Samstag, 22. Juni 2019

„Für‘s Evangelium leiden?!“ - 2. Tim 2,9-13

Struktur

[Predigt als MP3]
  • Einleitung
  • Predigt
  •  - Unser Text
  •  - Geduld
  •  - Der Zweck
  •  - Das Ziel
  •  - Der Weg
  •  - Die Kraft
  • Zwei Fragen an Dein Herz


Einleitung: „Brand im Notre Dame & Münchner Waisenhaus“

Am 1. Mai 2019 hat es im Münchner Waisenhaus gebrannt. – Aber keine Angst: Alle Kinder wurden gerettet. Aber stellt Euch einfach nur mal vor, es wäre so gelaufen: die Leute vom Waisenhaus rufen bei der Feuerwehr an, jemand nimmt den Hörer ab – und gibt so eine Antwort: 

"Wie? Es brennt?! So ein Quatsch! Sowas wie Feuer und Brände gibt’s doch gar nicht! Legen Sie sich mal ruhig wieder schlafen!" Oder so: "Also hören Sie mal! Wieso rufen Sie hier an?! Wissen Sie, wie spät es ist?" Oder so: "Wie? Es brennt?! Ja, was geht mich das an?! Hab ich das gelegt?! Löschen Sie‘s doch selber ihr olles Feuer!!" Oder so: "Wie? Feuer?! Wissen Sie, wie gefährlich das ist?! Nee, lassen Sie mal, das ist mir echt zu heiß!" Oder sogar so: "Wie? Es brennt?! Jetzt machen Sie mal keine Panik! Das wird schon..."

Erwarten wir nicht, wie selbstverständlich folgendes: Dass die Feuerwehr allzeit bereit ist? Bereit auch Leid zu ertragen? Weil die Feuerwehrleute wissen, dass löschen eine gute Sache ist? Weil sie wissen, wie schön das Leben ist - und es denen wünschen, die im Feuer gefangen sind? Weil sie wissen, dass ihr Dienst Leben rettet? Weil sie wissen, dass genau das am Ende ihre Ehre ist: dass sie ihr Leben für die Freude anderer gewagt haben? Weil sie wissen, dass es für ihren Dienst einfach keine Alternative gibt? (wohl wissend: letztlich ist alles in Gottes Hand)?


Unser Text - 2. Timotheus 2, 9-13

[...] nach meinem Evangelium, 9 für welches ich leide bis dahin, dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. 10 Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit.

11 Das ist gewisslich wahr: 
Sterben wir mit, so werden wir mit leben; 
12 dulden wir, so werden wir mit herrschen; 
verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 
13 sind wir untreu, so bleibt er doch treu; 
denn er kann sich selbst nicht verleugnen.


Aktive Geduld – Drunter bleiben – Vers 9+10 „Darum dulde ich alles...“

Der Kontext: Paulus liegt – weil er das Evangelium weiter gegeben hat – im Gefängnis in Rom – angekettet, wie ein Verbrecher – und wartet wohl auf seinen Tod. 

Bei der Vorbereitung der Predigt habe ich mich gefragt: „Wie würde ich wohl reagieren, wenn mir das passieren würde?!“ Dabei ist mir eine Phrase – und in dieser Phrase ein kleines Wort – besonders ins Gesicht gesprungen: „Darum dulde ich alles...“ Das Wort, was hier für „dulden“ steht, heißt: „ὑπομένω“ – es setzt sich zusammen aus den Wörtern „ὑπο“ (unter) und „μένω“ (bleiben) – heißt also: „ darunter bleiben, ertragen, erdulden“.

Als ich das Wort las und – in dieser Zusammensetzung – seine Bedeutung verstand, musste ich an eine Begegnung von vor vielen Jahren denken (es muss auf einer Freizeit in Wiedenest gewesen sein oder auf Besuch bei Freunden in der Nähe von Rotenburg, ich weiß es nicht mehr genau),  da sprach ich mit einem (damals für mich) „älteren“ Bruder über das Thema „Geduld“. Er gab mir dann Zeugnis von seinem eigenwilligen und rebellischen Wesen und wie Gott den Zusammenbruch seiner Firma benutzt hatte, um ihn Demut zu lehren – und zu lehren, dass es Gott ist, der in allem den ersten Platz einnehmen sollte, der voran geht, den Weg vorgibt und dem wir im Vertrauen und im Gehorsam nachfolgen sollen. Und in eben diesem Zusammenhang benutzte er diese Formulierung: „drunter bleiben“.

Heute sehe ich, wo er diese Phrase her hatte – und warum sie so wichtig für uns ist: im Angesicht von Anfechtung und Leid ist es unsere alte Natur, die aufbegehren und rebellieren will: – sie will nicht leiden – sie will nicht „drunter bleiben“ – sie will ihren Willen – und zwar „jetzt gleich!“ – Nicht so Paulus: er bleibt aktiv/freiwillig(!) „drunter“.


Die Freude der anderen – Um der Auserwählten willen... – Vers 10 „...um der Auserwählten willen, damit auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit.“

Aber wie bringt Paulus das fertig? Wieso randaliert er nicht gegen Gott? Wieso zetert und lamentiert er nicht in seiner Zelle und fragt: „Mein Gott, warum?!“ Wie kann er so was sagen: „Darum dulde ich das alles...“? Wie bringt er das fertig?

Ich denke, dass uns Paulus in diesem Text mindestens 3 Gründe darauf angibt, was ihn zu dieser Haltung befähigt – und hinter diesen 3 Hinweisen steht – so glaube ich – wohl noch etwas 4. – was all diesen Hinweisen gemeinsam ist.

Den ersten dieser Gründe habe ich „Den Zweck“ genannt. Er beantwortet die Frage „wozu“ Paulus dieses Leiden auf sich nimmt. Was ist der „Mehrwert“? Was „bringt“ es, dass Paulus so leidet? Die Antwort von Paulus ist ziemlich klar: „damit auch die Auserwählten die Seligkeit erlangen – in Christus – mit ewiger Herrlichkeit“. Paulus ist offensichtlich klar, dass Erlösung kein „Selbstläufer“ ist – er weiß: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ (Römer 10,17). Im Bilde von der Feuerwehr: ihm ist klar, dass er die Ungläubigen nicht sich selbst überlassen kann und sagen „Wie? Es brennt?! Jetzt machen Sie mal keine Panik! Das wird schon... (von ganz alleine)“. 

Und ganz offensichtlich ist ihm auch noch etwas anderes klar: nämlich, was passieren würde, wenn er sagen würde: „Wie? Es brennt?! So ein Quatsch! Sowas gibt’s doch gar nicht! Legen Sie sich mal ruhig wieder schlafen.“ Denn: „...ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6). Jesus hat das ganz klar gepredigt: „fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“ (Mt 10,28). Die Frage ist nur: glauben wir das? Also letztlich: dass der Glaube aus der Predigt kommt - und ohne Glauben niemand den Himmel erreicht?


Das eigene Lohn – Um seiner selbst willen... – Verse 11f „Sterben wir mit, werden wir mitleben; dulden wir, werden wir mitherrschen“

Paulus hat noch einen 2. Grund, der ihn motiviert, das Evangelium weiter zu sagen. Einen 2. Grund, der ihn motiviert, auch dann nicht damit aufzuhören, wenn das Leiden bedeutet: Er hat begriffen, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen unserem Handeln und dem, was uns im Himmel erwartet. Er hat begriffen, dass das, was uns im Himmel erwartet, kein Automatismus ist – sondern absolut damit zu tun hat, was wir auf Erden getan haben.

In 1Kor 3,8b-15 beschreibt er das so: „Jeder aber wird seinen Lohn empfangen nach seiner Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen. Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“.

Paulus war also klar: „Von nichts kommt nichts!“. – Ihm war aber auch klar, wie unfassbar überschwänglich unser Lohn sein wird: Römer 8:18 schreibt er: „...ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ – Ich denke, es ist nicht zu viel, zu sagen, dass Paulus davon überzeugt war, dass „das bisschen, was es hier zu leiden gibt“ in überhaupt gar keinem Verhältnis steht zu dem, was an Lohn in der Herrlichkeit dafür auf uns wartet.  „Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit...“ (2Kor 4,16)


Der schmale Weg – Weil es nicht anders sein kann... – Vers 12+13 „verleugnen wir, wird er uns auch verleugnen; sind wir untreu, bleibt er doch treu; “

Der 3. Grund, den Paulus nennt, warum er das Evangelium weiter gibt – auch, wenn das für ihn Leiden bedeuten sollte – finden wir in den Versen 12 und 13: Paulus macht hier 2 Dinge ganz unmissverständlich klar: den Ernst und die Güte Gottes – von denen er in Römer 11,22 schreibt: „Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden. “

Paulus sagt damit ganz klar, dass 1. „vom Glauben abfallen“ keine Option ist, denn es hätte – wenn es denn überhaupt möglich wäre – zur Folge, „abgehauen“ zu werden. Das ist ja auch logisch: Wenn es tatsächlich „ohne Glauben unmöglich ist, Gott zu gefallen“ (Hebr 11,6) und wenn tatsächlich ohne Glauben „Leib und Seele in der Hölle verderben“ (Mt 10,28), dann ist auch klar, warum es keine Option ist, den Glauben angesichts von Leiden aufzugeben. Oder wie Jesus es sagt: „Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel.“ (Lukas  9,26)

Zum 2. macht Paulus aber auch klar, dass unsere Erlösung letzten Endes nicht auf unseren Schultern ruht –hier öffnet sich im Text für uns ein Blick direkt in das Herz Gottes hinein! – ein Blick auf Seine Treue und Barmherzigkeit – auf Seine Geduld mit uns und Seine Gnade: 
Sind wir einmal „untreu, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen.“
Da, wo wir – entgegen dem Wollen unseres neuen Menschen – versagen, da trägt uns Seine Gnade. Jesus weiß: „Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach.“ (Mt 26,41) Darum hat er uns versprochen: „Wenn wir [...] unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1Jo 1,9). Nur darum kann Paulus seine eigene Frage „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ beantworten mit: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ (Rö 7,24-25)


Die Kraft Gottes – Der Blick nach oben... – Verse 10-13 „Seligkeit [...] ewige Herrlichkeit. [...] mitleben [...] mitherrschen [...] bleibt treu.

Paulus ist willig, für die Predigt des Evangeliums zu leiden, weil er 3 gute Gründe hat: 

Zum 1. möchte er, dass die von Gott Auserwählten das Evangelium hören und zum Glauben finden und so für alle Ewigkeit gerettet werden vor dem gerechten Zorn Gottes über ihre Sünden – ja, dass sie – vielmehr noch! – für alle Ewigkeit glücklich und selig werden – ja, dass sie eine ewige Herrlichkeit erlangen.

Zum 2. ist ihm wichtig, dass auch er selbst dahin kommt, mit Christus zu leben und zu herrschen – weil ihm klar ist, dass das, was im Himmel auf ihn wartet, nicht allein ein Geschenk ist (das wäre schon ein Leben in Ewigkeit ohne Schmerz und Sünde), sondern dass es etwas zu tun hat mit dem Lohn für seine Werke hier auf Erden (wohl wissend, dass es „Gott ist, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ (Phil 2,13)

Zum 3. haben wir gesehen, dass Paulus klar war, dass es auch gar nicht anders sein kann, als dass er das Evangelium predigt. Zum einen, weil die Verleugnung Christi keine Option ist – und zum anderen, weil Er sich von Gottes Gnade getragen weiß.

Hinter all diesen Gründen zeichnet sich für mich ein 4. Grund ab – der alle anderen Gründe in sich schließt. Der Grund, der Paulus die Kraft gibt, das alles auszuhalten – es ist der „Blick nach oben“ – auf Christus, auf die Herrlichkeit, in die Ewigkeit, auf den so übergroßen Lohn und auf die ewige und unbeschreibliche Freude, die uns erwartet. Darum sagt Hebräer 12,1-2 : „Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so große Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die uns so leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“


Zwei Fragen an Dein Herz

Was möchtest Du ändern, um Gottes Herrlichkeit (noch) tiefer zu begegnen?
Wo (noch) kannst Du Gottes Evangelium mit anderen teilen?


„So spiegeln wir alle
mit aufgedecktem Angesicht
die Herrlichkeit des Herrn wieder. 
Und wir werden seinem Bild 
immer ähnlicher, 
denn seine Herrlichkeit 
verwandelt uns.“ 

(2. Korinther 3,18)

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