Sonntag, 20. Juli 2014

Dank und Bitte (Ps 40:1-18)

Text 

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen. 2 Ich harrte des HERRN, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien. 3 Er zog mich aus der grausigen Grube, aus lauter Schmutz und Schlamm, und stellte meine Füße auf einen Fels, daß ich sicher treten kann; 4 er hat mir ein neues Lied in meinen Mund gegeben, zu loben unsern Gott. Das werden viele sehen und sich fürchten und auf den HERRN hoffen. 5 Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN und sich nicht wendet zu den Hoffärtigen und denen, die mit Lügen umgehen! 6 HERR, mein Gott, groß sind deine Wunder und deine Gedanken, die du an uns beweisest; dir ist nichts gleich! Ich will sie verkündigen und davon sagen, wiewohl sie nicht zu zählen sind. 7 Schlachtopfer und Speisopfer gefallen dir nicht, aber die Ohren hast du mir aufgetan. Du willst weder Brandopfer noch Sündopfer. 8 Da sprach ich: Siehe, ich komme; im Buch ist von mir geschrieben: 9 Deinen Willen, mein Gott, tue ich gern, und dein Gesetz hab ich in meinem Herzen. 10 Ich verkündige Gerechtigkeit in der großen Gemeinde. Siehe, ich will mir meinen Mund nicht stopfen lassen; HERR, das weißt du. 11 Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem Heil rede ich. Ich verhehle deine Güte und Treue nicht vor der großen Gemeinde. 12 Du aber, HERR, wollest deine Barmherzigkeit nicht von mir wenden; laß deine Güte und Treue allewege mich behüten. 13 Denn es haben mich umgeben Leiden ohne Zahl. Meine Sünden haben mich ereilt; ich kann sie nicht überblicken. Ihrer sind mehr als Haare auf meinem Haupt, und mein Herz ist verzagt. 14 Laß dir's gefallen, HERR, mich zu erretten; eile, HERR, mir zu helfen! 15 Schämen sollen sich und zuschanden werden, die mir nach dem Leben trachten, mich umzubringen. Es sollen zurückweichen und zuschanden werden, die mir mein Unglück gönnen. 16 Sie sollen in ihrer Schande erschrecken, die über mich schreien: Da, da! 17 Laß deiner sich freuen und fröhlich sein alle, die nach dir fragen; und die dein Heil lieben, laß allewege sagen: Der HERR sei hoch gelobt! 18 Denn ich bin arm und elend; der Herr aber sorgt für mich. Du bist mein Helfer und Erretter; mein Gott, säume doch nicht!


Kommentar

Zusammenfassung

In einer schlimmen Notsituation, umringt von mordlustigen Feinden und in der unsichtbaren Welt von seinen Sünden, wartet David geduldig auf das gnädige Eingreifen des allguten und allmächtigen Gottes; und wird erhört. Die Errettung Gottes führt David in die Anbetung und in die Mission und er verkündigt prophetisch Christus, den Bringer des Evangeliums Gottes. Dieser Gott ist es, den David um Gnade, Schutz und Hilfe bittet. Seinen Feinden wünscht er Schimpf und Schande, den Gottefürchtigen dagegen Freude und Lob. Sich selbst aber, dass Gott ihn nicht versäumen möge.


Struktur

1 Diesen Psalm dichtete David zum Vortrag vor der Gemeinde.

2-5 David trotzt aller seiner Not in Geduld und wartet, Gottes Wesen und Werk vor Augen, auf dessen gnädiges Eingreifen. Und er wird erhört: der Herrscher des Alls neigt sich liebend zu ihm herab, hilft ihm aus Sünde und Not hinauf auf den Felsen des Glaubens und der Gerechtigkeit und legt David damit, vielen zur Hoffnung, ein Loblied auf die Lippen.

6-11 Von Wunder seiner Errettung ergriffen, findet David in die Anbetung und in die Mission. In dem Wissen, dass es Gott um Bussfertigkeit und Gehorsam geht, scheint durch Davids Worte der Christus durch, der das Evangelium Seiner Gerechtigkeit nicht vor uns verbirgt.

12-14 Diesen allein guten, gnädigen und barmherzigen Gott bittet David, angesichts der Unzahl seiner Sünden, ihn aus freier Gnade zu erretten und um den Schutz und die Hilfe Seiner Gegenwart - auf allen Wegen.

15-16 Seinen mordgierigen Feinden aber wünscht er Schimpf und Schande und sich selbst, dass sie von ihm weichen mögen.

17 Den Gottesfürchtigen aber, die Seine Errettung lieben, wünscht er Freude, Fröhlichkeit und jederzeit ein Lob auf den Lippen.

18 David schließt dieses Vortragslied mit dem Bekenntnis seines Glaubens an Gottes Hilfe, Rettung und Fürsorge und mit dem Gebet um Gottes baldiges Eingreifen. 


Inhalt

1 Diesen Psalm dichtete David als Vortragslied, damit er vorgesungen würde.

2-5 Das ist die wohl größte Kunst, die David hier beschreibt: in allem Leid und aller Not nicht zu verzagen, nicht davon zu laufen, nicht abtrünnig zu werden, sondern, wider allen Schein und alles Fühlen, auf Gott zu warten, ja auszuharren, bis Er uns gnädig sei. Und so wartet David und führt sich Gott, Sein Wesen, Seinen Plan und Sein Werk vor Augen. Und dieses Aushalten, dieses demütige Warten, wird von Gott belohnt: aus höchster Höhe, von Seinem Thron im Himmel, auf dem Er seit Ewigkeiten mit souveräner Majestät und Herrlichkeit das All regiert, neigt er sich als der liebende Vater zu uns herab. Herunter in das Dunkel und in die Tiefe, in das Leid und in den schreienden Schmerz unserer von Gott gefallenen Welt. Erhört uns zu. Schenkt uns aus tiefstem Herzen Seine Aufmerksamkeit. Weil Er uns liebt. 

So erhörte Er auch das verzeifelte Rufen Davids und zog ihn aus dem tiefen Loch, aus dem er sich selbst nicht befreien konnte; aus der schrecklichen Situation des Leidens aufgrund von Sünde (V13) und Verfolgung (V15); hinaus aus Schmutz und Schlamm, hinauf auf den Felsen Christi (1Kor 10:4) und Seiner Gerechtigkeit, die allein aus dem Glauben an Christus kommt (Rö 1:17, 3:28). Hier steht David endlich auf festem Grund, ist in Sicherheit und findet Halt unter den Füßen, um sichere Schritte zu tun auf seiner Pilgerreise durch diese Welt (1Chr 29:15).

Mit dieser Rettung aus Leid und Not hat Gott in Davids Herzen ein neues Lied geboren, das er nun fröhlich singen kann: sein Mund fließt, von der Quelle der Dankbarkeit gespeist, über vom Lob Gottes. Und David ist sicher: von diesem Zeugnis seiner Errettung und Dankbarkeit werden -wie es heute durch den Psalter in der Tat geschieht- noch viele Menschen erfahren und dadurch zur Gottesfurcht geführt werden, so dass sie ihre Hoffnung ganz auf den Einen setzen, den ewigen Herrn des Alls. Diese Menschen, die ihre Hoffnung auf den Allmächtigen setzen und -wie wir- ihr Heil nicht bei den Arroganten und Verlogenen suchen, preist David von Herzen selig.

6-11 Und er lobt den Ewigen, seinen Herrn und Gott für Seine Wunder und Seine Gedanken. Und Seiner Wunder sind viele: die Wunder Seiner Schöpfung (Ps 139,14), die Wunder in der Geschichte Israels (Ps 77,15, Mt 21,15) und die Wunder in Seinem Wort und Seinen Geboten (Ps 119,18.27). Vor allem aber das große Wunder unserer Erlösung (Ps 98,1). Dieses Wunder und die Gedanken Gottes an uns Menschen sind wahrlich unzählbar, groß, schwer und sehr tief (Ps 40,6, Ps 92,6, Ps 139,17). Und so anbetet David den Ewigen, Einen, unbegreiflichen und unvergleichlich guten, gnädigen und barmherzigen Gott (Ps 103,8). So begeistert und so glückselig ist David, dass Er diese Wunder und Gedanken Gottes weitersagen will, auf dass auch andere von Ihm hören und Ihn kennen lernen mögen.

Das Wesen und die Wunder Gottes bleiben bei David nicht ohne Wirkung. Und so nimmt er uns in den nächsten Versen mit hinein in seine überströmende Freude und beschreibt uns, was ihm Gott und Sein Tun bedeuten; dabei scheint es so, als würden sich Selbstaussage und Prophetie überlagern, denn was David dichtet, findet sich 1.000 Jahre später in Christi Wesen und Werk in Vollendung wieder:

Er weiß, dass Gott nicht am Opfer als Solchem gelegen ist, weder am Schlachtopfer noch am Speisopfer; weder an unserem Bemühen um Vergebung noch an unserer ausdrücklichen Dankbarkeit (vgl. 3Mo 6:1ff). Sondern daran, dass wir Ihn mit offenen Ohren hören, wo Er in Seinem Wort zu uns spricht; diese offenen Ohren sind gleichwohl allein Gottes Werk: Er Selbst muss sie uns in der Wiedergeburt auftun, denn: "wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht" (1Joh 4:6, vgl. Joh 3:3). Gott will nur um unseretwillen unseren Gehorsam, denn: "So wahr ich lebe, spricht Gott der HERR: ich habe kein Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß der Gottlose umkehre von seinem Wege und lebe" (Hes 33:11). Unsere hörende, gehorchende Bussfertigkeit ist es also, die Gott so wichtig ist, "Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein geängsteter Geist, ein geängstetes, zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten" (Ps 51:19). 

Zu diesen zerbrochenen Herzen kommt Christus gern, Ihnen das Evangelium zu predigen; die Gerechtigkeit, mit der Er "gerecht macht den, der da ist aus dem Glauben an Jesus" (Röm 3,26). Diese Gerechtigkeit, derer wir so sehr bedürfen, verbirgt unser Heiland nicht in Seinem Innersten, sondern predigt sie durch das Wort Seiner weltweiten Kirche und lässt sich von nichts und niemandem den Mund verbieten. So bezeugt Ihn Johannes: "wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14). Und so steht es schon in der Schrift. Denn wie die Chroniken oder die Bücher der Könige von David berichten, so ist es bei Christus die ganze Schrift des Alten Testaments für die gilt: "sie ist's, die von mir zeugt" (Joh 5,39). Und was sie uns bezeugt ist das, was Christus allein in Seiner vollkommenen Heiligkeit und Gerechtigkeit von sich sagen kann: "Der Geist des Herrn ist auf mir ... zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn" (Jes 61,1-2, Lk 4:18-21). Eben dies ist der Wille Gottes. Und Christus tut ihn von Herzen gern; in Ihm ist auch diese Verheißung Gottes in Vollkommenheit erfüllt: "Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben" (Jer 31,33). Er hat nicht nur das wunderbare Gesetz Gottes (Ps 119,18) im Herzen, Er selbst ist das ewige Wort des Evangeliums von der Gnade Gottes (Joh 1,1). Und Er selbst ist die Gerechtigkeit, mit der Gott uns gerecht spricht - in Person (1Kor 1,30).

12-14 Nach dieser Erinnerung an Gott, an Seine herzliche Barmherzigkeit und Errettung, Seine Wunder und Gedanken, Seinen Willen und Werk, Seine Gerechtigkeit, Sein Wesen, Sein Evangelium, ja Seine Person fleht David Gott darum an, mit dieser Barmherzigkeit bei ihm zu bleiben, sich nicht von ihm abzuwenden. Er sehnt sich danach, dass Gott auf allen seinen Wegen bei ihm bleibt und ihn in Seinem Erbarmen, Seiner wohlwollenden Zuwendung und in Seiner Treue, die sich selbst nicht verleugnen kann (2Tim 2:13), beschützt. Denn noch immer steckt David in schwersten Leiden, die ihn umringen, wie ein unzählbares Heer. Und der Grund für diese Leiden ist David offenbar: seine Sünden haben ihn eingeholt. Woran genau David denkt, wissen wir nicht, aber es darf uns dennoch eine Warnung sein: es gibt nichts in dieser Welt, was ohne Folgen bleibt - auch unsere Sünde nicht. So überwältigt ist David von seinen Missetaten, dass sie ihm endlos groß scheinen, unüberblickbar, wie das weite Meer und unzählbar viele, mehr als er Haare auf seinem Kopf hat. Und so verzweifelt sein geängstetes Herz ganz und gar und so betet er inbrünstig und fleht zu Gott, ihn zu erretten und ihm zu helfen. Doch nicht auf sein eigenes Tun und auf seine eigene Gerechtigkeit gründet David sein Gebet -denn er weiß genau, dass er Gott nichts zu bringen hat, außer seiner großen Schuld- sondern er richtet sein Gebet rein an den freien Gnadenwillen unseres souveränen Gottes, der von sich spricht: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich" (2.Mose 33,19, Röm 9:15) und der uns -gottlob!- auch versprochen hat: "Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit" (1Joh 1:9).

15-16 Nachdem David seine Beziehung zu Gott ins Reine gebracht hat, betet er zu Ihm um seiner Widersacher willen. Schämen sollen sie sich, ihm das Leben nehmen zu wollen; Gott möge schenken, dass ihre Mordlust völlig frustriert werde. Und sie selbst sollen -Dank Gottes Hilfe- von David ablassen, ja von ihm weichen, wie von einem übermächtigen Feind. Schande wünscht er ihnen, die ihm so kaltherzig begegnen; von seinem Unglück völlig ungerührt. Und soviel Selbsterkenntnis wünscht er seinen Feinden, dass sie sich, wegen ihres schändlich bösen Wesens, das sie zu so herzlosen Worten, wie etwa "Ja, schau dir den einmal an!" hinriss, selbst anwidern.

17 Allen Menschen jedoch, die nach Gott fragen, wünscht David Freude an Seiner Person und eine leichtherzige Fröhlichkeit; ja sie, die die Erlösung Gottes herzlich lieb gewonnen haben, mögen den Namen des Ewigen zu allen Zeiten aufs höchste preisen.

18 David schließt sein Gebet mit der Erkenntnis seiner eigenen Armut und Not vor Gott auf der einen Seite; und auf der anderen Seite in dem Wissen, dass er dennoch und trotz allem von Gott versorgt wird. Denn Gott selbst ist sein Nothelfer und sein Retter. Gleichwohl, trotz aller Erkenntnis von Gottes Wesen und Gnade, Seines Werkes und Heils, drängt David noch immer seine konkrete Not und so schließt er mit dem einem Doppelten: dem Bekenntnis seines Glaubens an die treue Sorge Gottes, seines Helfers und Erretters und mit der lieben Bitte an Gott, ihn doch bitte nicht zu versäumen. 


Praktische Anwendung

1. Wenn Deine Not auch lange währt: warte auf Gott, Seine Hilfe und Seine Gerechtigkeit
2. Bete zu Gott um Hilfe & Vergebung für Deien Sünde; Er wird Dich gern erhören (1Joh 1:9)
3. Schaue mit Hoffnung auf Christus, der Dich liebt und für Deine Schuld gestorben ist