Posts mit dem Label Verheissungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Verheissungen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 8. Januar 2023

Du bist ein Gott der mich sieht (1.Mose 16, 13)


Einleitung

Guten Morgen, ihr Lieben! In der heutigen Predigt geht es ja um die Jahreslosung für das vor uns liegende Jahr. Erst mal finde ich das schon mal krass, dass schon wieder ein Jahr vorbei ist. Mein Vater hat es früher immer gesagt: "Je älter man wird, desto schneller geht's." Ich habe das damals nicht geglaubt, aber mittlerweile glaube ich es immer mehr.

Bevor ich euch jetzt einen Überblick über die Predigt gebe, möchte ich euch versichern, dass ich diese Predigt mindestens ebenso nötig habe wie ihr. Erstens habe ich die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und vor allem bin ich schon gar kein großer Glaubenskrieger, den nichts mehr anficht. Ganz im Gegenteil. Ich war in den letzten Tagen sehr angefochten und ich habe mir gedacht, wahrscheinlich ist es deswegen passiert, damit ich in der Predigt was Gescheites zu sagen habe. Und wenn ich wenn ich von Anfechtungen geplagt bin, dann sind das in der Regel drei verschiedene Arten von Anfechtungen. Und eine davon möchte ich heute mit euch teilen. Und diese Anfechtungen haben mit der Erfahrung zu tun, die ich wohl einmal zu oft in meinem Leben gemacht habe. Und das ist das Verlassenwerden.

Ich habe das vielleicht sogar schon mal erwähnt. Ich kann mich nicht mehr dran erinnern. Falls ja, verzeiht mir, dass ich mich wiederhole, aber als ich anderthalb Jahre alt war, als mein Bruder geboren wurde, bin ich für mehrere Wochen weggegeben worden zu Bekannten. Und das war damals offensichtlich ein ziemlicher Schock für mich als kleines Kind, weil ich konnte mit anderthalb schon sehr gut sprechen, also auch komplizierte Wörter sowie Lokomotive. Das ist ja jetzt nicht unbedingt ein Wort für Anderthalbjährige. Und als ich zurückkam von diesen, ich weiß nicht mehr, wie viele Wochen das waren, wo ich komplett alleine war bei fremden Leuten habe ich nur noch gesagt Glocken machen bim bam! Das war alles, was aus mir herausgekommen ist, weil neben dem kleinen Zimmer, wo ich geschlafen habe, da erinnere mich auch heute noch daran. Da stand ein Glockenturm. Und der hat halt regelmäßig zu jeder Viertelstunde, zu jeder halben Stunde, zu jeder 3/4 Stunde und zu jeder Stunde bim bam! gemacht. Mit zwölf 1/2 habe ich dann meine Mutter verloren durch die Scheidung meiner Eltern, die ich dann erst mit knapp 30 Jahren wiedergefunden habe, also als ich 30 war und da hatte sie schon Krebs und ist wenige Jahre danach gestorben. Dann meine erste große Liebe - ich hatte ja auch noch ein Leben vor dem Glauben - die hat mich x mal für andere Männer verlassen und auch meine erste Frau hat mich für einen anderen Mann verlassen. Und dann gibt es noch ein paar andere kleine Ereignisse, die in die gleiche Kerbe gehauen haben.

Und da könnt ihr euch vorstellen, dieser Stachel sitzt tief, sehr tief. Und wenn, dann in meinem Leben schwierige Phasen kommen, in denen ich nicht mehr weiter weiß und in denen ich bete wie verrückt, dann sind das Phasen, in denen ich mir wünsche, ich könnte Gottes Nähe spüren, in denen ich mir mehr als alles in der Welt wünsche, dass Gott meine Gebete erhört, damit ich an der Gebetserhörung erkennen kann, dass er noch bei mir ist.

Und meistens bete ich dann mit "Geduld" - also: "Herr, gib mir meine Gebetserhörung jetzt gleich sofort!" Da stehe ich mir also sozusagen selber mit der mit der guten Erfahrung im Weg. Und wenn dann die Erfahrung der Nähe Gottes ausbleibt und wenn dann die Gebetserhörung ausbleibt, die ich mir so sehr wünsche, dann kriege ich unglaublich Schiss. Und zwar nicht Schiss, weil ein Gebet nicht erhört wurde, sondern weil ich daraus die falschen Schlüsse ziehe. Nämlich, dass Gott mich auch verlassen hat. Dass ich ihm einfach zu sündig bin, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben will und dass diese nicht erhörten Gebete ein Beweis dafür sind, dass er mich längst verstoßen hat. Und dann ist für meine subjektive Erfahrung kaum noch was zu machen, außer noch mehr zu beten. Und selbst das ist manchmal - wenigstens in der Art und Weise, wie ich dann darauf reagiere - nicht die richtige Lösung.

Die richtige Lösung wäre, sich auf Gottes Wort zu stellen. Aber davon später mehr. Ich denke, ihr seht, ich brauche die Predigt heute mindestens so sehr wie ihr. Ich werde sie mir wahrscheinlich irgendwann auch mal selber anhören. Das ist ganz lustig, wenn man selber predigt und sich seine eigenen Predigten ein, zwei Jahre später noch mal anhört, dann ist es, als wenn jetzt jemand anders predigen würde.

Ja, dann lasst uns mal schauen, was heute auf dem Speiseplan steht.


Übersicht

Zunächst einmal möchte ich natürlich unseren Text mit uns lesen und ihr kennt mich ja: Die Jahreslosung ist nur ein Vers. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nur diesen Vers predigen würde und uns nicht den kompletten Kontext mitgeben würde. Also werden wir den kompletten Text lesen und unter der Überschrift "So ist der Mensch." möchte ich uns dann kurz skizzieren, was uns der Text über uns Menschen sagt. Und zwar über unsere unglaubliche Begabung, Probleme unseres Glaubenslebens immer wieder ohne Gott lösen zu wollen, mit eigener Kraft, mit eigener Weisheit und was dabei an grausigen Ergebnissen herauskommt. Unter der Überschrift "So ist Gott!" Möchte ich uns aber vor allem - und auch mich - daran erinnern, was für einen wunderbaren Gott wir haben. Ein Gott, dem es nie zu viel wird. Ein Gott, der alles kann und der sich zu uns herab beugt, weil er für uns ist. Und der uns hilft. Und ganz zum Schluss möchte ich uns dann drei Verse mit auf den Weg geben. Drei Verse, die alles Gehörte noch einmal zusammenfassen. Drei Verse, die in ihrem dritten Vers, der Jahreslosung, ihren Höhepunkt finden. Drei Verse, von denen ich hoffe und bete, dass Gott sie gebraucht, um euch und uns Trost und Hoffnung zu geben, in allen Anfechtungen, die ihr entweder vielleicht gerade durchlebt oder möglicherweise in diesem Jahr noch durchleben werdet.

Zunächst aber unser Text. Der steht in 1. Mose 16. Ich lese jetzt mal die Verse 1 bis 13. Also der Abschnitt geht eigentlich bis Vers 15, aber ich habe mir gedacht, ich höre mal bei Vers 13 auf. Der ist überschrieben mit "Hagar und Ismael". Ich lese aus der Lutherübersetzung: 

"Sarai, Abrams Frau, gebar ihm kein Kind. Sie hatte aber eine ägyptische Magd, die hieß Hagar. Und Sarai sprach zu Abram: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais. Da nahm Sarai, Abrams Frau, ihre ägyptische Magd Hagar und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau, nachdem Abram zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatte. Und er ging zu Hagar, die ward schwanger. Als sie nun sah, dass sie schwanger war, achtete sie ihre Herrin gering. Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun sie aber sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen. Der HERR sei Richter zwischen mir und dir. Abram aber sprach zu Sarai: Siehe, deine Magd ist unter deiner Gewalt; tu mit ihr, wie dir’s gefällt. Da demütigte Sarai sie, sodass sie vor ihr floh. Aber der Engel des HERRN fand sie bei einer Wasserquelle in der Wüste, nämlich bei der Quelle am Wege nach Schur. Der sprach zu ihr: Hagar, Sarais Magd, wo kommst du her und wo willst du hin? Sie sprach: Ich bin von Sarai, meiner Herrin, geflohen. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Kehre wieder um zu deiner Herrin und demütige dich unter ihre Hand. Und der Engel des HERRN sprach zu ihr: Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können. Weiter sprach der Engel des HERRN zu ihr: Siehe, du bist schwanger geworden und wirst einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Ismael nennen; denn der HERR hat dein Elend erhört. Er wird ein Mann wie ein Wildesel sein; seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn, und er wird sich all seinen Brüdern vor die Nase setzen. Und sie nannte den Namen des HERRN, der mit ihr redete: Du bist ein Gott, der mich sieht. Denn sie sprach: Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat." 

Mal bis hierher.


So ist der Mensch.

Bevor ich etwas zu dem eigentlichen Text sage, möchte ich uns noch einmal ganz kurz in die Vorgeschichte zu diesem Text mit hinein nehmen. Wer das Alte Testament schon einmal gelesen hat, ganz besonders das Buch Genesis, der weiß, dass Gott Abram eine Verheißung gegeben hatte. Er hatte ihm einen Sohn versprochen. Und ich denke, das ist ganz wichtig, das im Hinterkopf zu behalten, dass dieses Versprechen schon einige Zeit her war. Wie viele Jahre genau, das wissen wir nicht. Aber eines ist sicher Wenn Gott etwas verspricht, dann wird er sein Versprechen halten. Um was es auf unserer Seite dann braucht, das ist Glauben. Und zwar einen Glauben, der sich ausdrückt in Vertrauen und in Geduld. Was es braucht, ist, dass wir die Lösung von Gott erwarten und nicht von uns. Soviel mal zur Vorgeschichte.

Jetzt zum Text. Wie gesagt, dieser von Gott verheißene Sohn Isaak, der ließ lange auf sich warten, wahrscheinlich viele, viele Jahre. Und selbst nach dieser Begebenheit, von der wir gerade gehört haben im Text, mussten Abram und Sarai nochmal 14 Jahre warten, bis Gott sein Versprechen dann endlich eingelöst hat. Also ihr spürt schon: das kann dauern! Und offensichtlich haben Sie gedacht "Das wird wohl nichts mehr. Ja, er hat es uns versprochen, aber wahrscheinlich müssen wir uns selber drum kümmern." Und so gibt dann die Sarai ihre Magd Hagar ihrem Mann zur Nebenfrau. Und was wir dann lesen ist, dass der Schuss komplett nach hinten losgeht. Denn die Hagar fängt an, Sarai zu verachten. Sarai macht Abram Vorwürfe. Abram zieht sich aus der Affäre. Dann fängt die Sarai an, die Hagar psychisch fertig zu machen. Und zu guter Letzt haut die Hagar völlig verzweifelt ab in die Wüste, in Richtung Ägypten, ihrer alten Heimat. Ihr Lieben, so schaut es aus, wenn menschlicher Zweifel und menschliche Ungeduld nicht auf Gottes Lösungen warten können. So schaut es aus, wenn menschliche Weisheit und menschliche Aktionen das Ruder ergreifen. Wenn der Mensch sich selber helfen will. Ich habe dann drunter geschrieben: "Was für ein wunderbares Potpourri menschlicher Sünde!"

Schauen wir mal genauer hin.

Mangelnder Glaube. Abram und Sarai haben auf das Warten Gottes nicht länger warten wollen und haben gemeint, sie müssten selber nachhelfen. Das ist das, was in der Bibel 'fleischliche Werke' genannt wird, das heißt Aktionen, die in menschlicher Weisheit und in menschlicher Kraft ihren Ursprung haben. Das Gegenteil davon sind natürlich 'geistliche Werke'. Das sind Wunder oder Gebetserhörung, die allein in Gottes Verheißung, allein in seinem Willen und allein in seiner Kraft ihren Ursprung haben. Und diese Sünde, dieser mangelnde Glaube, diese 'fleischlichen Werke', damit fängt dieses ganze Desaster an. Und das ist immer so, wenn wir nicht warten können auf Gott. Wenn wir meinen, die Dinge selber in die Hand nehmen zu müssen, dann kommt am Ende nichts als Herzeleid dabei heraus.

Konkret hier: die Verunstaltung der Ehe. Was wir dann in unserem Text dazu lesen, ist eine krasse Verzerrung des Bildes der Ehe, die Thomas Meyer immer so schön zusammengefasst hat mit "Ein Mann und eine Frau - ein Leben lang in Treue." Man könnte jetzt sagen ja, der Vorschlag kam ja von der Sarai. Aber mal ehrlich, der Abram hätte ja nicht wirklich mitmachen müssen, oder?

Und ihr Lieben, ich denke, das ist ein Unding, was da passiert ist und leider ein Unding, was auch in unserer heutigen Zeit immer weiter um sich greift. Ich denke, dass die Ehe, so wie sie von Gott gedacht war "Ein Mann und eine Frau - ein Leben lang in Treue" auch heutzutage unter extremem Beschuss ist. Ich kann und werde darauf hier jetzt nicht weiter eingehen. Aber eins möchte ich sagen Gott hat die Ehe ja nicht nur gestiftet, damit wir nicht alleine sind. Er hat die Ehe vor allem gestiftet, weil die Ehe ein Bild ist. Und zwar ein Bild dafür, wie sehr er seine Gemeinde, seine Kirche, seine Kinder liebt. Das kann man im Epheserbrief, Kapitel 4, nachlesen, wo Paulus das erklärt, dass die Ehe eigentlich ein Bildnis ist, etwas, an dem wir etwas erkennen sollen. Nämlich so, wie Mann und Frau in ihrer Ehe Beziehung zueinander und miteinander leben, das ist ein Bildnis, wie Gott zu seiner Gemeinde steht und mit ihr lebt und sie liebt. Und weil das ein Bild ist, deswegen darf dieses Bild nicht zerstört werden.

Also die Ehe wird verunstaltet. Das Nächste, was passiert: Hochmut und Verachtung. Wir sehen in unserem Text auf Seiten von Hagar die Sünde des Hochmuts und der Verachtung. Ein Mangel an Respekt. Jetzt bin ich ja keine Frau und schon gar keine Frau aus den Zeiten des Alten Testaments. Von daher kann ich mir auch kaum vorstellen, wie schwer es für Sarai gewesen sein muss und wie schmerzhaft: keine Kinder bekommen zu können. Es war ja in den damaligen Zeiten für eine Frau eine Ehre. Und auch heute denke ich, ist es noch so, dass eigentlich - ich denke, jede Frau; ich weiß es nicht - sich das von ganzem Herzen wünscht: Kinder bekommen. Aber dann von genau der Frau, von der man sich die Hilfe erwartet hat, die man sozusagen dann auch noch zum eigenen Mann, den man ja liebt, schickt, dass die sich dann so über einen erhebt und einen verachtet! Das muss der Sarai sicherlich im Herzen sehr wehgetan haben.

Und was macht die Sarai dann damit? Jetzt kommt es zu Schuldzuweisungen. Die Reaktion von Sarai ist auch nicht besser. Anstatt sich an Abram zu wenden und sich an ihn anzulehnen oder ihm ihr Leid zu klagen, klagt sie ihn an. Es muss ja immer einen Schuldigen geben. Es hagelt Vorwürfe und Schuldzuweisungen. "Du bist schuld!" Mal unter uns: wer ist denn auf die Idee gekommen?

Und wie reagiert Abram? Bequemlichkeit. Der zieht sich klassisch aus der Affäre, nach dem Motto: "Es ist ja deine Magd. Mach halt, was dir passt. Was hab ich damit zu tun? Ich bin ja völlig unbeteiligt." Und zwischen den Zeilen hören wir raus: eben dieses Quantum Bequemlichkeit. Regelt ihr euren Quatsch doch alleine, aber lasst mich damit in Ruhe! Und ich glaube, das ist jetzt auch nicht die Art von Verantwortungsbewusstsein und Hilfe, die sich eine Frau in der Not von ihrem Ehemann erwartet.

Reaktion darauf? Ihr merkt schon, das ist so ein richtiges Ping Pong Spiel. Eins gibt das andere: Bosheit, Zorn und Rache. Nach dieser Ansage von Abraham reagiert Sarai mit Zorn und mit Rache. Sie verspürt den dringenden Wunsch, ihre Widersacherin psychologisch fertigzumachen. Und ich glaube, was hier am Werk ist, ist eine im Stolz verletzte Seele. Ich denke, einer der Gedanken, die die Sarai getrieben haben mögen, ist: "Dir werde ich zeigen, wo der Hammer hängt!"

Und last but not least: Unglaube und Verzweiflung. Ganz am Ende dieser Kette von Sünden steht Hager. Die kein Vertrauen (mehr) auf Gott hat. Und die in ihrer sicherlich schwierigen Situation komplett verzweifelt. Und keine andere Lösung mehr weiß, als die Flucht in die Wüste anzutreten. Wir lesen: Sie ist nach Schur unterwegs gewesen. Ich habe meine Frau noch einmal gefragt. 'Ssur' heißt auf Arabisch 'Zaun'. Das war also ein Ort, wo eine Begrenzungslinie ging, wo die Ägypter sozusagen ihr Land verteidigt haben. Sie war also auf dem direkten Wege zurück nach Ägypten, in ihre Heimat. Nix glauben, nix Vertrauen auf Gottes Eingreifen. Nicht einmal ein Gebet. Einfach nur noch weg hier.

Fazit: Wir Menschen sind sündig. Wir sind auf uns selbst fixiert und wir machen nichts als Unfug. Überall menschliche Lösungen und deren Folgen. Lauter Sünde, wohin das Auge blickt. Wir zweifeln daran, dass Gott sein Zeug alleine auf die Reihe kriegt. Wir meinen immer, wir müssten selber etwas zur Lösung beitragen. Doch alles, was dabei herauskommt, ist Herzeleid und noch mehr Herzeleid.


So ist Gott!

Wie geht jetzt Gott mit solchen Menschen um? Ja, wie geht Gott mit solchen Menschen um?

Bevor wir diese Frage beantworten können, oder besser, damit wir diese Frage beantworten können. Lass uns uns mal kurz in die Hager hineinversetzen. Wie ist es Ihrer Seele wohl gegangen? Was hat sie seelisch durchgemacht?

Zuerst einmal wird sie ihrem Herrn einfach mal so als Nebenfrau angeboten. Nix freie Entscheidung. Ja, man könnte jetzt sagen, zur damaligen Zeit hätte man das vielleicht als Möglichkeit gesehen, seinen Stand zu verbessern, weil 'Nebenfrau' ist jetzt sicherlich schon nochmal ein besserer Job als 'Sklavin'. Und trotzdem finde ich, dass diese Nummer von der Sarai maßlos zu weit geht. Alttestamentliche Sitten hin oder her. Ja, stellt euch das mal vor, ihr wärt die Hagar: ihr seid Sklavin, ihr habt eh' nichts zu melden und eure Herrin kommt jetzt einfach und sagt "So! Hier! Du nimmst jetzt mal meinen Mann. Viel Spaß!" Also ich denke jeder Frau dreht sich da der Magen um.

Und dann wird sie tatsächlich schwanger. Und ich glaube, sie freut sich darüber, dass sie jetzt schwanger ist. Sie freut sich ein Loch in den Bauch. Obwohl die Situation so - weiß nicht: wie übersetzt man awkward? - so schief ist. Denn ich denke, sie fühlt sich gesegnet. Das war damals so. Die Schwangerschaft einer Frau, überhaupt dass eine Frau schwanger sein konnte, war eine Ehre in der Gesellschaft. Und vor allem muss man sich ja jetzt überlegen sie ist ja jetzt keine Sklavin mehr. Sie ist jetzt zwar nicht Ehefrau, aber sie ist jetzt Nebenfrau; immerhin. Und sie wird dem Stammvater Abram einen Erben gebären. Hmm, das ist doch mal was, oder? Und ich denke, die ist innerlich geplatzt vor Stolz. Und genau in diesem Stolz glaube ich, übertreibt sie es dann auch. Denn wahrscheinlich hat sie gedacht "Jetzt bin ich was Besseres!" Und was passiert dann? Dann wird sie noch mehr geknechtet.

Die gute Nachricht Übersetzung gibt das so wieder: "Sarai ließ daraufhin Haga die niedrigsten Arbeiten verrichten." Ich muss dann immer an diese Filme denken, wo die Leute mit der Zahnbürste im Gefängnis des Klo putzen müssen. Also die hat ihr richtig übel zugesetzt, die Sarai. Könnt ihr euch da reinfühlen? Sie kommt von ganz unten. Auf ihrer Visitenkarte steht 'ägyptische Sklavin'. Und dann hat sie zum Ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, doch noch im Sozialgefüge aufsteigen zu können. Doch stattdessen wird sie am Ende noch übel malträtiert. <POFF!> Alle Hoffnungen zuschanden. Und dann haut sie ab. Mit verletztem Stolz. Hoffnungslos verzweifelt.

Doch dann, als das Chaos kompletter nicht mehr werden kann, greift Gott in seiner freien Gnade ein. Und denkt daran, die Hagar hatte noch nicht mal darum gebeten! Wir lesen von keinem Gebet. Die ist einfach verzweifelt abgehauen. Die wusste nicht mehr ein und aus. Aber der Engel des Herrn - der steht ja im Alten Testament für eine, ich sage jetzt mal 'Epiphanie', also für eine Gotteserscheinung (keiner kann Gott direkt sehen, aber dieser Engel des Herrn steht immer für die Gegenwart Gottes, die in diesem Engel präsent ist) - also Gott weiß, woher die Hagar kommt. Und er weiß auch, wie sie dahin gekommen ist, wo sie jetzt ist. Er weiß, warum sie dort ist. Und vor allem weiß er auch, wer sie ist. Sie ist immer noch Sarai's Magd, auch wenn sie weggelaufen ist.

Aber Gott macht ihr keine Vorwürfe. Er spricht sie an! Und er ruft sie zu Umkehr im wahrsten Sinne des Wortes. Er ruft sie auf zu Demut und Unterordnung. Er ruft sie auf zum Gehorsam. Aber vor allem macht er ihr klar: "Der Herr hat dein Elend erhört!" Gott wusste, wie's der Hagar ging, auch ohne ein Gebet. Und er gibt ihr trotz allen Versagens, trotz all dem, was vorher war, eine riesige Verheißung.

So ist Gott, ihr Lieben! So ist Gott! Er ist wunderbar groß, allwissend, heilig, großzügig und gütig. Und er hat einen Plan. Und er ist allmächtig. Und das möchte ich auch jetzt mal im Einzelnen anschauen.

Er ist allwissend. Er weiß, woher wir kommen. Ich möchte es jetzt mal auf uns übertragen. Er weiß, woher wir kommen. Und er weiß auch, wie wir dahin gekommen sind, wo wir sind. Aber er macht uns keine Vorwürfe. Sondern er spricht uns an. Und er ist heilig. Er weiß, wer wir sind. Dass wir so ganz anders sind als er. Und er ruft uns zur Umkehr. Er ruft uns zur Demut und zur Unterordnung. Er ruft uns in seine Nachfolge. Und er ist großzügig und gütig. Er spricht uns zu: "Ich habe dein Elend längst gesehen!" Und er will uns beschenken. Und weil er genau weiß, was er vorhat und weil er weiß, dass ihn niemand hindern kann, seinen Plan umzusetzen, kann er uns auch etwas verheißen. Das heißt, er kann uns etwas versprechen, was definitiv geschehen wird. Oder wie Psalm 33, Vers 4 es sagt: "Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss."

Wir können uns also absolut sicher sein, dass er dazu von uns keine Schützenhilfe braucht. Denn er ist allmächtig. Hagar meinte, sie wäre mit ihrem Latein am Ende. Sie hatte keine Hoffnung mehr. Aber hat Gott das davon abgehalten, ihr zu helfen? Hat Gott den Eindruck gehabt: "Oh je, da kann ich jetzt auch nichts mehr machen?" Mitnichten. Gott hatte einen Plan mit Hagar, und den hat er ihr mitgeteilt. "Ich will deine Nachkommen so mehren, dass sie der großen Menge wegen nicht gezählt werden können." Und wenn man dann weiterliest, was passiert? Genauso ist es auch gekommen.

Wie viel Hilfe braucht also Gott, um seine Pläne umzusetzen? Und auf diese Frage gibt es im Matthäusevangelium eine schöne Antwort. Wo es heißt: "Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: <<Bei den Menschen ist es unmöglich. Aber bei Gott sind alle Dinge möglich.>>" Gott braucht unsere Hilfe nicht. Es gibt noch eine Stelle, die mir in den Sinn gekommen ist, wo es noch etwas majestätischer formuliert wird und das ist in Jeremia 32, 17. Da heißt es "Ach, Herr, Herr, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgestreckten Arm. Und es ist vor dir kein Ding unmöglich." 

Ihr Lieben, lasst mich das noch mal klar sagen. Ja! Wir sind, wer wir sind. Aber Gott sei Dank ist Gott auch der, der Er ist. Er ist der große "Ich bin." JHWH. Er ist allwissend. Er ist heilig. Und er ist großzügig. Und gütig. Oder wie Mose es gesagt hatte, nachdem er Gott begegnet war. "Herr. Herr. Gott. Barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue." Mit anderen Worten Wir können den Karren gar nicht so in den Dreck fahren, dass Gott keinen Ausweg mehr wüßte. Und er wird auch mit deiner Not fertig. Und er ist für dich. Er ist ein Gott, der dich sieht.


Gottes Wort für Dein Herz

Zum Schluss möchte ich drei Verse mit euch teilen. Drei Verse, von denen ich hoffe und bete, dass Gott sie gebraucht, um euch Trost und Hoffnung zu geben in aller Anfechtung, die ihr vielleicht jetzt erlebt oder noch durchleben werdet. Drei Verse, die zusammenfassen sollen, was wir heute gehört haben.

Dass es eben nicht menschliche Weisheit und Kraft ist, die uns ans Ziel bringt. Denn Gottes Wort sagt klar: "Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in all deinen Wegen, so wird er dich recht führen."

Und zum Zweiten, dass es unsere Geduld braucht, unser Vertrauen. Unser Warten darauf, dass Gott handelt. Auch dazu gibt es einen Vers, der steht in den Psalmen. Dort heißt es, "Sei Stille dem Herrn und warte auf ihn. Denn der Herr hat das Recht lieb. Und verlässt seine Heiligen nicht."

Vor allem aber möchte ich euch und auch mich daran erinnern, dass unsere Geduld und unser Glaube nicht enttäuscht werden. Denn wir dürfen das wissen, was in der Jahreslosung steht: 

"Du bist ein Gott, der mich sieht."


Sonntag, 12. Januar 2020

Die Jahreslosung 2020 „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Markus 9, 24)

[Predigt als MP3]

Einleitung

Seham hat Gastritis und ich habe für sie gebetet. In mir war dabei ein riesiger Kampf. Warum?  Ich hatte Zweifel! Woran? Bestimmt nicht Gottes Können (Er kann ein Universum aus dem Nichts schaffen“). Bei mir ist es vielmehr ein Zweifel an Gottes Wollen. Ich habe vielmehr Angst, dass „nichts passiert“. 

Aber warum? Zum einen: Woher soll ich vorher wissen können, dass Er „Ja!“ sagt? Ich meine: außer bei einer mir bekannten ausdrücklichen Verheißung? Vor allem aber: Was bedeutet das, wenn nichts passiert? Dass Gott „Nein!“ sagt? Dass Gott nicht existiert? Dass ich nicht feste genug glaube? Dass ich vielleicht gar nicht richtig gläubig bin? Oder (für mich) am schlimmsten: Dass Gott mich nicht leiden kann? 

Solche Gedanken können einen innerlich zerreißen! Und solche Zweifel haben wir alle! Welcher ist Deiner?

Wie 

  • ... diese „Schäden“, die wir mit uns rumtragen, unseren Glauben hindern ...
  • ... und wie das mit der Jahreslosung zusammenhängt ...
  • ... und was die Lösung dafür ist ...

das wollen wir uns im folgenden mal etwas genauer ansehen.


Inhalt 

Worum geht es also heute?

  • Unser Text
    • Zu Beginn möchte ich mit Euch den Text lesen
    • Und auch kurz zusammenfassen, was da passiert ist

  • Der wunde Punkt
    • Dann - zusammen: den wunden Punkt des Vaters anschauen
    • Wo liegt die Schwierigkeit?
      • 1x von der theologischen Seite
      • 1x von der psychologischen Seite

  • Der Tag der Wahrheit
    • In den Kern vordringen:
      • Was genau ist das Problem?
      • Was genau ist die Ursache?

  • Der Hoffnungs-Schlüssel
    • Bei allen wunden Punkten und Problemen ist doch die Frage: 
    • „Was ist nun der Schlüssel?“. Auch dahinein möchte ich Euch mitnehmen

  • Balsam für Dein Herz
    • Zum Schluss möchte ich uns 4 hilfreiche Gedanken mit auf den Weg geben

Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen.


Unser Text

Die Heilung eines besessenen Knaben

Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn. Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen? Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, daß sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht. Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riß er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, daß ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Als nun Jesus sah, daß das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und riß ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, so daß die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. Und als er heimkam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.

Was war passiert?

Jesus kommt vom Berg der Verklärung (Joh 1,14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“) herunter in die Realität dieser Welt. 

Und was sieht Er?Er sieht die Pharisäer streiten mit den Jüngern streiten (Ähnlich wie Moses am Sinai  das Volk ein goldenes Kalb anbeten sah, direkt nachdem er Gott begegnet war und die 10 Gebote von ihm erhalten hatte). Und worüber wurde gestritten? Über Sinn und Unsinn dieser "neuen Religion", die angeblich "kraftlos" war (bitte nicht vergessen: die Jünger hatten bereits böse Geister ausgetrieben!).

Auch interessant finde ich an diesem Bericht: Kaum kommt Jesus, plötzlich tun alle plötzlich ganz freundlich. Und was dann passiert ist eine Demonstration in Leadership: Jesus nimmt die Situation in die Hand, stellt sich vor seine Jünger und fragt was anliegt.

Der Vater meldet sich: er ist aufgrund der Geschichte schwer belastet und von der Situation und dem Unvermögen der Jünger frustriert und enttäuscht. Und was mach Jesus? Erst einmal schimpft Jesus seine Jünger und auch die Menge für ihren Unglauben. Doch warum?  Weil der Unglaube eine Majestätsbeleidigung ist! Als ob Gott nicht helfen könnte oder wollte!

Gott ist das Inbild der Weisheit, Güte und Allmacht in Person. Er ist das Inbild von Wahrheit und Schönheit und Gerechtigkeit! Nochmal: Joh 1,14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Es gibt keinen Grund an Gott zu zweifeln!

Und dann lässt Jesus sich den Jungen bringen. Und sofort reißt in der Geist, weil er weiß, was ihm blüht. Doch unbeeindruckt von der Show des Dämons fragt Jesus weiter und erfährt die tragische Historie des Jungen. Und bitte bemerkt: Während der ganzen Zeit gibt es noch immer keine Gebetserhörung; keine Linderung des Leidens von Vater und Sohn!

Aber warum macht Jesus das? Auch das werden wir uns noch ansehen.


Der Wunde Punkt

Im folgenden möchte ich mit Euch den wunden Punkt des Vaters anschauen und uns fragen: Wo genau liegt die Schwierigkeit? 1x von der theologischen Seite. 1x von der psychologischen Seite.

Der Vater wird also immer verzweifelter und ruft: „Wenn Du etwas kannst“. Er hat also eher das „kann-nicht-Problem“ - und nicht (wie ich) das „will-nicht-Problem“. 

Doch dann spitzt Jesus die Situation aufs äußerste zu, indem Er sagt: "dem, der glaubt, sind alle Dinge möglich“. Ja toll! Dieser Satz muss sich für den Vater angefühlt haben, ist wie ein Stich mit einem glühenden Eisen mitten ins Herz. Er verhundertfacht seinen Schmerz. Und zwar, weil dieser Satz ihn auf seinen wunden Punkt hinweist: auf Seinen Zweifel.

Was aber genau ist das Problem? 

Zuerst mal theologisch: In Hebräer 11,6 steht: „Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“ Und in Epheser 2,8+9: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,  nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“

Das also ist der wunde Punkt: Ich soll glauben! Ich kann Glauben aber nicht machen Ich kann Jesus kein Werk, keine Leistung präsentieren, die Ihn verpflichten würde, mir zu helfen! Ich kann Gott also nichts bringen, außer meinem Zweifel. Ich kann also nur nackt vor Gott stehen, so wie ich wirklich bin - und Ihn um Seine Gnade bitten (Johannes 4,24: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“).

Ich kann das Problem nicht mit der Kraft meines Willens lösen! Aber wie kann Gott von mir Glauben fordern, wenn er doch weiß, dass ich ihn nicht machen kann? Was bleibt mir da noch?

<wir werden sehen>


Der Tag der Wahrheit

Jetzt möchte ich mit Euch gemeinsam in den Kern vordringen: 

  • Was genau ist das Problem? 
  • Was genau ist die Ursache?

Zuerst einmal ist eines super-wichtig: Jesus hilft trotzdem! Das erinnert mich an Hesekiel 37,11-13: „Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels. Und ihr sollt erfahren, daß ich der HERR bin [...]“

Und noch etwas: Die Erkenntnis, dass ich nackt bin vor Gott ist bereits Ergebnis Seines Heils-Werks an mir: ohne Seinen Geist würde ich mich gar nicht an Ihn wenden: Johannes 6,44: „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat [...]“. Das heißt: ohne das Wirken von Gottes Geist hätte ich gar keine Erkenntnis über meinen verlorenen Zustand. Versteht ihr? Die Tatsache, dass ich merke, dass ich ein Problem habe – ist bereits der Hoffnungsschimmer! Ich kann erkennen, dass ich zweifle, weil ich schon Glauben habe!! Mit anderen Worten: Zweifel ist eine Krankheit, die man nur bekommen kann, wenn man glaubt!

Ich fasse noch mal zusammen: Jesus brauche ich nichts zu bringen: Er hilft von Herzen gerne!  Ihm genügt das kleinste Quentchen Glauben!

Doch was ist jetzt die Lösung? Und was hat das damit zu tun, dass Jesus den armen Mann so auf die Folter spannt? Was können wir aus dem allen lernen? Warum macht Jesus das?

Ich denke, es geht um den Tag der Wahrheit: Jesus will den Mann konfrontieren will mit der Wahrheit. Mit dem, was in Seiner Seele kaputt ist. Mmit der Tatsache, dass er grundlegende, echte Zweifel hat. Ganz konkrete Zweifel – ja Unglauben!

Aber Warum lässt Jesus den Mann so durchs Feuer gehen? Ich denke, weil Jesus will, dass der Mann ehrlich wird in Seinem Gebet. Weil ER längst weiß, dass in ihm etwas kaputt gegangen ist. Weil ER längst weiß, dass er in seinem Leben eine traumatische Erfahrung gemacht hat. Nicht zuletzt mit den Jesu Jüngern (für den Mann war das sicher, wie eine Bestätigung: „Es geht ja eh nicht – wie immer!“)

Und weil Jesus weiß, wo unsere Zweifel herkommen: weil Grundüberzeugungen in unserem Leben zerbrochen wurden! Und weil Jesus weiß: das muss etwas heilen in unseren Herzen! Und damit es heilen kann, müssen wir darüber reden – es endlich aussprechen. Wir müssen die Dinge endlich beim Namen nennen!

Was habe ich gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt, getastet? Was habe ich empfunden? Angst? Schmerz? Zorn? Furcht? Was habe ich gebraucht? Sicherheit? Freiheit? Geborgenheit? Hoffnung? Welche Überzeugung ist in mir zerbrochen? Die Zeit wird nicht reichen, hier noch weiter in die Tiefe zugehen. Nur so viel: es muss alles raus – es muss ans Licht! So, wie es im Evangelium heißt: Johannes 8,32: „ihr [...] werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“


Der Hoffnungs-Schlüssel

Bei all unseren wunden Punkten und Problemen ist doch die tiefste Frage: „Was ist nun der Schlüssel?“ Ich glaube, dass es 4 ganz wesentliche Schlüssel gibt – uns sie stecken im Text!

Der 1. Schlüssel ist Gnade

Für mich das allerwichtigste an diesem Text ist: Jesus beantwortet Gebet. Selbst dann, wenn unser Glaube durchsät ist von Zweifeln. Jesus reicht dieses Quentchen von Glauben – dieses „Ich glaube...!“ Übrigens: obwohl mein Gebet für Seham‘s Gastritis von mir die "Schulnote 5" bekommen hätte (mangelhaft), waren Sehams Magenschmerzen am nächsten Tag weg!

Der 2. Schlüssel ist Glaube

Was aber ist das genau „Glaube“? Heb 11:1 „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ In diesem Text steckt die Lösung! Es geht um das, was man nicht sieht! Wie können wir aber das Unsichtbare sehen? Durch Offenbarung; durch Gottes Wort! Ein Teil der Lösung besteht also darin, sich auf Gottes Wort zu stellen! Auf Seine Verheißungen. Dazu müssen wir Gottes Wort lesen! Übrigens: es gibt ganze Bücher voll mit Verheißungen zum Nachschlagen!

Der 3. Schlüssel ist das Gebet

Manche Situationen erfordern besonders intensives Gebet. Aber wozu? Bestimmt nicht, um noch ein Quentchen Glauben mehr aus der eigenen Seele heraus zu quetschen. Ich hoffe, das ist klar geworden – es geht nicht um Leistung. Auch nicht, um damit Gott zu beeindrucken. Und schon gar nicht darum, Gott zu etwas zu zwingen (als ob man Gott zu etwas zwingen könnte!)

Sondern es geht darum, Gott nahe zu sein. IHM zu begegnen. In Seiner Herrlichkeit, Gnade, Barmherzigkeit, Geduld, Güte, Treue, Weisheit, ... Im Anblick Seines Kreuzes das Vertrauen (zurück) zu gewinnen. Dass ER gut ist! Um IHM die eigenen Sorgen und Nöte in seine guten Hände zu übergeben. Um auf das vorbereitet zu werden, was GOTT tun will.

Matthäus 7,7-8 steht „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Und Habakus 2,3 steht „Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiß kommen und nicht ausbleiben.“

Der 4. und für heute letzte Schlüssel liegt in der Seelsorge

Es gibt Dinge, Überzeugungen in uns, die sind zerbrochen, weil Schlimmes passiert ist. Diese Dinge in unserer Seele brauchen Gottes Heilung. Das ist manchmal nicht mehr alleine möglich. Dann brauchen wir Seelsorge. Wir brauchen es, im Gespräch miteinander und mit Gott die Dinge auszusprechen, die uns geprägt haben; die etwas in uns zerbrochen haben. Wir brauchen Gebet und Gottes Hilfe. Wir brauchen eine Neuprägung. Dazu ist das seelsorgerliche Gespräch da.


Balsam für Dein Herz 

Zum Schluss möchte ich uns 4 hilfreiche Gedanken mit auf den Weg geben:

  • Gnade
    • Sei getrost: Gott hört dein Gebet!
    • Jesaja 42,3 steht: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.“

  • Glaube
    • Halte fest an Gottes Wort 
    • Vertraue auf Gottes Verheißungen für Deine Situation!
    • Denke daran: Hebräer 6,18: „es ist unmöglich, dass Gott lügt“

  • Gebet
    • Gehe ins Gebet (nicht nur heute, nicht nur kurz, sondern wirklich intensiv!)   begegne wirklich Gott: sprich mit Ihm offen über Deinen Zweifel und bitte Ihn um Gnade und Hilfe: darum, Dir die Ursachen zu offenbaren und Dich innerlich von dem zu heilen, was Dich zweifeln lässt. Werde ehrlich – stelle Dich ganz in das Licht Seiner Wahrheit – : Wo genau, angesichts welcher Situationen, in welcher Hinsicht, läuft Dein Glaube auf Grundeis? Woran (ver-)zweifelst Du?

  • Seelsorge:
    • Schütte Dein Herz einem erfahrenen Seelsorger aus. 

Donnerstag, 15. Juni 2017

Echte Hingabe - Matthäus 26,39


Einleitung
Manchmal stehen wir im Leben vor Krisen, von denen wir nicht wissen, wie wir sie je überwinden sollen. Krisen, die so tief gehen, uns so sehr ans Herz reichen, dass wir nicht mehr verstehen können, warum Gott so etwas überhaupt zulässt. Warum er nicht antwortet. Warum er unsere Gebete nicht erhört. Und wir erkennen dabei nicht, dass nicht Gott es ist, der uns im Wege steht, sondern wir selbst. Wir erkennen oft nicht, dass die größten Steine, die in unserem Lebensweg liegen, zutiefst etwas mit uns zu tun haben, dass sie begründet sind in unserer ganz persönlichen Lebensgeschichte mit all ihren Prägungen, Verletzungen und in unserem sündigen Wesen und in der Art, wie wir mit den Problemen in unserem Leben umgehen. 


Worum es heute gehen wird
Ich möchte uns heute anhand von drei biblischen Lebensgeschichten (von Hiob, Abraham & Sarah und von Jakob & Esau) aufzeigen, was die Hintergründe unserer Krisen sind, und warum es Gottes Barmherzigkeit ist, die uns nicht einfach aus der Krise entlässt: Weil Gott sich wünscht, dass wir umgestaltet werden in Sein Bild, das Ebenbild Christi. Weil Gott sich wünscht, dass wir im tiefsten unseres Herzens frei werden von diesen unguten Zusammenhängen und im wahrsten Sinne des Wortes "gottlosen" Vorgängen in unserem Inneren, die uns quälen und binden.

Anhand der Lebensgeschichten von Hiob, Abraham und Jakob möchte ich uns mit hinein nehmen in das Grundproblem dieser Welt: den Schmerz. Unseren Schmerz. Und hinein in unsere Methoden, mit diesem Schmerz umzugehen. Ich möchte beleuchten, wohin uns dieser Schmerz und unsere gottlosen Methoden der Selbsthilfe führen. Und wie Gott uns in Seiner Gnade an eben diesen unseren Methoden scheitern lässt.

Und ich möchte aufzeigen, dass es einen Weg gibt. Keinen einfachen. Keinen leichten. Sondern einen Weg nach Gottes Willen. Einen Weg, der uns vielleicht alles, das für uns Höchste, das für uns Tiefste, das für uns Allerwertvollste, abverlangt. Ein echtes Opfer. Echte Hingabe. Einen Weg, der nur möglich ist durch das feste Vertrauen darauf, dass Gott sein Wort hält. Einen Weg, der uns letztlich an einen Ort bringt, an dem wir schon immer zu sein wünschten: den Ort, an dem sich Gottes Verheißungen erfüllen. An dem wir am Ende wirklich frei sind. Christus ähnlich. Umgestaltet in Gottes sein Bild.
 

Unser Schmerz
Hiob: Beginnen wir mit Hiob. Was war sein Schmerz? Und ich meine hier nicht die Krise, durch die ihn Gott hat gehen lassen. Sondern ein viel tiefer liegender Schmerz, der ihn zu dem machte, der er war: "fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse." (Hi 1:8). 

In Hiob 1:4-5 lesen wir: "Und seine Söhne gingen hin und machten ein Gastmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.“ 

Hiob opferte. Hiob war fromm. Aber warum? Hiob hatte Angst. Angst vor der Sünde. Angst vor Gottes Zorn. Bitte versteht mich richtig: es ist gut, die Sünde zu hassen. Es ist Gottes Gebot. Und Gott lobt ja auch den Hiob und sagt "Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden [...]" (Hiob 1:8). Aber in Hiobs Angst ist ein Element enthalten, das nichts mit wahrer Gottesfurcht zu tun hat, denn "Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe." (1Joh 4:18). Lassen wir das einfach einmal so stehen. 


Abram und Sarai: Schauen wir auf Abram und Sarai. Was war ihr Schmerz? In 1Mo 11:30 lesen wir: "Aber Sarai war unfruchtbar und hatte kein Kind." Nur, wer einen herzlichen Kinderwunsch hat der unbeantwortet bleibt - und glaubt mir: ich weiß, wovon ich rede! - der weiß auch, was es bedeutet, dass sich diese tiefste Sehnsucht nicht erfüllt. Welchen Schmerz es bereitet, um sich glückliche Eltern zu sehen und zu wissen, dass man nicht weiß, wie es sich anfühlt, so einen kleinen Wurm in den eigenen Armen zu halten. Dass man nicht erlebt, wie einen so ein Sonnenschein anstrahlt, als sei man das Größte auf der ganzen Welt. So ging es Abram und Sarai. Sie hatten kein Kind. Lassen wir auch das erst einmal so stehen und schauen auf Jakob und Esau.


Jakob: Was war Jakobs Schmerz? In 1Mo 25,28 lesen wir: "Und Isaak hatte Esau lieb und aß gern von seinem Wildbret; Rebekka aber hatte Jakob lieb." Gott sei Dank hatte ich einen Vater, der mich geliebt hat. Das durfte ich, vor allen in seinen letzten Jahren, immer deutlicher erleben. Doch es gab auch Momente, in denen er meine Sohnschaft in Frage stellte. Nie werde ich den Satz vergessen: "Wenn Du nicht [dies und das tust] dann bist Du nicht mehr mein Sohn!“ Wie muss es Jakob geschmerzt haben, zu spüren, dass die Zuneigung seines Vaters, sein wohlwollender Blick, an ihm vorüber strich und auf Esau ruhen blieb. Wie sehr muss Jakob sich ersehnt haben, die Anerkennung und Wertschätzung seines Vaters zu erlangen.Und wie groß muss sein Neid gegenüber Esau gewesen sein, dem Erstgeborenen, dem heldenhaften Jäger, dem, der es in den Augen seines Vaters immer recht machte. 

Jakobs Schmerz lag in der Geringschätzung. Solche Schmerzen, solche Prägungen können sich wiederholen und sich im Laufe der Zeit verstärken. Mein großer Schmerz ist es, verlassen zu werden. Allein zu sein. Nicht gewollt. Bei der Geburt meines Bruders wurde ich für einige Wochen weggegeben und konnte nachher nicht mehr richtig sprechen. Nach der Scheidung meiner Eltern wurde ich von meiner Mutter verlassen. Meine erste große Liebe hat mich betrogen und verlassen. Und so ging es mir auch in meiner ersten Ehe: ich wurde betrogen und verlassen. So wird die Kerbe tiefer.


Unsere Selbsthilfe
Hiob: Wie gehen wir nun damit um? Wie reagieren wir? Was tun wir gegen diesen Schmerz? Nur zu oft versuchen wir, unserem alten Wesen folgend, das Problem ohne Gott zu lösen. Schauen wir auf Hiob. Hiob hatte Angst. Angst vor der Sünde. Angst vor Gottes Zorn. Und wie schützte er sich davor? Er wurde religiös. Bitte richtig verstehen: "[Hiob] war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse." (Hiob 1:1) Doch seine Frömmigkeit reichte nicht bis in den Kern seines Wesens. Er hatte weder die Liebe und Barmherzigkeit Gottes in der Tiefe erkannt, noch die Sündhaftigkeit seiner eigenen Seele. Den Hochmut, zu dem sich seine Frömmigkeit mit der Zeit entwickelt hatte. 

Hören wir ihm zu in der Zeit seiner Krise: "Doch ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte rechten mit Gott. Siehe, ich bin zum Rechtsstreit gerüstet; ich weiß, dass ich recht behalten werde. Wer ist, der mit mir rechten könnte? Denn dann wollte ich schweigen und zugrunde gehen." (Hiob 13:3.18.19) Hiob glaubt tatsächlich, sich in seiner frommen Werkgerechtigkeit mit Gott auf eine Stufe stellen zu können; ja, mit Gott rechten zu können. Ja, noch mehr: er glaubt, gegenüber dem Allmächtigen, gegenüber dem Allwissenden, gegenüber dem Gerechten, ja gegenüber dem HERRN des Universums, Recht behalten zu können. Lasst uns diesen Gedanken festhalten: unser Selbstschutz, unsere Selbsthilfe, hat einen Haken. 


Abram und Sarai: Auch bei Abram und Sarai. Auch Abram und Sarai versuchten, sich selbst zu helfen. In 1Mo 16:2 lesen wir: "Und Sarai sprach zu Abram: Siehe, der HERR hat mich verschlossen, dass ich nicht gebären kann. Geh doch zu meiner Magd, ob ich vielleicht durch sie zu einem Sohn komme. Und Abram gehorchte der Stimme Sarais."

Abram's und Sarai's Schmerz ist ihre Kinderlosigkeit und die draus entspringende, tiefe Traurigkeit. Und die Methode ihrer Selbsthilfe ist Eigenmächtigkeit: sie nehmen ihre Familienplanung einfach selber in die Hand - und zwar vorbei an Gottes Plan - und vorbei an Gottes Verheißung, wie wir später noch sehen werden. Und auch ihr Selbstschutz und ihre Selbsthilfe gehen nach hinten los. In 1Mo 16:5, keine 3 Verse später, lesen wir: "Da sprach Sarai zu Abram: Das Unrecht, das mir geschieht, komme über dich! Ich habe meine Magd dir in die Arme gegeben; nun aber, da sie sieht, dass sie schwanger geworden ist, bin ich gering geachtet in ihren Augen." Lasst uns diesen Gedanken weiter festhalten: unser Selbstschutz, unsere Selbsthilfe, hat einen Haken. 


Jakob: Auch bei Jakob. Jakobs Schmerz war die fehlende Liebe, Achtung und Wertschätzung seines Vaters und sie mündete im Neid gegenüber seinem Bruder. Doch wie versuchte Jakob seinen Schmerz zu überwinden? Wir wissen: Er erschlich sich das Recht der Erstgeburt durch einen massiven Betrug: er gab sich, seinem schon auf dem Sterbebett liegenden! Vater gegenüber, als Esau aus. Dreimal belügt er ihn. Dazu täuscht er ihn durch Verkleidung, durch Verstellen seiner Stimme und ein verlogenes letztes Abendessen. Er lügt und betrügt, dass sich die Balken biegen. 

Und auch hier geht der Schuss nach hinten los: "Als Esau diese Worte seines Vaters hörte, schrie er laut und wurde über die Maßen sehr betrübt und sprach zu seinem Vater: Segne mich auch, mein Vater! Er aber sprach: Dein Bruder ist gekommen mit List und hat deinen Segen weggenommen. Da sprach er: Er heißt mit Recht Jakob [=Betrüger], denn er hat mich nun zweimal überlistet. Meine Erstgeburt hat er genommen und siehe, nun nimmt er auch meinen Segen." und "Und Esau war Jakob gram um des Segens willen, mit dem ihn sein Vater gesegnet hatte, und sprach in seinem Herzen: Es wird die Zeit bald kommen, dass man um meinen Vater Leid tragen muss; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen." (1Mo 27:34-36.41). Jakobs Selbsthilfe-Methode ist die List. Und sie führt ihn in einen bald unüberwindlichen Zwist mit seinem Bruder Esau, der ihn wegen seines Betruges so sehr hasste, dass er plante, ihn kaltblütig zu ermorden.   

Nach diesen Ereignissen floh Jakob nach Haran zu seinem Onkel Laban. Zwanzig Jahre sollte er dort bleiben. Und zwanzig Jahre lang kam er durch mit seiner List, mit seinen verschlagenen Methoden, die ihn am Ende all die Anerkennung und das Ansehen eingebracht zu haben schienen, die er schon immer erstrebt hatte, so dass es von ihm hieß "[So] wurde der Mann über die Maßen reich [...]" Zwanzig Jahre sollte es dauern - bis Gott ihn in die Krise führte. 


Die Krise
Hiob: Wie lange es bei Hiob dauerte, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass die Krise ihn an die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit brachte. Was war Hiob's Krise? Den Gipfel seiner Krise erlebte Hiob, als seine Gebete unerhört blieben. Seine ganze Frömmigkeit und Redlichkeit nützen ihm nichts mehr. Sie funktionieren nicht. Sein Selbstschutz - seine Selbsthilfemaßnahmen versagten: Gott blieb verborgen. Und das machte Hiob Angst. Oder besser: Es verschärfte die Angst, die er schon von Anfang an hatte: dass Gott ihn straft. Und es trieb ihn zur Verzweiflung, dass seine Methode nicht mehr funktionierte. Sein Weltbild brach zusammen.

Ich glaube den Höhepunkt seiner Krise -  den tiefsten Schmerz seiner Seele - finden wir im 23. Kapitel, wo es heißt: "Ach dass ich wüsste, wie ich ihn finden und zu seiner Stätte kommen könnte! So würde ich ihm das Recht darlegen und meinen Mund mit Beweisen füllen und erfahren die Reden, die er mir antworten, und vernehmen, was er mir sagen würde. Würde er mit großer Macht mit mir rechten? Nein, er selbst würde achthaben auf mich. Dort würde ein Redlicher mit ihm rechten, und für immer würde ich entrinnen meinem Richter! Aber gehe ich nach Osten, so ist er nicht da; gehe ich nach Westen, so spüre ich ihn nicht. Wirkt er im Norden, so schaue ich ihn nicht; verbirgt er sich im Süden, so sehe ich ihn nicht. Er aber kennt meinen Weg gut. Er prüfe mich, so will ich befunden werden wie das Gold. Denn ich hielt meinen Fuß auf seiner Bahn und bewahrte seinen Weg und wich nicht ab und übertrat nicht das Gebot seiner Lippen und bewahrte die Reden seines Mundes bei mir. Doch er hat's beschlossen, wer will ihm wehren? Und er macht's, wie er will. Ja, er wird vollenden, was mir bestimmt ist, und hat noch mehr derart im Sinn. Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht, und wenn ich darüber nachdenke, so fürchte ich mich vor ihm. Gott ist's, der mein Herz mutlos gemacht, und der Allmächtige, der mich erschreckt hat; denn nicht der Finsternis wegen muss ich schweigen, und nicht, weil Dunkel mein Angesicht deckt." (Hiob 23:1-17) Das ist Hiobs Krise: Seine Frömmigkeit und seine Redlichkeit versagen. Er kann sich aus der Krise nicht selbst befreien. 


Abram + Sarai: Auch Abraham und Sarah ging es so. Sie werden immer älter. Auch ihr Selbstschutzmechanismus ist nach hinten los gegangen. Und als Abraham schließlich 99 Jahre alt ist, scheint alle Hoffnung verloren. Die Krise von Abraham und Sarah liegt im Wettlauf gegen die Zeit. Sie sind ihrer Kinderlosigkeit mit fortschreitendem Alter immer hilfloser ausgeliefert. Sie können an Sarah's Unfruchtbarkeit nichts ändern. 


Jakob: Und auch Jakob muss sich seinen Methoden stellen. Auch ihn führt Gott in die Krise. Jakob erfährt, dass sein Bruder Esau, den er um sein Erstgeburtsrecht betrogen hatte, ihm mit einem ganzen Heer entgegen zieht: "Die Boten kamen zu Jakob zurück und sprachen: Wir kamen zu deinem Bruder Esau, und er zieht dir auch entgegen mit vierhundert Mann. Da fürchtete sich Jakob sehr und ihm wurde bange." (1Mo 32:7-8). So groß war Jakobs Angst, dass er betete: "Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak [...] Errette mich von der Hand meines Bruders, von der Hand Esaus; denn ich fürchte mich vor ihm, dass er komme und schlage mich, die Mutter samt den Kindern." (1Mo 32:10-12) So sehr hat sich der Zwist mit seinem Bruder Esau inzwischen ausgeweitet, dass Jakob befürchten muss, dass eine tödliche kriegerische Auseinandersetzung mit Esau, ihn und seine Familie das Leben kosten könnte. Und er weiß keinen Ausweg mehr - er fürchtet um sein Leben. 

An dieser Stelle möchte ich kurz anhalten, und Dich fragen: Was ist Dein Schmerz? Was ist Dein Selbstschutz? Was ist Deine Selbsthilfe? Was ist Deine Krise? An welcher Stelle versagt Dein Weltbild? An welcher Stelle versagen Deine Methoden? An welcher Stelle verstehst Du Gott nicht mehr? Ist es ein unerfüllter Heilungswunsch? Oder ein unerfüllter Kinderwunsch? Sind es scheinbar unüberwindliche Familien oder Eheprobleme? Ist es der nicht verwundene Verlust eines geliebten Menschen? Oder eine unüberwindliche Sucht? Ist es Dein Charakter? Was auch immer es ist --- lass es los!


Echte Hingabe
Doch ist das nicht genau das eigentliche Problem? Ist das nicht der eigentliche Grund, aus dem uns Gott überhaupt in diese Krise gestellt hat? Dass wir nicht loslassen wollen? Dass wir unseren Willen, ohne Gott mit allem fertig zu werden, gar nicht aufgeben wollen? 

Doch, was ist der Grund dafür? Ich denke, es ist die Angst. Angst vor den Schmerzen, die dieses Loslassen bedeuten würde. Die Angst vor der Ungewissheit. Die Angst vor dem, was passieren könnte (und dürfte!) wenn ich wirklich die Kontrolle an Gott abgebe. Die Angst, was er wohl tun würde, wenn ich tatsächlich vollkommen hilflos und abhängig dem Plan des Allmächtigen ausgeliefert wäre. Doch genau darum geht es. Martin Luther hat es damals so formuliert: "Du bittest, ich soll dich erlösen; laß dir nicht leid sein; lehre du mich nicht, lehre dich auch nicht, laß dich mir, ich will dir Meisters genug sein, ich will dich führen den Weg, darin du mir gefällig wandelst. Dich dünkt, es sei verderbt, wenn es nicht geht, wie du denkst; dein Denken ist dir schädlich und hindert mich, es muß gehen nicht nach deinem Verstande, sondern über deinen Verstand. Senke dich in Unverstand, so gebe ich dir meinen Verstand. Unverstand ist der rechte Verstand; nicht wissen, wohin du gehst, das ist recht wissen, wohin du gehst. Es ist der Weg des Kreuzes, den kannst du nicht finden, sondern ich muß dich führen als einen Blinden; darum nicht du, nicht ein Mensch, nicht eine Kreatur, sondern ich, ich selbst will dich unterweisen durch meinen Geist und Wort den Weg, darin du wandeln sollst; nicht das Werk, das du erwählst, nicht das Leiden, das du erdenkst, sondern das dir wider dein Denken, Erwählen, Begehren zukommt, da folge, da rufe ich, da sei Schüler; da ist es Zeit, dein Meister ist da; da sei nicht ein Pferd oder unvernünftiges Tier."  Es ist der Weg des Kreuzes.
 

Echte Hingabe
Es ist der Weg, den Jesus ging. Es ist der Weg, auf den ER uns ruft: "Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir." (Mt 16:24) Es ist die Entscheidung, nicht den eigenen Willen festzuhalten, nicht die eigene Gerechtigkeit und Frömmigkeit, nicht die eigene Macht und Fähigkeit, nicht die eigene List und Tücke. Es ist die Entscheidung, Christus nachzufolgen, im ähnlich zu werden, so zu entscheiden, wie er. Es ist die Entscheidung, ihm nachzusprechen, was Er, auf Seinem Angesicht liegend und zu Gott flehend, in Gethsemane betete: "Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!" (Mt 26:39)

Gottes Verheißung
Vielleicht geht es Dir jetzt, wie mir: Du sagst in Deinem Herzen: "Sorry! Das ist echt zu viel verlangt. Das kann ich nicht. Das will ich auch gar nicht. Ich habe Angst! Wie soll ich die je überwinden? Wie ich das jemails schaffen?" Und in gewisser Hinsicht hast Du Recht: Du kannst es nicht. Jesus selbst hat es gesagt: "[...] ohne mich könnt ihr nichts tun." (Joh 15:5). 

Aber ER kann es. "Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich." (Lk 1:37). Es braucht nicht Deine Kraft, Deine Willensanstrengung, Deine Überwindung. Es braucht ein Wunder. Ein Wunder, dass nur Gott wirken kann, wenn Du ihn lässt. Er zwingt Dich nicht. Er wartet. Alles was er will ist, dass Du ihm erlaubst, Sein Werk zu tun. Und dass Du ihm vertraust. Seinem Wort vertraust. 

Die Krisen unseres Lebens meistern wir nicht aus eigener Kraft. Wir meistern sie in der Erkenntnis Gottes' Wesens: dass ER gut ist - und dass ER Sein Wort hält. Weil er gar nicht anders kann. Weil ER der ist: der "Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben." (Gal 2:20). ER "ist wahrhaftig" (Röm 3:4) Wir meistern die Krisen unseres Lebens im Vertrauen auf Gottes Wort, auf Seine unumstößlichen Zusagen, im Vertrauen auf Seine Verheißungen, die ER uns gegeben hat --- Sein "Wort ist die Wahrheit." (Joh 17:17).


Hiob: So erlebte es Hiob. Das Vertrauen auf Gottes Wesen und Sein Wort war es, das ihm die Hoffnung gab, auszurufen: „[...] ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.“ – und so kam es tatsächlich: Gott begegnete ihm.


Abraham + Sarah: Das war die Hoffnung Abrahams und Sarahs, denn sie vertrauten darauf, dass GOTT tun kann, was sie nie hätten tun können – und dass ER halten würde, was ER versprach: "Du sollst Sarai, deine Frau, nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. Denn ich will sie segnen, und [...] von ihr will ich dir einen Sohn geben; ich will sie segnen, und Völker sollen aus ihr werden und Könige über viele Völker." (1.Mo 17:15)

 
Jakob: Auch Jakob hätte sich seine eigenen Listen und Betrügereien sparen können, hatte Gott doch schon seiner Mutter prophezeit: "Zwei Völker sind in deinem Leibe, und zweierlei Volk wird sich scheiden aus deinem Schoß; und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen." (1Mo 25:23) Diese Verheißung an Jakob erneuerte Gott in Bethel und sprach: "Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham, und Isaaks Gott; das Land, darauf du liegst, will ich Dir und Deinen Nachkommen geben. Und Dein Geschlecht soll werden wie der Staub auf Erden, [...] durch Dich und Deine Nachkommen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, [...]. [...] ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe." (1Mo 27:10-15) 

Und auch dieses Versprechen löste Gott ein: Am Jabbok, direkt vor seiner Begegnung mit Esau, erfährt Jakob das Wunder: Gott erlöst sein Wesen und gibt ihm zum Zeichen einen neuen Namen: "Er sprach: Du sollst nicht mehr Jakob [„Betrüger“] heißen, sondern Israel [„Gott möge schützen“] Und er segnete ihn daselbst. Und Jakob nannte die Stätte Pnuël [...] Und als er an Pnuël vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; [...]" (1Mo32:29-32) Und er versöhnte sich mit Esau. 

Ihr Lieben! Unser Gott ist gut und treu! ER hält Sein Wort. Immer. Amen.
 

Fazit / Aufruf
Was willst Du? Was willst Du loslassen? Was ist Deine ‚Lösung‘? Was ist Deine Verheißung?