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Samstag, 16. Januar 2016

Die Jahreslosung - Jesaja 66:13


Ich selbst werde euch trösten,
wie eine Mutter ihr Kind tröstet.

Jesaja 66:13


Worum es nicht geht

Um die Jahreslosung wirklich zu verstehen, müssen wir sie in ihrem Kontext betrachten. Sonst  wäre die Gefahr groß, dass wir eine Kuschelbotschaft mit Gott als Mutter darunter verstehen - das wäre dann eine viel zu kleine Botschaft, die um ein unsagbar Vielfaches hinter dem zurück bleibt, was Gott an dieser Stelle tatsächlich verspricht. 

So etwas passiert leicht und schnell, wenn man ein Gotteswort aus seinem Zusammenhang reißt. Darum bitte ich alle Leser: Was auch immer ihr in Gottes Wort lest: Lest es immer auch in seinem Zusammenhang!

Die Jahreslosung ist also viel größer, als es auf den ersten Blick den Anschein zu haben scheint. Um sie zu verstehen, wollen wir uns einen Überblick über das Jesajabuch, über die geschichtliche Situation des Volkes Gottes zur Zeit Jesajas und einen Überblick über das 66. und damit letzte Kapitel des Jesajabuches (dem "Evangelium des Alten Testaments") verschaffen.


Worum es wirklich geht

Der Kontext: Was war passiert?

Der Aufbau des Jesajabuches ist spiegelsymmetrisch: In der ersten Hälfte des Jesajabuches geht es um die politische Krise mit Assyrien und den Glauben Hiskias, der Gottes Rettung von den Assyrern zum Ende hatte. In der zweiten Hälfte des Jesajabuches geht es um die persönliche Krise Hiskias und die Torheit Hiskias, die die babylonische Gefangenschaft zur Folge hatte; nachzulesen in 2. Könige 18-20 und 2. Chronika 29-32.

Der zweite Teil, indem unser 66. Kapitel zu finden ist, spricht also vornehmlich in die Krise der babylonischen Gefangenschaft oder das babylonische Exil hinein: Als babylonisches Exil wird dabei eine Epoche der jüdischen Geschichte bezeichnet, die 597 v. Chr. mit der Eroberung Jerusalems und des  Königreiches Juda durch den babylonischen König Nebukadnezar II. beginnt und bis zur Eroberung  Babylons 538 v. Chr. durch den Perserkönig Kyros II fortdauert. Dies ist auch die Zeit, von der uns im Buch Daniel berichtet wird - in der Daniel, Schadrach, Meschach und Abed-Nego zu den auserwählten Exilanten gehörten, die eine Ausbildung für den babylonischen Staatsdienst erhielten. Das Buch spricht also hinein in eine Zeit des Kummers fern der Heimat. 

Im 137. Psalm lesen wir:

An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten,
wenn wir an Zion gedachten.
Unsere Harfen hängten wir an die Weiden dort im Lande.
Denn die uns gefangen hielten, hießen uns dort singen
und in unserm Heulen fröhlich sein:
»Singet uns ein Lied von Zion! «

Psalm 137:1-3


Die Botschaft

Jesaja, Kapitel 66

Das 66. ist das letzte Kapitel und enthält mehrere ineinander verschlungene Worte der Prophetie, die sich beziehen auf:

  • die Erlösung des Volkes Gottes
  • die Ankündigung des Messias
  • die Neugründung des Staates Israel
  • die Wiederherstellung Jerusalems
  • das Gericht Gottes über Seine Feinde
  • das 1.000-jährige Reich
  • die Ewigkeit: Gottes neue Welt (Himmel und Erde werden neu)
 
Genauer:

  • Die Verse 1-4 beschreiben zwei Gruppen von Menschen
  • Die Verse 5-9 kündigen den Messias und die Neugründung des Staates Israel an
  • Die Verse 10-14 kündigen die Wiederherstellung und Frieden für Jerusalem an
  • Die Verse 15-18 beschreiben Gottes Gericht.
  • Die Verse 19-21 beschreiben die Friedenszeit danach.
  • Die Verse 22-24 beschreiben Gottes Reich in Vollendung: neuer Himmel und Erde.


2 Gruppen von Empfängern, 2 Botschaften

Im 66. Kapitel lesen wir von 2 Gruppen von Menschen: den Abgewichenen und Gottlosen auf der einen Seite und den Treuen, Gottes Volk, auf der anderen. Über diese beiden Gruppen lesen wir folgendes: 

  • Die Abgewichenen und Gottlosen, das sind: Mörder, Übeltäter, Gräueltäter und Götzendiener, die eigene Wege gehen (Vers 3). Sie hören Gottes Stimme nicht, antworten ihm nicht (Vers 4) und tun, was böse ist (Vers 4). 

  • Die Treuen, Gottes Volk dagegen, das sind die, die gedemütigten, die mit einem gebrochenen Geist, die vor Gottes Wort zittern (Vers 2). Sie sind seine Diener (Vers 14), sie hören Gottes Wort (Vers 5), sie werden von den Feinden Gottes gehasst und verstoßen und verspottet, weil sie Gott treu sind (Vers 5).

Weiter lesen wir im 66. Kapitel von 2 Botschaften Gottes: Zum einen von Gottes Gericht über die Gottlosen und zum anderen von Gottes Heilshandeln an Seinem Volk. Konkret lesen wir in Jesaja 66:15-18 - über das Weltgericht:

  • Die Gottlosen (Vers 4) werden zugrunde gehen (Vers 5), der HERR vergilt seinen Feinden ihr Tun (Vers 6). Durch Feuer und Wagen übt Gott Vergeltung, wie ein vernichtender Orkan (Vers 15), in glühendem Zorn  und in flammendem Feuer (Vers 15) für alles Böse, was die Menschheit (Vers 16), ja alle Völker und Nationen (Vers 18) gegen Ihn und Sein Volk gesündigt haben und setzt damit ein Zeichen (Vers 18). Die Leichen der Männer jedoch, die sich gegen Gott auflehnten, werden mit ewigem Feuer brennen (Vers 24); seine Feinde nehmen ein schreckliches Ende (Vers 17).
  • Sein Volk jedoch wird Gott trösten, wie eine Mutter ihr Kind und zwar in Jerusalem (Vers 13). Er wird Jerusalem Frieden verschaffen und den Reichtum der Völker wie einen breiten Strom nach Jerusalem lenken (Vers 12) - zur Freude seiner Kinder (Verse 12 und 14). Dieser Trost hat jedoch nicht allein zu tun mit Frieden und Wohlstand, sondern vor allem mit einer Geburt, die uns in mehreren ineinander verwobenen Bildern der Prophetie gezeigt wird (Verse 7-9).


Prophetische Bilder

Die Trost-Botschaft von Jesaja 66 berichtet von einer Geburt: in wenigen Versen (Jesaja 66:7-9) überlagern sich mehrere, ineinander verwobene Bilder, die sich schon mehrfach in der Geschichte erfüllt haben.


Erste Erfüllung

"Wer hat so etwas je gehört?
Wer hat so etwas schon gesehen?
Hat ein Land sich je an einem Tag gebildet?
Wurde je ein Volk an einem einzigen Tag geboren?
Doch Zions Wehen hatten kaum eingesetzt,
da waren ihre Söhne schon geboren."

Jesaja 66:8

Das war, was im Jahr 538 v. Chr. passierte. Damals wurde die Nation Israel tatsächlich neu geboren — gewissermaßen an einem Tag —, nachdem das Land rund 70 Jahre zuvor von den Babyloniern verwüstet und entvölkert worden war. Jesaja 66:8 erfüllte sich zu der Zeit auf beeindruckende Weise, als der persische Eroberer Kyrus der II oder Kyrus der Große den Juden die Rückkehr in ihre Heimat, den Wiederaufbau der Stadt und den Tempelbau erlaubte. Konkret lesen wir im Kyrus-Edikt aus dem Jahre 538 (siehe Esra 1:2):

"So spricht Kyrus, der König von Persien: Der HERR, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben. Nun hat er mich dazu bestimmt, ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu errichten. Denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt. Aber auch die übrigen Einwohner aus all den Orten in denen er als Fremder lebt, sollen ihn unterstützen mit Silber und Gold, mit Vorräten, mit Vieh und darüber hinaus mit einer freiwilligen Gabe für das Haus Gottes in Jerusalem." (siehe auch Esra 6,3-5)

Allein das ist schon ein wunderbares Beispiel dafür, dass Gottes Prophetien eintreffen. 
Doch es kommt noch besser:


Zweite Erfüllung

"Noch bevor die Wehen einsetzten, hat sie geboren,
noch ehe die  Wehen begannen, bekam sie einen Sohn.“

Jesaja 66:7

Das ist wohl der Traum jeder Mutter: Eine Geburt ohne Wehen und Schmerzen. Auf wen trifft das zu? Nicht auf Maria. Wohl aber auf Jerusalem, die "Tochter Zion", also die Nation Israel, die den „Sohn“, Christus, hervorgebracht hat (vgl. Jesaja 9,6; Micha 5,1; Römer 9,5 usw.). Als der Messias zur Welt kam, lagerten Israels Hirten in Bethlehem friedlich auf dem Feld. 

„Du, Tochter Zion, freue dich sehr, 
und du, Tochter Jerusalem, jauchze! 
Siehe, dein König kommt zu dir...“
Sacharja 9,9


Dritte Erfüllung

Und es gibt noch eine Erfüllung von Jesaja 66:8 – aus meiner Sicht die klarste von allen. Zitat: „Es war an einem Freitagnachmittag, am 14. Mai 1948 um 16 Uhr. Die letzten Stunden des britischen Mandats waren angebrochen und im Museum von Tel Aviv hatte sich eine nicht allzu große, handverlesene Gruppe von 350 Personen zu einem schon sehnlichst erwarteten Akt zusammengefunden: der offiziellen Gründung des neuzeitlichen Staates Israel.“ 

Nochmals zur Erinnerung:

"Wer hat so etwas je gehört?
Wer hat so etwas schon gesehen?
Hat ein Land sich je an einem Tag gebildet?
Wurde je ein Volk an einem einzigen Tag geboren?
 
Jesaja 66:8


Unsere Jahreslosung

Ein Wort in die Not

In diese Situation hinein also, mitten hinein in die Bedrängnis und Trübsal Seines Volkes, welches in der babylonischen Gefangenschaft weinte, welches unter der römischen Besatzung große Not litt, welches in der Zeit der Shoah, also des Holocaust unendliches erduldet hatte - und auch in unsere Zeit, in welcher Gottes Volk unter der Bedrängnis der Verfolgung durch die Feinde Gottes - ISIS, Boko Haram und viele andere - leidet, mitten in diese Situation hinein spricht Gott sein Wort vom Trost:

Jubelt alle in der Stadt, die ihr liebt.
Singt alle voller Freude mit ihr,
die ihr um sie getrauert habt.

Dann werdet auch ihr Euch an ihrer tröstenden Brust satt trinken können
und euch an ihrer herrlichen Mutterbrust erfreuen.
Denn so spricht der HERR: "Schaut, ich werde den Frieden wie einen Strom
und den Reichtum der Völker wie einen Fluss nach Jerusalem fließen lassen.

Ihre Kinder werden saugen,
sie werden auf den Armen getragen und auf den Knien liebkost werden.
Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Ihr werdet es zu sehen bekommen
und Euer Herz wird sich freuen....“

Jesaja 66:10-14


Ein Wort der Verheißung

Das also ist es, was Gott seinem seit Anbeginn geknechteten Volk zu sagen hat - denen, die gedemütigt werden, denen mit einem gebrochenen Geist, denen die vor Gottes Wort zittern, denen, die seine Diener sind und Sein Wort hören, denen, die von Gottes Feinden gehasst und verstoßen und verspottet werden, weil sie Gott treu sind: 

Die Botschaft lautet:

  • Ihr seid nicht vergessen!
  • Ich werde Euch aus aller Eurer Not retten!
  • Ich werde mich an Euren Feinden als der Herrliche offenbaren!

Gott hat Sein Wort bereits in der Vergangenheit erfüllt:

  • durch Kyrus, indem er sein Volk aus der babylonischen Gefangenschaft befreite
  • in Christus, der uns besuchte und mit sich versöhnte durch Sein Opfer am Kreuz
  • in der Neugründung Israels; einem nie dagewesenen historischen Ereignis!
Und er wird es ein letztes Mal erfüllen - und diesmal endgültig:

  • durch Sein Weltgericht,
  • welches allen Seinen Feinden ein Ende macht
  • und Seinem Volk ewigen Frieden bringt.

Ein Wort, das sich erfüllt

Das Wachstum des Reiches Gottes zieht sich, ungeachtet aller Verfolgung, durch die Geschichte: was sich im Jahr 538 v. Chr. (siehe Erlösung aus der Babylonischen Gefangenschaft) vorbildhaft vollzogen hatte, wurde (im Kommen Christi) bleibende Realität. Uns diese Realität breitet sich vor unseren Augen (siehe Neugründung des Staates Israel) immer weiter aus. Und sie wird eines Tages volle Wirklichkeit werden, wenn Christus in Herrlichkeit zurück gekehrt ist, wenn alle Feinde Gottes besiegt sind und auch Gottes letzte Verheißung an uns wahr geworden ist:  

Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet. 
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Jesaja 66:13

Dieser Trost hat zu tun mit dem, was Gott tun wird. In Offenbarung 21 lesen wir darüber: 

"Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der alte Himmel und die alte Erde waren verschwunden. Und auch das Meer war nicht mehr da. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen wie eine schöne Braut, die sich für ihren Bräutigam geschmückt hat. Ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen: »Siehe, die Wohnung Gottes ist nun bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein und Gott selbst wird bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen, und es wird keinen Tod und keine Trauer und kein Weinen und keinen Schmerz mehr geben. Denn die erste Welt mit ihrem ganzen Unheil ist für immer vergangen.« Und der, der auf dem Thron saß, sagte: »Ja, ich mache alles neu!« Und dann sagte er zu mir: »Schreib es auf, denn was ich dir sage, ist zuverlässig und wahr!« Und er sagte auch: »Es ist vollendet! Ich bin das Alpha und das Omega - der Anfang und das Ende. Jedem, der durstig ist, werde ich aus der Quelle, die das Wasser des Lebens enthält, umsonst zu trinken geben! Wer siegreich ist, wird dies alles empfangen; ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein." (Offb 21:1-7)

Dieser Trost, der uns in Gottes neuer Welt, im himmlischen Jerusalem, erwartet, wird so innig und so tief und so beruhigend sein, wie die vollkommene Geborgenheit, die ein kleines Kind an der Brust seiner Mutter erfährt. David beschrieb diesen Zustand im 131. Psalm so:

Fürwahr, meine Seele ist still und ruhig geworden
wie ein kleines Kind bei seiner Mutter;
wie ein kleines Kind, so ist meine Seele in mir.

Psalm 131:2


Ein Wort des Trostes

Das Volk Gottes wurde zu allen Zeiten verachtet, verspottet und verfolgt:

  • unter den Babyloniern
  • unter den Römern
  • unter Hitler & Stalin
  • und auch zu unserer Zeit unter Boko Haram und ISIS
Und manchmal haben wir den Eindruck, als habe Gott sein Volk verlassen. 
Doch Gottes Volk war und ist niemals vergessen - Gott hält Seine Versprechen:

  • Er sandte Kyrus, zur Befreiung aus der Gefangenschaft
  • Er kam in Christus und erlöste uns von unseren Sünden
  • Er wirkte in der neuzeitlichen Geschichte und baut weiter Sein Reich
  • und Er wird am Ende der Tage auch Sein letztes Versprechen einlösen

Darum dürfen wir getrost sein in aller Not - und voller Hoffnung warten auf das, was noch kommt: Die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus, der jetzt sitzt zur Rechten des Thrones Gottes und uns vertritt. Denn: mit Seinem Kommen kommt endgültiger Frieden und innigste Geborgenheit. Dann, im himmlischen Jerusalem, werden wir in der ganzen Fülle erfahren, was es heißt, was Gott uns hier verspricht:

Ich selbst werde euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.
In Jerusalem sollt ihr getröstet werden.

Jesaja 66:13

Weil das so ist möchte ich diese Worte abschließen mit zwei Ermunterungen:

"...auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns ständig umstrickt, und lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes." (Heb 12:1-2)
In diesem Sinne: "Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für  die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.“ (1Thess 5:22-23).

AMEN.


Frage und Worte an Dein Herz

  • Bist Du gerade in großer Not?
  • Schau auf Gottes treues Handeln in der Geschichte.
  • Schau auf Christus, den Anfänger und Vollender Deines Glaubens!
  • Hoffe auf Seine Verheißungen.
  • „Treu ist er, der Dich ruft; er wird Dich bewahren!“ (1 Thess 5:22-23)

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[Predigt als MP3]

Donnerstag, 18. Juni 2015

Gott ist König über alle Völker (Ps 47:1-10)


Text

1 "Ein Psalm der Söhne Korach, vorzusingen." 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall! 3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist heilig, ein großer König über die ganze Erde. 4 Er beugt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße. 5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er lieb hat. "SELA". 6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Hall der Posaune. 7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige! 8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen! 9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron. 10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Starken auf Erden; er ist hoch erhaben.


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser Lobgesang der Korahleviten will uns förmlich aus den Stühlen reißen, unseren Gott mit stürmischem Jubel zu besingen. Denn Er allein ist gut. Er allein ist wahrhaft gnädig. Er wird einst Menschen aus allen Völkern unter Seiner gerechten und liebenden Herrschaft vereinen. Denn er allein, der gute und gnädige Gott, regiert über alle Völker der Erde.


Struktur

1 Autoren dieses Lobliedes sind die Korahleviten; es dient dem öffentlichen Vortrag.
2-3 Es lädt alle Völker ein, unseren vollkommen guten Gott von Herzen zu bejubeln
4-6 und bestaunt Sein gnädiges Werk bis hin zur Vollendung der Heidenmission
7-8 Dieser gnädige Gott regiert als unser König die Welt; das ist aller Grund zum Lob
9-10 Auch heidnische Machthaber werden einst als Seine Kinder vor ihm stehen


Inhalt

1 Dieser Lobgesang (vgl. Zusammenfassung von Psalm 44) ist eine zum öffentlichen Vortrag verfasste Dichtung der Korahleviten und besingt in prophetischer Schau die Ehre und das Lob Gottes angesichts der Vollendung des Missionsauftrages.


2-3 Stehende Ovationen sind es, eine unbändige und völlig selbstvergessene Freude, zu denen dieser Psalm uns einlädt: Dass alle Gläubigen (s. Ps 70:5) aus allen Volksgruppen, Ländern und Nationen Gott von ganzem Herzen zujubeln und voller Begeisterung Ihm Beifall klatschen. 

Denn Er, der Ewige, ist nicht nur über jede Macht des Kosmos weit erhaben, nein, Er ist vor allem auch heilig; von vollkommenem Wesen. Er allein ist vollkommen gut und gerecht (Ps 25:8, Ps 92:16, 1Joh 1:5). Er allein ist vollkommen schön: prächtig und herrlich (Ps 104:1). Er allein ist die Wahrheit (Joh 14:6). 

Vor allem aber ist Er - trotz all Seiner für unseren Geist unfassbaren Weisheit, Seiner unsere Seele erschütternden Macht, Seiner für Sünder unerträglichen Heiligkeit und Seiner, für die Augen unseres Herzens blendenden, Herrlichkeit - freundlich (Ps 100:5), barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue (2Mo 34:6). Und dies auf immer; unwandelbar und ewig (1Joh 1:5, Jak 1:17). 

Allein das Wesen Gottes und Seine herrliche Gnade sind es, die Sein Volk aus vollem Herzen jubeln lässt - angesichts der Tatsache, dass Er, unser Heiland, alle Macht hat; als Großkönig über alle Könige der Erde (1Tim 6:15, Offb 17:14, 19:16).


4-6 Nach der Begeisterung über die Vollkommenheit des Wesens Gottes schwenkt der Blick des Psalmisten auf die in Seinen Werken sichtbar werdende Güte und Gnade. Allein die Gnade Gottes war es, die Jakob und vor ihm Abraham das Land zusprach und Israel bei der Landnahme sein Erbteil sicherte. Seine Gnade allein ist es, die das Evangelium vom Heil in Christus unter den Heiden ausrichtet und allein Seine Gnade wird es sein, die in Bälde für die Vollendung des Missionsauftrages sorgen wird, so dass alle Gläubigen an Christus (vgl. Rö 1:16, 11:11-16, Gal 3:28, Eph 2:14, Kol 3:11) - ob aus den Juden oder aus den Heiden - gemeinsam in den Jubel einstimmen werden. Seine Liebe, zuerst zu Jakob und nun auch zu uns ist es, die Ihn dazu drängt (s. Joh 3:16). Und so, wie Gott zum Himmel auffuhr, nachdem Er Abraham und nach ihm Jakob ihr Erbteil verheissen hatte (1Mo 17:22, 1Mo 35:13), so fuhr auch Christus auf, nach dem Er den Jüngern den Heiligen Geist verheißen hatte (Lk 24:51), ohne den der Beginn und die Durchführung der Heidenmission gar nicht möglich gewesen wären. Das Bild vom Hall der Posaune erinnert dabei an den Ruf in die Schlacht - den guten Kampf des Glaubens - und die Verkündigung des Versöhnungstages (3Mo 25:9) - und damit an die Gnade, die Gott allen Völkern in Jesus Christus anbietet.


7-8 Nun, nachdem die Augen unseres Herzens Gottes vollkommenes Wesen und Sein vollkommenes Werk gesehen haben und so unsere Seele Seine wunderbare Heiligkeit erblickt hat, fordert der Psalmist uns zu dem auf, wozu unser Herz ohnehin schon bereit ist: Gott zu loben und ihm zu singen. Drei mal erfolgt diese Aufforderung; zwei mal sogar zur Verstärkung des Aufrufs verdoppelt: Es ist unser heiliger und guter Gott, der zu loben ist; es ist unser liebender König. Und dass Er es ist, der heilige, gute, gnädige und barmherzige Gott, dass ist der Grund für diese Einladung zum freudigen, begeisterten und glückseligen Gotteslob.


9-10 Der Psalm schließt mit einer gewaltigen Feststellung: Gott regiert "über die ganze Erde" (V7) und so über alle Völker, Volksgruppen, Stämme und Nationen. Er ist der unumschränkte Herrscher über alle Menschen. Ihm sind wir alle Rechenschaft und Gehorsam schuldig. Und Er wacht in Seiner Regierung über uns alle. Unbefleckt von der Machtgier und Selbstsucht, die wir so oft bei menschlichen Diktatoren, Tyrannen und Despoten zu beklagen haben, ist Seine Herrschaft; trotz ihres unbeschränkten Machtbereiches vollkommen rein und heilig. Denn unser Gott ist "sanftmütig und von Herzen demütig" (Mt 11:29). Sein Reich ist ein Reich der Gerechtigkeit, der Freude und des Friedens (Röm 14:17), denn Er Selbst ist der Fürst des Friedens (Jes 9:5) und die Liebe in Person (1Joh 4:8). In diesem Friedensreich werden, das ist die hoffnungsfrohe Vision dieses Psalms, einst auch Mächtige aus den Ländern als Kinder Abrahams versammelt werden, das ist: als an Christus Gläubige (Gal 3:7) und als Sein Volk (Röm 9:26, 1Petr 2:9+10). Gottes Volk aber sind Kinder der Verheißung (Rö 9:8), auf der in Christus das "Ja" Gottes ruht (2Kor 1:20). So sind schon in diesem Psalm die Heidenmission und deren letztlich erfolgreiche Vollendung angedeutet.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung

* Hast Du die heilige Güte des Wesens Gottes vor Augen?
* Ist Dir die Gnade Deines liebenden Heilands im Sinn?
* Glaubst Du in Deinem Herzen, dass Dein guter Gott allein regiert?
* So "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren!"

Sonntag, 10. November 2013

Cessationismus: eine mit 1. Kor 13 begründbare Position?

Vorwort

In diesem Post geht es um das Thema "Continationismus vs. Cessationismus". Anlass der Erstellung war eine Diskussion im Facebook-Forum Cessation vs. Continuation of NT Charismata in deren Verlauf sich zeigte, dass die Stelle in 1. Korinther 13, insbesondere die Verse 8-13 eine Schlüsselposition in Bezug auf diese Fragestellung einnimmt.

Zuerst einmal zur Klärung der Begriffe: Der Cessationismus vertritt die Position, dass die 'Wunder Gaben' (bestimmte Charismata) des Heiligen Geistes nach der Zeit der Apostel aufgehört haben. Dagegen der Continationismus vertritt die Position, dass die Gaben nicht aufgehört haben zu existieren, sondern, dass man sie auch heute noch beobachten kann. Motiv & Ziel der unterschiedlichen Positionen dürften nach meiner Wahrnehmung unter anderem die folgenden gewesen sein:

Cessationismus 
  • Hochhalten der Devise 'Sola Scriptura'
  • Schutz des Kanons der Heiligen Schrift vor einer widergöttlichen Manipulation
  • Schutz der Gläubigen vor 'Schwärmertum' (vs. schriftgemäßer Glaubenspraxis)
  • ...
Continuationismus  
  • Hochhalten der Devise 'Sola Scriptura' 
  • Schutz der Übereinstimmung von empirischer Beobachtung mit der Heiligen Schrift
  • Schutz des Wunsches nach ganzheitlich gelebter Spiritualität (vs. einseitiger Schriftfixierung)
  • ...
Den Cessationisten ist es aus gutem Grund wichtig, festzuhalten, dass die Gaben der Apostel aufgehört haben zu existieren. Denn wäre es anders, dann könnte womöglich der Kanon der Schrift in Frage stehen. Auch ist es ihnen wichtig, die Kirche Christi vor Schwarmgeistern zu bewahren, die unbiblische Praktiken als 'Geistesgaben' ausgeben und damit die Kinder Gottes verführen, wie wir es bei Televangelisten, wie z.B. Joyce Meyer und anderen nur allzuoft zu beklagen haben.

Den Continuationisten ist es wichtig, die empirisch erfahrbare Wirklichkeit nicht zugunsten eines Dogmas auszublenden, sondern zuzulassen, dass "der Wind weht, wo er will" (Joh 3:8). Auch auf ihrer Seite der Diskussion finden sich Menschen, die die Devise 'Sola Scriptura' hochhalten und denen eine saubere, weil schriftzentrierte Theologie am Herzen liegt.

Die wahre Schwierigkeit wird wohl darin liegen, das "Wehen des Geistes" zu akzeptieren und dennoch an den glaubensbestimmenden Dogmen festzuhalten. Den Kanon zu bewahren und dennoch die Wirklichkeit als die wahrzunehmen, die sie ist. Die Geschwister im Glauben vor Irrlehre zu bewahren und dennoch das Kinde nicht mit dem Bade auszuschütten, indem 'wegdefiniert' wird, was Gott schenken will.

Dieser Post wird sich dabei allein auf die Fragestellung beschränken, inwiefern 1. Korinther 13:8-13 dazu geeignet ist, die cessationistische Position zu begründen.


Analyse
 
Von daher war es mir wichtig, einmal genau hinzusehen und zu schauen, was 1Kor 13, insbesondere die Verse 8-13, uns genau zu sagen haben, da sich hier offenbar die Geister der Exegeten scheiden. Dabei bin ich fest davon überzeugt, dass eine schriftgemäße Auslegung dieser Stelle den Schlüssel und die Antwort auf unsere Frage birgt. 

Der Text

Zuerst einmal möchte ich den Text aus der Übersetzung Martin Luthers zitieren: 
"Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen."

Eine Exegese

Was sagt uns nun dieser Text? Ich denke es sind, bezogen auf unsere Fragestellung, verschiedene Ebenen und Detailgrade von Aussagen über einige der Charismen. 

1. Einige Charismen bleiben - andere Charismen hören auf

Zum Ersten einmal sind es ganz einfach Aussagen darüber, dass einige Charismen bleiben und dass andere Charismen aufhören. Konkret sagt, der Text (Vers 8), dass folgende Charismen:
bleiben
  • die Liebe bleibt / hört niemals auf
  • der Glaube bleibt
  • die Hoffnung bleibt
aufhören
  • das prophetische Reden hört auf
  • das Zungenreden hört auf
  • die Erkenntnis hört auf

2. Was aufhört ist Stückwerk - was vollkommen ist, bleibt 

Die nächste Frage ist die nach der Begründung: "Warum hören manche Charismen auf?"
Antwort: 
  • sie sind Stückwerk (Vers 9)
  • Umkehrschluss: was „jetzt“ keinen Stückwerkcharakter hat, bleibt auch „dann“
Interessant hierbei ist, dass Paulus hier von unser prophetisches Reden und unser Wissen redet, sich selbst und seine apostolische Gabe der Prophetie und Erkenntnis also miteinbezieht. Dies zu erinnern wird wichtig sein für die weitere Auslegung.


3. Das Stückwerk hört auf - wenn das Vollkommene kommt

Die nächste und m.E. entscheidende Frage ist die nach dem "Wann?". 

Die Schlüsselstelle zur Exegese ist hier 1Kor 13:10 in Verbindung mit 13:12. 
Antwort:
  • Wenn „das Vollkommene“ kommen wird (V. 10) 

4. Das Vollkommene - was ist das?
Was aber ist dieses Vollkommene? Das fragliche Wort (teleioi/teleiois) kommt auch noch in 1Kor 2:6 und 1Kor 14:20 vor. Dort wird es mit „die Vollkommenen“ (tois teleiois: die Gereiften, die Vollendeten, die Erwachsenen), bzw. „vollkommen“ (teleioi: erwachsen) im Gegensatz zu „Kindern“ übersetzt.

Doch tauchen Begriffe des Wortstammes teleiois noch an anderen Stellen auf:
  • Mt 5:48 „Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“
    (hier im Sinne von ‚ohne Mangel‘ = ‚vollkommen‘)
  • Php 3:15 „Wie viele nun unser vollkommen sind...“
    (hier im Sinne von ‚gereift‘ = ‚erwachsen‘)
  • Col 4:12  „...auf daß ihr bestehet vollkommen und erfüllt mit allem Willen Gottes.“
    (hier wieder im Sinne von ‚ohne Mangel‘ = ‚vollkommen‘)
  • Jas 1:4  „...auf daß ihr seid vollkommen und ganz und keinen Mangel habet.“
    (auch hier wieder im Sinne von ‚ohne Mangel‘, diesmal sogar explizit)
Wenn man das Zeugnis nicht nur von 1. Korinther sondern auch der Schrift darüber hinaus betrachtet, so ist keineswegs aus der Wortwurzel allein eindeutig abzulesen, ob die Übersetzung eher in Richtung von ‚erwachsen‘ oder eher in Richtung von ‚vollendet‘ gehen sollte. 


4b. Das Vollkommene - was könnte es sein?

So gibt es in Bezug auf 1Kor 13:10 mehrere, auch gegenwärtig noch immer diskutierte Möglichkeiten, die ich hier einmal wie folgt zusammenfassen möchte:
  1. Die Vollendung des Kanons des NT 
  2. Die Reife des Leibes Christi
  3. Die direkte Begegnung mit Gott (bei der Parousie, im Himmel, etc.)

5a. Das Vollkommene - wann kommt es?
Bemühen wir uns, die Bedeutung von to teleion in 1Kor 13:10 anhand der Optionen durch Analyse zu beantworten, so zeigt sich, dass der im direkten Kontext stehende Vers 12 den Vers 10 weiter konkretisiert, denn er beantwortet zwei wesentliche Fragen:

Erstens: "Wann kommt dieses Vollkommene?"
Antwort:
  • "dann" (Vers 12)

5b. Das Vollkommene - wann kommt es genau?

Das klingt natürlich nun etwas lapidar. Die Frage, die daher zu beantworten bleibt, ist: 
Zweitens: "Woran kann das Eintreffen dieses "dann" erkannt werden?"

Auch hier gibt Vers 12 Aufschluss: Es präzisiert das bereits Gesagte, indem es das "dann" in Bezug setzt zum "jetzt" und diesen Bezug anhand von konkreten Propositionen klar herausarbeitet, indem er die für das "jetzt" geltenden Propositionen den für das "dann" geltenden Propositionen gegenüberstellt:
"jetzt":
  • Blick durch einen Spiegel ein dunkles Bild
  • nur stückweise Erkenntnis (apostolische mit eingeschlossen! siehe oben)
"dann":
  • Blick "von Angesicht zu Angesicht"
  • Erkenntnis "wie ich erkannt bin"
Der wahre Schlüssel liegt also im "dann", denn es bezieht sich auf den Zeitpunkt an dem das Stückwerk aufhört und das "Vollkommene" kommt. Und dieses „dann“ wird konkretisiert und damit erkennbar an der Bewahrheitung von zwei Propositionen, die im „jetzt“ eben noch nicht bewahrheitet sind: 
  1. Der Blick von Angesicht [Gottes] zu Angesicht [des Menschen] und 
  2. die Erkenntnis, die von der Qualität ist, mit der ich [von Gott] erkannt bin.

6. Das Vollkommene - was es nicht ist

Nun da klar ist, woran sich der Zeitpunkt des "dann" erkennen lässt, an welchem die unvollkommenen Charismen aufhören werden, weil sie Stückwerk sind, nämlich an der direkten Begegnung mit Gott und, damit einhergehend, mit der unmittelbaren Erkenntnis Gottes, können wir versuchen die vor uns liegenden Optionen anhand der Propositionen einzuordnen in ein „jetzt“ und das „dann“:
1. Die Vollendung des Kanons des NT
Die Vollendung des Kanons des NT kann nicht gemeint sein, den sie impliziert keine Begegnung „von Angesicht zu Angesicht“, wie sie seit Mose (siehe 2Mo 33:11 in Verbindung mit 5Mo 34:10) und der Verklärung (siehe Joh 1,14 in Verbindung mit Mt 17,1) niemandem mehr zuteil geworden ist. Vielmehr begegnen wir Gott „jetzt“ „in einem dunkeln Wort“. Wie ‚dunkel‘, das merken wir daran, dass es dieses Postes hier bedarf, um etwas ‚Licht‘ in die ‚Dunkelheit‘ zu bringen.
2. Die Reife des Leibes Christi
Das Gleiche gilt für die Reife des Leibes Christi. Auch sie impliziert keine Begegnung „von Angesicht zu Angesicht“. Es ist also exegetisch nicht haltbar, das Vollkommene mit der Reife des Leibes Christi gleichzusetzen.
Das Vollkommene tritt also ganz sicher nicht schon bereits hier auf Erden ein.

Denn: wir „alle haben durch den Glauben Zeugnis überkommen und [noch] nicht empfangen die Verheißung" (Heb 11:39-40), vielmehr „sind [wir] wohl selig, doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man des hoffen, das man sieht? So wir aber des hoffen, das wir nicht sehen, so warten wir sein durch Geduld.“ (Rö 8:24).


7. Das Vollkommene - was es ist

3. Die direkte Begegnung mit Gott (bei der Parousie, im Himmel, etc.)
Ganz sicher werden wir erst „dann“, das ist in der direkten Begegnung, Gott „von Angesicht zu Angesicht“ sehen. Ja die Begegnung mit Gott wird so unmittelbar und direkt sein, dass er alle Tränen von unseren Augen abwischen wird (Off 7:17, 21:4)
Auch werde ich „jetzt“ Gott nicht mehr „in einem dunklen Wort“ nur Bruchstückhaft erkennen (ginosko), sondern ich werde ihn vollständig (epi-ginosko) erkennen.
Allerdings werden wir in unserer Erkenntnis niemals an einen Punkt gelangen, wo wir Gott „zu Ende erkannt“ haben, denn ER ist unendlich. Jedoch werden wir im Himmel, wenn auch verherrlichte, so doch noch immer begrenzte Geschöpfe sein. Und doch werden wir Ihn „dann“ auf eine Weise erkennen, wie ER uns schon „jetzt“ erkennt. Unmittelbar und nicht mehr „durch einen Spiegel“.

Das Vollkommene muss also der Ewigkeitszustand sein, wenn wir in der Herrlichkeit Gott von Angesicht zu Angesicht begegnen und in der neuen, ewigen Schöpfung zur vollen Erkenntnis gelangt sind.

Erst dort wird es heißen: „Und es wird kein Verbanntes mehr sein. Und der Stuhl Gottes und des Lammes wird darin sein; und seine Knechte werden ihm dienen und sehen sein Angesicht; und sein Name wird an ihren Stirnen sein.“ (Offb 22:4)