Posts mit dem Label Heuchelei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Heuchelei werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,23-25

 


Das Buch der Zeichen - Jesus kennt die Menschen

Auf dem Passafest in Jerusalem tat Jesus noch mehr Wunder. Dass wir in Johannes’ Evangelium nicht von allen etwas lesen, liegt daran, dass Johannes sich ein wenig die Rosinen aus dem Kuchen gepickt hat: Dass Jesus viel mehr Wunder getan hat, als er für uns aufgeschrieben hat, gibt er auch ganz offen und ehrlich zu; und zwar am Ende seines Evangeliums. 

Von den Wundern waren viele Besucher des Festes schwer beeindruckt. Dieser „Glaube“ der Leute war aber kein echter Glaube, sondern eine Art oberflächliche Begeisterung, weil sie die übernatürlichen Dinge gesehen hatten, zu denen Jesus fähig war. 

Sie waren sicher davon überzeugt, dass Jesus ein ganz Großer war, aber hatten noch nichts davon verstanden, dass es im Glauben nicht allein ums Staunen geht, sondern um echtes Vertrauen – darum, Jesus sein Herz zu öffnen; ja ihm sein Herz zu schenken; ihm zu vertrauen; ihn im eigenen Leben regieren zu lassen. Und weil Jesus weiß, dass sie nicht wirklich an ihn glauben, dass sie ihm nicht von Herzen vertrauen, vertraut er sich ihnen auch nicht an.

Um zu verstehen, wie wir Menschen im Innersten ticken, braucht Jesus keinen Nachhilfeunterricht; im Gegenteil. Wir sind ja seine Geschöpfe. Und er ist der, der hinter all‘ unsere Fassaden blickt: der allwissende Gott. Erkennt unsere Herzen durch und durch; selbst unsere tiefsten Abgründe. Er weiß, ob wir ihn lieben oder nicht. Ihm können wir nichts vormachen.

O-Ton: Während sich Jesus am Passafest in Jerusalem aufhielt, kamen viele zum Glauben an ihn, weil sie die Wunder sahen, die er vollbrachte. Aber Jesus traute ihnen nicht und hielt sich ihnen gegenüber zurück, weil er sie alle durchschaute. Über die Menschen brauchte ihm niemand etwas zu sagen, denn er kannte das menschliche Herz bis auf den Grund. (Joh 2,23–25)

Sonntag, 7. April 2024

Sünde - Eine Predigt über Menschengebote, Heuchelei, falsch verstandene Freiheit, Werkgerechtigkeit und das Evangelium

[Predigt als MP3]

Einleitung

Ein super komplexes Thema, das sich leider durch alle Lebensbereiche zieht: Sünde. Und auch ein super grundlegendes Thema, weil es den Kern unseres Glaubenslebens berührt. Und wenn ich ehrlich bin, ich habe mir in der Vorbereitung schon so ein bisschen in die Hosen gemacht, weil ich möchte schließlich Gottes Wort predigen und nicht meine eigenen Ansichten. Gerade wenn es um etwas geht, was so zentral ist. 

Ich habe mit dem Joey ein bisschen Zeit haben dürfen zur Vorbereitung. Das war schon mal die halbe Miete, als ich da rauskam, da war ich, Joey weiß das bestimmt noch, froh und begeistert. Und dann habe ich mich zu Hause hingesetzt. Also ich mache das dann meistens vor der Predigt, dass ich mich in der Woche vor der Predigt morgens sozusagen in der stillen Zeit mit eben diesem Thema beschäftige.

Und da habe ich dann unter anderem auch mal das Bibellexikon aufgeklappt. Da stehen ja meistens so knackige Definitionen drin. Ja, dann schlägst du auf: "Sünde" und dann kommt halt nicht eine kurze, knackige Definition. Dann kommen zwei komplette Seiten Bibellexikon nur zu diesem Thema. Und summa summarum: auch das Bibellexikon sagt unter vielen anderen Dingen, die es auf diesen zwei Seiten sagt: dass das ein hochkomplexes Thema ist und dass selbst die Heilige Schrift die Sünde nicht definiert, sondern nur in vielen, vielen Begebenheiten beschreibt.

Und trotzdem möchte ich heute mit uns gemeinsam darüber nachdenken, was Sünde von ihrem Wesen her ist. Und ich möchte gemeinsam mit euch anschauen, in welcherlei Gestalt sie daherkommen kann. Und zwar jetzt nicht an konkreten Fallbeispielen, wie zum Beispiel, Heroinsucht oder sowas, sondern eher in "Behältern".

Und da könnte man jetzt natürlich fragen "Ja, Michi, wieso machst du das?" Manche von uns, die sind noch länger im Glauben als du. Glaubst du wirklich, dass wir das noch nicht begriffen hätten, was Sünde ist? Nee, das glaube ich nicht. Also, ich glaube nicht, dass sie es nicht begriffen habt, wenn ihr mir folgen könnt. Aber ich merke es bei mir selber auch: Man ist halt als Mensch nicht davor gefeit, dass man trotz vielen Jahren dem Glauben bei manchen Sachen so ein bisschen Schieflage bekommt. Und gerade weil es so ein zentrales Thema ist, kann jede Schieflage, die in diesem Bereich auftritt, verheerende Folgen haben.

Und von daher wünsche ich mir wirklich von Herzen, dass ihr heute Gottes Stimme in euren Herzen hört, dass ihr von Gott her erkennt, an welcher Stelle ihr gemeint seid. Und zwar nicht, weil ich euch ein schlechtes Gewissen wünsche, sondern weil ich euch Versöhnung wünsche: Frieden, Freude, Gemeinschaft mit Gott und mit euren Nächsten. 

Übersicht

  • So, also einsteigen, wie gesagt, würde ich gerne mit dem Versuch einer Definition von Sünde. Das ist diese Überschrift. Was ist Sünde? 
  • Und danach möchte ich anhand von Beispielen drei Erscheinungsformen, also nicht drei partikulare Sünden, sondern drei generelle Erscheinungsformen von Sünde vorstellen. Weil ich kann ja nicht alle vorstellen. Dann könnten wir 52 Predigten machen und es würde immer noch nicht reichen.
  • Und ich würde diese drei Erscheinungsformen von Sünde dann gerne unter drei verschiedenen Blickwinkeln betrachten, nämlich unter dem Blickwinkel der Autorität, dem Blickwinkel von Wille und Freiheit und dem Blickwinkel von Beziehungen. Das sind auch bestimmt nicht alle Ebenen, zu denen man da was sagen könnte. Aber es sind mal drei, von denen ich glaube, dass sie ganz wesentlich sind. Also die Blickwinkel, unter denen ich diese drei Erscheinungsformen anschauen möchte, sind Autorität, Wille und Freiheit und Beziehung.
  • Und die drei Erscheinungsformen, zu denen ich etwas sagen möchte, das sind einmal 
    • Menschengebote und Heuchelei. Und da möchte ich mir gemeinsam mit euch anschauen: Was machen eigentlich Menschengebote mit uns im Gegensatz zu Gottes Geboten und vor allem dann, wenn sie entweder, wenn sie entweder als Ergänzung oder gar als Ersatz zu Gottes Geboten daherkommen. Und da möchte ich zwei Varianten mit euch betrachten, nämlich einmal die Enge, die dadurch entsteht, und auch die Heuchelei, die Falschheit, die dadurch entsteht. 
    • Die zweite Erscheinungsform, die ich mit euch anschauen möchte, ist Falsch verstandene Freiheit. Das ist, glaube ich, auch ein ganz modernes Thema, weil das Thema Freiheit ist ja momentan in aller Munde und da möchte ich uns fragen "Was macht falsche Freiheit mit uns?" Wohin führt sie? 
    • Und last but not least möchte ich gemeinsam mit euch anschauen Wie schaut es aus, wenn ich versuche, Gottes Gebote Mit eigener Kraft zu halten? Und da werden wir sehen, dass dieser Weg in die Verzweiflung führen muss.
  • Und zu jeder dieser drei verschiedenen Erscheinungsformen werde ich sicherlich auch noch mal, mal kürzer, mal etwas länger, etwas zu einem Weg sagen, wie man da rauskommt. Aber den Knaller habe ich mir für den Schluss aufgespart, weil zum Schluss möchte ich uns noch mal Das Evangelium sagen und diesmal vielleicht aus einem etwas anderen Blickwinkel. 
Lasst euch überraschen. Ich vermute, dass es für den einen oder anderen etwas ungewohnter Blickwinkel sein könnte, aber es ist auf jeden Fall ein biblischer Blickwinkel.

Was ist Sünde?

Was ist Sünde? Können wir jetzt auf einer ganz einfachen Ebene anfängt? Dann könnte man sagen Sünde ist entweder die aktive Übertretung von Gottes Gebot oder die passive Unterlassung. Und dann wäre ich mit meiner Predigt auch schon fertig. Das wäre jetzt mal so eine ganz kurze Definition, aber ich hoffe, wir werden noch sehen, dass das Thema wesentlich voluminöser ist.

Mal ganz kurz die wichtigsten Dinge, die ich mir da aus diesem Bibellexikon rausgezogen habe, sind erstmal die Wörter, die die gebraucht werden, um um Sünde zu beschreiben. Sünde ist ja jetzt ein Wort. Wenn ich euch fragen würde "Was ist die Wurzel von Sünde?2 Also wenn ich euch jetzt nach der etymologischen Bedeutung fragen würde, dann würden manche von euch sagen "Ja, das kommt von Sund oder tiefer Graben oder was weiß ich was." Also ich könnte es jetzt aus dem Stegreif nicht sagen, was das Wort Sünde überhaupt bedeutet, außer die Bedeutung, die wir alle mit uns herumschleppen.

Wenn man jetzt ins Alte Testament reinschaut und sich die Wörter anschaut, die dort im Zusammenhang mit Sünde verwendet werden, dann findet man Wörter mit Wurzeln, die in die Richtung gehen Zielverfehlung, Auflehnung, Verkrümmung oder Abirren.

Also Zielverfehlung: wie "Ich möchte irgendwo hin schießen und ich schieße daneben", zu kurz, zu lang, zu weit oder was auch immer; links und rechts daneben. Auflehnung: in Richtung Rebellion. Ich richte mich gegen eine Autorität und lehne mich auf. Verkrümmung (ich finde das Bild ganz schön), Sonnen und schwarze Löcher: Eine Sonne strahlt das Licht nach außen; ein schwarzes Loch krümmt den Raum so sehr, dass das Licht ins schwarze Loch zurückfällt. Und so ist es ja auch mit der Liebe und uns Menschen: Wir sind dazu geschaffen, zu lieben und Gottes Liebe, die wir empfangen haben, weiterzugeben und zu strahlen wie eine Sonne. Und das, was passiert als gefallene Menschen: Wir werden zu schwarzen Löchern und die einzigen, die wir dann noch lieben, das sind wir selbst. Also Verkrümmung. Und dann: Abirren, einfach vom Weg abkommen. Das sind jetzt mal nur so ein paar Wortbedeutungen aus dem Alten Testament.

Im Neuen Testament ist es ähnlich. Auch da wieder das Wort Zielverfehlung, also Harmatia, Zielverfehlung: daneben schießen. Ungehorsam hat auch was mit - man merkt schon, das spielt dieses Thema Autorität schon rein, weil Gehorsam heißt ja auch, dass mir jemand sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Und dann Gesetzlosigkeit. Da werden wir heute noch ganz konkret drauf kommen.

Das heißt, allein diese vielen Worte zeigen schon, dass Sünde auch begrifflich schwer zu packen ist. Sie ist Rebellion, sie ist Ungehorsam, sie ist Abfall von Gott. Und jede einzelne Sünde begründet eine Schuld. Und jede Schuld erfordert Bezahlung oder Genugtuung. Wenn man das jetzt alles zusammenfasst - und jetzt kommt mal mein Versuch ein erster Versuch, Sünde zu definieren -, dann würde ich sagen:. 

Sünde ist ein Hang in meinem Inneren, der Gottes Gebote nicht halten will und Gottes Gebote auch nicht halten kann. Sie ist der rebellische Missbrauch meiner von Gott gegebenen Freiheit, um Gottes Autorität den Rücken zu kehren und selbst zu definieren, was gut und was böse ist, bzw. mit eigener Leistung zu erreichen, was nur Gott schenken kann. Sünde ist damit auch und vor allem der Zerbruch der Beziehung zu Gott und damit die Ursache für den Verlust der Beziehung zu dem Einzigen, der allein vollkommen und gut ist.

Ich als Mensch bin nicht vollkommen und gut. Und ich verliere die Beziehung zu dem, der allein alle Weisheit hat; genügend Weisheit, um tatsächlich Gut und Böse definieren zu können. Wogegen ich mir sehr wohl bewusst bin, dass ich begrenzt bin und fehlerhaft. Und ich verliere die Beziehung zu dem, der alle Macht hat, insbesondere die Macht, das vollkommen Gute zu bewirken. Meine Macht ist begrenzt und meine Gutheit ist dahin, sage ich mal seit dem Sündenfall.


Menschengebote und Heuchelei

Aber wie tritt jetzt die Sünde in Erscheinung? Fangen wir mal an mit der Erscheinungsform von Menschengeboten. Ihr seht, da hinten, das sind die zwölf Gebote. Ich hoffe, euch fällt was auf. Ja, also, das machen wir Menschen ja gerne, insbesondere der religiöse Mensch: dem sind Gottes Gebote gar nicht genug. Das muss man alles noch viel feiner ausdetaillieren. Und da wissen wir ja auch: die Pharisäer waren da Weltmeister drin. Ich weiß gar nicht mehr: es gab über 600 verschiedene Vorschriften, die man damals als guter Pharisäer einzuhalten hatte. Und das haben die Pharisäer dann auch dem Volk auf den Buckel geladen.

Und Jesus hat sich über wenige Dinge in seinem Leben aufgeregt. Der ist beleidigt worden, der ist geschlagen worden, der hat sich gegen alle Sachen, die gegen ihn gerichtet waren, nicht mokiert. Aber wenn ihn eine Sache geärgert hat, dann waren das Selbstgerechtigkeit, Hochmut und eben auch: andere Menschen in die Enge zu führen. Da ist er laut geworden. Matthäus 23, Vers vier und fünf lesen wir: "Sie schnüren schwere, kaum tragbare Lasten zusammen und laden sie den Menschen auf die Schultern. Aber Sie selbst machen keinen Finger krumm, um sie zu tragen. Alles, was Sie tun, tun Sie nur, um von den Leuten gesehen zu werden."

Zwei Dinge fallen mir dabei ins Auge. Einmal die untragbaren Lasten und zum anderen die Heuchelei. Für mich bedeutet das: Wo immer wir Gottes aus Liebe Geborenen Geboten - und noch mal: schaut euch die zehn Gebote an; worum geht es da? Da geht es ausschließlich um Dinge, die dem Menschen gut tun. Das ist Gottes Ziel mit seinen Geboten, dass es uns gut geht. Was ist das große Doppelgebot? Es ist ein Gebot der Liebe: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten.

Aber dort, wo wir diesen aus Liebe geborenen Geboten unsere eigenen Gebote hinzufügen oder sogar Gottes Gebote durch sie ersetzen, da kommen wir in die Enge, da werden wir engstirnig, da nehmen wir uns und anderen die Luft zum Atmen; bürden uns und anderen untragbare Lasten auf.

Und dort, wo wir es mit Menschengeboten zu tun haben, da geht es auch meist gar nicht mehr um das Wesentliche an Gottes Gesetz, nämlich um Liebe, um Gerechtigkeit, um Barmherzigkeit und Treue, sondern dann geht es um Show. Da geht es darum, von anderen gesehen zu werden als moralisches Vorbild. Und alles, was echt ist: unsere Authentizität, unser wahres Wesen, verschwindet hinter einer Fassade von Äußerlichkeiten. Äußerlichkeiten, die mich und andere einengen und die nur ein Ziel haben, der religiösen Welt vorzuspielen, was ich für ein cooler Typ bin.

Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Sind wirklich nur die Pharisäer davon betroffen? Kennt ihr das nicht auch aus christlichen Kreisen? "Du sollst keinen Alkohol trinken." Wird dann meistens übrigens noch aus der Bibel begründet, weil da steht ja drin "Schau nicht in den Wein, wenn er so rot ist." Ja, da steht übrigens auch drin, "Darum hat Gott den Wein gemacht, dass er des Menschen Herz erfreue." Also da könnten wir jetzt schon die erste Diskussion anfangen. Wir werden einfach Dinge aus dem Kontext von Gottes Wort rausgerissen und absolut gesetzt. Ist übrigens auch typisch für Menschengebote. "Du sollst jeden Morgen stille Zeit machen." Nicht, dass das verkehrt wäre, aber spürt ihr was? Wenn das zum Gesetz wird, dann treibt es mich in die Enge. "Du solltest einmal im Jahr deine Bibel durchlesen." Es ist sicherlich gut, wenn ich da Freude dran habe und Gott mir das schenkt. Wunderbar. Aber wo steht das? "Du solltest vor dem Essen beten." Das sind mal so Kleinigkeiten. Ihr Lieben, mich hat das in die Enge getrieben. Ich habe früher immer gedacht, ich muss im Restaurant allen Leuten zeigen, dass ich ein Christ bin, weil sonst bin ich ein schlechter Christ. Also habe ich gebetet. Aber ich wollte eigentlich gar nicht. Heute, wenn ich das mache, mache ich das aus der Freiheit heraus. Ganz schlimm: "Du solltest jedem vergeben (auch denen, die dich gar nicht darum bitten)." Damit müsstest du heiliger sein als Gott, weil der vergibt nur denen, die ihn darum bitten; die umkehren und sagen "Vergib mir!"

Du sollst, du sollst, du sollst. Da gäbe es sicherlich 1000 Beispiele. Und deswegen möchte ich dich bitten, jetzt gerade mal darüber nachzudenken. Was ist es bei dir? Was sind diese Dinge, die dich einengen?

Ich hatte ja gesagt, dass ich alle Erscheinungsformen der Sünde einmal unter drei Blickwinkeln betrachten möchte: der Autorität, Wille und Freiheit und der Beziehung. Und wenn ich jetzt mal diese Erscheinungsform von Sünde als Menschengebote unter dem Aspekt der Autorität betrachte, dann wird klar: Allein Gott, der Schöpfer, hat die Autorität zu definieren, was gut und böse ist. Er allein hat die Autorität zu definieren, was wir tun sollen und was nicht. Und alle menschliche Autorität, die wir kennen, die leitet sich letztlich von seiner Autorität ab und ist von ihm so gestaltet worden. Gott hat den Staat eingesetzt und damit die Regierung. Gott hat die Familie und die Eltern eingesetzt über die Kinder. Und er hat auch in der Kirche Älteste eingesetzt. Das heißt, diese ganzen Autoritäten und Hierarchiestrukturen, die kommen letztlich von Gott.

Wenn wir uns jetzt also als Menschen erdreisten, Gottes Gebote zu erweitern und aus zehn, zwölf Gebote zu machen, oder was auch immer, oder 1000, oder Gottes Gebote gar zu verdrängen oder zu ersetzen. Ihr erinnert euch vielleicht an das Beispiel von den Pharisäern, die gesagt haben "Ja, also wenn du jetzt dein Geld dem auf dem Altar opferst, dann brauchst du deine Eltern im Alter nicht mehr zu versorgen." Das heißt, sie ersetzen die Nächstenliebe durch irgendein Menschengebot. Und wenn wir das tun, dann maßen wir uns Gottes Autorität an, nämlich die Autorität, definieren zu dürfen, was Menschen tun sollten und was nicht. Und die haben wir nicht. Das ist eine Erscheinungsform von Sünde.

Und vom Aspekt des Willens und der Freiheit betrachtet, führt diese Anmaßung in zwei Sackgassen. Zum einen als ernsthafter Empfänger dieser Menschengebote führen Sie mich genau ins Gegenteil von Freiheit. Sie führen mich in die Enge. Sie machen mich zum Gefangenen von Regeln, die über das hinausgehen, was Gott will, oder dem sogar zuwiderlaufen. Sie führen zu einem zerquetschten Gewissen. Und als ernsthafter Täter nehmen sie mir auch die Freiheit zu Authentizität. Ehrlich zu dem zu stehen, wer ich bin. Offen zu sein. Keine Masken zu tragen. Sie machen mich zum Heuchler. Und was noch schlimmer sein kann, wenn ich mir meine Ziele tief genug stecke, so dass ich sie dann auch erreichen kann, dann kommt dabei Selbstgerechtigkeit heraus. Das kennen wir auch von den Pharisäern. Ich weiß nicht, ob ihr solchen Menschen schon mal begegnet seid. Das ist furchtbar. Weil denen spürt man das. Ich hätte fast gesagt, die tragen so eine Aura mit sich rum, sie sind besser als der Rest der Welt. Schau mich an, ich bin der Gerechte. Wer bist du?

Und das bringt mich dann auch auf den Blickwinkel der Beziehung. Spürt ihr, wie sich das anfühlt? Mit solchen Menschen umgeben zu sein? Mit Menschen, die eine Maske tragen? Die nicht echt sind? Nicht wahrhaftig? Nicht authentisch? Mit Menschen, die sich besser fühlen als ihr? Ständig unter Beobachtung zu stehen. Wer von uns möchte gerne mit einem verlogenen Typen in einem Raum sein, der nur Show macht? Wer will gerne unter einem Damoklesschwert stehen, verurteilt zu werden, weil er nicht perfekt genug ist? Ich würde mal sagen Menschengebote und Heuchelei zerstören Beziehungen und das fühlt sich madig an!

Aber wo ist dann der Ausweg? Der Ausweg liegt hier, und wie immer bei der Sünde, in einer Umkehr; in einem bewussten, willentlichen und ernsthaften Neuanfang. Und der beginnt in diesem Fall erst mal mit der Freiheit, die mir in Christus geschenkt ist: dass ich dem Gesetz gestorben bin und [in/für] Christus lebe. Und das beginnt für den Selbstgerechten vielleicht auch mit der Erkenntnis der eigenen Anmaßung und Arroganz. Ich denke, der Weg der Umkehr, der hat immer diese Elemente Selbsterkenntnis, Umkehr, Reue und Vergebung. Aber davon später mehr.


Falsch verstandene Freiheit

Jetzt könnte man ja sagen: "Okay, haben wir erkannt; das ist jetzt also mal nicht der Weg, neue Gebote mit dazu zu machen; dann also bitte weg mit den Geboten." Das beste Beispiel und das kennen wir alle auch - und ich weiß nicht, Freddy hat mich, glaube ich, darauf aufmerksam gemacht - das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Da bin ich jetzt, glaube ich, der dritte, der da was zu sagt, aber es passt halt einfach. Und da wir das ja jetzt alle schon so oft gehört haben, haben wir es hoffentlich auch noch im Hinterkopf. Deswegen beziehe ich mich da bloß mal so hin und wieder drauf. Ich werde das ganze Gleichnis jetzt nicht vorlesen, aber nur mal kurz als Zusammenfassung:. 

Nummer zwei, der Jüngere, hat sich sein Erbe vorzeitig auszahlen lassen, ist in die weite Welt gezogen und hat die Kohle von seinem alten Herrn durchgebracht, als ob es kein Morgen gäbe. Und alles, was für ihn zählte, war Freiheit, maximaler Spaß. Und da könnte man ja auch fragen "Wo liegt denn da jetzt der Fehler?" Wir haben doch gerade eben gesehen, dass zu viele Gebote nicht gut sind. Dann müsste das doch jetzt die Lösung sein. Weg damit! Und ihr Lieben, es gibt viele Christen, die argumentieren genau so und sagen "Für mich gelten keine Gebote mehr, gar keine, nicht mal mehr die zehn Gebote oder das große Doppelgebot der Liebe." Warum? Ich bin ja frei vom Gesetz. Weg mit den Geboten.

Ihr Lieben, sollte das auf euch zutreffen, dann würde ich euch bitten: nehmt euch eure Bibel noch mal zur Brust und liest sie noch mal ganz genau durch. Weil in meiner Bibel steht, dass Gott ein Ziel hat, dass er von Anfang der Schöpfung bis zu ihrem Ende verfolgt: "Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei."; das ist im Paradies zerbrochen. Für die Schuld hat Christus am Kreuz bezahlt. Und was jetzt danach kommt in unserem Glaubensleben, ist ein Leben der Heiligung. Das ist ein Leben, in dem wir mehr und mehr verwandelt werden in sein Bild, bis wir ganz zum Schluss aufgenommen werden in die Herrlichkeit. Aber ganz sicherlich nicht ohne.

Aber gut, der jüngere Sohn hat das so gesehen: "Weg mit den Geboten!" Und wenn ich das jetzt mal unter dem Blickwinkel der Autorität betrachte, dann stellt sich da das Geschöpf gegen den Schöpfer, oder im Bild gesprochen der Sohn gegen den Vater. Definiert für sich eigenmächtig, was gut und böse ist. Und gut ist natürlich alles, was mir gefällt. Und erlaubt ist auch alles, was mir gefällt. Und so denkt sich der jüngere Sohn "Hauptsache, ich habe Spaß und ich kann tun und lassen, was ich will." Mein Glücksgefühl - und ihr Lieben, schaut euch die Gesellschaft heute bitte ganz genau an! - diesen Satz, den könnte ich der ganzen Gesellschaft auf die Stirn schreiben: "Mein Glücksgefühl ist mein oberstes Ziel." - "Mein Glücksgefühl ist mein oberstes Ziel." Nicht etwa die Liebe zu Gott oder Gottes Ehre.

Schaue ich mir das Ganze an unter dem Blickwinkel von Wille und Freiheit, dann merke ich, wenn ich genauer hinschaue: Da geht es eigentlich gar nicht um Freiheit. Da geht es um den Missbrauch von Freiheit. In Wirklichkeit geht es um Ichsucht, um Egoismus, um Hedonismus und um Genusssucht. Und diese Art von Gesetzlosigkeit, ihr Lieben, führt in die Falle und nicht in die Weite. Und ich habe das selber so in meinem Leben erlebt: Wenn man alles darf, dann macht man auch alles. Und manches davon treibt in Sucht und in Abhängigkeit. Bevor ich zum Glauben gekommen bin, war ich drogensüchtig und zwar richtig schick. Und da kommst du alleine so nicht raus. Das heißt, diese vermeintliche Freiheit, dieser Glaube tun und lassen zu können ohne Konsequenzen, was man will, der führt in die Enge, in die Falle, in die Sucht, in die Abhängigkeit. Paulus sagt es in Römer acht, Vers acht so, dass Menschen, die nur sich selbst dienen, Gefangene sind ihrer selbstsüchtigen Natur. Und ihr kennt vielleicht auch diesen Ausruf aus Römer sieben, Vers 24 "Ich unglückseliger Mensch, wer wird mich jemals aus dieser tödlichen Gefangenschaft befreien?"

Und alle Gesetze abzuschaffen, das macht auch etwas mit meiner Beziehung zu Gott. Denn Gott ist nicht nur Liebe. Das wird immer so gern zitiert: "Ja, Gott ist doch die Liebe." Wenn es mir dabei gut geht, was sollte er dagegen haben? Gott ist nicht nur die Liebe, ihr Lieben, Gott ist auch heilig. Und deshalb schreibt Paulus im Römerbrief "An denen, die Gefangene ihrer selbstsüchtigen Natur sind, kann Gott unmöglich Gefallen finden." Eben weil er heilig ist. Weil er das Böse nicht gutheißen kann. 

Und falsch verstandene Freiheit macht auch etwas mit meiner Beziehung zu meinem Nächsten. Sie macht sie kaputt. Und wer jemals die andere Seite von Ehebruch erlebt hat, also nicht als Täter, sondern als Opfer, der weiß, was ich meine. Und auch um noch mal das Gleichnis vom verlorenen Sohn aufzugreifen: Schaut euch mal den Vater an! Wie mag es dem gegangen sein; all die Jahre? Ich vermute, der es jeden Tag rausgegangen und hat gewartet. Jeden Tag sehnsüchtig, dass sein Sohn nach Hause kommt. Was macht das mit Beziehung? Oder der Bruder? Der schnappt sich der junge Bursche das halbe Erbe und schiebt ab; lässt ihn mit der ganzen Arbeit alleine. Was macht das mit Beziehung? Und auch da die Frage an dich: Wenn es also darum geht, alle Gesetze abzuschaffen, zu tun und zu lassen, was ich will: "Kennst du das?"

Auch hier die Frage: "Wo ist der Ausweg?" Ich denke, der Anfang des Auswegs liegt in der Erkenntnis, dass Freiheit und Selbstsucht zwei ganz verschiedene Dinge sind. Ich denke, sie liegt in der Erkenntnis, dass wahre Liebe Grenzen setzt und wahre Liebe sich an Grenzen hält, weil wahre Liebe nicht maßlos ist. 

Und was ist auch in diesem Fall, wie in allen anderen Fällen, braucht, um umzukehren, sind mehrere Wunder - und ich meinte es wirklich so, wie ich es sage: - mehrere Wunder; nicht Sachen, die schwierig sind, sondern Wunder. Das erste Wunder ist das der Selbsterkenntnis. In der Hoffnung für alle steht da im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Satz "Da kam er zur Besinnung." Und ich sage das ist ein Wunder, weil das ist nicht der normale Lauf der Dinge. Ich kenne viele, viele Menschen aus meinem früheren Bekanntenkreis, die haben sich so verrannt, aber die sind über all die Jahrzehnte nicht zur Besinnung gekommen. Das zweite Wunder ist die Umkehr. Der jüngere Sohn sagt "Ich will zu meinem Vater gehen (und so weiter und so fort)." Ich drehe um. Ich gehe den Weg zurück, den ich gekommen bin. Das dritte Wunder ist die Reue, das Bedauern eigener Fehlentscheidungen und Taten. Der nimmt sich vor zu sagen "Ich will ihm sagen Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden." Ihr Lieben, wie viel braucht das? Wie viel braucht das, bis ein Mensch dazu bereit ist: die Maske fallen zu lassen und zu dem zu stehen, was er ohne diese Maske im Spiegel sieht? Kein strahlendes, gottgleiches Antlitz. Und das vierte und sicherlich größte Wunder ist die Vergebung. Ich finde das so ein schönes Bild im Gleichnis vom verlorenen Sohn, weil so ist Gott: Der steht jeden Tag neu an der Straße und wartet jeden Tag von vorne. Und als der Sohn dann kommt: keine Vorwürfe, nicht ein Wort. Er umarmt ihn, weil er sich einfach nur freut, dass sein Kind wieder zu Hause ist. Und so möchte ich dich heute auch fragen: "Was spricht Gott in deinem Herzen? Heute ist der Tag zum Umkehren! Gott wartet."


Mit eigener Kraft

Ihr Lieben, wir haben gesehen, dass es keine Lösung ist, gottes Geboten eigene dazuzusetzen oder Gottes Gebote durch eigene zu ersetzen. Wir haben gesehen, dass es auch keine Lösung ist, Gottes Gebote abzuschaffen. Ja, was denn dann? Dann kann die Lösung doch nur noch sein, Gottes Gebote aus eigener Kraft zu halten. Und dann habe ich bei der Predigtvorbereitung gedacht: "Jetzt brauche ich aber mal ein gutes Beispiel." Und dann kam der Heilige Geist und hat mir auf die Schulter getippt und hat gesagt: "Das kennst du.!" Wie viele Jahre und Jahrzehnte habe ich versucht, es Gott recht zu machen? Wie viele Jahre und Jahrzehnte habe ich versucht, ein guter Christ zu sein? Und ihr Lieben, ich bitte euch, hört immer mit diesem Ohr zu: "Ist das 'meins'?" Wie viele Male bin ich daran gescheitert, aus eigener Kraft gerecht zu werden? Und wie viel unendliche Geduld hat Gott mit mir gehabt? Jahrzehnte habe ich immer wieder die gleichen Sorten von Versen gekriegt. Und übrigens, der Vers, den ich heute bekommen habe, der bedeutet mir wahnsinnig viel. Der ist für mich auch ein Zeichen dafür, dass es vorbei ist damit. "Hinds Feet on High Places"; krasses Buch; "Die Füße der Hinden auf den Bergen", oder?

Aber was hat Gott mir all die Jahre gesagt? Durch Gesetzeswerke wird kein Mensch vor ihm gerecht. Denn durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde. Oder Galater 3,2 wo Paulus die Galater und mich fast verzweifelt fragt "Ich möchte euch nur eines fragen: Hat Gott euch seinen Geist gegeben, weil ihr das Gesetz befolgt habt oder weil ihr die Botschaft gehört und angenommen habt, dass es vor Gott auf den vertrauenden Glauben ankommt?" Und ein Oberknaller, den habe ich über viele, viele Jahre immer wieder - den gleichen Vers - bekommen, weil ich wollte ja immer was tun: Jesaja 30,15 "Denn so spricht Gott, der Herr, der Heilige Israels. Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen. Durch Stille sein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Aber ihr habt nicht gewollt." Ihr habt nicht gewollt!

Und ich konnte das einfach nicht fassen, dass es so einfach sein sollte, dass die Tür zum Himmel längst offen war. Wie könnte Gott mich lieben? Ich bin ein Sünder. Er ist heilig. Er ist der Allmächtige. Er ist der Richter aller Welten. Und steht es nicht auch in der Bibel? "Heiligt euch, denn ich bin heilig, denn ich bin der Herr, euer Gott. "Oder auch im Neuen Testament. Erster Petrusbrief: "Es steht geschrieben Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig." Da steht es doch! Und dann auf jeder Seite der Bibel: Imperative. Gebote. Muss man die denn nicht alle halten? Wo liegt dann also der Fehler?

Betrachtet aus dem Blickwinkel der Autorität muss man ja zumindest schon mal anerkennen, dass der Mensch, der es in eigener Kraft versucht, den Schöpfer auf dem Thron lässt. Dass er anerkennt, dass Gott allein die Gebote macht. Dass er anerkennt, dass es einen Gott gibt und dass er regiert, dass er definiert, was gut und böse ist. Daran kann es also nicht liegen. Aber schaue ich aus dem Aspekt von Wille und Freiheit darauf, dann merke ich, dass der, der diesen Weg geht, sich selbst zu viel zutraut. Er sucht die Lösung in der eigenen Anstrengung, in der freien Ausübung seines Willens. Aber er überliest, was Paulus sagt "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht." Und so macht er immer wieder die verzweifelte Erfahrung: "Ich tue nicht, was ich will, sondern das, was ich hasse. Das tue ich." Und so tut er dann Buße und versucht es von neuem. Und merkt nicht, dass auch das eine Form von Sünde ist. Und diese Sünde heißt Werkgerechtigkeit.

Und auch noch mal mit der Brille von Beziehungen betrachtet: Da sieht es auch nicht besser aus. Erst einmal meine Beziehung zu Gott. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Gott mich liebt. Was ist das für eine Art von Beziehung, wenn ich dem anderen noch nicht mal das zutraue, dass er mich mag? Und ich hatte doch gute Argumente! Nur hatte ich übersehen, dass Gott mich nicht liebt, weil ich so toll bin, sondern dass er mich liebt, weil er die Liebe in Person ist; weil er mich lieben will.


Das Evangelium


Und damit wären wir wieder beim Willen. Meine Erlösung liegt nicht in meinem Willen, meine Erlösung, die liegt in Gottes Willen. Gott sei Dank! Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die finde ich also nicht in mir, sondern außerhalb von mir. Luther nannte das "iustitia aliena" oder "iustitia extra nos", also eine "fremde Gerechtigkeit" oder eine "Gerechtigkeit außerhalb unserer selbst". Denn wenn ich auf mich schaue, dann werde ich Johannes recht geben müssen, wenn er sagt "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." Wenn ich auf mich schaue, dann muss ich noch immer sehnsüchtig mit Paulus rufen "Nicht, dass ich schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei. Ich jage ihm aber nach, ob ich es wohl ergreifen möchte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin." Und letzten Endes: wenn ich allein auf mich schaue, dann werde ich immer wieder an diese Stelle kommen, wo ich traurig und vielleicht sogar verzweifelt mit Paulus rufe "Ich Elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Leibe des Todes?"

Aber meine Gerechtigkeit liegt nicht in mir, in meiner Leistung, in meinen Taten. Meine Gerechtigkeit liegt allein in Christus. Und wenn ich allein auf Christus schaue, dann kann ich vor Freude rufen "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt." "Er ist um unserer Missetaten willen verwundet, um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, dass wir Frieden hätten." Er ist ohne Sünde. Er hat ein Leben in vollkommener Gerechtigkeit geführt, Und er hat für meine und für deine Schuld bezahlt. Vergangene, gegenwärtige und zukünftige. Und das alles schenkt er dir. Darum heißt es "Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt." Das ist der beste Tausch deines Lebens! Deine Sünde für seine Gerechtigkeit. Geschenkt!

Aber jetzt könnte man immer noch ein bisschen Schiss kriegen und sagen "Ja, dann sind die vergangenen Sünden vergeben. Aber ich mache ja jeden Tag wieder Mist!" Das Beste kommt noch. Christus ist nicht nur unsere Rechtfertigung. Er macht uns nicht nur gerecht vor Gott, weil er ein gerechtes Leben geführt hat, was er uns aufs Pluskonto schreibt und weil er am Kreuz für unsere Schuld gestorben ist und uns damit das Minus nimmt. Er sorgt auch dafür, dass wir ihm immer ähnlicher werden, und er allein wird dafür sorgen, dass wir eines Tages völlig erlöst sind. Und das ist das, was erste Korinther 1:30 - den könnt ihr heute bitte mal mitnehmen - was dort steht: "Christus ist uns gemacht zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung." Nicht nur zur Gerechtigkeit, auch zur Heiligung, auch zur Erlösung. Ihr Lieben, wir suchen unsere Gerechtigkeit vielleicht in Christus und sagen Er ist für meine Schuld gestorben. Er ist auferstanden, und sein gerechtes Leben hat er mir zugeschrieben. Das ist 1/3 der Miete. Und dann versuchen wir, den Rest selbst zu tun. Er ist unsere Heiligung. Er ist unsere Erlösung.

Aber wie soll das funktionieren? Ich stecke doch in mir drin. Ich muss doch jeden Tag handeln. Und mal ganz ehrlich, wir sollen doch die Gebote halten. Haben wir doch gesehen. Die zehn Gebote. Das große Doppelgebot der Liebe. Ja, natürlich! Aber auch hier, ihr Lieben, es liegt nicht an uns. Es liegt an Christus in uns! Es geht nicht darum, dass wir machen. Es geht darum, dass wir ihn machen lassen. Denn die Wahrheit ist doch - und Jesus weiß das; er hat das selber gesagt: Johannes 15,5 - "Ohne mich könnt ihr nichts tun." Nicht wenig oder ganz wenig. Oder ein klitzekleines bisschen. Nichts. Und ihm ging es genauso. Johannes 5,30, sagt er "Ich kann nichts von mir aus tun." Wie hat Jesus all diese Wunder getan? Es war der Vater in ihm, der Heilige Geist in ihm. Auch er hat machen lassen. Das übersehen wir leicht.

Alles, was Jesus von uns erwartet, ist, dass wir ihn machen lassen. Alles, was er von uns erwartet, ist, dass wir ihm vertrauen, dass er uns mit der Zeit ans Ziel bringt, seine Ebenbilder zu werden. Was wir dazu tun müssen, ist, mit ihm verbunden zu bleiben. Auch das finden wir in Johannes 15, verbunden mit seinem Wort; das heißt verbunden mit der Bibel, mit der Heiligen Schrift; verbunden mit seinen Kindern; verbunden mit der Gemeinschaft in der Gemeinde; verbunden mit ihm im Abendmahl; und verbunden mit ihm und einander im Gebet. Und das ist nicht schwer. Das ist was, das schaffen wir. Die wahren Dinge, die macht er.

Das ist das Geheimnis: Christus lebt in euch! Darin liegt eure Hoffnung: Ihr werdet an seiner Herrlichkeit teilhaben.

Amen.

Samstag, 14. Januar 2017

Alle Theologen sind Heuchler - Pharisäer und Schriftgelehrte

Auf einer christlichen Facebook-Seite las ich heute "Alle Theologen sind Heuchler". Die ganze Argumentation mündete in der Schlussfolgerung, die heutigen Theologen seien die neuzeitliche Entsprechung derer, die Jesus Pharisäer, Schriftgelehrte und Heuchler nannte.

Hier meine Stellungnahme.


Es gibt leider auch heutzutage tatsächlich Pharisäer und Schriftgelehrte. Offensichtlich sterben die nicht aus. Die damaligen Pharisäer und Schriftgelehrten wurden von Gott übrigens niemals dafür gerügt, dass sie Schriftgelehrte waren. Sondern Jesus hat sie gerügt für ihre Bosheit und Hartherzigkeit und für ihre Heuchelei. Vor allem aber dafür, dass sie Ihn ablehnten und nicht an Ihn glaubten. Nicht jedoch dafür, dass sie die Schrift kannten. Jesus sagt zu ihnen: "ihr glaubt dem nicht, den er gesandt hat. Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind's, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet." (Joh 5:38b-40)

Genau diesen Vers könnte man jetzt so verstehen, dass es eben allein um Jesus geht und um den Glauben an Ihn und um den Heiligen Geist - und dass es darum schlecht ist, wenn man "in den Schriften sucht". 
 

Wie gesagt: könnte man. Doch sollte man? 

 

Ist es nicht vielmehr interessant, dass die Propheten im Alten Testament so oft dagegen gewettert haben, dass niemand das Wort Gottes hören wollte? Auch die Apostel im Neuen Testament weisen an jeder Ecke darauf hin, acht zu haben auf die Lehre (1Tim 4:16), nicht jeder Lehre zu glauben und unbedingt am Wort festzuhalten (Joh 14:23, 2Tim 1:13, Tit 1:9, ...). Die Beröer werden sogar dafür gelobt, denn sie "sie nahmen das Wort bereitwillig auf und forschten täglich in der Schrift, ob sich's so verhielte." (Apg 17:11) Nur von den Gottlosen heißt es, dass "sie nicht an das Wort glauben" (1Petr 2:8).

Das war es, was Jesus den Pharisäern und Schriftgelehrten vorwarf.

Was jedoch die Lehre, das Wort und die Schrift angeht, ist Gott ganz offensichtlich der Ansicht, dass Lehre etwas Gutes ist - und dass sie aus seinem Wort kommen sollte, aus der Schrift. Und dass Sein Wort so heilig ist, dass es niemandem - aber auch absolut gar niemandem zusteht, darüber zu urteilen oder es gar zu verändern.

Und in eben diesem Wort steht, dass "alle Schrift, von Gott eingegeben, nütze [ist] zur Lehre" (2Tim 3,16). Von daher finde ich es am aller-interessantesten, dass eine der Gaben, die niemand anderes als der Heilige Geist(!) der Gemeinde gegeben hat, die Gabe des Lehrers ist! (1Kor 12:29) Und was macht ein Lehrer? Er lehrt. Ist ja klar. Aber was lehrt er? Er lehrt Gottes Wort, so wie es uns in der Heiligen Schrift überliefert wurde - ebendieses Wort, von dem Offb 22,19 steht: "Und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott ihm seinen Anteil wegnehmen am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt, von denen in diesem Buch geschrieben steht."

Allein darum heisst es in den Briefen: "die der Gemeinde gut vorstehen, die halte man zweifacher Ehre wert, besonders, die sich mühen im Wort und in der Lehre." (1Tim 5:17). Denn den Lehrern selbst wird gesagt: "Wenn du die Brüder und Schwestern [...] lehrst, so wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, genährt durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre, der du gefolgt bist." (1Tim 4:6) Und weil die Lehrer so hoch angesehen sind bei Gott, steht auch: "Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folgt dem Beispiel ihres Glaubens." (Hebr 13:7).

Nun, ich gehöre nicht zu denen, die eine [Zitat des Autors des Postings auf der eingangs genannten Facebook-Seite] "religiöse Brille aufhaben und [...] die Pastoren/Theologen verteidigen." Im Gegenteil: vieles, was heutzutage in unseren Kirchen abgeht, ist nichts weniger als der Abfall von Gott und vom Glauben: dem Zeitgeist angepasste Anbiederung bei der Gesellschaft, kraftlose Predigten über Politik und Gesellschaft und nicht zu Letzt die Verschwendung von unter Zwang eingezogener Kirchensteuer [vgl. 2Kor 9:7]. Ich könnte noch einige Zeit so weiter machen - aber darum geht es hier ja gar nicht...

Worum es geht ist, dass ich vor allem glaube, dass es nicht gut und auch nicht richtig ist, alle Theologen in einen Topf zu werfen und zu behaupten, "jeder Theologe [sei] ein Heuchler".

Wer Gottes(!) Wort liest, der kann - siehe oben - gar nicht zu einer solchen Einschätzung kommen. Und wenn dann auch noch "Gott" im griechischen "theos" heißt und wenn "logos" im griechischen nicht nur "Wort" und "Äusserung", sondern auch "Lehre" bedeutet (und das tut es!), dann ist ein Theologe ganz einfach ein Mensch, der etwas über Gott gelernt hat und lehrt. Also ein Mensch, von denen Paulus und der Schreiber des Hebräerbriefes sich einig waren, dass wir ihn "zweifacher Ehre wert" halten sollten.

Der Satz: "jeder Theologe ist ein Heuchler" tut das nicht.

Sonntag, 3. Januar 2016

Der rechte Gottesdienst (Ps 50:1-23)

Text

1 Ein Psalm Asafs. Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. 2 Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. 3 Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein mächtiges Wetter. 4 Er ruft Himmel und Erde zu, daß er sein Volk richten wolle: 5 »Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.« 6 Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter. SELA. 7 »Höre, mein Volk, laß mich reden; Israel, ich will wider dich zeugen: Ich, Gott, bin dein Gott. 8 Nicht deiner Opfer wegen klage ich dich an - sind doch deine Brandopfer täglich vor mir. 9 Ich will von deinem Hause Stiere nicht nehmen noch Böcke aus deinen Ställen. 10 Denn alles Wild im Walde ist mein und die Tiere auf den Bergen zu Tausenden. 11 Ich kenne alle Vögel auf den Bergen; und was sich regt auf dem Felde, ist mein. 12 Wenn mich hungerte, wollte ich dir nicht davon sagen; denn der Erdkreis ist mein und alles, was darauf ist. 13 Meinst du, daß ich Fleisch von Stieren essen wolle oder Blut von Böcken trinken? 14 Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde 15 und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.« 16 Aber zum Gottlosen spricht Gott: »Was hast du von meinen Geboten zu reden und nimmst meinen Bund in deinen Mund, 17 da du doch Zucht hassest und wirfst meine Worte hinter dich? 18 Wenn du einen Dieb siehst, so läufst du mit ihm und hast Gemeinschaft mit den Ehebrechern. 19 Deinen Mund lässest du Böses reden, und deine Zunge treibt Falschheit. 20 Du sitzest und redest wider deinen Bruder; deiner Mutter Sohn verleumdest du. 21 Das tust du, und ich schweige; da meinst du, ich sei so wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen. 22 Begreift es doch, die ihr Gott vergesset, damit ich nicht hinraffe, und kein Retter ist da! 23 Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes.«


Kommentar

Zusammenfassung

Mit dem Szenario eines gewaltigen Gerichtssaales, in welchem Gott der Allmächtige Selbst auf dem Richterstuhl sitzt und die ganze Welt in den Zeugenstand beruft, malt uns dieser Psalm ein Bild davon, wie der Ewige und Herrliche mit Seinem Volk, das Ihm am Sinai die Treue schwor, ins Gericht geht. Der Kern Seiner Anklage richtet sich gegen die herzlose und oberflächliche Heuchelei eines zum gesetzlichen Ritus verkommenen Gottesdienstes auf der einen und gegen die ignorante und gottesferne Frevelei auf der anderen Seite. Und doch ist Er, der gnädige und barmherzige Gott, noch immer bereit zur Versöhnung und ruft Sein Volk zur Umkehr; zurück in die dankbare Erkenntnis Seiner Selbst, Seines Wesens und Seines Heils.


Struktur

1-6 Der Ewige Herrliche ruft sein Bundesvolk zum Gericht und alle Welt in den Zeugenstand.

7-15 Er klagt den nur noch formalen und herzlosen Gottesdienst seines Volkes an.

16-22 Und er warnt die gottvergessenden Sünder vor Seinem schrecklichen Gericht.

23 Und doch bietet Er allen, die in herzlichem Dank zu Ihm umkehren, Sein Heil an.


Inhalt

1-6 Dieser Psalm Asafs spricht zu uns von der Ankündigung des Gerichtes Gottes über Sein Volk. Er, der von Ewigkeit her besteht (Ps 90:2, Dan 6:27, Joh 8:58, Heb 1:8, Offb 1:18), Er, dem kein Ding unmöglich ist (1Mo 35:11, Hi 42:2, Lk 1:37, Offb 1:8), Er, der Gott des Volkes Israel (2Mo 32:8, Ps 50:7), bricht im Glanz Seiner Herrlichkeit (Hes 10:4) aus Jerusalem, der Schönen, hervor und ruft die ganze Welt vom fernsten Osten bis zum weitesten Westen, in den Zeugenstand. Er kommt, um die Wahrheit zu sagen, nicht, um zu schweigen. Seine gewaltige Präsenz und Sein Wille zur Gerechtigkeit fressen vor Ihm her, wie eine gewaltige Feuersbrunst und ein schweres Unwetter (vgl. Hi 38:1, 40:6). Er kommt, um mit Seinem Volk ins Gericht zu gehen. Er erteilt den Befehl, alle vor Ihm zusammenzubringen, die zu Seinem Volk gehören, weil sie mit Ihm am Sinai einen Bund schlossen, als sie angesichts des Blutes der Opfertiere versprachen, Seine Gebote zu halten (2Mo 24,3-8). Er, der Ewige ist so sehr gerecht, dass sogar die Himmel davon Zeugnis geben werden. Niemand anderes wird der Richter Seines Volkes Gottes sein, als Er selbst, der vollkommen Gerechte. 

So ist nun der Gerichtssaal gefüllt: Gott selbst, der Ewige, Allmächtige und Gerechte - Er, der sich Israel in Liebe und Treue verbunden hatte, Er Selbst ist Richter. Die Nationen der Welt sind Zeugen. Das Volk Israel jedoch, welches einst mit Gott am Berg Sinai den Bund schloss, sitzt auf der Anklagebank. 


7-15 Der Prozess beginnt. Die Anlage erhebt Gott. Er ruft zur Achtsamkeit auf das, was Er zu sagen hat. Angeklagt ist Sein Volk. Eben dies Volk, das Er aus Liebe aus der Knechtschaft befreit hat. Das Volk, dem Er sich persönlich als Gott erzeigt hat; das Volk, mit dem Er einen Bund geschlossen hat. Doch nicht wegen des Opferdienstes klagt Gott Sein Volk an, verläuft dieser doch noch immer täglich nach dem von Ihm vorgeschriebenen Muster. 

Die Anklage reicht tiefer; sie reicht ins Herz: Denn das Wesentliche fehlt. So wie der Ehering nicht die Liebe ersetzt, so ersetzen auch die äußerlichen Opfer nicht den Dank, die Treue, das Gebet und den herzlichen Lobpreis aus der tiefsten Quelle der Seele. Delhalb macht Gott sein Volk also darauf aufmerksam, dass es ihm nicht um ein Opfern um des Opfers willen geht. Er will, wie jeder wahre Liebende, keine Geschenke um des Geschenkes willen. Er Selbst will gemeint sein. 

Wozu auch sollte er die Opfergaben des Volkes als solche wollen? Ihm, dem allmächtigen Schöpfer des Universums, gehört der ganze Erdkreis samt allen Tieren, die darauf leben; vom Hirsch im Walde bis zur Gemse auf den Felsklippen, von den Vögeln im Gebirge bis zu den Hasen auf dem Felde: alles ist Sein Eigentum. Was wir Menschen Ihm opfern, das opfern wir immer als das, was uns geschenkweise oder als Leihgabe anvertraut wurde. Wie ein Kind, das seinem Vater ein Geschenk kauft; von eben dem Taschengeld, das es zuvor von seinem Vater erhalten hat. Auch ist es nicht so, dass Er, der Sich Selbst Allgenügsame, Hunger litte oder es nötig hätte, dass ihm jemand zu essen oder zu trinken gäbe. Gott braucht das Fleisch und das Blut der Opfertiere weder in dem einen noch im anderen Sinne. 

Worum es ihm geht ist die herzliche Liebesbeziehung zu Ihm; dass das äußerliche Opfer sich mit der Liebe verbindet und Ausdruck einer Herzenzhaltung der Dankbarkeit wird, der Treue und des Gebets. Auf diese Haltung des Herzens hat Gott Seine Verheißung gelegt: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten!" Und angesichts dieser Errettung sollen wir Ihn von Herzen lobpreisen.


16-22 Nachdem Gott sich gegenüber den Gesetzlichen in Seinem Volk geäußert hat, wendet Er Sich nun mit ganzem Ernst an die Gottlosen. Angeklagt ist noch immer Sein Volk. Eben das Volk, das Er aus Liebe aus der Sklaverei Ägyptens befreit hatte. 

Doch etliche aus diesem Volk sind abgefallen von Gott und hatten Ihn nie in ihren Herzen. Sie sind stur, bockig und halsstarrig. Sie wollen sich nicht erziehen lassen. Und wie später der Sohn Gottes die Pharisäer aufs Schärfste rügt, so schilt auch der Vater die Heuchler in Seinem Volk: Was erdreisten sie sich, von Seinen Geboten zu reden? Gebote, die sie doch selbst nicht halten wollen? Was fällt ihnen ein, Gottes Liebesbund in ihren Mund zu nehmen, wo sie doch schon Seine Worte so sehr verachten, dass sie sie völlig gleichgültig - über die Schulter - hinter sich werfen?

Statt Gott zu lieben, Seine Gebote zu halten und Ihm zu dienen, ist ihr Leben voller Sünde und Gesetzesbrecherei: mit Leichtigkeit begeistert sich ihr Herz für Diebstahl. Völlig kritiklos und nicht im Geringsten angerührt vom herzzerreißenden, Leben und Familien zerstörendem Ehebruch, verbinden sie ihr Leben mit denen, die ihn begehen. Und wenn sie den Mund aufmachen, kommen Lügen, Bosheiten und üble Nachreden heraus, die nicht einmal vor der eigenen Familie haltmachen. Zu allem Überfluss aber haben sie auch noch eine verzerrte, ja völlig verkehrte Vorstellung von Gott: dass Seine abgrundtiefe Liebe, Sein weltumhüllendes Erbarmen und Seine äonische Geduld Ihn davon abhalten, schon jetzt zu verdammen, dass Seine Gnade ihn bewegt, zu schweigen, um ihnen als verstockten Sündern die Zeit zu geben zur Umkehr zu finden, zur Rettung vor Seinem ewigen Gericht - das deuten sie vollkommen irrig als Akt der Verbrüderung.

Doch Gott will ihnen, trotz all ihrer Bosheit - allein zu ihrem Heil - die Augen öffnen und sie korrigieren: »So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?« (Hes 33,11). Nicht im Zorn spricht er zu ihnen, sondern in händeringender Sorge verlangt Ihn inständig danach, dass sie aus ihrer Gottvergessenheit erwachen und erfassen, in welcher tödlichen Gefahr sie sich befinden. Denn "Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (Hebr 10,31) Schrecklich, denn: Er ist's "...dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt, gegen den alle, die auf Erden wohnen, für nichts zu rechnen sind. Er macht's, wie er will, mit den Mächten im Himmel und mit denen, die auf Erden wohnen. Und niemand kann seiner Hand wehren noch zu ihm sagen: Was machst du?" (Dan 4:31b-32, vgl. Hi 9:12, 11:10, 23:13) Wo also Gottes Gericht verdirbt, da ist wahrhaftig nichts mehr zu retten und kein Retter mehr da.


23 Der Psalm schließt mit einer tiefen Weisheit: wer das Heil Gottes sehen will, der kehre um, ordne seine Wege und opfere Gott den Dank der Ihm gebührt. Denn Gottes Zorn richtet sich gegen eben dies: gegen die Gottvergessenheit und den Undank der Welt (Röm 1:18-21). Im Dankgebet jedoch findet der Mensch zurück an seinen gottgewollten Platz: in die Erkenntnis der Existenz Gottes, Seines heiligen, reinen, gerechten und unfassbar guten Wesens, Seiner Liebe, Gnade und Seines Erbarmens, Seines noch immer fortbestehenden Willens, selbst Heuchlern und Gottlosen gegenüber gnädig zu sein und letztlich in die schöpfungsgemäße Vereinigung von Schöpfer und Geschöpf in dankbarer, gottseliger und gegenseitiger Liebe.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Was prägt Deinen Gottesdienst? Oberflächliche Pflichterfüllung? Oder herzliche Liebe?
  • Was prägt Dein Leben? Gottvergessende Sünde? Oder dankbare Gotteserkenntnis?
  • Willst Du heute, jetzt, Gottes liebende Hand fassen, die Er dir aus Gnade entgegen streckt?

Sonntag, 15. September 2013

Warnung vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer (Mt 16:5-12)

Text

5 Und als die Jünger ans andre Ufer gekommen waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen. 6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 7 Da dachten sie bei sich selbst und sprachen:Das wird's sein, daß wir kein Brot mitgenommen haben. 8 Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen:Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch, daß ihr kein Brot habt? 9 Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht an die fünf Brote für die fünftausend und wieviel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt? 10 Auch nicht an die sieben Brote für die viertausend und wieviel Körbe voll ihr da aufgesammelt habt? 11 Wieso versteht ihr denn nicht, daß ich nicht vom Brot zu euch geredet habe? Hütet euch vielmehr vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer! 12 Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte, sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.


Kommentar

Zusammenfassung

Die Angst ums eigene Wohlergehen verleitet die Jünger zu einer irrigen Sicht der Bedeutung von Jesu Warnung vor der Theologie Seiner Widersacher: Es geht Jesus mit dem "Sauerteig" nicht um die körperliche Verpflegung, sondern um die menschenverachtenden Lehren Seiner Feinde.


Struktur

5-7 Nach der Auseinandersetzung mit den Pharisäern brechen Jesus und Seine Jünger, letztere ohne Brot an Bord, zum Ostufer des Galiläischen Meeres auf. Die Warnung Jesu vor deren "Sauerteig" missverstehen sie, gefangen in ihren Sorgen und dank mangelnder Rückfrage an Jesus, als Lebensmittelwarnhinweis.

8-10 Daraufhin zeigt Jesus ihnen anhand der Brotvermehrungen auf, dass es keinen Grund zur Sorge um ihre Versorgung gibt und ihre aus Angst motivierte
Annahme ein Irrtum ist.

11-12 Vielmehr ging es Christus um die werkgerechten Irrlehren der führenden Religionslehrer Seiner Zeit, mit der sie den Menschen den Weg in Gottes Reich verbauten.


Inhalt

5-7 Nach Jesu Auseinandersetzung mit den Pharisäern verlassen die Jünger das Gebiet von Magadan (Tarichea) auf der Westseite des Sees (Mt 15:39) und fahren von dort zum anderen Ufer, möglicherweise in die Gegend des am Ostufer gelegenen Gergesa; denn, wie Markus berichtet, erreichen sie später auf ihrem Fußweg Bethsaida (Mk 8:22), von wo aus sie weiter ins nördliche Cäserea Philippi wandern (Mt 16:13).

Doch die Jünger hatten, dank ihrer Vergesslichkeit, keinen Proviant mit an Bord: ein einziges Brot war alles was sie mitgenommen hatten (Mk 8:14). In diese Lage hinein spricht Jesus Seine Warnung vom Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer. Doch, statt angesichts ihres offenbaren Unverständnisses einfach nachzufragen, was Jesus denn damit gemeint habe, machen sie sich, unabhängig von Ihm, ihre eigenen Gedanken. Und bereits nach kurzem Grübeln, jeder für sich, pflichten sie einander bei, dass Jesus sie bestimmt auf ihren Proviantmangel hatte ansprechen wollen und seine Warnung somit wörtlich als Lebensmittelwarnhinweis zu verstehen sei.

8-11a Nun gibt es zwei Themen zu klären: das, was Jesus eigentlich zu sagen hatte und das, was die Jünger missverstanden haben. Sich selbst in Demut hintenanstellend, klärt Jesus zuerst das Missverständnis. Und das nicht nur an der Oberfläche der Begriffe: Er sieht ihr Motiv und ihr Herz. Sie hatten Angst. Sie selbst hatten zu wenig Proviant eingepackt und nun hatten Sie Ihren Lehrer so missverstanden, als wollte Er sie vor dem Verzehr des Teiges der Pharisäer und Sadduzäer warnen. Wo aber sollten sie sonst etwas zu Essen herehmen? Auf diese Angst geht Jesus geduldig ein und öffnet ihnen, sanftmütig und gütig die Augen: es gibt keinen Grund sich kleingläubig Sorgen um die Verpflegung zu machen (vgl. Mt 6:33): die Speisungen der 5.000 und der 4.000 hatten ja deutlich gezeigt, dass Gott in der Lage ist im Überfluss zu geben. Doch eines will Jesus von ihnen wissen, ja er fragt sie gleich zweimal danach - nach ihrem Verständnis: verstehen sie ihn? Und wenn nicht, warum nicht? So deckt Er ihnen den eigenen Herzensgrund auf und zeigt ihnen in der Innenschau, die notwendig ist, um Seine Frage zu beantworten, dass es ihre Angst ist, die ihrem wahren Verständnis Seiner Worte im Wege steht. Und nun sagt Er es klar und deutlich: Es ging ihm nicht ums täglich Brot.

11b-12 Noch einmal wiederholt Er, was Er zuvor schon sagte. Und nun, frei von der Angst ums Überleben, verstehen sie Ihn: Es ging Jesus die ganze Zeit um nichts anderes, als sie zu warnen vor der bösen Theologie der Pharisäer und Sadduzäer, den führenden Köpfen der Kirche von damals, mit denen Er sich gerade eben erst wieder auseinander gesetzt hatte. Sie, deren
religiöses Leben geheuchelt ist (Lk 12:1); sie, die die Gnade Christi verleugnen und damit "den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen" haben. Sie, die ihren Mitmenschen den Weg ins Himmelreich verwehren (Lk 11:52), indem sie ihnen die Werkgerechtigkeit predigen und sie so "mit unerträglichen Lasten" beladen (Lk 11:46).


Praktische Anwendung

1. Welche irdischen Sorgen verstellen Dir die Sicht auf Gottes Wort?
2. Gib Deine Sorgen Jesus ab, der in jeder Lage zu helfen vermag!
3. So erleichtert höre auf das, was Christus Dir geistlich zu sagen hat.

Sonntag, 17. Februar 2013

Von Reinheit und Unreinheit (Mt 15:1-20)

Text

1 Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte aus Jerusalem und sprachen: 2 Warum übertreten deine Jünger die Satzungen der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. 3 Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen? 4 Denn Gott hat geboten (2. Mose 20,12; 21,17): »Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben. « 5 Aber ihr lehrt: Wer zu Vater oder Mutter sagt: Eine Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht, 6 der braucht seinen Vater nicht zu ehren. Damit habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer Satzungen willen. 7 Ihr Heuchler, wie fein hat Jesaja von euch geweissagt und gesprochen (Jesaja 29,13): 8 »Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; 9 vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind. « 10 Und er rief das Volk zu sich und sprach zu ihnen: Hört zu und begreift's: 11 Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein. 12 Da traten seine Jünger zu ihm und fragten: Weißt du auch, daß die Pharisäer an dem Wort Anstoß nahmen, als sie es hörten? 13 Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen, die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, die werden ausgerissen. 14 Laßt sie, sie sind blinde Blindenführer! Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen sie beide in die Grube. 15 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Deute uns dies Gleichnis! 16 Und Jesus sprach zu ihnen: Seid denn auch ihr noch immer unverständig? 17 Merkt ihr nicht, daß alles, was zum Mund hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach in die Grube ausgeleert? 18 Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. 19 Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. 20 Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein.

Kommentar

Zusammenfassung
Dieser Abschnitt lehrt uns die Unerschrockenheit Jesu, mit der er die von Gier und Lieblosigkeit zerfressenen Pharisäer in ihrer Irrlehre korrigiert und seinem Volk samt seinen Jüngern Erkenntnis der Wahrheit vermittelt: dass allein das menschliche Herz, als Sitz von Motivation und Wille, die Quelle wahrer Reinheit oder Unreinheit ist, die sich im gesprochenen Wort offenbart. Und dass wir uns vor Gott weder durch Speisen und Getränke, noch durch irgendwelche rituellen Handlungen verunreinigen können.


Struktur
1-9 Jesus hinterfragt die tote Religiosität der kleinkarierten Gefolgschaft liebloser, geldgieriger Pharisäer, die extra aus Jerusalem kamen, um Jesu Jüngern das Händewaschen beizubringen.

10-14
Jesus korrigiert die Irrlehre der Pharisäer und deutet, furchtlos vor deren Zorn, auf deren Gericht: sie werden zugrunde gehen - nicht durch ein Urteil von außen, sondern aufgrund ihrer selbstgewählten, gierigen Egomanie

15-20
Jesus erläutert noch einmal, dass allein die durch seine Worte sich offenbarende Herzenshaltung einen Menschen zu verunreinigen vermag, nicht jedoch der Konsum von Lebensmitteln oder die Nichteinhaltung rein religiöser Verordnungen.


Inhalt
1-9 Schon die ersten drei Verse dieses Abschnitts offenbaren den brennenden Eifer, die Arroganz und die Blindheit der Pharisäer und Schriftgelehrten. Sie, die führenden Köpfe der damaligen Staatsreligion, machten sich vom fast 160 km entfernten Jerusalem auf den Weg, um den Sohn Gottes(!), der sich noch in Genezareth aufhielt, wegen einer unwesentlichen Übertretung der Regularien ihres Hohen Rates zu rügen. Eine Übertretung zudem, die er nicht einmal selbst begangen und damit persönlich zu vertreten hatte, sondern seine Jünger. Doch der Rat der Ältesten, der jüdische Senat, heute wohl am ehesten vergleichbar mit einer Mischung aus Bischofskonferenz und Bundesrat, hatte es auf Jesus persönlich abgesehen. Nur, um fragen zu lassen, warum sich die Jünger Christi vor dem Brotgenuss nicht die Hände wüschen, wurde eigens eine Gefolgschaft aus dem Tagereisen entfernten Jerusalem entsandt. Was für ein Aufwand für solch eine Lappalie!

Doch Jesus schaut hinter die Fassade der Religiösität und beantwortet ihre Frage nach der rituellen und nur äußerlichen Reinheit mit einer Gegenfrage nach der beziehungsmäßigen und damit inneren Unreinheit ihrer von Geldgier zerfressenen Herzen. Er hält ihnen vor, dass sie, um ihre selbstsüchtigen Regeln einzuhalten, das 4. Gebot des Ewigen achtlos übertreten: Anstatt die eigenen Eltern in der Hilflosigkeit des Alters liebevoll zu versorgen, halten sie die religiösen Massen an, mit ihrem Geld die Opferstöcke ihrer Synagogen zu füllen.

Sie sind religiös, nicht gläubig. Sie lehren menschliche Regeln, nicht Gottes Gebote. Sie ehren Gott mit äußerlichen, kalten Lippenbekenntnissen, nicht mit innerlicher, herzlicher Liebe. Darum ist, wie es der Prophet Jesaja bereits von Ihnen vorhergesagt hat, auch ihr Gottesdienst vergeblich.

10-14
Nachdem er die Pharisäer zurechtgewiesen hat, ruft Jesus die Bürger Genezareths zu sich, um die Irrlehre der Pharisäer zurechtzurücken. Dazu ermahnt er die Menge, ihm nicht nur zuzuhören, sondern mitzudenken, um zu verstehen, was er sie lehren will: dass nämlich wahre Reinheit eine innerliche und keine äußerliche Angelegenheit ist und dass sie nicht von außen zerstört werden kann, etwa durch etwas, das der Mensch isst oder trinkt. Vielmehr ist es so, dass das, was ein Mensch äußert und von sich gibt, anzeigt, wes Geistes Kind er ist: Das gesprochene Wort offenbart die Reinheit oder Unreinheit des menschlichen Herzens; nicht, was er isst oder trinkt.

Aber genau diese Wahrheit ist es, diese Wahrheit, welche die Sinnlosigkeit der rein äußerlichen Satzungen seiner Zeit offenbart, über die die machthabenden Pharisäer sich so aufregen, weil sie ihr System aus religiöser Macht, Psycho-Druck und Geldgier unterminiert. Und so fragen seine Jünger Jesus, ob er sich dieser gefährlichen Tatsache überhaupt bewusst sei. Doch Jesus, anstatt sich vor dieser in Bälde tatsächlich lebensbedrohlichen Reaktion seiner Feinde zu fürchten, blickt in die Zukunft und sieht das wahre Ende dieser Konfrontation: die Pharisäer werden wie Unkraut aus dem Weinberg Gottes gerissen. Und so weist er seine Jünger an, sich nicht weiter um die verärgerten Kontrahenten zu kümmern, sondern sie, zur ungehinderten Entfaltung des Gerichtes Gottes, sich selbst zu überlassen. In ihrer geistlichen Blindheit werden sie so zwar ihren Willen bekommen, das ist, sich als Führer anderer Blinder zu etablieren, doch genau diese Freiheit in der Ausübung ihres ungehorsamen Willens wird es sein, die sie letzlich ins Verderben stürzen wird. Das ist ein hartes und tiefes Wort und verdient unsre doppelte Aufmerksamkeit.

15-20 Zwar hatte Jesus das Volk und mit ihm auch seine Jünger ermahnt, ihm nicht allein zuzuhören, sondern auch aktiv mitzudenken, um zu verstehen, was er sie lehrte, doch Petrus stand irgendwie noch auf dem Schlauch und so wünscht er sich eine genauere Erklärung dessen, was er für ein Gleichnis hält.

Jesus, ein wenig überrascht über die Kurzsichtigkeit seiner Schüler, nimmt sich die Zeit und macht sich mit schier endloser Geduld und ohne Vorwurf auf, ihnen nochmals zu erklären, was er bereits erklärt hatte: dass alles Verspeiste durch den Verdauungstrakt wandert und letztlich im Klärwerk landet. Und dass das, was den Menschen wirklich verunreinigt, aus seinem Herzen kommt und sich in seiner Sprache verrät. Und er erklärt es noch genauer: was den Menschen aus Gottes Sicht verunreinigt, das ist seine Herzenshaltung.

Denn alle unsere Sünden, seien es die des Mörders, des Ehebrechers oder des Wüstlings oder die des Diebes, des Lügners oder des Blasphemikers, sie alle entspringen unserem Innersten: unserer von der Sünde verbogenen Neigung, in rebellischer, egozentrischer Autonomie das Böse zu wollen, anstatt in stillem, liebenden Gehorsam das Gute zu tun, das Gott uns geboten hat. Aus genau diesem Grunde warnt schon König Salomo der Weise seinen Sohn "Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben!" (Spr 4,23).

Und, als ob er ganz sicher gehen wollte, richtig verstanden worden zu sein, sagt Jesus es noch einmal ganz ausdrücklich: "mit ungewaschenen Händen essen macht den Menschen nicht unrein" oder mit anderen Worten: Die Äußerlichkeit ritueller Handlungen - und dazu zählen auch für uns heute Gottesdienstbesuche oder Spenden - haben keinen Einfluss auf die Reinheit unseres Herzens.


Praktische Anwendung

1. Bewahre Dein Herz rein und achte auf verräterische Worte Deines Mundes
2. Prüfe Deine Motive, Ziele und Entscheidungen jederzeit an Gottes Wort
3. Freue Dich an Gottes Gaben: lebe befreit von rein menschlichen Zwängen


[Predigt als MP3]

Sonntag, 17. Juni 2012

Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut (Matthäus 13:36-43)

Text

36 Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. 37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist's, der den guten Samen sät. 38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. 39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. 40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre!


Kommentar

36a Nach einem wohl anstrengenden Tag entlässt Jesus das Volk. Er ist souverän und Er allein definiert, wann Er spricht und wann Er schweigt. Jesus führt das Volk, Er wird nicht geführt und lässt sich nicht führen, denn Er ist der Mensch gewordene Gott.

36b Wir haben die Gleichnisse Jesu vielleicht schon so oft gehört oder gelesen, dass uns das Unverständnis der Jünger fremd ist, ja beinahe begriffsstutzig vorkommt. Die Jünger jedoch waren die ersten Menschen in der Geschichte, die dieses Gleichnis hörten. Für sie war zwar sicher verständlich, dass die Erzählung, rein von der ackerbaulichen Perspektive betrachtet, vollkommen Sinn machte: Der Weizen sollte geschont werden, indem sicher gestellt wurde, dass am Ende nur das deutlich erkennbare Unkraut vernichtet wurde. Doch worauf Jesus mit diesem Bild hinaus wollte, das war ihnen allen völlig verborgen. Und so bitten sie Ihn um eine Erklärung.

Und obwohl Er sicher müde war von einem Tag an dem er sich mit dem Stolz und der Bosheit der Pharisäer auseinandersetzen musste und den Rest des Tages gelehrt hatte - und wer schon einmal einen Tag am Stück referiert hat weiß, von welcher Erschöpfung hier die Rede ist - nimmt Jesus sich die Zeit, seinen Jüngern zu dienen und Ihnen alles zu erklären, worum sie ihn bitten.

37-39 Jesus leitet daraufhin seine Auslegung mit einer Übersicht über die Bedeutung der Bilder im Gleichnis und deren Abbildung auf reale Subjekte und Objekte ein und definiert so, was was und wer wer ist. Dies tut er so effizient, dass ein Kommentar an dieser Stelle nur noch eine Wiederholung des von Jesus Gesagten sein könnte; daher kann auf eine Auslegung der Verse 37-39 an dieser Stelle getrost verzichtet werden.

40 Dann schlägt er, mit einem "so, wie..." die Brücke zwischen Bild und Realität. Dabei setzt Er den Fokus gezielt auf die Objekte und Handlungen, die für im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit stehen sollen, weil sie das Motiv für das Gleichnis bilden: Das Unkraut, das Feuer und das Ende der Welt.

41-42 Jetzt erst beginnt Jesus mit der Erläuterung der Handlungen der Subjekte und Objekte und macht somit die Botschaft des Gleichnisses verständlich: Am Ende der Welt wird ein schreckliches Gericht über all diejenigen herein brechen, die zwar am Anfang so aussehen mögen, wie echte junge Kinder Gottes, deren Verhalten und Taten jedoch, je länger, je mehr, deutlich macht, wer sie wirklich sind: sie brechen Gottes Gebote indem sie Unrecht verüben und Menschen, wie die Pharisäer es taten, vom Glauben abhalten an die Gnade, Barmherzigkeit und Liebe Gottes und Seine Erlösung allein aus Gnaden und ohne Werke. Diese Heuchler werden mit unwiderstehlicher Gewalt von den Engeln Gottes an einen Ort der Qual verbannt werden, an dem diese Menschen ihre gerechte Strafe empfangen, die so schmerzhaft ist, dass sie jammern und wehklagen werden. Das Schlimmste aber wird sein, dass sie sehen werden, was sie in ihrem Stolz ausgeschlagen haben: sie werden die Herrlichkeit und die Glückseligkeit der Gerechtfertigten sehen können (vgl. Lk 13,28), die demütig ihre Schuld bekannten und von Gott begnadigt und verherrlicht wurden. Das wird sie vollends zerknirschen.

43a Obwohl das Bild des Gleichnisses mit dem Gericht endet und die Auslegung somit eigentlich zu ende ist, fügt Jesus noch zwei weitere Sätze an. Zum Ersten: Das Gericht Gottes ist zwar das Zentrum dieses Gleichnisses, aber es ist nicht Gottes letztes Wort. Gottes letztes Wort ist das Evangelium, die gute Nachricht von Seiner Gnade und Barmherzigkeit und davon, was das Ende der Schöpfung sein wird: Menschen, die Ihm gleich sind, wie Er es zu Beginn der Schöpfung geplant hatte (1Mo 1,26) und die, wie Er, strahlen, wie die Sonne (Apg 26,13, Offb 1,14) - zu Seiner Ehre (Jes 43,7).

43b Jesus beendet diesen Tag mit einer einzigen Aufforderung: Alle, aber auch wirklich *alles* was Er gesagt und gelehrt hat, ist ernst zu nehmen, es ist absolut ernst zu nehmen, weil es in allem Gesagten um nicht mehr und nicht weniger geht, als unser ewiges Heil.

Dazu hat Gott uns Ohren gegeben, dass wir auf Ihn hören, wenn Er spricht. Er allein ist der allein Weise, Allwissende und Allmächtige (Joh 21,17, Hi 42,2). Er ist am Ende der Tage der Richter über unser Leben. Und von Seinem Urteil hängt aboslut alles ab. Ohne Christus: unsere ewige Verdammnis für unsere Gottlosigkeit und den sich daraus ergebenden Lebenswandel. Mit Christus: unser ewiges Glück und immerwährende Herrlichkeit. (Das Gleichnis zu dieser Auslegung findet sich hier.)

Sonntag, 18. März 2012

Matthäus 12,43-45 - Von der Rückkehr des bösen Geistes

Text
43 Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten, sucht Ruhe und findet sie nicht. 44 Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und geschmückt. 45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andre Geister, die böser sind als er selbst; und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und es wird mit diesem Menschen hernach ärger, als es vorher war. So wird's auch diesem bösen Geschlecht ergehen.
 Kommentar 
Im vorliegenden Abschnitt geht es um einen Sachverhalt, der uns modernen Menschen fremd, naiv und altertümlich erscheint. Und das in einer Zeit, in sich das Interesse an Dämonen auf einem nie gekannten Hoch befindet, wie viele Kinofilme und TV-Sendungen beweisen. Wächter der Nacht - Nochnoi Dozor, Buffy - Im Bann der Dämonen oder Supernatural sind dabei nur einige davon.
Natürlich erheben die genannten Filme und Serien keinen Anspruch auf Realitätsnähe, Glaubwürdigkeit oder Wissenschaftlichkeit, sondern zielen im Gegenteil vielmehr auf die Neugier, den für einige Menschen offenbar anregenden Effekt des Gruselns und vor allem auf die Vermischung mit solchen Themen und Problemstellungen, wie sie wohl vom Publikum unserer Zeit als relevant betrachtet werden. 
Zudem werden Dämonen oft mit Gespenstern gleichgesetzt; Wesen die ihren angestammten Platz sicher in Fabeln oder Märchen haben. Vielleicht ist die weitläufige Überzeugung, dass so etwas wie Dämonen gar nicht real existieren kann, auch großteils der Fiktionalität der genannten Werke zu verdanken, welche dem Zuschauer ja gerade durch ihre bewusste Realitätsferne suggerieren, dass es das hier Gezeigte sicher so nicht gibt.
Nimmt man dazu noch die übermäßige Wissenschaftsgläubigkeit der Postmoderne, die fast einer Ersatz-Religion gleichkommt, so ist es beschlossene Sache, dass es sich bei den hier in Gottes Wort genannten Dingen nur um Fabeln handeln kann. Doch ist das wirklich sicher? Wurde das irgendwann und irgendwo bereits - wissenschaftlich! - bewiesen? 
Muss die Wissenschaft bei näherer Betrachtung nicht vielmehr die Tatsache anerkennen, dass sie längst nicht auf alle Fragen eine Antwort hat, sondern dass hinter Ihrer Fassade aus vermeintlich einheitlicher Erkenntnis des Kosmos, große Löcher klaffen? Titelte nicht erst im Januar diesen Jahres das rennomierte Magazin spektrum der wissenschaft über die Lücken unserer Welterkenntnis mit  "Die Physik - ein baufälliger Turm von Babel" ? (1). 
Ich persönlich denke, wir sollten mit unserem Urteil über supernaturale Dinge, die sich - definitionsgemäß! - unserer Erkenntnis und der Meßbarkeit mit wissenschaftlichen Apparaturen entziehen, etwas demütiger umgehen und uns eingestehen, dass es sehr wohl Dinge geben kann, die wir [noch] nicht wissenschaftlich erfasst und erkannt haben.
Doch zurück zur Geschichte.
Was bisher geschah:
"ein Besessener [wurde] zu Jesus gebracht, der war blind und stumm; und er heilte ihn" (2). "Aber [...] die Pharisäer [...] sprachen [...] : «Er treibt die bösen Geister ... aus ... durch Beelzebul»" (3) Woraufhin Jesus Ihnen entgegnete "wer [...] gegen den heiligen Geist redet, dem wird's nicht vergeben" (4) und ihnen aus diesem Anlass klar macht: "wie könnt ihr Gutes reden, die ihr böse seid?" (5). Daraufhin stellten sich die Pharisäer freundlich und heuchelten: "Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen." (6). Doch Jesus, der ihr Schauspiel durchschaute, entgegnete Ihnen: "Die Leute von Ninive werden [Euch] verdammen; denn sie taten Buße" (7) und "Die Königin vom Süden wird [Euch] verdammen, denn sie kam [...], um [...] Weisheit zu hören" (8).

Kurz: Es geht um das heuchlerische, verstockte, arrogante und unbußfertige Herz der Pharisäer, welches in ihren Worten & Taten sichtbar wird.

Was Jesus angesichts dieser Herzenshaltung zu sagen hat ist folgendes:

43-44a Die von Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes durchgeführte Dämonenaustreibung ist nur die halbe Miete. Denn sie schickt den Dämon in eine geistliche Wüste voll Rastlosigkeit, die den Wunsch in ihm wachsen lässt, wieder den Körper zu besetzen, aus dem er ausgetrieben wurde.

44b-45a Ist nun dieser Körper herrenlos, wie ein leer stehendes Haus, d.h. wohnt nicht der Heilige Geist darin, in dessen Nähe sich kein Dämon traut, so wirkt sich die Austreibung und oberflächliche Reinigung dieses Menschen verheerend für ihn aus: Seine körperliche Hülle ist jetzt als Wohnung für Dämonen noch viel attraktiver, so dass der Ausgetriebene eine Vielzahl seiner Artgenossen mit sich bringt und es sich in seinem Opfer so erst recht gemütlich macht. Die Folge ist, dass es um so einem Menschen nachher viel schlimmer noch bestellt ist, als zuvor, denn: Vor der vollmächtigen Befreiung durch Christus war der Geheilte "nur" blind und stumm. Doch Jesus zeigt auf: es kann ohne eine nachfolgende und echte Umkehr noch viel schlimmer kommen; wie uns an anderer Stelle am Beispiel des Besessenen Geraseners berichtet wird. (9)
Zur vollmächtigen Austreibung eines Dämons durch die Kraft des Heiligen Geistes, gehört also immer auch die nachfolgende Innewohnung des Heiligen Geistes, der allein Garant dafür ist, dass die Dämonen nicht zurück kommen.

45b Wie dem im hypothetischen Beispiel genannten Menschen, so wird es auch der Generation gehen, die Christus gegenübersteht: Eine Generation, die Ihm die Stirn bietet und Ihn lästert, statt umzukehren von ihrer Heuchelei, Verstockung und Arroganz - statt Seine Wahrheit anzunehmen und nach Seiner Weisheit zu fragen. Alles Wirken Christi wird für sie nicht nur umsonst sein, sondern die Wirkung auf das Volk wird, ohne den Heiligen Geist in Ihnen, verheerend sein: mit ihnen wird es noch ärger werden, als es schon vorher war.
 _____
(1) Eine gute Zusammenfassung der Erkenntnis findet sich hier .
(2) Matthäus 12:22
(3) Matthäus 12:24
(4) Matthäus 12:32
(5) Matthäus 12:34
(6) Matthäus 12:38
(7) Matthäus 12:41
(8) Matthäus 12:42
(9) Lukas 8:26-39, Markus 5:1-20