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Freitag, 14. November 2025

Johannes Evangelium 4,27-34

 


Das Buch der Zeichen - Jesus und die Frau aus Samarien (3): Mundpropaganda & Seelenfutter

Ganz offensichtlich waren seine Schüler zumindest verwundert, dass Jesus mit der Frau am Brunnen sprach; wenn es sie nicht sogar störte. Ob das daran lag, dass es in der Antike keine Gleichberechtigung gab oder dass die Frau aus Samarien war — für viele Juden eine religiöse Gegengruppe! — ist unklar. Dennoch wissen Sie instinktiv, dass Jesus immer nur das Gute tut, auch wenn es ihnen vielleicht gegen den Strich geht. Also lassen Sie ihre Fragen stecken.

Die Frau wiederum ist so begeistert über das, was sie gerade – über sich selbst und über Jesu Identität – gehört hat, dass sie alles stehen und liegen lässt. Sie läuft ins Dorf und redet mit genau den Leuten, denen sie bis jetzt so erfolgreich aus dem Weg gegangen ist. Und sie begeistert sie für genau die Frage, deren Antwort sie selbst so begeistert hat: ist Jesus wirklich der Messias?

Während die Frau ins Dorf unterwegs ist, kommen seine Schüler zurück. Und sie machen sich Sorgen, dass Jesus ihnen verhungert. Sie hatten ja gerade Brot aus dem Dorf mitgebracht. Und so drängen Sie ihn, doch etwas zu essen. Doch die Antwort, die sie bekommen ist so unerwartet, wie typisch für Jesus: er spricht in Bildern! Er redet von etwas zu essen, von dem sie keine Ahnung haben. 

Doch, weil sie ihn zu wörtlich nehmen, missverstehen sie, was er sagt. Sie glauben, jemand hätte ihm, während sie noch im Dorf waren, etwas zu Essen gebracht. Als Jesus das merkt, erklärt er ihnen, was er gemeint hat. Dass das, was ihn im Innersten satt macht, etwas ganz anderes ist. Nämlich, Gottes Willen zu tun; im Einklang mit ihm seinen Plan umzusetzen, für den er zu uns geschickt wurde: um uns zu retten.

O-Ton: In diesem Augenblick kehrten seine Jünger zurück. Sie wunderten sich, ihn im Gespräch mit einer Frau anzutreffen. Aber keiner fragte ihn: »Was willst du von ihr?«, oder: »Worüber redest du mit ihr?« 

Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, ging ins Dorf und sagte zu den Leuten: »Da ist einer, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Kommt mit und seht ihn euch an! Ist er vielleicht der versprochene Retter?« Da gingen sie alle hinaus zu Jesus. 

Inzwischen forderten die Jünger ihn auf: »Rabbi, iss doch etwas!« Aber er antwortete: »Ich lebe von einer Nahrung, die ihr nicht kennt.« Da fragten sie einander: »Hat ihm vielleicht jemand etwas zu essen gebracht?« Jesus sagte zu ihnen: »Meine Nahrung ist, dass ich dem gehorche, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende. (Joh 4,27–34)

Montag, 3. November 2025

Johannes Evangelium 3,31–36

 


Das Buch der Zeichen - Gottes Sohn bringt das Leben

Noch einmal erklärt Johannes, warum er ohne Probleme hinter Jesus zurück tritt: Jesus ist niemand geringeres, als Gott in menschlicher Gestalt. Er kommt vom Himmel. Und darum steht er meilenweit über uns. Johannes dagegen ist nur ein Mensch, wohnt auf der Erde und kann alles nur aus irdischer Sicht beurteilen. Jesus aber kann, weil er dort wohnt, mit Vollmacht über den Himmel reden: weil er alles mit eigenen Augen gesehen hat und alles, wovon er spricht, mit eigenen Ohren gehört hat.

Und obwohl das so ist, hört kaum jemand auf ihn; es ist zum Schreien. Gott, der Vater schickt seinen Sohn, um uns zu retten. Und durch den Heiligen Geist hat Jesus unbegrenzte Weisheit und Macht — er tut Wunder, wie niemand vor oder nach ihm! — und doch ignorieren wir, was er uns von Gott, dem Vater zu sagen hat. Die wenigen aber, die auf ihn hören, bestätigen ihm mit Brief und Siegel, dass Gott nichts als die Wahrheit sagt.

Am Ende spitzt Johannes der Täufer seine Rede auf einen einzigen, ja den zentralen Punkt der Entscheidung zu: Gott, der Vater hat Seinen Sohn nicht „einfach mal so“ geschickt, sondern mit ultimativer Autorität. Wer auf ihn vertraut, wird ewig leben. Wer seine Worte jedoch achtlos in den Wind schlägt, wird das ewige Leben nicht zu Gesicht bekommen, sondern bleibt zu Recht, wie unter einem Damoklesschwert, unter Gottes Zorn.

O-Ton: „Er, der von oben kommt, steht über allen. Wer von der Erde stammt, gehört zur Erde und redet aus irdischer Sicht. Er aber, der vom Himmel kommt, bezeugt das, was er dort gesehen und gehört hat.

Doch keiner hört auf ihn. Wer auf ihn hört, bestätigt damit, dass Gott die Wahrheit sagt. Der von Gott Gesandte spricht ja die Worte Gottes, denn Gott gibt ihm seinen Geist in grenzenloser Fülle. 

Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer sich an den Sohn hält, hat das ewige Leben. Wer nicht auf den Sohn hört, wird niemals das Leben finden; er wird dem Zorngericht Gottes nicht entgehen.“ (Joh 3,31–36)

Sonntag, 7. April 2024

Sünde - Eine Predigt über Menschengebote, Heuchelei, falsch verstandene Freiheit, Werkgerechtigkeit und das Evangelium

[Predigt als MP3]

Einleitung

Ein super komplexes Thema, das sich leider durch alle Lebensbereiche zieht: Sünde. Und auch ein super grundlegendes Thema, weil es den Kern unseres Glaubenslebens berührt. Und wenn ich ehrlich bin, ich habe mir in der Vorbereitung schon so ein bisschen in die Hosen gemacht, weil ich möchte schließlich Gottes Wort predigen und nicht meine eigenen Ansichten. Gerade wenn es um etwas geht, was so zentral ist. 

Ich habe mit dem Joey ein bisschen Zeit haben dürfen zur Vorbereitung. Das war schon mal die halbe Miete, als ich da rauskam, da war ich, Joey weiß das bestimmt noch, froh und begeistert. Und dann habe ich mich zu Hause hingesetzt. Also ich mache das dann meistens vor der Predigt, dass ich mich in der Woche vor der Predigt morgens sozusagen in der stillen Zeit mit eben diesem Thema beschäftige.

Und da habe ich dann unter anderem auch mal das Bibellexikon aufgeklappt. Da stehen ja meistens so knackige Definitionen drin. Ja, dann schlägst du auf: "Sünde" und dann kommt halt nicht eine kurze, knackige Definition. Dann kommen zwei komplette Seiten Bibellexikon nur zu diesem Thema. Und summa summarum: auch das Bibellexikon sagt unter vielen anderen Dingen, die es auf diesen zwei Seiten sagt: dass das ein hochkomplexes Thema ist und dass selbst die Heilige Schrift die Sünde nicht definiert, sondern nur in vielen, vielen Begebenheiten beschreibt.

Und trotzdem möchte ich heute mit uns gemeinsam darüber nachdenken, was Sünde von ihrem Wesen her ist. Und ich möchte gemeinsam mit euch anschauen, in welcherlei Gestalt sie daherkommen kann. Und zwar jetzt nicht an konkreten Fallbeispielen, wie zum Beispiel, Heroinsucht oder sowas, sondern eher in "Behältern".

Und da könnte man jetzt natürlich fragen "Ja, Michi, wieso machst du das?" Manche von uns, die sind noch länger im Glauben als du. Glaubst du wirklich, dass wir das noch nicht begriffen hätten, was Sünde ist? Nee, das glaube ich nicht. Also, ich glaube nicht, dass sie es nicht begriffen habt, wenn ihr mir folgen könnt. Aber ich merke es bei mir selber auch: Man ist halt als Mensch nicht davor gefeit, dass man trotz vielen Jahren dem Glauben bei manchen Sachen so ein bisschen Schieflage bekommt. Und gerade weil es so ein zentrales Thema ist, kann jede Schieflage, die in diesem Bereich auftritt, verheerende Folgen haben.

Und von daher wünsche ich mir wirklich von Herzen, dass ihr heute Gottes Stimme in euren Herzen hört, dass ihr von Gott her erkennt, an welcher Stelle ihr gemeint seid. Und zwar nicht, weil ich euch ein schlechtes Gewissen wünsche, sondern weil ich euch Versöhnung wünsche: Frieden, Freude, Gemeinschaft mit Gott und mit euren Nächsten. 

Übersicht

  • So, also einsteigen, wie gesagt, würde ich gerne mit dem Versuch einer Definition von Sünde. Das ist diese Überschrift. Was ist Sünde? 
  • Und danach möchte ich anhand von Beispielen drei Erscheinungsformen, also nicht drei partikulare Sünden, sondern drei generelle Erscheinungsformen von Sünde vorstellen. Weil ich kann ja nicht alle vorstellen. Dann könnten wir 52 Predigten machen und es würde immer noch nicht reichen.
  • Und ich würde diese drei Erscheinungsformen von Sünde dann gerne unter drei verschiedenen Blickwinkeln betrachten, nämlich unter dem Blickwinkel der Autorität, dem Blickwinkel von Wille und Freiheit und dem Blickwinkel von Beziehungen. Das sind auch bestimmt nicht alle Ebenen, zu denen man da was sagen könnte. Aber es sind mal drei, von denen ich glaube, dass sie ganz wesentlich sind. Also die Blickwinkel, unter denen ich diese drei Erscheinungsformen anschauen möchte, sind Autorität, Wille und Freiheit und Beziehung.
  • Und die drei Erscheinungsformen, zu denen ich etwas sagen möchte, das sind einmal 
    • Menschengebote und Heuchelei. Und da möchte ich mir gemeinsam mit euch anschauen: Was machen eigentlich Menschengebote mit uns im Gegensatz zu Gottes Geboten und vor allem dann, wenn sie entweder, wenn sie entweder als Ergänzung oder gar als Ersatz zu Gottes Geboten daherkommen. Und da möchte ich zwei Varianten mit euch betrachten, nämlich einmal die Enge, die dadurch entsteht, und auch die Heuchelei, die Falschheit, die dadurch entsteht. 
    • Die zweite Erscheinungsform, die ich mit euch anschauen möchte, ist Falsch verstandene Freiheit. Das ist, glaube ich, auch ein ganz modernes Thema, weil das Thema Freiheit ist ja momentan in aller Munde und da möchte ich uns fragen "Was macht falsche Freiheit mit uns?" Wohin führt sie? 
    • Und last but not least möchte ich gemeinsam mit euch anschauen Wie schaut es aus, wenn ich versuche, Gottes Gebote Mit eigener Kraft zu halten? Und da werden wir sehen, dass dieser Weg in die Verzweiflung führen muss.
  • Und zu jeder dieser drei verschiedenen Erscheinungsformen werde ich sicherlich auch noch mal, mal kürzer, mal etwas länger, etwas zu einem Weg sagen, wie man da rauskommt. Aber den Knaller habe ich mir für den Schluss aufgespart, weil zum Schluss möchte ich uns noch mal Das Evangelium sagen und diesmal vielleicht aus einem etwas anderen Blickwinkel. 
Lasst euch überraschen. Ich vermute, dass es für den einen oder anderen etwas ungewohnter Blickwinkel sein könnte, aber es ist auf jeden Fall ein biblischer Blickwinkel.

Was ist Sünde?

Was ist Sünde? Können wir jetzt auf einer ganz einfachen Ebene anfängt? Dann könnte man sagen Sünde ist entweder die aktive Übertretung von Gottes Gebot oder die passive Unterlassung. Und dann wäre ich mit meiner Predigt auch schon fertig. Das wäre jetzt mal so eine ganz kurze Definition, aber ich hoffe, wir werden noch sehen, dass das Thema wesentlich voluminöser ist.

Mal ganz kurz die wichtigsten Dinge, die ich mir da aus diesem Bibellexikon rausgezogen habe, sind erstmal die Wörter, die die gebraucht werden, um um Sünde zu beschreiben. Sünde ist ja jetzt ein Wort. Wenn ich euch fragen würde "Was ist die Wurzel von Sünde?2 Also wenn ich euch jetzt nach der etymologischen Bedeutung fragen würde, dann würden manche von euch sagen "Ja, das kommt von Sund oder tiefer Graben oder was weiß ich was." Also ich könnte es jetzt aus dem Stegreif nicht sagen, was das Wort Sünde überhaupt bedeutet, außer die Bedeutung, die wir alle mit uns herumschleppen.

Wenn man jetzt ins Alte Testament reinschaut und sich die Wörter anschaut, die dort im Zusammenhang mit Sünde verwendet werden, dann findet man Wörter mit Wurzeln, die in die Richtung gehen Zielverfehlung, Auflehnung, Verkrümmung oder Abirren.

Also Zielverfehlung: wie "Ich möchte irgendwo hin schießen und ich schieße daneben", zu kurz, zu lang, zu weit oder was auch immer; links und rechts daneben. Auflehnung: in Richtung Rebellion. Ich richte mich gegen eine Autorität und lehne mich auf. Verkrümmung (ich finde das Bild ganz schön), Sonnen und schwarze Löcher: Eine Sonne strahlt das Licht nach außen; ein schwarzes Loch krümmt den Raum so sehr, dass das Licht ins schwarze Loch zurückfällt. Und so ist es ja auch mit der Liebe und uns Menschen: Wir sind dazu geschaffen, zu lieben und Gottes Liebe, die wir empfangen haben, weiterzugeben und zu strahlen wie eine Sonne. Und das, was passiert als gefallene Menschen: Wir werden zu schwarzen Löchern und die einzigen, die wir dann noch lieben, das sind wir selbst. Also Verkrümmung. Und dann: Abirren, einfach vom Weg abkommen. Das sind jetzt mal nur so ein paar Wortbedeutungen aus dem Alten Testament.

Im Neuen Testament ist es ähnlich. Auch da wieder das Wort Zielverfehlung, also Harmatia, Zielverfehlung: daneben schießen. Ungehorsam hat auch was mit - man merkt schon, das spielt dieses Thema Autorität schon rein, weil Gehorsam heißt ja auch, dass mir jemand sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Und dann Gesetzlosigkeit. Da werden wir heute noch ganz konkret drauf kommen.

Das heißt, allein diese vielen Worte zeigen schon, dass Sünde auch begrifflich schwer zu packen ist. Sie ist Rebellion, sie ist Ungehorsam, sie ist Abfall von Gott. Und jede einzelne Sünde begründet eine Schuld. Und jede Schuld erfordert Bezahlung oder Genugtuung. Wenn man das jetzt alles zusammenfasst - und jetzt kommt mal mein Versuch ein erster Versuch, Sünde zu definieren -, dann würde ich sagen:. 

Sünde ist ein Hang in meinem Inneren, der Gottes Gebote nicht halten will und Gottes Gebote auch nicht halten kann. Sie ist der rebellische Missbrauch meiner von Gott gegebenen Freiheit, um Gottes Autorität den Rücken zu kehren und selbst zu definieren, was gut und was böse ist, bzw. mit eigener Leistung zu erreichen, was nur Gott schenken kann. Sünde ist damit auch und vor allem der Zerbruch der Beziehung zu Gott und damit die Ursache für den Verlust der Beziehung zu dem Einzigen, der allein vollkommen und gut ist.

Ich als Mensch bin nicht vollkommen und gut. Und ich verliere die Beziehung zu dem, der allein alle Weisheit hat; genügend Weisheit, um tatsächlich Gut und Böse definieren zu können. Wogegen ich mir sehr wohl bewusst bin, dass ich begrenzt bin und fehlerhaft. Und ich verliere die Beziehung zu dem, der alle Macht hat, insbesondere die Macht, das vollkommen Gute zu bewirken. Meine Macht ist begrenzt und meine Gutheit ist dahin, sage ich mal seit dem Sündenfall.


Menschengebote und Heuchelei

Aber wie tritt jetzt die Sünde in Erscheinung? Fangen wir mal an mit der Erscheinungsform von Menschengeboten. Ihr seht, da hinten, das sind die zwölf Gebote. Ich hoffe, euch fällt was auf. Ja, also, das machen wir Menschen ja gerne, insbesondere der religiöse Mensch: dem sind Gottes Gebote gar nicht genug. Das muss man alles noch viel feiner ausdetaillieren. Und da wissen wir ja auch: die Pharisäer waren da Weltmeister drin. Ich weiß gar nicht mehr: es gab über 600 verschiedene Vorschriften, die man damals als guter Pharisäer einzuhalten hatte. Und das haben die Pharisäer dann auch dem Volk auf den Buckel geladen.

Und Jesus hat sich über wenige Dinge in seinem Leben aufgeregt. Der ist beleidigt worden, der ist geschlagen worden, der hat sich gegen alle Sachen, die gegen ihn gerichtet waren, nicht mokiert. Aber wenn ihn eine Sache geärgert hat, dann waren das Selbstgerechtigkeit, Hochmut und eben auch: andere Menschen in die Enge zu führen. Da ist er laut geworden. Matthäus 23, Vers vier und fünf lesen wir: "Sie schnüren schwere, kaum tragbare Lasten zusammen und laden sie den Menschen auf die Schultern. Aber Sie selbst machen keinen Finger krumm, um sie zu tragen. Alles, was Sie tun, tun Sie nur, um von den Leuten gesehen zu werden."

Zwei Dinge fallen mir dabei ins Auge. Einmal die untragbaren Lasten und zum anderen die Heuchelei. Für mich bedeutet das: Wo immer wir Gottes aus Liebe Geborenen Geboten - und noch mal: schaut euch die zehn Gebote an; worum geht es da? Da geht es ausschließlich um Dinge, die dem Menschen gut tun. Das ist Gottes Ziel mit seinen Geboten, dass es uns gut geht. Was ist das große Doppelgebot? Es ist ein Gebot der Liebe: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten.

Aber dort, wo wir diesen aus Liebe geborenen Geboten unsere eigenen Gebote hinzufügen oder sogar Gottes Gebote durch sie ersetzen, da kommen wir in die Enge, da werden wir engstirnig, da nehmen wir uns und anderen die Luft zum Atmen; bürden uns und anderen untragbare Lasten auf.

Und dort, wo wir es mit Menschengeboten zu tun haben, da geht es auch meist gar nicht mehr um das Wesentliche an Gottes Gesetz, nämlich um Liebe, um Gerechtigkeit, um Barmherzigkeit und Treue, sondern dann geht es um Show. Da geht es darum, von anderen gesehen zu werden als moralisches Vorbild. Und alles, was echt ist: unsere Authentizität, unser wahres Wesen, verschwindet hinter einer Fassade von Äußerlichkeiten. Äußerlichkeiten, die mich und andere einengen und die nur ein Ziel haben, der religiösen Welt vorzuspielen, was ich für ein cooler Typ bin.

Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Sind wirklich nur die Pharisäer davon betroffen? Kennt ihr das nicht auch aus christlichen Kreisen? "Du sollst keinen Alkohol trinken." Wird dann meistens übrigens noch aus der Bibel begründet, weil da steht ja drin "Schau nicht in den Wein, wenn er so rot ist." Ja, da steht übrigens auch drin, "Darum hat Gott den Wein gemacht, dass er des Menschen Herz erfreue." Also da könnten wir jetzt schon die erste Diskussion anfangen. Wir werden einfach Dinge aus dem Kontext von Gottes Wort rausgerissen und absolut gesetzt. Ist übrigens auch typisch für Menschengebote. "Du sollst jeden Morgen stille Zeit machen." Nicht, dass das verkehrt wäre, aber spürt ihr was? Wenn das zum Gesetz wird, dann treibt es mich in die Enge. "Du solltest einmal im Jahr deine Bibel durchlesen." Es ist sicherlich gut, wenn ich da Freude dran habe und Gott mir das schenkt. Wunderbar. Aber wo steht das? "Du solltest vor dem Essen beten." Das sind mal so Kleinigkeiten. Ihr Lieben, mich hat das in die Enge getrieben. Ich habe früher immer gedacht, ich muss im Restaurant allen Leuten zeigen, dass ich ein Christ bin, weil sonst bin ich ein schlechter Christ. Also habe ich gebetet. Aber ich wollte eigentlich gar nicht. Heute, wenn ich das mache, mache ich das aus der Freiheit heraus. Ganz schlimm: "Du solltest jedem vergeben (auch denen, die dich gar nicht darum bitten)." Damit müsstest du heiliger sein als Gott, weil der vergibt nur denen, die ihn darum bitten; die umkehren und sagen "Vergib mir!"

Du sollst, du sollst, du sollst. Da gäbe es sicherlich 1000 Beispiele. Und deswegen möchte ich dich bitten, jetzt gerade mal darüber nachzudenken. Was ist es bei dir? Was sind diese Dinge, die dich einengen?

Ich hatte ja gesagt, dass ich alle Erscheinungsformen der Sünde einmal unter drei Blickwinkeln betrachten möchte: der Autorität, Wille und Freiheit und der Beziehung. Und wenn ich jetzt mal diese Erscheinungsform von Sünde als Menschengebote unter dem Aspekt der Autorität betrachte, dann wird klar: Allein Gott, der Schöpfer, hat die Autorität zu definieren, was gut und böse ist. Er allein hat die Autorität zu definieren, was wir tun sollen und was nicht. Und alle menschliche Autorität, die wir kennen, die leitet sich letztlich von seiner Autorität ab und ist von ihm so gestaltet worden. Gott hat den Staat eingesetzt und damit die Regierung. Gott hat die Familie und die Eltern eingesetzt über die Kinder. Und er hat auch in der Kirche Älteste eingesetzt. Das heißt, diese ganzen Autoritäten und Hierarchiestrukturen, die kommen letztlich von Gott.

Wenn wir uns jetzt also als Menschen erdreisten, Gottes Gebote zu erweitern und aus zehn, zwölf Gebote zu machen, oder was auch immer, oder 1000, oder Gottes Gebote gar zu verdrängen oder zu ersetzen. Ihr erinnert euch vielleicht an das Beispiel von den Pharisäern, die gesagt haben "Ja, also wenn du jetzt dein Geld dem auf dem Altar opferst, dann brauchst du deine Eltern im Alter nicht mehr zu versorgen." Das heißt, sie ersetzen die Nächstenliebe durch irgendein Menschengebot. Und wenn wir das tun, dann maßen wir uns Gottes Autorität an, nämlich die Autorität, definieren zu dürfen, was Menschen tun sollten und was nicht. Und die haben wir nicht. Das ist eine Erscheinungsform von Sünde.

Und vom Aspekt des Willens und der Freiheit betrachtet, führt diese Anmaßung in zwei Sackgassen. Zum einen als ernsthafter Empfänger dieser Menschengebote führen Sie mich genau ins Gegenteil von Freiheit. Sie führen mich in die Enge. Sie machen mich zum Gefangenen von Regeln, die über das hinausgehen, was Gott will, oder dem sogar zuwiderlaufen. Sie führen zu einem zerquetschten Gewissen. Und als ernsthafter Täter nehmen sie mir auch die Freiheit zu Authentizität. Ehrlich zu dem zu stehen, wer ich bin. Offen zu sein. Keine Masken zu tragen. Sie machen mich zum Heuchler. Und was noch schlimmer sein kann, wenn ich mir meine Ziele tief genug stecke, so dass ich sie dann auch erreichen kann, dann kommt dabei Selbstgerechtigkeit heraus. Das kennen wir auch von den Pharisäern. Ich weiß nicht, ob ihr solchen Menschen schon mal begegnet seid. Das ist furchtbar. Weil denen spürt man das. Ich hätte fast gesagt, die tragen so eine Aura mit sich rum, sie sind besser als der Rest der Welt. Schau mich an, ich bin der Gerechte. Wer bist du?

Und das bringt mich dann auch auf den Blickwinkel der Beziehung. Spürt ihr, wie sich das anfühlt? Mit solchen Menschen umgeben zu sein? Mit Menschen, die eine Maske tragen? Die nicht echt sind? Nicht wahrhaftig? Nicht authentisch? Mit Menschen, die sich besser fühlen als ihr? Ständig unter Beobachtung zu stehen. Wer von uns möchte gerne mit einem verlogenen Typen in einem Raum sein, der nur Show macht? Wer will gerne unter einem Damoklesschwert stehen, verurteilt zu werden, weil er nicht perfekt genug ist? Ich würde mal sagen Menschengebote und Heuchelei zerstören Beziehungen und das fühlt sich madig an!

Aber wo ist dann der Ausweg? Der Ausweg liegt hier, und wie immer bei der Sünde, in einer Umkehr; in einem bewussten, willentlichen und ernsthaften Neuanfang. Und der beginnt in diesem Fall erst mal mit der Freiheit, die mir in Christus geschenkt ist: dass ich dem Gesetz gestorben bin und [in/für] Christus lebe. Und das beginnt für den Selbstgerechten vielleicht auch mit der Erkenntnis der eigenen Anmaßung und Arroganz. Ich denke, der Weg der Umkehr, der hat immer diese Elemente Selbsterkenntnis, Umkehr, Reue und Vergebung. Aber davon später mehr.


Falsch verstandene Freiheit

Jetzt könnte man ja sagen: "Okay, haben wir erkannt; das ist jetzt also mal nicht der Weg, neue Gebote mit dazu zu machen; dann also bitte weg mit den Geboten." Das beste Beispiel und das kennen wir alle auch - und ich weiß nicht, Freddy hat mich, glaube ich, darauf aufmerksam gemacht - das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Da bin ich jetzt, glaube ich, der dritte, der da was zu sagt, aber es passt halt einfach. Und da wir das ja jetzt alle schon so oft gehört haben, haben wir es hoffentlich auch noch im Hinterkopf. Deswegen beziehe ich mich da bloß mal so hin und wieder drauf. Ich werde das ganze Gleichnis jetzt nicht vorlesen, aber nur mal kurz als Zusammenfassung:. 

Nummer zwei, der Jüngere, hat sich sein Erbe vorzeitig auszahlen lassen, ist in die weite Welt gezogen und hat die Kohle von seinem alten Herrn durchgebracht, als ob es kein Morgen gäbe. Und alles, was für ihn zählte, war Freiheit, maximaler Spaß. Und da könnte man ja auch fragen "Wo liegt denn da jetzt der Fehler?" Wir haben doch gerade eben gesehen, dass zu viele Gebote nicht gut sind. Dann müsste das doch jetzt die Lösung sein. Weg damit! Und ihr Lieben, es gibt viele Christen, die argumentieren genau so und sagen "Für mich gelten keine Gebote mehr, gar keine, nicht mal mehr die zehn Gebote oder das große Doppelgebot der Liebe." Warum? Ich bin ja frei vom Gesetz. Weg mit den Geboten.

Ihr Lieben, sollte das auf euch zutreffen, dann würde ich euch bitten: nehmt euch eure Bibel noch mal zur Brust und liest sie noch mal ganz genau durch. Weil in meiner Bibel steht, dass Gott ein Ziel hat, dass er von Anfang der Schöpfung bis zu ihrem Ende verfolgt: "Lasst uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei."; das ist im Paradies zerbrochen. Für die Schuld hat Christus am Kreuz bezahlt. Und was jetzt danach kommt in unserem Glaubensleben, ist ein Leben der Heiligung. Das ist ein Leben, in dem wir mehr und mehr verwandelt werden in sein Bild, bis wir ganz zum Schluss aufgenommen werden in die Herrlichkeit. Aber ganz sicherlich nicht ohne.

Aber gut, der jüngere Sohn hat das so gesehen: "Weg mit den Geboten!" Und wenn ich das jetzt mal unter dem Blickwinkel der Autorität betrachte, dann stellt sich da das Geschöpf gegen den Schöpfer, oder im Bild gesprochen der Sohn gegen den Vater. Definiert für sich eigenmächtig, was gut und böse ist. Und gut ist natürlich alles, was mir gefällt. Und erlaubt ist auch alles, was mir gefällt. Und so denkt sich der jüngere Sohn "Hauptsache, ich habe Spaß und ich kann tun und lassen, was ich will." Mein Glücksgefühl - und ihr Lieben, schaut euch die Gesellschaft heute bitte ganz genau an! - diesen Satz, den könnte ich der ganzen Gesellschaft auf die Stirn schreiben: "Mein Glücksgefühl ist mein oberstes Ziel." - "Mein Glücksgefühl ist mein oberstes Ziel." Nicht etwa die Liebe zu Gott oder Gottes Ehre.

Schaue ich mir das Ganze an unter dem Blickwinkel von Wille und Freiheit, dann merke ich, wenn ich genauer hinschaue: Da geht es eigentlich gar nicht um Freiheit. Da geht es um den Missbrauch von Freiheit. In Wirklichkeit geht es um Ichsucht, um Egoismus, um Hedonismus und um Genusssucht. Und diese Art von Gesetzlosigkeit, ihr Lieben, führt in die Falle und nicht in die Weite. Und ich habe das selber so in meinem Leben erlebt: Wenn man alles darf, dann macht man auch alles. Und manches davon treibt in Sucht und in Abhängigkeit. Bevor ich zum Glauben gekommen bin, war ich drogensüchtig und zwar richtig schick. Und da kommst du alleine so nicht raus. Das heißt, diese vermeintliche Freiheit, dieser Glaube tun und lassen zu können ohne Konsequenzen, was man will, der führt in die Enge, in die Falle, in die Sucht, in die Abhängigkeit. Paulus sagt es in Römer acht, Vers acht so, dass Menschen, die nur sich selbst dienen, Gefangene sind ihrer selbstsüchtigen Natur. Und ihr kennt vielleicht auch diesen Ausruf aus Römer sieben, Vers 24 "Ich unglückseliger Mensch, wer wird mich jemals aus dieser tödlichen Gefangenschaft befreien?"

Und alle Gesetze abzuschaffen, das macht auch etwas mit meiner Beziehung zu Gott. Denn Gott ist nicht nur Liebe. Das wird immer so gern zitiert: "Ja, Gott ist doch die Liebe." Wenn es mir dabei gut geht, was sollte er dagegen haben? Gott ist nicht nur die Liebe, ihr Lieben, Gott ist auch heilig. Und deshalb schreibt Paulus im Römerbrief "An denen, die Gefangene ihrer selbstsüchtigen Natur sind, kann Gott unmöglich Gefallen finden." Eben weil er heilig ist. Weil er das Böse nicht gutheißen kann. 

Und falsch verstandene Freiheit macht auch etwas mit meiner Beziehung zu meinem Nächsten. Sie macht sie kaputt. Und wer jemals die andere Seite von Ehebruch erlebt hat, also nicht als Täter, sondern als Opfer, der weiß, was ich meine. Und auch um noch mal das Gleichnis vom verlorenen Sohn aufzugreifen: Schaut euch mal den Vater an! Wie mag es dem gegangen sein; all die Jahre? Ich vermute, der es jeden Tag rausgegangen und hat gewartet. Jeden Tag sehnsüchtig, dass sein Sohn nach Hause kommt. Was macht das mit Beziehung? Oder der Bruder? Der schnappt sich der junge Bursche das halbe Erbe und schiebt ab; lässt ihn mit der ganzen Arbeit alleine. Was macht das mit Beziehung? Und auch da die Frage an dich: Wenn es also darum geht, alle Gesetze abzuschaffen, zu tun und zu lassen, was ich will: "Kennst du das?"

Auch hier die Frage: "Wo ist der Ausweg?" Ich denke, der Anfang des Auswegs liegt in der Erkenntnis, dass Freiheit und Selbstsucht zwei ganz verschiedene Dinge sind. Ich denke, sie liegt in der Erkenntnis, dass wahre Liebe Grenzen setzt und wahre Liebe sich an Grenzen hält, weil wahre Liebe nicht maßlos ist. 

Und was ist auch in diesem Fall, wie in allen anderen Fällen, braucht, um umzukehren, sind mehrere Wunder - und ich meinte es wirklich so, wie ich es sage: - mehrere Wunder; nicht Sachen, die schwierig sind, sondern Wunder. Das erste Wunder ist das der Selbsterkenntnis. In der Hoffnung für alle steht da im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Satz "Da kam er zur Besinnung." Und ich sage das ist ein Wunder, weil das ist nicht der normale Lauf der Dinge. Ich kenne viele, viele Menschen aus meinem früheren Bekanntenkreis, die haben sich so verrannt, aber die sind über all die Jahrzehnte nicht zur Besinnung gekommen. Das zweite Wunder ist die Umkehr. Der jüngere Sohn sagt "Ich will zu meinem Vater gehen (und so weiter und so fort)." Ich drehe um. Ich gehe den Weg zurück, den ich gekommen bin. Das dritte Wunder ist die Reue, das Bedauern eigener Fehlentscheidungen und Taten. Der nimmt sich vor zu sagen "Ich will ihm sagen Vater, ich bin vor Gott und vor dir schuldig geworden." Ihr Lieben, wie viel braucht das? Wie viel braucht das, bis ein Mensch dazu bereit ist: die Maske fallen zu lassen und zu dem zu stehen, was er ohne diese Maske im Spiegel sieht? Kein strahlendes, gottgleiches Antlitz. Und das vierte und sicherlich größte Wunder ist die Vergebung. Ich finde das so ein schönes Bild im Gleichnis vom verlorenen Sohn, weil so ist Gott: Der steht jeden Tag neu an der Straße und wartet jeden Tag von vorne. Und als der Sohn dann kommt: keine Vorwürfe, nicht ein Wort. Er umarmt ihn, weil er sich einfach nur freut, dass sein Kind wieder zu Hause ist. Und so möchte ich dich heute auch fragen: "Was spricht Gott in deinem Herzen? Heute ist der Tag zum Umkehren! Gott wartet."


Mit eigener Kraft

Ihr Lieben, wir haben gesehen, dass es keine Lösung ist, gottes Geboten eigene dazuzusetzen oder Gottes Gebote durch eigene zu ersetzen. Wir haben gesehen, dass es auch keine Lösung ist, Gottes Gebote abzuschaffen. Ja, was denn dann? Dann kann die Lösung doch nur noch sein, Gottes Gebote aus eigener Kraft zu halten. Und dann habe ich bei der Predigtvorbereitung gedacht: "Jetzt brauche ich aber mal ein gutes Beispiel." Und dann kam der Heilige Geist und hat mir auf die Schulter getippt und hat gesagt: "Das kennst du.!" Wie viele Jahre und Jahrzehnte habe ich versucht, es Gott recht zu machen? Wie viele Jahre und Jahrzehnte habe ich versucht, ein guter Christ zu sein? Und ihr Lieben, ich bitte euch, hört immer mit diesem Ohr zu: "Ist das 'meins'?" Wie viele Male bin ich daran gescheitert, aus eigener Kraft gerecht zu werden? Und wie viel unendliche Geduld hat Gott mit mir gehabt? Jahrzehnte habe ich immer wieder die gleichen Sorten von Versen gekriegt. Und übrigens, der Vers, den ich heute bekommen habe, der bedeutet mir wahnsinnig viel. Der ist für mich auch ein Zeichen dafür, dass es vorbei ist damit. "Hinds Feet on High Places"; krasses Buch; "Die Füße der Hinden auf den Bergen", oder?

Aber was hat Gott mir all die Jahre gesagt? Durch Gesetzeswerke wird kein Mensch vor ihm gerecht. Denn durch das Gesetz kommt die Erkenntnis der Sünde. Oder Galater 3,2 wo Paulus die Galater und mich fast verzweifelt fragt "Ich möchte euch nur eines fragen: Hat Gott euch seinen Geist gegeben, weil ihr das Gesetz befolgt habt oder weil ihr die Botschaft gehört und angenommen habt, dass es vor Gott auf den vertrauenden Glauben ankommt?" Und ein Oberknaller, den habe ich über viele, viele Jahre immer wieder - den gleichen Vers - bekommen, weil ich wollte ja immer was tun: Jesaja 30,15 "Denn so spricht Gott, der Herr, der Heilige Israels. Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen. Durch Stille sein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Aber ihr habt nicht gewollt." Ihr habt nicht gewollt!

Und ich konnte das einfach nicht fassen, dass es so einfach sein sollte, dass die Tür zum Himmel längst offen war. Wie könnte Gott mich lieben? Ich bin ein Sünder. Er ist heilig. Er ist der Allmächtige. Er ist der Richter aller Welten. Und steht es nicht auch in der Bibel? "Heiligt euch, denn ich bin heilig, denn ich bin der Herr, euer Gott. "Oder auch im Neuen Testament. Erster Petrusbrief: "Es steht geschrieben Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig." Da steht es doch! Und dann auf jeder Seite der Bibel: Imperative. Gebote. Muss man die denn nicht alle halten? Wo liegt dann also der Fehler?

Betrachtet aus dem Blickwinkel der Autorität muss man ja zumindest schon mal anerkennen, dass der Mensch, der es in eigener Kraft versucht, den Schöpfer auf dem Thron lässt. Dass er anerkennt, dass Gott allein die Gebote macht. Dass er anerkennt, dass es einen Gott gibt und dass er regiert, dass er definiert, was gut und böse ist. Daran kann es also nicht liegen. Aber schaue ich aus dem Aspekt von Wille und Freiheit darauf, dann merke ich, dass der, der diesen Weg geht, sich selbst zu viel zutraut. Er sucht die Lösung in der eigenen Anstrengung, in der freien Ausübung seines Willens. Aber er überliest, was Paulus sagt "Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht." Und so macht er immer wieder die verzweifelte Erfahrung: "Ich tue nicht, was ich will, sondern das, was ich hasse. Das tue ich." Und so tut er dann Buße und versucht es von neuem. Und merkt nicht, dass auch das eine Form von Sünde ist. Und diese Sünde heißt Werkgerechtigkeit.

Und auch noch mal mit der Brille von Beziehungen betrachtet: Da sieht es auch nicht besser aus. Erst einmal meine Beziehung zu Gott. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Gott mich liebt. Was ist das für eine Art von Beziehung, wenn ich dem anderen noch nicht mal das zutraue, dass er mich mag? Und ich hatte doch gute Argumente! Nur hatte ich übersehen, dass Gott mich nicht liebt, weil ich so toll bin, sondern dass er mich liebt, weil er die Liebe in Person ist; weil er mich lieben will.


Das Evangelium


Und damit wären wir wieder beim Willen. Meine Erlösung liegt nicht in meinem Willen, meine Erlösung, die liegt in Gottes Willen. Gott sei Dank! Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, die finde ich also nicht in mir, sondern außerhalb von mir. Luther nannte das "iustitia aliena" oder "iustitia extra nos", also eine "fremde Gerechtigkeit" oder eine "Gerechtigkeit außerhalb unserer selbst". Denn wenn ich auf mich schaue, dann werde ich Johannes recht geben müssen, wenn er sagt "Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns." Wenn ich auf mich schaue, dann muss ich noch immer sehnsüchtig mit Paulus rufen "Nicht, dass ich schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei. Ich jage ihm aber nach, ob ich es wohl ergreifen möchte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin." Und letzten Endes: wenn ich allein auf mich schaue, dann werde ich immer wieder an diese Stelle kommen, wo ich traurig und vielleicht sogar verzweifelt mit Paulus rufe "Ich Elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Leibe des Todes?"

Aber meine Gerechtigkeit liegt nicht in mir, in meiner Leistung, in meinen Taten. Meine Gerechtigkeit liegt allein in Christus. Und wenn ich allein auf Christus schaue, dann kann ich vor Freude rufen "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt." "Er ist um unserer Missetaten willen verwundet, um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, dass wir Frieden hätten." Er ist ohne Sünde. Er hat ein Leben in vollkommener Gerechtigkeit geführt, Und er hat für meine und für deine Schuld bezahlt. Vergangene, gegenwärtige und zukünftige. Und das alles schenkt er dir. Darum heißt es "Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt." Das ist der beste Tausch deines Lebens! Deine Sünde für seine Gerechtigkeit. Geschenkt!

Aber jetzt könnte man immer noch ein bisschen Schiss kriegen und sagen "Ja, dann sind die vergangenen Sünden vergeben. Aber ich mache ja jeden Tag wieder Mist!" Das Beste kommt noch. Christus ist nicht nur unsere Rechtfertigung. Er macht uns nicht nur gerecht vor Gott, weil er ein gerechtes Leben geführt hat, was er uns aufs Pluskonto schreibt und weil er am Kreuz für unsere Schuld gestorben ist und uns damit das Minus nimmt. Er sorgt auch dafür, dass wir ihm immer ähnlicher werden, und er allein wird dafür sorgen, dass wir eines Tages völlig erlöst sind. Und das ist das, was erste Korinther 1:30 - den könnt ihr heute bitte mal mitnehmen - was dort steht: "Christus ist uns gemacht zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung." Nicht nur zur Gerechtigkeit, auch zur Heiligung, auch zur Erlösung. Ihr Lieben, wir suchen unsere Gerechtigkeit vielleicht in Christus und sagen Er ist für meine Schuld gestorben. Er ist auferstanden, und sein gerechtes Leben hat er mir zugeschrieben. Das ist 1/3 der Miete. Und dann versuchen wir, den Rest selbst zu tun. Er ist unsere Heiligung. Er ist unsere Erlösung.

Aber wie soll das funktionieren? Ich stecke doch in mir drin. Ich muss doch jeden Tag handeln. Und mal ganz ehrlich, wir sollen doch die Gebote halten. Haben wir doch gesehen. Die zehn Gebote. Das große Doppelgebot der Liebe. Ja, natürlich! Aber auch hier, ihr Lieben, es liegt nicht an uns. Es liegt an Christus in uns! Es geht nicht darum, dass wir machen. Es geht darum, dass wir ihn machen lassen. Denn die Wahrheit ist doch - und Jesus weiß das; er hat das selber gesagt: Johannes 15,5 - "Ohne mich könnt ihr nichts tun." Nicht wenig oder ganz wenig. Oder ein klitzekleines bisschen. Nichts. Und ihm ging es genauso. Johannes 5,30, sagt er "Ich kann nichts von mir aus tun." Wie hat Jesus all diese Wunder getan? Es war der Vater in ihm, der Heilige Geist in ihm. Auch er hat machen lassen. Das übersehen wir leicht.

Alles, was Jesus von uns erwartet, ist, dass wir ihn machen lassen. Alles, was er von uns erwartet, ist, dass wir ihm vertrauen, dass er uns mit der Zeit ans Ziel bringt, seine Ebenbilder zu werden. Was wir dazu tun müssen, ist, mit ihm verbunden zu bleiben. Auch das finden wir in Johannes 15, verbunden mit seinem Wort; das heißt verbunden mit der Bibel, mit der Heiligen Schrift; verbunden mit seinen Kindern; verbunden mit der Gemeinschaft in der Gemeinde; verbunden mit ihm im Abendmahl; und verbunden mit ihm und einander im Gebet. Und das ist nicht schwer. Das ist was, das schaffen wir. Die wahren Dinge, die macht er.

Das ist das Geheimnis: Christus lebt in euch! Darin liegt eure Hoffnung: Ihr werdet an seiner Herrlichkeit teilhaben.

Amen.

Sonntag, 28. Juni 2020

„Wie werde ich ein guter Christ?“

Einleitung

Erinnert ihr Euch noch an die vorletzte Predigt über das Thema: „Ungeheuchelte Liebe“ (Rö 12,9)? Da hießt es: „Die Liebe soll echt sein, nicht geheuchelt.“ (Rö 12,9) und „Liebe aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem Glauben, der frei ist von jeder Heuchelei.“ (1Tim 1:5) Dazu hatte uns Daniela ein Bild mit einer optischen Täuschung gezeigt und wir hatten anhand dieses Bildes gesehen, dass es Dinge gibt, die zwar real scheinen, aber gar nicht echt sind. So, wie es echte Liebe gibt – und Liebe, die nicht echt ist: Liebe, die geheuchelt ist – eine optische Täuschung.

Ich habe mich dann gefragt: -- Wo kommt diese ungeheuchelte Liebe her? Ich glaube hier kann man sich auch täuschen! Man kann diese Liebe als Werk verstehen, als Leistung, die ich Gott zu erbringen habe. Oder man kann sie verstehen, als das, was sie ist: eine Frucht des Geistes, ein Geschenk, das in der Zeit in mir reift. Eine Frucht der Verbundenheit mit Gott, die ich zulassen kann; ein Geschenk Gottes, dass ich annehmen kann.

Darum soll es heute gehen: Also um die Antwort auf die Frage: “Wo kommt diese ungeheuchelte Liebe her?” “Wie kriege ich sie?” Oder etwas allgemeiner (die Liebe ist ja eine Frucht des Heiligen Geistes): “Wie wächst die Frucht des Heiligen Geistes in mir? Oder noch allgemeiner: “Wie werde ich ein guter Christ?” (also einer der Frucht bringt)? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich uns 2 Stellen aus dem Römerbrief lesen und diese dann im Licht von einigen weiteren, ganz zentralen Bibelstellen mit Euch betrachten.


Inhalt

Die Antworten auf die Frage habe ich mir übrigens von Jesus, Johannes und Paulus ausgeliehen... Also: was kommt auf Euch zu? 
  1.  Im ersten Abschnitt „Heiligung – aber wie?“
    ... werden wir sehen, dass unsere Heiligung allein Gottes Werk ist – nicht unseres
    ... und dass dieses Werk Gottes etwas damit zu tun hat „in Jesus zu bleiben“ (was auch immer das heißen mag)
  2. Und im zweiten Teil „Wie man in Jesus bleibt
    ... werden wir uns ganz anschauen, wie genau denn das gehen soll „in Jesus bleiben“
    ... weil dieses „in Jesus bleiben“ ganz zentral ist für die Beantwortung unserer Frage
  3. Balsam für Dein Herz
    Zum Schluss möchte ich alles noch einmal zusammenfassen – nämlich: wie man in Jesus bleibt – und ich möchte Euch das ganze Evangelium sagen: Gott liebt Euch so sehr, dass Er Euch nicht nur rettet, sondern Euch auch die Heiligung schenkt; auch, wenn das jetzt nicht bedeutet, dass ihr „die Füße hoch legen könnt“ ...
Wie das nun alles genau gemeint ist und wie es genau funktioniert, das schauen wir uns jetzt einmal in Ruhe an.


Heiligung - aber wie?

Im Römerbrief macht Paulus sehr klar, dass unsere Rechtfertigung keine Leistung ist, sondern ein Geschenk, welches Er uns aus Gnade schenkt. Dort steht: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Rö 3:23-28)

Noch einmal: “So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ Unsere Errettung und Rechtfertigung ist also ein Geschenk von Gott! Wir müssen dazu keine Werke tun. Wir brauchen nur im Glauben anzunehmen, dass Jesus längst alles für uns getan hat. Deine Errettung ist also ein Geschenk! – Du musst nichts dazu tun!

Aber wie geht es dann weiter? Ab da muss ich mich richtig anstrengen oder? Wirklich? Ich glaube nicht! Im Römerbrief macht Paulus nämlich klar, dass auch ein gelungenes geistliches Leben ein Geschenk ist. Er schreibt: „Aber nicht verhält sich’s mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn wenn durch die Sünde des Einen die Vielen gestorben sind, um wieviel mehr ist Gottes Gnade und Gabe den Vielen überreich zuteil geworden durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus. Und nicht verhält es sich mit der Gabe wie mit dem, was durch den einen Sünder geschehen ist. Denn das Urteil hat von dem Einen her zur Verdammnis geführt, die Gnade aber hilft aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit. Denn wenn wegen der Sünde des Einen der Tod geherrscht hat durch den Einen, um wieviel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus.“ (Rö 5:15-17)

Noch einmal zum "auf der Zunge zergehen lassen": “um wieviel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus.“  Paulus sagt also, dass wir im Leben herrschen werden! Dass also unser geistliches Leben von Erfolg gekrönt sein wird! Und zwar durch Jesus! Aber wie geht das?

Lasst uns dazu zwei weitere Verse anschauen – die uns etwas über die Heiligung sagen – und darüber, dass sie ein Geschenk ist - und keine Leistung. Und vor allem: wie wir an dieses Geschenk rankommen! In Philipper 1,6 steht: „[...] ich bin darin guter Zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Wer wird das gute Werk vollenden? Gott sagt ganz klar, dass ER selbst es ist der uns vollenden wird! Noch einmal: “der in euch angefangen hat […] der wird’s auch vollenden.“

Können wir jetzt die Füße hochlegen? Ich denke nicht. Worum es vielmehr geht ist eine Art “aktive Passivität!” – also um ein "sich aktiv dafür entscheiden, Gott machen zu lassen". Was wir also vielmehr fragen müssen ist: "Wie geht das?" Oder genauer: "Aktive Passivität: wie geht das?" "Wie geht das: Gott machen lassen?" 

Jesus gibt uns darauf die Antwort: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15:5) Gott weiß ja längst, dass wir unfähig sind, Seine Gebote zu halten oder gar heilig zu werden. Alles, was wir daher tun müssen ist etwas ganz einfaches: wir sollen "in ihm bleiben". Das ist also der Schlüssel: in Christus bleiben.


Wie man in Jesus Bleibt – 4 Aspekte

Aber: Wie geht das? “In Jesus bleiben?” Wenn man Jesus, Johannes und Paulus zuhört, dann braucht es dazu mindestens 4 Dinge:

  1. Bleibe in seinem Wort. Jesus lehrte „Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1Joh 3:24) Und Paulus schrieb: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Rö 10,17) Wer also Gottes Gebote hält, der bleibt in Gott. Und wo stehen die Gebote Gottes? Natürlich in Gottes Wort! Das bedeutet: Wenn Du in Jesus bleiben willst, dann lies in der Bibel; komm zur Predigt; höre auf das, was Jesus sagt. Und dann vertraue Ihm – und folge Ihm in diesem Vertrauen – wohin auch immer Er Dich führen mag.
  2. Bleibe in der Gemeinschaft. Johannes schreibt seiner Gemeinde: “Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1Joh 4,16) Und er schreibt weiter: „Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander.“ (1Jo 3:23) Wer also in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott. Das bedeutet ganz einfach: Liebe Deine Geschwister – schau Dich im nächsten Gottesdienst einfach mal um. Und dann denke daran: das ist Deine Familie! – Das sind Deine Brüder – Deine Schwestern. Das ist Deine Familie in die Gott Dich gestellt hat. Und Gott möchte, dass Du sie liebst! Das geht natürlich nur, wenn Du sie auch siehst und sie triffst. Wenn ihr miteinander redet. Wenn etwas miteinander unternehmt. Wenn ihr einander besucht. Wenn ihr echte Gemeinschaft habt. Wenn Du Du Deine Freude teilen kannst - und Deine Erkenntnisse - und vor allem auch, wenn Du Deinen Schmerz teilen kannst – wenn Du Dein Herz ausschütten kannst. Liebe geht nicht ohne Gemeinschaft. Das ist eine der größten Schwachstellen der heutigen Gemeinde! Jesus sagte: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe habt untereinander." (Joh 13,35)
  3. Bleibe im Abendmahl. Jesus sagte vor dem letzten Abendmahl: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ (Joh 6,56) Wer im Abendmahl bleibt, der bleibt in Jesus. Darum: Komm zum Abendmahl! Jesus seht sich danach mit Dir im Abendmahl Gemeinschaft zu haben, wie mit den ersten Jüngern (Lk 22,15). Hab keine Furcht, Du könntest nicht heilig genug sein! Jeder ist eingeladen, der glaubt! Und wenn Du Bockmist gebaut hast, dann sage Jesus das. Er vergibt Dir gern! Er sehnt sich danach, mit Dir zusammen zu sein! ER liebt Dich!
  4. Bleibe im Gebet. Der nächste Vers ist unglaublich wichtig, den er enthält den zentralen Schlüssel für unsere Umgestaltung in das Bild Jesu - für unsere Heiligung - dafür, wie man ein guter Christ wird: „Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“ (1Kor 3:18) Es ist also der Anblick der Herrlichkeit Christi der uns "in sein Bild verklärt"! Darum geht es doch! Wie werden wir so wie Jesus? Wie erfüllt sich Gottes großer Plan? Wie erfüllt sich Gottes großer Plan “Lasst uns Menschen machen, ein Bild, dass uns gleich sei!” (1Mo 1:26) Indem wir die Herrlichkeit Christi anschauen. Das ist sicher der Hauptgrund, warum Lukas auch in der Apostelgeschichte diese 4 Punkte noch einmal so zusammen fass: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet." (Apg 2,42) Gebet geschieht in der Stille. In der Anbetung. Im Anschauen des Wesens Gottes: Seiner Gnade, Seinem Erbarmen. Im Anschauen Seines Werkes: Seiner Schöpfung; Seiner Liebe am Kreuz! Es ist der allmächtige Schöpfer des Universums, aller Galaxien und Myriaden von Sternen, der für uns in Jesus Christus Mensch wurde, sich "erniedrigte [...] und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz." (Phil 2,8) Es ist Seine unbegreifliche Liebe, über die ein Englischer Liedermacher dichtete:
Come see His hands and His feet,
The scars that speak of sacrifice;
Hands that flung stars into space
 To cruel nails surrendered.

This is our God, the Servant King,
He calls us now to follow Him,
To bring our lives as a daily offering
Of worship to the Servant King.

---

Seht Seine Hände und Füße,
Die Narben, die vom Opfer zeugen;
Hände, die Sterne ins All geschleudert haben.
 An grausame Nägel ergeben.

Dies ist unser Gott, der dienende König,
Er ruft uns auf, ihm jetzt zu folgen,
Unser Leben als tägliches Opfer zu bringen.
der Anbetung des dienenden Königs.


Balsam für Dein Herz

Weil Er Dich so sehr liebt - kannst Du loslassen. Entspann Dich! Gott weiß, dass Du nichts tun kannst zu Deiner Heiligung. Darum hat ER versprochen es in dir zu tun. Für Dich! Alles, was  Er von Dir erwartet ist, dass Du ihn wirken lässt! Bringe Ihm Deine "5 Brote und 2 Fische". Tu das, was in Deiner Macht steht: "Bleibe in Jesus“. Bleibe beim Lesen und Hören von dem, was Jesus gesagt hat. Bleibe in der Liebe – in der Gemeinschaft mit Deinen Geschwistern. Bleibe im Abendmahl – Jesus freut sich auf Dich! Bleibe im Gebet – und lass‘ Dich begeistern vom Anblick Seiner Herrlichkeit. Und sei gewiss: ER wird Sein Werk vollenden:

„Die er aber vorherbestimmt hat,
die hat er auch berufen;

die er aber berufen hat,
die hat er auch gerecht gemacht;

die er aber gerecht gemacht hat,
die hat er auch verherrlicht.“


(Römer 8:29-30)


„Treu ist er, der Euch ruft;
er wird‘s auch tun.“


(1Thess 5,24)


Sonntag, 8. März 2020

"Die Schönheit des Evangeliums - Wie wichtig Gott Versöhnung ist" (Matthäus 5,21-26)

[Predigt als MP3]


Einleitung

Guten Morgen, Ihr Lieben!

Heute möchte ich Euch zu Beginn mal eine kurze Geschichte vorlesen, die ich einmal in einem sehr guten Buch gelesen habe. Das Buch heißt: „Anleitung zum Unglücklichsein“ – und ist von Paul Watzlawick, einem sehr bekannten Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeuten und Philosophen – mit einem ziemlich guten Humor

Hier also die Geschichte:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er "Guten Tag" sagen kann, schreit ihn unser Mann an: "Behalten Sie Ihren Hammer".

Dazu fällt mir folgendes ein. Einer unserer Söhne hat nämlich eine ganz besondere Gabe der "Kommunikation". Eine, die ich manchmal als das Äußerste aller Respektlosigkeiten empfinde. Danach fühle ich oft Schmerz und Zorn. Und wenn ich an einem solchen Abend ins Bett gehe, dann kriege ich „Kopfkino“: eine Folge von Bildern von Worten, dann Streit, eine handgreifliche Auseinandersetzung, bis hin zu Gewalt. Und wenn man das nicht anhalten würde, es würde in Mord und Totschlag enden!

Und dann bete ich: ich will keinen Hass und keinen Zorn und keine Ablehnung in meinem Herzen haben. Und doch will ich auch respektiert werden. Das ist ein echter geistlicher Kampf, der manchmal wirklich heftig wird und auch mal länger dauern kann. 

Um genau solche Kämpfe soll es heute gehen: um Kämpfe, die von außen unsichtbar sind. Um Kämpfe, die in unserem Herzen toben. Oder die vielleicht schon nicht mehr toben. Sondern zum kalten Gift der Bitterkeit erkaltet sind. 


Inhalt

Ich möchte heute mit Euch anschauen, wie wichtig es Gott ist, dass wir miteinander in Versöhnung leben.

  • Unser Text
    • Dazu möchte ich, wie immer, zu Beginn den Text mit Euch lesen

  • Der Irrtum
    • Dann möchte ich auf einen fatalen Irrtum eingehen, dem wir in Bezug auf Gottes Gesetz aufsitzen können

  • Die Wahrheit
    • Und uns danach – sozusagen als Gegengift – die Wahrheit nahebringen: nämlich, wie Gott unser Herz sieht

  • Höchste Priorität
    • Aus dem bis dahin gesagten wird sich eine Konsequenz ergeben, die ich mit Euch genauer beleuchten möchte.
    • Nämlich, wo aus Gottes Sicht unsere Prioritäten liegen – nicht außen, sondern innen!

  • Zeit & Ewigkeit...
    • Last, but not least möchte ich Euch auch Gottes Sicht über den zeitlichen Aspekt nahebringen, 
    • Also welchen Einfluss diese Prioritäten auf unsere zeitliche Planung von Versöhnung haben sollten.

  • An Dein Herz
    • Zum Schluss möchte ich Dir daher eine sehr ernste Frage stellen Dich um einen ganz konkreten Schritt bitten und Dir einen wunderbaren Ausblick zeigen. 
    • Und nun noch eine Randnotiz: „Unsere Predigtserie heißt ja «Die Schönheit des Evangeliums». Manchmal kann diese Schönheit aber erst sichtbar werden, wenn wir den Dreck und Schmutz aus unserem Herzen räumen, der uns die Sicht verstellt auf die Schönheit, die Freude und den Frieden für die Gott uns geschaffen hat.
Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen:

Unser Text

"21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: »Du sollst nicht töten!«, wer aber tötet, der wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch: Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt, wird dem Gericht verfallen sein. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka!, der wird dem Hohen Rat verfallen sein. Wer aber sagt: Du Narr!, der wird dem höllischen Feuer verfallen sein. 23 Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe! 25 Sei deinem Widersacher bald geneigt, während du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit der Widersacher dich nicht etwa dem Richter ausliefert und der Richter dich dem Gerichtsdiener übergibt und du ins Gefängnis geworfen wirst. 26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen, bis du den letzten Groschen bezahlt hast!"

Lasst uns im Folgenden schauen, was genau uns Jesus mit diesem Text zu sagen hat.

Der Irrtum – Matthäus 5,21

Zuerst einmal geht es darum, dass es sein kann, dass wir einem gewaltigen Irrtum aufsitzen
Um zu verstehen, um was für einen Irrtum es da geht, ist es wichtig, den Kontext unseres Textes mal näher anzusehen: Einen Abschnitt vorher – in Matthäus 5,17-20 – sagt Jesus nämlich folgendes:

„Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht weit übertrifft, so werdet ihr gar nicht in das Reich der Himmel eingehen!“

Jesus macht also glasklar, dass:
  1. Er nicht ein Fitzelchen vom Gesetz abschnippeln wird
     – so sehr wir uns das vielleicht auch wünschen würden
  2. Dass, wer trotzdem etwas abschnippelt, Ehre und Ruhm im Himmel verliert 
  3. Und dass der, der nicht gerechter ist als die Pharisäer, nicht in den Himmel kommt
All das sagt Jesus sozusagen als Einleitung  zu unserem Text. Aber warum? Ich denke, der Grund ist folgender: die Pharisäer haben das Gesetz auf reine Äußerlichkeiten reduziert. Das Wesen Gottes – und damit der Kern der Gebote – ist aber die Liebe! 

Es geht also um das, was im Herzen  ist – nicht allein darum, was vor Augen  ist. In dieser Hinsicht müssen wir besser und gerechter sein als die Pharisäer! Es geht dabei also nicht um Leistung – sondern um den Unterschied zwischen Heuchelei und Liebe!

In Vers 21 steht: „Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.“ Der Witz bei diesem Vers ist, dass Gott zu den Alten auch gesagt hat: „du sollst den HERRN, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mose 6,5) 

Der Witz ist, dass Gott auch gesagt hat: „Du sollst dich nicht rächen noch Zorn bewahren gegen die Kinder deines Volks. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst; ich bin der HERR.“ (3.Mose 19,18). Das große Doppelgebot der Liebe steht also schon im Alten Testament – im Gesetz. Und wir erinnern uns, dass Jesus gerade eben erst gesagt hatte, dass von diesem Gesetz kein Fitzelchen abgeschnippelt werden wird.

Trotzdem haben die Pharisäer eben dieses Gesetz auf reine Äußerlichkeiten reduziert: Wer nicht mordet (6. Gebot) hat aus ihrer Sicht schon gewonnen. Das aber wird dem großen Doppelgebot der Liebe – also dem, was wir gerade im Gesetz gelesen haben – nicht gerecht.
Es ist eine Verkürzung des Gesetzes Gottes, als ginge es um ein rein äußerliches, heuchlerisches Einhalten von Gottes viel vollkommenerem Gesetz.

Mit anderen Worten: Wenn wir glauben, dass das Gesetz Gottes – und damit das große Doppelgebot der Liebe – für uns nicht mehr gilt, dann haben wir uns geschnitten! (2x)
Jesus macht in unserem Text und auch im Kontext glasklar, dass der moralische Teil des Gesetz für ewig besteht. 

Wir müssen also lernen zu trennen zwischen: Werkgerechtigkeit, Gesetzlosigkeit, Gottes Gnade, liebender Nachfolge und "billiger Gnade":

  • Werkgerechtigkeit wäre, wenn ich glauben würde, ich müsste Gottes Gesetz halten, um gerettet zu werden. Das wäre nämlich Quatsch – denn da hätten wir alle schlechte Karten; das schafft keiner!

  • Gesetzlosigkeit auf der anderen Seite wäre: Wenn mir das Gesetz Gottes komplett egal wäre und ich mir denken würde „Das geht mich nichts mehr an; ich bin ja schon gerettet!“ Das ist nämlich genauso Quatsch – und brandgefährlich, wie wir noch sehen werden.
  • Gottes Gnade bedeutet: dass nur Gott mich retten kann – nicht ich mich selbst durch meine Taten oder durch meine Leistung; dass ich nur durch die Gerechtigkeit, die Gott mir schenkt, vor Gott bestehen kann; dass Jesus meine Schuld am Kreuz getragen hat – dass Er sein Blut vergossen hat, um mich zu erlösen – weil Er mich unendlich liebt! 

  • Liebende Nachfolge ist wenn diese Gnade mein ganzes Herz erweicht – ja, wenn diese Gnade mein Herz barmherzig und gnädig macht; wenn mich Gottes Liebe täglich anspornt, Jesus nachzufolgen – in der tiefen Sehnsucht, Ihm noch ähnlicher, noch heiliger zu werden; wenn ich bereit bin – wie wir es ja auch im Vaterunser beten – meinen Mitmenschen von ganzem Herzen zu vergeben.
  • Billige Gnade aber wäre: wenn Gottes Gnade dazu führt, dass ich mich in falscher Sicherheit fühle und mein Herz verhärte; wenn sie dazu führt, dass ich anderen die Schuld behalte, denn dann bin ich dem schlimmsten Irrtum verfallen, dem ein Mensch nur verfallen kann: dann gehöre ich zu denen, zu denen Jesus einmal sagen wird: „Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, die ihr das Gesetz übertretet!“ (Mt 7,23)
Wir können also einem gewaltigen Irrtum aufsitzen – nämlich, wenn wir glauben die Gerechtigkeit der Pharisäer wäre genug – ein rein äußerliches Einhalten der Gebote.

Lasst uns als nächstes sehen, was die Wahrheit ist.

Die Wahrheit – Matthäus 5,22

Auf diese Irrtümer und Verkürzungen der Gebote Gottes reagiert Jesus mit seinem „Ich aber sage Euch...“ Mit diesem 'Ich aber' zeigt Jesus an, er hier als der Mensch gewordene Gott selbst – also als der Gesetzgeber! spricht. Es geht hier also nicht um eine Änderung des Gesetzes; schließlich wird kein Tüpfelchen vom Gesetz fallen! Es geht vielmehr um eine Korrektur der Lehre der Pharisäer. Es geht – wie immer! – um die Liebe!

Jesus spricht weiter: „Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt“ Da muss man natürlich fragen: „wer ist unser Bruder?“ Leiblich? Geistlich? Ein Ausleger schreibt dazu: „Unter unserem Bruder sollen wir jeden Menschen verstehen, auch wenn er noch so weit unter uns steht, denn wir sind alle aus einem Blut gemacht.“

Als nächstes könnte man sich fragen, was Jesus mit dem Wort “zürnt“ meint (oder „wütend werden“). Richtig ist ja: die Bibel ist voll von Geschichten über Gottes Zorn – und ER sündigt ganz gewiss nicht – im Gegenteil: Sein Zorn ist gerecht. Auch wird an vielen Stellen in der Bibel klar (z.B. „lasst nicht die Sonne untergehen über Eurem Zorn“), dass auch menschlicher Zorn nicht generell etwas Schlechtes ist. Es geht hier also viel mehr um unüberlegten und noch viel mehr ungerechten Zorn. Ungerechter Zorn und Hass sind wie ein unsichtbarer Mord des anderen im eigenen Herzen!

Jesus erklärt weiter: „der ist des Gerichts schuldig“. Es geht hier nicht um weltliche Gerichte – sondern um Abstufungen des göttlichen Gerichts. Jesus erläutert das göttliche Gericht dabei mit Bildern von weltlichen Gerichten, damit man es besser verstehen kann. Mit „Gericht“ ist das örtliche Gericht im Stadttor gemeint (wie es in 5. Mose 16,18 beschrieben wird). Aus Jesu Sicht reicht es also schon für das göttliche Gericht, wenn ich meinem Nächsten zu Unrecht zürne.

Aber es geht weiter: Jesus erklärt: „wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!“. Das Wort für Nichtsnutz ("Racha“) ist ein höhnisches Wort und könnte auch „Hohlkopf“ heißen. Wer so mit Seinem Nächsten redet, der offenbart damit nur eines: seinen eigenen Hochmut und Stolz. Und darum sagt Jesus auch „der er ist des Hohen Rats schuldig“. Wer so einen Hochmut und so eine Verachtung für seine Mitmenschen in seinem Herzen hegt, der er ist des Hohen Rats schuldig. Im Griechischen steht hier συνεδρίον (Synhedrion, also Sanhedrin). Das ist der Senat, oder der höchste Gerichtshof – bei uns wäre das das Bundesverfassungsgericht. Hochmut und Verachtung im herzen sind also aus Jesu Sicht ein Fall für das oberste Gericht!

Aber Jesus setzt noch einen drauf und erklärt: „wer aber sagt: Du Narr!“. „Narr" oder besser: „Gottloser Narr“ („More“) ist ein sehr boshaftes Wort. Die Entsprechung im Deutschen wäre so ungefähr: „Verflucht sollst Du sein!“ Wer so redet, der redet aus purem Hass. Und wer so redet, „der ist des höllischen Feuers schuldig.“ sagt Jesus. γέενναν τοῦ πυρός (Gehennan tou pyros) heißt dabei so viel, wie „die feurige Hölle“. Wer seinem Nächsten flucht – und das sage jetzt nicht ich: das sagt Jesus, ihr Lieben! –  der gräbt sich damit seinen ganz persönlichen Weg zur Hölle! 

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Ich möchte an dieser Stelle mal kurz innehalten und noch einmal mit Euch über das bisher Gehörte nachdenken: Zorn und Wut, Beleidigung und Verachtung, Hass und Flüche sind (ansteigende) Vorstufen von Mord. Und sie alle sind in Gottes Augen in steigendem Maße strafwürdig. Sie alle gehören vor Sein ewiges Gericht.

Und jetzt seien wir mal ehrlich – denken wir nicht oft: „Jetzt mal halblang. Das ist ja wohl alles nicht so schlimm, wie es jetzt da steht.“ „Das kann Jesus jetzt unmöglich ernst gemeint haben!“ Aber der Witz ist: Jesus macht schon im Vorspann klar, dass er es ganz genau so meint! 

Es mag sein, dass wir denken, dass nur ein besonders grausamer Mord vor Gottes Gericht gehört – aber keinesfalls eine Äußerung, wie „Du dämlicher Depp!“ Aber das zeigt nur, wie tief wir gefallen sind: Wir wurden geschaffen als Spiegel Gottes: Ebenbilder Seiner Liebe und Gnade, Seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit.

Die Kommentatoren Jamieson, Faucet und Brown schreiben dazu: 

„Seit Ewigkeiten wird euch gelehrt, dass zum Beispiel das sechste Gebot nur vom Mörder gebrochen wird, um ein Urteil zu fällen, über das die anerkannten Gerichte zu entscheiden haben. Ich sage euch aber, daß es sogar durch grundlosen Zorn gebrochen wird, der nur Haß im Keim ist, wie Haß ein beginnender Mord ist (1Jo 3,15); und wenn durch die Gefühle, dann noch viel mehr durch jene Worte, mit denen man alle bösen Gefühle, vom geringsten bis zum vergiftetsten, auf einen Bruder zu werfen pflegt: und so wie es Abstufungen in den menschlichen Gerichtshöfen gibt, und in den Urteilen, die sie nach dem Grad der Kriminalität aussprechen, so wird auch die gerichtliche Behandlung aller Verstöße gegen dieses Gebot am göttlichen Tribunal vor dem Richter, der die Herzen erforscht, nach ihrer tatsächlichen Kriminalität erfolgen.“

Und doch fühlen wir uns im Recht: Schließlich gibt es ja einen Grund für unseren Zorn und unsere Worte. Oder nicht? Ich meine: „Wirklich?“ Seien wir doch mal ehrlich: Was wir für unser gutes Recht halten, ist meist nur unser unbeugsamer Stolz. Was wir für unseren heiligen Wunsch nach Gerechtigkeit halten, ist meist nur unser unglückseliger Wunsch nach Rache. 

Was es wirklich braucht ist, dass wir demütig werden! Was es wirklich braucht ist, dass wir Gott gehorsam werden! Wenn wir jemals in Gottes Frieden eintreten wollen, dann geht an der Versöhnung kein Weg vorbei! Wenn wir Gottes Freude bleibend in uns haben wollen, dann geht kein Weg daran vorbei, dass wir den Dreck aus unseren Herzen räumen!

DAS ALSO IST DIE WAHRHEIT: DASS FÜR GOTT UNVERSÖHNLICHKEIT, ZORN, HASS, ABLEHNUNG UND BITTERKEIT KEINE LAPPALIEN SIND – SONDERN SCHWERE SÜNDEN – DIE UNTER STRAFE STEHEN – UND DASS AN VERSÖHNUNG KEIN WEG VORBEI GEHT, WENN WIR IN DEN HIMMEL WOLLEN (2x)

Höchste Priorität  – Matthäus 5,23-24

Nachdem er das klar gemacht hat, sagt Jesus: „Darum“. „Darum“, weil Unversöhnlichkeit keine Lappalie ist sondern eine schwere Sünde. In Mt. 6,15 lesen wir den unfassbaren Satz: 

„Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

Jesus sagt „Darum“, weil von Zorn und Bitterkeit in unserem Herzen – von und Hass und Ablehnung – umzukehren für Gott wichtiger ist als unsere Opfer: In Amos 5,21-24 steht: 

„Ich hasse, ich verachte eure Feste und mag eure Festversammlungen nicht riechen! Wenn ihr mir auch euer Brandopfer und Speisopfer darbringt, so habe ich doch kein Wohlgefallen daran, und das Dankopfer von euren Mastkälbern schaue ich gar nicht an. Tue nur hinweg von mir den Lärm deiner Lieder, und dein Harfenspiel mag ich nicht hören! Es soll aber das Recht einherfluten wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein unversiegbarer Strom!“

Jesus sagt dann weiter: „Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat,“ Jetzt möchte ich Dich bitten, wirklich einmal in Dich zu gehen und Dich zu fragen: Was könnte Dein Bruder (oder Deine Schwester) denn gegen Dich haben? Sind da Zorn und Wut in Deinem Herzen? Sind da Hochmut und Verachtung? Sind da böse Worte und Flüche, die dem Stolz und dem Zorn entsprungen sind? 

Und Jesus sagt weiter: „so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann komm und opfere deine Gabe!“ Nicht Dein Nächster muss kommen, wenn Du sauer auf ihn bist und ihn beleidigst. Nicht Deine Nächste muss kommen, wenn du sie verachtest oder ihr fluchst. Du musst kommen, und dafür sorgen, dass der Schmerz aus der Welt geschafft wird, den Dein Zorn, Deine Ablehnung, Dein Stolz oder gar deine bösen Worte oder Taten im Herzen deines Bruders, Deiner Schwester, angerichtet haben.

Wenn uns einfällt, dass wir uns im Zorn an einem Bruder versündigt haben, sollen wir die Initiative ergreifen und uns versöhnen. Matthew Henry schreibt dazu: 

„Wir sollten sorgfältig die christliche Liebe und den Frieden [...] bewahren; und wenn es zu irgendeinem Zeitpunkt einen Streit gibt, sollten wir unsere Schuld bekennen, uns [...] demütigen und Genugtuung für das in Wort oder Tat begangene Unrecht leisten oder anbieten: und wir sollten dies schnell tun; denn solange dies nicht geschehen ist, sind wir für die Gemeinschaft mit Gott [...] ungeeignet.“ 

Was will Henry damit sagen? Für Gott ist es das Wichtigste, dass wir uns mit unseren Feinden versöhnen – Er möchte nicht, dass wir mit Gift im Herzen leben! Für Gott ist es das Wichtigste, dass wir uns versöhnen – viel wichtiger, als dass wir ihm irgendwelche Opfer oder Dienste bringen.

Darum: Lass alles stehen und liegen! Allen Gottesdienst, alle Spenden, allen Diakonischen Dienst, alle Evangelisation, ja sogar das Abendmahl! 

Jamieson, Faucet and Brown stoßen in das gleiche Horn: 

„Daher die schöne Praxis der frühen Kirche, zu sehen, dass alle Differenzen zwischen Brüdern und Schwestern in Christus im Geist der Liebe ausgeglichen wurden, bevor sie zur Heiligen Kommunion gingen; und die Kirche von England hat in ihrem Kommuniondienst eine Rubrik mit Anweisungen in dieser Richtung. Wenn [das Abendmahl] der höchste gottesdienstliche Akt auf Erden ist, dann muss eine solche Versöhnung, obwohl sie schon bei allen anderen gottesdienstlichen Anlässen obligatorisch ist, es hier ganz besonders sein.“

DAS ALSO IST DIE WAHRHEIT: DASS FÜR GOTT VERSÖHNUNG DIE ALLER-OBERSTE PRIORITÄT  HAT!

Zeit & Ewigkeit – Matthäus 5,25-26


Ein altes deutsches Sprichwort sagt: „Was Du heute kannst besorgen, das schiebe nicht auf morgen.“ Nirgends ist dieses Sprichwort wahrer, als hier: Worum es in den Versen 25+26 geht, sind die schrecklichen, ewigen Konsequenzen von Unversöhnlichkeit. Die Zeit zur Versöhnung aber haben wir nur in dieser Welt! Darum ist Versöhnung noch in dieser Welt so wichtig. 

Gott möge uns davor bewahren, dass wir jetzt in unseren Herzen denken, was manche Juden zu Jesu Tagen gedacht haben: „Ich bin ja Christ und stehe unter Gottes Gnade, da gilt das alles für mich nicht mehr.“ „Also brauche ich auch das was hier über die Versöhnung steht nicht so genau zu nehmen“

Wenn das so ist, dann hast Du die Tragweite von dem, was Jesus hier lehrt nicht einmal ansatzweise verstanden! In Lk 3,8+9 sagt Jesus klipp und klar: 

„Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; 
jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“

Das Ende vom Lied ist: Wir haben nur in diesem Leben Zeit, versöhnlich zu leben – danach ist es zu spät. Und dabei schaut Gott unser Herz an – und nicht, wie die Pharisäer dachten, allein unsere Taten. „Denn es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ (1Sam 16,7)


An Dein Herz

  • Wem gegenüber spürst Du Zorn, Verachtung, Hass, Ablehnung oder Bitterkeit?

  • Lasse Deinen Groll, Deinen Stolz und Deinen Wunsch nach Rache los und folge Jesus!

  • Am Ende des Weges wartet die Schönheit des Evangeliums: tiefer Friede; wahre Freude.

  • "Vergebt euch gegenseitig, was ihr einander angetan habt, so wie Gott euch durch Christus vergeben hat, was ihr ihm angetan habt.“ (Epheser 4,32)

Sonntag, 9. Februar 2020

"Die Schönheit des Evangeliums - Wie Gott uns sieht" (Lukas 18,9-14)

[Predigt als MP3] 


Einleitung

Im Jahre 1991 habe ich eine Zeit durchlitten schwerster Depression mit Angstzuständen und mit Schlaflosigkeit. Ich war damals so fertig, dass ich selbst mit dem Ablesen der Uhrzeit ganz und gar überfordert war. 

Die Ursache war und ist unklar. Ja, ich hatte mit zwölf Jahren die Mutter verloren. Ja, ich hatte sie nach siebzehn Jahren wieder gefunden - und da hatte sie bereits Krebs. Ja, ich hatte einen Burnout von meiner Arbeit bei Microsoft. Es kam wohl alles zusammen.

Was noch dazu kam, war ein absolutes Bewusstsein meiner Schuld vor Gott. Eine Angst, die Erde würde sich unter mir auftun und mich verschlingen. Wie bei Datan und Abiram aus 4. Mose 16, 31-32, wo es heißt: da „[...] zerriss die Erde unter ihnen 32 und tat ihren Mund auf und verschlang sie [...]“. Wir werden später noch sehen, was das mit unserem heutigen Text zu tun hat.

Damit die Stimmung jetzt aber nicht zu düster wird, erzähle ich Euch noch eine Geschichte. Diese Geschichte wurde zuerst von einem Mann namens Fred Ciampi erzählt. Ich kenne Fred Ciampi nicht. Ich weiß auch nicht, ob die Geschichte wahr ist. Aber ich fand sie recht amüsant und dazu auch noch sehr erhellend. Also, hier ist sie: Fred Ciampi erzählte: 

"Gott sei Dank sind meine Tage als Verkaufsleiter vorbei und ich bin im Ruhestand. Ich bin früher mehrmals im Monat geflogen, und [ein Freund] hat gerade eine Erinnerung von vor etwa 15 Jahren wachgerufen. Ich flog gerade von San Francisco [...] zurück, als eine Mitarbeiterin am Schalter eine Verspätung für den Flug ankündigte. Ein gut gekleideter Herr stürzte sich auf die Mitarbeiterin und schrie: "Wissen Sie, wer ich bin?". Und er wiederholte: "Wissen Sie, wer ich bin?" Die junge Dame nahm sehr ruhig ihr Mikrofon in die Hand und sagte mit lauter und angenehmer Stimme: "Wir haben hier oben am Schalter einen Herrn, der nicht weiß, wer er ist. Gibt es jemanden im Terminal, der ihn kennt und ihm helfen kann?“ Die Gesichtsfarbe des Mannes oszillierte durch alle Schattierungen von rot und dann stürmte er aus dem Terminal. Ich habe nie herausgefunden, wer er war.“

Was für ein wunderbares Beispiel für Arroganz! Auch hier werden wir später sehen, was das mit unserem heutigen Text zu tun hat.


Inhalt 

Worum geht es also heute?

  • Unser Text

  • Worum es geht
    • Anlass
    • Rahmen
    • Inhalt

  • Der Pharisäer
    • Wer ist er?
    • Was denkt er?
    • Was ist sein Problem?

  • Der Zöllner
    • Wer ist er?
    • Was geht in ihm vor?

  • Balsam für Dein Herz

Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen.


Unser Text

Der Pharisäer und der Zöllner (Lukas 18,9-13)

9 Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: 10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. 11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. 13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! 14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.


Worum es geht

„Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren gerecht zu sein, und verachteten die andern“ (Lukas 18, 9)

Warum dieses Gleichnis? Was hat Jesus motiviert, es zu erzählen? In Vers 9 lesen wir: „Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, [...]“ Es geht also um eine situative Predigt!  Der Anlass dazu war: Jesus laufen einige komische Gestalten über den Weg. Eingebildete, lieblose Möchtegerne: völlig von sich selbst überzeugt; von ihrer Religiösen Leistung; von ihrem moralischen Status. Diese Situation nimmt Jesus also zum Anlass, um zu predigen!

In Vers 9 lesen wir weiter „Er sagte aber zu einigen [...] dies Gleichnis: [...]“. Ein Gleichnis ist eine Geschichte, die einen wichtigen Sachverhalt auf den Punkt bringt. Doch worum geht es in dem Gleichnis? Um die rechte Haltung vor Gott? Um rechtes Beten? Um rechte Frömmigkeit? Das ist alles irgendwo richtig. Aber ich glaube letztendlich geht es um Gottes unverdiente Gnade - und um echte Sündenerkenntnis, Demut und Buße, die zur Rechtfertigung führt.

In Vers 10 lesen wir: "Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner." Es geht also um 2 Menschen: Ein fleißiger Kirchgänger – stadtbekannt bekannt als strenggläubiges Vorbild. Und ein Staatsbeamter – stadtbekannt für seine Korruption und krummen Geschäfte. Und es geht um 2 Gebete: das des Pharisäers und des Zöllners.

Schauen wir uns die beiden Menschen und ihre Gebete mal etwas genauer an:

Der Pharisäer 

„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute“ (Lukas 18, 11-12)

In den Versen 11 und 12 lesen wir: „Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner. 12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.“

Der Pharisäer steht „besonders“ (also abgesondert von den anderen!) Er fühlt sich wichtig, wie der Mann am Flughafenschalter! Und das finde ich interessant. Sein Problem ist nicht Prahlerei oder Lüge. Er prahlt nicht. Er dankt Gott! Und er lügt nicht. Er sagt die Wahrheit. 

Aber! Er vergleicht sich mit anderen! Und nicht nur das: Er hält sich auch für etwas Besseres! Er schaut nur auf das Äußere – auf die Taten. Auf den Diebstahl, Betrug, Ehebruch der anderen. Und auf Seine überragende "Leistung" (und er macht ja viel mehr, als im Gesetz des Mose gefordert!).

Was ist also laut Jesus sein Problem? Was ist daran jetzt falsch? Soll er nicht gutes tun?! Doch natürlich! Das Problem ist: Er vertraut auf seine Leistung. Er glaubt, dass das was er tut – Sein Handeln – Seine Taten – ihn gerecht machen vor Gott. Er ist selbstgerecht! Er ist werkgerecht. Er glaubt, dass er so in den Himmel kommt, weil er ein so toller Hecht ist. Doch in Gal 3,11 steht vielmehr: „Dass [...] durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar [...]“

Aber das ist noch nicht alles – er hat auch noch ein anderes Problem: Er ist so eingenommen von sich und seiner tollen Leistung, dass er für andere nichts mehr übrig hat außer Arroganz,  Verachtung und Lieblosigkeit. DOCH: WIE HIESS NOCH MAL DAS GRÖSSTE GEBOT? Es heißt: 

„Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, UND DEINEN NÄCHSTEN WIE DICH SELBST!« (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18). “ (Lukas 10,27)


WAS GENAU DAS PROBLEM IST, STEHT IN 1Sam 16,7: „Aber der HERR sprach: [...] Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“ UND ZU WELCHEM URTEIL KOMMT GOTT, wenn Er dem Pharisäer ins Herz schaut? Das lesen wir in Mt 23,27: “Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten Gräber, die von außen hübsch scheinen, aber innen sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!“

Soviel mal zum Pharisäer.

Der Zöllner

"Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!" (Lukas 18, 13)

Der Zöllner steht abseits. Er schämt sich. Er schlägt die Augen nieder. Er weiß, dass er unwürdig ist und nichts vorzuweisen hat. Er ist völlig zerknirscht. Er schlägt an seine Brust, denn er weiß vom seinem Dreck am Stecken. Er weiß dass er vollkommen abhängig ist von Gottes Erbarmen. Versteht ihr, wie er sich fühlt? So ging es mir damals 1991.

DER ZÖLLNER KANN NUR NOCH EINE EINZIGE SACHE TUN – ER BITTET UM GNADE – WEIL ER SONST NICHTS ANZUBIETEN HAT.

ZWISCHENBILANZ: Es geht also um Gnade und NICHT UM Leistung! Was den Unterschied macht ist vor unseren Augen verborgen – was den Unterschied macht, passiert im Herzen!
Von außen betrachtet: gewinnt der Pharisäer. Aber Gott schaut uns ins Herz – und was er da beim Zöllner sieht, ist das einzige, was uns rettet: ECHTE REUE ÜBER UNSERE SÜNDEN! WORAN DU IN DEINEM HERZEN GLAUBST – AN DEINE LEISTUNG – ODER AN GOTTES GNADE - ENTSCHEIDET ALSO ÜBER DEINE RECHTFERTIGUNG UND UNSERE VERDAMMNIS!! (2x!!)

ES GIBT DA ABER   N O C H   EIN KLEINES PROBLEM: Ich gehe mal davon aus, dass es in Deinem Herzen so ausschaut, wie in dem des Zöllners. Damit wäre eigentlich alles in Ordnung. Dem Zöllner wird ja vergeben. Er wird von Gott persönlich gerecht gesprochen! 

MIT ANDEREN WORTEN: ICH HOFFE, IN DEINEM HERZEN HÖRT ES SICH NICHT SO AN: „Danke, lieber Herr Jesus, dass ich nicht so bin, wie dieser Pharisäer!“ DAS PROBLEM IST: DER MODERNE ZÖLLNER HÖRT SICH IN DER SEEELSORGE OFT SO AN: „Ich kann einfach nicht glauben, dass mir Jesus diese Sünde jemals vergeben kann.“ Mit anderen Worten: der Pharisäer predigt sich selbst ein falsches Evangelium. Und der Zöllner hört an jeder Ecke statt des Evangeliums das Gesetz.

WAS KANNST DU ALSO TUN, WENN ES DIR GEHT, WIE DEM ZÖLLNER? Du musst Deine Welt auf den Kopf stellen! Du darfst nicht länger Deinem Herzen glauben, das Dich verklagt! 
1Joh 3,20 denn: „wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.“ Du darfst Gottes Wort vertrauen: 

“Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ (Jes 57,15 )

ABER WIE WILL GOTT DAS MACHEN? WIE WILL ER EINEN SO GEDEMÜTIGTEN GEIST, WIE WILL ER SO EIN ZERSCHLAGENENS HERZ ERQUICKEN? DURCH DEN BLICK ANS KREUZ! AM KREUZ SEHEN WIR GOTTES LIEBE! DARUM KANN GOTT SPRECHEN:

“So kommt denn und lasst uns miteinander rechten, spricht der HERR. Wenn eure Sünde auch blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden, und wenn sie rot ist wie Purpur, soll sie doch wie Wolle werden.“ (Jes 1,18)

AMEN.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Leben mit Jesus vor Augen! - 2. Tim 2,8


Übersicht

  • Einleitung: Verliebt!
  • Evangelium: Wozu wir ein Evangelium brauchen 
  • Jesus: Von der Bedeutung Seines Namens – Retter und Heiland
  • Sohn Davids: Von Seiner Menschlichkeit – und seiner königlichen Linie
  • Christus: Von der Bedeutung seines Titels – König und Priester
  • Gestorben: Von der Bedeutung Seines Todes – Seiner Liebe und unseren Sünden
  • Auferstanden: Von Seiner Göttlichkeit – und unserer Rechtfertigung
  • Das Evangelium: Von unserer Erlösung – und unserer Hoffnung
  • Für Dein Herz: Christus stets vor Augen



Einleitung


Verliebt: Kennt ihr das? Verliebt zu sein? So richtig mit Haut und Haaren? Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, als ich meine Frau kennen lernte: Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute hatte ich ihr Bild vor Augen. 

Ich – nein: wir beide! – konnten es nicht erwarten, einander wieder zu sehen. Wenn wir uns getroffen haben, habe ich jedes kleine Detail an ihrem Gesicht in mich aufgesogen: ihr Lächeln, ihre Zähne, Ihren Blick. 

Wenn jetzt jemand reinkommen und fragen würde, ob ich dazu gezwungen wurde, den ganzen Tag nur an sie zu denken, dann würden wir sicher alle lachen und mit dem Kopf schütteln. Weil wir es besser wissen: Denn, was aus Liebe geschieht, das geschieht nicht aus Zwang. Nicht, weil man muss. Wir haben den anderen immer vor Augen, weil wir so glücklich sind, dass wir ihn in unserem Leben haben.

Um dieses Phänomen – jemanden stets vor Augen zu haben, soll es heute gehen:


Unser Text (2 Tim 2,8)

„ Halte dir stets Jesus Christus vor Augen, der, aus der Nachkommenschaft Davids stammend, auferstanden ist von den Toten - das ist das Evangelium, das ich verkündige.“


Eigentlich wollte ich heute über die Verse 8-13, also über ganze sechs Verse predigen. Aber dieser eine Vers, Vers 8, ist so reich, in diesem Vers ist so viel enthalten, dass ich nicht anders konnte, als nur über ihn zu predigen. Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, ihn mit fünf weiteren Versen zuzuschütten. 

Denn dieser eine Vers enthält das ganze Evangelium: das historische Zeugnis der Augenzeugen über Jesus Christus, wie es sich auch schon im Apostolischen Glaubensbekenntnis und dem Credo des Konzils von Chalzedon wiederfindet: 

"Unser Herr Jesus Christus ist [...] wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch [...] wesensgleich dem Vater der Gottheit nach, wesensgleich uns [...] der Menschheit nach, in allem uns gleich außer der Sünde, vor Weltzeiten aus dem Vater geboren der Gottheit nach, in den letzten Tagen derselbe für uns und um unseres Heiles willen [geboren] [...] wie die Propheten von Anfang an lehrten und er selbst, Jesus Christus, uns gelehrt hat, und wie es uns [...] überliefert ist." (Konzil von Chalzedon, 451 nach Christus) 

Dieser Vers spricht vom Evangelium, das ist: von Jesus Christus, der "um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde. (Röm 4,25) Dieser Vers spricht vom einzig wahren Evangelium; dem Evangelium, wie es auch von Paulus verkündigt wurde. 

Diesen einen Vers, der doch das ganze Evangelium enthält, möchte ich heute gemeinsam mit Euch, sozusagen, wie ein Weihnachtsgeschenk, "auspacken".


Evangelium?

Warum überhaupt ein Evangelium – eine gute Nachricht?

Im Anfang

Um zu verstehen, warum das Evangelium so wichtig – so außergewöhnlich – ist, müssen wir zum Anfang zurück gehen. Wir wurden geschaffen als Ebenbilder Gottes, als vollkommene Spiegelbilder Seiner Herrlichkeit, Seiner Heiligkeit, Seines Wesens.

Und dann kam der Sündenfall im Paradies: Wir aßen vom Baum der Erkenntnis, wollten nicht mehr anerkennen, was Gott als Gut und Böse definiert – wir wollten selber bestimmen, was Gut und Böse ist. Wir wurden Abtrünnige. Wollten Gott, den König der Könige, vom Thron stoßen. Wir haben Ihm die Treue gebrochen, Ihn verraten, eine Revolution vom Zaun gebrochen – mit unserer Forderung nach Selbstbestimmung und Autonomie. Nicht mehr Gott sollte entscheiden, was gut für uns ist: wir selbst wollten Gott sein und sagen können, was Gesetz ist.

Das Ergebnis das wir Menschen uns mit unserer Rebellion und unserem Aufstand gegen Gott eingebrockt haben, sehen wir jeden Tag in der Presse und in den Nachrichten: die Welt ist voller Leid und Schuld, voller Angst und Not. Wir leben in einer Welt die jeden Tag danach schreit, geheilt und erlöst zu werden. Oder wie Paulus Rö 8:22 schreibt: „wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.“ Wir hören von Kriegen und Hungersnöten, von Erdbeben und Seuchen. Aber wir erleben es auch im eigenen Leben: in der Ehe, in der Arbeit, im Freundes- und Bekanntenkreis. Unsere Welt ist nicht heil. Sie ist defekt. Und es sind auch nicht immer nur die anderen: Der tiefe Schaden der Sünde – der Rebellion gegen Gott – sitzt auch in unserem Herzen.

Und in diese zerbrochene Welt hinein strahlt Gottes Evangelium: dass Gott uns - weil Er gnädig ist - nicht verdammen will. Dass Er uns immer noch liebt. Trotz unserer Schuld. Trotz unserer Rebellion. Trotz unserer Gottlosigkeit. Darum geht es im Evangelium. Und darum geht es in unserem heutigen Vers.


Jesus

Wenn ich etwas mehr über einen bestimmten biblischen Begriff oder über einen Namen wissen möchte, dann greife ich – neben guten Bibelkommentaren – auch gerne mal zum "Lexikon zur Bibel“. Dieses Standardwerk von Fritz Rienecker und Gerhard Maier hat zur Herkunft und Bedeutung des Namens „Jesus“ folgendes zu sagen: 

"Der Name Jesus (griech.-lat. Form des hebr. Jeschua, einer späteren Bildung aus Jehoschua oder Joschua) bedeutet «der Herr ist Heil (Rettung)»“

Ebenso präzise hat es das WiBiLex: „Jesus (Ἰησοῦς, Iesoús) ist die gräzisierte Form des hebräischen [...] Eigennamens Jeshua/Joshua (Jahwe hilft / rettet). Jesus kommt 905mal im Neuen Testament vor und ist das zweithäufigste Nomen nach Gott (theós).“

Der Name Jesus bedeutet also „Gott rettet“. 

Das können wir übrigens auch schon ganz zu Anfang des ersten Evangeliums lesen, wo geschrieben steht: "Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden." (Mt 1:21)

Jesus bedeutet also: Gott ist unser Erlöser – unser Heiland.

Was genau es damit auf sich hat, werden wir im folgenden sehen:


Sohn Davids

Ganz Mensch

Wenn es hier im Text heißt, „aus der Nachkommenschaft Davids“, dann bedeutet das zuerst einmal: er wurde geboren! Wie wir alle auch.  Mit anderen Worten: Jesus war ein Mensch. Das scheint zuerst einmal nichts wirklich besonderes zu sein.

Im Evangelium von Matthäus lesen wir: „Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger war von dem heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen. Als er das noch bedachte, siehe, da erschien ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht (Jesaja 7,14): »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.“ (Mt 1:18-25)

Jesus ist also ganz Mensch. Und doch sehen weir hier schon, dass bei ihm etwas anders ist: er ist „vom heiligen Geist empfangen“ – und „von einer Jungfrau geboren“. Das gibt‘s ja nun nicht wirklich alle Tage. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten wir: "Ich glaube an [...] Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria". Spurgeon schrieb dazu: "Wahrlich, Er war göttlich und Seine Geburt war nicht nach der gewöhnlichen Art der Menschen, aber dennoch war Er in jeder Hinsicht Teilhaber unserer menschlichen Natur und kam aus dem Stamm Davids." (Spurgeon) Womit wir beim nächsten Thema wären: „vom Stamm Davids“. Was hat es damit auf sich?


Adoptiert

Zuerst einmal ist es sicher wichtig, zu erkennen, das Joseph von seiner Abstammungslinie her so noble Vorfahren hatte, wie Abraham, Isaak und Jakob – nicht zu vergessen Isai und König David. König David war also einer der Altvorderen von Joseph.

Zudem ist wichtig zu erkennen, dass Joseph nicht der leibliche  Vater von Jesus war. Sonst hätte er sich anfangs nicht so sicher sein können, dass das Kind in Marias Bauch nicht von ihm war – sondern, wie er dann später im Traum gesagt bekam – von Maria auf wunderbare Weise von Gottes Geist empfangen wurde.

Dennoch lesen wir schon im Matthäus-Evangelium ganz zu Anfang: „Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.“ (Mt 1:1). Wie geht das jetzt? Wie kann Jesus ein Sohn Davids sein, wenn Joseph doch gar nicht sein leiblicher Vater war. Hat die Bibel hier einen Knacks? 

Natürlich nicht. Vielmehr war Jesus tatsächlich ein „Sohn Davids“, denn er wurde von Joseph adoptiert. Die die öffentliche Benennung eines Kindes (wir erinnern uns: „dem sollst du den Namen Jesus geben“) war in der Antike nichts anderes, als der legale Schritt der Adoption: "Das erste, was [Joseph] [also] tut, ist, Maria nach Hause zu bringen, um seine Frau zu sein. Dies ist ein rechtlicher Schritt. Das bedeutete, dass er öffentlich Maria zu seiner Frau nahm. Das zweite, was er tut, ist, das Kind zu benennen. Auch das ist ein rechtlicher Schritt. Im Zuge der Benennung des Kindes adoptiert Joseph öffentlich das Kind als sein eigenes." *  In der Antike bedeutete Adoption die volle Sohnschaft. Ein Adoptivkind war damals von einem leiblichen Kind aus rechtlicher Sicht in nichts zu unterscheiden. Das galt auch für‘s Erbrecht. Jesus wurde also von Joseph adoptiert kam so (auch von menschlicher Seite) in den Genuss einer königlichen Abstammung. So erklärt sich die königliche Line von der im Matthäus-Evangelium die Rede ist.(*)



Christus

Messias und König

Auch zum Titel ‚Christus‘ hat das "Lexikon zur Bibel" etwas zu sagen, nämlich: "Christus ist der Titel, die Amtsbezeichnung Jesu. Das griech. christos ist die Übersetzung des aram. meschicha bzw. des hebr. maschiach und bedeutet «der Gesalbte» (Messias). Priester und Könige wurden in Israel durch eine Salbung mit Öl feierlich in ihr Amt eingesetzt. [...] Die Bezeichnung «der Gesalbte» wurde zunächst vom König gebraucht [...] Darüber hinaus schauen die Propheten einen kommenden König aus Davids Geschlecht, einen «Gesalbten», der - Priester und König in einem - alles das erfüllen wird, was Israel von einem wahren Friedenskönig erwartet. Von dieser Erwartung zeugen die messianischen Weissagungen [...]" 

So ist der Doppelname Jesus Christus zugleich das kürzeste Bekenntnis der Christenheit: Jesus von Nazareth ist in seiner Person der verheißene Christus (Messias).“  So sagen auch die Jünger am Anfang des Johannes-Evangeliums: „Wir haben den Messias gefunden, das heißt übersetzt: der Gesalbte“ (Joh 1:41)

Dieser Gesalbte – der Christus, der Messias – wurde vorausgesagt. David erhielt ca. 1.000 v.Chr. die Verheißung: „Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein, und er soll mein Sohn sein." (2 Sam 7:12-14). 

Dieser Gesalbte – Christus – ist also der von Gott zum König gesalbte Messias. 


Bekenntnis Christi

Das Jesus der Christus ist – der König der Könige und Herr aller Herren – sagt aber nicht Gerhard Maier‘s nur Fritz Rienecker‘s „Lexikon zur Bibel“. Jesus sagt es selbst! Bei Johannes lesen wir: „Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht." (Joh 10,24-25)


Bekenntnis der Jünger

Das Jesus der Christus ist, erkannten aber auch einige Menschen, z.B. die Samariterin am Jakobsbrunnen, zu der Jesus spricht: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt." (Joh 11,25-27)   

Und auch Petrus bekennt in Mt 16:16: "Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!"


Solus Christus

Dieser Christus – der Sohn des lebendigen Gottes – ist der König der Könige – und der einzige Weg zum Heil. Das ist ein steiler Satz! Wie kann das sein? Der Grund dafür ist: Allein Christus hat das Problem mit unserer Schuld wirklich gelöst – Er allein – und sonst niemand – hat die Strafe für unsere Schuld getragen. Darum heißt es: "Und in keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden." (Apg 4,12)

Martin Luther schrieb dazu: "Kein feindseligerer Name ist auf Erden, denn eben Jesus Christus, nicht daß man ihn nicht nennen oder hören nennen könnte. [...] Warum? Darum, daß wir diesen Namen nicht einen schlechten Namen lassen bleiben mit ledigen Buchstaben geschrieben; wie meiner und deiner, sondern glauben, predigen und bekennen, daß die Person, so Jesus Christus heißt, ihrem Namen nach sei der einzige Heiland der Welt, der von Sünden selig mache, der einzige Hohepriester, der die Sünder mit Gott versöhne, der einzige Herr und König, der aus aller Angst und Not helfe, und daß er allein die, die ihn dafür erkennen, von Sünden und Tod erlöst und sie Gnade und ewige Seligkeit erlangen. [...]" (Martin Luther)


Gestorben

„Von den Toten“

Was bedeutet das? Zum ersten einmal mindestens dies: Jesus war tot. Aber warum? Oder noch wichtiger: Wozu? Die Antwort auf diese Frage steht bei Jesaja; er schreibt: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn." (Jes 53:4-6) 

Jesus ist also mit einem Ziel gestorben. Er ist „um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen“. Jesus ging aus einem einzigen Grund ans Kreuz: weil Er uns unendlich liebt und nicht möchte, dass wir die Strafe für unsere gottlose Rebellion selber tragen müssen. „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“.

Im Kolosser-Brief lesen wir über den Tod Jesu am Kreuz: „Es hat Gott wohlgefallen, daß [...] er durch [Christus] alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz. Auch euch, die ihr einst fremd und feindlich gesinnt wart in bösen Werken, hat er nun versöhnt durch den Tod seines sterblichen Leibes [...]“ (Kol 1:15-33)  

Und ein Kapitel weiter lesen wir dort: „in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, [...] Und er hat [...] uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet [...] in Christus.“ (Kol 2:9-15) 

Und im Philipper-Brief lesen wir : „Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2:6-11)

Ihr Lieben – ich frage Euch: „Wie tief muss Gottes Liebe sein?!“, dass Er so für uns stirbt? Dass Er Mensch wird, nur um Sein Leben zu lassen? Für uns!! Damit es uns gut geht. „Wie tief muss Gottes Liebe sein?!“


Auferstanden

Lebendig

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „[...] am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten." (Apostolisches Glaubensbekenntnis). Was bedeutet das? Auferstanden? 

Es bedeutet: Jesus Lebt! Er ist nicht mehr im Grab! – Er ist nicht mehr tot! - Jesus lebt!

Gott

Begreifen wir, was das bedeutet? Mal im Ernst: wer von uns kann sagen, was Jesus sagte, und es dann auch, wie Er, in die Tat umsetzen? Er sagte: „Darum liebt mich der Vater, weil ich mein Leben lasse, auf dass ich's wieder empfange. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu empfangen.“ (Joh 10:17+18) 

Kein Mensch hat die Macht, zu sterben und sein Leben dann wieder zurück zu holen. Die Tatsache der Auferstehung bedeutet also nichts weniger, als dass Jesus nicht nur ganz Mensch gewesen ist – sondern Jesus war auch ganz Gott. Er ist der Ewige, der die Macht hat über Leben und Tod. Und genau das lesen wir auch im Römerbrief: "Christus [...] ist Gott, der über alles regiert, ihn loben wir in alle Ewigkeit!" (Rö 9:5) 


Zu unserer Rechtfertigung

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, sagt aber nicht nur etwas über Ihn selber aus, sondern hat auch etwas mit uns zu tun.  Im Römerbrief lesen wir, dass Christus „um unsrer Sünden willen dahin gegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde (Röm 4,25).  Aber was bedeutet das? Rechtfertigung bedeutet, dass wir - trotz unserer Schuld – vor Gott gerecht da stehen können, weil Jesus stellvertretend für uns am Kreuz gestorben ist. Und wenn es heißt, dass Jesus „um unserer Rechtfertigung willen auferweckt“ wurde, dann bedeutet das, dass Gott dieses stellvertretende Opfer angenommen hat – dass Er es gelten lässt. 

Dass Jesus von den Toten auferstanden ist, bedeutet also nichts weniger, als dass Gott das Opfer Jesu Christi anerkannt hat – es ist gültig – für Zeit und Ewigkeit.


Hoffnung

Dass Jesus auferstanden ist, bedeutet aber noch etwas. Im 1. Korinther-Brief lesen wir dazu "Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. [...]  So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft. [...] Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen."  (1Kor 15, 42-43;49)

Spurgeon formulierte das einmal so: "Lasst uns also, wenn wir an den auferstandenen Christus denken, [...] ganz sicher sein, dass unser Körper in ihm in einem verherrlichten Zustand existieren wird."

Jesus ist also Gott in menschlicher Gestalt. Und Er ist an unserer Statt gestorben. Und dass Er auferstanden ist, bedeutet, dass der Preis, den Er für unsere Schuld bezahlt hat, angenommen wurde: wenn wir das im Glauben annehmen, sind wir freigesprochen – und dürfen ewig leben!


Das Evangelium

Das ist also das Evangelium. Mit diesem einen Vers fasst Paulus also alles zusammen, was er bisher gesagt hat: das Jesus Christus der verheißene Messias ist, der Gesalbte Gottes, unser König, wahrer Mensch und wahrer Gott, gestorben für unsere Sünden und auferstanden zu unserer Rechtfertigung und dass wir im Glauben an Ihn die wunderbare Hoffnung haben dürfen, Ihn und Seine Liebe für alle Ewigkeit in Herrlichkeit genießen zu dürfen. Eine Herrlichkeit, von der es heißt: "[...] und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen." (Offb 21,4)

Das ist es, warum wir im Apostolischen Glaubensbekenntnis beten: "Ich glaube an [die] Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ 

Das ist es, was Jesus selber sagt: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, daß sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«“ (Lk 4:16-22)“ 

Darum heißt es bei Jesaja: „Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt [...] und wird euch helfen.« [...] Die Erlösten des HERRN werden [...] kommen [...] mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.“ (Jes 35:2-10)

Das ist es, was auch Jesus selbst in der Offenbarung des Johannes bezeugt: „Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ (Offb 22,16-17)

Wir haben Gott die Treue gekündigt. Wir haben gegen Seine Herrschaft rebelliert, haben Seine Gebote übertreten und uns selbst zu Gott gemacht. Wir haben Ihn vom Thron unseres Lebens gestoßen, um selber zu definieren, was Gut und was Böse ist. Doch Gottes Liebe ist so groß, dass Er sich zu uns hinab beugt – Mensch wird – und für uns stirbt – damit wir leben können. Ewig leben. Gott ist – trotz all unserer Rebellion! – FÜR UNS. 


Stets vor Augen

Das ist das Evangelium, das Paulus hier predigt. Ich kann über Gottes Liebe und Gnade nur staunen und mich in Anbetung fragen: WIE TIEF MUSS GOTTES LIEBE SEIN?!

Dieses Evangelium – diese Liebe Gottes – der für mich Mensch geworden ist – für mich starb – und für mich auferstand – der mich erlöst von meinen Sünden und mir ewiges Leben schenkt – dieses Evangelium möchte ich stets vor Augen haben. 

Mit dem Ausleger Barnes möchte ich – ihr Lieben! – mit dem Ausleger Barnes möchte ich uns allen sagen: "Denke an den Erlöser, der nach all den Leiden dieses Lebens jetzt von den Toten auferstanden ist, und lasse dich dadurch ermutigen, deine Prüfungen zu ertragen.“

Wie tief muss Gottes Liebe sein?! Diese Liebe Gottes – diese unfassbare Liebe – dürfen wir uns jeden Tag neu vor Augen halten: dieses Evangelium - dass der ewige und allmächtige Gott - der König aller Könige und der Herr aller Herren - in Jesus Christus Mensch geworden ist - der für unsere Schuld und Sünde gestorben ist - und der zu unserer Rechtfertigung von den Toten auferstanden ist - der unser Heiland und Erlöser geworden ist - der uns mehr liebt, als sein Leben. 

Diesem Herrn, unserem Gott, Jesus Christus, sei alle Ehre, von nun an bis in Ewigkeit - Amen.

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