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Sonntag, 12. März 2023

Ohne Gebet ist alles Nichts - 3. Wir beten, dass Gott uns begegnet

 


[Predigt als MP3]

Einleitung

Zeugnis

Ja, Ich möchte heute Morgen mal mit einem Geständnis beginnen. Ich möchte euch mal mit reinnehmen, was mir persönlich an diesem Thema wirklich so wichtig ist. Und zwar denke ich, dass das Thema Gebet aus einem Grund super, super wichtig ist. Und dieser Grund hat zwei Seiten. Zum einen glaube ich, dass Gebet wirklich die Grundlage für allen geistlichen Segen ist. Ein Vers, der mir dazu eingefallen ist, der steht im Jakobus. Da steht 

"Ihr bekommt nicht, was ihr wollt, weil ihr Gott nicht darum bittet." 

Das klingt sehr simpel. Das heißt, ein Grund dafür zu beten ist: wir sind uns nicht selbst genug. Wir haben immer wieder Bedürfnisse, egal was es ist, ob wir Dinge brauchen, oder ob uns das Leben zusetzt. Und zum anderen, denke ich, ist Gebet die Grundlage für unser geistliches Wachstum, auch als Gemeinde. Und ich muss immer wieder denken an unsere Gemeinde-Vision: "Gott begegnen, bewegt werden, Leben teilen." Und das möchte ich heute miteinander verbinden. Weil, ich habe mich gefragt Wo kommt diese Motivation her? Leben zu teilen? Was bringt Menschen dazu, rauszugehen in die Welt und das Evangelium zu verkünden? Was bringt Menschen dazu, rauszugehen in die Welt und ihre Mitmenschen zu lieben, die ja nicht immer alle nur nett sind? Und ich denke, der der Grund dafür, der liegt im Gebet. Und zwar in einem ganz bestimmten Aspekt des Gebets, nämlich wirklich Gott zu begegnen.

Und darum wird es heute gehen. Und ich wünsche mir wirklich von Herzen, dass wir immer noch mehr betende Gemeinde werden, immer öfter und immer noch tiefer erleben, was das bedeutet, Gott zu begegnen, wirklich bewegt zu werden in dieser Begegnung. Und zwar so bewegt zu werden, dass ich nachher wirklich gar nicht anders kann, als vor Freude rauszugehen und mein Leben, das ich gewonnen habe, zu teilen. Und warum? Weil ich mir wünsche, dass unsere Gemeinde-Vision immer mehr Wirklichkeit wird.


Rückblick

Ja! Jetzt ist es ja schon eine Zeit lang her, dass wir mit der Serie angefangen haben; es sind viele wichtige Dinge dazwischengekommen. Deswegen an dieser Stelle noch mal ganz kurz eine Erinnerung. Ich hatte ja im Sommer 22 diese Gebetskärtchen drucken lassen, und mit dieser Serie zum Thema Gebet begonnen. Und ich weiß nicht, wer von euch sich noch erinnert. In den ersten zwei Predigten hatten wir uns um das "Warum?" Und um das "Wie?" gekümmert. Im Juli hatten wir unter dem Titel "Das Geheimnis vom geistlichen Sieg" die Frage beantwortet "Warum sollte ich beten?" Und die Antwort darauf ist praktisch erst mal ganz einfach: Erstens, weil Gott geboten hat. Es steht ja nicht umsonst in der Bibel "Bittet, so wird euch gegeben." Aber das Fazit damals war "Gott wird deine Gebete erhören und er wird selbst das Unmögliche möglich machen." Wir hatten das gesehen an Paulus und Silas, die aus dem Gefängnis freigekommen sind und an einer wirklich.

Für mich war das eine der krassesten Geschichten in meinem Leben, wie Gott uns in Frankreich eine Motorradbremse hat zukommen lassen, wo wirklich im Umkreis von 150 Kilometern nichts mehr zu liefern war. Im November hatten wir dann unter dem Titel "Wie funktioniert Gebet?" Nach dem "Wie?" gefragt: "Wie sollt ich beten?" Und das Fazit damals war, dass wir ohne Krampf beten können, weil es im Gebet hauptsächlich darum geht, Gott zu begegnen und nicht darum, Gott von irgendetwas zu überzeugen, weil er längst sowieso schon nur das Beste für uns will. Dass wir gesehen haben, dass wir ihm unser Herz ausschütten können in dem Wissen, dass er uns durch und durch versteht.


Übersicht

Und heute, und in den folgenden neun Predigten (es gibt ja zehn Gebetskärtchen und deswegen zehn Predigten, wer hätte das gedacht?) möchte ich euch mit hineinnehmen in die Frage nach der Beantwortung von dem "Was?" Was können wir beten? Und wer sich die Gebetskärtchen schon mal angeschaut hat, der hat vielleicht gesehen, dass die Gebetskärtchen alle was mit der Gemeinde-Vision zu tun haben: Wir beten um neue Menschen, die hinzukommen und sozusagen unsere Gemeinde bereichern. Die ganzen Gebetsanliegen, die da drin sind, die zielen eigentlich alle darauf ab, dass die Gemeinde-Vision Wirklichkeit werden kann. Und die Frage ist natürlich "Was können wir da beten?" Und jetzt kommt noch ein Geständnis: Ich fange heute an mit einer von meinen Lieblings-Gebetskarten (ich glaube, das darf man, wenn es zehn Karten gibt, dass man dann so ein Paar hat, die einem ganz besonders am Herzen liegen) - und auf dieser Karte steht das, was ihr hier in Gelb seht: "Wir beten zu Gott, dass er uns in seiner wunderbaren Liebe, Gnade und Herrlichkeit begegnet." Und darum soll es heute gehen. Und um uns diese Karte aufzudröseln, möchte ich mit euch gemeinsam über drei Bibelstellen nachdenken. Zwei davon, die uns noch einmal vor Augen stellen, wem wir da eigentlich begegnen im Gebet, nämlich dem Gott der Herrlichkeit. Und wir werden sehen Das ist etwas, das kann einem durch Mark und Bein gehen. Und anhand von einer dritten Bibelstelle möchte ich uns noch mal vor Augen stellen: Wir begegnen im Gebet dem Gott der Gnade. Und ich denke, das ist das Schönste, was es überhaupt gibt. Gottes Gnade zu begegnen; Seinem Wesen. Und zum Schluss möchte ich uns zeigen, wenn wir diesem Gott, unserem Gott im Gebet begegnen, dem Gott, dem Himmel und Erde gehören, dem Gott, der in Christus Mensch wurde und für uns gestorben ist, dann werden wir für immer veränderte Menschen sein. Dann werden wir bewegt werden und Leben teilen.


Gottes Herrlichkeit

Textlesung

Ich möchte anfangen mit einer Textlesung aus Jesaja 6, die Verse 1 bis 5. Und dort steht, ich lese aus der guten Nachricht: 

"Es war in dem Jahr, als König USia starb, da sah ich den Herrn. Er saß auf einem sehr hohen Thron. Der Saum seines Mantels füllte den ganzen Tempel. Er war umgeben von mächtigen Engeln. Jeder von ihnen hatte sechs Flügel. Mit zweien bedeckte er sein Gesicht; mit zweien den Leib; zwei hatte er zum Fliegen. Die Engel riefen einander zu Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Herrscher der Welt. Die ganze Erde bezeugt seine Macht. Von ihrem Rufen bebten die Fundamente des Tempels, und das Haus füllte sich mit Rauch." Und dann schreibt Jesaja. "Vor Angst schrie ich auf: Ich bin verloren! Ich bin unwürdig, den Herrn zu preisen und lebe unter einem Volk, das genauso unwürdig ist. Ich habe den König gesehen. Den Herrscher der Welt."


Auslegung - Teil 1

 Ich möchte aus diesem Text drei Punkte herausgreifen.

1. Der erste Punkt ist: Gott ist der allein Gewaltige. Von ihm heißt es Er ist der Herr, der Herrscher der Welt. Und er sitzt auf einem sehr hohen Thron. Ihr Lieben! Das heißt, Gott ist kein Mensch auf Augenhöhe, mit dem ich umspringen kann, wie Hiob das mal versucht hat. Hiob hat ja versucht, Gott herzuzitieren oder gesagt "Komm, wir beide wollen mal streiten, dann werde ich dir schon zeigen, wer hier recht hat." Und was hat Hiob ganz am Schluss gesagt, als er Gott begegnet ist? Er musste zugeben "In meinem Unverstand habe ich geredet von Dingen, die mein Denken übersteigen." Gott ist der Herrscher über die ganze Erde. Er ist der König des Universums. Er ist es, der spricht: "Der Himmel ist mein Thron. Die Erde ist mein Fußschemel." Und auch Moses mahnt: "Haltet euch vor Augen,  dem Herrn, eurem Gott, gehören der Himmel und alle Himmelswelten und die ganze Erde mit allem, was darauf lebt." Er ist der König aller Könige und der Herr aller Herren.

2. Der zweite Punkt: Dieser allmächtige Gott ist vollkommen. Im Text haben wir gelesen, dass diese Engel einander zurufen "Heilig! Heilig! Heilig!" Jetzt ist es im Hebräischen so, dass die Hebräer keine Rufzeichen hatten oder auch keinen Fettdruck. Und wenn die zwei mal etwas gesagt haben, dann war das so, wie wenn man das laut gesagt hat oder im Fettdruck dargestellt hat. Aber dreimal? Das wäre so, wie wenn wir in unserem Text ein Wort finden in Blockbuchstaben kursiv, fett und doppelt unterstrichen "Heilig!!" Unendlich heilig! Gott ist vollkommen. Er ist makellos. Er ist schön. Er ist rein. Er ist gerecht. Gott verkörpert jede nur denkbare gute Eigenschaft; jede nur denkbare Tugend. Er ist vollkommen gut. Ich würde sagen, Gott ist die Definition von 'gut'. Wir können Dinge überhaupt bemessen nach dem, was gut und schlecht ist, weil es Gott überhaupt gibt. Er ist das Maß für Gutheit. Und er ist absolut gerecht. Über Ihn steht: "Der Herr tut das Rechte, auf ihn ist Verlass. Bei ihm gibt es kein Unrecht." Und er ist allwissend. Er kennt alle Dinge, weil er vollkommen ist. Er kennt auch mein Inneres. Im Psalm 139 lesen wir "Es ist kein Wort auf meiner Zunge, dass du, Herr, nicht alles wüsstest." Er kennt all meine Taten: "Spreche ich, Finsternis möge mich decken" lesen wir im gleichen Psalm, "und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir und die Nacht leuchtete wie der Tag." Und diesem Gott trete ich im Gebet gegenüber.

3. Der dritte Punkt: Wir sind alles andere als vollkommen. Wir haben das gelesen im Text. Jesaja hat gerufen: "Vor Angst schrie ich auf 'Ich bin verloren. Ich bin unwürdig' ". Wenn wir ins Neue Testament schauen, dann lesen wir bei Paulus, dass wir schwache Menschen sind, der Sünde ausgeliefert. Und Johannes bekräftigt es, indem er sagt "Wenn wir sagen, wir sind ohne Schuld, dann betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit lebt nicht in uns." Und wenn wir uns in der Gegenwart Gottes darüber bewusst werden, wer er ist und wer wir sind - und davon bin ich zutiefst überzeugt, Ihr Lieben - ich glaube, dann geht es uns wie David, der rief "Ich bin verstrickt in Verfehlung und Schuld, seit meine Mutter mich empfangen und geboren hat." Diese Erkenntnis, ihr Lieben, ist eine der tiefgreifendsten Erfahrungen, die ein Mensch nur machen kann.


Intermezzo

Und jetzt könnte man meinen "Na ja, lieber Michael, bitte! Das ist der Gott des Alten Testaments. Der ist ja ganz anders als Jesus im Neuen Testament. Ja? Sanftmütig und demütig."


Textlesung

Schauen wir also mal ins Neue Testament, um zu sehen, ob das wirklich so ist. Ich lese aus Offenbarung 1, die Verse 10 bis 17: 

"Es war der Tag des Herrn, und ich betete im Geiste, schreibt der Apostel Johannes." 

Der, der bei ihm auf der Brust gelegen ist. Der, der Jesus am nächsten war. Der Jünger, den Jesus liebte. Er hat alle geliebt. Aber zu dem hat er ein ganz besonderes Verhältnis. Und dieser, dieser Johannes schreibt. 

"Es war der Tag des Herrn und ich betete im Geist. Plötzlich hörte ich hinter mir eine laute Stimme wie von einer Posaune. Sie sprach: 'Schreibe, was du siehst in ein Buch und schicke es an die sieben Gemeinden Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardis, Philadelphia und Laodizea. Als ich mich umdrehte, um zu sehen, wer zu mir sprach, sah ich sieben goldene Leuchter. Und mitten unter den Leuchtern stand der Menschensohn. Er trug ein langes Gewand mit einem goldenen Gürtel über die Brust. Sein Kopf und sein Haar waren weiß wie Wolle; so weiß wie Schnee. Seine Augen leuchteten wie Feuerflammen. Seine Füße glänzten wie im Feuer gereinigt es Erz. Und seine Stimme war wie das Tosen mächtiger Meereswellen. Er hielt sieben Sterne in seiner rechten Hand und aus seinem Mund kam ein scharfes, zweischneidiges Schwert. Und sein Gesicht strahlte wie die Sonne in ihrer ganzen Pracht. Und als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seine Füße. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte 'Hab keine Angst. Ich bin der Erste und der Letzte' ".


Auslegung - Teil 2

Auch hier möchte ich diese drei Punkte hervorheben, allerdings ein bisschen kürzer, weil wir werden gleich merken, es sind die gleichen drei Punkte wie schon in der Gottesbegegnung im Alten Testament.

1. Er ist der Allein Gewaltige. Er spricht "Ich bin der Erste und der Letzte, das Alpha und das Omega." Er ist der ewige Gott.

2. Er ist vollkommen und allwissend. Von ihm heißt es "Seine Augen leuchteten wie Feuerflammen." Und Johannes sagt in seinem Brief. "In ihm gibt es keine Spur von Sünde." Er ist vollkommen. Und von diesem Jesus heißt es "Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit."

3. Und als Drittes: Wir sind alles andere als vollkommen. Ich habe mich lange Zeit gefragt "Warum ist es dem Johannes so gegangen? Der ist bei ihm auf der Brust gelegen!" Ja, als Jesus hier war auf Erden in Menschengestalt, da war seine Herrlichkeit verborgen - bis auf diesen Moment, auf dem Berg der Verklärung. Aber seitdem Jesus wieder zum Himmel aufgefahren ist, seitdem sieht in jeder, der ihm wirklich in einer Vision begegnet, so wie der Johannes - der sieht ihn so, wie er ist: Als den herrlichen, herrlichen, ewigen, allmächtigen Gott, den Vollkommenen, den Allwissenden. Und deswegen schreibt auch der Johannes. "Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seine Füße."

Wie gesagt, ich habe mich lange Zeit gefragt "Warum?" Weil ich das nicht verstanden habe. Wieso fällt der wie tot vor seine Füße? Was hat ihm die Luft genommen? Bis ich irgendwann in meinem Leben mal ein Erlebnis hatte, wo ich wirklich Schuld auf mich geladen hatte, für die ich mich zutiefst geschämt habe und dann gemerkt habe, wie sich das anfühlt, wenn das jemand rauskriegt. Da möchte man im Erdboden versinken. Ich habe mich damals wirklich geschämt - ich hätte mir gewünscht, es tut sich ein Loch auf und ich könnte einfach nur verschwinden. Aber mein Gegenüber war nur ein Mensch, der selber fehlerhaft war. 

Und dann ist mir aufgefallen, was da passiert ist. Stellt euch das mal vor. Das, was in euch ist, wird vollkommen offenbar. Vollkommen! Und es gibt auch keine Ausrede mehr, weil jede nur denkbaren Argumente, die man aufzählen könnte, sind Gott längst bekannt. Das, denke ich, ist der Grund, warum Jesaja gerufen hat "Weh mir, weh mir!"; warum Johannes ihm zu Füßen fällt, wie tot. 


Zwischenbilanz

Ich denke also, dass wenn ich dem allmächtigen Gott in seiner Herrlichkeit begegne, dann erkenne ich zuerst einmal Ihn, in Seinem Licht: dass er vollkommen ist. Und dann erkenne ich mich in seinem Licht, so wie ich bin. Und das ist, wie ich denke, ein Mark und Bein erschütterndes Erleben.


Gottes Gnade

Doch "Gott sei Dank!" - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: "Gott sei Dank!" - ist das nicht alles. Weil sonst, ihr Lieben, sonst wären wir verloren. Gott sei Dank ist Gott nicht nur heilig, nicht nur allmächtig, nicht nur allwissend. Sondern auch gnädig und barmherzig. Und das nicht einfach oben hin. Sondern auf eine Weise und in einem Maße und mit einer Geduld, die unser Vorstellungsvermögen sprengt. Dazu möchte ich uns einen dritten Text lesen, einen Text, von dem ich hoffe, dass er diese Weise, dieses Maß und diese Geduld zum Ausdruck bringt.


Textlesung

 Den Text findet ihr im Lukasevangelium im 15. Kapitel; ich lese dort mal die Verse 11 bis 24: 

"Jesus erzählte ihnen auch folgendes Gleichnis. Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere Sohn sagte zu seinem Vater Ich möchte meinen Erbteil von deinem Besitz schon jetzt haben. Da erklärte der Vater sich bereit, seinen Besitz zwischen seinen Söhnen aufzuteilen. Einige Tage später packte der jüngere Sohn seine Sachen und ging auf Reisen in ein fernes Land, wo er sein ganzes Geld verprasste. Etwa um die Zeit, als ihm das Geld ausging, brach in jedem Land eine große Hungersnot aus, und er hatte nicht mehr genug zu essen. Da überredete er einen Bauern, ihm Arbeit zu geben, und er durfte seine Schweine hüten. Und der junge Mann war so hungrig, dass er die Schoten, die er an die Schweine verfütterte, am liebsten selbst gegessen hätte. Aber niemand gab ihm etwas. Schließlich überlegte er und sagte sich: Daheim haben die Tagelöhner mehr als genug zu essen und ich sterbe hier vor Hunger. Ich will zu meinem Vater nach Hause gehen und sagen 'Vater! Ich habe gesündigt gegen den Himmel und auch gegen dich. Und ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Bitte stell mich als einen deiner Tagelöhner ein.' Und so kehrte er zu seinem Vater nach Hause zurück. Er war noch weit entfernt, als sein Vater ihn kommen sah. Voller Liebe und Mitleid lief er seinem Sohn entgegen, schloss ihn in die Arme und küsste ihn. Sein Sohn sagte zu ihm 'Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und auch gegen dich und bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.' Aber sein Vater sagte zu den Dienern 'Schnell, bringt die besten Kleider im Haus und zieht sie ihm an, holt einen Ring für seinen Finger und Sandalen für seine Füße und schlachtet das Kalb, das wir im Stall gemästet haben. Denn mein Sohn hier war tot und ist ins Leben zurückgekehrt. Er war verloren. Aber nun ist er wiedergefunden.' Und ein Freudenfest begann."


Auslegung - Teil 3

Auch von diesem Text möchte ich noch einmal drei Punkte hervorheben.

1. Wir finden in diesem Text echte Sünde, echtes Versagen. Aber auch echte Reue und echte Umkehr. Der Sohn spricht "Vater, ich habe gesündigt, und ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen." Wieso sagt er das? Ihr Lieben, ich denke, er hat sich selber im Lichte Gottes erkannt. Er hat erkannt, wie David "Ich bin verstrickt in Verfehlungen und Schuld." Ihm dreht sich der Magen um im Anblick von sich selbst. Er empfindet tiefe Reue und Scham für das, was er getan hat. Ihm war völlig klar, dass er nichts mehr zu erwarten hatte. Selbst als Knecht eingestellt zu werden, wäre schon Gnade gewesen.

Und dann kommt diese Wendung. Dann geschieht das, womit er nicht gerechnet hat. Dann geschieht das, was, wie ich denke, Gottes Wesen so unvergleichlich zum Ausdruck bringt. Denn er ist nicht nur allwissend und heilig und gerecht, er ist gnädig. Erst die Liebe. Er vergibt.

2. Und das ist der zweite Punkt: In diesem Text finden wir eine unfassbar tiefe Liebe und ein unbegreiflich großes Erbarmen. Vom Vater heißt es: "Voller Liebe und Mitleid lief er seinem Sohn entgegen, schloss ihn in die Arme und küßte ihn." Ihr Lieben, der muss gestunken haben nach Schwein. Und es war für Juden noch viel schlimmer, als wir uns das vorstellen. Das war unrein. Der war dreckig, der hat bei den Schweinen gelegen und stinkt. Und sein Vater rennt ihm entgegen! Könnt ihr euch vorstellen, wie sehr man jemand lieben muss, dass man sich so auf ihn freut, dass einem das völlig egal ist, ob der stinkt und schließt ihn in die Arme und küsst ihn?

Was ich an dieser Stelle erwartet hätte, das wären Vorwürfe gewesen, berechtigte Anschuldigungen. Aber so ist Gott nicht. Gott ist die Liebe und er hat Mitleid mit uns. Und er vergibt von Herzen gern. Und das eben nicht nur rein oberflächlich oder um des lieben Friedens willen. Oder er vergibt so "auf der Sachebene". Nein! Er ist unser Vater! Er ist mit ganzem Herzen bei der Sache. Er läuft uns voll Freude entgegen. Sein Herz ist voller Liebe und voller Mitgefühl und er drückt uns an sich und küsst uns.

3. Und dann heißt es nur noch Und das ist mein dritter Punkt. Und ein Freudenfest begann. So ist es, wenn wir Gott begegnen. Ja, wir erkennen seine Heiligkeit. Und ja, das kann durch Mark und Bein gehen. Und ja, wir erkennen unsere Schuld. Und es mag uns zutiefst beschämen, dass wir am liebsten im Erdboden versinken würden. Aber, ihr Lieben, das ist nicht alles. Denn so oft wir umkehren und darüber hinaus erkennen wir in dieser Begegnung Gottes wahres Wesen. Dass er voller Liebe ist, voller Erbarmen. Dass er eine unendliche Geduld hat. Und dass seine Güte und seine Treue grenzenlos sind.

Das ist das, was ich uns allen wünsche: Dass wir Gott auf diese Weise begegnen. Dass wir Ihn erkennen, als der, der er ist: "Sanftmütig und von Herzen demütig." Mir ist dazu ein Vers eingefallen aus Kolosser, Kapitel 2. "Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz." So weit geht seine Liebe! Dass Gott Mensch wird und für uns stirbt. Und aufersteht zu unserer Rechtfertigung.

Weil er uns mehr liebt als sein Leben.

Und wenn wir Gott so begegnen im Gebet, wenn wir Christus sehen und in ihm die Herrlichkeit Gottes wie in einem Spiegel, dann werden wir innerlich bewegt werden und selbst in sein Spiegelbild verwandelt. Dann bekommen wir mehr und mehr Anteile an seiner göttlichen Herrlichkeit. Und dann, ihr Lieben, werden wir für immer veränderte Menschen sein. Menschen, die dieses neue Leben mit ihren Mitmenschen teilen. Und um diese Begegnung, da möchten wir beten. Und dazu gibt es diese Karte.

Amen.

Samstag, 16. Januar 2016

Die Jahreslosung - Jesaja 66:13


Ich selbst werde euch trösten,
wie eine Mutter ihr Kind tröstet.

Jesaja 66:13


Worum es nicht geht

Um die Jahreslosung wirklich zu verstehen, müssen wir sie in ihrem Kontext betrachten. Sonst  wäre die Gefahr groß, dass wir eine Kuschelbotschaft mit Gott als Mutter darunter verstehen - das wäre dann eine viel zu kleine Botschaft, die um ein unsagbar Vielfaches hinter dem zurück bleibt, was Gott an dieser Stelle tatsächlich verspricht. 

So etwas passiert leicht und schnell, wenn man ein Gotteswort aus seinem Zusammenhang reißt. Darum bitte ich alle Leser: Was auch immer ihr in Gottes Wort lest: Lest es immer auch in seinem Zusammenhang!

Die Jahreslosung ist also viel größer, als es auf den ersten Blick den Anschein zu haben scheint. Um sie zu verstehen, wollen wir uns einen Überblick über das Jesajabuch, über die geschichtliche Situation des Volkes Gottes zur Zeit Jesajas und einen Überblick über das 66. und damit letzte Kapitel des Jesajabuches (dem "Evangelium des Alten Testaments") verschaffen.


Worum es wirklich geht

Der Kontext: Was war passiert?

Der Aufbau des Jesajabuches ist spiegelsymmetrisch: In der ersten Hälfte des Jesajabuches geht es um die politische Krise mit Assyrien und den Glauben Hiskias, der Gottes Rettung von den Assyrern zum Ende hatte. In der zweiten Hälfte des Jesajabuches geht es um die persönliche Krise Hiskias und die Torheit Hiskias, die die babylonische Gefangenschaft zur Folge hatte; nachzulesen in 2. Könige 18-20 und 2. Chronika 29-32.

Der zweite Teil, indem unser 66. Kapitel zu finden ist, spricht also vornehmlich in die Krise der babylonischen Gefangenschaft oder das babylonische Exil hinein: Als babylonisches Exil wird dabei eine Epoche der jüdischen Geschichte bezeichnet, die 597 v. Chr. mit der Eroberung Jerusalems und des  Königreiches Juda durch den babylonischen König Nebukadnezar II. beginnt und bis zur Eroberung  Babylons 538 v. Chr. durch den Perserkönig Kyros II fortdauert. Dies ist auch die Zeit, von der uns im Buch Daniel berichtet wird - in der Daniel, Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu den auserwählten Exilanten gehörten, die eine Ausbildung für den babylonischen Staatsdienst erhielten. Das Buch spricht also hinein in eine Zeit des Kummers fern der Heimat. 

Im 137. Psalm lesen wir:

An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten,
wenn wir an Zion gedachten.
Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande.
Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen
und in unserm Heulen fröhlich sein:
»Singet uns ein Lied von Zion! «

Psalm 137:1-3


Die Botschaft

Jesaja, Kapitel 66

Das 66. ist das letzte Kapitel und enthält mehrere ineinander verschlungene Worte der Prophetie, die sich beziehen auf:

  • die Erlösung des Volkes Gottes
  • die Ankündigung des Messias
  • die Neugründung des Staates Israel
  • die Wiederherstellung Jerusalems
  • das Gericht Gottes über Seine Feinde
  • das 1.000-jährige Reich
  • die Ewigkeit: Gottes neue Welt (Himmel und Erde werden neu)
 
Genauer:

  • Die Verse 1-4 beschreiben zwei Gruppen von Menschen
  • Die Verse 5-9 kündigen den Messias und die Neugründung des Staates Israel an
  • Die Verse 10-14 kündigen die Wiederherstellung und Frieden für Jerusalem an
  • Die Verse 15-18 beschreiben Gottes Gericht.
  • Die Verse 19-21 beschreiben die Friedenszeit danach.
  • Die Verse 22-24 beschreiben Gottes Reich in Vollendung: neuer Himmel und Erde.


2 Gruppen von Empfängern, 2 Botschaften

Im 66. Kapitel lesen wir von 2 Gruppen von Menschen: den Abgewichenen und Gottlosen auf der einen Seite und den Treuen, Gottes Volk, auf der anderen. Über diese beiden Gruppen lesen wir folgendes: 

  • Die Abgewichenen und Gottlosen, das sind: Mörder, Übeltäter, Gräueltäter und Götzendiener, die eigene Wege gehen (Vers 3). Sie hören Gottes Stimme nicht, antworten ihm nicht (Vers 4) und tun, was böse ist (Vers 4). 

  • Die Treuen, Gottes Volk dagegen, das sind die, die gedemütigten, die mit einem gebrochenen Geist, die vor Gottes Wort zittern (Vers 2). Sie sind seine Diener (Vers 14), sie hören Gottes Wort (Vers 5), sie werden von den Feinden Gottes gehasst und verstoßen und verspottet, weil sie Gott treu sind (Vers 5).

Weiter lesen wir im 66. Kapitel von 2 Botschaften Gottes: Zum einen von Gottes Gericht über die Gottlosen und zum anderen von Gottes Heilshandeln an Seinem Volk. Konkret lesen wir in Jesaja 66:15-18 - über das Weltgericht:

  • Die Gottlosen (Vers 4) werden zugrunde gehen (Vers 5), der HERR vergilt seinen Feinden ihr Tun (Vers 6). Durch Feuer und Wagen übt Gott Vergeltung, wie ein vernichtender Orkan (Vers 15), in glühendem Zorn  und in flammendem Feuer (Vers 15) für alles Böse, was die Menschheit (Vers 16), ja alle Völker und Nationen (Vers 18) gegen Ihn und Sein Volk gesündigt haben und setzt damit ein Zeichen (Vers 18). Die Leichen der Männer jedoch, die sich gegen Gott auflehnten, werden mit ewigem Feuer brennen (Vers 24); seine Feinde nehmen ein schreckliches Ende (Vers 17).
  • Sein Volk jedoch wird Gott trösten, wie eine Mutter ihr Kind und zwar in Jerusalem (Vers 13). Er wird Jerusalem Frieden verschaffen und den Reichtum der Völker wie einen breiten Strom nach Jerusalem lenken (Vers 12) - zur Freude seiner Kinder (Verse 12 und 14). Dieser Trost hat jedoch nicht allein zu tun mit Frieden und Wohlstand, sondern vor allem mit einer Geburt, die uns in mehreren ineinander verwobenen Bildern der Prophetie gezeigt wird (Verse 7-9).


Prophetische Bilder

Die Trost-Botschaft von Jesaja 66 berichtet von einer Geburt: in wenigen Versen (Jesaja 66:7-9) überlagern sich mehrere, ineinander verwobene Bilder, die sich schon mehrfach in der Geschichte erfüllt haben.


Erste Erfüllung

"Wer hat so etwas je gehört?
Wer hat so etwas schon gesehen?
Hat ein Land sich je an einem Tag gebildet?
Wurde je ein Volk an einem einzigen Tag geboren?
Doch Zions Wehen hatten kaum eingesetzt,
da waren ihre Söhne schon geboren."

Jesaja 66:8

Das war, was im Jahr 538 v. Chr. passierte. Damals wurde die Nation Israel tatsächlich neu geboren — gewissermaßen an einem Tag —, nachdem das Land rund 70 Jahre zuvor von den Babyloniern verwüstet und entvölkert worden war. Jesaja 66:8 erfüllte sich zu der Zeit auf beeindruckende Weise, als der persische Eroberer Kyrus der II oder Kyrus der Große den Juden die Rückkehr in ihre Heimat, den Wiederaufbau der Stadt und den Tempelbau erlaubte. Konkret lesen wir im Kyrus-Edikt aus dem Jahre 538 (siehe Esra 1:2):

"So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben. Nun hat er mich dazu bestimmt, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu errichten. Denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt. Aber auch die übrigen Einwohner aus all den Orten in denen er als Fremder lebt, sollen ihn unterstützen mit Silber und Gold, mit Vorräten, mit Vieh und darüber hinaus mit einer freiwilligen Gabe für das Haus Gottes in Jerusalem." (siehe auch Esra 6,3-5)

Allein das ist schon ein wunderbares Beispiel dafür, dass Gottes Prophetien eintreffen. 
Doch es kommt noch besser:


Zweite Erfüllung

"Noch bevor die Wehen einsetzten, hat sie geboren,
noch ehe die  Wehen begannen, bekam sie einen Sohn.“

Jesaja 66:7

Das ist wohl der Traum jeder Mutter: Eine Geburt ohne Wehen und Schmerzen. Auf wen trifft das zu? Nicht auf Maria. Wohl aber auf Jerusalem, die "Tochter Zion", also die Nation Israel, die den „Sohn“, Christus, hervorgebracht hat (vgl. Jesaja 9,6; Micha 5,1; Römer 9,5 usw.). Als der Messias zur Welt kam, lagerten Israels Hirten in Bethlehem friedlich auf dem Feld. 

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, 
und du, Tochter Jerusalem, jauchze! 
Siehe, dein König kommt zu dir...“
Sacharja 9,9


Dritte Erfüllung

Und es gibt noch eine Erfüllung von Jesaja 66:8 – aus meiner Sicht die klarste von allen. Zitat: „Es war an einem Freitagnachmittag, am 14. Mai 1948 um 16 Uhr. Die letzten Stunden des britischen Mandats waren angebrochen und im Museum von Tel Aviv hatte sich eine nicht allzu große, handverlesene Gruppe von 350 Personen zu einem schon sehnlichst erwarteten Akt zusammengefunden: der offiziellen Gründung des neuzeitlichen Staates Israel.“ 

Nochmals zur Erinnerung:

"Wer hat so etwas je gehört?
Wer hat so etwas schon gesehen?
Hat ein Land sich je an einem Tag gebildet?
Wurde je ein Volk an einem einzigen Tag geboren?
 
Jesaja 66:8


Unsere Jahreslosung

Ein Wort in die Not

In diese Situation hinein also, mitten hinein in die Bedrängnis und Trübsal Seines Volkes, welches in der babylonischen Gefangenschaft weinte, welches unter der römischen Besatzung große Not litt, welches in der Zeit der Shoah, also des Holocaust unendliches erduldet hatte - und auch in unsere Zeit, in welcher Gottes Volk unter der Bedrängnis der Verfolgung durch die Feinde Gottes - ISIS, Boko Haram und viele andere - leidet, mitten in diese Situation hinein spricht Gott sein Wort vom Trost:

Jubelt alle in der Stadt, die ihr liebt.
Singt alle voller Freude mit ihr,
die ihr um sie getrauert habt.

Dann werdet auch ihr Euch an ihrer tröstenden Brust satt trinken können
und euch an ihrer herrlichen Mutterbrust erfreuen.
Denn so spricht der HERR: "Schaut, ich werde den Frieden wie einen Strom
und den Reichtum der Völker wie einen Fluss nach Jerusalem fließen lassen.

Ihre Kinder werden saugen,
sie werden auf den Armen getragen und auf den Knien liebkost werden.
Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Ihr werdet es zu sehen bekommen
und Euer Herz wird sich freuen....“

Jesaja 66:10-14


Ein Wort der Verheißung

Das also ist es, was Gott seinem seit Anbeginn geknechteten Volk zu sagen hat - denen, die gedemütigt werden, denen mit einem gebrochenen Geist, denen die vor Gottes Wort zittern, denen, die seine Diener sind und Sein Wort hören, denen, die von Gottes Feinden gehasst und verstoßen und verspottet werden, weil sie Gott treu sind: 

Die Botschaft lautet:

  • Ihr seid nicht vergessen!
  • Ich werde Euch aus aller Eurer Not retten!
  • Ich werde mich an Euren Feinden als der Herrliche offenbaren!

Gott hat Sein Wort bereits in der Vergangenheit erfüllt:

  • durch Kyrus, indem er sein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft befreite
  • in Christus, der uns besuchte und mit sich versöhnte durch Sein Opfer am Kreuz
  • in der Neugründung Israels; einem nie dagewesenen historischen Ereignis!
Und er wird es ein letztes Mal erfüllen - und diesmal endgültig:

  • durch Sein Weltgericht,
  • welches allen Seinen Feinden ein Ende macht
  • und Seinem Volk ewigen Frieden bringt.

Ein Wort, das sich erfüllt

Das Wachstum des Reiches Gottes zieht sich, ungeachtet aller Verfolgung, durch die Geschichte: was sich im Jahr 538 v. Chr. (siehe Erlösung aus der Babylonischen Gefangenschaft) vorbildhaft vollzogen hatte, wurde (im Kommen Christi) bleibende Realität. Uns diese Realität breitet sich vor unseren Augen (siehe Neugründung des Staates Israel) immer weiter aus. Und sie wird eines Tages volle Wirklichkeit werden, wenn Christus in Herrlichkeit zurück gekehrt ist, wenn alle Feinde Gottes besiegt sind und auch Gottes letzte Verheißung an uns wahr geworden ist:  

Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. 
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Jesaja 66:13

Dieser Trost hat zu tun mit dem, was Gott tun wird. In Offenbarung 21 lesen wir darüber: 

"Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der alte Himmel und die alte Erde waren verschwunden. Und auch das Meer war nicht mehr da. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen wie eine schöne Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. Ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: »Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen.« Und der, der auf dem Thron saß, sagte: »Ja, ich mache alles neu!« Und dann sagte er zu mir: »Schreib es auf, denn was ich dir sage, ist zuverlässig und wahr!« Und er sagte auch: »Es ist vollendet! Ich bin das Alpha und das Omega - der Anfang und das Ende. Jedem, der durstig ist, werde ich aus der Quelle, die das Wasser des Lebens enthält, umsonst zu trinken geben! Wer siegreich ist, wird dies alles empfangen; ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein." (Offb 21:1-7)

Dieser Trost, der uns in Gottes neuer Welt, im himmlischen Jerusalem, erwartet, wird so innig und so tief und so beruhigend sein, wie die vollkommene Geborgenheit, die ein kleines Kind an der Brust seiner Mutter erfährt. David beschrieb diesen Zustand im 131. Psalm so:

Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden
wie ein kleines Kind bei seiner Mutter;
wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

Psalm 131:2


Ein Wort des Trostes

Das Volk Gottes wurde zu allen Zeiten verachtet, verspottet und verfolgt:

  • unter den Babyloniern
  • unter den Römern
  • unter Hitler & Stalin
  • und auch zu unserer Zeit unter Boko Haram und ISIS
Und manchmal haben wir den Eindruck, als habe Gott sein Volk verlassen. 
Doch Gottes Volk war und ist niemals vergessen - Gott hält Seine Versprechen:

  • Er sandte Kyrus, zur Befreiung aus der Gefangenschaft
  • Er kam in Christus und erlöste uns von unseren Sünden
  • Er wirkte in der neuzeitlichen Geschichte und baut weiter Sein Reich
  • und Er wird am Ende der Tage auch Sein letztes Versprechen einlösen

Darum dürfen wir getrost sein in aller Not - und voller Hoffnung warten auf das, was noch kommt: Die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus, der jetzt sitzt zur Rechten des Thrones Gottes und uns vertritt. Denn: mit Seinem Kommen kommt endgültiger Frieden und innigste Geborgenheit. Dann, im himmlischen Jerusalem, werden wir in der ganzen Fülle erfahren, was es heißt, was Gott uns hier verspricht:

Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Jesaja 66:13

Weil das so ist möchte ich diese Worte abschließen mit zwei Ermunterungen:

"...auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes." (Heb 12:1-2)
In diesem Sinne: "Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für  die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.“ (1Thess 5:22-23).

AMEN.


Frage und Worte an Dein Herz

  • Bist Du gerade in großer Not?
  • Schau auf Gottes treues Handeln in der Geschichte.
  • Schau auf Christus, den Anfänger und Vollender Deines Glaubens!
  • Hoffe auf Seine Verheißungen.
  • „Treu ist er, der Dich ruft; er wird Dich bewahren!“ (1 Thess 5:22-23)

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