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Mittwoch, 23. September 2026

Johannes Evangelium 8,37-47

Das Buch der Zeichen - Wes Geistes Kind?

Das Gespräch ging weiter. Jesus hatte sehr wohl kapiert, dass sie dachten, er rede von ihrer irdischen Abstammung von Abraham. Er aber meinte, wes Geistes Kind sie waren: _ihre geistliche Heimat_. Sie wollten ihn ermorden – weil sie für das, was er zu sagen hatte, keinen Raum in ihren Herzen hatten. Er redete von Dingen, die sein himmlischer Vater ihm gezeigt hatte. Sie aber wollten Dinge tun, die ihnen ihr geistlicher Vater eingeflüstert hatte.

Doch sie beharrten auf ihrer irdischen Abstammung von Abraham. Also erklärte Jesus es ihnen noch einmal: wenn sie wirklich – im Geiste! – Abrahams Kinder wären, würden sie auch so handeln wie Abraham. Alles, was er, Jesus, getan habe, sei gewesen, ihnen das weiterzugeben, was er von Gott gehört habe. Sie aber wollten ihn dafür umbringen. So etwas hätte Abraham niemals getan. Sie täten vielmehr, was ihr _wahrer_ (geistlicher) Vater tue.

Sie verstanden ihn immer noch nicht: »Wir sind keine unehelichen Kinder!« versteiften sie sich. »Gott allein ist unser Vater!« Daraufhin sagte Jesus ihnen, dass sie ihn, wenn Gott _wirklich_ ihr Vater wäre, nicht umbringen wollten, sondern lieben würden. Denn von Gott war er zu ihnen gekommen. Und das auch nicht eigenmächtig: Gott selbst hatte ihn geschickt.

Warum nur ging ihnen nicht in den Kopf, was er sagte? Weil sie unfähig waren, anzunehmen, was er sagte. Sie waren „des Teufels Kinder“: unfrei – gefangen in dessen Lügen – und wollten tun, was _er_ im Sinn hatte. Der, so Jesus, sei von Anfang an ein Mörder und unwahrhaftig gewesen; in ihm existiere nicht ein Funke Wahrheit. Zu lügen, das sei sein Wesen: er sei ein Lügner; ja, der Vater der Lüge.

Eben _weil_ Jesus die Wahrheit sagte, glaubten sie ihm nicht – so gebunden waren sie. Nicht eine Sünde konnten sie ihm nachweisen. Und doch: wenn er wirklich die Wahrheit sagte, wieso glaubten sie ihm dann nicht? Wer nämlich wirklich Gott zum Vater hat, der hört auch auf das, was Gott zu sagen hat. Sie aber hörten eben _deshalb_ nichts, weil sie Gott _nicht_ zum Vater hatten.

O-Ton: »Ich weiß wohl, dass ihr von Abraham abstammt. Trotzdem versucht ihr, mich zu töten, weil ihr mein Wort nicht in euch wohnen und wirken lasst. Ich rede von dem, was mein Vater mir gezeigt hat. Ihr aber tut, was euer Vater euch gesagt hat.« 

Sie wandten ein: »Unser Vater ist Abraham!« Jesus erwiderte: »Wenn ihr wirklich Abrahams Kinder wärt, würdet ihr in seinem Sinne handeln. Alles, was ich getan habe, war, euch die Wahrheit weiterzugeben, wie ich sie von Gott gehört habe. Ihr aber versucht, mich zu töten. So etwas hat Abraham nicht getan. Ihr handelt wie euer wirklicher Vater!« 

»Wir sind nicht im Ehebruch gezeugt«, erwiderten sie. »Wir haben nur den einen Vater: Gott.« Jesus sagte zu ihnen: »Wäre Gott wirklich euer Vater, dann würdet ihr mich lieben. Denn ich bin von Gott zu euch gekommen. Ich kam nicht in eigenem Auftrag, sondern er hat mich gesandt.

Warum versteht ihr denn nicht, was ich sage? Weil ihr unfähig seid, mein Wort aufzunehmen. Ihr seid Kinder des Teufels, der ist euer Vater, und ihr wollt nur ausführen, wonach ihm der Sinn steht. Er ist von Anfang an ein Mörder gewesen und hat niemals etwas mit der Wahrheit zu tun gehabt, weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er lügt, so entspricht das seinem Wesen; denn er ist ein Lügner und alle Lüge stammt von ihm. 

Gerade weil ich die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht. Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir dann nicht? Wer Gott zum Vater hat, hört, was Gott sagt. Aber ihr hört es nicht, weil ihr ihn nicht zum Vater habt.« (Joh 8:37-47, GNB)

Montag, 21. September 2026

Johannes Evangelium 8,31-36

Das Buch der Zeichen - Freiheit oder Sklaverei - Teil 1

Jesus erklärte den Menschen, die angefangen hatten, an ihn zu glauben, wie wichtig es ist, nicht nur zu wissen, was er sagt, sondern es vor allem zu tun. Nur, wenn sie ihr Leben an dem ausrichten, was er ihnen beibringt, sind sie wirklich seine Schüler. Nur dann werden sie die volle Wahrheit erkennen und diese Erkenntnis wird sie frei machen.

Wie so oft, dachten seine Zuhörer, dass das, was er über Sklaverei und Freiheit sagte, sich auf das Diesseits beziehen würde. Darum machten seine Worte für sie keinen Sinn. Schließlich war Abraham ihr Urahn und sie waren nie in die Sklaverei verkauft worden. Was um Himmels willen also meinte Jesus, wenn er sagte, sie würden frei werden?

Daraufhin erklärte ihnen Jesus, dass es ihm um eine ganz andere Art von Sklaverei ginge: die Sklaverei der Sünde. Denn jeder, der – egal auf welche Weise – sündigt, wird süchtig nach dieser Sünde und damit ihr Sklave. Sklaven aber gehörten nicht zur Familie. Nur Söhne und Töchter gehören zu (Gottes) Familie — und zwar für immer. Nur, wenn Jesus sie von ihren Sünden befreite, würden Sie also wirklich frei.

O-Ton: Jesus sagte zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: »Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, und euer Leben darauf gründet, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.« 

»Wir stammen von Abraham ab«, antworteten sie ihm, »und wir haben nie jemand als Sklaven gedient. Was meinst du, wenn du sagst: 'Ihr werdet frei werden'?« 

Jesus sagte zu ihnen: »Amen, ich versichere euch: Wer sündigt, ist ein Sklave der Sünde. Ein Sklave gehört nicht für immer zur Familie. Nur der Sohn gehört für immer dazu. Wenn der Sohn euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei. (Joh 8,31-36) 

Mittwoch, 18. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,36–40

 


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot, das Leben gibt -  Gottes Wille: ewiges Leben

Das Volk hatte Jesu Wunder mit eigenen Augen gesehen. Und trotzdem wollen sie schlicht nicht an ihn glauben. Dieser durch Unglauben verursachten Blindheit für seine Identität stellt Jesus eines der größten christlichen Mysterien gegenüber: alle, die Gott schon vor Erschaffung der Welt dazu erwählt hat, werden zum Glauben an Jesus kommen — und jeder einzelne, der bei Jesus Gnade und Vergebung sucht, wird mit offenen Armen empfangen werden.

Denn Jesus hat den Himmel nicht verlassen, um irgendwelche egoistischen Ziele zu verfolgen, sondern nur, um sein Leben - in völliger Übereinstimmung mit dem Willen Gottes - einer einzigen Sache zu widmen: absolut sicherzustellen, dass alle Menschen, die der Vater im Himmel ihm anvertraut hat, die zu ihm gekommen sind und an ihn glauben, ohne Ausnahme gerettet werden.

Jesus wird am Ende der Zeiten all den Menschen, die auf ihn vertrauen, einen neuen, herrlichen und unvergänglichen Körper und ewiges Leben geben. Es ist Gottes ausdrücklicher Wille, dass jeder, der seine Hoffnung auf Jesus setzt und an ihn glaubt, am Ende aller Tage zu diesem neuen, ewigen und herrlichen Leben auferweckt wird, wie es Gott selbst es beschreibt; siehe Offenbarung 21,4.

O-Ton: Aber ich habe es euch bereits gesagt: Obwohl ihr meine Taten gesehen habt, schenkt ihr mir keinen Glauben. Alle, die mein Vater mir gibt, werden zu mir kommen, und niemand, der zu mir kommt, wird von mir abgewiesen. 

Ich bin vom Himmel gekommen, nicht um zu tun, was ich will, sondern um zu tun, was der will, der mich gesandt hat. Und er will von mir, dass ich niemand von denen verliere, die er mir gegeben hat. 

Vielmehr soll ich sie alle am letzten Tag zum Leben erwecken. Mein Vater will, dass alle, die den Sohn sehen und sich an ihn halten, ewig leben. Ich werde sie am letzten Tag vom Tod auferwecken.« (Joh 6,36–40)

Samstag, 2. Dezember 2017

Müssen Christen leiden? - 2. Tim 1:6-8



Einleitung

Ihr Lieben!

Man kann sich ja heutzutage vielerorts prächtig in die Nesseln setzen!

Zum Beispiel, wenn man sich – als Nachfolger Christi – zu Themen, wie...
  • Militanter Atheismus
  • Gender
  • Homosexualität
  • Frühsexualisierung
  • Abtreibung
  • Flüchtlinge
  • Fremdenfeindlichkeit
  • Militanter Nationalismus
...oder ähnlichem äußert. Vor allem, wenn die eigene Äußerung dann nicht so "zeitgeistkonform" erfolgt, wie manche sich das um der „political correctness“ willen gerne wünschen würden. Auch, wenn man sich zu Randgruppen - ausgegrenzten Menschen - stellt, macht man sich selten Freunde; eher stellt man sich damit selbst ins Abseits – und das kann sehr weh tun.


Übersicht

Im Hauptteil möchte ich mich der Frage „Müssen Christen leiden?“ in 3 Schritten nähern:

2 Tim 1:6-8
  • Zuerst einmal wird es darum gehen, warum Paulus den Timotheus zum leiden auffordert
  • Zum zweiten wird es darum gehen, wie Timotheus dahin kommen kann, willig zu leiden
  • Und zum dritten wird es um das „was“ gehen: Wozu genau ruft Paulus den Timotheus auf?
Doch bevor ich auf darauf eingehe und zu unserem Text komme, möchte etwas Grundsätzliches zum Thema Leid klarstellen – und uns (natürlich nur für den Fall, dass das nicht schon längst vorher passiert ist) einen Zahn ziehen – und die vordergründige Frage direkt beantworten. Zum Schluss hin möchte ich uns dann mit hinein nehmen in die Frage, was uns unser Text in unserer Zeit zu sagen hat.


Müssen Christen leiden? - 3 Antworten  

 1. Ob,  2. Warum + Wozu, und 3. Wie.   
 
1. Ob? Ja!  Im Römerbrief lesen wir (Rö 8:17) "Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.“ Paulus macht hier die ziemlich steile Aussage, dass wir Kinder Gottes sind, Erben Gottes, Miterben Christi – und zwar dann, wenn wir auch mit ihm leiden. Ich lasse das einfach mal so stehen. Um das Leiden kommen wir als Christen – auch, wenn das Wohlstandsevangelium etwas anderes predigt – nicht herum.

2. Warum und wozu? Gute Frage! Könnte Gott uns das Leiden nicht einfach ersparen? Zum Beispiel, weil es so unangenehm ist? Oder weil wir es uns so sehr wünschen? Eben, weil wir darunter leiden? Warum also läßt Gott das Leid in unserer Welt zu? Ich kann hier keine Theodizee bringen – und ganz sicher kann ich auch diese Frage nicht abschließend beantworten; daran haben sich weit größere als ich die Zähne ausgebissen. Ich will aber dennoch einen Aspekt der Antwort nennen, den ich in der Schrift gefunden habe: Gott lässt das Leid in unserem Leben zu, weil wir IHM in seinem Wesen gleich werden sollen . Er hat uns ja mit dem Plan geschaffen, dass wir Wesen „nach Seinem Bild“ sein sollten (1Mo 1:26). Nach Seinem Charakter: gnädig; barmherzig; geduldig; von großer Güte und Treue. Darum gilt es, Gehorsam zu lernen; Demut zu lernen; drunter zu bleiben; nicht zu rebellieren; unseren elendigen Stolz zu besiegen, der es immer besser weiß, ja als Gott. Ja, es geht darum, Christus in allem nachzufolgen, von dem es heißt: (Heb 5:8) "So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt.“ 

3. Wie? Gott nutzt die zwei stärksten Kräfte in unserer Seele, um uns in Sein Bild zu formen: Verzückung – und Leid (2Kor 3:18): "Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.") Und auf der anderen Seite: (Phil 3:10-11 "Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.")


Der Text

„Aus diesem Grund erinnere ich dich daran,
dass du erweckest die Gabe Gottes,
die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände.
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht,
sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn
noch meiner, der ich sein Gefangener bin,
sondern leide mit für das Evangelium
in der Kraft Gottes.“


Warum leiden?

Unser heutiger Text beginnt mit der Formulierung "Aus diesem Grund...“. Aber welchen Grund meint Paulus damit?  Ich denke, die Antwort steht in Vers 4 - ihr erinnert Euch aus der letzten Predigt? -, wo es heißt :  "Und wenn ich an deine Tränen denke, verlangt mich, dich zu sehen, damit ich mit Freude erfüllt werde.".
 
Paulus hat Sehnsucht nach Timotheus. Er möchte ihn so gerne wieder sehen. Er sitzt im Gefängnis und weiß, dass er sterben wird. Paulus hat Sehnsucht. Und er würde sich so gerne freuen. Über Timotheus. Sein Gesicht zu sehen. Mit ihm zu reden. Gemeinschaft mit ihm zu haben. Das würde Paulus von Herzen freuen – ja er würde mit Freude erfüllt werden. Aber Timotheus hat Schiss. 

Darum richtet Paulus die Aufmerksamkeit von Timotheus weg von dessen Angst und dessen Scham – hin auf ihn, seinen Mentor, Lehrer, geistlichen Vater und Freund. Hin darauf, dass es nicht sein kann, dass Timotheus sich in Angst und Scham nach innen hin verschließt, wo er nach außen hin in Liebe leben könnte. Wo er Paulus eine unschätzbare Freude machen könnte; indem er sich zu ihm stellt.

Wir werden es später noch genauer sehen, aber hier deutet es sich schon an: es geht nicht um ein „Leiden um jeden Preis“, sondern es geht um die Liebe. Darum, die eigenen Schatten zu überwinden, um denen nahe sein zu können, die leiden.

"Erinnere ich dich daran, daß du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände." à Paulus erinnert Timotheus schon zum zweiten Mal: 1Tim 4:14: "Laß nicht außer acht die Gabe in dir, die dir gegeben ist durch Weissagung mit Handauflegung der Ältesten.“ – scheinbar war das Erinnern nötig! 


 Wie soll das gehen?

Paulus ermahnt den Timotheus: „[ich] erinnere [...] dich daran, daß du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände." Woran also soll Timotheus sich erinnern?  Es geht ja darum, etwas zu „erwecken“. Das Wort, dass hier steht  "ἀναζωπυρεῖν“  (ana-zoo-pürein) enthält 3 Silben, die folgendes bedeuten: “ana = wieder”, “zoo = Leben” und “pyr = Feuer”, also in etwa: erneut zum Leben anfeuern. Stellt Euch ein Feuer vor, das heruntergebrannt ist und das zu erlöschen droht, wenn es nicht durch Anfachen und neues Brennmaterial am Leben erhalten wird. Um so ein Feuer geht es Paulus. Das Feuer des Glaubens im Timotheus. Paulus erinnert Timotheus daran, Seinem Glaubenfeuer neues Leben zuzufächern; seinen Glauben mit neuem Brennstoff zu versorgen.

Konkret soll Timotheus eben die Gabe zu neuem Leben anfachen,  “die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände." Dabei geht es um die Gabe, die Timotheus während seiner Ordination empfing. Natürlich ist das Handauflegen nur ein Zeichen. Es ist aber kein Zauber darin oder eigene Kraft. Vielmehr ist es Gott, der das Gebet des Paulus und der anderen Ältesten erhörte – und der der Geber aller guten Gaben ist.

Um Gottes Gnadengaben geht es also! Paulus aber noch konkreter Er schreibt: „[ich] erinnere [...] dich daran, daß du die Gabe Gottes erweckest, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände." Aber was ist das für eine Gabe?! Es ist, das macht der nachfolgende Text deutlich, das Charisma des Hirten und Lehrers von dem im Epheserbrief geschrieben steht: "Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer, damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden"
(Eph 4:11-12). Paulus fordert den Timotheus also auf, das Charisma des Geistes neu zu entfachen, damit die Gemeinde Gottes dadurch erbaut wird.


Wie soll das gehen?

Aber wie macht man das? “Die Gabe Gottes erwecken”? Paulus schreibt dazu: “Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ Ja, Gott hat uns Seinen Geist gegeben. Allein über diesen Satz könnte man eine ganze Predigtreihe schreiben – weil es einfach der Kracher ist – stellt Euch das bitte einfach mal vor! Wir haben Gottes Geist! 

Und Gottes Geist ist kein Geist der Angst. Kein Geist, der Dich in die Ecke treiben will. Kein Geist, der Dich das fürchten lehrt. Das ist die Stimme des Feindes. Der Feind macht Angst; er verklagt; er schüchtertein; er macht Dich mutlos. Gottes Geist ist nicht so. Er macht Dich stark. Er lässt Dich mitfühlen. Er gibt Dir Weisheit und Vernunft; Klarheit und Verstand. Gottes Geist ist der Geist der Gnade und der Wahrheit. Es ist der Geist Christi. Der Geist der Liebe und Barmherzigkeit. Ein Geist der Rechtfertigung und der Gerechtigkeit. Dieser Geist ist kein knechtischer Geist, der uns versklaven will und unseren Willen bricht. Er achtet uns und unseren Willen.  Selbst dann, wenn wir die Gaben, die Er uns gegeben hat, „einschlafen lassen“. Er kommt dann nicht über uns und zwingt uns, seinen Willen zu tun. Er wartet. Er ist geduldig und demütig. Er liebt uns!

Das Anfachen Seiner Gnadengaben hat also zu tun mit einer Entscheidung unseres freien Willens. Weil Gott uns liebt und uns nie mit Gewalt zu etwas zwingen würde!  Um aber zu entscheiden braucht es mindestens zwei Wahlmöglichkeiten.  


Um was es geht

Und was sind diese zwei Wahlmöglichkeiten? Im Falle von Timotheus sind es: Angst und Scham  (auf der einen Seite) --- und Kraft, Liebe und Besonnenheit (auf der anderen Seite).  - Besonnenheit ist übrigens das genaue Gegenteil von hektischer Panik: σοφός / φρονώ bedeutet: weise und vernünftig. Darum schreibt Paulus „schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“  

"Genau um diese zwei Optionen geht es: Angst und Scham - oder die Kraft und innere Ruhe.

Genauer schreibt Paulus: „Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“ Genau das ist der erste Teils des Schlüssels für unseren heutigen Text: sich nicht für das Evangelium zu schämen; auch nicht für die, die ihm dienen, sondern dort willig und in der Kraft Gottes das Leid zu tragen, das zu tragen ist, wo die Welt -und „hinter ihr“ der Feind- sich gegen unsere Liebe zu Gott, Seinem Wort und Seinen Leuten stellt. 

Paulus geht es also um eine Entscheidung: die Betroffenen sind Gott, Sein Wort und Seine Leute. Die Kräfte des Bösen sind Angst und Scham. Ihr Ziel: Schweigen und Verleugnung. Die Gabe Gottes ist Sein Heiliger Geist und mit ihm mutige Kraft, herzliche Liebe und ruhige Besonnenheit. Sein Ziel: Bekenntnis und Solidarität. – auch, wenn das bedeutet, bewusst den Weg des Leidens zu wählen; um der Liebe willen!"

Konkret fordert Paulus den Timotheus auf: „schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes.“  Und das ist der zweite Teils des Schlüssels für unseren heutigen Text: nicht in unserer eigenen Kraft zu leiden, sondern in der Kraft Gottes“.

Ich bin leider nicht sehr qualifiziert, über die Kraft Gottes zu sprechen. Alles, was ich tun kann, ist Euch vom Wort Gottes her zu sagen, was es mit der Kraft Gottes auf sich hat; auch wenn ich mir dabei zugegebenermaßen ein wenig vorkomme, wie ein Blinder, der von der Farbe spricht. 

Zum einen finden wir im Römerbrief und auch im 1. Korintherbrief Hinweise darauf, dass mit „Kraft Gottes“ das Wort vom Kreuz gemeint ist; das Evangelium: dass Christus aus Liebe für uns gestorben ist, um unsere Sünden zu tilgen und uns vor Gottes Heiligem Angesicht reinzuwaschen. Dieses Evangelium beinhaltet auch die Hoffnung auf den Himmel: eine Ewigkeit in Herrlichkeit und absoluter Glückseligkeit. Auch diese Hoffnung ist eine Kraft.  

Im 1. Korintherbrief beschreibt Paulus auch Christus selbst, der in uns wohnt, als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Letztendlich erfahren wir aber auch aus dem Markus- und Matthäus-Evangelium, aus dem Munde von Jesus selbst, was diese Kraft Gottes ist: es ist die „dunamis“ Gottes, mit der er Christus von den Toten auferweckt hat – und mit der er auch uns einst von den Toten auferwecken wird.

Die Kraft Gottes ist das Evangelium von der Sündenvergebung und der künftigen Herrlichkeit in Ewigkeit – ja sie ist die Kraft Christi selbst, mit der er aus den Toten auferstanden ist.

Ich persönlich glaube, dass dies unsere Waffen sind im Kampf gegen das Leiden: der Blick ans Kreuz; auf unseren geliebten König und Heiland, der uns im Leiden voran gegangen ist – und der Blick auf die Herrlichkeit unseres Erbes; wie auch Paulus betet: „dass der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen. Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns ist, die wir glauben durch die Wirkung seiner mächtigen Stärke. Mit ihr hat er an Christus gewirkt, als er ihn von den Toten auferweckt hat und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“ (Eph 1:17-23). 

Und ich glaube – vor allem aufgrund des Zeugnisses unserer Geschwister in der Welt – , dass Gottes Geist uns in den aller-schwärzesten Stunden, wenn wir gerufen sind „bis aufs Blut“ zu widerstehen, auch übernatürliche Gnade schenken kann, so wie es Elia in der Wüste und Christus in Gethsemane erlebt haben. 

In dieser Kraft sollen wir leiden. Nicht durch pure Willensanstrengung und eigene Kraft. Sondern im Blick auf Christus und sein Evangelium von der Gnade Gottes und unserer Hoffnung auf die Ewigkeit – und im Glauben an den in uns wohnenden Christus, der uns durch die Kraft des Heiligen Geistes nicht nur eines Tages von den Toten auferwecken wird, sondern der uns – in den schlimmsten Stunden unseres Leidens – mit seiner unbegrenzten Kraft zur Seite stehen kann.


Was heißt das für uns?

Doch was bedeutet all das für uns heute? Wo greift der Feind heute Gottes Wort und Leute an? 

Bei uns hier in Europa ist es zum einen sicher der neue Atheismus. Er brüllt wie ein Löwe und selbstbewusst; er verspottet Gottes Wort, und vor allem Aussagen über die metaphysische Welt, Himmel und Hölle, Gott und Engel, Teufel und Dämonen. Militant greift er Gottes Kirche an und glaubt, siegreich das Feld zu behalten.   

Es ist zum anderen auch die „political correctness“, die per Tabu und Scham der Gesellschaft verbietet, über Religion offen zu reden; vor allem, wenn sie christlich ist. Sie fordert Schweigen statt Evangelium. Jeder muss sich ihr beugen, will er nicht als überholter Fundamentalist aus dem vorletzten Jahrhundert gelten.   

Und es ist nicht zuletzt auch der den Zeitgeist bestimmende und alles durchdringende Relativismus, der jeder absoluten Aussage Gottes den Teppich unter den Füßen wegziehen will. Vor allem, wenn es um Gut und Böse geht, oder um die Exklusivität des Heils in Christus.

Anderswo auf der Welt sind es der Totalitarismus und Kommunismus - allen voran in Nordkorea und in der Volksrepublik China - sowie der militante Islamismus; nicht nur im nahen Osten und in Afrika. Sie verfolgen Gottes Volk, sie verbieten oder schänden Kirchen, Frauen und Kinder. Sie morden, was sich ihnen nicht beugt oder martern unsere Geschwister im Gefängnis, in Containern und Konzentrationslagern; unbeachtet von der Weltpresse und den Medien.  

Und was machen wir als Christen? Viele von uns schweigen. Aus Angst vor der Übermacht der öffentlichen Meinung und aus Angst, dem Bellen des Feindes keine adäquate Antwort geben zu können. Aus Scham, sich öffentlich zu blamieren. Und vielleicht - Gott behüte! - sogar aus Scham, als Christ erkannt zu werden.
  
Da geht es uns, wie dem Timotheus; da haben wir es nötig, dass man uns ermahnt - die Gabe Gottes in uns neu zu entfachen und mit Seiner Hilfe mutig den Mund auf zu machen und Antwort zu geben; Paroli denen zu bieten, die Gott, Sein Wort und Sein Volk verlachen. Seine Liebe zu Gott, Seinem Wort und zu Seinem Volk neu zu entfachen und sich ohne sich dafür zu schämen, klar zu bekennen, wo der Zeitgeist uns zum Schweigen bringen will.  Seine Besonnenheit ganz neu anzufachen und der Angst entgegen zu setzen, die uns von innen lähmen will.

Ich möchte uns etwas fragen: Wo wären wir einer Gefahr ausgesetzt, wenn wir der Liebe folgen würden - zu Gott, zu Seinem Wort, zu Seinem Volk? 

– Durch ein öffentliches - und politisch eher inkorrektes - Bekenntnis?
– Indem wir reden und nicht schweigen, wenn der Atheismus brüllt?
– Indem wir mutig das Evangelium weiter sagen und
– Indem wir uns in Liebe unseren verfolgten Geschwistern zur Seite stellen;
   
allen voran denen, die schon hier sind? 

Es geht also nicht - wie die Flagellaten im Mittelalter dachten - um "Leiden um jeden Preis: es geht um die Liebe Gottes und wie diese Liebe durch Dich zu denen kommt, die Gott Dir ans Herz legt (2x)  Es geht darum, Christus in Seiner Liebe nachzufolgen. Ihm, von dem der Hebräerbrief schreibt: à "Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So laßt uns nun zu ihm hinausgehen [...] und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." (Heb 13:12-14)  
 
Und ihm nach zu folgen bedeutet, das zu tun, was Paulus auch im Brief an die Philipper schrieb „Seid so unter euch gesinnt, wie es [...] der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht: Er, [...] hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, [...] und ward gehorsam bis zum [...]Tode am Kreuz.“ (Phil 2:5-8)


Fragen an Dein Herz

Und weil es darum geht, möchte ich Dich heute folgendes fragen. 

Bitte achte darauf, was Gott in Deinem Herzen spricht, wenn Du diese Fragen hörst:
 
Wer ist es, zu dem Gott Dich ruft?
Wer braucht Deine Liebe und Deinen Beistand?
Wo ruft Dich Gott, Ihn treu zu bekennen?
Wovor hast Du Angst; wovor fürchtest Du Dich?
Bitte Gott um Liebe, Kraft, Besonnenheit
Bitte Gott um klare Führung wo Du lieben und wo Du reden sollst!

Sonntag, 1. Juli 2012

Das egozentrische Dilemma

Von Kelly M. Kapic - Übersetzung aus dem Amerikanischen von Michael Künnemann


"Denn die Menschen werden viel von sich halten, 
geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, 
den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, 
unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, 
dem Guten Feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. 
Sie lieben die Wollust mehr als Gott; 
sie haben den Schein der Frömmigkeit, 
aber deren Kraft verleugnen sie; 
solche Menschen meide!" 



Wer ist das Zentrum Deines Lebens? Ist Deine Antwort Jesus, oder sind es Deine Kinder, Deine Freunde oder Dein Ehepartner? Was wäre, wenn ich Dir sagen würde, dass die Antwort auf diese Frage "Du!" lautet? Und was wäre, wenn ich Dir sagen würde, dass das OK ist? Lasst uns klarstellen: die Frage ist nicht, ob Du das Zentrum Deines Universums bist - das bist Du. Das ist, was Philosophen und Psychologen manchmal das egozentrische Dilemma nennen. Einfach ausgedrückt, wir können uns selbst nicht entkommen. Was immer wir fühlen, denken, sprechen oder glauben, es sind wir, die das Fühlen, Denken, Sprechen oder Glauben besorgen. Wenn wir mit Gott, anderen und der Welt in Beziehung treten, ist unser Referenzpunkt unausweichlich unser Ego.

Nun, hier ist die 'Überraschung': Für diese Art der "Selbstzentriertheit" müssen wir nicht umkehren. Stattdessen müssen wir erkennen, wie sehr wir von einer schwachen Schöpfungslehre beeinflusst sind. Ein Geschöpf zu sein, einschließlich unserer Endlichkeit und Besonderheit, ist ein Geschenk Gottes. Zu versuchen, uns selbst zu "entkommen" und irgendein anderes "Zentrum" zu haben, kann leicht in eine abstrakte Form der Spiritualität abgleiten, die unsere Geschöpflichkeit untergräbt. Das "Ich" vollständig zu verleugnen bedeutet aufzuhören zu existieren. Lasst uns vorsichtig sein mit unserem fromm-klingenden Gerede, das unsere Menschlichkeit untergräbt, denn sobald dies geschieht, wird aller Rat über die Heiligung und Umgang mit Sünde schief und letztendlich selbst-zerstörerisch für einen Christen. Wir sind nicht gerufen, uns für unsere Menschlichkeit zu entschuldigen, oder von ihr umzukehren.

Doch es existiert eine andere Art von "Selbst-Zentriertheit" die zerstörerisch ist und von der wir ganz sicher umkehren müssen. Das ist, was wir Egozentrik nennen. Den Unterschied zwischen geschöpflicher Selbst-Zentriertheit und sündigem Egozentrik zu kennen, kann uns helfen in Gnade und Wahrheit zu wachsen. Und es mag dazu führen, dass wir die Spülmaschine für unseren Ehepartner etwas öfter leeren.

Sünde erzeugt eine Perversion unserer geschöpflichen Selbst-Zentriertheit, so dass wir annehmen, wir seien nicht allein das Zentrum unserer eigenen Welt, sondern wir wären tatsächlich das Zentrum der Welt aller anderen. Wir vergessen, dass wir Teil der majestätischen und miteinander verbundenen Schöpfung sind und engstirnige und zerstörerische Egozentrik ist das Ergebnis. Wir sind noble und glorreiche Geschöpfe, geschaffen nach Seinem Bilde, doch wir sind nur Teil dieser Schöpfung; wir sind nicht deren Gesamtsumme. Obwohl es wahr ist, dass wir unentrinnbar das Zentrum unserer eigenen Welt sind, ist es ein großer Unterschied zu sagen, wir seien das Zentrum der Welt. Nur der Dreieine Schöpfer wird zu Recht als das Zentrum des Universums angesehen, denn es ist Seine Schöpfung: Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. (Rö 11,36).

Hier ist also das Dilemma: Auf der einen Seite können - und sollen - wir es als Geschöpfe nicht darauf anlegen, unserem "Selbst" zu entkommen. Auf der anderen Seite, ist unser "Selbst" durch die Sünde verbogen worden und wir stehen nicht mehr in der richtigen Beziehung zu Gott oder dem Rest Seiner Schöpfung. Aufgrund unserer Sünde sind wir, mit in einem Wort gesagt, egozentrisch. Die Sünde hat beeinflusst, wie wir denken, fühlen und begehren. Infolgedessen versuchen wir das Werk der Hände Gottes zu verbiegen, um unserem eigenen egoistischen Verlangen zu dienen. Nehmen wir wenn wir autofahren nicht an, dass unser Zeitplan der Wichtigste ist in Gottes Welt? Wenn wir versäumen, andere zu sehen und zu wertschätzen, offenbaren wir eine verdorbene Selbst-Zentriertheit, die den Schöpfer und Seine Schöpfung unterminiert. Dabei frisst diese Selbstsucht unser eigenes Leben. Die ganze Schöpfung war darauf angelegt, die Güte des Schöpfers zu genießen, Ihn als Herrn und Schöpfer aller Dinge anzubeten. Konsequenterweise sollte jedes Teil alle anderen Teile schätzen und lieben. Eine unheimliche Seite der Sünde ist, dass sie uns in uns selbst gekehrt hat. In beunruhigender Weise handeln wir subtil so, als wären wir der Schöpfer, statt das Geschöpf, als ob alle Dinge allein für uns gemacht seien.

Doch hier entdecken wir auch die christliche Hoffnung. Wenn Gott Sein Volk befreit, beginnt Er auch uns Einklang mit dem zu bringen, wie Er uns ursprünglich für uns zu leben geplant hatte. Der Schöpfer-Gott ist auch der Neu-Schöpfer. Als solche, die durch Christus erlöst und in der Kraft Seines Geistes freigesetzt sind, sehen wir, wie unsere Welt beginnt, sich zu verändern. Während die Sünde uns fortwährend nach innen verbiegt, so dass wir von uns selbst verzehrt werden, zieht uns das Evangelium wieder zurück zu einer angemessenen Liebe für den Schöpfer und Seine Schöpfung.

Getränkt in der Liebe des Vaters, der Gnade des Sohnes und der starken Gemeinschaft des Heiligen Geistes, sind wir ermächtigt, uns in Gottes Vergebung zu sonnen. Wir sind befreit, andere zu lieben, nicht nur uns selbst. Während sündige Selbst-Zentriertheit dazu tendiert, das Individuum und Beziehungen zu unterminieren, schafft es die lebensspendende Kraft Gottes, das Individuum und Beziehungen wieder herzustellen. Wir hören auf, uns ausschließlich um unsere Welt zu sorgen und beginnen, uns um Gottes Welt zu kümmern, die Welt, die Er so liebte, dass Er seinen einzig geborenen Sohn für sie gab (Johannes 3,16).

Um biblisches Vokabular zu bemühen, ist die Frage nicht, ob Du ein "Selbst" hast, sondern ob es das "Neue Selbst" oder das "Alte Selbst" ist, das Dich regiert. (Eph 4,20, 1Kor 5,7). Wie Paulus an die Kirche in Kolossä schreibt, "belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat." (Kol 3,9-10). Andere zu belügen ist nur annehmbar, wenn Du glaubst, dass Du mehr wert bist, als die anderen, was eine gefährliches Missverständnis der Schöpfung ist.

Wenn Gott uns ein neues Selbst gibt, sind wir dazu befreit, den Schöpfer als Allmächtigen Herrn anzubeten, was uns ermöglicht, das alte Selbst und seine von Eigeninteresse und Selbstschutz verunreinigten Gewohnheiten hinter uns zu lassen. Als die, die in Christus freigesetzt sind, sind wir frei, Gott und Nächsten zu lieben und das Gute der Anderen zu suchen, selbst wenn es uns selbst etwas kostet. Das alte Selbst praktiziert eine verdrehte Selbst-Liebe, die letztendlich zur Selbst-Zerstörung führt, wohingegen das neue Selbst eine kreuzförmiges Leben praktiziert, welches darauf abzielt, das Leben und die Liebe Gottes zu den Menschen zu bringen, denen wir begegnen.

Paulus warnt in seinem zweiten Brief an Timotheus vor "den letzten Tagen", in denen diese pervertierte Selbst-Liebe sich immer mehr manifestieren wird: "Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, zuchtlos, wild, dem Guten Feind, Verräter, unbedacht, aufgeblasen. Sie lieben die Wollust mehr als Gott; sie haben den Schein der Frömmigkeit, aber deren Kraft verleugnen sie; solche Menschen meide!" (2Tim 3,2-5)

Indem wir diese Warnung umkehren, können wir aber auch sehen, wie Paulus sich Christen vorstellt, die für das Gute der Anderen leben. Gläubige sind dazu berufen, keine "Selbst-Liebhaber" zu sein, denn sie begreifen, dass sie zu Gott gehören und für Seine guten Absichten geschaffen wurden. In unserer sündigen Welt bedeutet das, dass wir von Christus dazu berufen sind, uns selbst für andere hinzugeben, auf dass sie die Kraft seiner Liebe durch uns erkennen mögen.

Wir gehören zu Gott und daher sind wir frei, den Schöpfer und Seine Schöpfung angemessen zu lieben. Denk noch einmal über die Kehrseite dessen nach, was Paulus oben sagt. Wir Christen sind frei, unser Geld an die wegzugeben, die in Not sind. Wir sind, sowohl unsere Endlichkeit, wie auch unsere sündigen Verdrehungen der Realität erkennend, frei, uns von der Arroganz zur Demut zu wenden. Wir sind frei dankbar zu sein, voller Respekt und Ehrerbietung für andere, weil wir anerkennen, dass alles was wir haben ein Geschenk von Gott ist. Wir sind frei, große Herzen zu haben, einen empathischen Sinn für andere zu kultivieren, deren Wohlergehen und Gutes zu suchen, wo wir an ihren Geschichten und Schmerzen teilhaben. Wir sind frei, Gott mehr zu lieben, als unser eigenes Vergnügen; darum sind wir befähigt, das Kreuz Christi aufzunehmen, Ihm zu folgen, unsere eigene Selbst-Sucht abzulegen und zuerst das Reich Gottes zu suchen und Seine Gerechtigkeit [siehe Mt 6,33 Anm. d. Üs.]. Wir sind frei von abstumpfender Religiosität (dem Schein der Frömmigkeit), welche oft in solcher Weise von Sünde spricht, dass wir zum Fokus werden, statt unseren Blick zu Christus und der verändernden Macht Seines Geistes zu erheben. Einfach gesagt, sind wir in Christus frei, den Schöpfer und Seine Schöpfung richtig zu lieben.

Frömmigkeit ruft uns nicht dazu auf, die Realität der des egozentrischen Dilemmas zu leugnen, sondern es ruft uns dazu auf, die Selbst-Sucht abzulegen. Gott widersteht den Hochmütigen. Wenn wir arrogant sind, vergessen wir, dass wir Geschöpfe sind und unsere Sünde macht uns anderen gegenüber "spöttisch" (Spr. 3,34). Doch Gott gibt den Demütigen Gnade, denn die Demütigen begreifen ihre Abhängigkeit von Ihm und anderen und sind daher aufmerksam und gnädig gegenüber denen, die sie umgeben (1Pe 5,5c, Jak 4,6). Wiewohl wir nicht in der Lage sein mögen, der geschöpflichen Realität des egozentrischen Dilemmas zu entkommen, können wir doch eine vom Geist bevollmächtigte Aufmerksamkeit und Nächstenliebe kultivieren. Lasst uns, während wir unseren Platz in Gottes Neu-Schöpfung einnehmen: schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn sein, das Gute der anderen noch vor uns selbst fördern und durch unsere Worte und Taten immer darauf abzielen, andere zum Dreieinen Schöpfer zurück zu ziehen, der allein uns von der dunklen Falle unserer Selbst-Sucht befreien kann (Jak 1,19, 1Pe 2,12). Also, auf geht's, lass den anderen Fahrer überholen und leere vielleicht sogar die Spülmaschine, wenn keiner hinschaut.

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Dr. Kelly M. Kapic ist Professor für Religionslehre am Covenant College in Lookout Mountain, Georgia. Er ist, zusammen mit Justin Borger, der Autor von God So Loved, He Gave: Entering the Movement of Divine Generosity.

Montag, 30. April 2012

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann (Matthäus 13:18-23)


Text

18 So hört nun ihr dies Gleichnis von dem Sämann: 19 Wenn jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Böse und reißt hinweg, was in sein Herz gesät ist; das ist der, bei dem auf den Weg gesät ist. 20 Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist, das ist, der das Wort hört und es gleich mit Freuden aufnimmt; 21 aber er hat keine Wurzel in sich, sondern er ist wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er gleich ab. 22 Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht. 23 Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und versteht und dann auch Frucht bringt; und der eine trägt hundertfach, der andere sechzigfach, der dritte dreißigfach.


Kommentar

18 Nachdem Jesus seinen Jüngern die außerordentliche Gnade verdeutlicht hat, dass sie die Auserwählten sind, denen eine Gnade zuteil wird, nach der die Gerechten und Propheten der Vorzeit, darunter Mose, Elia und Jesaja!, sich vergeblich ausgestreckt haben, nämlich in die Geheimnisse des Himmelreiches und des Evangeliums von der Gnade Gottes hineinschauen zu dürfen, welches selbst die Engel begehren zu sehen (1Pe 1,10ff), nachdem er ihnen diese Gnade verdeutlicht hat, fordert er sie auf sein Angebot anzunehmen und ihm bei der Auslegung dieses Gleichnisses vom Himmelreich und von der Verkündigung des Evangeliums zuzuhören.

Dieses Gleichnis beginnt Jesus, wie schon gesagt, mit einer in seinem Umfeld leicht verständlichen und leicht zugänglichen, weil alltäglichen Geschichte von einem Bauern, der sein Feld bestellt. Dabei teilt dieses Gleichnis die Hörer des Evangeliums in vier Gruppen, von denen jede Gruppe das Evangelium zwar hört, aber nur eine Gruppe es auch wirklich versteht; die anderen drei Gruppen geraten unter den Einfluss der Erzfeinde des Evangeliums: Den Satan, das Fleisch und die Welt; und nur die letzte Gruppe bringt die Frucht des Geistes (vgl. Gal 5,22) hervor.

19 Die erste Gruppe der Hörer des Evangeliums wird vom Satan bestohlen, der ihnen das Wort Gottes aus dem Herzen reißt, weil sie es zwar mit den Ohren hören, aber nicht mit dem Herzen verstehen; weil sie in ihren Herzen verstockt sind (Mt 13,15). Sie vergleicht Jesus mit dem Samen, der auf den Weg gesät ist und der von den Vögeln gefressen wird, noch bevor er die Möglichkeit hatte zu keimen. Wessen Herz so verstockt und hart ist, wie der festgetretene Weg, der gibt Gottes Wort nicht den Raum im Herzen, den es braucht, um sich mit dem Glauben zu verbinden und Wurzeln zu schlagen. Für ihn ist das Evangelium "Schall und Rauch", nur eine unwesentliche Glaubensüberzeugung unter vielen. Sie sind Götzendiener ihrer selbst. Ihre Götzen sind ihr Intellekt, ihre Macht und ihr Status. Sie dienen dem Stolz und damit der satanischsten aller Sünden.

20-21 Die zweite Gruppe hört das Evangelium und freut sich augenscheinlich über die ihm im Evangelium angebotene Gnade. Doch auch hier kommt die Gute Nachricht in der Tiefe der Herzen nicht an. Die Freude ist oberflächlich, denn die Hörer sind Opportunisten, die ihr Fähnlein nach dem Wind hängen und sich nur dort hin wenden, wo ihnen ein Nutzen ohne Kosten zu erzielen scheint. Sie können nicht Schüler Christi werden, denn sie wollen Sein Kreuz nicht tragen (Lk 14,27), haben die Kosten der Nachfolge nicht überschlagen (Lk 14,28) und wollen die Bedrängnisse vermeiden, durch die doch jeder Christ innerlich oder äußerlich gehen muss, der ins Reich Gottes hinein kommt (Apg 14,22). Sie haben nicht begriffen, dass es nicht allein um die Glückseligkeit des ewigen Lebens im Himmel geht, sondern vor allem um die Umkehr von ihren Sünden, um ihre Heiligung und um ihre Treue gegen Ihn, der sie bis in den Tod geliebt hat. Sie erkennen weder ihre eigene Gottlosigkeit, noch die ihnen drohende Verdammnis in Gottes Gericht. Sie sind zwar religiös und begeisterungsfähig und hören Gottes Wort anfangs mit Freuden, aber sie ertragen die Schmerzen der Bedrängnis und Christenverfolgung nicht, obwohl ihnen von Christus doch vorausgesagt wurde, dass sie als 'Christen', die Seinen Namen tragen, um eben dieses Namens willen gehasst werden von allen Menschen (Mt 10,22), wie es aktuell in aller Welt passiert. Auch sie sind Götzendiener ihrer selbst. Ihr Götze ist ihr 'Bauch' (Phil 3,18f), sie sind Sklaven ihrer Gefühle und Emotionen, statt Diener Christi (1Kor 4,1). Sie dienen ihrer Wolllust und nicht Christus.

22 Die dritte Gruppe hört das Evangelium, doch sie versucht das Unmögliche: Gott und dem Mammon zu dienen, was doch unmöglich ist (
Mt 6,24), und der Welt, das ist: der Mode, dem Zeitgeist, der 'political correctness', zu gefallen. Auch sie sind Götzendiener. Ihre Götzen sind die Gier und die Menschenfurcht (Mt 21,46 und Mt 23,25), sie lieben die Welt, die sie doch nicht lieben sollten (1Joh 2,5). Sie dienen ihrem Geldbeutel und ihrem Ansehen und nicht Christus. Die Folge ihrer Abgötterei sind unzählige Sorgen, ums Geld und die Gunst der Mächtigen, die am Ende das Evangelium in ihren Herzen ersticken, so dass sie, entgegen Gottes Gebot (Mt 3,8) fruchtlos bleiben und von der Verbindung zu Christus abgeschnitten werden (Joh 15,2).

23 Die letzte Gruppe sind die wahren Christen, die nicht nur Christi Namen tragen, sondern durch das Wort ihres Bekenntnisses (Mt 10,32, Rö 10,10, 1Joh 2,23), die Verkündigung des Evangeliums trotz Verfolgung (Off 12,11), das Einhalten der Gebote Gottes (Joh 15,10) und durch ihre Taten der Liebe (1Joh 4,12) beweisen, dass sie auch wirklich zu Christus gehören und Ihm nicht nur in aller Freude sondern auch und in allem Leid die Treue halten. Sie sind es, die in der Tiefe ihrer Herzen verstanden haben, was Evangelium bedeutet: die Gute Nachricht von der Begnadigung von Gottes Gericht für all diejenigen, die von ihrer Gottlosigkeit umkehren und ihr Leben fortan in den Dienst Jesu stellen. Auch hier gibt es noch Unterschiede, doch alle bringen sie Frucht: Manche, wie z.B. Paulus von Tarsus, Aurelius Augustinus Bischof von Hippo, John Owen, Anselm von Canterbury, Martin Luther, Johannes Calvin oder Jonathan Edwards u.a. hundertfach, andere, wie z.B. C.S. Lewis, G.K. Chesterton, A.W. Tozer, J.R.R. Tolkien, u.v.a. sechzigfach und wieder andere, wie wir einfache Christen, dreißigfach. Sie sind echte Gottesdiener, denn sie dienen mit ihrem Leben allein dem, der sie gemacht hat und lassen sich, dank der Gnade Gottes, vom Stolz Satans, der Lust ihres Fleisches und den Verlockungen der Welt nicht dauerhaft vom rechten Weg der Wahrheit, des Schönen und des Guten, das ist: vom Weg der Liebe, abbringen.


Die Beantwortung Hintergrundfrage, warum Jesus in Gleichnissen predigte findet sich hier.