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Sonntag, 12. Januar 2020

Die Jahreslosung 2020 „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Markus 9, 24)

[Predigt als MP3]

Einleitung

Seham hat Gastritis und ich habe für sie gebetet. In mir war dabei ein riesiger Kampf. Warum?  Ich hatte Zweifel! Woran? Bestimmt nicht Gottes Können (Er kann ein Universum aus dem Nichts schaffen“). Bei mir ist es vielmehr ein Zweifel an Gottes Wollen. Ich habe vielmehr Angst, dass „nichts passiert“. 

Aber warum? Zum einen: Woher soll ich vorher wissen können, dass Er „Ja!“ sagt? Ich meine: außer bei einer mir bekannten ausdrücklichen Verheißung? Vor allem aber: Was bedeutet das, wenn nichts passiert? Dass Gott „Nein!“ sagt? Dass Gott nicht existiert? Dass ich nicht feste genug glaube? Dass ich vielleicht gar nicht richtig gläubig bin? Oder (für mich) am schlimmsten: Dass Gott mich nicht leiden kann? 

Solche Gedanken können einen innerlich zerreißen! Und solche Zweifel haben wir alle! Welcher ist Deiner?

Wie 

  • ... diese „Schäden“, die wir mit uns rumtragen, unseren Glauben hindern ...
  • ... und wie das mit der Jahreslosung zusammenhängt ...
  • ... und was die Lösung dafür ist ...

das wollen wir uns im folgenden mal etwas genauer ansehen.


Inhalt 

Worum geht es also heute?

  • Unser Text
    • Zu Beginn möchte ich mit Euch den Text lesen
    • Und auch kurz zusammenfassen, was da passiert ist

  • Der wunde Punkt
    • Dann - zusammen: den wunden Punkt des Vaters anschauen
    • Wo liegt die Schwierigkeit?
      • 1x von der theologischen Seite
      • 1x von der psychologischen Seite

  • Der Tag der Wahrheit
    • In den Kern vordringen:
      • Was genau ist das Problem?
      • Was genau ist die Ursache?

  • Der Hoffnungs-Schlüssel
    • Bei allen wunden Punkten und Problemen ist doch die Frage: 
    • „Was ist nun der Schlüssel?“. Auch dahinein möchte ich Euch mitnehmen

  • Balsam für Dein Herz
    • Zum Schluss möchte ich uns 4 hilfreiche Gedanken mit auf den Weg geben

Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen.


Unser Text

Die Heilung eines besessenen Knaben

Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn. Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen? Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, daß sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht. Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riß er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, daß ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Als nun Jesus sah, daß das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und riß ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, so daß die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. Und als er heimkam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.

Was war passiert?

Jesus kommt vom Berg der Verklärung (Joh 1,14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“) herunter in die Realität dieser Welt. 

Und was sieht Er?Er sieht die Pharisäer streiten mit den Jüngern streiten (Ähnlich wie Moses am Sinai  das Volk ein goldenes Kalb anbeten sah, direkt nachdem er Gott begegnet war und die 10 Gebote von ihm erhalten hatte). Und worüber wurde gestritten? Über Sinn und Unsinn dieser "neuen Religion", die angeblich "kraftlos" war (bitte nicht vergessen: die Jünger hatten bereits böse Geister ausgetrieben!).

Auch interessant finde ich an diesem Bericht: Kaum kommt Jesus, plötzlich tun alle plötzlich ganz freundlich. Und was dann passiert ist eine Demonstration in Leadership: Jesus nimmt die Situation in die Hand, stellt sich vor seine Jünger und fragt was anliegt.

Der Vater meldet sich: er ist aufgrund der Geschichte schwer belastet und von der Situation und dem Unvermögen der Jünger frustriert und enttäuscht. Und was mach Jesus? Erst einmal schimpft Jesus seine Jünger und auch die Menge für ihren Unglauben. Doch warum?  Weil der Unglaube eine Majestätsbeleidigung ist! Als ob Gott nicht helfen könnte oder wollte!

Gott ist das Inbild der Weisheit, Güte und Allmacht in Person. Er ist das Inbild von Wahrheit und Schönheit und Gerechtigkeit! Nochmal: Joh 1,14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Es gibt keinen Grund an Gott zu zweifeln!

Und dann lässt Jesus sich den Jungen bringen. Und sofort reißt in der Geist, weil er weiß, was ihm blüht. Doch unbeeindruckt von der Show des Dämons fragt Jesus weiter und erfährt die tragische Historie des Jungen. Und bitte bemerkt: Während der ganzen Zeit gibt es noch immer keine Gebetserhörung; keine Linderung des Leidens von Vater und Sohn!

Aber warum macht Jesus das? Auch das werden wir uns noch ansehen.


Der Wunde Punkt

Im folgenden möchte ich mit Euch den wunden Punkt des Vaters anschauen und uns fragen: Wo genau liegt die Schwierigkeit? 1x von der theologischen Seite. 1x von der psychologischen Seite.

Der Vater wird also immer verzweifelter und ruft: „Wenn Du etwas kannst“. Er hat also eher das „kann-nicht-Problem“ - und nicht (wie ich) das „will-nicht-Problem“. 

Doch dann spitzt Jesus die Situation aufs äußerste zu, indem Er sagt: "dem, der glaubt, sind alle Dinge möglich“. Ja toll! Dieser Satz muss sich für den Vater angefühlt haben, ist wie ein Stich mit einem glühenden Eisen mitten ins Herz. Er verhundertfacht seinen Schmerz. Und zwar, weil dieser Satz ihn auf seinen wunden Punkt hinweist: auf Seinen Zweifel.

Was aber genau ist das Problem? 

Zuerst mal theologisch: In Hebräer 11,6 steht: „Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“ Und in Epheser 2,8+9: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,  nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“

Das also ist der wunde Punkt: Ich soll glauben! Ich kann Glauben aber nicht machen Ich kann Jesus kein Werk, keine Leistung präsentieren, die Ihn verpflichten würde, mir zu helfen! Ich kann Gott also nichts bringen, außer meinem Zweifel. Ich kann also nur nackt vor Gott stehen, so wie ich wirklich bin - und Ihn um Seine Gnade bitten (Johannes 4,24: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“).

Ich kann das Problem nicht mit der Kraft meines Willens lösen! Aber wie kann Gott von mir Glauben fordern, wenn er doch weiß, dass ich ihn nicht machen kann? Was bleibt mir da noch?

<wir werden sehen>


Der Tag der Wahrheit

Jetzt möchte ich mit Euch gemeinsam in den Kern vordringen: 

  • Was genau ist das Problem? 
  • Was genau ist die Ursache?

Zuerst einmal ist eines super-wichtig: Jesus hilft trotzdem! Das erinnert mich an Hesekiel 37,11-13: „Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels. Und ihr sollt erfahren, daß ich der HERR bin [...]“

Und noch etwas: Die Erkenntnis, dass ich nackt bin vor Gott ist bereits Ergebnis Seines Heils-Werks an mir: ohne Seinen Geist würde ich mich gar nicht an Ihn wenden: Johannes 6,44: „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat [...]“. Das heißt: ohne das Wirken von Gottes Geist hätte ich gar keine Erkenntnis über meinen verlorenen Zustand. Versteht ihr? Die Tatsache, dass ich merke, dass ich ein Problem habe – ist bereits der Hoffnungsschimmer! Ich kann erkennen, dass ich zweifle, weil ich schon Glauben habe!! Mit anderen Worten: Zweifel ist eine Krankheit, die man nur bekommen kann, wenn man glaubt!

Ich fasse noch mal zusammen: Jesus brauche ich nichts zu bringen: Er hilft von Herzen gerne!  Ihm genügt das kleinste Quentchen Glauben!

Doch was ist jetzt die Lösung? Und was hat das damit zu tun, dass Jesus den armen Mann so auf die Folter spannt? Was können wir aus dem allen lernen? Warum macht Jesus das?

Ich denke, es geht um den Tag der Wahrheit: Jesus will den Mann konfrontieren will mit der Wahrheit. Mit dem, was in Seiner Seele kaputt ist. Mmit der Tatsache, dass er grundlegende, echte Zweifel hat. Ganz konkrete Zweifel – ja Unglauben!

Aber Warum lässt Jesus den Mann so durchs Feuer gehen? Ich denke, weil Jesus will, dass der Mann ehrlich wird in Seinem Gebet. Weil ER längst weiß, dass in ihm etwas kaputt gegangen ist. Weil ER längst weiß, dass er in seinem Leben eine traumatische Erfahrung gemacht hat. Nicht zuletzt mit den Jesu Jüngern (für den Mann war das sicher, wie eine Bestätigung: „Es geht ja eh nicht – wie immer!“)

Und weil Jesus weiß, wo unsere Zweifel herkommen: weil Grundüberzeugungen in unserem Leben zerbrochen wurden! Und weil Jesus weiß: das muss etwas heilen in unseren Herzen! Und damit es heilen kann, müssen wir darüber reden – es endlich aussprechen. Wir müssen die Dinge endlich beim Namen nennen!

Was habe ich gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt, getastet? Was habe ich empfunden? Angst? Schmerz? Zorn? Furcht? Was habe ich gebraucht? Sicherheit? Freiheit? Geborgenheit? Hoffnung? Welche Überzeugung ist in mir zerbrochen? Die Zeit wird nicht reichen, hier noch weiter in die Tiefe zugehen. Nur so viel: es muss alles raus – es muss ans Licht! So, wie es im Evangelium heißt: Johannes 8,32: „ihr [...] werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“


Der Hoffnungs-Schlüssel

Bei all unseren wunden Punkten und Problemen ist doch die tiefste Frage: „Was ist nun der Schlüssel?“ Ich glaube, dass es 4 ganz wesentliche Schlüssel gibt – uns sie stecken im Text!

Der 1. Schlüssel ist Gnade

Für mich das allerwichtigste an diesem Text ist: Jesus beantwortet Gebet. Selbst dann, wenn unser Glaube durchsät ist von Zweifeln. Jesus reicht dieses Quentchen von Glauben – dieses „Ich glaube...!“ Übrigens: obwohl mein Gebet für Seham‘s Gastritis von mir die "Schulnote 5" bekommen hätte (mangelhaft), waren Sehams Magenschmerzen am nächsten Tag weg!

Der 2. Schlüssel ist Glaube

Was aber ist das genau „Glaube“? Heb 11:1 „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ In diesem Text steckt die Lösung! Es geht um das, was man nicht sieht! Wie können wir aber das Unsichtbare sehen? Durch Offenbarung; durch Gottes Wort! Ein Teil der Lösung besteht also darin, sich auf Gottes Wort zu stellen! Auf Seine Verheißungen. Dazu müssen wir Gottes Wort lesen! Übrigens: es gibt ganze Bücher voll mit Verheißungen zum Nachschlagen!

Der 3. Schlüssel ist das Gebet

Manche Situationen erfordern besonders intensives Gebet. Aber wozu? Bestimmt nicht, um noch ein Quentchen Glauben mehr aus der eigenen Seele heraus zu quetschen. Ich hoffe, das ist klar geworden – es geht nicht um Leistung. Auch nicht, um damit Gott zu beeindrucken. Und schon gar nicht darum, Gott zu etwas zu zwingen (als ob man Gott zu etwas zwingen könnte!)

Sondern es geht darum, Gott nahe zu sein. IHM zu begegnen. In Seiner Herrlichkeit, Gnade, Barmherzigkeit, Geduld, Güte, Treue, Weisheit, ... Im Anblick Seines Kreuzes das Vertrauen (zurück) zu gewinnen. Dass ER gut ist! Um IHM die eigenen Sorgen und Nöte in seine guten Hände zu übergeben. Um auf das vorbereitet zu werden, was GOTT tun will.

Matthäus 7,7-8 steht „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Und Habakus 2,3 steht „Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiß kommen und nicht ausbleiben.“

Der 4. und für heute letzte Schlüssel liegt in der Seelsorge

Es gibt Dinge, Überzeugungen in uns, die sind zerbrochen, weil Schlimmes passiert ist. Diese Dinge in unserer Seele brauchen Gottes Heilung. Das ist manchmal nicht mehr alleine möglich. Dann brauchen wir Seelsorge. Wir brauchen es, im Gespräch miteinander und mit Gott die Dinge auszusprechen, die uns geprägt haben; die etwas in uns zerbrochen haben. Wir brauchen Gebet und Gottes Hilfe. Wir brauchen eine Neuprägung. Dazu ist das seelsorgerliche Gespräch da.


Balsam für Dein Herz 

Zum Schluss möchte ich uns 4 hilfreiche Gedanken mit auf den Weg geben:

  • Gnade: 
    • Sei getrost: Gott hört dein Gebet!
    • Jesaja 42,3 steht: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.“

  • Glaube: 
    • Halte fest an Gottes Wort 
    • Vertraue auf Gottes Verheißungen für Deine Situation!
    • Denke daran: Hebräer 6,18: „es ist unmöglich, dass Gott lügt“

  • Gebet: 
    • Gehe ins Gebet (nicht nur heute, nicht nur kurz, sondern wirklich intensiv!)   begegne wirklich Gott: sprich mit Ihm offen über Deinen Zweifel und bitte Ihn um Gnade und Hilfe: darum, Dir die Ursachen zu offenbaren und Dich innerlich von dem zu heilen, was Dich zweifeln lässt. Werde ehrlich – stelle Dich ganz in das Licht Seiner Wahrheit – : Wo genau, angesichts welcher Situationen, in welcher Hinsicht, läuft Dein Glaube auf Grundeis? Woran (ver-)zweifelst Du?

  • Seelsorge:
    • Schütte Dein Herz einem erfahrenen Seelsorger aus. 

Samstag, 22. November 2014

Hat Gott sein Volk verstoßen? (Ps 44:1-27)

Text

1
"Eine Unterweisung der Söhne Korach, vorzusingen." 2 Gott, wir haben mit unsern Ohren gehört, / unsre Väter haben's uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten, in alten Tagen. 3 Du hast mit deiner Hand die Heiden vertrieben, sie aber hast du eingesetzt; du hast die Völker zerschlagen, sie aber hast du ausgebreitet. 4 Denn sie haben das Land nicht eingenommen durch ihr Schwert, und ihr Arm half ihnen nicht, sondern deine Rechte, dein Arm und das Licht deines Angesichts; denn du hattest Wohlgefallen an ihnen. 5 Du bist es, mein König und mein Gott, der du Jakob Hilfe verheißest. 6 Durch dich wollen wir unsre Feinde zu Boden stoßen, in deinem Namen niedertreten, die sich gegen uns erheben. 7 Denn ich verlasse mich nicht auf meinen Bogen, und mein Schwert kann mir nicht helfen; 8 sondern du hilfst uns von unsern Feinden und machst zuschanden, die uns hassen. 9 Täglich rühmen wir uns Gottes und preisen deinen Namen ewiglich. "SELA". 10 Warum verstößest du uns denn nun / und lässest uns zuschanden werden und ziehst nicht aus mit unserm Heer? 11 Du lässest uns fliehen vor unserm Feind, dass uns berauben, die uns hassen. 12 Du gibst uns dahin wie Schlachtschafe und zerstreust uns unter die Heiden. 13 Du verkaufst dein Volk um ein Nichts und hast mit ihrem Kaufgeld nichts gewonnen. 14 Du machst uns zur Schmach bei unsern Nachbarn, zu Spott und Hohn bei denen, die um uns her sind. 15 Du machst uns zum Sprichwort unter den Heiden, lässt die Völker das Haupt über uns schütteln. 16 Täglich ist meine Schmach mir vor Augen, und mein Antlitz ist voller Scham, 17 weil ich sie höhnen und lästern höre und muss die Feinde und Rachgierigen sehen. 18 Dies alles ist über uns gekommen; und wir haben doch dich nicht vergessen, an deinem Bund nicht untreu gehandelt. 19 Unser Herz ist nicht abgefallen noch unser Schritt gewichen von deinem Weg, 20 dass du uns so zerschlägst am Ort der Schakale und bedeckst uns mit Finsternis. 21 Wenn wir den Namen unsres Gottes vergessen hätten und unsre Hände aufgehoben zum fremden Gott: 22 würde das Gott nicht erforschen? Er kennt ja unsres Herzens Grund. 23 Doch um deinetwillen werden wir täglich getötet und sind geachtet wie Schlachtschafe. 24 Wache auf, Herr! Warum schläfst du? Werde wach und verstoß uns nicht für immer! 25 Warum verbirgst du dein Antlitz, vergissest unser Elend und unsre Drangsal? 26 Denn unsre Seele ist gebeugt zum Staube, unser Leib liegt am Boden. 27 Mache dich auf, hilf uns und erlöse uns um deiner Güte willen!


Kommentar

Zusammenfassung

Gottes Gnade, nicht eigene Kraft waren der Grund früherer Siege, so lehrt dieser Weisheitspsalm das Volk Gottes anhand der Überlieferung von der Landnahme - und das aus gutem Grund: Wegen seines Glaubens verfolgt, erleidet das Volk Gottes Niederlagen, Spott und Hohn in solchem Ausmaß, dass es scheint, Gott habe sie vergessen. So lenkt denn der Psalm, in der Bitte um Erlösung des Volkes, dessen Besinnung auf das verlässlichste Gut: die Gnade und Barmherzigkeit Gottes: sein gütiges Wohlgefallen.


Struktur

1 Der von den Korahleviten verfasste Psalm dient der Unterweisung der Gemeinde

2-4
Zu Beginn preist der Psalmisst Gottes Taten bei der Landnahme unter Josua

4-9 Die Gnade ihres lobenswerten Gottes, nicht eigene Kraft, war und ist ihre Hilfe

10-13 Klage über scheinbare Gottesferne: Niederlage, Plünderung und Vetreibung

14-17
Schmach & Schande, Spott & Hohn der heidnischen Nachbarn sind die Folge

18-20 Vernichtung und Verzweiflung machen keinen Sinn: Das Volk war nicht gottlos

21-23
Gott ist Zeuge: sein Volk ist treu und wird nur um des Glaubens willen verfolgt

24-27 Eindringlichstes Gebet: Gott möge 'erwachen' und sie aus Gnaden erlösen


Inhalt

1 Dieses Psalmlied soll der Gemeinde Gottes als Gesang zur Unterweisung vorgetragen werden. Die als Komponisten und Dichter genannten "Söhne Korach" sind dabei nicht die leiblichen Söhne Korachs, welcher durch ein Gottesurteil das Leben verlor (vgl. 4. Mose 16:32). Es sind die Korahleviten, deren Amtsnachfolger.

2-4 Der vorliegende Psalm spricht zu Beginn von Gottes Großtaten aus längst vergangener Zeit (*), die in Form von Erzählungen von den Vätern an die Söhne und von diesen an wieder deren Söhne überliefert wurde und welche von Gottes mächtigem Handeln während des Einzugs des Volkes Israel ins gelobte Land berichtet: von der Zerschlagung und Vertreibung der heidnischen Völker und der Einsetzung Israels, wie wie im Buch Josua beschrieben sind.

4-9 Dabei weist dieser zur Erlangung von Weisheit gedichtete Psalm gleich zu Beginn auf den Schlüssel zur Wahrheit hin: Nicht durch eigene Waffengewalt oder menschliche Stärke wurden die Schlachten vor Alters her gewonnen, sondern durch Gottes Stärke und vor allem aufgrund Seiner Gnade. Sein gnädiges Wohlgefallen und seine Barmherzigkeit waren es, Seine Allmacht und die strahlende Herrlichkeit  Seines Angesichts (vgl. Mt 17:2, Offb 1:16), welche die Landnahme begründeten.

Ganz persönlich bekennt es der Psalmist - und mit ihm die singende Gemeinde - Wer Der ist, von Dem sie sich Beistand versprechen: Es ist ER, der Allmächtige, der ewige König (1Tim 1:17). Doch trotz Seiner Allmacht und Königsherrschaft ist Er nicht ein fremder Gott oder ein ferner König. Dem Psalmisten ist Er vertraut; Er ist ihm lieb und teuer. Er nennt ihn "Du", "*mein* König" und "*mein* Gott".

Mit Ihm und durch Ihn will er, gemeinsam mit Gottes Volk, diejenigen stürzen, die ihnen feindlich gesinnt sind. In Seinem Auftrag will er diejenigen unterwerfen, die gegen ihn und sein Volk in den Kampf ziehen. Und - wie seine Vorfahren - will er sich nicht auf seine eigene Waffengewalt verlassen, sondern in dem Wissen und Bewusstsein kämpfen, dass es ER ist, der herrliche und allmächtige und gnädige Gott, der für sie eintritt und ihren Feinden wehrt und diejenigen vernichtet, die ihn und Sein Volk hassen.

Diese unverdiente Liebe und freundliche Gnade, diese barmherzige Hilfe und treue Fürsorge Gottes drängen die Seele des Psalmisten und der singenden Gemeinde zum täglichen Lob ihres Gottes und dazu, Seinen herrlichen Namen in alle Ewigkeit zu preisen.

10-13
Mit dem Schwenk der Blickrichtung, weg von der glorreichen Vergangenheit hin zur leidvollen Gegenwart, ändert sich die Färbung der Worte unseres Psalms. Aus anbetendem Dank und herzlichem Lob werden fragende Klagen und schmerzvolle Feststellungen:

Die Truppen Israels unterliegen im Gefecht und werden besiegt und es sieht so aus, als seien sie von Gott verlassen. Sie werden in die Flucht geschlagen und der Feind, voller Hass gegen Gottes Volk, plündert und raubt den Besitz der Israeliten. Diese leidvolle Erfahrung lässt den Psalmisten mit dem Eindruck zurück, Gott habe ihn und sein Volk verstoßen (was doch nicht sein kann, siehe 1Mo 17:7, Ri 2:1, 1Chr 16:17, Ps 105:8ff, Ps 111:5.9, Jes 55:3, Mt 28:20, Rö 8:35-39, etc.).

Angesichts des Leidens stellt der Psalmist, wie schon Hiob vor ihm (Hi 3:11ff) und die Jünger nach ihm (Joh 9:1ff), die Frage nach dem 'Warum?': Aus der menschlichen Perspektive, aus unserer so begrenzten und oft selbstsüchtigen Sicht scheint es so sinnlos zu sein, was ihnen widerfährt: Das Volk Gottes wird abgeschlachtet wie Schafe und unter die Heiden zerstreut. Was ist der Sinn, was ist das Ziel dieses Leidens? Was hat, so fragt der Psalmist, Gott damit gewonnen? Nichts, so scheint es; als hätte Er sein Volk in die Sklaverei verkauft, ohne dass Er zumindest einen Kaufpreis dafür zurück erhalten hätte.

14-17 Doch nicht nur das äußere Leid setzt dem Psalmisten zu, auch dessen Folgen betrüben das Innere seiner Seele: aufgrund der Schande seiner Niederlage ist das Volk Gottes nun auch der Verachtung, dem Hohn und dem Spott seiner heidnischen Nachbarländer ausgeliefert, die dessen Niederlage mit abfälligem Kopfschütteln und beschämenden Spottversen quittieren.

Jeden Tag aufs Neue steht dem Psalmisten sein erniedrigtes Ansehen vor Augen; jeden Tag aufs Neue treibt ihm die Niederlage die Schamesröte ins Gesicht. Denn jeden Tag aufs Neue muss er den Hohn und die Lästerungen seiner Feinde ertragen; den Anblick derer, die allein Vergeltung im Sinn haben.

18-20 Und wieder setzt das Unverständnis ein, ist doch kein Sinn-Zusammenhang zwischen dem erfahrenen Leid und eigener Schuld zu erkennen: was über das Volk hereingebrochen ist, das weiß der Psalmist, hat ganz gewiss keinen Grund in einer etwaigen Gottlosigkeit des Volkes Israel selbst. Sie haben Gott noch stets in ihren Gedanken und haben Ihn, der in Abraham den Bund mit Ihnen schloss (1Mo 15:18), nicht verlassen. Noch immer sind sie mit ihren Herzen bei Ihm und tun nach Seinen Geboten. Und dennoch werden sie in unwirtlicher Wildnis vernichtend zerdroschen und erleiden schmerzvoll, dass Hoffnungslosigkeit sich - wie ein dunkler, schwerer Vorhang - über sie senkt.

21-23 So gewiss ist sich der Psalmist über die Schuldlosigkeit seines Volkes, dass er Gott selbst zu seinem Zeugen beruft: Hätte Er, der Allwissende (Ps 139:1-3), der unsere Gedanken von ferne und unsere Herzen kennt (1Kö 8:39, Lk 16:15b, Apg 1:24 und 15:8), nicht bemerkt, wenn sein Volk Ihm den Rücken gekehrt und fremde Götzen angebetet hätte? Das kann der Grund nicht sein. Und so bleibt nur noch die eine Alternative: um ihres Gottes willen werden sie täglich zu Tode gebracht und um ihres Glaubens willen, sieht man sie an, wie Schlachtvieh.

24-27 Und so ruft der Psalmist samt der ganzen Gemeinde laut zu Gott, der doch nicht schläft noch schlummert (Ps 121:4), so eindringlich, als schliefe Er doch: Der Herr der Heerscharen möge von Seinem Schlaf erwachen. Verwundert, ja fast trotzig wie ein Kind rütteln sie ihn wach mit der Frage nach dem 'warum': Wie kann Er schlafen und Seinem Volk Seine tröstende Gegenwart entziehen? Wie kann Er, der doch nie etwas vergisst (Ps 33:11) so viel Bedrängnis und Not Seiner Kinder vergessen?

Und so dringen sie weiter in Ihn: Er möge doch erwachen und ihrer Verlassenheit ein Ende bereiten, denn sie sind seelisch und körperlich völlig am Ende. Er möge sich selbst anschicken und Seinem Volk zur Hilfe kommen und es freikaufen. Und für die Erhörung dieser Bitte, das weiß der Psalmist aus der Überlieferungen seiner Ahnen, gibt es auf der ganzen Welt nur einem Grund: nicht eigene Kraft oder Gerechtigkeit, sondern allein das gnädige Wohlgefallen Gottes - seine barmherzige Güte.


Fragen zur praktischen Anwendung


1. Für welche herrliche, barmherzige Hilfe Gottes kannst Du Ihm von Herzen danken?

2. In welcher Situtation wünscht Du Dir Gottes allmächtigen und gnädigen Beistand?

3. Welche Not möchtest Du Deinem Dich liebenden Gott im Gebet herausschreien?

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* Die Datierung einzelner Psalmen ist schwierig, da der gesamte Psalter in einer Zeitspanne von fast 1.000 Jahren entstand. Die ältesten Psalmen gehen dabei auf Mose (1525 - 1405 v. Chr.) zurück. Jüngere, wie z.B. Ps. 137, reichen bis zur babylonischen Gefangenschaft (597 - 538 v. Chr.).

Mittwoch, 1. Mai 2013

Was tun, wenn uns der Zweifel überfällt...

Grundproblematik
 
Wenn auch nicht täglich, so haben wir doch alle immer wieder einmal mit Zweifeln zu kämpfen, der "Krankheit des Glaubens". Dabei hat der Zweifel in der Regel immer den gleichen Grundinhalt: 

Bezweifelt wird zumeist:
    Die Existenz Gottes (Atheismus, Nihilismus)
      • "Gott ist tot!" (Nietzsche)
      • "Wo ist nun Dein Gott?" (Ps 42:4) 
    Dieser Zweifel fragt sich angesichts des Leidens in der Welt und des eigenen Leidens, ob es überhaupt einen Gott gibt. Dass also das Leiden der Welt und das eigene Leid offensichtlich fortbestehen, gibt Anlass zur Frage, wo denn nun bitteschön Gott in all diesem Leid sei und ob aus dem Nichterkennbarkeit Seines Eingreifens nicht auch das Nichtvorhandensein seiner Existenz gefolgert werden müsse.
    Dieser Zweifel fragt also nach der Existenz und der Möglichkeit der Erkenntnis Gottes.
    Der gute Charakter Gottes (Theodizeefrage)
      • und Seiner Gebote: "Ja, sollte Gott [wirklich] gesagt haben?" (1Mo 3:1) und zwar
      • angesichts persönlichen Leidens und Not: "Als es mir wehe tat im Herzen..." (Ps 73:21f) 
    Dieser Zweifel setzt die Existenz Gottes zwar prinzipiell voraus, fragt sich jedoch angesichts des entweder einschränkenden oder fordernden Charakters von Gottes Geboten, ob Gott dem Menschen etwas vorenthalten wolle, oder ob er wirklich gute Absichten mit diesen Geboten verfolge. Auch die Frage nach dem Leiden der Welt und nach dem eigenen Leid wird hier nicht mit der Frage nach der Existenz Gottes beantwortet, sondern mit der Frage nach Seiner Gutheit.
    Diesem Zweifel geht es um die Frage nach der Ethik und charakterlichen Integrität Gottes.
    Die Glaubwürdigkeit Seines Wortes (Bibelkritik)
    Dieser Zweifel zielt auf die Verlässlichkeit der Schrift und des darin vermittelten biblischen Gottesbildes, in dem er danach fragt, ob die Schrift wirklich von Gott eingegeben sei, ob sie korrekt überliefert oder von Menschen verfälscht oder sonstwie in ihrer Glaubwürdigkeit beschädigt worden sei.
    Es geht diesem Zweifel also um die Frage der Authentizität und der Qualität der Schrift.

    Antwortmöglichkeiten

    Auf jede dieser Formen des Zweifels können eine Vielzahl theoretischer Antworten gegeben werden, die dann nach Belieben analysiert, angegriffen, verteidigt und sonstwie diskutiert werden können, wie z.B. ...
    Existenz Gottes
    ...die Beantwortung der Frage nach der Existenz und der Möglichkeit der Erkenntnis Gottes mittels eines sogenannten 'Gottesbeweises' (z.B. dem ontologischen Beweis nach Anselm von Canterbury, dem kosmologischen Beweis nach Thomas von Aquin oder als moralische Notwendigkeit nach Immanuel Kant; letzterer übrigens ohne Möglichkeit der Erkenntnis des Transzendenten aus dem Immanenten heraus).
    Charakter Gottes
    ...die Beantwortung der Frage nach der Ethik und charakterlichen Integrität Gottes mittels des Argumentes nach Gottes Funktion im Gericht (Rö 3:6), bzw. in direkter Ableitung aus expliziten Aussagen der Schrift (Ps 33:5, 1Jo 1:5, u.v.a.m).
    Glaubwürdigkeit der Schrift
    ...die Beantwortung der Frage nach der Authentizität und der Qualität der Schrift aus literaturhistorischer Sicht, aus Sicht der Prophetie oder aus Sicht der Archäologie.

    Diese Vielzahl theoretischer Antworten mag zwar zu interessanten und abendfüllenden Gesprächen führen, doch dem Zweifelnden sind diese kein Trost. Dem persönlich Betroffenen stellt sich ja vielmehr die Frage: "Wie gehe ich mit dem Zweifel um?" Oder besser: "Wie werde ich den Zweifel los?" Die Antwort auf diese Fragen sind also mehr auf der Handlungsebene angesiedelt, als auf der intellektuellen Ebene, ohne jedoch die intellektuelle Ebene auszugrenzen. Daher möchte ich im folgenden von meinem ganz persönlichen Umgang mit dem Zweifel berichten - in der Hoffnung, dass es dem einen, oder anderen eine Hilfe sein mag.


    Theorie für die Praxis

    Zu Beginn ist mir dabei wichtig festzustellen, dass die oben genannten Antwortmöglichkeiten eine innere 'Reihenfolge' oder 'Ordnung' haben, denn: Sind die Authentizität und Qualität der Heiligen Schrift erst einmal geklärt, dann klären sich mit ihnen auch die Fragen nach der Existenz, sowie nach der ethischen Integrität des Charakters Gottes, denn zu diesen Fragen bezieht die Heilige Schrift klar Stellung.

    Mir waren dabei in der Praxis folgende Überlegungen eine Hilfe:
    Argumente für die Glaubwürdigkeit der Schrift
    Neben den in früheren Artikeln gegebenen Argumenten für die Glaubwürdigkeit der Schrift aus literaturhistorischer Sicht, aus Sicht der Prophetie oder aus Sicht der Archäologie war es mir immer ein Trost, zu wissen, dass fast alle Apostel und einige Kirchenväter als Märtyrer ihr Leben für ihren Glauben an die Wahrheit des Evangeliums ließen.
    Ich fragte mich: "Wer würde angesichts des Todes an einer Lüge festhalten?" Die regelmäßig danach auftauchende Frage nach der moralischen Integrität der Apostel ist aus der Schrift sehr einfach zu beantworten: Jeder, der die biblischen Zeugnisse aufmerksam liest, kann nicht umhin, die Aufrichtigkeit, ja teilweise Einfalt der Berichte zu bemerken. Wenn also der Apostel Johannes schreibt:
    "Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unsern Augen, was wir betrachtet haben und unsre Hände betastet haben, vom Wort des Lebens - und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist -,was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei." (1Jo 1:1-4)
    dann kann ich ihm gerade aufgrund seiner Einfalt glauben schenken, dass was er da berichtet tatsächlich sein ganz persönlicher Augenzeugenbericht ist. Darauf folgende, etwaig noch rührige Zweifel an der korrekten Überlieferung der Schrift wurden mit den Jahren und mit fortschreitendem Studium der Schrift (Joh 5:39, Apg 17:11) und der Literaturhistorie ebenfalls immer seltener. Vielmehr kann ich nach über 25 Jahren Prüfung bestätigen: "Alle Schrift [ist] von Gott eingegeben" (2Tim 3:16).
    Existenz und Erkenntnis Gottes
    In der Praxis bewährt hat sich für mich der kosmologischen Beweis des Thomas von Aquin, genauer: der Kausalitätsbeweis in folgender Abwandlung: "Das Universum existiert seit dem Urknall. Mit dem Urknall entstanden Zeit und Raum. Als Auslöser für die unvorstellbaren Energien des Urknalls kommt nur eine Ursache in Frage, die 'allmächtig', 'überzeitlich' und 'überräumlich' ist: Gott."
    Damit ist für mich nicht nur die Frage nach der Existenz Gottes beantwortet, sondern mit Römer 1:20 auch die Frage nach Erkenntnis Gottes: "Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken, wenn man sie wahrnimmt..."
    Charakter Gottes
    An dieser Stelle, das sei hier eingestanden, kämpfe ich am stärksten, härtesten und schon am längsten. Allein aus diesem Grunde habe ich vor etlicher Zeit eine systematische Theologie basierend auf der Analyse der Psalmen und des Matthäus-Evangeliums begonnen, deren exegetische 'Nebenprodukte' regelmäßig in diesem Blog erscheinen.
    Doch trotz allem Studium kämpfe ich noch immer mit der Spannung die sich aus dem Leid in meinem Leben und dem Leben meiner Nächsten, dem scheinbaren und teilweise realen Schweigen Gottes und Seinem in der Schrift offenbarten Charakter ergibt.
    Die Gedanken, die mich in solchen Spannungen bis zu einem gewissen Punkt getragen haben, sind diesen Versen entnommen: "Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR,sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken." (Jes 55:8f). Und: "Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet." (Jer 29:11).
    Kurz: Ich armes, begrenztes und fehlerhaftes Menschlein kann in keinster Weise auch nur im Ansatz ermessen, was Er, der unendlich Weise und Allwissende plant. Mein Verstand ist zu klein um zu verstehen, was Gott mit all dem 'Durcheinander' in meinem Leben vorhat. Oder mit den Worten des Predigers Salomo: "Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende." (Pred 3:11)
    So bleibt mir oft nur, die Spannung des Leidens, des Glaubens und noch nicht Schauens, auszuhalten. Doch das gelingt im Hinblick auf die Frage nach dem guten Charakter Gottes oftmals nur noch durch das Studium der Psalmen und wenn es ganz hart auf hart kommt:
    Im Anblick meines Heilandes am Kreuz.
    Nur dort wird sichtbar, dass Gott gut sein muss: Er richtet die Sünde (Er ist also gerecht) und Er trägt meine Sünde (und beweist damit de facto, dass Er barmherzig ist). Manchmal früher, manchmal später kann ich -so aufs Kreuz blickend- dann mit Paulus ausrufen: "was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und [hat] sich selbst für mich dahingegeben." (Gal 2:20)
    In dieser Spannung, innerlich leidend und um Gottes Existenz und Seine Gutheit wissend, bleibt mir nichts anderes, als zu warten, dass Gott seine Verheißungen wahr macht, wie Er es im Propheten Habakuk bezeugt: "Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben" (Hab 2:3).
    Beim diesem Warten helfen dann auch Paulus' Aussagen aus dem Römerbrief: "Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung; denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld. Desgleichen hilft auch der Geist unsrer Schwachheit auf. Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt; sondern der Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Der aber die Herzen erforscht, der weiß, worauf der Sinn des Geistes gerichtet ist; denn er vertritt die Heiligen, wie es Gott gefällt. Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind. Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er aber berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. Was wollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben - wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der gerecht macht. Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt. Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht (Psalm 44,23): »Um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.« Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. " (Rö 8:24ff).

    Weiterführende Gedanken

    Mir ist bewußt, dass ich das Problem des Zweifels und des Leidens und die Antworten darauf nur im Groben anreißen konnte. Daher möchte ich an dieser Stelle noch drei Bücher empfehlen, von denen zwei mir bereits sehr gute Dienste geleistet haben und deren Drittes ich leider noch nicht kenne (jedoch den empfehlenswerten Autor):
    Ich möchte dieses Posting abschließen mit den Versen aus zwei Liedern, die mein Vater auf seiner Beerdigung singen ließ; eines davon war schon seit Jahren zuvor eines meiner liebsten Kirchenlieder: 
    So nimm denn meine Hände
    1. So nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich. Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt: wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

    2. In dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz und mach es gänzlich stille in Freud und Schmerz. Lass ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind.

    3. Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht, du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht: so nimm denn meine Hände und führe mich bis an mein selig Ende und ewiglich!
    Befiehl Du Deine Wege
    1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
    2. Dem Herren musst du trauen, wenn dir's soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen: es muss erbeten sein.
    3. Dein ewge Treu und Gnade, o Vater, weiß und sieht, was gut sei oder schade dem sterblichen Geblüt; und was du dann erlesen, das treibst du, starker Held, und bringst zum Stand und Wesen, was deinem Rat gefällt.

    4. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir's nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht. Dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.

    [Predigt als MP3]