Dienstag, 9. Juni 2026

Johannes Evangelium 7,44-52

 


Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Der Unglaube der Verantwortlichen

Nach Jesus’ Rede, wie unser Durst nach Leben bei ihm gestillt werden kann, der Diskussion über seine Identität und dem misslungenen Versuch, ihn gefangen zu nehmen, kamen die Gerichtsdiener mit leeren Händen zurück. Auf die Frage, warum sie ihn nicht verhaftet hätten, sagten sie ehrlich: »So haben wir noch nie jemanden reden hören!«

Das passte den Pharisäern gar nicht! Anstatt nach der Wahrheit zu fragen, versuchten Sie, ihnen ihre eigene Sicht aufzuzwingen. Dazu behaupteten sie, sie seien einer Täuschung zum Opfer gefallen und „bewiesen“ das mit der Mehrheit der Mächtigen: es gäbe im Hohen Rat niemanden, der Jesus Glauben schenke. Die einzigen die das täten seien die ungebildeten und von Gott verfluchten Massen.

Doch das stimmte nicht. Unter ihnen gab es jemanden, der Jesus Fairness wünschte: Nikodemus, der Jesus schon einmal besucht hatte, um von ihm zu lernen. Nikodemus versuchte, seine Kollegen im Hohen Rat zur Vernunft zu bringen – die Debatte von der Machtfrage zurück zur Wahrheitsfrage zu lenken. Sein Argument: erst einmal muss man jemanden anhören, bevor man ihn zurecht verurteilen kann.

Doch seinen Kollegen ging es nicht um die Wahrheit; nicht um eine faire Prüfung. Darum zielten sie mit ihrer klassischen Taktik gegen die Person, statt auf die Sache. Mit ihrem »Du kommst wohl auch aus Galiläa?« versuchten sie, ihn in ein schlechtes Licht zu stellen; als sei er ein Komplize von Jesus. 

Und dann als „Sachargument“, er solle doch mal selber nachforschen, dann würde er schon dahinterkommen, dass der Messias nicht in Galiläa geboren würde – was zwar stimmte; aber das Argument war zu etwas ganz anderem da: ihn vor versammelter Mannschaft als dumm erscheinen zu lassen. Ironischerweise traf ihr Argument sie selbst, denn hätten sie selber nachgeforscht, hätten Sie erkannt, dass Jesus tatsächlich nicht in Galiläa, sondern in Bethlehem geboren wurde.

So geht man auch heute noch oft mit der Wahrheit um: man sucht nicht nach ihr, hört ihr nicht zu, sondern unterdrückt sie mit Macht, und versucht, diejenigen mundtot zu machen, die einem widersprechen, indem man die Person angreift; sie unglaubwürdig und lächerlich macht.

O-Ton: Die Gerichtspolizisten kehrten wieder zurück. Die führenden Priester und die Pharisäer fragten sie: »Warum habt ihr ihn nicht mitgebracht?« Die Männer antworteten: »So wie dieser Mensch hat noch keiner gesprochen.« 

»Ihr habt euch also auch von ihm hinters Licht führen lassen!«, sagten die Pharisäer. »Gibt es denn unter den Mitgliedern des Rates oder den Pharisäern einen Einzigen, der seinen Anspruch ernst nimmt? Die Menge tut es. Sie kennt Gottes Gesetz nicht und steht deshalb unter seinem Fluch.« 

Da sagte Nikodemus, der selbst Pharisäer und Ratsmitglied war und der Jesus früher einmal aufgesucht hatte: »Ist es nach unserem Gesetz möglich, einen Menschen zu verurteilen, ohne dass wir ihn verhört haben? Erst muss doch festgestellt werden, ob er sich strafbar gemacht hat.« 

»Du kommst anscheinend auch aus Galiläa«, erwiderten sie. »Lies die Heiligen Schriften genauer, dann wirst du sehen, dass der erwartete Prophet nicht aus Galiläa kommt.« (Joh 7,45-52 GNB)