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Dienstag, 7. Juli 2026

Johannes Evangelium 8:12-20

 


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Licht der Welt

Jesus erklärte denen, die um ihn herum standen, dass er „das Licht der Welt“ sei; derjenige, der das Dunkel einer rein materiellen Weltsicht erhellt. Wer in seine Fußstapfen tritt, für den liegt die himmlische Wirklichkeit nicht länger im Dunkeln, sondern er hat in Jesus sowohl das Licht der Erkenntnis – von Gott im Himmel und sich selbst; von der Notwendigkeit, gerettet zu werden und von Gottes Liebe und Gnade –, als auch, in der Verbindung mit Jesus, das ewige Leben.

Sofort versuchten die Pharisäer, das, was Jesus gesagt hatte, zu entkräften. Ihre Logik: behaupten kann einer ja viel – aber deshalb muss man ihm ja nicht gleich alles glauben. Wenn es wirklich wahr wäre, was er behaupte, wo seien dann seine Zeugen? Wo seien andere, die bestätigen könnten, dass er die Wahrheit sagt?

Was Jesus darauf antwortet, zielt direkt auf ihre Weltsicht ab: Sie haben im Gegensatz zu ihm keinen blassen Schimmer davon, dass er von Gott aus dem Himmel gekommen ist und auch wieder dahin zurückkehren wird: sie wollen ihn, den Mensch gewordenen Gott, verurteilen – und das auch noch mit menschlichen Maßstäben. Jesus aber verurteilt niemanden.

Wenn er sich aber ein Urteil bildet, dann nur auf dem festen Fundament der Wahrheit – also ein gültiges Urteil. Und außerdem ist er mit dem, was er sagt, auch nicht alleine: Gott der Vater, sein Vater, der ihn zu uns auf die Erde geschickt hat, sieht die Dinge genauso wie er.

Und dann hält Jesus den Pharisäern das Gesetz des Moses vor, auf das sie so pochen: dort steht nämlich, dass eine übereinstimmende Aussage dann gültig ist, wenn es mindestens zwei Zeugen gibt. Und wenn man seine Aussage und die seines Vaters im Himmel nimmt, der ihn geschickt hat, – der ihn nicht nur bei seiner Taufe, sondern auch durch seine Wunder ständig als Gottes Sohn bestätigt –, dann hat man genau die zwei Zeugen, die es braucht.

Aber die Pharisäer dachten noch immer nur in irdischen Dimensionen. Sie fragen ihn spöttisch, – schließlich war sein weltlicher Vater Josef nicht anwesend, – wo denn bitteschön sein Vater sei? Jesus aber, weil er nicht nur die irdische, sondern die volle Realität im Blick hat, antwortet Ihnen, wie es in Wirklichkeit aussieht: Sie haben keine Ahnung, wer sein Vater ist. Nur wenn sie ihn, Jesus, wirklich kennen würden, und zwar als den, der er ist, würden sie auch seinen Vater kennen.

Dieser ganze Dialog fand im Tempel statt, und zwar in der Halle, wo die Spendenkästen aufgestellt waren. Und niemand  konnte ihn verhaften. Denn der von Gott 
dafür vorgesehene Zeitpunkt war noch nicht gekommen. (siehe Joh 8:12-20) 


O-Ton: Jesus sprach weiter zu den Leuten: »Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir folgt, tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern hat das Licht und mit ihm das Leben.«

Die Pharisäer sagten zu ihm: »Jetzt trittst du als Zeuge in eigener Sache auf. Was du sagst, hat keine Beweiskraft!« 

»Was ich sage, ist wahr«, entgegnete Jesus, »selbst wenn ich mein eigener Zeuge bin. Ich weiß nämlich, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe. Ihr urteilt und verurteilt nach menschlichen Maßstäben; ich verurteile niemand.

Wenn ich aber ein Urteil fälle, dann ist es auf die Wahrheit gegründet und gültig; denn ich stehe damit nicht allein da. Es ist mein Urteil und das meines Vaters, der mich gesandt hat.

In eurem Gesetz heißt es, dass die übereinstimmende Aussage von zwei Zeugen gültig ist. Ich bin mein eigener Zeuge, und auch der Vater, der mich gesandt hat, tritt für mich als Zeuge auf.«
»Wo ist denn dein Vater?«, fragten sie ihn. Jesus antwortete: »Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich kennen würdet, würdet ihr auch meinen Vater kennen.«

Das alles sagte Jesus, als er im Tempel lehrte. Es geschah in der Halle, wo die Kästen für die Geldspenden aufgestellt waren. Und keiner konnte ihn festnehmen; denn seine Stunde war noch nicht gekommen. (Joh 8:12-20)

Sonntag, 31. Mai 2026

In Anfechtung! Was tun? – Wie wir trotz Gegenwind erfrischt werden können (Psalm 57 + Matthäus 11,28-30)

 


Zusammenfassung

In dieser Predigt wirst Du mitgenommen in eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem, was die Bibel „Anfechtung" nennt – jene Zeiten, in denen wir uns verklagt, bedroht und innerlich ausgehöhlt fühlen. Anhand von Psalm 57 und Matthäus 11,28–30 wird entfaltet, wie der Feind gezielt vorgeht, um uns in Erschöpfung und Verzweiflung zu treiben – und was die entscheidende Gegenbewegung ist: der Wechsel der Blickrichtung. Nicht mehr auf die eigene Schuld, die eigene Schwäche oder die dunklen Umstände zu schauen, sondern auf Christus, seine Gnade und seinen Charakter. Mit einem Wort Martin Luthers, und einem Vergleich aus der Physik mündet die Predigt in eine kraftvolle Ermutigung zur Einheit mit Gottes Willen und dem Einladungsruf Jesu an alle Erschöpften: Wir dürfen kommen, so wie wir sind – und finden Ruhe für unsere Seelen.

[Predigt als MP3]


Übersicht

Dieses ganze Thema aufzudröseln – das erste ist die Situation. Wie ist das eigentlich? Was ist Anfechtung? Wie fühlt sich das an? Verklagt sein, auf der Flucht sein, mit einem Herzen, das nach Hoffnung schreit, das Sehnsucht hat nach Gottes Schalom. Dann unser Gebet – und zwar auf Basis dessen, wer Gott ist und wie er ist, auf Basis seines Charakters, und was wir ihm bitten. Dann die Strategie des Feindes auch noch mal aufzudecken: Wie geht der eigentlich vor? Wie genau stellt er uns das Bein, damit wir das vielleicht beim nächsten Mal besser erkennen? Und dann die beiden zentralen Punkte: einmal die Wendung, nämlich etwas über den Wechsel unserer Blickrichtung. Und dazu dann auch noch ein paar Gedanken vom guten alten Martin Luther – also das ist auch einer von denen, wo ich mich schon darauf freue, den im Himmel mal zu sehen. Dem habe ich das eine oder andere zu sagen. Unter anderem, dass ich ihm dankbar bin für viele kernige Dinge, die er gesagt hat. Und last but not least das Eigentliche: der Blick auf Christus, wozu er uns einlädt, was er für uns tun will und was er uns rät. Und ganz zum Schluss möchte ich dann direkt in den Lobpreis überleiten. Das heißt, wenn ihr das Gefühl habt, so langsam aber sicher kommt der Michi jetzt wahrscheinlich zum Ende – Jochen, dann könnt ihr vielleicht schon mal vorgehen. Weil das wäre schön, wenn das so ein nahtloser Übergang werden könnte, denn die Lieder bringen, denke ich, ganz wunderbar zum Ausdruck, was Inhalt der Predigt ist.


Textlesungen

Psalm 57,1

Ein Güldenes Kleinod Davids, vorzusingen nach der Weise: Vertilge nicht. Als er vor Saul in die Höhle floh. „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig. Denn auf dich traut meine Seele. Und unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe. Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt. Er sende vom Himmel und helfe mir von der Schmähung dessen, der mir nachstellt. Sela. Gott sende seine Güte und Treue. Ich liege mitten unter Löwen. Verzehrende Flammen sind die Menschen. Ihre Zähne sind Spieße und Pfeile und ihre Zungen scharfe Schwerter. Erhebe dich, Gott, über den Himmel, und deine Herrlichkeit über alle Welt. Sie haben meinen Schritten ein Netz gestellt und meine Seele gebeugt. Sie haben vor mir eine Grube gegraben und fallen doch selbst hinein. Sela. Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, dass ich singe und lobe. Wach auf, meine Seele! Wach auf, Psalter und Harfe! Ich will das Morgenrot wecken. Herr, ich will dir danken unter den Völkern. Ich will dir lobsingen unter den Leuten, denn deine Güte reicht, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Erhebe dich, Gott, über den Himmel und deine Herrlichkeit über alle Welt." 


Matthäus 11,28–30

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht." Danke, Felix.


Die Situation

Verklagt

Anhand der Verse, die wir gerade gehört haben aus Psalm 57 und auch aus dem Matthäusevangelium, möchte ich mit euch jetzt durchgehen durch diese Punkte: wie sich das anfühlt, wenn man angefochten ist, und wie gesagt, was wir tun können. 

Ich finde es schon ganz interessant, wie der Psalm überhaupt anfängt. Da steht ja ganz am Anfang: „Nach der Weise: Vertilge nicht." Und ich weiß nicht, wie es euch geht – mir geht es in Zeiten der Anfechtung oft so, dass man dieses Gefühl hat, man wird vertilgt, man wird aufgefressen, man wird – ja, weiß ich nicht – weggehext. Es gibt Zeiten in unserem Leben, da verklagt uns der Feind so sehr, und zwar ganz egal, ob wir gesündigt haben oder nicht, dass wir uns fürchten, Gott könnte zulassen, dass er uns verschlingt. Er heißt ja nicht umsonst der Verkläger der Brüder. Und es heißt auch nicht zuletzt deswegen in 1. Petrus 5, Vers 8: „Seid nüchtern und wacht, denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge." Der Feind droht uns. Er macht uns Angst – entweder indem er uns unsere Schuld vorhält oder unsere Schwachheit. 

Auf der Flucht

David war damals auf der Flucht vor Saul, der geistig – würde ich jetzt mal sagen – nicht mehr ganz auf der Höhe war. Das wissen wir alle. Der hat ja David verfolgt, und David hat sich damals in einer Höhle versteckt. Und ich denke, so geht es uns auch, wenn wir angefochten sind: dass wir uns am liebsten verstecken wollen, dass wir uns vor diesem Ansturm der Anklagen, vor dem Ansturm der Drohungen irgendwo bergen wollen, dass wir Schutz suchen. 

Unser Herzensschrei

Und so wie David beten wir dann sicher auch: „Sei mir gnädig, Gott, sei mir gnädig" – weil wir uns nichts anderes wünschen, als dass das endlich aufhört. Wir bitten um Erbarmen. Viele kennen das vielleicht aus den Landeskirchen noch: Kyrie eleison – das ist auf Griechisch nichts anderes als „Herr, erbarme dich." 

Unsere Hoffnung und Sehnsucht

Und letztlich ist das unsere Hoffnung und unsere Sehnsucht, dass wir unter dem Schutz seiner Flügel Zuflucht finden, bis dieser schreckliche, feurige Ansturm der Anklagen des Feindes vorüber ist. Ich muss bei diesem Vers „unter dem Schatten seiner Flügel" immer an die schwerste Zeit in meinem Leben denken. Ich war damals in der Nähe von Frankfurt, drei Monate lang auf Kur. Angstzustände, schwerste Depressionen, Selbstmordgedanken. Und irgendwann in dieser Zeit kommt ein junger Mann – ich glaube, der kam irgendwo aus Hamburg oder aus der Ecke. Der hat sich ans Klavier gesetzt und hat ein selbstkomponiertes Lied gespielt. Und das hieß: „Unter dem Schatten deiner Flügel." Und das ist mir seither ein schönes Bild geworden: unter dem Schatten der Flügel Gottes Zuflucht suchen zu können, bis der feurige Ansturm der Anklagen des Feindes vorüber ist.


Unser Gebet

Gottes Wesen: Allmächtig und Gnädig

Und das wünsche ich uns allen, dass wir in diesen Zeiten uns bei Gott bergen können, Schutz finden, bei ihm geborgen – Geborgenheit. Denn das, was wir suchen in dieser Zeit, ist Frieden, ist Schutz, ist Geborgenheit, ist Heil, Gottes Schalom. Und irgendwie denke ich, wissen wir das auch alle: Der Feind Gottes ist uns zu mächtig, um ihn zu besiegen. Ganz egal, ob er uns verklagt, ob er uns droht oder ob er uns die Zukunft mit dunklen Bildern vor Augen malt – ihn zu besiegen braucht es einen, der mächtiger ist als er, nämlich Gott selbst, den Allerhöchsten. Dazu braucht es einen, der meine Sache zu einem guten Ende führt. Ich denke, das zentrale Element dabei ist Gottes Wesen, sein Charakter – dass er ein Gott ist, der, weil er so ist wie er ist, unsere Sache zum guten Ende führen wird. Egal, was wir verbockt haben. Egal, wie schwach wir sind – oder vielleicht sogar gerade weil er weiß, wie schwach wir sind – trotz aller Widerstände. 

Unsere Bitte

In solchen Zeiten beten wir, dass Gott diese Anklagen wegnimmt, dass er diese Angst wegnimmt, dass er diese Drohungen wegnimmt, dass er uns von diesen verheerenden und niederschmetternden Bildern befreit – Bildern von unserer Schuld, Bildern von unserer Unzulänglichkeit, von unserem Versagen, unserer Schwäche – und dass er uns von unserem angeblich drohenden Schicksal befreit. Wir beten, dass wir, statt auf unsere Schwäche und unsere Schuld starren zu müssen, wieder auf ihn schauen können: auf seine Güte, auf seine Treue, auf seine nie endende Liebe. Und damit müsste das doch eigentlich erledigt sein, oder? 


Die Strategie des Feindes: Versuchung, Anklage & Zermürbung

Versuchung

Ich weiß nicht, wie ihr das erlebt. Aber ich erlebe das oft anders – weil der Feind nicht untätig ist und eine perfide Strategie hat. Am Anfang steht die Versuchung – entweder die Versuchung zur Sünde oder die Versuchung, auf die Umstände zu schauen oder, noch moderner gesagt, auf die Gefühle. Er versucht, uns zur Sünde zu verführen oder dazu, auf die Umstände zu schauen, auf unsere Gefühle – statt auf Gottes Wort, statt auf seine Verheißung. Und genau damit stellt er uns ein Bein, gräbt uns eine Grube, stellt uns eine Falle. Und so fängt das Elend immer an: Der Feind führt uns in Versuchung und wartet nur darauf, dass wir seinen Köder schlucken – dass wir anfangen, unseren Gefühlen mehr zu vertrauen als Gottes Wort, dass wir andere Wege gehen als die, die Gott für uns gewollt hat, dass wir hereinfallen auf seine Täuschung. 

Anklage

Und kaum haben wir angebissen – haben gesündigt oder auf die Umstände geschaut –, geht er schon zu Stufe zwei seiner bösartigen Strategie über. Denn jetzt wird verklagt: „Schau dir an, was du gemacht hast!" Oder es wird gedroht: „Schau dir an, wie deine Zukunft aussehen könnte!" Alles wird dunkel. Es wird Angst gemacht. Und ganz ehrlich, ihr Lieben: In dieser Welt, so wie sie ist – sie ist gefallen, sie ist kaputt –, das habe ich gerade in den letzten Monaten noch tiefer erfahren, auch durch meinen besten Freund, der auf eine schlimme Art krank geworden ist. Wo man einfach merkt: Der Zerbruch dieser Welt geht so tief, dass es Dinge gibt, die vielleicht nicht mehr zu heilen sind.

Und da ist es nicht ohne, wenn der Feind dann kommt und uns die Zukunft düster ausmalt: Was wird werden? Dunkle Bilder, dunkle Gefühle. Oder wir werden verklagt. Und da ist es ganz egal, ob das direkt geschieht, weil der Feind uns böse Gedanken schickt, oder ob er das indirekt macht, indem er böse Menschen gebraucht, die schlecht über uns reden oder schlecht mit uns reden. Was wir dann empfinden, ist genau das, was David in seinem Psalm so beschreibt – nämlich, dass unsere Seele wie von den Zähnen wilder Löwen zerfleischt wird, wie von Spießen und Pfeilen durchbohrt und von scharfen Schwertern durchdrungen. Und nichts wünschen wir uns dann mehr, als dass Gott sich von seinem Thron erhebt und einschreitet – endlich einschreitet –, dass sein Reich komme, so wie im Himmel, so auch auf Erden. Oder dass wir mit David beten: „Erhebe dich, Gott, über den Himmel und deine Herrlichkeit über alle Welt." 

Zermürbung

Aber damit ist der Feind immer noch nicht fertig. Er klagt nicht einmal kurz an und geht dann wieder. Er will uns fertig machen. Er heißt auch nicht umsonst „ein Menschenmörder von Anfang an"! Er will uns zermürben. Er will unsere Seele beugen und uns die letzte Kraft rauben. Er hört einfach nicht von selber auf. Und wenn wir ihn lassen, dann ist das Ergebnis immer das gleiche: dass er unsere Seele niederbeugt, zur Verzweiflung treibt und ihr jede Kraft raubt.


Und dass er uns in eine Traurigkeit stürzt, die kein gutes Ende nehmen will. Alles, was wir dann noch sehen können, ist die Grube, die er uns gegraben hat. Und irgendwann merkst du dann vielleicht, dass du keine Kraft mehr hast, dagegen anzukämpfen. Dann denkst du nicht mehr nach, dann funktionierst du nur noch. Du ziehst dich zurück. Und wenn es ganz schlimm kommt, dann zweifelst du nicht mal mehr an seinen Anklagen, an seinen Drohungen, an seinen dunklen Bildern, sondern fängst innerlich an, ihm zuzustimmen. Ich finde, das ist das Schlimmste. 


Die Wendung

Der Blickwechsel

Doch der Teufel hat die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn am Ende wird er es sein, der in die Grube fällt, die er uns gegraben hat. Doch nicht so schnell. Wie kommt es jetzt zu dieser Wendung? David schreibt in seinem Psalm: „Mein Herz ist bereit, Gott, mein Herz ist bereit, dass ich singe und lobe." Und an dieser Stelle – auch nach 40 Jahren, wenn ich den Psalm lese – muss ich immer wieder anhalten. Weil ich mir denke: Hallo. Wenn es dir wirklich so dreckig geht, David, wie kommst du darauf? Wie kommst du jetzt darauf, dass dein Herz bereit wird, Gott zu loben? Und wenn man genau hinschaut und genau liest, sieht man, was dort im Stillen passiert ist. David hat seinen Fokus geändert. Er schaut nicht mehr auf die Umstände. Er schaut nicht mehr auf seine Gefühle. Er schaut auf Gott, auf sein Wesen, auf seine Macht. Und er wird bereit, Gott zu loben. 

Das heißt, um die Frage zu beantworten, wie unsere Seele dahin kommt, dass sie trotz all der Umstände, trotz der ganzen Anfechtung Gott loben kann: Die Seele muss die Augen öffnen, muss endlich von sich selber wegsehen hin auf den, der allein ihr helfen kann. Muss auf den hören, der allein trösten und heilen kann. Und genau dazu möchte ich dann Matthäus 11,28–30 anschauen – um den Blick wegzukriegen von uns, von den Umständen, hin auf Christus; weg von unserer Misere, hin auf das, was Christus uns zu sagen hat; weg von unseren Gefühlen, hin auf Gottes Wort, auf seine Zusagen, auf seinen Rat, auf sein Wesen, auf seine Person. 

Martin Luther

Ich habe witzigerweise in der Zeit der Predigtvorbereitung letzte Woche – in den täglichen Andachten aus einem Andachtsbuch von Martin Luther etwas gelesen, das er nicht selber geschrieben hat, sondern wo jemand 365 Auslegungen einzelner Verse von Martin Luther zusammengetragen hat – und an dem Tag ging es um 1. Petrus 4, Vers 19. Dort steht: „Welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihre Seelen ihm anbefehlen als dem treuen Schöpfer in guten Werken." Ich lese es noch mal: „Welche da leiden nach Gottes Willen, die sollen ihm ihre Seelen befehlen als dem treuen Schöpfer in guten Werken." Und Martin Luther schreibt in seiner unvergleichlichen Art zu diesem Vers Folgendes: „Das ist der Christen Kunst, daran wir alle zu lernen haben, dass wir aufs Wort sehen und tun weit aus den Augen alle anliegende, beschwerende Not und Leiden. Und es ist des Teufels Art eben, dass er das Wort weit aus den Augen rückt, dass einer nicht mehr sieht als ihn – die Not, die vorhanden ist. Aber das soll nicht sein. Wer sich nach dem Fühlen richtet, der verliert. Nur das Kreuz und Leiden, so sehr du immer kannst, aus dem Herzen und Sinne geschlagen. Sonst, wenn man lange drüber nachdenkt, so wird das Übel ärger." 

Also diese ganz klare Ansage: Wechsele deine Blickrichtung. Schau weg von den Umständen, schau weg von diesen Bildern, von diesen Gedanken, von deinen Gefühlen. Schau hin aufs Wort, schau hin auf das, was Gott dir zu sagen hat, auf das, was er dir verspricht, auf seine Verheißung. Schau hin auf sein Wesen, auf seine Art, auf seinen Plan.


Der Blick auf Christus

Aber das ist leichter gesagt als getan. Denn selbst wenn wir das wissen, dass es darum geht, den Blick wegzurichten von dem Dunklen und hinzurichten auf Gott, kann der Teufel uns so fertig machen, dass wir manchmal meinen, wir dürften Gott gar nicht mehr unter die Augen treten. Und deshalb möchte ich noch einen kleinen Umweg machen, bevor wir uns wirklich Matthäus 11 anschauen. Ich möchte mit uns eine Passage aus dem Hebräerbrief lesen, weil dort etwas ganz Wichtiges steht – nämlich, dass es völlig egal ist, was wir verbockt haben, dass es völlig egal ist, wie schwach wir sind, weil wir immer, immer, immer zu Jesus kommen dürfen. Immer. 

Die Erlaubnis

In Hebräer 4, Verse 14 bis 16 steht – ich habe jetzt mal die Gute Nachricht als Übersetzung genommen –: „Lasst uns also festhalten an der Hoffnung, zu der wir uns bekennen. Wir haben doch einen überragenden obersten Priester, der alle Himmel durchschritten hat und sich schon bei Gott im himmlischen Heiligtum befindet – Jesus, den Sohn Gottes. Dieser oberste Priester ist nicht einer, der kein Mitgefühl für unsere Schwächen haben könnte. Er wurde ja genau wie wir auf die Probe gestellt. Aber er blieb ohne Sünde. Darum wollen wir mit Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. Dort werden wir, wenn wir Hilfe brauchen, stets Liebe und Erbarmen finden." Weil es so wichtig ist, möchte ich diese letzten beiden Sätze noch mal lesen. Darum – weil das so ist, weil Christus genauso gelitten hat wie wir, weil er genau weiß, wie es uns geht, weil er das alles selber gefühlt hat –: „Darum wollen wir mit Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. Dort werden wir, wenn wir Hilfe brauchen, stets Liebe und Erbarmen finden."

Die Einladung

Und genau darum geht es in Matthäus 11,28 und folgende. Was sagt uns Jesus da? Was sagt er zu dir? Er sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid." Was ist das – mühselig sein? Mühselig mit deinen Werken der Buße, der Reue? Ich weiß nicht, kennt ihr das: dass man meint, man müsste sich erst wieder schön machen, damit man Gott vor die Augen treten darf? Diese verzweifelten Versuche, sich selber besser zu machen. Oder wenn man Angst hat: diese verzweifelten Versuche, sich selbst zu helfen. Diese verzweifelten Versuche, Gott gnädig zu stimmen, ihm zu gefallen oder sich selber gut zuzureden. So funktioniert das nicht. Das macht mühselig. Das erschöpft nur die Seele und lässt dich am Ende erschöpft und in Verzweiflung zurück. Beladen – was heißt das? Das heißt, dass wir am Ende des Tages mit all unseren Selbstversuchen immer noch diese Last spüren – entweder von Schuld oder von Angst –, was die Verzweiflung noch viel größer macht. 

Die Erquickung

Aber was sagt Jesus dazu? Er sagt: „Ich – ich will euch erquicken." Genau da will Jesus uns rausholen – mit seinem Rat und mit seiner Hilfe, mit seiner Gnade, mit seiner Vergebung. Er braucht unsere ganzen verzweifelten Anstrengungen, ihm zu gefallen, nicht. Er braucht auch nicht unsere Anstrengungen, die Lage besser zu machen. Er ist längst für dich. Er ist – Römer 5, Vers 8 – für dich gestorben, als du noch Sünder warst. Ich finde es einen der schönsten Verse in der ganzen Schrift: Gott ist für uns ans Kreuz gegangen, als wir ihm nichts zu bringen hatten als Dreck. Was für eine Liebe! Und da glaubst du, wenn du mit deiner Hilflosigkeit oder mit deiner Schuld gefallen bist, dass du nicht mehr kommen darfst? Nein. Er ist für dich gestorben, als du noch Sünder warst. Und er liebt dich heute wie am ersten Tag. Er liebt dich so sehr, dass er bereit war, für dich zu sterben, lange bevor du das erste Mal an Umkehr gedacht hast. Er kennt dich durch und durch. Er kennt deine Stärken, er kennt deine Schwächen. Er hat dich gemacht. Er kennt all deine Ängste. Er kennt all deine Sehnsüchte, all deine Träume. Er ist dein Schöpfer. Er kennt das Drama deines Lebens besser als du selbst, weil er alles sieht. Und alles, was er will, ist: dich erlösen, dich befreien, dich heilen, dir helfen, dich stärken. 

Die Therapie

Und das hier ist seine Therapie: „Nehmt auf euch mein Joch." Das bedeutet: Nimm deinen Platz ein. Stell dich mir zur Verfügung. Nicht mehr, nicht für mich. Gott will nicht, dass wir für ihn ackern. Er möchte, dass wir uns ihm zur Verfügung stellen, damit er an uns, in uns und durch uns wirken kann. Eine Geige spielt sich nicht selbst. Alles, was sie tun muss, ist sich dem Geiger zur Verfügung stellen – der spielt dann die schöne Melodie. „Stell dich mir zur Verfügung. Fang damit an, gemeinsam mit mir, neben mir, in mir mein Reich zu bauen." 

Und „lern von mir", sagt Jesus. Lern von mir. Was heißt das – lernen von mir? Das heißt: Lass dir etwas sagen. Das heißt: Höre auf die Führung meines Geistes. Nimm dir ein Beispiel an meinem Vorbild. Jesus sagt: „Ich bin sanftmütig." Und was das bedeutet – da möchte ich ganz besonders darauf eingehen: „Sanftmütig und von Herzen demütig." Das bedeutet: Ich bin eins mit dem Willen Gottes. Ich folge der Führung seines Geistes. Ich schmiege mich ein. Ich rebelliere nicht gegen den Willen Gottes. Ich ordne mich ihm unter. 

Ihr Lieben, ich denke, das ist der zentrale Punkt: auf ihn schauen, auf ihn hören. Sein Wort wahrnehmen und eins werden – das war Jesu großes Gebet. Johannes 17, das letzte Gebet: dass wir eins werden mit ihm, so wie er mit dem Vater eins ist. Was meint er damit? Ich will jetzt keine Physikvorlesung halten, aber das beste Bild, das ich dafür kenne, ist ein Laser. Ich denke, wir alle wissen: Laserlicht ist das stärkste Licht, das wir kennen. Mit einem guten Laser kann man Stahl schneiden. Aber wie funktioniert ein Laser? Ein Laser ist eigentlich nichts weiter als ein Gerät, in dem eine Lichtquelle so synchron erzeugt und gespiegelt wird, dass eine entstehende Welle die nächste entstehende Welle verstärkt – immer verstärkt –, weil sie alle in der gleichen Phase sind. Stellt euch das einfach mal vor wie Wasserwellen. Ihr habt eine Welle, die ist vielleicht nur einen Meter hoch. Und wenn jetzt die nächste Welle genau synchron über diese Welle geht, werden sich beide Wellenberge addieren – die Welle wird stärker. Gehen die Wellen auseinander in ihrer Frequenz, wird die Welle flach, dann ist keine Kraft mehr da. Aber bleibt es synchron, dann entsteht eine Kraft, die ist unvorstellbar. 

„Lernt von mir. Lasst euch etwas sagen. Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Ich bin eins mit dem Willen Gottes." Ihr Lieben, das ist, was Gott sich für uns wünscht – und auch, was er sich von uns wünscht: dass wir eins werden mit ihm, eins werden mit seinem Willen. So, sagt Jesus, „so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen" – wenn unser Wille eins geworden ist mit Gottes Willen.

Und dann sagt er: „Denn mein Joch ist sanft." Das bedeutet: mit Jesus zu gehen, seinem Willen zu folgen, sich in diesen Willen einzuschmiegen – das hat nichts mit Zwang zu tun, hat nichts damit zu tun, gezwungen oder unterdrückt zu werden. Denn Gottes Führung ist eine Führung, die uns immer Freiheit lässt. Er inspiriert uns, er lockt uns, er zieht uns – aber er wird uns niemals zwingen. Wir haben immer die Wahl, ob wir mit ihm synchron oder ohne ihn und nicht synchron leben wollen. Synchron mit seiner Kraft, nicht synchron – ohne seine Kraft. Er wird uns niemals zwingen, denn er ist die Liebe in Person. 

Und deswegen sagt er zum Schluss: „Meine Last ist leicht." Denn das, was Gott von uns will, das ist nicht schwer. Was er von uns will, ist nichts anderes, als dass wir das große Doppelgebot der Liebe halten, dass wir uns, wie es in Hosea 11, Vers 4 steht, in Seilen der Liebe ziehen lassen. Das ist so, wie Gott sich die Beziehung zu uns vorstellt: eine Liebesbeziehung. Im Alten Testament wird die Beziehung Gottes zu seinem Volk oft mit dem Bild einer Ehe beschrieben. Ihr Lieben, was ist denn eine Ehe – eine gute Ehe? Da zwingt ja keiner den anderen. Sondern da schaut man, dass man synchron wird, dass man übereinstimmt, dass man gemeinsam in Einheit durchs Leben geht. Und das möchte Gott: dass wir gemeinsam mit ihm, im Einklang, in Einheit mit ihm sein Reich der Liebe bauen.


Schluss

Ich komme zum Schluss. Wenn wir also da angekommen sind, wo wir vor Gott kapitulieren, wo wir zu ihm kommen mit unserer Hilflosigkeit oder mit unserer Schuld – was es auch ist –, wo wir begreifen, dass alles, was wir ihm bringen können, wir selbst sind, und zwar so, wie wir sind: nicht besser, nicht schöner, nicht stärker, egal, ob wir beladen sind mit Schuld und Sünde oder ob wir voller Angst sind und uns fürchten, ächzend und stöhnend unter der Mühsal unserer Versuche, uns vor ihm schön oder besser zu machen. Wenn wir in völliger Klarheit darüber sind, wie verloren wir ohne ihn sind – so dürfen wir kommen, so wie wir sind. 

Und wenn wir dann erkennen – oder zum tausendsten Mal erkennen –, wie unfassbar groß seine Gnade und Treue zu uns sind: dass er uns vergeben will, immer und immer wieder, dass er uns helfen will, immer und immer wieder, dass er uns haben will, so wie wir sind, dass er mit uns sein will. 

Wenn wir da angekommen sind, ihr Lieben – wo wir bereit werden, gemeinsam mit ihm sein Reich der Liebe zu bauen, uns ihm zur Verfügung zu stellen, uns von ihm führen zu lassen –, 

wenn wir da angekommen sind, dann kehrt nicht nur Frieden ein, sondern ein unbändiges Lob. Das Lob, das Gott verdient hat für seine Gnade und für seine Treue und für seine Vergebung und für seine unerschütterliche Liebe zu uns. 

Und das klingt dann so, wie wir im nächsten Lied singen werden: Lasst uns aufstehen und Gott loben.

Lied: Ich will Dir danken


Dienstag, 12. Mai 2026

Johannes Evangelium 7,37-39


Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Lebendiges Wasser im Überfluss


Am letzten Tag, dem Highlight des Laubhüttenfests, stellte sich Jesus, wohl an einer erhöhten Stelle, vor die Volksmenge und rief laut, dass jeder, der tief innerlich durstig ist – nach Leben, nach Wahrheit, letztlich nach einer Beziehung zu Gott –, zu ihm kommen und aus seiner Quelle trinken – also an ihn glauben und sich mit ihm verbinden soll. 

Wer aus dieser Quelle trinkt – an Jesus glaubt; also in einer vertrauensvollen Beziehung zu ihm lebt – wird selbst zu einer durstlöschenden Quelle für andere: dasselbe Wasser des Lebens, das erst seinen Durst gestillt hat, fließt dann aus ihm zu seinen Mitmenschen. Mit diesem Bild beschrieb Jesus das Wirken des heiligen Geistes, den jeder erhalten würde, der an ihn glaubt.

Zum Zeitpunkt des Laubhüttenfestes war der heilige Geist jedoch noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht gekreuzigt, gestorben, auferstanden und in die Herrlichkeit Gottes zurück gekehrt war. Das sollte erst 50 Tage nach seiner Auferstehung, dem ersten Ostern, passieren.

O-Ton: Am letzten Festtag, dem Höhepunkt des ganzen Festes, trat Jesus vor die Menge und rief: »Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken – jeder, der mir vertraut! 

Denn in den Heiligen Schriften heißt es: 'Aus seinem Innern wird lebendiges Wasser strömen.'« Jesus meinte damit den Geist Gottes, den die erhalten sollten, die ihn im Glauben annehmen. 

Damals war der Geist noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war (Joh 7,37-39)

Freitag, 10. April 2026

Johannes Evangelium 7,25-31


Das Buch der Zeichen - Auftritt beim Laubhüttenfest - Ist er der versprochener Retter? - Skepsis und Glauben

„Ja, schaut euch das an!“ Einige der Einwohner Jerusalems waren ziemlich von der Rolle, als sie mitkriegten, wie Jesus öffentlich predigte, ohne dass die Oberen, die doch ein Mordkomplott gegen ihn geschmiedet hatten, ihn davon abhielten: „Glauben die jetzt doch, dass er der Messias ist?“ — „Kann nicht sein! Angeblich heißt es doch, keiner würde eine Ahnung davon haben, wo der Messias herkommt; aber von dem da wissen wir’s doch genau!“

Als Jesus, der noch im Tempel lehrte, das mitkriegte, rief zu ihnen herüber: „Ihr wisst also, wer ich bin und woher ich komme? Ich hab‘ mich nicht selbst geschickt. Der, der mich geschickt hat, ist der wahrhaftige Gott. Und den kennt ihr gar nicht, aber ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und er mich geschickt hat.“

Wegen dieser Aussage hätten sie ihn am liebsten festgenommen, aber es kriegte ihn keiner zu fassen; weil der von Gottes Vorsehung dafür bestimmte Zeitpunkt noch nicht gekommen war. In der Volksmenge gab es aber nicht nur Widerspruch, im Gegenteil: viele begannen zu glauben. Und die fragten ironisch zurück in die Menge: „Glaubt ihr wirklich, der Messias könnte noch mehr Wunder tun, als dieser Mann hier?!“ 

O-Ton: Einige Leute in Jerusalem sagten: »Seht euch das an! Ist das nicht der, den sie töten wollten? Er redet in aller Öffentlichkeit und keiner verbietet es ihm! Sollten die Ratsmitglieder zu der Überzeugung gekommen sein, dass er der versprochene Retter ist? Aber wenn der Retter eines Tages auftritt, wird keiner wissen, woher er kommt. Und die Herkunft dieses Menschen kennen wir doch alle!« 

Jesus aber, der gerade im Tempel lehrte, rief mit lauter Stimme: »Wisst ihr wirklich, wer ich bin und woher ich komme? Ich bin nicht im eigenen Auftrag gekommen. Aber der, der mich gesandt hat, ist glaubwürdig. Und den kennt ihr nicht. Ich kenne ihn, denn ich komme von ihm und er hat mich gesandt.« 

Da wollten sie ihn festnehmen. Aber keiner konnte Hand an ihn legen, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. Viele in der Menge kamen zum Glauben an ihn und sagten: »Kann der versprochene Retter, wenn er kommt, mehr Wunderzeichen tun, als dieser Mann getan hat?« (Joh 7,25–31)

Dienstag, 24. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,48–59


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot vom Himmel, das ewiges Leben gibt -  Ewiges Leben wird vermittelt durch das Opfer Christi am Kreuz


Jesus erklärt die unbekannten Dinge in der unsichtbaren Welt oft mit bekannten Dingen aus der sichtbaren Welt. Diesmal vergleicht er irdisches Brot, das nur für eine Zeitlang unser biologisches Leben erhält, mit sich selbst - dem Brot, dessen „Verzehr“ vor dem ewigen Tod bewahrt.

Er beschreibt sich als das lebendige Himmelsbrot - das lebensspendende Brot, dessen „Verzehr“ ewiges Leben garantiert. Was er uns geschenkt hat ist das Opfer seines Körpers am Kreuz von Golgatha, wo er sich als Stellvertreter für unsere Sünden hingab, damit alle, die auf dieses Opfer vertrauen, das ewige Leben bekommen können.

Seine Zuhörer haben seine Metapher jedoch willentlich wörtlich genommen und Jesus vorgeworfen, er wolle Ihnen, wie bei Kannibalen, das Fleisch seines Körpers zu essen geben. Daraufhin versichert Jesus ihnen noch einmal, und diesmal mit Nachdruck, dass sie nur dann Anteil am ewigen Leben haben werden, wenn sie „sein Fleisch und sein Blut“ – also ihn selbst, das ewige Leben in Person – in sich aufnehmen. Das aber geschieht im Glauben an sein Opfer für uns am Kreuz.

Wer so mit ihm vereint ist und bleibt – im Glauben an Jesus‘ stellvertretendes Opfer für die eigene Sünde und Schuld, der wird ewig leben, auch wenn sein Körper stirbt; Jesus wird ihn am Ende aller Tage auferwecken. Denn er, den wir voll Vertrauen in unser Herz aufnehmen und so eins mit ihm werden, ist die wahre Nahrung und der wahre Trank; er ist der Ewige selbst; das ewige Leben in Person. 

Zum Schluss fasst Jesus seine Rede in der Synagoge Kafarnaums noch einmal zusammen: der Vater hat ihn gesandt. Und so wie Jesus in Einheit mit ihm ewig lebt, können auch wir in Einheit mit Jesus ewig leben. Im Glauben an sein Opfer – sein Fleisch und Blut, die er am Kreuz für unsere Sünden hingab – „essen“ wir ihn; nehmen ihn in uns auf; werden eins mit ihm. Er, das Himmelsbrot, ist anders, als das Manna, das dem Volk Israel nur das irdische Leben rettete: wer an ihn glaubt, wird ewig leben.

O-Ton: Ich bin das Brot, das Leben schenkt. Eure Vorfahren aßen das Manna in der Wüste und sind trotzdem gestorben. Hier aber ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit, wer davon isst, nicht stirbt. 

Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib. Ich gebe ihn hin, damit die Menschen zum Leben gelangen können.« 

Das löste unter den Zuhörern einen heftigen Streit aus. »Wie kann dieser Mensch uns seinen Leib, sein Fleisch, zu essen geben?«, fragten sie. Jesus sagte zu ihnen: »Amen, ich versichere euch: Ihr habt keinen Anteil am Leben, wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht esst und sein Blut nicht trinkt. 

Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn am letzten Tag vom Tod erwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Nahrung, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt mit mir verbunden und ich mit ihm.

Der Vater, von dem das Leben kommt, hat mich gesandt, und ich lebe durch ihn. Genauso wird jeder, der mich isst, durch mich leben. Das also ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist etwas ganz anderes als das Brot, das eure Vorfahren gegessen haben. Sie sind gestorben, wer aber dieses Brot isst, wird ewig leben.« Dies sagte Jesus in der Synagoge von Kafarnaum, so lehrte er dort die Menschen. (Joh 6,48–59)

Freitag, 20. Februar 2026

Johannes Evangelium 6,41–47

 


Das Buch der Zeichen - Jesus ist das Brot, das Leben gibt -  ewiges Leben ist reine Gnade

Auf seine Aussage hin, dass er selbst das personifizierte Himmelsbrot ist, die spirituelle Nahrung, die unser Herz und unsere Seele wirklich satt macht, fangen seine Zuhörer an, hinter vorgehaltener Hand zu meckern. Sie sehen nur auf das, was vor Augen ist: Jesus‘ irdischen Körper und seine irdische Abstammung.

Was Jesus darauf sagt, geht unfassbar tief: er sagt Ihnen nicht nur, dass sie aufhören sollen zu meckern. Er offenbart Ihnen ein Geheimnis. Dass es nämlich einen Grund dafür gibt, dass Menschen überhaupt zu ihm kommen; sich ihm im Glauben zuwenden: Gott der Vater selbst muss sie ziehen. Und wer immer sich im Herzen von Gott ziehen lässt und wirklich im Glauben zu Jesus kommt, den wird Jesus am Ende der Zeiten zum ewigen Leben auferwecken.

Um das zu unterstreichen, zitiert Jesus die Propheten, die schon damals sagten, dass alle Gläubigen von Gott gelehrt sein würden. Doch was lehrt Gott der Vater? Er sagte auf dem Berg der Verklärung über Jesus: »Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe; auf ihn sollt ihr hören!« (Markus 9,7). Wer in seinem Herzen auf diese Stimme Gottes hört und Gottes Zeugnis Glauben schenkt – nämlich, dass Jesus tatsächlich sein Sohn ist und wir auf ihn hören sollen – der kommt auch zu Jesus.

Niemand von uns hat Gott je gesehen, gehört, gefühlt, gerochen, geschmeckt. Niemand von uns hat den Unendlichen jemals mit seinen Gedanken umfasst. Alles, was wir über Gott wissen können, können wir nur von dem Einen wissen; von ihm, der Gott tatsächlich gesehen hat: Jesus. Dem, der vom Himmel herabgekommen ist, um uns am eigenen Beispiel Gottes Wesen zu zeigen.

Wer an ihn glaubt; auf ihn vertraut — an ihn, auf den Gott der Vater hinweist und zu dem er unsere Herzen hinzieht; an ihn, der als Sohn allein weiß, wer Gott wirklich ist, weil nur er ihn wirklich gesehen hat; an ihn, der tatsächlich der Heiland ist; an ihn, der zu unserer Rettung vom Himmel auf die Erde gekommen ist; an ihn, der tatsächlich das Himmelsbrot ist; der das ewige Leben in sich trägt — der wird aufgrund dieser Beziehung selbst ewig leben.

O-Ton: Die Zuhörenden murrten, weil er gesagt hatte: »Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist.« Sie sagten: »Wir kennen doch seinen Vater und seine Mutter! Er ist doch Jesus, der Sohn Josefs! Wie kann er behaupten: 'Ich komme vom Himmel'?« 

Jesus sagte zu ihnen: »Was murrt ihr? Nur die können zu mir kommen, die der Vater, der mich gesandt hat, zu mir führt. Und ich werde alle, die zu mir kommen, am letzten Tag vom Tod auferwecken. 

In den Schriften der Propheten heißt es: 'Alle werden von Gott unterwiesen sein.' Wer den Vater hört und von ihm lernt, kommt zu mir. 

Nicht, dass je ein Mensch den Vater gesehen hätte. Nur der Eine, der von Gott gekommen ist, hat den Vater gesehen. 
Amen, ich versichere euch: Wer sich an mich hält, hat das ewige Leben. (Joh 6,41–47)

Dienstag, 13. Januar 2026

Johannes Evangelium 5,39-47

 


Das Buch der Zeichen - Das Zeugnis für den Sohn, Teil 2

Die Pharisäer machen einen kapitalen Fehler: nicht theologisches Wissen führt zur Erlösung, sondern das Einssein mit Gott in und durch Jesus. Ewiges Leben ist kein Ergebnis religiöser Studien oder theologischer Forschung. Ewiges Leben ist ein Geschenk, dass nur er, der Ewige, selbst verschenken kann: indem er sich selbst verschenkt an alle, die zu ihm kommen.

Jesus geht es mit dieser Aussage nicht darum, sich selbstherrlich in den Mittelpunkt zu stellen. Was er sagt, sagt er nicht, weil er will, dass sich alles um ihn dreht. Alles was er sagt und tut hat nur einen Grund: Gottes Auftrag, uns Menschen zu retten. Um so schlimmer ist es, dass die Pharisäer zwar jedem selbst ernannten „Heilsbringer“ gerne hinterher laufen, aber ihn — die Quelle ewigen Lebens — ablehnen. Weil sie Gott nicht wirklich lieben.

Ihnen geht es nicht um eine liebende Beziehung zu Gott; darum, in seinen Augen wertgeschätzt zu sein. Ihnen geht es allein um die Zustimmung und den Beifall untereinander. Und genau diese falsche Ausrichtung ihrer Herzen steht dem wahren Glauben und damit ihrer Rettung im Weg.

Jesus kam nicht in die Welt, um uns zu verurteilen, sondern um uns zu retten (Joh 3,17). Deshalb warnt er die Pharisäer vor ihrem selbstgebauten Dilemma: es sind die Worte Moses‘, die sie verurteilen. Moses hatte nämlich in Prophetien (z.B. 5. Buch Mose 18,15–19) auf Jesus hingewiesen und ausdrücklich verlangt, auf ihn zu hören. Wenn sie aber nicht auf Moses hören, obwohl sie auf ihn hoffen, wie können sie dann an Jesus glauben, auf den doch Moses zeigt? 

O-Ton: Ihr forscht doch in den Heiligen Schriften und seid überzeugt, in ihnen das ewige Leben zu finden – und gerade sie weisen auf mich hin. Aber ihr seid nicht bereit, zu mir zu kommen und so das ewige Leben zu haben. 

Ich bin nicht darauf aus, von Menschen geehrt zu werden. Außerdem kenne ich euch; ich weiß, dass in euren Herzen keine Liebe zu Gott ist. Ich bin im Auftrag meines Vaters gekommen, doch ihr weist mich ab. Wenn aber jemand in seinem eigenen Auftrag kommt, werdet ihr ihn aufnehmen. 

Wie könntet ihr denn auch zum Glauben an mich kommen? Ihr legt ja nur Wert darauf, einer vom andern bestätigt zu werden. Aber die Anerkennung bei Gott, dem Einen, zu dem ihr euch bekennt, die sucht ihr nicht. 

Ihr braucht aber nicht zu denken, dass ich euch bei meinem Vater verklagen werde. Mose klagt euch an, derselbe Mose, auf dessen Fürsprache ihr hofft. Wenn ihr Mose wirklich glaubtet, dann würdet ihr auch mir glauben; denn er hat über mich geschrieben. Da ihr aber seinen geschriebenen Worten nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen gesprochenen glauben?« (Joh 5,39-47)

Dienstag, 9. Dezember 2025

Johannes Evangelium 5,24–30


Das Buch der Zeichen - Die Vollmacht des Sohnes, Teil 2

Unser Problem ist, dass wir von Gott unabhängig sein wollen: niemandem als uns selbst unterstellt; uns selbst Gesetz; überzeugt, uns den Himmel mit guten Werken selbst verdienen zu können, wenn wir denn in unserer Gottlosigkeit überhaupt an einen Himmel glauben. »Weit gefehlt!«, sagt Jesus und betont:

Das ewige Leben wird sehen, wer bereit ist, auf seine Gebote zu hören und ihm zu folgen. Wer statt auf seine Leistung auf die Liebe und Gnade Gottes vertraut, der Jesus als Lebensretter zu uns schickte, wird nicht mehr für seine Schuld vor sein Gericht gestellt, sondern kriegt das ewige Leben schon jetzt und hier geschenkt.

Mit Nachdruck betont Jesus, dass eine Zeit kommen wird, ja, dass diese Zeit genau jetzt ist, wo alle „Toten“ — also alle noch von Gott getrennten Menschen — das Evangelium aus Jesus’ Mund hören werden. Und dass die, die auf ihn hören, auf Gottes Liebe und Gnade vertrauen, ewig leben werden.

Weil Gott der Sohn und Gott der Vater völlig eins sind, hat nicht nur der Vater, sondern auch der Sohn die Macht uns zu begnadigen; uns mit seiner Macht aus dem Tod zu reißen; uns ewiges Leben zu schenken. Denn er selbst ist das ewige Leben in menschlicher Gestalt.

Und nicht nur das. Weil Jesus bereit war, Mensch zu werden und für unsere Schuld am Kreuz zu sterben, hat der Vater ihn auch bevollmächtigt, als Richter unser Leben zu beurteilen. Darüber sollten wir uns nicht wundern.

Am Ende der Zeit werden alle Menschen, die jemals gelebt haben, Jesus‘ Stimme hören und aus ihren Gräbern auferstehen: die, die auf ihn vertraut und, dankbar für ihre Erlösung, Gutes getan haben, werden ewig leben. Diejenigen aber, die Gott bis zum Ende den Rücken gekehrt und weiter selbstsüchtig Böses getan haben, werden ihr ewiges Urteil empfangen.

Abschließend macht Jesus noch mal klar, dass er nicht eigenmächtig handeln wird, sondern in völliger Einheit mit dem Vater. Deshalb sind seine Urteile im letzten Gericht auch absolut gerecht. Er setzt nämlich nicht seinen eigenen Kopf durch, sondern den vollkommenen, guten und gerechten Willen Gottes, des Vaters, der ihn als Retter zu uns geschickt hat.

O-Ton: »Amen, ich versichere euch: Alle, die auf mein Wort hören und dem glauben, der mich gesandt hat, haben das ewige Leben. Sie kommen nicht mehr vor Gottes Gericht; sie haben den Tod schon hinter sich gelassen und das unvergängliche Leben erreicht. 

Amen, ich versichere euch: Die Stunde kommt – ja, sie ist schon da –, dass die Toten die Stimme des Gottessohnes hören werden, und wer sie hört, wird leben. Wie der Vater der Geber des Lebens ist, so hat er auch dem Sohn Macht verliehen, Leben zu geben. 

Und er hat dem Sohn die Macht verliehen, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist. Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, da werden alle Toten in den Gräbern seine Stimme hören und ihre Gräber verlassen. Alle, die Gutes getan haben, werden auferstehen, um das Leben zu empfangen, und die Böses getan haben, um verurteilt zu werden. 

Ich kann nichts von mir aus tun, sondern entscheide als Richter so, wie ich den Vater entscheiden höre. Meine Entscheidung ist gerecht, denn ich setze nicht meinen eigenen Willen durch, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.« (Joh 5,24–30)

Montag, 27. Oktober 2025

Johannes Evangelium 3,13-21


 

Das Buch der Zeichen - Ohne Glauben an Jesus kein Leben

Gerade erst hatte er Nikodemus mit der Nase darauf gestoßen, wie wichtig es ist, das anzunehmen, was er zu sagen hat. Denn jetzt kommt Jesus zu den ewigen Dingen. Dingen, die mit dem Himmel und mit dem Schicksal von uns allen zu tun haben: Er, Jesus, ist der Messias; der, den die Propheten als “Sohn eines Menschen“ vorher gesagt hatten. Er selbst ist der Ewige, der vom Himmel zu uns auf die Erde kam.

In einem Bild aus dem Alten Testament erklärt Jesus auch, was Er mit unserem Schicksal zu tun hat: wie er uns vor Gottes Gericht bewahren kann. Und zwar so, wie schon das Volk Israel im Alten Testament: durch Glauben. Sie mussten nur ein Symbol ansehen, das auf das Kreuz zeigte: auf Christus, der am Kreuz (Pfahl) die Strafe (Schlange) für unsere Sünde trug. Und genau so werden auch wir gerettet.

Was wir am Kreuz sehen ist, dass Gott bereit war, uns seinen geliebten Sohn zu schicken; vom Himmel auf die Erde zu kommen, um die Strafe, die wir verdient hätten, selbst zu tragen. Weil er unseren Freispruch will; dass wir in ewigem Glück leben können. Weil er uns so sehr liebt. Wer das begreift und glaubt, wird nicht vergehen. Dazu ist Jesus gekommen: uns zu retten; nicht uns zu verurteilen. Wer das glaubt, wir freigesprochen; nicht verurteilt.

Wer diese größte Liebestat aber in den Wind schießt, das unendliche Opfer Christi verachtet, der hat sich selbst schon das Urteil gesprochen. Das ist das Problem mit unserer Welt: dass wir den finsteren Abgrund der Sünde – unser ständiges, egoistisches Streben nach Befriedigung unserer Wünsche – mehr lieben als ihn; die Liebe in Person.

Den, der Gott den Rücken kehrt und nur zur Befriedigung seiner Wünsche lebt, ekelt es vor nichts mehr, als vorm Licht der Wahrheit Gottes. Diesem Licht weicht er aus, wo er nur kann, denn es würde die Hässlichkeit seines Strebens offenbaren. Wer aber die Tiefe der Liebe Gottes am Kreuz erkannt hat und umgekehrt ist zu einem Leben in Gottes Wahrheit, hat keine Angst, ins Licht zu treten, weil er weiß, dass ihn nichts als Lob erwartet.

O-Ton: Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen als nur der eine, der vom Himmel herabgekommen ist, der Menschensohn. 

Mose richtete in der Wüste den Pfahl mit der bronzenen Schlange auf. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die sich im Glauben ihm zuwenden, durch ihn ewiges Leben bekommen. 

Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hergab. Nun werden alle, die sich auf den Sohn Gottes verlassen, nicht zugrunde gehen, sondern ewig leben. Gott sandte den Sohn nicht in die Welt, um die Menschen zu verurteilen, sondern um sie zu retten. Wer sich an den Sohn Gottes hält, wird nicht verurteilt. 

Wer sich aber nicht an ihn hält, ist schon verurteilt, weil er Gottes einzigen Sohn nicht angenommen hat. So geschieht die Verurteilung: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen liebten die Dunkelheit mehr als das Licht; denn ihre Taten waren schlecht. 

Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und bleibt im Dunkeln, damit seine schlechten Taten nicht offenbar werden. Aber wer der Wahrheit gehorcht, kommt zum Licht; denn das Licht macht offenbar, dass er mit seinen Taten Gott gehorsam war. (Joh 3,13–21)

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Johannes Evangelium 2,23-25

 


Das Buch der Zeichen - Jesus kennt die Menschen

Auf dem Passafest in Jerusalem tat Jesus noch mehr Wunder. Dass wir in Johannes’ Evangelium nicht von allen etwas lesen, liegt daran, dass Johannes sich ein wenig die Rosinen aus dem Kuchen gepickt hat: Dass Jesus viel mehr Wunder getan hat, als er für uns aufgeschrieben hat, gibt er auch ganz offen und ehrlich zu; und zwar am Ende seines Evangeliums. 

Von den Wundern waren viele Besucher des Festes schwer beeindruckt. Dieser „Glaube“ der Leute war aber kein echter Glaube, sondern eine Art oberflächliche Begeisterung, weil sie die übernatürlichen Dinge gesehen hatten, zu denen Jesus fähig war. 

Sie waren sicher davon überzeugt, dass Jesus ein ganz Großer war, aber hatten noch nichts davon verstanden, dass es im Glauben nicht allein ums Staunen geht, sondern um echtes Vertrauen – darum, Jesus sein Herz zu öffnen; ja ihm sein Herz zu schenken; ihm zu vertrauen; ihn im eigenen Leben regieren zu lassen. Und weil Jesus weiß, dass sie nicht wirklich an ihn glauben, dass sie ihm nicht von Herzen vertrauen, vertraut er sich ihnen auch nicht an.

Um zu verstehen, wie wir Menschen im Innersten ticken, braucht Jesus keinen Nachhilfeunterricht; im Gegenteil. Wir sind ja seine Geschöpfe. Und er ist der, der hinter all‘ unsere Fassaden blickt: der allwissende Gott. Erkennt unsere Herzen durch und durch; selbst unsere tiefsten Abgründe. Er weiß, ob wir ihn lieben oder nicht. Ihm können wir nichts vormachen.

O-Ton: Während sich Jesus am Passafest in Jerusalem aufhielt, kamen viele zum Glauben an ihn, weil sie die Wunder sahen, die er vollbrachte. Aber Jesus traute ihnen nicht und hielt sich ihnen gegenüber zurück, weil er sie alle durchschaute. Über die Menschen brauchte ihm niemand etwas zu sagen, denn er kannte das menschliche Herz bis auf den Grund. (Joh 2,23–25)

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Johannes Evangelium 1,6-8

 


Jesus Christus - Gottes Wort von Ewigkeit her -  Zeugnis des Täufers über das Licht (1,6–8)


Gedanken: Hier im Prolog, im Vorwort, fasst der Apostel Johannes nur kurz zusammen, wovon er später in seinem Evangelium noch im Detail berichten wird.

Als Gott ihm zeigte, dass die Zeit dazu reif war, verließ ein anderer Johannes, nämlich Johannes der Täufer, die Wüste, in der er seine Zeit mit Gott verbracht hatte und begann - nach Jahrhunderten des Schweigens Gottes – sein öffentliches Wirken in Israel.

Er sollte Jesus, „das Licht der Welt“, vor aller Augen als Zeuge identifizieren, damit alle nicht nur erkennen, dass er „das Opferlamm Gottes“ ist „das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt“ - der, der uns vor Gottes Zorn über unsere Schuld erretten kann - sondern auch wirklich an ihn glauben und tatsächlich gerettet werden.

Dem Apostel Johannes ist dabei sehr wichtig, zu betonen, dass Johannes der Täufer nicht selbst „das Licht“ - also der verheißene Erlöser - ist, sondern nur sein Zeuge.

O-Ton: Es trat einer auf, den Gott gesandt hatte; er hieß Johannes. Er sollte Zeuge sein für das Licht und alle darauf hinweisen, damit sie es erkennen und annehmen. Er selbst war nicht das Licht; er sollte nur auf das Licht hinweisen. (Joh 1,6–8 GNB)

Sonntag, 15. Mai 2022

"Mit brennendem Herzen begeistert dienen" (Philipper 1,20-26)


[Predigt als Video] | [Predigt als MP3]

Guten Morgen, ihr Lieben! 

Joi hat es ja schon angekündigt: Heute Philipperbrief; immer noch Kapitel eins. 

Worum es heute geht?

  • Unser heutiger Text: Ich werde den Text diesmal direkt am Anfang lesen, ...
  • Mein Habibi: ... um euch dann mal ein bisschen einen Einblick zu geben, wie es mir manchmal geht. Ich will mich mit dem Apostel Paulus sicherlich nicht vergleichen, aber als ich den Text gelesen habe, ist mir sofort was in den Sinn gekommen, was meine liebe Frau betrifft. Auf Arabisch: mein Liebling, mein Habibi. Um da vielleicht mal so einen Einstieg zu finden in dieses Thema: "Hin- und hergerissen sein zwischen zwei Dingen."
  • Unsere Vision: Ich möchte dann die Brücke schlagen zu unserer Gemeindevision. Und mal schauen, was dieser Text mit unserer Gemeindevision zu tun hat.
  • Von Paulus lernen: Und uns dann die Frage stellen: "Was können wir von Paulus lernen?" Und da ein bisschen tiefer in den Text reingehen. Wie gesagt, es ist eine ziemlich lange Passage. Da ist wahnsinnig viel drin. Da könnte man auch bestimmt sechs oder sieben Predigten draus machen. Ich versuche mich da mal aufs Wesentliche zu konzentrieren, aber mit dem Blick darauf "Was sind eigentlich die Kernelemente vom Text?" Und "Was sind die Kernelemente in dem, was wir von Paulus lernen können?", ...
  • Was können wir tun?: ... um es dann in die Übertragungsebene zu bringen und uns zu fragen: "Was können wir denn jetzt tun?" Und wir werden sehen, dass es auf der einen Seite zwar ein bisschen was mit "tun" zu tun hat, aber vielleicht noch viel mehr mit etwas, was gar nicht so sehr mit "tun" zu tun hat. Dann könnt ihr gespannt sein, wie sich dieses Rätsel auflöst.
  • Ein Blick in die Zukunft: Und ganz zum Schluss möchte ich einen Blick wagen in die Zukunft unserer Gemeinde.


Unser heutiger Text

Aber bevor ich das tue, möchte ich erst mal mit euch gemeinsam den Text lesen. Philipper eins, Verse 20 bis 26. Ich war so frech und habe mir die Verse 10 bis 25 aus der Neues Leben Bibel gezogen und den Vers 26, weil er noch schöner übersetzt war, aus der guten Nachricht. Das heißt, so wie er dasteht, werdet ihr den Text in keiner einzelnen Bibel finden, sondern da müsst ihr dann schon zwei haben. Da schreibt der Paulus: "Ich erwarte und hoffe sehr, dass ich nie etwas tun werde, dessen ich mich schämen müsste. Sondern dass ich immer, wie bisher auch, unerschrocken für Christus eintreten werde und durch mein Leben Christus in allem geehrt wird, ob ich nun lebe oder sterbe. Denn Christus ist mein Leben. Aber noch besser wäre es, zu sterben und bei ihm zu sein. Doch wenn ich lebe, dann trägt meine Arbeit für Christus Früchte. Deshalb weiß ich wirklich nicht, was ich wählen soll. Ich fühle mich zwischen zwei Wünschen hin und hergerissen. Ich sehne mich danach, zu sterben, um bei Christus zu sein, denn das wäre bei weitem das Beste. Doch für euch ist es besser, wenn ich lebe. Darauf vertraue ich. Und deshalb werde ich bei euch bleiben, damit ihr im Glauben wachst und ihr erlebt, welche Freude der Glaube bringen kann. Und ihr werdet euch noch viel zuversichtlicher dessen rühmen können, was Jesus Christus durch mich an euch getan hat, wenn ich wieder bei euch bin und unter euch wirken kann.“ 

So viel einmal zum Text.


Mein Habibi

Ja. Was ist mir zu dem Thema wichtig geworden? Ich habe die Passage durchgelesen. Ich habe wie immer, das mach' ich meistens in der Woche vor der Predigt, mir alle meine Kommentare durchgelesen, um ein Gefühl für den Text zu kriegen, zu gucken, wie andere Leute da wesentliche Punkte raus gesehen haben und habe aber diesmal in den Kommentaren gar nicht so viel gefunden, wo ich gesagt hätte, dass "Das haut's jetzt raus!" Und mir ist immer wieder eine Szene durch den Kopf gegangen. Und bevor ich euch die erzähle möchte, möchte ich was vorausschicken.

Wir werden nachher sehen, wie es dem Paulus gegangen ist. Und ich möchte mich auf keinen Fall mit dem Paulus vergleichen. Und das hat einen guten Grund. Ich denke, dass der Paulus ein echter Heiliger ist. Und jetzt könnte man natürlich sagen Ja, Michi, aber hast du dein Neues Testament nicht gelesen? Wir sind doch alle Heilige. Wir werden doch sogar als Gemeinde mit "ihr Heiligen" Angesprochen. Und ja, das ist richtig. Aber ich möchte mich nicht dazu verleiten lassen, einer postmodernen Gleichmacherei beizutreten, die gerne dafür sorgen würde, dass wir alle gleich sind. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass ich in meinen besten Zeiten die 100 Meter in 11,2 gelaufen bin, was schon ziemlich fix ist. Aber es gibt auch Leute wie einen Usain Bolt, die laufen die mal zackig in, weiß ich nicht, 9,7. Wo man noch gedacht hat, das geht überhaupt nicht. Und von daher, denke ich, ist es mit der Heiligkeit genau das Gleiche. Ja, wir sind alle begnadigt. Ja, wir sind alle von Gott angesehen als Heilige, weil er uns nur in der Heiligkeit Christi betrachtet. Und trotzdem glaube ich, dass es gravierende Unterschiede gibt in der Ausprägung, in der Reife, die jemand in seinem Glaubensleben erreicht. Und das, was wir nachher von Paulus hören werden, da würde ich mal sagen, das ist "top notch". Das, was ich aus meinem Leben zu berichten habe, das ist sicherlich nur ein schwacher und teilweise auch ein etwas schiefer Abglanz. Und so viel mal vorausgeschickt.

Aber woran ich denken musste: Ich habe das immer wieder mal in meinem Leben, dass es ein bisschen schwieriger wird. Und an manchen Stellen war es auch schon mal so schwierig, dass mir diese Sehnsucht nach dem Himmel auf eine ganz andere Art und Weise wichtig geworden ist. Mir war mein Leben so schwer geworden mit der ganzen Arbeit, mit all den Anfechtungen, mit den Herausforderungen, insbesondere auch mit dem Leiden an meiner eigenen Begrenztheit und Sündhaftigkeit und Fehlerhaftigkeit, dass ich mir wirklich, wirklich gewünscht habe, eigentlich würde ich gerne gehen dürfen. Und dann lag ich so in meinem Bett neben mir meine Frau, die hat natürlich schon fest geschlafen. Und dann habe ich mir gedacht, das ist eigentlich kein frommer Wunsch. Weil: wie würde es ihr gehen, wenn ich nicht mehr da bin? Wer wird für die Familie sorgen? Wer? Wer würde sich kümmern, dass genügend Brot auf dem Tisch ist? Und da habe ich zum Ersten Mal in meinem Leben etwas Ähnliches erfahren, wenn auch sicherlich nicht aus so heiligen Motiven wieder wie der Paulus, wo ich gesagt habe, mich reißt es hin und her. Auf der einen Seite möchte ich gerne bei Christus sein, weil: da weiß ich, was ich davon habe. Dann geht es mir für immer und ewig besser als gut. Auf eine Art und Weise gut, die ich mir heute noch gar nicht ausmalen kann. Und auf der anderen Seite habe ich gespürt: Aber es wäre besser, wenn ich bleibe. Weil ich mir auch wünsche, dass es meiner Familie gut geht. Und ja, das ist das, was mir zu diesem Thema eingefallen ist, wo ich zumindest mal im Ansatz habe erahnen können, wie es wohl einem Paulus gegangen sein muss, der ja weitaus mehr in seinem Leben zu tragen hatte, weitaus mehr an Anfechtung. Ich meine, der Mann ist gesteinigt worden, der hat Schiffbruch erlitten, Widerstand auf eine Art und Weise, den wir uns überhaupt nicht ausmalen können; weil wir das nicht kennen hier in Europa. Und trotzdem zu sagen: Ich kann dieses hin und hergerissen werden irgendwo ein Stück weit nachvollziehen.


Unsere Vision

Und jetzt habe ich ja gesagt, hat das, was wir nachher auch noch von Paulus lernen können, ein Stück weit denke ich, auch was zu tun mit unserer Vision. Ich möchte uns noch mal an unseren Leitvers erinnern. Da heißt es ja "Gott begegnen, bewegt werden, Leben teilen." Das heißt, was wir machen wollen, ist: Wir wollen eigentlich als Gemeinde einen Unterschied machen in unserem Stadtteil. Wir möchten, dass Menschen sehen, was Jesus sich gewünscht hat für seine Gemeinde. Er hat gesagt: "An eurer Liebe werden sie erkennen, dass ihr meine Jünger seid." Er hat sich gewünscht, dass wir ein Licht sind auf dem Berge, das weithin leuchtet. Und dann denke ich mir, muss man sich die Frage stellen: "Ja, wie kann das gelingen, ohne dass das jetzt Krampf wird, ohne dass das Stress wird?" Wie können wir das von Herzen sagen: "Christus ist mein Leben." Also das heißt ja auf Deutsch: "Ich gebe alles!" Diese Beziehung ist mir so wichtig, dass ich mich da voll rein investiere. Wie kommen wir dahin, dass wir voller Liebe, mit brennendem Herzen, hingegeben und voller Begeisterung uns von Jesus im Dienst für seine Gemeinde gebrauchen lassen und dabei auch noch voller Freude bleiben? Wie wie kann das gelingen? Und ich habe dann beim Lesen vom Text und beim drüber nachdenken mehr und mehr den Eindruck bekommen, das hat sehr, sehr viel damit zu tun, worauf wir unseren Fokus richten und das in, ich würde mal sagen, mindestens zweierlei, vielleicht sogar dreierlei Hinsicht. Also was hat das mit unserem Fokus zu zu tun, dass wir hingegeben dienen können? Das möchte ich im Folgenden ein Stück weit erläutern.


Von Paulus lernen

Doch zuerst mal: einen Einblick darein, was Gottes Sicht ist zu diesem Thema. Und damit auch die Frage: "Was können wir hier anhand von diesem Text vom Paulus lernen?" Ich möchte mit euch gemeinsam dazu mal genauer hinschauen, um reinzugucken in das Herz von Paulus. Was ihn da bewegt. 

Er schreibt ja im Vers 23 "Ich sehne mich danach, bei Christus zu sein, denn das wäre bei Weitem das Beste." Nun habe ich mich gefragt: "Ja, wie kommt er jetzt darauf?"; "Warum?"; "Warum sagt er so einen Satz?" Und behaltet mal die Frage im Hinterkopf. Da unten steht sie ja noch: "Ich sehne mich danach, bei Christus zu sein. Das wäre bei weitem das Beste." Und behaltet mal die Frage im Hinterkopf: "Wie kommt der Mann darauf, so einen Satz rauszuhauen?" "Ja...", könntet ihr jetzt sagen, "... Paulus was ist denn mit dir los?. Bist du lebensmüde? Du bist doch Apostel! Jetzt mach mal deinen Job! Du kannst ja nicht jetzt gleich sagen 'Ich möchte jetzt mal Zack im Himmel verschwinden!'" Wie kommt dann der Paulus darauf, so so einen Satz zu sprechen? Und ich möchte dazu mehrere Bibel Passagen vorlesen und ich hoffe, dass ihr erkennen könnt, in welchem Zusammenhang die mit dieser Aussage von Paulus stehen und inwiefern die auch diese Frage beantworten.

Wie kommt der Paulus darauf, so einen rauszuhauen? Der erste Text steht im Römer, Kapitel sieben, Verse 18 und 19. Dort steht (auch von Paulus): "Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen, habe ich wohl. Aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich." Und er kommt am Ende vom Kapitel sieben noch mal zu diesem Satz: "Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Leibe des Todes?" Und ich denke, allein an dieser Passage merken wir schon eines der Dinge, die dem Paulus hart zugesetzt haben, nämlich dass er merkt: Auch wenn ich zum Glauben gekommen bin, auch wenn ich erlöst bin, es ist und bleibt bis an unser Lebensende ein Kampf mit der Sünde. Und es ist kein leichter Kampf, sondern ein Kampf, der einen bis bis nah an die Verzweiflung treiben kann, dass man einfach merkt: Der schlimmste Feind auf dem Planeten, den wir jemals haben können, das sind wir selbst! Wenn uns irgendetwas im Glauben im Weg steht, dann sind das wir selbst. Ich denke, dass wenn wir Römer 7 lesen, dass wir da schon ein Stück weit einen Blick dafür kriegen, dass auch der Paulus daran gelitten hat.

Natürlich geht es Gott sei Dank nachher weiter mit Römer acht. Eines der schönsten Kapitel in der Bibel. Kommen wir gleich noch dazu. Noch ein zweiter Aspekt 2. Korinther, Kapitel 5, die Verse 7 bis 9. Da schreibt der Paulus: "Wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und haben viel mehr Lust, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem Herrn. Darum setzen wir auch unsere Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohl gefallen." Das heißt: da ist noch so eine Sache, die den Paulus bewegt. Er weiß, dass der Himmel kommt. Er hat eine Hoffnung. Aber es ist eine Hoffnung, die er nur im Glauben ergreifen kann. Er lebt in diesem Leben so wie wir. Ohne dass er es schon greifen könnte, ohne dass er es schon sehen könnte. Er weiß, er ist noch nicht angekommen. Und ihm ist es eine Motivation, alles daran zu setzen, Gott wohlzugefallen. Zu sagen: "Darauf lebe ich hin!" Und. 

Jetzt noch mal zurück in den Römerbrief. Wie gesagt, eins meiner Lieblings-Kapitel: Römer 8, die Verse 22 bis 25. Dort schreibt er Paulus: "Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick mit uns seufzt und sich ängstigt. Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die den Geist als Erstlingsgabe haben, seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes. Denn wir sind zwar gerettet, doch auf Hoffnung. Die Hoffnung aber, die man sieht, ist nicht Hoffnung. Denn wie kann man hoffen auf das, was man sieht? Wenn wir aber auf das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir darauf in Geduld." Das heißt: noch so ein Aspekt, der den Paulus bewegt, ist dieses "Ich bin noch nicht angekommen." Ich leide mit der ganzen Schöpfung immer noch daran, dass es hier unten auf diesem Planeten nicht so einfach ist. Ich hab' mir dazu auch noch mal ein Vers aus dem Johannesevangelium raus geguckt. Johannes, Kapitel 16, Vers 33. Den kennt ihr wahrscheinlich auch alle. Da sagt Jesus: "Das habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. Denn in der Welt, da habt ihr Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden". Und ich denke, das ist dieses ganze Paket auf der einen Seite, das ist  einer der Aspekte, dass es hier unten eben nicht leicht ist. Hier unten haben wir mit uns selbst zu kämpfen. Hier unten haben wir zu warten. Hier unten haben wir Angst. Hier unten haben wir Leid. Nehmt es mal so als einen Aspekt mit.

Aber das ist eben nicht alles. Noch eine meiner absoluten Lieblings Passagen. Es gibt noch etwas anderes. Nämlich diese Hoffnung, von der schon die Rede war. Offenbarung 21. Die Verse 1 bis 7. Da nimmt uns der Apostel Johannes mit hinein in eine Schau von dem, was uns versprochen ist. Und er schreibt: "Und ich sah einen neuen Himmel. Und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem von Gott aus dem Himmel herabkommen. Bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: "Siehe da! Die Hütte Gottes bei den Menschen." Und er wird bei ihnen wohnen. Und sie werden sein Volk sein. Und er selbst, Gott, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Und der Tod wird nicht mehr sein. Noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerz wird mehr sein. Denn das erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: "Siehe, ich mache alles neu." Und er spricht: "Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss." Und er sprach zu mir: "Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers. Umsonst. Wer überwindet, der wird es alles ererben. Und ich werde sein Gott sein. Und er wird mein Sohn sein.""

Das ist dieser zweite Aspekt, der dem Paulus vor Augen ist. Ja, hier unten kämpft er mit der Sünde. Ja, hier unten hat er Anfechtung. Hier unten muss er warten. Hier muss er geduldig sein und im Glauben bleiben. Ja, hier unten hat er Angst und Bedrängnis. Aber er weiß, es liegt etwas vor ihm. Er schreibt das an einer anderen Stelle, die habe ich jetzt nicht rausgesucht, wo er sagt: dass das, was vor uns liegt (und er übertrifft er sich mit einem, dreifachen Superlativ), wo er sagt, dass das, was wir in dieser Zeit leiden, nichts ist im Vergleich zu der über alle Maßen gewichtigen Herrlichkeit, die auf uns wartet.

Ich glaube wirklich: was uns im Himmel erwartet, ihr Lieben, da haben wir nicht den Schatten einer Ahnung davon. Wir können uns das immer nur vorstellen im Sinne von was alles nicht sein wird. Wir haben das gerade gelesen im Text. Es wird kein Schmerz mehr sein, kein Leid, kein Geschrei, kein Tod. Aber wie wird es sein, einen Leib zu haben, in dem keine Sünde mehr wohnt? Ein Leib zu haben, der mir nicht mehr zur Bedrängnis wird? In einer Welt zu leben, die mich nicht mehr anficht? Im Gegenteil, wo alle voller Liebe sind, nicht nur Gott, sondern alle, die um mich sind, die werden sich alle überschlagen mit Freundlichkeiten und mit Gutheit. Und wir werden nicht mehr krank. Und so weiter. Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich kann es nur erahnen.

Und das hat der Paulus im Hinterkopf. Und darum sagt er "Ich sehne mich danach, bei Christus zu sein, denn das wäre bei weitem das Beste." Das heißt, der Paulus ist jetzt nicht so ein selbstmordgefährdeter Mensch, sondern ein sehr, sehr realistischer Christ, der glasklar vor Augen hat, was noch kommt. Und ich denke, dieses Wissen um das, was noch kommt, das befreit in. Das befreit ihn im Diesseits alles zu geben. Weil er weiß, er hat ja nichts zu verlieren, weil es wartet eine Ewigkeit voller Freude auf ihn. Und das ist auch so ein Aspekt der Ewigkeit. Auch das können wir uns, denke ich, nur sehr schwer vorstellen. Aber setzt es mal ins Verhältnis. Nehmen wir mal an, wir werden 80, 90 wenn es hochkommt 100 Jahre alt. Und jetzt nehmen wir mal an, der Himmel wäre für 200 Jahre. Ja, nun könnte man sagen, das ist auf jeden Fall schon mal ein Verhältnis von zwei zu eins. Da wäre doch jetzt die Herrlichkeit auf jeden Fall schon mal "mehr" als das Leid auf Erden. Aber wir werden nicht 200 Jahre im Himmel sein oder 2000 oder 20.000, 200.000, 2 Millionen. Wir werden für immer und ewig im Himmel sein. Wer sich ein bisschen in der Mathematik auskennt, der weiß, wenn ich eins durch Unendlich teile, da kommt nur null raus. Und das ist der Grund, warum der Paulus das sagt. Das, was wir hier erleiden, was wir erwarten, wo wir hoffen und leiden, ist ein Nichts im Vergleich mit dem, was kommt. Und das, denke ich, setzt den Paulus frei. Das setzt ihn frei zu sagen: "Ich habe nichts zu verlieren, ich habe alles schon gewonnen, es liegt alles vor mir!"

Das wird kommen. So sicher wie das Amen in der Kirche. Und deswegen kann er schreiben: "Für euch ist es besser, wenn ich lebe." Und was wünscht er sich da? Ich denke, es sind drei Sachen. Vielleicht steckt noch mehr im Text drin. Aber es sind drei, auf die ich jetzt mal schauen will. Er wünscht sich, "dass ich immer unerschrocken für Christus eintreten werde." Was meint er damit? Er wünscht sich, dass er sich durch nichts und niemand davon abhalten lässt, das Evangelium weiterzugeben, für die gute Nachricht einzustehen, egal wie viele Leute dagegen schreien. Er wünscht sich, "dass durch mein Leben Christus geehrt wird." Er wünscht sich, ein gutes Zeugnis zu sein, weil er genau weiß, dass die einzige Bibel, die viele Leute jemals lesen werden, ist unser Leben. Und er wünscht sich, dass sein Leben im Einklang mit dem ist, was Christus uns aufgetragen hat, nämlich Liebet einander: liebe Gott und liebt einander. Paulus wünscht sich, dass er ein gutes Zeugnis ist.

Und vor allen Dingen wünscht er sich, dass die Gemeinde im Glauben wachst und erlebt, welche Freude der Glaube bringen kann. Das heißt, er wünscht sich, dass seine Glaubensgeschwister ihr Vertrauen auf Jesus setzen und in diese Freude des Glaubens hineinwachsen. "Und...", sagt er, "...trotz alledem: wegen der Herrlichkeit, die vor mir ist, kann ich alles geben" und diesen Satz sagen: "Für euch ist es besser, wenn ich lebe." Er gibt sich hin.

Jetzt könnte man sagen, ja, das ist jetzt schon freisetzend, zu sagen, "Hier unten ist es nicht so leicht. Aber ich habe eine große Motivation, weil eine unendliche Herrlichkeit auf mich wartet. Weil ich begriffen habe: ich habe nichts zu verlieren." Aber irgendwie ist es doch anstrengend, oder: Heilig werden.

Ich glaube, dass in diesem Text, insbesondere im Vers 26 das ganze Evangelium drin steckt. Joi und ich haben uns ein bisschen drüber ausgetauscht und das ist auch der Grund, warum ich den Vers 26 aus einer anderen Übersetzung genommen habe: Ich habe erst mal ins Griechische reingeguckt. Das ist ultra schwer zu übersetzen. Für mich zumindest Weil das, was dort im Griechischen eigentlich steht, ist, dass die Gemeinde in Philippi Grund hat sich in Paulus in Christus zu rühmen. Es ist so wie so eine verschachtelte Puppe. Kennt ihr die? Das heißt, man muss das erst mal entpacken, was in diesem Vers drinsteckt. Dieses "was Jesus Christus durch mich an euch getan hat". Ich glaube, da steckt das komplette Evangelium drin. Dem Paulus ist glasklar: Es ist nicht er, der handelt. Es ist nicht er, der jetzt großartig was geleistet hat. Sondern es ist "Christus in euch die Hoffnung der Herrlichkeit".

Und das schönste Beispiel, was ich da für je gefunden habe, das ist von Martin Schleske, einem der besten Geigenbauer der Welt. Der hat ein Buch geschrieben. "Der Klang". Kann ich jedem nur ans Herz legen. In diesem Buch beschreibt er auf zwei Ebenen eine Geschichte. Die oberflächliche Ebene ist, wie eine Geige entsteht. Und da geht er mit dem Leser in den Wald und sucht den Baum aus. Er geht mit dem Leser durch die ganze Geschichte. Wie der Baum gefällt wird; das Holz geschnitten, das Holz getrocknet, das Holz am Klang ausgewählt, zur Geige verarbeitet. Und so weiter und so fort. Aber das Buch endet damit, dass die Geige, wenn sie fertig ist, noch nicht ihr Ziel erreicht hat. Sondern zum wirklichen Wunder wird sie erst, wenn sie von einem Musiker gespielt wird, der dieser Geige würdig ist. Und auf einer anderen Ebene spürt man diesem Buch ab, dass er die Geschichte Gottes mit seinen Menschen beschreibt. Gott hat uns auserwählt. Er hat uns geschaffen. Er hat uns zusammengesetzt. Er hat uns ausgestattet mit unseren Gaben. Und es ist er, der dieses Instrument bedient. Und das, denke ich, ist das, was Gott sich von uns wünscht. Nicht, dass wir uns verkrampfen und krumm buckeln und meinen, wir müssten ihm irgendetwas bringen. Wir haben ihm nichts zu bringen. Gar nichts. Da kommen wir nachher noch drauf (Johannes 15,5).

Sondern Gott möchte an uns, in uns und durch uns wirken. Er möchte seine Sinfonie der Liebe durch unser Leben spielen. Das heißt, es geht nicht um unsere Leistung. Es geht um unsere Hingabe. Es geht darum, dass wir unser Leben ihm zur Verfügung stellen und ihn spielen lassen. Und ich denke, dass diese Erkenntnis unglaublich entlastend ist. Ermutigend. Beflügelnd. Ich muss Gott nichts bringen. Ich muss für Gott nichts leisten. Alles, was er sich von mir wünscht, ist, dass ich zu ihm komme und mich ihm zur Verfügung stelle. Und ihn machen lasse.


Was können wir tun?

Trotzdem hatten wir im Inhaltsverzeichnis die Frage gestellt: "Was können wir tun?" Nachdem, was ich gerade gesagt habe, sollte klar sein, dass das, was wir tun können, was wir beitragen können, in keinster Weise eine Leistung ist, die einen Unterschied macht, sondern auch wiederum etwas, was dieser Hingabe entspricht. Ich denke, das Erste und Wesentlichste, was wir machen können ist: immer wieder auf Christus zu schauen. Ich persönlich schaue am liebsten auf dieses Bild (ich bin mir nicht ganz sicher: ich glaube, es ist die Sixtinische Kapelle). Auf Christus zu schauen. Auf seine Gnade, auf seine Treue. Darauf, dass er mir immer und immer und immer wieder vergibt. Das rührt mich zutiefst. Das habe ich nicht verdient. Manchmal fällt mir das sogar schwer zu glauben. Weil ich immer und immer wieder Böcke schieße. Aber er bleibt treu. Und dieser Blick ans Kreuz. Dieser Blick auf Christus. Der macht mich froh und der macht mich dankbar. Und der ist es, der mich immer wieder motiviert zur Hingabe.

Und wenn euch das aus dem Blick gekommen sein sollte: Dann könnt ihr noch etwas tun: Lest Psalm 103. Dort kommt dieser wunderbare Vers vor: "der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit." Ihr Lieben! Wir machen von morgens bis abends Bockmist. Und wenn ich mich im Spiegel schaue, dann denke ich mir, eigentlich müsste Gott mich links und rechts abwatschen. Und was macht er? Er sagt: "Dich will ich krönen mit Gnade und Barmherzigkeit."

Was kann ich noch tun? Ich kann mir immer wieder vor Augen führen: "Das Beste kommt noch." Das, was wir hier erleben, das ist nicht alles. Es ist ein winziger, verschwindend kleiner Bruchteil unseres Lebens. Eins dividiert durch unendlich ist null. Das, was wir hier erleben und erleiden ist nichts, absolut nichts, im Vergleich mit der Herrlichkeit, die auf uns wartet! Und diese Herrlichkeit kommt gewiss. So, wie alles andere gekommen ist, was Gott versprochen hat. Und ich denke, dass dieser Blick befreit zur Hingabe.

Und last but not least können wir noch etwas tun. Wir können Johannes 15,5 lesen. Und dort steht geschrieben: "Wer in mir bleibt, und ich in ihm, der bringt viel Frucht." In dem Vers steht auch: "ohne mich könnt ihr nichts tun." Nicht 'wenig'. Nicht 'ganz wenig'. Nicht 'nur ein klitzekleines bisschen'. Sondern 'nichts!'. Und wenn wir das begreifen: "Wir können nichts tun. Null. Null-komma-Null!" Sondern: "Es ist Christus in uns, der alles tut." Dann glaube ich, haben wir ein paar Zutaten beieinander, die uns befreien, uns Hoffnung machen. Und die uns motivieren, uns hinzugeben. Da muss ich nicht viel tun. Nur ihn spielen lassen, mich ihm zur Verfügung stellen.

Und das immer wieder mit diesem Blick ans Kreuz, mit dem Blick auf Christus und mit dem Gedanken im Herzen "Was für ein Gott!" Ein Gott, der die Ewigkeit verlässt: Höchste Herrlichkeit, höchste Glückseligkeit. Und an einem Kreuz verreckt, damit ich an seiner Herrlichkeit Anteil bekomme.


Ein Blick in die Zukunft

Lasst mich zum Schluss mal einen Blick in die Zukunft der Gemeinde wagen. Stellt euch mal vor, wie das wäre. Wenn uns das alles in ein paar Jahren (wir können ja heute schon damit anfangen!) immer besser und besser gelingt. Stellt euch das mal vor: dass wir eine Gemeinde sind, die vor Freude platzt. Über die Güte und Gnade Gottes, über seine Treue, über seine Vergebung. Eine Gemeinde, die motiviert ist, diese Freude zu verbreiten, weil sie gar nicht weiß, wohin damit. Sie möchte, dass auch andere Menschen an dieser Freude, an diesem Glück Anteil bekommen. Stellt euch mal vor, wir wären eine Gemeinde, die voller Vorfreude auf den Himmel ist. Befreit, sich von Jesus gebrauchen zu lassen, damit seine Vision Wirklichkeit wird: Eine Welt voller Liebe. Und stellt euch einmal vor, wir wären eine Gemeinde, die befreit ist von dem Krampf und von der Last, weil wir begriffen haben, dass es nicht an uns liegt, sondern an Christus in uns. Der uns Vollmacht verleiht. Und alles, was uns bleibt, ist, uns zur Verfügung zu stellen. Ich denke, wenn uns das gelingt, dann werden wir einen Unterschied machen hier in Hadern. Und das wünsche ich mir von Herzen.

Amen.


Sonntag, 12. Januar 2020

Die Jahreslosung 2020 „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Markus 9, 24)

[Predigt als MP3]

Einleitung

Seham hat Gastritis und ich habe für sie gebetet. In mir war dabei ein riesiger Kampf. Warum?  Ich hatte Zweifel! Woran? Bestimmt nicht Gottes Können (Er kann ein Universum aus dem Nichts schaffen“). Bei mir ist es vielmehr ein Zweifel an Gottes Wollen. Ich habe vielmehr Angst, dass „nichts passiert“. 

Aber warum? Zum einen: Woher soll ich vorher wissen können, dass Er „Ja!“ sagt? Ich meine: außer bei einer mir bekannten ausdrücklichen Verheißung? Vor allem aber: Was bedeutet das, wenn nichts passiert? Dass Gott „Nein!“ sagt? Dass Gott nicht existiert? Dass ich nicht feste genug glaube? Dass ich vielleicht gar nicht richtig gläubig bin? Oder (für mich) am schlimmsten: Dass Gott mich nicht leiden kann? 

Solche Gedanken können einen innerlich zerreißen! Und solche Zweifel haben wir alle! Welcher ist Deiner?

Wie 

  • ... diese „Schäden“, die wir mit uns rumtragen, unseren Glauben hindern ...
  • ... und wie das mit der Jahreslosung zusammenhängt ...
  • ... und was die Lösung dafür ist ...

das wollen wir uns im folgenden mal etwas genauer ansehen.


Inhalt 

Worum geht es also heute?

  • Unser Text
    • Zu Beginn möchte ich mit Euch den Text lesen
    • Und auch kurz zusammenfassen, was da passiert ist

  • Der wunde Punkt
    • Dann - zusammen: den wunden Punkt des Vaters anschauen
    • Wo liegt die Schwierigkeit?
      • 1x von der theologischen Seite
      • 1x von der psychologischen Seite

  • Der Tag der Wahrheit
    • In den Kern vordringen:
      • Was genau ist das Problem?
      • Was genau ist die Ursache?

  • Der Hoffnungs-Schlüssel
    • Bei allen wunden Punkten und Problemen ist doch die Frage: 
    • „Was ist nun der Schlüssel?“. Auch dahinein möchte ich Euch mitnehmen

  • Balsam für Dein Herz
    • Zum Schluss möchte ich uns 4 hilfreiche Gedanken mit auf den Weg geben

Lasst uns zu Anfang mal den Text gemeinsam lesen.


Unser Text

Die Heilung eines besessenen Knaben

Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn. Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen? Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, daß sie ihn austreiben sollen, und sie konnten's nicht. Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riß er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist's, daß ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, daß er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst - alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! Als nun Jesus sah, daß das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! Da schrie er und riß ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, so daß die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. Und als er heimkam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.

Was war passiert?

Jesus kommt vom Berg der Verklärung (Joh 1,14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“) herunter in die Realität dieser Welt. 

Und was sieht Er?Er sieht die Pharisäer streiten mit den Jüngern streiten (Ähnlich wie Moses am Sinai  das Volk ein goldenes Kalb anbeten sah, direkt nachdem er Gott begegnet war und die 10 Gebote von ihm erhalten hatte). Und worüber wurde gestritten? Über Sinn und Unsinn dieser "neuen Religion", die angeblich "kraftlos" war (bitte nicht vergessen: die Jünger hatten bereits böse Geister ausgetrieben!).

Auch interessant finde ich an diesem Bericht: Kaum kommt Jesus, plötzlich tun alle plötzlich ganz freundlich. Und was dann passiert ist eine Demonstration in Leadership: Jesus nimmt die Situation in die Hand, stellt sich vor seine Jünger und fragt was anliegt.

Der Vater meldet sich: er ist aufgrund der Geschichte schwer belastet und von der Situation und dem Unvermögen der Jünger frustriert und enttäuscht. Und was mach Jesus? Erst einmal schimpft Jesus seine Jünger und auch die Menge für ihren Unglauben. Doch warum?  Weil der Unglaube eine Majestätsbeleidigung ist! Als ob Gott nicht helfen könnte oder wollte!

Gott ist das Inbild der Weisheit, Güte und Allmacht in Person. Er ist das Inbild von Wahrheit und Schönheit und Gerechtigkeit! Nochmal: Joh 1,14: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Es gibt keinen Grund an Gott zu zweifeln!

Und dann lässt Jesus sich den Jungen bringen. Und sofort reißt in der Geist, weil er weiß, was ihm blüht. Doch unbeeindruckt von der Show des Dämons fragt Jesus weiter und erfährt die tragische Historie des Jungen. Und bitte bemerkt: Während der ganzen Zeit gibt es noch immer keine Gebetserhörung; keine Linderung des Leidens von Vater und Sohn!

Aber warum macht Jesus das? Auch das werden wir uns noch ansehen.


Der Wunde Punkt

Im folgenden möchte ich mit Euch den wunden Punkt des Vaters anschauen und uns fragen: Wo genau liegt die Schwierigkeit? 1x von der theologischen Seite. 1x von der psychologischen Seite.

Der Vater wird also immer verzweifelter und ruft: „Wenn Du etwas kannst“. Er hat also eher das „kann-nicht-Problem“ - und nicht (wie ich) das „will-nicht-Problem“. 

Doch dann spitzt Jesus die Situation aufs äußerste zu, indem Er sagt: "dem, der glaubt, sind alle Dinge möglich“. Ja toll! Dieser Satz muss sich für den Vater angefühlt haben, ist wie ein Stich mit einem glühenden Eisen mitten ins Herz. Er verhundertfacht seinen Schmerz. Und zwar, weil dieser Satz ihn auf seinen wunden Punkt hinweist: auf Seinen Zweifel.

Was aber genau ist das Problem? 

Zuerst mal theologisch: In Hebräer 11,6 steht: „Aber ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er ist und daß er denen, die ihn suchen, ihren Lohn gibt.“ Und in Epheser 2,8+9: „Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,  nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“

Das also ist der wunde Punkt: Ich soll glauben! Ich kann Glauben aber nicht machen Ich kann Jesus kein Werk, keine Leistung präsentieren, die Ihn verpflichten würde, mir zu helfen! Ich kann Gott also nichts bringen, außer meinem Zweifel. Ich kann also nur nackt vor Gott stehen, so wie ich wirklich bin - und Ihn um Seine Gnade bitten (Johannes 4,24: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“).

Ich kann das Problem nicht mit der Kraft meines Willens lösen! Aber wie kann Gott von mir Glauben fordern, wenn er doch weiß, dass ich ihn nicht machen kann? Was bleibt mir da noch?

<wir werden sehen>


Der Tag der Wahrheit

Jetzt möchte ich mit Euch gemeinsam in den Kern vordringen: 

  • Was genau ist das Problem? 
  • Was genau ist die Ursache?

Zuerst einmal ist eines super-wichtig: Jesus hilft trotzdem! Das erinnert mich an Hesekiel 37,11-13: „Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Gebeine sind das ganze Haus Israel. Siehe, jetzt sprechen sie: Unsere Gebeine sind verdorrt, und unsere Hoffnung ist verloren, und es ist aus mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will eure Gräber auftun und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf und bringe euch ins Land Israels. Und ihr sollt erfahren, daß ich der HERR bin [...]“

Und noch etwas: Die Erkenntnis, dass ich nackt bin vor Gott ist bereits Ergebnis Seines Heils-Werks an mir: ohne Seinen Geist würde ich mich gar nicht an Ihn wenden: Johannes 6,44: „Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat [...]“. Das heißt: ohne das Wirken von Gottes Geist hätte ich gar keine Erkenntnis über meinen verlorenen Zustand. Versteht ihr? Die Tatsache, dass ich merke, dass ich ein Problem habe – ist bereits der Hoffnungsschimmer! Ich kann erkennen, dass ich zweifle, weil ich schon Glauben habe!! Mit anderen Worten: Zweifel ist eine Krankheit, die man nur bekommen kann, wenn man glaubt!

Ich fasse noch mal zusammen: Jesus brauche ich nichts zu bringen: Er hilft von Herzen gerne!  Ihm genügt das kleinste Quentchen Glauben!

Doch was ist jetzt die Lösung? Und was hat das damit zu tun, dass Jesus den armen Mann so auf die Folter spannt? Was können wir aus dem allen lernen? Warum macht Jesus das?

Ich denke, es geht um den Tag der Wahrheit: Jesus will den Mann konfrontieren will mit der Wahrheit. Mit dem, was in Seiner Seele kaputt ist. Mmit der Tatsache, dass er grundlegende, echte Zweifel hat. Ganz konkrete Zweifel – ja Unglauben!

Aber Warum lässt Jesus den Mann so durchs Feuer gehen? Ich denke, weil Jesus will, dass der Mann ehrlich wird in Seinem Gebet. Weil ER längst weiß, dass in ihm etwas kaputt gegangen ist. Weil ER längst weiß, dass er in seinem Leben eine traumatische Erfahrung gemacht hat. Nicht zuletzt mit den Jesu Jüngern (für den Mann war das sicher, wie eine Bestätigung: „Es geht ja eh nicht – wie immer!“)

Und weil Jesus weiß, wo unsere Zweifel herkommen: weil Grundüberzeugungen in unserem Leben zerbrochen wurden! Und weil Jesus weiß: das muss etwas heilen in unseren Herzen! Und damit es heilen kann, müssen wir darüber reden – es endlich aussprechen. Wir müssen die Dinge endlich beim Namen nennen!

Was habe ich gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt, getastet? Was habe ich empfunden? Angst? Schmerz? Zorn? Furcht? Was habe ich gebraucht? Sicherheit? Freiheit? Geborgenheit? Hoffnung? Welche Überzeugung ist in mir zerbrochen? Die Zeit wird nicht reichen, hier noch weiter in die Tiefe zugehen. Nur so viel: es muss alles raus – es muss ans Licht! So, wie es im Evangelium heißt: Johannes 8,32: „ihr [...] werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“


Der Hoffnungs-Schlüssel

Bei all unseren wunden Punkten und Problemen ist doch die tiefste Frage: „Was ist nun der Schlüssel?“ Ich glaube, dass es 4 ganz wesentliche Schlüssel gibt – uns sie stecken im Text!

Der 1. Schlüssel ist Gnade

Für mich das allerwichtigste an diesem Text ist: Jesus beantwortet Gebet. Selbst dann, wenn unser Glaube durchsät ist von Zweifeln. Jesus reicht dieses Quentchen von Glauben – dieses „Ich glaube...!“ Übrigens: obwohl mein Gebet für Seham‘s Gastritis von mir die "Schulnote 5" bekommen hätte (mangelhaft), waren Sehams Magenschmerzen am nächsten Tag weg!

Der 2. Schlüssel ist Glaube

Was aber ist das genau „Glaube“? Heb 11:1 „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ In diesem Text steckt die Lösung! Es geht um das, was man nicht sieht! Wie können wir aber das Unsichtbare sehen? Durch Offenbarung; durch Gottes Wort! Ein Teil der Lösung besteht also darin, sich auf Gottes Wort zu stellen! Auf Seine Verheißungen. Dazu müssen wir Gottes Wort lesen! Übrigens: es gibt ganze Bücher voll mit Verheißungen zum Nachschlagen!

Der 3. Schlüssel ist das Gebet

Manche Situationen erfordern besonders intensives Gebet. Aber wozu? Bestimmt nicht, um noch ein Quentchen Glauben mehr aus der eigenen Seele heraus zu quetschen. Ich hoffe, das ist klar geworden – es geht nicht um Leistung. Auch nicht, um damit Gott zu beeindrucken. Und schon gar nicht darum, Gott zu etwas zu zwingen (als ob man Gott zu etwas zwingen könnte!)

Sondern es geht darum, Gott nahe zu sein. IHM zu begegnen. In Seiner Herrlichkeit, Gnade, Barmherzigkeit, Geduld, Güte, Treue, Weisheit, ... Im Anblick Seines Kreuzes das Vertrauen (zurück) zu gewinnen. Dass ER gut ist! Um IHM die eigenen Sorgen und Nöte in seine guten Hände zu übergeben. Um auf das vorbereitet zu werden, was GOTT tun will.

Matthäus 7,7-8 steht „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ Und Habakus 2,3 steht „Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht trügen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiß kommen und nicht ausbleiben.“

Der 4. und für heute letzte Schlüssel liegt in der Seelsorge

Es gibt Dinge, Überzeugungen in uns, die sind zerbrochen, weil Schlimmes passiert ist. Diese Dinge in unserer Seele brauchen Gottes Heilung. Das ist manchmal nicht mehr alleine möglich. Dann brauchen wir Seelsorge. Wir brauchen es, im Gespräch miteinander und mit Gott die Dinge auszusprechen, die uns geprägt haben; die etwas in uns zerbrochen haben. Wir brauchen Gebet und Gottes Hilfe. Wir brauchen eine Neuprägung. Dazu ist das seelsorgerliche Gespräch da.


Balsam für Dein Herz 

Zum Schluss möchte ich uns 4 hilfreiche Gedanken mit auf den Weg geben:

  • Gnade: 
    • Sei getrost: Gott hört dein Gebet!
    • Jesaja 42,3 steht: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.“

  • Glaube: 
    • Halte fest an Gottes Wort 
    • Vertraue auf Gottes Verheißungen für Deine Situation!
    • Denke daran: Hebräer 6,18: „es ist unmöglich, dass Gott lügt“

  • Gebet: 
    • Gehe ins Gebet (nicht nur heute, nicht nur kurz, sondern wirklich intensiv!)   begegne wirklich Gott: sprich mit Ihm offen über Deinen Zweifel und bitte Ihn um Gnade und Hilfe: darum, Dir die Ursachen zu offenbaren und Dich innerlich von dem zu heilen, was Dich zweifeln lässt. Werde ehrlich – stelle Dich ganz in das Licht Seiner Wahrheit – : Wo genau, angesichts welcher Situationen, in welcher Hinsicht, läuft Dein Glaube auf Grundeis? Woran (ver-)zweifelst Du?

  • Seelsorge:
    • Schütte Dein Herz einem erfahrenen Seelsorger aus.