein tiefes inneres Verlangen und eine Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott (Vers 1b). Grund für seine Not ist eine Übermacht an Feinden die ihn, ohne Anlass zu haben, hassen (Vers 19). So geht es uns Christen oft in der Welt, die uns hasst, weil wir nicht sind, wie sie; weil wir zu Christus gehören (Lk 6,22). Solch gottlose Menschen verachten Gott und den Glauben und gehen gerade deshalb am Ende jämmerlich vor Gottes gerechtem Gericht zugrunde (Vers 3b).


Ausrichtung auf Gottes gutes Wesen

In seiner Not tut David das einzig Richtige (Verse 5b, 8a, 3a): Er richtet seine Seele aus auf Gott und Seinen Charakter: Gott ist gut, gerecht, hilfsbereit, verlässlich und treu: wer auf Seine Hilfe wartet, wird ganz sicher nicht enttäuscht (vgl. Mt 7,9-11, Hab 2,3). Gottes Güte und Gerechtigkeit sind die Ursache, dass Er uns selbst dann noch den rechten Weg weist und die unter ihrem Schicksal Leidenden leitet, wenn wir uns unserer völligen Sündhaftigkeit bewußt sind (Verse 8b, 9, 10). Was für eine Verheißung! So treu geht Gott mit uns um, die er erwählt hat; mit uns, denen er die durch IHN gewirkte Geistesfrucht der Liebe schenkt, welche macht, dass wir in Treue und Gehorsam Gottes Gebote halten (vgl. Joh 14,15).

 
Hoffnung auf Gott in Geduld

Weil Gott so ist, so gut und treu, deshalb hofft und wartet und blickt David Tag für Tag auf Ihn (Vers 2a, 5c, 15a). David weiß um die Verheißungen Gottes, die allein verlässlich sind in dieser Welt. Er weiß: wer Gott fürchtet, wird von Ihm geliebt (Vers 14a), geführt (Vers 12a+b), aus menschlich aussichtslosen Lagen gerettet (Vers 15b) und am Ende mit Herrschaft und Segen belohnt (Vers 13). Wer Gott fürchtet, den weiht Er in das Geheimnis des Glaubens (1Tim 3,16) ein: in Sein Wort vom Bund der Gnade Christi, der allein die Seele aus dem Kerker der Sünde und der Verzweiflung zu erlösen vermag (Vers 14b).


Gebet zu Gott für Gegenwart und Vergangenheit

In diesem Wissen um Gottes Eigenschaften, Seine Gnade und Treue, bittet David um alles, was er braucht: Bewahrung seines Glaubens, seiner Ehre und seiner Seele (Verse 2b+c und 20). Als Begründung für sein Gebet führt er nur ein einziges Argument an: seinen Glauben und damit indirekt den Appell an Gottes Treue und Gerechtigkeit (5Mo 32,4, 1Jo 1,9).

So betet David in dieser für ihn so schweren Lage darum, dass Gott ihn Seiner Wahrheit lehrt und ihn dadurch führt und ihm so den Weg zeigt, den er gehen soll (Verse 4, 5a, 17b): denn Gottes Wort ist unseres Fußes Leuchte in dunkler Zeit (Ps 119, 105).

Und David bittet Gott um Vergebung , auch für Sünden seiner Jugend, die ihm im Gedenken an seine aktuellen Übertretungen bewusst werden. David erkennt die Größe seiner Schuld (Vers 11) und hat dabei wohl seinen Mord und Ehebruch vor Augen. Auch hier appelliert David allein an den an den Namen Gottes, das ist Sein Wesen und Seinen Charakter: Gottes ewig währende Güte und Barmherzigkeit (Verse 6 und 7). David hofft, dass Gott sich beim Anblick seiner einsamen, jämmerlichen und elenden Situation (Vers 16+18) erbarmt und ihm allein aufgrund Seiner Gnade und Barmherzigkeit vergibt. Wie Jesaja und Paulus weiß auch David, dass all seine Werkgerechtigkeit vor Gott zur ersehnten Vergebung nichts, aber auch gar nichts beitragen kann: sie ist vor Gott wie ein unflätiges Kleid und wie Hundedreck von der Straße (Jes 64,5, Phil 3,8). 


Gebet zu Gott für die Zukunft
Letztlich bittet David für die Zukunft um seine Heiligung, um Unschuld und Redlichkeit, von denen er sieht, dass sie
zu seinem Schutz sind (Vers 21). Und er bittet als König für die Zukunft seines Volkes: dass Gott nicht nur ihn, sondern mit ihm auch das Volk Israel erlösen möge aus aller seiner Not (Vers 22).

So schliesst sich der Kreis aus der Sünde Davids, des Gerichtes Gottes, der Ausrichtung auf Gott und Sein gutes Wesen, der Reue und Bitte um Vergebung und um Leitung bis hin zur Heiligung in Wahrheit und Reinheit und dem Gebet für unsere Mitmenschen und führt uns so in einem einzigen Gebet das ganze christliche Leben vor Augen.


[Predigt als MP3]