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Sonntag, 5. November 2023

Ohne Gebet ist alles Nichts - 8. Wir beten darum, dass Er uns einen Blick schenkt für die Nöte unserer Mitmenschen

 



Ihr kennt das sicherlich alle: wenn man Gottes Wort liest, dann gibt es - nicht immer, aber oft - solche Momente, wo Gottes Wort einen trifft. Mir ist es kürzlich in der stillen Zeit so gegangen, da habe ich aus Psalm 73 gelesen und dort steht im Vers 23 "Du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat. Und nimmst mich am Ende mit Ehren an." Und das hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Weil: Gott kennt mich. Ich kenne mich auch. "Du nimmst mich am Ende mit Ehren an?" Ich musste dann sofort an eine Stelle aus Matthäus denken, die wir heute noch lesen werden, wo Gott eigentlich ein Lob ausspricht an seine Kinder. Und ich habe mir gedacht, das wird - irgendwann mal - wird es so sein: dass ich dort stehen werde und Gott mir dieses Lob zusprechen wird. Und dann habe ich mir wirklich gedacht: "Was wird das für ein Moment sein?" Könnt ihr euch das vorstellen? Euer Leben liegt hinter euch - oder besser: euer Leben auf dieser Erde liegt hinter euch; das meiste liegt ja noch vor uns - und auf all das, was geschehen ist blickt ihr zurück und dürft das hören: Ein Lob aus Gottes Mund. Und darum wird es heute gehen, dass uns Gott am Ende mit Ehren annimmt und vor allem darum, wie wir dahin kommen. Darum, was Gottes Rat dazu ist, wie wir dahin kommen; und auf welchem Weg er uns leiten will. Und natürlich, was das alles mit Diakonie zu tun hat; was das alles mit tätiger Nächstenliebe zu tun hat.

Es ist doch so: Geistliches Leben ist immer ausgerichtet auf Gott, auf den Nächsten, auf einen selbst. Ausgerichtet auf Gott. Denken wir an Dinge wie Anbetung, Vertrauen, Gehorsam usw. Im Blick auf uns selbst denken wir an Heiligung, Umkehr und so weiter und so fort. Und ausgerichtet auf den Nächsten hat christliches Leben immer etwas zu tun mit Evangelisation und mit Diakonie, also mit Nächstenliebe. Und um diesen Schwerpunkt, da soll es heute gehen, um den Schwerpunkt der Diakonie, um den Schwerpunkt der Nächstenliebe.

Als Übersicht zu dem, was heute auf uns zukommt, damit man sich nachher leichter orientieren kann, wo man wo wir gerade sind: Ich werde zu Anfang zwei etwas längere Texte vorlesen - das mute ich euch heute mal zu - die meiner Meinung nach das, worum es geht, wirklich auf den Punkt bringen. Dann möchte ich das, was wir gelesen haben, zusammenfassen in dem Punkt "Gottes Vision von einem gelungenen Leben". Was stellt sich Gott darunter vor? Wann nennt Gott ein Menschenleben gelungen? Und dann möchte ich eine Zwischenbilanz ziehen und uns auch mal ein Stück weit herausfordern. Wie genau? Da lasst euch mal überraschen. Im nächsten Abschnitt möchte ich darauf eingehen, was uns eigentlich davon abhält, diese Vision, die Gott von einem gelungenen Leben hat, anzustreben und auszuleben, um dann dahin zu kommen, die Frage zu beantworten "Wie kommen wir denn trotz dieser Widerstände, trotz dieser Hindernisse, trotz dieser Herausforderungen dennoch dahin, dass wir einmal dort stehen und aus Gottes Mund selbst ein Lob hören?" Abschließen möchte ich die Predigt mit einem Aufruf an uns alle; mich eingeschlossen.

Und in diesem Sinne fange ich mal an mit Matthäus 25 ab Vers 14 bis Vers 45. Das ist ein ganzer Sermon. Das sind eigentlich zwei Geschichten. Die eine ist überschrieben in der Lutherbibel mit "Von den anvertrauten Zentnern" und die andere ist überschrieben mit "Vom Weltgericht". Ich lese vor aus der Lutherbibel.


Von den anvertrauten Talenten

"Denn es ist wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und ging außer Landes. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe fünf Zentner dazugewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe zwei dazugewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern."


Vom Weltgericht

"Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen? Oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden auch sie antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben."


Haltet diese Szene einfach mal im Hinterkopf; diese Scheidung. Und woran diese Scheidung festgemacht wurde. Ich gehe da nachher noch mal drauf ein. Ich möchte uns eine zweite Stelle vorlesen; die ist nicht ganz so lang. Aus dem Jakobusbrief, Kapitel eins, Vers 27 bis Kapitel zwei, Vers 20. Und der Teil aus Kapitel zwei ist überschrieben mit "Kein Ansehen der Person". Und der zweite Teil ist überschrieben mit "Glaube ohne Werke ist tot". Ich fange aber an bei Kapitel eins, Vers 27.


Kein Ansehen der Person in der Gemeinde

"Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich selbst von der Welt unbefleckt halten. Meine Brüder und Schwestern, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann kommt mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es kommt aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr seht auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprecht zu ihm: Setz du dich hierher auf den guten Platz!, und sprecht zu dem Armen: Stell du dich dorthin!, oder: Setz dich unten zu meinen Füßen!, macht ihr dann nicht Unterschiede unter euch und urteilt mit bösen Gedanken? Hört zu, meine Lieben! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch üben und euch vor Gericht ziehen? Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch genannt ist? Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter. Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig. Denn der gesagt hat: »Du sollst nicht ehebrechen«, der hat auch gesagt: »Du sollst nicht töten.« Wenn du nun nicht die Ehe brichst, tötest aber, bist du ein Übertreter des Gesetzes. Redet so und handelt so als Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. Denn es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht."


Glaube ohne Werke ist tot

"Was hilft’s, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? Kann denn der Glaube ihn selig machen? Wenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an täglicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, wärmt euch und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib nötig hat – was hilft ihnen das? So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selber. Aber es könnte jemand sagen: Du hast Glauben, und ich habe Werke. Zeige mir deinen Glauben ohne die Werke, so will ich dir meinen Glauben zeigen aus meinen Werken. Du glaubst, dass nur einer Gott ist? Du tust recht daran; die Teufel glauben’s auch und zittern. Willst du nun einsehen, du törichter Mensch, dass der Glaube ohne Werke nutzlos ist?"


Das sind starke Worte. Ich denke, diese beiden Texte gehören zusammen, weil ich denke, das, woran der Jakobus erinnert, ist genau das, was im Weltgericht sein Ziel findet. Wie stellt sich Gott also ein gelungenes Leben vor? Ein Leben, das er loben kann? Wenn ich jetzt noch mal an die Szene aus dem Weltgericht denke oder auch an Passagen aus dem Jakobusbrief, dann hat ein gelungenes Leben etwas mit Wohltätigkeit zu tun. Ich erinnere mal an die Verse "denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet." Das sind die absoluten... - ich weiß nicht, wer von euch die Maslowsche Bedürfnispyramide kennt? (Joi kennt die bestimmt als guter Coach) - das ist die unterste Ebene: also das Leben zu schützen, um überhaupt zu überleben. Nahrung. Essen und Trinken. Und wenn einer sich das selber nicht leisten kann, braucht er einen anderen, der ihm hilft. Und das braucht Wohltätigkeit, sonst passiert da nichts.

"Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen". Das hat was mit Heimat zu tun und mit Obdach. Es gibt Menschen, die kommen aus der Fremde und die haben ihre Heimat verloren. Ich weiß nicht, ob ihr euch vorstellen könnt, was das für ein Gefühl sein muss? Ich kann es nur annähernd. Stell dir mal vor, jemand würde sagen: "Hier! Zack! Deutschland, da habt ihr keinen Platz mehr!" Da werdet ihr verfolgt oder was auch immer. Und jetzt müsst ihr irgendwohin. Nach Timbuktu. Wo ihr keinen kennt. Ihr kennt die Sprache nicht. Ihr kennt die Kultur nicht. Was ist das für ein Gefühl? Solche Menschen sind bei uns hier in Deutschland. Wer gibt Ihnen Heimat? Es gibt auch Menschen, die leben auf der Straße. Die brauchen ein Obdach. Deswegen heißen sie Obdachlose. Und noch mal: Worum es hier geht, sind Grundbedürfnisse. Jeder Mensch hat ein Grundbedürfnis zu essen und zu trinken, sich was anzuziehen. Jeder Mensch hat ein Grundbedürfnis, irgendwo zu Hause zu sein, ein Dach über dem Kopf zu haben.

"Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen." Da geht es um Gemeinschaft. Wie viele Menschen auf dieser Welt sind einfach alleine? Die liegen im Krankenhaus. Die liegen im Altenheim. Und keiner kümmert sich. Und noch mal, ihr Lieben!, es geht um Grundbedürfnisse. Bei dem, was später einmal gelobt werden wird beim Weltgericht, da geht es nicht um irgendwelche Extravaganzen... - haben wir Leute mit Gold bepinselt? - haben wir irgendwas wunder-weiß-was Außerordentliches getan? Nein. Es wird um eine Frage gehen: Waren wir diejenigen, die die Grundbedürfnisse unserer Nächsten gestillt haben? Gelungenes Leben ist. Diakonisches Leben. Gelungenes Leben ist ein Leben voll praktischer Nächstenliebe.

Und das möchte ich dich fragen: Ist das so in deinem Leben? Setzt du dich ein für die Armen? Setzt du dich ein für die Fremden? Für die Kranken? Für die Gefangenen? Und ich meine jetzt nicht: mache ich das, indem ich spende? Nichts gegen Spenden! Das ist eine wunderbare Sache! Und nicht jeder von uns kann allen helfen. Das ist mal klar. Und dann ist es sicherlich gut, wenn man einen Teil seines Geldes auch dahin gibt, dass eben diese Barmherzigkeit geschieht, dass Menschen Heimat und Obdach gegeben wird, dass diese Menschen Gemeinschaft erfahren. Aber ich glaube, dass es damit allein nicht getan ist. Die Frage ist: "Wo stehst du persönlich?" Aber es geht ja nicht darum "Der Jochen macht's!"; "Der Joi macht's!"; "Die Regina macht's!"; "Der Martin macht's!" Sondern: "Was ist mit dir?" Am Ende möchtest du doch hören, dass Gott von deinem Leben sagt: "Du hast mir zu essen und zu trinken gegeben." Nicht andere: Du!

Und ich sage mal praktische Möglichkeiten, Nächstenliebe zu üben, gibt es wie Sand am Meer. Angefangen im Haderner Herz. Angefangen bei unseren Alten und Kranken über die Gefängnisarbeit und dann in deinem ganz persönlichen privaten Umfeld. Und sicher vieles, vieles mehr.

Ich möchte an dieser Stelle kurz innehalten und eine Zwischenbilanz ziehen. Ich bin sicher, dass wir uns alle Gottes Lob wünschen. Ich bin mir sicher, dass wir alle uns das wünschen, am Ende der Tage diesen Satz aus dem Munde Gottes zu hören, aus dem Munde unseres Heilands und Erlösers: "Recht so! Du tüchtiger und treuer Knecht. Du bist über wenigem treu gewesen. Ich will dich über viel setzen. Gehe ein zu deines Herrn Freude." Aber dieses Lob kommt offenbar nicht von selber. Und es heißt sicher nicht umsonst. "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir weise werden." Das heißt: unser Weg dorthin zu diesem Preisgericht hat offensichtlich etwas mit Nachdenken zu tun - und damit, abzuwägen; gute Entscheidungen zu treffen. Es heißt auch sicherlich nicht umsonst: "Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene." Der Weg dorthin zu diesem Preisgericht hat also offensichtlich etwas mit Hingabe zu tun. Und auch mit einem Sinneswandel.

Scheinbar gibt es also Hindernisse auf dem Weg dorthin.

Und diese Hindernisse möchte ich jetzt noch mal ein bisschen genauer mit euch anschauen. Was ist es, das uns davon abhält, diese Vision Gottes von unserem gelungenen Leben anzustreben oder zu verwirklichen? Was hält uns davon ab? Stellt euch das bitte noch mal bildlich vor - ich möchte euch jetzt mal bitten, eure Vorstellungskraft zu aktivieren: Wer sind diese Menschen, die hungrig und durstig und schlecht gekleidet sind? Es sind die Bettler. Wer sind die Menschen, die krank sind und bettlägerig? Das sind die Alten und die Siechen. Wer ist das, der im Gefängnis sitzt? Da kann ich mir zwei Gründe vorstellen. Das sind unsere verfolgten Geschwister auf der Welt, die um ihres Glaubens willen ins Gefängnis kommen. Und es sind Verbrecher. Jakobus nennt diese Menschen direkt beim Namen: "Waisen und Witwen in ihrer Trübsal."; eine andere Gruppe. Ich würde das benennen als die Alleinstehenden, die Hilflosen.

Und meine Frage ist was hält uns ab, diese Menschen zu lieben? Die brauchen es doch. Wenn ich jetzt in den Jakobusbrief reinschaue und nach Antworten suche, dann fällt mir dieser eine Satz auf, der da heißt "Ist's recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit bösen Gedanken?" Ich denke, dass das einer der Gründe ist, die uns auf diesem Weg zum Lob Gottes im Wege stehen. Dass wir Unterschiede machen. Zwischen Arm und Reich. Zwischen krank und gesund. Zwischen angesehen und verachtet.

Und noch mal, ihr Lieben: Gott hat uns geschaffen zu seinem Ebenbild. Wir sollen so werden wie Er. Und er lässt es regnen über Gerechte und über Ungerechte. Er lässt seine Sonne aufgehen, über Gerechte und über Ungerechte. Ihm sollen wir ähnlich werden. Und deswegen denke ich, hat der Jakobus recht, wenn er sagt, solches Unterscheiden, solches Urteilen ist böse. Und er sagt ja auch "Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unseren Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person." Frei von allem Ansehen der Person.

Und dann schauen wir noch mal ins Matthäusevangelium. Da kommt der Knecht mit dem einen Zentner und sagt "Ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde." Man liest es manchmal so, als ob das wirklich so gewesen wäre. Aber seine Angst vor Scheitern ist nichts weiter als ein Vorwand. Und Jesus entlarvt ihn. Was sagt er ihm? Er sagt ihm "Du böser und fauler Knecht." Der wahre Grund, dass dieser Knecht sein Talent nicht eingesetzt hat war nicht, dass er Angst vor Versagen hatte. Der wahre Grund war, dass er egoistisch war und bequem.

Ganz offensichtlich steht uns also unsere alte gefallene Natur im Weg, auf dem Weg hin zum Preisgericht vor dem Thron Gottes, auf dem Weg dahin, dass auch wir einmal diese Worte aus Gottes Mund hören dürfen. "Du tüchtiger und treuer Knecht." Und dann ist natürlich die Frage: "Wie kommen wir trotzdem dorthin?"

Und ihr Lieben, es geht hier nicht um Leistung. Es geht auch nicht um Verlorengehen. Es geht darum, welchen Preis wir gewinnen, wie viel Lob wir ernten. Und es geht nicht um Leistung, um etwas zu schaffen aus eigener Kraft, sondern es geht um Hingabe. Das hatten wir eben schon mal gehört. Es geht nicht ums Machen. Es geht darum, die Bereitschaft zu haben, sich von Gott gebrauchen zu lassen. So dass nicht wir diejenigen sind, die sich anstrengen und machen und ächzen und stöhnen, sondern dass Er an uns, in uns und durch uns wirken kann in dieser Welt. Denn Er ist die Liebe. Und wenn wir Ihn machen lassen, dann wird er das tun, was er ist. Dann wird er lieben. Insbesondere die Armen, die Kranken, die Verlassenen.

Und was wir dazu brauchen - das denke ich - das schaffen wir nicht aus eigener Kraft. Das, was wir dazu brauchen, ist Gottes Geist, der in uns wirkt. Und dazu macht Gott uns Mut in seinem Wort. Römer 8,11 lesen wir "Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt." Ich denke, was der Paulus dort sagen will, ist, wenn Gottes Geist so mächtig ist, dass er jemanden, der seit drei Tagen im Grab liegt, auferstehen lassen kann zu neuem Leben, dann kann er auch machen, dass wir in all unserer Unvollkommenheit und Fehlerhaftigkeit Menschen werden, die zu Ebenbildern Gottes werden. Das können wir nicht selber machen. Aber Er kann das machen. Wenn wir ihn lassen.

Wir brauchen also Gottes Hilfe, seinen Geist, um dorthin zu kommen.

Nun könnte man sagen "Ja, dann ist ja super! Ist ja alles auf Automatik gestellt. Ist ja wie im Zug! Ich muss mich nur noch reinsetzen und 'zack!', komme ich dann hinten an!" So, als ob wir auf magische Art und Weise zu den guten Werken kämen, die Gott am Ende loben wird.

Ist das so? Schauen wir noch mal in Gottes Wort. In Gottes Wort gibt es auch diese Verheißung "Gott ist's der in euch wirkt beides das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen." Oder "Ich bin darin guter Zuversicht..." (das sind übrigens auch so Lieblingsverse von mir) "Ich bin darin guter Zuversicht, dass der, der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird es auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu." Oder? Das klingt doch jetzt wirklich wie Eisenbahnfahren, oder? Ich muss nur glauben. Zack! Bumm! Gott gibt mir das Wollen! Zack! Bumm! Gott gibt mir das Vollbringen. Und irgendwann stehe ich im Preisgericht; Ich weiß gar nicht, wie ich dahin gekommen bin. Aber dann gibt es irgendwelche virtuellen, guten Werke, die ich angeblich getan habe und dafür werde ich dann gelobt.

Ist das so? Ist das christliche Leben ein Automatismus? Ich denke nicht. Denn ich denke, das steht auch geschrieben: "Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet." Ihr Lieben! Warum steht dieser Satz in der Bibel? "Ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet"? 

Ich denke, das hat etwas damit zu tun, dass Gott die Liebe ist. Und die Liebe zwingt niemanden. Die Liebe lässt jedem die Freiheit der Wahl. Die Liebe setzt frei. Wenn ich jetzt aber frei bin und Gott meine Freiheit derartig respektiert, dass er sagt: "Es ist alles da! Mein Geist ist da. Meine Verheißung ist da. Aber das, was ich von dir erwarte, ist, dass du mir deine Zustimmung gibst; dass du einwilligst; dass du dich von mir gebrauchen lässt als ein Instrument der Liebe in dieser Welt."

Und die Art und Weise, wie Gott möchte, dass wir ihm unsere Zustimmung mitteilen, ist, indem wir ihn bitten.

Und auch darauf liegt eine Verheißung. "Bittet, so wird euch gegeben." Das, was uns fehlt, das dürfen wir erbitten. Dass Gott uns ein reines Herz schenkt. Ein Herz, das keine Unterschiede zwischen den Menschen macht. Zwischen Arm und Reich. Zwischen fremd und vertraut. Zwischen verachtet und angesehen. Ein Herz, das bereit ist, sich Gott ganz hinzugeben. Ein Herz, das bereit ist, seinen Mitmenschen in Liebe zu dienen.

Und dazu möchte ich euch heute aufrufen: Lasst uns einzeln, als Gruppen, als ganze Gemeinde, darum beten: "dass Gott uns einen Blick schenkt für die Nöte von Kindern, von Jugendlichen, von Menschen in schwierigen Lebenssituationen." Lasst uns um dieses Herz beten! Lasst uns Gott sagen, dass wir das wollen. Dass wir uns gebrauchen lassen wollen. Lasst uns darum beten, dass er uns das Wollen schenkt und das Vollbringen, diese guten Werke zu tun. Und dann lasst uns darauf vertrauen, dass Gott das Seine tut. Er, der gesagt hat "Bittet, so wird euch gegeben."

Lasst uns Gutes tun, ihr Lieben; so wird unser Lohn groß sein und wir werden Kinder des Allerhöchsten heißen.

Amen.

Sonntag, 20. Februar 2022

"Wenn die Liebe immer reicher wird..." (Philipper 1,9-11)



Was mir zum Thema 'Liebe' wichtig ist

Guten Morgen, ihr Lieben. Unser Thema heute heißt ja, wenn die Liebe immer reicher wird und bei der Liebe geht es, wer hätte das gedacht, hauptsächlich um unser Verhalten, nicht um unsere Gefühle. Und bei unserem Verhalten, hauptsächlich weil die Liebe sich ja nicht mit sich selbst beschäftigt, sondern mit dem Gegenüber, um die Frage "Wie gehe ich mit meinem Mitmenschen um?" Und ich habe mir gedacht zum Einstieg bringe ich euch mal zwei Beispiele mit aus meinem Leben, wie es nicht geht und wie es geht.

Ich erinnere mich noch gut. Es war um 1991 herum (habe ich glaube ich schon mal erzählt), da hatte ich schwerste Depressionen, hatte Angstzustände, Panikattacken, habe nächtelang nicht geschlafen, also wirklich nicht geschlafen (da kommt man in so einen ganz seltsamen Zustand) und wusste eigentlich gar nicht mehr ein und aus. Das einzige, was ich wirklich brauchte, war Hilfe. Auf der anderen Seite, wenn man eine Depression hat, ist man überhaupt nicht mehr in der Lage selber einen Beitrag zu leisten. Also wenn mich jemand damals gefragt hat, wie spät es ist, habe ich mir gedacht "Wie kann der dir so eine Frage stellen? Begreift er nicht, was das für ein Akt ist, das abzulesen und dann auch noch einen Satz zu sprechen?" Es war einfach zu viel. Und das ist kein Witz. Also die Uhrzeit abzulesen war zu viel. Ja, und in dieser Zeit hätte ich sehr gebraucht, dass jemand mir hilft, jemand sich mir zuwendet, hätte mir Geborgenheit gewünscht.

Und dann hatten wir einen Bruder bei uns in der Gemeinde, der war außergewöhnlich intelligent, außergewöhnlich gebildet. Also der hat mit Leuten wie Karl Barth und Sören Kierkegaard nur so um sich geschmissen. Und der hat mich in dieser Zeit mit Briefen, die er mir in die Klinik geschrieben hat (ich war drei Monate in der Nervenklinik), also er hat mir Briefe geschrieben, und hat mich mit Worten regelrecht seziert. Der hat mich in Stücke geschnitten und auseinandergenommen. Und man muss jetzt fairerweise sagen, der Anlass, den er gesehen hat, war sicherlich richtig. Und es war sicherlich auch die richtige Richtung, die er sich gewünscht hätte. Er hat mir gesagt "Du sollst Gott gehorsam sein." Und dieses Thema hat er mir mit jedem nur denkbaren Argument in meine Seele gebrannt. Aber die Art und Weise, wie er das gemacht hat, die hat am Ende bei mir zu unglaublich viel Schmerzen und Verzweiflung geführt. Und eins weiß ich heute: So geht es ganz bestimmt nicht.

Und als Kontrast Erinnerung aus der gleichen Zeit, kurz bevor ich in die Klinik gekommen bin: Erinnerungen an die Seelsorge bei Thomas Mayer. Damals waren wir noch in der Gemeinde in Erding am Wasserturm, ich weiß nicht, wer von euch die noch kennt und oben über der Gemeinde hat der Thomas seine Wohnung gehabt mit der Irmi. Die Kathi war geradezu zur Welt gekommen. Das war noch ein Strops und ich war genau so, wie ich das eben beschrieben habe, am Boden zerstört, voller Ängste, depressiv. Und wir sind immer bei Thomas im Büro gesessen und er hat zugehört. Er war zugewandt, er war liebevoll, er war geduldig. Thomas eben. Und das Ergebnis davon war Ich glaube, der Thomas ist der einzige von zwei Menschen, für die ich jemals ein Lied geschrieben habe, weil ich so dankbar war, so glücklich darüber war, dass da ein Mensch war, wo ich sein konnte, wo ich mein Herz ausschütten können konnte und der einfach für mich da war.


Inwiefern betrifft mich das?

Jetzt könnte man natürlich fragen Ja, das ist jetzt schön für dich. Aber inwiefern betrifft mich das? Ich denke, wir leben in einer Zeit von Kontroversen. Wir leben in einer Zeit nicht nur von so internationalen Konflikten wie jetzt Russland, Ukraine. Ich denke, auch in den USA und auch in Europa und in Deutschland wird die Welt immer polarer; immer mehr schwarz und weiß; immer mehr vereinfachend. Und es gibt einen immer größeren Graben zwischen den Parteien. Und ich glaube, das, was wie ein Stück weit verlernt haben als Gesellschaft ist die Fähigkeit zu einem wertschätzenden Dialog.

Und ich glaube, dass sich so etwas bemerkbar macht auch in unseren Gesprächen, in unseren Gesprächen mit unserer Familie, mit Freunden, mit Kollegen, mit Bekannten, vielleicht auch mit Fremden. Und auf der anderen Seite mal abgesehen von diesen Gräben, von diesem Schwarz und Weiß, von diesem einander nicht mehr verstehen oder einander nicht mehr zuhören - oder einfach auch mal so eine Plakette draufkleben, so "Ich weiß, du bist ein Depp, dann brauche ich mich mit der ja nicht mehr auseinanderzusetzen - glaube ich auch, dass wir in einer Zeit leben, die uns emotional sehr viel abverlangt. Bei manchen macht sich das bemerkbar als Einsamkeit: nicht mehr rauskommen aus der Bude. Oder auch als Not, weil man nicht mehr rauskommt aus der Bude und sich gegenseitig den ganzen Tag lang auf der Pelle hockt. Bei manchem macht sich das bemerkbar in Form von Unsicherheit. Wie lange wird das noch so gehen? Bei manchen vielleicht sogar als Trostlosigkeit oder als Depression, weil man sagt Jetzt geht das schon Jahre so. Ich habe Angst, das hört gar nicht mehr auf.

Kurz gesagt: Ich glaube, dass es Herausforderungen und Nöte allerorten gibt und genügend Bedarf, wo man mit anpacken kann. Und wenn ich jetzt mal von der Welt und vom persönlichen Leben in den Gemeindekontext gehe, dann würde ich mal behaupten: so wie wir hier sitzen, glauben wir zwar alle an den gleichen Gott, aber ich glaube nicht, dass wir alle gleich sind, sondern wir kommen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen; wir kommen aus ganz unterschiedlichen Prägungen; wir sind verschieden. Gott sei Dank. Aber ich glaube auch, dass diese Verschiedenheit auch Herausforderungen mit sich bringt.

Und da kann man natürlich schon mal fragen "Wie gehe ich jetzt damit um?" Wie gehe ich zum Beispiel mit Meinungsverschiedenheiten um? Das sagt mir jemand etwas, wo ich sage "Das sehe ich jetzt aber mal komplett anders. Das tut mir wirklich leid, aber das sehe ich anders." Wie gehe ich damit um? Da gibt es ja mehrere Möglichkeiten. Ich kann den anderen - das war früher meine Strategie - ich kann Leute tot quatschen und zwar so lange, bis die aufgeben und sagen "Es hat keinen Wert, der hört mir nicht zu." Ich kann dir auch einfach ignorieren, kann sagen "Ja. Depp! Brauche ich nicht hinzuhören." Problem gelöst. Ja oder ich kann es prinzipiell ignorieren. Kann sagen, es geht mich gar nichts an. Oder wie gehe ich mit Nöten um? Da kann ich auch den Kopf in den Sand stecken und sagen irgendjemand wird sich schon kümmern? Ich kann mein Gegenüber auch einfach in eine Schublade stecken, das ist auch sehr einfach. Also ich glaube, es gibt tausend Arten und Weisen, wie man es falsch machen kann.

Ich glaube aber auch, dass es eine andere Art gibt, nämlich zu sagen: das ist jetzt vielleicht schwierig; das ist jetzt vielleicht herausfordernd - entweder weil der andere eine Position vertritt, die ich nicht habe, oder weil der andere in einer Not ist, die wirklich Arbeit erfordern würde - wo ich sage: Das ist mein Bruder, das ist meine Schwester oder das ist mein Mitmensch, der braucht Hilfe. Und mir dann Mühe gebe, mich da hineinzuversetzen. Mal zu fragen wie "Wie kommst du zu so einer Ansicht?" Oder "Wie geht es dir in dieser Situation?" Um mich zu fragen "Was kann ich jetzt Gutes sagen?" Oder "Wo kann ich ganz praktisch helfen?"

Ich hab mir da noch ein Buch aufgeschrieben. Also, wenn sich jemand dafür interessiert, wie man gute Gespräche führt, kann er sich nachher bei mir eine Buchempfehlung abholen von jemandem, der am Massachusetts Institute of Technology ein Buch geschrieben hat mit dem Thema "Theory U". Da geht es insbesondere darum, dass wir sehr oft, wenn wir in Gesprächen sind, auf eine Art und Weise zuhören, die er 'downloading' nennt. 'Downloading' ist das, was wir "links rein, rechts raus" nennen: "Kenne ich schon." "Ja, ja, ja, kenne ich schon." Und was er in dem Buch beschreibt, ist wie Wie kann man wirklich auf eine Art und Weise zuhören, dass etwas Neues entsteht? Kann man, kann man nachher drüber reden.


Was hat Gott uns zu diesem Thema zu sagen?

Ich möchte uns jetzt erst mal fragen, was hat Gott denn zu diesem Thema zu sagen? In unserem heutigen Text, Philipper 1 Vers 9-11 steht (und es ist der Paulus, der da betet) "Ich bete zu Gott, dass eure Liebe immer reicher wird an Einsicht und Verständnis. Dann könnt ihr in jeder Lage entscheiden, was das Rechte ist und werdet an dem Tag, an dem Christus Gericht hält, rein und ohne Fehler dastehen. Reich an guten Taten, die Jesus Christus zum Ruhm und zur Ehre Gottes durch euch gewirkt hat."

Und ich habe da jetzt mit Absicht ein paar Wörter fett markiert, weil ich zu diesen Wörtern ein bisschen was sagen will. Und ich fange nicht mit dem ersten an. Lasst euch nicht ablenken. Das mit ich bete kommt schon noch. Das zentrale Thema von diesem Text ist die Liebe. Und "Das zentrale Thema dieses Textes ist Die Liebe" heißt nicht nur, dass das zentrale Thema von diesem Text ist, sondern das zentrale Thema dieses Universums ist die Liebe. Die Liebe ist das größte Gebot, das wissen wir alle. Jesus hat uns gesagt "Liebe den Herrn, deinen Gott von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit deinem ganzen Verstand. Das ist das größte und wichtigste Gebot. Aber gleich wichtig ist ein zweites: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst. In diesen beiden Geboten ist alles zusammengefasst, was das Gesetz und die Propheten fordern."

Jetzt könnte man sich ganz blöd stellen. Das habe ich mal getan in der Vorbereitung und habe mich gefragt Was ist das denn? Liebe? Wichtig ist ja, wenn man über ein Thema ins Gespräch kommt, das man am Anfang mal die Begriffe klarstellt, weil sonst würde ich zum zum Joi sagen: "Ich gehe auf die Bank." Und der wird sagen "Super, dann bringt er mir endlich die 50 Euro mit, die ich ihm geliehen habe." Und alles was ich ihm sagen wollte ist: "Ich gehe in den Park. Ich geh' auf die Bank. Ich wollte mich mal ein Stündchen hinlegen." Also es ist schon wichtig, dass man vorher mal definiert, worum geht es denn hier eigentlich? Und wenn man jetzt fragt "Was ist Liebe?" Dann kriegt man sehr unterschiedliche Antworten. Das sagt viel über das Weltbild eines Menschen. Wenn man fragt "Was ist Liebe?" Bei sehr vielen kommt dann eine von Film und Fernsehen und von unserer Popkultur inspirierte Antwort. Da geht es dann um Emotionen, Romantik oder Sex. Meine Definition von Liebe ist. Ich werde die zwei Mal vorlesen, weil der Satz ein bisschen lang geraten ist: "Liebe ist das unerschütterliche und selbstvergessene Streben, für den Mitmenschen stets das Beste zu wollen und zu tun, ja, sich im Notfall sogar für ihn hinzugeben." Und wir haben ja heute auch Abendmahl, denkt dabei gerne mal an Christus, denkt an Jesus am Kreuz. Ich lese es noch mal: "Liebe ist das unerschütterliche und selbstvergessene Streben, für den Mitmenschen stets das Beste zu wollen und zu tun, ja, sich im Notfall sogar für ihn hinzugeben." Das ist Liebe. Liebe hat etwas mit Entscheidungen zu tun, nicht nur mit Gefühlen. Liebe hat etwas mit Taten zu tun, nicht nur mit Romantik und Emotionen.

Und diese Liebe, um die es da geht, die soll immer reicher werden. Das ist das, was der Paulus sich wünscht. Das Wort, was da im Griechischen steht, bedeutet so viel wie überfließen. Also wenn ich jetzt so eine Teetasse habe und ich die Stadt hier rein und hier rein und irgendwann ist die voll und irgendwann fließt die über. Wie soll ein Wasserfall? Das heißt, diese Liebe soll immer noch mehr werden. Einer der Ausleger, die ich im Vorfeld studiert hab, Robertson, der sagt Das, was Gott sich wünscht oder was Paulus sich an der Stelle wünscht, ist eine immerwährende Flut von Liebe. Die immer noch zunimmt.

Und jetzt redet Paulus da in diesem Zusammenhang von Einsicht und Verständnis. Wo man dann denkt "Tja!" Wenn man jetzt so eine romantische Vorstellung von Liebe hat, wird man sagen "Was hat jetzt Einsicht und Verständnis mit Liebe zu tun, bitte?" Aber wenn man weiß: bei der Liebe geht es um Hingabe, da geht es um den anderen, da geht es um Aktivität. Dann ist es vielleicht schon ganz wichtig, Einsicht und Verständnis zu haben, um in jeder Situation zu wissen, was das Rechte ist. 

Und ich denke, bei der Einsicht und bei dem praktischen Verständnis, da geht es um zwei Aspekte. Das eine ist, grundsätzlich einmal zu wissen, was Gott eigentlich möchte. Ein kleiner Tipp: Meistens ist 'Liebe' die richtige Antwort - und ich meine das wirklich ernst: Wenn ich in irgendeiner Situation bin, wo ich nicht mehr weiter weiß, wo ich auch nicht mehr weiß "Steht da irgendwas dazu in der Bibel? Was mache ich jetzt?", dann weiß ich, dass 'Liebe' auf jeden Fall die richtige Antwort ist. Aber ich denke, es geht auch darum, im Detail und vielleicht ein bisschen "fein ziselierter" - mehr und mehr - zu lernen, was Gott sich eigentlich wünscht. Und dazu müsste ich die Bibel lesen, weil da steht das alles drin im Alten und dem Neuen Testament. Und beim Verständnis glaube ich, geht es darum, auch ganz praktisch im Leben (ich und du, wir sind jetzt in einer Situation: du hast eine Not, ich habe eine Not, wir haben ein Gespräch über ein Thema, wo wir uns nicht einig sind, was es auch ist) und dann ist die Frage "Was ist jetzt dran?"

Erinnert euch an die Geschichte, die ich euch erzählt habe. Der Thomas hat gewusst, was dran ist. Der hätte sicherlich genauso wie der andere Bruder gesagt Ja, Gehorsam ist wichtig. Natürlich ist es wichtig, aber es ist gerade nicht dran, der kann das jetzt gerade gar nicht, der kann es auch gar nicht frühstücken, das Thema. Was ist dran? Also da eine praktische Weisheit zu entwickeln? Das heißt, ich glaube, dass es darum geht, einen Geschmacks-, Geruchs- und Empfindungssinn zu entwickeln, der sozusagen "gebadet" oder "eingelegt" ist in Gottes Wort, der wirklich durchtränkt ist von Gottes Wort und der dann ganz praktisch in der jeweiligen Situation weiß, was dran ist, was zu tun ist. Das heißt, ich denke, eine der Sachen, um die der Paulus hier betet, ist, dass wir geistlich sehen und fühlen und schmecken und hören lernen. Das heißt, es geht nicht darum, sich von der eigenen Emotionalität in der Situation (egal ob man jetzt sauer ist oder begeistert) von der eigenen Erkenntnis wegreißen zu lassen wie ein Blatt im Wasserfall. Das heißt, es geht nicht um blinden Eifer oder um Aktionismus, sondern um Einfühlungsvermögen. Darum, dem Gegenüber von Herzen zugewandt zu sein. Da wo er in Not ist oder auch da, wo ich mit ihm im Konflikt bin. Von Herzen zugewandt bleiben.

Und wenn ich dem Paulus so zuhöre beim Beten, dann merke ich, er hat ein Ziel. Er sagt Diese Einsicht, dieses Verständnis, die haben kein Selbstzweck, sondern die sollen dazu dienen, ein einziges Ziel zu erreichen. Nämlich reich an guten Taten zu werden. Das heißt reich an Aktionen, die meinen Mitmenschen wirklich nützen. Handlungen, die so wohltuend sind, dass sie deswegen vielleicht sogar Gott loben; oder ein Lied schreiben. Das heißt, es geht nicht um selbstgefällige, hochmütige und übergestülpte Erkenntnis. Das war der andere Bruder. Er hatte sicherlich inhaltlich recht. Aber das war mit Gewalt. Erkenntnis, das steht schon im ersten Korinther 13, Erkenntnis ohne Liebe ist wertlos. Es bringt nichts, wenn du die ganze Bibel auswendig kannst und Leute damit erschlagen kannst. Wenn du keine Liebe hast, dann bist du nichts. Und es geht auch nicht um viele schöne Worte. Das lesen wir schon im Jakobusbrief. Von Worten wird keiner satt. Ihr erkennt diese Stelle: "Geht hin sehr wärmt euch, sättigt euch und Gott soll euch segnen. Tschüss! Ist nicht mein Problem." Von schönen Worten allein wird man nicht satt. Sondern es geht vielmehr um die Frage Was braucht mein Gegenüber? Womit kann ich helfen? Wie kann ich Gutes tun? Einer der Ausleger, die ich auch lese, wenn ich Predigten vorbereite, nicht immer, aber ab und zu ist der gute alte Adolf Schlatter - ich weiß nicht, wer von euch den noch kennt - und der bringt Sachen manchmal wirklich schön auf den Punkt. Er hat das in diesem Fall so getan: Er hat gesagt "Das Mittel, durch das die Liebe zunimmt, ist die Erkenntnis, die mit deutlicher Beobachtung sieht, was unsere Hilfe und Arbeit in Anspruch nimmt." "Das Mittel, durch das die Liebe zunimmt, ist die Erkenntnis, die mit deutlicher Beobachtung sieht, was unsere Hilfe und Arbeit in Anspruch nimmt."


Was hat das Thema 'Liebe' mit Dir zu tun?

Nach allem, was wir bis jetzt gesehen und gehört haben, könnte man natürlich fragen Was hat es mit mir zu tun? Ich möchte, das etwas persönlicher fragen. Wie gehst du damit um? Wie gehst du mit der Not deiner Mitmenschen um? In deiner Familie? In deiner Ehe? In deinen Freundschaften? Am Arbeitsplatz? Oder ganz einfach im alltäglichen Leben? Wie gehst du um mit Konflikten? In der Familie? In der Ehe? In Freundschaften? Steckst du den Kopf in den Sand? Nach dem Motto: "Irgendjemand wird sich schon kümmern." Oder er schlägst du dein Gegenüber mit Worten? Oder brichst du einfach den Dialog ab? Oder ignorierst du einfach die Not?

Oder fühlst du dich eher ein, versuchst dein Gegenüber zu verstehen? Und fragst dich Was kann ich jetzt Gutes antworten? Was kann ich jetzt Gutes tun? Wie kann ich ganz praktisch eine Hilfe sein? Oder noch mal anders gefragt: Hinterfrag' mal deine Motive. Was treibt dich eigentlich im Tiefsten an in solchen schwierigen Situationen; in Not oder im Konflikt? Ist es Selbstschutz? Nach dem Motto" Hauptsache ich kriege nix ab!" Oder ist es eine Art von überheblicher Selbstgerechtigkeit oder Selbstgefälligkeit? So nach dem Motto "Ich habe sowieso recht! Die anderen sind alle Deppen. Das werde ich denen schon zeigen. Oder ist es Faulheit? "Da müsste man schon was tun. Aber es ist gerade so schön bequem hier." Oder es ist echte Liebe? Barmherzigkeit? Mitgefühl? Hilfsbereitschaft? Oder in einer Frage zusammengefasst "Bist du für deinen Mitmenschen da? Auch wenn's eng wird, bist du für deinen Mitmenschen da?"

Kann sein, dass du dir jetzt denkst "Na ja, es ist schon richtig, was du sagst, aber wie soll das gehen? Ich krieg es halt nicht besser hin!" Und falls es dir so geht, dann habe ich gute Nachrichten. Weil wenn man ganz genau hinschaut am Anfang von diesem Text, da schreibt der Paulus "Ich bete zu Gott. Dass eure Liebe immer reicher wird." Der sagt nicht "Jetzt strengt euch aber mal an!" "Jetzt gebt euch aber mal Mühe!" "Jetzt reißt euch aber mal zusammen!" Sondern er sagt "Ich bete zu Gott." Er weiß ganz genau, wo die Liebe herkommt. Die kommt nicht aus unserem Anstrengen. Paulus weiß ganz genau Hiebe kann man nicht "machen". Liebe ist ein Geschenk. Oder noch deutlicher 1. Johannes 4,16. Gott ist Liebe. Einer der kürzesten Sätze in der Bibel. "Gott ist Liebe." Und Gott kann man ganz bestimmt nicht machen. Aber Gott kann man einladen in sein Leben. Gott kann sich schenken,

Gott kann in dir und durch dich wirken, wenn du ihn lässt. Und genau das sehen wir am Ende vom Text. Da steht etwas über die guten Taten, nämlich dass Jesus Christus sie gewirkt hat. Es geht hier also nicht um deine Leistung. Es geht nicht um deine Kraft. Sondern es geht darum - und das denke ich ist eine Erkenntnis, an der muss ich mein Leben lang lernen, mein Leben lang - Christus lebt in uns! Ihr Lieben! Haben wir den Ansatz einer Ahnung, was das bedeutet? Er hat uns das versprochen. Er hat gesagt Wenn ihr mich liebt, dann werden mein Vater und ich, wir werden bei euch Wohnung machen. Oder an anderer Stelle sagt er "Ihr seid ein Tempel des Heiligen Geistes." Gott wohnt in uns! Die Frage ist nicht, ob er da ist. Er hat gesagt "Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt." Die Frage ist auch nicht, ob er in gewissen Situationen die Macht oder die Weisheit hat, was zu tun. Die hat er ganz sicher. Die Frage ist, ob wir ihn lassen. Erlauben wir ihm das? Uns zu gebrauchen? Oder ist unser Eigenwille stärker? Es geht darum, dass Christus in uns wohnt. Und es geht darum, dass er in uns und durch uns wirken will.

Das beste Buch, was ich zu dem Thema jemals gelesen habe, der das wirklich rüberbringt, so dass man es verstehen kann (ok, da fällt mir noch ein zweites ein: Major Ian Thomas von den Fackelträgern, der hat es auch begriffen: "Christus in euch: Die Hoffnung der Herrlichkeit."), das ist Martin Schleske, einer der weltbesten Geigenbauer. Er hat ein Buch geschrieben, das heißt "Der Klang". Und oberflächlich geht es in dem Buch darum, wie man eine Geige baut. Von der Auswahl des Holzes im Wald, über das Trocknen und so weiter, bis am Ende eine Geige da ist. Aber er benutzt das Buch auch auf einer tieferen Ebene, um zu beschreiben, wie Gott letzten Endes uns auserwählt. Wie er uns zubereitet. Weil er am Ende durch unsere Herzen die Melodie der Liebe in dieser Welt spielen will. Martin Schleske: "Der Klang. Das heißt, Gott will gar nicht, dass du etwas machst. Gott möchte, dass du dich ihm zur Verfügung stellst. Weil er weiß das ganz genau, er hat uns das selber gesagt Johannes 15,5 "Ohne mich könnt ihr nichts tun." Nicht wenig. Nichts.

Jetzt kann man fragen "Wie soll das gehen: sich zur Verfügung stellen?" Oder noch konkreter: Was kannst du tun, damit Gottes Liebe in dir immer reicher wird? Dass Gott seine Liebe in dir wachsen lässt? Oder wie Paulus das am Anfang von unserem Text betet "Ich bete zu Gott. Dass eure Liebe immer reicher wird." Oder in Epheser 3,19 betet er was ähnliches. "Dass ihr die Liebe Christi erkennt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt." Weil genau das ist es nämlich, was unsere Liebe entfacht. Ich weiß nicht wie es euch geht. Aber das was mich bewegt ist, wenn ich ans Kreuz schaue. Dass der allmächtige Gott des Universums überhaupt auf diesen kaputten Planeten kommt, das wäre schon genug gewesen. Und ihr könnt froh sein, dass ich nicht Gott bin, weil ich hätte den ganzen Laden aufgeräumt, hätte gesagt jetzt reichts mir. Was ihr hier treibt, das ist nicht zum Aushalten. Gott sei Dank ist Gott nicht so, sondern er geht ans Kreuz und bezahlt unsere Schuld. Stirbt an unserer Stelle. Und daran erinnern wir uns immer wieder; auch heute im Abendmahl. Und diese Liebe, das ist das, was zweite Korinther 3,18 steht: "Von uns allen wurde der Schleier weggenommen, so dass wir die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel sehen können. Und der Geist des Herrn wirkt in uns, dass wir ihm immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln." Der Geist des Herrn wirkt das, wenn wir Christus anschauen. Wenn wir sehen, wie er uns liebt. Das ist das, was unsere Herzen bewegt und verändert.

Was kann ich also tun, was kannst du tun? Als allererstes kannst du beten, weil alles in Gottes Reich beginnt mit Gebet. Du kannst beten, dass Gott dir Weisheit gibt, Einsicht und Verständnis. Und er hat versprochen, dass er "jedermann gern gibt und niemanden schimpft". Du kannst die Bibel lesen. Da steht etliches drin. Zum Beispiel in den Sprüchen ganz praktische Ratschläge fürs Leben. So nach dem Motto "Wenn du dich bei einem Hohen an einen Tisch setzt, dann bedenke, was du sagst." Ganz praktische Ratschläge. Oder wenn du mit Menschen zu tun hast, die Trost brauchen. Lies Psalmen. Lies dir vielleicht sogar zusammen. Es gibt unglaublich schöne Psalmen, wo Trostworte drin sind. Auch in einigen der Propheten: Jesaja; Jeremia. Niemand kann so trösten wie Gott. Und natürlich ganz allgemein über die ganze Bibel verteilt finden wir das, was Gott am Herzen liegt. Und noch mal: im Zweifel ist es immer die Liebe.

Und natürlich kannst du auch auf dich selber achtgeben. Aufmerksam sein. Wie verhältst du dich in herausfordernden Situationen? Sei offen! Versuch' zu verstehen; versetze dich hinein in dein Gegenüber. Was bewegt deinen Mitmenschen? Warum denkt und handelt oder redet er gerade so, wie er es tut und nicht anders? Warum? Was ist deinem Mitmenschen wichtig? Wo sitzt eigentlich die Not? Oder wo sitzt der Widerspruch? Wie kannst du helfen? Vor allem aber, damit es kein Krampf wird: Sich hingegeben - Gott hingegeben - durch sein Leben bewegen. Lebe hingegeben. Lass dich von Gott zum Gutes tun gebrauchen. Eins von den Bildern, was der Martin Schleske in seinem Buch gebraucht - ich kriegt das nicht mehr genau auf die Reihe; sinngemäß ist das so - wie der Künstler eine seiner Geigen nimmt und darauf ein ein wunderschönes Violinkonzert spielt: die Geige, die ist nur da. Die lässt sich vom Künstler gebrauchen. Und so möchte Gott, der selber die Liebe ist, dich gebrauchen als sein Instrument. Um seine Symphonie der Liebe in das Leben deiner Mitmenschen hinein klingen zu lassen. Stell dich Gott zur Verfügung. Lass ihn machen. Ich möchte es noch mal mit den Worten aus dem Römerbrief zusammenfassen Römer 12,1 "Weil ihr Gottes reiche Barmherzigkeit erfahren habt, fordere ich euch auf, liebe Brüder, liebe Schwestern, Euch mit eurem ganzen Leben Gott zur Verfügung zu stellen. Seit ein lebendiges Opfer, das Gott dargebracht wird und ihm gefällt. Auf diese Weise zu dienen, das ist der wahre Gottesdienst und die angemessene Antwort auf seine Liebe."


Wie wäre das?

Stellt euch das mal vor, was das bewirken würde. Was wäre das für ein Zeugnis? In deiner Ehe. In deinen Freundschaften. In deinen Beziehungen, an deinem Arbeitsplatz. Was wäre das für ein Zeugnis für uns als Gemeinde hier in Hadern? Wie viel heiler würden unsere Beziehungen werden? Wie viel Freude und Licht würde das in unsere Umwelt bringen? Und wie wäre das - versuch' dir das mal vorzustellen, wie wäre das - wenn jedermann erkennen würde, dass du ein Jünger Jesu bist, weil sie deine Liebe spüren. Das ist nämlich genau das, was Jesus gesagt hat "An eurer Liebe werden sie erkennen, dass ihr meine Jünger seid." Wie würdest du dann wohl wahrgenommen werden?


Ich möchte für uns alle zum Abschluss beten; ihr könnt sitzen bleiben, aufstehen, wie es euch recht ist:

"HERR, ich bitte dich, schenk uns dieses hingegebene Herz. Dieses hingegebene Herz, das dich und unsere Mitmenschen mit Haut und Haaren liebt. Auch wenn es herausfordernd wird; auch wenn es eng wird. Nicht verkrampft und nicht aus unserer Kraft. Sondern allein in deiner Kraft und durch deinen Geist. Damit die Welt erkennt, dass wir deine Kinder sind. Amen."


Sonntag, 21. November 2021

"Vom Wesen tiefer Verbundenheit" (Philipper 1,7+8)

[Predigt als Video] | [Predigt als MP3]

Einleitung

Heute erzähle ich Euch zum Einstieg mal eine Geschichte über meine Erziehung. Oder besser: über die Erziehung von mir und meinem Bruder. Mein Vater hat uns - meinen Bruder und mich – nämlich „mit Sprüchen großgezogen“, wie ich es heute nenne. Und damit meine ich nicht solche Platitüden, wie "Morgenstund hat Gold im Mund", sondern eher so krasse Sprüche, wie "quidquid agis, prudenter agas et respice finem", also "Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende." Oder chinesische Weisheiten, wie "Ein Schritt vor dem Ziel ist die Hälfte des Weges."

Einen dieser Sprüche hat er sich wohl offensichtlich von Aristoteles oder Goethe „gemopst“, denn Aristoteles hat den Spruch geprägt: „Man kennt einen Freund erst recht, nachdem man viel Salz mit ihm gegessen hat.“ Und Goethe hat es so formuliert: „Ehe du den Scheffel Salz mit dem neuen Bekannten verzehrest, darfst du nicht leichtlich ihm trauen.“ Mein Vater aber hat es auf seine Kernige Art zusammen gefasst und auf den Punkt gebracht und hat uns gesagt: "Kinder, ein Freund ist ein Mensch, mit dem Du einen Sack Salz essen kannst.“

Wenn man sich diesen Spruch mal auf der Zunge zergehen lässt, dann fallen einem daran 3 Aspekte auf; und zwar: 1. der Aspekt der „gemeinsamen Arbeit“. Denn einen ganzen Sack Salz aufzuessen, das ist schon ein Kunststück – da hat man einige Zeit zu tun! 2. der Aspekt von „gemeinsamem Leid“: Weil: es ist ja kein Sack voll Gummibärchen! Da hätte man sicher gleich 10 Freunde bei der Hand, die sich von Herzen gerne daran beteiligen würden, den Sack zu leeren.“ Aber ein Sack Salz?! Da hält sich der Appetit dann doch in Grenzen. Genauso, wie die Anzahl derer, die sich da noch gerne beteiligen würden an diesem Festschmaus. Und 3. ist da natürlich noch der Aspekt „der tiefen Verbundenheit“. Weil: Wie gern muss man jemanden haben, dass man dazu bereit ist, einen Sack Salz mit ihm zu essen? Also, ich meine: einen ganzen Sack? Nicht zwei Teelöffel voll. Auch nicht zwei Esslöffel voll. Ja, nicht einmal zwei Teller voll. Einen ganzen Sack! Ich meine, für so eine Aufgabe braucht man sicher ein ganzes Leben!

Das aber genau ist es, worum es hier geht: Um Menschen, die uns so tief verbunden sind, dass sie sich auch durch einen Sack Salz nicht davon abschrecken lassen, unsere Freunde zu sein. Um Menschen, die uns so tief verbunden sind, dass sie uns mit dem Sack Salz nicht alleine lassen, sondern mit anpacken. Um Menschen, die uns so tief verbunden sind, dass sie bereit sind, sich gemeinsam mit uns der Aufgabe zu stellen – selbst, wenn das Leid bedeutet.

Und um genau um diese Art von Verbundenheit geht es in unserem heutigen Text.

Aber der Reihe nach.


Was kommt also heute auf uns zu?

Was kommt also heute auf uns zu?

Unser heutiger Text: Zu Anfang möchte ich, wie immer, unseren heutigen Text mit Euch lesen Er steht im Philipperbrief im 1. Kapitel, in den Versen 7 und 8. Dieses Mal habe ich mich für die Neue Genfer Übersetzung entschieden, weil die den Inhalt, um den es geht, so richtig gut auf den Punkt bringt. Und was den Inhalt angeht, so werden wir sehen, dass es im großen und ganzen um 3 Aspekte der Verbundenheit geht. Verbunden in Dienst & Leid: Zum 1. um die Verbundenheit im Dienst. Dann 2. um die Verbundenheit im Leid. Tief verbunden im Herzen: Und last, but not least, 3. um die tiefe Verbundenheit im Herzen. Diese 3 Aspekte möchte ich gemeinsam mit Euch betrachten und Euch am Ende auch ein paar praktische Anregungen geben. Ein Aufruf an Dein Herz: Zuletzt möchte ich mit einem Aufruf an Dein Herz abschließen. Mit einem Aufruf, von dem ich überzeugt bin, dass er uns alle - Dich und mich - bereichern wird.

Unser heutiger Text

Hier also unser heutiger Text: Paulus schreibt "Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen, dass es mehr als selbstverständlich für mich ist, mit solcher Zuversicht an euch alle zu denken. Denn ob ich nun inhaftiert bin oder ob ich für das Evangelium eintrete und seine Wahrheit bekräftige – immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, und habt damit auch Anteil an der Gnade, die er mich erfahren lässt. Gott weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; er ist mein Zeuge. Er weiß auch, dass hinter dieser Sehnsucht meine tiefe Liebe zu euch steht, eine Liebe, die Jesus Christus selber in mir gewirkt hat."


Verbunden in Dienst & Leid

Wenn man sich den Text so ansieht, so fallen mir daran die gleichen 3 Aspekte auf, die auch in der Redensart vorkommen, die mein Vater uns beigebracht hat. Diese 3 Aspekte sind: "Verbunden im Dienst“, "Verbunden im Leiden" und „Tief verbunden im Herzen“. Auf diese Aspekte möchte ich jetzt etwas detaillierter eingehen. Fangen wir einmal an mit der „Verbundenheit im Dienst“.

"Verbunden im Dienst“

(Paulus) schreibt: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen [...] Denn ob ich nun [...] für das Evangelium eintrete und seine Wahrheit bekräftige – immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat, und habt damit auch Anteil an der Gnade, die er mich erfahren lässt.“

Paulus saß ja nicht immer im Gefängnis. Dort war er ja erst hineingekommen, weil er missioniert hatte. Weil er für das Evangelium eingetreten war und die Wahrheit bekräftigt hatte. Dass wir „Alle [...] schuldig geworden [...] und [...] nicht mehr die Herrlichkeit wider[spiegeln], die Gott dem Menschen ursprünglich verliehen hatte.“ (Römer 3,23) Und dass, „[...] was sich keiner verdienen kann, [...] Gott in seiner Güte [schenkt]: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat.“ (Römer 3,24)

Und in dieser Arbeit war er nicht alleine gewesen – sondern die Philipper hatten ihn hier nach Kräften unterstützt. Oder wie Paulus es formuliert: „immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat.“ Besonders interessant finde ich dabei die beiden Universalbejahung: "alle". Ganz offensichtlich waren es nicht nur einige der Geschwister, die Paulus in seiner Arbeit als Missionar unterstützten – es waren alle. Das ist schon der Kracher! Was für eine Gemeinde! Da kann ich den Paulus gut verstehen, wenn er sagt: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen, dass es mehr als selbstverständlich für mich ist, mit [...] Zuversicht an euch alle zu denken.“ Oder „Gott weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; er ist mein Zeuge.“

Die Philipper waren also mit Paulus verbunden im Dienst. Alle! Und jetzt einmal eine ehrliche Frage an uns: „Was würde Paulus wohl in unserer Gemeinde erleben?“ Würde er das Gleiche auch über uns sagen? Also: „immer beteiligt ihr euch alle an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat.“ Nur mal exemplarisch: Was würde Jochen sagen? Oder Regina?


"Verbunden im Leiden"

Aber mit dem vorangegangenen Lob ist der Paulus ja noch nicht fertig. Die Philipper haben ja nicht nur alle immer fleißig bei der Evangelisation mitgeholfen. Paulus sagt ja auch: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen [...]. Denn ob ich nun inhaftiert bin [...] – immer beteiligt ihr alle euch an dem Auftrag, den Gott mir gegeben hat [...]“.

Paulus sitzt ja nun im Gefängnis in Rom. Und das war damals – noch viel mehr als heute – eine unglaubliche Schande. Denn damals hielten die Leute noch wirklich viel von solchen „old-style-Werten“ wie „Ehre“ und „Ruhm“ und „Heldentum“. Ein Gefangener aber war genau das Gegenteil von dem, wovon man in den griechischen und römischen Heldensagen träumte. Ein Gefangener war Abschaum. Ein Gefangener war eine Schande. Ein Gefangener war jemand, bei dem man sich besser nicht blicken ließ.

Denn: sich bei einem blicken zu lassen war auch gefährlich! - Vor allem als Christ! Es hätte leicht passieren können, dass auch die Philipper mit ins Gefängnis gewandert wären. Schließlich hatten sie sich ja „alle beteiligt“ an der missionarischen Tätigkeit des Paulus. 

Aber die Philipper scheint das nicht interessiert zu haben. Sie liebten Paulus. Auch dann noch, als er im Gefängnis war. Und sie kümmerten sich unter Einsatz ihres Lebens um ihn, wie wir in späteren Predigten noch sehen werden. Obwohl er inhaftiert war, blieben die Philipper also immer noch mit Paulus tief verbunden.

Und auch hier möchte ich Dich etwas fragen – Dich und mich: „Wie reagierst Du, wenn Du mit Randgruppen der Gesellschaft in Kontakt kommst?“ „Mit dem Abschaum?“ „Mit denen, bei denen man sich besser nicht blicken lässt?“

Tief verbunden im Herzen

Und diese Liebe, diese Unterstützung, die er von den Philippern bekommen hat - diese Solidarität - dieser Zusammenhalt - das hat den Paulus nicht kalt gelassen. Er schreibt: „Geschwister, ich habe euch so ins Herz geschlossen“. Was für ein Zeugnis für seine tiefe Verbundenheit! Es ist als würde er sagen „Ich hab‘ Euch sooo lieb!“ 

Die gemeinsame Arbeit in Gottes Reich hat etwas gemacht mit Paulus‘ Herzen. Die herzliche Anteilnahme an seiner Gefangenschaft hat etwas wachsen lassen in Paulus‘ Herzen. Es hat seine Philipper von Herzen lieb gewonnen. Er bezeugt Ihnen "bei Gott" („Gott [...] ist mein Zeuge“), dass es „eine tiefe Liebe“ ist eine „eine Liebe, die Jesus Christus selber in [ihm] gewirkt hat.“ 

Und diese Liebe hat Folgen. Paulus schreibt: „Gott weiß, wie sehr ich mich nach euch allen sehne; er ist mein Zeuge.“ Solche Menschen – Menschen, die man liebt – die möchte man nicht missen. Man möchte sie am liebsten allezeit um sich haben.

Paulus sehnt sich nach der Gemeinschaft mit seinen Geschwistern in Philippi Warum? Weil er erfahren hat, wie Gott ihm in seinen Geschwistern begegnet ist. Weil er erfahren hat, wie Gottes Reich der Liebe um ihn wächst. Weil er in der Liebe der Geschwister der Liebe Christi begegnet. Weil da, wo die Liebe Christi regiert das Reich Gottes ist. Und wo die Liebe Christi regiert – da ist Frieden und Freude – da sind wir gern.

Alle 3 Aspekte gehören also zusammen: 1. Ein Freund ist nur dann wirklich ein Freund, wenn er nicht allein schöne Gefühle hervorruft, sondern auch mit anpackt. Und 2. ein Freund ist nur dann wirklich ein Freund, wenn er nicht allein mit anpackt, sondern uns auch in der Not zur Seite steht. Und 3. wenn er uns in der Not zur Seite steht, dann werden wir ihn über kurz oder lang lieben und uns nach ihm sehnen.

Wer aber hat diese Liebe gestiftet? Diese „tiefe Liebe“ aber ist die „Liebe, die Jesus Christus selber in [uns wirkt]“. Oder mit den Worten der Schrift: „[...] uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“ (Römer 5,5)

Ihr Lieben! Heute feiern wir Abendmahl! Es ist die Liebe Christi, die wir feiern. Die Tatsache, dass Er für unsere Erlösung alles getan hat. Die Tatsache, dass Er uns – trotz unserer Schande - nicht im Stich gelassen hat. Die Tatsache, dass Er uns geliebt hat – mehr als sein Leben – und immer noch liebt.


Ein Aufruf an Dein Herz

Erinnert ihr Euch noch an mein Eingangsversprechen? Ich hatte angekündigt, dass ich mit einem Aufruf an Dein Herz abschließen möchte. Mit einem Aufruf, von dem ich überzeugt bin, dass er - Dich und mich - und uns alle - bereichern wird. 

Und das hier ist mein Aufruf: Bitte mache Dich auf den Weg! Suche die Gemeinschaft zu Deinen Geschwistern! Baue neue Beziehungen auf! Wenn Du Dir dafür einen größeren Rahmen wünscht: Überlege Dir, ob Du Dich nicht einer unserer Kleingruppen anschließen möchtest?

Bitte frage Dich, wo es in der Gemeinde gerade Not gibt – wo zu viel Arbeit ansteht – und pack‘ mit an! Wir haben aktuell so viele „Lücken“: Im Lobpreis. In der Technik. In der Kinder- und Jugendarbeit. In der Gestaltung des Gottesdienstrahmens. In der Predigt. Und – und – und... Und wenn Gott Dich gerade „angestupst“ hat: bitte sprich jemandem aus der Leitung an und sag‘, wo Du Dich gerne einbringen willst.

Und bitte frage Dich, wo gerade ein Bruder oder eine Schwester leidet oder in Not ist – und sei für ihn / sei für sie da! Lade sie zum Abendessen ein – oder auf einen Kaffee – es ist sooo ein großes Geschenk (für beide!) Lass es Dir egal sein, ob sie in der Mitte stehen – oder am Rand! Schenke ihnen Dein Ohr! Schenke ihnen Deine Hände! Schenke ihnen Dein Herz! Ich möchte es noch einmal sagen: Bitte mache Dich auf den Weg! 

Sei Du der Freund oder die Freundin, mit dem man einen Sack Salz essen kann.

AMEN.

Montag, 10. Juni 2019

„Wunderbare Sehnsucht“ (Matthäus 5,6)

 [Predigt als MP3]

Einleitung

Wir feiern heute Erntedank. Doch warum? Wir feiern Erntedank, weil es nicht selbstverständlich ist, dass unsere Bauern eine Ernte einzufahren hatten. Vielen Menschen auf der Erde geht es nicht so gut, wie uns. Viele von Ihnen leiden Hunger und Durst. Und viele würden vor Freude jubeln, wenn Sie unsere Regale voller Brot und Früchte, Wein und anderen leckeren Sachen sehen würden. 

Ich selber habe in meinem Leben nur zwei oder dreimal Hunger gehabt. Das eine Mal war auf einer Überlebensausbildung für Offiziere bei der Bundeswehr. Das zweite Mal war nach 3 Wochen wirklich hartem Fasten: nur Suppe und Getränke. Das dritte mal war diese Woche. Aber eigentlich war es nur der Hauch eines Schattens einer Ahnung von Hunger. Und das war letzten Mittwoch:

3 Tage lang hatte ich gefastet und versucht, mich nur mit Obst über Wasser zu halten. Frühstück: nix! Mittag: 2 Äpfel. Abend: 1 Banane. Am dritten Tag sagte ich zu meiner Frau – die ich extra gebeten hatte, nichts für mich zu kochen! – : „Habibi“ (das ist arabisch und heißt „mein Liebling“) – „Habibi, ich hab‘ sooo Hunger!“ Woraufhin sie mich verschmitzt fragte: „Warum machst Du Dir dann nicht einfach eine Pizza?!“ --- Da war es dann vorbei mit der Diät... 

Allein diese Vorstellung! Pizza! Dieser Duft! Und der leckere Belag! Salami! Hmmm!  Ich liebe Pizza! Und ich behaupte: Wie lecker so eine Pizza schmeckt, das kann nur derjenige wirklich beurteilen, der vorher 3 Tage gefastet hat! Wirklich!

Und das hat eine Menge mit unserem Thema heute zu tun.


Inhalt

Unseren Text heute – Matthäus 5,6 – also aus den Seligpreisungen – habe ich unter die Überschrift gestellt: „Wunderbare Sehnsucht“. Warum, das werden wir im Laufe der Predigt sehen.

Zuerst einmal möchte ich mir dazu mit Euch gemeinsam die einzelnen Aspekte dieser Seligpreisung anschauen: 

  • Zum Ersten möchte ich mit uns den Text lesen und uns dann fragen:
  • Was heißt hier eigentlich „selig“? Danach möchte ich mit Euch anschauen, von 
  • was für einer Art geistlichem Hunger Jesus hier eigentlich spricht – und letztlich:
  • Welche Hoffnung inmitten dieses Hungers verborgen liegt: warum uns Jesus „selig“ nennt

Und ganz zum Schluss möchte ich uns einige Ermutigungen mit auf den Weg geben von denen ich hoffe, dass sie uns hilfreich sind in unserem Streben nach Gerechtigkeit.

Nun also zuerst zu unserem Text:


Unser Text

„Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“ (Matthäus 5,6)

In der 4. Seligpreisung – am Beginn der Bergpredigt – lesen wir: 

„ Selig sind, 

die da hungert und dürstet 

nach der Gerechtigkeit; 

denn sie sollen satt werden.“ 

Wie wir sehen werden, berührt dieser Text gleich zwei Aspekte unserer Gemeindevision, nämlich: „Bewegt werden“ und „Leben teilen“.

Doch der Reihe nach:


Was heißt hier ‚selig‘ ?

Was heißt hier eigentlich „selig“? Geht es hier um irgendwelche römisch-katholischen Seliggesprochenen? Was meint Jesus damit, wenn er sagt: „Selig sind...“?

Das Wort μακάριος (makarios) heißt im griechischen erst einmal nichts anderes, als "glücklich". Ganz simpel. Nichts klingt in diesem Wort mit von Heilig- oder Seligsprechungen oder sonst einer Form religiöser Überhöhung des Begriffes. Es heißt auch nicht "gesegnet" (das wäre eulegomenos), obwohl das nicht falsch wäre. Gottes Kinder sind ja in der Tat von Ihm gesegnet. Sondern das Wort bedeutet wirklich ganz einfach dies: "glücklich". So, wie in dem Satz: "Ich bin heute so richtig total glücklich!“

Aber zugegeben: in dem Wort schwingt noch etwas anderes mit: "Bereits im Alten Testament benutzt es die Septuaginta als moralische Qualität." schreibt Robertson. "Hinter dieser Aussage" so schreibt er weiter "liegt das klare Verständnis der Sünde als dem Ursprung allen Leides, und von Heiligkeit als letztendliche und effektive Heilung für jedes Übel.“ Was in dem Wort also schon ein bisschen mitschwingt, ist die wichtige Erkenntnis, das jedes wahres Glücklichsein etwas mit der Abwesenheit von Sünde zu tun hat. Aber ansonsten heißt dieses Wort nichts weiter, als ganz einfach das: „glücklich“.

Aber was soll das in diesem Zusammenhang bedeuten? Wir sind ja schon ein bisschen gewohnt den Illustrierten und der Werbung zu glauben - oder? Also, dass die wahrhaft Glücklichen dieser Welt diejenigen sind, die schon alles haben, die in Saus und Braus leben und ein leichtes und blühendes und erfolgreiches Leben führen?

Doch wie schaut es dagegen bei uns aus in unserem Glauben? 


Geistlicher Hunger

Geht es Dir im Glaubensleben nicht auch immer wieder mal so? : "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue? Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?" (Psalm 42,2-4). 

Wie dieser Psalm sehr plastisch beschreibt, sind Hunger und Durst ein körperliches und auch seelisches Empfinden und eine Art von Schmerz. Sie sind Warnsignale und sie sind sehr stark. Sie treiben uns dazu, etwas zu essen oder zu trinken zu suchen, koste es, was es wolle. Und das ist alles andere - aber nicht angehem! Da geht kein Weg dran vorbei. Schlatter nennt Hunger und Drust sogar: "das stärkste, quälendste Verlangen, das unser natürliches Leben kennt.“

Ebenso hat Gott uns - zusammen mit dem neuen, ewigen Leben und dem Heiligen Geist - einen Hunger und einen Durst nach Gerechtigkeit in unsere Seele gepflanzt - einen Hunger und einen Durst, an dem kein Weg vorbei geht. Aber wie kann Jesus dann sagen "Selig sind, die da hungert und dürstet ...?" Wie kann Jesus behaupten, dass diejenigen, die solche Gefühle haben, glückliche Menschen sind? Wir werden sehen. 

Schauen wir uns erst mal an, was das für eine Art von Hunger und Durst ist: Der Hunger und der Durst, um den es hier geht, nennt Jesus Hunger und Durst nach Gerechtigkeit. Robertson übersetzt das als einen "Hunger und Durst nach Gutsein, nach Heiligkeit". ||: Der Hunger und Durst nach Gerechtigkeit, über den Jesus hier spricht hat, glaube ich mindestens 3 Seiten: zwei davon sind nach außen gerichtet, die 3. nach innen. :|| 

1. Außen – Die Welt: Lasst uns zuerst einmal nach außen schauen. Wo fehlt es da an Gerechtigkeit? Wo spüren wir in uns ein starkes Verlangen nach wahrer Gerechtigkeit in der Welt? Bei mir sind das folgende Themen: •  Christenverfolgung / •  Abtreibung  / •  Zunehmende Gewalt, Okkultismus und Pornografie in den Medien / •  Abnehmende Fähigkeit zur nüchternen, faktenbezogenen Urteilsbildung / •  Zunehmende Trends der Polemisierung und Radikalisierung der Gesellschaft / •  Zunehmende, sprachliche Verrohung und Gleichgültigkeit in der Gesellschaft / •  und so weiter und so fort ...

Asaf hat das damals im AT so erlebt: "ich ereiferte mich [...] da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging. Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt. Darum prangen sie in Hoffart und hüllen sich in Frevel. Sie brüsten sich wie ein fetter Wanst, sie tun, was ihnen einfällt. Sie höhnen und reden böse, sie reden und lästern hoch her. Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden. Darum läuft ihnen der Pöbel zu und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen." (Psalm 73,1-10) 

Trotz allem Hunger und Durst nach Gerechtigkeit in der Welt mahnt Gott uns aber zur Geduld: "Sei stille dem HERRN und warte auf ihn. Entrüste dich nicht über den, dem es gut geht, der seinen Mutwillen treibt. Steh ab vom Zorn und lass den Grimm, entrüste dich nicht, dass du nicht Unrecht tust. Denn die Bösen werden ausgerottet; die aber des HERRN harren, werden das Land erben." (Psalm 37,7-9)

Das bringt mich zum 2. Punkt:

2. Außen – mein Beitrag: Und wenn wir schon bei äußerer Gerechtigkeit sind, dann geht es ja nicht nur immer um die anderen, sondern ja auch um uns selbst. Um mich und auch um Dich. Es geht um unsere eigene "äußere Gerechtigkeit": Denn: dieser Ungerechtigkeit in der Welt sollte ich ja etwas entgegen setzen. Und zwar, weil es im Evangelium ja ganz klar heißt: "So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Mt 5,16) 

Doch was stelle ich fest? Ich stelle fest, dass es mir geht, wie Paulus: "Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. So tue ich das nicht mehr selbst, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. [...] Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?" (Römer 7:15-19;24). 

Statt meinen Beitrag zu leisten zum Bau von Gottes Reich muss ich oft feststellen, dass ich das Gute unterlasse und dagegen vielmehr das Schlechte tue. Ich weiß nicht, was es bei Dir ist?: •  Feigheit in der Verkündigung des Evangeliums? / •  Faulheit und Bequemlichkeit in der Diakonischen Nächstenliebe? / •  Lauheit in der Bekämpfung von offenbarem Unrecht? / •  Mangelnde Nachsicht und Vergebungsbereitschaft? / •  Richtgeist, Hochmut und Arroganz? / •  Genervt-Sein und Unbeherrschtheit? / • ein Mangel an Unterordnung und Demut? / •  ja, vielleicht sogar eigenen Beiträge zum Unrecht in der Welt? / •  etc. pp. ...

All das aber wiederum bringt mich auf eine dritte Form von Gerechtigkeit – diesmal auf der Innenseite – ...

3. Innen – mein Zustand: ... nämlich dem starken Verlangen, ja regelrecht der Sehnsucht nach eigener Heiligung. Schlatter schreibt dazu: "Mit der Kraft des Hungers oder Durstes sollen wir uns nach der Gerechtigkeit strecken. Das tun die Reuigen, denen es unerträglich ist, daß Gott ihr Verhalten verwirft und als Unrecht haßt. Das tun auch die, die Gott lieben und danach begehren, daß sein Wille von ihnen getan und sein Dienst durch sie ausgerichtet werde.“ Und Paulus formuliert das so: "auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes." (Römer 8,23) 

Je länger ich mit Jesus gehe, desto mehr erkenne ich von der eigentlichen Ursache meiner äußerlich so mangelhaften Gerechtigkeit: es ist meine mangelnde innere Heiligung: die Tatsache, dass da immer noch ein „alter Mensch“ in mir ist, der dauernd gegen den Heiligen Geist Gottes in mir kämpft. Ich weiß nicht, was die Effekte bei Dir sind - ist es: •  Unglaube gegenüber Gottes Wort im Angesicht der Übel in der Welt? / •  Zweifel an Gottes Güte? / •  Lauheit und Mangel an Liebe zu Gott? / •  Ungeduld und eine fordernde Haltung? / •  Lieblosigkeit, Unwirschheit und Zorn? / •  Mangelnde Demut und Rebellion? / •  Unfähigkeit und Unwilligkeit zum Gebet? / •  Mangel an Geduld und Nächstenliebe? / •  Sündige Lust & tägliche Sünden allgemein?

Was es auch ist: wir leiden also, während wir noch hier auf der Erde sind, unter unserer Unzulänglichkeit und unter unserer so lückenhaften Heiligung. 


Unsere Hoffnung

Und über all diesem Leiden übersehen wir manchmal eben genau das, was Jesus gemeint hat mit "Selig sind...": nämlich den Grund unseres Leidens. 

Der Witz ist: Gott hat uns längst gerecht gesprochen. ER hat uns längst Seinen Heiligen Geist gegeben. ||: Wäre das nicht so, wir würden diesen Hunger gar nicht haben! :|| 

Gott hat uns nämlich nicht nur geboten: "So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Mt 5,16). Sondern ER hat uns auch versprochen: „Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hes 36,27). ER wird uns verwandeln in das Bild Christi, wie es heißt: "[...] wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist." (2 Kor 3,18) Darum heißt es "Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen." (Phil 2,13)

Manchmal passiert es uns ja schon, dass wir Gottes gute Werke wirken - manchmal vielleicht sogar ohne, dass wir es überhaupt merken. Ich muss dabei immer an die Stelle im Evangelium denken, wo es heißt: "Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben? Oder durstig und haben dir zu trinken gegeben?" (Mt 25:37+38)  Und das mit unserer fortschreitenden Heiligung wird immer besser werden. Dazu heißt es in den Sprüchen: "Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag." (Sprüche 4,19). 

Ja, Jesus sagt sogar: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten." (Joh 6,35) Wir haben das große Versprechen von Jesus, dass einmal der Tag kommen wird - wirklich kommen wird - wo wir verherrlicht sein werden und wo unser Hunger und unser Durst ein Ende haben. Paulus schreibt: "denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes." (Rö 8:21) Es wird der Tag kommen, wo unser Hunger und unser Durst vollkommen gestillt werden: In den Psalmen heißt es dazu: "Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden; / und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen; euer Herz soll ewiglich leben." (Psalm 22,27) Es wird der Tag kommen, wo wir mit einem himmlischen, herrlichen, sündlosen Leib überkleidet werden. Im Korintherbrief steht darüber: "Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und wird auferstehen in Kraft." (1 Kor 15,42+43).

Und in der Offenbarung lesen wir zuletzt: "Und eine Stimme ging aus von dem Thron: Lobt unsern Gott, alle seine Knechte und die ihn fürchten, Klein und Groß! Und ich hörte etwas wie eine Stimme einer großen Schar und wie eine Stimme großer Wasser und wie eine Stimme starker Donner, die sprachen: Halleluja! Denn der Herr, unser Gott, der Allmächtige, hat seine Herrschaft angetreten! Lasst uns freuen und fröhlich sein und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet. Und es wurde ihr gegeben, sich zu kleiden in Seide, glänzend und rein. – Die Seide aber ist das gerechte Tun der Heiligen. Und er sprach zu mir: Schreibe: Selig sind, die zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind. Und er sprach zu mir: Dies sind wahrhaftige Worte Gottes. " (Offenbarung 19,5-9)

Ihr Lieben! Genau so sicher, wie wir heute unter der Ungerechtigkeit der Welt leiden – genau so sicher, wie wir unter unserer eigenen mangelnden äußeren Gerechtigkeit leiden – genau so sicher, wie wir unter unserer eigenen so mangelhaften inneren Heiligung leiden – genau so sicher wird es mit den Jahren in Jesu Nachfolge besser mit uns werden – und genau so sicher wird der Tag kommen, an dem wir mit Freudenschreien Gott die Ehre geben werden – weil ER uns völlig erlöst hat – von dieser Welt und von unserer alten Natur. DARUM sagt Jesus: „Selig sind die da hungern und dürsten“ – „denn sie sollen satt werden!“ Wir WERDEN satt werden, ihr Lieben. PAPPSATT! Darum glaube ich, dass die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, die wir so oft verspüren eine ganz WUNDERBARE SEHNSUCHT ist. Und dass wir „selig“ sein können: GLÜCKLICH, dass wir sie spüren dürfen!

Praktische Anwendung

Und weil das so ist: weil wir allen Grund haben uns zu freuen, darum möchte ich Dich um etwas bitten: Bevor Du das nächste Mal Gott (zu Recht!) klagst, wo es noch überall an Dir mangelt (übrigens: ER weiß das ja sowieso schon - und liebt Dich trotzdem!), geh' doch mal in Dich und überlege, wie wunderbar es ist, dass ER dir diesen Hunger nach Gerechtigkeit überhaupt gegeben hat! Wie wunderbar das ist – weil Du eben genau deswegen weißt: ER hat Dir ewiges Leben gegeben! Eine ewige Hoffnung!

Bei mir führt dieser Wechsel der Blickrichtung zur Freude und zur Dankbarkeit, für das was ich schon habe – für das, was ich in Gottes Augen längst bin: SEIN KIND! LÄNGST GERECHT GESPROCHEN in Seinen Augen. Mit einer HOFFNUNG OHNE GLEICHEN! Weil Jesus meine Strafe schon getragen hat. Weil ER mit Seinem Blut am Kreuz das Lösegeld für meine Schuld bezahlt hat! 

In diesem Bewusstsein kann ich dann (ohne unter dieser Last zu zerbrechen) Gott ganz konkret um Hilfe bitten für all die Mängel, die ich noch in mir sehe. Und in diesem Bewusstsein – Gottes GELIEBTES KIND zu sein – kann ich dann auch fragen: Wo in der Welt - genauer: in meinem persönlichen Umfeld - gibt es eine Not in die Du, mein Gott, mich rufen willst, um an Deiner Seite Linderung zu schaffen? In Deiner Kraft? Mit Deiner Hilfe?

Ihr Lieben! Lasst mich das bisher Gesagte in 3 einfache Ermunterungen für Eure Herz gießen:

Ermutigungen für Dein Herz

  1. Freu' Dich: Du bist zwar noch nicht "fertig" - aber Du wirst es werden. Ganz bestimmt!

  2. Bete: Bitte Gott, Dich zu verändern in Sein Bild: Heilig, gerecht und gut!

  3. Hilf mit: Wen legt Dir Gott grad jetzt aufs Herz; der eben jetzt Deine Unterstützung so dringend brauchen könnte?

„Selig sind,
die da hungern und dürsten
nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden satt werden.“

(Matthäus 5,6)

Samstag, 13. Oktober 2018

Was wird Dein Lohn sein – Lob oder Schande? - 2. Tim 1,15-18


[Predigt als MP3]

Wie ist es, gelobt zu sein?

Intro: Stell Dir einmal vor, jemand hielte eine Lobrede über unsere Gemeinde und würde dabei bestimmte (vielleicht auch im Stillen verborgene!) Dienste in besonderer Weise hervorheben. - Wäre es da nicht schön, an irgend einer Stelle auch Deinen eigenen Namen zu hören?

Stell‘ Dir vor, Du betest treu für die in Not oder Du besuchst im Stillen die Alten und Kranken oder Du kümmerst Dich ganz im Hintergrund um Kaffee und Kuchen oder Du backst, von niemandem gesehen, das Abendmahlsbrot oder teilst es aus oder Du hilfst beim Putzen oder Renovieren oder aufräumen oder im Zeltlager oder in der Leitung oder im Beirat oder dabei unsere Kinder und jungen Leute in Gottes Wort zu unterrichten und sie zu Jesus zu bringen oder Du hilfst in der Gemeinde-Bibelschule oder Du sagst im Kleinen das Evangelium weiter oder Du hilfst in der Technik oder beim Gottesdienst oder beim Einsammeln der Kollekte oder tröstest und ermahnst dort, wo es grad nötig ist. Oder oder oder. Es gibt ja so viele gute Dinge, die wir hier untereinander und füreinander zu Gottes Ehre und unserer Freude tun können. Und bestimmt habe ich viele vergessen...

Und nun stell Dir vor, Dein Bereich, Dein Amt, das was Dir am Herzen liegt und wo Du Dich in Liebe investierst, würde genannt und der Redner würde sagen: „Im Bereich ‚xyz‘ möchte ich ganz besonders folgende Geschwister lobend erwähnen: ................“. [...]

Würdest Du da nicht ganz insgeheim ein bisschen die Luft anhalten und im Stillen hoffen, dass irgendwann auch Dein Name genannt wird? Und wärst Du nicht enttäuscht, wenn es nicht so wäre? Ist es denn nicht so, dass es einfach schön ist, auch nur ein ganz kleines Bisschen Wertschätzung zu erfahren für die Liebe und Geduld, die man eingesetzt hat? Weil es eine Ehre ist, zu hören, dass man etwas gut gemacht hat? Dass es gesehen wurde? Weil es dem Herzen so gut tut das zu hören: „Ich sehe Dich!“ „Ich freue mich, dass es Dich gibt!“ „Ich bin dankbar für Dich und Dein Tun!“

Übrigens glaube ich, wir sollten das viel öfter tun. Gar nicht unbedingt mit mordsmäßigen Veranstaltungen, wo sich manch einer vielleicht eher etwas betreten fühlt und wo man viel klatscht, sondern vor allem auch in der persönlichen Begegnung: Es einander zu sagen. Nicht aufgesetzt und steif oder gar förmlich – sondern natürlich [...] – aus einem frohen und ehrlichen Herzen.

Denkt nicht auch unser lieber Herr Jesus so, wenn er uns in Aussicht stellt, dass es am Ende der Tage einmal eine Lobrede für uns geben wird - aus dem Munde Gottes, des Höchsten, persönlich? Dass uns das Wort gelten kann aus Mt 25,21 „Recht so, du tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude!“

Bitte behalte dies Bild, diesen Eindruck von Lob, Ehre und Anerkennung und diese Herzensbewegung der Freude darüber, während dieser Predigt in Deinem Herzen.


Unser Text (2 Tim 1,15-18)

Und nun stell Dir vor: Paulus sitzt im Gefängnis in Rom und wartet auf seine Hinrichtung. Ihm ist, am Ende seines langen, harten und entbehrungsreichen Apostellebens nur noch eines wichtig: Er will Sein Erbe — dieses Kostbare Gut des Evangeliums (Vers 14) — in sicheren Händen wissen und er will es darum weitergeben an seinen geliebten Sohn (Vers 2) Mitarbeiter und Nachfolger Timotheus. Er ermutigt ihn, ermahnt ihn, bestürmt ihn, dieses Evangelium, das gnadenbringende Wort Gottes um jeden Preis zu bewahren und zu schützen. Es gegen seine Feinde zu verteidigen - und zwar in jeder Gestalt: von theologischen Spitzfindigkeiten bis zur Irrlehre, von der Zügellosigkeit bis zur Gesetzlosigkeit und von Streitereien bis zur Verfolgung. Sich nicht zu fürchten oder zu schämen, sondern mutig und mit der Hilfe des Geistes der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit (Vers 7) für Gottes Wort, das Evangelium, und seine Diener einzutreten.

Und um deutlich zu machen, wie sich das auswirkt im echten Leben, wie sich das anfühlt - für einen selber und für andere- wenn man auf der Liste der Treuen oder der Untreuen steht, gibt Paulus dem Timotheus zwei Beispiele mit auf den Weg: ein unrühmliches und ein rühmliches: „Das weißt du, dass sich von mir abgewandt haben alle, die in der Provinz Asia sind, unter ihnen Phygelus und Hermogenes. Der Herr gebe Barmherzigkeit dem Hause des Onesiphorus; denn er hat mich oft erquickt und hat sich meiner Ketten nicht geschämt, sondern als er in Rom war, suchte er mich eifrig und fand mich. Der Herr gebe ihm, dass er Barmherzigkeit finde bei dem Herrn an jenem Tage. Und welche Dienste er in Ephesus geleistet hat, weißt du am besten.“ (2Tim 1,15-18)


Auf der Liste der Schande – 2Tim 1,15

Was für eine Schande, auf der Liste der Feigen und Lieblosen zu stehen und dort auch noch persönlich mit Namen genannt zu werden! Stellt Dir einmal das Gegenteil einer Laudatio vor (genau das ist Vers 15 nämlich: ein Bericht über traurige Tatsachen). Stell Dir mal vor, es wäre irgend ein Laster ans Licht gekommen, eine schlimme Peinlichkeit - und Du wüsstest ganz genau, warum das so peinlich ist - weil nämlich das, was da genannt wurde, eben genau eine dieser Untugenden ist, die auch Dir nicht fremd sind. Weißt Du, was ich meine? Und dann würde der Redner als erstes sagen, was genau ans Licht gekommen ist. Und dann würde der Redner ankündigen, eine Liste von Namen derer zu verlesen, sich auf eben diese Weise vergangen haben! Würdest Du da nicht innerlich unruhig werden und beginnen, im Stillen zu beten. „O, lieber Gott, bitte mach‘, dass er nicht meinen Namen vorliest! Alles, aber nicht meinen!“ Würdest Du nicht innerlich von Scham bewegt werden und Dir wünschen, Du könntest in irgend einem Loch versinken?

Aber genau das passiert hier: Paulus schreibt zuerst, was passiert ist und dann nennt er die Unrühmlichen beim Namen. Genau so wird es sein, wenn Jesus Christus, der auferstandene Sohn Gottes, aus dem Himmel auf die Erde zurück kommen wird. Die Heilige Schrift ist da glasklar. Dort heißt es: „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeder empfange nach dem, was er getan hat im Leib, es sei gut oder böse.“ (2Kor 5,10)  - Wie wird sich das anfühlen? In der Offenbarung des Johannes lesen wir über den Tag, an dem Christus wiederkommt und das Leben jedes Menschen auf Erden offenbar werden wird: „Und der Himmel wich wie eine Schriftrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihren Orten. Und die Könige auf Erden und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Gewaltigen und alle Sklaven und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen der Berge und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn es ist gekommen der große Tag ihres Zorns und wer kann bestehen?“ (Offb 6,14-17)

Der Apostel Petrus fragt uns dazu: „Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen [...]?“ (2Petr 3,11) Eine überaus gewichtige Frage!


Ein treuer Freund

Seid ihr schon mal von jemandem „erquickt worden“? Das ist ja ein echt altes Wort. Heute würde man vielleicht eher sagen „erfrischt“. Ich denke da an die großer Hitze der letztenTage. Nach körperlicher Erfrischung lechzen wir da ja alle. Bei mir in der Arbeit war es echt extrem. Draußen 35 Grad und drinnen keine Klimaanlage. Gefühlt? Bestimmt 1.000 Grad! Also, meistens trinke ich ja nicht viel Wasser oder Sprudel am Tag; eher Kaffee. Aber in der letzten Woche habe ich mir literweise Rhabarberschorle in den Kopf geschüttet. „Tat das gut!“

So kann es auch unserer Seele gehen: dass sie ausgedörrt ist, beladen und belastet und dass sie sich nach Erfrischung sehnt. Jeder von uns kennt das. Wir liegen am Boden und uns fehlt einfach die Kraft, um stand zu halten; weiter zu gehen. Wenn ich in diesem Sinne an „Erfrischung“ denke, dann muss ich immer an Helmut und Miriam denken; zwei meiner besten Freunde. Wenn ich bedrückt oder betrübt war oder wenn mir mein Leben auf andere Weise Not gemacht hat, haben sie mir immer und herzlich gerne ihr Haus geöffnet, mir ihre Zeit geschenkt, mir in Liebe zugehört und mit mir gebetet. Wir saßen dann oft beim Abendessen zusammen und später am Abend im Wohnzimmer. Und es durfte einfach alles raus, was wie Blei auf meiner Seele lag. Wenn ich dann nach einem solchen Abend nach Hause ging, ging es meiner Seele besser: sie war erfrischt.

So muss es Paulus gegangen sein, wenn er an Onesiphorus gedacht hat: es ist einfach, wie wenn jemand ein Licht in Deiner Seele anzündet: beim Gedanken an diesen lieben Menschen wird einem das Herz warm und die Seele hell.

Onesiphorus war aber nicht nur dann für Paulus da, wenn es um innere Not und um Erfrischung ging: er war auch dann noch da, als äußerlich Verfolgung drohte und als die Liebe und Freundschaft zu Paulus ihn das Leben hätte kosten können.

Mein Vater hat immer gesagt: „Ein Freund ist jemand, mit dem man einen Sack Salz essen kann.“ Bedeutet: Ein guter Freund lässt Dich niemals im Stich. Selbst dann nicht, wenn es wirklich unangenehm wird. Er steht zu Dir. Auch dann, wenn Du nicht mehr ‚angesagt‘ bist; wenn Du ins Gerede kommst; ja, sogar dann nicht, wenn Du in Verruf gerätst. Ein guter Freund schämt sich nicht, Dich zu kennen; selbst dann nicht, wenn Du im Gefängnis sitzt. Nicht einmal dann, wenn es für ihn lebensgefährlich wird, Dich zu besuchen.

Was muss es daher für Paulus für eine riesen Freude gewesen sein, diesen Besuch zu bekommen! Stellt Euch das mal vor; versetzt Euch einmal in Paulus‘ Lage: ihr sitzt allein im Todestrakt und wartet auf Eure sichere Hinrichtung. Im Kerker. Abgeschnitten von der Außenwelt. Einsames Warten auf das Ende. Euch ist klar: würde jemand versuchen, Euch zu besuchen, wäre das hochgradig gefährlich. So gefährlich, wie es vor 70 Jahren gefährlich war, einen Menschen aus Gottes auserwähltem Volk bei sich zu Hause zu verstecken.

Und dann kommt er doch: Dieser liebe Freund, der Paulus schon so oft mit seiner Gegenwart erfrischt hat. Es war sicherlich ein Ding der Unmöglichkeit für Onesiphorus, Paulus zu finden. Er musste sein Leben aufs Spiel setzen. Und doch nahm er dieses Risiko auf sich. Aus Liebe und Freundschaft zu Paulus. Wie leicht hätte er bei seiner so eifrigen Suche als Christ erkannt werden können. Wie schnell hätte es gehen können, unter Kaiser Nero den Märtyrertod zu sterben. Nur, um seinen Bruder Paulus zu sehen. Und doch hat er es getan. Er suchte nicht nur oberflächlich, sondern eifrig. Machte in dieser riesigen Stadt in der so viele Christen eingekerkert waren, seinen Bruder Paulus ausfindig. Ich stelle mir vor, dass Paulus tief gerührt war, voller Freude und erfüllt mit großer Dankbarkeit. Das spürt man seinen Worten ab.


Der Tag des Herrn

Und dann steht in unserem Text noch eine kleine Formulierung, die man nur zu leicht überliest. Und in der es doch um Alles oder Nichts geht: „Der Herr gebe ihm, dass er Barmherzigkeit finde bei dem Herrn an jenem Tage.“ (2Tim 1:18). 

Das hat mich auf einen wichtigen Gedanken gebracht: Wenn man den vorhergehenden Text so liest, dann könnte man meinen, es ginge nicht nur um Beispiele für rühmliche und unrühmliche Werke. Nein, man könnte meinen, wenn man nur das richtige täte, dann käme mit Gott schon alles in Ordnung. So, als ob jemand zu sich sagen würde: „Ah! So funktioniert das also! Man muss einfach nur immer das Richtige tun, dann kommt man in den Himmel.“ – oder, was noch viel schlimmer wäre (und eine Irrlehre ist, die heutzutage leider sehr weit verbreitet ist), jemand würde glauben: „Letztendlich ist es wurscht, auf welcher Liste man steht. Man muss nur sterben. Schwupps kommt man in den Himmel. In die Hölle kommen nur die ganz Bösen, so wie Adolf Hitler oder Kim Jong Un.“

Doch Paulus macht uns hier klar, dass es einen Tag geben wird – „jenen Tag“ – an dem Gott Gericht üben wird über die Taten der Menschen. Und er macht auch klar, dass es an „jenem Tage“ nicht um eine Rechtfertigung aufgrund unserer Taten gehen wird, sondern um unsere Rettung aufgrund der Barmherzigkeit Gottes.

Aber was ist das für ein Tag? Im Propheten Zefanja lesen wir dazu: „Dieser Tag ist ein Tag des Grimmes, ein Tag der Trübsal und der Angst, ein Tag des Unwetters und der Verwüstung, ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag der Wolken und des Nebels,  ein Tag der Posaune und des Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und die hohen Zinnen. Und ich will die Menschen ängstigen, dass sie umhergehen sollen wie die Blinden, weil sie wider den HERRN gesündigt haben. Ihr Blut soll ausgeschüttet werden, als wäre es Staub, und ihr Fleisch, als wäre es Kot. Auch ihr Silber und Gold wird sie nicht erretten können am Tage des Zorns des HERRN. Die ganze Erde soll durch das Feuer seines Grimmes verzehrt werden; denn er wird ein schreckliches Ende machen [...]“ (Zef 1,15-18)

Das sind krasse Worte. Gott ist offensichtlich stocksauer? Da könnte man fragen: „Ja was haben wir ihm denn getan?“ Auch darauf gibt uns die Heilige Schrift eine Antwort: Es ist das gottlose Leben der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Jeder von uns definiert um liebsten selbst, was angeblich Gut und Böse ist und verdreht damit die Wahrheit: Dass er ein Sünder ist! Im Brief an die Römer formuliert Paulus das so: „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“ (Rö 1:18) Ihr Lieben! Lasst uns das bitte ernst nehmen, was da steht. Es heißt nicht umsonst: „Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.“ (Gal 6,7) 
Wenn Gott also beschlossen hat, die Sünden der Menschen vor Sein gerechtes Gericht zu bringen: wie sollen wir dann gerettet werden? Auch darauf hat Gottes Wort eine Antwort: Unsere Errettung geschieht allein durch den Glauben an das Evangelium von Jesus Christus: Allein das Opfer Christi am Kreuz und unser Glaube an Ihn machen uns vor Gott gerecht – es heißt in 1.Thess 1,10: es ist „Jesus, [der...] errettet von dem zukünftigen Zorn.“ Jesus Christus, der menschgewordene Gott ist auf unsere Erde gekommen und hat freiwillig, aus Liebe zu uns, die Strafe für unsere Schuld am Kreuz von Golgatha getragen. Darum hing er dort. Nur weil Er für unsere Schuld mit Seinem Blut bezahlt hat, werden wir freigesprochen. Zur Bestätigung, dass Sein Opfer von Gott angenommen wurde, hat Gott ihn von den Toten auferweckt. Das ist das Evangelium. Das Evangelium, von dem Paulus sagt: „Es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben [...]. Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben [...].“ (Rö 1:16-17)
Es geht also um Glauben. Um Vertrauen. Um den Glauben daran, dass das, was Jesus für mich getan hat, genügt. Dass „Er [...] den Schuldbrief getilgt [hat], der mit seinen Forderungen gegen uns war, [dass Er ihn ...] ihn aufgehoben hat und an das Kreuz geheftet.“ (Kol 2,14) Doch wie bekomme ich diesen Glauben? Gottes Wort sagt dazu ganz einfach: Dieser Glaube an Jesus Christus ist ein Geschenk von Gott: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es [...]“  (Eph 2:8) Diesen Glauben kann man nicht machen. Man kann ihn nur als ein Geschenk der Gnade Gottes annehmen. 

Und dieser Glaube, den Gott uns schenkt, hat eine Wirkung! Dieser Glaube, der echte Glaube, erzieht uns zu guten Werken. Darum heißt es: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands, Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.“ (Tit 2:11-14) 

Dieser Glaube, wenn er von Gott geschenkt ist (und wir ihn nicht mit religiösem Zwang und Gewalt aus unserer Seele herausgequetscht haben) – dieser Glaube ist ein Glaube, der uns verändert. Der uns zu Menschen macht, die nicht mehr sündigen wollen. Ein Glaube, der aktiv wird. Ein Glaube der Gute Werke nach sich zieht. Davon spricht auch der Apostel Jakobus in seinem Brief: „Liebe Brüder, was nützt es, wenn jemand von seinem Glauben spricht, aber nicht entsprechend handelt? Ein solcher Glaube kann niemanden retten.  [...] 
Wann wirst du einsehen, dass ein Glaube, der nicht zu guten Taten führt, wertlos ist? Weißt du nicht mehr, dass unser Stammvater Abraham vor Gott gerecht gesprochen wurde, weil er seinen Sohn Isaak auf den Altar legte? Wie du siehst, vertraute er Gott so sehr, dass er bereit war, alles zu tun, was Gott von ihm verlangte. Sein Glaube wurde durch sein Handeln vollendet. [...] Ihr seht also, dass ein Mensch nur dann, wenn er auch handelt, vor Gott gerecht gesprochen wird und nicht allein aufgrund seines Glaubens. [...] So wie der Körper ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube tot ohne gute Taten.“ (Jak 2:14-26)
Echter Glaube bleibt nicht auf der Liste der Schande. Echter Glaube ist – ohne Zwang, ja vielmehr aus Dankbarkeit und Liebe – motiviert, das Gute zu tun. Echter Glaube will nicht in der Sünde verharren. Paulus formuliert es so: „Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, damit die Gnade umso mächtiger werde?  Das sei ferne! Wir sind doch der Sünde gestorben. Wie können wir noch in ihr leben? Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.“ (Rö 6:1-4)


Der Kern

Die guten Werke sind also kein "Bezahlmittel", um in den Himmel zu kommen, wie so viele glauben. Sie sind das Zeichen der Echtheit unseres Glaubens. Was uns die Schrift hier glasklar lehrt ist folgendes:

Wir Menschen haben uns von Gott losgesagt, sind allesamt Abtrünnige, Rebellen, Anarchisten – wir führen von Natur aus ein gottloses Leben. Wir machen uns selbst zu Gott, indem wir unsere eigenen Gesetze aufrichten – selber entscheiden wollen, was Gut und was Böse ist; falsch und richtig. Indem uns so gegen Gottes Gebote auflehnen, brechen wir Sein Gebot „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (Mk 12,30, 5. Mose 6,4-5).

Und über diese Gottlosigkeit, Anarchie und Selbstgerechtigkeit ist Gott stocksauer – und hat einen Tag des Gerichts anberaumt, an dem er die ganze Welt richten wird. Und vor diesem Zorn Gottes hilft uns nichts, was wir selbst tun könnten – auch keine guten Werke – denn so viele wir auch davon tun, sie können unsere Vergangenheit nicht ungeschehen machen – uns haftet ein Makel an.

Vor diesem Zorn Gottes hilft uns nur der Glaube an das Evangelium: dass Jesus Christus, Gottes Sohn, stellvertretend für unsere Schuld am Kreuz von Golgatha die Strafe getragen hat – und Gott uns deshalb freispricht.

Und wenn wir das wirklich begriffen haben, was das heißt – dass der allmächtige Gott Mensch wurde, um für mich / für Dich! zu sterben – weil er uns unendlich liebt! – dann hat das Folgen. Dann hat das zur Folge, dass wir nicht mehr sündigen wollen – nicht mehr gottlos und selbstgerecht sein wollen – dass wir Gottes Gebote halten wollen; Ihn und unseren Nächsten lieben wollen. Mit anderen Worten: echter Glaube hat die Folge, dass wir die werden, die wir sein sollen: „sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Eph 2:10)


Fragen an Dein Herz

Zum Schluss möchte ich uns zwei verschiedene Sorten von Fragen stellen:

Zum einen Fragen, die Dein Leben angehen – ob Du es überhaupt schon mit Gott lebst
  • Verstehst Du, dass allein Gottes Gnade Dich retten kann?
  • Spürst Du in Dir den echten Wunsch, Gottes Willen zu tun?

Zum anderen Fragen, die Dein Leben angehen – wenn Du es schon mit Gott lebst:
  • Wem kannst Du die so dringend ersehnte Erfrischung sein?
  • Wem kannst Du in der Not als Freund zur Seite stehen?
  • Wer würde sich freuen, Dich endlich wiederzusehen?

»Denn wir warten auf das wunderbare Ereignis, wenn die Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Erlösers, Jesus Christus, erscheinen wird. Er gab sein Leben, um uns von aller Schuld zu befreien und zu reinigen und uns zu seinem eigenen Volk zu machen, das bemüht ist, Gutes zu tun.« 

(Titus 2,11-14)