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Sonntag, 31. Oktober 2021

"Werde ich es bis zum Himmel schaffen?" (Philipper 1,2.6)

 [Predigt als MP3]


Einleitung

Heute ist der 31.10. – und das ist nicht nur der Geburtstag meines Vaters, es ist auch der Reformationstag – der Tag an dem wir die Reformation feiern. Also die Tatsache, dass Luther und andere das Evangelium wiederentdeckt haben. Doch worum geht es da? Und was genau ist passiert? Und wie kam es dazu? 

Nun, der Reihe nach.

Luther war ehemals ein Mensch, der von einem „schiefen“ Gottesbild geprägt war: Gott war für ich der absolut gerechte, allmächtige, zornige und strafende Weltenrichter. Einer, dem man es – bei aller Mühe – nicht recht machen konnte. Und Luther wollte es ihm recht machen - durch ein vorbildliches Leben - als Mönch - durch Anstrengung und Selbstkasteiung. 

Luther wollte mit seinen Werken „Rechtfertigung“ und Frieden vor Gott erlangen - doch er blieb von Zweifeln geplagt. Je mehr er sich bemühte, umso mehr verzweifelte er – und um so mehr wuchsen in ihm Vorwürfe gegenüber Gott. Einem Gott, der scheinbar unerreichbare Forderungen an die Menschen stellte – einem Gott, dem man es nicht recht machen konnte.

Bis zu diesem einen Tag, der als die „reformatorische Wende“ oder als das „Turmerlebnis“ in die Geschichte einging: In einem kleinen Turmzimmer studierte Luther den Römerbrief des Paulus. Ein einziger Vers (Röm 1,17), und darin der Kernsatz „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ trieb ihn zur Verzweiflung. Denn ein vor Gott „Gerechter“ zu sein daran, – genau daran! – war er ja gescheitert!

„Ich pochte aber trotzdem ungestüm an dieser Stelle bei Paulus an. Da erbarmte Gott sich meiner“, schreibt Luther später über dieses Erlebnis.

Mit einem Mal gingen ihm die Augen auf und er verstand den Satz auf umgekehrte Weise: Der Mensch muss nicht erst „gerecht“ werden, um dann von Gott beschenkt zu werden, sondern der Mensch, der sich ungeachtet seiner Kleinheit und Fehlerhaftigkeit Gott anvertraut, der Mensch, der sich selbst nichts und Gott alles zutraut - der findet das wahre Leben.

„Allein aus Gnade“ – „Sola Gratia“.

Genau darum dreht sich der Inhalt unserer heutigen Predigt – um das „Sola Gratia“ – um das „Allein aus Gnade“. Und darum, dass dieses „Sola Gratia“ nicht nur für am Beginn unseres Glaubenslebens gilt, sondern für immer:

  • am Anfang unserer Reise werden wir – „allein aus Gnade“– gerechtfertigt
  • im Laufe unseres Lebens werden wir – „allein aus Gnade“– geheiligt und umgestaltet in Gottes Bild
  • und nach dem Ende unseres Lebens hier auf Erden werden wir – „allein aus Gnade“– verherrlicht.

Ganz speziell wird es in dieser Predigt um den 2. Teil gehen: darum, dass auch unsere Heiligung „allein aus Gnade“ geschieht; nicht auf Grundlage unserer Werke.


Was kommt also heute auf uns zu?

  • Unser heutiger Text 
    • Zu Anfang möchte ich unseren heutigen Text mit Euch lesen. Er steht im Philipperbrief im 1. Kapitel, in den Versen 2 und 6. 

  • Für wen diese Predigt ist
    • Dann möchte ich – damit die Predigt auf fruchtbaren Boden fällt - etwas klarstellen. Nämlich, an wen sich diese Predigt richtet: und zwar an die, die an sich selbst verzweifeln.

  • Was ist das Problem?
    • Unter dem Titel „Was ist das Problem?“ möchte ich gemeinsam mit Euch einen Irrtum aufdecken: Ich möchte mir anschauen, was das Problem zu sein scheint (das ist: unser Leiden). Und was in Wirklichkeit das Problem ist. (wir werden sehen – es soll ja spannend bleiben).

  • Was ist dann die Lösung?
    • Und wenn wir ein Problemen haben, dann brauchen wir natürlich auch eine Lösung.

  • Balsam für Dein Herz 
    • Zum Schluss möchte ich Euch einen Abschnitt aus einem Buch vorlesen, von dem ich hoffe, dass er auch für Euch eben dies ist: Balsam für Euer Herz.


Unser heutiger Text

2 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, dem Herrn. [...] 6 Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt.


Für wen diese Predigt ist


Diese Predigt ist nicht für die, die ihren Taufschein mit einem Freifahrschein zur Sünde verwechseln. Sie ist nicht für die Bequemen, die sich auf Gottes Gnade ausruhen möchten.
Sie ist nicht für eine Kirche, die, wie Dietrich Bonhöffer es formulierte nach, „billiger Gnade“ sucht: nach

„billiger Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht." Denn: "Billige Gnade ist [...] Leugnung des Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders."

Sondern diese Predigt ist für die geängstigten und geknechteten Seelen: Für die, die unter ihrer Sünde leiden und sich mit Sorgen quälen. Für die, die denken: „Ich bin nicht gut genug.“ „Ich bin ein Sünder!“ Für die, die spüren: „Ich kämpfe und kämpfe, aber ich schaffe es einfach nicht.“ Für die, die verzweifeln beim Blick in den geistlichen Spiegel. Für die, die zerknirscht sind und seufzen: „Wenn ich mich anschaue, sehe ich nur Sünde.“ Diese Predigt ist für die, denen es geht, wie Luther. Für die, die sich sich fragen: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?!“ Für die, die sich ängsten und sorgen: „Werde ich es bis zum Himmel schaffen?“

Diese Ängste kennt natürlich nur, wer jemals versucht hat, Gottes Gebote zu halten. Oder um es mit C.S. Lewis zu sagen: 

„Niemand weiß, wie schlecht er ist, bevor er nicht ernsthaft versucht hat, gut zu sein.“

„[... wir] können [...] unser völliges Unvermögen, Gottes Gebote zu halten, [...] nur endecken, wenn wir uns mit aller Kraft darum bemüht – und versagt – haben. Solange wir das nicht wirklich versuchen, werden wir, ganz gleich, was wir sagen, immer den Hintergedanken haben, dass es uns das nächste Mal vielleicht doch gelingen wird, wenn wir uns noch etwas mehr anstrengen. [...]“

Und er schreibt weiter:

„All unser Bemühen muss zu jenem entscheidenden Augenblick führen, in dem wir uns Gott zuwenden und sagen: „Du musst es tun. Ich kann es nicht.“

Für die, die das Versucht haben – Gottes Gebote zu halten – für die, die diese Verzweiflung kennen – daran zu scheitern - für Euch ist diese Predigt – und mit ihr die erste Zusage unseres Textes:

„Wir wünschen Euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, Und Jesus Christus, dem Herrn.“


Was ist das Problem?


Die, für die diese Predigt ist, werden fragen: „Was das Problem ist? Das ist doch klar: Es ist das bange Fragen: werde ich es bis zum Himmel schaffen?! Schau‘ mich doch an: Ich kriege vorne und hinten nichts gebacken – wie soll ich jemals vor Gott bestehen? Das werde ich in hundert Jahren nicht schaffen!

Doch ich wage das zu bezweifeln. -- Also, dass das Problem ist, meine ich...

Ich glaube vielmehr, dass das eigentliche Problem schon uralt ist. Mindestens so alt, wie die Reformation. Nein: älter. Es ist das Problem, dass wir glauben, etwas beitragen zu müssen zu unserer Heiligung. Es ist das Problem, dass wir glauben, überhaupt etwas beitragen zu können zu unserer Heiligung. Es ist das alte Problem mit der Werkgerechtigkeit, die in unseren Herzen gegen den Glauben kämpft.

Lasst es mich mit Luther sagen:

„Es bleibt immer im Herzen, dass wir nicht wollen gar nichts sein noch dass Christus alles allein getan hat, sondern wir wollen stets die Hand mit im Tun haben, so viel tun und Gott dienen, dass Gott müsse uns ansehen und um desselben willen die Sünden vergeben und gnädig sein, und soll doch und kann nicht sein. Denn damit geht der Glaube und der ganze Christus zu Boden. Soll Christus allein gelten und soll ich solches bekennen, so muss ich die Zunge rein schaben und sprechen: So es Christus tut, so muss ich‘s nicht tun, denn die zwei leiden sich nicht miteinander im Herzen, dass ich auf beide mein Vertrauen setze, sondern eins muss heraus, entweder Christus oder mein eigen Tun, das ist klar und wohl zu verstehen.“

Ich möchte den letzten Satz noch einmal lesen, weil er so wichtig ist: 

||: „So es Christus tut, so muss ich‘s nicht tun, denn die zwei leiden sich nicht miteinander im Herzen, dass ich auf beide mein Vertrauen setze, sondern eins muss heraus, entweder Christus oder mein eigen Tun, das ist klar und wohl zu verstehen.“ :||


Was ist dann die Lösung?


Wir scheitern also deshalb so schmerzvoll in unserer Heiligung, weil wir etwas Unmögliches versuchen. Wir scheitern deshalb so schmerzvoll auf unserem Weg mit Gott, weil wir versuchen Gottes Arbeit zu tun. Wir scheitern deshalb so schmerzvoll in unserem Glaubensleben, weil wir versuchen Gottes Werk zu vollenden.

Wenn das aber das Problem ist – dass wir meinen, zu unserer Heiligung auch nur ein Tüpfelchen hinzutun zu können – oder gar zu müssen – was ist dann die Lösung?

Hier möchte ich noch einmal C.S. Lewis zitieren. Er schreibt: 

„Christus bietet uns [...] alles, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. In gewissem Sinn besteht das ganze christliche Leben darin, dieses unerhörte Geschenk annehmen zu lernen. Die Schwierigkeit ist nur, dass alles, was wir getan haben, und alles, was wir tun können, nichts nützt. Wir hätten es so gern, wenn Gott nur unsere Pluspunkte zählen und die schlechten Noten übersehen würde. Aber nochmals müssen wir sagen, wir können keine Versuchung wirklich überwinden, solange wir uns noch selbst bemühen. Wir müssen es aufgeben, wir müssen das Handtuch werfen.“

Ihr Lieben – ich möchte das noch einmal sagen:

||: „wir können keine Versuchung wirklich überwinden, solange wir uns noch selbst bemühen. Wir müssen es aufgeben, wir müssen das Handtuch werfen.“ :||

Das ist die Lösung: „Christus in Euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ (Kol 1,27)

Oder, wie es in meinem Taufspruch heißt: 

„ Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. “ (Gal 2,20)

Es ist Gott allein, der in der Lage ist, das gute Werk zu vollenden, das Er in uns begonnen hat.
Es ist Christus allein – Christus in uns! – der in der Lage ist, uns in Sein Bild zu verwandeln. (2Kor 3,18) Es ist der Heilige Geist in uns – der in der Lage ist, „solche Leute aus uns zu machen, die in Gottes Geboten wandeln und Seine Rechte halten und danach tun.“ (Hes 36,27)

Es ist Gott allein, der das kann!


Balsam für Dein Herz

„Als das Jesus hörte,
sprach er zu ihnen: 
Die Starken
bedürfen keines Arztes,
sondern die Kranken. 
Ich bin gekommen, 
die Sünder zu rufen 
und nicht die Gerechten.“

(Markus 2,17)


Ich möchte Euch zum Schluss einen Abschnitt aus einem Buch von Hans-Joachim Eckstein vorlesen. Einen Abschnitt, der – wie ich finde – den zentralen Aspekt dieser Predigt sehr gut zum Ausdruck bringt. 

Dort schreibt er unter der Überschrift „Der entscheidende Schritt“:

„Wie ist es möglich, Herr, dass ich seit Jahren versucht habe, unabhängig von Dir für Dich zu leben, anstatt zu verstehen, dass Du selbst durch mich leben willst? Wie konnte ich Dich immer wieder um Kraft bitten, wenn Du selbst als meine Stärke bei mir bist, wie um Liebe, wenn Du selbst als die Liebe in mir wohnst? 
Wie oft habe ich Dir in dieser Zeit Versprechen gegeben, die ich dann doch nicht eingelöst habe. Unzählige Male habe ich mir vorgenommen, mich endgültig zu ändern, endlich ganz neu und ganz anders anzufangen – solange, bis ich selbst ich mehr daran glauben konnte. Immer wider versuchte ich bei geeigneten Anlässen >aufzutanken<, um in meinem Alltag mit dem nötigen Schwung bestehen zu können – aber meine Vorräte gingen mir oft schon aus, bevor ich wieder richtig zu Hause war. 
Ich merkte wohl, dass sich der Glaube nicht speichern und das Leben nicht konservieren lässt. Jedoch zog ich daraus die falschen Schlüsse. Ich verzweifelte abwechselnd an Dir, an meinem Glauben und mir selber – aber zweifelte zu wenig an der Art, wie ich meinen Glauben lebte. Ich kam nicht auf den Gedanken, dass ich vielleicht mit dem richtigen Glauben an den wahren Gott glaubte – aber eben auf die falsche Weise.
Ich dachte, Du wärst mir mit Deinem Kreuz und Deiner Auferstehung viele entscheidende Schritte entgegengekommen – bis auf den einen, den ich allein und ohne Dich zu gehen hätte. Ich fühlte mich verpflichtet, auch etwas von mir aus für Dich zu tun, nachdem Du schon so viel für mich getan hattest. Aber je mehr ich mich anstrengte, desto verkrampfter und verzweifelter wurde ich. Zwar bat ich Dich stets um Deine Unterstützung, aber letztlich suchte ich das Entscheidende doch bei mir. Jetzt erkenne ich, dass gerade das mein Fehler war, dass ich von mir etwas erwartete, was Du gar nicht von mir gefordert hattest, dass ich etwas erkämpfen wollte, was ich in Dir schon längst hatte.
Du bist mir nicht nur neun – oder auch neunundneunzig – Sachritte entgegengekommen, so dass jetzt alles an meinen einen eigenen Schritt läge, sondern Du bist alle – zehn oder hundert – Schritte auf mich zugekommen, damit ich nun jeden Schritt, den ich zu gehen habe, mit Dir und durch Dich gehen kann.“

AMEN.

--- anbei noch einige hilfreiche Textstellen zum Thema Heilsgewissheit ----

  • Jes 41,10 „fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“

  • Mk 2,17 „Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

  • Joh 3,36 „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“

  • Joh 5,24 „ Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“

  • Joh 10,28-30 „[...] ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“

  • Rö 8,23-25.29-38 „Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?  Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. [...] Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

  • Heb 11,1 „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ 

Sonntag, 13. Januar 2019

Jahreslosung 2019 - "Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!" (Psalm 34,15)


Übersicht
  • Intro: „Die neuesten Nachrichten“
  • Unser Text (Psalm 34,15) 
  • Was ist das für ein Frieden?
  • Warum sollten wir diesem Frieden "nachjagen"?
  • Was bedeutet also "nachjagen"?
  • Wie geht das: "nachjagen"?
  • Fragen an Dein Herz



Intro: „Die neuesten Nachrichten“

Wenn ich mich in unserer Welt so umschaue, in der Presse, in den Medien, in den Nachrichten, Radio höre oder fernsehe oder auch nur Gespräche führe, wird mir eines immer deutlicher: unsere Welt ist kaputt. Ich gehe noch einen Schritt weiter: sie ist auf jede nur erdenkliche Art und Weise kaputt. Damit meine ich nicht, dass in unserer alles kaputt ist. Ich meine damit, dass jeder nur denkbare Aspekt von diesem Kaputtsein betroffen ist.

Mein Nächster: Ich höre von Mobbing in Schulen, von Schießereien und Amokläufen, von Terrorismus, Kriegen und Hungersnöten, von Flüchtlingswellen, Menschenhandel und Sklaverei und von der weltweit größten Christenverfolgung aller Zeiten.

Schöpfung: Ich lese von Luftverschmutzung, von Plastikmüll in den Meeren, von Überdüngung, Chemie-Giganten und Glyphosat, von der Ausbeutung von Rohstoffen, der Abholzung des Regenwaldes und der Überfischung der Meere, ich lese von Nahrungsmittel-Giganten und der kommerziellen Ausbeutung unserer Wasser-Reserven, ich lese von ausgesetzten Haustieren, von tierquälerischer Hühner- und Schweinezucht und unsäglichen Tiertransporten.

Ich selbst: Ich begegne Menschen mit Depressionen, Selbstmordgedanken, Drogen- Spiel- und Sexsüchtigen, arroganten Egoisten, Rechthabern und Selbstgerechten, ich begegne Menschen, deren Seele von ihrer Vergangenheit verkrümmt ist und die trotz ihres Alters nicht innerlich geheilt sind.

Gott: Früher hatten wir New Age samt Baghwan und Esoterik aller Orten. Heute sehe ich auf der einen Seite das Neuheidentum mit seiner spirituellen Verirrung ins Heidnisch-Okkulte, und den Neo-Atheismus samt seiner Beschränkung der Welt auf das Natürliche. Und ich begegnen immer wieder Menschen, die auf Gott und den christlichen Glauben nicht gut zu sprechen sind.

Wie gesagt: es ist nicht alles kaputt. Es gibt noch immer hilfsbereite Menschen, wahnsinnig schöne Sonnenuntergänge am Meer, gesunde Persönlichkeiten und an Christus Gläubige. Aber es ist in jedem Bereich der Schöpfung etwas zerbrochen - und zwar auf Ebene der Beziehung – und dies auf eine vierfache Weise: 1. In der Beziehung zwischen mir und meinem Nächsten, 2. in der Beziehung zwischen mir und der Schöpfung, 3. in der Beziehung zu mir selbst, und 4. in der Beziehung zwischen mir und Gott. In dieses Zerbrochen-Sein hinein spricht unsere Jahreslosung. Sie spricht von Frieden, von einem Shalom, von einer Wiederherstellung all dieses Kaputten – und darüber, wie wir da hin kommen.


Unser Text (Psalm 34,15) 

Eigentlich wollte ich uns, bevor wir uns auf die Jahreslosung konzentrieren, den ganzen Text lesen, damit wir ihn in seinem Kontext betrachten können. Das hätte bedeutet, wesentliche Teile dieser Predigt wegzulassen. Daher bitte ich Euch, den Psalm 34 in der nächsten Woche gern noch einmal zu Hause nachzulesen – und mir zu vertrauen, dass die nachfolgende Zusammenfassung zumindest einigermaßen korrekt ist: Der Psalm ist überschrieben mit „Unter Gottes Schutz“ und hat 6 Sinn-Abschnitte: 1. dass unser Gott ein Gott ist der zutiefst lobenswert ist, 2.Dass unser Gott ein Gott ist, der unser Gebet beantwortet, der uns hilft, uns rettet und uns Freude schenkt, 3. dass unser Gott freundlich ist, und wir ihn darum suchen und ehren sollen, 4. fordert dieser Psalm dazu auf, dass, wer ein gutes Leben, ja ewiges Leben haben möchte, umkehren sollte! Aktiv etwas tun sollte. Das Böse lassen und dem Frieden nachjagen sollte, 5. sagt Psalm 34, dass Gott den bußfertigen Sünder errettet und die Gottlosen richtet und 6. heißt es dort, dass wir im Leben zwar leiden müssen, aber Gott uns - wenn wir auf Ihn vertrauen, uns von aller unserer Schuld erlöst und unser Leben befreit!

Unser Psalm redet also auf der einen Seite vom herrlichen Wesen Gottes, der unsere Gebete erhört, der uns hilft und uns rettet und der uns Freude schenkt. Er redet auf der anderen Seite aber auch ganz klar von zwei Sorten von Menschen: denen, die umkehren und gerettet werden - und denen, die Gottes Gebote hinter sich werfen, sie verachten und ins Gericht kommen. Unser Vers steht dabei genau in dem Block, den ich zusammen fassen möchte mit dem Satz: „Wer ein gutes Leben, ewiges Leben, haben möchte, der soll vom Bösen umkehren und dem Frieden nachjagen!“


Was ist das für ein Frieden?

Das scheint ja ziemlich wichtig zu sein, mit diesem Frieden nachjagen! Da kann (und sollte!) man jetzt natürlich erst mal fragen: was ist denn das für ein Frieden, dem ich da nachjagen soll? Das Wort, das in unserer deutschen Bibel mit „Frieden“ übersetzt wurde, heißt auf hebräisch „Shalom“. Und Shalom bedeutet viel mehr als unser deutsches Wort „Frieden“. Es bedeutet nicht nur „kein Krieg“ oder „kein Streit“. Die Wikipedia[1] weiß dazu: „Der hebräische Begriff Schalom bedeutet [...] Unversehrtheit, Heil; es ist damit nicht nur Befreiung von jedem Unheil und Unglück gemeint, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Frieden und Ruhe.“ 

Kannst Du Dir das vorstellen? Der biblische Frieden beschreibt einen Zustand, in dem die Dinge heil sind, nicht kaputt. Einen Zustand, in dem der Mensch und die Natur gesund sind, in dem Mensch und Natur in Sicherheit sind, einen Zustand in denen ein wahrhaft himmlischer Frieden herrscht – ein ganzheitliches Heil, welches die ganze Schöpfung umfasst – und damit auch unsere Beziehung zu unserem Schöpfer selbst. Der biblische Frieden beschreibt also einen Zustand, in dem die 4 Ebenen der Beziehung, über die ich am Anfang gesprochen habe, wiederhergestellt sind: 1. Meine Beziehung zu meinem Nächsten, 2. meine Beziehung zur Schöpfung, 3. meine Beziehung zu mir selbst, und 4. meine Beziehung zu Gott.


Warum sollten wir diesem Frieden "nachjagen"?

Nachdem wir uns nun angesehen haben, was es mit diesem Frieden auf sich hat, ist natürlich die nächste Frage, warum man sich für diesen Frieden einsetzen sollte – was einen motivieren sollte, hier aktiv zu werden. Und bitte verstehe mich richtig: dass es ein guter Zustand ist, dass also der Sinn und Zweck dieses Friedens erstrebenswert sind, daran habe ich keinen Zweifel. Auch daran nicht, dass Du das genau so siehst. Wenn ich also nach dem „Warum?“ frage, dann nicht, weil ich glaube es Du wärest ein Bösewicht, der da denkt: „Ah – Frieden! So ein Quatsch! Da kann ich getrost drauf verzichten! Hauptsache, ich kriege morgen noch mehr kaputt gemacht, als heute!“

Ich denke, wir sehnen uns alle nach diesem Zustand: nach Frieden, nach Heil, nach Sicherheit, nach Gesundheit – auf allen genannten Ebenen: in unserer Beziehung zum Nächsten (und unseres Nächsten zu uns), in unserer Beziehung zur Welt und unserer Beziehung zu uns selbst und – last, but by all means first! – unserer Beziehung zu Gott. 

Meine Frage nach dem „Warum“, geht also vielmehr in die Richtung: „Was hat das mit mir zu tun?“ Denn da steht ja: „jage ihm nach“. Das ist ein Imperativ! Und der meint mich. Und Dich. Er meint jeden von uns. Und ich denke, dass der Grund für diesen Imperativ ziemlich simpel ist: Die Welt ist kaputt. Daran besteht kein Zweifel. Vor allem aber wird sie sich nicht von selbst reparieren. Die Welt – unsere Schöpfung, wir selbst und unser Nächster – kann nur in Ordnung kommen, wenn jemand etwas dafür tut. Denn: vom einfach nur Rumsitzen passiert gar nichts. Oder mit den Worten von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“


Was bedeutet also "nachjagen"?

Wenn es also darum geht, einen eigenen Beitrag dazu zu leisten, dass dieser Friede Gestalt annimmt, dann wäre es natürlich gut zu wissen, was genau dieser Beitrag sein kann – und auch, wo man dabei vom Pferd fallen kann. Damit man eben nicht runter fällt. 


Schöpfung: Ich denke, in den genannten 4 Beziehungsfeldern geht es dabei um folgendes: in unserer Beziehung zur Schöpfung, also zu der Welt in der wir leben, können wir mindestens zwei verschiedene falsche Haltungen einnehmen: die Haltung der Vergötzung und die Haltung der Verachtung. 

Die Haltung der Vergötzung macht die Welt zu seinem Gott. Wer das tut, der sucht sein Glück im Streben nach Geld, Macht, Status, Anerkennung oder Lust. Sich das ewige Glück von der Welt zu erwarten ist dabei keine so gute Idee: Der Apostel Johannes schreibt dazu: „Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“ (1Joh 2,17)

Die andere Haltung, mit der wir der Welt begegnen können, ist die der Verachtung. Verachtung bedeutet, dass es mir Wurst ist, was mit der Welt um mich herum passiert. Ob die Umwelt nun verschmutzt wird oder nicht. Ob Tiere gequält werden oder nicht. Ob Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken oder nicht. Ob Christen verfolgt werden oder nicht. Weil es ja nicht mein Problem ist. 

Oder meine Haltung kann sein, dass ich mich aktiv dafür einsetze, dass hier etwas besser wird. Durch einen bewussten, nachhaltigen Umgang mit meiner Umwelt, durch aktiven Einsatz für den Tierschutz, durch politischen und auch persönlichen Einsatz für Menschen, die aus Angst vor Misshandlung oder Tod ihre Heimat verlassen haben oder durch die Unterstützung von Organisationen, die verfolgten Christen helfen. Um die Welt zumindest ein ganz kleines bisschen besser zu machen. 

Darf ich Dich das mal fragen? "Wo stehst Du hier?" Und: "Was könntest Du tun?" Und: "Was tust Du tatsächlich?"


Nächste: In unserer Beziehung zu unserem Nächsten, und das sind meistens wirklich die Menschen, die uns am nächsten sind: unsere Ehepartner, Kinder, Verwandte und Arbeitskollegen), in diesen Beziehungen werden wir immer wieder, und teilweise sehr tief, verletzt. Oder wir verletzen selber. 

In diesen Beziehungen geht es um Vergebung. Vergebung, die wir schenken können. Oder Vergebung, die wir erbitten können. Damit diese Beziehungen wieder heil werden können. Damit wirklich Friede wird. Wahrer Shalom. Das passiert nicht von selbst. Ich bin vielmehr von Gott dazu aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Diesem Frieden nachzujagen. Mich mit jeder Faser meines Seins dafür einzusetzen, dass dieser Friede Gestalt gewinnt. Jesus sagt dazu „Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.“ (Lk 6,37). 

Ich frage Dich das mal: "Wo in Deinem Leben sind Beziehungen kaputt?" Und: Bist Du bereit zu vergeben? Und: "Bist Du bereit, um Vergebung zu erbitten?" 


Selbst: Auch in unserer Beziehung zu uns selbst gibt es mehr als genug zu tun: Auf der einen Seite können wir uns fragen, wo es uns an Heiligung fehlt. Ich frage das mal ganz direkt: „Wo gibt es in Deinem Leben eine Sünde, von der Du genau weißt, dass Du sie lassen solltest?“ Ich bin sicher: es ist genau diese Sache, die Dir jetzt gerade durch den Kopf geht. Salomo sagt dazu: „Wer seine Missetat leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ (Spr 28,13)

Auch dazu möchte ich Dich was fragen: "Willst Du diese Sünde bekennen und lassen?"

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Verletzungen in unserer Seele, die wir vielleicht schon seit Jahren, ja Jahrzehnten!, mit uns herumtragen. An denen wir uns abschleppen. Aus Scham davor, mit jemandem darüber zu sprechen. Gott möchte, dass wir heil werden. Und dazu hat er uns einander gegeben. Wäre es nicht schön, Dich einem Menschen anzuvertrauen und in tiefen Gesprächen über die Zeit Heilung zu erfahren? Ich bitte Dich herzlich: Wenn Dich etwas quält, bitte sprich mit jemandem darüber – mit einem erfahrenen Seelsorger oder einer erfahrenen Seelsorgerin, dem/der Du vertraust. 

"Warte nicht länger!"


Gott: Letztlich aber steht und fällt all das oben gesagte mit unserer Beziehung zu Gott: Nur, wenn meine Beziehung zu Ihm wirklich im Reinen ist, bin ich davor gefeit, die Schöpfung zu vergöttern oder zu verachten; bin ich bemüht, mit meinem Nächsten ins Lot zu kommen; bin ich bereit, auch an mir selbst zu arbeiten, um Christus ähnlicher zu werden. 

Darum möchte ich Dich fragen: "Lebst Du tatsächlich in täglicher Hingabe an Ihn?" Und: "Lebst Du ein Leben in beständiger Umkehr vom Bösen?" Und: "Lässt Du Dir überhaupt von Gott sagen, was Gut und Böse ist?" 

Oder hast Du, wie Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen und bist Dein eigener Gott: Dir selbst Gesetz? Es kann aber auch sein: Du hast ein völlig falsches Bild von Gott. Fällt es Dir schwer, Ihm zu vertrauen? Scheint Er Dir fern? Oder drohend? Oder gar böse? Wenn das so sein sollte, möchte ich Dich auch hier herzlich bitten, Dich einem erfahrenen Seelsorger anzuvertrauen. 

"Suche aktiv nach Hilfe!"


Wie geht das: "nachjagen"?

Nachdem wir nun wissen, was Frieden ist, und wissen, was wir ganz konkret dazu tun können, möchte ich uns noch vor einem großen Irrtum bewahren: Dem Irrtum, wir müssten nur „einen Entschluss fassen“ und „uns anständig Mühe geben“ und „dann wird das schon“. Das wäre der Weg des Gesetzes. Und der funktioniert nicht. 

Natürlich steht auch Hebräer 12,14 „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird...“ Aber in Römer 8,7 steht auch, dass sich unser „Fleisch [...] dem Gesetz Gottes nicht unterwirft; denn es vermag's auch nicht.“ Gottes Wort macht uns also nicht die geringste Hoffnung, dass wir auf dem Wege der Selbsterlösung Erfolg haben werden.

Ja, wie denn jetzt? Wir haben doch jetzt die ganze Zeit gesagt, wir sollen dem Frieden nachjagen? Oder etwa nicht? Und jetzt sage ich Dir: „Jaja, aber das geht gar nicht!“ Will ich Dich denn jetzt etwa veräppeln? Natürlich nicht! Es ist vielmehr beides richtig: Gott möchte, dass wir "dem Frieden nachjagen", also alles in unserer Macht stehende tun, um unseren Beitrag zum Frieden zu leisten. Und Gott weiß auch, dass wir die Kraft dazu nicht in uns selbst finden werden.

"Ja, wie soll es den dann gehen?" fragst Du nun vielleicht. Nun, die Lösung, also die Antwort auf diese Frage, hat etwas mit Beziehung zu tun: mit Deiner Beziehung zu Gott. Denn die Lösung liegt nicht in einem Kraftakt. Und nicht in Deiner Disziplin. Die Lösung liegt in einer Person. Und zwar in Jesus Christus selbst.

Bitte höre bei den folgenden Versen ganz genau hin: In 1Kor 1,30 steht: „Gott allein hat es ermöglicht, dass ihr in Christus Jesus sein dürft. DEN hat er zu unserer Weisheit gemacht. Durch IHN sind wir vor Gott gerecht gesprochen und unser Leben wird durch IHN geheiligt. Durch IHN sind wir erlöst.“ (NLB)

Wenn ich also eine Beziehung zu Jesus Christus habe, dann ist ER die Kraft in mir zur Heiligung. Er IST unsere Heiligung! Wenn wir also vom Bösen lassen und dem Guten und dem Frieden nachjagen wollen, ist ER die Antwort. ER ALLEIN! 

ER ist auch unsere Heilung: In Jesaja 53:5 lesen wir: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf IHM, auf daß wir Frieden hätten, und durch SEINE Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53:5) ER ALLEIN ist in der Lage, die Wunden unserer Seele zu verarzten, dafür zu sorgen, dass wir innerlich wirklich heil werden!

Letzten Endes liegt der Frieden, dem wir nachjagen sollen in Seiner Person begründet: „ER ist unser Friede “lesen wir in Epheser 2,14 – und in Jesaja 9,5-6 noch genauer: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und ER heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende sei [...] in seinem Königreich [...]“. Wenn wir also wirklich Frieden suchen, dem Frieden nachjagen wollen, dann ist unser Ziel eine Person!

ER ist es, der durch seinen Heiligen Geist in uns „wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (Phil 2,13). ER ist es, der spricht: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe [...]: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jer 29:11“) ER ist es, der spricht: „ICH will [...] solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hes 36,27)

ER ist es, der spricht: „Ihre Wege habe ich gesehen, aber ICH will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben; und denen, die da Leid tragen, will ich Frucht der Lippen schaffen. Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ICH will sie heilen.“ (Jes 57:18-19)

GOTT ist es, der Dich zum Frieden ruft. 

Und dieser Gott ist es, der Dich befähigen will, Seinen Willen zu tun. Dieser Gott ist es, der Mensch geworden ist, der aus Liebe zur Dir Sein Leben gegeben hat als Preis für Deine Sünden am Kreuz von Golgatha. Dieser Gott ist es, JESUS CHRISTUS, der auferstanden ist und lebt, der Dich persönlich ruft und bittet: „komm und folge mir nach!“ (Lk 18,22) – auf dem Weg des Friedens. 

AMEN.


Fragen an Dein Herz

  • An welchen Stellen hat Gott Dein Herz berührt und Dich zur Umkehr gerufen?
  • Willst Du Ihm vertrauen und folgen?


„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“ 

(Galater 2,20)

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[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schalom_(Hebr%C3%A4isch), aufgerufen am 12.01.2019 um 16:26)

Sonntag, 10. September 2017

Es gibt Hoffnung - für Dich! - 2Tim 1:1


[Audio als MP3 Download hier]

Einleitung

Ihr Lieben! Gott segne uns! - Gestern, als ich diese Predigt vorbereiten wollte, war ich sehr bedrückt: ich hatte mir gleich morgens nach dem Aufstehen die aktuellsten Berichte über den Hurrikan IRMA angesehen. Was dort in der Karibik gerade geschieht, geschah und noch geschehen mag – von Haiti über Kuba nach Florida – ist einfach erschütternd. Orkanböen fegen mit bis zu 300km/h über die Inseln und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. Menschen sterben oder verlieren Hab und Gut.


Ich weiß nicht, warum Gott so etwas zulässt; doch es treibt mich um. Und mit diesen Emotionen bin ich scheinbar nicht alleine. Schon zu Jesu Zeiten geschahen solche Dinge: Gräuel und Unglücke. Damals hatte „[Pontius] Pilatus einige Leute aus Galiläa [...] ermorden lassen, während sie in Jerusalem im Tempel Opfer darbrachten.“ – und Jesus fragte : „»Meint ihr, diese Galiläer seien größere Sünder gewesen als andere Menschen in Galiläa?«. »Glaubt ihr, dass sie deshalb leiden mussten? Ganz und gar nicht! Ihr werdet [vielmehr] genauso umkommen, wenn ihr euch nicht von euren bösen Wegen abkehrt und euch Gott zuwendet. Und was ist mit den achtzehn Männern, die starben, als der Turm von Siloah auf sie herabstürzte? Waren sie etwa die größten Sünder in Jerusalem? Nein. Ich sage euch noch einmal: Wenn ihr nicht Reue zeigt und auf eurem Weg umkehrt, werdet ihr genauso umkommen.«“

Diese Worte Jesu ändern nichts an meinen Gefühlen. Ich bin noch immer erschüttert und bedrückt. Und doch muss ich nachdenken über das, was Jesus sagt. Auf den ersten Blick klingt es herzlos. Doch wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass Jesus ganz etwas anderes meint: Ihm geht es  um unser ewiges  Glück! Letztlich ist doch das, was Er sagt, folgendes: „Was macht ihr Euch solche Sorgen über den leiblichen Tod? Euch bedroht eine viel schlimmere Gefahr: ihr könntet für Zeit und Ewigkeit verloren gehen – und das will ich nicht! Ich möchte, dass es Euch gut geht! Darum, bitte, liebe Leute: kümmert Euch um die wirklich wichtigen Dinge! Schaut zu, dass ihr mit Gott in Ordnung kommt; darum geht es!“ – Und darum geht es auch heute.

 

Übersicht

Heute geht es vordergründig um die Einleitung eines Briefes, den Paulus an seinen Glaubensschüler Timotheus, schreibt.Vielleicht erinnert sich die Eine oder der Andere noch daran, worüber ich das letzte Mal gepredigt habe: es war 2. Timotheus 4 – die Verse 1 bis 7. Keine Bange. Hätte ich auch nicht mehr gewusst. Aber vielleicht erinnert ihr Euch noch daran, dass ich gesagt habe, es sei der letzte Brief des Paulus gewesen – sozusagen sein „Testament“. Darin ging es dem Pauls um 4 Dinge:



  • Trotz Verführung in der Schrift zu bleiben
  • Trotz Gegenwind Christus mutig zu bekennen
  • Im Angesicht der Welt heilig zu leben – und:
  • In Verfolgung standhaft zu bleiben und willig zu leiden

Aber das nur zur Erinnerung. Heute geht es, wie gesagt, um die Einleitung des Briefes von Paulus an Timotheus. Und die besteht aus nur zwei Versen. Den ersten möchte ich mir heute gemeinsam mit Euch ansehen und fragen:



  •     Wer sind die Personen, die in diesem Vers genannt werden?
  •     Was bedeuten die Begriffe, die in diesem Vers genannt werden?
  •     Welche tiefe Wahrheit liegt in diesem Vers verborgen?
  •     Und – last but not least – Was bedeutet diese Wahrheit für mich heute?

 

Der Vers

Die Textlesung geht heute recht schnell, denn es ist ja nur ein Vers. Er heißt: 

„Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes nach der Verheißung des Lebens in Christus Jesus “
(2. Timotheus 1,1).

Es ist, wie gesagt, nur ein Vers – und man liest normalerweise ziemlich schnell darüber hinweg; ich zumindest. Weil: man kennt das ja: „Klar, dass ist ein Brief von Paulus, der ist ja Apostel, etc. - und dann noch irgendwas mit Gott und Jesus.“ Fertig. --- Wirklich? Ich glaube nicht... Was ist in diesem Vers nicht alles verborgen! Schauen wir also mal etwas genauer hin! In diesem Vers finden wir:

3 Personen

  • Paulus
  • Gott
  • Christus

3 Begriffe

  • Apostel
  • Wille Gottes
  • Verheißung des Lebens

Und alle zusammen formen eine Aussage. Eine Aussage, die oberflächlich betrachtet nichts weiter ist, als eine übliche Absenderadresse für Briefe in neutestamentlicher Zeit. Eine Aussage, die aber, wenn man einmal etwas genauer hinschaut, das ganze Evangelium beinhaltet; die gute Nachricht von Gottes Gnade! Um das "auszupacken", möchte ich mir  – gemeinsam mit Euch – diese Personen und Begriffe einmal genauer ansehen:



Personen – 1. Gott
 

Gott: Der Ewige

Gott wird in unseren Vers zwar erst als dritte Person genannt, doch ich möchte IHN aus mehreren Gründen an den Anfang stellen. Nicht nur, weil ER „in allem der Erste ist“, sondern ehrlicherweise, weil es so auch irgendwie besser in mein Predigt-Konzept passt. Also:

Zuerst einmal ist Gott genau das: eben GOTT. Er ist der, der sich – als Moses ihn nach Seinem Namen fragte – antwortete: „JHWH“. Also der: „Ich bin der ich bin!“ Oder mit anderen Worten: „Ich bin der ewig Seiende!“ ER ist der ewige, unendliche, allwissende, allmächtige, allgegenwärtige, herrliche und wunderbare Gott.



Gott: Unser Schöpfer

Zum Zweiten ist Gott auch unser aller Schöpfer; der, der uns erfunden hat. In der Genesis lesen wir „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und als er damit fertig war, lesen wir: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.“ Gott schuf also den Menschen. Und er gab unserem Leben, wie wir dort lesen können, einen Sinn: Ziel des Menschseins ist es, Gott gleich zu sein – und zwar um mittels dieser Ebenbildlichkeit die Schönheit und Herrlichkeit Gottes wieder zu spiegeln – wie ein Brillant das Licht der Sonne funkelnd reflektiert. Zu Gottes Ehre. So sagt es Gott über uns in Jesaja – dort nennt er uns „alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe.“


Gott: Herr und König

Und zum Dritten ist dieser Gott auch unser HERR und König. In Psalm 47 lesen wir: „Denn der Herr, der Höchste, ist ein heiliger Gott, ein großer König über die ganze Welt.“ Und als Regierender erlässt er selbstverständlich auch Gesetze – denken wir an die 10 Gebote – und natürlich verlangt ER, wie jede andere Regierung auch, dass wir diese Gesetze ernst nehmen und einhalten. Darum sagt ER auch: “Darum heiligt euch und seid heilig; denn ich bin der HERR, euer Gott.“ Das  war der Plan. Doch dann kam der Sündenfall – und mit ihm die Sünde in die Welt.

Damit kommen wir zu Paulus.



Personen – 2. Paulus

Saulus: Verfolger der Kirche

Der hieß nämlich nicht immer Paulus, sondern früher Saulus. Denn was wir Sünde nennen – diese Verfehlung des göttlichen Ziels, IHM ähnlich zu sein – war auch in Saulus Leben anzutreffen; wie bei uns allen.

Saulus selbst beschreibt sein Leben, wie es ohne Jesus war, wie folgt: "Wie die führenden Männer des jüdischen Volkes sehr wohl wissen, wurde ich von frühester Kindheit an bei meinem eigenen Volk und in Jerusalem nach jüdischer Tradition erzogen. Wenn sie es vielleicht auch nicht zugeben, so wissen sie doch genau, dass ich ein Mitglied der Pharisäer war, der strengsten Gruppierung unserer Religion. [...] Früher glaubte ich, alles, was in meinem Kräften steht, tun zu müssen, um den Anhängern des Jesus von Nazareth Einhalt zu gebieten.Von den Anführern des jüdischen Volkes dazu bevollmächtigt, ließ ich viele Gläubige in Jerusalem verhaften. Wenn sie zum Tode verurteilt wurden, stimmte ich ebenso gegen sie.Oft ließ ich sie in den Synagogen auspeitschen, weil ich sie dazu bringen wollte, Christus zu verfluchen. Ich bekämpfte sie mit solcher Erbitterung, dass ich sie sogar bis in weit entfernte Städte im Ausland verfolgte.)."

An einer Stelle – anlässlich der Steinigung des Heiligen Stephanus – wird sogar von Paulus berichtet „Die Anschuldigungen [...] versetzten die führenden Männer des jüdischen Volkes in maßlose Wut. [... Sie] hielten sie sich die Ohren zu, schrien mit lauter Stimme und stürzten sich auf ihn. Sie schleppten ihn hinaus vor die Stadt und steinigten ihn. Die amtlichen Zeugen der Hinrichtung zogen ihre Mäntel aus und legten sie zu Füßen eines jungen Mannes mit Namen Saulus nieder.“



Paulus: Prediger der Gnade und Liebe Gottes
 

Dieser Paulus war also ein religiöser Fanatiker und ein Möder oder doch zumindest ein Helfershelfer der Mörder vieler Christen. Ich will ihn hier nicht mit dem IS vergleichen, doch sein Verhalten kommt auf das Gleiche hinaus: durch seinen Fanatismus starben Menschen über Menschen.

Bis zu einem bestimmten Tag in seinem Leben – an dem er übrigens wieder einmal in einer Verfolgungs-Aktion unterwegs war. Auch über diesen Tag berichtet Paulus – mit den folgenden Worten: „[ich reiste] eines Tages mit der Ermächtigung und im Auftrag der obersten Priester nach Damaskus. Etwa gegen Mittag, o König, fiel aus dem Himmel ein Licht, strahlender als die Sonne, auf mich und meine Begleiter. Wir stürzten alle zu Boden, und ich hörte, wie eine Stimme auf Hebräisch zu mir sagte: `Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Es ist schwer für dich, gegen meinen Willen anzukämpfen.´  `Wer bist du, Herr?´, fragte ich. Und der Herr antwortete: `Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh jetzt auf! Denn ich bin dir erschienen, um dich zu meinem Diener und Zeugen zu machen. Du sollst der Welt von dieser Erfahrung und von anderen Ereignissen erzählen, bei denen ich dir erscheinen werde. Und ich werde dich sowohl vor deinem eigenen Volk als auch vor den anderen Völkern beschützen, zu denen ich dich senden werde. Ihnen sollen die Augen geöffnet werden, damit sie sich vom Dunkel zum Licht und aus der Macht Satans zu Gott bekehren. Dann werden sie Vergebung für ihre Sünden und einen Platz im Volk Gottes empfangen, alle, die durch den Glauben an mich ausgesondert sind.´ Deshalb [...] habe ich dieser Vision aus dem Himmel gehorcht. Ich habe zuerst den Juden in Damaskus, dann denen in Jerusalem und in ganz Judäa sowie auch den Nichtjuden gepredigt, dass sie sich von ihren Sünden abwenden und zu Gott bekehren müssen. Durch ihre guten Werke sollen sie beweisen, dass sie ihr Leben geändert haben.“

Jesus selbst hatte also, in Seiner Souveränität und Vollmacht, aus dem Saulus einen Paulus gemacht. Aus einem religiösen Fanatiker, der Menschen auf dem Gewissen hatte: einen frommen, demütigen und selbst verfolgten Prediger der Gnade und Liebe Gottes.



Personen – 3. Christus

Christus: Gott, König und Herr

Kommen wir zu der (in unserer Reihenfolge) letzten Person, die in diesem Vers genannt wird : Jesus Christus. Wer war er? Um Jesus Christus ranken sich Theorien und Spekulationen. In einer Hinsicht sind sich alle gleich: keiner bestreitet, dass Er gelebt hat, doch was man von ihm halten soll, da gehen die Meinungen auseinander. Der Islam hält ihn für einen Propheten, einige Philosophen für einen großen Lehrer, politisch motivierte für einen Revoluzzer und die breite Masse – hält ihn für einen Gutmenschen.

Das war auch schon früher so: im Matthäus-Evangelium lesen wir: „Als Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger: »Für wen halten die Leute [mich]« »Nun«, erwiderten sie, »manche sagen, [Du seist] Johannes der Täufer, andere sagen, Elia, und wieder andere halten ihn für Jeremia oder einen der anderen Propheten.«  Daraufhin fragte er sie: »Und was meint ihr, wer ich bin?« Simon Petrus antwortete: »Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.« Da erwiderte Jesus: »Du bist gesegnet, Simon, Sohn des Johannes.« Denn das hat dir mein Vater im Himmel offenbart. Von einem Menschen konntest du das nicht haben.“

Jesus Christus ist also dem Bekenntnis des Petrus und der Bestätigung Christi nach Gott; genauer gesagt: die 2. Person der Dreieinigkeit: der Sohn. Und genau diese Aussage finden wir auch an zwei anderen Stellen in der Schrift: einmal, 650 Jahre vor Seiner Geburt im Propheten Jesaja, wo es heißt: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst“. – und noch klarer kurz vor Seiner Geburt, wo ein Bote Gottes zu Maria spricht: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ Christus ist also Gott in menschlicher Gestalt
– und damit ebenfalls Gott, König und Herr.


Christus: Heiland und Erlöser

Christus, die 2. Person der Trinität, ist aber nicht nur Gott, König und Herr. Er ist auch unser Heiland und Erlöser – also der, der uns von unserer Schuld und Sünde befreit. Doch Moment! Unsere Schuld und Sünde? Welche Schuld und Sünde denn? Wir sind doch schließlich keine Religionsfanatiker wie Paulus, die anderen Leuten nach dem Leben trachten! Wir sind doch ganz in Ordnung. Oder etwa nicht?

Betrachten wir diese Frage mal aus einem anderen Blickwinkel: Nehmen wir an, in unserem Land gäbe es ein Gesetz, dass sagen würde: „Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer [...] Steuern verkürzt oder für sich oder einen anderen nicht gerechtfertigte Steuervorteile erlangt.“ Dieses Gesetz gibt es übrigens wirklich, nämlich
den §370 der Abgaben-Ordnung. Nehmen wir dann mal an, wir hätten es mit der Steuer nicht ganz so genau genommen. Und nehmen wir weiter an, wir würden uns dabei gar nicht so schlimm fühlen. So nach dem Motto: „Die anderen machen es ja auch!“. Schützt uns dieses gute Gefühl dann vor Gericht vor der Strafe, wenn uns jemand dahinter kommt?

Und dann denken wir noch an das, was wir eingangs gehört haben: auch Gott hat ein Gesetz erlassen. Und als König und Herrscher nimmt er seine Gesetze genauso ernst, wie unser lieber Staat. Und was gebietet ER ? ER sagt: „seid heilig!“ Vor allem aber sagt ER: „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit deiner ganzen Kraft und all deinen Gedanken.´ Und: `[...] deinen Nächsten wie dich selbst“. Und? Tun wir das? Von ganzem Herzen? Mit all unserer Kraft? Glauben wir im Ernst, der Allwissende sähe nicht, wie es in unseren Herzen aussieht? Glauben wir im Ernst, es sei IHM egal? Wozu hat ER seine Gebote denn gegeben? Und warum heißt es dann „der Lohn der Sünde ist der Tod“? Begreifen wir jetzt, dass wir jemanden brauchen, der uns hilft und dafür sorgt, dass wir straffrei ausgehen? Begreifen wir jetzt, was es bedeutet, wenn es von Jesu Tod am Kreuz heißt: „Er ist das Opfer für unsere Sünden. Er tilgt nicht nur unsere Schuld, sondern die der ganzen Welt.“?

Lassen wir das erst einmal so stehen – und wenden uns wieder Paulus zu.



Begriffe

Apostel: Botschafter von Gottes Reich

Paulus nennt sich einen „Apostel Christi Jesu“. Aber was ist das genau, ein Apostel? Das griechische Wort ἀπόστολος (apostolos) bedeutet im Grunde: “der, der gesendet ist” oder “Bote”. Ein einfacher Überbringer einer Nachricht kann also bereits ein ἀπόστολος sein.

Es gibt aber noch eine weitere Bedeutung, die weitaus mehr Autorität in sich birgt und die am besten mit einem Begriff aus der Diplomatie wiedergegeben wird: “Botschafter”. Also ein “Abgesandter”, der seine Regierung im Ausland vertritt und mit besonderen Rechten und Befugnissen ausgestattet ist; bis hin zur Immunität.

Paulus war also mit den Augen der Diplomatie betrachtet, ein Botschafter Gottes – abgesandt, um Gottes himmlisches Reich auf Erden zu repräsentieren und um die Gute Nachricht vom Opfer Christi und von Gottes Gnade gegenüber unserer Schuld zu überbringen. Und er war, wie wir nachlesen können, von Gott mit Vollmacht ausgestattet und durch Gottes Geist befähigt, sogar bösen Mächten zu gebieten (siehe z.B. Apostelgeschichte 16,18 – die Magd mit dem Wahrsagegeist).

Wenn wir weiter ins Neue Testament schauen, dann sehen wir, dass ein Apostel in seinem Stand sogar über den Ältesten und Gemeindevorsteher stand. Ja wir
lesen: „sie setzten in jeder Gemeinde Älteste ein, beteten und fasteten und befahlen sie dem Herrn, an den sie gläubig geworden waren.”

Und wenn wir in die Kirchengeschichte schauen, dann begreifen wir erst das volle Ausmaß der Autorität eines Apostels: kaum ein Mann hat sicherlich das christliche Abendland so sehr geprägt, wie Paulus, von dem ein Großteil der Briefe des Neuen Testaments stammen und der damit den Grundstein für die Kirche gelegt hat, die wiederum mit ihren Werten der Weisheit und Nächstenliebe die Kultur des "christlichen Abendlandes" geprägt hat und dazu beigetragen hat, dass in Europa Universitäten, Schulen, Waisen- und Krankenhäuser gegründet wurden.



Gottes Wille: Unsere Heiligung in Liebe

Was den Willen Gottes angeht: von dem haben wir schon zu Anfang gehört: Gott schuf den Menschen nach Seinem Bild – heilig, gerecht und gut. Und sein ausdrücklicher Wille an uns Menschen war – und ist: „Darum heiligt euch und seid heilig; denn ich bin der HERR, euer Gott.“  Oder mit anderen Worten: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ – was im Grunde übrigens ein und dasselbe ist.

Wir sollen also in unserem Leben nicht unseren eigenen egoistischen Lüsten nachjagen, sondern uns in Liebe zu Gott an unsere Mitmenschen verschenken. Oder noch einmal mit den Worten von Paulus: „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht .“ Oder: „seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch.“ Oder auch bei Petrus: „Denn das ist der Wille Gottes, dass ihr mit guten Taten den unwissenden und törichten Menschen das Maul stopft“.

Doch das ist ja genau das Problem, wie wir eben gesehen haben: wir tun es ja alle nicht! Wir alle haben das Gesetz Gottes übertreten und uns somit, egal, ob wir uns deswegen schlecht fühlen oder nicht, vor eben diesem Gesetz schuldig gemacht. Und wir brauchen dringend jemanden, der uns vor dem (gerechten!) Urteil Gottes rettet. Denn wir erinnern uns: Gottes Strafgesetzbuch sagt dazu: „Der Lohn der Sünde ist der [ewige] Tod“!



Gottes Wille: Unsere Rettung

Darum ist, was Jesus zum Thema Wille Gottes zu sagen hat, sicher das Aller-Bedeutsamste: „Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage.“ – „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat. Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, um sie zu verurteilen, sondern um sie durch seinen Sohn zu retten. Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt.“ Das ist also Gottes Wille: Das wir – trotz unserer Gesetzesübertretungen – gerettet werden und ewig leben!


Verheißung des Lebens: Das Evangelium

Und genau dieser Wille Gottes – uns vor unserer Strafe zu erretten! – ist es, der in den Verheißungen des Alten und auch des Neuen Testamentes anklingt – es ist das Evangelium:

Im Propheten Micha 5,1 lesen wir: „Du, Bethlehem Efrata, bist zwar zu klein, um unter die großen Städte Judas gerechnet zu werden. Dennoch wird aus dir einer kommen, der über Israel herrschen soll. Seine Herkunft reicht in ferne Vergangenheit zurück, ja bis in die Urzeit.“ Und im Matthäus-Evangelium: “Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden.“ Ja „All das geschah, damit sich erfüllt, was Gott [übrigens 650 Jahre vor der Geburt Christi!] durch seinen Propheten Jesaja angekündigt hat: »Seht! Die Jungfrau wird ein Kind erwarten! Sie wird einem Sohn das Leben schenken, und er wird Immanuel genannt werden. Das heißt: Gott ist mit uns.«“.

Und eben diese Verheißung, eben dieses Versprechen hat Gott eingelöst. In Lukas-Evangelium lesen wir: „In Jerusalem lebte ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und gottesfürchtig. Simeon war vom Heiligen Geist erfüllt und wartete sehnsüchtig auf die Ankunft des Christus, der Israel Trost und Rettung bringen sollte. Der Heilige Geist hatte ihm offenbart, dass er nicht sterben würde, bevor er den vom Herrn gesandten Christus gesehen hätte. An diesem Tag führte der Heilige Geist ihn in den Tempel. Als Maria und Josef kamen, um das Kind dem Herrn zu weihen, wie es im Gesetz vorgeschrieben ist, war Simeon dort. Er nahm das Kind auf seine Arme und lobte Gott und sagte: »Herr, nun kann ich in Frieden sterben! Wie du es mir versprochen hast, habe ich den Retter gesehen, den du allen Menschen geschenkt hast. Er ist ein Licht, das den Völkern Gott offenbaren wird, und er ist die Herrlichkeit deines Volkes Israel!«“.



Verheißung des Lebens: SOLUS CHRISTUS

Gott möchte also, dass uns unsere Schuld vergeben und unsere Übertretungen nicht mehr angerechnet werden. Wir selbst können uns vor Seinem Gericht nicht gerecht sprechen. Jemand muss die Schuld bezahlen. Und genau das hat Jesus Christus für uns am Kreuz getan: „Er ist das Opfer für unsere Sünden. Er tilgt nicht nur unsere Schuld, sondern die der ganzen Welt.“

Und das ist der Grund, warum diese „Verheißung des Lebens“ nur „in Christus“ gilt: weil allein Christus unsere Strafe getragen hat – niemand sonst. Darum heißt es im Ephesebrief „In IHM haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade [...]"  Dieses ewige Leben ist also ALLEIN IN CHRISTUS zu finden. Nichts sonst wird uns dieses Leben geben – nicht unserer HERKUNFT – nicht unsere eigenen religiösen ANSTRENGUNGEN – noch unsere ABSTAMMUNG. Darum heißt es: „All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. Sie wurden dies weder durch ihre Abstammung noch durch menschliches Bemühen oder Absicht, sondern dieses neue Leben kommt von Gott.“ Und auch: „Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.“. Allein aus diesem Grunde sagte Jesus: „»Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. NIEMAND kommt zum Vater außer durch mich.«“


Ohne Jesus Nachzufolgen gibt es jedoch keinen Frieden mit Gott. Denn so, wie es heißt: “Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.“, so heißt es auch: „Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“ Darum steht geschrieben: „Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Darum –bitte!– höre auf Gott, wenn ER ruft: »Jetzt ist die Zeit gekommen [...] Das Reich Gottes ist nahe! Kehrt euch ab von euren Sünden und glaubt an diese gute Botschaft!«



Bedeutung

Wenn Du das erkannt hast: dass Du mit Deiner eigenmächtigen Art zu leben komplett schief liegst – und wenn Du dann erkannt hast, dass Gott Dich dennoch! liebt – dann wirst Du aus Freude über diese unverdiente Gnade Deinen alten Lebensstil loslassen, zu Gott umkehren und Dich innerlich neu ausrichten auf IHN und Seinen Willen – Du wirst beginnen, in der Liebe zu leben statt in der Selbstsucht, in der Heiligung statt in der Sünde, im Frieden statt im Streit, in der Selbstdisziplin statt in der Sucht, etc. pp.

Und eben das ist die Bedeutung all dessen, was im ersten Vers des 2. Briefes des Paulus an Timotheus verborgen liegt: Das Gott, Dein Schöpfer, Herr und König Dich liebt. Und dass ER Dich kennt – auch Dein kaputtes Herz und Dein vielleicht verkorkstes Leben –  Deine Unfähigkeit Seine guten Gebote zu halten – auch Deine Sünden, Deine Angst, Deine Zweifel und Deine Hoffnungslosigkeit. Und dass ER Dir genau aus diesem Grunde – genauso, wie er es verheißen hatte – das ewige Leben anbietet – dieses Leben, welches allein in Christus Jesus ist. Und dass ER mit Dir fertig wird – so, wie er mit Saulus fertig geworden ist. Nichts ist IHM unmöglich! ER kann auch Dich zu einem Botschafter Seiner Liebe machen!

Das ist das Evangelium: ER kann Dich retten und verändern – und ER WILL es!

Und ER KANN es, denn: „Wenn [...] der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“ Darum schreibt Paulus weiter: „Ich bete, dass ihr erkennen könnt, wie übermächtig groß seine Kraft ist, mit der er in uns, die wir an ihn glauben, wirkt. Es ist dieselbe gewaltige Kraft,  die auch Christus von den Toten auferweckt und ihm den Ehrenplatz an Gottes rechter Seite im Himmel gegeben hat.“



Schlussfolgerung

Es mag sein, dass Du nun glaubst, Du seist so verdorben, so kaputt, so sündig, Du hättest Dich schon so oft gegen Gott verfehlt, dass Du bei IHM „ganz unten durch“ wärst.

Dann möchte ich Dir sagen: Wenn Gott aus einem fanatischen Religionsfreak einen Apostel machen kann, dann kann Er auch mit Dir noch etwas anfangen; obwohl Du so bist, wie Du bist. Er allein kann Dich "umgestalten in Sein Bild" und Dich in Deine Bestimmung führen: Ein Ebenbild zu werden von der Herrlichkeit Gottes
– Seiner Liebe, Gnade, Wahrheit und Vollmacht.

Wie ER das anstellen will? Das lass SEINE Sorge sein. Tue Du das Deine: Schaue auf das Kreuz von Golgatha (vgl. 2. Korinther 3,18): Schaue auf Christus, Gottes Sohn, wie Er für Dich verblutet; wie ER für Dich Sein Leben gibt – aus Liebe! „Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ 

ER, der geboten hat, siebzig mal sieben Mal zu vergeben, wird auch Dir vergeben. Und ER wird Dich auch erhalten bis Er kommt: denn „[...] ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“


Darum bitte ich Dich:

  • schau‘ aufs Kreuz!
  • erkenne Christi Liebe!
  • glaube Seiner Gnade!
  • und lebe in Hoffnung!