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Dienstag, 9. Dezember 2025

Johannes Evangelium 5,24–30


Das Buch der Zeichen - Die Vollmacht des Sohnes, Teil 2

Unser Problem ist, dass wir von Gott unabhängig sein wollen: niemandem als uns selbst unterstellt; uns selbst Gesetz; überzeugt, uns den Himmel mit guten Werken selbst verdienen zu können, wenn wir denn in unserer Gottlosigkeit überhaupt an einen Himmel glauben. »Weit gefehlt!«, sagt Jesus und betont:

Das ewige Leben wird sehen, wer bereit ist, auf seine Gebote zu hören und ihm zu folgen. Wer statt auf seine Leistung auf die Liebe und Gnade Gottes vertraut, der Jesus als Lebensretter zu uns schickte, wird nicht mehr für seine Schuld vor sein Gericht gestellt, sondern kriegt das ewige Leben schon jetzt und hier geschenkt.

Mit Nachdruck betont Jesus, dass eine Zeit kommen wird, ja, dass diese Zeit genau jetzt ist, wo alle „Toten“ — also alle noch von Gott getrennten Menschen — das Evangelium aus Jesus’ Mund hören werden. Und dass die, die auf ihn hören, auf Gottes Liebe und Gnade vertrauen, ewig leben werden.

Weil Gott der Sohn und Gott der Vater völlig eins sind, hat nicht nur der Vater, sondern auch der Sohn die Macht uns zu begnadigen; uns mit seiner Macht aus dem Tod zu reißen; uns ewiges Leben zu schenken. Denn er selbst ist das ewige Leben in menschlicher Gestalt.

Und nicht nur das. Weil Jesus bereit war, Mensch zu werden und für unsere Schuld am Kreuz zu sterben, hat der Vater ihn auch bevollmächtigt, als Richter unser Leben zu beurteilen. Darüber sollten wir uns nicht wundern.

Am Ende der Zeit werden alle Menschen, die jemals gelebt haben, Jesus‘ Stimme hören und aus ihren Gräbern auferstehen: die, die auf ihn vertraut und, dankbar für ihre Erlösung, Gutes getan haben, werden ewig leben. Diejenigen aber, die Gott bis zum Ende den Rücken gekehrt und weiter selbstsüchtig Böses getan haben, werden ihr ewiges Urteil empfangen.

Abschließend macht Jesus noch mal klar, dass er nicht eigenmächtig handeln wird, sondern in völliger Einheit mit dem Vater. Deshalb sind seine Urteile im letzten Gericht auch absolut gerecht. Er setzt nämlich nicht seinen eigenen Kopf durch, sondern den vollkommenen, guten und gerechten Willen Gottes, des Vaters, der ihn als Retter zu uns geschickt hat.

O-Ton: »Amen, ich versichere euch: Alle, die auf mein Wort hören und dem glauben, der mich gesandt hat, haben das ewige Leben. Sie kommen nicht mehr vor Gottes Gericht; sie haben den Tod schon hinter sich gelassen und das unvergängliche Leben erreicht. 

Amen, ich versichere euch: Die Stunde kommt – ja, sie ist schon da –, dass die Toten die Stimme des Gottessohnes hören werden, und wer sie hört, wird leben. Wie der Vater der Geber des Lebens ist, so hat er auch dem Sohn Macht verliehen, Leben zu geben. 

Und er hat dem Sohn die Macht verliehen, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, da werden alle Toten in den Gräbern seine Stimme hören und ihre Gräber verlassen. Alle, die Gutes getan haben, werden auferstehen, um das Leben zu empfangen, und die Böses getan haben, um verurteilt zu werden. 

Ich kann nichts von mir aus tun, sondern entscheide als Richter so, wie ich den Vater entscheiden höre. Meine Entscheidung ist gerecht, denn ich setze nicht meinen eigenen Willen durch, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.« (Joh 5,24–30)

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,9-13

 


Jesus Christus - Gottes Wort von Ewigkeit her -  Die Inkarnation des Wortes


Gedanken: Hier, gegen Ende des Epilogs, wiederholt und bekräftigt Johannes die geistlichen Wahrheiten und Wortbilder, die er für Christus verwendet hat: Jesus selbst, das lebendige Wort Gottes, ist das vertrauenswürdige Licht, dass unsere Welt besucht hat und uns den Weg zu unserer ewigen Rettung erhellt.

Noch einmal bekräftigt Johannes die Ewigkeit Christi, der schon vor Anbeginn der Schöpfung existierte, der immer noch ist, und immer sein wird. Noch einmal bezeugt er, dass alles was existiert, durch ihn geschaffen wurde. Und doch schlägt ihm, dem Schöpfer aller Dinge, seitens der Menschen, seiner Schöpfung, nur Ignoranz entgegen. Er betrat mit dieser Welt sein Eigentum, doch wir, seine Geschöpfe, nahmen ihn nicht an.

Die wenigen aber, die ihn willkommen hießen und ihm Glauben schenkten, begnadete er mit dem Vorrecht, verwandelt und in den höchstmöglichen Stand empor gehoben zu werden; den royalen Stand von Kindern des Höchsten des Universums.

Dieses Vorrecht ist aus menschlicher Sicht unmöglich zu erlangen; weder durch Erbfolge, durch Zeugung oder durch schiere Willenskraft. Was wirklich erforderlich ist, ist ein Akt Gottes: dass Gott selbst in uns den Funken ewigen Lebens entfacht.

O-Ton: „Das wahre Licht, das in die Welt gekommen ist und nun allen Menschen leuchtet, ist Er, der das Wort ist. 

Er, das Wort, war schon immer in der Welt, die Welt ist durch ihn geschaffen worden, und doch erkannte sie ihn nicht. Er kam in seine eigene Schöpfung, doch seine Geschöpfe, die Menschen, wiesen ihn ab. 

Aber allen, die ihn aufnahmen und ihm Glauben schenkten, verlieh er das Recht, Kinder Gottes zu werden. 

Das werden sie nicht durch natürliche Geburt oder menschliches Wollen und Machen, sondern weil Gott ihnen ein neues Leben gibt.“ (Joh 1,9-13)

Sonntag, 7. April 2024

Sünde - Eine Predigt über Menschengebote, Heuchelei, falsch verstandene Freiheit, Werkgerechtigkeit und das Evangelium

[Predigt als MP3]

Einleitung

Ein super komplexes Thema, das sich leider durch alle Lebensbereiche zieht: Sünde. Und auch ein super grundlegendes Thema, weil es den Kern unseres Glaubenslebens berührt. Und wenn ich ehrlich bin, ich habe mir in der Vorbereitung schon so ein bisschen in die Hosen gemacht, weil ich möchte schließlich Gottes Wort predigen und nicht meine eigenen Ansichten. Gerade wenn es um etwas geht, was so zentral ist. 

Ich habe mit dem Joey ein bisschen Zeit haben dürfen zur Vorbereitung. Das war schon mal die halbe Miete, als ich da rauskam, da war ich, Joey weiß das bestimmt noch, froh und begeistert. Und dann habe ich mich zu Hause hingesetzt. Also ich mache das dann meistens vor der Predigt, dass ich mich in der Woche vor der Predigt morgens sozusagen in der stillen Zeit mit eben diesem Thema beschäftige.

Und da habe ich dann unter anderem auch mal das Bibellexikon aufgeklappt. Da stehen ja meistens so knackige Definitionen drin. Ja, dann schlägst du auf: "Sünde" und dann kommt halt nicht eine kurze, knackige Definition. Dann kommen zwei komplette Seiten Bibellexikon nur zu diesem Thema. Und summa summarum: auch das Bibellexikon sagt unter vielen anderen Dingen, die es auf diesen zwei Seiten sagt: dass das ein hochkomplexes Thema ist und dass selbst die Heilige Schrift die Sünde nicht definiert, sondern nur in vielen, vielen Begebenheiten beschreibt.

Und trotzdem möchte ich heute mit uns gemeinsam darüber nachdenken, was Sünde von ihrem Wesen her ist. Und ich möchte gemeinsam mit euch anschauen, in welcherlei Gestalt sie daherkommen kann. Und zwar jetzt nicht an konkreten Fallbeispielen, wie zum Beispiel, Heroinsucht oder sowas, sondern eher in "Behältern".

Und da könnte man jetzt natürlich fragen "Ja, Michi, wieso machst du das?" Manche von uns, die sind noch länger im Glauben als du. Glaubst du wirklich, dass wir das noch nicht begriffen hätten, was Sünde ist? Nee, das glaube ich nicht. Also, ich glaube nicht, dass sie es nicht begriffen habt, wenn ihr mir folgen könnt. Aber ich merke es bei mir selber auch: Man ist halt als Mensch nicht davor gefeit, dass man trotz vielen Jahren dem Glauben bei manchen Sachen so ein bisschen Schieflage bekommt. Und gerade weil es so ein zentrales Thema ist, kann jede Schieflage, die in diesem Bereich auftritt, verheerende Folgen haben.

Und von daher wünsche ich mir wirklich von Herzen, dass ihr heute Gottes Stimme in euren Herzen hört, dass ihr von Gott her erkennt, an welcher Stelle ihr gemeint seid. Und zwar nicht, weil ich euch ein schlechtes Gewissen wünsche, sondern weil ich euch Versöhnung wünsche: Frieden, Freude, Gemeinschaft mit Gott und mit euren Nächsten. 

Übersicht

  • So, also einsteigen, wie gesagt, würde ich gerne mit dem Versuch einer Definition von Sünde. Das ist diese Überschrift. Was ist Sünde? 
  • Und danach möchte ich anhand von Beispielen drei Erscheinungsformen, also nicht drei partikulare Sünden, sondern drei generelle Erscheinungsformen von Sünde vorstellen. Weil ich kann ja nicht alle vorstellen. Dann könnten wir 52 Predigten machen und es würde immer noch nicht reichen.
  • Und ich würde diese drei Erscheinungsformen von Sünde dann gerne unter drei verschiedenen Blickwinkeln betrachten, nämlich unter dem Blickwinkel der Autorität, dem Blickwinkel von Wille und Freiheit und dem Blickwinkel von Beziehungen. Das sind auch bestimmt nicht alle Ebenen, zu denen man da was sagen könnte. Aber es sind mal drei, von denen ich glaube, dass sie ganz wesentlich sind. Also die Blickwinkel, unter denen ich diese drei Erscheinungsformen anschauen möchte, sind Autorität, Wille und Freiheit und Beziehung.
  • Und die drei Erscheinungsformen, zu denen ich etwas sagen möchte, das sind einmal 
    • Menschengebote und Heuchelei. Und da möchte ich mir gemeinsam mit euch anschauen: Was machen eigentlich Menschengebote mit uns im Gegensatz zu Gottes Geboten und vor allem dann, wenn sie entweder, wenn sie entweder als Ergänzung oder gar als Ersatz zu Gottes Geboten daherkommen. Und da möchte ich zwei Varianten mit euch betrachten, nämlich einmal die Enge, die dadurch entsteht, und auch die Heuchelei, die Falschheit, die dadurch entsteht. 
    • Die zweite Erscheinungsform, die ich mit euch anschauen möchte, ist Falsch verstandene Freiheit. Das ist, glaube ich, auch ein ganz modernes Thema, weil das Thema Freiheit ist ja momentan in aller Munde und da möchte ich uns fragen "Was macht falsche Freiheit mit uns?" Wohin führt sie? 
    • Und last but not least möchte ich gemeinsam mit euch anschauen Wie schaut es aus, wenn ich versuche, Gottes Gebote Mit eigener Kraft zu halten? Und da werden wir sehen, dass dieser Weg in die Verzweiflung führen muss.
  • Und zu jeder dieser drei verschiedenen Erscheinungsformen werde ich sicherlich auch noch mal, mal kürzer, mal etwas länger, etwas zu einem Weg sagen, wie man da rauskommt. Aber den Knaller habe ich mir für den Schluss aufgespart, weil zum Schluss möchte ich uns noch mal Das Evangelium sagen und diesmal vielleicht aus einem etwas anderen Blickwinkel. 
Lasst euch überraschen. Ich vermute, dass es für den einen oder anderen etwas ungewohnter Blickwinkel sein könnte, aber es ist auf jeden Fall ein biblischer Blickwinkel.

Was ist Sünde?

Was ist Sünde? Können wir jetzt auf einer ganz einfachen Ebene anfängt? Dann könnte man sagen Sünde ist entweder die aktive Übertretung von Gottes Gebot oder die passive Unterlassung. Und dann wäre ich mit meiner Predigt auch schon fertig. Das wäre jetzt mal so eine ganz kurze Definition, aber ich hoffe, wir werden noch sehen, dass das Thema wesentlich voluminöser ist.

Mal ganz kurz die wichtigsten Dinge, die ich mir da aus diesem Bibellexikon rausgezogen habe, sind erstmal die Wörter, die die gebraucht werden, um um Sünde zu beschreiben. Sünde ist ja jetzt ein Wort. Wenn ich euch fragen würde "Was ist die Wurzel von Sünde?2 Also wenn ich euch jetzt nach der etymologischen Bedeutung fragen würde, dann würden manche von euch sagen "Ja, das kommt von Sund oder tiefer Graben oder was weiß ich was." Also ich könnte es jetzt aus dem Stegreif nicht sagen, was das Wort Sünde überhaupt bedeutet, außer die Bedeutung, die wir alle mit uns herumschleppen.

Wenn man jetzt ins Alte Testament reinschaut und sich die Wörter anschaut, die dort im Zusammenhang mit Sünde verwendet werden, dann findet man Wörter mit Wurzeln, die in die Richtung gehen Zielverfehlung, Auflehnung, Verkrümmung oder Abirren.

Also Zielverfehlung: wie "Ich möchte irgendwo hin schießen und ich schieße daneben", zu kurz, zu lang, zu weit oder was auch immer; links und rechts daneben. Auflehnung: in Richtung Rebellion. Ich richte mich gegen eine Autorität und lehne mich auf. Verkrümmung (ich finde das Bild ganz schön), Sonnen und schwarze Löcher: Eine Sonne strahlt das Licht nach außen; ein schwarzes Loch krümmt den Raum so sehr, dass das Licht ins schwarze Loch zurückfällt. Und so ist es ja auch mit der Liebe und uns Menschen: Wir sind dazu geschaffen, zu lieben und Gottes Liebe, die wir empfangen haben, weiterzugeben und zu strahlen wie eine Sonne. Und das, was passiert als gefallene Menschen: Wir werden zu schwarzen Löchern und die einzigen, die wir dann noch lieben, das sind wir selbst. Also Verkrümmung. Und dann: Abirren, einfach vom Weg abkommen. Das sind jetzt mal nur so ein paar Wortbedeutungen aus dem Alten Testament.

Im Neuen Testament ist es ähnlich. Auch da wieder das Wort Zielverfehlung, also Harmatia, Zielverfehlung: daneben schießen. Ungehorsam hat auch was mit - man merkt schon, das spielt dieses Thema Autorität schon rein, weil Gehorsam heißt ja auch, dass mir jemand sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Und dann Gesetzlosigkeit. Da werden wir heute noch ganz konkret drauf kommen.

Das heißt, allein diese vielen Worte zeigen schon, dass Sünde auch begrifflich schwer zu packen ist. Sie ist Rebellion, sie ist Ungehorsam, sie ist Abfall von Gott. Und jede einzelne Sünde begründet eine Schuld. Und jede Schuld erfordert Bezahlung oder Genugtuung. Wenn man das jetzt alles zusammenfasst - und jetzt kommt mal mein Versuch ein erster Versuch, Sünde zu definieren -, dann würde ich sagen:. 

Sünde ist ein Hang in meinem Inneren, der Gottes Gebote nicht halten will und Gottes Gebote auch nicht halten kann. Sie ist der rebellische Missbrauch meiner von Gott gegebenen Freiheit, um Gottes Autorität den Rücken zu kehren und selbst zu definieren, was gut und was böse ist, bzw. mit eigener Leistung zu erreichen, was nur Gott schenken kann. Sünde ist damit auch und vor allem der Zerbruch der Beziehung zu Gott und damit die Ursache für den Verlust der Beziehung zu dem Einzigen, der allein vollkommen und gut ist.

Ich als Mensch bin nicht vollkommen und gut. Und ich verliere die Beziehung zu dem, der allein alle Weisheit hat; genügend Weisheit, um tatsächlich Gut und Böse definieren zu können. Wogegen ich mir sehr wohl bewusst bin, dass ich begrenzt bin und fehlerhaft. Und ich verliere die Beziehung zu dem, der alle Macht hat, insbesondere die Macht, das vollkommen Gute zu bewirken. Meine Macht ist begrenzt und meine Gutheit ist dahin, sage ich mal seit dem Sündenfall.


Menschengebote und Heuchelei

Aber wie tritt jetzt die Sünde in Erscheinung? Fangen wir mal an mit der Erscheinungsform von Menschengeboten. Ihr seht, da hinten, das sind die zwölf Gebote. Ich hoffe, euch fällt was auf. Ja, also, das machen wir Menschen ja gerne, insbesondere der religiöse Mensch: dem sind Gottes Gebote gar nicht genug. Das muss man alles noch viel feiner ausdetaillieren. Und da wissen wir ja auch: die Pharisäer waren da Weltmeister drin. Ich weiß gar nicht mehr: es gab über 600 verschiedene Vorschriften, die man damals als guter Pharisäer einzuhalten hatte. Und das haben die Pharisäer dann auch dem Volk auf den Buckel geladen.

Und Jesus hat sich über wenige Dinge in seinem Leben aufgeregt. Der ist beleidigt worden, der ist geschlagen worden, der hat sich gegen alle Sachen, die gegen ihn gerichtet waren, nicht mokiert. Aber wenn ihn eine Sache geärgert hat, dann waren das Selbstgerechtigkeit, Hochmut und eben auch: andere Menschen in die Enge zu führen. Da ist er laut geworden. Matthäus 23, Vers vier und fünf lesen wir: "Sie schnüren schwere, kaum tragbare Lasten zusammen und laden sie den Menschen auf die Schultern. Aber Sie selbst machen keinen Finger krumm, um sie zu tragen. Alles, was Sie tun, tun Sie nur, um von den Leuten gesehen zu werden."

Zwei Dinge fallen mir dabei ins Auge. Einmal die untragbaren Lasten und zum anderen die Heuchelei. Für mich bedeutet das: Wo immer wir Gottes aus Liebe Geborenen Geboten - und noch mal: schaut euch die zehn Gebote an; worum geht es da? Da geht es ausschließlich um Dinge, die dem Menschen gut tun. Das ist Gottes Ziel mit seinen Geboten, dass es uns gut geht. Was ist das große Doppelgebot? Es ist ein Gebot der Liebe: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten.

Aber dort, wo wir diesen aus Liebe geborenen Geboten unsere eigenen Gebote hinzufügen oder sogar Gottes Gebote durch sie ersetzen, da kommen wir in die Enge, da werden wir engstirnig, da nehmen wir uns und anderen die Luft zum Atmen; bürden uns und anderen untragbare Lasten auf.

Und dort, wo wir es mit Menschengeboten zu tun haben, da geht es auch meist gar nicht mehr um das Wesentliche an Gottes Gesetz, nämlich um Liebe, um Gerechtigkeit, um Barmherzigkeit und Treue, sondern dann geht es um Show. Da geht es darum, von anderen gesehen zu werden als moralisches Vorbild. Und alles, was echt ist: unsere Authentizität, unser wahres Wesen, verschwindet hinter einer Fassade von Äußerlichkeiten. Äußerlichkeiten, die mich und andere einengen und die nur ein Ziel haben, der religiösen Welt vorzuspielen, was ich für ein cooler Typ bin.

Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Sind wirklich nur die Pharisäer davon betroffen? Kennt ihr das nicht auch aus christlichen Kreisen? "Du sollst keinen Alkohol trinken." Wird dann meistens übrigens noch aus der Bibel begründet, weil da steht ja drin "Schau nicht in den Wein, wenn er so rot ist." Ja, da steht übrigens auch drin, "Darum hat Gott den Wein gemacht, dass er des Menschen Herz erfreue." Also da könnten wir jetzt schon die erste Diskussion anfangen. Wir werden einfach Dinge aus dem Kontext von Gottes Wort rausgerissen und absolut gesetzt. Ist übrigens auch typisch für Menschengebote. "Du sollst jeden Morgen stille Zeit machen." Nicht, dass das verkehrt wäre, aber spürt ihr was? Wenn das zum Gesetz wird, dann treibt es mich in die Enge. "Du solltest einmal im Jahr deine Bibel durchlesen." Es ist sicherlich gut, wenn ich da Freude dran habe und Gott mir das schenkt. Wunderbar. Aber wo steht das? "Du solltest vor dem Essen beten." Das sind mal so Kleinigkeiten. Ihr Lieben, mich hat das in die Enge getrieben. Ich habe früher immer gedacht, ich muss im Restaurant allen Leuten zeigen, dass ich ein Christ bin, weil sonst bin ich ein schlechter Christ. Also habe ich gebetet. Aber ich wollte eigentlich gar nicht. Heute, wenn ich das mache, mache ich das aus der Freiheit heraus. Ganz schlimm: "Du solltest jedem vergeben (auch denen, die dich gar nicht darum bitten)." Damit müsstest du heiliger sein als Gott, weil der vergibt nur denen, die ihn darum bitten; die umkehren und sagen "Vergib mir!"

Du sollst, du sollst, du sollst. Da gäbe es sicherlich 1000 Beispiele. Und deswegen möchte ich dich bitten, jetzt gerade mal darüber nachzudenken. Was ist es bei dir? Was sind diese Dinge, die dich einengen?

Ich hatte ja gesagt, dass ich alle Erscheinungsformen der Sünde einmal unter drei Blickwinkeln betrachten möchte: der Autorität, Wille und Freiheit und der Beziehung. Und wenn ich jetzt mal diese Erscheinungsform von Sünde als Menschengebote unter dem Aspekt der Autorität betrachte, dann wird klar: Allein Gott, der Schöpfer, hat die Autorität zu definieren, was gut und böse ist. Er allein hat die Autorität zu definieren, was wir tun sollen und was nicht. Und alle menschliche Autorität, die wir kennen, die leitet sich letztlich von seiner Autorität ab und ist von ihm so gestaltet worden. Gott hat den Staat eingesetzt und damit die Regierung. Gott hat die Familie und die Eltern eingesetzt über die Kinder. Und er hat auch in der Kirche Älteste eingesetzt. Das heißt, diese ganzen Autoritäten und Hierarchiestrukturen, die kommen letztlich von Gott.

Wenn wir uns jetzt also als Menschen erdreisten, Gottes Gebote zu erweitern und aus zehn, zwölf Gebote zu machen, oder was auch immer, oder 1000, oder Gottes Gebote gar zu verdrängen oder zu ersetzen. Ihr erinnert euch vielleicht an das Beispiel von den Pharisäern, die gesagt haben "Ja, also wenn du jetzt dein Geld dem auf dem Altar opferst, dann brauchst du deine Eltern im Alter nicht mehr zu versorgen." Das heißt, sie ersetzen die Nächstenliebe durch irgendein Menschengebot. Und wenn wir das tun, dann maßen wir uns Gottes Autorität an, nämlich die Autorität, definieren zu dürfen, was Menschen tun sollten und was nicht. Und die haben wir nicht. Das ist eine Erscheinungsform von Sünde.

Und vom Aspekt des Willens und der Freiheit betrachtet, führt diese Anmaßung in zwei Sackgassen. Zum einen als ernsthafter Empfänger dieser Menschengebote führen Sie mich genau ins Gegenteil von Freiheit. Sie führen mich in die Enge. Sie machen mich zum Gefangenen von Regeln, die über das hinausgehen, was Gott will, oder dem sogar zuwiderlaufen. Sie führen zu einem zerquetschten Gewissen. Und als ernsthafter Täter nehmen sie mir auch die Freiheit zu Authentizität. Ehrlich zu dem zu stehen, wer ich bin. Offen zu sein. Keine Masken zu tragen. Sie machen mich zum Heuchler. Und was noch schlimmer sein kann, wenn ich mir meine Ziele tief genug stecke, so dass ich sie dann auch erreichen kann, dann kommt dabei Selbstgerechtigkeit heraus. Das kennen wir auch von den Pharisäern. Ich weiß nicht, ob ihr solchen Menschen schon mal begegnet seid. Das ist furchtbar. Weil denen spürt man das. Ich hätte fast gesagt, die tragen so eine Aura mit sich rum, sie sind besser als der Rest der Welt. Schau mich an, ich bin der Gerechte. Wer bist du?

Und das bringt mich dann auch auf den Blickwinkel der Beziehung. Spürt ihr, wie sich das anfühlt? Mit solchen Menschen umgeben zu sein? Mit Menschen, die eine Maske tragen? Die nicht echt sind? Nicht wahrhaftig? Nicht authentisch? Mit Menschen, die sich besser fühlen als ihr? Ständig unter Beobachtung zu stehen. Wer von uns möchte gerne mit einem verlogenen Typen in einem Raum sein, der nur Show macht? Wer will gerne unter einem Damoklesschwert stehen, verurteilt zu werden, weil er nicht perfekt genug ist? Ich würde mal sagen Menschengebote und Heuchelei zerstören Beziehungen und das fühlt sich madig an!

Aber wo ist dann der Ausweg? Der Ausweg liegt hier, und wie immer bei der Sünde, in einer Umkehr; in einem bewussten, willentlichen und ernsthaften Neuanfang. Und der beginnt in diesem Fall erst mal mit der Freiheit, die mir in Christus geschenkt ist: dass ich dem Gesetz gestorben bin und [in/für] Christus lebe. Und das beginnt für den Selbstgerechten vielleicht auch mit der Erkenntnis der eigenen Anmaßung und Arroganz. Ich denke, der Weg der Umkehr, der hat immer diese Elemente Selbsterkenntnis, Umkehr, Reue und Vergebung. Aber davon später mehr.


Falsch verstandene Freiheit

Jetzt könnte man ja sagen: "Okay, haben wir erkannt; das ist jetzt also mal nicht der Weg, neue Gebote mit dazu zu machen; dann also bitte weg mit den Geboten." Das beste Beispiel und das kennen wir alle auch - und ich weiß nicht, Freddy hat mich, glaube ich, darauf aufmerksam gemacht - das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Da bin ich jetzt, glaube ich, der dritte, der da was zu sagt, aber es passt halt einfach. Und da wir das ja jetzt alle schon so oft gehört haben, haben wir es hoffentlich auch noch im Hinterkopf. Deswegen beziehe ich mich da bloß mal so hin und wieder drauf. Ich werde das ganze Gleichnis jetzt nicht vorlesen, aber nur mal kurz als Zusammenfassung:. 

Nummer zwei, der Jüngere, hat sich sein Erbe vorzeitig auszahlen lassen, ist in die weite Welt gezogen und hat die Kohle von seinem alten Herrn durchgebracht, als ob es kein Morgen gäbe. Und alles, was für ihn zählte, war Freiheit, maximaler Spaß. Und da könnte man ja auch fragen "Wo liegt denn da jetzt der Fehler?" Wir haben doch gerade eben gesehen, dass zu viele Gebote nicht gut sind. Dann müsste das doch jetzt die Lösung sein. Weg damit! Und ihr Lieben, es gibt viele Christen, die argumentieren genau so und sagen "Für mich gelten keine Gebote mehr, gar keine, nicht mal mehr die zehn Gebote oder das große Doppelgebot der Liebe." Warum? Ich bin ja frei vom Gesetz. Weg mit den Geboten.

Ihr Lieben, sollte das auf euch zutreffen, dann würde ich euch bitten: nehmt euch eure Bibel noch mal zur Brust und liest sie noch mal ganz genau durch. Weil in meiner Bibel steht, dass Gott ein Ziel hat, dass er von Anfang der Schöpfung bis zu ihrem Ende verfolgt: "Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei."; das ist im Paradies zerbrochen. Für die Schuld hat Christus am Kreuz bezahlt. Und was jetzt danach kommt in unserem Glaubensleben, ist ein Leben der Heiligung. Das ist ein Leben, in dem wir mehr und mehr verwandelt werden in sein Bild, bis wir ganz zum Schluss aufgenommen werden in die Herrlichkeit. Aber ganz sicherlich nicht ohne.

Aber gut, der jüngere Sohn hat das so gesehen: "Weg mit den Geboten!" Und wenn ich das jetzt mal unter dem Blickwinkel der Autorität betrachte, dann stellt sich da das Geschöpf gegen den Schöpfer, oder im Bild gesprochen der Sohn gegen den Vater. Definiert für sich eigenmächtig, was gut und böse ist. Und gut ist natürlich alles, was mir gefällt. Und erlaubt ist auch alles, was mir gefällt. Und so denkt sich der jüngere Sohn "Hauptsache, ich habe Spaß und ich kann tun und lassen, was ich will." Mein Glücksgefühl - und ihr Lieben, schaut euch die Gesellschaft heute bitte ganz genau an! - diesen Satz, den könnte ich der ganzen Gesellschaft auf die Stirn schreiben: "Mein Glücksgefühl ist mein oberstes Ziel." - "Mein Glücksgefühl ist mein oberstes Ziel." Nicht etwa die Liebe zu Gott oder Gottes Ehre.

Schaue ich mir das Ganze an unter dem Blickwinkel von Wille und Freiheit, dann merke ich, wenn ich genauer hinschaue: Da geht es eigentlich gar nicht um Freiheit. Da geht es um den Missbrauch von Freiheit. In Wirklichkeit geht es um Ichsucht, um Egoismus, um Hedonismus und um Genusssucht. Und diese Art von Gesetzlosigkeit, ihr Lieben, führt in die Falle und nicht in die Weite. Und ich habe das selber so in meinem Leben erlebt: Wenn man alles darf, dann macht man auch alles. Und manches davon treibt in Sucht und in Abhängigkeit. Bevor ich zum Glauben gekommen bin, war ich drogensüchtig und zwar richtig schick. Und da kommst du alleine so nicht raus. Das heißt, diese vermeintliche Freiheit, dieser Glaube tun und lassen zu können ohne Konsequenzen, was man will, der führt in die Enge, in die Falle, in die Sucht, in die Abhängigkeit. Paulus sagt es in Römer acht, Vers acht so, dass Menschen, die nur sich selbst dienen, Gefangene sind ihrer selbstsüchtigen Natur. Und ihr kennt vielleicht auch diesen Ausruf aus Römer sieben, Vers 24 "Ich unglückseliger Mensch, wer wird mich jemals aus dieser tödlichen Gefangenschaft befreien?"

Und alle Gesetze abzuschaffen, das macht auch etwas mit meiner Beziehung zu Gott. Denn Gott ist nicht nur Liebe. Das wird immer so gern zitiert: "Ja, Gott ist doch die Liebe." Wenn es mir dabei gut geht, was sollte er dagegen haben? Gott ist nicht nur die Liebe, ihr Lieben, Gott ist auch heilig. Und deshalb schreibt Paulus im Römerbrief "An denen, die Gefangene ihrer selbstsüchtigen Natur sind, kann Gott unmöglich Gefallen finden." Eben weil er heilig ist. Weil er das Böse nicht gutheißen kann. 

Und falsch verstandene Freiheit macht auch etwas mit meiner Beziehung zu meinem Nächsten. Sie macht sie kaputt. Und wer jemals die andere Seite von Ehebruch erlebt hat, also nicht als Täter, sondern als Opfer, der weiß, was ich meine. Und auch um noch mal das Gleichnis vom verlorenen Sohn aufzugreifen: Schaut euch mal den Vater an! Wie mag es dem gegangen sein; all die Jahre? Ich vermute, der es jeden Tag rausgegangen und hat gewartet. Jeden Tag sehnsüchtig, dass sein Sohn nach Hause kommt. Was macht das mit Beziehung? Oder der Bruder? Der schnappt sich der junge Bursche das halbe Erbe und schiebt ab; lässt ihn mit der ganzen Arbeit alleine. Was macht das mit Beziehung? Und auch da die Frage an dich: Wenn es also darum geht, alle Gesetze abzuschaffen, zu tun und zu lassen, was ich will: "Kennst du das?"

Auch hier die Frage: "Wo ist der Ausweg?" Ich denke, der Anfang des Auswegs liegt in der Erkenntnis, dass Freiheit und Selbstsucht zwei ganz verschiedene Dinge sind. Ich denke, sie liegt in der Erkenntnis, dass wahre Liebe Grenzen setzt und wahre Liebe sich an Grenzen hält, weil wahre Liebe nicht maßlos ist. 

Und was ist auch in diesem Fall, wie in allen anderen Fällen, braucht, um umzukehren, sind mehrere Wunder - und ich meinte es wirklich so, wie ich es sage: - mehrere Wunder; nicht Sachen, die schwierig sind, sondern Wunder. Das erste Wunder ist das der Selbsterkenntnis. In der Hoffnung für alle steht da im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Satz "Da kam er zur Besinnung." Und ich sage das ist ein Wunder, weil das ist nicht der normale Lauf der Dinge. Ich kenne viele, viele Menschen aus meinem früheren Bekanntenkreis, die haben sich so verrannt, aber die sind über all die Jahrzehnte nicht zur Besinnung gekommen. Das zweite Wunder ist die Umkehr. Der jüngere Sohn sagt "Ich will zu meinem Vater gehen (und so weiter und so fort)." Ich drehe um. Ich gehe den Weg zurück, den ich gekommen bin. Das dritte Wunder ist die Reue, das Bedauern eigener Fehlentscheidungen und Taten. Der nimmt sich vor zu sagen "Ich will ihm sagen Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden." Ihr Lieben, wie viel braucht das? Wie viel braucht das, bis ein Mensch dazu bereit ist: die Maske fallen zu lassen und zu dem zu stehen, was er ohne diese Maske im Spiegel sieht? Kein strahlendes, gottgleiches Antlitz. Und das vierte und sicherlich größte Wunder ist die Vergebung. Ich finde das so ein schönes Bild im Gleichnis vom verlorenen Sohn, weil so ist Gott: Der steht jeden Tag neu an der Straße und wartet jeden Tag von vorne. Und als der Sohn dann kommt: keine Vorwürfe, nicht ein Wort. Er umarmt ihn, weil er sich einfach nur freut, dass sein Kind wieder zu Hause ist. Und so möchte ich dich heute auch fragen: "Was spricht Gott in deinem Herzen? Heute ist der Tag zum Umkehren! Gott wartet."


Mit eigener Kraft

Ihr Lieben, wir haben gesehen, dass es keine Lösung ist, gottes Geboten eigene dazuzusetzen oder Gottes Gebote durch eigene zu ersetzen. Wir haben gesehen, dass es auch keine Lösung ist, Gottes Gebote abzuschaffen. Ja, was denn dann? Dann kann die Lösung doch nur noch sein, Gottes Gebote aus eigener Kraft zu halten. Und dann habe ich bei der Predigtvorbereitung gedacht: "Jetzt brauche ich aber mal ein gutes Beispiel." Und dann kam der Heilige Geist und hat mir auf die Schulter getippt und hat gesagt: "Das kennst du.!" Wie viele Jahre und Jahrzehnte habe ich versucht, es Gott recht zu machen? Wie viele Jahre und Jahrzehnte habe ich versucht, ein guter Christ zu sein? Und ihr Lieben, ich bitte euch, hört immer mit diesem Ohr zu: "Ist das 'meins'?" Wie viele Male bin ich daran gescheitert, aus eigener Kraft gerecht zu werden? Und wie viel unendliche Geduld hat Gott mit mir gehabt? Jahrzehnte habe ich immer wieder die gleichen Sorten von Versen gekriegt. Und übrigens, der Vers, den ich heute bekommen habe, der bedeutet mir wahnsinnig viel. Der ist für mich auch ein Zeichen dafür, dass es vorbei ist damit. "Hinds Feet on High Places"; krasses Buch; "Die Füße der Hinden auf den Bergen", oder?

Aber was hat Gott mir all die Jahre gesagt? Durch Gesetzeswerke wird kein Mensch vor ihm gerecht. Denn durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde. Oder Galater 3,2 wo Paulus die Galater und mich fast verzweifelt fragt "Ich möchte euch nur eines fragen: Hat Gott euch seinen Geist gegeben, weil ihr das Gesetz befolgt habt oder weil ihr die Botschaft gehört und angenommen habt, dass es vor Gott auf den vertrauenden Glauben ankommt?" Und ein Oberknaller, den habe ich über viele, viele Jahre immer wieder - den gleichen Vers - bekommen, weil ich wollte ja immer was tun: Jesaja 30,15 "Denn so spricht Gott, der Herr, der Heilige Israels. Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen. Durch Stille sein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Aber ihr habt nicht gewollt." Ihr habt nicht gewollt!

Und ich konnte das einfach nicht fassen, dass es so einfach sein sollte, dass die Tür zum Himmel längst offen war. Wie könnte Gott mich lieben? Ich bin ein Sünder. Er ist heilig. Er ist der Allmächtige. Er ist der Richter aller Welten. Und steht es nicht auch in der Bibel? "Heiligt euch, denn ich bin heilig, denn ich bin der Herr, euer Gott. "Oder auch im Neuen Testament. Erster Petrusbrief: "Es steht geschrieben Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig." Da steht es doch! Und dann auf jeder Seite der Bibel: Imperative. Gebote. Muss man die denn nicht alle halten? Wo liegt dann also der Fehler?

Betrachtet aus dem Blickwinkel der Autorität muss man ja zumindest schon mal anerkennen, dass der Mensch, der es in eigener Kraft versucht, den Schöpfer auf dem Thron lässt. Dass er anerkennt, dass Gott allein die Gebote macht. Dass er anerkennt, dass es einen Gott gibt und dass er regiert, dass er definiert, was gut und böse ist. Daran kann es also nicht liegen. Aber schaue ich aus dem Aspekt von Wille und Freiheit darauf, dann merke ich, dass der, der diesen Weg geht, sich selbst zu viel zutraut. Er sucht die Lösung in der eigenen Anstrengung, in der freien Ausübung seines Willens. Aber er überliest, was Paulus sagt "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht." Und so macht er immer wieder die verzweifelte Erfahrung: "Ich tue nicht, was ich will, sondern das, was ich hasse. Das tue ich." Und so tut er dann Buße und versucht es von neuem. Und merkt nicht, dass auch das eine Form von Sünde ist. Und diese Sünde heißt Werkgerechtigkeit.

Und auch noch mal mit der Brille von Beziehungen betrachtet: Da sieht es auch nicht besser aus. Erst einmal meine Beziehung zu Gott. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Gott mich liebt. Was ist das für eine Art von Beziehung, wenn ich dem anderen noch nicht mal das zutraue, dass er mich mag? Und ich hatte doch gute Argumente! Nur hatte ich übersehen, dass Gott mich nicht liebt, weil ich so toll bin, sondern dass er mich liebt, weil er die Liebe in Person ist; weil er mich lieben will.


Das Evangelium


Und damit wären wir wieder beim Willen. Meine Erlösung liegt nicht in meinem Willen, meine Erlösung, die liegt in Gottes Willen. Gott sei Dank! Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die finde ich also nicht in mir, sondern außerhalb von mir. Luther nannte das "iustitia aliena" oder "iustitia extra nos", also eine "fremde Gerechtigkeit" oder eine "Gerechtigkeit außerhalb unserer selbst". Denn wenn ich auf mich schaue, dann werde ich Johannes recht geben müssen, wenn er sagt "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." Wenn ich auf mich schaue, dann muss ich noch immer sehnsüchtig mit Paulus rufen "Nicht, dass ich schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei. Ich jage ihm aber nach, ob ich es wohl ergreifen möchte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin." Und letzten Endes: wenn ich allein auf mich schaue, dann werde ich immer wieder an diese Stelle kommen, wo ich traurig und vielleicht sogar verzweifelt mit Paulus rufe "Ich Elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Leibe des Todes?"

Aber meine Gerechtigkeit liegt nicht in mir, in meiner Leistung, in meinen Taten. Meine Gerechtigkeit liegt allein in Christus. Und wenn ich allein auf Christus schaue, dann kann ich vor Freude rufen "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt." "Er ist um unserer Missetaten willen verwundet, um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, dass wir Frieden hätten." Er ist ohne Sünde. Er hat ein Leben in vollkommener Gerechtigkeit geführt, Und er hat für meine und für deine Schuld bezahlt. Vergangene, gegenwärtige und zukünftige. Und das alles schenkt er dir. Darum heißt es "Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt." Das ist der beste Tausch deines Lebens! Deine Sünde für seine Gerechtigkeit. Geschenkt!

Aber jetzt könnte man immer noch ein bisschen Schiss kriegen und sagen "Ja, dann sind die vergangenen Sünden vergeben. Aber ich mache ja jeden Tag wieder Mist!" Das Beste kommt noch. Christus ist nicht nur unsere Rechtfertigung. Er macht uns nicht nur gerecht vor Gott, weil er ein gerechtes Leben geführt hat, was er uns aufs Pluskonto schreibt und weil er am Kreuz für unsere Schuld gestorben ist und uns damit das Minus nimmt. Er sorgt auch dafür, dass wir ihm immer ähnlicher werden, und er allein wird dafür sorgen, dass wir eines Tages völlig erlöst sind. Und das ist das, was erste Korinther 1:30 - den könnt ihr heute bitte mal mitnehmen - was dort steht: "Christus ist uns gemacht zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung." Nicht nur zur Gerechtigkeit, auch zur Heiligung, auch zur Erlösung. Ihr Lieben, wir suchen unsere Gerechtigkeit vielleicht in Christus und sagen Er ist für meine Schuld gestorben. Er ist auferstanden, und sein gerechtes Leben hat er mir zugeschrieben. Das ist 1/3 der Miete. Und dann versuchen wir, den Rest selbst zu tun. Er ist unsere Heiligung. Er ist unsere Erlösung.

Aber wie soll das funktionieren? Ich stecke doch in mir drin. Ich muss doch jeden Tag handeln. Und mal ganz ehrlich, wir sollen doch die Gebote halten. Haben wir doch gesehen. Die zehn Gebote. Das große Doppelgebot der Liebe. Ja, natürlich! Aber auch hier, ihr Lieben, es liegt nicht an uns. Es liegt an Christus in uns! Es geht nicht darum, dass wir machen. Es geht darum, dass wir ihn machen lassen. Denn die Wahrheit ist doch - und Jesus weiß das; er hat das selber gesagt: Johannes 15,5 - "Ohne mich könnt ihr nichts tun." Nicht wenig oder ganz wenig. Oder ein klitzekleines bisschen. Nichts. Und ihm ging es genauso. Johannes 5,30, sagt er "Ich kann nichts von mir aus tun." Wie hat Jesus all diese Wunder getan? Es war der Vater in ihm, der Heilige Geist in ihm. Auch er hat machen lassen. Das übersehen wir leicht.

Alles, was Jesus von uns erwartet, ist, dass wir ihn machen lassen. Alles, was er von uns erwartet, ist, dass wir ihm vertrauen, dass er uns mit der Zeit ans Ziel bringt, seine Ebenbilder zu werden. Was wir dazu tun müssen, ist, mit ihm verbunden zu bleiben. Auch das finden wir in Johannes 15, verbunden mit seinem Wort; das heißt verbunden mit der Bibel, mit der Heiligen Schrift; verbunden mit seinen Kindern; verbunden mit der Gemeinschaft in der Gemeinde; verbunden mit ihm im Abendmahl; und verbunden mit ihm und einander im Gebet. Und das ist nicht schwer. Das ist was, das schaffen wir. Die wahren Dinge, die macht er.

Das ist das Geheimnis: Christus lebt in euch! Darin liegt eure Hoffnung: Ihr werdet an seiner Herrlichkeit teilhaben.

Amen.

Sonntag, 8. September 2019

„Was muss ich tun, um heilig zu werden?“ (Johannes 19,30)

[Predigt als MP3]

Einleitung

MOTIVATION: Zu dieser Andacht hat mich ein Vers aus den Evangelien inspiriert - das Wort Jesu am Kreuz aus Johannes 19,30 "Es ist vollbracht“. In Verbindung mit anderen Stellen aus der Bibel hat mir diese Stelle einmal mehr die Augen dafür geöffnet, was dieses "es ist vollbracht" für mich ganz persönlich bedeutet – was es für uns bedeutet - und was es insbesondere für unsere Heiligung bedeutet - und für unsere oftmals völlig falschen Vorstellungen davon. Doch bevor ich davon anfange, wie das mit der Heiligung denn nun wirklich funktioniert und was des Rätsels Lösung ist, möchte ich Euch erst mal mit hinein nehmen, wie ich meine Heiligung oft erlebt habe: Frustrierend! Ich habe ganz oft das Gefühl: „Ich werde ja nie „fertig“ werden!“

MEINE GRÖßTEN HINDERNISSE IN DER HEILIGUNG: Furcht vor neuen Herausforderungen; Zukunftsängste; Überlebensängste; Gefühl un-geborgen und verlassen zu sein. Lust der Augen: in Zeiten von starker Frustration und Anfechtung: Flucht die Scheinwelt von Nähe und Geborgenheit. Zorn: bei Unrecht und Gefährdung im Straßenverkehr; bei Respektlosigkeit im täglichen Leben.

DAS EIGENTLICHE PROBLEM: Nicht das wir sündigen ist das eigentliche Problem, sondern dass wir nicht damit aufhören können. Aus Römer 7 wissen wir: Alle eigene Anstrengung führt ja zu nichts – außer zu noch mehr Sündenerkenntnis: In Römer 7,15 lesen wir: „Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich.“ Und aus Römer 7,19: "Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." Und schließlich aus Römer 7,24: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“. Es scheint einfach hoffnungslos! Daher dann auch die Frage: „Wie funktioniert das mit Römer 8 – das mit dem "Leben im Geist"?“ Schließlich lesen wir in Römer 8,13: „[…] wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Fleisches tötet, so werdet ihr leben.“» Aber wie soll das gehen? Kennt ihr dieses Ringen? Diese Verzweiflung, von der Paulus hier schreibt?

DIE FRAGE IST ALSO SCHEINBAR: „Was muss ich tun, um heilig zu werden?“  Und, damit es konkret wird, möchte ich Euch da mal ganz persönlich in die Pflicht nehmen und Euch bitten, Euch mal ganz im Stillen eine Frage zu beantworten, was Eure ganz persönliche Heiligung angeht: 

WAS IST DEIN GRÖßTES HINDERNIS IN DER HEILIGUNG? 

  • Arroganz, Hochmut, Eingebildetsein und Stolz?
  • Geldliebe? Geiz? Habgier?
  • Süchte? Pornografie? Drogen? Spielsucht?
  • Maßlosigkeit? Völlerei? Kaufräusche?
  • Neid? Eifersucht? Missgunst? Bitterkeit?
  • Faulheit? Lauheit? Feigheit? Trägheit?

Du musst es niemandem sagen. Aber wenn Gottes Geist Dir beim Anhören dieser Liste auf die Schulter getippt hat, dann halte diesen Gedanken bitte fest. Denn an genau an diesem Punkt geht es um Deine ganz persönliche Heiligung. <PAUSE> Und genau diesem Punkt ist die heutige Andacht gewidmet. Denn das ZIEL DER HEUTIGEN ANDACHT ist es: die Frage zu beantworten: "Heiligung? Ja! - Aber wie?"


Inhalt

Diese Frage nach der Heiligung, danach, wie das gelingen kann mit der Heiligung – darum soll es heute gehen. Die Frage lautet also: „Was muss ich tun, um heilig zu werden?“ Diese Frage möchte ich beantworten. Dazu werde ich ein Wort Christi am Kreuz aus Johannes 19,30 in den Mittelpunkt stellen. Und ich werde einige andere Bibelworte dazu in Bezug setzen. Dazu möchte ich
  1. Gottes Sicht auf das Thema aus Seinem Wort beleuchten
  2. Die Kernaussage von Johannes 19,30 (und der dazu in Bezug gesetzten Verse) klar herausstellen. 
  3. Und letztlich die Frage stellen, was das für uns für eine praktische Bedeutung hat.
Zum Schluss möchte ich Dir 2 Fragen stellen - Fragen an Dein Herz

1. Unser Text

„Jesus [...] sprach [...] Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30)

Ich hatte Euch ja eingangs gesagt, dass dieses Wort Christi am Kreuz mir einmal mehr die Augen dafür geöffnet hat, was dieses „Es ist vollbracht“ für meine ganz persönliche Heiligung bedeutet. Und das hat etwas mit einigen Bibelstellen zu tun. Die möchte ich Euch jetzt einmal vorstellen und Euch dann mal 2 Fragen dazu stellen:

Jes 43,1 „Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, [...] und dich gemacht hat, [...] Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ WER hat uns geschaffen? Gott. Wieviel Leistung mussten wir dafür erbringen? Keine. ---- Mussten wir dafür etwas bezahlen? --- Unsere Schöpfung war also ein Geschenk!!

Römer 8,29-30  „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, daß sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.  Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.“ WER hat uns ausersehen, vorherbestimmt, berufen und gerecht gemacht? Das war auch Gott, richtig? Mussten wir da irgendwas großartig leisten, damit Gott das macht? Nein? Dass hat auch Gott ganz alleine gemacht! Dazu ist Jesus aus Liebe am Kreuz gestorben: um die Strafe für unsere Schuld zu bezahlen. Und dazu ist er auferstanden: Um uns Seine Gerechtigkeit zu schenken. Unsere Erwählung und unsere Rechtfertigung sind also auch ein Geschenk. WER wird uns eines Tages verherrlichen? Wer wird machen, dass wir mit einem unsterblichen Leib für alle Ewigkeit in Gesundheit und Freude leben können? In vollkommener Liebesgemeinschaft mit Gott? Das wird auch Gott machen. Unsere Verherrlichung ist also auch ein Geschenk.

Aber jetzt kommen wir, oder? Jetzt müssen wir uns kräftig anstrengen, damit das auch was wird mit der Heiligung. Oder? Wir müssen feste glauben und uns noch mehr anstrengen, damit wir auch ganz bestimmt heilig werden, oder? Schauen wir mal:

Joh 6,29 „Das ist Gottes Werk, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ WER macht, dass wir Glauben? Wessen Werk ist das? <PAUSE> Also der Glaube ist auch ein Geschenk!

Phil 1,6 „ich bin darin guter Zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Und was ist das für ein Werk? 2Kor 3,18 „Wir alle sehen in Christus mit unverhülltem Gesicht die Herrlichkeit Gottes wie in einem Spiegel. Dabei werden wir selbst in das Spiegelbild verwandelt und bekommen mehr und mehr Anteil an der göttlichen Herrlichkeit. Das bewirkt der Herr durch seinen Geist.“ (GNB). WER verwandelt uns in Christi Spiegelbild? WER wirkt unsere Heiligung? Gott wirkt sie! Durch den Heiligen Geist! <PAUSE> Ihr Lieben! Auch unsere Heiligung ist ein Geschenk!

Ich finde, das ist so unfassbar. Das ist so zum Gott loben! Das ist doch der Kracher, oder?! Ich finde, das ist überhaupt nicht zu fassen! Gott schenkt uns einfach alles!! ALLES!!

2. Die Kernaussage


Also noch mal langsam zum Mitschreiben: Gott tut in unserer Errettung und Erlösung einfach alles: Vom Vorherwissen und -bestimmen (Rö 8,29) über das erschaffen (Jes 43,1), hin zum Berufen (Rö 8,30), Erlösen (Lk 1,68), Glauben (Joh 6,29) und Rechtfertigen (Rö 8,30), das Verwandeln und Gleichgestalten (2Kor 3,18), bis hin zum Vollenden (Phil 1,6) und Verherrlichen (Rö 8,30). 

Unsere Aufgabe ist daher keine krampfhafte Aktivität. Es ist ja GOTTES WERK. Nicht unseres. Wir müssen uns nicht abkrampfen. Wir müssen nicht angsvoll zittern, ob wir es schaffen werden. Gott selbst hat uns versprochen, dass Er das das gute Werk, das Er in uns angefangen hat auch vollenden wird bis an den Tag Christi Jesu. (Phil 1,6). Und warum: Weil Jesus am Kreuz dafür bezahlt hat. Weil Jesus am Kreuz dafür den Grundstein gelegt hat. Den Preis bezahlt hat. Darum heißt es „Es ist vollbracht“. Aus Gottes Sicht ist unsere Erlösung und Heiligung und Verherrlichung eine längst ausgemachte Sache. Nur für uns vollzieht sie sich in der zeit. Aus Gottes Perspektive ist Sein Werk längst fertig. Und es gibt für Gott keinen Zweifel: „Es ist vollbracht!“

Aber was bleibt uns dann zu tun? Die Bibel ist doch voller Anweisungen und Gebote und Mahnungen?

3. Praktische Anwendung


Das was uns bleibt ist – wenn alles tatsächlich Gottes Werk ist – eine „aktive Passivität“: eine ganz bewusste Entscheidung, Ihn in unserem Leben wirken zu lassen: in dem wir auf Sein leises Reden hören und dann im Vertrauen auf Seine Kraft das zu tun, was Er uns sagt – indem wir also Jesus im Glauben auf Seinem Weg ans Kreuz nachfolgen – und mit Christus beten: „[…] nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ Indem wir loslassen. Unsere Vorstellungen: wie die Dinge zu sein haben. Unseren Willen: wie wir es gerne hätten. Unsere Emotionen und unsere Ungeduld: wann wir es gerne hätten. Sondern stattdessen loszu lassen – und einfach darauf zu vertrauen, dass ER hält, was ER uns verspricht.

Wir müssen nichts beisteuern; nichts leisten; nichts machen. Es geht vielmehr darum, IHN machen zu lassen; IHM zu erlauben uns so zu gestalten und zu gebrauchen, wie ER es für richtig hält – und wann ER es für richtig hält. Das ist genau das, was Jesus getan hat – was ER für uns getan hat: Er hat sich selber, Seine Wünsche, Seinen Willen, Seine Ehre, Seine Macht, Sein Wohlbefinden, Er hat einfach alles losgelassen - aus Liebe zu Dir und zu mir! Und Er hat uns fest versprochen: Diese Liebe wird uns nicht aufgeben / wird nicht aufhören, uns zu heiligen / wird sich nicht von unseren Sünden erbittern lassen / wird uns das Böse nicht zurechnen (1Kor 13:5) - bis sie am Ziel ist.

Es ist alles Gottes Wirken! / Nicht unsere Leistung! ---- Es ist alles Geschenk! / Wir müssen nichts bezahlen!

Was für uns bleibt, ist Gott nicht im Wege zu stehen. IHN machen zu lassen. Es IHM zu erlauben. Indem wir uns loslassen – uns IHM überlassen. Und annehmen und darauf vertrauen, dass Er das schon hinkriegt, was uns so unmöglich scheint. Jetzt können wir hingehen und sagen: "Jesus hat alles getan und darum kann ich in seiner Kraft das tun, was Er von mir verlangt." Oder noch besser: "Jesus hat alles getan und darum kann ER in mir in seiner Kraft das tun, was Er von mir verlangt."  Alles was Gott von Dir erwartet ist, dass Du Dich ihm hingibst! Ihn machen lässt. 

Ich nenne das „aktive Passivität“: die völlige Hingabe meines Willens an Ihn im völligen Vertrauen auf Sein Wirken. Gnade statt Werke. Geist statt Fleisch (Sach 4,6 und Joh 6,63). Es geht nicht um das krampfhafte Kämpfen um Heiligung aus eigener Kraft - sondern darum, eine der wichtigsten Lektionen im Leben zu lernen: das Loslassen von dem "was ich will" und "wie ich es will" und "wann ich es will" - und stattdessen dieses andere zu lernen "sondern, wie Du willst", "zu Deiner Zeit" und "in Deiner Kraft". Es geht um das Loslassen des eigenen (Vorstellungen, Willen, Anstrengungen), und das Annehmen des Göttlichen (Wortes, Willens) und das Vertrauen auf Seine Kraft (Wort, Verheißung, Glaube, Erhörung).

Jesus hat sich für Dich verschenkt – Er hat Dich so sehr geliebt, dass Er bereit war, für Dich Sein Leben zu geben – ER will Dich beschenken – Und was ER sich dazu von Dir wünscht, das möchte ich Dich nun fragen:


Fragen an Dein Herz


  1. Wo kämpfst Du noch in eigener Kraft, heilig zu werden, anstatt Dich Jesus anzuvertrauen; Ihn wirken zu lassen? Willst Du Sein Geschenk annehmen?

  2. Spürst Du das Ziehen des Heiligen Geistes? Inneren Widerstand? Was willst Du loslassen?  Dich ganz Gott überlassen?

„[...] nicht wie ich will, sondern wie du willst!“
(Matthäus 26,36)




Sonntag, 11. August 2019

Geistliches Leben – vom Krampf zur Freude (Matthäus 11,28-30)

[Predigt als MP3]

Einleitung

Ich hatte Euch ja mindestens schon einmal davon erzählt, dass mir „die Sonne der Gnade Gottes in Zeitlupe aufgeht“. 

Was ich damit meine ist, dass ich viele, viele Jahre darunter gelitten habe, dass ich dachte, Gott sei ein hartherziger, allmächtiger Tyrann, der nichts anderes im Sinn habe, als mich zu versklaven, mir mit Gewalt Seinen Willen aufzuzwingen und mir dann – weil ich als gefallener Mensch ja gar nicht anders kann, als zu versagen – jeden kleinsten Fehler unter die Nase zu reiben und darauf herumzuhacken, mir Höllenängste zu bereiten und mich mit all diesen schrecklichen Ängsten alleine zu lassen.

Und was habe ich mich in diesen Jahren und Jahrzehnten bemüht, es Gott recht zu machen. Gott alleine weiß es. Und doch hatte ich immer das Gefühl, als sei es in der meisten Zeit meines Lebens nur finsterste Nacht. Ich fühlte mich, wie ein Atom-U-Boot, dass nur alle heiligen Zeiten einmal auftaucht, um frische Luft zu tanken. Die meiste Zeit aber war ich „unter Wasser“. Nur allzu gut konnte ich nachvollziehen (und bitte glaubt mir, dass ich mich nicht mit diesen Heiligen nicht vergleichen will!) , wie sich z.B. ein Jeremia gefühlt haben muss, als er schrieb:

„Ich bin der Mann, der Elend sehen muss durch die Rute seines Grimmes. Er hat mich geführt und gehen lassen in die Finsternis und nicht ins Licht. Er hat seine Hand gewendet gegen mich und erhebt sie gegen mich Tag für Tag. [...] Er hat mich ringsum eingeschlossen und mich mit Bitternis und Mühsal umgeben. Er hat mich in Finsternis versetzt wie die, die längst tot sind. Er hat mich ummauert, dass ich nicht herauskann, und mich in harte Fesseln gelegt. Und wenn ich auch schreie und rufe, so stopft er sich die Ohren zu vor meinem Gebet. Er hat meinen Weg vermauert mit Quadern und meinen Pfad zum Irrweg gemacht. [...] Meine Seele ist aus dem Frieden vertrieben; ich habe das Gute vergessen. Ich sprach: Mein Ruhm und meine Hoffnung auf den HERRN sind dahin.“ (Kla 3:1-18)

Oder was ein Hiob empfunden haben musste, um zu schreiben: „Aber gehe ich nach Osten, so ist er nicht da; gehe ich nach Westen, so spüre ich ihn nicht. Wirkt er im Norden, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so sehe ich ihn nicht. Er aber kennt meinen Weg gut. [...] ich hielt meinen Fuß auf seiner Bahn und bewahrte seinen Weg und wich nicht ab und übertrat nicht das Gebot seiner Lippen und bewahrte die Reden seines Mundes bei mir. Doch er hat's beschlossen, wer will ihm wehren? Und er macht's, wie er will. Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch mehr derart im Sinn. Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht, und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. Gott ist's, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der mich erschreckt hat; denn nicht der Finsternis wegen muss ich schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt. “ (Hiob 23,8-17)

Und all die Jahre habe ich nicht verstanden, dass ich es selber war, der mir im Wege stand.

Wenn es also unter uns auch nur einen Einzigen / oder eine Einzige geben mag, die diese Art von Leiden kennen - die auch das Gefühl haben, dass ihr ganzes Leben ein einziger Krampf ist, dann hoffe und bete ich zu Gott, dass heute der Tag sein möge, an dem auch Dir dieser „Sonnenaufgang“ geschenkt wird – nämlich die Erkenntnis, wie Du „vom Krampf zur Freude“ kommen kannst.

Lasst uns dazu als erstes unseren Text lesen - dort heißt es:


Unser Text (Matthäus 11,28-30)


„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ (Matthäus 11,28-30)


Inhaltsübersicht


Die Einladung, die Jesus uns in diesem Text ausspricht, die Zusagen, die Er dabei macht und die Voraussetzungen, von denen Er spricht, möchte ich in 7 Teile unterteilen:
  1. Wer ist gemeint?
  2. Die Verheißung
  3. Die 1. Voraussetzung
  4. Die 2. Voraussetzung
  5. Jesu Wesen
  6. Jesu Verheißung (Teil 2)
  7. Leben in Freude
Und zum Schluss möchte ich uns fragen: 
  • Was heißt das für mich? (Fragen an Dein Herz)

1. Wer ist gemeint?


Vers 28a „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; [...]“

Jesus macht klar, an welche Adressaten Er sich richtet: es sind die, die sich durch ihr Leben quälen. Die es als mühevoll und als Last empfinden. κοπιῶντες (kopiontes: müde; erschöpft); πεφορτισμένοι (pefortismenoi: belastet; beladen). Es sind Menschen, sich mit großer Mühe und ohne jede Freude und ohne jede Hoffnung abplagen. Die sich wie ein schwer beladener Esel im Leben abplagen; die vollkommen müde und erschöpft.

Ich möchte diese Menschen in 3 Gruppen unterteilen:

A. In der ersten Gruppe sind die Ungläubigen, die noch die Welt lieben. Paulus beschreibt diese Menschen in 1. Tim 6,9-10 als solche, die : „die reich werden wollen“ und sagt: sie „fallen in Versuchung und Verstrickung und in viele törichte und schädliche Begierden, welche die Menschen versinken lassen in Verderben und Verdammnis. Denn Geldgier ist eine Wurzel alles Übels; danach hat einige gelüstet und sie sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen.“ Es sind Menschen, die ihr Heil in der Welt suchen: im Lustgewinn, im Spaß, im Geld, in der Macht, in Drogen und allem anderen, was uns außerhalb der Liebe Gottes fälschlicherweise Freude verspricht.

B. In der zweiten Gruppe sind die Menschen, denen Gott bereits das Gewissen aufgeweckt hat. Es sind Menschen, die ihre Sünde und Schuld vor Gott erkannt haben und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Johannes Calvin sagt in seinem Kommentar zu Matthäus 11,28: Jesus „spricht von ihnen als arbeitend oder stöhnend unter einer Last [dabei] meint [er] im Allgemeinen nicht diejenigen, die mit Trauer und Ärger unterdrückt werden, sondern diejenigen, die von ihren Sünden überwältigt sind, die mit Besorgnis über den Zorn Gottes erfüllt sind und kurz davor stehen, unter dieser achso schweren Last zu versinken. [...] als mühselige und beladene Menschen bezeichnet Christus sie - deren Gewissen durch ihr Ausgeliefertsein an den ewigen Tod erschüttert ist und die innerlich durch ihr Elend so niedergedrückt werden, dass sie ohnmächtig werden“ und er fügt hinzu: „gerade diese Ohnmacht bereitet sie auf den Empfang seiner Gnade vor.“ (J. Calvin) 

C. In der dritten Gruppen befinden sich die Menschen, die durch gute Werke versuchen, es Gott recht zu machen. Es sind die, die sich mit großer Mühe und ohne jede Freude und ohne jede Hoffnung abplagen, um Gott zu gefallen. Matthew Henry beschreibt sie als „Diejenigen, die sich bemühen, ihre eigene Gerechtigkeit herzustellen“ und sagt von ihnen: sie „[arbeiten [...] vergeblich. Der überzeugte Sünder ist schwer belastet mit Schuld und Schrecken; und der verführte und betrübte Gläubige hat Mühen und Lasten.“ Wieviel Mühe wenden Sie auf, um Gott gnädig zu stimmen! Doch wie unnütz und wie unfruchtbar ist dieses Unterfangen! Nie kommen Sie ans Ziel. Nie sind ihre guten Werke gut genug, um Gott gnädig zu stimmen. Alles scheint ihnen sinnlos; all ihr Bemühen zwecklos. Und doch spricht Henry auch Ihnen Gottes Gnade zu und sagt: „Christus lädt alle ein, zu ihm zu kommen, um ihre Seelen zur Ruhe zu bringen.“ (M. Henry)


2. Die Verheißung


28b „[...] ich will euch erquicken.“

Dieser dumpfen Bedrückung, dieser überschweren Last und dieser unfruchtbaren Plackerei stellt Jesus Seine Verheißung gegenüber – eine herzliche Erfrischung. 

Das griechiche ἀναπαύσω (anapauó) bedeutet so viel, wie „Ruhe, Pause, Erfrischung“. Es ist das Bild davon, „jemanden freizustellen; ihm zu erlauben, dass er von jeder Bewegung oder Arbeit absieht, um sich zu erholen und seine Kräfte zu sammeln.“ 

Jesus offenbart all diesen verzweifelten Menschen hier Sein Motiv und Sein Ziel: Er hat absolut nur eines im Sinn: er will uns erfrischen, uns aus der Dürre heraus führen und unseren fürchterlichen Durst löschen. Er will uns unsere so überschwere Last abnehmen und uns aufatmen lassen. Nur das und nichts anderes hat Er im Sinn. 

Adolf Schlatter formuliert das so: „Er beendigt unsere unnützen Anstrengungen und unsere vergeblichen Anläufe, unsere törichten Versuche, mit denen wir uns helfen möchten, und bringt uns and Ziel.“ (A. Schlatter) Und Calvin ergänzt: „Die Erleichterung, die er verspricht, besteht in der freien Vergebung der Sünden, die allein uns den Frieden gibt.“ (J. Calvin)

Wer hätte das nicht gerne? Ruhe. Erfrischung. Echten Frieden! Doch wie kommt man da hin?!


3. Die Erste Voraussetzung


29a „Nehmt auf euch mein Joch [...]“

Jesus sagt uns, dass die Lösung im liebenden Glaubensgehorsam liegt. Darin, unserem selbstsüchtigen Eigensinn „Lebewohl!“ zu sagen. Das Geheimnis liegt darin, sich von unseren eigenwilligen Wünschen der Lebensgestaltung frei zu machen: nicht unabhängig von Gott zu sein und unser eigenes, selbstgewähltes Joch zu tragen, unsere eigenen Pläne zu verwirklichen, sondern uns Ihm, ganz und gar und ohne jeden Vorbehalt, hinzugeben. Uns von Ihm für Seine Sache einspannen zu lassen und mit Ihm zusammen den Acker des Reiches Gottes zu pflügen. Nicht rebellisch und widerspenstig. Sondern von Herzen und mit Ihm im Einklang. 

Schlatter sagt: „Christi Joch trägt, wer ihm gehorcht und von Ihm lernt. [...] Dasselbe [Joch] ist kein Marterinstrument, ermöglicht und erleichtert vielmehr dem Tiere seinen nützlichen Dienst, aber es lässt keinen Eigensinn zu. Wir müssen uns entschließen, seinen Willen zu tun; dann kommt Ruhe in unseren ganzen Lebenslauf.“ (A. Schlatter) 

So leben wir in echter Nachfolge: in sanftmütiger Hingabe und in frohem, demütigen Gehorsam gegenüber dem heiligen, vollkommenen, liebenden und heilbringenden Willen Gottes. Oder mit den Worten von Matthew Henry: „Der Weg der Pflicht ist der Weg der Ruhe.“ (M. Henry) 

Wer Jesu Joch auf sich nimmt, wer Seinen Egoismus gekreuzigt hat und nicht mehr auf seinem Recht besteht und nicht mehr auf seinen Forderungen besteht – wer, wie Jesus, sanftmütig und demütig geworden ist – der 'reibt' sich nicht mehr an den Widerhaken des Lebens, sondern gleitet darunter hinweg. Vor allem aber zerbricht er nicht mehr in stolzer Rebellion an der Souveränität Gottes. Dieser Souveränität, die uns nicht einmal, wenn wir leiden, Rechenschaft schuldig ist. Wer das begriffen hat – dass alles Gnade ist und nichts gefordert werden kann – der hat gelernt in Demut zu akzeptieren: Gott ist der HERR! Wer das gelernt hat, der kann wirklich von Herzen mit Christus beten: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“ (Mt 6:10) Ja sogar: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“ (Lk 22:42)


4. Die Zweite Voraussetzung


29a „[...] und lernt von mir [...]“

Doch wo finden wir diese Demut? Wie lernen wir das?

Jesus sagt: „Um dahin kommen zu können, ist es nötig, dass Du bei mir in die Schule gehst; dass Du bereit wirst, von mir zu lernen.“

Doch was lernen wir in dieser Lebensschule Jesu? 

Zum einen lernen wir sicherlich zu erkennen, was der Wille Gottes ist. Und dass der Wille Gottes immer gut ist. Er ist immer die Wahrheit und immer die Liebe - und immer beides zusammen, niemals eine der beiden gegen die andere ausgespielt. 

Zum anderen lernen wir zu erkennen, wie dieser Wille getan werden kann: nicht aus eigener Kraft. Nicht mit eigener Anstrengung und Qual. Sondern allein(!) im Vertrauen auf Gottes Wort – allein im Glauben an Seine Verheißungen – allein im Vertrauen auf das Wirken Seines Heiligen Geistes in uns – und an uns – und durch uns. Nur der Heiligen Geist ist in der Lage – an uns – in uns – und durch uns – Gottes Werke zu tun.

Oder glauben wir wirklich wir könnten das, was nicht einmal Jesus konnte? Denn: Was sagte Er von sich selbst und von den Wundern die Er tat? Er sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts(!) von sich aus tun, sondern nur, was er den Vater tun sieht; denn was dieser tut, das tut in gleicher Weise auch der Sohn.“ (Joh 5,19) Und an einer anderen Stelle: „Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht aus mir selbst. Der Vater aber, der in mir bleibt, der(!) tut seine Werke.“ (Joh 14,10)

Diese Werke aber tut Gott in denen, die Ihm vertrauen. Die Seinen Verheißungen Glauben schenken. Die nicht auf ihre Gefühle vertrauen. Die „ nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.“ (2Kor 4,18). Die – manchmal entgegen allem äußeren Schein – im Glauben festhalten an Gott und an Seinem Wort – an Seinen Verheißungen – und an Seiner Treue mit der Er Sein Wort immer hält. 

Weil also alles geistliche Leben von Gottes Wirken abhängig ist – und weil Sein Wirken von unserem Glauben an Seine Verheißungen abhängig ist – und weil Seine Verheißungen allesamt in Seinem Wort stehen – darum ist es so wichtig, dass wir bei Jesus in die Schule gehen. Darum ist es so wichtig, dass wir Sein Wort kennen und es fleißig studieren.


5. Jesu Wesen


29a „[...] denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig [...]“

Nun sind wir leider durch den Sündenfall so sehr von Gott entfremdet, dass uns Seine Gebote hart erscheinen und wir uns im schlimmsten Fall vor Gott selbst fürchten – so wie Adam, der sich vor Ihm versteckte. Unsere Furcht vor Überforderung und unsere Furcht vor Gott beweisen aber nur eines: wie wenig wir noch wissen von Gottes Wesen. Davon, wie unendlich gnädig und geduldig Er ist. Wie barmherzig und liebevoll. Johannes drückt das einmal so aus: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“ (1Joh 4,18)

Jesus ist kein hartherziger Tyrann, der seine Untertanen mit einer stählernen Keule durchs Leben peitscht; kein liebloser Despot, der mit Gewalt seinen Willen durchzusetzen sucht. Er ist der liebende Gute Hirte: Er geht sanft und umsichtig mit Seinen Schafen um. Er zwingt nicht, sondern lockt und ruft uns leise in unseren Herzen. Er pocht nicht auf Seine Stellung und über alle Maßen hohe Majestät. Denn Er ist von Herzen demütig und uns in Liebe zugewandt. 

Schlatter sagt von Ihm: „Er ermuntert uns, dass wir uns vor ihm nicht fürchten. Er will nicht mit den harten und hoffärtigen Herren verglichen sein, die damals die Gemeinde regierten, sondern begründet seine Aufforderung durch seine Sanftmut und Demut. [...] [uns zu leiten und zu unterweisen] tut er ohne Härte und ohne Hoffart mit der freundlichen Geduld, die auch das Kleine und Schwache schätzt und verzeihen kann. Er will nicht durch uns glänzen, nicht durch uns erhöht sein und ruft uns nicht seinetwegen, sondern unsertwegen zu sich.“ (A. Schlatter)


6. Jesu Verheißung – Teil 2


29c „[...] so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“

Wenn wir das wirklich im Herzen erkennen – wenn wir es wirklich beherzigen - und wenn wir beginnen, danach zu leben, werden wir alle ungute Mühe und alle selbstgemachte Lasten im geistlichen Leben los: indem wir uns diesem liebenden, sanften und demütigen Hirten vollkommen anvertrauen. Uns abhängig machen von Seinem Wort, Seiner Führung, Seinem Wirken. 

Weil wir uns nicht mehr mit eigener Kraft und Anstrengung mühen und abplagen, sondern Ihm im schlichten Vertrauen nachfolgen: im Vertrauen auf Sein Wort - im Folgsamkeit gegenüber Seinen Gebote und im festen Vertrauen auf Seine Verheißungen, die Er in Seiner Allmacht und Treue immer erfüllt. „Denn so spricht Gott der HERR, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen; durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein.“ (Jes 30:15)

So wird aus ängstlicher Plackerei auf einmal ein seliger Frieden. 


7. Leben in Freude


30 „Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“

Schlatter sagt: „Unter der Bürde, die er uns zu tragen gibt, werden wir nicht wund; denn sie ist leicht. Und doch reißt Jesu Gebot die Seinen von allem los, was unser natürliches Begehren sucht, und macht sie zu solchen, die ihr Kreuz aufheben. Dennoch heißt er seinen Dienst Ruhe, sein Joch förderlich, seine Last ohne Druck. Das zeigt, wie mächtig in Jesu Augen der Friede Gottes ist, in den er uns stellt. Sein Trost trägt durch alles durch, weil er uns die Gemeinschaft mit den Vater gibt.“ (A. Schlatter) 

Wenn wir Jesus wirklich vertrauen und ihm nachfolgen, werden wir feststellen, dass echte Nachfolge gar keine mühsame Plackerei ist und keine schwere Last, sondern dass Jesus uns mit Sanftmut leitet und unser Dienst uns mit Leichtigkeit von der Hand geht: weil wir mehr und mehr erkennen, dass Gottes Wort und Gebote das Herz froh machen, denn „Die Befehle des HERRN sind richtig und erfreuen das Herz. Die Gebote des HERRN sind lauter und erleuchten die Augen “ (Ps 19:9). 

Unser Glaubensleben ist dann keine mühsame Plackerei und keine schwere Last mehr. Weil unsere Nachfolge dann aus einem liebenden und freien Entschluss entspringt – und nicht aus der Furcht vor Strafe oder dem unseligen Zwang, zu meinen Gott aus eigener Kraft gefallen zu müssen. Weil die guten Werke, die wir tun, nicht mehr unsere eigenen sind, sondern solche, „die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln“ (Eph 2,10). Weil das, was wir tun nicht mehr auf unserer Kraft und Stärke beruht, sondern allein von der allmächtigen Kraft Seines Heiligen Geistes gewirkt wird; wie geschrieben steht: „Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth.“ (Sach 4,6)

Weil dann nicht mehr alles selbst im Griff haben wollen und in eigensinniger Manier den Weg selbst bestimmen wollen. Weil wir Ihn dann endlich in unserer Seele und in unserem Leben nach Seinem Willen gewähren und handeln lassen. Und dann auf einmal merken wir: „das [es] die Liebe zu Gott ist, dass wir seine Gebote halten – und seine Gebote sind nicht schwer.“ (1Jo 5:3). Weil wir Ihm endlich zur Verfügung stehen und begreifen: Es sind nicht wir! Es ist „Gott [...], der da ist über allen und durch alle und in allen. “ (Eph 4,6) Es „ist [...] Gott, der da wirkt alles in allen.“ (1Kor 12,6). ES IST ER SELBST: „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (Kol 1:27). 

ER IST ES DER UNSEREN GLAUBEN LEBENDIG MACHT. ER IST ES DER ALLES IN ALLEM WIRKT. NICHT WIR. 
Wenn wir das begreifen – dass uns mit Christus längst alles geschenkt ist: Gottes Wohlgefallen – Seine Gnade – unsere Gerechtigkeit in Seinen Augen – ja sogar die guten Werke, die ER durch uns wirken will – dann wird aus der erschöpfenden Schinderei unseres geistlichen Lebens auf einmal ein angenehmer Dienst und wir erkennen: SEIN JOCH IST SANFT UND SEINE LAST IST LEICHT.

Amen.

Sonntag, 15. September 2013

Warnung vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer (Mt 16:5-12)

Text

5 Und als die Jünger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen. 6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 7 Da dachten sie bei sich selbst und sprachen:Das wird's sein, daß wir kein Brot mitgenommen haben. 8 Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen:Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, daß ihr kein Brot habt? 9 Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht an die fünf Brote für die fünftausend und wieviel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt? 10 Auch nicht an die sieben Brote für die viertausend und wieviel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt? 11 Wieso versteht ihr denn nicht, daß ich nicht vom Brot zu euch geredet habe? Hütet euch vielmehr vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 12 Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.


Kommentar

Zusammenfassung

Die Angst ums eigene Wohlergehen verleitet die Jünger zu einer irrigen Sicht der Bedeutung von Jesu Warnung vor der Theologie Seiner Widersacher: Es geht Jesus mit dem "Sauerteig" nicht um die körperliche Verpflegung, sondern um die menschenverachtenden Lehren Seiner Feinde.


Struktur

5-7 Nach der Auseinandersetzung mit den Pharisäern brechen Jesus und Seine Jünger, letztere ohne Brot an Bord, zum Ostufer des Galiläischen Meeres auf. Die Warnung Jesu vor deren "Sauerteig" missverstehen sie, gefangen in ihren Sorgen und dank mangelnder Rückfrage an Jesus, als Lebensmittelwarnhinweis.

8-10 Daraufhin zeigt Jesus ihnen anhand der Brotvermehrungen auf, dass es keinen Grund zur Sorge um ihre Versorgung gibt und ihre aus Angst motivierte
Annahme ein Irrtum ist.

11-12 Vielmehr ging es Christus um die werkgerechten Irrlehren der führenden Religionslehrer Seiner Zeit, mit der sie den Menschen den Weg in Gottes Reich verbauten.


Inhalt

5-7 Nach Jesu Auseinandersetzung mit den Pharisäern verlassen die Jünger das Gebiet von Magadan (Tarichea) auf der Westseite des Sees (Mt 15:39) und fahren von dort zum anderen Ufer, möglicherweise in die Gegend des am Ostufer gelegenen Gergesa; denn, wie Markus berichtet, erreichen sie später auf ihrem Fußweg Bethsaida (Mk 8:22), von wo aus sie weiter ins nördliche Cäserea Philippi wandern (Mt 16:13).

Doch die Jünger hatten, dank ihrer Vergesslichkeit, keinen Proviant mit an Bord: ein einziges Brot war alles was sie mitgenommen hatten (Mk 8:14). In diese Lage hinein spricht Jesus Seine Warnung vom Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer. Doch, statt angesichts ihres offenbaren Unverständnisses einfach nachzufragen, was Jesus denn damit gemeint habe, machen sie sich, unabhängig von Ihm, ihre eigenen Gedanken. Und bereits nach kurzem Grübeln, jeder für sich, pflichten sie einander bei, dass Jesus sie bestimmt auf ihren Proviantmangel hatte ansprechen wollen und seine Warnung somit wörtlich als Lebensmittelwarnhinweis zu verstehen sei.

8-11a Nun gibt es zwei Themen zu klären: das, was Jesus eigentlich zu sagen hatte und das, was die Jünger missverstanden haben. Sich selbst in Demut hintenanstellend, klärt Jesus zuerst das Missverständnis. Und das nicht nur an der Oberfläche der Begriffe: Er sieht ihr Motiv und ihr Herz. Sie hatten Angst. Sie selbst hatten zu wenig Proviant eingepackt und nun hatten Sie Ihren Lehrer so missverstanden, als wollte Er sie vor dem Verzehr des Teiges der Pharisäer und Sadduzäer warnen. Wo aber sollten sie sonst etwas zu Essen herehmen? Auf diese Angst geht Jesus geduldig ein und öffnet ihnen, sanftmütig und gütig die Augen: es gibt keinen Grund sich kleingläubig Sorgen um die Verpflegung zu machen (vgl. Mt 6:33): die Speisungen der 5.000 und der 4.000 hatten ja deutlich gezeigt, dass Gott in der Lage ist im Überfluss zu geben. Doch eines will Jesus von ihnen wissen, ja er fragt sie gleich zweimal danach - nach ihrem Verständnis: verstehen sie ihn? Und wenn nicht, warum nicht? So deckt Er ihnen den eigenen Herzensgrund auf und zeigt ihnen in der Innenschau, die notwendig ist, um Seine Frage zu beantworten, dass es ihre Angst ist, die ihrem wahren Verständnis Seiner Worte im Wege steht. Und nun sagt Er es klar und deutlich: Es ging ihm nicht ums täglich Brot.

11b-12 Noch einmal wiederholt Er, was Er zuvor schon sagte. Und nun, frei von der Angst ums Überleben, verstehen sie Ihn: Es ging Jesus die ganze Zeit um nichts anderes, als sie zu warnen vor der bösen Theologie der Pharisäer und Sadduzäer, den führenden Köpfen der Kirche von damals, mit denen Er sich gerade eben erst wieder auseinander gesetzt hatte. Sie, deren
religiöses Leben geheuchelt ist (Lk 12:1); sie, die die Gnade Christi verleugnen und damit "den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen" haben. Sie, die ihren Mitmenschen den Weg ins Himmelreich verwehren (Lk 11:52), indem sie ihnen die Werkgerechtigkeit predigen und sie so "mit unerträglichen Lasten" beladen (Lk 11:46).


Praktische Anwendung

1. Welche irdischen Sorgen verstellen Dir die Sicht auf Gottes Wort?
2. Gib Deine Sorgen Jesus ab, der in jeder Lage zu helfen vermag!
3. So erleichtert höre auf das, was Christus Dir geistlich zu sagen hat.