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Sonntag, 9. Januar 2022

Die Jahreslosung 2022 - Johannes 6,37


 [Predigt als MP3] | [Predigt als Video]


Einleitung

„Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.“ heißt es ja in einem deutschen Sprichwort. Was damit gemeint ist, ist, glaube ich, klar: Manchmal stehen wir so nah an den Ereignissen dran, dass uns das Wesentliche aus dem Blick gerät. Manchmal sind wir von dem, was in unserem Leben geschieht, so beeindruckt – so vereinnahmt, dass wir das, worum es eigentlich geht, gar nicht mehr mitkriegen. Wir „sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht“.

So ging es wohl auch der Volksmenge, zu der Jesus damals gesprochen hat, als er diesen wunderbaren Satz sagte, der heute unsere Jahreslosung ist. Sie sahen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Oder besser: sie sahen den Messias vor lauter Wundern nicht.

Um zu verstehen, warum ich das sage – also, dass das Volk damals den Messias vor lauter Wundern nicht erkannt hat – muss ich vielleicht ein wenig ausholen: Wenn man sich die Jahreslosung nämlich mal im weiteren Kontext anschaut – also im Rahmen vom ganzen Kapitel 6 des Johannesevangeliums – dann fällt einem etwas auf. 

Dass es dieser Satz, also unsere Jahreslosung, nämlich ganz schön in sich hat! Man könnte ja – wenn man ihn so aus dem Kontext reißt – meinen, der Satz wäre eher als Trost gemeint gewesen. Wenn man aber etwas genauer hinschaut, dann sieht man, dass der Satz eigentlich eine ganz schöne „Watschn“ ist.

Wie komme ich zu dieser Behauptung? 

Lasst es mich mal so erklären: Gehen wir erst mal ganz weit weg von den Bäumen und schauen mal aus einiger Entfernung auf den Wald. Gehen wir erst mal ganz weit weg von unserem Text und schauen mal aus einiger Entfernung auf das ganze Kapitel 6 des Johannesevangeliums. 

Wenn wir nämlich „von ganz weit weg“ immer näher in das Kapitel 6 des Johannesevangeliums reinzoomen, dann sehen wir, dass unser Text eingebettet ist in eine Geschichte:

  1. Zuerst war da Die Speisung der 5.000 (Joh 6,1-15) – Jesus hatte mit nur 2 Fischen und 5 Broten eine Volksmenge von 5.000 Männern plus Frauen und Kinder (also ungefähr 20-25.000 Menschen) satt gemacht.

  2. Danach kommt die Geschichte, wie Jesus auf dem See geht (Joh 6,16-21) – und wie das Volk ihm hinterher läuft; wegen der Krankenheilungen und dem Wunder mit der Brotvermehrung.

  3. Dann kommt der Abschnitt, in dem unser heutiger Vers steht – er ist bei Luther überschrieben mit „Jesus, das Brot des Lebens“ (22-59)

Und wenn man in diesen Abschnitt jetzt noch weiter reinzoomt, dann erkennt man folgende wesentliche Dinge:

  1. Zuerst kritisiert Jesus die Menge für ihre falschen Motivation: er macht ihnen klar, dass sie ihm nur aus irdischer Bedürfnisbefriedigung nachgelaufen sind; dass sie ihm nur folgen, weil Er sie satt gemacht hat. Vers 26 steht “Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.“

  2. Zum zweiten geht es dann darum, was eigentlich die richtige Motivation sein sollte, Jesus nachzufolgen: nämlich an ihn zu glauben. Vers 28 und 29 steht: „Da fragten sie ihn: Was sollen wir tun, dass wir Gottes Werke wirken? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Das ist Gottes Werk, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“

  3. Damit aber sind wir beim Kern – nämlich bei der Frage, wer Jesus wirklich ist – nämlich der Messias, der Heiland – das Brot des ewigen Lebens. Vers 35 “Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens.“

In diese Situation hinein also spricht Jesus diesen Satz, der heute unsere Jahreslosung ist: zu Menschen, die nur „Bäume“ sehen. Zu Menschen, die ihm aus den falschen Motiven folgen. Zu Menschen, denen es nur um ihren „Bauch“ geht. Zu Menschen, die ihm folgen, weil sie „wundersüchtig“ sind. Zu Menschen, die ihm folgen, weil nur wollen, dass er ihre irdischen Bedürfnisse befriedigt.

Was Jesus aber will, ist, dass sie den „Wald“ erkennen: Dass sie erkennen, wer er wirklich ist. Dass sie zum Glauben kommen: zur Erkenntnis ihrer Sünde und zur Erkenntnis Seiner Gnade. Damit sie für ewig gerettet werden.

Man könnte es auch so sagen Im Fadenkreuz der Losung für 2022 stehen 2 Aspekte; ein horizontaler und ein vertikaler. Horizontal geht es um zwei Sorten von Menschen: die Sucher der Gabe und die Sucher des Gebers. Und vertikal geht es um zwei Wahrnehmungen von Christus: die falschen und die richtige; der Wunder wirkende Morallehrer und Sozialreformer oder der Mensch gewordene Gott, der Messias. Und im Fadenkreuz dieser beiden Sichten steht unser Vers; die Jahreslosung. Und an die möchte ich mich - gemeinsam mit Euch, wie folgt heran machen.


Übersicht

Heute möchte ich, gleich nach der Textlese, direkt einsteigen in die Predigt. Dazu möchte ich die beiden Hälften des Verses – Vers 37a und Vers 37b – gemeinsam mit Euch etwas genauer anschauen und entdecken, worum es in den beiden Hälften geht: in der ersten Hälfte um unverdientes neues Leben und in der zweiten Hälfte um Gottes unfassbare Gnade. Zum Abschluss möchte ich – unter der Überschrift „Balsam für Dein Herz“ – die gesamte Predigt in einem anderen Vers zusammenfassen, der für mich das Spiegelbild unserer Jahreslosung ist.


Text

Jesus sagt: 

„Alles, 

was mir der Vater gibt, 

das kommt zu mir; 


und wer zu mir kommt, 

den werde ich nicht hinausstoßen.“


(Johannes 6,37)


Unverdientes neues Leben

"was der Vater mir gibt": 

In Vers 37a sagt Jesus, dass diejenigen, die Gott, der Vater, "ihm gibt", zu Jesus kommen. Aber was heißt das? Wieso muss Gott uns erst Jesus "geben", bevor wir zu Jesus "kommen"? In Joh 6,44 und 6,65 lesen wir das klarer. Dort steht: "Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat [...]." (Joh 6,44). Und "Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben." (Joh 6,65)
 
Aber was bedeutet das? Wieso kommt niemand zu Jesus, "es sei denn, der Vater zieht ihn"? Oder, noch krasser gefragt: Wieso kann niemand zu Jesus kommen, es sei denn, der Vater schenkt ihm dieses "kommen"? 

Der Grund dafür liegt darin, dass wir als gefallene Menschen von Natur aus Sünder sind - die Bibel nennt das "geistlich tot". Aber was bedeutet das: "geistlich tot"? Geistlich tot zu sein bedeutet, dass wir von Natur aus Gott und Seinen Geboten feindlich gegenüber stehen. Dass in uns von Natur aus kein Lebensfunke ist, keine Kraft, keine Motivation, Gottes Willen zu tun. Wir wollen es nicht. Und wir können es auch nicht.
 
Seit dem Sündenfall im Paradies haben wir kein geistliches Leben mehr in uns. Wir sind nur noch auf biologischer Ebene lebendig. Die Bibel nennt das "fleischlich sein". Seit dem Sündenfall also sind wir als Menschen nur noch "fleischlich" lebendig und nicht "geistlich".
 
Von Natur aus sind wir also Feinde Gottes - das heißt: wir können und wir wollen gar nicht Gottes Freunde sein. In Römer 8,7 steht das so: "Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch sich dem Gesetz Gottes nicht unterwirft; denn es vermag's auch nicht." (Röm 8,7) Wir wollen aufgrund unserer sündigen Natur aus gar nichts mit Gott zu tun haben. Darum kommen wir nicht aus eigenem Antrieb zu Christus. Weil wir es nicht wollen. Und weil wir es nicht können.
 
Wir können nur dann zu Christus kommen, wenn der Vater durch den Heiligen Geist in unseren Herzen ein echtes Wunder bewirkt: wenn er uns nämlich neues Leben schenkt: ein Leben, dass Gott nicht feindlich, sondern vielmehr freundlich gegenüber steht - ein Leben, dass Gottes Gebote tun will - und kann.
 
Diese Tatsache, dass wir erst ein neues Leben geschenkt bekommen müssen, bevor wir überhaupt einen Blick für die Dinge Gottes entwickeln können, diese Tatsache hat Jesus einmal so in Worte gefasst: "Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." (Joh 3,3)
 
Als Menschen nach dem Sündenfall, als Feinde Gottes, als geistlich Tote, haben wir also gar keine Chance, zurück zu Gott zu kommen - außer, Gott tut etwas ganz Außergewöhnliches - außer, Gott schenkt uns (obwohl wir Ihm gegenüber so feindlich eingestellt sind!) neues Leben.
 
Und genau das ist es, was Gott gemacht hat. Das lesen wir im ganzen Neuen Testament. Hier einmal nur 3 Stellen. Kol 2,13: "Und Gott hat euch mit ihm [das ist: mit Christus] lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden."; Röm 5,10 "[...] wir [sind] mit Gott versöhnt worden [...] durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, [...]."; und Eph 2,4+5 "Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; [...]."
  
Summa: Wenn in unserem Vers 37a also steht "was der Vater mir gibt", dann ist das bereits das Evangelium! Denn mal ganz ehrlich: wie gehen wir Menschen normalerweise mit unseren Feinden um? Machen wir ihnen Geschenke? Wir hoffen wohl eher, dass sie vor den Kadi kommen - oder wir wünschen ihnen noch Schlimmeres. Und was macht Gott? Gott ist bereit, selbst seinen Feinden! neues, ewiges Leben zu geben. 

Und es geht weiter.

"Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir"

In unserem Vers steht Gott sei Dank nicht: "Also, manche, die der Vater mir geben wollte, die kommen dann vielleicht auch irgendwann mal zu mir - oder eben auch nicht." 

Nein! Dort steht: "Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir." Alles! Das bedeutet: Nicht einer fehlt! Oder mit anderen Worten: Wenn Gott sich in den Kopf gesetzt hat, Dich zu retten, dann macht er das auch! In Rö 8,30 lesen wir das so: "Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht." (Rö 8,30)
 
Summa: was Gott will, das macht er auch. Niemand kann ihn hindern. Und wenn Gott Dich retten will, dann wird er das auch tun. Er wird Dich lebendig machen. Und Du wirst zu Jesus kommen. 

Doch wer ist dieser Jesus?
 

"Alles, was mir der Vater gibt, das kommt zu mir"

Genau darum geht es eigentlich in diesem ganzen Abschnitt: um die Blindheit des Volkes. Da steht der Mensch gewordene Gott vor ihnen - wirkt Wunder, die nur Gott wirken kann - und alles was sie von ihm wollen ist: noch mehr Brot. Noch mehr Wunder. Sie wollen die Gaben; nicht den Geber. Sie sehen zwar Jesus leibhaftig vor sich stehen, aber sie sind so tot und blind, dass sie nicht erkennen, mit wem sie es wirklich zu tun haben.
 
Und auf diese Blindheit treffen wir überall. Diese Blindheit für die Identität von Jesus. In Mt 16,13-17 lesen wir: "Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei? Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder einer der Propheten. Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel." (Mt 16,13-17)
 
Das muss also erst Gott der Vater einem Menschen in seinem Herzen offenbaren, dass Jesus nicht nur ein Prophet ist - nicht nur ein Wundertäter - sondern Gottes Sohn. Genau das aber ist das sicherste Zeichen für dieses neue Leben in uns, für die geöffneten Augen, dass wir Jesus erkennen als den, der er ist: Gottes Sohn. Gott in menschlicher Gestalt. Und genau über diese Erkenntnis - das Jesus der Christus ist - der Sohn Gottes - Gott und Mensch - hat C.S. Lewis in seinem Buch "Pardon, ich bin Christ!" so treffend geschrieben:
 
„Unter ... [den] Juden taucht plötzlich ein Mensch auf, der so spricht, als wäre er Gott. Er behauptet Sünden vergeben zu können. Er sagt, er sei von Ewigkeit an gewesen. Er sagt, er werde am Ende der Zeiten kommen, um die Welt zu richten. Überlegen wir uns, was das heißt! Unter Pantheisten, etwa bei den Indern, könnte jeder sagen, er sei ein Teil Gottes oder eins mit Gott; dabei wäre gar nichts Besonderes. Dieser Mann aber konnte nicht einen solchen Gott meinen, denn er war ein Jude. In seiner Sprache bedeutete Gott jenes Wesen außerhalb der Welt, das die Welt erschaffen hatte und von allem anderen unendlich verschieden war. Wenn man das bedacht hat, wird klar: Das, was dieser Mann gesagt hat, war schlechthin das Unerhörteste, was je über menschliche Lippen gekommen ist. Uns entgeht leicht der Anspruch, der in der Behauptung liegt, Sünden vergeben zu können. Wir haben es so oft gehört, daß uns gar nicht mehr bewußt wird, was damit eigentlich gesagt wird. Diese Behauptung ist so ungeheuerlich, daß sie komisch wirken müßte, käme sie nicht von Gott selbst. Wir alle würden verstehen, daß ein Mensch ein ihm angetanes Unrecht vergibt. Jemand tritt mir auf den Fuß, und ich verzeihe ihm; jemand stiehlt mir mein Geld, und ich vergebe ihm. Was aber sollen wir mit einem Menschen anfangen, der - selber unberaubt und unbehelligt - verkündet, er vergibt allen, die anderen Leuten auf die Füße treten und anderer Leute Geld stehlen? Eselsdumme Albernheit wäre noch die zarteste Umschreibung für ein derartiges Verhalten. Und doch hat Jesus eben dies getan. Er sagte zu den Menschen, ihre Sünden sind ihnen vergeben, ohne erst alle die anderen zu fragen, denen sie mit ihren Sünden Unrecht getan hatten. Ohne zu zögern verhielt er sich, als sei er der am meisten Betroffene, derjenige, demgegenüber man sich am meisten vergangen hat. Das ist nur dann verständlich, wenn er wirklich Gott ist, dessen Gesetze gebrochen und dessen Liebe durch jede Sünde verletzt wird. Im Mund jedes anderen, der nicht Gott ist, würden diese Worte doch wohl ein Maß von Einfältigkeit und Einbildung zum Ausdruck bringen, das in der Geschichte seinesgleichen sucht. Dennoch haben nicht einmal seine Feinde den Eindruck von Einfältigkeit und Einbildung bei ihm, wenn sie die Evangelien lesen, geschweige denn vorurteilslose Leser. Das ist sehr bezeichnend und beachtenswert. Christus sagt von sich, er sei „demütig und sanftmütig“, und wir glauben ihm, ohne zu merken, daß wir - wäre er ein Mensch - nur die wenigsten seiner Aussagen als „demütig und sanftmütig“ bezeichnen würden. Damit versuche ich, jedermann vor dem wirklich läppischen Einwand zu bewahren, er sei zwar bereit, Jesus als großen Morallehrer anzuerkennen, aber nicht seinen Anspruch, Gott zu sein. Gerade das können wir nicht sagen.- Ein Mensch, der solche Dinge wie Jesus sagt, wäre kein großer Morallehrer. Er wäre entweder ein Irrer - oder der Satan in Person. Wir müssen uns deshalb entscheiden: Entweder war dieser Mensch Gottes Sohn, oder er war ein Narr oder Schlimmeres. Man kann ihn als Geisteskranken einsperren, man kann ihn verachten oder als Dämon töten. Oder man kann ihm zu Füßen fallen und ihn Herr und Gott nennen. Aber man kann ihn nicht mit gönnerhafter Herablassung als einen großen Lehrer der Menschheit bezeichnen. Das war nie seine Absicht; diese Möglichkeit hat er uns nicht offengelassen.“ (C.S. Lewis)
 
Summa: Wenn Gott das Wunder des Neuen Lebens in unseren Herzen wirkt, dann kommen wir zu Jesus und erkennen ihn als den, der er wirklich ist: nicht allein ein Morallehrer, nicht nur ein Prophet oder ein tolles Vorbild - sondern der ewige und allmächtige Gott, der das Universum erschaffen hat – in menschlicher Gestalt. 


Unfassbare Gnade

"und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen."

Jetzt magst Du sagen: "Ja, natürlich! Natürlich ist Jesus der Christus. Natürlich ist er der Sohn Gottes. Das ist ja gar nicht das Problem. Das Problem bin ich! Schau mich doch an! Ich bin so verkorkst, so voller Schuld und Sünde, so völlig verdorben, so hoffnungslos schlecht - wie kann ich es da wagen, auch nur in Seine Nähe zu kommen?

Wenn Du diese Gefühle kennst, diese Gefühle von Scham und Wertlosigkeit - diese Gefühle von äußerster Unwürdigkeit - dieses Empfinden, dass jemand wie Du in der Gegenwart des vollkommen heiligen und reinen Gottes überhaupt nichts verloren hat, dann geht es Dir, wie Petrus. Als Petrus erkannte, wer Jesus war, war seine instinktive Reaktion die gleiche. In Lk 5,8 lesen wir: "Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch." (Lk 5,8)

Wenn Gott Dir neues Leben geschenkt hat - wenn Du beginnst zu sehen, wer Jesus ist - und wenn Du beginnst zu sehen, wer Du bist in Gottes Augen - dann wird Dir Angst und Bange. Dann fängst Du an zu sehen, was es bedeutet, dass Gott heilig ist - und Du sündig. 

Dann kannst Du Dir nicht mehr vorstellen, dass Er Dich in Seiner Gegenwart haben will. Ja, Du kannst Dir nicht einmal mehr vorstellen, auch nur den Gedanken zu hegen, Dich in Seine Gegenwart hin aufzumachen. Es ist, als würden magnetische Kräfte Dich von diesem Ansinnen fern halten. Als würdest Du in Deinem Herzen eine Art Kraft der Abstoßung spüren, die es Dir unmöglich machen will, zu Jesus zu kommen. Denn: Das kann einfach nicht sein! Dass dieser heilige Gott Dich auch nur einen Millimeter näher zu sich heranlassen würde - das ist für Dich völlig undenkbar.

Weißt Du, wovon ich spreche?

Dann möchte ich Dich bitten, jetzt ganz genau aufzupassen. Denn was jetzt kommt, ist eine Lektion, für die ich über 30 Jahre gebraucht habe, um sie auch nur ansatzweise zu lernen. Und was ich gelernt habe, möchte ich in zwei Aussagen für Dich zusammen fassen. Die erste Aussage ist: 
  • "Gott ist anders." Er ist ganz anders. Er ist so völlig anders, als Du es Dir vorstellst, dass Du es am Anfang vielleicht gar nicht glauben kannst.
  • Die zweite Aussage ist: "Vertraue Seinem Wort." Vertraue nicht Deinen Gefühlen. Denn Deine Gefühle sind oft ein ganz, ganz schlechter Indikator für die Wahrheit. Wenn es nach Deinen Gefühlen ginge, dann müsstest Du vor Gott davon laufen.
Doch das musst Du nicht! "Gott ist anders!" "Gott ist gnädig!" Als Moses Gott darum bat, sich ihm zu offenbaren - wie hat Gott sich ihm da vorgestellt? In 2. Mose 34,5-7 lesen wir: "Da kam der HERR hernieder in einer Wolke und trat daselbst zu ihm. Und er rief aus den Namen des HERRN. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus: HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der da Tausenden Gnade bewahrt und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde." (2. Mose 34,5-7)

Gott ist barmherzig. Gott ist gnädig! Gott ist geduldig. Gott ist treu. Er vergibt Dir alle Deine Schuld und Sünde! Er will Dich bei sich haben! Vertraue Seinem Wort!

Wenn wir unseren Vers im griechischen lesen kommt das noch viel besser zum Ausdruck. Dort steht ja nicht nur, dass wirklich alle die der Vater ihm gibt zu Jesus kommen. Sondern dort steht: "οὐ μὴ ἐκβάλω ἔξω" (ou me ekbalo exo). Und das heißt auf Deutsch: "Ich werde auf keinen Fall verstoßen". Es ist eine sehr starke doppelte Verneinung. Es ist ein ganz eindeutiges Versprechen Jesu, jeden, der kommt, aufzunehmen. Es ist, als würde Jesus sagen: "Wer zu mir kommt, den werde ich gar nie nicht hinaus werfen."

Und wer kommt? Es kommen alle, die der Vater ihm gibt. Ohne Ausnahme. Da gibt es keine Unterschiede. Es ist vollkommen egal, was Du auf dem Kerbholz hast. Es ist vollkommen egal, wie sehr Du Dich zu Gottes Feind gemacht hast. Er macht Dich lebendig. Er zeigt Dir, wer Jesus Christus ist. Er liebt Dich! Er will Dich in Seiner Gegenwart haben.

Ich muss bei Gottes Liebe gegenüber uns sündigen Menschen immer an das Gleichnis vom verlorenen Sohn denken. Die meisten von Euch kennen es. Und für die, die es noch nicht kennen, will ich nur den Anfang kurz zusammen fassen. 

In diesem Gleichnis geht es um einen Sohn, der sich noch vor dem Tod seines Vaters sein Erbe hat auszahlen lassen und der dann das ganze Geld im Ausland verprasst hat. Doch irgendwann war die Kohle alle. Und er war finanziell so am Ende, dass er froh gewesen wäre, wenn ihm jemand etwas Schweinefutter gegeben hätte. Und mitten in dieser Misere geschieht das Wunder in Seinem Herzen: Er erkennt sich selbst - und er bereut, was er getan hat. Und dann lesen wir, was er sich vorgenommen hatte: Er dachte bei sich: 

"Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein." (Lk 14,18-24)

Versteht ihr? Der Sohn war so voller Scham und Schuld, dass er bei sich dachte: "Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße." Er konnte sich nicht vorstellen, seinem Vater unter die Augen zu treten. 

Und was macht der Vater? "Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn." Gott ist so froh, wenn wir zu ihm umkehren, Er ist so glücklich, dass Ihm nur noch nach feiern zumute ist: "lasst uns essen und fröhlich sein!"

Summa: Vertraue Seinem Wort. Vertraue nicht Deinen Gefühlen. Gott ist anders. Er ist ganz anders. Er ist gnädig. Und Er vergibt Dir von ganzem Herzen gern. Alles. 

Amen.

sdg

Sonntag, 31. Oktober 2021

"Werde ich es bis zum Himmel schaffen?" (Philipper 1,2.6)

 [Predigt als MP3]


Einleitung

Heute ist der 31.10. – und das ist nicht nur der Geburtstag meines Vaters, es ist auch der Reformationstag – der Tag an dem wir die Reformation feiern. Also die Tatsache, dass Luther und andere das Evangelium wiederentdeckt haben. Doch worum geht es da? Und was genau ist passiert? Und wie kam es dazu? 

Nun, der Reihe nach.

Luther war ehemals ein Mensch, der von einem „schiefen“ Gottesbild geprägt war: Gott war für ich der absolut gerechte, allmächtige, zornige und strafende Weltenrichter. Einer, dem man es – bei aller Mühe – nicht recht machen konnte. Und Luther wollte es ihm recht machen - durch ein vorbildliches Leben - als Mönch - durch Anstrengung und Selbstkasteiung. 

Luther wollte mit seinen Werken „Rechtfertigung“ und Frieden vor Gott erlangen - doch er blieb von Zweifeln geplagt. Je mehr er sich bemühte, umso mehr verzweifelte er – und um so mehr wuchsen in ihm Vorwürfe gegenüber Gott. Einem Gott, der scheinbar unerreichbare Forderungen an die Menschen stellte – einem Gott, dem man es nicht recht machen konnte.

Bis zu diesem einen Tag, der als die „reformatorische Wende“ oder als das „Turmerlebnis“ in die Geschichte einging: In einem kleinen Turmzimmer studierte Luther den Römerbrief des Paulus. Ein einziger Vers (Röm 1,17), und darin der Kernsatz „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ trieb ihn zur Verzweiflung. Denn ein vor Gott „Gerechter“ zu sein daran, – genau daran! – war er ja gescheitert!

„Ich pochte aber trotzdem ungestüm an dieser Stelle bei Paulus an. Da erbarmte Gott sich meiner“, schreibt Luther später über dieses Erlebnis.

Mit einem Mal gingen ihm die Augen auf und er verstand den Satz auf umgekehrte Weise: Der Mensch muss nicht erst „gerecht“ werden, um dann von Gott beschenkt zu werden, sondern der Mensch, der sich ungeachtet seiner Kleinheit und Fehlerhaftigkeit Gott anvertraut, der Mensch, der sich selbst nichts und Gott alles zutraut - der findet das wahre Leben.

„Allein aus Gnade“ – „Sola Gratia“.

Genau darum dreht sich der Inhalt unserer heutigen Predigt – um das „Sola Gratia“ – um das „Allein aus Gnade“. Und darum, dass dieses „Sola Gratia“ nicht nur für am Beginn unseres Glaubenslebens gilt, sondern für immer:

  • am Anfang unserer Reise werden wir – „allein aus Gnade“– gerechtfertigt
  • im Laufe unseres Lebens werden wir – „allein aus Gnade“– geheiligt und umgestaltet in Gottes Bild
  • und nach dem Ende unseres Lebens hier auf Erden werden wir – „allein aus Gnade“– verherrlicht.

Ganz speziell wird es in dieser Predigt um den 2. Teil gehen: darum, dass auch unsere Heiligung „allein aus Gnade“ geschieht; nicht auf Grundlage unserer Werke.


Was kommt also heute auf uns zu?

  • Unser heutiger Text 
    • Zu Anfang möchte ich unseren heutigen Text mit Euch lesen. Er steht im Philipperbrief im 1. Kapitel, in den Versen 2 und 6. 

  • Für wen diese Predigt ist
    • Dann möchte ich – damit die Predigt auf fruchtbaren Boden fällt - etwas klarstellen. Nämlich, an wen sich diese Predigt richtet: und zwar an die, die an sich selbst verzweifeln.

  • Was ist das Problem?
    • Unter dem Titel „Was ist das Problem?“ möchte ich gemeinsam mit Euch einen Irrtum aufdecken: Ich möchte mir anschauen, was das Problem zu sein scheint (das ist: unser Leiden). Und was in Wirklichkeit das Problem ist. (wir werden sehen – es soll ja spannend bleiben).

  • Was ist dann die Lösung?
    • Und wenn wir ein Problemen haben, dann brauchen wir natürlich auch eine Lösung.

  • Balsam für Dein Herz 
    • Zum Schluss möchte ich Euch einen Abschnitt aus einem Buch vorlesen, von dem ich hoffe, dass er auch für Euch eben dies ist: Balsam für Euer Herz.


Unser heutiger Text

2 Wir wünschen euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, und Jesus Christus, dem Herrn. [...] 6 Ich bin ganz sicher, dass Gott, der sein gutes Werk in euch angefangen hat, damit weitermachen und es vollenden wird bis zu dem Tag, an dem Christus Jesus wiederkommt.


Für wen diese Predigt ist


Diese Predigt ist nicht für die, die ihren Taufschein mit einem Freifahrschein zur Sünde verwechseln. Sie ist nicht für die Bequemen, die sich auf Gottes Gnade ausruhen möchten.
Sie ist nicht für eine Kirche, die, wie Dietrich Bonhöffer es formulierte nach, „billiger Gnade“ sucht: nach

„billiger Bedeckung ihrer Sünden, die sie nicht bereut und von denen frei zu werden sie erst recht nicht wünscht." Denn: "Billige Gnade ist [...] Leugnung des Wortes Gottes, Leugnung der Menschwerdung des Wortes Gottes. Billige Gnade heißt Rechtfertigung der Sünde und nicht des Sünders."

Sondern diese Predigt ist für die geängstigten und geknechteten Seelen: Für die, die unter ihrer Sünde leiden und sich mit Sorgen quälen. Für die, die denken: „Ich bin nicht gut genug.“ „Ich bin ein Sünder!“ Für die, die spüren: „Ich kämpfe und kämpfe, aber ich schaffe es einfach nicht.“ Für die, die verzweifeln beim Blick in den geistlichen Spiegel. Für die, die zerknirscht sind und seufzen: „Wenn ich mich anschaue, sehe ich nur Sünde.“ Diese Predigt ist für die, denen es geht, wie Luther. Für die, die sich sich fragen: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?!“ Für die, die sich ängsten und sorgen: „Werde ich es bis zum Himmel schaffen?“

Diese Ängste kennt natürlich nur, wer jemals versucht hat, Gottes Gebote zu halten. Oder um es mit C.S. Lewis zu sagen: 

„Niemand weiß, wie schlecht er ist, bevor er nicht ernsthaft versucht hat, gut zu sein.“

„[... wir] können [...] unser völliges Unvermögen, Gottes Gebote zu halten, [...] nur endecken, wenn wir uns mit aller Kraft darum bemüht – und versagt – haben. Solange wir das nicht wirklich versuchen, werden wir, ganz gleich, was wir sagen, immer den Hintergedanken haben, dass es uns das nächste Mal vielleicht doch gelingen wird, wenn wir uns noch etwas mehr anstrengen. [...]“

Und er schreibt weiter:

„All unser Bemühen muss zu jenem entscheidenden Augenblick führen, in dem wir uns Gott zuwenden und sagen: „Du musst es tun. Ich kann es nicht.“

Für die, die das Versucht haben – Gottes Gebote zu halten – für die, die diese Verzweiflung kennen – daran zu scheitern - für Euch ist diese Predigt – und mit ihr die erste Zusage unseres Textes:

„Wir wünschen Euch Gnade und Frieden von Gott, unserem Vater, Und Jesus Christus, dem Herrn.“


Was ist das Problem?


Die, für die diese Predigt ist, werden fragen: „Was das Problem ist? Das ist doch klar: Es ist das bange Fragen: werde ich es bis zum Himmel schaffen?! Schau‘ mich doch an: Ich kriege vorne und hinten nichts gebacken – wie soll ich jemals vor Gott bestehen? Das werde ich in hundert Jahren nicht schaffen!

Doch ich wage das zu bezweifeln. -- Also, dass das Problem ist, meine ich...

Ich glaube vielmehr, dass das eigentliche Problem schon uralt ist. Mindestens so alt, wie die Reformation. Nein: älter. Es ist das Problem, dass wir glauben, etwas beitragen zu müssen zu unserer Heiligung. Es ist das Problem, dass wir glauben, überhaupt etwas beitragen zu können zu unserer Heiligung. Es ist das alte Problem mit der Werkgerechtigkeit, die in unseren Herzen gegen den Glauben kämpft.

Lasst es mich mit Luther sagen:

„Es bleibt immer im Herzen, dass wir nicht wollen gar nichts sein noch dass Christus alles allein getan hat, sondern wir wollen stets die Hand mit im Tun haben, so viel tun und Gott dienen, dass Gott müsse uns ansehen und um desselben willen die Sünden vergeben und gnädig sein, und soll doch und kann nicht sein. Denn damit geht der Glaube und der ganze Christus zu Boden. Soll Christus allein gelten und soll ich solches bekennen, so muss ich die Zunge rein schaben und sprechen: So es Christus tut, so muss ich‘s nicht tun, denn die zwei leiden sich nicht miteinander im Herzen, dass ich auf beide mein Vertrauen setze, sondern eins muss heraus, entweder Christus oder mein eigen Tun, das ist klar und wohl zu verstehen.“

Ich möchte den letzten Satz noch einmal lesen, weil er so wichtig ist: 

||: „So es Christus tut, so muss ich‘s nicht tun, denn die zwei leiden sich nicht miteinander im Herzen, dass ich auf beide mein Vertrauen setze, sondern eins muss heraus, entweder Christus oder mein eigen Tun, das ist klar und wohl zu verstehen.“ :||


Was ist dann die Lösung?


Wir scheitern also deshalb so schmerzvoll in unserer Heiligung, weil wir etwas Unmögliches versuchen. Wir scheitern deshalb so schmerzvoll auf unserem Weg mit Gott, weil wir versuchen Gottes Arbeit zu tun. Wir scheitern deshalb so schmerzvoll in unserem Glaubensleben, weil wir versuchen Gottes Werk zu vollenden.

Wenn das aber das Problem ist – dass wir meinen, zu unserer Heiligung auch nur ein Tüpfelchen hinzutun zu können – oder gar zu müssen – was ist dann die Lösung?

Hier möchte ich noch einmal C.S. Lewis zitieren. Er schreibt: 

„Christus bietet uns [...] alles, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. In gewissem Sinn besteht das ganze christliche Leben darin, dieses unerhörte Geschenk annehmen zu lernen. Die Schwierigkeit ist nur, dass alles, was wir getan haben, und alles, was wir tun können, nichts nützt. Wir hätten es so gern, wenn Gott nur unsere Pluspunkte zählen und die schlechten Noten übersehen würde. Aber nochmals müssen wir sagen, wir können keine Versuchung wirklich überwinden, solange wir uns noch selbst bemühen. Wir müssen es aufgeben, wir müssen das Handtuch werfen.“

Ihr Lieben – ich möchte das noch einmal sagen:

||: „wir können keine Versuchung wirklich überwinden, solange wir uns noch selbst bemühen. Wir müssen es aufgeben, wir müssen das Handtuch werfen.“ :||

Das ist die Lösung: „Christus in Euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ (Kol 1,27)

Oder, wie es in meinem Taufspruch heißt: 

„ Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben. “ (Gal 2,20)

Es ist Gott allein, der in der Lage ist, das gute Werk zu vollenden, das Er in uns begonnen hat.
Es ist Christus allein – Christus in uns! – der in der Lage ist, uns in Sein Bild zu verwandeln. (2Kor 3,18) Es ist der Heilige Geist in uns – der in der Lage ist, „solche Leute aus uns zu machen, die in Gottes Geboten wandeln und Seine Rechte halten und danach tun.“ (Hes 36,27)

Es ist Gott allein, der das kann!


Balsam für Dein Herz

„Als das Jesus hörte,
sprach er zu ihnen: 
Die Starken
bedürfen keines Arztes,
sondern die Kranken. 
Ich bin gekommen, 
die Sünder zu rufen 
und nicht die Gerechten.“

(Markus 2,17)


Ich möchte Euch zum Schluss einen Abschnitt aus einem Buch von Hans-Joachim Eckstein vorlesen. Einen Abschnitt, der – wie ich finde – den zentralen Aspekt dieser Predigt sehr gut zum Ausdruck bringt. 

Dort schreibt er unter der Überschrift „Der entscheidende Schritt“:

„Wie ist es möglich, Herr, dass ich seit Jahren versucht habe, unabhängig von Dir für Dich zu leben, anstatt zu verstehen, dass Du selbst durch mich leben willst? Wie konnte ich Dich immer wieder um Kraft bitten, wenn Du selbst als meine Stärke bei mir bist, wie um Liebe, wenn Du selbst als die Liebe in mir wohnst? 
Wie oft habe ich Dir in dieser Zeit Versprechen gegeben, die ich dann doch nicht eingelöst habe. Unzählige Male habe ich mir vorgenommen, mich endgültig zu ändern, endlich ganz neu und ganz anders anzufangen – solange, bis ich selbst ich mehr daran glauben konnte. Immer wider versuchte ich bei geeigneten Anlässen >aufzutanken<, um in meinem Alltag mit dem nötigen Schwung bestehen zu können – aber meine Vorräte gingen mir oft schon aus, bevor ich wieder richtig zu Hause war. 
Ich merkte wohl, dass sich der Glaube nicht speichern und das Leben nicht konservieren lässt. Jedoch zog ich daraus die falschen Schlüsse. Ich verzweifelte abwechselnd an Dir, an meinem Glauben und mir selber – aber zweifelte zu wenig an der Art, wie ich meinen Glauben lebte. Ich kam nicht auf den Gedanken, dass ich vielleicht mit dem richtigen Glauben an den wahren Gott glaubte – aber eben auf die falsche Weise.
Ich dachte, Du wärst mir mit Deinem Kreuz und Deiner Auferstehung viele entscheidende Schritte entgegengekommen – bis auf den einen, den ich allein und ohne Dich zu gehen hätte. Ich fühlte mich verpflichtet, auch etwas von mir aus für Dich zu tun, nachdem Du schon so viel für mich getan hattest. Aber je mehr ich mich anstrengte, desto verkrampfter und verzweifelter wurde ich. Zwar bat ich Dich stets um Deine Unterstützung, aber letztlich suchte ich das Entscheidende doch bei mir. Jetzt erkenne ich, dass gerade das mein Fehler war, dass ich von mir etwas erwartete, was Du gar nicht von mir gefordert hattest, dass ich etwas erkämpfen wollte, was ich in Dir schon längst hatte.
Du bist mir nicht nur neun – oder auch neunundneunzig – Sachritte entgegengekommen, so dass jetzt alles an meinen einen eigenen Schritt läge, sondern Du bist alle – zehn oder hundert – Schritte auf mich zugekommen, damit ich nun jeden Schritt, den ich zu gehen habe, mit Dir und durch Dich gehen kann.“

AMEN.

--- anbei noch einige hilfreiche Textstellen zum Thema Heilsgewissheit ----

  • Jes 41,10 „fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“

  • Mk 2,17 „Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

  • Joh 3,36 „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.“

  • Joh 5,24 „ Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“

  • Joh 10,28-30 „[...] ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen.“

  • Rö 8,23-25.29-38 „Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind gerettet auf Hoffnung hin. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?  Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. [...] Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“

  • Heb 11,1 „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ 

Sonntag, 28. Juni 2020

„Wie werde ich ein guter Christ?“

Einleitung

Erinnert ihr Euch noch an die vorletzte Predigt über das Thema: „Ungeheuchelte Liebe“ (Rö 12,9)? Da hießt es: „Die Liebe soll echt sein, nicht geheuchelt.“ (Rö 12,9) und „Liebe aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem Glauben, der frei ist von jeder Heuchelei.“ (1Tim 1:5) Dazu hatte uns Daniela ein Bild mit einer optischen Täuschung gezeigt und wir hatten anhand dieses Bildes gesehen, dass es Dinge gibt, die zwar real scheinen, aber gar nicht echt sind. So, wie es echte Liebe gibt – und Liebe, die nicht echt ist: Liebe, die geheuchelt ist – eine optische Täuschung.

Ich habe mich dann gefragt: -- Wo kommt diese ungeheuchelte Liebe her? Ich glaube hier kann man sich auch täuschen! Man kann diese Liebe als Werk verstehen, als Leistung, die ich Gott zu erbringen habe. Oder man kann sie verstehen, als das, was sie ist: eine Frucht des Geistes, ein Geschenk, das in der Zeit in mir reift. Eine Frucht der Verbundenheit mit Gott, die ich zulassen kann; ein Geschenk Gottes, dass ich annehmen kann.

Darum soll es heute gehen: Also um die Antwort auf die Frage: “Wo kommt diese ungeheuchelte Liebe her?” “Wie kriege ich sie?” Oder etwas allgemeiner (die Liebe ist ja eine Frucht des Heiligen Geistes): “Wie wächst die Frucht des Heiligen Geistes in mir? Oder noch allgemeiner: “Wie werde ich ein guter Christ?” (also einer der Frucht bringt)? Um diese Frage zu beantworten, möchte ich uns 2 Stellen aus dem Römerbrief lesen und diese dann im Licht von einigen weiteren, ganz zentralen Bibelstellen mit Euch betrachten.


Inhalt

Die Antworten auf die Frage habe ich mir übrigens von Jesus, Johannes und Paulus ausgeliehen... Also: was kommt auf Euch zu? 
  1.  Im ersten Abschnitt „Heiligung – aber wie?“
    ... werden wir sehen, dass unsere Heiligung allein Gottes Werk ist – nicht unseres
    ... und dass dieses Werk Gottes etwas damit zu tun hat „in Jesus zu bleiben“ (was auch immer das heißen mag)
  2. Und im zweiten Teil „Wie man in Jesus bleibt
    ... werden wir uns ganz anschauen, wie genau denn das gehen soll „in Jesus bleiben“
    ... weil dieses „in Jesus bleiben“ ganz zentral ist für die Beantwortung unserer Frage
  3. Balsam für Dein Herz
    Zum Schluss möchte ich alles noch einmal zusammenfassen – nämlich: wie man in Jesus bleibt – und ich möchte Euch das ganze Evangelium sagen: Gott liebt Euch so sehr, dass Er Euch nicht nur rettet, sondern Euch auch die Heiligung schenkt; auch, wenn das jetzt nicht bedeutet, dass ihr „die Füße hoch legen könnt“ ...
Wie das nun alles genau gemeint ist und wie es genau funktioniert, das schauen wir uns jetzt einmal in Ruhe an.


Heiligung - aber wie?

Im Römerbrief macht Paulus sehr klar, dass unsere Rechtfertigung keine Leistung ist, sondern ein Geschenk, welches Er uns aus Gnade schenkt. Dort steht: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden in der Zeit seiner Geduld, um nun in dieser Zeit seine Gerechtigkeit zu erweisen, daß er selbst gerecht ist und gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus. Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ (Rö 3:23-28)

Noch einmal: “So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.“ Unsere Errettung und Rechtfertigung ist also ein Geschenk von Gott! Wir müssen dazu keine Werke tun. Wir brauchen nur im Glauben anzunehmen, dass Jesus längst alles für uns getan hat. Deine Errettung ist also ein Geschenk! – Du musst nichts dazu tun!

Aber wie geht es dann weiter? Ab da muss ich mich richtig anstrengen oder? Wirklich? Ich glaube nicht! Im Römerbrief macht Paulus nämlich klar, dass auch ein gelungenes geistliches Leben ein Geschenk ist. Er schreibt: „Aber nicht verhält sich’s mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn wenn durch die Sünde des Einen die Vielen gestorben sind, um wieviel mehr ist Gottes Gnade und Gabe den Vielen überreich zuteil geworden durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus. Und nicht verhält es sich mit der Gabe wie mit dem, was durch den einen Sünder geschehen ist. Denn das Urteil hat von dem Einen her zur Verdammnis geführt, die Gnade aber hilft aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit. Denn wenn wegen der Sünde des Einen der Tod geherrscht hat durch den Einen, um wieviel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus.“ (Rö 5:15-17)

Noch einmal zum "auf der Zunge zergehen lassen": “um wieviel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus.“  Paulus sagt also, dass wir im Leben herrschen werden! Dass also unser geistliches Leben von Erfolg gekrönt sein wird! Und zwar durch Jesus! Aber wie geht das?

Lasst uns dazu zwei weitere Verse anschauen – die uns etwas über die Heiligung sagen – und darüber, dass sie ein Geschenk ist - und keine Leistung. Und vor allem: wie wir an dieses Geschenk rankommen! In Philipper 1,6 steht: „[...] ich bin darin guter Zuversicht, daß der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird’s auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.“ Wer wird das gute Werk vollenden? Gott sagt ganz klar, dass ER selbst es ist der uns vollenden wird! Noch einmal: “der in euch angefangen hat […] der wird’s auch vollenden.“

Können wir jetzt die Füße hochlegen? Ich denke nicht. Worum es vielmehr geht ist eine Art “aktive Passivität!” – also um ein "sich aktiv dafür entscheiden, Gott machen zu lassen". Was wir also vielmehr fragen müssen ist: "Wie geht das?" Oder genauer: "Aktive Passivität: wie geht das?" "Wie geht das: Gott machen lassen?" 

Jesus gibt uns darauf die Antwort: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Joh 15:5) Gott weiß ja längst, dass wir unfähig sind, Seine Gebote zu halten oder gar heilig zu werden. Alles, was wir daher tun müssen ist etwas ganz einfaches: wir sollen "in ihm bleiben". Das ist also der Schlüssel: in Christus bleiben.


Wie man in Jesus Bleibt – 4 Aspekte

Aber: Wie geht das? “In Jesus bleiben?” Wenn man Jesus, Johannes und Paulus zuhört, dann braucht es dazu mindestens 4 Dinge:

  1. Bleibe in seinem Wort. Jesus lehrte „Und wer seine Gebote hält, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1Joh 3:24) Und Paulus schrieb: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Rö 10,17) Wer also Gottes Gebote hält, der bleibt in Gott. Und wo stehen die Gebote Gottes? Natürlich in Gottes Wort! Das bedeutet: Wenn Du in Jesus bleiben willst, dann lies in der Bibel; komm zur Predigt; höre auf das, was Jesus sagt. Und dann vertraue Ihm – und folge Ihm in diesem Vertrauen – wohin auch immer Er Dich führen mag.
  2. Bleibe in der Gemeinschaft. Johannes schreibt seiner Gemeinde: “Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1Joh 4,16) Und er schreibt weiter: „Und das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesus Christus und lieben uns untereinander.“ (1Jo 3:23) Wer also in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott. Das bedeutet ganz einfach: Liebe Deine Geschwister – schau Dich im nächsten Gottesdienst einfach mal um. Und dann denke daran: das ist Deine Familie! – Das sind Deine Brüder – Deine Schwestern. Das ist Deine Familie in die Gott Dich gestellt hat. Und Gott möchte, dass Du sie liebst! Das geht natürlich nur, wenn Du sie auch siehst und sie triffst. Wenn ihr miteinander redet. Wenn etwas miteinander unternehmt. Wenn ihr einander besucht. Wenn ihr echte Gemeinschaft habt. Wenn Du Du Deine Freude teilen kannst - und Deine Erkenntnisse - und vor allem auch, wenn Du Deinen Schmerz teilen kannst – wenn Du Dein Herz ausschütten kannst. Liebe geht nicht ohne Gemeinschaft. Das ist eine der größten Schwachstellen der heutigen Gemeinde! Jesus sagte: "Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe habt untereinander." (Joh 13,35)
  3. Bleibe im Abendmahl. Jesus sagte vor dem letzten Abendmahl: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“ (Joh 6,56) Wer im Abendmahl bleibt, der bleibt in Jesus. Darum: Komm zum Abendmahl! Jesus seht sich danach mit Dir im Abendmahl Gemeinschaft zu haben, wie mit den ersten Jüngern (Lk 22,15). Hab keine Furcht, Du könntest nicht heilig genug sein! Jeder ist eingeladen, der glaubt! Und wenn Du Bockmist gebaut hast, dann sage Jesus das. Er vergibt Dir gern! Er sehnt sich danach, mit Dir zusammen zu sein! ER liebt Dich!
  4. Bleibe im Gebet. Der nächste Vers ist unglaublich wichtig, den er enthält den zentralen Schlüssel für unsere Umgestaltung in das Bild Jesu - für unsere Heiligung - dafür, wie man ein guter Christ wird: „Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“ (1Kor 3:18) Es ist also der Anblick der Herrlichkeit Christi der uns "in sein Bild verklärt"! Darum geht es doch! Wie werden wir so wie Jesus? Wie erfüllt sich Gottes großer Plan? Wie erfüllt sich Gottes großer Plan “Lasst uns Menschen machen, ein Bild, dass uns gleich sei!” (1Mo 1:26) Indem wir die Herrlichkeit Christi anschauen. Das ist sicher der Hauptgrund, warum Lukas auch in der Apostelgeschichte diese 4 Punkte noch einmal so zusammen fass: "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet." (Apg 2,42) Gebet geschieht in der Stille. In der Anbetung. Im Anschauen des Wesens Gottes: Seiner Gnade, Seinem Erbarmen. Im Anschauen Seines Werkes: Seiner Schöpfung; Seiner Liebe am Kreuz! Es ist der allmächtige Schöpfer des Universums, aller Galaxien und Myriaden von Sternen, der für uns in Jesus Christus Mensch wurde, sich "erniedrigte [...] und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz." (Phil 2,8) Es ist Seine unbegreifliche Liebe, über die ein Englischer Liedermacher dichtete:
Come see His hands and His feet,
The scars that speak of sacrifice;
Hands that flung stars into space
 To cruel nails surrendered.

This is our God, the Servant King,
He calls us now to follow Him,
To bring our lives as a daily offering
Of worship to the Servant King.

---

Seht Seine Hände und Füße,
Die Narben, die vom Opfer zeugen;
Hände, die Sterne ins All geschleudert haben.
 An grausame Nägel ergeben.

Dies ist unser Gott, der dienende König,
Er ruft uns auf, ihm jetzt zu folgen,
Unser Leben als tägliches Opfer zu bringen.
der Anbetung des dienenden Königs.


Balsam für Dein Herz

Weil Er Dich so sehr liebt - kannst Du loslassen. Entspann Dich! Gott weiß, dass Du nichts tun kannst zu Deiner Heiligung. Darum hat ER versprochen es in dir zu tun. Für Dich! Alles, was  Er von Dir erwartet ist, dass Du ihn wirken lässt! Bringe Ihm Deine "5 Brote und 2 Fische". Tu das, was in Deiner Macht steht: "Bleibe in Jesus“. Bleibe beim Lesen und Hören von dem, was Jesus gesagt hat. Bleibe in der Liebe – in der Gemeinschaft mit Deinen Geschwistern. Bleibe im Abendmahl – Jesus freut sich auf Dich! Bleibe im Gebet – und lass‘ Dich begeistern vom Anblick Seiner Herrlichkeit. Und sei gewiss: ER wird Sein Werk vollenden:

„Die er aber vorherbestimmt hat,
die hat er auch berufen;

die er aber berufen hat,
die hat er auch gerecht gemacht;

die er aber gerecht gemacht hat,
die hat er auch verherrlicht.“


(Römer 8:29-30)


„Treu ist er, der Euch ruft;
er wird‘s auch tun.“


(1Thess 5,24)