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Sonntag, 8. Januar 2023

Du bist ein Gott der mich sieht (1.Mose 16, 13)


Einleitung

Guten Morgen, ihr Lieben! In der heutigen Predigt geht es ja um die Jahreslosung für das vor uns liegende Jahr. Erst mal finde ich das schon mal krass, dass schon wieder ein Jahr vorbei ist. Mein Vater hat es früher immer gesagt: "Je älter man wird, desto schneller geht's." Ich habe das damals nicht geglaubt, aber mittlerweile glaube ich es immer mehr.

Bevor ich euch jetzt einen Überblick über die Predigt gebe, möchte ich euch versichern, dass ich diese Predigt mindestens ebenso nötig habe wie ihr. Erstens habe ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und vor allem bin ich schon gar kein großer Glaubenskrieger, den nichts mehr anficht. Ganz im Gegenteil. Ich war in den letzten Tagen sehr angefochten und ich habe mir gedacht, wahrscheinlich ist es deswegen passiert, damit ich in der Predigt was Gescheites zu sagen habe. Und wenn ich wenn ich von Anfechtungen geplagt bin, dann sind das in der Regel drei verschiedene Arten von Anfechtungen. Und eine davon möchte ich heute mit euch teilen. Und diese Anfechtungen haben mit der Erfahrung zu tun, die ich wohl einmal zu oft in meinem Leben gemacht habe. Und das ist das Verlassenwerden.

Ich habe das vielleicht sogar schon mal erwähnt. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Falls ja, verzeiht mir, dass ich mich wiederhole, aber als ich anderthalb Jahre alt war, als mein Bruder geboren wurde, bin ich für mehrere Wochen weggegeben worden zu Bekannten. Und das war damals offensichtlich ein ziemlicher Schock für mich als kleines Kind, weil ich konnte mit anderthalb schon sehr gut sprechen, also auch komplizierte Wörter sowie Lokomotive. Das ist ja jetzt nicht unbedingt ein Wort für Anderthalbjährige. Und als ich zurückkam von diesen, ich weiß nicht mehr, wie viele Wochen das waren, wo ich komplett alleine war bei fremden Leuten habe ich nur noch gesagt Glocken machen bim bam! Das war alles, was aus mir herausgekommen ist, weil neben dem kleinen Zimmer, wo ich geschlafen habe, da erinnere mich auch heute noch daran. Da stand ein Glockenturm. Und der hat halt regelmäßig zu jeder Viertelstunde, zu jeder halben Stunde, zu jeder 3/4 Stunde und zu jeder Stunde bim bam! gemacht. Mit zwölf 1/2 habe ich dann meine Mutter verloren durch die Scheidung meiner Eltern, die ich dann erst mit knapp 30 Jahren wiedergefunden habe, also als ich 30 war und da hatte sie schon Krebs und ist wenige Jahre danach gestorben. Dann meine erste große Liebe - ich hatte ja auch noch ein Leben vor dem Glauben - die hat mich x mal für andere Männer verlassen und auch meine erste Frau hat mich für einen anderen Mann verlassen. Und dann gibt es noch ein paar andere kleine Ereignisse, die in die gleiche Kerbe gehauen haben.

Und da könnt ihr euch vorstellen, dieser Stachel sitzt tief, sehr tief. Und wenn, dann in meinem Leben schwierige Phasen kommen, in denen ich nicht mehr weiter weiß und in denen ich bete wie verrückt, dann sind das Phasen, in denen ich mir wünsche, ich könnte Gottes Nähe spüren, in denen ich mir mehr als alles in der Welt wünsche, dass Gott meine Gebete erhört, damit ich an der Gebetserhörung erkennen kann, dass er noch bei mir ist.

Und meistens bete ich dann mit "Geduld" - also: "Herr, gib mir meine Gebetserhörung jetzt gleich sofort!" Da stehe ich mir also sozusagen selber mit der mit der guten Erfahrung im Weg. Und wenn dann die Erfahrung der Nähe Gottes ausbleibt und wenn dann die Gebetserhörung ausbleibt, die ich mir so sehr wünsche, dann kriege ich unglaublich Schiss. Und zwar nicht Schiss, weil ein Gebet nicht erhört wurde, sondern weil ich daraus die falschen Schlüsse ziehe. Nämlich, dass Gott mich auch verlassen hat. Dass ich ihm einfach zu sündig bin, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben will und dass diese nicht erhörten Gebete ein Beweis dafür sind, dass er mich längst verstoßen hat. Und dann ist für meine subjektive Erfahrung kaum noch was zu machen, außer noch mehr zu beten. Und selbst das ist manchmal - wenigstens in der Art und Weise, wie ich dann darauf reagiere - nicht die richtige Lösung.

Die richtige Lösung wäre, sich auf Gottes Wort zu stellen. Aber davon später mehr. Ich denke, ihr seht, ich brauche die Predigt heute mindestens so sehr wie ihr. Ich werde sie mir wahrscheinlich irgendwann auch mal selber anhören. Das ist ganz lustig, wenn man selber predigt und sich seine eigenen Predigten ein, zwei Jahre später noch mal anhört, dann ist es, als wenn jetzt jemand anders predigen würde.

Ja, dann lasst uns mal schauen, was heute auf dem Speiseplan steht.


Übersicht

Zunächst einmal möchte ich natürlich unseren Text mit uns lesen und ihr kennt mich ja: Die Jahreslosung ist nur ein Vers. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nur diesen Vers predigen würde und uns nicht den kompletten Kontext mitgeben würde. Also werden wir den kompletten Text lesen und unter der Überschrift "So ist der Mensch." möchte ich uns dann kurz skizzieren, was uns der Text über uns Menschen sagt. Und zwar über unsere unglaubliche Begabung, Probleme unseres Glaubenslebens immer wieder ohne Gott lösen zu wollen, mit eigener Kraft, mit eigener Weisheit und was dabei an grausigen Ergebnissen herauskommt. Unter der Überschrift "So ist Gott!" Möchte ich uns aber vor allem - und auch mich - daran erinnern, was für einen wunderbaren Gott wir haben. Ein Gott, dem es nie zu viel wird. Ein Gott, der alles kann und der sich zu uns herab beugt, weil er für uns ist. Und der uns hilft. Und ganz zum Schluss möchte ich uns dann drei Verse mit auf den Weg geben. Drei Verse, die alles Gehörte noch einmal zusammenfassen. Drei Verse, die in ihrem dritten Vers, der Jahreslosung, ihren Höhepunkt finden. Drei Verse, von denen ich hoffe und bete, dass Gott sie gebraucht, um euch und uns Trost und Hoffnung zu geben, in allen Anfechtungen, die ihr entweder vielleicht gerade durchlebt oder möglicherweise in diesem Jahr noch durchleben werdet.

Zunächst aber unser Text. Der steht in 1. Mose 16. Ich lese jetzt mal die Verse 1 bis 13. Also der Abschnitt geht eigentlich bis Vers 15, aber ich habe mir gedacht, ich höre mal bei Vers 13 auf. Der ist überschrieben mit "Hagar und Ismael". Ich lese aus der Lutherübersetzung: 

"Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und Sarai sprach zu Abram: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais. Da nahm Sarai, Abrams Frau, ihre ägyptische Magd Hagar und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau, nachdem Abram zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatte. Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering. Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt; tu mit ihr, wie dir’s gefällt. Da demütigte Sarai sie, sodass sie vor ihr floh. Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Schur. Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von Sarai, meiner Herrin, geflohen. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Ismael nennen; denn der HERR hat dein Elend erhört. Er wird ein Mann wie ein Wildesel sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und er wird sich all seinen Brüdern vor die Nase setzen. Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat." 

Mal bis hierher.


So ist der Mensch.

Bevor ich etwas zu dem eigentlichen Text sage, möchte ich uns noch einmal ganz kurz in die Vorgeschichte zu diesem Text mit hinein nehmen. Wer das Alte Testament schon einmal gelesen hat, ganz besonders das Buch Genesis, der weiß, dass Gott Abram eine Verheißung gegeben hatte. Er hatte ihm einen Sohn versprochen. Und ich denke, das ist ganz wichtig, das im Hinterkopf zu behalten, dass dieses Versprechen schon einige Zeit her war. Wie viele Jahre genau, das wissen wir nicht. Aber eines ist sicher Wenn Gott etwas verspricht, dann wird er sein Versprechen halten. Um was es auf unserer Seite dann braucht, das ist Glauben. Und zwar einen Glauben, der sich ausdrückt in Vertrauen und in Geduld. Was es braucht, ist, dass wir die Lösung von Gott erwarten und nicht von uns. Soviel mal zur Vorgeschichte.

Jetzt zum Text. Wie gesagt, dieser von Gott verheißene Sohn Isaak, der ließ lange auf sich warten, wahrscheinlich viele, viele Jahre. Und selbst nach dieser Begebenheit, von der wir gerade gehört haben im Text, mussten Abram und Sarai nochmal 14 Jahre warten, bis Gott sein Versprechen dann endlich eingelöst hat. Also ihr spürt schon: das kann dauern! Und offensichtlich haben Sie gedacht "Das wird wohl nichts mehr. Ja, er hat es uns versprochen, aber wahrscheinlich müssen wir uns selber drum kümmern." Und so gibt dann die Sarai ihre Magd Hagar ihrem Mann zur Nebenfrau. Und was wir dann lesen ist, dass der Schuss komplett nach hinten losgeht. Denn die Hagar fängt an, Sarai zu verachten. Sarai macht Abram Vorwürfe. Abram zieht sich aus der Affäre. Dann fängt die Sarai an, die Hagar psychisch fertig zu machen. Und zu guter Letzt haut die Hagar völlig verzweifelt ab in die Wüste, in Richtung Ägypten, ihrer alten Heimat. Ihr Lieben, so schaut es aus, wenn menschlicher Zweifel und menschliche Ungeduld nicht auf Gottes Lösungen warten können. So schaut es aus, wenn menschliche Weisheit und menschliche Aktionen das Ruder ergreifen. Wenn der Mensch sich selber helfen will. Ich habe dann drunter geschrieben: "Was für ein wunderbares Potpourri menschlicher Sünde!"

Schauen wir mal genauer hin.

Mangelnder Glaube. Abram und Sarai haben auf das Warten Gottes nicht länger warten wollen und haben gemeint, sie müssten selber nachhelfen. Das ist das, was in der Bibel 'fleischliche Werke' genannt wird, das heißt Aktionen, die in menschlicher Weisheit und in menschlicher Kraft ihren Ursprung haben. Das Gegenteil davon sind natürlich 'geistliche Werke'. Das sind Wunder oder Gebetserhörung, die allein in Gottes Verheißung, allein in seinem Willen und allein in seiner Kraft ihren Ursprung haben. Und diese Sünde, dieser mangelnde Glaube, diese 'fleischlichen Werke', damit fängt dieses ganze Desaster an. Und das ist immer so, wenn wir nicht warten können auf Gott. Wenn wir meinen, die Dinge selber in die Hand nehmen zu müssen, dann kommt am Ende nichts als Herzeleid dabei heraus.

Konkret hier: die Verunstaltung der Ehe. Was wir dann in unserem Text dazu lesen, ist eine krasse Verzerrung des Bildes der Ehe, die Thomas Meyer immer so schön zusammengefasst hat mit "Ein Mann und eine Frau - ein Leben lang in Treue." Man könnte jetzt sagen ja, der Vorschlag kam ja von der Sarai. Aber mal ehrlich, der Abram hätte ja nicht wirklich mitmachen müssen, oder?

Und ihr Lieben, ich denke, das ist ein Unding, was da passiert ist und leider ein Unding, was auch in unserer heutigen Zeit immer weiter um sich greift. Ich denke, dass die Ehe, so wie sie von Gott gedacht war "Ein Mann und eine Frau - ein Leben lang in Treue" auch heutzutage unter extremem Beschuss ist. Ich kann und werde darauf hier jetzt nicht weiter eingehen. Aber eins möchte ich sagen Gott hat die Ehe ja nicht nur gestiftet, damit wir nicht alleine sind. Er hat die Ehe vor allem gestiftet, weil die Ehe ein Bild ist. Und zwar ein Bild dafür, wie sehr er seine Gemeinde, seine Kirche, seine Kinder liebt. Das kann man im Epheserbrief, Kapitel 4, nachlesen, wo Paulus das erklärt, dass die Ehe eigentlich ein Bildnis ist, etwas, an dem wir etwas erkennen sollen. Nämlich so, wie Mann und Frau in ihrer Ehe Beziehung zueinander und miteinander leben, das ist ein Bildnis, wie Gott zu seiner Gemeinde steht und mit ihr lebt und sie liebt. Und weil das ein Bild ist, deswegen darf dieses Bild nicht zerstört werden.

Also die Ehe wird verunstaltet. Das Nächste, was passiert: Hochmut und Verachtung. Wir sehen in unserem Text auf Seiten von Hagar die Sünde des Hochmuts und der Verachtung. Ein Mangel an Respekt. Jetzt bin ich ja keine Frau und schon gar keine Frau aus den Zeiten des Alten Testaments. Von daher kann ich mir auch kaum vorstellen, wie schwer es für Sarai gewesen sein muss und wie schmerzhaft: keine Kinder bekommen zu können. Es war ja in den damaligen Zeiten für eine Frau eine Ehre. Und auch heute denke ich, ist es noch so, dass eigentlich - ich denke, jede Frau; ich weiß es nicht - sich das von ganzem Herzen wünscht: Kinder bekommen. Aber dann von genau der Frau, von der man sich die Hilfe erwartet hat, die man sozusagen dann auch noch zum eigenen Mann, den man ja liebt, schickt, dass die sich dann so über einen erhebt und einen verachtet! Das muss der Sarai sicherlich im Herzen sehr wehgetan haben.

Und was macht die Sarai dann damit? Jetzt kommt es zu Schuldzuweisungen. Die Reaktion von Sarai ist auch nicht besser. Anstatt sich an Abram zu wenden und sich an ihn anzulehnen oder ihm ihr Leid zu klagen, klagt sie ihn an. Es muss ja immer einen Schuldigen geben. Es hagelt Vorwürfe und Schuldzuweisungen. "Du bist schuld!" Mal unter uns: wer ist denn auf die Idee gekommen?

Und wie reagiert Abram? Bequemlichkeit. Der zieht sich klassisch aus der Affäre, nach dem Motto: "Es ist ja deine Magd. Mach halt, was dir passt. Was hab ich damit zu tun? Ich bin ja völlig unbeteiligt." Und zwischen den Zeilen hören wir raus: eben dieses Quantum Bequemlichkeit. Regelt ihr euren Quatsch doch alleine, aber lasst mich damit in Ruhe! Und ich glaube, das ist jetzt auch nicht die Art von Verantwortungsbewusstsein und Hilfe, die sich eine Frau in der Not von ihrem Ehemann erwartet.

Reaktion darauf? Ihr merkt schon, das ist so ein richtiges Ping Pong Spiel. Eins gibt das andere: Bosheit, Zorn und Rache. Nach dieser Ansage von Abraham reagiert Sarai mit Zorn und mit Rache. Sie verspürt den dringenden Wunsch, ihre Widersacherin psychologisch fertigzumachen. Und ich glaube, was hier am Werk ist, ist eine im Stolz verletzte Seele. Ich denke, einer der Gedanken, die die Sarai getrieben haben mögen, ist: "Dir werde ich zeigen, wo der Hammer hängt!"

Und last but not least: Unglaube und Verzweiflung. Ganz am Ende dieser Kette von Sünden steht Hager. Die kein Vertrauen (mehr) auf Gott hat. Und die in ihrer sicherlich schwierigen Situation komplett verzweifelt. Und keine andere Lösung mehr weiß, als die Flucht in die Wüste anzutreten. Wir lesen: Sie ist nach Schur unterwegs gewesen. Ich habe meine Frau noch einmal gefragt. 'Ssur' heißt auf Arabisch 'Zaun'. Das war also ein Ort, wo eine Begrenzungslinie ging, wo die Ägypter sozusagen ihr Land verteidigt haben. Sie war also auf dem direkten Wege zurück nach Ägypten, in ihre Heimat. Nix glauben, nix Vertrauen auf Gottes Eingreifen. Nicht einmal ein Gebet. Einfach nur noch weg hier.

Fazit: Wir Menschen sind sündig. Wir sind auf uns selbst fixiert und wir machen nichts als Unfug. Überall menschliche Lösungen und deren Folgen. Lauter Sünde, wohin das Auge blickt. Wir zweifeln daran, dass Gott sein Zeug alleine auf die Reihe kriegt. Wir meinen immer, wir müssten selber etwas zur Lösung beitragen. Doch alles, was dabei herauskommt, ist Herzeleid und noch mehr Herzeleid.


So ist Gott!

Wie geht jetzt Gott mit solchen Menschen um? Ja, wie geht Gott mit solchen Menschen um?

Bevor wir diese Frage beantworten können, oder besser, damit wir diese Frage beantworten können. Lass uns uns mal kurz in die Hager hineinversetzen. Wie ist es Ihrer Seele wohl gegangen? Was hat sie seelisch durchgemacht?

Zuerst einmal wird sie ihrem Herrn einfach mal so als Nebenfrau angeboten. Nix freie Entscheidung. Ja, man könnte jetzt sagen, zur damaligen Zeit hätte man das vielleicht als Möglichkeit gesehen, seinen Stand zu verbessern, weil 'Nebenfrau' ist jetzt sicherlich schon nochmal ein besserer Job als 'Sklavin'. Und trotzdem finde ich, dass diese Nummer von der Sarai maßlos zu weit geht. Alttestamentliche Sitten hin oder her. Ja, stellt euch das mal vor, ihr wärt die Hagar: ihr seid Sklavin, ihr habt eh' nichts zu melden und eure Herrin kommt jetzt einfach und sagt "So! Hier! Du nimmst jetzt mal meinen Mann. Viel Spaß!" Also ich denke jeder Frau dreht sich da der Magen um.

Und dann wird sie tatsächlich schwanger. Und ich glaube, sie freut sich darüber, dass sie jetzt schwanger ist. Sie freut sich ein Loch in den Bauch. Obwohl die Situation so - weiß nicht: wie übersetzt man awkward? - so schief ist. Denn ich denke, sie fühlt sich gesegnet. Das war damals so. Die Schwangerschaft einer Frau, überhaupt dass eine Frau schwanger sein konnte, war eine Ehre in der Gesellschaft. Und vor allem muss man sich ja jetzt überlegen sie ist ja jetzt keine Sklavin mehr. Sie ist jetzt zwar nicht Ehefrau, aber sie ist jetzt Nebenfrau; immerhin. Und sie wird dem Stammvater Abram einen Erben gebären. Hmm, das ist doch mal was, oder? Und ich denke, die ist innerlich geplatzt vor Stolz. Und genau in diesem Stolz glaube ich, übertreibt sie es dann auch. Denn wahrscheinlich hat sie gedacht "Jetzt bin ich was Besseres!" Und was passiert dann? Dann wird sie noch mehr geknechtet.

Die gute Nachricht Übersetzung gibt das so wieder: "Sarai ließ daraufhin Haga die niedrigsten Arbeiten verrichten." Ich muss dann immer an diese Filme denken, wo die Leute mit der Zahnbürste im Gefängnis des Klo putzen müssen. Also die hat ihr richtig übel zugesetzt, die Sarai. Könnt ihr euch da reinfühlen? Sie kommt von ganz unten. Auf ihrer Visitenkarte steht 'ägyptische Sklavin'. Und dann hat sie zum Ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, doch noch im Sozialgefüge aufsteigen zu können. Doch stattdessen wird sie am Ende noch übel malträtiert. <POFF!> Alle Hoffnungen zuschanden. Und dann haut sie ab. Mit verletztem Stolz. Hoffnungslos verzweifelt.

Doch dann, als das Chaos kompletter nicht mehr werden kann, greift Gott in seiner freien Gnade ein. Und denkt daran, die Hagar hatte noch nicht mal darum gebeten! Wir lesen von keinem Gebet. Die ist einfach verzweifelt abgehauen. Die wusste nicht mehr ein und aus. Aber der Engel des Herrn - der steht ja im Alten Testament für eine, ich sage jetzt mal 'Epiphanie', also für eine Gotteserscheinung (keiner kann Gott direkt sehen, aber dieser Engel des Herrn steht immer für die Gegenwart Gottes, die in diesem Engel präsent ist) - also Gott weiß, woher die Hagar kommt. Und er weiß auch, wie sie dahin gekommen ist, wo sie jetzt ist. Er weiß, warum sie dort ist. Und vor allem weiß er auch, wer sie ist. Sie ist immer noch Sarai's Magd, auch wenn sie weggelaufen ist.

Aber Gott macht ihr keine Vorwürfe. Er spricht sie an! Und er ruft sie zu Umkehr im wahrsten Sinne des Wortes. Er ruft sie auf zu Demut und Unterordnung. Er ruft sie auf zum Gehorsam. Aber vor allem macht er ihr klar: "Der Herr hat dein Elend erhört!" Gott wusste, wie's der Hagar ging, auch ohne ein Gebet. Und er gibt ihr trotz allen Versagens, trotz all dem, was vorher war, eine riesige Verheißung.

So ist Gott, ihr Lieben! So ist Gott! Er ist wunderbar groß, allwissend, heilig, großzügig und gütig. Und er hat einen Plan. Und er ist allmächtig. Und das möchte ich auch jetzt mal im Einzelnen anschauen.

Er ist allwissend. Er weiß, woher wir kommen. Ich möchte es jetzt mal auf uns übertragen. Er weiß, woher wir kommen. Und er weiß auch, wie wir dahin gekommen sind, wo wir sind. Aber er macht uns keine Vorwürfe. Sondern er spricht uns an. Und er ist heilig. Er weiß, wer wir sind. Dass wir so ganz anders sind als er. Und er ruft uns zur Umkehr. Er ruft uns zur Demut und zur Unterordnung. Er ruft uns in seine Nachfolge. Und er ist großzügig und gütig. Er spricht uns zu: "Ich habe dein Elend längst gesehen!" Und er will uns beschenken. Und weil er genau weiß, was er vorhat und weil er weiß, dass ihn niemand hindern kann, seinen Plan umzusetzen, kann er uns auch etwas verheißen. Das heißt, er kann uns etwas versprechen, was definitiv geschehen wird. Oder wie Psalm 33, Vers 4 es sagt: "Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss."

Wir können uns also absolut sicher sein, dass er dazu von uns keine Schützenhilfe braucht. Denn er ist allmächtig. Hagar meinte, sie wäre mit ihrem Latein am Ende. Sie hatte keine Hoffnung mehr. Aber hat Gott das davon abgehalten, ihr zu helfen? Hat Gott den Eindruck gehabt: "Oh je, da kann ich jetzt auch nichts mehr machen?" Mitnichten. Gott hatte einen Plan mit Hagar, und den hat er ihr mitgeteilt. "Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können." Und wenn man dann weiterliest, was passiert? Genauso ist es auch gekommen.

Wie viel Hilfe braucht also Gott, um seine Pläne umzusetzen? Und auf diese Frage gibt es im Matthäusevangelium eine schöne Antwort. Wo es heißt: "Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: <<Bei den Menschen ist es unmöglich. Aber bei Gott sind alle Dinge möglich.>>" Gott braucht unsere Hilfe nicht. Es gibt noch eine Stelle, die mir in den Sinn gekommen ist, wo es noch etwas majestätischer formuliert wird und das ist in Jeremia 32, 17. Da heißt es "Ach, Herr, Herr, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm. Und es ist vor dir kein Ding unmöglich." 

Ihr Lieben, lasst mich das noch mal klar sagen. Ja! Wir sind, wer wir sind. Aber Gott sei Dank ist Gott auch der, der Er ist. Er ist der große "Ich bin." JHWH. Er ist allwissend. Er ist heilig. Und er ist großzügig. Und gütig. Oder wie Mose es gesagt hatte, nachdem er Gott begegnet war. "Herr. Herr. Gott. Barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue." Mit anderen Worten Wir können den Karren gar nicht so in den Dreck fahren, dass Gott keinen Ausweg mehr wüßte. Und er wird auch mit deiner Not fertig. Und er ist für dich. Er ist ein Gott, der dich sieht.


Gottes Wort für Dein Herz

Zum Schluss möchte ich drei Verse mit euch teilen. Drei Verse, von denen ich hoffe und bete, dass Gott sie gebraucht, um euch Trost und Hoffnung zu geben in aller Anfechtung, die ihr vielleicht jetzt erlebt oder noch durchleben werdet. Drei Verse, die zusammenfassen sollen, was wir heute gehört haben.

Dass es eben nicht menschliche Weisheit und Kraft ist, die uns ans Ziel bringt. Denn Gottes Wort sagt klar: "Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in all deinen Wegen, so wird er dich recht führen."

Und zum Zweiten, dass es unsere Geduld braucht, unser Vertrauen. Unser Warten darauf, dass Gott handelt. Auch dazu gibt es einen Vers, der steht in den Psalmen. Dort heißt es, "Sei Stille dem Herrn und warte auf ihn. Denn der Herr hat das Recht lieb. Und verlässt seine Heiligen nicht."

Vor allem aber möchte ich euch und auch mich daran erinnern, dass unsere Geduld und unser Glaube nicht enttäuscht werden. Denn wir dürfen das wissen, was in der Jahreslosung steht: 

"Du bist ein Gott, der mich sieht."


Sonntag, 6. November 2022

Ohne Gebet ist alles Nichts - 2. Wie funktioniert Gebet? (Matthäus 6,5-13)

[Predigt als MP3]

Guten Morgen, ihr Lieben. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch erinnern könnt. Das ist ja jetzt der zweite Teil einer Serie, die hoffentlich noch ein paar mehr Teile hat.

Was bisher geschah

Und im ersten Teil, da ging es um das Geheimnis vom geistlichen Sieg. Das war die Geschichte von Paulus und Silas im Kerker. Und damals war die Frage Warum ist Gebet so wichtig? Da hatten wir gesehen. Gebet ist deswegen so wichtig, weil es unseren Blick weg lenkt von den Problemen hin auf Gott. Weil Gott eben Situationen komplett verändern kann. Einmal: Paulus und Silas sind aus dem Kerker freigekommen. Ich weiß nicht, ob ihr euch an die Geschichte noch erinnern könnt, wo ich im Urlaub in Frankreich war, mit einem Motorrad, keine Bremse lieferbar war und ich dann trotzdem noch eine bekommen habe. Gebet ist also der Schlüssel zum geistlichen Sieg in unserem Leben. Und ich denke, Gebet ist auch der Schlüssel dazu, dass unsere Gemeindevision Wirklichkeit wird. "Gott begegnen, bewegt werden, Leben teilen."

Und damals hatten wir auch die erste Staffel von den Gebetskarten ausgegeben; die stehen hier vorne. Wenn ihr noch keine habt, dürft ihr euch gerne eine nehmen oder wenn euch eure bisherige gerade langweilig geworden ist, könnt ihr euch auch gerne eine neue holen. So. So viel einmal zu dem, was bisher geschah.

Was ist heute dran? In der heutigen Predigt wird es um die Frage gehen "Wie funktioniert Gebet?" Also nicht warum, sondern wie eigentlich? Und als Text habe ich uns Matthäus 6, Verse 5 bis 13 mitgebracht, der in der Lutherübersetzung überschrieben ist mit "Vom Beten".

Und ich denke, die Quintessenz, das nehme ich jetzt schon mal vorweg, die wird sein, Gott zentriert und begegnungsorientiert zu beten. Untertitel: Gebet ist keine Zauberei. Es ist auch kein leistungsorientierter Kuhhandel. Es ist kein bittstellerisches Betteln, sondern im Gebet geht es vorrangig um die Begegnung mit Gott, und zwar mit Gott, unserm Vater. Der sich um uns kümmert, weil wir seine Kinder sind. Und ich denke und hoffe, diese Erkenntnis wird uns herausführen aus irgendwelchen unnötigen Ängsten hinein ins Danken. Gebet ist, Gott zu begegnen als dem Allwissenden. Dem, der längst weiß, was wir brauchen. Und ich hoffe, das führt uns heraus aus Erklärungen hinein in die Gemeinschaft. Und last but not least Begegnung mit Gott als dem Allmächtigen, dessen Möglichkeiten da anfangen, wo unsere längst enden. Und auch das führt heraus aus der Enge, der Begrenzung unserer eigenen Sicht hinein in Gottes Weite. Kurz und gut: Es geht um das Gebet als Begegnung mit Gott, der nicht unsere Leistung sucht, sondern sich Gemeinschaft mit uns wünscht. Gebet, das uns herausführt aus dem Krampf der Werke hinein in die Freiheit der Gnade. 

So! Beim Text habe ich ein bisschen geschummelt, das muss ich zugeben, weil die Verse 5 bis 8, die habe ich mir aus der guten Nachricht geborgt. Und das Vaterunser habe ich mir dann aber in der gegenwärtigen ökumenischen Fassung geborgt von der Arbeitsgemeinschaft für Liturgische Texte, die das 1968 so zusammengestellt hat; weil das höchstwahrscheinlich die die Version ist, die ihr kennt. Die ist in der Guten Nachricht ein bisschen anders wiedergegeben. Also es ist zusammengezimmert. 


Unser heutiger Text

Ich möchte nun den Text mit uns lesen. Jesus sagt das übrigens auf die Frage hin "Herr, lehre uns beten!". Also auf die Frage hin "Wie funktioniert Gebet?" Und das ist Jesu Antwort auf die Frage "Wie können wir beten?" 

Und er sagt „Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen. Sie beten gern öffentlich in den Synagogen und an den Straßenecken, damit sie von allen gesehen werden. Ich versichere euch, sie haben ihren Lohn bereits bekommen. Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer, schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen. Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebets Worte herunter wie die Heiden. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen. Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiß, was Ihr braucht, bevor Ihr ihn bittet. So sollt ihr beten. Vaterunser im Himmel, Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld. Wie auch? Wir vergeben unseren Schuldigen. Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“.

 

Gott ist schon motiviert!

Ich fange mal mit den ersten beiden Versen an, da steht im Vers 5 „Wenn ihr betet, dann tut es nicht wie die Scheinheiligen. Sie beten gern öffentlich, damit sie von allen gesehen werden.“ 

Wir sollen beim Beten also nicht versuchen, Menschen zu beeindrucken. Weil wir dann nämlich im Herzen mehr bei den Menschen sind als bei Gott. Und ich weiß nicht, ob ihr das schon mal erlebt hat. Der eine oder andere von uns wird ja auch schon wohl in Gesellschaft gebetet haben. Ich habe das Gott sei Dank schon lange nicht mehr erlebt. Aber ich habe es schon erlebt, dass es Leute gibt, die - weiß ich nicht - einen Monolog halten, die mit ausgewählten und gut geschmückten Worten wirklich beeindrucken wollen, aber bei denen man den Eindruck hat, mit ihrem Herzen sind sie eigentlich gar nicht bei der Sache. Ich habe mich angesichts dieses Verses gefragt "Was würdest du von einem Ehemann halten, der seiner Frau nur in der Öffentlichkeit, das heißt vor allen Leuten, Komplimente macht und sie zu Hause einfach links liegen lässt?" Oder "Was würdest du von einer Ehefrau halten, die ihrem Mann, wenn alle zugucken, Achtung erweist und ihm zu Hause auf der Nase herumtanzt?" Das ist das, was Jesus mit scheinheilig meint. Und ich glaube, Gott empfindet uns gegenüber genauso. Ich glaube, dass Gott sehr gut merkt, wo wir mit unserem Herzen sind, wenn wir beten. Ob wir versuchen, die Menschen um uns herum zu beeindrucken mit unseren tollen Gebeten oder ob wir wirklich mit dem Herzen bei ihm sind. Ich denke, Gott will nicht, dass wir öffentlich eine Show abziehen. Er will, dass wir ihn lieben. Er will, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben. 

Und das geht am besten in der Stille. Im vertrauten Raum unserer vier Wände. Und genau darum sagt Jesus, Wenn du beten willst, dann geh in dein Zimmer. Schließ die Tür zu. Und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Gott sehnt sich danach, mit uns allein zu sein. So wie gute Freunde bei einem wirklich persönlichen, tiefen Gespräch. Und ich glaube, dass Jesus das sagt, weil Gott in der Stille zu finden ist und nicht im Lärm. Und darum will Gott, dass wir uns zum Beten zurückziehen, eben in dieses Verborgene, in die Abgeschiedenheit unseres stillen Kämmerleins. Denn Gebet heißt mit Gott Gemeinschaft haben. Nicht nur mit ihm reden, sondern mit dem ganzen Herzen bei ihm sein. Darauf kommt es an. 


Und dann steht da: „Dein Vater, der auch in das Verborgene sieht, wird dich dafür belohnen.“ 

Gott will also unsere Gebete belohnen. Und das finde ich sooo wichtig. Ich finde es deswegen so wichtig, weil ich kenne das von mir: Ich weiß nicht, ob es euch auch schon mal so gegangen ist. Ich habe ganz oft gemeint, ich müsste Gott motivieren, meine Gebete anzuhören. Ja, und ich habe ganz oft den Eindruck gehabt, dass ich gar nicht feste genug gebettelt habe, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ganz oft das Gefühl gehabt, ich müsste mir das, was ich mir wünsche durch harte Gebetsarbeit verdienen. Aber so ist Gott gar nicht. Gott ist gut. Gott ist längst motiviert, bevor ich noch den Mund aufmache. Und da steht es: Gott will uns belohnen. Und darum, weil er so ist, lädt er uns ein. 

Das habe ich mir jetzt aus Matthäus 7, Vers 7+11 gemopst. Er lädt uns ein, „Bittet und ihr werdet bekommen. Sucht und ihr werdet finden. Klopft an! Es wird euch geöffnet.“ Und für die, die das immer noch nicht fassen können, sagt er dann „So schlecht ihr auch seid, wisst ihr doch, was euren Kindern guttut und gebt es ihm. Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten?“ 

Das heißt, dass Gott unsere Gebete nicht nur hören, sondern erhören will, wenn sie in seinem Sinne gebetet sind. Das ist so klar verbunden mit seinem Wesen und damit, dass er wirklich gut ist. Das eigentlich... - man müsste diesen Vers 11 eigentlich mit Kopfschütteln lesen: „Wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn darum bitten?“ Das ist doch klar. Gott ist gut! Wenn wir schon, die wir schlecht sind, unseren Kindern Gutes geben können, wie viel mehr wird Gott denen Gutes geben, die ihn darum bitten? Das heißt, wenn wir zu Gott im Gebet kommen, dann müssen wir ihn gar nicht erst davon überzeugen, unsere Gebete erhören zu wollen. Wir müssen ihn nicht erst motivieren, bevor er willig wird, uns etwas zu geben. Gott ist Liebe. Das ist übrigens einer der kürzesten Verse in der Bibel. 1. Johannes 4,16. „Gott ist Liebe.“ Und er will uns immer schon beschenken. Und zwar zuallererst mit sich selbst. Doch um ihm wirklich zu begegnen, braucht es Stille. Und wenn wir ihm in der Stille begegnen, wird er uns belohnen.

 

Gott weiß längst alles!

Gott ist also schon motiviert. Das ist doch schon mal was. Trotzdem kann es doch bestimmt nicht schaden, wenn wir ihm erst noch mal erklären, was passiert ist, oder? Wie wir uns fühlen. Und am besten auch noch kluge Ratschläge geben, wie er genau jetzt unser Problem lösen könnte. Ich denke, dass Gott weiß, dass wir so ticken. Und weil er das weiß, steht in den nächsten beiden Versen folgendes: 


„Wenn ihr betet, dann leiert nicht Gebets Worte herunter wie die Heiden. Sie meinen, sie könnten bei Gott etwas erreichen, wenn sie viele Worte machen.“ 

Und für mich bedeutet es Wir müssen Gott nicht beeindrucken mit irgendwelchen toll auswendig gelernten Gebetsformeln oder mit kunstvoll formulierten Gebeten. Wir müssen bei Gott nichts leisten und auch keinen Eindruck schinden. Und schon gar nicht sollten wir unsere Gebete herunterleiern, wenn es doch darum geht, mit unserem Herzen bei ihm zu sein. Gott ist so viel wichtiger, dass wir ihm im Gebet begegnen. Aber noch wichtiger finde ich, was dann als nächstes kommt. 


Dort heißt es „Ihr sollt es anders halten. Euer Vater weiß, was Ihr braucht, bevor Ihr ihn bittet.“ 

Ich finde das so unaussprechlich tröstlich. „Euer Vater weiß, was Ihr braucht, bevor Ihr ihn bittet.“ Ich muss ihm gar nichts erklären. Gar nichts. Er weiß längst alles. Er weiß, was passiert ist. Er weiß, wie's mir geht. Er weiß, was das Problem ist. Und er weiß ganz sicher auch, wie man es löst. 

Wenn ich also zu Gott komme im Gebet, dann begegne ich keinem Fremden. Jemandem, dem ich erst alles erklären muss. Ich begegne ihm, meinem Vater, als dem allmächtigen und allwissenden Gott, der mich liebt. Im Gebet begegne ich Christus, der mich durch und durch kennt. Er hat mich gemacht! Ich begegne Ihm, der mich so sehr liebt, dass er für mich am Kreuz gestorben ist. Wenn ich bete, dann begegne ich dem, von dem es im Psalm 139 heißt. „Herr, Du durchschaust mich. Du kennst mich bis auf den Grund. Ob ich sitze oder stehe. Du weißt es. Du kennst meine Pläne von ferne. Ob ich tätig bin oder ausruhe. Du siehst mich. Jeder Schritt, den ich mache, ist dir bekannt. Und noch ehe ein Wort auf meine Zunge kommt, hast du, Herr, es längst gehört. Von allen Seiten umgibst du mich. Ich bin ganz in deiner Hand. Dass du mich so durch und durch kennst. Das übersteigt meinen Verstand. Es ist mir zu hoch. Ich kann es nicht fassen.“ Ihr Lieben, Wenn ich also zu Gott komme? Dann komme ich zu einem Vertrauten. Wie zu einem besten Freund; dem ich nicht erst erklären muss, was passiert ist; dem ich schon gar nicht erklären muss, wie er das Problem löst. Weil er längst alles weiß. Ich muss ihm nicht mal erklären, wie ich mich fühle, weil er auch das weiß. Und er hört mir gerne zu. Er freut sich, wenn ich ihm mein Herz ausschütte. Und er freut sich noch mehr, glaube ich, wenn ich anfange zu begreifen, dass er längst alles weiß: weiß, was kaputt ist; weiß, wie man's repariert; weiß, was ich brauche. Und zwar genauer als ich selbst. 


Gott kann absolut alles!

Ich möchte zum Dritten und letzten Punkt kommen, den ich überschrieben habe mit "Gott kann absolut alles". Ihr werdet gemerkt haben, dass ich die Bitten aus dem Vaterunser weggelassen habe, also die Verse 9 bis 13. Die können wir uns gern ein andermal anschauen, vielleicht sogar im Zusammenhang mit der Fortsetzung dieser Predigtreihe, weil in der ersten ist es ums "Warum?" Gegangen. Heute geht es ums "Wie?". Und in den folgenden soll es ums "Was?" gehen, und zwar um den Inhalt der einzelnen Gebetskärtchen. 

Heute möchte ich mit euch vielmehr nur den letzten Aspekt aus dem Vaterunser anschauen. Und noch mal: Das Vaterunser ist ja Jesu Antwort auf die Frage "Herr, erkläre uns, wie wir beten können!" Also genau unser Predigtthema "Wie funktioniert Gebet?" Wir hatten schon gesehen, dass wir Gott nicht motivieren müssen. Wir hatten auch gesehen, dass wir Gott nichts erklären müssen. Und jetzt kommt noch so ein toller Punkt und der ist versteckt. Vielleicht nicht ganz, aber ein bisschen versteckt. 


Im Vers 13. Dort heißt es „Denn dein ist das Reich und die Kraft. Und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“ 

Was in diesem Vers versteckt ist, ist Gottes Allmacht. Zumindest ein Hinweis darauf. Es heißt dein ist die Kraft. Aber was ist das für eine Kraft? In Jeremia 32,17 heißt es. „Ach, Herr, du mächtiger Gott! Durch deine gewaltige Kraft und Macht hast du Himmel und Erde geschaffen. Nichts ist dir unmöglich.“ 

Gott ist also so allmächtig, dass er ein ganzes Universum erschaffen konnte. Ich habe mir dazu notiert: "Das ist schon ein großer Brocken." Ich weiß nicht: Ich schaue gern Wissenschaftssendungen an und ich habe das wahrscheinlich auch schon mal gesagt. Falls ja, dann nehmt es mir bitte nicht krumm, aber das hat mich so von den Socken gehauen. Da hat sich jemand mal die Mühe gemacht, all die astronomischen Daten und Bilder zusammenzutragen, die es bis heute gibt über das bekannte Universum. Mit übrigens einer Ausdehnung von über 90 Milliarden Lichtjahren, obwohl es erst 13,8 Milliarden Jahre alt ist. 

Und er hat dieses Video gedreht – in sogenannten Zehnerpotenzen. Das ganze Ding fängt an mit einem Pärchen, das im Hyde Park liegt und Händchen hält. Und die Auflösung ist 1 Meter. Man sieht die Leute also noch gar nicht ganz. Man sieht die – sozusagen nur den Rumpf – wie sie Händchen halten und dann geht oben der Zähler los: 100 Meter. Das ist 1 Meter. Und dann geht der Zähler hoch. Um eins: 101 Meter. Das sind 10 Meter. Schwupps! Die beiden sind auf einmal nur noch ‚so‘ groß: alles ist zehnmal so klein! Man sieht jetzt zehnmal mehr. Und der Zähler läuft weiter. Und im Null Komma nichts verschwindet der Hyde Park. Man sieht auf einmal Nordamerika und dann verschwindet die Erde und dann dauert es ein bisschen. Dann fliegt der Mond vorbei und der Zähler geht ganz langsam weiter. 

104, 105, 106. Das Sonnensystem verschwindet. Alle möglichen Nachbarn schwimmen vorbei und irgendwann sieht man unsere Milchstraße und dann friert es einen schon und es wird noch kleiner und irgendwann fliegt unsere Milchstraße vorbei. Die Nachbargalaxien, die Magellanschen Wolken, die Andromeda Galaxie und dann friert es dich noch mehr. Dann denkst Du: "Das jetzt reicht! Das ist das Universum, oder?" Und dann wird es noch kleiner, noch kleiner und dann fängt es an: Dann fliegen Galaxien über Galaxien vorbei. Immer mehr, dass du denkst, dir haut's den Vogel raus und es wird immer kleiner. Dann denkst du: "Aber das ist es jetzt?" Nee, das ist nur eine Region des Himmels. Und dann wird es noch kleiner, bis es wie ein Punkt wird. Und dann fliegen solche Regionen ins Bild rein. Ich könnte noch weitererzählen. Das geht noch zwei Stufen weiter, bis du irgendwann dastehst und sagst "Das gibt's ja gar nicht!" 

So! Und das hat Gott geschaffen. Wie gesagt: "Ein großer Brocken." Und manchmal geht es uns so, dass wir sagen: Ja, aber diese Allmacht, das ist mir zu allmächtig, da habe ich kein Kleingeld, das kann ich nicht rausgeben, das kann ich auch nicht mehr begreifen. Und deswegen habe ich uns noch ein schönes, alltagstaugliches Beispiel mitgebracht für seine Allmacht. Und das ist Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer. Von der heißt es im Lukasevangelium: 

„Auch Elisabeth...“ - also das ist zur Maria gesprochen, der Mutter Jesu - „Auch Elisabeth, deine Verwandte, bekommt einen Sohn, trotz ihres Alters. Sie ist bereits im sechsten Monat und es hieß doch von ihr, sie könne keine Kinder bekommen.“ 

Gott ist nichts unmöglich. Und das ist ins Alltagsleben hineingesprochen. Und ich denke, gerade im Alltag geht es uns auch immer wieder so, dass wir vor Situationen stehen, wo wir sagen "Das geht nicht, das kann man jetzt nicht mehr lösen." Ich höre Gott sagen "So, so! Das kann man also nicht lösen." Wir können es nicht lösen. Das mag wahr sein, aber das heißt noch lange nicht, dass Gott es nicht kann. Denn er ist Gott. Der Gott, der wirklich alles kann. 

Jesus Christus, unser Heiland, ist dieser allmächtige Gott, der Mensch geworden ist. Und das hat er sein Leben lang bewiesen. Als Johannes, damals von Zweifeln geplagt, im Gefängnis saß, ließ Jesus ihm folgendes ausrichten. „Blinde sehen. Gelähmte gehen. Aussätzige werden gesund. Taube hören. Tote stehen auf. Und Armen wird die gute Nachricht verkündigt.“ Und das Gleiche lässt Jesus auch heute dir ausrichten: Nichts ist ihm zu schwer; nichts ist ihm unmöglich. Und das wird für alle Ewigkeit so bleiben. Oder um es mit einem alten Kirchenlied zu sagen „Befiehl du deine Wege und was dein Herz gekränkt, der aller treuesten Pflege des, der die Himmel lenkt. Ihn, ihn lass tun und walten, Er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst. Wird's aber sich befinden, dass du ihm treu verbleibst, so wird er dich entbinden, wenn du's am mindesten gläubst. Er wird dein Herze lösen von der so schweren Last, die du zu keinem Bösen bisher getragen hast.“ 

Dir mag es vielleicht unmöglich erscheinen, dass Gott dein Problem jemals löst. Für Gott ist es das nicht. Darum bitte ich dich heute mit Psalm 37,7: „Werde ruhig vor dem Herrn. Und warte gelassen auf sein Tun.“.

 

Ein Ausblick mit Hoffnung

Ihr Lieben, wenn das wirklich stimmt. Dass Gott längst motiviert ist, dir zu helfen. Und wenn du Gott gar nichts erklären musst, weil er längst alles weiß: Weil er weiß, was du erlebt hast. Weil er weiß, was du denkst. Weil er weiß, was du fühlst. Und wenn es wirklich stimmt, dass ihm kein Ding unmöglich ist, dann bedeutet das, dass du vielleicht auf eine ganz neue Art und Weise beten kannst. Nämlich in dem Bewusstsein, dass es in deinem Gebet vielmehr um die Begegnung mit Gott geht. Der schon seit Grundlegung der Welt nur das Beste für dich im Sinn hat. Und dass du ihm dein Herz ausschütten darfst in dem Wissen, dass er dich wie niemand anderes versteht. Und dass du, ohne zu viel zu wagen, ihn auch um Dinge bitten darfst, die unmöglich scheinen. Weil du sie ihm zutrauen darfst. 

Ich denke, Gott wünscht sich das, dass wir das begreifen. Dass es in unseren Gebeten nicht um unsere Leistung geht. Nicht darum, ihn von irgendetwas zu überzeugen. Sondern darum, mit ihm Gemeinschaft zu haben. Mit ihm, der uns mehr liebt als sein Leben. Mit ihm, der uns versteht wie kein anderer. Mit ihm, der uns seit Grundlegung der Welt beschenken will. Mit ihm, dem kein Ding unmöglich ist. 

Und diese Erfahrung wünsche ich uns allen. 

Amen!

 

 

Dienstag, 23. April 2019

Mein Gott, warum?!

„Mein Gott, warum?!“ (Jona, Kapitel 4)



Einleitung


Als ich noch ganz klein war – ich denke, ich darf die Geschichte erzählen, sie wurde schon oft erzählt – hatte mein kleiner Bruder öfters mal ziemliche Tobsuchtsanfälle. Er hat dann gebrüllt, was das Zeug hält und ist puterrot im Gesicht geworden. Ich weiß nicht sicher warum. Aber wahrscheinlich, weil er nicht gekriegt hat, was er wollte. Einmal war es dann ganz schlimm: er hat so gebrüllt, dass er nicht nur puterrot geworden ist, sondern so, dass er sprichwörtlich keine Luft mehr gekriegt hat. Meine Mutter war in Panik: sie hatte Angst: „Das Kind erstickt!“

Zum Glück war an diesem Tag meine „Trierer Oma“ da. Die Trierer Oma war eine schwarz gekleidete, ernste und sehr strenge Oma. Sie hatte schon ein gutes Herz. Aber sie war eben streng. Sehr streng. Wir hatten alle großen Respekt vor ihr. Die „Trierer Oma“ sagte dann – völlig ruhig und souverän – zu meiner Mutter so was Ähnliches, wie: „Nun beruhige Dich mal! Das ist doch nicht schlimm. Das macht man so!!“ Und dann packte sie meinen kleinen Bruder am Hosenboden, schleppte ihn ins Badezimmer, stellte ihn – immer noch nach Luft schnappend – in die Badewanne und drehte das kalte Wasser auf! Der Rest ist Geschichte: Mein Bruder tat, bibbernd vor Kälte, einen Riesen-Schnaufer - und alles war wieder in Ordnung. Ich bin nicht sicher, aber ich glaube später hat mein Bruder nie wieder so gebrüllt...


Übersicht


Was diese Geschichte mit unserem heutigen Predigt-Text zu tun hat und mit uns und unserem Wesen – mit unserem Kernproblem – und was sie zu tun hat mit und Gottes Wesen und Werk – das werden wir im Folgenden sehen: Wir werden sehen, dass Gott zu begegnen sehr anders sein kann – sehr überraschend.

Struktur
 - Unser Text
 - Unser Text im Kontext
 - Das Problem
 - Die Wahrheit - Die Lösung

 - Am Schluss: Eine Frage an Dein Herz


Unser Text (Jona 4)

Das aber verdross Jona sehr, und er ward zornig und betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, das ist's ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war. Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben. Aber der HERR sprach: Meinst du, dass du mit Recht zürnst? Und Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte; darunter setzte er sich in den Schatten, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde. Gott der HERR aber ließ einen Rizinus wachsen; der wuchs über Jona, dass er Schatten gab seinem Haupt und ihn errettete von seinem Übel. Und Jona freute sich sehr über den Rizinus. Aber am Morgen, als die Morgenröte anbrach, ließ Gott einen Wurm kommen; der stach den Rizinus, dass er verdorrte. Als aber die Sonne aufgegangen war, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen, und die Sonne stach Jona auf den Kopf, dass er matt wurde. Da wünschte er sich den Tod und sprach: Ich möchte lieber tot sein als leben. Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst um des Rizinus willen? Und er sprach: Mit Recht zürne ich bis an den Tod. Und der HERR sprach: Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb, und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?


Unser Text im Kontext


Vers 11 „Ninive, eine große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind.“

Mal kurz für die Neutestamentler unter uns – eine kurze Übersicht über die vorangehende Geschichte: 
  • Jona 1: Jona kriegt von Gott den Auftrag, der Stadt Nivie eine Gerichtspredigt zu verpassen. Jona haut ab und versucht mit einem Schiff ans Ende der Welt zu segeln. Gott ließ einen Orkan aufziehen und letztendlich schmissen die Seeleute den guten Jona über Bord.
  • Jona 2: Ein großer Fisch verschluckt Jona für 3 Tage und Jona kriegt Panik. Er erlebt im Fisch eine Art Bekehrung und ist jetzt willens, nach Ninive zu gehen.
  • Jona 3: Jona geht, wie von Gott gewünscht, nach Ninive und hält seine Gerichtspredigt. Und siehe da: die Niniveïten kehren um zu Gott – und Gott bestrafte sie nicht.
  • Und jetzt kommt unser Kapitel: Jona 4.



Unverständnis

Und Jona ist STOCKSAUER! Aber sowas von! Ich habe ehrlich gesagt – bis zu dieser Predigt – nie verstanden, warum der Jona sich so aufgeregt hat. Warum er abgehauen ist. Und vor allem, warum er so eine komische Antwort gibt: „Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen.“

Er haut ab, weil Gott gnädig ist? Ich hätte verstanden, wenn er gesagt hätte. „Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; weil ich keinen Bock hatte, denn ich wusste, dass du ein harter Richter bist und zornig und von großer Macht und kannst die Sünde nicht ausstehen. Und ich hatte einfach keine Lust so eine schreckliche Strafpredigt zu halten.“ (Vers 2)

Auch habe ich nie verstanden, warum es im Text heißt: „Und Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte; darunter setzte er sich in den Schatten, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde.“ (Vers 5)


Ein Licht aufgegangen

Erst bei der Vorbereitung der Predigt ist mir dann ein Licht aufgegangen: Ich hatte echt schon einige Kommentare durchgelesen – aber immer noch nicht rausgefunden, warum Jona sich so aufregt. Und dann kam ein Hinweis von Ron – einem meiner besten Freunde – und danach: 

„Wer suchet der Findet!“ „Zack!“ www.bibelkommentare.de – Ninive war die Stand der Assyrer. Der damaligen Erzfeinde der Israeliten. Die Stadt aus der der König Sanherib kam, der das Volk Israel aufs bitterste verspottete. Ein Typ voller Hochmut und Spott. Der Prophet Nahum sagte über Ninive: „Weh der mörderischen Stadt, die voll Lügen und Räuberei ist und von ihrem Rauben nicht lassen will!“ (Nah 3,1). Eine Stadt voller Lügner, Räuber und Mörder. Eine Stadt voller Feinde. 

Und Jona, das lesen wir ja, ist überzeugt von Gottes Gnade! ER weiß, dass Gott „gnädig“ ist „barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt“ sich „des Übels gereuen“. Alles klar? Jona will nicht, dass die Stadt sich bekehrt! Er will, dass Gott ihnen anständig eine verpasst! Jona will Rache!


Das Problem


V3 „So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; ich möchte lieber tot sein als leben.“

Jona ist sauer

Jona war also stinksauer, dass Gott den Niniveïten keine verpasst hatte. Darum heißt es im Text: „Und Jona ging zur Stadt hinaus und ließ sich östlich der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte; darunter setzte er sich in den Schatten, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde.“  ----  Irgendwie hatte er wohl immer noch die Hoffnung, dass Gott es sich anders überlegt und die Niniveïten doch noch für ihre Greueltaten bestraft. ---- Und mal ehrlich: irgendwie konnte ich Jona da verstehen.


Emotionen

So schaut die Welt aus, wenn man vom Baum der Erkenntnis gegessen hat. Wenn man selber definieren kann, was Gut und Böse ist:  Wir sind im Recht. Und Gott ist im Unrecht! Da gibt es nichts zu rütteln. Nichts zu diskutieren!

Und diese innere Spannung macht etwas mit unseren Emotionen: Jona ist am Ende. Was er erlebt ist eine Achterbahn der Gefühle: Erst heißt es „Das aber verdross Jona sehr, und er ward zornig“ – und dann wieder „Und Jona freute sich sehr“ – und dann wieder „dass er matt wurde“. Rauf und runter. Das hält kein Mensch aus.

Und bitte glaubt mir: Ich nehme das sehr ernst, was hier im Text steht:  Jona hat Depressionen und Todessehnsucht. Und das sagt er auch: „So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben.“  (gewöhnlich ein nicht zu ignorierendes Signal für einen Selbstmörder – je konkreter, desto schlimmer!)

Eigenes Zeugnis!! Depression / Schlaflosigkeit / Angstzustände / Panikattacken / Todessehnsucht (kann sich keiner vorstellen, der es nicht erlebt hat!) Aufruf: wenn Du im Finstern steckst: gib nicht auf – und wenn es Jahrzehnte dauert! „Siehe, wir preisen selig, die erduldet haben. Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer.“ (Jak 5,11)


Unsere subjektive Sicht auf die Zumutungen Gottes

So, wie wir die Dinge sehen, sind wir im Recht – und Gott ist im Unrecht. Auch Hiob formuliert das so: „So merkt doch endlich, dass Gott mir Unrecht getan hat ...“ (Hi 19,6). Ja, er setzt noch einen drauf und sagt: Hi 23,3-7 3 „Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seiner Stätte kommen könnte! So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde. Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich. Dort würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter! „Er selbst würde achthaben!“ Merkt ihr was? Der Allmächtige sitzt auf der Anklagebank und wird ganz kleinlaut, als der gerechte Hiob ihn zurechtweist. So stellen wir uns das vor!


Der Baum der Erkenntnis

Und Hiob ist nicht allein! Auch Jona hat vom Baum der Erkenntnis gegessen: Auch Er glaubt, dass der selbst die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte: Er allein weiß, was Gut und Böse ist – Er allein hat die richtige Definition!  Wir erinnern uns an die Verführung der Schlange im Paradies: „Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ (1Mo 3,5) ---- Und da ist es natürlich klar, wie die Antwort auf Gottes Frage ausfallen muss: „Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, dass du mit Recht zürnst um des Rizinus willen? Und er sprach: Mit Recht zürne ich bis an den Tod.“ (2x) ---- So sind wir! Wir fühlen uns Gott gegenüber im Recht – und sind absolut sicher, wir wüssten, wo‘s lang geht – wenn Gott nur unseren Rat annehmen wollte!


Martin Luther

Martin Luther hat zu unserer Überzeugung, Gott in Seiner Regierung des Universums beraten zu können, folgendes zu sagen: „Lasset uns die Ordnung, die Gott in Regierung seiner Heiligen pflegt zu halten, lernen. Ich habe mich auch Öfters unterstanden, unserm Herrn Gott gewisse Weise vorzuschreiben, deren er sich bedienen sollte in Regierung entweder seiner Kirche oder anderer Dinge. Ach Herr, ich wollte gern, daß dies nach der Ordnung möchte geschehen und daß es einen solchen Ausgang möchte gewinnen. Aber Gott tat dem, das ich gebeten hatte, gerade zuwider. Da gedachte ich zum selben Mal: Nun, es ist ja gleichwohl mein Rat nicht wider Gottes Ehre, sondern wird sehr nütz sein, daß dadurch der Name Gottes geheiligt, sein Reich gesammelt und gemehrt werde usw.‚ in Summa: es ist ja ein schöner Rat und wohl bedacht; aber Gott hat ohne Zweifel solcher Weisheit gelacht und gesagt: Wohlan, ich weiß wohl, daß du ein verständiger, gelehrter Mann bist; aber ich habe den Brauch nie gehabt, daß mich Petrus oder Doktor Martinus oder wer es auch sein möchte, unterrichten, regieren oder führen müsse. Ich bin nicht ein solcher Gott, der sich will lehren oder regieren lassen, sondern der da pflegt andere zu führen, zu regieren und zu lehren.“


Die Wahrheit


Vers 10 „Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb.“


Die Dinge, die uns bewegen

Ich weiß nicht, welche Dinge Euch bewegen. Wo ihr an Gott scheitert. Wo ihr im Clinch mit Ihm liegt. Ihr wisst es. Und Gott weiß es. 
  • Vielleicht ist es eine chronische Krankheit
  • Vielleicht ist es ein negativer Bescheid
  • Vielleicht ist es ein verstockter Ehepartner
  • Vielleicht ist es ein unerfüllter Herzenswunsch
  • Vielleicht ist es der Verlust eines geliebten Menschen
  • Vielleicht ist es eine langanhaltende geistliche Dunkelheit 
  • Vielleicht ist es das unerträgliche, herzzerreißende Schweigen Gottes
Ich weiß es nicht. Gott weiß es! 

Die Wahrheit – über unser Wesen und Gottes Wesen – über unser Handeln und Gottes Handeln ist eine doppelte: Wir sind trotzig und verzagt – wir rebellieren und fürchten uns. Und Gott ist souverän und gut – Er ist HERR und Heiland – ER ist gnädig und vergibt. (2x)


Unser Trotz und unsere Angst

Wir sind trotzig und verbohrt. Und wir sind im Unrecht! In Vers 10 sagt Gott zu Jona: „Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gemüht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb“: Wir maßen uns ein Recht an auf Dinge, auf die wir kein Anrecht haben; Dinge die uns geschenkt wurden.

Ich bete, wir könnten begreifen: Es ist alles Gnade! – Es ist alles ist Geschenk: unser Leben, unser Glück, unsere Gesundheit, unsere Lieben, ja selbst unsere Körper – sie gehören uns nicht! „Oder wisst ihr nicht, dass [...] ihr nicht euch selbst gehört?“ (1Kor 6,19). Und doch ist es so, wie Gott schon zu Jeremia sagte: „Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?“ (Jer 17,9). Wir sind wie kleine Kinder: dickköpfig bis der Arzt kommt – und haben Angst im Dunkeln.


Gottes Souveränität 

Gott aber ist Souverän. Ihm zu begegnen kann ganz anders sein, als wir es uns vorgestellt haben. GANZ ANDERS: Sein Wille ist unverrückbar und Sein Plan ist unumstößlich. ER allein ist allmächtig. Und Gottes Allmacht und Souveränität alleine und für sich genommen können einen zur Verzweiflung treiben. An Gottes Willen können wir (wenn wir es falsch anstellen) scheitern und zerschellen. Hiob hat das so gesagt: „Doch er hat's beschlossen, wer will ihm wehren? Und er macht's, wie er will. Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch mehr derart im Sinn. Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht, und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. Gott ist's, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der mich erschreckt hat; denn nicht der Finsternis wegen muss ich schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt.“ (Hi 23,13-17)


Gottes Gutheit: Gerechtigkeit und Güte

Doch Gott ist nicht alleine allmächtig. ER ist herrlich! Wisst ihr, was das heißt „herrlich“? Es heißt: Wunderbar. Schön. Prächtig. Und wisst ihr warum? Weil ER GUT ist. Zutiefst gut. Zuallertiefst. ER selbst ist der Ursprung alles Guten. Ja, ER selbst ist die Definition und das Vorbild von allem, was wir „gut“ nennen. ER ist absolut gut. Und Er ist absolut gerecht! 

Gegen Ende seiner Leidensgeschichte hört Hiob aus dem Munde von Elihu diese Worte – und die möchte ich heute in Dein Herz sprechen – ich bitte Dich: „Hör gut zu!“: „Ohne Zweifel, Gott tut niemals Unrecht, und der Allmächtige beugt das Recht nicht.“ (2x) (Hi 34,12). Vielmehr ist dies wahr: „Du aber, Herr, Gott, bist barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue.“ (2x) (Ps 86,15)


Die Lösung


Vers 2 „ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen."

Die Lösung liegt nicht darin, dass Gott von seinem Irrtum umkehrt – die Lösung liegt darin, dass wir umkehren. Gott ist unveränderlich gut – Er kennt Dich – und er hat Dich lieb!


Gottes unveränderliche Güte

Gott ist unveränderlich gut. Er kann gar nicht sündigen. ER ist die Liebe! ER ist das Licht unseres Lebens! Von IHM allein heißt es zu Recht: “Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel von Licht und Finsternis.“ (Jak 1,17). 

Auch Hiob hat das am Ende erkannt.  Erst war es noch Elihu, der ihm zurufen musste:  “Siehe, Gott ist mächtig und verwirft niemand; er ist mächtig an Kraft des Herzens.“ (Hi 36,5). Dann aber – nachdem ER dem Allmächtigen begegnet ist – kann Hiob es selber sagen: „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.“ (Hi 42,5)


Gott kennt Dich 

Gott kennt Dich ganz genau. Er „versteht Deine Gedanken von ferne“ (Ps 139,2). „Er weiß, was für ein Gebilde Du bist; er gedenkt daran, dass Du Staub bist.“ (Ps 103,14) Er kennt Deinen Trotz und Deine Dickköpfigkeit – Deine Sturheit und Deinen Eigensinn.  Er weiß um Deine Angst – Deine Traurigkeit – Deine Depression und Deine Dunkelheit


Gott hat Dich lieb

Und trotzdem ist es so: ER LIEBT DICH!! „Er selbst, der Vater, hat euch lieb“ schreibt Johannes (Joh 16,27). Mag sein, Du kannst es nicht fühlen – ich kann es auch oft nicht fühlen – aber es ist WAHR: GOTT SELBST „war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete uns unsere Sünden nicht zu“ (2Kor 5,19)


Und wir haben ein Vorbild – das größte, dass es gibt: JESUS. 

Schau auf Christus, der Dir auf diesem Weg der Demut vorangegangen ist. Von Ihm heißt es: „Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!“ (Mt 26,39)


Du kannst ihm vertrauen – zu 100%

Und weil Gott gut ist – absolut – ohne Abstriche – unveränderlich gut! – kannst Du ihm zu 100% vertrauen. ER kennt Deinen Schmerz – und ER sagt Dir durch Petrus zu „Alle Deine Sorge werfe auf mich; ich sorge für Dich!“ (1Petr 5,7)


Wir können umkehren – anstatt an Gott zu zerschellen

Und Du kannst – weil Du IHM vertrauen kannst – umkehren: von Deiner Rebellion, von Deiner Dickköpfigkeit, von Deiner Bitterkeit, von Deinem Stolz. „Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.“ (1Petr 5,5-6)

Genau darum geht es, wenn wir Gott begegnen: IHN zu erkennen als der ER ist: GOTT - barmherzig und gnädig, geduldig und von großer Güte und Treue.“ (Ps 86,15) Und dass wir uns IHM – WEIL Er Gott ist - in Demut und im Glauben anvertrauen.

Darum habe ich zum Ende meiner Predigt nur noch eine Frage an Dich –  


Eine Frage an Dein Herz


Was willst Du in Gottes Hände legen - im Vertrauen auf Seine unveränderliche Güte?

„Befiehl dem HERRN deine Wege 
und hoffe auf ihn, 
er wird's wohlmachen.“ 

(Ps 37,5)


Sonntag, 11. Oktober 2015

Gottes Stadt (Ps 48:1-15)


Text

1 "Ein Psalmlied der Söhne Korach." 2 Groß ist der HERR und hoch zu rühmen in der Stadt unsres Gottes, auf seinem heiligen Berge. 3 Schön ragt empor der Berg Zion, daran sich freut die ganze Welt, der Gottesberg fern im Norden, die Stadt des großen Königs. 4 Gott ist in ihren Palästen, er ist bekannt als Schutz. 5 Denn siehe, Könige waren versammelt und miteinander herangezogen. 6 Sie haben sich verwundert, als sie solches sahen; sie haben sich entsetzt und sind davongestürzt. 7 Zittern hat sie da erfasst, Angst wie eine Gebärende. 8 Du zerbrichst die großen Schiffe durch den Sturm vom Osten. 9 Wie wir es gehört haben, so sehen wir es an der Stadt des HERRN Zebaoth, an der Stadt unsres Gottes: Gott erhält sie ewiglich. "SELA". 10 Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel. 11 Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Enden. Deine Rechte ist voll Gerechtigkeit. 12 Dessen freue sich der Berg Zion, und die Töchter Juda seien fröhlich, weil du recht richtest. 13 Ziehet um Zion herum und umschreitet es, zählt seine Türme; 14 habt gut Acht auf seine Mauern, / durchwandert seine Paläste, dass ihr den Nachkommen davon erzählt: 15 Wahrlich, das ist Gott, unser Gott für immer und ewig. Er ist's, der uns führet.


Kommentar

Zusammenfassung

Der dritte und letzte Lobpsalm der Dreierkette der Psalmen 46-48 preist die Stadt Gottes, welche von Gott selbst bewohnt und daher herrlich und schön ist und die allein durch Ihn bewahrt und erhalten wird. Er, der Ewige, verleiht ihr durch Seine Präsenz seine Herrlichkeit und macht sie so zum Sinnbild Seiner Majestät.


Struktur

1 Auch dieser Psalm wurde von den Korahleviten verfasst.

2-4 Vor allem darum ist Jerusalem für alle Welt bewundernswert, weil Gott, der HERR, ihr ruhmreicher Großkönig, sie mit Seiner Anwesenheit ehrt und auch schützt.

5-9 Die unerwartete Gegenwart Gottes - auch damals erkennbar, wie in der Überlieferung - überraschte seine Belagerer mit Schrecken; sie wurden zerbrochen, wie Schiffe im Sturm.

10-12 Diese schützende Güte Gottes und Seine Gerechtigkeit, sie sind der Ruhm Gottes, der, angefangen in Jerusalem, hinaus reicht bis an die Enden der Welt und dessen seine Kinder in Seinem Tempel gedenken.

13-15 Das Psalmende ruft zur aktiven Achtsamkeit: diesen guten, ewigen und uns leitenden Gott im Angesicht Jerusalems zu entdecken und der Nachwelt davon zu erzählen.


Inhalt

1 Auch dieser Lobgesang, der dritte und letzte der Dreierkette der Psalmen 46-48, wurde von den Korahleviten verfasst. Psalm 46 pries die Errettung des Volkes und der Stadt Gottes durch Sein wunderbares Eingreifen. Psalm 47 pries die Herrlichkeit Seiner Gnadenherrschaft über letztlich alle Völker. Und Psalm 48, endlich, preist den Ruhm des Königs der Könige im Angesicht der Schönheit der von Ihm bewohnten und bewahrten Stadt.


2-4 Es ist nicht die Stadt an sich, die allein um ihrer selbst hoch zu loben wäre und so legen die Psalmisten den Fokus, gleich zu Beginn dieses Psalms, auf den Ewigen selbst, der sie bewohnt. Er ist es, Er allein, der wirklich wahre Größe besitzt - Größe des Herzens und nicht nur der Macht - der deshalb allein und wahrhaft würdig ist, "Ehre und Preis und Lob" Seines Volkes entgegen zu nehmen (Offb 5,12).
Darum also ist die Stadt Jerusalem zu loben: nicht allein wegen ihrer Architektur oder ihrer Ästhetik, sondern weil es *Gottes* Stadt ist. Nicht allein David und Salomon regierten hier. Die Paläste der Stadt sind insbesondere *Gottes* Wohnsitz, ja die ganze Stadt ist *Sein* Eigentum. *Er* ist der wahre Großkönig, der hier residiert und die Stadt beschützt. *Er*, der König der Könige; in Jerusalem, der besungenen Stadt. 

Auf dem Berg Gottes, dem Zion ist sie gegründet, der herrlichen und erhebenden Schönheit, die im Norden Judas empor ragt; im Norden, der in damaliger Vorstellung mit größter Höhe verbunden wurde. So entzückt sind die Psalmisten, dass sie ihre Freude - vielleicht auch, wie in der prophetischen Schau der vollendeten Heidenmission in Psalm 47 - als eine die ganze Welt begeisternde sehen.


5-9 Es ist unklar, von welcher Belagerung in diesem Psalm die Rede ist, doch ist es, wie auch in Psalm 46, nicht ausgeschlossen, dass hier die Belagerung im Jahre 701 v. Chr. durch die Assyrer angedeutet ist. Sanherib, der König von Assur und seine Großen waren gegen Jerusalem gezogen und hatten es eingekesselt. Es schien ihnen eine Stadt zu sein, zwar gut befestigt, jedoch nicht uneinnehmbar. 

Doch war sie, wider ihr Erwarten, nicht allein von Menschen bewohnt. Angesichts des Eingreifens Gottes - des Herren der Stadt, ihres Schutzes - fielen in einer Nacht 185.000 Mann. Dieses Schrecknis veränderte den Blick der Heiden auf die Stadt Gottes: Verwunderung ergiff sie und Entsetzen, Angst und Zittern - und sie flohen in überstürtzter Hast und Eile davon (siehe 2Chr 32:9-23, 2Kö 18-19; Jes 36-37). Wie die großen Tarsisschiffe, damals Symbole und Inbilder von Handel, Reichtum und Macht, durch einen Orkan zerbrechen und sinken konnten, so zerbrach der Sturm des Zornes Gottes die Macht der Feinde Jerusalems. 

So, wie diese Begebenheit den folgenden Generationen durch die Lesungen aus den Büchern der Geschichte hörbar überliefert wurde, so wurde sie ihnen auch im Anblick von Jerusalem bestätigt: sie ist die Stadt des Ewigen, die Stadt Gottes, des Königs des Volkes Israel und sie wird allein durch Ihn bewahrt in alle Ewigkeit.


10-12 Dieser erfahrenen und sichtbaren Hilfe seines Gottes erinnert sich das Volk während der Gottesdienste im Tempel: Groß und herrlich, wie Sein Name, so sind auch Sein Ruhm und Seine Ehre ohne Grenzen und reichen bis an die Enden der Welt. Das in Seiner Hilfe sichtbar werdende Wesen Gottes ist es, Sein Recht und Seine Gerechtigkeit mit denen er herrscht, sind die Grundlage für die Freude der Stadt Gottes auf dem Berge, die Stadt des Volkes Gottes und alle Städte in Juda, die gleichsam dessen Töchter heißen. 

13-15 Diesen Blick wollen die Psalmisten uns schärfen, den Blick für den Ruhm und die Ehre Gottes, die in Seinem Heilshandeln und Seiner gerechten Herrschaft über die Menschen deutlich werden; den Blick für den Ruhm und die Ehre, die durch die Schönheit der Mauern und Türme Jerusalems hindurch, angesichts der von Gott bewohnten und bewahrten Stadt, sichtbar werden. Jeder Gang durch die Stadt und jeder Blick auf die Anzahl seiner Zinnen, jede Wanderung - mit achtsamem Herzen - durch die Majestät seiner Paläste soll das Volk daran erinnern. Von dem, was sie an Jerusalem und seiner Geschichte erkennen, von dem, was sie dadurch von Gottes Wesen erkennen und lernen, sollen sie auch noch ihren Enkeln und Urenkeln weiter sagen: Dieser gute und gerechte Gott, dieser Helfer in der Not, dieser Hüter und Bewahrer der Stadt, dieser Hirte, der uns ans frische Wasser führt, das ist unser Gott, von heute an und bis in alle Ewigkeit.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Bist Du - ist Dein Leben - vom Feind belagert und bedroht?
  • Sind Dir die Gegenwart und der Schutz Gottes, Deines großen Königs, heute bewusst?
  • Achte auf Details und Du wirst erkennen: Er ist bei Dir "alle Tage, bis an das Ende der Welt"