Montag, 26. Januar 2026

Johannes Evangelium 6,16–21

 


Das Buch der Zeichen - Das 5. Zeichen - Jesus geht über das Wasser 

Am Abend nach der Speisung der 5.000 stiegen seine Schüler wieder vom Berg herunter und in das Boot, um über den See zurück nach Kafarnaum (oder Kapernaum) zu fahren. Übrigens nicht ganz freiwillig, denn bei Matthäus lesen wir, dass Jesus sie quasi genötigt hatte, in das Boot zu steigen.

Und so ruderten sie los. Inzwischen war es Nacht geworden und ein schwerer Sturm war aufgezogen. Jesus‘ Schüler mussten sich mit ihrem Boot inzwischen durch hohe Wellen kämpfen. Es war dunkel. Und sie waren allein. Mit diesem Bild beschreibt Johannes die existenzielle Not, in die wir in diesem Leben geraten können.

Obwohl sie schon seit dem Abend wie wild um ihr Leben ruderten, waren Sie nicht weiter gekommen, als bei gutem Wetter in wohl einer Stunde. Man kann sich ihre innere Not kaum vorstellen. Und dann sehen Sie, durch die vom Sturm aufgepeitschte Gischt, eine Gestalt in der Finsternis, die über das Wasser geht. Kein Wunder, dass sie in eine Panik gerieten, als sei der Klabautermann hinter ihnen her.

Was Jesus ihnen dann sagt, lässt sich nicht so einfach ins Deutsche übersetzen. Die Worte „ἐγώ εἰμι!“ (ego eimi), die hier im griechischen Grundtext stehen, stehen auch in der Septuaginta, einer Übersetzung des Alten Testaments ins Altgriechische. Und zwar an der Stelle, in der Gott der Allmächtige sich Mose offenbart, als der ihn vor dem brennenden Dornbusch nach seinem Namen fragt: „JHWH!“ Dieses „JHWH!“ oder „ἐγώ εἰμι!“ aber bedeutet auf Deutsch nicht weniger als „Ich bin Der Ewig Seiende!“

Mit dieser Selbstoffenbarung ändert sich die ganze Szene: Ihre Angst ist verflogen, und sie wollen ihn bei sich haben. Mit dem Bild des Bootes, das sofort an Land ist, malt Johannes uns dabei vor Augen, wie auch in den Stürmen unseres Lebens sofort Ruhe einkehren kann: wenn wir nur erkennen, dass Jesus der Allmächtige Gott ist und ihn bei uns haben wollen. Weil er keine Gefahr für uns ist. Weil er für uns ist.

O-Ton: Als es Abend geworden war, gingen seine Jünger zum See hinunter. Sie stiegen in ein Boot, um über den See nach Kafarnaum zurückzufahren. 

Es wurde Nacht und Jesus war immer noch nicht zu ihnen gekommen. Das Wetter war sehr stürmisch und das Wasser schlug hohe Wellen. 

Die Jünger hatten eine Strecke von etwa fünf Kilometern zurückgelegt, da sahen sie plötzlich Jesus, wie er über das Wasser ging und sich ihrem Boot näherte. Die Angst packte sie. 

Aber Jesus sagte: »Habt keine Angst, ich bin's!« Sie wollten ihn zu sich ins Boot nehmen. Aber da waren sie auch schon am Ufer, dort, wo sie hinwollten. (Joh 6,16–21)

Dienstag, 20. Januar 2026

Johannes Evangelium 6,1–15

 


Das Buch der Zeichen - Das 4. Zeichen - Jesus macht mehr als 5.000 Menschen satt


Was sind Zeichen und Wunder? Klar ist auf jeden Fall, was sie nicht sind: sie sind keine Mythen oder Sagen. Keine billigen Tricks zur Bespaßung der Menge. Sie sind vielmehr Jesus' Personalausweis: sie bezeugen, dass er tatsächlich der ist, der er behauptet zu sein: der Mensch gewordene Gott.

Dass sie echt sind, zeigt sich vor allem daran, dass sich immer wieder Tausende auf den weiten Weg machen, um ihm zu begegnen; seine Hilfe zu suchen. Weil sie das Unglaubliche bereits gesehen und live erlebt haben: dass Blinde plötzlich sehen und Lahme plötzlich gehen können; dass die sonst Unheilbaren gegen jede Erwartung geheilt werden.

Auch deswegen waren sie ihm quer über den ganzen See, bzw. drum herum gefolgt. Um die 5.000 Männer; dazu noch Frauen und Kinder. Dimensionen eines Rockkonzerts. Und Jesus nutzt diese Gelegenheit, um seinen Schülern etwas Wesentliches beizubringen. 

Wohl wissend, dass neun Monatslöhne nicht ausreichen würden, diese Menge satt zu machen, fordert er seinen Schüler Philippus heraus, sich Gedanken darüber zu machen, wo sie jetzt genügend zu essen herbekommen.

Alles, was ihnen zur Verfügung stand, waren läppische 5 Fladenbrote und 2 kleine Fischlein. Doch für Jesus war das genug. Er sagt zu Gott dem Vater über dem Wenigen das Dankgebet und das Unfassbare geschieht: alle werden satt, und es ist noch in Hülle und Fülle übrig. Der Lerneffekt für seine Schüler? Jesus ist und bringt Leben. Und wo wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind, fangen Gottes Möglichkeiten erst an. 

So viel Macht in den Händen des Messias verleitete das Volk dazu, zu hoffen, er würde als irdischer König den römischen Besatzern die Stirn bieten. Aber so tickt Jesus nicht. So funktioniert auch sein Reich nicht. Was er sich wünscht, ist keine militärische Bekämpfung des Bösen mit Macht und Tod, sondern eine Verwandlung von innen heraus; aus dem Herzen: durch Gnade, Umkehr und Liebe. Darum zieht er sich am Ende zurück: er will nicht ihr Tyrann werden; er ist unser Heiland.

O-Ton: Danach fuhr Jesus über den See von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. Eine große Menge Menschen folgten ihm, weil sie seine Wunder an den Kranken gesehen hatten. 

Jesus stieg auf einen Berg und setzte sich mit seinen Jüngern. Es war kurz vor dem jüdischen Passafest. Jesus blickte auf und sah die Menschenmenge auf sich zukommen. Er wandte sich an Philippus: »Wo können wir Brot kaufen, damit alle diese Leute zu essen bekommen?« Das sagte er, um Philippus auf die Probe zu stellen; er selbst wusste schon, was er tun würde.

Philippus antwortete: »Zweihundert Silberstücke wären nicht genug, um so viel zu kaufen, dass jeder auch nur einen Brocken abbekommt.« Andreas, ein anderer Jünger, der Bruder von Simon Petrus, sagte: »Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das schon bei so einer Menschenmenge?« 

»Sorgt dafür, dass die Leute sich setzen«, sagte Jesus. Es gab viel Gras an dem Ort. Sie setzten sich; ungefähr fünftausend Männer waren da. Jesus nahm die Brote, sprach darüber das Dankgebet und verteilte sie an die Menge. Mit den Fischen tat er dasselbe, und alle hatten reichlich zu essen. 

Als sie satt waren, sagte er zu seinen Jüngern: »Sammelt die Brotreste auf, damit nichts verdirbt.« Sie taten es und füllten zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben. 

Als die Leute das Wunder sahen, das Jesus vollbracht hatte, sagten sie: »Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll!« Jesus merkte, dass sie drauf und dran waren, ihn mit Gewalt zu ihrem König zu machen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, ganz für sich allein. (Joh 6,1–15)

Dienstag, 13. Januar 2026

Johannes Evangelium 5,39-47

 


Das Buch der Zeichen - Das Zeugnis für den Sohn, Teil 2

Die Pharisäer machen einen kapitalen Fehler: nicht theologisches Wissen führt zur Erlösung, sondern das Einssein mit Gott in und durch Jesus. Ewiges Leben ist kein Ergebnis religiöser Studien oder theologischer Forschung. Ewiges Leben ist ein Geschenk, dass nur er, der Ewige, selbst verschenken kann: indem er sich selbst verschenkt an alle, die zu ihm kommen.

Jesus geht es mit dieser Aussage nicht darum, sich selbstherrlich in den Mittelpunkt zu stellen. Was er sagt, sagt er nicht, weil er will, dass sich alles um ihn dreht. Alles was er sagt und tut hat nur einen Grund: Gottes Auftrag, uns Menschen zu retten. Um so schlimmer ist es, dass die Pharisäer zwar jedem selbst ernannten „Heilsbringer“ gerne hinterher laufen, aber ihn — die Quelle ewigen Lebens — ablehnen. Weil sie Gott nicht wirklich lieben.

Ihnen geht es nicht um eine liebende Beziehung zu Gott; darum, in seinen Augen wertgeschätzt zu sein. Ihnen geht es allein um die Zustimmung und den Beifall untereinander. Und genau diese falsche Ausrichtung ihrer Herzen steht dem wahren Glauben und damit ihrer Rettung im Weg.

Jesus kam nicht in die Welt, um uns zu verurteilen, sondern um uns zu retten (Joh 3,17). Deshalb warnt er die Pharisäer vor ihrem selbstgebauten Dilemma: es sind die Worte Moses‘, die sie verurteilen. Moses hatte nämlich in Prophetien (z.B. 5. Buch Mose 18,15–19) auf Jesus hingewiesen und ausdrücklich verlangt, auf ihn zu hören. Wenn sie aber nicht auf Moses hören, obwohl sie auf ihn hoffen, wie können sie dann an Jesus glauben, auf den doch Moses zeigt? 

O-Ton: Ihr forscht doch in den Heiligen Schriften und seid überzeugt, in ihnen das ewige Leben zu finden – und gerade sie weisen auf mich hin. Aber ihr seid nicht bereit, zu mir zu kommen und so das ewige Leben zu haben. 

Ich bin nicht darauf aus, von Menschen geehrt zu werden. Außerdem kenne ich euch; ich weiß, dass in euren Herzen keine Liebe zu Gott ist. Ich bin im Auftrag meines Vaters gekommen, doch ihr weist mich ab. Wenn aber jemand in seinem eigenen Auftrag kommt, werdet ihr ihn aufnehmen. 

Wie könntet ihr denn auch zum Glauben an mich kommen? Ihr legt ja nur Wert darauf, einer vom andern bestätigt zu werden. Aber die Anerkennung bei Gott, dem Einen, zu dem ihr euch bekennt, die sucht ihr nicht. 

Ihr braucht aber nicht zu denken, dass ich euch bei meinem Vater verklagen werde. Mose klagt euch an, derselbe Mose, auf dessen Fürsprache ihr hofft. Wenn ihr Mose wirklich glaubtet, dann würdet ihr auch mir glauben; denn er hat über mich geschrieben. Da ihr aber seinen geschriebenen Worten nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen gesprochenen glauben?« (Joh 5,39-47)