Donnerstag, 25. Juni 2026

Johannes Evangelium 7:53 - 8:11


Das Buch der Zeichen - Jesus und die Ehebrecherin - Eine hinterlistige Falle


Nachdem die Gerichtsdiener Jesus nicht zu fassen bekommen hatten und der Hohe Rat darüber disputiert hatte, ob Jesus nun der Messias oder eher zu verurteilen sei, ging jeder nach Hause. Jesus dagegen ging, wohl um zu beten, zum Ölberg, einem Garten östlich vor den Stadtmauern von Jerusalem.

Am nächsten Morgen war er schon in aller Herrgottsfrühe wieder zurück im Tempel. Er wurde sofort von vielen Menschen umringt, setzte sich und fing an, ihnen beizubringen, was eigentlich Gottes Wille ist.

Da kamen wieder die Gesetzeslehrer und Pharisäer. Diesmal hatten sie eine Frau dabei, die sie – ein Kunststück! – in flagranti beim Ehebruch ertappt hatten. 

Sie drängten sich mit der Frau in die Mitte der Menge und fragten Jesus vor allen Leuten, was sie jetzt mit der Frau machen sollten? Laut Moses’ Gesetz würde auf Ehebruch ja die Todesstrafe stehen. Dass dabei nicht nur die Frau, sondern auch der Ehebrecher gemeint waren, unterschlugen sie.

Anstatt sie vor ihr ordentliches Gericht zu stellen, benutzten sie die Frau als Mittel zum Zweck, um Jesus ein Bein zu stellen; um endlich einen Grund zu haben, ihn verklagen zu können, denn: wäre er für Freispruch, hätte er Moses‘ Gesetz missachtet; wäre er für ihren Tod, würde er das römische Gesetz brechen, denn die römischen Besatzer hatten jüdische Exekutionen verboten.

Aber Jesus ließ sich gar nicht darauf ein. Er ging in die Hocke und begann, völlig unbeeindruckt, mit dem Finger auf die Erde zu schreiben. 

Als die Oberen nicht aufhörten, ihn zu löchern, richtete er sich auf und sprach Ihnen direkt ins Gewissen: wer von Ihnen schuldlos sei, der solle mit der Steinigung anfangen. Danach ging er wieder in die Hocke und schrieb, wie zuvor unbeeindruckt, weiter auf die Erde.

Seine Aufforderung schlug ein wie eine Bombe: einer nach dem anderen zogen sie sich zurück; die Ältesten zuerst. Am Ende war keiner übrig geblieben, und Jesus war mit der Frau alleine. 

Da stand er wieder auf und fragte die Frau, wo nun ihre Ankläger geblieben seien; ob keiner mehr da sei, um das Urteil zu vollstrecken? Was mag sich wohl für eine Mischung aus Schuld und Erleichterung in der Seele dieser Frau abgespielt haben, als sie sagen konnte, dass keiner ihrer Henker mehr da und die unmittelbare Todesgefahr vorüber war? 

Und in dieses Herz hinein spricht Jesus mit Gnade und Wahrheit: auch er wird sie nicht verurteilen – sie soll aufhören, die Ehe mit ihrem Mann zu brechen. 

O-Ton: Dann gingen sie alle nach Hause. Jesus aber ging zum Ölberg. 

Am nächsten Morgen kehrte er sehr früh zum Tempel zurück. Alle Leute dort versammelten sich um ihn. Er setzte sich und sprach zu ihnen über den Willen Gottes. 

Da führten die Gesetzeslehrer und Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau wurde ertappt, als sie gerade Ehebruch beging. Im Gesetz schreibt Mose uns vor, dass eine solche Frau gesteinigt werden muss. Was sagst du dazu?« Mit dieser Frage wollten sie ihm eine Falle stellen, um ihn anklagen zu können. 

Aber Jesus bückte sich nur und schrieb mit dem Finger auf die Erde. 

Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch noch nie eine Sünde begangen hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!« Dann bückte er sich wieder und schrieb auf die Erde. 

Als sie das hörten, zog sich einer nach dem andern zurück; die Älteren gingen zuerst. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch dort stand. 

Er richtete sich wieder auf und fragte sie: »Frau, wo sind sie geblieben? Ist keiner mehr da, um dich zu verurteilen?« »Keiner, Herr«, antwortete sie. 

Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen; aber tu diese Sünde nicht mehr!« (Joh 7:53 - 8:11)

Dienstag, 9. Juni 2026

Johannes Evangelium 7,44-52

 


Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Der Unglaube der Verantwortlichen

Nach Jesus’ Rede, wie unser Durst nach Leben bei ihm gestillt werden kann, der Diskussion über seine Identität und dem misslungenen Versuch, ihn gefangen zu nehmen, kamen die Gerichtsdiener mit leeren Händen zurück. Auf die Frage, warum sie ihn nicht verhaftet hätten, sagten sie ehrlich: »So haben wir noch nie jemanden reden hören!«

Das passte den Pharisäern gar nicht! Anstatt nach der Wahrheit zu fragen, versuchten Sie, ihnen ihre eigene Sicht aufzuzwingen. Dazu behaupteten sie, sie seien einer Täuschung zum Opfer gefallen und „bewiesen“ das mit der Mehrheit der Mächtigen: es gäbe im Hohen Rat niemanden, der Jesus Glauben schenke. Die einzigen die das täten seien die ungebildeten und von Gott verfluchten Massen.

Doch das stimmte nicht. Unter ihnen gab es jemanden, der Jesus Fairness wünschte: Nikodemus, der Jesus schon einmal besucht hatte, um von ihm zu lernen. Nikodemus versuchte, seine Kollegen im Hohen Rat zur Vernunft zu bringen – die Debatte von der Machtfrage zurück zur Wahrheitsfrage zu lenken. Sein Argument: erst einmal muss man jemanden anhören, bevor man ihn zurecht verurteilen kann.

Doch seinen Kollegen ging es nicht um die Wahrheit; nicht um eine faire Prüfung. Darum zielten sie mit ihrer klassischen Taktik gegen die Person, statt auf die Sache. Mit ihrem »Du kommst wohl auch aus Galiläa?« versuchten sie, ihn in ein schlechtes Licht zu stellen; als sei er ein Komplize von Jesus. 

Und dann als „Sachargument“, er solle doch mal selber nachforschen, dann würde er schon dahinterkommen, dass der Messias nicht in Galiläa geboren würde – was zwar stimmte; aber das Argument war zu etwas ganz anderem da: ihn vor versammelter Mannschaft als dumm erscheinen zu lassen. Ironischerweise traf ihr Argument sie selbst, denn hätten sie selber nachgeforscht, hätten Sie erkannt, dass Jesus tatsächlich nicht in Galiläa, sondern in Bethlehem geboren wurde.

So geht man auch heute noch oft mit der Wahrheit um: man sucht nicht nach ihr, hört ihr nicht zu, sondern unterdrückt sie mit Macht, und versucht, diejenigen mundtot zu machen, die einem widersprechen, indem man die Person angreift; sie unglaubwürdig und lächerlich macht.

O-Ton: Die Gerichtspolizisten kehrten wieder zurück. Die führenden Priester und die Pharisäer fragten sie: »Warum habt ihr ihn nicht mitgebracht?« Die Männer antworteten: »So wie dieser Mensch hat noch keiner gesprochen.« 

»Ihr habt euch also auch von ihm hinters Licht führen lassen!«, sagten die Pharisäer. »Gibt es denn unter den Mitgliedern des Rates oder den Pharisäern einen Einzigen, der seinen Anspruch ernst nimmt? Die Menge tut es. Sie kennt Gottes Gesetz nicht und steht deshalb unter seinem Fluch.« 

Da sagte Nikodemus, der selbst Pharisäer und Ratsmitglied war und der Jesus früher einmal aufgesucht hatte: »Ist es nach unserem Gesetz möglich, einen Menschen zu verurteilen, ohne dass wir ihn verhört haben? Erst muss doch festgestellt werden, ob er sich strafbar gemacht hat.« 

»Du kommst anscheinend auch aus Galiläa«, erwiderten sie. »Lies die Heiligen Schriften genauer, dann wirst du sehen, dass der erwartete Prophet nicht aus Galiläa kommt.« (Joh 7,45-52 GNB)