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Samstag, 29. Juli 2017

Echte Treue - 2Tim 4,1-7


Einleitung

Was ist „Echte Treue“? Manche von uns mögen dabei an ein Liebespaar denken, dass sich bis ins hohe Alter die eheliche Treue hält. Und das ist sicher ein gutes und ein schönes Bild. Denn auch in der Ehe gibt es stürmische Zeiten, die es zu überstehen gilt. Echte Treue gibt es nicht umsonst. Sie kostet etwas. Sie braucht Durchhaltevermögen. Und Selbstbeherrschung. Und gelegentlich braucht sie auch ein gerüttelt Maß an Leidensfähigkeit.

Wenn ich an „Echte Treue“ denke, dann denke ich – und ich bin nicht einmal ein ausgesprochener Fan von König Artus‘ Tafelrunde – an alte Rittersagen. Weil es darum nicht nur um Tugenden geht, sondern weil es dort auch um echte Gefahren geht. Um Mut. Um Kampf. Und eben um echte Treue – bis in den Tod. Treue, die etwas kostet. Treue, die auch Leidensbereitschaft mit einschließt. Und eben Tugendhaftigkeit.

Nun sind wir als Kinder Gottes natürlich nicht aufgerufen, alle Ritter zu werden. Und doch gibt es Elemente im christlichen Leben, die der Treue eines Ritters gegenüber seinem König gar nicht so unähnlich sind. Nicht zuletzt dienen wir ja einem König – ja, dem König der Könige! – und zu welcher Art von Treue ER uns ruft, darum wird es heute gehen.


Übersicht

In unserer heutigen Predigt möchte ich uns mit hinein nehmen in den Kontext unseres Textes – 2. Timotheus 4,1-7 – in die Situation des Paulus, wie auch in die Situation der Kirche damals – und uns dann, nachdem wir den Text gehört haben – mit hinein nehmen in unsere Zeit, die der des Paulus so unerwartet ähnlich ist – um uns zum Schluss Gottes Willen und Wunsch für unser Leben in dieser Zeit aufzuzeigen: Echte Treue.

Der Kontext

Historisch
Paulus sitzt in Rom. Er ist am Ende seines Lebens und seines Lebens in der Nachfolge angelangt. Er sitzt im Gefängnis und erwartet seine Hinrichtung. Timotheus ist sein Nachfolger. Paulus wünscht sich dringend seinen Besuch. Es ist beinahe Winter und Bootsüberfahrten von der Levante nach Italien sind von 10. November bis 10. März nicht mehr möglich (in dieser Zeit wurde der komplette Schifffahrtsbetrieb eingestellt). Doch selbst vom 15. September bis 9. November und vom 11. März bis zum 26. Mai waren Überfahrten teils noch sehr gefährlich. Darum ruft Paulus Timotheus zur Eile auf.

Die äußere Situation der Gemeinde - Verfolgung
Die äußerliche Situation der Gemeinde ist gekennzeichnet von der Christenverfolgung durch Nero: wir denken an "menschliche Fackeln", "Brot und Spiele" und Christen, die "den Löwen zum Fraß vorgeworfen" wurden. Paulus selbst wurde ~ A.D. 64 unter Nero hingerichtet

Die innere Situation der Gemeinde - Verführung
Die innere Situation der Gemeinde ist gekennzeichnet durch Angriffe griechischer Intellektueller: sie verbreiten die "Gnosis" – ein esoterisches Sonderwissen voll philosophischer Spekulationen. Alexander und Hymenäus "demythologisieren" den Glauben ("es gibt nichts Neues unter der Sonne":  Rudolf Bultmann). Irrlehrer - gekennzeichnet durch: Egoismus, Heuchelei, Sündhaftigkeit, Zügellosigkeit, Lasterhaftigkeit, etc. (sie zogen durch die Häuser und verführten weniger gebildete Frauen, etc.)


Der Text
Ohne näher auf den Aufbau einzugehen, ist der 2. Timotheusbrief – samt seiner Kernbotschaft – schnell auf den Punkt gebracht:  Er ist Paulus' Testament - Er ist Paulus‘ letzter Aufruf an Timotheus - Und er hat folgende – wesentliche – Facetten:

1. Mut statt Scham: den Aufruf zum Mut, zum Evangelium zu stehen, trotz äußeren oder inneren Widerstandes – also den Aufruf, sich seines Glaubens nicht zu schämen, sondern das Evangelium zu predigen. 2Tim 1:8 „Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin [...]“

2. Heiligung statt Lasterhaftigkeit: den Aufruf, durch die persönliche Heiligung, ein gutes Vorbild und Zeugnis zu sein: voll Glauben, friedlich, freundlich, keusch und gerecht -- statt ungerecht und Leidenschaften und Lüsten ergeben. 2Tim 2:22 „Fliehe die Begierden der Jugend! Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen.“

3. Leidensbereitschaft statt Feigheit: den Aufruf, leidensbereit zu sein und zu predigen, statt sich schamvoll zu verkriechen und zu schweigen. 2Tim 1:8 „[...] leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes.“, 2Tim 2,3 „Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu.“

4. Und das Hauptstück – Die Bewahrung der Lehre: den Aufruf, die rechte Lehre zu bewahren und damit Widerstand gegen Irrlehrer zu leisten. 2Tim 2:2 „was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren.“

5. Was ist diese Lehre? Sie ist Gottes Wort – die Heilige Schrift – das Zeugnis des Planes Gottes – und des Werkes Christi – sie ist die Wahrheit. 2Tim 1:9-10 „[Gott] hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus - der dem Tode die Macht genommen und das [ewige] Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“

Diese 2 Verse enthalten das ganze Evangelium:
  • Wir sind von Gott berufen vor Grundlegung der Welt
  • Wir sind errettet aus Gnade – nicht aus Werken
  • Wir sind Selig in Christus allein – dem Gott, der sich in der Geschichte offenbarte
  • Wir haben Hoffnung auf ewiges Leben – und auf einen neuen Leib
Das ist das Evangelium, das wir  weitersagen sollen! Das ist die Gute Botschaft, die wir bewahren sollen. Gegen allen Widerstand von außen oder von innen. Hören wir die Botschaft noch einmal: 2Tim 1:9-10  „[Gott] hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus - der dem Tode die Macht genommen und das [ewige] Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“

Nachdem wir nun gesehen haben, aus welcher Situation heraus Paulus den 2. Timotheus Brief schrieb – als „dead man walking“ – in eine Gemeindesituation, die geprägt war von äußerer Verfolgung und innerer Verführung – und nachdem wir im groben gehört haben, was Paulus so am Herzen lag: Mut, Heiligung, Leidensbereit-schaft und die Bewahrung der reinen Lehre von der Gnade und Liebe Gottes - Hören wir das Wort, um das es heute gehen soll:

"1 So ermahne ich dich inständig vor Gott und Christus Jesus, der da kommen wird zu richten die Lebenden und die Toten, und bei seiner Erscheinung und seinem Reich: 2 Predige das Wort, steh dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. 3 Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, 4 und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren. 5 Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus. 6 Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen.  7 Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; 8 hinfort liegt für mich bereit die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben." (2Tim 4:1-7)

Zusammenfassung des Textes
Glauben ist also ein Marathon, ja ein Kampf! Auf dem Spiel stehen: Gottes Wort, Seine Wahrheit, die rechte Lehre. Die Kontrahenten sind: persönliche Lüste, dem Gusto angenehme Fabeln und Irrlehren. Die Waffen im Kampf sind: Nüchternheit, leidensfähige Hingabe und das Evangelium.


Die Gegenwart

Außen – Verfolgung
Wir erfahren es über OpenDoors, Hilfe für die Märtyrerkirche (HMK) oder Christian Solidarity International (CSI): » Blutige Attentate von IS und Boko Haram, Christen, die um ihres Glaubens willen verfolgt, vergewaltigt, aufgeschlitzt oder geköpft werden. » Bei uns ist es milder: Wir haben den modernen Atheismus, der in selbstherrlicher Aggressivität unseren christlichen Glauben verhöhnt.  Was in der Welt vorgeht, bedrängt meinen Glauben immer wieder aufs äußerste – und ich bin dankbar, dass Luther in seinem Traktat „Von der freien Gnade“ geschrieben hat:
„Ich will ein Exempel geben, denselben Glauben zu stärken, und zu trösten diejenigen, so mit schelen Augen Gott verdächtigt haben, als sei er ungerecht. Siehe, Gott der Herr würket in äusserlichen Dingen in dieser Welt also, daß wenn man es nach Vernunft sollte ansehen und richten, man sagen müßte, daß entweder kein Gott wäre, oder je ein ungerechter Gott wäre, wie jener Poet sagt: Es ficht mich oft an, daß Gott sei. Denn siehe, wie es den Gottlosen in der Welt aufs allerbeste gehet; wiederum, wie es den Frommen und den Christen allenthalben so ganz übel gehet, wie dann solches das tägliche gemeine Sprüchwort und die Erfahrung, aus welcher alle Sprüchwörter kommen, bezeuget, daß man sagt, je größer der Schalk, je besser Glück: Und in den Hütten der Gottlosen (sagt Hiob) ist die Fülle allenthalben. In dem Psalm 73 ist auch die Klage, daß die Gottlosen in der Welt den Reichthum besitzen. Nun Lieber, sage mir, ist es nicht bei allen, so Vernunft und Verstand haben, für ganz unrecht anzusehen, daß es gottlosen und bösen Buben nach Wunsch soll gehen, und daß die Frommen im Kummer, Jammer, Herzeleid und allem Uebel sollen stecken? Wohlan, nun ist je öffentlich der Weltlauf also, und ist stets also gewesen von Anbeginn. (S. 541.)“
Und Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) – ein schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts tröstet darüber in seinem Kommentar zu Römer 4:16: 
"Und wie Abraham auf Gottes Wort und Allmacht hin auch solches glaubte, wovon er jetzt nichts sah, ja, solches, das aufs höchste gegen alles stritt, was er sah oder bei sich fühlte, so muß auch jeder Christ auf die Zusage des Herrn hin glauben, seinem eigenen Sehen und Fühlen ganz zuwider. Das ist es, was eigentlich Glaube heißt; der Glaube an Gottes Allmacht und Treue, daß Er alles jetzt Gesehene und Gefühlte in das Gegenteil wenden kann. So hat Luther zum Trost der armen Christen den Glauben Abrahams und den Gott Abrahams dargestellt, der dem ruft, das nicht ist, daß es sei, indem er sagt: ,,Es scheint wohl nicht, wenn man Seine Christen mit Füßen tritt oder ihnen die Köpfe abhaut, daß es soll Ehre und Herrlichkeit, Freude und Seligkeit heißen, sondern es fühlt sich nur als eitel Widerspiel. Aber Gott spricht: Ich kann machen, daß da stehe, was da nicht ist, und daß eitel Freude werde aus Traurigkeit und allem Herzeleid. Ich kann sagen: Tod und Grab, sei du Leben! Hölle, werde du Himmel und Seligkeit! Gift, sei du köstliche Arznei und Labsal! Teufel und Welt, sei du Meinen Christen nützlicher als die lieben Engelein und frommen Heiligen! Denn Ich kann und will Meinen Weingarten also bauen und warten, daß er durch allerlei Leiden und Unglück nur besser soll werden."
Innen - Verführung
  • Anthropozentrische Anbetung → Zweck = Hochgefühl vs. Verherrlichung Gottes
  • Emotionszentriertes Glaubensleben → Gefühl vs. Wort
  • lockerer Umgang mit körperlichen Sünden → Seelsorge:  "Anfassen" = normal
  • Facebook-Foren: "Schwärmertum" → Inflation von "Offenbarung" und "Prophetie"
  • Falsche Toleranz ("LGBTQ, Gender, ...) → Menschen lieben vs. Sünden hassen
Diese falsch verstandene Toleranz hat sich nun auch in unserem Grundgesetz niedergeschlagen – ich zitiere aus einem Rundbrief:
"Am 30. Juni 2017, hat der Deutsche Bundestag eine Ergänzung von § 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) beschlossen, der jetzt lautet: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen."  Das ist eine verhängnisvolle Fehlentscheidung. Der eigentliche Skandal besteht [...] darin, dass die evangelischen Kirchen in dieser Sache Vorreiter waren. Der Rat der EKD gab dieser Bundestagsentscheidung in seiner Erklärung vom 28. Juni 2017 bereits vorab die kirchliche Zustimmung: „Dass auch für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden, begrüßt die EKD [...]"
Und das, obwohl die Heilige Schrift – glasklar(!) – davon spricht, was denen blüht, die so leben. Paulus schreibt:
1. Kor 6:9-10: „Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Knabenschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes ererben.“ 
  – oder noch klarer: 
Rö 1:22-28: „Da sie sich für Weise hielten, sind sie zu Narren geworden und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild gleich dem eines vergänglichen Menschen [...] Darum hat Gott sie in den Begierden ihrer Herzen dahingegeben in die Unreinheit, sodass ihre Leiber durch sie selbst geschändet werden, sie, die Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen. Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen. Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist [...]“.
Bitte versteht mich Recht, ihr Lieben: ich habe Freunde in meinem Bekanntenkreis, die schwul sind. Ja, die schwul verheiratet sind. Und ich liebe sie – aufrichtig! Doch das ändert nichts daran, dass das, was sie tun, Sünde ist – Sünde, die genauso der Umkehr bedarf, wie Diebstahl, Drogenmissbrauch oder Okkultismus.


Gottes Wille
Was ist es nun also, was Christus von uns – im Angesicht äußerer Verfolgung und Verführung von innen – erwartet? Es ist das gleiche, was Paulus von Timotheus erwartet: Echte Treue – das ist: Der Mut, zum Evangelium zu stehen, trotz äußeren / inneren Widerstandes , d.i. den Mut, sich seines Glaubens nicht zu schämen, sondern das Evangelium klar zu predigen. Die Leidensbereitschaft, zu predigen, statt sich schamvoll zu verkriechen / zu schweigen. Die Persönliche Heiligung: d.i.: den Willen, durch ernsthafte Nachfolge ein gutes Vorbild und Zeugnis zu sein: voll Glauben, friedlich, freundlich, keusch und gerecht -- statt ungerecht, Irrlehren ergeben samt schändlichen Leidenschaften und Lüsten. Rechte Nüchternheit: die Bereitschaft, die rechte Lehre zu bewahren und damit Widerstand gegen Irrlehrer zu leisten - und das Evangelium hoch zu halten, die rechte Lehre, Gottes Wort, die Heilige Schrift, die Wahrheit → das Zeugnis Gottes Gnade, unserer Berufung, dem Leben, Sterben und der Auferstehung Christi und vom ewigen Leben.

Wie wichtig das Festhalten am Wort Gottes ist, mögen uns folgende Stellen zeigen:
  •  Joh 8:31 „Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger.“
  • 1Joh 2,24 „Was ihr gehört habt von Anfang an, das bleibe in euch. Wenn in euch bleibt, was ihr von Anfang an gehört habt, so werdet ihr auch im Sohn und im Vater bleiben.“
  • 2Thess 2,15 „So steht nun fest und haltet euch an die Überlieferungen, in denen ihr durch uns unterwiesen worden seid, es sei durch Wort oder Brief von uns.“

Fazit / Aufruf
  • Bleibe in der Schrift!
  • Bekenne Christus mutig!
  • Lebe heilig!
  • Leide willig!
Mit einem letzten Vers aus Gottes Wort möchte ich schließen – in der Hoffnung, dass er sich uns einprägt in seiner Dringlichkeit – angesichts der Lage von Gottes Volk in unserer Zeit:
Phil 2,14-16 „Tut alles ohne Murren und ohne Zweifel, damit ihr ohne Tadel und lauter seid, Gottes Kinder, ohne Makel mitten unter einem verdorbenen und verkehrten Geschlecht, unter dem ihr scheint als Lichter in der Welt, dadurch dass ihr festhaltet am Wort des Lebens [...]“
 Amen.

Sonntag, 3. Januar 2016

Der rechte Gottesdienst (Ps 50:1-23)

Text

1 Ein Psalm Asafs. Gott, der HERR, der Mächtige, redet und ruft der Welt zu vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. 2 Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes. 3 Unser Gott kommt und schweiget nicht. Fressendes Feuer geht vor ihm her und um ihn her ein mächtiges Wetter. 4 Er ruft Himmel und Erde zu, daß er sein Volk richten wolle: 5 »Versammelt mir meine Heiligen, die den Bund mit mir schlossen beim Opfer.« 6 Und die Himmel werden seine Gerechtigkeit verkünden; denn Gott selbst ist Richter. SELA. 7 »Höre, mein Volk, laß mich reden; Israel, ich will wider dich zeugen: Ich, Gott, bin dein Gott. 8 Nicht deiner Opfer wegen klage ich dich an - sind doch deine Brandopfer täglich vor mir. 9 Ich will von deinem Hause Stiere nicht nehmen noch Böcke aus deinen Ställen. 10 Denn alles Wild im Walde ist mein und die Tiere auf den Bergen zu Tausenden. 11 Ich kenne alle Vögel auf den Bergen; und was sich regt auf dem Felde, ist mein. 12 Wenn mich hungerte, wollte ich dir nicht davon sagen; denn der Erdkreis ist mein und alles, was darauf ist. 13 Meinst du, daß ich Fleisch von Stieren essen wolle oder Blut von Böcken trinken? 14 Opfere Gott Dank und erfülle dem Höchsten deine Gelübde 15 und rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.« 16 Aber zum Gottlosen spricht Gott: »Was hast du von meinen Geboten zu reden und nimmst meinen Bund in deinen Mund, 17 da du doch Zucht hassest und wirfst meine Worte hinter dich? 18 Wenn du einen Dieb siehst, so läufst du mit ihm und hast Gemeinschaft mit den Ehebrechern. 19 Deinen Mund lässest du Böses reden, und deine Zunge treibt Falschheit. 20 Du sitzest und redest wider deinen Bruder; deiner Mutter Sohn verleumdest du. 21 Das tust du, und ich schweige; da meinst du, ich sei so wie du. Aber ich will dich zurechtweisen und es dir vor Augen stellen. 22 Begreift es doch, die ihr Gott vergesset, damit ich nicht hinraffe, und kein Retter ist da! 23 Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes.«


Kommentar

Zusammenfassung

Mit dem Szenario eines gewaltigen Gerichtssaales, in welchem Gott der Allmächtige Selbst auf dem Richterstuhl sitzt und die ganze Welt in den Zeugenstand beruft, malt uns dieser Psalm ein Bild davon, wie der Ewige und Herrliche mit Seinem Volk, das Ihm am Sinai die Treue schwor, ins Gericht geht. Der Kern Seiner Anklage richtet sich gegen die herzlose und oberflächliche Heuchelei eines zum gesetzlichen Ritus verkommenen Gottesdienstes auf der einen und gegen die ignorante und gottesferne Frevelei auf der anderen Seite. Und doch ist Er, der gnädige und barmherzige Gott, noch immer bereit zur Versöhnung und ruft Sein Volk zur Umkehr; zurück in die dankbare Erkenntnis Seiner Selbst, Seines Wesens und Seines Heils.


Struktur

1-6 Der Ewige Herrliche ruft sein Bundesvolk zum Gericht und alle Welt in den Zeugenstand.

7-15 Er klagt den nur noch formalen und herzlosen Gottesdienst seines Volkes an.

16-22 Und er warnt die gottvergessenden Sünder vor Seinem schrecklichen Gericht.

23 Und doch bietet Er allen, die in herzlichem Dank zu Ihm umkehren, Sein Heil an.


Inhalt

1-6 Dieser Psalm Asafs spricht zu uns von der Ankündigung des Gerichtes Gottes über Sein Volk. Er, der von Ewigkeit her besteht (Ps 90:2, Dan 6:27, Joh 8:58, Heb 1:8, Offb 1:18), Er, dem kein Ding unmöglich ist (1Mo 35:11, Hi 42:2, Lk 1:37, Offb 1:8), Er, der Gott des Volkes Israel (2Mo 32:8, Ps 50:7), bricht im Glanz Seiner Herrlichkeit (Hes 10:4) aus Jerusalem, der Schönen, hervor und ruft die ganze Welt vom fernsten Osten bis zum weitesten Westen, in den Zeugenstand. Er kommt, um die Wahrheit zu sagen, nicht, um zu schweigen. Seine gewaltige Präsenz und Sein Wille zur Gerechtigkeit fressen vor Ihm her, wie eine gewaltige Feuersbrunst und ein schweres Unwetter (vgl. Hi 38:1, 40:6). Er kommt, um mit Seinem Volk ins Gericht zu gehen. Er erteilt den Befehl, alle vor Ihm zusammenzubringen, die zu Seinem Volk gehören, weil sie mit Ihm am Sinai einen Bund schlossen, als sie angesichts des Blutes der Opfertiere versprachen, Seine Gebote zu halten (2Mo 24,3-8). Er, der Ewige ist so sehr gerecht, dass sogar die Himmel davon Zeugnis geben werden. Niemand anderes wird der Richter Seines Volkes Gottes sein, als Er selbst, der vollkommen Gerechte. 

So ist nun der Gerichtssaal gefüllt: Gott selbst, der Ewige, Allmächtige und Gerechte - Er, der sich Israel in Liebe und Treue verbunden hatte, Er Selbst ist Richter. Die Nationen der Welt sind Zeugen. Das Volk Israel jedoch, welches einst mit Gott am Berg Sinai den Bund schloss, sitzt auf der Anklagebank. 


7-15 Der Prozess beginnt. Die Anlage erhebt Gott. Er ruft zur Achtsamkeit auf das, was Er zu sagen hat. Angeklagt ist Sein Volk. Eben dies Volk, das Er aus Liebe aus der Knechtschaft befreit hat. Das Volk, dem Er sich persönlich als Gott erzeigt hat; das Volk, mit dem Er einen Bund geschlossen hat. Doch nicht wegen des Opferdienstes klagt Gott Sein Volk an, verläuft dieser doch noch immer täglich nach dem von Ihm vorgeschriebenen Muster. 

Die Anklage reicht tiefer; sie reicht ins Herz: Denn das Wesentliche fehlt. So wie der Ehering nicht die Liebe ersetzt, so ersetzen auch die äußerlichen Opfer nicht den Dank, die Treue, das Gebet und den herzlichen Lobpreis aus der tiefsten Quelle der Seele. Delhalb macht Gott sein Volk also darauf aufmerksam, dass es ihm nicht um ein Opfern um des Opfers willen geht. Er will, wie jeder wahre Liebende, keine Geschenke um des Geschenkes willen. Er Selbst will gemeint sein. 

Wozu auch sollte er die Opfergaben des Volkes als solche wollen? Ihm, dem allmächtigen Schöpfer des Universums, gehört der ganze Erdkreis samt allen Tieren, die darauf leben; vom Hirsch im Walde bis zur Gemse auf den Felsklippen, von den Vögeln im Gebirge bis zu den Hasen auf dem Felde: alles ist Sein Eigentum. Was wir Menschen Ihm opfern, das opfern wir immer als das, was uns geschenkweise oder als Leihgabe anvertraut wurde. Wie ein Kind, das seinem Vater ein Geschenk kauft; von eben dem Taschengeld, das es zuvor von seinem Vater erhalten hat. Auch ist es nicht so, dass Er, der Sich Selbst Allgenügsame, Hunger litte oder es nötig hätte, dass ihm jemand zu essen oder zu trinken gäbe. Gott braucht das Fleisch und das Blut der Opfertiere weder in dem einen noch im anderen Sinne. 

Worum es ihm geht ist die herzliche Liebesbeziehung zu Ihm; dass das äußerliche Opfer sich mit der Liebe verbindet und Ausdruck einer Herzenzhaltung der Dankbarkeit wird, der Treue und des Gebets. Auf diese Haltung des Herzens hat Gott Seine Verheißung gelegt: "Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten!" Und angesichts dieser Errettung sollen wir Ihn von Herzen lobpreisen.


16-22 Nachdem Gott sich gegenüber den Gesetzlichen in Seinem Volk geäußert hat, wendet Er Sich nun mit ganzem Ernst an die Gottlosen. Angeklagt ist noch immer Sein Volk. Eben das Volk, das Er aus Liebe aus der Sklaverei Ägyptens befreit hatte. 

Doch etliche aus diesem Volk sind abgefallen von Gott und hatten Ihn nie in ihren Herzen. Sie sind stur, bockig und halsstarrig. Sie wollen sich nicht erziehen lassen. Und wie später der Sohn Gottes die Pharisäer aufs Schärfste rügt, so schilt auch der Vater die Heuchler in Seinem Volk: Was erdreisten sie sich, von Seinen Geboten zu reden? Gebote, die sie doch selbst nicht halten wollen? Was fällt ihnen ein, Gottes Liebesbund in ihren Mund zu nehmen, wo sie doch schon Seine Worte so sehr verachten, dass sie sie völlig gleichgültig - über die Schulter - hinter sich werfen?

Statt Gott zu lieben, Seine Gebote zu halten und Ihm zu dienen, ist ihr Leben voller Sünde und Gesetzesbrecherei: mit Leichtigkeit begeistert sich ihr Herz für Diebstahl. Völlig kritiklos und nicht im Geringsten angerührt vom herzzerreißenden, Leben und Familien zerstörendem Ehebruch, verbinden sie ihr Leben mit denen, die ihn begehen. Und wenn sie den Mund aufmachen, kommen Lügen, Bosheiten und üble Nachreden heraus, die nicht einmal vor der eigenen Familie haltmachen. Zu allem Überfluss aber haben sie auch noch eine verzerrte, ja völlig verkehrte Vorstellung von Gott: dass Seine abgrundtiefe Liebe, Sein weltumhüllendes Erbarmen und Seine äonische Geduld Ihn davon abhalten, schon jetzt zu verdammen, dass Seine Gnade ihn bewegt, zu schweigen, um ihnen als verstockten Sündern die Zeit zu geben zur Umkehr zu finden, zur Rettung vor Seinem ewigen Gericht - das deuten sie vollkommen irrig als Akt der Verbrüderung.

Doch Gott will ihnen, trotz all ihrer Bosheit - allein zu ihrem Heil - die Augen öffnen und sie korrigieren: »So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: Ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe. So kehrt nun um von euren bösen Wegen. Warum wollt ihr sterben, ihr vom Hause Israel?« (Hes 33,11). Nicht im Zorn spricht er zu ihnen, sondern in händeringender Sorge verlangt Ihn inständig danach, dass sie aus ihrer Gottvergessenheit erwachen und erfassen, in welcher tödlichen Gefahr sie sich befinden. Denn "Schrecklich ist's, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (Hebr 10,31) Schrecklich, denn: Er ist's "...dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt, gegen den alle, die auf Erden wohnen, für nichts zu rechnen sind. Er macht's, wie er will, mit den Mächten im Himmel und mit denen, die auf Erden wohnen. Und niemand kann seiner Hand wehren noch zu ihm sagen: Was machst du?" (Dan 4:31b-32, vgl. Hi 9:12, 11:10, 23:13) Wo also Gottes Gericht verdirbt, da ist wahrhaftig nichts mehr zu retten und kein Retter mehr da.


23 Der Psalm schließt mit einer tiefen Weisheit: wer das Heil Gottes sehen will, der kehre um, ordne seine Wege und opfere Gott den Dank der Ihm gebührt. Denn Gottes Zorn richtet sich gegen eben dies: gegen die Gottvergessenheit und den Undank der Welt (Röm 1:18-21). Im Dankgebet jedoch findet der Mensch zurück an seinen gottgewollten Platz: in die Erkenntnis der Existenz Gottes, Seines heiligen, reinen, gerechten und unfassbar guten Wesens, Seiner Liebe, Gnade und Seines Erbarmens, Seines noch immer fortbestehenden Willens, selbst Heuchlern und Gottlosen gegenüber gnädig zu sein und letztlich in die schöpfungsgemäße Vereinigung von Schöpfer und Geschöpf in dankbarer, gottseliger und gegenseitiger Liebe.


Fragen und Anregungen zur praktischen Anwendung
  • Was prägt Deinen Gottesdienst? Oberflächliche Pflichterfüllung? Oder herzliche Liebe?
  • Was prägt Dein Leben? Gottvergessende Sünde? Oder dankbare Gotteserkenntnis?
  • Willst Du heute, jetzt, Gottes liebende Hand fassen, die Er dir aus Gnade entgegen streckt?

Sonntag, 24. August 2014

Die christliche Haustafel (Epheser 5:21-33)

Text

21 Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi. 22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. 23 Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. 24 Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen. 25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, 26 um sie zu heiligen. Er hat sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort, damit er 27 sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei. 28 So sollen auch die Männer ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst. 29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es wie auch Christus die Gemeinde. 30 Denn wir sind Glieder seines Leibes. 31 »Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden "ein" Fleisch sein« (1.Mose 2,24). 32 Dies Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde. 33 Darum auch ihr: ein jeder habe lieb seine Frau wie sich selbst; die Frau aber ehre den Mann.


Auslegung

Zuammenfassung

Dieser oft missverstandene Text redet vom schönsten und höchsten Glück, das uns auf Erden zuteil werden kann: Einer Ehe in der beide Ehepartner einander so sehr lieben, dass sie stets das Beste füreinander suchen. Die gegenseitige Unterordnung ist dabei der Schlüssel zum Verständnis der unterschiedlichen Rollen: Der Mann als liebender Träger von Verantwortung; die Frau als Inbild der hingebungsvollen Liebe. In diesser liebenden Einheit werden die Eheleute zu einem lebendigen Bildnis für die Liebe Christi zu Seiner Kirche und damit zu einem Stück erlebbaren Evangeliums.


Struktur

21 Christliche Eheleute ordnen sich einander unter und dienen einander in Liebe.

22-24 Christliche Ehefrauen folgen ihren sie liebenden Ehemännern in allem.

25-27 Christliche Ehemänner lieben ihre Frauen so aufopferungsvoll, wie Christus seine Kirche.

28-31 Das Ziel christlicher Ehe ist die vollkommene Einheit der Eheleute in Liebe.

32-33 Denn die Ehe ist nichts weniger als ein Bildnis für die Liebe Christi zu uns.


Inhalt

21 Die "Christliche Haustafel" beschreibt das Zusammenleben von Mann und Frau in der christlichen Ehe. Vers 21 ist dabei der Schlüsselvers zum Verständnis der an die Frau (Verse 22-24) und an den Mann (Verse 25-28a) gerichteten Aufforderungen. Dieser Eingangsvers besagt, dass -unabhängig von den Aufforderungen, die nur für die Frau oder nur für den Mann gelten- sich beide Ehepartner einander unterordnen sollen.

Unterordnung ist dabei nicht im weltlichen Sinne zu verstehen, als ob es hier um ein Machtgefüge ginge, lehrt uns doch Christus selbst in Lukas 22,25-26: "Die Könige herrschen über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste und der Vornehmste wie ein Diener."

In Christi Reich geht es um die Liebe. Und in der Liebe dient jeder von Herzen gerne dem anderen, anstatt über ihn herrschen zu wollen. Insofern ist der Eingangsvers 21 so zu verstehen, dass, wer Christus 'fürchtet', d.h. Ihn als Seinen Heiland und Herrn angenommen hat und ihm somit in allen Dingen folgt, auch willig und bereit ist, von Herzen gerne das größte Gebot zu halten, nämlich: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« " (Matthäus 22,37-39).

22-24 Nachdem Paulus klargestellt hat, dass es um die gegenseitige Unterordnung in Liebe geht und nicht um eine Machtstruktur, wendet er sich an die Ehefrauen. Ihnen legt er ans Herz, sich den Männern unterzuordnen, die als 'Haupt' der Familie vor Gott die Verantwortung für die Familie zu tragen haben.

Haupt zu sein bedeutet dabei vielmehr eine Funktion, als es eine Position ist. Haupt zu sein, bedeutet (immer in Liebe und immer mit einem dienenden Motiv im Herzen) Verantwortung zu übernehmen für das Wohl der Familie. Sei es finanziell, körperlich, seelisch oder geistig. Dazu hat Gott dem Mann seine Stärke gegeben, dass er damit die Familie schützen und bewahren und ihr dienen soll. Und in dieser Rolle ist die Frau aufgerufen, sich der liebenden Führung ihres Mannes anzuvertrauen.

Paulus gebraucht an dieser Stelle zum ersten Mal das Bild der Beziehung zwischen Christus und Seiner Kirche: So wie Christus, der uns durch Sein Leiden und Sterben mit Seinem Blut erlöst hat, uns liebt und uns in allem dient und zu jeder Zeit unser Bestes sucht, ja sich selbst mit uns eins gemacht hat und uns mit dieser liebenden Gesinnung leitet, so soll leitet auch der Mann durch Sein Mühen und Wirken - mit der Liebe zu seiner Familie im Herzen - die Familie. Und so wie die Kirche ihrem (sie liebenden) Christus folgt, so soll auch die Ehefrau ihrem (sie liebenden) Ehemann in allen Dingen folgen.

25-27 Um jedes Missverständnis der eben beschriebenen Unterordnung zu vermeiden, richtet sich Paulus nun an die Ehemänner und fordert sie auf, solche Ehemänner zu sein, der sich die Ehefrauen von Herzen gerne unterordnen: in dem sie ihre Frauen von ganzem Herzen lieben. Dabei verwendet Paulus auch hier die Liebe Christi als das große Vorbild, an dem sich alle Liebe misst: "Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz" (Philipper 2,6-8).

Das Ziel Christi war und ist dabei die Heiligung und Reinigung seiner Kirche, ja ihre Schönheit, denn es ist Sein Bestreben, dass er "sie vor sich stelle als eine Gemeinde, die herrlich sei und keinen Flecken oder Runzel oder etwas dergleichen habe, sondern die heilig und untadelig sei" (Eph 5,27). In dieser Weise, stets nur das Schöne und Gute für ihre Frauen suchend, sollen die Männer ihre Frauen lieben:

28-31 Nun, da er den Ehefrauen und Ehemännern ans Herz gelegt hat, wie ihre Ehe (allezeit in Liebe) gelingen kann, deutet er das Geheimnis Christi zum ersten Male an: Es geht um eine vollkommene Einheit in Liebe.

Wenn also Paulus die Ehemänner auffordert, ihre Ehefrauen zu lieben, wie ihren eigenen Körper, so bedeutet das nichts anderes, als dass sie sie hüten sollen, wie ihren Augapfel. Ja, dass sie ihre Ehefrauen - in körperlicher, wie in seelischer Sicht - ebenso viel Gutes tun sollen, wie sie es (ohne, dass sie jemand dazu auffordern müsste) sich selbst Gutes tun. Mit der gleichen Hingabe sorgt nämlich auch Christus für Seine Kirche.

32 Und diese vollkommene Einheit - in Liebe und gegenseitiger Unterordnung, in der Übernahme von Verantwortung und Sorge für die Familie seitens des Mannes und in der hingebungsvollen Liebe und Kooperation der Frau - liegt der Schlüssel zum Verständnis für jede Ehe, der Schlüssel zum Gelingen jeder Ehe und vor allem der Schlüssel zum Verständnis der Ehe: sie soll nicht mehr und nicht weniger sein, als ein Abbild. Ein Abbild der Liebe Christi für Seine Kirche - und ein Abbild der Liebe der Christen zu ihrem Heiland.

So fasst es Paulus dann noch einmal zusammen: Jeder Mann liebe seine Frau wie sich selbst und jede Frau ehre ihren Mann durch ihre hingebungsvolle Zuwendung.

Sonntag, 5. Januar 2014

Das scheinbare Glück der Gottlosen (Ps 37:1-40)

Text

1 Von David. Entrüste dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter. 2 Denn wie das Gras werden sie bald verdorren, und wie das grüne Kraut werden sie verwelken. 3 Hoffe auf den HERRN und tu Gutes, bleibe im Lande und nähre dich redlich. 4 Habe deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünscht. 5 Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohlmachen 6 und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag. 7 Sei stille dem HERRN und warte auf ihn. Entrüste dich nicht über den, dem es gutgeht, der seinen Mutwillen treibt. 8 Steh ab vom Zorn und laß den Grimm, entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust. 9 Denn die Bösen werden ausgerottet; die aber des HERRN harren, werden das Land erben. 10 Noch eine kleine Zeit, so ist der Gottlose nicht mehr da; und wenn du nach seiner Stätte siehst, ist er weg. 11 Aber die Elenden werden das Land erben und ihre Freude haben an großem Frieden. 12 Der Gottlose droht dem Gerechten und knirscht mit seinen Zähnen wider ihn. 13 Aber der Herr lacht seiner; denn er sieht, daß sein Tag kommt. 14 Die Gottlosen ziehen das Schwert und spannen ihren Bogen, daß sie fällen den Elenden und Armen und morden die Frommen. 15 Aber ihr Schwert wird in ihr eigenes Herz dringen, und ihr Bogen wird zerbrechen. 16 Das Wenige, das ein Gerechter hat, ist besser als der Überfluß vieler Gottloser. 17 Denn der Gottlosen Arm wird zerbrechen, aber der HERR erhält die Gerechten. 18 Der HERR kennt die Tage der Frommen, und ihr Gut wird ewiglich bleiben. 19 Sie werden nicht zuschanden in böser Zeit, und in der Hungersnot werden sie genug haben. 20 Denn die Gottlosen werden umkommen; und die Feinde des HERRN, wenn sie auch sind wie prächtige Auen, werden sie doch vergehen, wie der Rauch vergeht. 21 Der Gottlose muß borgen und bezahlt nicht, aber der Gerechte ist barmherzig und kann geben. 22 Denn die Gesegneten des HERRN erben das Land; aber die er verflucht, werden ausgerottet. 23 Von dem HERRN kommt es, wenn eines Mannes Schritte fest werden, und er hat Gefallen an seinem Wege. 24 Fällt er, so stürzt er doch nicht; denn der HERR hält ihn fest an der Hand. 25 Ich bin jung gewesen und alt geworden und habe noch nie den Gerechten verlassen gesehen und seine Kinder um Brot betteln. 26 Er ist allezeit barmherzig und leiht gerne, und sein Geschlecht wird zum Segen sein. 27 Laß ab vom Bösen und tu Gutes, so bleibst du wohnen immerdar. 28 Denn der HERR hat das Recht lieb und verläßt seine Heiligen nicht. Ewiglich werden sie bewahrt, aber das Geschlecht der Gottlosen wird ausgerottet. 29 Die Gerechten werden das Land ererben und darin wohnen allezeit. 30 Der Mund des Gerechten redet Weisheit, und seine Zunge lehrt das Recht. 31 Das Gesetz seines Gottes ist in seinem Herzen; seine Tritte gleiten nicht. 32 Der Gottlose lauert dem Gerechten auf und gedenkt, ihn zu töten. 33 Aber der HERR läßt ihn nicht in seinen Händen und läßt ihn vor Gericht nicht zum Schuldigen werden. 34 Harre auf den HERRN und halte dich auf seinem Weg, so wird er dich erhöhen, daß du das Land erbest; du wirst es sehen, daß die Gottlosen ausgerottet werden. 35 Ich sah einen Gottlosen, der pochte auf Gewalt und machte sich breit und grünte wie eine Zeder. 36 Dann kam ich wieder vorbei; siehe, da war er dahin. Ich fragte nach ihm; doch ward er nirgends gefunden. 37 Bleibe fromm und halte dich recht; denn einem solchen wird es zuletzt gutgehen. 38 Die Übertreter aber werden miteinander vertilgt, und die Gottlosen werden zuletzt ausgerottet. 39 Aber der HERR hilft den Gerechten, er ist ihre Stärke in der Not. 40 Und der HERR wird ihnen beistehen und sie erretten; er wird sie von den Gottlosen erretten und ihnen helfen; denn sie trauen auf ihn.


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalm führt uns David das schwerste Kapitel unseres Glaubens vor Augen: das Leid und der Schmerz und die Ungerechtigkeit in der Welt, die unsere Seele aufwühlen und uns bis zur Verzweiflung an Gottes gutem Wesen oder zur Selbstjustiz und Rache an den Bösen treiben wollen.

Demgegenüber stellt David die Güte, Vorsehung und die Hilfe Gottes, der Seine Kinder auch in Armut, Leid und Not nicht vergisst, sondern sie mit allem Nötigen versorgt. Zudem wird Gott selbst die Bösen zu Seiner Zeit richten und für wahre Gerechtigkeit sorgen.

Weil Gott also Seine Kinder liebt, ihnen hilft und sie versorgt, weil Er selbst sie beschützt und am Ende aller Bosheit der Gottlosen ein Ende machen wird, gibt es keinen Grund zur Verzweiflung oder Selbstjustiz. Darum ermutigt David uns, Gott auch in schweren Zeiten wie Kinder herzlich zu vertrauen und in Demut, Frömmigkeit und Glauben auf Seinem Weg der Gerechtigkeit zu bleiben und weiter voran zu gehen.


Struktur

1-11 Zu Anfang dieses Psalms fasst David alles zusammen: Im Gottvertrauen gegründete Selbstbeherrschung und Frömmigkeit angesichts des vergänglichen Glücks der Gottlosen werden letzlich von Gott reich belohnt.

12-15 Zwar heißt die Saat der Gottlosen "Gewalt gegen die armen Gotteskinder", doch Gott wird ihnen eine reiche Ernte des Gerichts bescheren.

16-22 Auch sorgt Gottes Segen in aller Armut besser für Seine Kinder als weltlicher Reichtum. Gottes Gericht jedoch vertilgt auch den am sichersten geglaubten Besitz der Gottlosen.

23-26 Allein Gottes Gnade und Vorsehung sorgen, Seiner Verheißung gemäß, für das Wohl Seiner Kinder und bieten in aller Not verlässlich die nötige Hilfe. So gesegnet sind die Kinder Gottes ihr Leben lang ein Segen auch für andere.

27-29 Angesichts solch göttlicher Bewahrung und Versorgung ist jegliche Selbstjustiz unnötig und ganz und gar ausgeschlossen: Gott selbst wird die Bösen richten und für den Frieden Seiner Kinder sorgen.

30-33 Und diese sind an drei Dingen erkennbar: ihren weisen und gerechten Worten, am Gesetz Gottes in ihren Herzen und an der Fürsorge Gottes. Der Gottlose aber schmiedet im Geheimen Mordpläne und scheitert doch an der göttlichen Vorsehung und Hilfe.

34-36
Angesichts solcher Zustände in der Welt bedarf es des demütigen, sanftmütigen und geduldigen Wartens auf Gottes Zeitpunkt. Denn Er wird für Gerechtigkeit sorgen, den Gottlosen vernichten und den Frommen zum Erben erhöhen.

37-40 Dazu ruft David am Ende noch einmal auf: Frömmigkeit und Gerechtigkeit, trotz aller Bosheit in der Welt. Und zwar im Glauben an die Gerechtigkeit Gottes, der den Bösen zu Seiner Zeit richten wird und vor allem im Glauben an Gottes Güte und Treue, den das kindliche Vertrauen Seiner Kinder von Herzen gern beantworten wird.


Inhalt

1-11 Zu Beginn dieses Liedes fasst David das zu Sagende für uns zusammen: Es gibt üble Menschen, die mutwillig Böses tun und dennoch im Wohlstand leben. Doch das soll unseren Willen und unsere Gefühle nicht aus der Bahn werfen. Weder in habgierigem Bezug auf uns selbst (Neid oder Missgunst), noch in hassendem Bezug auf die Bösen (Entrüstung, Zorn und erbitterter Groll). Den Frieden Gottes soll uns das vermeintliche Glück der Gottlosen nicht aus dem Herzen rauben oder uns gar zu unrechtmäßigem Handeln verleiten.

Vielmehr sollen wir bedenken, dass ihre Lebenszeit begrenzt ist und sie schon bald ihren Platz räumen müssen; dass ihr Lebensfaden abgeschnitten wird und sie wie ausgerottetes Gras oder Unkraut unter der Glut des göttlichen Zorns verwelken werden.

In diesem Wissen sollen wir vor Gott stille werden und auf Ihn und Sein Handeln warten. Statt unsere Aufmerksamkeit vom Bösen gefangen nehmen zu lassen und uns selbst zu unserem Recht zu verhelfen, sollen wir unser Herz vielmehr ganz auf Gott ausrichten (Buber: "erquicke Dich an Ihm"!) und unsere Hoffnung ganz allein auf Ihn setzen und Ihm unseren Lebensweg anvertrauen. In dieser Herzenshaltung sollen wir uns, als gute Bürger, unser täglich Brot mit redlicher Arbeit verdienen und unseren Mitmenschen Gutes tun.

Wer so auf den Ewigen hofft, dem winken einige der größten Verheißungen: Gott wird ihm seine Herzenswünsche erfüllen, seine Rechtfertigung hell an den Tag kommen lassen, ihm zu seinem Recht verhelfen und am Ende alles wohlmachen. Ja, wer auf Gott und Seine Stunde wartet, der wird zum Schluss zum Erben ernannt, wie es Mt 5:5 heißt: "Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen".

Und dies Vertrauen in die Fürsorge unseres unsichtbaren Gottes ist keine leere Hoffnung. Gott, der doch nicht lügen kann (Heb 6:18) verspricht es an vielen Stellen, damit wir es ganz gewiss ins Herz fassen: "Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch" (1Petr 5:7).

In dieser Zwischenzeit aber, in der wir auf die Erfüllung aller Verheißungen Gottes warten und dabei noch unter der Last der Bösen zu leiden haben, dürfen wir wissen, "dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind." (Rö 8:28); dass unser Weg zwar durchs Elend führt, wir jedoch in Geduld endlich den Sieg erringen und spätestens in Gottes Reich an ewigem Frieden unsere Freude haben werden.

Im Folgenden geht David auf einzelne Aspekte dieses großen Gesamtzusammenhangs ein.

12-15 Solange wir auf dieser Erde leben, leben wir in Anfechtung, drohen uns Gewalt und Leid. Gottlose, voll erbittertem Grimm, bedrohen die von Gott gerecht Gesprochenen; sie haben nichts Geringerem im Sinn, als die an Armut und Elend Leidenden im Volk umzuhauen wie Brennholz und die in Demut, Aufrichtigkeit und Gehorsam nachfolgenden Gotteskinder mit Waffengewalt und kaltblütiger Entschlossenheit zu ermorden.

Doch Gott spottet ihrer, denn Er weiß: es kommt Sein Tag. Der Tag an dem alle Gewalt der Bösen ein Ende haben wird; der Tag, an dem all ihre Waffen zerstört werden und alles Böse, dass sie verübt haben, sich gegen sie wendet, ja an dem es ihnen durchs Herz dringt, wenn sie erkennen müssen, warum es geschrieben steht: "Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten" (Gal 6:7); für uns aber gilt: "Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich." (Mt 5:10)

16-22 Solange wir auf dieser Erde leben, können uns auch harte Zeiten treffen, Armut und sogar Hungersnöte. Doch selbst in böser und karger Zeit dürfen wir hoffen, denn Er, der Ewige selbst, hat uns Seine Verheißung gegeben: "Wirf dein Anliegen auf den HERRN; / der wird dich versorgen und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen." (Ps 55:23).

Darum sollen wir uns nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Denn nach dem allen trachten die Heiden. Unser himmlischer Vater aber weiß, dass wir all dessen bedürfen. Trachten wir vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird uns das alles zufallen (Mt 6:31-33):

Denn Gott wird Seine Kinder auch in Zeiten des Mangels erhalten und sie so versorgen, dass sie nicht verderben, sondern selbst während einer Hungersnot noch genug zu essen haben. Dank dieser Verheißung des Segens Gottes ist das Wenige, das ein Gerechter hat, besser als der Überfluß vieler Gottloser.

Denn deren Wohlstand wird sie nicht retten; ihnen fehlt der Segen Gottes. Ihr Vermögen und ihr Besitz werden sich, und wenn sie auch noch so prächtig dastehen, auflösen wie Rauch im Wind. Ja ihre Macht und ihr Einfluss werden gebrochen, so dass sie sich Geld leihen müssen (das sie nicht einmal zurückzahlen) und am Ende ums Leben kommen. Und warum? Weil sie Zeit ihres Lebens Feinde des Höchsten waren und darum zu Recht unter Gottes Fluch stehen (vgl. 5Mo 11:26ff). Allein aus diesem Grund werden sie von Gott vom Erdboden vertilgt.

Die Gerechten aber, die nicht auf Materielles, sondern auf Gottes Güte vertrauen, haben trotz aller Not noch genug um es aus Barmherzigkeit an Bedürftige abzugeben. Ihr Schutz liegt nicht in ihrer eigenen Kraft und ihrem Vermögen, sondern ihre Hilfe ist der Segen des Allmächtigen selbst. ER kennt sie und die Ereignisse ihrer Lebenszeit und ER allein wird dafür sorgen, dass ihnen das, was ihnen lieb ist, für immer bleibt; ja am Ende werden sie von IHM die ganze Erde zum Erbe erhalten (Mt 5:5).

Darum weiß auch der Volksmund: "An Gottes Segen ist alles gelegen" (vgl. Sach 4:6).

23-26 Es kommt also von Gott allein, ja ist allein Seiner Gnade und Seinem Wohlgefallen zu verdanken, wenn ein Mann auch wirtschaftlich mit sicherem Schritt durchs Leben geht. Und selbst wenn es einmal Zeiten geben mag, in denen es eng wird und er das ökonomische Gleichgewicht verliert, so ist es wiederum der Allmächtige allein, der ihn, wie ein Vater sein geliebtes Kind, fest bei der Hand hält und so vor dem Absturz bewahrt.

Diese göttliche Gnade, Hilfe und Vorsehung sind es, die David im Blick hat, wenn er von der Erfahrung spricht, die er machte: über die gesamte Spanne seines am Ende 70-jährigen Lebens [1] ist es ihm nie untergekommen, dass ein Gotteskind von Gott verlassen worden wäre und seine Kinder zum Betteln hätte schicken müssen [2]. Vielmehr erhört Gott das Gebet um unser tägliches Brot, welches Er uns lehrte (Mt 6:11) und hält Sein Wort, uns täglich zu versorgen (Mt 6:31ff).

Dankbar für diese erhaltende Gnade Gottes sind Seine Kinder, wie ihr Vater im Himmel, gerne barmherzig und leihen denen, die es bedürfen. So erfüllt sich -wie zuerst an Abraham- nun auch an ihnen und durch sie die Prophezeiung aus Gen 12:2 "ich will dich ... segnen ... und du sollst ein Segen sein."

27-29 Angesichts dieser göttlichen Gnade, Hilfe und Vorsehung sind wir aufgefordert, uns selbst zu beherrschen, das Böse zu lassen und vielmehr Gutes zu tun: es ist nicht nötig, dass wir unser Recht selbst in die Hand nehmen und dadurch Unrecht begehen, denn Gott selbst, der die Gerechtigkeit liebt, steht Seinen Kindern ewig treu zur Seite und beschützt und behütet sie ewiglich.

Nicht wir müssen, sondern der Allmächtige selbst wird dafür sorgen, dass die Sippe der Gottlosen wie Unkraut gejätet, entwurzelt und aus dem Lande herausgerissen wird; aus genau dem Land, welches Gott Seinen Kindern zum Erbe schenken will und wird. Und dort wird Sein Volk, befreit vom Bösen, auf ewig "in friedlichen Auen wohnen ..., in sicheren Wohnungen und in stolzer Ruhe." (Jes 32:18, vgl. Hes 34:25).

30-33 Doch was sind das für Menschen, die sich so beherrschen und gesegnet werden? David zeichnet das Bild der Gerechten in drei Zügen:

Erstens sind sie Menschen, die sich in ihrem Reden von ihrem Umfeld abheben: Sie sind "das Salz der Erde" (Mt 5:13), ihre "Rede [ist] allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass [sie wissen], wie [sie] einem jeden antworten [sollen]" (Kol 4:6). Ihre Worte sind weise und spiegeln die Erkenntnis, Wahrheit und Liebe wieder, die Gott ihnen verliehen hat. Ihre Worte sind ethische Kleinode, denn Sie unterrichten ihre Mitmenschen, ganz natürlich und ohne Überheblichkeit, ja fast beiläufig, über das was recht und unrecht ist.

Zweitens gibt es einen guten Grund für diesen sicht- oder besser hörbaren Unterschied: Gott hat Sein Versprechen an ihnen wahrgemacht, als er vorzeiten sprach "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein" (Jer 31:33). Dieses inwendige Gesetz Gottes ist es welches sich seiner Natur gemäß im täglichen Reden ganz natürlich Bahn bricht und in Form von Worten des Rechts -von dem, was richtig und von dem, was recht und billig ist- nach außen dringt.

Drittens sind die von Gott Gesegneten daran erkennbar, dass sie im Leben -wie schon in den Versen 23-26 besprochen- nicht straucheln. Sie gehen mit festem Schritt ihren Weg und wo auch immer sie auf ihrem Lebensweg ihren Fuß hinsetzen, finden sie dank Gottes Gnade festen Halt.

Die Gottlosen jedoch haben "den Teufel zum Vater, und nach [ihres] Vaters Gelüste [wollen sie] tun. Der ist ein Mörder von Anfang an ..." (Joh 8:44). Und so planen sie, das kennt David aus eigener Erfahrung, hinterhältige Mordkomplotte.

Doch Der Ewige läßt Seine Kinder nicht für immer in der Gewalt dieser Bösen: auf die eine oder andere Weise, auf zeitlichem oder ewigem Wege, erlöst er sie aus deren Machtbereich. Auch hat Er versprochen: "Wenn sie euch aber führen werden ... vor ... die Obrigkeit, so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in dieser Stunde lehren, was ihr sagen sollt" (Lk 12:11-12). Und Gott selbst wird dafür sorgen, dass sie schlussendlich, wie Pilatus in der Verurteilung Christi, werden sagen müssen: "Ich finde keine Schuld an ihm" (Joh 18:38).

34-36
Was es jedoch angesichts aller Ungerechtigkeit und allen Leidens in der Welt bedarf, sind das geduldige Warten auf Gott in dem Wissen "Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde" (Pred 3:1) und das darin gegründete, selbstbeherrschte Beharren auf dem von Gott vorgezeichneten Weg der Frömmigkeit. Wer so lebt, im Vertrauen auf Gott und im demütigen und frommen Warten auf Seine Hilfe, der wird mit eigenen Augen sehen dürfen, warum Christus spricht: "wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll erhöht werden" (Lk 14:11). Denn er, der in seinem Leben demütig, sanftmütig und geduldig auf Gottes Wegen ging, wird von Gott selbst zu Ehren gebracht und zum Erben der Erde eingesetzt werden (Mt 5:5).

Die Gottlosen jedoch werden von der unsichtbaren Hand Gottes ausgerissen, entwurzelt und ausgerottet. David hat es selbst erlebt: selbst ein gewalttätiger und machthungriger Gottloser, der so fest im Leben verwurzelt schien, wie eine gewaltige Libanon-Zeder[3], war nach einiger Zeit schon nicht mehr zu finden; ja er war, wie vom Erdboden verschluckt.

37-40 Noch einmal fasst David seine Lehre zusammen und ruft den Kindern Gottes zu: Trotz allem Elend und aller Not, trotz aller Gewalt und Ungerechtigkeit, trotz allem schier endlosen Glück und Wohlstand der Gottlosen: haltet fest an Frömmigkeit und Gerechtigkeit, lasst Euch nicht erbittern oder zum Bösen verführen, denn darauf liegt schlussendlich die Verheißung eines guten Lebens im Frieden. Denn die gottlosen Gesetzesbrecher werden am Ende wie Unkraut entwurzelt und vernichtet.

Und noch einmal ermutigt uns David: Gott, der Ewige und Allmächtige, der Gnädige und der Barmherzige Selbst ist es, der Seinen Kindern hilft und sich als die treue Macht in aller Not erweist. ER selbst wird ihnen zur Seite stehen und sie aus aller Gewalt und Bosheit Seiner Feinde retten. ER ist ihre Hilfe in der Not. Und das aus einem einzigen Grund: weil sie an Ihn glauben, Ihm vertrauen, sich ganz und gar auf Ihn verlassen. Solch kindliches Vertrauen, solche Hingabe rührt das Vaterherz Gottes und kann nichts anderes bewirken, als Seine liebende Hilfe.


Praktische Anwendung
  •  Wenn die Bosheit der Welt Dir zu schaffen macht, sei gewiss: Gott wird sie richten.
  • Wenn die Not in der Welt Dir zu schaffen macht, sei gewiss: Gott wird Dir helfen.
  • Und wenn der Schmerz Dir schier das Herz zerreißt: geh in Demut und Liebe weiter auf Seinem Weg und glaube IHM: ER wird's Dir auf ewig lohnen.

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[1] von ca. 1040 - 970 v. Chr.

[2] dennoch gab und gibt es Gerechte, die bettelten (siehe z.B. Lk 16:20, Heb 11:37), so dass aus Davids Beobachtung keine allgemeingültige Regel abgeleitet werden kann. Für eine eingehende Behandlung dieses Sachverhaltes, siehe Calvin's Auslegung zu Psalm 37, Vers 23.

[3] Die Libanon-Zeder ist ein immergrüner Baum, der Wuchshöhen von 30 bis 50 Meter erreicht und über 1.000 Jahre alt werden kann. Der Brusthöhendurchmesser kann bis zu zwei Meter betragen (http://de.wikipedia.org/wiki/Libanon-Zeder).

Samstag, 3. August 2013

Gebet um Errettung von boshaften Feinden (Ps 35:1-28)


Text

1 Von David. HERR, führe meine Sache wider meine Widersacher, bekämpfe, die mich bekämpfen! 2 Ergreife Schild und Waffen und mache dich auf, mir zu helfen! 3 Zücke Speer und Streitaxt wider meine Verfolger! Sprich zu mir: Ich bin deine Hilfe! 4 Es sollen sich schämen und zum Spott werden, die mir nach dem Leben trachten; es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mein Unglück wollen. 5 Sie sollen werden wie Spreu vor dem Winde, und der Engel des HERRN stoße sie weg. 6 Ihr Weg soll finster und schlüpfrig werden, und der Engel des HERRN verfolge sie. 7 Denn ohne Grund haben sie mir ihr Netz gestellt, ohne Grund mir eine Grube gegraben. 8 Unversehens soll ihn Unheil überfallen; sein Netz, das er gestellt hat, fange ihn selber, zum eigenen Unheil stürze er hinein. 9 Aber meine Seele soll sich freuen des HERRN und fröhlich sein über seine Hilfe. 10 Alle meine Gebeine sollen sagen:HERR, wer ist dir gleich? Der du den Elenden rettest vor dem, der ihm zu stark ist, und den Elenden und Armen vor seinen Räubern. 11 Es treten falsche Zeugen auf; sie fordern von mir, wovon ich nichts weiß. 12 Sie vergelten mir Gutes mit Bösem, um mich in Herzeleid zu bringen. 13 Ich aber zog einen Sack an, wenn sie krank waren, tat mir wehe mit Fasten und betete immer wieder von Herzen. 14 Als wäre es mein Freund und Bruder, so ging ich einher; wie einer Leid trägt über seine Mutter, so beugte ich mich in Trauer. 15 Sie aber freuen sich, wenn ich wanke, und rotten sich zusammen; sie rotten sich heimlich zum Schlag wider mich, sie lästern und hören nicht auf. 16 Sie lästern und spotten immerfort und knirschen wider mich mit ihren Zähnen. 17 Herr, wie lange willst du zusehen? Errette doch meine Seele vor ihrem Unheil, mein Leben vor den jungen Löwen! 18 Ich will dir danken in großer Gemeinde; unter vielem Volk will ich dich rühmen. 19 Laß sich nicht über mich freuen, die mir zu Unrecht feind sind; laß nicht mit den Augen spotten, die mich ohne Grund hassen! 20 Denn sie reden nicht, was zum Frieden dient, und ersinnen falsche Anklagen wider die Stillen im Lande. 21 Sie sperren das Maul weit auf wider mich und sprechen: »Da, da, wir haben es gesehen!« 22 HERR, du hast es gesehen, schweige nicht; HERR, sei nicht ferne von mir! 23 Wache auf, werde wach, mir Recht zu schaffen und meine Sache zu führen, mein Gott und Herr! 24 HERR, mein Gott, verhilf mir zum Recht nach deiner Gerechtigkeit, daß sie sich nicht über mich freuen. 25 Laß sie nicht sagen in ihrem Herzen: »Da, da! das wollten wir.« Laß sie nicht sagen: »Wir haben ihn verschlungen.« 26 Sie sollen sich schämen und zuschanden werden, alle, die sich meines Unglücks freuen; sie sollen in Schmach und Schande sich kleiden, die sich wider mich rühmen. 27 Jubeln und freuen sollen sich, die mir gönnen, daß ich recht behalte, und immer sagen:Der HERR sei hoch gelobt, der seinem Knecht so wohl will! 28 Und meine Zunge soll reden von deiner Gerechtigkeit und dich täglich preisen.


Kommentar

Zusammenfassung

In diesem Psalm, einem Gebetslied um die Errettung von boshaften Feinden, sind Davids Hilfeschreie zu Gott, die seine Widersacher betreffenden Gerichtswünsche, die von ihm aufgezählten Sündenregister seiner Feinde, sowie Lob und Dank an Gott so vermischt, dass kaum eine klare Struktur zu erkennen ist. Vielmehr scheint es sinnvoll, dem Inhalt durch eine thematische Zusammenschau noch klarere Konturen zu verleihen. 


Struktur

Bitten (Verse 1-3, 17, 19, 22a, 23-25). Angesichts der Übermacht seiner Feinde drängt David auf Gottes endliches und gewaltiges Eingreifen, auf Gottes Hilfe für seine gerechte Sache, Seine Bewahrung vor der Mordlust seiner Feinde und erfleht für sich von Gott ein Wort der Hoffnung, des Trostes und der Zuversicht.

Gerichtswünsche (Verse 4-6, 8, 26). Seinen Feinden wünscht er den Untergang durch Gottes Hand und ein Ende in Schimpf und Schande. Ganz besonders dem Rädelsführer wünscht David, dass ihm seine eigene Intrige zur Falle wird.

Sündenregister (Verse 7, 11-12, 15-16, 20-21). Denn obwohl er sie wie sein eigen Fleisch und Blut liebte, für sie fastete und um ihre Genesung bat, haben sie in seiner Not nur Böses im Sinn: sie lästern, spotten und lügen gegen ihn und rotten sich gegen ihn zusammen, um ihm auf's Äußerste zu schaden.

Lob & Dank (Verse 9-10, 18, 27-28). David will Gott in der großen Gemeinde derer lobpreisen, die sich mit ihm darüber freuen, dass Gott auf seiner Seite ist und ihn loben für Seine Nothilfe gegen die übermächtigen Feinde der Armen und Leidenden.


Inhalt

1-3, 17, 19, 22-25: Das ist Davids Gebet, dass Gott, der Ewige und Allmächtige, sich auf den Weg macht, ihm zu helfen, ja Partei für ihn ergreift und sein Anliegen gegen dessen Feinde durchsetzt. Mit rauen Bildern des Krieges beschreibt David dabei die ersehnte Hilfe: mit massiver Waffengewalt möge Gott gegen diejenigen streiten, die gegen David kämpfen und ihm nachsetzen.

Was auch immer vorgefallen sein mag, David weiß sich im Recht. So sicher ist er seiner Sache, dass er es wagt, den Allwissenden als Zeugen anzurufen. Er weiß: der HERR über Raum und Zeit hat gesehen, was David geschah - und wird ihm zustimmen in der Einschätzung seiner Situation.

Wie einen Schlafenden im plötzlichen Gefecht bestürmt David seinen Herrn und Gebieter; mit höchster Dringlichkeit rüttelt er Ihn wach aus Seinem bildlichen Schlummer und dringt in Ihn mit seinem herzlichsten Anliegen: Gott möge doch endlich von Seinem langen Schweigen erwachen, möge aufhören nur Zuschauer zu sein, sich David nahen und zu ihm sprechen. So tröstende, mutmachende Worte, wie sie Jesaja hörte: "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland." (Jes 43:1b-3a).

Diese Hilfe ersehnt sich David: dass seinem Anliegen zum Recht verholfen werde. IHN, den Ewigen, Davids König und seinen Gott, bittet er darum, ihm dieses Recht werden zu lassen, indem Er sich, um Seiner Gerechtigkeit willen, Davids Sache annimmt und sie zum ersehnten Ende führt, nämlich: seine Seele vor dem Verderben zu bewahren, ja sein Leben zu retten vor seinen Feinden, die ihn bedrohen, wie ein Rudel blutrünstiger Raubtiere.

Denn das will David seinen Feinden nicht gönnen, dass sie, die ihm zu mächtig sind, sie, die voll von glühendem, grundlosem und ungerechtem Haß sind, ihn vernichten, sich gegenseitig zuzwinkern, sich in hämischer Freude über ihn lustig machen und sich dann in Zufriedenheit innerlich auf die Schulter klopfen, mit dem Gedanken: "Ha! Den haben wir!".

4-6, 8, 26: Vielmehr sollen sie sich schämen für ihre intrigante Mordlust und für ihre herzlose Schadenfreude über Davids Elend. Ja, David wünscht sich, dass sie, die sich ihm gegenüber aufblasen und ihm Böses wollen, vom Engel des HERRN höchst persönlich von ihrer Stellung gedrängt werden und sich zurückziehen, wie ein geschlagenes Heer. Vom Engel des Allmächtigen selbst verfolgt, sollen sie auf einen Weg geraten, auf dem sie vor lauter Dunkelheit nicht mehr die Hand vor Augen sehen können; auf dem sie ausrutschen und keinen Halt mehr finden, bis sie zu guter Letzt so zunichte werden wie die Spreu, die der Wind verweht, bis sie nicht mehr zu finden ist. Ja, gekleidet in Peinlichkeit und Schande sollen sie zum Gespött der Leute werden. Und diesem Einen, den David ganz besonders vor Augen hat, dem Rädelsführer, der das Netz der Intrige spannte, ihm wünscht er, sein Plan möge nach hinten losgehen: zum eigenen Verderben möge er überraschend in die eigene Falle stürzen.

7, 11-12, 13-16, 20-21: Dass David so schwerwiegende Worte betet, hat ein geistliches Fundament: Er weiß von der Strafe des "gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit" (Rö 2:5b-8).

Und es gibt, neben dem Fundament, auch einen traurigen Anlass für Davids Gebet: dass seine Feinde ihm eine Falle stellten, dass sie Meineidige gegen ihn ins Rennen schickten, um Forderungen gegen ihn geltend zu machen, von deren Existenz David noch nicht einmal Kenntnis besitzt, dass sie ihm seine Liebe mit Ungerechtigkeit vergelten, um ihm in böser Absicht bewusst Kummer zu bereiten, all das geschah, ohne dass David ihnen dazu Anlass gegeben hätte.

Ganz im Gegenteil: er betete inbrünstig für sie, wenn es ihnen gesundheitlich schlecht ging, er demütigte sich für sie vor Gott und fastete inständig, um für von ganzem Herzen um Heilung -und auch, das deutet der Sack an, um Vergebung- zu bitten. Kurz: er liebte sie so, als wären sie seine eigenen Geschwister und besten Freunde, ja er trug so inniglich Leid um sie und war so traurig über ihre Not, wie er es bei seiner eigenen, geliebten Mutter gewesen wäre. Mit dieser heiligen Liebe lebt David uns in vorbildlicher Weise das Gebot Christi vor: "Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen" (Mt 5:44).

Doch diese herzliche Liebe wird nicht erwidert. Ganz im Gegenteil: sobald es ihm einmal schlecht geht und er vor Schwachheit stolpert, sind die Reaktionen darauf nicht Leid, Fasten und Gebet, sondern hämische Freude, Lästerungen und Spott, sowie heimliche Verschwörungen mit dem Ziel ihm zu schaden. So erstattet auch David, wie es uns als Christen allen bestimmt ist, an seinem Fleisch "was an den Leiden Christi noch fehlt" (Kol 1:24):

Mit zähneknirschendem Hass erfinden seine Feinde immer wieder vollkommen haltlose Vorwürfe gegen die friedlichen Bürger seines Königreichs. Ihnen geht es gar nicht um eine friedliche und konstruktive Lösung; sie wollen zerstören.

Und so wenden sie sich mit ihren in der Öffentlichkeit lauthals und grossspurig propagierten Lügen als falsche Zeugen gegen ihn und tun gar so, als wären sie persönlich dabei gewesen und hätten mit eigenen Augen gesehen, als David das von ihnen erlogene Unrecht tat. So ging es Daniel (Dan 6:5), so ging es Jesus (Mt 22:15) und so mag es auch uns ergehen, wenn sich das Wort erfüllt: "Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten" (Joh 15:20).

9-10, 18, 27-28: Doch trotz des äußeren Leidens will David sich nicht davon abbringen lassen, den Ewigen zu loben und Ihm für Seine Hilfe zu danken. Mit seinem ganzen Wesen will er Seinen Herrscher und König um Seiner Heiligkeit, Einzigartigkeit und Herrlichkeit willen loben, rühmen, preisen und anbeten.

Inmitten der Volksmenge, der Gemeinde seiner Glaubensgeschwister, will er Gott für seine Hilfe danken und Dessen Ruhm mehren. Denn Er errettet die Armen und Leidenden, die Schwachen und Betrübten vor Ihren Feinden: übermächtigen und gewalttätigen Dieben. Und so wie er seinen Gott jeden einzelnen Tag preisen und Seine Gerechtigkeit verkündigen will, so sollen sich mit David auch alle jubelnd freuen, die ihm den endlichen Sieg in seiner Sache zubilligen und Gott von Herzen loben, weil Er auf Davids Seite steht und auf sein Wohl bedacht ist.


Praktische Anwendung

1. Rufe anhaltend zu Gott um Errettung aus aller Not, wie die arme Witwe (Lk 18:1-8)
2. Bedenke das schreckliche und jähe Ende aller Deiner Feinde Gottes (Ps 73:16-20)
3. Freue Dich an Gottes gutem Wesen und lobe Ihn für Seine Rettung & Gerechtigkeit

Montag, 17. Juni 2013

Unter Gottes Schutz (Ps 34:1-23)

Text

1 Von David, als er sich wahnsinnig stellte vor Abimelech und dieser ihn von sich trieb und er wegging. 2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. 3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, daß es die Elenden hören und sich freuen. 4 Preiset mit mir den HERRN und laßt uns miteinander seinen Namen erhöhen! 5 Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht. 6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden. 7 Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten. 8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. 9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! 10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel. 11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut. 12 Kommt her, ihr Kinder, höret mir zu! Ich will euch die Furcht des HERRN lehren. 13 Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? 14 Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden. 15 Laß ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! 16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien. 17 Das Angesicht des HERRN steht wider alle, die Böses tun, daß er ihren Namen ausrotte von der Erde. 18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not. 19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. 20 Der Gerechte muß viel erleiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR. 21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, daß nicht eines zerbrochen wird. 22 Den Gottlosen wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld. 23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.


Kommentar

Zusammenfassung

Dieser Lehrpsalm, geschrieben anlässlich David's Flucht vor Abimelech, führt uns die frohmachende und lobenswerte Allmacht der göttlichen Gnade und Liebe, Vorsehung und Hilfe vor Augen, wie Gott sie allen zusagt, die Ihm vertrauen und ihm im Gehorsam, in Wort und Tat, folgen. Und er warnt uns eindringlich vor dem unausweichlichen göttlichen Gericht, welches alle treffen wird, welche die Gnade und Herrschaft Gottes, wie sie im Kreuz und Seinen Geboten offenbar werden, verachten.


Struktur

1 David nennt seine Flucht vor Abimelech und Seine Rettung aus verzweifelter Todesnot als Anlass für diesen Lehrpsalm, in welchem er uns Gottes mächtige Hilfe und bewahrende Vorsehung vor Augen führt, die allein uns Gläubigen zuteil wird und uns ins Lob führt.

2-4 David will Gott dabei so loben, dass die Elenden froh mit einstimmen.

5-8 Und er dankt Gott für Dessen Offenbarung und Hilfe, er preist die Glückseligkeit der Erkenntnis der Gnade Gottes und versichert uns der Gebetserhörung wider allen anderen Schein, ja die Hilfe des Engels Gottes selbst.

9-11
Diese Gnade und Hilfe ruft uns David auf zu schmecken und sagt denen, die Gott ehren und ihm wider alle Umstände vertrauen, Dessen Segen und Bewahrung vor Mangel zu.

12-15 David lehrt die nächste Generation wahre Gottesfurcht, die sich im Reden, Handeln und im erstrebten Frieden mit allen Menschen zu erkennen gibt.

16-19
Und das mit gutem Grund: Gott sieht alles und straft die Bösen. Den durch Christus Gerechtfertigten jedoch steht er bei, ist ihnen nahe und erhört ihre Gebete und hilft ihnen.

20-23 Ja, für uns wurde Christus gekreuzigt und auf Sein Bitten hin von Gott zu neuem Leben erweckt. Wer dieses höchste Opfer der Liebe Gottes im Hass verschmäht, wird gerichtet; wer es jedoch in gläubiger Dankbarkeit annimmt, dem wird alle Schuld vergeben.


Inhalt

1 Im Titel nennt David uns den Anlass für die Dichtung dieses Lehrpsalms: Es war die in 1Sam 21:11-22:1 festgehaltene Begebenheit, die sich am Hofe des Philisterkönigs Achisch von Gat abspielte. Wie uns im Samuelbuch berichtet wird, flüchtete David sich damals, offenbar völlig kopflos, vor Saul an den Hof des Königs von Gat, und wurde dort unglücklicherweise von dessen Fürsten wiedererkannt. Aus Furcht vor dem König wendete er daher eine List an, stellte sich wahnsinnig und konnte sich so zu guter Letzt in eine Höhle retten.

Dass David diesen König, der im 1. Samuelbuch Achisch genannt wird, im hier vorliegenden Psalm Abimelech nennt, hat folgenden Hintergrund: Abimelech ist nicht nur ein Eigenname, sondern wohl auch eine generelle Bezeichnung für Philisterkönige, vergleichbar etwa mit dem Titel Pharao für ägyptische Könige: Abimelech bedeutet "Mein Vater [ist] König". Der 'richtige' Name des Königs, um den es hier geht, war Achisch und er war der Sohn des Maacha oder Maoch und König von Gat (1Sam 27:2, 1Kö 2:39).

2-4 David beginnt seinen Psalm mit dem Ausdruck seines Herzenswunsches: Er hat die Absicht, dem Ewigen zu jeder Zeit mit seinen Worten die Erkenntnis Seines vollkommenen Wesens wiederzuspiegeln; beständig, so wünscht er sich, möge sein Mund gefüllt sein mit dem Lob seines wunderbaren Gottes. Ja, seine Seele, sein Innerstes, soll so vollmundig von seiner Erkenntnis Gottes strahlen, dass es auch die seelisch Niedergebeugten hören und über dem Evangelium, der öffentlich verkündeten Erkenntnis des guten Wesens Gottes (siehe Jer 9:22-23, 1Kor 1:31, 2Kor 10:17) froh werden. So froh, dass David sie einlädt, Ihn, den ewig Seienden, gemeinsam mit ihm zu lobpreisen und Seinem Wesen und Seiner Person in freudiger Gemeinschaft die Ehre zu geben.

5-8 Und kaum, dass David seinen Wunsch ausgeprochen hat, beginnt er auch schon, ihn in die Tat umzusetzen und lobt den Ewigen dafür, dass Er ihm Seine ersehnte Gemeinschaft schenkte, indem Er sich von ihm hatte finden lassen, ja ihm Antwort gab, als er Ihn herzlich suchte (vgl. Mt 7:8) und dafür, dass Er ihn aus seiner Not riss, indem Er ihn ganz und gar aus all seinen Ängsten errettete (vgl. Ps 50:15).

Und was, David persönlich erlebt hat, dass gilt auch allgemein: wer auf Gott in Christus schaut, auf Sein vollkommenes Wesen, Sein Werk am Kreuz, und die darin offenbarte unendliche Barmherzigkeit, wird über diesem Anblick der Herrlichkeit, der Liebe und der Gnade Gottes so von Herzen froh werden, dass er über sein ganzes Gesicht strahlen wird vor glücklicher, dankbarer Freude, weil er weiß, dass er sich nicht mehr wegen seiner Sünden zu schämen braucht, weil sein Erlöser sie aus Liebe zu ihm ans Kreuz trug und "
den Schuldbrief getilgt [hat], der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet" (Kol 2:14).

Noch einmal beteuert David mit einem Beispiel, dass Gott unsere Gebete, auch, wenn es oft anders scheinen mag, ganz sicher hört und uns hilft, wenn wir aus unserer Not, unserem Elend und unserem Jammer verzweifelt zu Ihm schreien. So ging es selbst Jesus, der "in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht [hat], der ihn vom Tod erretten konnte..." (Hebr 5:7) Ja, der Engel des Allmächtigen selbst wird sein schützendes Heerlager zur Verteidigung um all diejenigen herum aufrichten, die Gott fürchten und wird ihnen aus dem Auge des Sturmes der Not heraus helfen (vgl. Mt 4:11, Lk 22:43).

9-11 D
avid lädt uns ein, diese Freundlichkeit, Gnade und Barmherzigkeit, diese Hilfe Gottes aus der Not, bewusst zu betrachten, ja zu schmecken und zu kosten, wie wir es heute über Christus lesen und im Abendmahl erleben dürfen (vgl. 1Jo 1:1, Mt 26:26). Er verheißt all denen Gottes Segen und Wohlergehen, die Gott, Ihrem HERRN, ungeachtet aller Umstände vertrauen und Seine Majestät von Herzen ehren. Denn David weiß: wer Gott vertraut und Ihn im Herzen in Ehren hält, dem wird es außerhalb von Verfolgung an nichts mangeln (Ps 23:1, Heb 11:37), denn ihm hilft Gott mit Seinem Segen. Ob als Segen für eigenen Fleiß (Spr 14:23), in Form der Hilfe durch Geschwister (Apg 4:34, 2Kor 8:14f, 2Kor 9:12) oder durch die besondere Gnade der Genügsamkeit (Phil 4:11f): vor allem ist es immer und immer wieder die göttliche Vorsehung, die gerade im rechten Moment für Seine Kinder zu sorgen weiß, so dass sie auf die Frage Gottes: "habt ihr ... je Mangel gehabt?" wahrhaftig antworten können: "Niemals" (Lk 22:35).

12-15
So wie Christus, will auch David die Kinder um sich haben (Lk 18:16). Sie, die junge Generation, die gerade aufwachsende Gesellschaft von morgen, will er, wie später auch Luther ermahnte, im wichtigsten Fach des Lebens unterrichten: der Gottesfurcht als dem "Anfang der Weisheit" (Ps 111:10, Spr 9:10).

Diese Gottesfurcht jedoch muss echt sein und nicht bloße Religion: wer sich ein gutes Leben und Freude wünscht, soll dafür Sorge tragen, dass seine Ehrfurcht vor Gott auf moralischem Gebiet ganz praktische Auswirkungen hat, denn ohne Gehorsam gegen Gottes Gebote ist aller Gottesdienst nichtig (Mt 7:21), das gilt insbesondere für unser Reden (Jak 1:26): weder Betrug, noch Lüge, noch Zügellosigkeit soll unsere Worte kennzeichnen; weder im Leid, noch in der Freude, noch im Zorn.

Vielmehr sind wir aufgerufen, alles was Gott als Böse deklariert, zu lassen und vielmehr das zu tun, was Er, der allein alles weiß, für gut befindet: "Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden" (Rö 12:18). Diesen Frieden sollen wir stiften, ja ihn mit allen Kräften erstreben, denn damit säen wir aus, was wir einmal als Frucht unserer von Gott geschenkten Gerechtigkeit werden ernten dürfen (Jak 3:18): unsere Seligkeit (Mt 5:9).

16-19 Was für ein Trost! "Des HERRN Augen schauen alle Lande, daß er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind" (2Chr 16:9). Der Allmächtige selbst durchforstet mit Seinem alles durchdringenden Blick (Heb 4:13, Offb 19:12) das Weltgeschehen und achtet dabei besonders auf das flehentliche Rufen der durch Christus Gerechtfertigten.

Doch ihm sind auch die Boshaften nicht verborgen. Ja, der unermessliche Ernst Seiner Missbilligung und Sein eisernes Urteil über ihr böses Tun richten sich mit unwiderstehlicher Gewalt gegen sie und kennen nur ein Ziel: jeden einzelnen unter ihnen, wenn sie nicht umkehren von ihrer Bosheit und praktizierten Gottlosigkeit, zu vernichten (Ps 73:17ff).

Das Schreien der Gerechten aber hört der Ewige und reißt sie aus aller Not; Ja, er ist ganz nah bei denen, deren Herz über der eigenen Sündhaftigkeit zerbrochen wurde und deren Seele, vor lauter Kummer über den eigenen Mangel und über das Leid in der Welt, zersplittert am Boden liegt. Gerade ihnen, die begriffen haben, dass sie nur unnütze Kechte sind (Lk 17:10), gilt die volle Verheißung der Hilfe Gottes.

20-23 Ja, nicht nur die Verheißung der göttlichen Hilfe, sondern die Gnade und Liebe Gottes, die in dem, was Gott in Christus am Kreuz für uns tat, ihren Höhepunkt fand. Und so spricht es David in prophetischer Rede über Christus, dem allein Gerechten aus: Er, der von keiner Sünde wusste, musste leiden, wurde "für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt" (2Kor 5:21). "Wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Doch, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen" (Jes 53:4).

Doch trotz des unermesslichen Leidens, welches Christus auf sich nahm, wurde sein Gebet erhört. Ja Gottes Hilfe und Seine unverrückbare Vorsehung gingen so weit, dass wir im Neues Testament lesen, das Christus "in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht [hat], der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt" (Hebr 5:7). Und es heißt: "er hat ... ihn von den Toten auferweckt" (Apg 17:31). So unumstößlich ist der Plan Gottes, so groß Seine Allmacht und Vorsehung, dass selbst die feindlichen römischen Besatzungsmächte, ohne es zu wissen, Seine Verheißungen erfüllen halfen, als sie "zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war" und "brachen ... ihm die Beine nicht" (Joh 19:33).

Angesichts der zuvor gelehrten Tatsachen, dass wahre Gottesfurcht sich im Reden und im Tun offenbart und Gott die Bösen strafen, den Gerechtfertigten jedoch helfen wird, warnt und tröstet David zum Schluß noch einmal: Wer sich Gottes Sohn nicht beugt, sein Gesetz verachtet und Christus hasst, der ihn bis in den Tod geliebt hat, der fällt in größte Schuld vor Gott. Wer in der Gottesferne
bleibt und in der autonomen, selbstgerechten Feindschaft, ja im Haß gegen Christus verharrt und sich nicht durch Christi Liebe am Kreuz mit Gott versöhnen lässt, der wird, das steht auf ewig fest, katastrophal ums Leben kommen.

Wer seine Gerechtigkeit jedoch allein von Gott erwartet, sich Ihm und Seinem Willen unterwirft, dessen Leben wird, vom Ewigen Selbst, freigekauft von aller Schuld. Und wer Ihm aus Dankbarkeit für Seine unverdiente Gnade von Herzen dient, dessen Leben wird erlöst "von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes" (Rö 8:21) und mündet eines Tages in die ersehnte "Erlösung unseres Leibes" (Rö 8:23).


Praktische Anwendung

1. Vertraue Gott, dem Ewigen, der Deine Not sieht und Deine Gebete hört
2. Glaube Ihm, dessen unwiderstehliche Vorsehung auch Dir Hilfe sein wird
3. Folge Ihm und Seinem Gebot - in Worten, im Vertrauen und in liebender Tat


[Predigt als MP3]