Posts mit dem Label Böse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Böse werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 13. Januar 2019

Jahreslosung 2019 - "Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!" (Psalm 34,15)


Übersicht
  • Intro: „Die neuesten Nachrichten“
  • Unser Text (Psalm 34,15) 
  • Was ist das für ein Frieden?
  • Warum sollten wir diesem Frieden "nachjagen"?
  • Was bedeutet also "nachjagen"?
  • Wie geht das: "nachjagen"?
  • Fragen an Dein Herz



Intro: „Die neuesten Nachrichten“

Wenn ich mich in unserer Welt so umschaue, in der Presse, in den Medien, in den Nachrichten, Radio höre oder fernsehe oder auch nur Gespräche führe, wird mir eines immer deutlicher: unsere Welt ist kaputt. Ich gehe noch einen Schritt weiter: sie ist auf jede nur erdenkliche Art und Weise kaputt. Damit meine ich nicht, dass in unserer alles kaputt ist. Ich meine damit, dass jeder nur denkbare Aspekt von diesem Kaputtsein betroffen ist.

Mein Nächster: Ich höre von Mobbing in Schulen, von Schießereien und Amokläufen, von Terrorismus, Kriegen und Hungersnöten, von Flüchtlingswellen, Menschenhandel und Sklaverei und von der weltweit größten Christenverfolgung aller Zeiten.

Schöpfung: Ich lese von Luftverschmutzung, von Plastikmüll in den Meeren, von Überdüngung, Chemie-Giganten und Glyphosat, von der Ausbeutung von Rohstoffen, der Abholzung des Regenwaldes und der Überfischung der Meere, ich lese von Nahrungsmittel-Giganten und der kommerziellen Ausbeutung unserer Wasser-Reserven, ich lese von ausgesetzten Haustieren, von tierquälerischer Hühner- und Schweinezucht und unsäglichen Tiertransporten.

Ich selbst: Ich begegne Menschen mit Depressionen, Selbstmordgedanken, Drogen- Spiel- und Sexsüchtigen, arroganten Egoisten, Rechthabern und Selbstgerechten, ich begegne Menschen, deren Seele von ihrer Vergangenheit verkrümmt ist und die trotz ihres Alters nicht innerlich geheilt sind.

Gott: Früher hatten wir New Age samt Baghwan und Esoterik aller Orten. Heute sehe ich auf der einen Seite das Neuheidentum mit seiner spirituellen Verirrung ins Heidnisch-Okkulte, und den Neo-Atheismus samt seiner Beschränkung der Welt auf das Natürliche. Und ich begegnen immer wieder Menschen, die auf Gott und den christlichen Glauben nicht gut zu sprechen sind.

Wie gesagt: es ist nicht alles kaputt. Es gibt noch immer hilfsbereite Menschen, wahnsinnig schöne Sonnenuntergänge am Meer, gesunde Persönlichkeiten und an Christus Gläubige. Aber es ist in jedem Bereich der Schöpfung etwas zerbrochen - und zwar auf Ebene der Beziehung – und dies auf eine vierfache Weise: 1. In der Beziehung zwischen mir und meinem Nächsten, 2. in der Beziehung zwischen mir und der Schöpfung, 3. in der Beziehung zu mir selbst, und 4. in der Beziehung zwischen mir und Gott. In dieses Zerbrochen-Sein hinein spricht unsere Jahreslosung. Sie spricht von Frieden, von einem Shalom, von einer Wiederherstellung all dieses Kaputten – und darüber, wie wir da hin kommen.


Unser Text (Psalm 34,15) 

Eigentlich wollte ich uns, bevor wir uns auf die Jahreslosung konzentrieren, den ganzen Text lesen, damit wir ihn in seinem Kontext betrachten können. Das hätte bedeutet, wesentliche Teile dieser Predigt wegzulassen. Daher bitte ich Euch, den Psalm 34 in der nächsten Woche gern noch einmal zu Hause nachzulesen – und mir zu vertrauen, dass die nachfolgende Zusammenfassung zumindest einigermaßen korrekt ist: Der Psalm ist überschrieben mit „Unter Gottes Schutz“ und hat 6 Sinn-Abschnitte: 1. dass unser Gott ein Gott ist der zutiefst lobenswert ist, 2.Dass unser Gott ein Gott ist, der unser Gebet beantwortet, der uns hilft, uns rettet und uns Freude schenkt, 3. dass unser Gott freundlich ist, und wir ihn darum suchen und ehren sollen, 4. fordert dieser Psalm dazu auf, dass, wer ein gutes Leben, ja ewiges Leben haben möchte, umkehren sollte! Aktiv etwas tun sollte. Das Böse lassen und dem Frieden nachjagen sollte, 5. sagt Psalm 34, dass Gott den bußfertigen Sünder errettet und die Gottlosen richtet und 6. heißt es dort, dass wir im Leben zwar leiden müssen, aber Gott uns - wenn wir auf Ihn vertrauen, uns von aller unserer Schuld erlöst und unser Leben befreit!

Unser Psalm redet also auf der einen Seite vom herrlichen Wesen Gottes, der unsere Gebete erhört, der uns hilft und uns rettet und der uns Freude schenkt. Er redet auf der anderen Seite aber auch ganz klar von zwei Sorten von Menschen: denen, die umkehren und gerettet werden - und denen, die Gottes Gebote hinter sich werfen, sie verachten und ins Gericht kommen. Unser Vers steht dabei genau in dem Block, den ich zusammen fassen möchte mit dem Satz: „Wer ein gutes Leben, ewiges Leben, haben möchte, der soll vom Bösen umkehren und dem Frieden nachjagen!“


Was ist das für ein Frieden?

Das scheint ja ziemlich wichtig zu sein, mit diesem Frieden nachjagen! Da kann (und sollte!) man jetzt natürlich erst mal fragen: was ist denn das für ein Frieden, dem ich da nachjagen soll? Das Wort, das in unserer deutschen Bibel mit „Frieden“ übersetzt wurde, heißt auf hebräisch „Shalom“. Und Shalom bedeutet viel mehr als unser deutsches Wort „Frieden“. Es bedeutet nicht nur „kein Krieg“ oder „kein Streit“. Die Wikipedia[1] weiß dazu: „Der hebräische Begriff Schalom bedeutet [...] Unversehrtheit, Heil; es ist damit nicht nur Befreiung von jedem Unheil und Unglück gemeint, sondern auch Gesundheit, Wohlfahrt, Sicherheit, Frieden und Ruhe.“ 

Kannst Du Dir das vorstellen? Der biblische Frieden beschreibt einen Zustand, in dem die Dinge heil sind, nicht kaputt. Einen Zustand, in dem der Mensch und die Natur gesund sind, in dem Mensch und Natur in Sicherheit sind, einen Zustand in denen ein wahrhaft himmlischer Frieden herrscht – ein ganzheitliches Heil, welches die ganze Schöpfung umfasst – und damit auch unsere Beziehung zu unserem Schöpfer selbst. Der biblische Frieden beschreibt also einen Zustand, in dem die 4 Ebenen der Beziehung, über die ich am Anfang gesprochen habe, wiederhergestellt sind: 1. Meine Beziehung zu meinem Nächsten, 2. meine Beziehung zur Schöpfung, 3. meine Beziehung zu mir selbst, und 4. meine Beziehung zu Gott.


Warum sollten wir diesem Frieden "nachjagen"?

Nachdem wir uns nun angesehen haben, was es mit diesem Frieden auf sich hat, ist natürlich die nächste Frage, warum man sich für diesen Frieden einsetzen sollte – was einen motivieren sollte, hier aktiv zu werden. Und bitte verstehe mich richtig: dass es ein guter Zustand ist, dass also der Sinn und Zweck dieses Friedens erstrebenswert sind, daran habe ich keinen Zweifel. Auch daran nicht, dass Du das genau so siehst. Wenn ich also nach dem „Warum?“ frage, dann nicht, weil ich glaube es Du wärest ein Bösewicht, der da denkt: „Ah – Frieden! So ein Quatsch! Da kann ich getrost drauf verzichten! Hauptsache, ich kriege morgen noch mehr kaputt gemacht, als heute!“

Ich denke, wir sehnen uns alle nach diesem Zustand: nach Frieden, nach Heil, nach Sicherheit, nach Gesundheit – auf allen genannten Ebenen: in unserer Beziehung zum Nächsten (und unseres Nächsten zu uns), in unserer Beziehung zur Welt und unserer Beziehung zu uns selbst und – last, but by all means first! – unserer Beziehung zu Gott. 

Meine Frage nach dem „Warum“, geht also vielmehr in die Richtung: „Was hat das mit mir zu tun?“ Denn da steht ja: „jage ihm nach“. Das ist ein Imperativ! Und der meint mich. Und Dich. Er meint jeden von uns. Und ich denke, dass der Grund für diesen Imperativ ziemlich simpel ist: Die Welt ist kaputt. Daran besteht kein Zweifel. Vor allem aber wird sie sich nicht von selbst reparieren. Die Welt – unsere Schöpfung, wir selbst und unser Nächster – kann nur in Ordnung kommen, wenn jemand etwas dafür tut. Denn: vom einfach nur Rumsitzen passiert gar nichts. Oder mit den Worten von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“


Was bedeutet also "nachjagen"?

Wenn es also darum geht, einen eigenen Beitrag dazu zu leisten, dass dieser Friede Gestalt annimmt, dann wäre es natürlich gut zu wissen, was genau dieser Beitrag sein kann – und auch, wo man dabei vom Pferd fallen kann. Damit man eben nicht runter fällt. 


Schöpfung: Ich denke, in den genannten 4 Beziehungsfeldern geht es dabei um folgendes: in unserer Beziehung zur Schöpfung, also zu der Welt in der wir leben, können wir mindestens zwei verschiedene falsche Haltungen einnehmen: die Haltung der Vergötzung und die Haltung der Verachtung. 

Die Haltung der Vergötzung macht die Welt zu seinem Gott. Wer das tut, der sucht sein Glück im Streben nach Geld, Macht, Status, Anerkennung oder Lust. Sich das ewige Glück von der Welt zu erwarten ist dabei keine so gute Idee: Der Apostel Johannes schreibt dazu: „Und die Welt vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.“ (1Joh 2,17)

Die andere Haltung, mit der wir der Welt begegnen können, ist die der Verachtung. Verachtung bedeutet, dass es mir Wurst ist, was mit der Welt um mich herum passiert. Ob die Umwelt nun verschmutzt wird oder nicht. Ob Tiere gequält werden oder nicht. Ob Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken oder nicht. Ob Christen verfolgt werden oder nicht. Weil es ja nicht mein Problem ist. 

Oder meine Haltung kann sein, dass ich mich aktiv dafür einsetze, dass hier etwas besser wird. Durch einen bewussten, nachhaltigen Umgang mit meiner Umwelt, durch aktiven Einsatz für den Tierschutz, durch politischen und auch persönlichen Einsatz für Menschen, die aus Angst vor Misshandlung oder Tod ihre Heimat verlassen haben oder durch die Unterstützung von Organisationen, die verfolgten Christen helfen. Um die Welt zumindest ein ganz kleines bisschen besser zu machen. 

Darf ich Dich das mal fragen? "Wo stehst Du hier?" Und: "Was könntest Du tun?" Und: "Was tust Du tatsächlich?"


Nächste: In unserer Beziehung zu unserem Nächsten, und das sind meistens wirklich die Menschen, die uns am nächsten sind: unsere Ehepartner, Kinder, Verwandte und Arbeitskollegen), in diesen Beziehungen werden wir immer wieder, und teilweise sehr tief, verletzt. Oder wir verletzen selber. 

In diesen Beziehungen geht es um Vergebung. Vergebung, die wir schenken können. Oder Vergebung, die wir erbitten können. Damit diese Beziehungen wieder heil werden können. Damit wirklich Friede wird. Wahrer Shalom. Das passiert nicht von selbst. Ich bin vielmehr von Gott dazu aufgefordert, selbst aktiv zu werden. Diesem Frieden nachzujagen. Mich mit jeder Faser meines Seins dafür einzusetzen, dass dieser Friede Gestalt gewinnt. Jesus sagt dazu „Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.“ (Lk 6,37). 

Ich frage Dich das mal: "Wo in Deinem Leben sind Beziehungen kaputt?" Und: Bist Du bereit zu vergeben? Und: "Bist Du bereit, um Vergebung zu erbitten?" 


Selbst: Auch in unserer Beziehung zu uns selbst gibt es mehr als genug zu tun: Auf der einen Seite können wir uns fragen, wo es uns an Heiligung fehlt. Ich frage das mal ganz direkt: „Wo gibt es in Deinem Leben eine Sünde, von der Du genau weißt, dass Du sie lassen solltest?“ Ich bin sicher: es ist genau diese Sache, die Dir jetzt gerade durch den Kopf geht. Salomo sagt dazu: „Wer seine Missetat leugnet, dem wird's nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ (Spr 28,13)

Auch dazu möchte ich Dich was fragen: "Willst Du diese Sünde bekennen und lassen?"

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Verletzungen in unserer Seele, die wir vielleicht schon seit Jahren, ja Jahrzehnten!, mit uns herumtragen. An denen wir uns abschleppen. Aus Scham davor, mit jemandem darüber zu sprechen. Gott möchte, dass wir heil werden. Und dazu hat er uns einander gegeben. Wäre es nicht schön, Dich einem Menschen anzuvertrauen und in tiefen Gesprächen über die Zeit Heilung zu erfahren? Ich bitte Dich herzlich: Wenn Dich etwas quält, bitte sprich mit jemandem darüber – mit einem erfahrenen Seelsorger oder einer erfahrenen Seelsorgerin, dem/der Du vertraust. 

"Warte nicht länger!"


Gott: Letztlich aber steht und fällt all das oben gesagte mit unserer Beziehung zu Gott: Nur, wenn meine Beziehung zu Ihm wirklich im Reinen ist, bin ich davor gefeit, die Schöpfung zu vergöttern oder zu verachten; bin ich bemüht, mit meinem Nächsten ins Lot zu kommen; bin ich bereit, auch an mir selbst zu arbeiten, um Christus ähnlicher zu werden. 

Darum möchte ich Dich fragen: "Lebst Du tatsächlich in täglicher Hingabe an Ihn?" Und: "Lebst Du ein Leben in beständiger Umkehr vom Bösen?" Und: "Lässt Du Dir überhaupt von Gott sagen, was Gut und Böse ist?" 

Oder hast Du, wie Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse gegessen und bist Dein eigener Gott: Dir selbst Gesetz? Es kann aber auch sein: Du hast ein völlig falsches Bild von Gott. Fällt es Dir schwer, Ihm zu vertrauen? Scheint Er Dir fern? Oder drohend? Oder gar böse? Wenn das so sein sollte, möchte ich Dich auch hier herzlich bitten, Dich einem erfahrenen Seelsorger anzuvertrauen. 

"Suche aktiv nach Hilfe!"


Wie geht das: "nachjagen"?

Nachdem wir nun wissen, was Frieden ist, und wissen, was wir ganz konkret dazu tun können, möchte ich uns noch vor einem großen Irrtum bewahren: Dem Irrtum, wir müssten nur „einen Entschluss fassen“ und „uns anständig Mühe geben“ und „dann wird das schon“. Das wäre der Weg des Gesetzes. Und der funktioniert nicht. 

Natürlich steht auch Hebräer 12,14 „Jagt dem Frieden nach mit jedermann und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn sehen wird...“ Aber in Römer 8,7 steht auch, dass sich unser „Fleisch [...] dem Gesetz Gottes nicht unterwirft; denn es vermag's auch nicht.“ Gottes Wort macht uns also nicht die geringste Hoffnung, dass wir auf dem Wege der Selbsterlösung Erfolg haben werden.

Ja, wie denn jetzt? Wir haben doch jetzt die ganze Zeit gesagt, wir sollen dem Frieden nachjagen? Oder etwa nicht? Und jetzt sage ich Dir: „Jaja, aber das geht gar nicht!“ Will ich Dich denn jetzt etwa veräppeln? Natürlich nicht! Es ist vielmehr beides richtig: Gott möchte, dass wir "dem Frieden nachjagen", also alles in unserer Macht stehende tun, um unseren Beitrag zum Frieden zu leisten. Und Gott weiß auch, dass wir die Kraft dazu nicht in uns selbst finden werden.

"Ja, wie soll es den dann gehen?" fragst Du nun vielleicht. Nun, die Lösung, also die Antwort auf diese Frage, hat etwas mit Beziehung zu tun: mit Deiner Beziehung zu Gott. Denn die Lösung liegt nicht in einem Kraftakt. Und nicht in Deiner Disziplin. Die Lösung liegt in einer Person. Und zwar in Jesus Christus selbst.

Bitte höre bei den folgenden Versen ganz genau hin: In 1Kor 1,30 steht: „Gott allein hat es ermöglicht, dass ihr in Christus Jesus sein dürft. DEN hat er zu unserer Weisheit gemacht. Durch IHN sind wir vor Gott gerecht gesprochen und unser Leben wird durch IHN geheiligt. Durch IHN sind wir erlöst.“ (NLB)

Wenn ich also eine Beziehung zu Jesus Christus habe, dann ist ER die Kraft in mir zur Heiligung. Er IST unsere Heiligung! Wenn wir also vom Bösen lassen und dem Guten und dem Frieden nachjagen wollen, ist ER die Antwort. ER ALLEIN! 

ER ist auch unsere Heilung: In Jesaja 53:5 lesen wir: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf IHM, auf daß wir Frieden hätten, und durch SEINE Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53:5) ER ALLEIN ist in der Lage, die Wunden unserer Seele zu verarzten, dafür zu sorgen, dass wir innerlich wirklich heil werden!

Letzten Endes liegt der Frieden, dem wir nachjagen sollen in Seiner Person begründet: „ER ist unser Friede “lesen wir in Epheser 2,14 – und in Jesaja 9,5-6 noch genauer: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und ER heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende sei [...] in seinem Königreich [...]“. Wenn wir also wirklich Frieden suchen, dem Frieden nachjagen wollen, dann ist unser Ziel eine Person!

ER ist es, der durch seinen Heiligen Geist in uns „wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (Phil 2,13). ER ist es, der spricht: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe [...]: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, daß ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ (Jer 29:11“) ER ist es, der spricht: „ICH will [...] solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hes 36,27)

ER ist es, der spricht: „Ihre Wege habe ich gesehen, aber ICH will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben; und denen, die da Leid tragen, will ich Frucht der Lippen schaffen. Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR; ICH will sie heilen.“ (Jes 57:18-19)

GOTT ist es, der Dich zum Frieden ruft. 

Und dieser Gott ist es, der Dich befähigen will, Seinen Willen zu tun. Dieser Gott ist es, der Mensch geworden ist, der aus Liebe zur Dir Sein Leben gegeben hat als Preis für Deine Sünden am Kreuz von Golgatha. Dieser Gott ist es, JESUS CHRISTUS, der auferstanden ist und lebt, der Dich persönlich ruft und bittet: „komm und folge mir nach!“ (Lk 18,22) – auf dem Weg des Friedens. 

AMEN.


Fragen an Dein Herz

  • An welchen Stellen hat Gott Dein Herz berührt und Dich zur Umkehr gerufen?
  • Willst Du Ihm vertrauen und folgen?


„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben.“ 

(Galater 2,20)

---
[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schalom_(Hebr%C3%A4isch), aufgerufen am 12.01.2019 um 16:26)

Sonntag, 20. Dezember 2015

Die Herrlichkeit der Reichen ist Trug und Schein (Ps 49:1-21)

Text

1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen, nach der Weise »Jugend«." 2 Höret zu, alle Völker; merket auf, alle, die in dieser Zeit leben, 3 einfache Leute und Herren, Reich und Arm, miteinander! 4 Mein Mund soll Weisheit reden, und was mein Herz sagt, soll verständig sein. 5 Ich will einem Spruch mein Ohr neigen und mein Rätselwort kundtun beim Klang der Harfe. 6 Warum sollte ich mich fürchten in bösen Tagen, wenn mich die Missetat meiner Widersacher umgibt, 7 die sich verlassen auf Hab und Gut und pochen auf ihren großen Reichtum? 8 Kann doch keiner einen andern auslösen oder für ihn an Gott ein Sühnegeld geben 9 - denn es kostet zu viel, ihr Leben auszulösen; er muss davon abstehen ewiglich -, 10 damit er immer weiterlebe und die Grube nicht sehe. 11 Nein, er wird sehen: Auch die Weisen sterben, / so wie die Toren und Narren umkommen; sie müssen ihr Gut andern lassen. 12 Gräber sind ihr Haus immerdar, ihre Wohnung für und für, und doch hatten sie große Ehre auf Erden. 13 "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben," "sondern" "muss davon wie das Vieh." 14 Dies ist der Weg derer, die so voll Torheit sind, und das Ende aller, denen ihr Gerede so wohl gefällt. "SELA". 15 Sie liegen bei den Toten wie Schafe, der Tod weidet sie; aber die Frommen werden gar bald über sie herrschen, und ihr Trotz muss vergehen; bei den Toten müssen sie bleiben. 16 Aber Gott wird mich erlösen aus des Todes Gewalt; denn er nimmt mich auf. "SELA". 17 Lass es dich nicht anfechten, wenn einer reich wird, wenn die Herrlichkeit seines Hauses groß wird. 18 Denn er wird nichts bei seinem Sterben mitnehmen, und seine Herrlichkeit wird ihm nicht nachfahren. 19 Er freut sich wohl dieses guten Lebens, und man preist dich, wenn es dir gut geht. 20 Aber doch fahren sie ihren Vätern nach und sehen das Licht nimmermehr. 21 "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben," "sondern muss davon wie das Vieh."


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser letzte im zweiten Buch der Psalmen aufgeführte Psalm der Korahleviten verkündet der ganzen Welt, ungeachtet deren Stand und Vermögen, Weisheit: es ist die Antwort auf die rätselhafte Frage nach dem Umgang des Gottesfürchtigen mit der Bosheit der Gewaltigen. Die Antwort lautet: Der Böse wird vergehen, Du aber bleibst - dank der erlösenden Gnade - in alle Ewigkeit bei Gott. Darum lass Dich nicht erbittern und fürchte Dich nicht.


Struktur

1 Auch dieses, als letztes im zweiten Psalmenbuch verzeichnete, Vortragslied der Korahleviten ist dem Chorleiter gewidmet.

2-5 Der Psalmist ruft, ungeachtet des Standes, der ganzen Welt zu, seine Botschaft zu hören: der weisen Antwort auf eine rätselhafte Frage, über die er lange nachgedacht hat.

6-7 Die Frage ist: Warum sollten wir uns vor der Bosheit der Gewaltigen fürchten?

8-13 Die Antwort: Wir sollten uns nicht fürchten. Denn selbst der Mächtigste kann sich nicht selbst vom Urteil Gottes über seine Sünde erlösen. Vielmehr wird er sterben, wie das Vieh.

14-16 Doch so sicher der Gottlose sterben muss und bessere nach ihm kommen, so sicher wird der Gottesfürchtige von Gott erlöst werden; von des Todes Gewalt zum ewigen Leben.

17-21 Das Fazit: Das Drohen der Mächtigen soll uns, im Angesicht der Ewigkeit, nicht anfechten. Denn sie werden mitsamt ihrem Reichtum, ihrer Macht und ihrem Ansehen vergehen.


Inhalt

1 Auch Psalm 49 (Buber: "ein Harfenlied"), das letzte dem zweiten Psalmbuch zugeordnete Vortragslied der Korahleviten, ist dem Chorleiter gewidmet. Schon in den Psalmen 44-47 und so auch hier müsste es also zu Beginn heißen: "Dem Chorleiter." und hier weiter: "Von den Söhnen Korach. Ein Psalm."

In der Übersetzung Luthers jedoch fehlt diese Widmung. Zudem geht der angefügte Hinweis "nach der Weise »Jugend«" nicht auf Luther, der sich auf den hebräischen Urtext stützte, zurück - sie ist in den Ausgaben von 1545 und auch in der Revision von 1912 nicht zu finden - sondern wurde erst mit der Revision von 1984 eingefügt.

2-5 Wie ein Herold die Bürger einer Stadt auf den Marktplatz ruft, um seines Königs Willen zu verkünden, so ruft der Psalmist allen Völkern seiner Zeit zu, ihm ihr Gehör und ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ganz egal, ob es einfache Bürger sind oder die oberen Zehntausend, egal ob sie arm sind oder reich, so bedeutungsvoll ist die Botschaft, dass alle miteinander hören sollen, was der Psalmdichter zu sagen hat:

Die Weisheit, die er in einem Sprichwort, dem er aufmerksam lauschte, vernommen und in seinem Herzen bewegt hat, will er in verständlicher Weise darlegen. Es ist die Antwort auf eine rätselgleiche Frage, die ihm dabei in den Sinn gekommen ist. Und diese Frage ist es, die er zur Musik der Harfe beantworten will.

6-7 Die Frage lautet: "Warum sollte ich mich in schlechten Zeiten fürchten? Warum sollte ich mich fürchten, wenn ich von der Bosheit meiner Feinde umgeben bin? Von prahlerischen Menschen, die sich auf ihr Vermögen verlassen und viel Wind um ihre Besitztümer machen?"

8-13 Die Antwort des Psalmisten liegt in der Zeit, in der Hilflosigkeit des sündigen Menschen gegenüber Gottes gerechtem Urteil über die Sünde und in der noch unsichtbaren Ewigkeit:

Wieviel Geld sie auch haben mögen, als Lösegeld für's ewige Leben wird es nicht reichen. Kein sündiger Mensch kann eines anderen Sünden sühnen oder ihn - schon gar nicht mit Geld - vor Gott freikaufen von seiner gerechten Strafe, das ist: vom Grab und vom ewigen Tod.

Von diesem Gedanken kann er sich für ewig verabschieden, ist doch offensichtlich, dass alle Menschen sterben müssen. Alle trifft das gleiche Los. Egal ob sie Narren oder Weise waren, ihr Vermögen, mit dem sie sich so brüsteten, können sie nicht mitnehmen, sondern müssen es anderen überlassen.

Vielmehr ist es so, dass, egal wie berühmt sie zu Lebzeiten gewesen sein mochten (selbst wenn ganze Länder nach ihnen benannt worden sein sollten, vgl. NeÜ), sie zu Grabe fahren und sie für immer im Totenreich ihre Heimat haben werden. Der Kehrvers fasst die Antwort des Psalmisten auf die Frage nach dem Sinn der Furcht vor der Bosheit der Mächtigen so brillant zusammen: "Ein Mensch in seiner Herrlichkeit kann nicht bleiben, sondern muss davon wie das Vieh."

14-16 Noch einmal bestätigt der Psalmist das soeben Gesagte, so wichtig ist ihm seine Botschaft: Genau so wird es allen Narren gehen, genau so werden alle Prahlhanse enden: sie werden sterben und ihr Leib wird zerfallen (Luther: "ihr Trotz muss vergehen"). Die Herde ihrer Gräber hütet der Tod, dort müssen sie bleiben. Und schon morgen werden Aufrichtige an ihrer Stelle herrschen.

Doch für die Gottesfürchtigen besteht Hoffnung über den Tod hinaus: Gott selbst wird es sein, der Allmächtige persönlich, der uns aus den Krallen des Todes reißt und unser Leben vom Verderben erlöst. Und, Gott sei Dank!, das ist nun geschehen! Im Markusevangelium lesen wir von Jesus Christus, dem Mensch gewordenen Gott: "Denn ... der Menschensohn ist ... gekommen, ... dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele." (Mk 10:45)

In Seiner Erlösungstat allein liegt unsere Hoffnung auf ewiges Leben, ein Leben, welches uns, befreit von aller Schuld und damit von der Macht des Todes (Röm 8:2, 2Tim 1:10, Hebr 2:14, Offb 20:6) und welches gekrönt wird mit der herzlichen Güte Gottes, der uns bei sich aufnimmt, damit wir, mit herrlichen Wohnungen beschenkt, da sind, wo Er ist, der uns geliebt hat his in den Tod (vgl. Joh 14:2, Joh 17:24).

17-21 In den letzten Versen fasst der Psalmdichter das Gesagte noch einmal zusammen: Es soll uns nicht ärgern, wenn ein Mensch zu großem Wohlstand kommt und sein öffentliches Ansehen wächst. Angesichts der Ausgangsfrage: "Wozu sollte ich mich in schlechten Zeiten fürchten - in Zeiten, wenn ich von der Bosheit prahlerischer Menschen umgeben bin, die auf ihr Vermögen pochen?" ist nun klar: der Mächtige und Reiche, der Prahlhans und Narr wird nichts mitnehmen, wenn er stirbt und auch sein weltlicher Ruhm und sein Reichtum werden ihm nicht ins Grab folgen.

Wohl mag er sich dieses Lebens gefreut und nach dem Motto gelebt haben: "Lass es Dir gut gehen, dann schmeichelt man Dir!" und doch muss er, wie seine Vorfahren, sterben und sind in ihrer Gottlosigkeit für immer und ewig abgeschnitten von Christus, dem Licht der Welt und des Lebens (Joh 8:12).

Noch einmal bringt es der Kehrvers auf den Punkt: Solche Menschen sind am Ende ihres Lebens nicht besser daran, als das Vieh. Und dann gilt endlich, was schon Salomo sagte: "dem Menschen, der ihm gefällt, gibt [Gott] Weisheit, Verstand und Freude; aber dem Sünder gibt er ..., dass er sammle und häufe und es doch dem gegeben werde, der Gott gefällt. Auch das ist eitel und Haschen nach Wind." (Pred 2:26)


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Gibt es gottlose Menschen in Deinem Leben, die Dich bedrängen und ängstigen?
  • Vertraue auf Gott, der Dich erlöst hat und aus Liebe zu Dir am Kreuz Sein Leben ließ.
  • Und sieh auf das Ende der Geschichte in der Herrlichkeit: Sieh auf zu Christus, "den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes." (Heb 12:2, ELB)

Sonntag, 5. Januar 2014

Das scheinbare Glück der Gottlosen (Ps 37:1-40)

Text

1 Von David. Entrüste dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter. 2 Denn wie das Gras werden sie bald verdorren, und wie das grüne Kraut werden sie verwelken. 3 Hoffe auf den HERRN und tu Gutes, bleibe im Lande und nähre dich redlich. 4 Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. 5 Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen 6 und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag. 7 Sei stille dem HERRN und warte auf ihn. Entrüste dich nicht über den, dem es gutgeht, der seinen Mutwillen treibt. 8 Steh ab vom Zorn und laß den Grimm, entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust. 9 Denn die Bösen werden ausgerottet; die aber des HERRN harren, werden das Land erben. 10 Noch eine kleine Zeit, so ist der Gottlose nicht mehr da; und wenn du nach seiner Stätte siehst, ist er weg. 11 Aber die Elenden werden das Land erben und ihre Freude haben an großem Frieden. 12 Der Gottlose droht dem Gerechten und knirscht mit seinen Zähnen wider ihn. 13 Aber der Herr lacht seiner; denn er sieht, daß sein Tag kommt. 14 Die Gottlosen ziehen das Schwert und spannen ihren Bogen, daß sie fällen den Elenden und Armen und morden die Frommen. 15 Aber ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen, und ihr Bogen wird zerbrechen. 16 Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser als der Überfluß vieler Gottloser. 17 Denn der Gottlosen Arm wird zerbrechen, aber der HERR erhält die Gerechten. 18 Der HERR kennt die Tage der Frommen, und ihr Gut wird ewiglich bleiben. 19 Sie werden nicht zuschanden in böser Zeit, und in der Hungersnot werden sie genug haben. 20 Denn die Gottlosen werden umkommen; und die Feinde des HERRN, wenn sie auch sind wie prächtige Auen, werden sie doch vergehen, wie der Rauch vergeht. 21 Der Gottlose muß borgen und bezahlt nicht, aber der Gerechte ist barmherzig und kann geben. 22 Denn die Gesegneten des HERRN erben das Land; aber die er verflucht, werden ausgerottet. 23 Von dem HERRN kommt es, wenn eines Mannes Schritte fest werden, und er hat Gefallen an seinem Wege. 24 Fällt er, so stürzt er doch nicht; denn der HERR hält ihn fest an der Hand. 25 Ich bin jung gewesen und alt geworden und habe noch nie den Gerechten verlassen gesehen und seine Kinder um Brot betteln. 26 Er ist allezeit barmherzig und leiht gerne, und sein Geschlecht wird zum Segen sein. 27 Laß ab vom Bösen und tu Gutes, so bleibst du wohnen immerdar. 28 Denn der HERR hat das Recht lieb und verläßt seine Heiligen nicht. Ewiglich werden sie bewahrt, aber das Geschlecht der Gottlosen wird ausgerottet. 29 Die Gerechten werden das Land ererben und darin wohnen allezeit. 30 Der Mund des Gerechten redet Weisheit, und seine Zunge lehrt das Recht. 31 Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen; seine Tritte gleiten nicht. 32 Der Gottlose lauert dem Gerechten auf und gedenkt, ihn zu töten. 33 Aber der HERR läßt ihn nicht in seinen Händen und läßt ihn vor Gericht nicht zum Schuldigen werden. 34 Harre auf den HERRN und halte dich auf seinem Weg, so wird er dich erhöhen, daß du das Land erbest; du wirst es sehen, daß die Gottlosen ausgerottet werden. 35 Ich sah einen Gottlosen, der pochte auf Gewalt und machte sich breit und grünte wie eine Zeder. 36 Dann kam ich wieder vorbei; siehe, da war er dahin. Ich fragte nach ihm; doch ward er nirgends gefunden. 37 Bleibe fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird es zuletzt gutgehen. 38 Die Übertreter aber werden miteinander vertilgt, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet. 39 Aber der HERR hilft den Gerechten, er ist ihre Stärke in der Not. 40 Und der HERR wird ihnen beistehen und sie erretten; er wird sie von den Gottlosen erretten und ihnen helfen; denn sie trauen auf ihn.


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalm führt uns David das schwerste Kapitel unseres Glaubens vor Augen: das Leid und der Schmerz und die Ungerechtigkeit in der Welt, die unsere Seele aufwühlen und uns bis zur Verzweiflung an Gottes gutem Wesen oder zur Selbstjustiz und Rache an den Bösen treiben wollen.

Demgegenüber stellt David die Güte, Vorsehung und die Hilfe Gottes, der Seine Kinder auch in Armut, Leid und Not nicht vergisst, sondern sie mit allem Nötigen versorgt. Zudem wird Gott selbst die Bösen zu Seiner Zeit richten und für wahre Gerechtigkeit sorgen.

Weil Gott also Seine Kinder liebt, ihnen hilft und sie versorgt, weil Er selbst sie beschützt und am Ende aller Bosheit der Gottlosen ein Ende machen wird, gibt es keinen Grund zur Verzweiflung oder Selbstjustiz. Darum ermutigt David uns, Gott auch in schweren Zeiten wie Kinder herzlich zu vertrauen und in Demut, Frömmigkeit und Glauben auf Seinem Weg der Gerechtigkeit zu bleiben und weiter voran zu gehen.


Struktur

1-11 Zu Anfang dieses Psalms fasst David alles zusammen: Im Gottvertrauen gegründete Selbstbeherrschung und Frömmigkeit angesichts des vergänglichen Glücks der Gottlosen werden letzlich von Gott reich belohnt.

12-15 Zwar heißt die Saat der Gottlosen "Gewalt gegen die armen Gotteskinder", doch Gott wird ihnen eine reiche Ernte des Gerichts bescheren.

16-22 Auch sorgt Gottes Segen in aller Armut besser für Seine Kinder als weltlicher Reichtum. Gottes Gericht jedoch vertilgt auch den am sichersten geglaubten Besitz der Gottlosen.

23-26 Allein Gottes Gnade und Vorsehung sorgen, Seiner Verheißung gemäß, für das Wohl Seiner Kinder und bieten in aller Not verlässlich die nötige Hilfe. So gesegnet sind die Kinder Gottes ihr Leben lang ein Segen auch für andere.

27-29 Angesichts solch göttlicher Bewahrung und Versorgung ist jegliche Selbstjustiz unnötig und ganz und gar ausgeschlossen: Gott selbst wird die Bösen richten und für den Frieden Seiner Kinder sorgen.

30-33 Und diese sind an drei Dingen erkennbar: ihren weisen und gerechten Worten, am Gesetz Gottes in ihren Herzen und an der Fürsorge Gottes. Der Gottlose aber schmiedet im Geheimen Mordpläne und scheitert doch an der göttlichen Vorsehung und Hilfe.

34-36
Angesichts solcher Zustände in der Welt bedarf es des demütigen, sanftmütigen und geduldigen Wartens auf Gottes Zeitpunkt. Denn Er wird für Gerechtigkeit sorgen, den Gottlosen vernichten und den Frommen zum Erben erhöhen.

37-40 Dazu ruft David am Ende noch einmal auf: Frömmigkeit und Gerechtigkeit, trotz aller Bosheit in der Welt. Und zwar im Glauben an die Gerechtigkeit Gottes, der den Bösen zu Seiner Zeit richten wird und vor allem im Glauben an Gottes Güte und Treue, den das kindliche Vertrauen Seiner Kinder von Herzen gern beantworten wird.


Inhalt

1-11 Zu Beginn dieses Liedes fasst David das zu Sagende für uns zusammen: Es gibt üble Menschen, die mutwillig Böses tun und dennoch im Wohlstand leben. Doch das soll unseren Willen und unsere Gefühle nicht aus der Bahn werfen. Weder in habgierigem Bezug auf uns selbst (Neid oder Missgunst), noch in hassendem Bezug auf die Bösen (Entrüstung, Zorn und erbitterter Groll). Den Frieden Gottes soll uns das vermeintliche Glück der Gottlosen nicht aus dem Herzen rauben oder uns gar zu unrechtmäßigem Handeln verleiten.

Vielmehr sollen wir bedenken, dass ihre Lebenszeit begrenzt ist und sie schon bald ihren Platz räumen müssen; dass ihr Lebensfaden abgeschnitten wird und sie wie ausgerottetes Gras oder Unkraut unter der Glut des göttlichen Zorns verwelken werden.

In diesem Wissen sollen wir vor Gott stille werden und auf Ihn und Sein Handeln warten. Statt unsere Aufmerksamkeit vom Bösen gefangen nehmen zu lassen und uns selbst zu unserem Recht zu verhelfen, sollen wir unser Herz vielmehr ganz auf Gott ausrichten (Buber: "erquicke Dich an Ihm"!) und unsere Hoffnung ganz allein auf Ihn setzen und Ihm unseren Lebensweg anvertrauen. In dieser Herzenshaltung sollen wir uns, als gute Bürger, unser täglich Brot mit redlicher Arbeit verdienen und unseren Mitmenschen Gutes tun.

Wer so auf den Ewigen hofft, dem winken einige der größten Verheißungen: Gott wird ihm seine Herzenswünsche erfüllen, seine Rechtfertigung hell an den Tag kommen lassen, ihm zu seinem Recht verhelfen und am Ende alles wohlmachen. Ja, wer auf Gott und Seine Stunde wartet, der wird zum Schluss zum Erben ernannt, wie es Mt 5:5 heißt: "Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen".

Und dies Vertrauen in die Fürsorge unseres unsichtbaren Gottes ist keine leere Hoffnung. Gott, der doch nicht lügen kann (Heb 6:18) verspricht es an vielen Stellen, damit wir es ganz gewiss ins Herz fassen: "Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch" (1Petr 5:7).

In dieser Zwischenzeit aber, in der wir auf die Erfüllung aller Verheißungen Gottes warten und dabei noch unter der Last der Bösen zu leiden haben, dürfen wir wissen, "dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind." (Rö 8:28); dass unser Weg zwar durchs Elend führt, wir jedoch in Geduld endlich den Sieg erringen und spätestens in Gottes Reich an ewigem Frieden unsere Freude haben werden.

Im Folgenden geht David auf einzelne Aspekte dieses großen Gesamtzusammenhangs ein.

12-15 Solange wir auf dieser Erde leben, leben wir in Anfechtung, drohen uns Gewalt und Leid. Gottlose, voll erbittertem Grimm, bedrohen die von Gott gerecht Gesprochenen; sie haben nichts Geringerem im Sinn, als die an Armut und Elend Leidenden im Volk umzuhauen wie Brennholz und die in Demut, Aufrichtigkeit und Gehorsam nachfolgenden Gotteskinder mit Waffengewalt und kaltblütiger Entschlossenheit zu ermorden.

Doch Gott spottet ihrer, denn Er weiß: es kommt Sein Tag. Der Tag an dem alle Gewalt der Bösen ein Ende haben wird; der Tag, an dem all ihre Waffen zerstört werden und alles Böse, dass sie verübt haben, sich gegen sie wendet, ja an dem es ihnen durchs Herz dringt, wenn sie erkennen müssen, warum es geschrieben steht: "Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten" (Gal 6:7); für uns aber gilt: "Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich." (Mt 5:10)

16-22 Solange wir auf dieser Erde leben, können uns auch harte Zeiten treffen, Armut und sogar Hungersnöte. Doch selbst in böser und karger Zeit dürfen wir hoffen, denn Er, der Ewige selbst, hat uns Seine Verheißung gegeben: "Wirf dein Anliegen auf den HERRN; / der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen." (Ps 55:23).

Darum sollen wir uns nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Denn nach dem allen trachten die Heiden. Unser himmlischer Vater aber weiß, dass wir all dessen bedürfen. Trachten wir vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird uns das alles zufallen (Mt 6:31-33):

Denn Gott wird Seine Kinder auch in Zeiten des Mangels erhalten und sie so versorgen, dass sie nicht verderben, sondern selbst während einer Hungersnot noch genug zu essen haben. Dank dieser Verheißung des Segens Gottes ist das Wenige, das ein Gerechter hat, besser als der Überfluß vieler Gottloser.

Denn deren Wohlstand wird sie nicht retten; ihnen fehlt der Segen Gottes. Ihr Vermögen und ihr Besitz werden sich, und wenn sie auch noch so prächtig dastehen, auflösen wie Rauch im Wind. Ja ihre Macht und ihr Einfluss werden gebrochen, so dass sie sich Geld leihen müssen (das sie nicht einmal zurückzahlen) und am Ende ums Leben kommen. Und warum? Weil sie Zeit ihres Lebens Feinde des Höchsten waren und darum zu Recht unter Gottes Fluch stehen (vgl. 5Mo 11:26ff). Allein aus diesem Grund werden sie von Gott vom Erdboden vertilgt.

Die Gerechten aber, die nicht auf Materielles, sondern auf Gottes Güte vertrauen, haben trotz aller Not noch genug um es aus Barmherzigkeit an Bedürftige abzugeben. Ihr Schutz liegt nicht in ihrer eigenen Kraft und ihrem Vermögen, sondern ihre Hilfe ist der Segen des Allmächtigen selbst. ER kennt sie und die Ereignisse ihrer Lebenszeit und ER allein wird dafür sorgen, dass ihnen das, was ihnen lieb ist, für immer bleibt; ja am Ende werden sie von IHM die ganze Erde zum Erbe erhalten (Mt 5:5).

Darum weiß auch der Volksmund: "An Gottes Segen ist alles gelegen" (vgl. Sach 4:6).

23-26 Es kommt also von Gott allein, ja ist allein Seiner Gnade und Seinem Wohlgefallen zu verdanken, wenn ein Mann auch wirtschaftlich mit sicherem Schritt durchs Leben geht. Und selbst wenn es einmal Zeiten geben mag, in denen es eng wird und er das ökonomische Gleichgewicht verliert, so ist es wiederum der Allmächtige allein, der ihn, wie ein Vater sein geliebtes Kind, fest bei der Hand hält und so vor dem Absturz bewahrt.

Diese göttliche Gnade, Hilfe und Vorsehung sind es, die David im Blick hat, wenn er von der Erfahrung spricht, die er machte: über die gesamte Spanne seines am Ende 70-jährigen Lebens [1] ist es ihm nie untergekommen, dass ein Gotteskind von Gott verlassen worden wäre und seine Kinder zum Betteln hätte schicken müssen [2]. Vielmehr erhört Gott das Gebet um unser tägliches Brot, welches Er uns lehrte (Mt 6:11) und hält Sein Wort, uns täglich zu versorgen (Mt 6:31ff).

Dankbar für diese erhaltende Gnade Gottes sind Seine Kinder, wie ihr Vater im Himmel, gerne barmherzig und leihen denen, die es bedürfen. So erfüllt sich -wie zuerst an Abraham- nun auch an ihnen und durch sie die Prophezeiung aus Gen 12:2 "ich will dich ... segnen ... und du sollst ein Segen sein."

27-29 Angesichts dieser göttlichen Gnade, Hilfe und Vorsehung sind wir aufgefordert, uns selbst zu beherrschen, das Böse zu lassen und vielmehr Gutes zu tun: es ist nicht nötig, dass wir unser Recht selbst in die Hand nehmen und dadurch Unrecht begehen, denn Gott selbst, der die Gerechtigkeit liebt, steht Seinen Kindern ewig treu zur Seite und beschützt und behütet sie ewiglich.

Nicht wir müssen, sondern der Allmächtige selbst wird dafür sorgen, dass die Sippe der Gottlosen wie Unkraut gejätet, entwurzelt und aus dem Lande herausgerissen wird; aus genau dem Land, welches Gott Seinen Kindern zum Erbe schenken will und wird. Und dort wird Sein Volk, befreit vom Bösen, auf ewig "in friedlichen Auen wohnen ..., in sicheren Wohnungen und in stolzer Ruhe." (Jes 32:18, vgl. Hes 34:25).

30-33 Doch was sind das für Menschen, die sich so beherrschen und gesegnet werden? David zeichnet das Bild der Gerechten in drei Zügen:

Erstens sind sie Menschen, die sich in ihrem Reden von ihrem Umfeld abheben: Sie sind "das Salz der Erde" (Mt 5:13), ihre "Rede [ist] allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass [sie wissen], wie [sie] einem jeden antworten [sollen]" (Kol 4:6). Ihre Worte sind weise und spiegeln die Erkenntnis, Wahrheit und Liebe wieder, die Gott ihnen verliehen hat. Ihre Worte sind ethische Kleinode, denn Sie unterrichten ihre Mitmenschen, ganz natürlich und ohne Überheblichkeit, ja fast beiläufig, über das was recht und unrecht ist.

Zweitens gibt es einen guten Grund für diesen sicht- oder besser hörbaren Unterschied: Gott hat Sein Versprechen an ihnen wahrgemacht, als er vorzeiten sprach "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein" (Jer 31:33). Dieses inwendige Gesetz Gottes ist es welches sich seiner Natur gemäß im täglichen Reden ganz natürlich Bahn bricht und in Form von Worten des Rechts -von dem, was richtig und von dem, was recht und billig ist- nach außen dringt.

Drittens sind die von Gott Gesegneten daran erkennbar, dass sie im Leben -wie schon in den Versen 23-26 besprochen- nicht straucheln. Sie gehen mit festem Schritt ihren Weg und wo auch immer sie auf ihrem Lebensweg ihren Fuß hinsetzen, finden sie dank Gottes Gnade festen Halt.

Die Gottlosen jedoch haben "den Teufel zum Vater, und nach [ihres] Vaters Gelüste [wollen sie] tun. Der ist ein Mörder von Anfang an ..." (Joh 8:44). Und so planen sie, das kennt David aus eigener Erfahrung, hinterhältige Mordkomplotte.

Doch Der Ewige läßt Seine Kinder nicht für immer in der Gewalt dieser Bösen: auf die eine oder andere Weise, auf zeitlichem oder ewigem Wege, erlöst er sie aus deren Machtbereich. Auch hat Er versprochen: "Wenn sie euch aber führen werden ... vor ... die Obrigkeit, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt" (Lk 12:11-12). Und Gott selbst wird dafür sorgen, dass sie schlussendlich, wie Pilatus in der Verurteilung Christi, werden sagen müssen: "Ich finde keine Schuld an ihm" (Joh 18:38).

34-36
Was es jedoch angesichts aller Ungerechtigkeit und allen Leidens in der Welt bedarf, sind das geduldige Warten auf Gott in dem Wissen "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde" (Pred 3:1) und das darin gegründete, selbstbeherrschte Beharren auf dem von Gott vorgezeichneten Weg der Frömmigkeit. Wer so lebt, im Vertrauen auf Gott und im demütigen und frommen Warten auf Seine Hilfe, der wird mit eigenen Augen sehen dürfen, warum Christus spricht: "wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden" (Lk 14:11). Denn er, der in seinem Leben demütig, sanftmütig und geduldig auf Gottes Wegen ging, wird von Gott selbst zu Ehren gebracht und zum Erben der Erde eingesetzt werden (Mt 5:5).

Die Gottlosen jedoch werden von der unsichtbaren Hand Gottes ausgerissen, entwurzelt und ausgerottet. David hat es selbst erlebt: selbst ein gewalttätiger und machthungriger Gottloser, der so fest im Leben verwurzelt schien, wie eine gewaltige Libanon-Zeder[3], war nach einiger Zeit schon nicht mehr zu finden; ja er war, wie vom Erdboden verschluckt.

37-40 Noch einmal fasst David seine Lehre zusammen und ruft den Kindern Gottes zu: Trotz allem Elend und aller Not, trotz aller Gewalt und Ungerechtigkeit, trotz allem schier endlosen Glück und Wohlstand der Gottlosen: haltet fest an Frömmigkeit und Gerechtigkeit, lasst Euch nicht erbittern oder zum Bösen verführen, denn darauf liegt schlussendlich die Verheißung eines guten Lebens im Frieden. Denn die gottlosen Gesetzesbrecher werden am Ende wie Unkraut entwurzelt und vernichtet.

Und noch einmal ermutigt uns David: Gott, der Ewige und Allmächtige, der Gnädige und der Barmherzige Selbst ist es, der Seinen Kindern hilft und sich als die treue Macht in aller Not erweist. ER selbst wird ihnen zur Seite stehen und sie aus aller Gewalt und Bosheit Seiner Feinde retten. ER ist ihre Hilfe in der Not. Und das aus einem einzigen Grund: weil sie an Ihn glauben, Ihm vertrauen, sich ganz und gar auf Ihn verlassen. Solch kindliches Vertrauen, solche Hingabe rührt das Vaterherz Gottes und kann nichts anderes bewirken, als Seine liebende Hilfe.


Praktische Anwendung
  •  Wenn die Bosheit der Welt Dir zu schaffen macht, sei gewiss: Gott wird sie richten.
  • Wenn die Not in der Welt Dir zu schaffen macht, sei gewiss: Gott wird Dir helfen.
  • Und wenn der Schmerz Dir schier das Herz zerreißt: geh in Demut und Liebe weiter auf Seinem Weg und glaube IHM: ER wird's Dir auf ewig lohnen.

--------------------------------

[1] von ca. 1040 - 970 v. Chr.

[2] dennoch gab und gibt es Gerechte, die bettelten (siehe z.B. Lk 16:20, Heb 11:37), so dass aus Davids Beobachtung keine allgemeingültige Regel abgeleitet werden kann. Für eine eingehende Behandlung dieses Sachverhaltes, siehe Calvin's Auslegung zu Psalm 37, Vers 23.

[3] Die Libanon-Zeder ist ein immergrüner Baum, der Wuchshöhen von 30 bis 50 Meter erreicht und über 1.000 Jahre alt werden kann. Der Brusthöhendurchmesser kann bis zu zwei Meter betragen (http://de.wikipedia.org/wiki/Libanon-Zeder).

Sonntag, 18. März 2012

Matthäus 12,43-45 - Von der Rückkehr des bösen Geistes

Text
43 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und geschmückt. 45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andre Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen hernach ärger, als es vorher war. So wird's auch diesem bösen Geschlecht ergehen.
 Kommentar 
Im vorliegenden Abschnitt geht es um einen Sachverhalt, der uns modernen Menschen fremd, naiv und altertümlich erscheint. Und das in einer Zeit, in sich das Interesse an Dämonen auf einem nie gekannten Hoch befindet, wie viele Kinofilme und TV-Sendungen beweisen. Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor, Buffy - Im Bann der Dämonen oder Supernatural sind dabei nur einige davon.
Natürlich erheben die genannten Filme und Serien keinen Anspruch auf Realitätsnähe, Glaubwürdigkeit oder Wissenschaftlichkeit, sondern zielen im Gegenteil vielmehr auf die Neugier, den für einige Menschen offenbar anregenden Effekt des Gruselns und vor allem auf die Vermischung mit solchen Themen und Problemstellungen, wie sie wohl vom Publikum unserer Zeit als relevant betrachtet werden. 
Zudem werden Dämonen oft mit Gespenstern gleichgesetzt; Wesen die ihren angestammten Platz sicher in Fabeln oder Märchen haben. Vielleicht ist die weitläufige Überzeugung, dass so etwas wie Dämonen gar nicht real existieren kann, auch großteils der Fiktionalität der genannten Werke zu verdanken, welche dem Zuschauer ja gerade durch ihre bewusste Realitätsferne suggerieren, dass es das hier Gezeigte sicher so nicht gibt.
Nimmt man dazu noch die übermäßige Wissenschaftsgläubigkeit der Postmoderne, die fast einer Ersatz-Religion gleichkommt, so ist es beschlossene Sache, dass es sich bei den hier in Gottes Wort genannten Dingen nur um Fabeln handeln kann. Doch ist das wirklich sicher? Wurde das irgendwann und irgendwo bereits - wissenschaftlich! - bewiesen? 
Muss die Wissenschaft bei näherer Betrachtung nicht vielmehr die Tatsache anerkennen, dass sie längst nicht auf alle Fragen eine Antwort hat, sondern dass hinter Ihrer Fassade aus vermeintlich einheitlicher Erkenntnis des Kosmos, große Löcher klaffen? Titelte nicht erst im Januar diesen Jahres das rennomierte Magazin spektrum der wissenschaft über die Lücken unserer Welterkenntnis mit  "Die Physik - ein baufälliger Turm von Babel" ? (1). 
Ich persönlich denke, wir sollten mit unserem Urteil über supernaturale Dinge, die sich - definitionsgemäß! - unserer Erkenntnis und der Meßbarkeit mit wissenschaftlichen Apparaturen entziehen, etwas demütiger umgehen und uns eingestehen, dass es sehr wohl Dinge geben kann, die wir [noch] nicht wissenschaftlich erfasst und erkannt haben.
Doch zurück zur Geschichte.
Was bisher geschah:
"ein Besessener [wurde] zu Jesus gebracht, der war blind und stumm; und er heilte ihn" (2). "Aber [...] die Pharisäer [...] sprachen [...] : «Er treibt die bösen Geister ... aus ... durch Beelzebul»" (3) Woraufhin Jesus Ihnen entgegnete "wer [...] gegen den heiligen Geist redet, dem wird's nicht vergeben" (4) und ihnen aus diesem Anlass klar macht: "wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid?" (5). Daraufhin stellten sich die Pharisäer freundlich und heuchelten: "Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen." (6). Doch Jesus, der ihr Schauspiel durchschaute, entgegnete Ihnen: "Die Leute von Ninive werden [Euch] verdammen; denn sie taten Buße" (7) und "Die Königin vom Süden wird [Euch] verdammen, denn sie kam [...], um [...] Weisheit zu hören" (8).

Kurz: Es geht um das heuchlerische, verstockte, arrogante und unbußfertige Herz der Pharisäer, welches in ihren Worten & Taten sichtbar wird.

Was Jesus angesichts dieser Herzenshaltung zu sagen hat ist folgendes:

43-44a Die von Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes durchgeführte Dämonenaustreibung ist nur die halbe Miete. Denn sie schickt den Dämon in eine geistliche Wüste voll Rastlosigkeit, die den Wunsch in ihm wachsen lässt, wieder den Körper zu besetzen, aus dem er ausgetrieben wurde.

44b-45a Ist nun dieser Körper herrenlos, wie ein leer stehendes Haus, d.h. wohnt nicht der Heilige Geist darin, in dessen Nähe sich kein Dämon traut, so wirkt sich die Austreibung und oberflächliche Reinigung dieses Menschen verheerend für ihn aus: Seine körperliche Hülle ist jetzt als Wohnung für Dämonen noch viel attraktiver, so dass der Ausgetriebene eine Vielzahl seiner Artgenossen mit sich bringt und es sich in seinem Opfer so erst recht gemütlich macht. Die Folge ist, dass es um so einem Menschen nachher viel schlimmer noch bestellt ist, als zuvor, denn: Vor der vollmächtigen Befreiung durch Christus war der Geheilte "nur" blind und stumm. Doch Jesus zeigt auf: es kann ohne eine nachfolgende und echte Umkehr noch viel schlimmer kommen; wie uns an anderer Stelle am Beispiel des Besessenen Geraseners berichtet wird. (9)
Zur vollmächtigen Austreibung eines Dämons durch die Kraft des Heiligen Geistes, gehört also immer auch die nachfolgende Innewohnung des Heiligen Geistes, der allein Garant dafür ist, dass die Dämonen nicht zurück kommen.

45b Wie dem im hypothetischen Beispiel genannten Menschen, so wird es auch der Generation gehen, die Christus gegenübersteht: Eine Generation, die Ihm die Stirn bietet und Ihn lästert, statt umzukehren von ihrer Heuchelei, Verstockung und Arroganz - statt Seine Wahrheit anzunehmen und nach Seiner Weisheit zu fragen. Alles Wirken Christi wird für sie nicht nur umsonst sein, sondern die Wirkung auf das Volk wird, ohne den Heiligen Geist in Ihnen, verheerend sein: mit ihnen wird es noch ärger werden, als es schon vorher war.
 _____
(1) Eine gute Zusammenfassung der Erkenntnis findet sich hier .
(2) Matthäus 12:22
(3) Matthäus 12:24
(4) Matthäus 12:32
(5) Matthäus 12:34
(6) Matthäus 12:38
(7) Matthäus 12:41
(8) Matthäus 12:42
(9) Lukas 8:26-39, Markus 5:1-20